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Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 13

Womit soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindern gleich, die auf dem Markte sitzen und ihren Gespielen zurufen,
und sagen: Wir haben euch gepfiffen und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen und ihr habet nicht geweint.
Denn Joannes ist gekommen, er aß und trank nicht und sie sagen: Er hat den Teufel!
Des Menschen Sohn ist gekommen, er isset und trinket und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Aber die Weisheit wird von ihren Kindern gerechtfertiget.
(Mt 11, 16 – 19)

‚Aber mit was soll ich diese Generation vergleichen? Sie ist wie Jungen, die an einem öffentlichen Ort sitzen und schreien.‘
Wir finden in der Heiligen Schrift zwei Arten von Jungen, einige in ihrem Denken und einige in ihrem üblen Tun, wie der Apostel sagt: Laßt euch nicht zu Knaben [EÜ: „Unmündige“] in eurem Denken machen, sondern seid [wie] Kinder gegenüber dem üblen Tun, damit ihr vollkommen im Denken seid. (1 Kor 14, 20)
Der öffentliche Ort bedeutet Jerusalem, wo die Einhaltung des Gesetzes und die Gerechtigkeit verhandelt wurden. Es zeigt, daß Jungen [im guten Sinne: ‚Kinder‘] an diesem öffentlichen Ort saßen, die Propheten in der Vergangenheit und die Apostel nach der Passion des Herrn. Alle jene, die ohne Übeltat waren, werden angemessen als Kinder verstanden. Tatsächlich sagt der Herr durch den Propheten: Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat. (Jes 8, 18) Und anderswo sagt er: Kinder, habt ihr etwas zu essen? (Joh 21, 5) Abraham, als er schon im hohen Alter war, wurde der Knabe des Herrn genannt. (vgl. Gen 26, 24) […]
‚Wir haben für euch gesungen, und ihr habt nicht getanzt‘, das heißt, wir haben das Kommen und die Herrlichkeit des Herrn gepredigt, und ihr habt euch geweigert zu glauben. Denn tanzen heißt sich zu freuen und mit der Stimme des Sängers in Einklang zu kommen. Das weigerte sich das Volk zu tun, denn sie trauten den Propheten nicht, die predigten, daß der Sohn Gottes kommen würde, und später wollten sie auch nicht den Aposteln glauben, die Zeugnis ablegten, daß er gekommen war.
‚Wir haben für dich geklagt und du hast nicht geweint.‘ Denn alle Heiligen weinten über die Vernichtung Jerusalems und die Zerstreuung seiner Bewohner […]
M. LXII.

Klosterbibliothek Admont, Kuppel ‚Naturwissenschaften‘ (Südflügel): Putten mit Blumen (eigenes Bild)

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 12

Es ging aber viel Volk mit ihm und er wandte sich zu ihnen und sprach:
Wenn jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater und Mutter und Weib und Kinder und Brüder und Schwestern, ja auch sogar seine eigene Seele, der kann mein Jünger nicht seyn.
Und wer sein Kreuz nicht trägt und mir nachfolget, der kann mein Jünger nicht seyn.
Denn wer von euch, der einen Turm bauen will, wird sich nicht zuvor niedersetzen und die nöthigen Kosten überschlagen, ob er auch habe, um auszulangen
damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat, und den Bau nicht vollenden kann, alle, die es sehen, ihn zu verspotten anfangen,
und sagen: Dieser Mensch fing an zu bauen und konnte nicht vollenden?
Oder welcher König wird gegen einen andern König ausziehen und Krieg führen, ohne sich zuvor niederzusetzen und zu überlegen, ob er mit zehntausend Mann bei dem etwas ausrichten könne, der mit Zwanzigtausend Mann zu ihm kommt?
Kann er das nicht, so wird er Gesandte schicken, da jener noch ferne ist, und um Frieden bitten.
Also kann auch keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er besitzt, mein Jünger seyn.
(Lk 14,25-33)

Damit aber dieser Haß gegen die Nächsten nicht aus Leidenschaft erwächst, sondern aus Liebe, fügte er hinzu: „und dazu noch seine eigene Seele“. Es ist also sicher, daß der durch Lieben seinen Nächsten hassen muß, ihn so haßt wie sich selbst; denn wir hassen unser Leben dann richtig, wenn wir seinen fleischlichen Gelüsten nicht nachgeben, sein Verlangen brechen und gegen seine Begierden ankämpfen. Dieses verachtenswerte Leben wird also zum Besseren geführt, es wird gleichsam durch den Haß geliebt.
Denn sein Kreuz tragen und Gott nachfolgen bedeutet entweder die fleischliche Enthaltsamkeit oder das Mitleiden mit den Nächsten zu üben im Verlangen nach dem ewigen Leben.
Weil hier hohe Anforderungen gestellt sind, wird sofort der Vergleich mit dem Bau eines Turmes angefügt. […] Denn alles, was wir tun, müssen wir zuvor durch eifriges Überlegen abwägen. Wenn wir also den Turm der Demut bauen wollen, dann müssen wir uns vorher auf die Widrigkeiten dieser Welt vorbereiten. (Gregor der Große)

Die Einheitsübersetzung übersetzt „hassen“ durch „gering achten“, Allioli übersetzt das „odit“ der Vulgata korrekt mit „haßt“ und nur so versteht man auch die Ausführungen des Hl. Gregor d. Gr. richtig, auf den wir erneut zurückgreifen mußten, da sich für heute bei Fortunatian aber auch partout nichts fand. Und wo schon alles anders ist, gibt es heute auch ein Photo, das zwar aus Stift Admont, aber erkennbar nicht aus der Bibliothek stammt! 😉

Stiftskirche Admont (eigenes Bild)

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 11 (St. Luzia)

Dann wird das Himmelreich zehn Jungfrauen gleich seyn, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam und der Braut entgegen gingen.
Fünf von ihnen waren thöricht und fünf klug.
Die fünf thörichten nahmen zwar ihre Lampen aber nahmen kein Oel mit sich.
Die klugen dagegen nahmen mit den Lampen auch Oel in ihren Gefäßen mit.
Als nun der Bräutigam verzog wurden alle schläfrig und entschliefen.
Um Mitternacht aber erhob sich ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet heraus, ihm entgegen!
Da standen alle diese Jungfrauen auf und richteten ihre Lampen zu.
Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem Oele, denn unsere Lampen verlöschen.
Da antworteten die klugen und sprachen: Es möchte nicht zureichen für uns und euch; gehet vielmehr hin zu denen, die es verkaufen, und kaufet euch eines.
Während sie nun hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam und die bereit waren gingen mit ihm zur Hochzeit ein und die Thüre ward verschlossen.
Endlich kamen aber auch die anderen Jungfrauen und sagten: Herr, Herr, thu uns auf!
Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, sage ich euch, ich kenne euch nicht.
Wachet also, denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde.
(Mt 25, 1 – 13)

‚Dann wird das Königreich der Himmel betrachtet als zehn Jungfrauen.‘
Zehn Jungfrauen: Es ist sicher, daß die Jungfrauen die Zehn Gebote darstellen, die an Moses übergeben und von ihm an das Volk weitergegeben wurden. Denn wenn du versuchst, die Zahl der Jungfrauen anders zu erklären, wirst du nichts finden. Aber weil er sagte, daß sie wie das Königreich der Himmel betrachtet werden, denke ich, daß dies als die Zehn Gebote verstanden werden sollte, die überliefert wurden, und in denen alles enthalten ist.
‚Fünf waren weise und fünf töricht, die kein Öl nahmen.‘ Das zeigt den Teil des jüdischen Volkes, der das Kommen des Sohnes Gottes nicht akzeptieren wollte, weil er in Demut gekommen ist. Sie waren aber töricht, weil sie die Aussagen der Propheten nicht verstanden haben, durch die das Kommen des Sohnes Gottes in Niedrigkeit verkündet wurde: ‚Siehe, eine Jungfrau wird in ihrem Schoß empfangen, und sie wird einen Sohn gebären, und sie sollen seinen Namen rufen Emmanuel, was übersetzt „Gott mit uns“ bedeutet‘ (Mt 1, 23; Jes 7, 14) und all die anderen Dinge, die über sein Kommen gesagt wurden. Der Teil des Volkes, der nicht versteht, wird in den fünf törichten Jungfrauen dargestellt.
Was die Tatsache angeht, daß sie in ihren Gefäßen kein Öl nahmen,so werden die Gefäße selbst als Menschen verstanden; Öl hingegen ist Barmherzigkeit, ein Bild für den Heiligen Geist, den die Törichten nicht haben können. […]
In gleicher Weise wird, wer immer die Gebote Gottes nicht hält, angemessen für dumm und töricht gehalten. Die Fackeln aber werden erwähnt wegen der Größe der Heiligkeit und der Selbstbeherrschung, so wie die Diener Gottes ja auch als Lampen verstanden werden: ‚Ich habe eine Lampe für meinen Gesalbten [Christos] bereitet‘ ( Ps 131, 17) Daher nahmen auch die vernünftigen Jungfrauen ihre Fackeln und Öl in ihren Gefäßen mit, das heißt, sie warten auf das Kommen des Sohnes Gottes, umgürtet mit aller geistlichen Heiligkeit. Denn jeder, der keusch und einfach und fromm und religiös lebt, der barmherzig ist, wartet auf das Kommen des Sohnes Gottes. Selbst wenn sie vom Körper abscheiden, sind sie dennoch bei ihm und werden für ihre Verdienste belohnt werden.
‚Aber als der Bräutigam zu spät kam, wurden sie alle schläfrig und schliefen‘ Es gibt zwei Möglichkeiten, den ‚Schlaf‘ zu verstehen. Manche schlafen, weil sie die Anweisungen Gottes nicht befolgen; andere schlafen, die sich aller weltlichen Dinge entschlagen.
Daher schlafen einige der Welt und andere schlafen Gott.
Wie der Apostel sagt, bindet sich niemand im Dienste Gottes an weltliche Bedürfnisse: (2 Tim 2, 4) die Art von Menschen, die weltliche Übel aus ihrem Herzen herausgeschnitten haben, schlafen der Welt und enthalten sich weltlicher Bosheit. Aber die Person, die nachlässig ist, in den Werken Gottes, sie schläft Gott, indem sie seinen Willen nicht tut. […] So können wir leicht sagen, daß die fünf vernünftigen, die Öl und Fackeln nahmen, die Apostel sind […]. Sie nehmen das Kommen des Sohnes Gottes an, geben durch sorgfältige Beachtung seine Gebote an die Kirche weiter und unterweisen sie, sie zu bewahren.
Dadurch wird die Kirche als weise angesehen, weil sie Erbarmen hat, das ‚Öl‘, aber auch den Heiligen Geist.
‚Aber mitten in der Nacht‘: Das zeigt tiefe Dunkelheit.
‚Ein Schrei wird erhoben, als der Bräutigam kommt‘: welcher Schrei als der, der die Stimme eines Rufers in der Wüste ist, wie Johannes sagt: ‚Derjenige, der die Braut hat, ist der Bräutigam‘ (Mt 3, 3; Joh 3, 29)
Die fünf Bücher Moses können als Bild der fünf vernünftigen Jungfrauen genommen werden: Indem sie diese Schriften liest wird die Kirche als vernünftig bezeichnet, da sie den Sohn Gottes erkennt: Offenkundig hat sie selbtbeherrschte Jungfrauen, die den Bräutigam mit Fackeln und einem großen Maß an Selbstbeherrschung erwarten. [Sic!]
‚Sie gehen zur Hochzeit hinein und so sind die Türen geschlossen‘
Das, was wir lesen, fand in Sodom statt: Diejenigen, die mit Blindheit geschlagen waren, konnten nicht eintreten, weil es ihnen nicht erlaubt war, und es war geschlossen worden. (Gen 19, 4 – 11)
Wie auch Johannes sagt: Er schließt und niemand öffnet, er öffnet und niemand schließt‘ (Offb 3, 7) Der Eingang zur Kirche ist offen, niemand vermochte ihn zu schließen. Denn sie hat schon häufig Verfolgungen von Herrschern erlitten, aber es war nie möglich, daß der Zugang zu ihr geschlossen wurde. […]
Und so, damit wir vom Bräutigam erkannt werden, weist er uns an, mit aller Macht zu wachen, da wir den Tag und die Stunde seines Kommens nicht kennen. Oder auch, weil wir den Tag nicht kennen, an dem wir aus diesem Leibe ausgehen, ermahnt er uns sowohl wach zu bleiben, als auch Gott zu dienen.
M. CXVI.

Klosterbibliothek Admont, Zentralkuppel, ‚Offenbarung‘: Die lateinischen Kirchenväter Ambrosius, Gregor der Große, Augustinus und Hieronymus (eigenes Bild)

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 10

Was dünket euch? Wenn einer hundert Schafe hat, und eines von ihnen sich verlieret: läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und gehet hin, das verirrte Schaf zu suchen?
Und wenn es sich zuträgt, daß er es findet, wahrlich, sag‘ ich euch, er freuet sich mehr über daßelbe, als über die neunundneunzig, welche nicht irre gegangen sind.
Also ist es nicht der Wille euers Vaters, der im Himmel ist, daß eines von diesen Kleinen verloren gehe.
(Mt 18, 12 – 14)

‚Was denkt ihr, wenn jemand hundert Schafe besaß und eines von ihnen in die Irre ging?‘ Das Schaf, das in die Irre ging, das Hundertste, ist ein Bild für alle Völker, die durch die Berge wandern, was bedeutet, daß sie in verschiedenen Formen des Götzendienstes irren. Deshalb sucht der Hirte nach diesem, nachdem er die neunundneunzig zurückgelassen hat, welche die Juden bedeuten. Denn Abraham als ein Zeichen dafür und ein Symbol der Juden, wird beschnitten, als er neunundneunzig Jahre alt ist. Der Hirte kommt und sucht nach dem Schaf. Wenn er es gefunden hat, ruft er es zurück und freut sich darüber. Die volle Summe beginnt in seiner rechten Hand zu sein, die hundert, die die Kirche sind, und die neunundneunzig in der linken Hand; der linke Teil ist offenkundig die Synagoge. (Diese Bemerkungen beziehen sich auf das römische System des Zählens mit den Fingern, in dem 100 mit der rechten, 99 aber mit der linken Hand gezeigt wurde) Als Abraham also hundert Jahre alt war, zeugte er einen Sohn, Isaak. Das zeigt, daß wenn jemand zum Glauben kommt, ob von den Juden oder von den Heiden, er auf der rechten Seite gehalten [zur rechten Seite „gerechnet“] wird und [damit] Kirche ist [zur Kirche gehört], die zum Rang der rechten Seite zugeteilt wurde. Jesus sagt, daß er sich mehr über diesen freut als über diejenigen, die nicht Buße getan haben. […]
M. LXXXVII.

Klosterbibliothek Admont, Kuppel ‚Rechtswissenschaften‘ (Nordflügel): Die Belohung der guten Taten: Almosengeben, Fasten, Gebet (eigenes Bild)

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 9

Und er stieg in das Schifflein, fuhr über und kam in seine Stadt.
Und sieh, sie brachten zu ihm einen Gichtbrüchigen, der auf einem Bette lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sey getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!
Und siehe, einige von den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott!
Und da Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr Böses in euren Herzen?
Was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf und wandle herum?
Damit ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe, die Sünden zu vergeben auf Erde; – da sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus!
Und er stand auf und ging in sein Haus.
Da aber das Volk dieses sah, fürchtete es sich und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.
(Mt 9, 1 – 8)

[Die Leseordnung sieht heute die Parallelstelle Lk 5, 17 – 26 vor]

‚Siehe, sie brachten einen gelähmten Mann auf einem Bett‘. […]
Und wie oben gesagt: ‚In seine eigene Stadt‘, doch es gab niemanden, der heilen konnte, weil das Gesetz nur ein Vorausbild ist und keine Wirkung hat. Deshalb kam der, den das Gesetz vorhergesagt hatte, und vollendete alles, was von den Propheten vorhergesagt wurde, daß er ihre Schwächen heilte und selbst ihre Leiden trug. (Jes 53, 4; Math 8,17) ​​Außerdem sah er den Glauben derer, die beteten. Wo also ein einmütiges Gebet gesprochen wird, kann <alles> erlangt werden, auch wenn derjenige, für den es erbeten wird, es nicht verdient. Nachdem er ihren Glauben gesehen hatte, sagte er zu dem Gelähmten: Deine Sünden sind vergeben. Wir wissen, daß Lähmung Sünden ohne Ende bedeutet, die einen Menschen verkrüppeln und in schwach allen seinen Gliedmaßen. Aber Jesus tat dies, damit sie dadurch wussten, daß er der Sohn Gottes ist, denn niemand anders vergibt Sünden außer Gott. Als sie ihn als einen Menschen sahen, lehnten sie die Göttlichkeit in ihm ab. Als er ihre Pläne sah – denn sie begannen zu sich zu sagen: Er lästert – sagte er zu ihnen: Was für eine Bosheit planst ihr in euren Herzen? Und er fügte noch mehr hinzu, weil sie nicht glaubten: Was ist leichter, zu sagen: ‚Deine Sünden sind vergeben‘ oder zu sagen: ‚Steh auf und geh‘? So zeigte er offensichtlich, wer er war. Er sagte: Aber damit ihr wisst, daß der Menschensohn die Vollmacht hat, auf der Erde Sünden zu vergeben. Dann sagt er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Bahre und geh zu deinem Haus. So zeigt er die Stärke seiner Göttlichkeit auf verschiedene Weise: erstens durch den Glauben derer, die darum bitten, daß ihre Sünden vergeben werden; dann, gegenüber denen, die darüber erstaunt sind, fügt er hinzu: ‚Steh auf und geh‘; drittens sagt er: Steh auf, nimm deine Bahre und geh zu deinem Haus. […]
Das Bett wird als Schwäche oder als Gelegenheit zur Ruhe aufgefaßt. Aber weil hier von einem gelähmten Mann erzählt wird, zeigt es die Schwäche […] Diese Schwäche besteht aus Sünden, die dem vergeben werden, der glaubt. Nach der Vergebung der Sünden ist auch der Heilige Geist gegeben: das ist die Bedeutung von „Steh auf und geh!‘. Drittens heißt es: Nimm deine Bahre und geh nach Hause. Nun, derjenige, der im Namen Christi getauft wurde, hat die Kirche als seine Heimstatt und derjenige, der auf der Bahre lag, d.h. in der Schwäche, wurde durch die Kraft des Heiligen Geistes so stark gemacht, daß kraftvoll und aktiv, eben dieses Bett herumtrug: das bedeutet, daß er Auskunft über die Schwächen anderer gab und auf welche Weise sie geheilt werden sollen.
(M. XLI. )

Als aber die Menge dies sah, fürchtete sie sich, angesichts dessen, was geschehen war. Und sie gaben Gott die Ehre (was heißt, sie glaubten), der den Menschen solche Vollmacht gegeben hatte. Vollmacht bedeutet, daß man etwas tun kann, wenn man nur ganz und gar glaubt. Wie es gesagt wurde: Wenn du Glauben wie ein Senfkorn hast, wirst du zu diesem Berg sagen: Geh weg, und er wird weggehen. (Mt 17, 19)
( M. XLII. )

Klosterbibliothek Admont, Kuppel ‚Rechtswissenschaften‘ (Nordflügel): Die Strafen der Fesselung (eigenes Bild)

Der Putztrupp

Der Putztrupp 

Ein Sketchlet zum Zweiten Advent für zehn Personen 

 

Wundersdorf/ Oderbruch. Freitag. Spätnachmittag. Während die Schafe draußen vor den Toren der Stadt im dichten Schneetreiben über ihren Sonderurlaub diskutieren, huscht Edith durch die anbrechende Dunkelheit zur Pfarrkirche Maria hilf! 

Was in aller Welt …? Sie trägt einen Wischeimer in der Hand und hat ihren heimischen Schrubber geschultert. Jetzt steigt sie die Treppen zur Sakristei empor und sperrt auf. Das wird ja immer bunter! Heimlich in die dunkle Kirche? Sie tritt ein, bekreuzigt sich mit Weihwasser und schaltet das Licht ein. Jetzt steckt sie den Heiß-Wasser-Boiler über dem kleinen Spülbecken in die Steckdose (nein – nicht den ganzen Boiler. Nur den Stecker.) 

Ah! Jetzt sehen wir klarer. Denn das kann nur eines bedeuten: Man gibt sich ans Putzen. Na – dann sind wir ja gespannt, wer heute abend noch so alles auftauchen wird. Jetzt betritt Edith den Kirchenraum, macht eine Kniebeuge vor dem Tabernakel und begrüßt die Muttergottes an ihrem neuen Ort. (Die Muttergottes ist nämlich umgezogen. Aber das ist eine andere Geschichte!) 

In den Bänken haben Shammiram und ihr Sohn Nahamiyya schon auf Edith und die anderen gewartet. Sie begrüßen sich, und da rücken auch schon Richard (direkt vom S-Bahnhof), Helene und zugleich auch Ines mit ihren beiden Jungs, Reimer und Wenzel, ein. Wenig später werden noch Kurti und vielleicht auch seine Kinder hinzustoßen. Man bewaffnet sich mit Besen und Kehrschaufeln und alle legen erstmal trocken los. Das heißt: Fast alle. 

Reimer (vor den Putzschränken in der Sakristei): Kann ich nicht wischen? 

Edith (schaltet alle notwendigen restlichen Lichter in Kirche und Vorraum an): Wir müssen erst kehren, sonst hast Du die ganzen Flusen im Aufnehmer. Was glaubst du, wie eklig das ist! 

Wenzel: Wir könnten doch schon mal die Bänke abwischen? (Er prüft einen Schrubber auf seine Standfestigkeit.) 

Ines: Gute Idee! Macht das ruhig! 

Shammiram (hat am Waschbecken schon mal das heiße Wasser aufgedreht und vorsichtig einen Finger drunter gehalten, dann, sehr ausdrucksvoll, zu den Jungs): Ist schon warm! Könnt ihr Wasser nehmen! (Sie dreht den Regler auf eine mittlere Position.) 

Reimer und Wenzel machen sich einen Eimer zurecht und schnappen sich die besten Wischmobs, die sie finden können. Edith und Helene beginnen, im Altarraum und in der Vierung zu kehren und zu wischen. Shammiram, Ines und Richard kehren zwischen den Bänken, als Kurti und seine Tochter Sara noch eintreffen. Alle begrüßen sich und Kurti schnappt sich den Staubsauger. Aber er kommt nicht weit, denn gerade hat sich zwischen Richard und Ines eine Diskussion entwickelt. Es könnte um das Prinzip der ehrenamtlichen Putzerei gehen. Wir hören mal rein.  

Ines: Ich finde: Vier-fünfmal im Jahr eine Stunde investieren – das fällt vom Zeitkonto her so wenig ins Gewicht – das kann man machen oder nicht machen, das ist eigentlich wurscht! 

Kurti (nickt): Die Zeit vertut man übers Jahr vor der Glotze aber locker! 

Shammiram: Ich habe in Mossul immer die Kirche schön gemacht – putzen und Blumenschmuck – schööön! (Sie gestikuliert.) Das ist mein Zuhause! 

Edith (lächelt): Ja, es ist wirklich eine schöne Aufgabe. Die Identifikation mit dem Raum nimmt einfach zu. 

Richard (nickt): Manche sagen allerdings, wir nehmen jemandem seinen 400-Euro-Job weg. 

Ines: Das ist freilich eine Überlegung wert! 

Kurti: Ich habs mit dem neuen Pfarrer mal angesprochen – ich glaube, ihm geht es ums Prinzip – die Kirche wird eben von Gemeindemitgliedern geputzt – fertig. Ich denke, das kennt er so von Zuhause. 

Alle gehen in Deckung, weil Reimer, den Schrubber im Anschlag, im Laufschritt über die Kniebänke wischt. Schon ist er in den gegenüberliegenden Reihen verschwunden. 

Nahamiyya (kommt mit Sara aus der Sakristei): Sind das hier die Staubwedel? (Er zeigt seiner Mutter zwei langstielige Federbüsche.) 

Shammiram (bewegt die Federbüsche prüfend zwischen den Fingern und nickt): Ja! Könnt ihr nehmen! 

Nahamiyya und Sara hirschen zu den freistehenden Statuen und beginnen behutsam, auf den Schultern Staub zu wischen. Edith und Helene kommen aus der Vierung und gesellen sich den anderen Erwachsenen zu. 

Edith: Wart ihr schon in den Seitenschiffen? 

Shammiram (nickt): Seitenschiff rechts ist fertig. 

Richard: Links muß glaub ich noch. 

Kurti: Wo ist eigentlich Ines? 

Helene: Dort hinten – aber was tut sie? 

Ines (gesellt sich von den hinteren Bänken wieder zum Rest der Truppe hinzu. Unterwegs weicht sie Wenzel aus, der ebenfalls im Laufschritt seinen Schrubber auf den Kniebänken durch die Bankreihen schiebt. Er ist unglaublich effektiv und scheint sich köstlich zu amüsieren.) 

Ines: Ich finde, dieses mit den Besen zwischen den Bänken Herumkehren ist schon eine ziemlich doofe Arbeit. Ich hab jetzt mal da hinten eine Bank verschoben – geht eigentlich. Wenn man das zu zweit machen würde, und einer putzt, das wäre viel besser. 

Richard (begeistert): Genau das hab ich auch schon immer gedacht! Man bräuchte einen Wagenheber wie in den Formel-Eins-Boxen, wenn sie die Reifen wechseln (er gestikuliert). Man bockt die Bank auf – wischt – fertig. 

Edith: Dann käme man auch endlich mal nah genug an die Füße ran! (Sie zeigt auf die dicken Wollflusen, die sich um die Füße der Bänke gewickelt haben.) Da ist sonst nichts zu wollen. 

Helene (nickt): Kannst du nur drumrum putzen. 

Ines (zu Richard): Also los! Ich geh rüber – du hier – und einer von euch wischt. 

Edith: Ich hol nur eben frisches Wasser. (Sie spurt in die Sakristei.) 

Helene: Ich geh ins linke Seitenschiff. 

Kurti: Ich saug dann mal. (Er schmeißt den Staubsauger an und beginnt, die große Matte am Seiteneingang zu bearbeiten.) 

Edith (kommt mit frischem Wasser zurück und wringt den Wischlappen aus): Kann losgehen. 

Richard und Ines verschieben die Bänke, Edith wischt die freie Fläche, zwischendurch kommt Reimer mit seinem Schrubber des Weges – es ist ein munteres Treiben. 

Richard: Mit diesen Bänken müßte sowieso mal was passieren. Die schieben sich immer weiter nach vorne zusammen. In den ersten Bankreihen kommst du kaum noch mit dem Fuß ‘zwischen! (Er hebt mit Ines die nächste Bank einen halben Meter nach vorne.) 

Ines: Is wirklich so – wenn du dann noch auf einen Stock angewiesen bist … ich schau mal, ob mir was einfällt – ich hab da schon eine Idee … 

Edith (blickt von ihrem Schrubber auf): Das klingt ja vielversprechend (Sie grinst.) 

Richard: Erinner mich bloß nicht an die Aktion von vor sechs Jahren! Ich hab Blut und Wasser geschwitzt! (Er hebt mit Ines die Bank wieder an Ort und Stelle.) 

Ines (grinst): Naja – ein bißchen was muß man schon investieren, wenn man etwas grundsätzlich verbessern will – laßt euch überraschen! 

Helene (kommt aus dem Seitenschiff): Die Bänke vorne sind viel zu dicht zusammen! Wenn ihr sowieso … 

Ines: Wir sind schon dabei, wir gleichen das aus, hier beim Schieben (sie hebt eine Bank zurück.) 

Helene (stemmt die Fäuste in die Hüften): Das ist ja eigentlich Männerarbeit! 

Ines (jovial): Och! Warum? Ich find das chillig! (Sie hebt mit Richard die nächste Bank.) 

Kurti (zieht den Staubsauger hinter sich her): So. Ich bin jetzt mit den Matten fertig. Was fehlt noch? 

Shammiram (kommt aus dem Seitenschiff): Linkes Seitenschiff ist auch fertig. Wie weit seid ihr? 

Richard: Eigentlich fast durch. Nur noch die drei Bankreihen hier. 

Die anderen gehen in Richtung Sakristei, um das Werkzeug zu reinigen und aufzuräumen. Sara sitzt in der ersten Bank und surft auf ihrem Smartphone. Reimer und Wenzel sitzen in der letzten Bank und giggeln herum. 

Edith: So! Das hätten wir! Ordentlich sieht’s aus. Aber ist immer Maßarbeit, um die Säulen rum! 

Richard, Edith und Ines betrachten abschließend ihr Werk und machen sich zufrieden auf den Weg in die Sakristei. Als alles aufgeräumt und ausgespült ist: 

Richard: So! Jetzt haben wir uns unseren Absacker im Bacchos aber auch redlich verdient! 

Edith (zu Ines): Kommt Abi dazu? 

Ines: Er guckt, wie er’s schafft. 

Shammiram (schaut in den Kirchenraum): Nahamiyya? Kommst du? 

Nahamiyya (staubt mit Hingabe mittlerweile die Fenster ab): Ja! Ich komm gleich! Ich will nur noch hier (er renkt sich aus). 

Shammiram: Ist gut, Nahamiyya! Hast du gut gemacht! (Sie lächelt.) 

Auch die andern stecken jetzt den Kopf noch einmal aus der Sakristei. 

Kurti: Scheint nicht zu bremsen, der Gute! 

Helene: Wenn man die richtige Truppe beisammen hat, ist es ein Kinderspiel! 

 

ENDE 

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar 

 

Tja, so geht’s zu in Wundersdorf. Was Ines da wohl wieder ausheckt, um die Bankreihen akkurat auf Abstand zu bringen? Wir kennen sie ja als sehr erfindungsreich … 

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 8

In denselben Tagen aber kam Joannes, der Täufer; und predigte in der Wüste des Judenlandes
und sprach: Thut Buße, denn das Himmelreich ist nahe!
Dieser ist es, von dem der Prophet Isaias geweissagt hat, wenn er spricht: Die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn; machet gerade seine Pfade!
Joannes aber trug ein Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden und seine Nahrung waren Heuschrecken und wilder Honig.
Da ging Jerusalem zu ihm hinaus und ganz Judenland und die ganze Gegend am Jordan
und sie ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden.
[…]
Ich taufe euch zwar im Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt ist stärker als ich und ich bin nicht würdig, seine Schuhe zu tragen; dieser wird euch mit heiligem Geiste und mit Feuer taufen.
(Mt 3, 1 – 6; 11)

‚In jenen Tagen kam Johannes der Täufer in die Wüste.‘ Es heißt „in die Wüste“, weil es zuvor im Land Judäa bereits geschehen war, daß sie, indem sie die Propheten nicht aufnahmen, vom Heiligen Geist verlassen [„in der Wüste gelassen“] wurden. Johannes ruft in der Wüste, was meint unter den Juden, daß sie den Weg für den Herrn vorbereiten sollen, offenkundig die Ankunft Christi. Er sagt, daß sie die Wege gerade machen sollen, um ihr ganz schreckliches und verdrehtes Verhalten zu ändern und stattdessen den Geboten Gottes zu folgen, was der Weg ist. Er trug Kleidung aus den Haaren eines Kamels und einen Gürtel aus Häuten um seine Hüfte. Dies zeigt seine Selbstbeherrschung und Rechtschaffenheit; Es besteht kein Zweifel, daß es die Völker [der Heiden] sind, die als die Tunika aus den Haaren eines Kamels verstanden werden. Es bedeutet , daß diese Nationen, die wegen ihrer Verdrehtheit das Aussehen eines Kamels haben, eher zur Gerechtigkeit kommen würden als die Juden. Tatsächlich weist darauf auch seine Nahrung: Heuschrecken und wilder Honig, Nahrungsmittel, die ein Bild der Heidenvölker sind. Heuschrecken sind ohne König, wie Salomo sagt. (Spr 30, 27) Wilder Honig ist eine Allegorie dieser Nationen: Diejenigen aus den Völkern, die zum Glauben gekommen sind, wurden vor Gott süß gemacht, haben gar jene größere Süße erreicht, die Heiligkeit, so daß sie sogar das Martyrium erlitten haben, gemäß dem Wort Davids: Das Gesetz des Herrn ist ohne Vorwurf und wandelt die Seelen; die Anweisung des Herrn ist klar, sie gibt den Augen Licht und ist süßer als Honig und Honigwabe. (Ps 19, 7f. 10f.)
M. VIIII.

(Heute, am 2. Adventssonntag, wird die Parallestelle Mk 1, 1 – 8 gelesen. Der heutige Abschnitt zeigt leider auch, wie Fortunatian immer wieder einen für diese unvorteilhaften Kontrast zu ‚den Juden‘ hervorhebt, den ich normalerweise auslasse. Aber man sollte es eben auch nicht gänzlich verschweigen, berührt uns doch diese Thematik bis heute schmerzvoll. Die Experten wissen auch nicht, warum dies so geschrieben wurde, in einer Umgebung, in der vermutlich nicht viele Juden anzutreffen waren und in einer Zeit, in der die innerchristlichen Auseinandersetzungen, um es vorsichtig zu formulieren, doch gerade hinreichend waren)

Klosterbibliothek Admont, Kuppel ‚Rechtswissenschaften‘ (Nordflügel): Der Bannstrahl gegen Unzucht und Ungerechtigkeit (eigenes Bild)

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 7

Und Jesus zog umher durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, predigte das Evangelium vom Reiche und heilte alle Krankheiten und Schwachheiten.
Als er aber das Volk sah, bemitleidete er es, denn es war geplagt und lag zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Dann sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist zwar groß, aber der Arbeiter sind wenige.
Bittet daher den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende.
Und er rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Gewalt über die unreinen Geister, sie auszutreiben und alle Krankheiten und Schwachheiten zu heilen.
[Die Verse 2 – 4 zählen die Namen der Apostel auf]
Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht den Weg zu den Heiden und ziehet nicht in die Städte der Samariter, [Vers 5 ist nicht Teil der Leseordnung]
sondern gehet vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Geht aber hin, prediget und saget: Das Himmelreich ist nahe!
Heilet die Kranken, erweckt die Todten, reiniget die Aussätzigen, treibet die Teufel aus; umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebet es hin.
(Mt 9, 35 – 38; 10, 1. 5 – 8)

‚Und nachdem er seine zwölf Jünger herbeigerufen hatte, gab er ihnen die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und alle Übel und alle Schwächen zu heilen.‘
Die Evangelien bestätigen, daß die Jünger vom Herrn die Vollmacht erhielten, diejenigen zu befreien, die in den Händen von Dämonen waren, und verschiedene Krankheiten zu heilen. So gab der Herr seinen Jüngern Vollmacht, offenkundig weil er Mose schon lange zuvor die Vollmacht gegeben hatte, durch seinen Stab Zeichen und Wunder in Ägypten zu wirken, und das aus der Hand des Pharao entrissene Volk in das verheißene Land zu führen. (Ex 4, 17) Er gab auch den Aposteln die Autorität in ‚Ägypten‘ Zeichen und Wunder vollbringen, was heißt ‚in der Welt‘, und alle Nationen ‚aus der Hand des Pharao‘, also aus der Gewalt des Teufels, zu befreien und die Gläubigen in das verheißene Land zu führen, das heißt zu unserem Herrn und Erlöser selbst. […]
[M. L.]

‚Aber die Namen der zwölf Jünger sind diese.‘
Wir stellen fest, daß die zwölf Apostel an vielen Stellen im Alten Testament als Bild [allegorisch] dargestellt wurden. Ein Beispiel sind die zwölf Quellen, mit denen die Menschen den Durst, mit dem sie in der Wüste kämpften, (Ex 15, 23 – 27) löschten, so wie wir, getränkt von der Lehre der Apostel, deren Bild wir zuvor in den ‚Quellen‘ sahen, durch das Wasser der Taufe den Durst, den wir durch die Hitze der Sünde ertragen mußten, gelöscht haben. Die gleichen Apostel sind auch in den zwölf Broten angedeutet, die am Sabbat warm auf den Tisch der Stiftshütte gestellt werden. (Ex 25, 30; 2 Chron 4, 19) „Warm“ zeigt an, daß die Apostel mit heiligem Geist glühten; In der Stiftshütte, das heißt in der Kirche, erfüllen sie uns täglich mit himmlischer Nahrung.
In gleicher Weise sind sie auch in den zwölf Steinklingen aus dem Felsen, mit denen Gott das Volk ein zweites Mal beschneiden ließ, zu erkennen. (Jos 5,2)
Der Apostel sagt, der Felsen bedeute Christus, unseren Herrn, (1 Kor 10, 4) woraus hervorgeht, die zwölf Klingen (d.h. die zwölf Apostel) würden kommen, um uns mit der Schärfe des Glaubens von allen Übeln zu beschneiden, indem sie durch die Gnade der Taufe alle Fehler und Irrtümer von unseren Herzen nehmen.
Die zwölf Kälber, die unter dem bronzenen Meer in dem Tempel errichtet wurden, den Salomo gebaut hat, sind auch ein Bild der Apostel. (1 Kön 7, 23 – 25) Diese in vier Gruppen geteilten Kälber weisen auf die vierfache Verkündigung der Evangelien hin; drei in jeder Gruppe, sie zeigen das vollkommene Ganze der Dreieinigkeit. Sie haben den Rücken zum Tempel und ihre Gesichter zu den vier Vierteln der Erde. Dies macht deutlich, daß die Apostel ihre Gesichter (d.h. ihre Predigt) vom jüdischen Volk zu allen Nationen hin wegwandten und sich an allen vier Enden der Erde niederließen […].
Auch David hatte von ihnen gesprochen, daß ihr Klang in jedes Land und ihre Worte bis an die Enden des Globus gehen würde. (Ps 18, 4) Es war also notwendig, daß die Apostel vom Herrn gemäß den vorgenannten Zahlen gesandt wurden.
Sie werden angewiesen, nicht zu den Heiden zu gehen, damit sie nicht in heidnischer Weise leben und nicht in die Städte der Samariter einzutreten, damit sie nicht wie die Samariter die Auferstehung leugnen, sondern sie sollten vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gehen, für das er besonders gekommen war.
Denn er hatte durch den Propheten verheißen, daß er die bösen Hirten von ihnen nehmen würde, die Ältesten des Volkes, die sie durch falsches Lehren vom rechten Weg abbringen, und ihnen an ihrer Stelle andere Hirten geben würde. (Jer 23, 2 – 4)
[…]
Das sind die Apostel, die ihnen den Weg der Wahrheit zeigen und predigen, daß das Königreich der Himmel nahe gekommen sei, was bedeutet, daß der Sohn Gottes erschienen sei: Er ist selbst das Königreich der Himmel, weil wir durch ihn und in ihm herrschen werden. Sie würden die Schwachen heilen, die Toten auferstehen lassen und alles, was folgt. Wir lesen in der Apostelgeschichte, daß die Apostel alle diese Vollmachten ausübten.
Aber das kann auch geistig verstanden werden, daß wir, die durch die Krankheit der Sünde schwach waren, Heilung durch die Güte des Sohnes Gottes erhalten haben. Diejenigen aber, die durch ihre Verbrechen in den Augen Gottes als tot betrachtet wurden, wie der Apostel sagt, ‚Und ihr, die ihr in euren Verbrechen und Sünden tot wart‘ (Eph 2,1), glaubten und kamen wieder zum Leben, nachdem sie den Heiligen Geist empfangen hatten.
[M. LI.]

Klosterbibliothek Admont; Kuppel ‚Rechtswissenschaften‘ (Nordflügel): Die Vertreibung von Betrug und Eitelkeit

Klassiks Blog und Seemanns Beitrag

Klassiks Blog und Seemanns Beitrag

Vom traurigen Schicksal eines lustigen Textes

 

Die gute Nachricht zuerst: Die TLZ liest die Weimarer Blogs.

Hallo, TLZ! 🙂

Die schlechte Nachricht: Sie petzt. Wie ihrer halbseitigen einseitigen Rezension der gestern von uns apostrophierten Glosse des Stiftungspräsidenten zu entnehmen ist, war es nämlich unser Lokalblatt, das einen mittels seiner eigenen Zitate aufs Korn genommenen Stadtteilbürgermeister überhaupt erst auf den geistreichen Text aufmerksam gemacht hatte.

(Vermutlich rufen sie auch bei der Polizei an, wenn man unter den Fenstern der Redaktion im eingeschränkten Halteverbot steht und sein Kind samt Cello in der Musikschule gegenüber abgibt – ich habe mich immer schon gefragt, warum ich da an einem ganz normalen Montag Nachmittag im November 2015 mitten in Deutschland ein Knöllchen bekommen habe … Spaß! 😉 )

Wie auch immer – der Funke, den die Redakteure da ins Ettersburger Rathaus geworfen hatten (die TLZ gehört zur „Funke-Mediengruppe“) ließ den Bürgermeister explodieren und brachte Klassiks Blog und Seemanns Beitrag offenbar derart ins Kreuzfeuer der Kritik (bis 10 Uhr vormittags waren freilich nur zwei Kommentare freigeschaltet – die von Gereon und mir, und die waren des Lobes voll. Aber wer weiß, was da so alles auf dem Server verbal mit den Hufen scharrte … PuLa hat da die eine oder andere Erfahrung … Sie machen sich keine Vorstellung, wie brutal humorlose Menschen auf geistreiche Texte reagieren können!), daß die Klassikstiftung den Beitrag heute früh schon unsichtbar gemacht hatte.

Was sagen Sie? Über unseren Link (hier nochmal) kommen Sie noch auf den Text? Mitsamt Kommentaren? Na sowas!

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Adventskalender mit Fortunatianus von Aquileia, Tag 6

Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth
zu einer Jungfrau, die mit einem Manne vom Hause Davids verlobt war, welcher Joseph hieß; und der Name der Jungfrau war Maria.
(Lk 1, 26f.)

Weil die Menschwerdung Christi entweder im sechsten Weltalter erfolgte, oder weil sie zur Erfüllung des Gesetzes diente, verkündet der zu Maria gesandte Engel zurecht im sechsten Monat nach der Empfängnis des Johannes die Geburt des Erlösers. Daher heißt es: Im sechsten Monat. Unter dem sechsten Monat hat man den März zu verstehen; am 25. März wurde unser Erlöser der Überlieferung nach empfangen und am 25. hat er gelitten, wie er auch am 25. Dezember geboren wurde. Nun ist, wie einige meinen, an dem einen Tag die Frühlingsnachtgleiche, und am anderen die Wintersonnenwende; es ist angemessen, dass der, der in die Welt kam, um alle Menschen zu erleuchten (Joh 1,9), mit dem Wachstum des Lichtes empfangen und geboren wurde. Wenn aber jemand sagt, dass vor der Zeit der Geburt oder der Empfängnis das Licht wachse und die Finsternis überwinde, so behaupten auch wir es, weil Johannes vor seiner Ankunft des Himmelreich verkündete.
Passend ist der Beginn der Wiederherstellung des Menschengeschlechts: dass ein Engel gesandt wurde, um die Jungfrau mit der göttlichen Geburt zu heiligen; denn der erste Grund des menschlichen Verderbens war, dass die Schlange vom Teufel zur Frau geschickt wurde, um sie mit dem Geist des Hochmuts zu täuschen. Daher folgt: Zu einer Jungfrau.
Maria heißt im Hebräischen Meeresstern, im Syrischen aber Herrin, und mit Recht, weil sie den Herrn der ganzen Welt und das ewige Licht den Weltzeiten zu gebären durfte.
(Beda Venerabilis)

Ausgerechnet heute haben wir leider erneut keinen Text von Fortunatian 🙁 ; das wird jetzt bald zwar besser, aber es stehen doch noch einige solcher Tage bevor. Doch der Hl. Beda Venerabilis hat ja seinen Beinamen: „Der Verehrungswürdige“ nicht umsonst!

Und unser heutiges Bild paßt doch wunderbar zur Muttergottes, oder? 🙂

Klosterbibliothek Admont, Kuppel ‚Theologie‘ (Südflügel): Weisheit, Gottesfurcht und Stärke (eigenes Bild)

Ach, und natürlich haben die Cäcilini Weimar, der ‚unkaputtbare‘ Kinderchor von Herz-Jesu-Weimar, ein Lied zum Evangeliumstext; Enjoy!  🙂