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„Keiner soll alleine glauben“ ?

Ostern 2020 und der Wiederbeginn

Natürlich war wieder mal das größte Problem, es nachts wirklich dunkel zu kriegen. Wenn man nicht in der komfortablen Lage ist, über den Innenhof eines Kreuzgangs zu verfügen, sondern mit Hof und Garten am Haus zurecht kommen muß, ist man in der Regel von Straßenlaternen umstellt, die ohne Rücksicht auf die spezifischen Erfordernisse einer Ostervigil die ganze Nacht vor sich hin und überall hineinleuchten: In die Fenster, in die Einfahrten und über alle Mäuerchen und Zäune. Und dann ist da ja auch noch das Licht am Hintereingang. Dort machen wir uns die fabelhafte Erfindung eines Bewegungsmelders zunutze. Das Licht läßt sich zwar auf Dauerbetrieb, aber nicht ausschalten. Also muß man auf die Leiter steigen und die Birne herausdrehen.

Aber jenseits all dieser letztlich lösbaren Probleme war es eine wirklich schöne Erfahrung, die Osternacht alleine mit der Familie zu Hause. Wir konnten es uns ja alle nicht vorstellen: Ostern ohne Messe?! Und natürlich traf man zur Ölbergstunde am Gründonnerstag denn auch die ‚üblichen Verdächtigen‘ zwischen 21 Uhr und 23 Uhr in der Pfarrkirche an. Alle brav im gehörigen Abstand von mehreren Bankreihen. Aber wenn alle zufällig gleichzeitig dasselbe beten, ist man eben trotzdem zusammen.

Die Osternacht in der Kleinfamilie war deshalb ein so intensives Erlebnis, weil wir eben nicht einfach in die Kirche gehen konnten und mitmachen, was passiert. Sondern weil wir uns genau überlegen mußten, was alles dazugehört. Und was ohne Priester geht.

Es braucht ein kleines Feuerchen. Und eine Osterkerze. Die sollte – habe ich dieses Jahr erst gelernt – neben der Jahreszahl und dem Alpha und Omega nicht einfach irgendwie mit Kreuz, Baum, Regenbogen oder sonstwas Schönem verziert sein. Sondern in die fünf Wachsnägel, die man beim Segen in das Kreuzzeichen auf der Kerze steckt, gehört je ein kleines Körnchen Weihrauch. Und da man Wachs nicht in Wachs drücken kann, mußte ich zunächst einen Kern aus echten Nägeln basteln.

Segnen dürfen auch Laien. Und so haben wir denn nach Mitternacht im Hof in einer Feuerschale einen winzig kleinen Scheiterhaufen angezündet. Von einem befreundeten Priester hatten wir irgendwann schon einmal ein Rundum-Sorglos-Paket mit geweihter Kreide, Weihrauch und einem speziell ausgehöhlten Stückchen Kohle bekommen. Auf einem Stövchen konnten wir die Kohle zum Glühen und den Weihrauch zum Qualmen bringen. Weihwasser konnte man sich ja auch beizeiten abzapfen. Und so haben wir unser Osterfeuer und die Osterkerze gesegnet und inzensiert.

Bevor es dann mit „Lumen Christi“-Gesang durchs dunkle Treppenhaus in die Wohnung ging, haben wir – einer Anregung auf Twitter folgend, die auch, wie wir später sahen, der evangelische Stadtpfarrer Ramon Seliger in seinem Wort zum Ostersonntag aufgegriffen hatte – mit Straßenkreide die Frohbotschaft auf die Bürgersteige geschrieben.

Nachts geschrieben, am nächsten Morgen fotografiert: „Christus ist auferstanden“ auf Straßen und Bürgersteigen um unser Haus herum (eigene Bilder)

Zurück in der Wohnung, haben wir reihum die Lesungen gelesen, uns hingekniet und alles was so dazugehört, und dann haben wir das Fasten gebrochen. Das ganze ging so bis halb drei, war also recht zünftig. Und tatsächlich eine sehr intensive Erfahrung – nur im engsten Familienkreis.

 

Und dann die erste wieder erlaubte Heilige Messe, die Vorabendmesse am 2. Mai! Der Einzug des Priesters mit dem einen erlaubten Meßdiener und der Diakonatshelferin wurde von einem schier nicht enden wollenden Orgelspiel begleitet. Damian Poloczek schien mit den prachtvollen Klängen die 25 Gläubigen, die auf Abstand in den Bankreihen saßen, damit für die gesamte Zeit entschädigen zu wollen, in der wir die Heilige Messe vermißt hatten. Das Lied, in welches das Orgelvorspiel mündete, wirkte wie ein Fanal in den Zeiten unserer derzeitigen Gesundheits-Religion: „Preis dem Todesüberwinder, der da starb auf Golgotha“! Ja! Fürchtet euch nicht! Der Tod ist überwunden. Das ewige Leben wartet auf euch! Der Kirchenraum – die Gemeinschaft – das gemeinsame Schuldbekenntnis mit seinen Bitten an wirklich anwesende „Brüder und Schwestern“ – von der Teilhabe am Nachvollzug des Meßopfers ganz zu schweigen – das alles ist dann eben doch unersetzbar.

Cornelie Becker-Lamers

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