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„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“

Einladung zu einem bestimmt sehr lohnenden Kinderchorkonzert

Unter dem Motto „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ gastiert am kommenden Sonntag, dem 24. Juni um 16.00 Uhr der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom (theoretisch hier zu finden) unter der Leitung von Elisabeth Lehmann-Dronke in der Herz-Jesu-Kirche in Weimar. Das Konzert ist dabei die dritte Station einer kleinen Tournee, zu der der Chor anläßlich seines 15-jährigen Bestehens in der heimischen Region unterwegs ist, bevor die Kinder und Jugendlichen zu einer weiteren Reise nach Freiburg, Champagne (Rhône) und – im Rahmen des internationalen pueri-cantores-Treffens – nach Barcelona aufbrechen.

Elisabeth Lehmann-Dronke, auf diesem Blog längst keine Unbekannte mehr, verrät in ihrer Rundmail, mit der sie Freunde und Kollegen einlädt, etwas Genaueres zum Programm. Ich denke, das können Sie auch lesen – zum Neugierigmachen. Das Programm wird

[…] mit alter und neuer Chormusik in der Sprache der Psalmen […] einen großen Bogen von der Klage über die Bitte hin zu Dank, Jubel und Lobpreis“ spannen. „Im Zentrum steht dabei die Komposition Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt von Raimund Wippermann, die zugleich den musikalischen und inhaltlichen Angel- und Wendepunkt des Konzertprogramms markiert“ und der ganzen Aktion darum ja auch ihren Namen verleihen darf. „Weiterhin erklingen Werke von F. Mendelssohn-Bartholdy, David Willcocks, Ēriks Ešenvalds und Kurt Bikkembergs für Chor a capella und mit Orgel.

Soweit die Chorleiterin.
Ešenvalds! Ich weiß nicht, was der Dombergkinderchor von diesem Komponisten singt – aber Ešenvalds ist definitiv eine Ansage. Wir haben unlängst in der evangelischen Kirche Bad Berka stars von Ešenvalds – ja, da kann man wirklich mal sagen: erlebt, von den Emporen heruntergesungen (um nicht zu sagen: gerieselt) durch den Landesjugendchor Thüringen. Hören Sie mal:

Schön, gel?! 🙂

Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem kurzen Posting Ihr Interesse weiter geweckt hätte. In puncto Eintritt ist es wie meist: Hinein kommt man kostenlos, nur nicht wieder hinaus 😉 Will sagen, der Eintritt ist frei und am Ausgang stehen Kinder mit einem Körbchen.

Ich wünsche dem Dombergkinderchor viel Freude beim Musizieren und ein großes und begeistertes Publikum! Mögen die schönen Stimmen der Kinder überall, wo sie auftreten, der Kinderchorarbeit vor Ort aufhelfen!

Cornelie Becker-Lamers

Plakat Chorkonzert in Weimar (Bild: Veranstalter)

Wer singt, betet doppelt

Mal wieder aus X 451 weitergedacht

Das neue X451 ist raus. Nummer 5 ist das jetzt schon, vom Juni 2018, und hat die Bestellnummer ISSN 2568-7409. Das Thema des Heftes ist passenderweise das Pfingstfest im allgemeinen und der Heilige Geist im besonderen.

X451 Nr. 5 Juni 2018 (eigenes Bild)

X451 Nr. 5 Juni 2018, innen (eigenes Bild)

Erneut hat Herausgeber und Verfasser Sebastian Berndt die Bloggerkollegin Claudia Sperlich um einen Beitrag gebeten, und sie trägt unter der Überschrift „Gebet als Laienapostolat“ auf S. 6f. viele biblische Textstellen zusammen, die von der Relevanz des Betens im Leben Zeugnis geben. Luther, so Sperlich, setze falsche Prioritäten, wenn er sage, man könne „Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“ (S. 6) Denn Liturgie und Gebet seien ja Feiern und Ruhen und in der Messe werde klar, was beten soll: „Es soll die Menschen zur Einheit mit dem Herrn führen, der uns in der Eucharistie nährt und heilt. Es soll das bewirken, wozu wir leben.“ (S. 7)

Aus der Reihe der biblischen Figuren, die Sperlich als Gewährsleute anführt, greift sie die Prophetin Hanna aus der Geschichte der Darstellung Jesu im Tempel zum Schluß ihres Textes noch einmal heraus. Denn in Hanna wird das Beten zum Verkünden. „Gebet“, so die Autorin abschließend, „ist ein Grundpfeiler des Glaubens – und des Laienapostolats. Wer ‚nur beten kann‘, kann das Wichtigste.“

Das gefällt mir natürlich wieder ausnehmend gut – kennen wir doch alle die griffige Formel, daß, wer singe, gleich doppelt bete. Singen und Musizieren wären dann wichtiger als das Wichtigste – und das kann ich für die Entwicklung und das Leben meiner eigenen Spiritualität nur ganz dick unterstreichen! Natürlich ist „entscheidend was man singt„!

Danke, Claudia Sperlich!

Cornelie Becker-Lamers

 

Anmerkung der Redaktion: Naja, “wichtiger, als das Wichtigste” – dichterischer Überschwang, will mir scheinen, denn – das ist ja schon (sprach-) logisch schwierig… Wie wäre es denn mit gewissermaßen ‘doppelt-wichtigst’? 😉
Aber vor allem geht es ja um die Sache als solche und die behält ihre Richtigkeit sogar dann, wenn jemand weder singt, noch musiziert, sondern Musik “nur” oder jedenfalls vorwiegend “passiv” erlebt. Was natürlich auch schon wieder falsch, weil dem Phänomen ‘Musik’ gegenüber unangemessen, ist, aber lassen wir das! 🙂
Bei der Gelegenheit sind mir übrigens Bilder aus dem Februar in die Hände gefallen, als man davon hörte, eine frühere Nummer von X 451 sei unter den Ministranten verteilt worden, sehr gut!, und mindestens ein Exemplar es auch in den Schriftenstand von Herz-Jesu Weimar schaffte, ausgezeichnet! (Es blieb nicht lange dort!!)

Gereon Lamers

Schriftenstand im Februar 2018 (eigenes Bild)

PS: Damals war gerade das Weihwasser in den Becken gefroren, ein Anblick, den man in diesem Früh-Hochsommer mit geradezu wohligem Schaudern genießt, nicht?

Weihwasserbecken (ohne Salz) im Februar 2018 (eigenes Bild)

„Es ist entscheidend, was man singt!“

Rückschau auf das Chorfest der pueri cantores am 5. Mai auf dem Erfurter Domberg, Teil 2/2

Gepredigt hat der Bischof in der anschließenden Messe im Dom sehr sinnvoll und erbaulich. Er warf dabei ein paar Schlaglichter zur Rolle der Musik im Verlauf der Liturgiegeschichte – sehr schön!

Wenn ich das richtig rekonstruiere (ich hatte mir ein paar Notizen gemacht und dies hier recht zeitnah niedergeschrieben), ging es los mit der Erklärung, daß die frühen Christen, um sich von den hochemotionalisierten Mysterienspielen abzugrenzen, überhaupt keine Musik im Gottesdienst wollten. Weil Musik eben Emotionen weckt. Erst Clemens von Alexandrien verhalf unter Rückgriff auf König David, den Psalmensänger, im dritten Jahrhundert der Musik in der Kirche wieder zu ihrem Recht. „Aber“, so schärfte uns unser Bischof ein, „es ist entscheidend, was wir singen“. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe das nämlich so verstanden, daß alle Priester in ihren Gemeinden unbedingt für Kinderchöre sorgen sollten, eben weil sie keine Musikschule sind und es in kirchlichen Kantoreien um so unendlich viel mehr geht als um die Ausbildung der Stimme. Nur in den Chören ihrer Pfarrei haben die Priester Einfluß auf die geistlichen Inhalte der Lieder und das Erscheinungsbild der Kinder. Und gerade Priester, die einen emotionalen Zugang zum Glauben vermitteln möchten, sollten, da die Musik Emotionen weckt (s.o.) die Musik in ihrer Pfarrei mit allen Mitteln fördern. Aber das ist jetzt wie gesagt meine Interpretation. Bischof Ulrich fuhr mit Cyprian von Antiochien fort, welcher die Harmonie der vielen Stimmen gepriesen hatte. Darin pflichtete Cyprian Athanasius von Alexandria (gerade mal wieder zur Verbannung in Trier) bei, indem er hervorhob, daß beim Gesang so viele Stimmen wie eine einzige klingen könnten.

Hier schlug der Bischof einen Bogen zurück zum Anlaß der Zusammenkunft und lobte die Arbeit der Chorleiterinnen und Chorleiter. Denn Harmonie ergebe sich im Singen doch nur, wenn die Gruppe auch menschlich harmoniere, es also eine feste Gemeinschaft gebe. Wo ich aus eigenen Erfahrungen in hastig zusammengewürfelten Projektchören nur vehement beipflichten kann: Es geht nichts über das kontinuierliche gemeinsame Musizieren.

Als Gemeinschaft hatte sich unser Grüppchen dann auf dem Rückweg bei der Abfahrt – oder besser gesagt: der Nicht-Abfahrt unseres Zuges zu bewähren. Nach ausführlicher Übergabe des Staffelstabes zur Organisation des nächsten Chorfestes des Regionalverbandes Ost, zu welchem wir für den 16. Mai 2020 nach Dresden eingeladen sind, und noch ausführlicheren Dankesworten war es halb sechs durch, als das Chorfest zu Ende war.

Elisabeth Lehmann-Dronke, die Leiterin des Kinder- und Jugendchors am Erfurter Domberg und Organisatorin des diesjährigen Chorfestes, bei der symbolträchtigen Übergabe des Staffelstabes an Felix Flath, Chorassistent der Dresdner Kapellknaben und Domkantor an der Kathedrale Ss. Trinitatis; rechts im Bild beim gespielten Trommelwirbel Stephan Rommelspacher, Leipzig (Foto: Maria Schmidt, ©Pueri Cantores)

Um 17.45 standen wir auf dem Domplatz und stellten fest, daß unser Zug um 18.02 oder dann eine ganze Weile nicht fahren würde. Ich sagte, das schaffen wir nicht, nicht als Gruppe! Aber wir machten uns auf den Weg, liefen schneller und schneller und nutzten jede uns bekannte Abkürzung, um tatsächlich um 18.00 etwa am Bahnhof zu sein. Die Kinder und Jugendlichen waren voraus gelaufen, aber eine begleitende Mutter, die die beiden jüngsten Teilnehmer anzutreiben hatte, hatte am Ring die Grünphase verpaßt und ich lief wie ein Hundchen zwischen den vorauseilenden Jugendlichen und unseren Schlußlichtern hin und her. Mit meinem wehenden pueri-cantores-Schal und meinem Rucksack auf dem Rücken muß ich einigermaßen lustig ausgesehen haben – aber der Zweck heiligte in diesem Fall eindeutig die Mittel! Mit schwindenden Kräften erreichten wir Nachzügler den Bahnsteig – natürlich erstmal Gleis 8 und nicht Gleis 8a, was ein Riesenunterschied ist! – glücklich um 18.02 oder 18.03 und hätten vom dort wartenden Zug genau die Rücklichter gesehen, hätte der Rest der Truppe sich nicht mit wildentschlossenen Mienen in den Waggontüren aufgebaut und das Schließen der Türen verhindert. Gute Aktion! Danke, Kinder!

Im Zug, und zwar im komfortablen Sofabereich eines abellio-Regionalzugs kamen wir dann, unsere Wegzehrungs-Päckchen auf dem Schoß, natürlich auf das eine oder andere Detail zu sprechen. Eine Sache, die auch die Kinder ermüdet hat, möchte ich hier festhalten. Es geht um den Applaus. Sicherlich in der besten Meinung forderte – leider auch hier vor dem Schlußsegen – der Chorfestdirigent so lange und zu so vielen Themen zum Applaudieren auf, bis man sich die ganze Dankbarkeit, die beim Singen und im Verlauf der Messe gewachsen war, wieder aus dem Leib geklatscht hatte. Zunächst einmal sollten die Kinder sich selbst beklatschen – was ich sehr schwierig fand, denn bis gerade hatten wir die Ehre Gottes im Kopf und in den Herzen gehabt. Dann ging es um die Betreuerinnen und Betreuer. Um alle Chorleiterinnen und Chorleiter. Um einige besondere Chorleiterinnen und Chorleiter. Und deren Ehefrauen und Ehemänner. Alle namentlich. Es ging um einige besondere Chöre – ein Extra-Applaus für diese und jene, jeweils einzeln. Es wird einem schon in der Aufzählung zu viel, und nun stellen Sie sich jeden Punkt mal 10-15 Sekunden Applaus und Gejohle vor. Es durfte ja auch nicht irgendwann weniger werden, der Applaus, das wäre ja gemein demgegenüber gewesen, der gerade genannt worden und doch offenbar ganz wichtig für uns alle gewesen war. „Irgendwann klatscht man nur noch, weil alle klatschen“, wie ein Kind auf der Rückfahrt ganz richtig bemerkte: Die Kraft zu echter Dankbarkeit ist nach so vielen Anläufen erstmal erloschen. Dem Pianisten wurde applaudiert. Dem Domorganisten. Der Seelsorgeamtsleitung. Den Bläsern. Den Maltesern. Dem Küster. Der Layouterin des Chorheftes. Es wurde sogar für die Finanzabteilung geklatscht, weil sie unser aller ihr anvertrautes Geld auch hier und da einmal weiterverteilt. Und das absurdeste (was man aber immer wieder beobachten kann): Dem Bischof wurde gedankt, daß er die Messe abgehalten hat. Hallo? Was denn sonst? Ich dachte, Priester haben sich verpflichtet, jeden Tag die Messe zu lesen, und ein Bischof wäre ja wohl keinen Pfifferling wert, wenn er zu einer solch missionarischen Veranstaltung nicht aus eigenem Antrieb seinen Teil beitragen wollte. Aber den Lieben Gott und damit den missionarischen Impuls der ganzen Geschichte hatten zu diesem Zeitpunkt, so schien mir, sowieso alle vergessen. (Ich hoffe, solche Dankes- und Applaus-Serien nisten sich nicht plötzlich auch in den Festgottesdiensten unserer Pfarrei ein …).

Bitte, bitte, liebe Oranisator*innen in der Zukunft: Weniger ist in diesem Falle mehr! Wir treffen uns und singen zur Ehre Gottes und alle, die sich daran beteiligen dürfen, haben durch die Freude an den Arbeit ihren Gotteslohn (und im einen oder anderen Fall auch ihren Monatslohn) bereits empfangen! Applaus für liturgische Gestaltung ist fehl am Platz und bleibt es noch im aufwendigsten Event.

Schließen wir also nicht mit dem Applaus, sondern mit einem Blick auf die singenden Kinder und Jugendlichen, die, wie Eltern mir bestätigten, doch insgesamt ganz beschwingt zuhause ankamen!

Cäcilini beim pueri cantores Chorfest im Erfurter Dom (eigenes Bild)

Ach ja: Darum ging’s im pueri cantores Chorfest auch… Um eine Stelle aus Wagners Parsifal (Parsifal! 😉 ) – im Vorspiel z. B. ab Minute 13.33, im Verlauf der Oper aber noch häufig, denn es ist das Leitmotiv des Heiligen Gral.
Enjoy! 🙂

 

Cornelie Becker-Lamers

 

P.S.: Möge die Zukunft die Möglichkeiten zur kontinuierlichen musikalischen Arbeit in Weimar geben, von der ich im Text sprach, und zwar sowohl im Bereich der Kinder- und Jugendseelsorge, als auch bei den Erwachsenenchören. Am 5. Mai sind 15 Kinder und Jugendliche aus drei Gruppen nach Erfurt gefahren (Ich glaube, aus Schirgiswalde waren es wieder mehr …). Das widerspricht aufs Krasseste dem Potential unserer Pfarrei und dem Anspruch, der, weil um dieses Potential natürlich jeder weiß, von außen an die Strahlkraft unserer Gemeindearbeit herangetragen wird. Ich bitte Sie, liebe Leser aus der Weimarer Gemeinde, helfen Sie nach Kräften mit, daß die Rahmenbedingungen unserer Arbeit sich in Zukunft verbessern! Bitte! Kommen Sie selber in den Kirchenchor und machen Sie Werbung bei den Kindern und Jugendlichen. „Musik“, wie mir unlängst ein auswärtiger Theologieprofessor schrieb, dem ich eines meiner Lieder zugesandt hatte, „Musik ist ja doch allemal ein Türen- und Herzensöffner.“ In der Tat, das ist sie! Ich bitte Sie: Sprechen Sie von der Musik, die in den Messen und Andachten immer so viel echte und anhaltende Freude erzeugt. Helfen Sie besonders der Kinderchorarbeit!

Damit aus den Weimarer pueri cantores nicht vollends poveri cantores werden.

„Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ Katholisch in Weimar

Rückschau auf das Chorfest der pueri cantores am 5. Mai auf dem Erfurter Domberg, Teil 1/2

Ja, es fand wieder statt, ein Chorfest des Regionalverbandes Ost der pueri cantores Deutschland. Von dessen Gründung im Frühjahr 2016 und der zugehörigen Feier in St. Moritz Halle hat PuLa damals ja berichtet. Zum diesjährigen Treffen mußten wir sogar nur bis Erfurt fahren (offizieller Bericht hier).

Es strömt – im Bild hier die Rückkehr der Gruppen aus der Mittagspause (eigenes Bild)

Wir taten dies wie vor zwei Jahren mit dem Zug und wurden am Bahnsteig trotz unserer den Veranstaltern bekannten Ortskenntnis von einem freundlichen Herrn in Empfang genommen und den Tag über betreut. Wie nun schon gewohnt, teilte er uns diverse Erkennungszeichen und Souvenirs in Form beschrifteter Polyesterschals und Armbänder, vor allem aber unser Chorschild aus. Das Liederheft war der Pfarrei schon vor Wochen zugegangen.

Das diesjährige Chorheft der pueri cantores, Regionalverband Ost (eigenes Bild)

pueri cantores Chorfest 2018 – Einlaßarmband (eigenes Bild)

Hier unser Schild. Und ja: Cäcilini ist schon der Plural (eigenes Bild)

Und so sah es im Dominneren bald aus:

Ein Rummel wie zur RKW-Wallfahrt: der Erfurter Dom am 5. Mai 2018 voller Kinder- und Jugendchöre (eigene Bilder)

Nachdem uns – gewissermaßen als ‚Vorgruppe‘ – Domprobst, Weihbischof Dr. Hauke begrüßt und auf das Pontifikalamt am Nachmittag eingestimmt hatte, begann um Viertel nach zehn die erste Probenphase. Als hätte er nur eine Gruppe von 20 Kindern vor sich, achtete der Leipziger Propsteikantor Stephan Rommelspacher beim Leiten der Probe auf die korrekte sängerische Haltung: „Stitzen“ – also sitzen und stützen – kam mir dabei als Begriff erstmals unter (sieht man vom Namen des Stehsitzes „Stitz“ der Firma Wilkhahn einmal ab …). Halleluja und Kyrie wurden im Stehen geprobt – also, es ging fürs erste ausnehmend ordentlich zu. Manch größere Kantorei wie etwa der Jugendkathedralchor St. Hedwig Berlin, aber auch die Gastgeber aus dem Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg, die vielstimmige Stücke absprachegemäß eigens geprobt hatten, um sie vorsingen zu können, zeichneten sich durch schöne Stimmen und eine wirklich saubere Höhe aus. (Vgl. etwa hier – bitte beachten Sie auch die wunderschönen liturgischen Gewänder der Jugendlichen, die zum Chorfest in Erfurt mit karminroten, am Rücken bedruckten Sweatshirts angereist waren).

Für Erheiterung Eingeweihter, die sich bekanntlich nicht nur in den Reihen der Weimarer, sondern auch der Jenaer Gruppe finden, sorgte die Begrüßung der Chorleiter. Sie haben oben auf unserem Schild bereits gesehen – in Weimar, einer großen Pfarrei ohne Kantor, dafür aber mit jeder Menge Intrigen, die bis in die Gegenwart fortwirken, ist in puncto Musik alles im Wortsinne nicht so einfach. Als Ansprechpartner, der getreulich sämtliche Mails immer weiterverteilt und für Anmeldung und Abrechnung gesorgt hatte, fungierte daher unser Pfarrsekretär und wurde folgerichtig von dem ahnungslosen Stephan Rommelspacher als Chorleiter begrüßt. Als wir uns am 8. Mai im Weimarer Pfarrbüro wieder begegneten, begrüßte mich Herr Grubert mit den Worten: „Ich kann nichts dafür!“ 🙂

Für die Mittagspause waren etliche Führungen und Aktivitäten geplant und verdoodelt worden – ein wirklich aufwendiges und tolles Programm! Wir Weimarer gingen, selbstverständlich nicht ohne die gewissenhafte Anleitung unseres Ehrenamtlers, in die Edith-Stein-Schule zur Tanzimprovisation – mit dem Erfolg, daß den jungen Damen die Aktion geschlossen zu peinlich war und wir zwei Erwachsenen mit zwei zehnjährigen Jungs das Freie Tanzen mitmachten. Dem Rest nahmen wir das Versprechen ab, sich nicht vom Schulhof zu entfernen. Hat auch geklappt. Unser Betreuer war ja auch noch da, und wer nicht will, der hat schon. Beim Hühnerfrikassee in den Klassenräumen trafen wir dann alle wieder.

Um 14.30 Uhr war ein offenes Singen auf den Domstufen angesetzt, zu dem Bischof Ulrich bereits anwesend sein sollte und auch war. Vom Rückweg zum Dom gibt es aber noch eine lustige Anekdote zu erzählen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Wir nahmen den Weg durch die Schlösserstraße und wollten eben am Fischmarkt auf einige Schaufensterbummler warten, als ein Polizist auf das Mädchen zuschritt, das unser Chorschild trug. Die Polizeipräsenz war mir gar nicht aufgefallen, der Fischmarkt ist ja immer voll wegen der Straßenbahnhaltestellen und an diesem heißen Tag waren es auch noch alle Tische der dortigen Eiscafés. Wie sich bei näherem Hinsehen aber tatsächlich herausstellte, standen sich rechts und links der Bahngleise zwei kleine Gruppen offenbar demonstrierender Menschen gegenüber. Ich glaube, es ging um den Marbacher Moscheebau. Vielleicht zwei Dutzend Leute vor der Kunsthalle waren dagegen und die zwei Dutzend vor dem Rathaus waren dagegen, daß die vor der Kunsthalle dagegen waren. So ungefähr. Jedenfalls hielten beide Gruppen je eine Tafel in die Höhe und der Polizist glaubte nun, wir seien auch mit von der Partie. Wir konnten seine Bedenken rasch zerstreuen, luden alle auf die Domstufen ein und gingen durch die Rumpelgasse unseres Weges.

Und kamen wieder am Dom an. Von diesem Ereignis ist natürlich niemandem von uns (wir haben ja mitgesungen), sondern der bestellten Fotografin das beste Foto gelungen, und wenn ich die Hinweise richtig verstanden habe, dürfen wir es unter Angabe der Bildrechte publizieren. Hier ist es also. PuLa proudly presents:

Offenes Singen auf den Erfurter Domstufen zum Chrofest der pueri cantores Ost am 5. Mai 2018 (Foto: Maria Schmidt, ©Pueri Cantores)

Es geht los. Der Bischof spricht natürlich einige freundliche Worte zur Einstimmung, begrüßt die weit Angereisten und die Chöre seines Bistums. Zuerst die Gastgeber: den Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg (die entsprechende Gruppe jubelt). Aber er hat auch eine Gruppe aus Nordhausen gesehen (jubeljubeljubel). Und eine aus Heiligenstadt (grööööööl). Und aus Jena (hääääääääääääääääiii!). Oh! Sagt der Bischof, ein großer Chor – naja, ist ja auch eine große Pfarrei.

(Das stimmt, lieber Herr Bischof, Jena ist eine große Pfarrei. Daher kommt aber nicht der große Chor. Weimar ist auch eine große Pfarrei. Sie wissen doch: Beinahe 6.000. Das können Sie nicht vergessen haben – das hat doch jemand benutzt, um seinen Rückzug ein wenig bunter zu gestalten. Mit der Größe der Pfarrei hat die Größe des Chors also nichts zu tun. Wohl aber mit der Personalpolitik des Bistums, die die Kantorenstellen nach Kriterien zuweist, deren Logik sich mir nach wie vor verschließt [den ersten diesbezüglichen Brief habe ich im Jahr 2010 an den Weihbischof verfaßt, wie alle weiteren leider ohne Erfolg]. Und mit der Existenz von Ehrenamtsbetreuung und Ehrenamtskoordination in der Pfarrei selber. Damit hat es auch zu tun. Wenn die nahe Null ist, sieht es eben schlecht aus. In Weimar scheint zudem ein ungeschriebenes Gesetz zu herrschen: Daß nämlich, wer denn schon unbedingt Kinderchorarbeit in der Gemeinde ermöglichen möchte, die Chormitglieder doch bitte schön auch selber zur Welt zu bringen habe. Die können ja dann noch ein paar Gleichaltrige anheuern. Werbung um Nachwuchs gibt’s nicht! Wir sind doch keine Musikschule! Bei solchen Voraussetzungen sind zweistellige Mitgliederzahlen ein echtes Kunststück, das mir nur für die eine oder andere Aufführung projektweise geglückt ist.)

Klammer zu.

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: beim großen Jenaer Chor (übrigens allesamt in einheitlich roten, gelbschriftbedruckten T-Shirts), der da gerade seine Chorhefte in der Luft schwenkt. Und aus Heyerode habe er eine Gruppe gesehen, fährt der Bischof fort (es jubelt aus der entsprechenden Ecke. Aus Heyerode waren auch wenige. Vermutlich war dem Bischof aber die pinkfarbene Chorkleidung der Musikwerkstatt ins Auge gefallen).

Tja – und jetzt? Jetzt fällt der für die gesamte Weimarer Pfarrei entscheidende Satz: „Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ ruft der Bischof ins Mikrofon. Wir grölen pflichtschuldigst los und fuchteln mit unseren Chorheften in der Luft herum. Der Bischof wirkt irritiert. Es will ihm nicht einfallen, wen er vergessen haben könnte. Dabei war er gedanklich gerade schon in Jena, jener großen Pfarrei im Dekanat? – eben: im Dekanat Weimar! Der Bischof neigt sich einem seiner Berater zu – und da wird er endlich erlöst: „Ach! Weimar!“

„Daß die Erfurter immer Weimar vergessen“, empört es sich neben mir. Tja: „O Weimar! dir fiel ein besonder Los …“ [vgl. auch hier] (Zu unserem Trost hat Goethe wenigstens für jede Gelegenheit den richtigen Kommentar formuliert.) Vielleicht hätte der Bischof ja doch 2016 zu unserem 125jährigen Kirchweihjubiläum kommen sollen, statt nur Pontifikalvespern zum Patronatsfest der Jenaer Studentengemeinde abzuhalten? Ob das seinen Blinden Fleck hätte verhindern oder zumindest vermindern können? Wer weiß?

Fortsetzung folgt morgen.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Neulich im Non-Food-Bereich…

…meiner bevorzugten Quelle für die Ernährung im Dienst (für ältere Erfurter: Die ehemalige sog. „Müller-Kaufhalle“):

Eiskelche im Non-Food-Bereich (eigenes Bild)

In der Vorbereitung dieses kleinen Beitrags merkte ich, vor exakt vier Jahren, da gab es schon einmal so ein Phänomen! Witzig ist das und es führte mir erneut vor Augen, wie lange dieses Projekt nun schon besteht. Deo volente (et nobis viventibus) wird es weitergehen, Vorschläge für die Feierlichkeiten zum 10-jährigen werden ab sofort entgegengenommen… 😉

Gereon Lamers

„ … und laßt euch nieder unter dem Baum“ (Gen 18, 4)

Trinitatis

“Gott ist dreifaltig einer”, singen wir. Wenn wir die Unterschiedlichkeit der drei Personen betonen möchten, sprechen wir von Dreifaltigkeit, wenn wir die Einheit des dreieinen Gottes betonen wollen, von Dreieinigkeit. Jedenfalls feiern wir es heute.

Im Park von Bad Muskau habe ich während unseres dortigen Aufenthalts Mitte Mai 2018 ein schönes Bild für die Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit gefunden. Der Fürst hat nämlich gerne drei Bäume so dicht beieinander pflanzen lassen, daß sie als einer erscheinen. Das sind zum Teil drei verschiedene, so daß sich ein Farbklang ergibt, dreifarbig wie beim Pücklerschen Eis. Vom Schloßturm herab habe ich eine solche Anpflanzung mit Rotbuche fotografiert, schauen Sie:

Baumanpflanzung im Muskauer Park (eigenes Bild)

Das können aber auch drei gleiche sein wie zwei Gruppen von Kastanien im Hof des Vorwerks. Davon habe ich ganz viele Fotos gemacht, weil sie mich sofort an eine Versinnbildlichung der Dreieinigkeit erinnert haben. So sehen die drei Kastanien aus. Die Krone der Baumgruppe wirkt, als wäre es nur eine Pflanze:

Dreieinige Kastanie im Hof des Muskauer Vorwerks (eigenes Bild)

Natürlich saß immer irgend jemand auf der weißen Parkbank und den Bäumen. Unter der anderen Baumgruppe, im selben Hof benachbart angepflanzt, standen sogar die Caféhaustische des immer gut frequentierten „Café Vorwerg“. Was die Assoziation vollendete, heißt es doch in der Textstelle in Genesis 18,8, in der drei Männer dem Mose erscheinen und die als Vorschein der Dreieinigkeit gedeutet wird: „ … und [Moses] blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen. (Gen 18, 8)

Cornelie Becker-Lamers

Augustinus und die Stickgarnreste

Wir feiern Pfingsten.

Die perfekte Zeit, um auf einem katholischen Blog das Gebet an den Heiligen Geist zu zitieren. Es wird dem Heiligen Augustinus zugeschrieben und geht so:

Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.

Ich merke schon: Sie kennen das. Gut so! Steht ja auch im Gotteslob (GL 7,2), und außerdem ist der Text schon beliebig weiterverwendet worden, zum Beispiel hier (aber Vorsicht – das Anhören kann Übelkeit verursachen!)

Also doch kein Grund, es auf unserem Blog erneut zu zitieren? Stimmt! Hätte man nicht eine eigene kleine, völlig irre Geschichte dazu zu erzählen, die zugleich für ein paar Bilder sorgen kann.

Haben wir aber natürlich.

Diese Geschichte geht so:

Es war einmal ein Leinenrock aus recht ordentlichem Stoff. Und eine ganze Schachtel voller bunter Reste mit Stickgarn von meiner Großmutter. Einige Garne dufteten nach ihrem Parfum – bald tat es die ganze Schachtel und dann die Schublade, in der ich die Garnreste aufbewahrte.

Irgendetwas mußte geschehen.

Ich besah mir den Rock und dachte: Entweder, du gibst ihn weg, oder du machst etwas völlig Irres daraus. Natürlich habe ich mich für das Irre entschieden. Ich wollte den Rock mit einem schönen Gedicht besticken und dabei zugleich das duftende Garn verbrauchen.

Das erste Jahr nach der grundsätzlichen Entscheidung ging mit der Auswahl des richtigen Textes dahin. Es sollte um die Gottesmutter gehen und ich dachte an das Ave Maria. Dann führte Kaplan Messer den Akathistos-Hymnos auf (Sie sehen – die ganze Sache liegt einige Zeit zurück …). Ich war Feuer und Flamme, besorgte mir den Text dieses Gebetes und glaubte, die Entscheidung sei gefallen. Wäre sie vielleicht auch gewesen, gäbe es da nicht ein gravierendes Problem: Der Akathistos-Hymnos ist nämlich auf griechisch. In meinen Kreuzstichalphabete-Stickanleitungen (#Kompositum 😉 ) habe ich aber nur Vorlagen für lateinische Buchstaben – und soweit, daß ich mir eine Stickmustervorlage für griechische Buchstaben hätte ausdenken wollen, reichte es nicht. Also weiterüberlegen. Irgendwann landete ich bei dem Gebet des Augustinus, das ich seit langem auf deutsch in jeder Messe bete – und war damit vom Plan eines Mariengebetes wie von dem der Originalsprache gleich weit abgerückt. Aber das macht nichts!

Nun ging es an die Umsetzung. Es mußte ja eine Form haben und die Schrift irgendwie durch Linien eingegrenzt sein. Wir sind ja nicht in der modernen Grundschule, wo die Kinder auf Blankoseiten nach Gehör schreiben müssen und kreuzunglücklich werden. Nein – ich wollte kreuzstichglücklich sein und begann, in grüner Farbe eine erste Linie zu sticken.

Das ging so etwa einen halben Meter lang gut.

Dann hing der Rock etwa zwei Jahre im Schrank.

Es war unglaublich öde.

Wirklich eine Strafarbeit, dachte ich. Wir sind doch hier nicht in den Grundschulen des 19. Jahrhunderts, wo die Mädchen sinnlose Kreuzchen auf ein altes Stückchen Leinen sticken, um sich auf die Arbeit an ihrer Aussteuer vorzubereiten. Außerdem bin ich bereits verheiratet.

Irgendwann holte ich den Rock aber doch wieder hervor und dachte: Entweder du machst Renovierläppchen zum Ablaugen der Türen draus (weggeben konnte ich ihn in diesem Zustand ja nicht mehr – mit einem halben Meter dunkelgrüner Kreuzstichlinie drauf), oder du realisierst deine völlig irre ursprüngliche Idee.

Weil es irgendwie doch cool war, diese Stickerei, realisierte ich die völlig irre ursprüngliche Idee und bekam plötzlich Spaß daran. Durch Zufall – man hätte das ja niemals vorher abmessen oder abzählen können – paßten jeweils ganze Worte auf die Stoffhälften vorne und das breitere Rückenteil. Es steht also nirgendwo „Hü“ oder „daß ich Hei“. Das hielt ich für ein gutes Zeichen. Buchstabe um Buchstabe wurde fertig, die duftenden Garnreste wurden weniger (wenn auch immer noch nicht aufgebraucht) und zu guter Letzt hatte ich einen ganz besonderen Rock hergestellt. Ein Fall für The Cathwalk? So jedenfalls sieht er aus:

Stickerei-Detail (eigenes Bild

Rock, Ausschnitt (eigenes Bild)

Rock, gesamt (eigenes Bild)

Das ist die Geschichte – und der Rock ist jetzt schon seit einigen Jahren da, natürlich mit passenden Knöpfen in allen Regenbogenfarben ausgestattet. Ein weitschwingender Rock würde sich ja sogar zum Tanzen eignen – und siehe da, auch das ist diesem Gebet schon widerfahren

Frohe Pfingsten!

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Apropos: „Pfingsten“: „Remember Quatember“ (Wenn Sie ausnahmsweise das Denglisch [oder Latenglisch? 😉 ] nachsehen wollen, bitte). Also, diese Woche ist eine Quatember-Woche: „Nach Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei gedenke, daß Quatember sei“, wie der alte hilfreiche Spruch geht.

Gereon Lamers

Aus gegebenem Anlaß …

… nämlich der Enttäuschung einiger uns bekannter Jugendlicher samt ihrer Eltern über die Feierlichkeiten zur Jugendweihe, möchte PuLa darauf hinweisen, daß

  1. das Sakrament der Firmung allen katholisch Getauften offensteht, auch wenn sie versehentlich schon zur Jugendweihe gegangen sind
  2. die entsprechende Meßfeier kostenlos ist
  3. man dem Redner – in diesem Falle immerhin ein Bischof oder Weihbischof und kein drittklassiger Kommunalpolitiker – nicht applaudieren muß, ja dies nicht einmal sollte
  4. die Sprüche, die den Firmlingen mit auf den Weg gegeben werden, keine aphoristischen Binsenweisheiten, sondern seit 2.000 Jahren immer wieder durchdachte und mit Interpretationen angereicherte Texte aus der Bibel sind
  5. eine etwaige Lustlosigkeit des Vortrags in der Regel durch die Einbeziehung der Firmlinge selber minimiert, wenn nicht ganz und gar ausgeschlossen werden kann
  6. die Firmlinge der Sinnfülle der Veranstaltung umso besser folgen können, als sie mehrere Monate hindurch in festen Gruppen durch geschultes Fachpersonal auf ihre Firmung, deren Sinn und die eigene In-die-Pflicht-Nahme vorbereitet werden
  7. man die Betreuerinnen und Betreuer entweder ohnehin schon kennt, spätestens bis zur Feier der Firmung aber jedenfalls kennengelernt hat und man sich obendrein eine Firmpatin/einen Firmpaten wählen kann
  8. der Firmjahrgang durch den Firmunterricht als Gruppe zusammenwachsen kann und die hier entstandenen Freundschaften im Idealfall in einer funktionierenden Pfarrjugend weitergelebt und weiterhin organisiert werden können
  9. auch die erklingenden Lieder durch ihre Texte zum spirituellen Gehalt und der Sinnfülle der Feier beitragen
  10. alle Anwesenden bei allen Liedern mitsingen dürfen (wenn Mami und Papi bei irgendwas nicht mitsingen dürfen, weil es vom Elternprojektchor vorgetragen wird, hätten sie halt in den Elternprojektchor reingehen sollen)
  11. die Firmung wie gesagt ein Sakrament ist und daher mit den Firmlingen bei der Segnung durch den Bischof wirklich etwas wesenhaft passiert
  12. es nur einen Gott und die eine heilige katholische und apostolische Kirche gibt.

Frohe Pfingsten!

Cornelie Becker-Lamers

P.S. Anmerkung der Redaktion: Übrigens – keine Sorge! Mit 14 Jahren seid ihr religionsmündig, aber noch nicht erwachsen (wie euch das in der einen oder anderen Feierstunde suggeriert worden sein soll). In Filme ab 18 dürft ihr erst ab 18 und nicht ab 14, ihr dürft nach wie vor nicht wählen gehen und nicht Auto fahren, ja nicht einmal Bier alleine kaufen und das Jugendstrafrecht gilt gar noch 7 Jahre lang… 😉

Gereon Lamers

Die Einladung

Ein Sketch für fünf Schafe und zwei Lämmchen

Wundersdorf, Schafweide. Die Herde grast friedlich vor sich hin. Ein wenig Leben kommt in eine Gruppe um Wolle, Flocke, Grauchen und Blütenweiß, als Fixi und Huf angesprungen kommen.

Huf: Tante Flocke?!

Flocke (blickt liebevoll auf): Ja, mein Lämmchen?

Fixi: Wo ist Kohle?

Flocke (blickt sich suchend um): Oh! Ich kann es dir nicht sagen.

Huf: Vielleicht im Unterstand. (Er läuft los, die andern folgen ihm mit unterschiedlicher Eile. Als Huf die Tür zum Unterstand aufstößt, sieht er dort tatsächlich Kohle am Tablet arbeiten. Er scheint sich zu konzentrieren.)

Huf: Kohle!!!

Kohle: Hallo Huf! Laßt mich mal noch zehn Minütchen in Ruhe, ich muß mich konzentrieren. Das Schreiben hier muß raus.

Huf (neugierig): Was für ein Schreiben? (Er rückt ihm auf die Pelle. Mittlerweile sind auch Fixi und Flocke im Unterstand angekommen. Draußen werden Wolle, Grauchen und Blütenweiß sichtbar, die ebenfalls bereits die Nase durchs Fenster stecken.)

Kohle (angesichts der Schafmengen): Heerjeh! Ich wollte eigentlich in Ruhe ein Posting verfassen! Kann man denn auf dieser Weide nicht einmal

Flocke (unterbricht ihn): Nein …

Wolle (grinst): „I must have my share in the conversation …“

Fixi: Genau! Wir wollen beteiligt werden!

Grauchen (betritt den Unterstand): Worum geht’s denn?

Kohle (mit einem tiefen Stoßseufzer): Um eine Einladung zum Tag des Offenen Gatters.

Flocke (bricht in Begeisterungsstürme aus): Aber das ist ja großartig!

Huf (ebenso): Du lädst andere Schafe ein?

Fixi: Und andere Lämmchen?

Wolle (mit einer Spur Vorwurf): Aber das mußt du uns doch erzählen!

Grauchen: Wolle hat Recht! Das geht uns doch alle an.

Kohle (gibt sich geschlagen): Na schön, ihr Nervensägen – hört zu! Ich möchte den Tag des Offenen Gatters dazu nutzen, streunende Schafe und besonders die Lämmchen da draußen zu uns in die Herde einzuladen.

Huf: Wie: „In die Herde“?

Fixi: Richtig in die Herde? Nicht nur auf die Weide wie damals Xenia und Euterpe?

Kohle: Neinein, richtig in die Herde.

Huf: Aber was heißt „die Lämmchen da draußen“?

Kohle: Na, was glaubst du, wieviele Schafe und Lämmchen ohne Herde und ohne Hirten umherstreunen.

Fixi (reißt die Augen auf): Eeeeeecht?

Huf (ebenso): Das ist ja schrecklich!

Fixi: Wieso ohne Hirten?

Kohle: Weil nicht alle Hirten die verlorenen Schafe suchen gehen.

Huf (besorgt): Und wieso ohne Herde?

Kohle: Weil sie von Weiden sonstwo in Deutschland kommen und von ein-zwei Schafen mit auf Wanderschaft genommen werden.

Fixi: Ach Gott!

Huf: Mutterseelenalleine Lämmchen?

Kohle: Ja. Mutterseelenalleine Lämmchen. Und all diese Schafe wollen wir jetzt sammeln!

Flocke: Aber das kannst du doch nicht elektronisch machen – die muß man doch persönlich ansprechen!

Kohle: Ah ja? Und? Weißt du, wo du sie findest?

Flocke: … äääh … (sie errötet)

Kohle: Siehst du?! Online sind diese Lämmchen heute alle! So erreichen wir sie!

Wolle: Na, dann lies mal vor, was du verfaßt hast.

Grauchen: Eigentlich sollten Anrede und Unterschrift ja handschriftlich sein – wie sieht das denn aus, so alles gedruckt …

Kohle: Dann schreib mal handschriftlich im Internet. Viel Erfolg! Neinein, du hast zwar vollkommen Recht, aber da wir keine Briefpost losschicken können, muß es wohl so gehen.

Grauchen: Dann stell doch wenigstens eine andere Schrifttype ein – vielleicht eine, die wie Handschrift aussieht?! Und markier’s und klick’ auf dunkelblau – dann sieht es schon fast aus wie Kugelschreiber.

Flocke: Sehr gut! So machen wir das! Problem gelöst! Weiter!

Kohle: Hier – lest mal selbst. Es ist eigentlich nichts besonderes – ich stelle einfach unsere Herde ein bißchen vor und schreibe das Datum vom Tag des Offenen Gatters und daß sie kommen können, wenn sie möchten.

Grauchen (liest die Betreffzeile vor): „Keiner soll alleine grasen!“

Huf (lacht vor Entzücken laut auf): Das ist gut! Das ist großartig! „Keiner soll alleine grasen!“ Super!

Flocke: Stimmt! „Keiner soll alleine grasen!“ ist gut!

Kohle (mit Understatement): Najaaaa … ich dachte … so als Motto …

Wolle: Wirklich gut! Aber laßt uns auf den eigentlichen Inhalt schauen! (Sie brummelt im Lesen vor sich hin): „… die Möglichkeit, zum Tag des Offenen Gatters unsere Herde kennenzulernen … 1. Juni … Wenn ihr interessiert seid …“ (sie stutzt, in erhobenem Ton) „Wenn ihr interessiert seid“ ??? Was soll das denn heißen, „wenn ihr interessiert seid“???

Kohle: Na, daß wir uns nicht aufdrängen wollen … nur, wer interessiert ist, soll dazukommen dürfen …

Wolle (explodiert): Wir immer mit unserer Leisetreterei! „Wenn ihr interessiert seid“! Weißt du, wie die kommerziellen Weiden werben? Wo die Lämmchen für jede Gänseblume zahlen müssen und es tun, weil sie einfach nicht wissen, was sie sonst machen sollen? Die plakatieren überall: „Kommt sofort!“ – „Sichere dir deinen Platz!“ – „Versäum den Termin nicht!“ – „Mach dich am besten gleich auf den Weg!“ – „Die ersten zehn erwartet ein kostenloser Gänseblümchensalat!“ – Und dagegen willst du ankommen mit deinem „Wenn ihr interessiert seid“??? (Sie blitzt zornig in die Runde. Alle starren sie entgeistert an.)

Flocke (erschrocken): Aber Wolle, was hast du denn plötzlich?

Wolle (nun eher verzweifelt): Ach, ist doch so! Kohle hat gerade erzählt, was mit den Schafen da draußen los ist – und da wollen wir uns auf „Angebote“ und Putziputziheiteitei beschränken? Es darf doch gar nicht denkbar werden, daß unsere Herde nicht die einzig wahre ist!!! Das ist sie doch, oder? (Sie blickt angriffslustig in die Runde.)

Grauchen: Äh … ja, klar! (Alle nicken, manche betreten, manche eifrig.)

Wolle: So! Und wenn wir das nicht ausstrahlen, wenn wir das nicht formulieren – wer denn dann? Hm? Wollt ihr drauf warten, daß die Wölfe uns die Schafe schicken – hierher, wo sie wissen, sie kriegen sie nicht, weil unsere Franziskusstatue die Herde beschützt? Da könnt ihr lange warten!!! (Sie dampft vor Erregung.)

Kohle (sieht sie ernst an): Du hast Recht, Wolle, da hat mich die Floskelwolke eingenebelt! Wie gut, daß ihr gekommen seid und das Posting noch nicht raus war!

Flocke: Und wie gut, daß du auf uns gehört und uns einbezogen hast! (Sie lächelt ihm aufmunternd zu.) Das kriegen wir schon noch alles!

Huf (hat sich inzwischen am Tablet zu schaffen gemacht): Du-u, Kohle…

Kohle (sanft): Ja? Was denn?

Huf: Wo hast du das eigentlich her mit dem Tag des Offenen Gatters?

Kohle: Hab ich irgendwo gelesen.

Huf: Kann es sein, daß du dich verlesen hast? Ich finde hier am 1. Juni nur den Tag des Offenen Gartens …

Kohle (stürmt zum Tablet und schaut auf den Bildschirm. Plötzlich fängt er an zu lachen und alle anderen fallen erleichtert in das Gelächter ein. Dann, nach einer kleinen Weile): Ja – so ist das manchmal: Man liest, was man lesen möchte. Offen gestanden schwirrte mir diese Idee schon lange im Kopf herum …

Grauchen: Den Tag des Offenen Gatters gibt es noch nicht? Dann werden wir ihn hiermit erfinden!

Fixi: Genau! Fronleichnam ist schließlich auch irgendwann erfunden worden!

Huf (singt): „Zwölfhundertneun hat sie eine Vision“ …

Fixi: Das war damals die Heilige Juliane von Cornelienberg. (pathetisch) Und der Tag des Offenen Gatters wird auf alle Zeiten mit dem Namen Kohle von Wundersdorf verbunden sein!

Huf (ebenso): Genau! Noch in Jahrhunderten!

Flocke (versöhnlich): Na bitte! Ende gut, alles gut!

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Anmerkung der Redaktion: Kirchenfeste werden natürlich nicht er-funden, sondern allenfalls ge-funden, in Wahrheit aber ge-geben…
Aber wir wollen die lieben Schäfchen da auch nicht überfordern, so mitten im Gesprächsfluß, haben sie doch schon so viel schönes und richtiges gesagt! 🙂

Gereon Lamers

Heilige Juliana von Cornelienberg, bitte für uns!

Englebert Fisen, Hl. Juliana von Lüttich, 1690, St-Martin, Lüttich (Bild: Wikicommons)

 

Salve Regina!

Einladung zur Eröffnung der Maiandachten
heute um 18 Uhr in der Pfarrkirche

Da unser Kirchenchor aus unterschiedlichen Gründen die Eröffnung der Maiandachten heute Abend wie schon im vergangenen Jahr nicht übernehmen kann (auch hier ist wenig Puffer, wenn ein paar Leute ausfallen und wir brauchen dringend Verstärkung!), springen die Cäcilini kurz entschlossen ein und singen neben dem älteren Magnificat

auch das Salve Regina, das wir im vergangenen Oktober uraufgeführt haben. Trotz kurzfristiger Verhinderung der Geigerin sind die Instrumentalistinnen vollzählig, denn über den Pfarrer konnte sehr schnell eine Violinstudentin zu Probe und Gottesdienst gewonnen werden. Ich sage ja: Wenn wir die Hochschule nicht hätten … Wir haben sie aber!

Doch nun zum Hineinhören den neu erstellten Film zum „Salve Regina“ – mit lateinischem und deutschem Text, vor allem aber mit einer seltenen Darstellung der Madonna, nämlich ohne Jesuskind. Denn wie lautet die drängende Bitte zu Ende des Textes: „Jesum benedictum fructum ventris tui nobis post hoc exsilium ostende“ – „Nach diesem Elend zeig uns Jesus, die gesegnete Frucht deines Leibes“.

Enjoy! 🙂

Cornelie Becker-Lamers