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Professor Michael Kapsner und die hochschuleigene Franz-Liszt-Gedächtnisorgel in der katholischen Pfarrkirche Herz Jesu Weimar

Das Antrittskonzert 2/2

Heute ist der 8. Mai 2020. Ob das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa heute vor 75 Jahren auch in Deutschland einen staatlichen Feiertag begründen sollte oder nicht, wird seit einiger Zeit aus allen Blickwinkeln beleuchtet und reflektiert. Darüber können selbstverständlich auch wir uns Gedanken machen, müssen es aber nicht, denn es machen genügend andere.

Worum wir in Herz Jesu Weimar uns kümmern müssen – alle miteinander –, ist unsere Pfarrei. Und wenn wir das tun, stellen wir u.a. fest: Herz Jesu Weimar hat heute einen Feiertag. Darüber müssen wir gar nicht diskutieren. Da kommt es nur drauf an, wie wir ihn begehen und wessen wir dabei gedenken.

Denn der 8. Mai ist der Tag unserer Orgelweihe. Heute vor neun Jahren, einem Sonntag, wurde die „Franz-Liszt-Gedächtnis-Orgel“ im Rahmen eines ganzen Festwochenendes nach einem Werkstattabend, einem international besetzten Symposium und einem geistlichen Konzert des Hochschulkammerchors durch den damaligen Bischof Joachim eingeweiht. Mit einem mehrstündigen nächtlichen Orgelmarathon „zum Auftakt der konzertanten Nutzung des neuen Instrumentes“ schloß das Festwochenende in der Nacht zum Montag ab. (Das Zitat ist dem von der Musikhochschule Franz Liszt Weimar herausgegebenen Begleitheft „Soli Deo Gloria“ S. 13 entnommen.)

Ziemlich ‚großer Bahnhof‘ also, damals, 2011, der die Bedeutung dieses Orgelneubaus und ihrer Weihe widerspiegelt. Eine Feier des Jahrestages, des 8. Mai, müßte also diese Orgel inszenieren. Der Dank an einem solchen Tag aber gehört ihrem Initiator, der das Instrument auch geplant, für die Finanzierung des Millionenprojekts gesorgt und den Bau betreut hat.

Aber auf wen gehen Idee und Initiative zu diesem großartigen Instrument zurück und was waren seine Beweggründe für ein jahrelanges ehrenamtliches Engagement in dieser Sache? Was ist aus dem „Auftakt zur konzertanten Nutzung“ geworden? Und liegt es nur an den Maßnahmen zur Corona-Eindämmung, daß wir den neunten Orgelgeburtstag nicht im selben Maße feiern wie das vor anderthalb Jahren in Jena zu neun Jahren Kutterorgel geschehen ist? Ja, daß uns dieser Tag in all den Jahren seitens der Pfarrei überhaupt nicht bewußt gemacht wurde? Offensichtlich nicht. Aber was planen wir für das kommende Jahr, das Zehnjährige, wenn der 8. Mai wieder auf ein Wochenende fällt? Wer ist nachdenklich geworden, als unser Pfarrer sich anläßlich des Antrittskonzerts des jungen Orgelprofessors Martin Sturm am 12. Januar 2020 coram publico bei der Hochschule für geschehenes Unrecht entschuldigte? Wußten alle, wovon die Rede ist – und wenn nicht, haben sie Antworten auf ihre Fragen erhalten?

Zu viele Fragen für einen Text! 

Beginnen wir mit dem Anfang. Initiator der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel ist der Professor im Ruhestand Michael Kapsner. Michael Kapsner, ein hochintelligenter, sensibler, ebenso emotionaler wie hochreflektierter und wortgewandter Künstler, 1961 in Passau geboren und noch zu Schulzeiten auch in Wien an der Orgel ausgebildet, konnte schon auf zehn Jahre der Lehrtätigkeit in den Fächern Orgel und Improvisation an der Musikhochschule Trossingen bzw. der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz, außerdem auf freiberufliche Tätigkeit als Chorleiter und Orchesterdirigent zurückblicken, als er 2004 auf die Professur für Orgel und Improvisation an der Weimarer Musikhochschule berufen wurde (Martin Sturm, der am 12. Januar 2020 sein Antrittskonzert in Herz Jesu Weimar spielte, ist also Kapsners Nachfolger in dieser Position).

Professor Kapsners Initiative für die Franz-Liszt-Gedächtnisorgel speiste sich aus mehreren Quellen. Sie ist undenkbar ohne die ‚Personalunion‘ einer Zugehörigkeit Kapsners sowohl zur Hochschule als auch zu unserer katholischen Pfarrei, in der sich auch Frau und Kinder bald ehrenamtlich im PGR, im Lektoren- und Ministrantendienst engagierten. Die damaligen Übemöglichkeiten für die angehenden KirchenmusikerInnen der Weimarer Hochschule, vor allem aber die Bedeutung Franz Liszts für die katholische Pfarrei Weimar, für deren Kirchenneubau Liszt ja nicht nur fürstliche Schatzkammern angezapft, sondern für die er auch komponiert hat, trugen ihren Teil zur Motivation des Großprojektes bei. Das kirchenmusikalische und liturgische Werk unseres einstigen Gemeindemitglieds Franz Liszt sollte in Sonn- und Feiertagsmessen seiner Heimatpfarrei zur höheren Ehre Gottes wieder zum Klingen kommen. (Denken Sie an die Rolle von Bachs Kantatenwerk in der evangelischen Stadtkirche.) Das war die große Vision hinter Kapsners jahrelanger Arbeit. Sie konkretisierte sich im Frühjahr 2006 in einem Vieraugengespräch mit dem damaligen Weimarer Ortsgeistlichen. 

Michael Kapsner konzipierte gemeinsam mit den Fachleuten von Orgelbau Waltershausen ein Instrument, das ältere Orgelliteratur, besonders aber auch romantische Kompositionen und damit auch das Werk Liszts interpretierbar macht. Eine besondere Herausforderung war, daß – anders als bei der vorherigen Orgel – die Rosette des Ostgiebels (über der Orgelempore; unsere Kirche ist gewestet) sichtbar sein sollte: Eine Anforderung, die im Fortgang der Ereignisse eine große Rolle spielte.

Zur Finanzierung stellte Prof. Kapsner einen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Der Antrag wurde bewilligt. Wieviel Sachverstand ein solcher Antrag erfordert und wieviel der zusätzlichen Argumentation es seitens Michael Kapsners bedurfte, um unsere Kirchengemeinde tatsächlich vollständig aus der Finanzierung herauszuhalten, führt hier zu weit, sei aber angedeutet. Auch dieser Aspekt spielte im Fortgang eine Rolle. Daß zuletzt wirklich auch noch das Land Thüringen einspringen mußte, hing mit unerwarteten Mehrkosten durch die Anforderung „Rosette freilassen“ zusammen. Hier hatte übrigens mein Mann die rettende Idee zum Procedere und die notwendigen Hinweise für das Rektorat der Musikhochschule. Nur mal so nebenbei.

Warum schreibe ich das alles? Das steht doch sicherlich so etwa auf unserer Homepage.

Nein, tut es eben nicht. Nicht mal so etwa. Aber die Texte schauen wir uns ein andermal an. Heute geht es darum, den Namen Michael Kapsner an dieser Stelle einmal festzuhalten und sein Engagement für unsere Pfarrei knapp zu umreißen. In seiner Gänze kann man es nicht schildern, aber die hauptsächlichen Verdienste kann man doch einmal festhalten. Denn man hört immer wieder, daß Gemeindemitgliedern, gerade auch alteingesessenen, der Name Kapsner gar nichts sagt. Und daß sie ihn auf der Straße nicht erkennen würden. Und das wird, wie Sie mir spätestens nach Lektüre des obigen Textes, sicherlich zustimmen werden, seinen Verdiensten für unsere Pfarrei nicht gerecht. Daher hier auch ein Bild, auf dessen Grundlage Sie ein besseres Foto im Internet suchen können. Denn Links auf Bilder im Netz verschwinden immer schon mal. Kapsners Bild soll aber bleiben.

Abfotografie einer Doppelseite des Hochschulmagazins „Liszt“ No 16, eines Heftes mit Themenschwerpunkt Orgel, das ab S. 8 ein Interview mit Professor Kapsner abdruckt. Rechts im Bild Professor Michael Kapsner.

Fortsetzung folgt

Cornelie Becker-Lamers 

 

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