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Der Adventskalender mit Briefen Ida Fr. Görres’, Tag 2

Denn selbst WENN, was Gott verhüten möge, aber weiss man, was Er sich denkt? die „Atmosphäre“ von Beuron, die ich wieder so stark erfahren und genossen habe, wirklich nur mehr das Licht eines bereits erloschenen Sternes sein sollte — selbst dann muss man diesen Schimmer so lang wie nur immer möglich zu erhalten trachten. Denn es ist wirklich was Kostbares.
(30.4/1.5.1964)

Gereon Lamers

Der Adventskalender mit Briefen Ida Fr. Görres’, Tag 1

Ich verfolge z Zt die Konzilsnachrichten gar nicht besonders lebhaft – vielleicht ist das verkehrt und ein Versäumnis – aber ich bin z Zt. in einem so lähmenden Pessimismus befangen – dh diese dumme Vokabel ist natürlich auch falsch. Man hat so ungefähr das Gefühl, man sieht Kinder – pardon!! – eine Maginot-Linie aus Sandburgen gegen den anbrausenden Ozean bauen – Aber auf der andern Seite sind bekanntlich die berühmtesten Siege der Weltgeschichte stets die aus dem Hoffnungslosen heraus gewesen. Es muss wohl, siehe besonders Altes Testament – erst ein gründlicher und nicht mehr zu verschleiernder Tiefpunkt auftreten, ehe die Flut sich wendet. Mir ist jedenfalls recht apokalyptisch zumute […] (5.10.1964)

Gereon Lamers 

Der Adventskalender mit Briefen Ida Fr. Görres’, Vorabend

Diesen Text, den “Vorabend” des diesjährigen Adventskalenders, zu schreiben, hat mir, wie man so sagt, ‘Bammel eingejagt’.
Und das diesmal nicht, weil ich erneut nicht so genau weiß, wo das Unternehmen hinführen soll (das kennen Sie ja schon), sondern aufgrund der Persönlichkeit, der die wir die Zitate verdanken, die wir in der kommenden Zeit anschauen wollen.

Ida Friederike Görres (1901 – 1971, geb. Friederike Maria Anna Reichsgräfin Coudenhove-Kalergi) flößt mir als katholische Intellektuelle und Publizistin, wie es heute keine mehr gibt!, Respekt ein, aber das taten die Texte der Heiligen, ganz zu schweigen von denen der Hl. Schrift, natürlich auch, die wir in den vergangenen Jahren schon gemeinsam betrachtet haben.
Jedoch, zusammen mit ihrer Biographie etwas zu dem dichterischen Charisma schreiben zu sollen, das doch alle ihre Texte prägt – das wäre noch etwas ganz anderes gewesen! Wie lebhaft erinnere ich mich an den “Sog” und den dauerhaft bleibenden! Eindruck der verlebendigenden Verzauberung, wie sie ihre Schilderung der Gestalt der Hl. Radegundis in mir hinterlassen hat! (Die siebenfache Flucht der Radegundis, 1937, ein MUSS, besonders für Thüringer Katholiken!)

Zu meiner großen Erleichterung und Dankbarkeit  stellte es sich heraus, daß ich das auch nicht muß. Es gibt nämlich eine Website, die Ida Görres gewidmet ist, eingerichtet und betrieben als ein wahres ‘labour of love’ von Jennifer Bryson, Heiligenkreuz, die die Werke der Görres ins Englische übersetzt (daher ist die Seite auch zweisprachig, unschätzbar!).
Sie hat dort unter “Biographie” zwei Texte von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz einstellen dürfen, wie ich sie sogar unabhängig von der mangelnden Sachkenntnis niemals auch nur ansatzweise hätte verfassen können.
Sie finden sie hier und wenn Sie auch sonst von meinen Adventskalendern nichts halten und überhaupt nicht mehr weiterlesen wollen: Diese beiden Stücke der großartigen emeritierten (aber überaus rührigen) Religionsphilosophin sollten Sie sich gönnen.
Und mindestens ein Buch von Ida Görres. Momentan finden Sie ihre Werke u.U. in der Aussonderung Ihrer Pfarrbibliothek (also, hier, im sog. “Osten”; in Westland geschah der Prozeß vermutlich schon vor 30, 40 Jahren…), wozu ich mal lieber nichts sage. 

Gerl-Falkovitz war es auch, die 2015 aus Heiligenkreuz die Briefsammlung herausgegeben hat, aus der ich in den folgenden Wochen Ausschnitte bringen möchte: 

“Wirklich die neue Phönixgestalt?” Ida Friedrike Görres, Über Kirche und Konzil: Unbekannte Briefe 1962-1971 an Paulus Gordan.

Arbeit am Adventskalender 2021 (eigenes Bild)

Paulus Gordan, OSB (1912 – 1999) Benediktiner aus dem von I. Görres heiß geliebten Kloster Beuron (wo sie ihn vermutlich bei unbekannter Gelegenheit kennengelernt hat), der Briefpartner, war ein Konvertit (mit 18 Jahren) aus dem großbürgerlichen Berliner Judentum und in der Zeit des Briefwechsels seinerseits publizistisch und in der Verwaltung des Ordens überaus tätig. Seine Briefe liegen leider, momentan jedenfalls, nicht ebenfalls vor. 

Von der Görres offenkundig sehr geschätzt (“ein großer [!] Bruder”) und wohl auch einfach gemocht, geben die Briefe doch ebenso Zeugnis von deutlich verschiedenen Perspektiven und Einschätzungen in Bezug auf das, was zu dieser Zeit das katholische Erdenrund (und damals auch noch Teile der “Welt”…) so überaus beschäftigte: Der losgebrochene Sturm der Veränderung in der Kirche, symbolisiert durch und angetrieben vom 21. Ökumenischen Konzil, dem II. Vatikanum und seinen (unmittelbaren) Folgen, das von Herbst 1962 bis Ende 1965 stattfand und damit wesentliche Überschneidungen mit der Zeit des Briefwechsels aufweist.

Sie haben ja sicherlich inzwischen die oben verlinkte Biographie der Görres gelesen (oder?! 😉 ) und werden daher in dem (natürlich) gut gewählten Buchtitel nicht nur die Skepsis erkennen, die die glaubende Dichterin gegenüber manchem empfand, sondern auch registriert haben, daß Ida Görres ganz gewiß nicht schlechterdings als “Traditionalistin” zu vereinnahmen ist. In keiner Weise jedenfalls, wie sie dem heutigen (allerdings heruntergekommenen) Sprachgebrauch nahe käme.

Aber das wäre ja auch viel zu langweilig. Vielmehr geht es darum, im Spiegel der Äußerungen einer exemplarisch gebildeten, reflektierten, vernetzten, sensiblen und gläubigen Zeitgenossin anzuschauen, wie das damalige Geschehen über sie kam und auf sie wirkte; und dazu ist die Briefform (so wenig ich persönlich mich mit ihrer Lektüre anfreunden mag) natürlich überaus geeignet. 

Ich werde mich bei der naturgemäß subjektiven Auswahl bemühen, keine Kategorie von Empfindungen einseitig zu unterschlagen, so sehr ich auch überzeugt bin… aber bilden Sie sich zunächst selbst ein Urteil!
Und wenn wir im Verlauf der Lektüre das ein oder andere déja vu erleben, oder ich zum Schluß vor dem Hintergrund der sehr aktuellen Debatten die ein oder andere Betrachtung zu “dem Konzil” anstelle, dann können Sie ja selbst entscheiden, ob Ihnen das vor dem Hintergrund des Gelesenen überzeugend erscheint, oder nicht! 

Kostprobe gefällig?

Denn ich bin nun mal so gebaut […] dass ich derlei Fragen nicht „akademisch behandeln“ kann, sondern sie wie Krankheiten in grossen Schmerzen „ausstehen“ muss – ich kann halt nur „existentiell“ denken und das tut natürlich infam weh und frisst einen auf. […]
Ans Konzil denk ich mit Hoffnung und Angst gemischt – SEHR gemischt! Möge der Hl. Geist nach beiden Seiten sich als der Stärkere zeigen – möge es „Fieber und Heil“ sein, was da entsteht – da es ja doch ohne Fieber nicht geht. Ich fürchte die inneren Spaltungen doch sehr, die subcutanen Häresien. – Gott behüte Sie, und alle guten Wünsche u. Grüsse […]. (18.9.1964)
(alle Hervorhebungen im Original, wenn nicht anders angegeben)

Morgen geht’s los!

Gereon Lamers 

Sketch des Monats: Das Reservat 1/4

Ein Sketch zum Ersten Advent für drei Personen

Wundersdorf, Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Edith sitzt mit Karl bei einer Tasse Kaffee. Aber die Atmosphäre ist gedrückt. Also – kann man ja verstehen, in der heutigen Zeit. Aber was genau ist los?

Unsere abgewählte Exekutive hat weitere Maßnahmen zum Schutz der Ungeimpften beschlossen. Schließlich, so ließ ein karrierebewußter Gesundheitsexperte hören, könne man diese Gruppe ja nicht sich selbst überlassen. Und damit man diese Menschen endlich auch aus den Supermärkten heraushalten kann, faßt man die „Ugis“, wie sie mittlerweile heißen, neuerdings in bestimmten Gebieten zusammen, um die Lebensmittelversorgung dieser armen Geschöpfe sicherzustellen: eine humanitäre Maßnahme also, angesichts derer manche Kommentatoren der Öffentlichen Rechtlichen allerdings bereits laut nachdenken, ob diese Ugis sie überhaupt wert sind … Aber bei humanitären Maßnahmen kennt unsere abgewählte Regierung bekanntlich kein Pardon. Wir schaffen das.

Tja – und da Wundersdorf nur aus Sprache besteht und von daher besonders gut zur Coronapandemie paßt (die bei aller Ernsthaftigkeit der Erkrankung im Einzelfall mit ihrer Einordnung als Pandemie ja ebenfalls eine sprachliche Konstruktion ist), hat man sich entschlossen, in und um Wundersdorf das Reservat für die Schutzhaft der Ungeimpften des Landes Brandenburg zu errichten. Das kleine Städtchen mit umliegenden Dörfern und Weiden wurde quasi über Nacht eingezäunt – wie ja alles derzeit quasi über Nacht geschieht – und Bewohner entsprechend ihres Impfstatus umgesiedelt. Um alle zu schützen.

Aber seien Sie unbesorgt: Die Wundersdorfer wären nicht die Wundersdorfer, wenn sie nicht dennoch zuverlässig Kontakt von Drinnen nach Draußen und umgekehrt halten würden …

 

Karl: Nee, heute war das wirklich knapp, mit dem Tunnel (er nickt vor sich hin). Sie hätten mich fast erwischt.

Edith: Die Jungs graben schon an einem weiteren, Petershagener Chaussee, hinten im Garten von Fischers, hinter der Rotbuche, da kommt der raus.

Karl: Ah! Gut, daß du das sagst. Wer wohnt denn da jetzt?

Edith: Fischers wohnen noch dort.

Karl (irritiert): Hm? War er nicht geimpft?

Edith: Doch, aber er ist doch mit einer Ungeimpften verheiratet.

Karl: Ach so … ja klar …

(Edith bemerkt, daß Karls Tasse leer ist und hebt die Kaffeekanne an.)

Edith: Möchtest Du noch einen Schluck?

Karl (hebt seine Tasse mitsamt Untertasse an): Gern!

Edith gießt noch ein wenig Kaffee aus.

Karl (mit einer Handbewegung): Danke! (Er stellt die Tasse ab.) Ich hab gesehen, die Doppelhaushälften auf der Petershagener Chaussee sind jetzt auch wieder bewohnt. Sieht schön aus, wenn abends dort wieder Licht brennt.

Edith (nickt): Ein Gefühl wie damals, als endlich das Pfarrhaus wieder zur Straße hin bewohnt war und in der dunklen Jahreszeit immer ein Schwibbogen oder sonst ein Licht dort brannte.

Karl: Also diese Ansiedelei hier hat eindeutig auch was Gutes! 

Edith: Und wen du da alles kennenlernst! Die unbeschreiblichsten Leute – aber alle einen Hintern in der Hose. Sehr wohltuend!

Karl (nickt): Das haben wir ja schon lange gesagt: In Situationen wie dieser lernst du die Leute kennen. (In verändertem Tonfall): Es ist nicht mehr schön, draußen, Edith! (Er schaut Edith ernst an.)

Edith: Die Tunnel sind ja auch dazu da, damit ihr hier ins Reservat rein kommt, nicht wir raus. Ich kann mir schon vorstellen …

Karl: Kannst du nicht, Edith. Kannst du nicht! (Er schüttelt den Kopf und stiert eine Weile vor sich hin.) Sie haben jetzt endlich eine Nutzung für all die leerstehenden evangelischen Kirchen gefunden (er verbirgt sein Gesicht in den Händen.)

Edith: Ach so? Das klingt ja interessant! (Sie beugt sich nach vorne und stützt die Ellbogen auf der Tischplatte auf.)

Karl: Ist es aber nicht. Es ist schrecklich!

Edith: Was machen sie denn jetzt da drin?

Karl: Impfzentren. (Er macht eine kleine Pause.) Diese Kirchen werden alle Impfzentren!

Edith (sieht ihn betroffen an): Oh! Das klingt ja, als wollten sie sie diesmal nicht so schnell wieder schließen?

Karl (nickt): Es wirkt wie auf die Ewigkeit angelegt. Sie fangen schon an, sie auszumalen.

Edith: Ausmalen?

Karl: Beziehungsweise sie bringen Schriften auf die Wand auf.

Edith: Ach so … Psalmen … ?

Karl (lacht sarkastisch auf): „Die Impfung ist einzig und Lauterbach ist ihr Prophet“ steht in Christkönig! Immer wieder – die ganzen Wände voll. (Er legt seine Stirn auf seine gekreuzten Hände auf der Tischplatte).

Edith (tonlos): Um Gottes Willen! Aber dagegen muß sich doch jemand wehren!

Karl (dumpf): Die Bischöfe predigen beinahe geschlossen, daß man sich impfen lassen soll und führen 2G in den Gottesdiensten ein …

Edith (schnaubt): Feige! Allesamt feige!

Karl (schaut auf): Und die muslimischen Verbände diskutieren, ob sie es als Gotteslästerung unterbinden wollen oder den Spruch zulassen, aber Tantiemen einfordern.

(Die Küchentür geht und mit ernster Miene betritt Teresa den Raum.)

 

Fortsetzung folgt

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Der Adventskalender mit ***, ‘Teaser-Trailer’

Auch in diesem Jahr soll es auf PuLa wieder einen Adventskalender geben. Und auch wenn das ‘Erste Türchen’ natürlich erst am 1. Dezember aufgeht (und am Vorabend wie immer der “Plan” des Unternehmens skizziert wird), habe ich in diesem Jahr nicht nur derart viel Material, daß in der Auswahl vermutlich eine Hauptschwierigkeit liegen wird, nein, ich kann es auch einfach kaum erwarten, daß es endlich losgeht! (weil ich, wie immer…, selbst am meisten gespannt drauf bin, wo es schließlich hingeht)

Und deswegen bringe ich heute, am 1. Adventssonntag, ganz “zeitgemäß” 😉 , wie im Film-Business einen “Teaser-Trailer”, mit dem ich Ihre Spannung erhöhen will! 🙂

Es wird Auszüge aus Briefen geben, aber ich verrate Ihnen heute noch nicht, von wem.
Aber immerhin schon mal das Datum.

Los geht’s: 

Ich weiss, die Kirche ist der Phönix. Sie ist schon manche Tode gestorben. Aber durch Selbstmord? gibt es davon Auferstehung?? Wenn es so ist, möchte ich wirklich lieber nicht mehr leben.
*** an ***, 23.II.1965

 

Gereon Lamers

PuLa-ReloAded: Die Ader [oder doch nicht?]

‘lode’ heißt auf englisch ‘Ader’, wie in Erz- oder Gesteinsader, allgemeiner steckt auch die Bedeutung ‘Lauf’ darin und wer den Herrn der Ringe kennt, wird sich jetzt vielleicht an den Fluß ‘Silverlode’ (Sindarin: ‘Celebrant’) erinnern.

Wie wir darauf kommen und was das mit dem allmittwochlichen PuLa-Reloaded zu tun hat?

Schauen Sie selbst:

„Reloded“-Detail

So titelte der ‘Tag des Herrn” am vergangenen Samstag und zwar auf der Titelseite… 

Und das ist zunächst einmal: Peinlich. Umso mehr, als es einige Zeilen in den Artikel rein dann richtig da steht: Reloaded, mit einem ‘a’.
Klar, wir sind auch nicht vor Schreibfehlern gefeit, aber der hier, den jede Rechtschreibkorrektur anzeigt, der sollte Profis, auf der Titelseite, einfach nicht unterlaufen, sorry.
Und wir dachten dabei natürlich unwillkürlich an unser eigenes “Reload-Projekt”.

Aber hätten wir deswegen den normalen Ablauf der Wiederveröffentlichung der besten Beiträge aus 10 Jahren PuLa unterbrochen? Natürlich nicht! und bevor bei mancher/manchem vielleicht falsche Hoffnungen aufkeimen: Wir haben auch noch jede Menge Vorrat! 🙂

Doch der Fehler hat dazu geführt, daß wir den Artikel überhaupt in Gänze gelesen haben. Und dann standen uns, wieder einmal, die Haare zu Berge, leider. Online stehen die Zeilen leider nicht zur Verfügung, daher müssen wir im folgenden mehr zitieren, als uns lieb ist, aber es ist, so fürchten wir stark, einfach soo typisch.

TdH, Reloded, ganz

Anlaß der Berichterstattung ist ein Jugend-Wettbewerb unter dem Titel: „Bibel reloaded“, der gerade im protestantischen Bereich in Eisenach begonnen hat. “Junge Menschen zwischen acht und 19 Jahren” sollen sich einen Vers aussuchen und “kreativ” damit auseinandersetzen.

Das ist natürlich alles hoffnungslos abgeschmackt und bis zum Anschlag unoriginell (“googeln” Sie mal ‘Bibel Reloaded’, mit ‘a’… 😉 ), pädagogisch unterbelichtet, 8jährige haben andere Fragen, als 19jährige!, und damit im Grunde nur ein weiterer der vielen, vielen Fälle der sinn- und auswirkungslosen Verprassung von (finanziellen) Ressourcen, wie wir sie im Umfeld organisierten Christentums permanent erleben müssen. 

Letztere Formulierung habe ich sehr absichtsvoll gewählt, denn es geht hier auch ausdrücklich nicht um konfessionelle Schadenfreude, nein, was hier passiert, könnte im katholischen Umfeld ganz exakt genauso, vermutlich mit den genau gleichen Worten, auch geschehen!

Nur die Zitate der Verantwortlichen, die haben mich dann doch, wieder einmal, gepackt. 

“‘Haben die Inhalte der Bibel noch etwas mit den Jugendlichen von heute zu tun?’, fasst Jugenddiakon […] die Ausgangsfrage zusammen. Sie sei nicht so einfach zu beantworten, […] Schließlich sei die Bibel bei den meisten Jugendlichen nicht sonderlich populär.”

Wie kann man als jemand, der, von allem anderen abgesehen, dafür bezahlt wird, etwas zu vermitteln, von dem man selbst überzeugt ist, so einen, pardon, Schwachsinn formulieren? Wie kann man auf die Idee kommen, die Bedeutung des Grundlagentextes der eigenen  Religion von der Frage der “Popularität” abhängig zu machen?

Aber vor allen Dingen: Wie kann man auf den abseitigen Gedanken verfallen, mit dieser Herangehensweise auch nur eine einzige Jugendliche, einen einzigen Jugendlichen ansprechen zu wollen?

Wenn Kinder (o, ja, schon Kinder!!) und dann Jugendliche über eines verfügen, dann ist es ein Gespür für Authentizität. Und wonach sie suchen ist Orientierung und nicht nachplappern und billiges Hinterherlaufen. Ob sie die Orientierung schließlich annehmen, ist eine völlig andere Frage. Aber ohne deren Angebot gibt es erst gar keine Chance.

Und so geht es weiter. Der Schulpfarrer: „Viele Bibeltexte lassen sich auf aktuelle Fragestellungen beziehen“. Wirklich? Was Sie nicht sagen!
Und weiter: “Biblische Inhalte seien auch mit Themen verbunden, die Jugendliche bewegen” “Auch”!
Und schließlich stellt der Leiter des Mitteldeutschen Bibelwerks fest: “Beim Umgang mit dem biblischen Text können wir bestimmt den einen oder anderen Tipp geben“ Tatsächlich? na, das hatten wir aber von Menschen, die sich beruflich in leitender Funktion damit beschäftigen, ja überhaupt nicht erwartet! 

Als ob diese labbrige, untergründig aber grundsätzliche Infragestellung (fachlicher) Autorität Jugendliche anspräche. Die denken sich vielmehr sinngemäß: “Wenn die/der selber nicht so auftritt, als daß er/sie mir etwas zu sagen hätte, warum soll ich dann eigentlich zuhören?” Und gehen.
Und darüber wundern sich diese Leute dann noch.
Und wundern sich noch mehr, wenn sie hören, daß Jugendliche bei Katechesen und Predigten im Umfeld der ‘Alten Messe’ nicht gehen – sondern wiederkommen… 

Leider, leider!, drängt sich nach der Lektüre derartiger Texte immer wieder die eine gleiche, traurige Frage auf und die lautet: ‘Ob die selber noch dran glauben?’ 

Zweifel sind unvermeidlich, denn wer es tut, der kann gar nicht so von der Hl. Schrift sprechen. Nein, dessen Begeisterung und “Angepacktsein” teilen sich unwillkürlich mit.

Solche Menschen haben dann auch eine ‘Ader’ dafür, mit Kindern und Jugendlichen erfolgversprechend über biblische Texte zu sprechen.
Die anderen sollten es lassen und sich um sich selbst und ihre Beziehung zur Bibel kümmern, statt andere belehren zu wollen, und zwar ganz schnell.

Gereon Lamers  

 

PS: Wir sind bekanntlich intellektuell fairer als fair (weil wir glauben, es uns leisten zu können 😎 ), deswegen füge ich hinzu, daß unser englisches etymologisches Wörterbuch uns verraten hat, daß tatsächlich vor langer Zeit ‘lode’ und ‘load’, anders als ich vermutet hätte, einmal parallel gebraucht worden sind. Allerdings immerhin schon seit dem 16. Jh. nicht mehr, so daß man sich wohl schwerlich wird darauf berufen können, oder? 😉

PPS: Gerade in Eisenach sollte man doch seeeeehr vorsichtig sein, etwas aus der Bibel herauszustreichen …

Aber tatsächlich erinnerte mich die Aktion sofort an eine Unterrichtsstunde in katholischer Religion (also tatsächlich: könnte uns genauso passieren! – Ist schon passiert …), aus der heraus uns unsere Tochter, damals 11. Klasse, am 14. Juni 2021 verzweifelt in die WhatsApp-Familiengruppe schrieb: „Kann ich bitte gehen?!“ Die Jugendlichen hatten von der bestellten Lehrkraft (keine Vertretung) vermutlich lehrplanfolgsam die Aufgabe erhalten, das Glaubensbekenntnis zu lesen und „Unwahres“ (auch an der Tafel in Gänsefüßchen) herauszustreichen. Im Anschluß sollten sie ein eigenes, persönliches Glaubensbekenntnis verfassen, das die eigene Glaubensvorstellung enthalten sollte. So wörtlich. „Alter, Schule!!!“ kommentierte unsere ältere Tochter aus dem fernen Studienort und fügte ihren Worten ein Facepalm-Emoji hinzu. „Unwahres rausstreichen? PuLa übernehmen Sie“ war damals bereits mein eigener Kommentar in diesem Chat gewesen. Diskutiert wurde mit den Schülerinnen und Schülern dann, was man tun kann oder sollte, wenn man hinter einer bestimmten Formulierung des Glaubensbekenntnisses nicht steht. Soweit ich weiß, einigte man sich auf schweigen. (Ganz fürchterlich relevant ist diese Frage ohnehin nicht gewesen, da, soweit ich sehe, unsere Tochter eine der wenigen wenn nicht die einzige regelmäßige Kirchgängerin ihres Kurses ist.) Daß es sein kann, daß man einfach irgend etwas noch nicht versteht und doch schon einmal mitbeten kann (ist doch beten etwas Objektives und objektiv Wirksames!), wurde in dieser Unterrichtsstunde m.W. nicht in Erwägung gezogen.

Jugendliche Reaktionen, authentisch (eigener Screenshot)

Wie es also, bei einer solchen Verbreitung der Strategie von – ich möchte fast sagen: erzwungener Distanzierung von den eigenen Glaubensinhalten und –zeugnissen ein Projekt wie das Eisenacher es auf die Titelseite einer Kirchenzeitung schaffen kann, ist mir unverständlich.

In Schutz nehmen möchte ich jedoch zuletzt noch die Interviewten: Wenn ein Journalist aus einem vermutlich längeren Gespräch einen einzigen nichtssagenden Satz zitiert, heißt das nicht, daß der Interviewte nichts Substantielles gesagt hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Journalisten auch manchmal das Billigste und in ihren Augen Anschlußfähigste aus einem längeren Wortbeitrag herausgreifen.

Cornelie Becker-Lamers

PuLa-Reloaded:

Hier entsteht ein PuLa-Beitrag.

PuLa-Reloaded: Der Martinsumzug

Der Anfang des folgenden Textes, ursprünglich veröffentlicht am 9. November 2011 (hier), ist erkennbar zeitgebunden, aber immerhin hatten wir ja in den letzten Tagen auch gerade wieder eine Synode der EKD, vor allem aber folgt unten eines der besten Aperçus, das je auf PuLa zu finden war:
‚Das Katholikenbashing ist der blinde Fleck der Political Correctness in diesem Land‘.
Und das ist unverändert gültig, leider.

Enjoy: 🙂

In Wundersdorf versuchen unsere Brüder und Schwestern auf ihre Art, die aktuelle Synode der EKD in Magdeburg samt dem Nachkarten i.S. Papstbesuch und Ökumene zu verarbeiten und wie wir sie so kennen, geht es dabei ebenso innovativ wie feucht-fröhlich zu…

Als persönlichen Beitrag zur Euro-Rettung haben sie sich im örtlichen Griechen, dem Restaurant „Bacchos“, eingefunden:

 

Der Martinsumzug

Ein Sketch für fünf Personen und beliebig viele Statisten

Hanna, Karl, Edith und Richard sitzen im Restaurant. Der Raum kann mit weiteren Wirtshausgästen an Nebentischen gefüllt sein. Die Gläser der vier sind schon beinahe leer. Sie befinden sich mitten in einer angeregten Diskussion.

 

Hanna: Es ging natürlich wieder nicht ohne „Plädoyer für die Ökumene“ ab!

Edith: Ja, aber eine „lebensnahe Ökumene“.

Karl: „Um der Menschen willen“.

Richard: Dann können die Protestanten ja mal damit anfangen aufzuhören uns ständig zu beschimpfen!

Hanna: Wer beschimpft uns denn?

Richard: Siehst du – das fällt einem schon gar nicht mehr auf. Den Protestanten selbst am allerwenigsten. Aber wenn du mal anfängst drauf zu achten, stolperst du bei fast jeder einschlägigen Wortmeldung und jedem Zeitungsbericht darüber!

Edith (zu Hanna): Habe ich dir nicht erzählt: „Eigentlich sollte es gar keine Katholiken mehr geben“ … ?

Hanna: Wer sagt?

Edith: Mein Hausarzt neulich, so en passant, es ging irgendwie um das Engagement in der Gemeinde, daß das ja auch nicht immer alles so einfach ist, und da sagt er: „Da sieht man es wieder – eigentlich sollte es in Wundersdorf ja gar keine Katholiken mehr geben.“

Hanna: Und was hast du da gesagt?

Edith: Nichts. Und da meinte er, das wäre als Witz gemeint gewesen.

Karl: Klar! Hat er überhaupt nicht drüber nachgedacht.

Edith: Nee, sicher, hat er nicht. Aber das ist ja das Interessante: Es rutscht einfach so raus, weil es so selbstverständlich ist, solche „Witze“ zu machen. Die meisten von uns lachen wahrscheinlich auch noch mit … (Sie trinkt den letzten Schluck aus ihrem Glas aus).

Richard: Das ist der Mainstream.

Edith: Stell dir die Aussage mal vor über „Ausländer“ oder „Schwarze“ oder sonst wen – was da los wäre. Zu Recht! Aber so was zu sagen fällt halt auch niemandem ein.

Hanna: Niemand Normalem jedenfalls.

Karl (hat nachgedacht): Stimmt! Der verbale Umgang mit den Katholiken ist der blinde Fleck der political correctness! (Er trinkt den Rest von seinem Bier aus.)

Richard: Das hast du schön gesagt! (grinst)

Edith: Oder neulich unser örtlicher Ober-Protestant in einer Rede: Peter und Paul könnten ja als Chiffre für die Ökumene gelesen werden: Peter stellvertretend für die Institution, Paul als Sinnbild der kreativen innovativen reflektierten und was nicht alles Theologie – ich hab‘s nicht mehr wörtlich im Kopf.

Richard: Wir sind immer die Volltrottel, die nicht nachdenken.

Edith: … wollen oder können. Und das war wie gesagt nicht irgendwer, der das von sich gegeben hat! Und nicht am Biertisch, sondern in einer Rede. Nachdem er ganz freundlich unseren Bischof begrüßt hatte.

Hanna: Aber wer so was nach gut sechs Jahren Ratzi als Papst sagt ….Das ist doch absurd!

Edith: Klar ist es das.

Richard: … der hat echt was nicht kapiert!

Der Kellner kommt an den Tisch.

Kellner: Sind Sie ßufrieden?

Karl: Ich nehm noch eins – Hanna, du?

Hanna: Ich weiß nicht (Sie sieht zur Uhr).

Karl: Komm! Die Griechen brauchen unsere Unterstützung! (Er grinst)

Hanna (lächtelt auch): Na gut. Dann nehm ich jetzt aber ein Tonic.

Kellner (nickt): Donic.

Edith: Ich könnte gut noch einen Retsina trinken.

Richard: Danke, für mich nichts mehr.

Der Kellner nickt freundlich und geht ab.

Edith: Und dann sollen wir auch noch diese Luther-Dekade mitfeiern. Merken die noch was?! Das ist für uns kein Grund zum Feiern! (Sie versucht, aus ihrem Glas noch einen letzten Tropfen zu trinken.)

Hanna: Als sollten sie im Indianerreservat den Geburtstag von Christoph Columbus begehen.

Edith: … oder die occupy-Bewegung den Gründungstag der Wall Street. Absurd!

Richard: Oh, sag das mal nicht! Die occupy-Bewegung begeht die Wall Street zur Zeit sehr intensiv – nur nicht so, wie die Banker sich das wünschen. (Er lacht)

Hanna: Nein, sie besetzt sie ja eher.

Edith: „Feiern“ kann man diese Demonstrationen jedenfalls nicht nennen.

Kellner (bringt die Getränke): Donic! Und ein Retsina (Er gießt die Gläser halb voll und stellt die Flaschen daneben). Und ein Pils.

Karl: Jaaa!

Hanna, Edith, Karl: Danke! (Alle lächeln der Kellner an.)

Richard: Eigentlich eine gute Idee!

Hanna: Was?

Richard: Demonstrieren.

Edith: Wer jetzt?

Richard: Na, wir!

Karl: Wo willst du denn demonstrieren? (Er lacht – Hanna und Edith lächeln auch und gucken gespannt).

Richard: Na, in Wittenberg. Wir begehen einfach die Luther-Dekade…

Edith: … aber mit Spruchbändern? (Sie beginnt zu lachen)

Richard: Klar! Das wär’s doch: Wir demonstrieren vor der Wittenberger Stadtkirche.

Alle lachen, als sie sich das vorstellen.

Hanna: Ah ja! Und wann willst du das machen?

Richard: Hm – Luthers Geburtstag?

Edith (begeistert): Ja! Der etwas andere Martinsumzug! Ich bin dabei. Mit Wunderkerzen (Sie hebt beide Arme hoch und schwenkt sie über ihrem Kopf hin und her) Peeeeeeeeeeeeeeeeace! (Sie lacht)

Karl: Das ist wahr! Aus den Martinsumzügen machen die Protestanten doch eh gern ein Luther-Special! Das grenzt schon manchmal an Idolatrie!

Richard (grinst): Idoluth’rie sozusagen … (Alle brechen in Gelächter aus).

Edith: Sehr gut! Da hängen wir uns dran!

Hanna: Ich mal ein Transparent: „Mantelteilung ja – Kirchenspaltung nein!“ (Alle lachen).

Karl: Genau! Auf meinem steht: „Christi Rock blieb ungeteilt!“

Edith (guckt skeptisch): Das versteht wieder keiner!

Karl: Du kannst für mich ja ein paar Würfel mit drauf malen! (Er grinst)

Edith: „Der Alte würfelt nicht!“

Richard: Den Einstein laß lieber aus dem Spiel, sonst kommt als nächstes, alles sei „relativ“! (Alle nicken und lachen)

Edith: Genau! Dabei ist das ewige Katholiken-Bashing eine absolute Schweinerei!

Hanna: … einfach unsportlich …

Edith: … und auf die Dauer langweilig …

Karl (nimmt den Faden wieder auf): Und zum Abschluß laden wir zur Marienvesper in die Stadtkirche ein! (Alle brechen in Gelächter aus. Einige Leute am Nebentisch beginnen sich irritiert nach ihnen umzudrehen)

Hanna: … die heißt nämlich Sankt Marien!

Richard: Das ist jetzt nicht wahr?!

Hanna (quiekt): Doch! Das paßt genau!

Richard: Da wo Luther gepredigt hat?

Hanna: Genau!

Edith: Dann ist ja alles klar!

Karl: Und das Ganze stellen wir unter die Schirmherrschaft des Herrn Ministerpräsidenten Haseloff!

Hanna (lacht auf): Stimmt! Der ist ja katholisch!

Edith: Und stammt aus Wittenberg…

Richard: Irgendwie brauch ich jetzt doch noch was zu trinken! (Er winkt dem Kellner)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so ging’s zu, in Wundersdorf! Warum bei uns heuer das „Martinsspiel auf dem Pfarrhof“, also ohne ökumenischen Umzug, wieder zu MLs Geburtstag (am 10. November) stattfindet, statt am St. Martinstag… ach, ich frag‘ schon lieber nicht mehr. Immerhin gibt es Umzüge in Bad Berka und Buttstädt (dort sogar erst morgen, Top!)

Gereon Lamers

PuLa-Reloaded: Metanoia im Wilden Westen, oder: Ghostriders in the Sky

[metanoia, griech., die Umkehr, „Buße“]

Weil ich schon als Jugendlicher an dem allermeisten, was unter „Populärer Musik“ lief, keinen richtigen Geschmack finden konnte, hat sich PuLa bisher an der schönen Übung, immer mal wieder Musikvideos einzustellen, die in der Blogozese gepflegt wird, kaum beteiligt und wenn dann eher mit flämischer Polyphonie des 16. Jahrhunderts, hüstel!

Aber wir würden ja hier nicht von katholischen Blogs sprechen, wenn diese Videos bloß (nostalgischer) Selbstzweck wären, nein, sie werden auch schon immer mal auf ihren kulturellen Gehalt hin „abgeklopft“ und wenig verwunderlich findet sich so manches Stück abgesunkenen christlichen Inhalts an manchmal überraschenden Stellen.

Gelegentlich spricht aber ein Song auch ganz direkt von unseren Themen. So, als ich für eine meiner Töchter den Text von ‚Ghostriders in the Sky‘ anguckte.

Pure Eschatologie! Da müssen die Verdammten für immer über den Himmel reiten und dann kommt ganz direkt die Aufforderung zur Umkehr:

„Cowboy, wenn du deine Seele vor der Hölle retten willst […], dann ändere dein Leben noch heute, oder du wirst mit uns reiten und versuchen des Teufels Herde zu fangen über diese endlosen Himmel…“

Daher (und um unter Beweis zu stellen, daß ich gar nicht sooo’n doller Snob bin… 😉 ), Johnny Cash mit Ghostriders in the Sky:
[Edit 2021: Das ursprüngliche Video mußte ersetzt werden]

Hier der vollständige Liedtext:

An old cowboy went ridin‘ out one dark and windy day.

Upon a ridge he rested as he went along his way.

When all at once a mighty herd of red-eyed cows he saw,

Plowing through the ragged skies.

And up a cloudy draw.

Their brands were still on fire and their hooves were made of steel.

Their horns were black and shiny and their hot breath he could feel.

A bolt of fear went through him as they thundered through the sky.

Oh, he saw the riders comin‘ hard,

And he heard their mournful cry…

Yippee-I-Yay…Yippee-I-Yo…

Ghostriders in the sky…

Their faces gaunt, their eyes were blurred, their shirts all soaked with sweat.

He’s ridin‘ hard to catch that herd but he ain’t caught ‚em yet

‚Cause they’ve got to ride forever on that range up in the sky

On horses snortin‘ fire…

As they ride on hear their cry…

As the riders loped on by him, he heard one call his name

„If you wanna save your soul from hell, or ridin‘ on our range

Then cowboy, change your ways today, or with us you will ride

Tryin‘ to catch the devil’s herd

Across these endless skies…“

Yippee-I-Yay…Yippee-I-Yo…

Ghostriders in the sky…

(written by: Stan Jones, 1948)

Herrlich nostalgisch/gruselig illustriert, die Ramrods,

Yippee-I-Yo…

Gereon Lamers

…et unam sanctam, auch zu Allerheiligen?

Golden schien die Oktobersonne am vergangenen Samstag auf die Pfarrkirche und golden leuchteten die Blätter der Ginkgo-Bäume auf der anderen Seite des Platzes (der leider immer noch “August-Frölich-Platz” und nicht “August Fröhlich-Platz” heißt, aber das ist eine andere Geschichte…).

Ginkgos gegenüber der Pfarrkirche (eigenes Bild)

Wem dieser Anfang bekannt vorkommt, der hat recht, denn schon im Spätherbst 2014 habe ich einen Beitrag mit sehr ähnlichen Worten begonnen (hierund auch damals ging es um einen Aushang in unserem Schaukasten.

Schaukasten an Herz Jesu, Ende Oktober 2021 (eigenes Bild)

Diesmal stach mir ein Text zum Fest Allerheiligen ins Auge, aber lesen Sie selbst:

Aushang zu Allerheiligen 2021 (eigenes Bild)

Ehrlich, ich wäre ja fast froh, wenn es angesichts dieser Hervorbringung ausreichte, sich über schiefe und abgedroschene Sprachbilder (“poröse Menschen”, durchsichtiges Leben”) lustig zu machen, oder festzustellen, wie diese Zeilen die schalsten Klischees des Kirchensprech bedienen (“im Leben”, “bleibende Spuren”)!
Aber das reicht leider nicht. Nein, dieser Text ist schlechterdings blasphemisch, wenn er die Heiligkeit der Kirche in Anführungszeichen setzt, denn es handelt sich hier ganz simpel um ein Faktum, das wir im Credo bekennen: “Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche” heißt es da, nicht wahr? Wer meint, das in distanzierende Anführungszeichen setzen zu müssen, sollte in sich gehen – aber keine Texte für katholische Schaukästen verfassen.

Erkennbar wird obendrein ein ausgesprochener Mangel an Reflexion (oder schlicht an Kenntnissen?). Denn offenbar will der Verfasser/ die Verfasserin ja Distanz schaffen zu der Vorstellung, es handele sich bei der Kirche um etwas “besonders tolles”, oder anders ausgedrückt, hier scheint das ausgesprochen dumme Mißverständnis zu obwalten,”Heilig” sei mit “perfekt” gleichzusetzen. Das heißt es aber nicht.Das Heilige ist das abgesonderte, nicht profane, zu GOtt hingeordnete. Heilig und perfekt ist nur Er, Er ist daher “die Quelle aller Heiligkeit” (von daher auch der sozusagen erhabene Pleonasmus in Psalm 144: “iustus Dominus in omnibus viis suis, et sanctus in omnibus operibus suis”, ja, der Heilige ist heilig in all seinen Werken, Er kann nicht anders).

Menschen und menschliche Institutionen können auf Gott hingeordnet sein, sind aber notwendig nicht perfekt – das sagt ja teils sogar unser Text, der insofern auch noch inkohärent ist.

Und wie wir für uns werben, bzw. ”evangelisieren” wollen, wenn wir offiziell das Signal senden, daß wir uns ja selber “nicht so ganz toll” finden, das erschließt sich mir bedauerlicherweise auch nicht.

Ich habe leider die Quelle dieses Machwerks nicht ermitteln können, zu vermuten ist sie im Umfeld von Pfarrbrief-Service&Co., denn er findet sich unseligerweise in mehreren Pfarrblättchen deutscher Zunge.

Ich finde, es ist ein gravierendes und unverständliches Versäumnis der jeweiligen Verantwortlichen, so etwas durchrutschen zu lassen; ich hatte eigentlich gedacht, so etwas in Weimar nicht mehr erleben zu müssen.

Gereon Lamers