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Willkommenskultur und Beheimatung (2/2)

Familienkreise in Weimar

Unlängst feierte der Familienkreis I unserer Pfarrei sein 60-jähriges Bestehen. Das ist toll und PuLa gratuliert den alten Herrschaften von Herzen. Der Jubel über das Jubiläum blieb mir allerdings im Halse stecken, als mir einfiel, daß es in Herz Jesu Weimar m.W. keinen Familienkreis gibt, der sein 5-, sein 10- oder sein 15-jähriges Bestehen feiern könnte. Am 6. November 2010, bei dem letzten echten Ehrenamtlertreffen, das mit einem Vortrag zu Gemeindeentwicklung und Willkommenskultur (hier war das berühmte Weckglas zu sehen, in dem der Gremien- und Klüngelclan eben gerade nicht sitzen soll) äußerlich tatsächlich wie eine Art Fortbildung aufgebaut war (leider wurden Austausch und Diskussion nach dem Vortrag unterbunden, was eine Selbstreflexion der Gemeindearbeit letztlich doch scheitern ließ), sprach ich unseren Gemeindereferenten auf die Bildung neuer Familienkreise an. Der Angesprochene, bei dem man ja immer schon mal den Eindruck hat, er wähle seine Worte so, daß das Gespräch möglichst schnell zu Ende ist, antwortete lächelnd, es stehe mir jederzeit frei, einen Familienkreis zu gründen. Hm. Wenn man irgendwo schon so weit angekommen ist, daß man weiß, mit wem man in einen Familienkreis gehen möchte, braucht man diesen Familienkreis zur Integration nicht mehr. Von daher hatte ich doch eher an die mir aus Erfurt bekannte Organisation solcher Kreise von seiten der Leitung der Gemeinde her gedacht. (Vor allem war in Herz Jesu Weimar lange so eine Frage, ob Eigeninitiativen aus der Pfarrei heraus auch wirklich als Gemeindeangelegenheit betrachtet würden: Hat man doch jahrelang sogar geschafft, die Cäcilini als meine Privatangelegenheit zu definieren, u.a. weil ich aus unlängst an dieser Stelle dargelegten Gründen begonnen hatte, selber für die Gruppe zu komponieren.)

In unserem Fall blieb es also beim regelmäßigen Besuch des Bibelkreises (bei dem ebenfalls das monatliche Treffen für einen inneren Zusammenhalt und das Gefühl von Zugehörigkeit sorgt) und bei der individuellen Initiative eines „Frauenfrühstücks“. Unser „Frauenfrühstück“ ist ein von Fall zu Fall erweiterbarer harter Kern von Müttern, deren Kinder gemeinsam den hiesigen katholischen Kindergarten besuchten. Wie im vergangenen Beitrag dargestellt, half dieser Freundinnenkreis ebenso, Kinder und Jugendliche zusammenzubringen, wie dies die Freundschaften aus Chor oder Instrumentalkreis tun (Stichwort Kantorennachwuchs). Andere Eltern engagieren sich im Rahmen der „Kinderkirche“, einem Angebot für Vor- und Grundschulkinder. Aber es bleibt eben bei vereinzelten Initiativen der besonders Engagierten. Zur zuverlässigen und vor allem umfänglichen Nachwuchsarbeit der Pfarrei reicht es in keinem Fall aus, sich auf das Prinzip zu verlassen, das hier seit Jahren vorherrscht: Man telefoniert die Kinder der Freundinnen und die Freundinnen der Kinder zusammen. Da bleibt es zu sehr dem Zufall überlassen, wem die Seelsorge zugute kommt und wer durch die Maschen rutscht. Verantwortbar ist das auf Dauer nicht.

Also: Was ist geschehen?

Um auf Nele Heyses Schauspieltruppe zurückzukommen: Das hat sich verändert. Es gibt nicht weniger Katholiken und nicht weniger Familien, die Interesse am Engagement in der Pfarrei hätten. Aber es gibt keine jungen oder mittelalten Familienkreise mehr und damit keine organisierte Zusammengehörigkeit einzelner Familien, keine planbare Zugehörigkeit ganzer Gruppen zur Pfarrei, kein Bemühen um die gemeindliche ‚Kundenbindung‘. Man verläßt sich seit 2003 und auch nach ca. Mai 2016 wieder auf eine bestehende Struktur, ohne sie zu verjüngen (wir werden an anderer Stelle noch genauer darauf zurückkommen). Man verläßt sich auf die Familienkreise und übersieht offenbar geflissentlich, daß die jüngsten noch in dieser Form organisierten Elternpaare Ende 50 sind.

Meines Erachtens scheitert die Jugendarbeit derzeit u.a. deshalb, weil die potentiell aktiven Jugendlichen in erklecklicher Zahl aus den Familien der Zugezogenen stammen, denen man zur Beheimatung – um es vorsichtig auszudrücken – nicht die Brücken gebaut hat, die etwa ein legendärer Pfarrer Hentrich zu schlagen wußte. Zwischen Hentrichs Berufung Neuzugezogener in den Pfarrgemeinderat – nicht obwohl, sondern gerade weil sie neu zugezogen waren – und dem Jubel über den wieder „Wessi-freien Kirchenvorstand“ aus dem Jahr 2014 liegen Welten.

Vielleicht wäre es wert, die Neugründung von Familienkreisen zu erwägen, um die Zukunft der Pfarrei wieder auf etwas sicherere Füße zu stellen? Jedenfalls sollte keine Gelegenheit versäumt werden, Eltern und Ehrenamtliche untereinander bekannt zu machen und zu vernetzen (Stichwort: „Threema“…😎) – sei es durch die Wiedereinführung der „Tischmüttergruppen“ im Firmunterricht, sei es durch andere, generationenübergreifende kontinuierliche Formen. Wenn wir nicht heute beginnen, uns mit Jugendlichen und Eltern in größeren Runden zu treffen, zu diskutieren, zu träumen, Ideen auszutauschen, konkret zu planen und zu realisieren, werden die Verantwortlichen zur anvisierten „Jugendsynode“ im kommenden Jahr in leeren Räumen sitzen.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Ist es mit den Familienkreisen wie mit dem Impfschutz? Wenn 95% aller Familien mit Kindern in Familienkreisen organisiert sind, können diejenigen, deren Eltern keinem Kreis angehören, in den Gruppen mitschwimmen, die von den Jugendlichen aus den Kreisen getragen werden. Wenn niemand mehr organisiert ist – treffen sich die Jugendlichen auf dem „Wieland“. Diesen Zustand haben wir gerade.

 

Willkommenskultur und Beheimatung (1/2)

Über Familienkreise

Am 9. April 2019 stellten Diana Hellwig und Nele Heyse im Obergeschoß der Weimarer Eckermannbuchhandlung ihre soeben in der Edition Muschelkalk erschienen Gedicht- und Erzählungsbände vor. Nachdem beide Frauen einige Textpassagen vorgetragen hatten, begann die Gesprächsrunde, in der die Autorinnen von ihrer Motivation und den Hintergründen des Geschriebenen berichteten. Die in Weimar aufgewachsene Nele (eigentlich Cornelia) Heyse, deren Geschichten von biographischen Bezügen leben, erzählte dabei von ihrer Schulzeit in Weimar und ihrem erfolgreich umgesetzten Berufswunsch Schauspielerin. Dieser Berufswunsch gibt vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Entwicklung auch tatsächlich eine gute Story ab, denn als Kind hatte Cornelia Heyse einen Sprachfehler. Sie stotterte.

Sie stottert – und dann: Schauspielerin! Beiläufig erwähnt sie die Sprachheiloberschule, die sie besucht hat, um dann weiter auszuholen: Wie stellt Nele Heyse es an, mit ihrem Sprachfehler doch irgendwie Kontakt zum Schauspiel zu bekommen?

„Die katholische Gemeinde hatte eine Theatergruppe“, sagt sie, „mit denen habe ich Kontakt aufgenommen. Ich sitze senkrecht auf meinem Stuhl. Wie war das? Die katholische Gemeinde Weimar, meine Gemeinde, die seit Jahren zu wöchentlichen Treffen keine fünf Kinder oder Jugendlichen mobilisiert, hatte eine Theatergruppe? Und eine Theatergruppe mit einer solchen Ausstrahlung, daß Schülerinnen, die gar nicht zur Gemeinde gehörten, nicht nur von ihr wußten, sondern auch von ihr angelockt wurden?

Uff!

Ich lehnte mich wieder an, allerdings ohne mich auch innerlich zurückzulehnen. Vielmehr überlegte ich. Was war geschehen … Die Wende. Klar. Kirche als Schutzraum überflüssig. ‚Zeitgeist‘. Die Jugend angeblich nicht mehr interessiert. Geschenkt! (Trifft doch in der Kirche wie in kaum einem anderen Lebensbereich der schöne Spruch zu, den unser Weimarer Mitbürger Johann Wolfgang Goethe die Dramenfigur Heinrich Faust zu seinem Famulus Wagner sagen läßt: Was man den Geist der Zeiten heißt, ist meist der Herren eig’ner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln, vgl. Faust I, V. 577-79). Denn mit der Wende zogen (und ziehen weiterhin) viele junge Familien zu – aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, aber auch aus dem Rheinland, Westfalen und Bayern und damit aus Gegenden, in denen das Katholischsein der Normalfall nomaale Jlaube, wie der Rheinländer sagt – ist. Arbeitsplatzbedingt außerdem Leute mit überdurchschnittlich viel sogenanntem kulturellen Kapital, das sie gerne in ihre ehrenamtlichen Dienste einspeisen. Und die mit Elan ehrenamtlich bis an die Grenzen ihrer Kräfte gehen, weil sie – eigentlich ganz richtig – in der Pfarrgemeinde den Fixpunkt in einer doch bitte noch während der Schulzeit ihrer Kinder neu zu erringenden Heimat vermuten: Denn wo gibt es sonst eine Gemeinschaft, in der nicht (wie im Sport) nach Männlein und Weiblein oder (wie in Laienorchestern und -chören) nach groß, klein und noch kleiner auseinandersortiert wird? Auch aus dem Kreis der beruflichen Kollegen scheidet man mit Mitte 60 aus, so daß die Kirchgemeinde tatsächlich der Ort ist, in der die gesamte Familie, jede und jeder Einzelne, „von der Wiege bis zur Bahre“ aufgehoben und zu Hause ist. Die Kirchgemeinde ist in Städten daher so etwas wie das sprichwörtliche ganze Dorf, von dem es heißt, man brauche es, um ein Kind großzuziehen. Daher engagieren sich in den Familie, die in der Kirche den Ausgangspunkt zur Beheimatung in einer neuen Umgebung suchen, auch die Kinder selbstverständlich mit in der Pfarrei. ‚Zeitgeist‘ hin oder her.

Aber während Heimat einem zuwächst, muß Beheimatung zugestanden werden. Zugestanden und – wir hören das seit Jahren aus dem weltlichen gesellschaftlichen Umfeld – in einer Willkommenskultur organisiert.

Wie geht das: Beheimatung?

Zu DDR-Zeiten und teilweise noch in den 90er Jahren geschah die Beheimatung junger Familien in den örtlichen Pfarrgemeinden hierzulande über die Gründung von sogenannten Familienkreisen. Ich kannte das aus Rheinland-Pfalz nicht und habe dieses Modell vor knapp 20 Jahren in der Erfurter Domgemeinde (zu der ich mich durch meine Mitgliedschaft im Dombergchor, welche wiederum auf der Empfehlung eines Freundes beruhte, zugehörig fühlte) erstmals kennen gelernt. Der damalige sehr rührige Dompfarrer ging auf junge Ehepaare mit Kinderwägen zu, die er als regelmäßige Meßbesucher ausgemacht hatte, und lud sie in Familienkreise ein. Man traf sich (um das für diejenigen unter unseren Lesern, die dieses System gemeindlicher ‚Kundenbindung‘ ebenfalls nicht kennen, kurz zu skizzieren) monatlich reihum in den privaten Wohnungen, was neben den eigentlichen Treffen meist zu einer telefonischen Kontaktaufnahme im Vorfeld des betreffenden Abends führte. Im Idealfall bereitete die zuständige Familie ein Thema vor. Ich weiß noch, daß ich einmal über die Geschichte der deutschen Bibelübersetzungen, insbesondere der Vater-Unser-Übersetzungen inklusive dem gotischen „Atta unsarerzählt habe. Der Dompfarrer war bei jedem der Abende dabei (eine beachtliche Leistung, denn er leitete nicht nur diesen einen Familienkreis, unterrichtete damals m.W. das Fach Religion an der Edith-Stein-Schule und hatte als Pfarrer ja sowieso zu tun). Wenn eine Familie den Abend nicht hatte thematisch vorbereiten können, sprang er selber ein, hielt einen Diavortrag über das Grabtuch von Turin oder schleppte junge Pater an, die beispielsweise über Inkulturation in Geschichte und Gegenwart berichteten. Hatte ich mich anfangs gefragt, was ich in diesem Kreis von West-Juristen eigentlich sollte (ich hatte in Erfurt von Beginn an ‚Ost‘Kollegen und -Freunde und fühlte mich als Kind von DDR-Flüchtlingen ja ohnehin nicht als Voll-Wessi), so stellte ich rasch fest, daß diese Form eines organisierten Kontakts sich als unerwartet tragfähig erwies. Es entstand eine Art positiven sozialen Drucks, der die Teilnahme an gemeinsamen Unternehmungen selbstverständlich machte. Sogar als eine der Mütter für den 27. September 2015, als wir längst nach Weimar gezogen und aus diesem Kreis ausgeschieden waren und der Kreis selber sich inzwischen aufgelöst hatte, ein Wiedersehenstreffen in der Hohen Lilie am Domplatz organisierte, waren etliche auch Ehemalige erschienen. Das Gefühl, hier einfach Kontakte zu haben, dazuzugehören und nicht aussortiert werden zu können, zeigte mir, daß durch die äußere Form „Familienkreis“ eine Art innerer Zugehörigkeit erreicht werden kann.

Teil 2 folgt morgen

Cornelie Becker-Lamers

Die Allerheiligenfeier

Eine christliche Alternative zu Halloween-Inszenierungen

Genau zehn Jahre ist es her, daß wir zum ersten Mal zu einer Allerheiligenfeier zu uns nach Hause einluden. Unsere Kinder luden Schul– und Kindergartenfreundinnen ein, wir Eltern andere Erwachsene.

Die Einladung zur Allerheiligenfeier 2010 mit Antwortkarte von Pfarrer Dr. Pittner (eigenes Bild)

Im Jahr 2009 fiel der 1. November auf einen Sonntag und wir konnten am Tag selber feiern, 2010 (unser Bild) nahmen wir den 31. Oktober und feierten gleichsam in den Vorabend des Festtages hinein. Der Sinn war klar: Alle Gäste sollten sich durch Verkleidung in ihren Namenspatron verwandeln und einige Informationen zu dem oder der entsprechenden Heiligen eingeholt haben.

Am eindrücklichsten spielte unsere Freundin Katharina die Geschichte ihrer Namenspatronin vor (am 1. November 2009; eigenes Bild)

Es waren schöne kleine Feste. Die Kinder erzählten sehr tapfer ihre Heiligenlegenden nach oder drückten uns Großen zumindest einen passenden Wikipedia-Artikel zum Vorlesen in die Hand. Wer zweimal beim Fest dabei war und zwei Vornamen hat, kam durchaus auch gerne in verschiedener Verkleidung – als Victoria von Rom 2009, als Clara von Assisi 2010 zum Beispiel. Oder als Gereon von Köln 2009, als Gunther von Schwarzburg 2010.

Allerheiligenfeier 2009: Gereon als Gereon, dem Offizier der in Colonia Agrippina stationierten Thebäischen Legion der römischen Armee (eigenes Bild)

Gereon-Gunter als Gunther von Schwarzburg mit Reuthaue und Buch (eigenes Bild)

Für das Buffet hatten wir uns vorgenommen, nur Eßwaren und Getränke anzubieten, die auch im Mittelalter bereits in Europa gewachsen und hergestellt worden waren. Das war gar nicht so einfach: Keinen Kartoffelsalat und keine Kürbissuppe, klar. Nudelsalat? Schwierig! Wir verlegten uns auf Haferflockensuppe, da Getreidebrei sicherlich eines der Hauptnahrungsmittel der mittelalterlichen einfachen Bevölkerung gewesen ist. Honig gab es und Dörrobst (gekauft, da wir unseren eigenen Dörrapparat ja noch nicht besaßen 😉), dazu Äpfel, Weintrauben und selbstgebackene kleine Brötchen.

Das einfache Buffet zur Allerheiligenfeier 2010 … (eigenes Bild)

… und wie es „geplündert“ wird (eigenes Bild)

Eigentlich der Auftakt zu einer schönen kleinen Tradition. Die Priester, die wir einluden oder von ferne über das Fest in Kenntnis setzten, freuten sich über unsere Initiative und deren Annahme durch unsere Freunde, wünschten gutes Gelingen und bezeichneten das Fest als sehr gute Idee bzw. „hilfreiche Alternative“ zu Halloween. In der Tat schafften wir es durch dieses Fest, für einige Zeit unter den Kleinen Stimmung gegen Halloweenfeiern zu machen, die mir im Zuge eines überhasteten und durch die Verkleidungsindustrie seit den 1990er Jahren forcierten Kulturtransfers nach Europa zu inhaltslosen Gruselfeiern verkommen zu sein scheinen. Fratzen und Skelette, Drohungen und Schabernack werden ohne den mythischen (vulgo heidnischen) Hosenboden eines lebendig gebliebenen Volksbrauchs im Hintergrund zum Selbstzweck, der zuallererst auch die ausführenden Kinder verschrecken dürfte.

Halloweenfreie Zone“ (eigenes Bild)

In den vier folgenden Jahren fielen Reformationstag und Allerheiligen in die Herbstferien oder produzierten ein langes Wochenende, so daß wir entweder selber verreist waren oder das Ausbleiben der kleinen Gäste befürchteten. Und so haben wir in dieser Zeit diese Art von Fest ein wenig aus dem Auge verloren – obwohl es doch eigentlich eine schöne Idee ist und in größeren Verbänden wie ganzen Kirchgemeinden auch durchaus in jedem Jahr funktionieren sollte. Wissen über Heilige und die eigenen Namenspatrone erwerben oder festigen statt Horrorfilme schauen und sich als blutrünstiges Gespenst schminken? Paßt!

Voraussetzung für das Zustandekommen und Gelingen einer solchen Veranstaltung ist vermutlich allerdings das Bestehen irgendeiner festen seelsorglichen Kinder- oder Jugendgruppe – wie ja auch Jugendfahrten nur auf der Basis einer bestehenden Pfarrjugend (oder in Ermangelung dessen wenigstens eines Firmkurses) gebucht werden. Wichtig ist für alle immer, vorher zu wissen: Wer wird auch dort sein? Verpasse ich was, wenn ich nicht hingehe? Zudem ausschlaggebend, was auch bei unseren Festen der Fall war: Die Freundschaft der Mütter der eingeladenen Kinder. In unserem Fall kam die Freundschaft durch die gemeinsame Kindergartenzeit der Kleinen zustande. In einer Pfarrei sollte man daher keine Gelegenheit auslassen, auch die noch nicht miteinander bekannten Eltern auf jede nur denkbare Weise bewußt zu vernetzen.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Frage: Wenn ein Kind einen so niedlichen Kuchen bäckt, darf der dann mit auf die Allerheiligenfeier? 😇😉 

„Spensti“, Motivtorte unserer Tochter vom 31. Oktober 2017; (eigenes Bild)

„Katholiken waren immer wenige“

Interessiert blättert der zierliche alte Herr in den Publikationen und Aufführungslisten, die ich zum Gemeindefest auf dem Infotisch der Cäcilini ausgelegt habe. Ich erzähle, daß ich u.a. deswegen begonnen habe, für diese Gruppe zu komponieren, weil die Musicals und Singspiele, die die Verlage anbieten, in aller Regel wesentlich mehr Mitwirkende voraussetzen. „Es kommt doch niemand auf die Idee, daß man sich mit unter zehn Kindern traut, ein Singspiel in Angriff zu nehmen.“ – „Ja“, antwortet er und nimmt das Plakat mit den Aufführungsfotos in Augenschein, „Katholiken waren immer wenige.“

Das stimmt. Wo, wie in Weimar, der katholische Ritus über Jahrhunderte verboten war – das „cuius regio, eius religio“ ignorierten die protestantischen Fürsten bekanntlich zwar dem Kaiser gegenüber, von den Fürsten ‚abwärts‘ aber wurde es spätestens nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 mit Härte und Vertreibungen durchgesetzt –, wo die Pfarreien nach ihrer Wiedergründung nur durch Zuzug langsam wieder wachsen konnten, stellen die Katholiken bis heute eine Minderheit.

Ok. Wir sind also wenige. Aber wie wenige? Als eine Studie des Mitteldeutschen Rundfunks Mitte Juni 2016 fälschlicherweise von einem Konfessionslosenanteil in Weimar in Höhe von 94 Prozent der Bevölkerung sprach (eine Schlagzeile von der „gottlosesten Stadt Deutschlands“ machte genüßlich die Runde), lieferten die Gegendarstellungen aus katholischer Pfarrei und evangelischem Kirchenkreis aktuelle Zahlen:

Pfarrer Timo Gothe von der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde bestätigte am Freitag auf Anfrage: ‚In Weimar leben 4.273 Katholiken und 11.054 evangelisch-lutherische Christen, das sind 6,51 Prozent plus 16,87 Prozent der Bevölkerung.‘ Hinzu kämen noch die freikirchlichen Protestanten und die orthodoxen Christen. Damit ist in der rund 64.000 Einwohner zählenden Stadt rund jeder vierte Bürger ein Christ“,

hieß es im entsprechenden Artikel unserer Lokalzeitung. Damit leben in Weimar zweieinhalb mal so viele evangelische Christen wie katholische.

Diese Zahlen standen mit wieder vor Augen, als diesen Sommer die evangelischen Singschule der Stadtkirche unter deren hauptberuflichem Kantor Kleinjung das Kindermusical „Das Goldene Kalb“ von Gerd Peter Münden aufführte. Im kurzen Bildbericht der Lokalzeitung war von einem Chor aus 60 mitwirkenden Kindern die Rede und davon, daß dies nur „die älteren Jahrgänge der evangelischen Singschule“ seien.

Wenn wir uns vor Augen halten, was die katholische Pfarrei derzeit an singenden Kindern und Jugendlichen mobilisieren kann, so sind dies keinesfalls die prozentual erwartbaren 24 Heranwachsenden plus Nachwuchs-Kinder- oder -Krabbelchor, sondern die sechs Cäcilini. Sie sind die sprichwörtlichen letzten Mohikaner, die noch als Gruppe gemeinsam – und dann jeweils zur großen Freude aller Zuhörenden – Singspiele, Meßgestaltungen, Adventssingen oder musikalische Umrahmungen wie die des Festaktes zum 100jährigen Eintreffen der Elisabethschwestern in Weimar am 3. Oktober 2019 vorbereiten und ausführen.

Katholiken sind wenige. Aber nicht so wenige. Wenn die Anzahl der singenden Heranwachsenden – aus deren Reihen auch die drei Jugendlichen kamen, die an der ersten Sitzung des seit vorvergangenen Mittwoch laufenden Kantorenkurses teilnahmen – sich auf höchstens ein Zehntel dessen beläuft, was die Stadtkirche auf die Beine stellt, können wir uns nicht hinter der historischen Unterdrückung unseres Glaubens verstecken. Dann müssen wir uns, alle miteinander, vor allem aber Hauptamtliche und Gremienmitglieder, an die eigene Nase fassen, Ideen entwickeln, reden, werben und trommeln was das Zeug hält, damit die Zustände in unserer Pfarrei, für unsere Kinder und Jugendlichen, für unseren Glauben und unsere Messen und Veranstaltungen, sich erheblich verbessern.

Austausch, Austausch, Austausch! Werbung, Werbung, Werbung!

Für ihre Kirchensteuern können die Eltern zwar nicht verlangen, daß in der Kinder- und Jugendseelsorge alles funktioniert. Aber sie können erwarten, daß man es nach Kräften versucht. 

Cornelie Becker-Lamers

PS: Ob das „Gehet hin in Frieden“, das heutzutage die Messe beschließt, allzu beruhigend wirkt? Rufen wir! Rufen wir uns in Erinnerung, wie es über Jahrhunderte hieß: „Ite! Missa est!“ – „Geht! Ihr seid gesendet!“

„Ja, so woarn’s, die oalten Rittersleit“: Sangesfreudiger Pfarrer – k(l)eine Chöre: Wie paßt das zusammen? Auftritt des „KOR-Chor“ zum Gemeindefest am 23. Juni 2019 (eigenes Bild)

„Das ist Wunder genug“

Firmung in Herz Jesu Weimar

Am letzten Samstag war Firmung. Ungewöhnlicher Termin – aber soll jetzt wohl so beibehalten werden. Damit die Taizéfahrt im Sommer mitten im Firmkurs liegt. Immerhin hatten wir unglaubliches Glück mit dem Wetter! Es war richtig warm und sonnig.

Wie gesagt Firmung. Das möchte man ja als Prediger nutzen: daß man einmal noch etliche Jugendliche vor sich hat, die dann eventuell lange, lange nicht mehr in der Kirche zu sehen sein werden. (Aber vielleicht kriegen wir das ja auch anders hin – man soll nie die Flinte ins Korn werfen! 😀) Und die vielen Gäste! Die vielleicht auch lange nicht in der Kirche waren – oder die nicht mal katholisch sind und mal sehen wollen, wie unser Bischof so ist. Es lohnt sich also die bestmögliche Vorbereitung.

Es wurden die Lesungen vom Tage genommen – nichts eigens herausgesucht. Als ich mir das Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis allerdings ansah, war es ein anderes. Ich war verwirrt, aber unsere nette und kompetente Gemeindereferentin half mir weiter: Es waren wirklich die Lesungen vom Tage, also vom Samstag. Zum Glück war es nicht das Evangelium um den Feigenbaum, über den Jesus selber sich ärgert und den er verflucht, weil er außerhalb der Saison keine Früchte trägt. Das ist schwer zu verstehen und schwer auszulegen. Unser Evangelium jetzt, also Lk 13, 1-9, erzählt im Gegensatz dazu von dem sehr schönen Gleichnis des Mannes, in dessen Weinberg ein Feigenbaum steht, der seit drei Jahren keine Frucht bringt. Der Mann will den Baum umhauen lassen, aber der Gärtner bittet um eine Frist, will den Baum nochmal düngen und den Boden auflockern und sehen, ob er dann nicht doch trage.

Nicht der Herr, der den Baum umhauen will, ist Jesus, sondern eher der Gärtner. Seit der Zeit der Kirchenväter wird diese Textstelle sogar als Gegenüberstellung des strafenden Gottes des Alten Bundes mit Jesus, dem Christus des Neuen Bundes gelesen. So sagt Theophylactus:

Der Hausherr ist Gott, der Gärtner ist Christus, der nicht zulassen will, daß der Feigenbaum als unfruchtbar umgehauen wird. Er spricht gleichsam zum Vater: Wenn sie auch aufgrund von Gesetz und Propheten keine Früchte der Umkehr gebracht haben, so will ich sie jetzt mit dem Wasser meines Leidens und meiner Lehre tränken. Vielleicht werden sie Früchte des Gehorsams bringen.

Schön, gell?! Es geht nicht um sinnloses oder zweckloses Leben, sondern darum, ob es Früchte bringt. Das kann der einzelne Mensch, der sein Leben als sinn- oder zwecklos empfindet, alleine und in seiner Lebenszeit überhaupt nicht abschätzen.

Ganz so hat es der Bischof nicht dargestellt, und daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mit der Wiedergabe eines Elementes der Firmpredigt aus dem Mai des vergangenen Jahres zu schließen. Davon wollte ich nämlich ohnehin immer schon mal berichten. Der Weihbischof war angereist und hielt (ich weiß nicht mehr, von welchem Evangelium aus) sehr lebenspraktische Worte für seine jugendlichen Zuhörer bereit. Er machte sie darauf aufmerksam, daß sie nun religionsmündig seien und für ihren Glauben auch in der Welt einstehen müßten. Und daß das nicht immer einfach sei.

Doch an dieser Stelle blieb er nicht – wie man das ja nur allzu häufig erlebt – gedanklich stehen und jammerte eben nicht einfach noch ein bißchen weiter. Sondern er rüstete die Firmlinge mit ganz praktischen schlagfertigen Antworten für eine solche Situation aus. Das ist wie gesagt recht selten und ich fand es großartig.

Es ging sinngemäß so:

„Ihr werdet nun vielleicht auf euren Glauben angesprochen, auch in der Schule. Die Klassenkameraden werden euch vielleicht provozieren und sagen: ‚Es gibt so viel Ungerechtigkeit in der Welt – warum tut dein Gott da nicht mal ein Wunder?‘ Und dann könnt ihr antworten: ‚Er hat dich geschaffen und mich geschaffen. Das ist Wunder genug. Und wir können nun etwas tun, um die Welt ein bißchen besser zu machen.“

PuLa wünscht allen Firmlingen des Jahres 2019 Gottes reichen Segen.

Cornelie Becker-Lamers

 

Theophylact v. Ohrid (Bild Wikimedia commons, User: MXK)

Alles klar?

Amöbe auf Augenhöhe

Die Amöbe ist in der vorgestern verlinkten Predigt von Hw. Dr. Kreier das Bild für uns „unsichtbare“ Christen, die wir, so Kreier im Jahr 2010, mit weitaus weniger „Ehrfurcht und Ernsthaftigkeit“ ihren Glauben leben als viele Muslime dies tun – vor allem, was das Bekenntnis in der Öffentlichkeit anbelangt (vgl. die Worte im Zusammenhang der Predigt ab Minute 8:55) Woher der Publizist, den Dr. Kreier hier zitiert, allerdings die Zahl von 90% Christen in Deutschland hat (Minute 9:09), ist mir schleierhaft … Man findet eigentlich die Zahl von unter 60% Christen, die bald von den knapp 40% Konfessionslosen eingeholt wird. Und wir in Weimar sind froh, wenn wir alle miteinander noch auf ein Viertel der Einwohnerschaft kommen.

Wie auch immer! Auch mit folgendem Text trage ich mich, wie mit so vielen PuLa-Texten, schon eine ganze Weile. Diesmal freilich erst ein gutes Jahr. 😉 Ausgangspunkt war ein vormittäglicher Bericht im Deutschlandfunk, den ich mir am 18. September 2018 (leider nicht mehr in der Mediathek verfügbar) während einer Autofahrt anhörte. Es ging über den Ersten Bundeskongreß der Räte der Religionen , der am 16. und 17. September 2018 in Frankfurt stattgefunden hatte. Ein Haufen O-Töne wurde eingespielt und ein Interviewpartner bedauerte die Abwesenheit eines solchen Rates in den ostdeutschen Ländern. Sinngemäß formulierte er, gerade ‚dort‘ (also ‚hier‘) habe man doch den interreligiösen Dialog so dringend nötig, siehe Chemnitz etc. Und ich dachte: ‚Halloooo? Running Dinner? Interreligiöser Dialog Weimar? Alles da! Recherche irgendjemand?‘ Vielleicht sollte man das Engagement des hiesigen Beauftragten für den interreligiösen Dialog, des evangelisch-lutherischen Pfarrers Herrn Ramón Seliger, bei der Liste „Organisationen in Deutschland, die auch interreligiöse Dialoge pflegen“ anmelden, damit sie beruhigt sind …

Flyer, „Interreligiöser Dialog“ Weimar (eigenes Bild)

Ich möchte nicht verheimlichen, daß ich persönlich vom Running Dinner nicht viel halte. Wir in Herz Jesu Weimar haben auf so vielen Feldern einen so dringenden Redebedarf innerhalb der eigenen Pfarrei, und immer fehlt die Zeit (oder was auch immer), sachbezogene Gesprächsrunden einzuberufen – da tut es mir um jeden Abend leid, der mit solchem Aktionismus drauf geht.

Nichtsdestotrotz begann ich vor einem Jahr meinerseits mit der Recherche zum Thema und stieß im Zuge dessen insbesondere auf die Internetpräsenz des Orient e.V. Weimar, der die hiesigen gläubigen Muslime organisatorisch betreut, der Ansprechpartner und Informationen bietet. Als ich jetzt wieder schaue, hat diese Internetpräsenz sich schon wieder vollständig verändert. Man tauscht sich nun eher auf einer entsprechenden facebook-Seite aus, wo man auch beispielsweise die Trauerbekundung zu den Anschlägen auf Sri Lanka diesen April teilt und öffentlich macht, aber auch TLZ-Artikel zum Tag der offenen Moschee etc.

Vor einem Jahr hielt die Homepage des Orient e.V. eine ganze Anzahl sehr aufregender Videos bereit: Aufwendig gedrehte Filme mit hochromantischer Musik, die die Schönheit der Schöpfung zeigten und beschrieben und dabei immer wieder den Bogen zu Aussagen in den Suren des Koran schlugen. Kürzere Predigten auch, die sich in deutscher Sprache an hier lebende Muslime wandten und zur Fastenpraxis, aber auch zur Verwendung des Smartphones und der Gefahr der Selfie-Sucht mahnend Stellung bezogen.

Und ich dachte: Man redet gern, häufig auch etwas gönnerhaft, von der „Augenhöhe“, auf der man sich mit den Vertretern anderer Religionen austauschen möchte. Diese ‚Augenhöhe‘ liegt aber offenbar knapp unter der Decke und wir Christen müssen uns gehörig nach ebendieser Decke strecken, um mit dem Missionseifer derer mithalten zu können, die da so glühend von ihrem Glauben durchdrungen sind. Mit anderen Worten: Ich hatte genau das Amöben-Gefühl, das Pfarrer Dr. Kreier in seiner Predigt beschreibt.

„Müssen sie uns erinnern“ (aus dem Januar 2015, mit freundl. Genehmigung von I. Cozacu, NEL-Cartoons)

Bis mir einfiel, daß auch wir, auch die Katholiken, auch hier in Weimar, mit einigen Mausklicks wunderbare, erheiternde und erhellende Videos zur Bibelauslegung und zum Leben aus dem katholischen/christlichen Glauben heraus auf unserer Homepage bekannt machen, empfehlen und zugänglich machen könnten. Aus dem Fundus der Youtube- oder Kathtube-Kanäle etwa Dr. Kreiers oder auch Pater Wallners, mit dessen Worten wir im März 2011 PuLa eröffnet haben. Als ich das Thema in der letzten Ehrenamtlichenrunde, also im November 2018, anschnitt, wurde das Gespräch mit dem Hinweis auf Finanzmittel beendet, bevor es begonnen hatte. Kann schon sein, das mit dem Geld. Das kann ich nicht beurteilen. Aber eine Verlinkung auf YouTube kostet ja gar nichts. Diese Filme wollen ja gefunden und verbreitet werden! Was es kostet, ist Zeit: Zeit, die Filme zu schauen, auszuwählen, vielleicht einen Satz dazu zu schreiben und sie eben einzubetten. Davon können wir ein Lied singen. Aber man wird auch nicht dümmer davon.

Zugegeben: Die Pfarrei verlinkt, seit es die neue Homepage gibt (also seit dem Kirchweihjubiläum 2016) immer mal die Gebetsmeinung des Papstes. Ok – besser als nichts. Aber der Papst ist halt doch immer sehr gesetzt … Eine Ergänzung würde da keinesfalls schaden!
Das Sekretariat, bei dem die Homepageredaktion liegt, kann das allein natürlich unmöglich leisten. Aber wie wäre es denn, wenn man versuchte, Jugendliche in diese Arbeit einzubeziehen? Jugendliche, die wir derzeit mit anderen Aktionen kaum erreichen, deren Mitwirkung unsere Pfarrei aber doch so dringend wieder braucht. Die Homepage, ein Twitteraccount, ein YouTube-Channel, Instagram – das wären Betätigungsfelder, auf denen die Jugendlichen ohnehin zuhause sind und privat Content produzieren, daß sich die (Lade)Balken biegen – und auf denen sie uns mit etwas Betreuung helfen könnten, die Ausstrahlung der Pfarrei wieder zu erhöhen. Zugleich trügen sie selber den größten Gewinn davon – wie immer, wenn man intensiv inhaltlich arbeitet. Eigene Predigttexte (auch von Theologinnen und Theologen, denen das Predigen im Rahmen der Heiligen Messe verwehrt ist), Verlinkung fremder Predigten wie denen von Dr. Kreier, Glaubensinhalte wie die Rosenkranzgesätze o.a., Informationen und Bilder aus der Pfarrei, zu den Kirchenfenstern, zum Kirchenbau, zur Pfarreigeschichte, ein paar korrekte Sätze zur Franz-Liszt-Gedächtnisorgel – es gibt jede Menge Möglichkeiten, die das Recht am eigenen Bild oder irgendwelche Datenschutzfälle nicht mal von Ferne berühren.

„Facebook ist tot“, sagen die Jugendlichen. „Man muß auf Insta sein.“ Ein Instagram-Account, von Jugendlichen befüllt, von Erwachsenen betreut – das würde auf dem Weg zur vielbeschworenen „Augenhöhe“ schon mal eine Leiter anlegen. Und uns so ganz nebenbei auch der Erfüllung unserer Aufgabe der „Neuevangelisierung“ in den ‚neuen Ländern‘ näher bringen als wenn wir immer nur denen predigen, die ohnehin bereits in der Messe sitzen. Also: Wie immer hätten wir selbst am meisten davon! Auf geht’s! Nehmen wir die erste Stufe!

Cornelie Becker-Lamers

„Ein glückliches Ringen“

Mit diesen Worten zitiert Hw. Pfr. Dr. Johannes J. Kreier zu Beginn seiner Predigt zum 29.Sonntag im Jahreskreis im Jahre 2010 den Sl. Guerric von Igny, einen der sog. „Vier Evangelisten“ des Zisterzienser-Ordens.
Das geschah damals noch in seiner Rolle als Hochschulpfarrer im „Kloster am Rande der Stadt“ in Saarbrücken. Treue PuLa-Leser kennen Pfr. Dr. Kreier aus den Beiträgen mit der Kennzeichnung (dem „Tag“) „Sommerkino“ aus dem Jahr 2014, in denen es um den Canon romanus, das „Erste Hochgebet“ ging.
Nun gehört mittlerweile das „Kloster am Rande der Stadt“ leider der Vergangenheit an, aber segensreicherweise gibt es offenbar eine treue Seele, die dabei ist, all die vielen hervorragenden Videos, die mit Hw. Dr. Kreier entstanden sind, erneut ins Netz zu heben.
Dafür an dieser Stelle von uns einen sehr herzlichen Dank! Denn heute ist uns anhand dieser Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C erneut deutlich geworden, welche Schätze hier der Entdeckung harren!

Überzeugen Sie sich selbst:

Ich beeile mich hinzuzufügen, daß sich hier keineswegs eine versteckte Kritik an der Predigt verbirgt, die wir heuer in Weimar zu dieser schwierigen Perikope (Gleichnis vom ungerechten Richter) gehört haben!
Nein, ich möchte die Gelegenheit einfach nutzen, um erneut auf Dr. Kreier hinzuweisen und empfehle insoweit einfach das Abonnement dieses YouTube-Channels.

Die Beschäftigung, im Idealfall vorab, mit den Texten, die man am Sonntag in der Hl. Messe hört, ist ja dazu angetan, den geistlichen Gewinn sehr zu steigern – allerdings, im Falle weniger gelungener Predigten, auch den Ärger, aber dann hatte man sich ja immerhin selber schon einen Eindruck verschafft.
Auf die Gefahr hin, die sprichwörtlichen ‘Eulen nach Athen’ zu tragen zu diesem Zweck ganz kurz ein paar hilfreiche Links. Sinnvollerweise beginnt man mit der Tagesliturgie von der Erzabtei-Beuron (Suchwort: „Schott-Beuron“).
Damit hat man alle Texte handlich an einem Ort, auch wenn die Einführung und die Kolumne „Für den Tag und die Woche“ (an Sonntagen) häufig, sagen wir, „anstrengend“ sein können in ihrem „Neu-Kirchen-Sprech“.

Dort findet man auch den Link auf „perikopen.de“ eine Sammlung neuerer exegetischer Betrachtungen zu dem jeweiligen Evangelium. Diese Texte habe ich über mehrere Jahre und mehrere Lesejahrzyklen regelmäßig gelesen und ich bedauere die Lektüre insgesamt nicht. Allerdings muß ich hinzufügen, daß mir danach auch klar geworden war, woher die Kritik an den Hervorbringungen der „modernen“, gerne „historisch-kritisch“ genannten, Exegese rührt. Zum Teil ruft es wirklich Ärgernis hervor, was man dort vorgesetzt bekommt, ja, was das ein oder andere Machwerk angeht, mußte ich zum Schluß sagen, daß ich es lieber nicht zur Kenntnis genommen haben würde. Auf der anderen Seite gab es aber auch vieles wissenschaftlich wirklich interessante und sogar der ein oder andere auferbauende Text hat sich darunter verirrt, dies leider aber wirklich nur ausnahmsweise. Dennoch, für jeden, der verstehen will, wie (falsch) etliche Theologen und eben auch Geistliche so „ticken“ und reden/predigen, eine überaus hilfreiche Erkenntnisquelle.

Freilich, in aller Regel bedarf es nach der Lektüre eines Antidots, das aber nur einige Klicks entfernt ist! 😃 Sie finden den berühmtesten der bewährten „Kettenkommentare“ die Catena aurea des Hl. Thomas v. Aquin unter diesem Link.
Wir wollen ehrlich sein, auch hier ist nicht jeder Text eine ‘Offenbarung’ aber ein Ärgernis habe ich über die Jahre eben auch nicht gefunden, vielmehr oft und oft überaus hilfreiche und wohltuende Gedanken und Betrachtungen, die einem helfen, den Sinn der Schrift zu erschließen.
Was man dabei vielleicht nicht erwarten würde: Immer wieder fand ich diese Texte erheblich lebenspraktischer, als die viele Jahrhunderte später entstandenen, wozu die vielfach und zwar zu unrecht geschmähte allegorische Interpretation nicht etwa ein Hindernis, sondern eine Hilfestellung ist.
Und schließlich ist dies ja auch einfach die katholische Methode der Bibel-Lektüre: An der Hand Heiliger Väter! 😎 😇

Mit diesem Dreischritt: Schott, perikopen.de, catena aurea, hat sich mir jedenfalls das Kirchenjahr reicher erschlossen, als zuvor. Und wer dann noch ein Video von Pfr. Kreier anschaut, der hat, davon bin ich überzeugt, den Sonntag schon mal ein ganzes Stück gut und angemessen gewürdigt!

Voraussichtlich morgen möchten wir auf einen Aspekt der Predigt von 2010 noch näher eingehen.

Gereon Lamers

Botschafter der Pfarrei. Botschafter des Glaubens (2/2)

Gäste aus dem Münsterland auf den Spuren Johann Sebastian Bachs

Natürlich fahren wir nicht nur weg. Wir empfangen auch Gäste. Die folgende Geschichte beginnt ganz ähnlich wie die mit den Oberhauser Klosterspatzen, nur, daß auch noch eine ChorleiterInnenfortbildung des pueri-cantores-Verbandes eine Rolle spielt. Dort nämlich war ich im Frühjahr 2019 der Kantorin einer katholischen Pfarrei aus dem Münsterland als mögliche Weimarer Ansprechpartnerin genannt worden: Eine Reise auf den Spuren Johann Sebastian Bachs wollte für eine Gruppe aus Emsdetten geplant und durchgeführt sein. Im Rahmen einer solchen Reise darf natürlich auch Weimar als Geburtsort beispielsweise Wilhelm Friedemann (1710-84) und Carl Philipp Emanuel Bachs (1714-88) nicht fehlen.

Im Vordergrund die Straßenfront des 1989 abgerissenen Bachhauses; im Hintergrund die hübschere Fassade, an der darum auch die entsprechende Tafel angebracht ist (eigenes Bild)

Im März kam ein Treffen zwischen zwei Kolleginnen und mir zustande – vor allem aber stellte ich den Kontakt zum Ehepaar Mende her. Also zur Initiatorin unseres Blockflötenensembles Herz Jesu und deren Ehemann. Denn wenn sich ein Ehepaar mit dem Thema „Bach in Weimar“ auskennt, dann dieses (ok – vielleicht noch ein-zwei andere … 😉 ) Bernd Mende hat noch dazu zur Stadtgeschichte, den Glocken des Schloßturmes und dem Historischen Friedhof bereits jede Menge publiziert und ist da ein ausgewiesener Fachmann. Und so gab es denn für ‚unsere‘ Reisegruppe einiges an organisatorischer Hilfestellung (natürlich wollten einige der Gruppe auch, ungeachtet des Themas „Bach“, nach Buchenwald) und inhaltlicher Anregung.

Am 20. September trafen dann die Münsterländer in Weimar ein, erhielten in zwei Gruppen (denn sie waren insgesamt knapp 50 Personen) kompetente Stadtführungen zu den Bachorten – und um 12 Uhr mittags ein etwa halbstündiges Konzert unseres Blockflötenquartetts im Renaissanceraum des Palais Schardt . Es waren sehr nette und inspirierende Begegnungen für alle Beteiligten. Ich fand das über die Freude des Augenblicks hinaus gut, denn ich hatte das Gefühl, daß wir damit über den einzelnen persönlichen Kontakt hinaus menschlich etwas für die Verständigung zwischen ‚Ost‘ und ‚West‘ erreicht hatten. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg lagen damals keine drei Wochen zurück – und die Diskussionsrunden und Berichterstattungen im Vorfeld waren mir entsprechend präsent. Und da war, in all den Reden darüber, daß „man die Menschen im Osten ja auch verstehen müsse“ vor allem eines mit Händen zu greifen gewesen: Die Distanz derer, die da sprachen zu dem (und denen), worüber sie sprachen.

Wir haben – und zwar ausgelöst und untrennbar von der Infrastruktur, die die Kirche mit ihren Pfarreien und Institutionen bietet – einer Gruppe von immerhin knapp 50 Herrschaften, die vielleicht wie so viele BewohnerInnen der eine Zeitlang mal sogenannten ‚alten Bundesländer‘ die ‚neuen Bundesländer‘ bisher nicht gar nicht besucht hatten, persönliche Kontakte und Eindrücke über anonyme Stadtführungen und Informationstafeln in den Kirchen und Museen hinaus ermöglicht. Ich bin sicher, die Mehrzahl der Reisenden kam nach Hause und dachte: ‚Toll ist es dort! Wunderschöne Städte – nette Menschen – kompetente Leute – toll! Hätte ich so nicht erwartet.‘

Wie gut, daß es die kirchlichen Strukturen (noch) gibt, die diese Begegnungen ermöglicht haben. Und wie gut, daß wir darin, in unseren einzelnen Gemeinden, nicht nur „unter uns“ sind.

Cornelie Becker-Lamers

 

„Alles mit Gott und nichts ohn‘ ihn“ (eigenes Bild)

Botschafter der Pfarrei. Botschafter des Glaubens (1/2)

Musikalische Gruppen der Pfarrei als Gäste und Gastgeber unterwegs

Morgen bricht der Kirchenchor der Herz-Jesu-Pfarrei Weimar in aller Herrgottsfrühe zu einer Reise in unsere Partnerstadt Blois auf. Es ist, wenn ich richtig sehe, die erste Reise seit Oktober 2011, als der Kirchenchor – damals noch unter anderer Leitung – sich an einer Chorfahrt nach Rom beteiligte und musikalisch an einer Messe im Vatikan mitwirken durfte. In Vorbereitung der nun bevorstehenden Reise, die nicht durch gemeindliche, sondern durch die private Initiative und Kontakte eines Chormitglieds zustande kam, gab der Kirchenchor am 28. September sein erstes öffentliches Konzert unter seiner jetzigen Leitung. Pünktlich zu diesen Aktivitäten über die heimischen Meßgestaltungen hinaus hat der Chor auch Chorkleidung angeschafft. Wie auf einer Fotografie in der Lokalzeitung zu sehen, treten die Damen jetzt in glatt schwarz, die Herren in schwarzem Anzug und weißem Hemd auf. Als Element des Corporate Design fungiert ein violetter Schal bei den Damen, eine Krawatte gleichen Farbtons bei den Herren. PuLa gratuliert von Herzen zu diesem Schritt und hofft, daß dieses Erscheinungsbild des Chores sich von nun an auch in den Messen wiederfinden wird.

Das Programm für Blois, als dessen „öffentliche Generalprobe“ die Lokalpresse das Konzert vom 28. September bezeichnete, ist umfangreich und klug zusammengestellt. Ein Kirchenchor ist ein Kirchenchor und kein Konzertchor – und so bietet das Programm denn auch eine Reise durchs Kirchenjahr: Angefangen bei Advents- und Weihnachtsgesängen lassen die liturgischen Werke den Ablauf des Kirchenjahres mit seinen wiederkehrenden Buß-, Jubel- und Trauerzeiten akustisch Revue passieren.
Wie gut das gehen kann, haben die Cäcilini im Sommer und Herbst des Jahres 2014 ja ebenfalls ausprobiert, als sie aus ihrer mittlerweile 25-teiligen Liedersammlung „Myra liegt am Mittelmeer. Eine Weltreise durchs Kirchenjahr“ aus sieben szenisch dargestellten Liedern ein Programm zusammenstellten, das als Konzert wie als Gottesdienstgestaltung funktioniert.

So wird auch unser Kirchenchor in Blois nicht nur ein Konzert, sondern auch zwei Messen, u.a. in Zusammenarbeit mit dem dortigen Chor, absolvieren. Und da Blois Bischofssitz ist, wird sogar Seine Exzellenz Monsieur l’Évêque Jean-Pierre Louis Roger Sylvain Batut sie begrüßen: Der Bischof von Blois, der es sich im Zuge der Planungen nicht nehmen ließ, auch unseren Pfarrer zur Chorreise mit ins liebliche Tal der Loire einzuladen.

Blois von der Loire aus (Bild Wikimedia Commons, User Diliff)

Was für ein Datum!

Bischofssitz ist Blois übrigens bereits seit dem 1. Juli 1697. Bischof Jean-Pierre Batut aber ist fast genau so lange im Amt, wie Bischof Dr. Ulrich Neymeyr dem Bistum Erfurt vorsteht. Mit dem Gedenktag der Heiligen Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, des Orgelbaus, der Singenden, Musizierenden und Dichtenden, also mit dem 22. November, verbinden sich beide Ernennungen: Wurde Bischof Ulrich am 19. September 2014 von Papst Franziskus ernannt und am 22. November 2014 in sein Amt eingeführt, so wurde Bischof Jean-Pierre an ebendiesem Tage, dem 22. November 2014, ernannt und hat am 11. Januar 2015 die dortige Kathedra bestiegen.

Wenn das kein gutes Omen für eine Kirchenchorreise nach Blois ist! Man sollte nicht mit der Information hinter dem Berge halten, daß unser Chor wie so viele katholische Kirchenchöre in den deutschsprachigen Diözesen nach der Heiligen Cäcilia benannt ist (woher natürlich auch der Name der Cäcilini stammt).

PuLa schließt sich dem Segenswunsch an, den unser Pfarrer nach der Abendmesse am vergangenen Sonntag für diese Reise aussprach und wünschen gute Fahrt, glückliche Wiederkehr, viele positive neue Eindrücke und Freude beim Musizieren!

Cornelie Becker-Lamers

Marmor-Relief der heiligen Cäcilia, orgelspielend mit zwei singenden Engeln von Balthasar Schmitt. 1892 (Bild Wikimedia Commons, User Titus 808)

Ja, EBEN!!!

Ein Nachtrag zum Thema Kantorennachwuchs

Wenn es um Stimmenbesetzungen im Kirchenchor geht (zum Beispiel: Tenöre, Tenöre, Tenöre … Wo um alles in der Welt gibt es genügend Tenöre?) gibt man dem Chorleiter gerne schon mal den gutgemeinten Rat, doch bei den Studierenden unserer Musikhochschule nachzufragen. Da hat er speziell ja kurze Wege. Von ihm aber erhält man die Antwort (sinngemäß): ‘Was soll mir das – die Studierenden sind zu den Hochfesten zuhause!’ Soll heißen: Sie können genau dann, wenn der Chor liefern muß, nicht mitsingen.

Stimmt. Das ist mißlich. Die Studis sind Weihnachten zuhause.
Was das Kantorieren anbelangt, kann man da allerdings nur sagen: Ja, EBEN!!! Denn das gilt ja auch für solche Studierende, die aus Weimar stammen und sich nun übers Semester in der ganzen Republik verteilen. Aber Weihnachten zuhause sind. 😃

Das heißt, unter den Kantoren hat man gerade zu Weihnachten eine nicht alltägliche Auswahl und mögliche Unterstützung.
Da müssen dann halt die Verantwortlichen vorher ein bißchen kommunizieren.

Die Benachrichtigung, Symbolfoto (eigenes Bild)

Cornelie Becker-Lamers