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kmäng kmäng bong – hein kom – lahng

Der Kindertag

Wenn‘s politisch wird, von der Kanzel, erkennt man ja immer gern schon mal in irgendeiner Form die jüngsten Fernsehnachrichten wieder. Nicht so in der Vorabendmesse des zweiten Sonntags der Weihnachtszeit, sprich am vorvergangenen Samstag, dem 4. Januar. Tags zuvor waren im Rahmen einer Andacht die Sternsinger in die Welt entsandt worden und darauf nahm der Zelebrant denn auch am Ende des Gottesdienstes Bezug. Da wußten wir noch gar nicht, welch unglaublicher Medienpräsenz sich die als Könige verkleideten Kinder in diesem Jahr erfreuen würden. Ich habe nicht mitgezählt – aber fünf- oder sechsmal war diese fotogene Aktion zwischen Aussendung und Einholung bestimmt in der Lokalpresse, jedes Mal mit buntem Bild: Die Sternsinger wurden ausgesandt – Die Sternsinger beim OB – Guck mal, die Sternsinger – Die ökumenische Schar der Sternsinger vor der evangelischen St.-Marien-Kirche Bad Berka – Da betreten die Sternsinger in einer langen Prozession die katholische Herz Jesu Kirche Weimar und haben in diesem Jahr allein in unserer Stadt 13.800 Euro gesammelt. Interreligiösen schulischen Projekten im Libanon kommt es in diesem Jahr zugute.

Wie gesagt, dieses Presseecho war am 4. Januar noch gar nicht absehbar, aber unser Zelebrant nahm die Aussendung der Sternsinger zum Anlaß, ein Wort zum, wie er sagte, „ideologisch motivierten“ neuen Feiertag in Thüringen zu nehmen: Seit letztem Jahr ist mit dem 20. September der Weltkindertag in Thüringen gesetzlicher Feiertag – eine Entscheidung, die aufgrund ihres Timings (kurz vor der Landtagswahl) recht schnell als Wahlkampfgeschenk entlarvt wurde.

„Der sechste Januar – das ist ein wirklicher Kindertag!“ donnerte es vom Ambo. „Denn bei keinem anderen Projekt weltweit tun Kinder so viel für Kinder wie in der Aktion Dreikönigssingen.“ In der Tat haben die Sternsinger in den letzten 60 Jahren Milliarden an Spendengeldern erbettelt und ersungen. „Der sechste Januar – das wäre ein Feiertag gewesen!“

Die Urkunde für alle Sternsinger der Aktion 2011; in der Überschrift die Losung des Jahres (eigenes Bild)

Recht hat er, der Gute! Aber wie es so ist – siehe „Veggieday“, den man den Kantinen für die Donnerstage vorschlug (bloß nicht der traditionell fleischfreie Freitag …) – ein neuer Feiertag muß in unserer säkularen Welt offenbar so liegen, daß es ja nicht aussieht, als dürften mit dem traditionellen Datum seine christlichen Inhalte wieder ins Bewußtsein rücken.

 

Cornelie Becker-Lamers

Wie gesagt: „Es ist entscheidend, was man singt“ …

Maßvoller Kommentar zu einem aktuellen Aufreger

Es ist entscheidend, was man singt. Bzw. was man Kindern zu singen gibt. Derdiedas „Oma-Gateum ein umgedichtetes -geschriebenes Kinderlied hat es vor Augen geführt und gefährdet die Chefposten höchstrangiger Medienvertreter. Für Tom Buhrow war, als der Videoclip erstmal im Netz stand, die Stellungnahme eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Entschuldigt er sich – shitstorm von links und der jüngeren Generation. Verteidigt er das mißlungene Lied – shitstorm von rechts und der älteren Generation.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Wenn noch irgend jemand hierzulande bei künstlerischen Hervorbringungen irgendwelche objektivierbaren Qualitätskriterien anlegen würde. Und wenn‘s nur der Intendant selber ist.

Im vorliegenden Falle hätte das einfachste Kriterium genügt: Die Klärung der Frage nämlich wie gut das Lied den formalen Maßstäben entspricht, die es selber vorgibt. Wie gut, heißt das, besteht es den Selbstreferenztest. Erstmal nur formal – gar nichts kompliziertes.

Das Lied möchte – wie das bei Kinderliedern sehr häufig der Fall ist – gereimt sein. Das erkennt man, wenn man sich den Text ansieht. Die Strophenenden sind fast gereimt. Die Betonung liegt auf fast. Da muß „Arzt vor“ auf „Rollator“, „Kotelett“ auf „kostet“ und „geläutert“ auf „Kreuzfahrt“ passen. Das haben wir schon mal besser gehört.

Wie sieht es rhythmisch aus? „Mich dünkt, sollt‘ passen Ton und Wort“, weist Hans Sachs den Beckmesser in den „Meistersingern“ zurecht. Zu Recht: Wer von einem so stimmigen Kinderlied ausgeht, wie es die originale Oma im Hühnerstall ist, darf bei einer eigenen Bearbeitung nicht hinter der Vorlage zurückbleiben. Auch die Übereinstimmung von Text und Melodie aber wird verfehlt: In zwei von fünf Strophen – nämlich der dritten und der fünften – paßt der neue Text nicht in den vorgegebenen Rhythmus.

Da ich selber seit Jahren sowohl Lieder als auch Satire produziere, weiß ich, wie beides entsteht – und zu welchem Zeitpunkt der Kollege hier die Arbeit für beendet hielt: Zu früh. Ich vermute, nach der ersten Skizze. Die uns vorgesetzten ersten Ideen hätten ganz offensichtlich formal noch deutlich überarbeitet sowie inhaltlich durchdacht und abgewogen werden müssen. Mit einem Text muß man schon so lange ringen, bis „Wort und Weise“ passen – bis der Text reimt und nicht mehr zu viele Silben hat. Das ist nicht immer einfach. Manchmal muß man ein Projekt sogar eine Weile liegen lassen.

Und das Satirische? Ist Strophe fünf eine weitere Ironie in der Parodie? Oder entspringt sie einer echten Unkenntnis des Autors in Sachen Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe? Kaum vorstellbar – aber die Frage ist keineswegs abwegig. Der Text ist hier nicht so eindeutig, wie manche Kommentare ihn paraphrasieren. Egal? Oder zu wenig für eine Satire? Ein Lied – eine Aussage. Warum überfährt Oma, deren Umweltverhalten kritisiert werden soll, auch noch zwei Altersgenossen?

Es ist alles unerfreulich! Aber jetzt kommen wir zum vielleicht schwerwiegendsten Punkt. Man ließ das Lied von Kindern singen. Ob sie dadurch instrumentalisiert wurden, wie Wolfgang Kubicki es den Machern vorwarf, oder nicht – man ließ es von Kindern singen, denen sich musikgebundene Sprache erfahrungsgemäß unauslöschlich ins Gedächtnis einschreibt. Wenn diese Kinder selber Großmütter sind, wird eine der letzten Dinge, die sie zuverlässig reproduzieren können, die Liedzeile sein: „Meine Oma ist ne alte …“

Gratuliere, Herr Kollege. Gute Arbeit!

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der diesen Kommentar auf einem katholischen Blog rechtfertigt: Das Zitat unseres Bischofs: „Es ist entscheidend, was man singt“ und die Gedanken, die ich schon beim Bericht über das Treffen der pueri cantores in Erfurt im Frühsommer 2018 daran geknüpft habe: In jedem weltlichen Chor sind Kinder nicht gefeit vor solchen Zumutungen. Weil selbst Rundfunkchöre zwar für Intonation und Dynamik, Textverständnis und Absprache verläßliche Qualitätskriterien haben und anwenden. Aber ganz offensichtlich nicht unbedingt für den Inhalt der Lieder. Im Juni 2018 schrieb ich auf PuLa (Satzanschlüsse angepaßt):

Daher sollten alle Priester in ihren Gemeinden unbedingt für Kinderchöre sorgen. Nicht obwohl, sondern weil sie keine Musikschule sind und es in kirchlichen Kantoreien um so unendlich viel mehr geht als um die Ausbildung der Stimme. Nur in den Chören ihrer Pfarrei haben die Priester Einfluß auf die geistlichen Inhalte der Lieder und das Erscheinungsbild der Kinder. Und gerade Priester, die einen emotionalen Zugang zum Glauben vermitteln möchten, sollten, da die Musik Emotionen weckt, die Musik in ihrer Pfarrei mit allen Mitteln fördern. 

Ach ja – ganz ohne Weimar läßt sich natürlich auch diese Geschichte nicht erzählen: Raten Sie, an welcher Musikhochschule Zeljo Davutovic, Leiter der Chorakademie Dortmund und verantwortlicher Dirigent in diesem Video, studiert hat … 😉

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Zum Tage: Annette v. Droste Hülshoff encore

Am Feste der Heiligen drei Könige

Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,
Um die Stirnen Purpurbinden,
Tiefgebräunt von heißen Winden
Und der langen Reise Mühn;
Durch der Palmen säuselnd Grün
Folgt der Diener Schar von weiten;
Von der Dromedare Seiten
Goldene Kleinode glühn.
Wie sie klirrend vorwärts schreiten,
Süße Wohlgerüche fliehn.

Finsternis hüllt schwarz und dicht
Was die Gegend mag enthalten;
Riesig drohen die Gestalten:
Wandrer fürchtet ihr euch nicht?
Doch ob tausend Schleier flicht
Los‘ und leicht die Wolkenaue:
Siegreich durch das zarte Graue
Sich ein funkelnd Sternlein bricht,
Langsam wallt es durch das Blaue,
Und der Zug folgt seinem Licht.

Horch, die Diener flüstern leis:
Will noch nicht die Stadt erscheinen,
Mit den Tempeln und den Hainen,
Sie der schweren Mühe Preis?
Ob die Wüste brannte heiß,
Ob die Nattern uns umschlangen,
Uns die Tiger nachgegangen,
Ob der Glutwind dörrt‘ den Schweiß:
Augen an den Gaben hangen
Für den König stark und weis‘.

Sonder Sorge, sonder Acht,
Wie drei stille Monde ziehen
Um des Sonnensternes Glühen,
Ziehn die Dreie durch die Nacht.
Wenn die Staublawine kracht,
Wenn mit grausig schönen Flecken
Sich der Wüste Blumen strecken:
Schaun sie still auf jene Macht,
Die sie sicher wird bedecken,
Die den Stern hat angefacht.

O ihr hohen heil’gen Drei!
In der Finsternis geboren,
Hat euch kaum ein Strahl erkoren,
Und ihr folgt so fromm und treu!
Und du meine Seele, frei
Schwelgend in der Gnade Wogen,
Mit Gewalt ans Licht gezogen,
Suchst die Finsternis aufs neu!
O wie hast du dich betrogen;
Tränen blieben dir und Reu‘!

Dennoch, Seele, fasse Mut!
Magst du nimmer gleich ergründen,
Wie du kannst Vergebung finden:
Gott ist über alles gut!
Hast du in der Reue Flut
Dich gerettet aus der Menge,
Ob sie dir das Mark versenge
Siedend in geheimer Glut:
Läßt dich nimmer dem Gedränge
Der dich warb mit seinem Blut.

Einen Strahl bin ich nicht wert,
Nicht den kleinsten Schein von oben.
Herr, ich will dich freudig loben,
Was dein Wille mir beschert!
Sei es Gram, der mich verzehrt,
Soll mein Liebstes ich verlieren,
Soll ich keine Tröstung spüren,
Sei mir kein Gebet erhört:
Kann es nur zu dir mich führen,
Dann willkommen Flamm‘ und Schwert!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 24

Am sechtzehnten Sonntage nach Pfingsten

Evangelium: Niemand kann zwei Herren dienen [Mt 6, 24; 33]

»Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon, darum sage ich euch, sorget nicht für euer Leben, was ihr essen, noch für euren Leib, was ihr anziehen werdet. – Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch zugeworfen werden.«

Wer nur vertraut auf Gottes Macht
In allen seinen Nöten,
Den hat kein Feind zum Fall gebracht,
Den kann kein Übel töten;
Und wo die Angst ihn überfällt,
Da wird der allerstärkste Held
An seine Seite treten.

Der wird mit seinem scharfen Speer
Die Gegner ihm zerstäuben,
Und von dem allergrößten Heer
Kein Huf wird übrigbleiben;
Sei’s äußrer oder innrer Feind,
Wenn nur der rechte Held erscheint,
Der kann ihm Grenzen schreiben.

Er ist der allerbeste Herr,
Den einer mag erlangen,
Glückselig lebt der Fröner, der
In seinem Dienst gefangen.
So süß ist seine Sklaverei,
Daß jeder, sei er noch so frei,
Mag tragen drum Verlangen.

Des Hungers Qual, der Blöße Schmach,
Die weiß er zu vergelten;
Es durft‘ ihn noch bis diesen Tag
Nicht einer treulos schelten.
Er zahlt mit wucherndem Gewinst
An alle, die in seinen Dienst
Ihr Gut und Leben stellten.

Und aller Stärke Talisman,
Den hält er in der Rechten;
Selbst aus den schärfsten Dornen kann
Er Rosenkränze flechten.
Er zeigt im wilden Kampfrevier
Die echte Aaronsschlange dir,
Mußt du mit Vipern fechten.

Und rüttelt sich der grimmste Feind:
Da lehrt er dich ein Zeichen,
Vor dem, so schlimm er es auch meint,
Muß schnell der Drache weichen.
Nur sei es von bereiter Hand
Mit rechtem Glauben angewandt,
Sonst mag es nimmer reichen.

Wem schwach der Glaube und Vertraun,
Ob ihn die Sehnsucht treibe,
Der darf doch noch von ferne schaun,
Daß er im Nachtrab bleibe;
Auf dem erquickend in der Glut
Des Helden milder Schatten ruht
Wie mächt’gen Schildes Scheibe.

Doch wem der Glaube echt und klar,
Den kann kein Leid bezwingen,
Der mag wohl aller Güter bar
Noch wie ein Vogel singen:
»Schaut doch die Lilien in dem Feld
Wie sind sie frisch und wohlbestellt,
Wie grün und guter Dingen!

Sie haben nicht des Webens acht
Und sind so reich gezieret,
Daß Salomo in seiner Pracht
Viel minder Staat geführet.
Schaut doch die jungen Raben an
Wie sind sie satt und wohlgetan
Wie blank und glatt geschnüret!

Er, der die jungen Raben nährt,
Er wird auch meiner walten,
Und müßt‘ er aus der Schlack‘ am Herd
Die Brode mir gestalten.
O Heil, daß ich den Herrn erwarb,
Bei dem kein Diener noch verdarb,
An ihn will ich mich halten!«

Annette von Droste-Hülshoff

Und damit endet der diesjährige „Adventskalender mit der Droste“ – aber nicht die Gedichte von Annette v. Droste-Hülshoff hier auf PuLa.
Nein, da gibt es noch ein paar, die kann ich Ihnen unmöglich vorenthalten.
Ob Sie’s glauben oder nicht, ich bin z.B. fest davon überzeugt, sie hat eines zum sog. „Synodalen Weg“ geschrieben; lassen Sie sich überraschen! 😉

Das Zaubermärchen

Der Meßbesuch 4/4

Ein Sketchlet zum vierten Advent für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide vor den Toren der Stadt. Bei gemäßigten Temperaturen und dem einen oder anderen Sonnenstrahl zwischen hohen Wolken ruhen sich die Schafe der allseits bekannten Wundersdorfer Herde auf ihrer Weide im Gras aus. Ab und zu galoppiert ein Lämmchen mit seiner Mutter vorbei. Ab und zu läuft ein Schaf zur Tränke. Aber eigentlich passiert nichts. Gar nichts. Genau die richtige Atmosphäre, um die Ereignisse des hier und da doch wieder turbulenten Advent Revue passieren zu lassen, zu träumen und neue Pläne zu schmieden.

Kohle (schläfrig): „Süße Ruh’, süßer Taumel im Gras, von des Krautes Arom umhaucht“ … (Er gähnt.)

Flocke (fährt fort): „Tiefe Flut, tief, tief trunkene Flut, wenn die Wolk’ am Azure verraucht“

Wolle (ebenso): „Wenn aufs müde schwimmende Haupt süßes Lachen gaukelt herab“

Grauchen: „liebe Stimme säuselt und träuft wie die Lindenblüt’ auf ein Grab.“

Huf (hat von Zeile zu Zeile aufmerksamer zugehört und erhebt sich nun): Um Himmels Willen – was ist das?

Fixi: Kennst du das nicht?

Huf: Nein!

Flocke: Das ist das Gedicht „Im Grase

Wolle: Von Annette von Droste-Hülshoff.

Kohle (sozialkritisch): Hat früher jedes Lämmchen aus dem ff gekonnt!

Huf (betont): Entschuldigung?!

Grauchen: Wir wissen es, Liebes, ihr könnt nichts für die Lehrpläne …

Huf: Das mein ich aber auch!

Flocke: Umso wichtiger ist die Weide, von der man stammt!

Kohle: Dabei wollen sie gerade das verhindern! (Er seufzt und schüttelt sein weises Haupt.)

Fixi: Hauptsache, wir lernen es irgendwo!

Flocke: Ja! Es ist wunderschön. Vor allem ist wichtig, daß man es richtig betont. Als Anapäst. Nicht als Trochäus.

Huf: Verstehe. (Er macht das Betonungsmuster vor.) Süße Ruh!

Blütenweiß (kommt angeschlendert und spricht die Gruppe an): Na?!

Alle: Na?!

Blütenweiß: Denkt ihr auch noch immer an diese Messe im alten Ritus, in der wir am ersten Advent waren?

Alle: Schon! – Klar! – Immer mal – Ich fand das schön! – Das hatte was beruhigendes.

Blütenweiß (außerordentlich gesprächig): Ich fand das so witzig, wo eine Frau kam und fragte, ob jetzt hier sonntags eine Kinderbetreuung wäre – weil so viele Familien mit kleinen Kindern da waren.

Flocke: Das war wirklich witzig!

Wolle: Dürfte nicht vor jeder Kirche so vorkommen.

Blütenweiß: Ich finde, eine solche Messe sollte es auch bei uns geben.

Kohle: Da hast du zweifelsohne Recht, Blütenweiß!

Flocke: Stimmt! Wenigstens ab und zu.

Wolle: Einfach, damit alle es kennenlernen können!

Blütenweiß: Aber warum gibt es sie nicht? Hatte nicht Papst Benedikt das schon 2007 gewollt? Daß es überall angeboten wird, wo Interesse besteht?

Grauchen (nickt): Das war schließlich die Liturgie, die im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg Europa im christlichen Glauben geeint hat …

Flocke: … um nicht zu sagen: ‚hervorgebracht‘.

Wolle: In der gewissenhaften Weitergabe der liturgischen Gesänge.

Kohle: Man sollte sie nicht dem Vergessen anheim fallen lassen – die Mutter der Notenschrift!

Grauchen: Tja – dann mal los: „Auf des Hechtes Geheiß“! (Sie lacht.)

Huf: Wieso Hecht?

Grauchen: Weil der so heißt.

Huf: Wer?

Flocke: Na, der Fisch!

Wolle: Sag nicht, das kennst du auch nicht?

Huf: Nein!

Blütenweiß: Ein russisches Märchen.

Grauchen: Da fängt einer einen Fisch und das ist ein Hecht und der Bursche schenkt ihm das Leben und zum Dank verrät ihm der Hecht einen Zauberspruch, der alle Wünsche erfüllt: „Auf des Hechtes Geheiß nach meiner Weis‘“ – und dann sagt man den Wunsch und die Sache geht ihren Gang.

Flocke: Dann fährt er auf dem Ofen zum Zaren.

Wolle: Oder die Axt hackt allein das Holz.

Blütenweiß (seufzt): So einen Zauberspruch müßte man haben!

Kohle (brummt): Hm! Die Anweisung von Papst Benedikt war eigentlich so klar, daß nur ein fauler Zauber die Alte Messe hier bei uns verhindern kann.

Huf: Na dann – machen wir uns an die Arbeit!

Flocke (rezitiert): „Dennoch, Himmel, immer mir nur/ Dieses Eine nur: für das Lied/ Jedes freien Vogels im Blau/ Eine Seele, die mit ihm zieht,/ Nur für jeden kärglichen Strahl/ Meinen farbig schillernden Saum,/ Jeder warmen Hand meinen Druck“ …

Alle: „Und für jedes Glück einen Traum“!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Na, da bin ich ja mal gespannt, was die Schafe erreichen! Immerhin leben sie nicht wie wir hier in einem Bistum, in dem die Alte Messe trotz aller formal korrekten Anträge seit über zehn Jahren ohne Begründung verbummelt und blockiert wird. Ob das neue Jahr in dieser Hinsicht etwas neues bringen wird? Wir werden sehen!

Zunächst wünschen die Schafe allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und freuen sich auf ihre Abenteuer im nächsten Jahr.

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 23

Am einundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten

Evangelium: Vom hochzeitlichen Kleide [Mt 22, 12]

Und er sprach zu ihm: »Freund! wie bist du herein gekommen, und hast kein hochzeitliches Kleid an?«

An manchem Tag mein Hirn wie wüst und öde!
Wie eingesargt mein Herz zu manchen Zeiten!
Vor übergroßer Schwäche schein‘ ich blöde,
Bewußtlos starrt mein Auge durch die Weiten,
O welch ein Bild verschuldeten Verfalles!
O welch ein kläglich Bild der Niedrigkeit!
Wie fühl‘ ich es! doch nicht zu jener Zeit,
Wo neblig mir und unverständlich alles.

Soll ich es Leichtsinn nennen? O mitnichten!
Wie Zentner fühl‘ ich es am Herzen liegen.
Soll ich verstecktem Trotze gleich es richten?
Dann wahrlich müßt‘ ich mich zum Meister lügen!
Des Trotzes Kraft, des Leichtsinns heiter Prangen,
Die sind gebrochen mit dem gleichen Streich;
Nein! einem morschen Stamme bin ich gleich,
An dem die Blätter halbverhungert hangen.

Wenn Nervenspiel mir einmal möchte hellen
Der dumpfen Stirne fieberisch Umgeben,
Aufsprudeln möchten alter Wunden Quellen
Und stoßen vor der Worte sengend Leben:
Wie zittert meine Hand! wie bricht zusammen
Die Körperkraft in solchem Augenblick!
Und eine harte Faust stößt mich zurück
Ein nutzlos Opfer in die eignen Flammen.

Weh mir, ist dies ein hochzeitliches Kleid,
Worin ich deinen Gästen mich gesellen
Und meine arme Lampe lehrbereit
O Herr! an deinen heil’gen Schrein darf stellen?
Ein halb Ertrunkner deut‘ ich nach der Küste
Und aufwärts deut‘ ich schwindelnd, wie verwirrt;
So Israel durch vierzig Jahre irrt‘
Und sucht‘ und sucht‘, und fand ein Grab der Wüste.

Doch weißt du auch, mein Herr und milder Richter!
Es war nicht Eitelkeit, was mich geleitet.
Der zündet nicht dem eignen Moder Lichter,
Wer noch um ird’scher Ehre Kränze streitet!
Der läßt des Sarges Deckel gern geschlossen.
Doch eben jetzt, all deiner Pfunde bar,
Jetzt brächt‘ ich gerne noch ein Scherflein dar
Für alle meines eignen Leids Genossen.

Groß ist die Zahl, das hab‘ ich erst erfahren,
Seit mich die Wellen unter Menschen trieben.
In meiner Heimat noch, der frommen, klaren,
Da mußte Einsamkeit mich sehr betrüben,
Doch als ich in die Fremde nun getreten,
Wie schauderte mir vor Genossenschaft!
Wie Pilze hingen sie am dürren Schaft,
Wie Nesseln schossen sie aus allen Beeten.

Da sah ich auch, wohin es konnte führen
Mutlos zu stehn auf unterhöhltem Grunde;
Noch durfte meine Hand das Kreuz berühren,
Doch andre hört‘ ich jubeln tief im Schlunde.
Da sah ich, wem sich meine Augen wandten,
Da hörte ich, was ich vergessen will,
Noch sprach in mir ein Laut, o steh nicht still!
Schau jene an, sie sind nur still gestanden!

Seitdem auch weiß ich, wem ich bin gesendet;
Dem der da steht, wo ich nicht durfte weilen.
Kein Licht hab‘ ich was leuchtet oder blendet,
Nur eine Stimme! die da treibt zu eilen,
O eile! eile! nur die Schritte wende!
Und ob kein Schimmer durch die Wolke bricht,
So denk »Er herrscht im Dunkel wie im Licht.«
Und falte nur im Finstern deine Hände!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste,Tag 22

Am vierten Sonntage im Advent

Evangelium: Vom Zeugnisse Johannes [Joh 1, 19; 28]

Sie fragten: »Wer bist du?« – und er bekannte und leugnete nicht: »Ich bin eine Stimme des Rufenden in der Wüste. – Ich taufe euch mit Wasser, aber er steht mitten unter euch, den ihr nicht kennt.«

Fragst du mich, wer ich bin? Ich berg‘ es nicht:
Ein Wesen bin ich sonder Farb‘ und Licht,
Schau mich nicht an; dann wendet sich dein Sinn;
Doch höre! höre! höre! denn ich bin
Des Rufers in der Wüste Stimme.

In Nächten voller Pein kam mir das Wort
Von ihm, der Balsam sät an Sumpfes Bord,
Im Skorpion der Heilung Öl gelegt,
Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt,
Das faule Holz entzündet sein Geglimme.

So senke deine Augen und vernimm
Von seinem Herold deines Herren Grimm,
Und seine Gnade sei dir auch bekannt,
Der Wunde Heil, so wie der schwarze Brand,
Wenn seiner Adern Bluten hemmt der Schlimme.

Merk auf! ich weiß es, daß in härtster Brust
Doch schlummert das Gewissen unbewußt;
Merk auf, wenn es erwacht, und seinen Schrei
Ersticke nicht, wie Mütter sonder Treu‘
Des Bastards Wimmern und sein matt Gekrümme!

Ich weiß es auch, daß in der ganzen Welt
Dem Teufel die Altäre sind gestellt,
Daß mancher kniet, demütig nicht gebeugt,
Und überm Sumpfe, engelgleich und leicht
Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme.

Es tobt des tollen Strudels Ungestüm
Und zitternd fliehen wir das Ungetüm,
Still liegt der Sumpf und lauert wie ein Dieb,
Wir pflücken Blumen und es ist uns lieb
Zu schaun des Irrlichts tanzendes Geflimme.

Drum nicht vor dem Verruchten sei gewarnt;
Doch wenn dich süßer Unschuld Schein umgarnt,
Dann lächelt der Vampyr, dann fahr zurück
Und senke tief, o tief in dich den Blick,
Ob leise quellend die Verwesung klimme!

Ja, wo dein Aug‘ sich schaudernd wenden mag,
Da bist du sicher mindstens diesen Tag,
Doch gift’ger öfters ist ein Druck der Hand,
Die weiche Träne und der stille Brand,
Den Lorbeer treibend aus Vulkanes Grimme.

Ich bin ein Hauch nur, achtet nicht wie Tand
Mein schwaches Wehn, um des der mich gesandt.
Erwacht! erwacht! ihr steht in seinem Reich;
Denn sehet, er ist mitten unter euch,
Den ihr verkennt, und ich bin seine Stimme!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 21

Am vierten Sonntage in der Fasten (Josefsfest)

Gegrüßt in deinem Scheine,
Du Abendsonne reine,
Du alter Lilienzweig!
Der du noch hast getragen
In deinen grauen Tagen
So mildes Blütenreich!

Je mehr es sich entfaltet,
Zum Ehrenkranz gestaltet,
Der deine Stirn umlaubt:
Je mehr hast du geneiget,
In Ehrfurcht ganz gebeuget
Dein gnadenschweres Haupt.

Wie ist zu meinem Frommen
Dein freundlich Fest gekommen
In diese ernste Zeit?
Ich war fast wie begraben:
Da kömmst du mich zu laben
Mit seltner Freudigkeit.

Zu dir will ich mich flüchten,
Mein scheues Leben richten,
O Josef, milder Hauch!
Du hast gekannt die Fehle
In deiner starken Seele,
Und die Vergebung auch!

Was hast du nicht geduldet,
Da in geheim verschuldet
Maria dir erschien?
Und konntest ihr nicht trauen,
Worauf die Himmel bauen,
Und hast ihr doch verziehn!

Und da du mußtest scheiden
Mit deinen lieben beiden:
Wie groß war deine Not!
Die Wüste schien dir lange;
Doch war vom Untergange
Dein liebes Kind bedroht.

Und da er glanzumkrönet:
Wie bist du nicht gehöhnet
Um seine Gotteskraft!
Wie mag, den Groll zu laben,
Dich nicht gelästert haben
Die arge Priesterschaft!

Und gar, wenn gottdurchdrungen
Dich grüßten fromme Zungen
Und priesen laut und weit:
Wie hast du nicht in Zagen
An deine Brust geschlagen
In deiner Sündlichkeit!

So hast du viel getragen,
Unendlich viele Plagen,
Mit freundlicher Geduld,
Und ist in all den Jahren
Manch Seufzer dir entfahren
Und manche kleine Schuld.

Du frommer Held! im Glauben,
Den schrecklich dir zu rauben
Sich alle Welt verband:
Hast können nicht erhalten
Ein unbeflecktes Walten
An deines Jesu Hand.

Was soll ich denn nicht hoffen,
Da noch der Himmel offen,
Und meine Seele still?
Will sich die Gnade nahen:
Ich kann sie wohl empfahen,
So Gott mir helfen will.

Zerrissen in den Gründen
Bin ich um meine Sünden,
Und meine Reu‘ ist groß.
O hätt‘ ich nur Vertrauen,
Die Hütte mein zu bauen
In meines Jesu Schoß!

 

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 20

Am fünften Sonntage nach hl. drei Könige

Evangelium: Vom Samen, so unter die Dornen fiel [Lk 8, 4-15]

In die Dornen ist dein Wort gefallen,
In die Dornen, die mein Herz zerrissen;
Du, mein Gott, nur du allein kannst wissen,
Wie sie schmerzlich sind vor andern allen;
In die Dornen meiner bittern Reue,
Die noch keine Tröstung will empfangen.
So verbarg ich es in finstrer Scheue,
Und so ist es trübe aufgegangen,

Und so wächst es auf in bittrer Wonne,
Und die Dornen lassen es gedeihen;
Ach, mein Boden ist zu hart, im Freien
Leckt den Tau vom Felsen ihm die Sonne.
Kann es gleich nur langsam sich entfalten,
Schirmen sie es treulich doch vor Stürmen
Und dem Hauch der Lust, dem todeskalten,
Und wenn sich des Zweifels Wolken türmen.

In die Dornen ist dein Wort gefallen,
Und sie werden blut’ge Rosen tragen;
Soll ich einst dir zu vertrauen wagen,
Darf ich nur in ihrem Kranze wallen.
Wenn er recht erstrahlt im Feuerglanze
Und das Haupt mir sengt mit tiefen Wunden,
Dann gedeiht die zarte Gottespflanze,
Muß an seinem Schmerzenstrahl gesunden.

In Entsagung schwinden muß mein Leben,
In Betrachtung meine Zeit ersterben;
So nur kann ich um das Höchste werben,
Meine Augen darf ich nicht erheben.
Ach, ich habe sie mißbraucht zu Sünden
Und verscherzt des Aufblicks reine Freude,
Dann nur kann ich noch den Himmel finden,
So ich ihn in Scham zu schauen meide.

Wenn ich blicke in die milden Mienen,
O, wie schmerzlich muß es mich betrüben,
Denen noch das teure Recht geblieben,
Ihrem Gott in Freudigkeit zu dienen!
Muß auch hier die trüben Augen lenken,
Muß erglühend sie zur Erde schlagen,
In ein reines Auge sie zu senken,
Kann ich nimmer sonder Frevel wagen.

Und wie tief neig‘ ich die Stirn, die trübe,
Wenn die Sünde rauscht an mir vorüber,
Meinen manche, daß mich Abscheu triebe,
Und gewinnen lieber mich und lieber,
Ist es oft nur mein vergangnes Leben,
Grauenhaft zum zweiten Mal geboren.
Ach, und oft empfind‘ ich gar mit Beben,
Wie der Finstre noch kein Spiel verloren!

Aber, was er auch für Tücke hege,
Kämpfen will ich um des Himmels Grenzen,
Meine Augen sollen freudig glänzen,
Wenn ich mich in meine Dornen lege,
Daß die Welt nicht meinen Kampf darf rügen,
Oder gar mit eitelm Lob geleiten,
Wohl, ich kann durch Gottes Wunder siegen,
Aber nimmer mit zwei Feinden streiten.

Ob ein Tag mir steigen wird auf Erden,
Wo ich frei mich zu den Deinen zähle?
Wo kein Schwert mehr fährt durch meine Seele,
Wenn mir deine Hände sichtbar werden!
Herr, und soll der Tag mir nimmer scheinen,
Dürft‘ ich ihn in Ewigkeit nicht hoffen,
Dennoch muß ich meine Schulden weinen,
O, der Sünder hat sich selbst getroffen!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 19

Am Palmsonntage

Der Morgentau will steigen,
Sind denn die Palmen grün?
Auf, laßt mit hellen Zweigen
Uns ihm entgegenziehn!
Er will in unser Haus,
In unsre Kammern kommen;
Schon ziehen rings die Frommen
Mit Lobgesang heraus.

Ich kann nicht mit euch gehen,
Mir ist der Odem schwer;
Die Kreuzesfahnen wehen,
Ich folge nimmermehr.
Wie wird so klar die Luft!
O Jesu, süße Helle,
Du kömmst in meine Zelle,
In meine Modergruft!

Was soll ich dir bereiten,
Du wunderlicher Gast?
Ich möchte dich verleiten
Zu langer Liebesrast.
Wohlan, ich schmücke dich,
Will dich mit Blumen binden;
Du sollst dich nicht entwinden,
Das weiß ich sicherlich.

Aus deiner Mutter Rechten
Will ich um deinen Fuß
Die reine Lilie flechten
Mit demutsvollem Gruß.
Daß ich dich feßle ganz
Mit Liebesblumenringen,
Will um dein Haupt ich schlingen
Den heil’gen Rosenkranz.

Den Boden will ich streuen
Mit Palmen ganz und gar,
Mein Leiden dir zu weihen,
Was ich in diesem Jahr
Oft still, oft schwerer trug.
Es liegt zu deinen Füßen,
Es soll mich nicht verdrießen,
Dein Will‘ ist mir genug.

Wie soll ich mich doch finden
In deine Liebesmacht,
Daß du an meine Sünden
So gar nicht hast gedacht!
Ich lasse nicht von dir,
Mußt du gleich wieder scheiden;
Ich fühl‘ es wohl in Freuden,
Du kömmst noch oft zu mir.

Annette von Droste-Hülshoff