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„also: Weimarer“ – Teil IV

Immer noch Gedanken über das Zitat zum Tage (zum  3. Oktober 2020)

 

„bunt“ und „zu bunt“

Das, was man gemeinhin als Hochkultur bezeichnet, verkörperten hier in der Weimarer Pfarrei in den letzten 15 Jahren, die ich überblicke, selbstverständlich nicht nur Zugezogene aus dem Westen. Ich habe diese Gruppe im ersten Beitrag der vorliegenden PuLa-Reihe am 3. Oktober 2020 nur deshalb so ausschließlich apostrophiert, weil es zu diesem Datum und seither auch in der Lokalpresse immer mal wieder um die Frage nach einer gelungenen Wiedervereinigung ging. Das Feindbild der lange Zeit Tonangebenden hier in Herz Jesu Weimar war allerdings klar. Den 2014er Schlachtruf vom „wessifreien Kirchenvorstand“ haben wir uns schließlich nicht ausgedacht. Den gab es ja wirklich. Aber – nein, die Ausgrenzungen trafen nicht nur die „Wessis“, sondern auch Leute wie den wohl renommiertesten zeitgenössischen deutschen Opernkomponisten. Auch Weimarpreisträger Ludger Vollmer war bis vor ganz kurzer Zeit über zwei Jahrzehnte lang Gemeindemitglied in Herz Jesu Weimar. Und auch er biß sich am hiesigen Regime die Zähne aus.

Was auch unseren jetzigen Pfarrer regelrecht zu verblüffen schien, als ich es einmal formulierte, ist der Umstand, daß, wer etwas kann, dies selbstverständlich auch anderswo kann. Nicht wir Kulturschaffende brauchen diese Pfarrei als Podium (diese Ansicht scheint bei den „also: Weimarern“ vorherrschend). Sondern die Pfarrei braucht uns. „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht“ heißt es im ersten Korintherbrief (12,21). Wir haben es bereits zitiert. Diese Gedanken sind den „also: Weimarern“ meiner Erfahrung nach aber fremd. Als der Gemeindereferent im Herbst 2006 beim Elternabend der katholischen Erstklässler (die katholischen Grundschüler Weimars wurden damals alle gemeinsam im Pfarrhaus unterrichtet) in die Runde um die Bereitschaft bat, eine Kinderschola zu gründen, ging es um das Singen des in der Pfarrei bekannten Neuen Geistlichen Liedguts. Das habe ich nur ganz spät erst begriffen. Ich kam mit den Liedern, die er mir hinlegte, nicht zurecht und begann eigentlich nur aus der Not heraus, wegen Auftrittsanfragen an die Kinder, selber zu komponieren. Die ersten eigenen Lieder zu einer Taufe, zu Sankt Martin und dergleichen mochten noch hingehen. Aber als 2010 das erste Singspiel über die Bühne ging, wurde es den „also: Weimarern“ (in Gestalt des Pfarrgemeinderates) zu bunt. Man war erkennbar nicht amüsiert. Ich habe den Eindruck, daß für die „also: Weimarer“ das Motto handlungsleitend ist: ‚Sei gern erfolgreich, ist uns wurscht, nur bitte um Himmels Willen nicht in der Pfarrei und nicht mit Außenwirkung für die katholische Gemeinde. Wir sind hier unter uns und wollen das auch bleiben. Wir machen hier vor uns hin. Hoffentlich sieht uns keiner.‘

Und so zogen sich immer mehr der fleißigen und wachen, offenen und hilfsbereiten Zugezogenen wieder aus der Pfarrei zurück – zogen, im Falle von Senioren durchaus auch motiviert durch die fehlende Integration, entweder ganz und gar wieder weg, traten in die evangelische Kirche über oder engagierten sich zumindest nur noch dort. Wenn sie nicht (vor 2015) im Pfarrbüro bei der ersten Anfrage nach den Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde durch den alleinigen Hinweis auf Hilfsdienste in der Kleiderkammer der caritas von vornherein abgeschreckt wurden. Solche Menschen kennen wir auch, und sie fehlen im Gemeindeleben.

(Kurze Bemerkung zu einer anderen Stelle des Radio-Horeb-Interviews um Minute 36:00 herum, wo Pfarrer Gothe die Tatsache, daß die Kirche unbewacht den ganzen Tag geöffnet ist und wir keine Kirchenaufsicht haben – und das heißt, nebenbei bemerkt, auch: niemanden, der bei Bedarf einige Worte über die Kirche und ihre Ausstattung sagen könnte – mit dem Mangel an ehrenamtlichen Helfern für diese Aufgabe begründet. Diese Einschätzung kann ich nicht nachvollziehen, denn ich habe zum einen noch nie eine Anfrage in den Vermeldungen gehört, in der um die Bereitschaft zu einer solchen Aufsicht gebeten wurde. Zum andern muß man sagen: Wenn alle Katholikinnen und Katholiken, die in der evangelischen Stadtkirche Aufsicht tun, dies in Herz Jesu leisten würden – und warum sollten sie nicht? –, dann hätten wir schon etliche Stunden abgedeckt. Klammer zu.)

 

Desinteresse und Desintegration

Ein halbes Jahr lang hielt der damals neue Pfarrer dem Druck, der  – laut eigener Aussage –  auf ihn ausgeübt wurde, stand. Das ist leider überhaupt keine lange Zeit – wenn ich denke, wie lange meine Familie inklusive Kindern massivste Anfeindungen durchgehalten hat. Aber ungefähr um Ostern 2016 herum begann der Pfarrer sich nur noch dafür zu interessieren, wer die Kirche putzt. Im Wortsinne. Die Pfarrjugend ließ er fallen (die Umstände auszuführen, würde hier zu weit führen), obwohl er als beliebter Jugendpfarrer in Weimar Einzug gehalten hatte. Und obwohl er die Jugendlichen an seinem ersten Arbeitstag gefragt hatte, wo sie denn gemeinsam singen könnten, erwiderte er mir auf meine im Verlauf von etwa zwei Jahren immer wieder vorgetragenen Bitten um Werbung für die Chöre der Pfarrei: „Wenn ein Kinderchor eingeht, ist das doch kein Beinbruch“ – „Das ist nicht der Untergang der Arche Noah“ – „Ist doch eigentlich eine schöne Chance für einen Neuanfang“ (auf den wir nach nunmehr Jahren ohne Kinderchor allerdings bis heute warten). Nach der vierten Antwort: „Wissen Sie was, eigentlich bin ich ganz froh, wenn der Chor eingeht, damit ich endlich nicht mehr dafür verantwortlich bin“ schnitt ich das Thema nicht mehr an und machte einfach meine Arbeit.

Ich möchte diesen in verschiedenen Variationen formulierten Standpunkt an dieser Stelle einmal zur Diskussion stellen und denke, das kann ich tun, ohne ‘aus dem Nähkästchen zu plaudern’, da es ja eine seit Jahren ernsthaft vertretene Position ist, die mit Äußerungen wie „es ist mir egal, wo die Kinder Musik machen“ und „ich bin keine Musikschule“ zusätzlich flankiert wurde. Ich persönlich würde mir wünschen, daß ein Ortsgeistlicher den Wert des in der Pfarrei eingebrachten Engagements von Kindern und Jugendlichen stärker gewichtet. Wie sehen Sie das?

Aber weiter im Text: Vor einem guten Jahr sah ich dann Professor Kapsner mit einem Wischeimerchen aus der Kirche kommen (er hatte im Vorfeld der Probespiele für die Neubesetzung seiner Professur die Orgel gereinigt und fand es auch wichtig, dies selber und allein getan zu haben). Ich dachte: Ah! Jetzt ist ja alles in Ordnung. Jetzt putzt sogar der Initiator der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel. Und als die Sängerin, die mit den Herz Jesu Finken vor Jahren den Sieg im  Goldkehlchenwettbewerb in unsere Pfarrei geholt hat (was freilich auch Insiderwissen blieb), zum Gemeindefest Küchendienst tat, statt mit Kindern zu singen (weil ihrer Gruppe wie den Cäcilini und dem wieder eingegangenen Jugendchor seit Jahren der Nachwuchs fehlt), entwarf ich den Sketch zum Kuchencomputer mit dem Schlußspruch: „Erst wenn die letzte Frau im Küchendienst untergepflügt ist, werdet ihr merken, daß man sich eine Pfarrjugend nicht backen kann!“

Es sind dies beides jedenfalls klassische Beispiele für meine oben (in Teil III) festgehaltene Beobachtung, in Herz Jesu Weimar könnten sich nicht im Sinne von 1 Kor 12, 4-21 verschiedene Gaben, verschiedene Glieder des einen Leibes entfalten, sondern ein einziges Körperteil sagte zu allen andern: ‘Seid halt wie ich, dann könnt ihr auch mitwurschteln’.

Eine Erdbeertorte kann man backen. Wenn man kann (in diesem Fall kann das meine Tochter). Eine Pfarrjugend nicht (eigenes Bild)

 

Fortsetzung folgt morgen

 

Cornelie Becker-Lamers

Eilmeldung: Ehemaliger Karmel in Weimar-Schöndorf wieder bewohnt

Wir unterbrechen die Reihe der grundlegenden und zusammenfassenden Betrachtungen zur Lage der Pfarrei (die noch alles andere als abgeschlossen ist) aus gegebenem Anlaß zu einer Eilmeldung. 

Seit einiger Zeit deutete sich an, was nun vollzogen ist, vermutlich, denn genaues weiß man nicht, seit Sonntag, dem 1. November. Das Gebäude des ehemaligen Karmelitinnenklosters in Weimar-Schöndorf, das die letzten Schwestern Ostern 2020 verlassen haben, ist wieder bewohnt (zur Kirche Weimar-Schöndorf hier und hier). Von einer, nun ja, einer Art “Gemeinschaft”, die sich gestern nach Ende der Hl. Messe vorgestellt hat. Diese Vorstellung nahm Herr Nikolaus Huhn vor.

Der „Eigentlich Nicht-Mehr-Karmel“ am 8. November 2020 (eigenes Bild)

“Seit einiger Zeit”, d.h. konkret seit dem 13. Januar 2020 weiß PuLa von dieser Absicht, wobei wir allerdings davon ausgehen, der entscheidende Zeitpunkt lag irgendwo zwischen dem 19. und 21. September 2019 während der sog. “Diaspora Fachmesse pastorale!” in Magdeburg.

Wir recherchieren nun schon seit einiger Zeit zu diesem Thema mit, wie wir finden, ganz aufschlußreichen Ergebnissen. Nach Abschluß der “also: Weimarer-Reihe” werden wir Ihnen diese Ergebnisse nicht vorenthalten.

Aktuell fanden wir jedenfalls weder im analogen Pfarrblatt noch digital auf der Homepage der Pfarrei einen Hinweis auf dieses Ereignis, das jedoch, wie wir genau wissen, viele Pfarrkinder sehr interessiert und auch angeht!

Der Hirtenbrief des Bischofs zu den bevorstehenden Gremienwahlen, der gestern anstelle einer Predigt verlesen wurde, warf gerade in Bezug auf die Schöndorfer Vorgänge, unabsichtlich natürlich, ein bezeichnendes Licht auf Anspruch und Wirklichkeit der Wertschätzung der Menschen, die in Gremien tapfer versuchen, kirchliches Leben aufrechtzuerhalten,was wir übrigens immer grundsätzlich anerkennen, auch dann,wenn es nicht immer ganz nach unserem Geschmack sein sollte! 

Der Schöndorfer Kirchortrat hatte nämlich vom genauen Termin dieses folgenreichen! Einzugs genau ebensoviel Kenntnis, wie der “Rest” der Pfarrei, also gar keine. Und das war nicht das erste Mal, daß die, die sich dort seit langem abmühen, in dieser Sache draußen vor gelassen wurden, wie wir sehen werden.

Wenn nun der Hirtenbrief eben diesen Menschen dafür dankt, sie hätten dem jeweiligen “Kirchort in den letzten Jahren ein Gesicht gegeben und viel dafür getan, dass Jesus Christus [dort] präsent” blieb, dann klingt das leider in Weimar etwas hohl.

 

Gereon Lamers

 

PS: Übrigens wurde gestern auch bekannt gegeben, daß der Termin der Wahlen für die Kirchorträte (nicht für alle Gremien!) auf den 13. Juni 2021 verschoben wurde; Sie ahnen es schon, wegen “Corona”…

Überhaupt: Die Gremienwahlen! Ganz ehrlich, ich wollte innerlich mit dem Thema abschließen, zu absurd und zu ärgerlich fand ich, was da vor einigen Jahren passiert ist!
Aber das ist ja keine Haltung für PuLa, schließlich ist dieser Blog ja die weit und breit einzige unabhängige öffentliche katholische Stimme in diesem Bistum, die sich solcher Themen annimmt, oder? 😎
Und es hat sich, zumindest bistumsseitig, doch allerlei getan, offensichtlich. Also wird PuLa wohl nicht umhin können, sich erneut dieses Themas anzunehmen. Beim letzten Mal kam es dabei zu wirklich bemerkenswerten Phänomenen, die wir bisher noch nicht vollständig öffentlich gemacht haben.
Aber es ist uns auch egal, wenn sich diesmal wieder jemand was ausdenken mag: Wir haben das “Nolite timere” gehört, wovor sollen wir uns fürchten? 

 

„also: Weimarer“ – Teil III

Noch mehr Gedanken über das Zitat zum Tage (zum 3. Oktober 2020)

Im Sinne von 1Kor 12 – im Sinne des einen Leibes und der vielen Glieder, im Sinne verschiedener Charismen – so hatte ich den letzten Text beschlossen, muß die Integration der Zugezogenen gerade aus den alten Bundesländern als gescheitert betrachtet werden. Als Wegmarke dessen – wenn nicht als point of no return – kann der Wegzug der Familie des Initiators der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel dienen, der im April dieses Jahres stattgefunden hat, ohne daß irgend jemand in der Pfarrei davon Notiz genommen hätte (einige wenige Freunde natürlich ausgenommen). Wir werden auf all das genauer zurückkommen, aber um – gut hermeneutisch gesprochen – Ihren Erwartungshorizont für die Lektüre der noch folgenden Textteile von „also: Weimarer“ richtig vorzubereiten, sei zur Erläuterung vorweg geschickt: Ich werde aus meiner Sicht und nach fünfzehn Jahren eigener Erfahrung berichten, wie weit wir in Herz Jesu Weimar – einer Pfarrei, die als Dorfpfarrei geführt wird, obwohl sie es in puncto ‚Kulturellem Kapital‘ ihrer Gemeindemitglieder mit jeder Dompfarrei aufnehmen kann – von der Erkenntnis entfernt sind: „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht. Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht“ (1Kor 12,21) Hier sagen eher die Füße: ‘Sei halt ein Fuß, dann darfst du auch irgendwo mitwurschteln’. Was mit Menschen passierte, die das wirkliche Miteinander verschiedenster für die Pfarrei engagierter und lebenswichtiger Gemeindemitglieder anmahnen, haben wir am eigenen Leibe erfahren. Da wurde es in Form anonymer oder auch unterschriebener Briefe schnell explizit: ‘Was machen Sie hier für Unruhe? Verlassen Sie endlich unsere Gemeinde!’ Ein Fußtritt am ausgestreckten Arm. Und eine Person gab es auch – das wollen wir nicht vergessen, solange es in keinster Weise aufgearbeitet ist –, die hat, Gott sei Dank vergeblich, sogar versucht, per Intrige Familien, die ihr nicht paßten, die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. (Das ist ebenfalls uns, aber nicht nur uns passiert, sondern wiederholt beispielsweise auch in der Leitungsebene des katholischen Kindergartens.)

 

„also: Weimarer“. Das Zitat

In der Weimarer katholischen Gemeinde gab es eine nicht vernachlässigbare Anzahl integrations- und leistungsbereiter Familien (und als Potential gibt es sie natürlich nach wie vor), die aus den stärker katholisch geprägten Gegenden der alten Bundesrepublik zugezogen sind und in Weimar heimisch werden wollten. Wir halten den Hinweis auf diese Familien und ihre ehrenamtlichen Angebote und Dienste in der Pfarrei (meist gleich in zwei bis drei Generationen) für die passende Antwort auf eine Interviewfrage nach der Situation einer mitteldeutschen Pfarrei „seit es die DDR nicht mehr gibt“. Da die passende Antwort jedoch damals, in dem Interview von Pfarrer Gothe auf Radio Horeb (ab Minute 7:10), komplett ausblieb, haben wir sie im PuLa-Beitrag vom 3. Oktober 2020 erst einmal selber gegeben. Denn dies brachte das fortdauernde Auseinanderfallen der Gemeinde sehr gut auf den Punkt: „Wir haben hier eine Gemeinde, in der ganz stark diese Vertriebenengeneration auch da ist und ihre Kinder – also: Weimarer, aber auch eben viele Zugezogene, die sich hier mit einbringen und die das hier ganz ganz bunt und vielfältig machen.“ (Minute 8:25-42). 

Der Kampf gegen die Hochkultur

Zum besseren Verständnis: Die „Vertriebenengeneration“, das sind die heute 85- 105-jährigen. Ihnen geht es gut in den beiden vorbildlich geführten wöchentlichen Seniorenkreisen  unserer Pfarrei. Ihr aktives Engagement in der Gemeindearbeit aber hält sich in altersangemessenen Grenzen. „Ihre Kinder“ sind zwischen 55 und 75 Jahre alt. Einige von ihnen helfen in der Tat mit den closed-shop-Tätigkeiten wie Küstern und Kommunionausteilen vor allem im Meßbetrieb. Nur ganze acht Sekunden lang geht es in der oben zitierten Antwort des Pfarrers um das Engagement anderer.

Aber sind mit den Zugezogenen, die hier alles „bunt und vielfältig machen“, überhaupt jene gemeint, von denen ich im ersten Teil dieser Reihe (am 3.10.2020) geschrieben habe? Der weitere Verlauf des Interviews läßt daran erhebliche Zweifel aufkommen. „Bunt“, das sind temporäre „Farbtupfer“. Das „Temporär“ ist ganz wichtig: In Herz Jesu Weimar herrscht eine Art ‚Event-Seelsorge‘ vor. „Bunt“, das sind in dieser Antwort vor allem die wechselnden und ausländischen Studierenden, die zum Herz-Jesu-worship musizieren, vielleicht die Erwachsenen, die ein einziges Mal in der Abendmesse nach dem beispielsweise spanischen Nachmittag (einem mittlerweile wieder eingestellten monatlichen Format für Mitglieder bestimmter Sprachgemeinschaften) einen Projektchor stellen. Auf das Gemeindeleben hat solches Tun natürlich nicht im entferntesten die Auswirkung, die das regelmäßige, gerne auch ganz unbunte, traditionsbezogene und konventionelle, vor allem aber kontinuierliche Engagement fester Kreise für sich verbuchen kann – das Engagement lange Zeit nicht ausschließlich, aber vor allem der Zugezogenen aus den alten Bundesländern.

Aber wie kann man das alles vergessen? Nehmen wir nur den Initiator der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel, welchletztere die Geistlichen in jeder Messe im Blickfeld haben?

Herz-Jesu Weimar, die Franz-Liszt-Gedächtnisorgel mit Fernwerk (eigenes Bild)

Nun – „man sieht, was man zu sehen gelernt hat“, wie es so schön heißt. „Er kam ja ganz anders hier an“, sagte Pfarrer Horst Klemm (+) noch im Raphaelsheim über unseren im September 2015 nach Weimar gewechselten Pfarrer. Hw. Klemm wollte sein Wissen nicht mit ins Grab nehmen und ich hatte immer gehofft, er habe mit mehr Leuten als nur mit mir über die Situation in unserer Gemeinde geredet. Hat er vielleicht auch. Geholfen hat es augenscheinlich nichts. Das Rollback, das seit spätestens 2010 in Herz Jesu Weimar betrieben wird, hält unvermindert an und hat die gemeindlichen Aktivitäten Zugezogener schon beinahe auf Null heruntergefahren. Denn in der Tat hätte Pfarrer Gothe bei einer ehrlichen Antwort auf die Situation seit der Wende für viele der am 3. Oktober 2020 von mir aufgezählten Angebote das Präteritum nutzen müssen. Viele Ehrenamtliche wurden trotz allen Engagements nicht integriert, sondern von einer sehr kleinen Gruppe im Sinne der Analyse Prof. Widls „wichtiger“ Gemeindemitglieder – von den „also: Weimarern“ eben – mit zum Teil erheblicher psychischer Gewalt und bemerkenswert langem Atem ausgegrenzt.

PuLa schrieb immer wieder darüber (vgl. bes. hier und hier), denn diese Vorgänge haben diesen Blog ja überhaupt erst motiviert: 2011, als das erste Opfer dieser Politik im Krankenhaus lag und alle Kommunikation uns gegenüber längst unterbunden war, begannen wir zu schreiben, daß es hier eine „Räuberbande“ (in Anführungszeichen) gibt und der Priester (ohne Anführungszeichen) an den Opfern vorbeigeht (wie man das in Anlehnung an das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter formulieren könnte). Wir haben dadurch zwar etliche ehrliche Freunde gefunden. Aber die Tjost, die von den „also: Weimarern“ gegen den Einzug der Hochkultur in die Gemeindearbeit geritten wurde, konnten wir gegen die Widerstände auch des Klerus nicht aufhalten. Denn leider ist auch der Weihbischof unseres Bistums ein waschechter „also: Weimarer“ und man wurde immer den Verdacht nicht los, daß auch von dieser Seite her immer schon jemand auf der Bremse stand. Nicht nur, daß er sich beim Verbot der Kinderschola und dem Hintertreiben einer Singspielaufführung zur RKW-Wallfahrt 2012 von den schlimmsten „also: Weimarern“ vor den Karren spannen ließ.

„Keine Kinderseelsorge im Sinne der Pfarrei“: Am 6. März 2012 sammelte eine führende „also:Weimarerin“ im Beisein des Wb, aber unter Ausschluß der Öffentlichkeit zwei Drittel des PGR hinter sich, um die Kinderschola (heute Cäcilini) zu verbieten.  Das Werbeplakat einer geplanten Aufführung zum RKW-Jahresthema „Rut“ verschwand auf Nimmerwieder-sehen (eigenes Bild)

Sondern da mochte er auch zum Kirchweihjubiläum, an die Adresse der beiden auf der Orgelempore in Deckung gegangenen Meßbesucher gerichtet, die reine Freude über ein schönes neues Instrument – die Franz-Liszt-Gedächtnisorgel – anmahnen soviel er wollte. Über die Vision Professor Kapsners, Liszts liturgisches Werk wieder in Sonntagsmessen zu integrieren – die Vision also, die am Beginn der Planung der neuen Orgel stand  – machte seine Bemerkung die Runde: Naja, es müsse ja nicht jede Messe ein Konzert sein. – Nein? Wer sagt? Erinnern wir uns zum einen, was den Ehrenamtspreis unseres Pfarrsekretärs unlängst begründet hat. Und fragen uns zum andern, ob man da die Gesamtgemeinde von Herz Jesu Weimar nicht womöglich (inzwischen?) falsch einschätzt. Ich habe noch keine Messe hier erlebt, in der ein durchgearbeitetes Orgelnachspiel von wem auch immer nicht mit dem Applaus von mindestens der Hälfte der Meßbesucher belohnt worden wäre, die eigens zum Zuhören in den Bänken sitzen geblieben waren.

 

Fortsetzung folgt morgen

 

Cornelie Becker-Lamers

 

„also: Weimarer“ – Teil II

Jetzt wirklich Gedanken über das Zitat zum Tage (zum 3. Oktober 2020)

Liebe Leser – ich weiß, ich habe Sie lange warten lassen, bis ich nun, nach gut vier Wochen, endlich das Rätsel um den letzten PuLa-Beitrag vom 3. Oktober 2020, dem 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, auflöse. Ich habe seither einfach nochmal sehr viel über die nun folgenden Texte nachgedacht und sie immer wieder überarbeitet.

Sie werden es inzwischen selber bemerkt oder im Interview nachgehört haben: Am 3. Oktober habe ich – sagen wir: Ihre Ortskenntnis ein wenig herausgefordert 😉 ; mit einem angeblichen Interviewbeitrag unseres Pfarrers nämlich. Wobei ich das genauer formulieren muß: Weder das Interview noch die zitierte Frage der Redakteurin, wie sich „die kirchliche Situation verändert“ habe „in den letzten Jahrzehnten, seit es die DDR nicht mehr gibt“, sind erfunden. Auch die von mir geschilderten Inhalte nicht. Alle Personen und ihr Engagement, von dem ich im letzten PuLa-Beitrag geschrieben habe, kenne ich persönlich und kann alles bezeugen. Aber Pfarrer Gothe hat kein Wort darüber verloren. Und wie ich aus einer Email weiß, haben nicht alle Leser des Textes vom 3. Oktober sofort geschmunzelt und gedacht: ‚Das hat er doch nie im Leben gesagt.‘

Hat er ja auch wirklich nicht. Aber ist das nicht seltsam? Warum mußte ich die Schilderung und vor allem die Begeisterung eines Ortsgeistlichen über ein reiches ehrenamtliches Engagement in seiner Pfarrei hinzuerfinden? Ist denn nicht ein Hinweis auf genau dieses Engagement hochgebildeter und gut situierter Pensionäre, die sich für eine Wahlheimat Weimar entscheiden und hier im Alter noch einmal Fuß fassen wollen; ist nicht ein Hinweis auf genau dieses Engagement der kulturell interessierten Zugezogenen, die hier Familie gründen oder ihre Kinder großziehen – ist nicht ein solcher Hinweis exakt die Antwort auf eine Frage nach der Entwicklung der Weimarer Pfarrei – und wohl tatsächlich besonders der Weimarer Pfarrei – nach der Wende? Sie sagen es: Na klar ist er das. Um selber heimisch zu werden und vor allem ihren Kindern eine Heimat zu schaffen, war (woher das Präteritum kommt, erklären wir in den folgenden Beiträgen genauer) die Bereitschaft vieler Zugezogener zur aktiven Mitwirkung am Gemeindeleben eine Zeitlang sehr hoch. Und gerade am Gemeindeleben: Denn anders als in Sport- und Musikvereinen wird hier nicht nach Alter oder Geschlecht sortiert, sondern die ganze Familie, jeder Mensch kann „von der Wiege bis zur Bahre“ hier dazugehören. PuLa hat das schon einmal reflektiert.

Eine riesengroße Verantwortung, aber eben auch eine wunderschöne Aufgabe, die auf den Kirchgemeinden überall auf der Welt ruht: Heimat für Fremde zu werden, Beheimatung von Zugezogenen zu ermöglichen (und welche Pfarreien könnten das besser ermessen als die katholischen Pfarreien Mitteldeutschlands, die vor zwei-drei Generationen durch den Zuzug so vieler Vertriebener erstarkten?). Gerade für die Weimarer katholische Gemeinde war die Integrations- und Leistungsbereitschaft der vielen nach der Wende aus intensiver katholisch geprägten Gegenden der alten Bundesrepublik Zugezogenen natürlich vor allem eine riesengroße Chance.

Aber wie ist es all diesen Menschen ergangen?

Das Frappierende an der Interviewpassage, dem Ausgangspunkt der vorliegenden PuLa-Reihe (ab etwa Minute 7:10), ist, daß unser Pfarrer auf die Frage nach der kirchlichen Situation „seit es die DDR nicht mehr gibt“ noch einmal ausführlich mit den Vertriebenen anfängt (über deren Rolle zur Gründung neuer katholischer Pfarreien im Kernland der Reformation nach dem Zweiten Weltkrieg er zuvor bereits minutenlang geredet hat) und schließlich zusammenfaßt: „Wir haben hier eine Gemeinde, in der ganz stark diese Vertriebenengeneration auch da ist und ihre Kinder – also: Weimarer, aber auch eben viele Zugezogene, die sich hier mit einbringen und die das hier ganz ganz bunt und vielfältig machen.“ (Minute 8:25-42).

„Weimarer“ hier – „bunt“ da: Ich finde, besser kann man ein Ausstehen des Zusammenwachsens und mangelnde Integration kaum formulieren. Und weil das so intuitiv herauskommt – hier war kein strategischer Sprecher am Werk – und doch die Sache so perfekt auf den Punkt bringt, deshalb möchte ich eben diese Passage im Kontext des 3. Oktober 2020 diskutieren.

Die Tatsache, daß Herz Jesu Weimar noch strikt nach der von Frau Prof. Dr. Widl schon vor knapp zehn Jahren kritisierten „Dorflogik“ funktioniert, wird hier sehr anschaulich: „Die bislang weit verbreitete Gemeindestruktur im Sinne der Dorflogik ist hingegen die des Clans, in der wichtige Leute über unwichtigen Leuten stehen und vorgeben, wo es lang geht. Die Qualität und Anziehungskraft einer christlichen Gemeinschaft hängt heute hingegen wesentlich von den Mitgliedern selbst ab.“ (Maria Widl im Interview mit Eckhard Pohl, Tag des Herrn Nr. 7 vom 13. Februar 2011)

Kommunikation und Integration

Aber wie geht sowas denn auch eigentlich – Integration? Ich bin mit dem vorübergehenden Abklingen von Coronaverboten zu einem Weimarer Verein hinzugestoßen, in dem das verblüffend unkompliziert gelebt wird, die Integration neuer Mitglieder. Es gibt einen E-Mailverteiler, über den die organisatorischen Ansagen laufen, die Links, Corona-Belehrungen und Anhänge. Dort rutscht man mit Anmeldung automatisch hinein. Des weiteren gibt es eine WhatsApp-Gruppe, in der neben offiziellen Hinweisen auch persönlichere Anliegen gepostet werden können. Wenn man möchte, wird man auch hier hinzugenommen und mit jeder Menge niedlicher Willkommensemojis aller möglichen anderen Vereinsmitglieder empfangen. Und es gibt einen Chat, bei dem allein der ausbleibende Widerspruch reicht, um aufgenommen zu werden und wirklich persönlichen Anschluß zu finden. Hier werden gemeinsame Unternehmungen geplant; es regnet Fotos, Memes, persönliche Erinnerungen und Kommentare. Und dann beginnt sogar ein Telefonmuffel wie ich privat jemanden anzurufen. Der Leiter der Gruppe hat mit der Organisation dieser Kommunikation und Integration übrigens keinerlei Arbeit, er nutzt die Verteiler einfach mit für seine Ansagen und Hinweise. Es organisiert sich wie beschrieben selber, nachdem ein Vorstandsmitglied die entsprechenden Adressen der Neuzugänge in die jeweiligen Verteiler eingegeben hat. Wie schon einmal beschrieben, handhaben es die Cäcilini seit der „Rut“-Aufführung 2015 ganz genauso. 

Kommunikation und Integration in Herz Jesu Weimar

Wie Sie wissen, hat man von solcherart Vernetzung und Ermöglichung von Austausch und Kommunikation auch schon in unserem bischöflichen Ordinariat gehört und sich nach reiflicher Abwägung entschlossen, den datenschutzkonformen Messengerdienst Threema für alle Ehrenamtlichen des Bistums Erfurt kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Wie Sie sich weiterhin erinnern werden (PuLa berichtete), wurden den Ehrenamtlichen in Herz Jesu Weimar diese neuen Möglichkeiten von den Hauptamtlichen verschwiegen und noch auf Nachfrage nicht nur nicht weitergereicht, sondern diese Vernetzung ganz offiziell abgelehnt und damit unterbunden. Und da offensichtlich auch niemand aus dem Kirchortrat Interesse hat, an dieser Stelle effektiv nachzuhaken und uns unser Recht notfalls zu erstreiten, läuft diese sinnvolle und lobenswerte Initiative der Bistumsleitung in unserer Pfarrei ins Leere. Auch sie kann daher dem Mißstand keine Abhilfe schaffen, daß es in Herz Jesu Weimar etliche kleine und durchaus aktive Freundeskreise gibt, die aber alle sehr geschlossen sind und nichts von den Wünschen, Ideen und Initiativen der anderen wissen (können). Hier Synergien zu nutzen, ist schlichtweg unmöglich. 2018 wurde als letzte Gelegenheit, von den andern zu hören, auch noch die jährliche Gesprächsrunde der ehrenamtlichen LeiterInnen von Gruppen und Kreisen eingestellt.

Dabei bräuchten wir im Gemeindeleben von Herz Jesu Weimar eine organisierte Vernetzung so dringend wie das tägliche Brot. Denn im Sinne von 1Kor 12 – im Sinne des einen Leibes und der vielen Glieder, im Sinne verschiedener Charismen – muß die Integration der Zugezogenen gerade aus den alten Bundesländern m.E. und zu meinem wirklich wahnsinnig großen Bedauern wohl tatsächlich als gescheitert betrachtet werden.

Das nehmen wir jetzt mal symbolisch. Vertriebene und „also: Weimarer“: Unsere Kirche öffnet sich nach Osten. Herz Jesu Weimar in der Morgensonne (Bild: wikimedia commons; User: H. Helmlechner hat es um 10.23 Uhr im August 2020 aufgenommen)

 

Fortsetzung folgt morgen

 

Cornelie Becker-Lamers

 

„ … also: Weimarer“

Gedanken über das Zitat zum Tage

„… also: Weimarer“. Es ist das Zitat zum heutigen Tage, wenn es um die Weimarer katholische Gemeinde und die Frage nach Wiedervereinigung und Zusammenwachsen geht. Es stammt von unserem Pfarrer, ist anderthalb Jahre alt, öffentlich geäußert und ging mir schon im vergangenen Jahr häufig durch den Kopf. Es ging mir durch den Kopf, als ich zum Gemeindefest im Juni 2019 im Pfarrgarten am Infostand der „Cäcilini“ saß und mich umschaute. Es ging mir durch den Kopf, als Journalisten im Deutschlandfunk im Vorfeld der drei mitteldeutschen Landtagswahlen über „die Menschen in den neuen Bundesländern“ räsonierten. Und es ging mir durch den Kopf, als um den 9. November 2019 herum – da hatten wir ja schon mal eine 30-Jahr-Feier – Gregor Gysi im Bundestag noch einmal ans Rednerpult trat, um festzustellen, daß „die Schere zwischen Ost und West“ wieder weiter auseinandergehe.

„… also: Weimarer“: Worum geht es? Anläßlich des Gottesdienstes, den Radio Horeb am 10. März 2019 aus Weimar überträgt, ist Herz Jesu Weimar auch Pfarrei der Woche und unser Pfarrer bekommt im Rahmen eines Interviews eine Dreiviertelstunde Redezeit im Radio. Zunächst muß er über Goethe reden und über Historisches, über das Verschwinden des katholischen Ritus im Kernland der Reformation und über sein Wiedererstarken seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Soldaten. Arbeiter. Liszt. Und dann natürlich die vielen Vertriebenen. Es ist ein bißchen mühsam. Woher soll ein Pfarrer das alles wissen? Um Minute 7:10 herum fragt die Redakteurin endlich nach der Rolle der Wessis. So formuliert sie es natürlich nicht. Sondern sie fragt, wie die Situation sich entwickelt habe in den letzten Jahrzehnten, seit es die DDR nicht mehr gibt.

Da blüht unser Pfarrer plötzlich auf. Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Jetzt hat er sicheren Boden unter den Füßen. Das hat er ja selber erlebt, da ist er zuhause. Und was er nicht mehr erlebt hat, hier in seiner Pfarrei, davon hat man ihm vorgeschwärmt. Wie der Generalmusikdirektor der Staatskapelle Vorträge hielt über die Sinfonien von Gustav Mahler. Dazu hatte der GMD gerade ein Buch herausgebracht. Wie eine junge österreichische Habilitandin an der Universität Erfurt einen Bibelkreis ins Leben gerufen hat, der bis heute existiert. Wie ein aus Passau gebürtiger Orgelprofessor Jahre daran gesetzt hat, um unserer Kirche eine neue Orgel zu schenken – ein Millionenobjekt! – eine Orgel, maßgeschneidert auf das Werk Franz Liszts, Franz Liszt, das habe er, der Pfarrer, ja schon erzählt, welche Rolle dieser weltgewandte Komponist für die Weimarer Pfarrei gespielt hat, und da sollen doch seine liturgischen Werke auch endlich hier in Weimar wieder zu Gehör kommen. Einfach in den Messen – ist das nicht toll? Jeder Sonntag ein Konzert! Und der Präsident der Klassikstiftung! Der ist nämlich auch katholisch. Der hat ihn durch einen Vortrag zum Kirchweihjubiläum überhaupt erst auf die Idee zu seinem monatlichen Herz Jesu Lobpreis gebracht. Phantastische Leute, hier! Pensionierte Lehrer, die Lituratur- und Lesezirkel anbieten; eine ehemalige Gymnasialdirektorin gar – unterrichtet Latein. Alles ehrenamtlich! Kultur und Bildung für alle! Seinen Kirchenchor leitet seit einigen Jahren ein ehemaliger Regensburger Domspatz, das soll die Redakteurin sich mal vorstellen – dieses Wissen, diese künstlerische Kompetenz, diese liturgische Sicherheit, die dieser Mann vermitteln kann und die ihm, dem Priester, natürlich in den großen Festmessen unglaublich den Rücken frei hält! Überhaupt – Singen! Da ruft eine Mutti endlich einmal wieder eine Kinderschola ins Leben – und statt nur die RKW-Lieder durchzusingen, beginnt sie zu komponieren! – Einfach so? wirft die Redakteurin ein. Einfach so, antwortet der Pfarrer, soweit er weiß! Nach ein paar Jahren führt sie zu den Gemeindefesten Singspiele mit den Kleinen auf und veröffentlicht ihre Werke. – Was für ein Identifikationsangebot für die ganze Pfarrei! Sagt die Redakteurin. – Das könne sie laut sagen, sagt der Pfarrer. Von ihrem Krippenspiel 2016 reden die Menschen heute noch. Aber Komponisten habe er ja ohnehin so viele hier in der Pfarrei! Das Weihnachten drauf – Alphornmesse! Ob die Redakteurin schon mal ein Alphorn gesehen habe? Ein riesen Teil! Irre! Aber das nur nebenbei. Studierte Sängerinnen gründen Jugend- und Kinderchor und gewinnen regionale Wettbewerbe mit der Gruppe. „Goldkehlchen“. Eine Dame leitet bestimmt 15 Jahre hindurch einen Seniorenkreis, der jede Woche Konzerte, Vorträge und anderes Programm bietet. Eine Wahnsinnsleistung! Strahlt natürlich weit in die evangelische und sogar in atheistische Welt hinein, da treffen sich nicht nur Katholiken! Ja! Und dann natürlich die Mütter, die die religiösen Kinderwochen betreuen und in ihren Wohngebieten große Gruppen von Sternsingern um sich scharen. Unverzichtbar. Eine Gewandmeisterin des Theaters näht mit einer Gruppe von Freundinnen jedes Jahr neue Sternsingergewänder. Wie die Könige sehen Kinder aus – wirklich wie die Könige!

Die Redakteurin muß den Pfarrer langsam bremsen. Die Sendezeit! Alles Ihre Pfarrkinder? fragt sie abschließend. – Alles meine Pfarrkinder! antwortet der Pfarrer stolz. – Und alles Zugezogene? – Aus den alten Bundesländern! – Ehrenamtlich tätig? – Alle ehrenamtlich tätig! – Meine Güte! Da sei er aber gesegnet! In anderen Pfarreien sei man froh, wenn man einen Taizéabend auf die Beine stellt … – Das haben wir hier außerdem! sagt der Pfarrer. Da mache er selber mit. Aber er sei den andern unendlich dankbar, daß sie so viele Bereiche für die Gemeinde abdecken. Er habe ja schon gesagt: Weimar wächst. Zwei Hochschulen am Ort! Und die Leute pendeln von hier auch nach Erfurt und Jena. Und die ganzen Professoren und Ministerialen – die setzen sich ja nicht alle unbedingt nur in so eine Meditation. Taizé sei ja schon sehr speziell, das liege nicht jedem. Da müsse er auch etwas anderes anbieten, um diese Leute und ihre Familien einzubinden. Denn die Kontakte, die diese Leute einfach auch haben! Es wäre wirklich eine Sünde, wenn er das für seine Pfarrei nicht zu nutzen wisse! Und darüber hinaus seien das ja die Leute in einem Alter, wo auch Schulkinder in den Familien da sind. Kinder und Jugend – die Zukunft jeder Pfarrei! – Na, wenn Sie das so managen, sagt die Redakteurin, – dann haben Sie Ihrem Bischof ja wirklich nicht zuviel versprochen, als Sie ihm sagten, daß Sie sich Weimar zutrauen!

 

Cornelie Becker-Lamers

„ … and grace my fears relieved”

Deutschland singt. Auch in Weimar

„Ihr habt erreicht, worauf wir noch so schmerzlich warten müssen“, sagten die beiden Südkoreaner, die gemeinsam in einem Wohnheimzimmer im Münsteraner Wasserweg 70 lebten. Ich wohnte auf demselben Flur und wir unterhielten uns über den Mauerfall. Das war in der Folge des 9. November 1989. Die meisten Emotionen verbinden sich mit diesem Tag. Es hätten ihn ja auch alle gern als Tag der Deutschen Einheit gehabt. Aber wir wissen ja, warum wir dieses Datum nicht auswählen konnten. Selbst schuld …

Jetzt haben wir also den 3. Oktober. Und auch wenn er als Datum von Anschluß oder Beitritt statt Wiedervereinigung in etlichen Menschen einen schweren Weg durch die 90er Jahre in Erinnerung ruft, scheint doch letztlich die Dankbarkeit über die veränderten Lebensmöglichkeiten zu überwiegen.

Den 9. November dürfen wir als Datum nur vielfältig begehen, nicht unbeschwert feiern. Mit dem 3. Oktober verbinden wir emotional nicht so wirklich etwas. Und so ist schon was dran, wenn die treibenden Kräfte hinter der „Initiative 3. Oktober“ als Aufmacher ihrer Internetseite feststellen:

Die Wiedervereinigung Deutschlands ist in ihren Geschehnissen einmalig und nicht nur von nationaler Bedeutsamkeit.

In den meisten Ortschaften und Städten gibt es allerdings bisher keine öffentliche Feiertradition der Bevölkerung – der 3. Oktober als Nationalfeiertag wird so gerade von der jungen Generation kaum mehr in seiner Bedeutung wahrgenommen.

Mit Unterstützung eines Vereins und gefördert durch die Bundesregierung tritt unter der Schirmherrschaft des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland der Bundesverband Chor & Orchester e.V. als Projektträger eines Open-Air-Feier-Abends am 3. Oktober 2020 auf. Denn das Projekt lebt weitgehend vom gemeinsamen öffentlichen Singen. Verschiedene Szenarien auf der sehr professionell gemachten Homepage der Veranstaltung sehen auch das Singen von den Balkonen während eines möglichen Totalverbots allen Zusammenkommens vor. Aber danach sieht es ja glücklicherweise nun nicht mehr aus.

Die Evangelische Allianz Weimar hat sich Anfang September ebenso kurzfristig wie mutig entschlossen, auch für Weimar die Teilnahme am deutschlandweiten Projekt zu ermöglichen. Die ACHAVA Festspiele Thüringen waren schnell ins Boot geholt – hatte doch Martin Kranz zum 9. November 2019 im Gewölbekeller unserer Stadtbücherei bereits eine Veranstaltung mit Film, Zeitzeugen und moderierter Diskussion angeboten. Und durch seinen Vater ist er zum Zeitzeugengespräch prädestiniert.

Über einen kurzen Umweg gelangte die Pressemitteilung in mein Emailpostfach, und da ich die Hauptorganisatorin, die Geigerin Ulrike Zinke, seit 15 Jahren kenne, erkundigte ich mich bei ihr, ob und wenn nein, warum nicht auch Vertreter der katholischen Pfarrei bei dem von „unterschiedlichen christlichen Gemeinden Weimars“ umgesetzten Vorhaben mit von der Partie seien. Die Lösung war einfach: Die Vorbereitungszeit war zu knapp gewesen. Sie hatte nur geschafft, in unserem Pfarrsekretariat einen Stapel Einladungskarten auf den Schreibtisch zu packen. Diese Karten hatten es in der Folge zwar in den Aufsteller des Kirchenvorraums, die Veranstaltung aber weder in die Dienstberatung, noch in die Vermeldungen oder das Pfarrblatt geschafft.

Aber wie es in unserer Pfarrei so ist – wenn eine Sache nicht zentral organisiert wird, läuft sie über persönliche Kontakte. Bekanntlich ist Weimar ein Dorf. Damit allerdings nicht wieder nur einer der kleinen Freundeskreise unserer Pfarrei, den ich an den zwei verbleibenden Tagen auf die Schnelle motivieren kann, als Vertretung unserer Gemeinde am

3. Oktober ab 19 Uhr auf dem Weimarer Marktplatz

erscheint, formuliere ich hier die herzliche Einladung an Sie alle, sich dem DIY-Open-Air-Konzert anzuschließen.

Auch wenn Weimar zwischen Erfurt und Jena auf der Landkarte der Initiative noch nicht verzeichnet ist: Wir sind dabei! Herzliche Einladung zum 3. Oktober 2020 ab 19 Uhr auf dem Weimarer Markt (eigenes Bild)

Die Lieder sind erstaunlich publikumsfreundlich ausgewählt (der Unterton dieser Formulierung rührt von unseren Erlebnissen am vergangenen Wochenende hier, als anläßlich der Firmung unseres Patenkindes in einer Dresdener Kirche eine Jugendband nicht enden wollende Lieder vortrug, von denen die Firmlinge hinterher selber sagten, sie kannten sie alle gar nicht. Das passiert Ihnen am 3. Oktober zuverlässig nicht.) Denn bei der Weimarer Auswahl aus den per Video-Tutorial vorgeprobten Vorschlägen handelt sich um „Dona Nobis Pacem“, „Nun danket alle Gott“, „Amazing Grace“ (aus dessen zweiter Strophe ich den Titel dieses Beitrags entnommen habe), „Über sieben Brücken mußt du gehn“, „Die Gedanken sind frei“, „Hevenu Shalom Alechem“, „Von guten Mächten“ und als Zugabe das wunderbare Abendlied von Matthias Claudius, „Der Mond ist aufgegangen“. Eigens für Weimar haben sich die Musikerinnen sogar noch für „Großer Gott wir loben Dich“ entschieden. Da ein professionell geleiteter Projektchor unter Claudia Zohm einen starken Kern von Sängerinnen und Sängern bilden wird, stelle ich mir das Singen in den drei- oder vierstimmigen Sätzen sehr schön vor. Und wir können es, nach der langen Zeit der Verbote, alle brauchen!

 

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Wer nicht kommen kann, kann sich übrigens per Livestream zuschalten. Es ist wirklich an alles gedacht.

PPS: Bringen Sie eine Kerze mit, sagen die Veranstalter. Und haben Sie bitte zur Not eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Hosentasche – natürlich ging es wieder nicht ohne irgendwelche „Hygienekonzepte“ 🙄 .

Wir gratulieren!

Unser Pfarrsekretär wurde als ehrenamtlicher Musiker ausgezeichnet

Wenn Sie im Pfarramt von Herz Jesu Weimar anrufen, eine Chorprobe absagen und schlagfertig in gespielt bierernstem Ton zur Antwort erhalten: „Gut! Ich singe selber!“ – dann haben Sie zweifellos Herrn Thomas Grubert am Apparat, seit 2015 unverwüstlicher Pfarrsekretär unserer Gemeinde. „Lieber Gott! Verleih mir Geduld. Aber zackig!“ ist nur eines der kleinen Spruchtäfelchen, mit deren Lektüre ein etwa wartender Besucher sich seither in unserem Pfarrbüro die Zeit vertreiben kann. Das Schild „Ich war’s nicht!“ ist eigentlich immer aufgebaut. An der Wand hängt neben einem künstlerisch modern gehaltenen Triptychon in expressiver Farbigkeit die Urkunde über eine Auszeichnung des wöchentlichen Pfarrblättchens, dessen Erstellung selbstverständlich ebenfalls unserem Sekretär obliegt. Und wer das Auge durch den Raum schweifen läßt, kann auch die beleuchtbare Büste des „fünften Evangelisten“, Johann Sebastian Bachs nämlich, kaum übersehen, die seit Herrn Gruberts Walten in unserem Pfarrbüro die tiefe Fensternische ziert und uns bei der musikalischen Mitmachaktion „Bach in the stairways“ 2016 auch bereits wertvolle Dienste in einer themenorientierten Dekoration geleistet hat.

Herr Grubert ist nämlich eigentlich Musiker. Kein Berufsmusiker. Aber Musiker. Von daher ist das „Ich singe selber“ auch überhaupt nicht weit hergeholt. Alljährlich zu Fronleichnam ist er aus dem Projektchor am Hauptaltar nicht wegzudenken. Aber er singt nicht nur selber. Er dirigiert auch und leitet im Landkreis mehrere Chöre. Wer im Jahr 2017 unser Gemeindefest besucht hat, erinnert sich vielleicht noch, ihn am frühen Nachmittag zu einem Orgeleinsatz auf der Empore unserer Pfarrkirche gehört zu haben.

Regelmäßiger und ausgiebiger als in Herz Jesu Weimar, wo er musikalische Aktivitäten in der Regel nur nach Kräften unterstützen kann, lebt Thomas Grubert sein musikalisches Ich im Kirchspiel Donndorf aus. Als ehrenamtlicher Organist begleitet er in Eckolstädt, Schmiedehausen und Münchengosserstädt und eben Donndorf Sonntagsgottesdienste und beschert der Gemeinde jedes Mal „ein kleines sonntägliches Konzerterlebnis“.

Das glaube ich, obwohl es in der Zeitung stand 😉 . Unter dem Titel „Organist mit Leib und Seele“ berichtete unser Lokalblatt über die Preisverleihung des 13. Alexander-Wilhelm-Gottschalg-Preises 2020 des Weimarer Landes an – Thomas Grubert! Den Preis erhält, wer sich in besonderer Weise um die Kirchenmusik im Landkreis verdient gemacht hat. Die Preisverleihung fand bereits am 24. August statt. Insofern kommt unsere öffentliche Gratulation sehr sehr spät (mit einer Email war ich weitaus schneller). Aber besser spät als nie.
Schließlich dokumentieren wir sehr gern, daß in Weimar sogar die Pfarrsekretäre besonders sind, wenn man sie läßt.

Wir klopfen Herrn Grubert hiermit also symbolisch auf die Schultern und freuen uns von Herzen mit ihm über diesen sicherlich hochverdienten Preis. Er werde die Auszeichnung als Schwung mit in die nächsten Jahre nehmen, wird der Preisträger in der TLZ zitiert. In den Mühen einer coronagemaßregelten Gemeindearbeit kann das zur Zeit nur gut für alle sein!

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Für den Bachliebhaber, Enjoy! 🙂

 

Ohne Aufschrei (2/2)

Die Wallfahrtsabsage und andere Kollateralschäden

„Seit Beginn der Coronakrise starben in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern etwa 200.000 Menschen“, leitet die Pfarrerin und ehemalige Ministerpräsidentin Lieberknecht ihre Kritik an der Rolle der Kirche ein, „daß die Mehrheit trotz allen kirchlichen Einsatzes vor Ort einsam aus dem Leben schied. Mußte das sein? Nein.“  (TdH 28 vom 12. Juli 2020, S. 9, das ganzes Statement hier).

Was Christine Lieberknecht hier kritisiert, ist nicht mangelnder Einsatz einzelner Geistlicher, die zum Teil durchaus Wagnisse eingegangen sind – das erfährt man nur nicht, denn es war ja möglicherweise eine heldenhafte, weil heimliche Verbotsübertretung. Was Lieberknecht einfordert, ist das un-heimliche, das hörbare Aufbegehren der Kirchenoberen gegen die Zumutungen der geschlossenen Kirchen und verbotenen Gottesdienste sogar über die Osterfeiertage. Was sie kritisiert, ist das allzu willfährige Mittragen aller „staatlichen Hygienevorschriften, [die] einem würdigen Vollzug entgegenstehen“, wie Bischof Feige in Magdeburg verlauten ließ. Statt sich lautstark und so wiederholt wie die „Querdenker“ gegen die verordneten Maßnahmen auszusprechen, hielt Seine Exzellenz allerdings noch drei Wochen länger als staatlicherseits verordnet Messen nur in Ausnahmefällen (Totenmesse) ab.
Seine Strategie erinnert damit an die der Kliniken, die, um dem „Triagieren“ der in Überzahl erwarteten Covid-Patienten vorzubeugen, kurzerhand alle geplanten Operationen stornierten – sogar im Fall von Krebs- oder Herzkreislauferkrankungen. Das Triagieren, heißt das, wurde einfach in einen Bereich unterhalb des Radars der Pandemiediskussion und damit offenbar außerhalb des eingeengten Blicks der Öffentlich Rechtlichen Medien verlegt. Weshalb auch niemandem die daraus resultierende Todesstatistik präsent ist. Oder die der anderen „Kollateralschäden“ der Pandemiebekämpfung: „Ich habe“, sagt eine mir bekannte Weimarer Trauerbegleiterin, „ich habe die Menschen nicht wegen Covid beerdigt. Die sind an Einsamkeit gestorben.“

Ja – Herr Bischof. Auch darum bete ich: Um ein hörbares Eintreten unserer Kirchenoberen – wenn nicht generell für einen vernunft-, statt panikgesteuerten Umgang mit einer längst abgeklungenen Erkrankungswelle (hat nicht das scharfe Denken, das Beherrschen der Rhetorik und das Einschreiten gegen Aberglauben und magisches Denken die Kirche jahrhundertelang ausgezeichnet?), so doch um so energischer für die Belange der Kirche – die Meßfeiern mit Kantorendienst, Chor- und Gemeindegesang! Musik – das weiß man nicht erst seit Benedikts XVI. vehementem Eintreten für die Kirchenmusik – Musik ist nicht der Zuckerguß über dem Wort, sondern existentieller Bestandteil der Verkündigung.

Außerdem hält und macht Musizieren gesund! 🙂

Ich bitte also dringend: Verehrte Herren Pfarrer! Hören Sie auf, sich die Hände zu desinfizieren, wenn Sie nach der Wandlung mit dem Leib des Herrn in Berührung gekommen sind! Beteiligen Sie sich nicht an der Herausbildung multiresistenter Keime durch das Sterillium, mit dem man vor der Kirche beim Mund-Nase-bedeckten Einlaß traktiert wird. Die Schmierinfektion ist auch beim Coronavirus so gut wie ausgeschlossen (zumal alle ihr eigenes Gotteslob mitbringen). Und außerdem kommen unsere eigenen Bakterien auf der Haut ganz gut zurande – solange man sie nicht ständig mit abtötet. Nehmen Sie Ihren Türstehern die abschreckenden Masken weg! Sie haben – das zeigen die Verlaufskurven der Krankheitswelle – zu keinem Zeitpunkt eine Wirkung gehabt. Erwecken Sie nicht durch numerierte Klebeschildchen, daß Sie sich beim ‚Triagieren ums Himmelreich‘ innerlich schon auf Dauer eingestellt haben. Beschränken Sie sich beim Herunterbrechen generalvikarlicher Verordnungen nicht auf das lieblose Durchzählen von Quadratmetern und Personen, sondern ziehen Sie Zusatzinformationen zu den betreffenden Gruppen mit ins Kalkül. Zeigen Sie sicht- und spürbar mehr Phantasie in der Umsetzung der Gemeindebelange. Stehen Sie für das Seelenheil Ihrer Schäfchen mit derselben Vehemenz ein, die die Virologen für die Aufklärung über irgendwelche Krankheitserreger oder  die Wirtschaftsvertreter für die Betriebe an den Tag legen!

Es ist eine beachtliche Gruppe von Ärzten, Anwälten, Unternehmern und Menschen, die in ihrer Eigenschaft als Elternteile sich um die Initiative der Querdenker geschart hat. Die mit ihren Videos im vorliegenden Beitrag bereits erwähnten YouTuber Dr. Bodo Schiffmann (HNO-Arzt) und Samuel Eckert (Unternehmer) bekennen sich ausdrücklich zum Christentum, zitieren aus der Bibel oder halten veritable Kurzpredigten über Verse aus den Paulusbriefen (hier ab Minute 6:00). Samuel Eckert ist, so gewinnt man den Eindruck, mit beiden Beinen fest im christlichen Glauben verankert. Es wäre verwunderlich, wenn er nicht auch ins kirchliche Leben hinein Kontakte pflegte. Aber wie gesagt: Es ist eine beachtliche Gruppe von Ärzten, Anwälten, Unternehmern und Eltern, die sich um die Initiative der Querdenker geschart hat. Ein Priester, ein Bischof gar, eine Pastoralreferentin, eine Seelsorgeamtsleiterin, eine Gemeinderatsvorsitzende oder irgendjemand, der oder die für die Institution Kirche stehen könnte, ist nicht darunter.

Wenn man sich im kommenden Jahr wieder turnusmäßig über die steigenden Zahlen an Kirchenaustritten grämt, sollte zur Sprache kommen, wie gewaltsam den Gläubigen 2020 regelrecht anerzogen wurde, daß es auch ohne Kirche geht/gehen muß. Gerade jetzt, gerade nach diesem Frühjahr und Sommer, wäre die Durchführung der Wallfahrt so wichtig. Und die friedliche und teilnehmerreiche Demonstration am Stern in Berlin – drei Tage zuvor aus politischen Gründen verboten, aber durch tüchtige Anwälte durchgesetzt – hat gezeigt, daß sie immer noch möglich wäre.

 

Cornelie Becker-Lamers

 

 

Mittlerweile sind in Herz Jesu Weimar die nutzbaren Plätze – zwei pro Reihe – durch feste Aufkleber markiert (eigenes Bild Ende August 2020)

Ohne Aufschrei (1/2)

Die Wallfahrtsabsage und andere Maßnahmen

Am gestrigen 29. August fand um die Berliner Siegessäule herum eine große Demonstration statt. Trotz politischen Unwillens der Berliner Regierung sprachen die Verwaltungsgerichte in zwei Instanzen den Veranstaltern die Berechtigung zu ihrer Kundgebung zu.

Da die Polizei den Zug der rechtradikal durchmischten Demonstranten, die seit Freitag Abend am Brandenburger Tor ihre Zelte aufgeschlagen hatten und am Samstag um die Mittagszeit gegen Polizeikräfte und Reichstagsgebäude zu randalieren begannen, glücklicherweise aufgelöst hat, konnte die Kundgebung an der Siegessäule bis in die Dunkelheit friedlich und mit konstruktiver Kritik über die Bühne gehen. Luftaufnahmen aus dem Livestream zeigen, daß die „doppelten Abstandsregeln“, die Michael Köhler heute morgen im DLF noch einfordern zu müssen glaubte, den ganzen Tag über eingehalten wurden: Der physische Abstand zwischen den schütterer als gewöhnlich stehenden Teilnehmern wie der geistige Abstand zu politisch rechten Gruppierungen: Auf der Bühne an der Siegessäule agierte eine international durchmischte Gruppe (inklusive dem Überraschungsredner Robert Kennedy jr.) und die Veranstalter vermuteten oder wußten um eine ebensolche Teilnehmerschar: Die Abstandsregeln wurden in mindestens acht Sprachen durchgesagt und man begann mit der Kundgebung erst, als sich die Demonstrierenden in losen Gruppierungen von vermutlich gemeinsam Angereisten auf den riesigen Flächen von „Stern“ und angrenzenden Straßen verteilt hatten.

Das muß ich aufgrund der Medienberichterstattung leider so umfangreich vorausschicken, um den folgenden Text vor einem falschen Vorverständnis seitens der Leserschaft zu schützen. Ich schreibe vor dem Hintergrund der erwähnten Kundgebung und keiner anderen.

Also nochmal: Am gestrigen 29. August fand um die Berliner Siegessäule herum eine große Demonstration mit mehreren zigtausend Teilnehmenden statt. Quasi zeitgleich sagt unser Bischof die diesjährige Bistumswallfahrt am 20. September ab (vgl. TdH 35 vom 30.8.2020, S. 11). „Schweren Herzens“, wie er schreibt. Denn die „behördlichen Infektionsschutzmaßnahmen“, die „wir“ (wer auch immer das in diesem Falle ist – ich vermute einen pluralis majestatis) „unterstützen“, diese Infektionsschutzmaßnahmen hätten einen „kaum leistbaren Aufwand“ bedeutet: Einzäunung, Anmeldung und Anmeldebestätigung für die Besucher der Messe.

Das ist eigenartig. Zu der wie gesagt den ganzen Tag über friedlichen Kundgebung der politisch unabhängigen süddeutschen Gruppe „Querdenken“ am großen Stern auf der Straße des 17. Juni in Berlin mußte man sich schließlich auch nicht einzeln anmelden. Die Absperrungen hat – wie bei jeder Fronleichnamsprozession und jedem Martinsumzug auch – die Polizei besorgt. Es galt übrigens ausdrücklich keine Maskenpflicht, nur ein Abstandsgebot (vgl. hier ab Minute 24:02). Und letzterem hätte man, nach den Erfahrungen zur Besucherentwicklung der Bistumswallfahrten der letzten Jahre zu urteilen, auf unserem immerhin dreieinhalb Hektar großen Domplatz vermutlich vollständig entsprechen können.

Und das Format einer Kundgebung, fiel mir gestern beim Hineinschauen in den Livestream auf, kann man mühelos auf einen Gottesdienst übertragen: In Berlin begann die eigentliche Bühnenshow mit einer viertelstündigen Meditation. In der Zeit hat man das Kyrie und das Gloria einer Messe locker zelebriert. Man kann ja zur Not Taizé-Gesänge nehmen, die liegen stilistisch näher bei dem Gesang, in welchen die Musiker gestern alle Teilnehmenden der Kundgebung einzustimmen aufforderten.

Die Polizei schritt übrigens nicht ein, als Zigtausende zu singen begannen.

Es folgten verschiedene Redebeiträge – bei einer Wallfahrt wären das die beiden Lesungen, der Evangeliumstext und Predigt. Nach Art der Wechselrufe oder –gesänge, die ein Animateur in Berlin einstreute, kann man bei einer Wallfahrt das Agnus Dei und das Vater Unser beten. Und daß man sich bei einer Kundgebung auch auf offener Straße hinknien kann, haben die Black Lives Matter-Demos der letzten Wochen bewiesen.

Alles kein Problem.

Zu einem Anstieg der Infektionen ist es übrigens bei keiner der Großdemonstrationen der letzten Wochen gekommen – ob das Black Lives Matter in mehreren deutschen Großstädten war oder ob das die Demos der Querdenker waren (vgl. hier, bes. Minute 7:07-11:10). Dennoch mußte das Anwaltsteam, dessen Mitarbeit sich die Querdenkergruppe erfreut, sich argumentativ ins Zeug legen, um die Kundgebung am 29. August 2020 am Großen Stern zu ermöglichen. Der Innensenator hatte die Veranstaltung am Mittwoch untersagt. Ein Aufschrei ging durch die Community, die Querdenker haben geschuftet. Und sie haben ihre Veranstaltung realisiert. Sie wollen, so sagen sie, halt noch in den Spiegel schauen können.

Was tut die katholische Kirche in Deuschland? Hat man seit Mitte März einen einzigen Aufschrei gegen all die Zumutungen gehört? In Gestalt bspw. unseres Bischofs sagt sie noch jetzt, im September ihre jährliche Bistumswallfahrt „schweren Herzens“ von selber ab, noch bevor sie verboten werden könnte. ‚Helden wie wir‘.

Tatsächlich vermisse ich in der Kirche den Funken Einfallsreichtum, der mir den Glauben erleichtern würde, die Absagen aller Messen und Veranstaltungen sei in den letzten Monaten „schweren Herzens“ geschehen. Man läßt wohl auch „schweren Herzens“ die Weihwasserbecken leer, obwohl jedes Schulkind als Hausmittel gegen Atemwegserkrankungen das Gurgeln mit Salzwasser kennt? Salz können Viren nicht ausstehen. Cum grano salis ist Weihwasser in keiner viralen Infektionswelle ein Problem. 😉

Nun wird aber auch diese Wallfahrt vom Domplatz in den Innenraum verlegt, personenbegrenzt und in Internet und Rundfunk übertragen (u.a. domradio Köln am Sonntag, dem 20. September ab 10 Uhr.) Kein Ersatz für das Erleben im Raum, unter anderen Menschen, das hatten wir schon geschrieben.

Außerdem sollen wir, so sagt der Bischof, nicht aufhören zu beten, daß recht bald ein wirksamer Impfstoff gefunden werde gegen die Corona-Pandemie, die uns alle in Atem halte.

Nein, Herr Bischof. Nein. Ich werde nicht um den Impfstoff beten. Denn nicht ein viraler Infekt hält uns in Atem, sondern die unverhältnismäßigen Maßnahmen in einer – dafür sprechen wohl die Fakten – längst herdenimmunisierten Gesellschaft (an dieser Stelle seien die Videos des HNO-Arztes Dr. Bodo Schiffmann dringend empfohlen, z.B. hier, konkret Minute 19:00-25:00). Ich bete schon in diesem Zusammnahang. Aber ich bete darum, daß eine promovierte Naturwissenschaftlerin, die unsere Bundeskanzlerin ist, aufhört so zu tun, als ließe sie sich von vollständig dekontextualisierten Zahlen ins Boxhorn jagen. Ich bete, daß das RKI endlich seine eigenen Statistiken zu interpretieren beginnt. Denn das ist ja ganz wichtig zu erwähnen: Ärzte wie Dr. Schiffmann erfinden ja keine alternativen Zahlen, sondern sie präsentieren uns schlicht immer wieder die vom RKI und dem Statistischen Bundesamt publizierten Kurven. Das reicht, um uns alle Ängste zu nehmen. Ich bete also auch, daß die Medien endlich beginnen, terminologisch trennschärfer zu berichten. Daß die Journalisten endlich aufhören, „Infizierte“ zu sagen, wenn sie nur von positiven PCR-Tests sprechen können (vor deren Fehlerquote unser Gesundheitsminister Jens Spahn bereits öffentlich, aber leider erfolglos, gewarnt hat). Daß, wenn man von den möglicherweise Infizierten spricht, nicht „Kranke“ suggeriert, indem man bei den „inzwischen Genesenen“ stillschweigend auch jene mitzählt, die nie Symptome entwickelt haben. Daß nicht mit dramatischen Szenen das Schreckbild des „Beatmungspatienten“ aufgebaut wird, wenn man von möglicherweise Infizierten spricht – denn in den seltensten Fällen führte der Verlauf der Krankheit auf die Intensivstation. Und daß endlich nicht mehr eine einstellige Todeszahl „an oder im Zusammenhang mit Covid 19“ die Topnachricht im Deutschlandfunk darstellt.

„Seit Beginn der Coronakrise starben in unseren Pflegeheimen und Krankenhäusern etwa 200.000 Menschen“, leitet die Pfarrerin und ehemalige Ministerpräsidentin Lieberknecht ihre Kritik an der Rolle der Kirche ein, „daß die Mehrheit trotz allen kirchlichen Einsatzes vor Ort einsam aus dem Leben schied. Mußte das sein? Nein.“

 

Fortsetzung folgt morgen

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Entweder oder – oder Sowohl als auch? Desinfektionsmittelspender und Weihwasserspender in Herz Jesu Selzthal (Steiermark) Anfang August 2020 (eigenes Bild)

PuLa unterwegs: „Weine und Kohlen“

Als man endlich wieder eine Ferienwohnung beziehen durfte, und das sogar außerhalb Thüringens, haben wir vor drei Wochen mit einem befreundeten Ehepaar eine zweimal verschobene Weinprobe am Zusammenfluß von Saale und Unstrut nachgeholt. Wir waren in dem beschaulichen Dörflein Roßbach – mittlerweile Ortsteil von Naumburg –, das mit seinen gut 300 Einwohnern so hervorragend vom Weinverkauf zu leben scheint – die Ansammlung schmucker, von dicken Rosensträuchern umstandener und zumeist etwa 200 Jahre alter Häuser vor den rebenbestandenen Hängen ist eine Augenweide! –, daß man die zahlreichen Ferienquartiere kaum beworben und dennoch meist belegt findet. Zu unserem Glück hatte unsere mitreisende Freundin nicht nur herumtelefoniert, sondern sich den Flecken auch auf Google-Maps herangezoomt, so daß sie für uns vier endlich doch ein Häuschen in der sich im Saaletal entlangziehenden, sinnigerweise mit dem Gemarkungsnamen „Weinberge“ betitelten Straße ausfindig gemacht und für uns reserviert hatte.

Mir oblag – wie häufig bei unseren gemeinsamen Kurzurlauben – die Recherche nach den Möglichkeiten des sonntäglichen Meßbesuchs. Und da der beschauliche Flecken neben allem anderen auch noch über eine – oh Wunder: katholisch geweihte, nach Alter der Bausubstanz wie architektonischer Ausdehnung gleichermaßen bemerkenswerte Kirche verfügt, ruhte ich nicht eher, als bis ich einen Kontakt hergestellt hatte, der uns zwar keine Messe in diesem dem Patrozinium der Heiligen Elisabeth unterstellten Gotteshaus, wohl aber eine Besichtigung der majestätisch über den Dächern Roßbachs thronenden, in ihren ältesten Teilen spätgotischen Anlage ermöglichte.

Die katholische Kirche St. Elisabeth in Roßbach (Naumburg); links oben im Bild ein nach wie vor nur zu Fuß erreichbares Quartier der Jugendbildungsstätte St. Michael (eigenes Bild)

Da die eigentlich zuständige Jugendbildungsstätte in der Nachbarschaft der Kirche wegen Corona-Maßnahmen unterbesetzt war, gelang dies über die rührige Gemeindereferentin der Pfarrei St. Peter und Paul Naumburg, der St. Elisabeth Roßbach mittlerweile zugeschlagen ist. Einige Emails gingen hin und her, wir verabredeten uns am Sonntag um 10 Uhr zum Hochamt in der Pfarrkirche und fuhren nach den üblichen Gesprächen, in welche die Diaspora auch und gerade fremde Meßbesucher immer sofort verwickelt (natürlich wurden uns zuguterletzt von einer betagten Erzieherin Grüße an ein uns bekanntes Weimarer Ehepaar aufgetragen…) gemeinsam nach Roßbach.

St. Peter und Paul Naumburg (eigenes Bild)

Hinter den Kommunionschranken der im Juni 1962 geweihten Kirche der charakteristische Chorraum dieses Typs basilikaler DDR-Kirchenbauten (eigenes Bild)

Ein Ruhestandspfarrer erwartete uns schon vor der offenen Pforte von St. Elisabeth und eine gute Stunde dürfte mit historischen Erläuterungen, mit Schauen, Nachfragen und Gesprächen allein in der Kirche vergangen sein, bevor wir noch die Jugendbildungsstätte besichtigen und ihre Geschichte als einstigen Sitz von Grauen Schwestern (die schließlich auf der Flucht vor der Staatssicherheit aus dem Fenster sprangen) erfahren durften.

Auf einige besondere Ausstattungsmerkmale von St. Elisabeth möchte ich Sie hinweisen. Die Kirche, die 1897/98 von den zeitweilig eingebauten Emporen befreit und zu einem Saalbau erweitert wurde, besitzt nämlich im Eingangsbereich einen sehr ausdrucksvollen modernen Kreuzweg. Schauen Sie:

Station VI (Veronika) des Kreuzweges in St. Elisabeth Roßbach (eigenes Bild)

Station IX (Jesus fällt zum dritten Mal); die konsequent graphische Anlage in der künstlerischen Gestaltung ermöglicht ausdrucksstarke Formulierungen der Kreuzwegmotive (eigenes Bild)

Aus Laucha hat man eine spätmittelalterliche Statue nach St. Elisabeth übernommen, bei deren Identifizierung durch den Verlust ihrer steinernen Unterarme auch der zuständige Geistliche unsicher ist: Handelt es sich um eine Madonna, deren Christusknabe verloren ging, die aber auch nie einen Mond zu Füßen hatte, nie auf eine Schlange trat? Oder stellt die Figur eine Elisabeth dar, deren Arme einst Rosen gehalten hatten – ohne sie jedoch in der Schürze zu bergen?

Die rätselhafte Heiligenfigur in St. Elisabeth Roßbach (eigenes Bild)

Natürlich gibt es mittelalterliche Schlußsteine in den Deckengewölben und Jugendstilfenster aus der Zeit des Umbaus zu sehen. Zuletzt wurde die Kirche 1980 saniert – und diese Sanierung ist auch der Grund, warum sie wieder katholisch geweiht wurde: Der evangelischen Landeskirche fehlte zu dieser Zeit das Geld für die Restaurierung und die Weltkirche sprang ein.

Am Vortag hatte ich bereits das Angelusläuten von St. Elisabeth aufgenommen, weil es zeitlich zufällig gerade paßte. Mit dem kurzen Film, den ich hiervon auf unserem YouTube-chanel gepostet habe, möchte ich schließen. Enjoy 🙂

 

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Die heutige Überschrift zitiert einen running gag des Asterixbandes „Der Avernerschild“: In Gergovia, wohin die gallischen Helden auf der Suche nach dem Schild des Vercingetorix gelangen, bietet jedes Haus „Weine und Kohlen“ zum Verkauf an.