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Un-erhört: Die Frage nach Threema

PuLa klärt auf

„Threema-Account? Hör ich zum ersten Mal“.

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Ehrenamt an Herz Jesu Weimar, sollten auch Sie oder solltet auch ihr zu denjenigen gehören, die auf den Begriff „Threemamit „Nie gehört“ reagieren müssen, lest bitte folgende Zeilen. Es könnte sonst beim nächsten Dekanatstreffen, beim nächsten Pastoraltag oder anderen pfarreiübergreifenden Meetings zu Irritationen kommen.

Die Geschichte beginnt mit dem Datenhunger des Facebook-Konzerns, der sich 2014 den fünf Jahre zuvor aus der Taufe gehobenen Messengerdienst WhatsApp einverleibt hat. Seither gilt WhatsApp als nicht mehr sicher, weil Nachrichten und Kontakte auf einem Server in den USA gespeichert werden können.

Ganz vielen war das wurscht und sie nutzten WhatsApp weiter. So wie die berühmte 42köpfige Jugendgruppe, die zwei 15-jährige Mädchen zum Amtsantritt des damals umjubelten Jugendpfarrers als Ortsgeistlicher in Herz Jesu Weimar zusammengetrommelt hatten: Ohne WhatsApp undenkbar! So wie auch besagter ehemaliger Jugendpfarrer selber, der sich ebenfalls WhatsApps bediente, um vor Dekanatsjugend-Fahrten nach Saalfeld, Nightfever-Ausflügen nach Erfurt, Ministranten-Fußballturnieren nach Apolda und anderen Aktionen mit dem Orgateam der Jugendgruppe zu kommunizieren. (Lang, lang ist‘s her). So wie ich selber, deren Smartphone sich in der Anschaffung ganz wesentlich der Tatsache verdankt, daß eine Jugendliche im Zuge der „Rut“-Aufführung 2015 eine WhatsApp-Gruppe für die Cäcilini ins Leben gerufen hatte und Kommunikationsversuche via Email in der Gruppe von Stund an nicht mehr zuverlässig zur Verständigung führten: Die Jugendlichen schauten einfach nicht häufig genug ins Postfach. Aber auf ihr Smartphone. Also ging ich mit der Zeit und entschloß mich irgendwann zum Kauf eines solchen Kommunikationsgerätes.

Wie gesagt: Ganz vielen ist es egal, ob Herr Zuckerberg weiß, wann im Advent sie sich mit Freunden auf der Eisbahn verabreden. Für sich selber bleibt es auch jedem unbenommen, da etwaige Risiken selber bzw. in Abstimmung mit dem Elternhaus abzuschätzen.

Für Institutionen, die sich für andere in der Verantwortung sehen und diese Verantwortung auch ernst nehmen, stellt sich die Frage nach dem Datenschutz wesentlich schärfer: Kann und will ich verantworten, daß Menschen im Namen der Institution, der ich vorstehe, Namen, Daten und Kontakte austauschen, die nicht sicher sind? Unser Bischof hat für seinen Verantwortungsbereich, die Pfarreien der Diözese Erfurt, diese Frage mit „Nein“ beantwortet. Die Fürsorgepflicht, in der er sich den vielen Ehrenamtlichen in den Kirchorten seines Bistums gegenüber weiß, hat er so stark gewichtet, daß er die Nutzung des Messengerdienstes WhatsApp schon vor geraumer Zeit untersagt hat. Eine Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2019.

Eine Übergangsfrist? Übergang wohin? Nun – es wurde nichts verboten, ohne für Ersatz zu sorgen. Im Herbst 2019 ergingen Emails an die Verantwortlichen aller Pfarreien, daß das Ordinariat ab sofort Codes für den Schweizer Messengerdienst Threema zur Vernetzung der Ehrenamtlichen in den Pfarreien finanziert. Erste Codes wurden gleich zur Verfügung gestellt. Aber es gilt: Es gibt so viele, wie jede Pfarrei braucht. Bitte gerne zusätzlich anfordern. 

Super!

Ich erfuhr über eine Bekannte davon, reagierte mit dem klassischen: „Nie gehört“ und schrieb unsere beiden Gemeindereferenten an. Eine Woche lang erhielt ich keine Antwort. Das ist eigentlich untypisch. Ich schrieb also erneut, diesmal auch an Pfarrbüro und Pfarrer, und es verging keine Stunde, bis ich die Antwort vom Chef persönlich erhielt, wir in Weimar würden das nicht einsetzen, es sei vom Bistum nur für die Hauptamtlichen gedacht und man sei ja sowieso ausreichend gut erreichbar. Viele Grüße.

Na gut, dachte ich, ist zwar schade, wo die Hauptamtlichen sich doch wöchentlich in der Dienstberatung sehen und wir Ehrenamtlichen uns nicht mal mehr einmal im Jahr – die Förderung eines Messengerdienstes schien mir von daher wie geschaffen für dialogscheue Pfarreien wie die unsere – aber des Herren Wege sind unergründlich …

Ich nahm also die Information so hin, behielt aber die Sache im Hinterkopf. Gesprächsweise erfuhr ich dann aus einer weiteren Pfarrei unseres Bistums seitens des dortigen Ortsgeistlichen, daß er in seinem Beritt Threema längst installiert hat, gerade noch einmal Codes nachbestellt hatte und seine Ehrenamtlichen mit den neuen Kommunikationswegen ausgesprochen zufrieden sind. Schließlich erfuhr ich auch direkt aus Erfurt von einem Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats, daß die Threema-Accounts entsprechend der allerersten Information, die ich erhalten hatte, zur Vernetzung ausdrücklich der Ehrenamtlichen zur Verfügung stehen.

Eine erneute Anfrage bei  Pfarrer und Kirchortrat, ob es sich bei der ersten Antwort zum Thema Threema nicht vielleicht um ein Mißverständnis gehandelt habe und man bitte die Angelegenheit noch einmal prüfen wolle, erbrachte die knappe Auskunft „Interessiert mich nicht.“

Na gut – kann man sagen: muß auch nicht, denn die Accounts sind ja eben nicht für die hauptamtlichen, sondern für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchorte gedacht. Und hier liegen die Vorteile klar zutage. Wer schon einmal versucht hat, einen Kirchenputztermin vom üblichen Zeitpunkt auf einen anderen zu verschieben, wird sofort verstehen, was ich meine. Vor allem aber: Wie in jedem Messengerdienst sieht der/die Nutzer/in, wer wie ebenfalls über diesen Weg erreichbar ist (was bekanntlich für Emails gar nicht und fürs Telefon nur begrenzt zutrifft), kann Gruppen bilden und die Menschen sehr einfach kontaktieren. Das heißt, ein in der Pfarrei eigens installierter Dienst wie Threema ist der ideale Wegbereiter von Kontakten jenseits der festen Gruppen und heraus aus den kleinen Freundeskreisen, in denen sich die Gemeindearbeit gerade in Weimar nur allzu oft um sich selber dreht wie Wasser um den Abfluß. Wie schade, daß dieser Dienst nicht auch uns so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt wird.

Sprecht/ sprechen Sie also, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte eine plausible Ausrede ab, warum in einer Pfarrei wie Herz Jesu Weimar, die in den gemeindlichen Angeboten praktisch zu 100% auf reine Privatinitiative setzt, dieser Messengerdienst derzeit noch nicht im Sinne des Sponsors zum Tragen kommt. Eure Gesprächspartner könnten diesen Umstand sonst womöglich als Symptom eines tieferliegenden Problems interpretieren. Und damit hätten sie ja gar nicht mal so Unrecht.

 

Cornelie Becker-Lamers 

 

PS: Dieser Text ist schon neun Wochen alt. Wir haben es nur immer nicht geschafft, ihn abends einzustellen. Aber in der jetzigen Zeit, in der die unmittelbare persönliche Kommunikation so sehr erschwert ist, wir aber trotzdem ‚in Verbindung bleiben‘ sollen, paßt er sogar besonders gut.

 

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