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„… ein Grund zum Feiern“

Zwei Veranstaltungshinweise für alle Liebhaber der Orgel

„Neun Jahre Kutterorgel […] sind ein Grund zum Feiern. So lange schon erfreut der schöne Klang der 3-manualigen Kutterorgel in Gottesdiensten und Konzerten.“

Ah! Werden Sie denken: Genau! Endlich sagt es mal einer!

Aber Moment mal – wir … wir haben doch gar keine Kutterorgel. Hat unsere Orgel nicht Orgelbau Waltershausen gebaut? Und war das nicht 2011? Das sind doch erst sieben Jahre, nicht neun.

Sie haben vollkommen Recht! Zum Jubiläumsjahr von Liszts 200. Geburtstag wurde die Orgel der Musikhochschule in unserer Kirche fertig und seither dürfen wir sie für Liturgie und Konzerte mit nutzen. Und so stammt obiges Zitat denn auch nicht aus einer Infomail aus Weimar, sondern aus einer aus Jena, wo man sich der Dankesschuld für die schöne neue Orgel ein wenig besser bewußt ist als bei uns. Unser „Grund zum Feiern“ läge bekanntlich jeweils um den 8. Mai herum.

Aber da Jena nicht weit ist, möchte ich die Einladung zum 9. Jenaer Orgelfest, dem Festgottesdienst mit dem dortigen Kantor, Herrn KMD Detlef Regel und einem nachmittäglichen Konzert mit Agnieszka Kosmecka am kommenden Sonntag, dem 9. September, gerne an Sie alle weitergeben. Bach, Gounod, Jackson und Willscher werden gespielt. Nein, nicht im Konzert. In der Messe um 11.00 Uhr. Das Konzert kommt dann erst noch, um 16 Uhr. Alles in der Kirche St. Johann Baptist bei freiem Eintritt.

Und wir Weimarer? Gehen leer aus? Nein! Durch Privatinitiative und das große ehrenamtliche Engagement, auf welches man sich in Herz Jesu Weimar immer verlassen kann (und verläßt), ist es gelungen, anläßlich der diesjährigen Kirchweih Ende September zwei Konzerte und eine festliche Messe auf die Beine zu stellen. Am Samstag, dem 29. September wird um 19.30 Herr István Ella das Festwochenende mit einem Orgelkonzert eröffnen. Hier das Plakat, das ebenfalls an einem heimischen Computer erstellt wurde (nicht von uns – nicht daß Sie uns aus Versehen mit fremden Federn schmücken! Beide Konzerte haben nichts mit meinem Mann oder mir zu tun.)

Konzertplakat I. Ella (Bild: D.M.)

Am darauffolgenden Sonntag, 30. September, wird die Liturgie des Hochamts von Kirchenchor und musikalischen Gästen besonders festlich gestaltet und um 16 Uhr klingt das Kirchweihwochenende mit einem Konzert der Mainzer Dombläser aus.

Soweit die Ankündigungen. Jetzt noch das obligatorische Youtube-Video, in dem wir diesmal István Ella bei einem Konzert zuhören dürfen, das er vor sechs Jahren in der Erlöserkirche Jerusalem gegeben hat.

Enjoy! 🙂

Cornelie Becker-Lamers

Atta unsar

Die Cäcilini singen morgen (26. August 2018) im Hochamt

Übersetzungen der Bibel (wie wir heute sagen) hat es ja immer gegeben. Das fängt im frühen 3. Jh. v. Chr. mit dem Pentateuch an, der durch eine Gruppe von Gelehrten in Alexandria ins Griechische übertragen wird – der Grundstock der bis ins erste nachchristliche Jh. hinein entstehenden sogenannten „Septuaginta“. 70 Gelehrte sollen sich, einem fiktiv-zeitgenössischen Bericht, nämlich dem „Brief des Aristeas“, zufolge zur korrekten Übersetzung abgestimmt haben. Die Geschichte, die sich im Laufe der Zeit entwickelte und nach der die 70 vollständig unabhängig voneinander zum identischen griechischen Wortlaut fanden, ist allerdings viel zu schön, um nicht ebenfalls weitererzählt zu werden. (Vgl. hierzu ausführlich Zur Legende von der Übersetzung der Septuaginta, in: Septuaginta deutsch, hg. von Wolfgang Kraus und Martin Karrer, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2009, S. 1503-07).

Lateinische Bibelübersetzungen ließen nicht allzulange auf sich warten. Als sich Hieronymus im Auftrag von Papst Damasus im späten 4. Jh. an die (übrigens erst nachmittelalterlich dann so bezeichnete) „Vulgata“ machte, ging es bereits um die Revision konkurrierender lateinischer Übertragungen.

Hieronymus Im Gehäuse, A. Dürer (Bild: Wikicommons)

Noch vor Hieronymus setzte sich ein gotischer Bischof hin, um uns mit seiner Bibelübersetzung das älteste germanische Sprachdenkmal zu hinterlassen: Die nach ihm benannte „Ulfilas“. Wulfila, so sein eigentlicher Name, lebte von ca. 311 bis 383 und wurde um das Jahr 340 von Eusebius von Nikomedia in Antiochia zum Bischof geweiht (mithin von demselben Reichsbischof Konstantinopels, der – entgegen der Legende erst auf dem Totenbett im Jahre 337 und noch dazu im arianischen Glauben – Kaiser Konstantin den Großen getauft hatte). Anders als seine Kollegen hatte Wulfila, bevor er seine Übersetzungsarbeit beginnen konnte, zunächst einmal die Voraussetzungen seiner Niederschrift zu schaffen: Die Schrift. Eine gotische Schrift.

Wie man am Schriftbild unmittelbar sieht, bediente er sich dabei des griechischen Alphabets (dessen Buchstaben er zum Teil mit abweichenden Lauten belegte) und durchsetzte es mit germanischen Runen – etwa dem „Thorn“ für ein stimmloses „th“ (wie im Englischen).

Griechisches Schriftbild: eine Seite aus der Septuaginta (Bild: Wikicommons)

 

Gotisches Schriftbild: eine Seite aus dem „Codex Argenteus“, der berühmtesten Abschrift der Ulfilas (Bild: Wikicommons)

Die erhaltenen Teile der „Ulfilas“ beinhalten auch das sechste Kapitel des Matthäus-Evangeliums und hierin die Verse 9-13: Das vollständige Vater Unser – sogar mit dem in Vers 13 hinzugefügten „Denn dein ist das Reich …“ Hören Sie mal:

Na, bravo! Werden Sie denken. Veräppeln kann ich mich selber! Woher will er denn wissen, wie man die Worte ausspricht, hm? Hat er eine CD von damals gefunden?

Das ist in der Tat bei Codex-Sprachen (den früher sogenannten „toten Sprachen“) immer die Krux – aber in diesem Fall durch die Bekanntheit der Textvorlage wohl mit überschaubarem Aufwand zu lösen gewesen. Der Schlüssel zu den Aussprachefragen sind natürlich die Eigennamen und Lehnwörter, die zeitgleich in anderen Schriften und Sprachen überliefert sind. Wenn beispielsweise im ersten Kapitel des Lukas-Evangeliums steht, daß Maria nach der verstörenden Verkündigung des Engels „AileisabaiÞ“ – Elisabeth – aufsucht, wissen wir, daß ein langes offenes „e“ im gotischen als „ai“, ein langes geschlossenes „i“ als „ei“ dargestellt wird – und schon ist klar, daß das „weihnai namo thein“ – geheiligt werde dein Name – „wiichnää namo thiin“ heißen muß. (Irritierend finde ich im Zusammenhang mit den neuesten Gepflogenheiten der theologischen Forschungsliteratur, daß das „th“ am Namensende von Elisabeth durch Wulfila mit dem Thorn, also wirklich als „th“ mit Zunge zwischen den Zähnen wiedergegeben wird und heutige Wissenschaft, sogar das superauthentische „Münchner Neue Testament“, bei Elisabet – wie bei Rut, Betlehem und öfter – das „h“ wegläßt … Kann dazu jemand etwas sagen?)

Aber warum schreibe ich das alles hier überhaupt?
Weil die Cäcilini morgen, am 26. August, in der 10.00-Uhr-Messe bei Dr. Pittner in Herz Jesu Weimar neben drei anderen Liedern und Chorsätzen auch eine Vertonung des „Atta unsar“ vortragen werden.

Und warum dies? Weil das Gotische für die Geschichte Thüringens nicht irrelevant ist. Um nicht zu sagen: Weil Radegunde (vgl. jüngst erst auch hier) dieses Atta unsar gebetet haben könnte. Ihre Tante, an deren Hof die kleine Prinzessin nach dem Tod ihrer Eltern aufwuchs, war schließlich Amalaberga, eine Nichte Theoderichs des Großen. Amalaberga war aus Ravenna mit Herminafried nach Thüringen verheiratet worden, um die ostgotisch-thüringische Phalanx gegen die Franken zu festigen. Ich bin sicher, sie hat den Kindern das Vater unser beigebracht – das Atta unsar aus Wulfilas Übersetzung. (Zu Texten, Vokabular und Grammatik des Gotischen vgl. Friedrich Ludwig Stamms Ulfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gotischen Sprache. Text, Wörterbuch und Grammatik, Stuttgart: Magnus o.J.)

Cornelie Becker-Lamers

PS: Ich hätte da noch was: Die „Ulfilas“ ist in einer scriptio continua verfaßt – in einer fortlaufenden Majuskelschrift, die die einzelnen Wörter nicht voneinander trennt. Ab und zu sind Punkte in den Text gesetzt, um Sinnabschnitte zu kennzeichnen. Mir ist, als hätte ich mal gelernt, dies sei die Grundlage der Verseinteilung der Bibelkapitel. Ich konnte das aber seither nicht mehr verifizieren. Es müßte in einem Aufsatz von Walter Haug stehen. Kann jemand helfen?

PPS: Wo wir schon gerade beim Fragenstellen sind hätte ich da noch eine zum Stichwort “Bibelübersetzungen” (s. erster Satz dieses Beitrags). Die Übersetzungen der Hl. Schriften des Judentums, wie sie die Septuaginta (ursprünglich) darstellt, würde ich persönlich niemals als “Bibel“-Übersetzung bezeichnen, und zwar aus Rücksichtnahme auf das jüdische Empfinden, ist doch “Bibel”, so wie ich das verstanden habe, ein historisch ganz und gar christlicher (und insofern übrigens auch u.U. anachronistischer) Begriff! Analog also zu der Vorsicht in der Verwendung des Gottesnamens, zu der Papst Benedikt vor einiger Zeit aus ebendiesem Grund der Rücksichtnahme aufgrufen hat (vgl. hier). Nach meinem Gefühl zum Glück nicht ganz ohne Erfolg.
Daß es historisch derartige Empfindlichkeiten sehr wohl gegeben hat, zeigt in Bezug auf die Septuaginta ja allein schon die Tatsache, daß das Judentum schon recht bald die Notwendigkeit empfand, sich eine andere, “neue” Textgrundlage zu schaffen, als es die Septuaginta als christlicherseits “gekapert” und von daher für sich selbst sozusagen “kontaminiert” empfand. (Ein Faktum, nebenbei, daß ich in Bezug auf die seitens der “Humanisten”, vor allem aber nicht nur “reformatorischer” Provenienz, einseitige Abwertung der griechisch-lateinischen Texttradition zugunsten der hebräischen Überlieferung für sehr betrachtungswürdig halte!).
Nun muß ich aber zur Kenntnis nehmen, daß auch jüdische Gelehrte immer wieder von sich aus “Hebräische Bibel” schreiben, so, als ob es ihnen offenbar nichts ausmache.
Weiß dazu jemand etwas? Hat es mit unterschiedlichen Richtungen innerhalb des Judentums zu tun?
Ich finde bis auf weiteres jedenfalls, wir sollten, wenn das gemeint ist, gemeinsam von den jüdischen Hl. Schriften, vom ‘Tanach’ sprechen und dafür die notwendige Empathie und Energie aufwenden! (und nicht für so bemühte und für uns m.E. nicht “nur” traditionsferne, sondern wirklich verfälschende “Klimmzüge” wie “Erstes” Testament, wenn wir vom Alten Testament sprechen…)

Gereon Lamers

Sketch des Monats: Die Kirchenfenster

Ein Sketch für acht Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen
und einen Hütehund

Köthen/ Anhalt. In dem kleinen Städtchen mit der großen Geschichte herrscht immenser Aufruhr. Man hat sich, jetzt, abends, beim Bier, noch keineswegs von dem Schrecken erholt, daß heute mittag, pünktlich zum Gedenktag Mariä Krönung (der aber in dieser Gegend kaum noch jemandem etwas sagt), eine kleine Schafherde in Begleitung ihres Hütehundes mitten durch die engen Straßen des beschaulichen Städtchens ihres Weges zog. Gut … ein paar Schafe in der Stadt … das ginge bei einem Flecken von den Ausmaßen der Bachstadt Köthen/ Anhalt ja noch. [Um nicht zu sagen, das kommt auch in Thüringer Kommunen vor, und zwar heute! 😯 ]

Aber die Nachbarin der Großcousine hat gesehen, daß sie Phablets mit dem Köthener Stadtplan vor sich hertrugen. Und der Dachdecker bei Biesels hat sie sogar reden hören!

Merkwürdig! Wer oder was mag das gewesen sein?

Ich glaube, liebe Leser, wir vermuten dasselbe. Schauen wir uns die Szene doch einmal genauer an … na klar!!! Auf dem Parkplatz beim Schloß steht der neue Pritschenwagen. Und sagen Sie mal – kennen wir das Auto dort drüben nicht auch? Es kommt vom Kennzeichen her aus dem selben Kreis wie der Pritschenwagen … na, vielleicht klärt sich das im Laufe der Geschichte.

Köthen, Schloß, im Herbst 2012 (eigenes Bild)

Kohle: So. Das wäre das Schloß.

Fixi (mault): Ich will nicht ins Museum!

Wolle: Mußt du ja auch gar nicht! Wir suchen die Kirche.

Kohle: Die kommt hier gleich. (Er zeigt den Schloßplatz hinunter in Richtung Stiftstraße.)

Grauchen: Nah beim Schloß.

Flocke: War ja auch für das frisch konvertierte Herrscherpaar.

Blütenweiß: „Die Romantik war das Zeichen eines fast bewußtlos hervorgetretenen Heimwehs des Protestantismus nach der Kirche.“

Wolle: Ui!

Grauchen: Wo hast du das denn her?

Blütenweiß (errötet ein wenig): Eichendorff.

Kohle: Ein schöner Satz. – Jetzt laßt uns hier die Stiftstraße lang gehen.

Huf: Ich will aber lieber hier (Er wendet sich dem Prinzessinhaus zu und stürmt die Schloßstraße entlang.)

Tatze: Wuff! Dann geht ihr auch hier lang! Die Herde muß zusammen bleiben.

Kohle (für sich): Despoten. Alles Despoten! (Er trabt hinter den Lämmchen her.)

Blütenweiß (begütigend): Laß mal! Der Ortskern hier ist glaube ich klein – dann gucken wir halt erst ein paar andere Sehenswürdigkeiten an und kommen von der andern Seite zur Kirche.

In der Tat. Nach wenigen Metern:

Köthen, Rathaus, im Herbst 2012 (eigenes Bild)

Huf (stolz): Seht ihr – das Rathaus! Das hat sich doch wohl gelohnt! (Er trabt weiter zum Marktplatz mit der Jakobskirche. Kohle wirft einen Blick in die Springstraße, an deren Ende er zu Recht wiederum die berühmte katholische Kirche vermutet und folgt dann den Lämmchen.)

Köthen, Springstraße im Herbst 2015 (eigenes Bild)

Flocke: Na, jetzt können wir auch gleich bis zur Wallstraße durchgehen.

Grauchen: Wieso? Was ist denn da?

Wolle: Na, das Wohnhaus vom Hahnemann!

Grauchen: Welcher Hahnemann?

Huf (stöhnt): Der Entdecker der Homöopathie.

Flocke: Na – sagen wir: der Wiederentdecker. Ist alles die alte Frauenmedizin.

Grauchen: Ach! Und der wohnt hier?

Kohle: Wohnte. Ist tot. – Ja, klar. Wußtest du das nicht?

Fixi und Huf: Woher kommt die Homöopathie? (Im Quintfall) Aus Mitteldeutschland!

Über den Bachplatz mit einer typischen Büste des Komponisten gelangen sie in die Wallstraße und tatsächlich:

Köthen, Wohnhaus von Samuel Hahnemann in der Wallstraße 47 (eigenes Bild)

Kohle: Da ist es!

Fixi: Schön! (Sie liest die Gedenktafel am Haus.)

Huf: Laßt uns weiter gehen.

Wolle (will eine Infostele lesen): Daß die Lämmchen immer so einen Bewegungsdrang haben! (Sie trabt der Herde hinterher. Nach wenigen Schritten gelangen sie zum Magdeburger Turm und biegen in die Straße zur Agnuskirche ein.)

Köthen, Platz mit Magdeburger Turm, im Herbst 2012 (eigenes Bild)

 

Köthen, St Agnus 2012 (eigenes Bild)

Fixi: Das soll eine Kirche sein? Sieht aus wie ein Schulhaus.

Kohle: Hm. Ist es aber nicht. Manche Kirchen sind hier einfach in die Straßenschlucht gebaut.

Wolle: Oder die Straßen sind drumrumgewachsen? Seht mal dort vorn.

Grauchen: Na endlich!

Köthen, katholische Kirche St. Marien, im Herbst 2012 (eigenes Bild)

Huf: Ist das die Kirche?

Kohle: Na klar!

Fixi: Und dort sind wir verabredet?

Wolle: Yep! Ich hab telefoniert – sonst kann man nur durch eine Glasscheibe gucken.

Flocke: Aber die freuen sich ja, wenn jemand kommt!

Wolle: Ja! War supernett!

(Sie nähern sich der Kirche. Während Wolle, Flocke und Kohle die Gruppe im Pfarramt Ecke Springstraße anmelden, umrunden Fixi und Huf soweit als möglich das klassizistische Gebäude und entdecken wiederum eine Erläuterungstafel.)

Tafel an der Kirche (Eigenes Bild)

Die Schafe kommen im Schlepptau der Pfarrsekretärin zurück und alle erklimmen die Stufen zum Kircheninneren. Als sich das Portal öffnet, prallen die Schafe zurück: Am Glaseinbau, der das Innere der Kirche vor Vandalismus schützt, drücken sich Edith, Richard, Teresa, Emily, Karl, Hanna und Silke die Nasen platt! Natürlich gibt es jetzt erstmal ein Riesen-Hallo.

Richard (blickt sich nach den Eintretenden um, freudig): Das gibt’s doch gar nicht!

Edith (schaut auch): Määänsch – Ihr hier?

Teresa quiekt und läuft zu den Lämmchen – die drei verschwinden ganz schnell wieder nach draußen.

Tatze: Heee! Ihr könnt euch doch nicht einfach verabsentieren!

Richard: Laß mal, Tatze, ich glaube, das geht klar! Teresa ist ein großes Mädchen.

Die Schafe begrüßen ihre Wundersdorfer Freunde begeistert und ausgiebig

Die Pfarrsekretärin (lächelt): Ach, Sie kennen sich wohl? Na, dann komm‘ Se mal gleich mit rin!

Sie sperrt auf und läßt die mittlerweile ansehnlich große Gruppe ins Kirchenschiff. Tatze der Tapfere läuft die ganze Zeit über zwischen den verschiedenen Grüppchen innerhalb und außerhalb der Kirche hin und her, damit keiner verloren geht.

Hanna (zu den Schafen): Wenn wir euch nicht hätten!

Flocke: Da kannst du mal sehen!

Schafe und Menschen verteilen sich, einige folgen der Pfarrsekretärin, die eine Kirchenführung improvisiert.

Edith (schaut auf die beiden blaugrundigen Kirchenfenster): Da!

Köthen, Katholische Kirche, Fenster Mariä Krönung von Michael Triegel, 2015 (eigenes Bild)

Köthen, Katholische Kirche, Fenster Pietà von Michael Triegel, 2015 (eigenes Bild)

Richard (schaut auch): Daß sich endlich mal einer traut, figürliche Darstellungen zu realisieren! Wirklich mit den Fenstern Geschichten zu erzählen – wie die alten Fenster das auch machen.

Karl: Mhm! Und sich traut, etwas Schönes zu malen. Kann sich heute kaum einer leisten!

Hanna: Ich glaube, das könnte es viel öfter geben, wenn die Juroren in den Ordinariaten nicht die figürlichen Entwürfe immer durchfallen ließen!

Karl: Du meinst, die Künstler reichen solche Arbeiten ein – und ausgesucht werden die ungegenständlichen Farbflächen?

Hanna: Oder die Pfeile von Schreiter, ja.

Richard: Hm! (Er schaut sich die beiden Fenster an.) Und sag mal – das ist dann auf die Scheiben gedruckt?

Karl: So eine Art Druckverfahren, ja.

Richard: Hm, war das früher nicht durchgefärbt? (Er schaut.)

Karl: Michael Triegel ist aber Maler!

Hanna (zu Richard): Genau! Was soll er denn machen? Mecker nicht, sondern freu dich lieber, daß wir so schöne Bilder sehen! Mariä Krönung, und Adam und Eva rechts und links …

Karl: Da: Evas Apfel taucht als Granatapfel bei Maria wieder auf …

Richard: Und sie hält ihn wie einen Reichsapfel.

Edith (kommt angeschlendert): Und so sieht also der Künstler aus? (Sie schaut die Fenster an.)

Hanna: Wie?

Edith: Na, ich hab gestern im Netz ein bißchen gelesen, und da wird dem Triegel vorgeworfen, daß der Jesus aussieht wie er selber und Maria wie seine Frau.

Karl: Vorgeworfen? Aber das ist doch ganz normal!

Hanna: Dürer …

Richard: Und James Ensor malt eine Kreuzigung, wo auf dem Kreuz nicht INRI, sondern ENSOR steht …

Karl: Ja. Heckel … Barlach … bei allen findet man das. Also das ist jetzt wirklich nicht das Problem.

Hanna (blättert in einem Katalog zu den Bildern): Da ist ein Druckfehler in der Überschrift! (Sie hält Karl den Katalog hin.)

Karl: Stimmt! „Themenfenster“.

Hanna (lacht): „Thermenfenster“!

Kohle: Doch, doch! Das stimmt. Die heißen nach ihrer Form so, weil sie in den antiken Bädern so aussahen.

Hanna: Echt jetzt?

Kohle: Ja, echt.

Hanna: Man lernt nicht aus.

Fixi und Huf kommen mit Teresa in die Kirche. Ihre Rucksäcke sehen irgendwie verändert aus, und Teresa trägt plötzlich zwei Stoffbeutel, die sie stöhnend an der letzten Bankreihe fallen läßt. Ein paar Äpfel kullern heraus.

Fixi: Draußen ist es zu heiß! (Sie setzt ihren Rucksack ab.)

Huf (schaut nach oben): Das sind aber schöne Kirchenfenster – fast wie bei uns zuhause.

Hanna: Tja – das könnte man öfter haben, aber bei der Kirche haben sie wohl meist einen etwas anderen Geschmack.

Richard: Siehe neues Gotteslob

Karl: Hör mir damit auf! (Er lacht.)

Fixi: Könnte man die Entscheider nicht einer homöopathischen Konstitutionstherapie unterziehen?

Hanna (lacht): Wie stellst du dir das denn vor?

Huf (improvisiert): Na – mit hochpotenziertem … Imago officinale – dem Bildstöckelkraut.

Alle lachen.

Richard: Paß aber auf – der Arzt sagt immer, die Krankheit geht so lange, wie sie gekommen ist … Das kann also 50 Jahre dauern.

Edith: Umso eher sollte man mit der Therapie beginnen.

Hanna: Aber sagt mal, was schleppt ihr denn da in Rucksäcken und Beuteln herum?

Teresa (harmlos): Das? Das sind Äpfel aus dem Pfarrgarten. Wir haben den Pfarrer getroffen, und nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, meinte er, wir würden ihm einen großen Gefallen tun, wenn wir den Baum ein bißchen abernten könnten.

Richard: Na, dann krieg dir zuhause mal deine Schwester ran, um die Gläser für das ganze Apfelmus zu spülen …

Teresa (empört): Gläser spülen? Das muß Mama machen. Wir haben Schule!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

PS Anm. der Red. Das mit den Äpfeln (und dem Pfarrer) ist auch uns im Jahr 2015 in Köthen passiert…

Köthen, Äpfel Herbst 2015 (eigenes Bild)

PPS: Was Blütenweiß da von Eichendorff zitiert lautet vollständig so:
„Der Inhalt der Romantik war wesentlich katholisch, das denkwürdige Zeichen eines fast bewußtlos hervorgetretenen Heimwehs des Protestantismus nach der Kirche.“ Joseph von Eichendorff, Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands, Paderborn 1857, S. 208, zitiert nach Barbara Mikuda-Hüttel, „Und nur wo Gräber sind, gibt es Auferstehungen.“ Die katholische Marienkirche in Köthen zwischen Gottfried Bandhauer und Michael Triegel, in: Die Fenster von Michael Triegel in der Köthener Schloßkirche, hg. von der ostdeutschen Sparkassenstiftung, Dresden: Sandstein Verlag 2015, S. 12-17, S. 17.

Der römische Brunnen

Ein Sonntagmorgen voller guter Laune

Sie kennen das Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, Der römische Brunnen. Ja … ja klar, im Prinzip ja … Moment … Wie ging das nochmal? Lieber doch nochmal hinschreiben? Bitteschön! Das Gedicht geht so:

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Fontana dei Cavalli Marini in der Villa Borghese (Bild: Wikimedia Commons, User ‘Denisbelli’)

Ok – das Gedicht hat jetzt nicht direkt was mit der 10.00 Uhr-Messe am vorvorletzten Sonntag (Himmel – so lange ist das schon wieder her – damals habe ich diesen Text hier konzipiert) zu tun. Aber indirekt gleich in mehrerlei Hinsicht: Erstens waren die Weimarer Ministrantinnen und Ministranten – naja, also ein paar jedenfalls, darunter eins unserer Kinder – mitsamt Pfarrer am Vorabend zur Romwallfahrt

Rom 2018

aufgebrochen und wir wußten sie im gut gekühlten Reisebus mit zwei (wie unsere Tochter inzwischen berichtete) total netten Busfahrern noch immer auf dem Weg. Zweitens drängte sich im Verlauf der Homilie die Assoziation zu diesem Gedicht unweigerlich auf.

Aber der Reihe nach.

Es geht um das Hochamt am 29. Juli 2018. Pfarrvikar Riethmüller war der Zelebrant und durfte den Chor der Schloßkirche Blieskastel (sprich: Blieskáschdl 😉 ) unter der Leitung von Sebastian Brand und den zugehörigen Organisten im Einsatz für unsere Gemeinde begrüßen.

Die Leseordnung springt an jenem Sonntag aus dem Lesejahr B (Markusevangelium) für ein knappes Halbdutzend Sonntage ins Johannesevangelium und wir hörten die Geschichte von der Speisung der 5000. Ein kleiner Junge hat fünf Brote und zwei Fische, bringt sie Jesus und der spricht ein Dankgebet und gibt die Körbe in die Runde. Als alle satt sind, sendet Jesus die Jünger aus, die Reste einzusammeln und es bleiben zwölf Körbe voll Brot übrig. „Und von dem Brot essen wir heute noch“, sagte Pfarrer Riethmüller. Das fand ich unglaublich schön. So einen Bogen zu schlagen. Dann kam die Predigt auf den kleinen Jungen, der die Ausgangsbrote gespendet hatte – und damit auf das Geben. Gemeinde würde vom Geben leben und davon, daß jeder gibt, was er hat. Gut – das hatten wir ja gerade auf PuLa in etwas anderem Zusammenhang. Aber diesmal fiel mir eben der „Römische Brunnen“ ein. Denn genauso wichtig wie das Geben ist – das sehen wir in unserer Gemeinde – das Annehmen dessen, was angeboten wird. „Geben ist seliger denn nehmen“ ist ja ein schöner Spruch, der es da mal wieder aus der Bibel (Apg 20,35) in den Fundus der allgemeinen Redensarten geschafft hat. Stimmt natürlich auch. Man kann aber halt nur geben, wenn auch genommen wird. Man kann nur dann jemandem etwas anreichen, wenn der andere auch irgendwann zugreift. Sonst fällt die Gabe irgendwann an die Erde. Für einen Brunnen hieße das, das Wasser versickert unmittelbar.

Das Annehmen-Können ganz unterschiedlicher Angebote betrifft dabei zum einen die Verantwortlichen. Unsere Gemeinde trägt noch schwer an der Hypothek, die höchstoffiziell niedergeschriebene Sätze wie „nicht immer ist das Angebotene auch das Erwünschte“ ihr aufgebürdet haben und mit denen die Ausgrenzung so vieler tüchtiger Gemeindemitglieder gerechtfertigt werden sollte. (Zuletzt, im Sommer 2015, waren für meine Begriffe mehr Leute ausgegrenzt als noch ehrenamtlich tätig … es sei denn im ‚Untergrund‘ wie die Cäcilini oder PuLa. Und nur wenige davon sind schon wieder zurück.) Die Mahnung aus dem Römerbrief 12,4ff, daß jedes Glied am Leib Christi andere Gaben und damit auch andere Aufgaben hat, die aber alle gleich wichtig sind, ist nach wie vor noch nicht wieder ganz durchgesickert und kann in Herz Jesu Weimar bis heute nicht oft genug betont werden. Ja – 1 Korinther 12 sollte im Grunde zu Beginn jeder Messe vorgelesen werden, bis sich die Menschen wieder an den Gedanken gewöhnt haben, daß „das Auge nicht zu Hand sagen kann: Ich brauche dich nicht! Ebensowenig der Kopf zu den Füßen: Ich brauche euch nicht“. Zurück zur gegenseitigen Abhängigkeit von Geben und Nehmen: Eine Hand kann sich so lange und so weit ausstrecken, wie sie will – wenn der Fuß sich querstellt, geht es trotzdem keinen Schritt weiter.

Und da fiel mir eben der „Römische Brunnen“ ein. Denn zum andern betrifft das Annehmen auch alle Gemeindemitglieder. Wenn niemand mitmacht, nützt das schönste Angebot nichts. Und indem man annimmt – also zum Beispiel zum Chor hinzukommt, alle unsere Chöre brauchen weitere Mitglieder! –, gibt man natürlich zugleich. (Schließlich ist Singen, wie unser Chorleiter immer sagt, Hochleistungssport 🙂 ). Und man gibt eben genau wie in einem Römischen Brunnen: Indem man nimmt und in dem Maße, in dem man nimmt.

Es wäre eigentlich wirklich gar keine so schlechte Idee, die ich da vor ziemlich genau zwei Jahren hatte, als der August-Frölich-Platz vor unserer Kirche für Autos gesperrt wurde: daß da jetzt eigentlich ein Römischer Brunnen hin müßte. Ja. Das würde gut zu Weimar passen und man hätte das Bild allezeit vor Augen.
[Anmerkung der Redaktion: Guter Plan! Aber natürlich mit einer Marienstatue obendrauf! #Frauendreißiger 🙂 ]

Einen für mich wichtigen Hinweis gab es in der Predigt am 29. Juli weiterhin: Daß das Selber-Einlegen der Hostien vor Beginn der Messe genau dieses Geben jedes Einzelnen symbolisiert und daß man also nicht „zwei oder drei Hostien – für die Kinder mit“ einlegen soll. Das war mir so nicht bewußt. Ich fand das Einlegen immer merkwürdig – jetzt nicht mehr.

Nun kommen wir aber noch einmal auf den Chor der Schloßkirche Blieskastel zurück, dessen Organist uns sehr sachkundig begleitet hat und der – regelmäßig mit Orgelbegleitung – bereits das Kyrie und einen afrikanischen Gesang (so klang es jedenfalls) zum Antwortpsalm vorgetragen hatte. Zum Dank sang die Gruppe dann das „Anima Christi sanctifica me“ in der Vertonung von Marco Frisina (nie gehört? Aber „Jesus Christ, you are my life“ kennen Sie – das ist von ihm).

[Anmerkung der Redaktion: So klingt’s auch, meiner bescheidenen Meinung nach; aber was weiß ich denn schon… 😉 ]

Den Orchesterpart übernahm wiederum der Organist und ich erfreute mich an dem Text (auf deutsch in GL 6,4), den die Cäcilini in eigener Vertonung auch schon gesungen haben. Hier kommt jetzt aber eine Version des Liedes von Marco Frisina.

Enjoy! 🙂

Nachtrag:

Übrigens kam in den Erzählungen der Kinder wie auch im öffentlichen Bericht des Pfarrers über die Ministrantenwallfahrt zum Ausdruck, daß der Höhepunkt der Reise ein Abendgebet in kleiner Runde in einem Park, die Füße im kühlenden Wasser eines Brunnens in Rom – gewissermaßen eines römischen Brunnens – gewesen sein muß. (Wie gut, daß sein Wasser aufgefangen worden und nicht versickert war). Womit wir bei der dritten Assoziation zu diesem Gedicht wären. Aller guten Dinge sind eben drei. 🙂 Und „Die Füße im Wasser“ führt auch gleich wieder zur nächsten sehr weisen Ballade von Conrad Ferdinand Meyer. Aber das ist eine andere Geschichte.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Übrigens habe ich mir klarzumachen versucht, was diese 200 Denare bedeuten, von denen Philippus vor der Speisung der 5000 in Vers 7 spricht. Ich bin aber nicht weit gekommen. Vielleicht habe ich es falsch angepackt? Wenn man jedenfalls die Angaben aus dem Anhang meiner Bibelausgabe zu Rate zieht, ergeben sich folgende Werte: Ein Denar ist ein Viertelsilberschekel, wobei ein Schekel 11,5 gr wiegt. Ein Gramm Silber kostet derzeit 43 Cent (Der Preis aktualisiert sich ständig. Aber so etwa.)

200 Denare wären dann also 11,5 dividiert durch 4 mal 0,43 mal 200 bzw. „#rechnegeschickt“ 😉 11,5 mal 0,43 mal 50, macht 247,50 Euro. Das wäre jetzt aber der Silberpreis, der mit dem Münzwert ja nicht notwendigerweise übereinstimmt. Außerdem eben der heutige Silberpreis. Wenn man aber dem Gedankengang folgt, den Joachim Jeremias in seinem Buch „Jerusalem zur Zeit Jesu“ (1923/ 1958) in seiner Münzwerttabelle zugrunde legt, so ergibt sich ein völlig anderes Bild. Ein Denar ist dann, abgeleitet aus der Geschichte der Arbeiter im Weinberg (Mt 20,1-16), der Lohn eines Tagelöhners und die Summe, von der eine Familie einen Tag lang leben kann (weshalb auch jene einen Denar erhalten, die nicht früh um sechs, sondern erst in der elften Stunde – um 17 Uhr – begonnen haben zu arbeiten). Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro und nicht zwölf, sondern nur acht Stunden Arbeit kommt man pro Tag auf eine Summe von rund 70 Euro, die einem Denar entsprächen.

200 Denare wären dann 14.000 Euro.

Hm.

Also ich denke mal, wenn Philippus wirklich so viel Bargeld bei sich hatte, hätte man von Brot für 14.000 Euro schon einige Stullen geschmiert bekommen. Das Problem wäre dann wohl eher gewesen, am See Genezareth eine Bäckerei zu finden, die abends noch für eine solche Summe Brot liefern kann.

Deshalb habe ich das Thema in meinem Beitrag nicht weiterverfolgt.

[Anmerkung der Redaktion: Kaufkraftvergleiche fallen in den Bereich der Historischen Hilfswissenschaften; davon verstehe ich, anders als von Musik, vgl. oben 😉 immerhin soviel, um sagen zu können: Das sind alles andere als banale Fragestellungen, zumal, wenn es sich um die Antike handelt. Die Idee, anhand des Lohnniveaus vorzugehen, stellt einen “klassischen” Zugang dar und könnte der Sache nahekommen. Und: Auf J. Jeremias kommen wir vielleicht nochmal zurück!]

Mariä Himmelfahrt – Das Lied zum Tage

Wie vor kurzem (hier) angekündigt, gibt es („natürlich“ 😉 ) zum heutigen Hochfest (und seinem Oktavfest) ein Lied der Cäcilini.

Enjoy! 🙂

 

„ … da war die Kirche noch nicht gespalten“

Wie die Heiligen den Christen in Thüringen inhaltliche
Wege der Ökumene bereiten

Zum ersten Mal fiel es mir 2007 auf. Ganz Thüringen befand sich im Elisabeth-Fieber wegen deren 800. Geburtstages, die Wartburg war in aller Munde, Thüringer Musikfestivals wie der „Güldene Herbst“ der Academia Musicalis Thuringiae knüpften mit einem Fokus auf der Musik der venezianischen Ospedali und ihrer Verbindungen nach Deutschland (Stichwort u.a. Hasse) in ihrem Programm thematisch bewußt an das in der Armenfürsorge aufgehende Leben der Thüringer Landgräfin an – und natürlich publizierten einschlägige Experten einschlägige Bücher. So beispielsweise die katholischen im Verein mit den evangelischen (Landes)Bischöfen aus Hessen und Thüringen.

„Mehr als Brot und Rosen“, eine ökumenische Publikation zum Elisabethjahr 2007 (Bild: Herder Verlag)

„Komisch“, sagte ich zum damaligen Pfarrer der Herderkirche – pardon: der Weimarer Stadtkirche St. Peter und Paul, mit dem wir befreundet sind. „Ich dachte, die Protestanten verehren keine Heiligen.“ – „Na, doch!“ antwortete der damals frisch promovierte Theologe. „Als Vorbilder mit einem vorbildlichen christlichen Leben schon.“

Frohgemut führten denn auch die Cäcilini ein Programm aus der „Weltreise durchs Kirchenjahr“, die Heiligenviten und -legenden in Musik nacherzählt, 2014 mit großem Erfolg und viel Zuspruch in verschiedenen evangelischen Gemeinden Thüringens auf. Wir erfuhren in diesem Zusammenhang, daß Menschen wie Nikolaus, Franz von Assisi, Martin von Tours, Silvester und die drei Magier aus Ekbatana immer gehen und daß man natürlich auch die Marienfeste wie Lichtmeß, Verkündigung und Heimsuchung in evangelischen Kirchen besingen kann – stehen schließlich in der Bibel. Wenn‘s nur nicht Fronleichnam ist, oder Mariä Himmelfahrt. Aber darauf kommen wir gleich nochmal zurück.

Cäcilini Weimar: Das Lied zum Leben des Heiligen Franz von Assisi, Livemitschnitt aus dem Gottesdienst in St. Christophorus Weimar-Tiefurt am 2. November 2014

So erstaunte es mich kein bißchen, daß am vergangenen Freitag die evangelische Kirche Nermsdorf, die bislang nur Dorfkirche geheißen hatte, einen Namenspatron erhielt. Und zwar den Tagesheiligen Laurentius von Rom. Unter großer Beteiligung aus unserer Pfarrei – denn Nermsdorf liegt auf dem Gebiet von Herz-Jesu Weimar – wurde die Widmung der Kirche in einem ökumenischen Gottesdienst begangen. Ich freute mich, waren mir doch im Verlauf des vergangenen Jahres immer wieder Zeitungstexte aufgefallen, in denen die Hinwendung der Weimarer Pastoren zu den Vorbildfiguren, die wir Katholiken als Heilige verehren und um das stellvertretende Gebet bitten, sinnfällig wurde. So stand, nach etlichen Jahren Luther-und Katharina-Feier auf dem Herderplatz, ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2017 der Pfarrer der Stadtkirche zum Martinsumzug am 10. November in einem halben Mantel auf der Bühne und erinnerte an Martin von Tours. Man hatte den Kiefer gerade wieder zugeklappt, da legte unser Superintendent nach und verfaßte am Vorabend des Ersten Advent in der Lokalzeitung sein Wort zum Sonntag im Gedenken an die Heilige Barbara: „Ich gehe am Montag in unseren Garten und schneide einen Zweig vom Kirschbaum. Dann stelle ich den Zweig in die Vase. Am Heiligen Abend soll er blühen.“ Am 6. Januar schrieb derselbe Superintendent an gleicher Stelle nicht etwa von den Weisen aus dem Morgenlande, sondern explizit von den „Heiligen Drei Königen“.
Ich las das als ermunternde Zeichen einer wirklich inhaltlich ausgerichteten Ökumene, eines sich aufeinander zu Bewegens in Glaubensdingen.

Den Vogel schoß jetzt allerdings die evangelische Wochenzeitung „Glaube und Heimat“ ab (die warum auch immer ab und zu in unserem Briefkasten landet – vergelt’s Gott dem netten Spender). Eine Redakteurin macht darin (Nr. 32 vom 12. August 2018, S. 6) auf Wallfahrt, ökumenischen Gottesdienst und Andacht zum Gedenken an den dieses Jahr ungefähr 1500. Geburtstag der letzten Thüringer Prinzessin und Heiligen Radegunde aufmerksam. Aber zwei Seiten vorher lesen wir bereits unter der Überschrift „Das Leben feiern: Mariä Himmelfahrt“ eine Würdigung dieses „durch und durch katholischen Feiertags“ (ebd). Neben dem passenden Gemälde Simon Vouets erläutert Fabian Vogt in seiner Kolumne „Credo. Woran ich glaube“ die Wertschätzung der Frauen durch Christus im allgemeinen, die Wertschätzung Mariens in den frühchristlichen Gemeinden im besonderen sowie die Entstehung dieses alten Kirchenfestes. Speziell dieser Feiertag könne, so Vogt abschließend, „auch den evangelischen Glaubenden Mut machen, die göttliche Idee von der Gleichheit aller Menschen immer neu zu realisieren.“

Wie wunderbar, vielen Dank!

Während wir auf das Fest Mariä Himmelfahrt noch bis Mittwoch warten müssen, war schon heute der Einladung zum Gottesdienst zu Ehren der Heiligen Radegunde in die kleine Kirche Sankt Lukas in Mühlberg bei Arnstadt Folge zu leisten.

Pilger der Fahrradwallfahrt nach Mühlberg beim Aufbruch Richtung Mühlburg zur abschließenden Andacht (eigenes Bild)

Der ausgesprochen gut besuchte Gottesdienst (man könnte auch sagen: Es war proppevoll bis in die zweite Empore hinauf – auch etliche Kinder dabei) wurde von Probst Stawanow (Sprengel Eisenach-Erfurt der EKM) geleitet, aber auch durch Pfarrer Scholle von katholischer Seite her eröffnet.

St. Lukas Mühlberg, Auszug der Zelebranten (eigenes Bild)

Die Predigt hielt das Geburtstagskind (das wurde alles andere als geheimgehalten und zuletzt auch dreistimmig besungen) Bischof Ulrich. Er stellte die hierzulande wohl weitgehend unbekannte Heilige vor, die ja eigentlich nicht nur in Mühlberg mit seiner Radegundiskapelle gefeiert werden sollte. Sie war die letzte Prinzessin des 531 untergegangenen Thüringerreiches. Eigentlich müßte das gesamte christliche Thüringen Kopf stehen. Aber wie gesagt: Sie ist hierzulande wesentlich weniger populär (was man auch der Seltenheit ihres Namens unter der heutigen Bevölkerung ablesen kann) als in Frankreich, wo sie das erste Frauenkloster Europas gründete – und unglaublichen Zulauf unter den jungen Frauen hatte. An ihrer weitgehenden Unbekanntheit konnte auch die Aufführung des Thürigen-Oratoriums „Radegunde“ zum Auftakt des Thüringentages in Pößneck am 26. Juni 2015 offenbar nicht wirklich viel ändern.

Das Kirchenkreisorchester sowie Mitglieder dreier Chöre (erkennbar an der wohldefinierten, aber eben unterschiedlichen Chorkleidung) unter der Gesamtleitung von Johannes Götze bei der festlichen Ausgestaltung des Gedenkgottesdienstes (eigenes Bild)

In Mühlberg, das sich mit seiner urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 704 übrigens als ältestes Dorf Thüringens bezeichnet, und auf der nahen Mühlburg

Die Mühlburg, eine der „Drei Gleichen“ südwestlich von Erfurt (eigenes Bild)

wird Radegunde jedenfalls regelmäßig in einer eigenen Kapelle verehrt. (Eigentlich, wie vor der Tür zu lesen ist, am Sonntag nach dem 13. August, ihrem eigentlichen Todestag. Aber wenn der Bischof Geburtstag hat und das gerade mit dem Sonntag so schön paßt, muß man die Feste natürlich feiern, wie sie fallen 😉 ).

Die zum 1400. Todestag der Heiligen Radegunde 1987 errichtete Gedächtniskapelle mit einer Statue von Heino Gloystein Wiefelstede aus dem Jahr 2009 (eigenes Bild)

Die Kirche in Mühlberg ist täglich von 8-18 Uhr geöffnet, und man wird am Eingang zur Radegundiskapelle auch noch an den Ursprung einer der bekanntesten Hymnen der Kirche erinnert: Vexilla Regis des Venantius Fortunatus.

Im Vorraum von St. Lukas Mühlberg (eigenes Bild)

Mit diesem Gesang wollen wir für heute schließen. Enjoy! 🙂

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Die Überschrift ist ein Zitat aus der Predigt von Bischof Ulrich zur Radegundenwallfahrt in St. Lukas Mühlberg am 12. August 2018. Er charakterisierte mit diesen Worten die Zeit, aus der die Heilige stammte. Zwar sollte man in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen, daß das Thüringer Königsgeschlecht dem Arianismus anhing, was damals eine dramatische Spaltung darstellte. Bischof Ulrich wollte aber offenbar mit dieser Formulierung das ökumenisch-einigende Potential betonen, das die Heiligengestalten bergen.

Eine doppelte Übersetzung

Es ist ja alles gar nicht so einfach‭! ‬Vor allem mit Veränderungen.‭ ‬Nehmen wir als Beispiel nur unseren Pfarrbrief‭ (‬hier können Sie ihn herunterladen‭)‬.‭ ‬Da haben wir uns nun also daran gewöhnen müssen,‭ ‬daß er auf einmal zu einem völlig ungewohnten Zeitpunkt eintraf‭ (‬PuLa berichtete‭)‬.‭ ‬Schön ist er geworden,‭ ‬viele gute und informative Bilder,‭ ‬am schönsten und wichtigsten natürlich das Titelbild:‭ ‬Unsere zurückgekehrte Madonna‭! (‬PuLa berichtete über ihren Auszug‭) ‬

Pfarrbrieflektüre mit „Sicherungen“ (eigenes Bild)

Diesen ersten Schritt im mutigen und notwendigen Projekt der Restituierung unserer Seitenaltäre müssen wir bei Gelegenheit auch noch einmal richtig würdigen‭!
Viel gravierender als den veränderten Zeitpunkt aber,‭ ‬und überaus erfreulich‭!‬,‭ ‬fanden wir die Tatsache,‭ ‬daß es in diesem Pfarrbrief keine anonymen Beiträge mehr gibt‭! ‬Wenn man das mit der ja nicht gar so fernen Vergangenheit vergleicht,‭ ‬wo in dieser Veröffentlichung,‭ ‬die ja uns allen gehört,‭ ‬wahre Ungeheuerlichkeiten de facto unzurechenbar verbreitet wurden‬,‭ ‬erkennt man,‭ ‬was‭ ‬alles geschehen ist,‭ ‬seitdem‭!

Aber es hat sich ja noch viel mehr getan,‭ ‬in diesen Seiten‭! ‬Ja,‭ ‬es ist nicht übertrieben festzustellen,‭ ‬daß eine völlig neue Qualität von Texten Einzug gehalten hat:‭ ‬Die Satire‭! ‬
Doch,‭ ‬wirklich,‭ ‬und das auch noch sozusagen ohne Ansage,‭ ‬quasi getarnt.‭ ‬Und da dachten wir bisher immer,‭ ‬wir seien die einzigen,‭ ‬die auf diese Weise über pfarrliche Themen in Weimar schrieben.‭ ‬Tja,‭ „‬Donnerwetter‭“‬,‭ ‬würde meine liebe Frau bestimmt an dieser Stelle sagen.‭ 😉

Der Text,‭ ‬um den es geht,‭ ‬findet sich auf der Seite‭ ‬5‭ ‬des Pfarrbriefs und beschäftigt sich mit dem sog.‭ „‬Kirchortrat‭“‬.

Pfarrbrieflektüre mit verstärkten „Sicherungen“ Zum Wein vgl. hier! 🙂 (eigenes Bild)

Nun muß ich ganz flink der allerdings naheliegenden Annahme entgegentreten,‭ ‬jeder Text,‭ ‬der sich mit dem sog.‭ „‬Kirchortrat‭“ ‬befasse,‭ ‬könne ja nur Satire sein,‭ ‬denn das ganze Gremium sei doch,‭ ‬wie man umgangssprachlich so schön sagt,‭ ‬ohnehin‭ „‬ein Witz‭“‬.‭ ‬
Freilich,‭ ‬die letztlich nichts weniger als demokratietheoretischen Bedenken gegen die abenteuerliche weil schlicht nicht vorhandene Bestimmung,‭ ‬d.h.‭ ‬Abgrenzung,‭ ‬der Wählerschaft dieser jeweiligen Gremien,‭ ‬bestehen fort und als diesbezügliche Fragen auch von Weimarer Pfarrkindern eindringlich gestellt wurden,‭ ‬da half an jenem unvergeßlichen Abend weder der Versuch von Pfr.‭ ‬Gothe,‭ ‬sie wegzu-lachen,‭ ‬noch derjenige von Frau Dr.‭ ‬Rademacher,‭ ‬sie wegzu-kichern in der Sache irgendwie weiter.‭ ‬Es ist und bleibt in diesem Zusammenhang ja überaus bezeichnend,‭ ‬daß dort,‭ ‬wo es‭ „‬wirklich um etwas geht‭“‬,‭ ‬um Geld nämlich,‭ ‬also beim Kirchenvorstand und dessen Wahl,‭ ‬niemals jemand auf so eine verrückte Idee gekommen ist‭; ‬glücklicherweise,‭ ‬denn dort haben wir ja auch die Schnittstelle zum weltlichen,‭ ‬zum Staatskirchenrecht,‭ ‬und jeder weltliche Jurist und demokratisch geprägte Verwaltungsangehörige könnte eine Situation,‭ ‬wie sie die Wahl zu den Kirchorträten hinterlassen hat,‭ ‬beim Gegenüber auf der kirchlichen Seite auf keinen Fall akzeptieren‭!

Aber das können und wollen wir den Menschen,‭ ‬die sich je und je vor Ort für pfarrliche Belange einsetzen möchten,‭ ‬und also haben wählen lassen,‭ ‬natürlich nicht vorwerfen,‭ ‬es gab und gibt ja keine Alternative,‭ ‬jedenfalls keine offizielle.

Schauen wir also lieber auf den Beitrag:‭ ‬„Aus dem Kirchortrat Herz Jesu‭“‬,‭ ‬der,‭ ‬wie es in der ersten Zeile heißt,‭ „ ‬über die Arbeit des Kirchortrates Herz-Jesu berichten‭“ ‬möchte.‭
‬Ein sehr naheliegender Beginn und nun erwartet man doch‭ (‬wie es nebenan,‭ ‬auf der Seite‭ ‬4,‭ ‬im Bericht aus der Arbeit des Kirchenvorstands auch der Fall ist‭) ‬eine Auflistung dessen,‭ ‬was in den‭ ‬18‭ ‬Monaten seit der Wahl erfolgreich abgeschlossen werden konnte,‭ ‬was vielleicht auch nicht gelungen ist,‭ ‬und was es denn so an Projekten für die Zukunft gibt,‭ ‬nicht wahr‭? ‬Aber weit gefehlt‭! ‬
Der Text setzt stattdessen ein mit der Beobachtung:‭ „‬Manche vermissen vielleicht ausgehängte Protokolle oder Veröffentlichungen anderer Art über unser Treiben.‭“! (‬sic‭)

An dieser Stelle müssen wir‭ (‬bevor wir selbstverständlich auf die‭ „‬Protokolle‭“ ‬etc.‭ ‬zurückkommen‭) ‬einhalten,‭ ‬liebe Leser,‭ ‬denn was nun folgt,‭ ‬ist ein Gebilde von beinahe aufreizender Komplexität,‭ ‬ein Text,‭ ‬der ohne das richtige Vorverständnis fast herme(s)tisch‭ 🙂 ist.‭ ‬Eben weil es sich ganz offenbar um den Versuch handelt,‭ ‬Satire zu schreiben.‭ ‬Satire,‭ ‬das ist ja uneigentliches Formulieren,‭ ‬d.h.,‭ ‬um die jeweilige Aussageabsicht zu erreichen,‭ ‬sagt oder schreibt man eben nicht,‭ ‬was man eigentlich meint,‭ ‬sondern etwas anderes,‭ ‬häufig sogar das Gegenteil.‭
‬Und nun muß ich leider sagen,‭ ‬man merkt unserem Text an,‭ ‬daß die Autorin darin noch nicht soo geübt ist.‭ ‬Der Text geht nämlich,‭ ‬trotz wirklich guter Ansätze,‭ ‬in seinem uneigentlichen Charakter nicht weit genug.‭ ‬Oder,‭ ‬um es anders zu formulieren:‭ ‬Da steht nicht deutlich genug,‭ ‬was nicht gemeint ist,‭ ‬um klar zu machen,‭ ‬was wirklich gemeint ist.

Klingt kompliziert‭? ‬Ist es auch,‭ ‬aber Sie haben ja uns an ihrer Seite,‭ ‬PuLa,‭ ‬das mit jeder Form von Kirchensprech,‭ ‬in aller Bescheidenheit,‭ ‬doch einige Erfahrung hat.‭ ‬Wir kriegen das schon hin‭! ‬Und zwar in Form einer‭ ‚‬doppelten Übersetzung‭‘‬.‭ ‬Das heißt:‭ ‬Wir werden die vier‭ (‬-einhalb‭) ‬inhaltlichen Elemente unseres kleinen Textes in einem ersten Schritt von ihrer Zögerlichkeit befreien,‭ ‬also in der ersten‭ ‚‬Übersetzung‭‘ ‬deutlich machen,‭ ‬was da eigentlich stehen müßte,‭ ‬um den satirischen,‭ ‬den uneigentlichen Charakter wirklich herzustellen.‭ ‬Und dann im zweiten Schritt,‭ ‬der zweiten‭ ‚‬Übersetzung‭‘‬,‭ ‬klarmachen,‭ ‬was natürlich eigentlich gemeint sein muß.‭ ‬
Los geht‘s‭!

Element‭ ‬1,‭ ‬Protokolle und Arbeitsweise

Original:
Manche vermissen vielleicht ausgehängte Protokolle oder Veröffentlichungen anderer‭
‬Art über unser Treiben.‭ ‬Das Dekret über die Filialgemeinden im Bistum Erfurt geht nicht‭
‬weiter ins Detail,‭ ‬was die Arbeitsweise der Gremien angeht.‭ ‬Nach eingehenden‭
‬Beratungen und einem Hinweis aus dem Ordinariat in Erfurt,‭ ‬hat sich der KOR Herz-‭
‬Jesu dazu entschlossen,‭ ‬an dieser Situation nichts zu ändern und verzichtet bis auf‭
‬weiteres auf eine Geschäftsordnung.

Was da als Satire stehen müßte:
‭„‬Das fehlte gerade noch,‭ ‬daß wir uns von irgend jemandem kontrollieren lassen sollten‭! ‬Wo wir schon nicht so genau wissen,‭ ‬wer uns eigentlich wählen durfte,‭ ‬wem gegenüber sollte man denn da Rechenschaft ablegen,‭ ‬hm‭? ‬Nein,‭ ‬nein,‭ ‬das haben die in Erfurt schon gut hingekriegt,‭ ‬daß sie uns diese dämliche Vorschrift erspart haben,‭ ‬die es für den ollen Pfarrgemeinderat noch gab,‭ ‬die Armen.‭ ‬Jetzt,‭ ‬wo endlich‭ ‬wir dran sind,‭ ‬werden wir uns bestimmt nicht dabei überprüfen lassen,‭ ‬von uns aus bleibt das bitteschön auch in Zukunft genau‭ ‬so‭!

Was eigentlich gemeint sein muß:‭
‬„Es ist uns unendlich peinlich,‭ ‬daß wir in der Wahrnehmung eines öffentlichen‭ (‬Ehren-‭) ‬Amts niemanden wissen lassen,‭ ‬was wir tun‭! ‬Wir haben lange drüber geredet,‭ ‬aber dann haben sie es uns aus Erfurt derart deutlich‭ „‬nahegelegt‭“‬,‭ ‬es bloß zu lassen‭ („‬Sie würden nur für alle andere Kirchorträte im Bistum‭ ‚‬die Preise verderben‭‘ ‬und außerdem:‭ ‬Sie sind‭ ‬Weimar‭! ‬Haben Sie mal überlegt,‭ ‬wer da als nächstes was drüber schreibt‭? ‬Na also,‭ ‬das wollen wir ja mal gar nicht,‭ ‬oder‭? ‬Halten Sie also bloß die Füße still,‭ ‬klar‭?!“) ‬Wir arbeiten aber dennoch weiter dran,‭ ‬nach einem Weg der Information zu suchen,‭ ‬versprochen‭!“

Element‭ ‬2,‭ (‬Keine‭) ‬Arbeit im Verborgenen‭

‬Original:
Im Verborgenen wollen wir aber nicht arbeiten,‭ ‬deshalb bieten wir in unregelmäßigen‭
‬Abständen‭ ‬-‭ ‬an großen Festtagen‭ ‬-‭ ‬einen Infotisch an.‭ ‬Dort stehen immer zwei Vertreter‭ ‬des Kirchortrates bereit,‭ ‬um auf Fragen zu antworten,‭ ‬Anregungen entgegenzunehmen‭ ‬und Informationsmaterial über die Gemeinde zu verteilen.‭ ‬Bitte nutzen Sie diese‭ ‬Möglichkeit mit den Vertretern Ihrer Gemeinde in Kontakt zu treten.‭
‬Immer wenn Sie diese Ankündigung sehen,‭ ‬möchten wir gerne angesprochen werden.

Was da als Satire stehen müßte:‭
‬„Naja,‭ ‬irgendwie müssen wir ja aber immerhin gelegentlich so tun,‭ ‬als würde uns interessieren,‭ ‬was der Rest der‭ ‚‬Gemeinde‭‘ ‬so denkt,‭ ‬seufz‭! ‬Schlimmstenfalls kommen auch noch neu Hinzugezogene an,‭ ‬die am Ende auch noch neue Ideen haben,‭ ‬oje,‭ ‬oje‭! ‬Aber so ein Infotisch ist gut,‭ ‬da müssen immerhin erstmal die auf uns zukommen‭ ‬-‭ ‬und nicht etwa umgekehrt.‭ ‬Und an großen Festtagen ist überhaupt der Trick,‭ ‬da haben die Leute ja bekanntlich am wenigsten Zeit überhaupt.‭ ‬Aber zur Sicherheit besser auch noch‭ ‚‬unregelmäßig‭‘‬,‭ ‬merkt eh keiner,‭ ‬daß zwar nicht alle Feste auf den gleichen Tag fallen,‭ ‬aber‭ ‬dennoch sehr wohl‭ ‚‬regelmäßig‭‘ ‬sind‭; ‬und an jedem‭ ‚‬großen Fest‭‘ ‬kann man das ja sowieso nicht machen,‭ ‬wissen Sie,‭ ‬wie viele Hochfeste es im Kirchenjahr gibt‭? ‬Das geht ja gar nicht‭!
Und,‭ ‬nur daß wir uns richtig verstehen,‭ ‬zu diesen Gelegenheiten‭ ‚‬möchten‭‘ ‬wir angesprochen werden‭ ‬-‭ ‬d.h.,‭ ‬zu anderen Zeiten lassen Sie‭ ‚‬die Vertreter Ihrer Gemeinde‭‘ ‬aber bitteschön auch in Ruhe,‭ ‬ja‭?!“

Was eigentlich gemeint sein muß:
‭„‬Wir wissen schon,‭ ‬der Infotisch kann nur eine Krücke sein und wir arbeiten konkret dran,‭ ‬auch andere Formen zu entwickeln,‭ ‬von uns aus auf Menschen zuzugehen,‭ ‬gerade auf neue Gesichter und besonders solche,‭ ‬die an‭ ‚‬ganz normalen Sonntagen‭‘ ‬immer wieder treu erscheinen.‭ ‬Was sich hier entwickeln muß,‭ ‬ist aber eine ganze Kultur,‭ ‬denn allein wir Mandatsträger können es auch nicht schaffen,‭ ‬aber wir sehen unsere Vorbildwirkung und wir wollen versuchen,‭ ‬für diese Aufgabe auch Jugendliche zu begeistern und mit allen zusammenzuarbeiten,‭ ‬die vielleicht ein anderes Kirchenbild haben als wir,‭ ‬aber unter Umständen gerade deshalb Menschen ansprechen können,‭ ‬die wir nicht erreichen‭ ‬-‭ ‬viele Charismen,‭ ‬eine Kirche‭!“

Element‭ ‬3,‭ (‬Keine‭) ‬Bloße Selbstbeschäftigung‭

‬Original:‭ ‬Ganz einfach ist uns die Arbeit in diesem neuen Format des Kirchortrates nicht‭
‬geworden‭; ‬deshalb hatten wir im April einen Klausurnachmittag und haben mit Hilfe‭
‬eines Referenten unsere Arbeit in Anspruch und Wirklichkeit reflektiert.‭ ‬Außerdem
haben wir zur Unterstützung Katharina Hille in unser Gremium berufen und freuen uns‭
‬sehr,‭ ‬dass Sie‭ [‬sic‭] ‬bereit ist,‭ ‬mitzumachen.

Was da als Satire stehen müßte:‭
‬„Das ist geradezu befreiend,‭ ‬daß die Erwartungen an unser Wirken derart gering sind‭! ‬Gut,‭ ‬bei‭ ‬dem Vorgängergremium…‭ ‬Die Ärmsten,‭ ‬halb haben sie nicht gedurft und halb wollten sie sich von sich aus nicht trauen,‭ ‬das Richtige zu tun,‭ ‬naja.‭ ‬Aber so konnten wir uns immerhin schön in Ruhe mit uns selbst beschäftigen.‭ ‬Reflexion in Anspruch und Wirklichkeit,‭ ‬jaha‭! ‬Gut,‭ ‬mit der Wirklichkeit war’s schwierig,‭ ‬denn was sollte da reflektiert werden‭? ‬Nur gut,‭ ‬daß es in der deutschen Gremienkirche für wirklich‭ ‬alles Seminare und Referenten,‭ ‬Pardon‭!‬,‭ ‬Referentinnen und Referenten‭ (‬soviel Zeit muß sein‭!) ‬gibt.‭ ‬Irgendwo muß das Geld ja hin,‭ ‬solange es noch fließt,‭ ‬sonst kommt am Ende jemand auf die Idee,‭ ‬es für Katechese oder so‘n altmodischen Kram auszugeben.‭ ‬Dafür haben wir ja heutzutage schließlich‭ „‬Handreichungen‭“,‭ ‬da kann sich jeder selbst was denken,‭ ‬vorwiegend,‭ ‬das,‭ ‬was er will,‭ ‬aber das ist ein anderes Thema.‭
‬Jedenfalls hat uns diese Klausur in der Wahrnehmung unserer eigenen Machtvollkommenheit doch sehr gestärkt und so haben wir uns gleich mal ein bißchen vergrößert,‭ ‬uns,‭ ‬also die Personenanzahl,‭ ‬nicht die Projektanzahl,‭ ‬indem wir,‭ ‬jaja,‭ ‬wir‭!‬,‭ ‬Pfarrer brauchen wir da nicht dafür‭!‬,‭ ‬ein weiteres, neues Mitglied berufen haben‭; ‬also,‭ ‚‬neu‭‘ ‬ist es eigentlich eher nicht,‭ ‬aber Sie wissen schon,‭ ‬und so ein bißchen Kontinuität ist ja auch was schönes.

Was eigentlich gemeint sein muß:‭
‬Ehrlich,‭ ‬es war hart bisher:‭ ‬Als wir anfingen,‭ ‬haben wir gemerkt,‭ ‬nicht nur ist der Wahlmodus der Kirchorträte sehr problematisch,‭ ‬nein,‭ ‬ihre tatsächliche Rolle ist ja noch unbestimmter,‭ ‬als es die der Pfarrgemeinderäte war.‭ ‬Da haben wir schon mal auch nach innen schauen müssen.‭ ‬Natürlich haben die schönen Theorien irgendwelcher Externen uns nicht weitergeholfen,‭ ‬wie sollten sie auch,‭ ‬immerhin ist die Situation in Weimar aus bekannten Gründen ja wirklich eine besondere.‭ ‬Uns ist erneut bewußt geworden,‭ ‬ohne substantielle Aufarbeitung wird es nicht gehen,‭ ‬auch wenn wir das nicht alleine leisten können.‭ ‬Aber auch deshalb kann ein ehemaliges PGR-Mitglied vielleicht helfen.‭ ‬Wirklich helfen wird jedoch nur die Konzentration auf den Inhalt,‭ ‬auf das,‭ ‬was uns alle verbindet,‭ ‬und auf Formen der Betätigung,‭ ‬die das deutlich machen können.‭ ‬Mal schauen,‭ ‬am Ende haben sich ja doch noch nicht alle abschrecken lassen,‭ ‬sich z.B.‭ ‬ernsthaft und auf breiten Schultern mit dem Thema‭ ‚‬Musik‭‘ ‬zu beschäftigen,‭ ‬wir wollen es jedenfalls versuchen‭!

Element‭ ‬4,‭ (‬Praktische‭) ‬Unterstützung bei der RKW

‭„‬Schließen möchte ich mit der Bitte um Unterstützung bei der diesjährigen RKW.‭ ‬Helfer
für Vieles werden immer gebraucht‭; ‬Kuchen backen,‭ ‬basteln und andere kreative
Angebote machen,‭ ‬Betreuung z.B.‭ ‬bei der Wallfahrt nach Erfurt übernehmen,‭ ‬beim
Aufbau und Aufräumen zu helfen und manches andere.‭ ‬Nehmen Sie Kontakt mit uns
oder dem Pfarrbüro auf.
Erholsame Sommerferien und einen guten Start ins zweite Halbjahr wünscht Ihnen der
Kirchortrat Herz Jesu Weimar.‭“
[‬Unterschrift‭]

Was da als Satire stehen müßte:‭
„ ‬Ach,‭ ‬die RKW‭! ‬Ja,‭ ‬das ist unser Vorzeige-‭ ‬und unser Lieblingsprojekt‭! ‬Hat sich wirklich gelohnt,‭ ‬da unter dem alten Regime doch‭ ‬ein Mal Courage gezeigt zu haben‭! ‬Heute haben wir sie jedenfalls fest in der Hand und wer immer sich bisher erdreistet hat,‭ ‬etwa noch gestalterisch mitreden zu wollen,‭ ‬dem haben wir das ganz schnell ausgetrieben,‭ ‬aber ganz schnell‭! ‬Wo kämen wir denn dahin‭? ‬Wir haben die richtigen Vorstellungen darüber,‭ ‬wie mit Kindern umzugehen ist,‭ ‬wer sich zu deren Betreuung eignet und vor allem,‭ ‬was denen Spaß macht und wohin gefahren wird‭! ‬Und genau deswegen‭ (‬und damit es nicht so auffällt,‭ ‬Sie wissen schon‭…)‬,‭ ‬dürfen sich gerne alle anderen‭ „‬praktisch‭“ ‬und‭ „‬konkret‭“ ‬engagieren‭; ‬von‭ ‚‬Kuchen backen‭‘ ‬bis‭ ‚‬Aufräumen‭‘ (‬immer gern gesehen‭!)‬,‭ ‬das übliche Programm halt,‭ ‬wie beim Gemeindefest,‭ ‬nur eben für die Kids.‭ ‬Und besonders schön sind ja immer‭ „‬kreative Angebote‭“! ‬Das ist überhaupt ganz wunderbar:‭ ‬macht in der Vorbereitung eine Riesenmenge Arbeit,‭ ‬der Anbietende ist auch wenn‘s dran ist gut beschäftigt,‭ ‬mit dem Aufräumen noch einmal und so kommt er gar nicht auf die Idee,‭ ‬daß er aber auch gar nichts zu sagen hatte‭! ‬Wie gesagt,‭ ‬ganz wunderbar,‭ ‬ein Zauberwort,‭ ‬das Wörtchen‭ ‚‬kreativ‭‘‬,‭ ‬hihi‭!

Was eigentlich gemeint sein muß:‭
„‬Was die RKW angeht,‭ ‬so sind wir wirklich glücklich darüber,‭ ‬daß diese gute Tradition aus‭ „‬Ostzeiten‭“ ‬sich weiterhin als so lebendig erweist.‭ ‬Damit das auch in Zukunft so bleibt,‭ ‬werden wir sehr selbstkritisch unsere jetzige Art,‭ ‬die RKW zu betreiben unter die Lupe nehmen und werden uns nach Kräften darum bemühen,‭ ‬sowohl in der Konzeption wie in der Durchführung ausgetretene Pfade in Frage zu stellen,‭ ‬aber auch zu gucken,‭ ‬was sich schon in der Vergangenheit besonders gut bewährt hat.‭ ‬Dafür brauchen wir Hilfe,‭ ‬von Jüngeren und von allen guten Willens,‭ ‬egal,‭ ‬wo sie herkommen.‭ ‬Wir versprechen,‭ ‬wirklich zuzuhören,‭ ‬denn was wir definitiv nicht brauchen,‭ ‬ist eine Art‭ „‬Gemeindefest light‭“‬,‭ ‬bloß für Kleine.‭ ‬Nein,‭ ‬auch hier muß es letztlich um Inhalte gehen,‭ ‬müssen doch gerade auch unserer Kleinen und Kleinsten in der Umwelt,‭ ‬in der sie nun einmal aufwachsen,‭ ‬sehr bald‭ „‬Auskunft geben,‭ ‬nach dem Grund ihrer Hoffnung‭“‬.‭ ‬Wenn sie dazu etwas in fröhlicher Atmosphäre vermittelt bekommen,‭ ‬wird es besonders gut halten‭!“

Sehen Sie,‭ ‬liebe Leser,‭ ‬es hat ein wenig gedauert,‭ ‬weil sich der Text aufgrund des gewählten Verfahrens ja sozusagen verdreifachen mußte,‭ ‬aber dafür verstehen wir ihn‭ ‬jetzt besser und Sie hatten hoffentlich ein bißchen Spaß an der Satire,‭ ‬wie sie hätte sein sollen‭! ‬Wie gesagt,‭ ‬da ist noch Luft nach oben,‭ ‬obwohl ich wiederholen möchte:‭ ‬Gute Ansätze,‭ ‬sehr gute Ansätze‭! ‬Vor allem der Satz:‭ „‬Immer wenn Sie diese Ankündigung sehen,‭ ‬möchten wir gerne angesprochen werden‭“ ‬aus Punkt‭ ‬2,‭ ‬hat mir sehr gut gefallen‭; ‬das hat Potential‭!

Aber vor allen Dingen wissen wir jetzt erheblich besser,‭ ‬was uns unser Kirchortrat‭ ‬eigentlich hatte sagen wollen,‭ ‬oder‭?

Gereon Lamers

Wie alles begann

Ein Nachtrag zum Kinderchorkonzert

Also ein (vorletztes 😉 ) Mal müssen wir uns doch noch zu Wort melden in puncto Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg. Da wir vor 15 Jahren, als der Chor gegründet wurde, noch in Erfurt wohnten, die Dirigentin aus dem Dombergchor bereits kannten und unsere Tochter mit von der Partie im Kinderchor und dessen ersten Projekten war, hatten wir lange ein Bild an der Wand hängen, das eine Szene aus dem ersten großen Auftritt dieses Chores zeigt: Eine Szene nämlich aus der Musicalaufführung des „Regenbogenfisches“ von Marcus Pfister.

Inhaltlich fand ich dieses Stück immer gruselig, weil es vom Aufhänger, der Zuspitzung und der Konfliktlösung her so absolut unrealistisch ist (und zwar nicht unrealistisch wie Märchen, die ja einfach nur einiges an Vorwissen erfordern, um verständlich zu sein, immer sehr verdichtet sind und daher bekanntlich jede Menge Sinn entbergen, wenn man erst einmal darüber nachdenkt. Wenn man hingegen anfängt, über den Inhalt des „Regenbogenfisches“ nachzudenken und die Handlung mit eigenen Erfahrungen und den Erlebnissen von Freunden abzugleichen, wird es von Moment zu Moment schlimmer!) Ich empfehle daher, nicht so sehr auf den Inhalt zu achten, sondern sich an den herrlichen Kinderstimmen zu erfreuen, die den Plot als kleines Hörspiel für uns aufgenommen haben. Hier (Enjoy! )

Wie auch immer – die Einstudierung in Erfurt geschah damals zweifellos in bester Absicht und die Aufführung war, wie man sieht, denn auch sehr niedlich. Kostüme und Bühnenbild waren liebevoll und vermutlich mit vielen helfenden Händen (und mitdenkenden Köpfen und mitfühlenden Herzen!!!) umgesetzt.

Aufführung des „Regenbogenfisches“ von Marcus Pfister durch den Domberg-Kinderchor, Brunnenkirche Erfurt, 2004 (eigenes Bild)

Da aber, wie wir seit dem pueri cantores-Fest aus der Predigt Bischof Ulrichs wissen, entscheidend ist, was man singt, halte ich es bis heute lieber mit dem Lied „Mitzufühlen, mitzuteilen“, das die Cäcilini im Repertoire (aber leider noch nicht eingespielt) haben. Es handelt davon, daß von Aussehen, Fähigkeiten, Vorlieben, Besitz und Bedürfnissen her alle Menschen unterschiedlich sind – und genau das ist auch gut so, denn dadurch wird klar, daß ausnahmslos jede und jeder den andern etwas zu geben hat:

Komm zu mir! Was ich hab’, teil’ ich mit dir./ Laß uns spielen und fröhlich sein!/ Komm zu mir! Mein Talent gehört auch dir./ Gott beschenkt nicht nur einen allein.“ bzw. „Komm zu mir! Was du bist, das laß ich dir./ Denn ich weiß, wir sind nicht alle gleich./ Komm zu mir! Was du kannst, das zeige mir./ Gottes Welt ist für einen zu reich!

lautet im Wechsel der Refrain dieses Liedes.

Was das Thema Dankbarkeit anbelangt, wäre für Kinder zudem vielleicht unendlich hilfreich, einmal eine Geschichte zu dem (solange man an Stories wie den „Regenbogenfisch“ glaubt so absolut unfaßbaren und unverständlichen) Bibelvers Mt 7,6 a und b zu erzählen. (Zum Beispiel über einen visionären Musiker, der in irgendeiner Pfarrei einen Orgelneubau initiiert, mit den Verantwortlichen fortlaufend abstimmt, sich um die komplette Finanzierung kümmert und den Bau betreut – und wie es ihm hernach erging. – Der drastischen Ausdrucksweise des Bibelverses würde ich mich freilich nie anschließen. Aber so ist die Bibel nun mal an einigen Textstellen: drastisch und ungemütlich.)

In den mehrstimmigen Chorgesang, wie wir ihn zu Johanni in Weimar hören durften, wuchsen die Knirpse übrigens durch die Zusammenarbeit mit dem Dombergchor für Erwachsene hinein. Elisabeth Lehmann-Dronke leitete schon damals dort Registerproben. Ich erinnere mich an das wirklich erste Stück, das die Kinder öffentlich im Dom sangen – vor den Sopran in die erste Reihe gestellt. Es war das Kirchenlied „Schmücke dich, o liebe Seele“ von dem erfolgreichen Dichter- und Komponistengespann Johann Franck und Johann Crüger, beide Guben (genau: Wo kommt es her? Natürlich aus Mitteldeutschland! 🙂 – Für die intonatorischen Unzulänglichkeiten der winzigen Singegruppe bitten wir um Verständnis – es war vom schlichten Kirchenliedsatz keine andere Aufnahme auf YouTube zu finden …)

Hier wäre eine musikalisch etwas bessere Version, allerdings in englischer Sprache:

Ach ja – und natürlich mußte Bach wieder einen drauf setzen 😉 – aber (#PuLaKlärtAuf) auch diese Melodie ist nicht von Bach, sondern von Crüger!

Wenn ich mich recht erinnere, war in der entsprechenden Messe, in der wir das „Schmücke dich“ im Dom gemeinsam mit den Kleinen sangen, gerade noch einmal der soeben aus dem Amt geschiedene Bernhard Vogel zu Besuch in Erfurt. Bemerkenswerter aber und vor allem viel, viel lustiger war ein Spruch eines unserer Freunde im Baß, der schmunzelnd die eifrigen Kinder im Vor- und Grundschulalter betrachtete und murmelte:

Isch weeß immor ni‘ … wenn isch die gleen‘n Kerle von dor ‚dunklen Sündenhöhle‘ sing’ höre …!

Aber allen wohlmeinenden Spottdrosseln zum Trotz und sowieso war diese Heranführung der Kinder an den mehrstimmigen Gesang ein Erfolgsmodell.

Und noch ein Schmankerl zum Schluß: Das hier müssen Sie unbedingt sehen! Wenn Sie technisch die Möglichkeit haben (d.h. über ein Googlekonto verfügen), bitte ich um möglichst viele Daumen nach oben – so viel Tapferkeit muß belohnt werden!!!

Ach ja! Herrlich! Es gab eine Zeit, da hätte man in Herz Jesu Weimar gesagt, immer her damit! Der Mann kann sofort bei uns anfangen! Aber Gottlob hat man sich auch in diesem Punkt vor gut zweieinhalb Jahren auf den Weg der Besserung begeben (man sollte nur – wie in all den guten Ansätzen – die Rast auf halbem Wege jetzt nicht zu lang werden lassen).

Cornelie Becker-Lamers

Nach Hornbostel-Sachs ein „Schneideninstrument“

Information über eine Formation

Das schöne Wort „Flöte“ kommt, der im allgemeinen ja sehr zuverlässigen Internet-Enzyklopädie Wikipedia zufolge, über das Altfranzösische aus dem Lateinischen, bedeutet „kontinuierlich blasen“ und ist ein Ablenkungs-Aerophon, bei dem der Luftstrom über eine Schneide geführt und so in Schwingung versetzt wird, hier.

Vollständig unabhängig davon hat Amei Mende schon immer Flötengruppen geleitet.

Naja – was heißt „schon immer“? Vielleicht so ungefähr seit ich denken kann – also seit etwa Anfang der 70er Jahre. Könnte hinkommen. Jedenfalls aber hat sie Kinder und Jugendliche zum Musizieren zusammengebracht, lange lange lange bevor ich sie endlich kennenlernte. Im Weimarer Land gibt es eine Dachdeckerfirma, die mit der Werbung „Dach? Walter!“ herumfährt. In diesem Sinne könnte man allemal sagen: „Flötengruppe? Mende!“ Bischöfe und Ministerpräsidenten hat sie durch ihr Engagement auf sich aufmerksam gemacht und durch ihre ehrenamtlichen Auftritte zu Dank verpflichtet. Und wenn Sie irgendeine alte Fotografie aus dem Gemeindeleben von Herz Jesu Weimar sehen und sich fragen: Wer ist denn die junge Frau mit der Blockflöte in der Hand inmitten musizierender Kinder? – dann lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit: Amei Mende (vgl. etwa, im Kontext eines Beitrags, der unter dem sinnreichen Titel „Wer singt, der betet doppelt“ 😉 „Kirchenchor und kirchenmusikalische Gruppen“ vorstellt, das Bild auf S. 87 der von Walter Hentrich zum 100jährigen Kirchweihjubiläum von Herz Jesu Weimar herausgegebenen Broschüre „Kirche/ Haus für alle“, Leipzig: Benno 1991).

Jahrzehntelang war Amei Mende in Erfurt im Schuldienst tätig und am katholischen Gymnasium u.a. für die Organisation der schulischen Messen im Dom zuständig. (Man hört allenthalben, wie schmerzlich sie jetzt vermißt wird und kann es sich vorstellen!) Parallel hat sie immer auch in unserer Pfarrei die Musik unterstützt, wo sie konnte. Insbesondere die Cäcilini sind ihr, was Musicalauftritte und Krippenspiele innerhalb und außerhalb Weimars, aber auch Meßgestaltungen und das gelegentliche Singen im Seniorenkreis anbelangt, zu großem Dank verpflichtet.

Daß Amei Mende in diesem Frühjahr eine neue Flötengruppe in unserer Pfarrei ins Leben gerufen hat, hängt allerdings mit einem Kontakt zusammen, den sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit knüpfen konnte – bei den jährlichen Erinnerungsgottesdiensten zum 27. Januar. Da hatte jemand Lust, mal wieder regelmäßiger Musik zu machen und hat sich vertrauensvoll an Amei Mende gewandt. Natürlich ließ sie ihn nicht im Stich und schickte Emails mit Notenmaterial herum. So fand sich in kürzester Zeit eine kleine Gruppe aus sehr guten jungen und aus älteren Gemeindemitgliedern von Herz Jesu mit Unterstützung von Externen zusammen, die zunächst einmal bei den Senioren und dann auch zur Langen Nacht der Hausmusik am 23. März unter dem Motto „Bach trifft Charlotte“ im Palais Schardt auftrat (für Auswärtige: Das Palais Schardt in der Weimarer Scherfgasse 3 ist das Elternhaus der Charlotte von Stein). Zum Gemeindefest am 3. Juni musizierte das Ensemble unter widrigen Umständen (im Freien) erneut (ich glaube gar, im neuen Gemeindebrief, der statt zu Ostern ab jetzt zum Sommer verteilt wird, sieht man die Gruppe auf dem Foto S. 15 (unten) links auf dem kleinen geplättelten Absatz stehen – mittig, wenn mich nicht alles täuscht, gar ein „Bildnis des Bloggers ohne Kopfbedeckung“, will sagen, da ist zufällig Gereon drauf 😉 )

Ich sehe mein eigenes Engagement in dieser Gruppe auch als Platzhalterin: Wir zeigen, was in einer solchen Gruppe von Instrumenten geht (daß die Baßlinie von einer Cellistin übernommen wird, tut dem Gesamtklang meines Erachtens noch einmal so gut – es ist wirklich sehr ansprechende Musik, die da jeweils erklingt und es macht Spaß, sie zu musizieren) und nutzen den gigantischen Fundus an Notenmaterial aller Epochen, den Amei Mende über die Jahre und Jahrzehnte zusammengetragen hat. Wir möchten damit aber vor allem junge Gemeindemitglieder ansprechen, zur Musik in der Pfarrei hinzuzukommen. Wie viele spielen ein Instrument und/ oder können schön singen – und wie wenige wissen das voneinander und stehen für Messen und Gemeindeveranstaltungen zur Verfügung! Also, liebe Kinder und Jugendliche – aber auch liebe Erwachsene – ran an die Buletten, dann treten einzelne Ensemblemitglieder auch gerne für neue Musikerinnen und Musiker zurück! Den Kontakt zur Gruppe wird unser Pfarrsekretär gerne herstellen.

Cornelie Becker-Lamers

Lange Nacht der Hausmusik im Palais Schardt, 23.3.18 (Bild: M.N.)

Gold-Kehlchen

Der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg gastiert in Weimar

Das war es also: Das „O salutaris Hostia“ von Ēriks Ešenvalds (*1977) brachten die Erfurter Kinder und Jugendlichen im letzten thematischen Abschnitt ihres gut 70minütigen Konzerts

„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“

am heutigen Sonntag nachmittag in der Weimarer Herz Jesu Kirche zu Gehör. Meine Tochter hatte es gehofft – hatte sie das Stück doch schon beim pueri-cantores-Chorfest

„Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ Katholisch in Weimar

kennengelernt, als die Erfurter über das damalige Programmheft hinaus an jenem 5. Mai genau dieses Lied gesungen hatten – und sie hatte es sofort ins Herz geschlossen.

Kein Wunder – hören Sie mal:

Schon beim Auftritt beeindruckten die (wenn ich richtig gezählt habe) 32 Mädchen und 4 Knaben des mehrstimmigen Chors für gleiche Stimmen durch ihre Chordisziplin und die unaufgeregte einheitliche Kleidung, die sie als Gruppe wiedererkennbar identifizierbar macht. Diese Disziplin war auch Grundlage für Auftrittsformationen, in denen die Zuhörenden überraschend im Laufe des „Da pacem domine“ von Martina van Lengerich (*1964) von den Jugendlichen umrundet wurden und sich plötzlich inmitten der Musik wiederfanden. Von diesem Stück habe ich sogar ein Video des Dombergkinderchores gefunden, aufgenommen im Achteckhaus Sondershausen. (Da es sich also vermutlich um einen Beitrag zur Teilnahme am Wettbewerb Jugend musiziert handelt, konnten die Jugendlichen das mit dem Rumlaufen damals natürlich nicht machen.)

Intonatorisch sicher zeigten sich die Sängerinnen und Sänger bei sekundreibungsreichen Stücken wie „My Lord! I cry“ von Kurt Bikkemberg (*1963). Ein recht flott angestimmtes „Hebe Deine Augen auf“ von Mendelssohn rundete als Zugabe das Programm ab.

PuLa wünscht dem Chor alles Gute auf seiner bevorstehenden Sommerreise.

Cornelie Becker-Lamers