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Ja, EBEN!!!

Ein Nachtrag zum Thema Kantorennachwuchs

Wenn es um Stimmenbesetzungen im Kirchenchor geht (zum Beispiel: Tenöre, Tenöre, Tenöre … Wo um alles in der Welt gibt es genügend Tenöre?) gibt man dem Chorleiter gerne schon mal den gutgemeinten Rat, doch bei den Studierenden unserer Musikhochschule nachzufragen. Da hat er speziell ja kurze Wege. Von ihm aber erhält man die Antwort (sinngemäß): ‘Was soll mir das – die Studierenden sind zu den Hochfesten zuhause!’ Soll heißen: Sie können genau dann, wenn der Chor liefern muß, nicht mitsingen.
Stimmt. Das ist mißlich. Die Studis sind Weihnachten zuhause.
Was das Kantorieren anbelangt, kann man da allerdings nur sagen: Ja, EBEN!!! Denn das gilt ja auch für solche Studierende, die aus Weimar stammen und sich nun übers Semester in der ganzen Republik verteilen. Aber Weihnachten zuhause sind. 😃
Das heißt, unter den Kantoren hat man gerade zu Weihnachten eine nicht alltägliche Auswahl und mögliche Unterstützung.
Da müssen dann halt die Verantwortlichen vorher ein bißchen kommunizieren.

Die Benachrichtigung, Symbolfoto (eigenes Bild)

Cornelie Becker-Lamers

Die Kantorenschule

Kein Sketch, aber für möglichst viele Personen

Als Mitte Mai ein Mitarbeiter des Bistums in unserer Pfarrei war, um das erforderliche Seminar zur Mißbrauchsprävention abzuhalten, eröffnete er die Sitzung mit einem Strichmännchen am Flipchart. „Worauf hat ein Kind ein Anrecht?“ war die Frage, und wir Teilnehmenden sollten die Figur damit zu beschriften helfen. Körperliche und seelische Unversehrtheit, Nahrung, Bildung, ein Zuhause etc. – das kam alles sehr schnell. Aber Kinder und Heranwachsende haben auch ein Recht darauf zu merken, daß sie gebraucht werden. Sie haben also ein Recht darauf, angefordert zu werden und Verantwortung übertragen zu bekommen.

Voilà! Da haben wir doch was für Euch! 😎

Unsere Pfarrei braucht nämlich dringend neue Kantorinnen und Kantoren. Also Gemeindemitglieder, die während der Messe das Kyrie anstimmen, den Zwischengesang singen und vor dem Evangelium das Halleluja. Und weil kein Meister vom Himmel fällt, gibt es dafür jetzt einen Kurs.

Es ist nämlich doch gar nicht so einfach. Neue Kantorinnen und Kantoren zu finden, meine ich. Gerade unter Jugendlichen. Ich hatte mir das deutlich einfacher vorgestellt, als ich im Sommer begann, einzelne Jugendliche oder Elternteile anzusprechen. Aber offenbar sehen sich die entsprechenden Kandidatinnen und Kandidaten fünf Anforderungen ausgesetzt, die sie bereits mitbringen zu müssen glauben. Und irgendeine scheint dann immer zu fehlen: So sollten sie ja zumindest so regelmäßig in die Heilige Messe gehen, daß sie deren Abläufe im großen und ganzen kennen. Sie sollten fromm sein und wirklich was glauben, damit sich das Kyrie oder die Psalmtexte bei ihrem Vortrag mit Leben füllen. Sie sollten Töne treffen oder im Idealfall regelrecht singen können und sich auch trauen, es zu tun. Und sie sollten die Psalmtöne und Zwischengesänge soweit beherrschen, daß sie sie aus den nicht vollständig ausnotierten Noten heraus singen können.

Uff! 😬 Da les ich gar nicht erst weiter? Aber, aber! Alles halb so wild. Denn was nicht ist, kann ganz schnell werden:

Zum Kirchgang kann man sich jedes Wochenende frei entscheiden. Tun die Meßdienerinnen und Meßdiener zum Beispiel. Es gibt allein in Weimar jede Woche zwischen Samstag- und Sonntagabend fünf Heilige Messen (was glaubt ihr, wie viele Pfarreien gerade auch in den alten Bundesländern uns um diese dank unserer lieben Ruhestandspriester hier noch mögliche Frequenz beneiden!) Also steigt in die Schuhe und los geht’s! Je mehr von Euch in die Messe gehen – desto mehr sind drin und desto mehr Freundinnen und Freunde trifft man dort Woche für Woche. Eine gute Hilfe, um sich aufzuraffen, ist die Verabredung im Vorfeld.

Was das Glauben anbelangt, so muß man wissen, daß nicht nur gilt: Wer glaubt, beginnt zu beten. Sondern auch umgekehrt: Wer betet, beginnt zu glauben! Und wenn man das Gebet singt – sowieso! Glauben fällt nicht in jedem Fall vom Himmel. Geblendet vom Pferd zu fallen, wie es das sprichwörtlich gewordene Damaskuserlebnis erzählt, das den Saulus zum Paulus machte – das passiert nicht alle Tage. Glauben hängt durchaus auch mit Wissen und Einübung zusammen. Beides kann man erwerben. Also auf zu den Büchern!

Was das Tönetreffen anbelangt, bin ich sehr zuversichtlich. Der Morgenkreis in unserem Kindergarten hat da eigentlich für die nötigen Grundlagen gesorgt. Und wer sagt eigentlich, daß man als Kantorenanfänger/in sofort alleine vorne stehen muß? Man könnte ja auch erstmal zu zweit das Kyrie singen. Und schon ist das Lampenfieber nur halb so groß.

Und die Psalmtöne? Was ist das überhaupt? Diese römischen Ziffern da, in den Notenzeilen mit den dicken Noten drin, ohne Hals, dafür mit Sternchen? „Kann ich nicht!“?

Ihr habt Recht! Das kann man wirklich nicht einfach so! Das können nicht mal Musikwissenschaftler, ohne sich im Studium darauf spezialisiert zu haben. Es ist ein echtes Spezialwissen von Kirchenmusikern. Und unglaublich spannend! Laßt es euch nicht entgehen!

Was sagt ihr? Warum singen nicht die Organisten? Ihr habt recht – das dachte ich auch erst: Jetzt, wo wieder Studierende der Kirchenmusik orgeln – sollen sie doch gleich noch singen, sie lernen’s doch eh. Aber der Pfarrer sagt, sie haben genug zu tun mit dem Orgeln, und von der Gemeinde weg in die Orgel hinein zu singen, ist außerdem dem Textverständnis nicht wirklich förderlich.

Ach – und die Priester selber? Sollen die doch? Ja, das machen sie schon, in den Alltagsmessen, wenn sie im Altarraum alleine oder fast alleine stehen. Aber sie haben genug zu tun, vor dem Evangelium, mit Weihrauch und überhaupt. Sie möchten nicht auch noch kantorieren müssen. Sagt der Pfarrer.

Also werdet ihr wirklich gebraucht! Und weil ihr alles selber lernen könnt (regelmäßig die Messe besuchen, glauben, Tönetreffen – hier hilft übrigens auch ein regelmäßiger Besuch der Cäcilini-Proben) 😉außer den Psalmtönen, gibt es sie demnächst: Die Kantorenschule. Und wirklich wie erhofft bereits jetzt, direkt nach den zweiwöchigen Herbstferien. Nach einigen Gesprächen hat Pfarrer Gothe Herrn Ekkehard Fellner mit fünf Unterrichtsstunden beauftragt, die der im Bistum bestens bekannte und beleumundete (das heißt: alle finden ihn gut!) Theologe, Kirchenmusiker und Chorleiter wöchentlich jeweils mittwochs abends ab 18.30 Uhr im Elisabethsaal abhalten wird. Es beginnt mit dem 23. Oktober. Der für die Teilnehmenden kostenlose Kurs wird mit den Schlagworten „Antiphonen, Psalmtöne, Hallelujaverse“ im Pfarrblatt beworben und richtet sich keineswegs nur an Anfänger.

Die Ankündigung im aktuellen Pfarrblatt (Screenshot, 6.10.2019)

Wer immer schon mal nach ausnotierten Melodien, nach Gefühl oder nach Schnellbesohlung in der Heimatpfarrei kantoriert hat und tiefer in die Geheimnisse der Psalmtöne, ihrer Regeln und ihrer Zusammenhänge mit den verschiedenen Hallelujaversen eintauchen will, ist ebenso herzlich eingeladen wie blutige Anfänger, die Zwischengesänge bisher nur passiv wiedererkennen.

Daß das Recht, angefordert zu werden und Verantwortung übertragen zu bekommen, mit dem Recht einhergeht, ein Feedback zu bekommen und für die eigenen Aktionen mit Werbung und Zuspruch unterstützt zu werden – das hat eine Firmbewerberin mit unserem Pfarrer im August in der Mittagessenschlange in Taizé schon geklärt. Jetzt ist also nur zu hoffen, daß die Termine auch in den mündlichen Vermeldungen erwähnt werden und tatsächlich ein bißchen Werbung gemacht wird. Nicht jeder liest das Pfarrblatt.
Und eine Bitte geht an alle Leiterinnen und Leiter von Gruppen mit Jugendlichen, ebenfalls Werbung für die Kantorenschule zu machen. Damit der Kurs voll wird, Herr Fellner sein Wissen an möglichst viele Interessierte weitergeben kann und die Gemeinde mutige junge Kantoren und Kantorinnen gewinnt.

Cornelie Becker-Lamers

Altar und Bühne II – Ein PuLa unterwegs für Giovanni Bernardone

Ich weiß, gestern hatten wir einen großen Festakt in Herz Jesu Weimar. Davon sollte ein ‚Weblog‘ – ein Netztagebuch – jetzt eigentlich direkt berichten. Schließlich war der Bischof da. Und hat eine Messe zelebriert. Weil die Schwestern vom Orden der Heiligen Elisabeth am 3. Oktober 1919 in Weimar Einzug hielten und ein 100-Jahre-Weimar-Jubiläum begangen haben. Einen Festakt gab es dann auch noch und ein Mittagessen und Begegnung. Wir werden es nicht vergessen.

Trotzdem ist heute der Gedenktag des Heiligen Franziskus und da hatte ich mir seit langem vorgenommen, wieder mal eine Biegepüppchen-Geschichte zu posten. Ein Nachbarort in der schon damals zusammengelegten Pfarrei, in der ich aufgewachsen bin, hat nämlich das Patrozinium St. Franziskus. Deshalb hatten die dortigen Frauen zum Patronatsfest vor drei Jahren eine sehr schöne Figurenstrecke in ihrer Kirche aufgebaut. Sie zeigt Stationen aus dem Leben des als Sohn des reichen Kaufmanns Pietro Bernardone geborenen Giovanni (Spitzname schon zu Jugendzeiten Francesco, der kleine Franzose. Denn seine Mutter stammte aus der Provence). Giovanni, der sich nach einer einjährigen Kriegsgefangenschaft im benachbarten Perugia von allem Reichtum abkehrte, seinem Vater die kostbare Kleidung vor die Füße warf und fürderhin barfuß und nur mit einer kratzigen Kutte bekleidet unterwegs war. (Gut – in Italien. Und das mittelalterliche Klimaoptimum dauerte damals ja schon gut 200 Jahre an. Man datiert diese Warmzeit zwischen 950 und 1250. Und der Heilige Franziskus hat von 1181 oder 82 bis 1226 gelebt. Also mittendrin. Trotzdem vorbildlich, die bescheidene Kleidung. Ein Bericht zum Thema Heilige Elisabeth wird da in den nächsten Tagen zwanglos anschließen können.)

Franziskus kümmerte sich um Aussätzige, gründete einen Orden, predigte den Tieren und Menschen und zähmte einen Wolf . Er schloß sich als Missionar einem Kreuzzug an, konnte den Sultan aber nicht bekehren und die Fortführung der Schlachten nicht verhindern. Zurück in Italien, baute er in Greccio die erste lebende Weihnachtskrippe mit Ochs und Esel, empfing zuletzt die Stigmata und starb im Alter von etwa 44 Jahren.

Das kommt jetzt nicht alles bei den Biegepüppchen vor, auf deren Fotostrecke wir oben schon verlinkt haben. Aber einige sehr schöne Szenen sind festgehalten:

Als der Heilige Franz von Assisi sich seiner Kleider entledigt hat, wird er vom Bischof eingehüllt ((Bild: Pfarrei St. Franziskus, Queidersbach [auch unter dem Link oben])

In seiner Kutte begibt sich der Heilige Franz auch unter die wilden Tiere (Bildnachweis s.o.)

Die Geschichte können Sie nachhören und nachlesen. In einem Lied, auf das wir schon einige Male verlinkt haben: Giovanni Bernardone. Enjoy: 😃

Cornelie Becker-Lamers

Der Rundweg

Neues vom modernen Kirchenbau
Ein „PuLa unterwegs“

Vor gut zwei Wochen lud die Vereinigung der pueri cantores zu einer ChorleiterInnenfortbildung ein und ich nahm das großzügige, weil kostenlose und zugleich wirklich qualitätvolle Angebot wahr (die Pfarrei hat die Fahrtkosten übernommen – dafür auch öffentlich herzlichen Dank!) Wir waren etwa dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer und haben etliches an Einsingübungen, Spiele für die Gruppen (es richtete sich ja an LeiterInnen von Kinder- und Jugendchören) und einige gefällige mehrstimmige Stücke kennengelernt, von denen zumindest eines auch für die kleine Gruppe der Cäcilini machbar sein sollte. (Raunte mir eine meiner Nachbarinnen doch an einer Stelle zu, sie habe nur 15 Chormitglieder, da brauche sie an Mehrstimmigkeit ja gar nicht zu denken … Ich habe mal lieber nichts gesagt, sondern mich auf ein verständnisvolles Nicken beschränkt. Sie wissen ja: Beim dreistimmigen „Maria, Mutter, Friedenshort

hatten wir zwei Proben und waren zu siebent. Naja – tapfere Cäcilini eben! „No retreat, baby, no surrender“ 😎).

Aber wegen der Fortbildung schreibe ich gar nicht. Ton- und Bildaufnahmen sind in Seminaren verboten – was soll das also auf einem Blog. Ich schreibe wegen des Veranstaltungsortes. Denn Stephan Rommelspacher (Leipzig) und Elisabeth Lehmann-Dronke (Erfurt), die beiden Verbandsvorsitzenden der pueri-cantores-Region Ost hatten zur Fortbildung nach Leipzig ins Gemeindehaus der Pfarrei St. Trinitatis eingeladen. Und ich nutzte meinen Aufenthalt unter anderem, um den auch im Weimarer Freundeskreis bereits vielbesprochenen Neubau dieser Kirche endlich einmal selbst in Augenschein zu nehmen.

Gut – mehr breit als quer und ein verdecktes Oberlicht im Altarraum – das gibt es ja alles seit 50 Jahren. Hier fehlen nun auch noch die Altarstufen. „Schwellenloser Altarraum für vielfältige Liturgieformen“, nennt man das auf der Homepage der stolzen Architekten und zeigt einen Pünktchenring um den Altar. Ok … schon gut … Stufengebet irgendjemand? Och nööööö … Zum Vater Unser kommen alle Kinder mal nach vorne und wir lassen den Embolismus weg.

„Transzendentes Raumerlebnis“? Leipzig, St. Trinitatis, Blick in den Kirchenraum und auf das Lichtspiel an der Altarraumrückwand (eigene Bilder)

Ok, das kennt man im Prinzip so alles. Wirklich bemerkenswert aber fand ich den „Kreuzweg“. Sie erinnern sich: Mit seiner Ahnung von Formen in Beton geht der an dieser Stelle unlängst vorgestellte Kreuzweg der Schopper Kirche  noch erkennbar vom Figürlichen aus und abstrahiert es. In Leipzig aber geht es nicht einmal mehr abstrakt zu. Die konkreten Formen der Stationen erinnern hier tatsächlich nur noch an die Stolpersteine, die in unseren Städten im Zweiten Weltkrieg deportierte jüdische Einwohner benennen. Eigentlich sollte man in St. Trinitatis Leipzig nicht von „Kreuzweg“ sprechen, sondern von „Rundweg“. Denn ein Rundweg ist es immerhin – und runde Stationen hat er auch. Denn sieht so sieht es da aus:

Ja – steht alles da. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Rundwegstation VI in Leipzig St. Trinitatis (eigenes Bild)

Damit Sie nicht denken: „Da hat sie jetzt nur den Boden geknipst. Wer weiß, was an der Wand zu sehen ist“ hier die Station VI nochmal aus einiger Entfernung:

Allein im Raum hinter den Bankreihen. Plazierung der Rundwegstation VI in Leipzig St. Trinitatis (eigenes Bild)

So sieht es eine Station weiter aus:

Endstation Nirwana? Rundwegstation VII in Leipzig St. Trinitatis (eigenes Bild)

Puuuh! Ganz schön aseptisch und clean, das Ganze – finden Sie nicht auch? So völlig ohne ästhetisches Anschauungsmaterial fühle ich mich beim Kreuzweg-Beten definitiv allein gelassen. Da kann man sich dann ja wirklich alles denken – oder auch nichts. Sehr anspruchsvoll! Wie viele von uns schaffen es, sich hier 14 Stationen lang auf die Sache zu konzentrieren? Also ich persönlich hätte da ungeheure Schwierigkeiten.

In puncto religiösem Sachverstand und – sagen wir: – spirituellem Reflexionsniveau der Planer schießt allerdings die vierte Station den Vogel ab. „Jesus begegnet seiner Mutter“. Da wollte man offenbar ein bißchen Gefühl zeigen. „Auch“. Oder „zulassen, du“. Und hat die Station neben dem einzigen Kunstgegenstand versenkt, den man aus der ersten neogotischen St. Trinitatiskirche (Baujahr 1847) in den nunmehr dritten Kirchenbau dieser Pfarrei mitgenommen hat: Die Statue der Maria mit dem Jesusknaben. Die Schrift ist schräg auf die Figur hin ausgerichtet. Die Anordnung ist also wirklich Absicht.

Maria mit dem Kinde lieb. Die beiden hier müssen sich noch nicht begegnen, die sind noch eins; Rundwegstation IV vor Madonnenstatue in St. Trinitatis Leipzig (eigenes Bild)

Ist es möglich, daß niemandem aufgefallen ist, daß man vor einer solchen Statue etwas anderes zu beten hat (im affirmativen wie im normativen Sinne) als angesichts der vierten Kreuzwegstation? Kann doch eigentlich gar nicht sein?! Das ist schon kurios. Da verkommen Marienstatuen zum postmodernen Genrezitat, das im Stilgemisch der unterschiedlichen Entstehungszeiten ein bißchen Traditionsbewußtsein simulieren und nebenbei einen Kirchenraum als katholischen ausweisen kann. Gratuliere!

Aber wo bleibt der oder die Betende? Auf diesen Stolpersteinen? Vor diesen kahlen Wänden? Vor diesem irreführenden Bild?

Cornelie Becker-Lamers

PS: Da ist an einer Stelle die Rede von den „Planern“. Ich denke, es sollte klar sein, daß damit natürlich nicht mehr (nur) die (Innen-) Architekten gemeint sein können, oder?
Verantwortlich ist für jeden Bau letzten Endes wer? Die Auftraggeber selbstverständlich. Diese gebaute geistliche Bankrotterklärung geht auf das Konto geistlicher Würdenträger.
Traurig.

Gereon Lamers

Erntedank!

Vorzüglich vorgezogen

Eigentlich feiert man Erntedank ja am letzten Septemberwochenende. Oder sogar erst am ersten Oktoberwochenende. Sagte auch Pfarrer Riethmüller, der heute in Herz Jesu Weimar ein Hochamt zelebrierte, das ganz im Zeichen des Erntedankfestes für Kinder stand. Mit Erntetanz um die vollen Körbe in der Vierung. Mit großen Weltkarten und Fürbitten lesenden GrundschülerInnen. Und mit ein wenig besonderem Musikprogramm: Einem Satz für Violine, zwei Flöten, Horn und Orgel des inzwischen auch im Gotteslob angekommenen „Morning has broken“ – einem Satz, der immer wieder Touristen, die in Herz Jesu die Messe mitfeiern, aus der Reserve lockt und kleine Gespräche anregt. (Heute war dies z.B. ein Berliner Organist, im vergangenen Jahr Kantoren aus Stralsund, die sich sogar die Noten haben zusenden lassen und den Satz demnächst bei sich zuhause zu Gehör bringen werden.) Ein damals 13jähriger Schüler aus Erfurt, Lorenz Mittag, hat das Stück gesetzt und seine ehemalige Lehrerin, Frau Mende bringt dieses wie andere Lieder unermüdlich unter die Leute.

Das alles also haben wir heute ein bis zwei Wochen vorgezogen, denn am kommenden Wochenende feiert Herz Jesu Weimar Kirchweih – und dann sind schon Herbstferien und viele Kinder auf Reisen. Deshalb: Eins nach dem andern.

Wir möchten uns mit zwei Fotografien der vorgezogenen Feier anschließen und von einem Dörrautomaten erzählen, den mein Mann sich unlängst zugelegt hat. Heimisches Obst, insbesondere Äpfel, liest er grundsätzlich bei Spaziergängen auf oder pflückt am Wegesrand, was offenbar niemand haben will. Im Herbst ißt er die Äpfel frisch, im Winter getrocknet und im Frühjahr verzichtet er komplett, um sich um so mehr auf die neue Ernte und den ersten frischen Apfel im neuen Sommer zu freuen – eine klassische Fastenstrategie. Da er durch seine Sammlungen vor der Haustür der Überlegung enthoben ist, ob nun die hälbjährige Kühlhaus-Lagerung Südtiroler Erntegutes oder die Verschiffung Neuseeländischer Äpfel um die halbe Welt mehr CO2 verbraucht – und was folglich zu kaufen sei –, trägt er sich seit langem mit dem Gedanken, diese Trocknung der Früchte ein wenig zu professionalisieren. Durch einen Dörrautomaten nämlich.

Das ganze Ding ist schon rein ästhetisch eine Freude. Die entkernten, feingehobelten Apfelscheiben liegen etagenweise auf feinen Gittern sechs Stunden lang bei 60°C und schmecken nach der Trocknung so unglaublich viel süßer als das frische Stück. Es ist phänomenal! Wirklich vorzüglich! Eine Geschmacksprobe können wir Ihnen auf PuLa leider nicht liefern, aber zwei vorher – nachher Fotos habe ich gemacht:

Die Apfelringe im kleinen heimischen Dörrautomaten vor und nach ihrer Trocknung (eigene Bilder)

PuLa wünscht allen, die ihre Umzüge und Feierlichkeiten noch vor sich haben, frohe Erntedankfeste!

Cornelie Becker-Lamers

PS: Na, das ist ja so gerade nochmal gutgegangen, mit dem OCC (dem obligatory catholic content), bei diesem sehr typischen Blog-Posting im Sinne des Tagebuchs 😉 Ich weiß nicht, ob ich so ausführlich über das kleine Gerätchen, und das, was damit zusammen hängt, hier geschrieben hätte, aber es stimmt alles und macht wirklich Spaß!
Über das Stichwort „Tanz“ im Rahmen einer Hl. Messe will ich jetzt mal nichts gesagt haben 🤨, außer der Bemerkung, daß es sich mir nicht erschließt, warum man Kinder an etwas gewöhnen, bzw. sie auch nur gedanklich mit etwas vertraut machen sollte, das der christlichen Liturgie einfach fremd ist. Ich kann das nicht sinnvoll finden und rege an, auch Kindertänze künftig nicht mehr in diesem Rahmen stattfinden zu lassen!

Gereon Lamers

Sketch des Monats: Der Kuchen-Computer

Ein Sketch für drei Erwachsene, etwa acht Kinder
und einen sprechenden Computer

Petershagen im Landkreis Märkisch-Oderland. Das neue Bildungs- und Gemeindehaus ist liebevoll mit Girlanden geschmückt. Drinnen hört man die ersten Sektkorken knallen. Eine Reihe goldfarbiger Luftballons, die unter der Decke kleben, bildet die Worte „Happy Birthday“. Ah! Ich weiß: Man feiert 25 Jahre Wiedergründung der Großpfarrei Petershagen-Rüdersdorf-Wundersdorf. Aus diesem Anlaß hat man hier ein neues Bildungshaus hingesetzt, dessen Eingangsbereich durch ein computergesteuertes Drehkreuz geschützt ist. Donnerwetter! An alles gedacht – oder doch nicht? Gerade hat sich hier eine kleine Warteschlange am Einlaß gebildet. Mal hören, was da so lange dauert. – Natürlich! Edith mit ein paar Kindern … Man hätte es sich ja denken können!

Der Computer (neutral): Name?

Edith: Langenfeld.

Der Computer: Vorname?

Edith: Edith.

Der Computer: Kuchen?

Edith: Keinen.

Der Computer (informiert): Sie haben keinen Kuchen angemeldet.

Edith (geduldig): Ich habe ja auch keinen mit.

Der Computer: Geschlecht?

Edith: Wie bitte?

Der Computer (sanft): Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith: Weiblich.

Der Computer (das Display verfinstert sich): Wenn Sie weiblich sind, werden Sie doch einen Kuchen mithaben?!

Edith (freundlich): Ich habe ein paar Kinder mit. Wir machen Musik.

Der Computer (auf dem Display erscheint das Wort „Musik“ und es ertönt „Ja so woarn’s, die oalten Rittersleit‘“ mit Gitarrenbegleitung)

Edith (langsam genervt): So ein Käse! (Im Display erscheint das Wort „Käsekuchen“)

Der Computer (im Säuselton): Haben Sie auch daran gedacht, Ihre Ware ganz durchzubacken?

Edith (ärgerlich): Ich sage doch, ich habe keinen Kuchen mit. Ich komme mit dem Kinderchor.

Teresa (zu den anderen): Sind wir durchgebacken?

Annemarie (platzt heraus): Wir sind doch keine Backfische! (Die Mädchen prusten los.)

Der Computer: Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith (ärgerlich): Kin-der-chor!

Der Computer: Dieses Wort kenne ich nicht.

Freddy: Hee! Warum springen wir nicht einfach drüber?

Der Computer: Ich habe Sie nicht verstanden.

Hedwig (hinter Edith, ein Backblech auf dem Arm, dringlich): Edith! Mein Kuchenblech ist ziemlich schwer. Könntest du dich bitte ein bißchen beeilen?

Edith: Ach! Entschuldige! Klar! Geh du mal vor, dann sehen wir, wie das hier überhaupt funktioniert. (Sie wechseln die Plätze.)

Der Computer: Name?

Hedwig: Falkner.

Der Computer: Vorname?

Hedwig: Hedwig. (Auf dem Display erscheint das Wort „Kirschstreusel“.)

Der Computer: Kuchen?

Hedwig: Donauwellen.

Der Computer (sanft): Sie hatten Kirschstreusel angemeldet.

Hedwig (errötet): Puh! Oh! Ja – aber dann habe ich gesehen, daß die Kirschen nicht mehr für ein ganzes Blech reichen. Und weil dieses Wochenende alles ein bißchen hektisch war …

Der Computer (sanft): Ich habe Sie nicht verstanden.

Hedwig (fest): Donauwellen. (Auf dem Display wird das Wort „Kirschstreusel“ durch das Wort „Donauwellen“ ersetzt.)

Der Computer (säuselnd): Haben Sie auch daran gedacht, Ihre Ware ganz durchzubacken?

Hedwig: Ja. (Das Display färbt sich rosa.)

Der Computer: Haben Sie auch daran gedacht, einen Tortenheber mitzubringen?

Hedwig (stolz): Ja. (Das Display beginnt zu glitzern.)

Der Computer: Haben Sie auch daran gedacht, Ihren Kuchen in einem verschlossenen Behältnis zu verwahren und dieses mit Ihrem Namen zu beschriften?

Hedwig (erschrocken): Oh, Mist – nein! Ich hab‘ ein Kuchenblech mit.

Der Computer (milde): Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith (flüstert): Sag um Himmels Willen „ja“, sonst fängt er wieder von vorne an!

Hedwig (flüstert zurück): Du hast Recht! (Zum Computer, laut) Ja! (Auf dem Display beginnt es kleine Sternchen zu regnen.)

Der Computer: Haben Sie auch daran gedacht, Ihren Kuchen bereits zu Hause in Stücke zu schneiden?

Hedwig (blickt Edith entsetzt an): Natürlich nicht! So ein Blödsinn! Vor der Fahrt im Auto! Da verliert er doch die Form! Was mache ich denn jetzt?

Der Computer: Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith: Komm, wir schneiden es schnell mit dem Tortenheber! Das ist doch Rührteig?

Hedwig (leise): Ja, du hast Recht, das geht! (Die Kinder fassen zu viert, jedes an einer Seite, das Blech unter und Hedwig zieht mit fliegenden Händen einige Bahnen durch ihre Donauwellen. Zugleich zum Computer, freudig): Ja-haa!!! (Dem Computer entströmt eine lieblich orchestrierte Version von „Backe, backe Kuchen“ in der dreigestrichenen Oktave.)

Der Computer: Wir bedanken uns! Sie dürfen passieren. Bitte bringen Sie Ihren Kuchen über den Hof in den Vorratskeller. Sie haben die Möglichkeit, den Kuchen nur abzugeben oder ihn, wenn Sie ihn brauchen, selber wieder abzuholen. Bitte geben Sie eine Bewertung dieses Computerprogramms ab. Einen schönen Tag noch!

Hedwig (tippt auf einen Daumen auf dem Display, genervt und erleichtert zugleich): Na prima! Danke, gleichfalls! (Sie blinzelt den Kindern zum Abschied zu, sagt leise „danke“ und passiert das Drehkreuz.)

Lenni: Frau Langenfeld, ich muß zur Toilette!

Edith: Ok, Lenni, wir versuchen jetzt so schnell wie möglich ins Haus zu kommen! (zum Computer) Langenfeld, Edith. Kinderchor. Angemeldet.

Der Computer (mit schwarzem Display): Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith will gerade Lenni über das Drehkreuz heben, als Tina aufgeregt aus dem Innern des Hauses zum Eingangsbereich gelaufen kommt.

Edith (erleichtert): Tina! Dich schickt der Himmel!

Tina (zerstreut): Hallo! (Sie macht sich am Computer zu schaffen und scheint eine Art Verlaufsprotokoll aufzurufen, für sich) Das gibt’s doch gar nicht!

Edith: Was ist los? Stimmt was nicht?

Tina: Und ob! Da marschiert Hedwig doch gerade freudestrahlend mit einem offenen Kuchenblech an mir vorbei zum Vorratskeller!

Edith: Hab ich gesehen. Wir stehen hier schon eine Weile.

Tina: Das geht so nicht! Die reißen uns den Kopf ab! Sie muß den Computer einfach angelogen haben!

Edith (verlegen): … Äh … Aber das … das kann ich mir bei Hedwig gar nicht vorstellen … das paßt doch gar nicht zu ihr … (zu den Kindern gewandt legt sie einen Finger auf die geschlossenen Lippen.)

Tina (verzweifelt): Ich habe gleich gesagt, wir brauchen an dem Ding auch eine Kamera! Die kann sowas prüfen, damit das nicht nochmal vorkommt!

Der Computer: Ich habe Sie nicht verstanden.

Edith: Hm! Könnte man eurem Computer nicht lieber beibringen, wie man einen Kinderchor von einer Torte unterscheidet?

Tina (verständnislos): Kinderchor? (ärgerlich) Was hat das denn jetzt mit dem Kinderchor zu tun? Wir können nicht mehr, wie arbeiten. Mit diesem Computer haben wir jetzt erstmal das Wichtigste abgesichert.

Edith: Ach so. Ok. Sag mal, könntest du uns ausnahmsweise reinlassen? Wir wollten uns noch umziehen …

Tina: Ja, kommt rein. (Sie entriegelt das Drehkreuz von innen.) Aber du weißt ja: Der Pfarrer hat gesagt, wenn ein Kinderchor eingeht, ist das kein Beinbruch! Also haltet mal den Ball flach!

Der Computer (zugleich): Wir bedanken uns! Sie dürfen passieren. Bitte bringen Sie Ihren Kuchen über den Hof in den Vorratskeller. Sie haben die Möglichkeit, den Kuchen nur abzugeben oder ihn, wenn Sie ihn brauchen, selber wieder abzuholen. Bitte geben Sie eine Bewertung dieses Computerprogramms ab. Einen schönen Tag noch!

Edith (zu Tina): Es ist eine Weile her, daß er das gesagt hat. Ich glaube nicht, daß er das heute noch so formulieren würde. (Sie tippt auf das Kommentarfeld des Bildschirms und schreibt mit gefetteten Großbuchstaben):

Erst wenn die letzte Frau

im Küchendienst untergepflügt ist

werdet ihr merken,

daß man sich eine Pfarrjugend

nicht backen kann!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Tja – so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß im Bistum Erfurt alles noch schön mit Papier und Bleistift funktioniert! Das ist doch gleich viel menschlicher!

„Das ist wichtig zu wissen“; ausliegender Kuchenzettel zur Erfurter Bistumswallfahrt 2019 (eigenes Bild)

Was den bevorzugten Einsatz gut ausgebildeter und gebildeter Frauen im Küchen- und Putzdienst anbelangt, könnte es freilich sein, daß hier und da auch in unserem Bistum ein veraltetes Fra uenbild noch ein Problem für die lebendige Gemeindearbeit darstellt; besonders gefährlich in Pfarreien, in denen das Führungspersonal noch locker 20 – 25 Jahre wird durchhalten müssen…

Ja, Chorkleidung! (4/4)

„Klar braucht ihr T-Shirts!“

Bevor ich zu einem weiterführenden Epilog zum Thema „Chorkleidung“ schreite, möchte ich wie angekündigt vom Besuch eines Chores aus dem ziemlich fernen Westen – nämlich vom Niederrhein – erzählen. Im frühen Frühjahr 2017 rief mich der Chorleiter der Klosterspatzen von St. Clemens Oberhausen an. Er hatte mich via Herz Jesu Homepage als Ansprechpartnerin in puncto Kinder- und Jugendchor ausgemacht und kündigte für den August den Besuch von 14 Mitgliedern seines eigentlich über 40-köpfigen Chores an. Denn die regelmäßige Sommerfahrt, die die Gruppe neben Chorfreizeiten und Chortreffen jedes Jahr durchführt, sollte 2017 nach Weimar gehen. Ich sagte natürlich gerne den Empfang der Gruppe auch in der Pfarrei zu. Da in Thüringen die Schule zu diesem Zeitpunkt gerade schon wieder begonnen haben würde, konnte ich davon ausgehen, daß die Cäcilini ziemlich vollständig mit von der Partie sein würden. Per Email gingen also Noten für die gemeinsame musikalische Gestaltung einer Messe hin und her, die mit dem Zelebranten Pfarrer Klemm (+) am Sonntagabend, dem 20. August 2017 – dem Abend der Ankunft der Klosterspatzen – nach kurzer Probe, aber langer mentaler Vorbereitung in der Herz Jesu Kirche gefeiert wurde.

Unvergessen: Pfarrer Klemm (+ 5. April 2019), der sich nach dem Schlußsegen den musikalischen Gästen unserer Pfarrei eigens zuwandte (Herz Jesu Weimar, 20. August 2017, nach 19 Uhr; eigenes Bild)

Im Abspann des Liedes zu Mariä Himmelfahrt und Mariä Krönung, das zeitlich zu einem Datum zwischen beiden Festen genau paßte und zu diesem Anlaß – obwohl Jahre alt – von beiden Gruppen gemeinsam uraufgeführt wurde, ist diese Zusammenarbeit festgehalten:

Die Cäcilini wurden in einer Innenstadtpizzeria zum Essen eingeladen und revanchierten sich halbwegs mit einem von unserer Pfarrei finanzierten Hotdog-Essen („Weimarer Jungs“ von der Bäckerei Höhne und Lidl-Wiener 😋😉) am darauffolgenden Donnerstag im Gemeindesaal. Das Essen beschloß eine sehr schöne und extralange gemeinsame Probe, in der die Cäcilini viele mehrstimmige Lieder vom Blatt zu singen bekamen – Lieder, die aufgrund ihrer Mehrstimmigkeit für uns mangels Masse ansonsten schlicht nicht zu machen sind. Und nach dem Essen ging‘s in die Stadt zum Flashmob: an der Stadtkirche und auf dem Marktplatz.

Abendlicher Flashmob der Klosterspatzen und der Cäcilini auf dem Weimarer Herderplatz; Bild: Klosterspatzen in ihrem facebook-Tagebuch

Ich habe damals sehr bedauert, daß nicht mehr Leute (als natürlich auch damals wieder die beiden „üblichen Verdächtigen“, die wir uns immer gegenseitig helfen) aus der Pfarrei von der durch die Oberhäuser mit großem Dank aufgenommenen gastfreundlichen Aktion, namentlich dem Essen am Donnerstag Abend, profitiert haben. Darum gebeten und eine etwas größere Beteiligung angeregt hatte ich im Kirchortrat rechtzeitig, aber man vermutete wohl einen privaten Kontakt meinerseits und fühlte sich für keinerlei organisatorische Hilfestellung oder gar eigene Teilnahme zuständig.

Der private Kontakt bestand aber wie erwähnt keineswegs. Der Besuch galt Weimar, galt Thüringen, und er galt unserer Pfarrei. Der Chorleiter hatte die Gegebenheiten von sich aus und, damals noch ohne sich vorzustellen, zu einem öffentlichen Ereignis sondiert – nämlich zum Treppenhauskonzert, dem „Bach in the sub/stairways“ am 21. März 2016. Wenn man weiß, wie er aussieht, findet man ihn auch sofort auf dem Foto wieder, das uns beim Singen der Taizélieder zeigt, hier.

Was noch einmal zeigt, daß wir dieses „niederschwellige“ Format unbedingt weiterführen und nicht als einmaliges Erlebnis verpuffen lassen sollten! Die Wirkung kann erwiesenermaßen unerwartet nachhaltig sein. Das Angebot der übergeordneten Organisation besteht jedes Jahr – und ich habe 2016 im Verlauf dieser zwei geselligen Konzertstunden im Treppenhaus des Pfarrhauses Jugendliche gesehen, die sonst nicht in der Kirche und auch solche, die gar nicht katholisch sind.

Jedenfalls bedankten die Oberhäuser sich bei ihren Weimarer Gastgebern natürlich mit ganz speziellen Geschenken – mit Geschenken, die die Erzählung dieser Geschichte im Rahmen der PuLa-Chorkleidungs-Tetralogie begründen:

Stoffbeutel und Bleistifte mit dem Signet der Klosterspatzen der Probstei St. Clemens in Oberhausen-Sterkrade (eigenes Bild)

Die Chorkleidung sei gerade in Arbeit, deshalb gebe es diese Dinge, erläuterte der Chorleiter. Damit war das Thema angeschnitten und ich erzählte, daß in dem Punkt in Weimar leider überhaupt nichts zu wollen sei – obwohl ich dächte, es wäre sinnvoll. „Klar braucht ihr T-Shirts!“ waren auch die Oberhäuser überzeugt. Zum Glück war im Februar 2017 mein Kindermusical „Rut“ im Verlag erschienen, so daß ich mit dieser Partitur auch ohne Corporate-Design-Artikel der Cäcilini etwas speziell Weimarisches zu verschenken hatte: Aus der praktischen Chorarbeit heraus von einem Gemeindemitglied für die Kinder unserer Pfarrei geschrieben und komponiert und in Herz Jesu zum Gemeindefest 2011 uraufgeführt.

Ob auf T-Shirts oder auf anderen Sachen wie Taschen, Stiften oder Fotokalendern, ob in sozialen Medien oder zunächst mal nur auf der Pfarrei-Homepage – ein Signet oder Logo für eine dauerhaft bestehende Gruppe einer Pfarrei ist einfach eine Form, vor allem Kindern und Jugendlichen, an denen gerade heutzutage, wo sie seltener werden, von allen Ecken und Enden jemand zerrt, Anerkennung für ihre Leistung zu zollen und zu zeigen: Wir nehmen euch wahr und unterstützen euch, wir freuen uns, daß ihr als Gruppe unserer Pfarrei da seid, wir sind stolz auf euch und schätzen das, was ihr tut.

Namentlich für die musikalische Arbeit sollte diese Wertschätzung nicht verborgen bleiben: Beim Einzug der Priester und Ministranten, des Bischofs, der Kommunionkinder oder Firmlinge in die Messe – stehen da Kinder oder erwachsene Gemeindemitglieder am Rand, die stumm Bilder in die Höhe halten? (Stellen Sie sich das mal bildlich vor! 😂) Oder wird Musik gemacht?
Richtig: Es wird Musik gemacht! Affirmation und Jubel drücken sich in Musik aus – durch die Musik der Orgel, der Choralschola, eines Chores und/oder eines Orchesters. Von daher kann sich die Unterstützung der gemeindlichen Aktivitäten nie bloß auf die Bildende Kunst beschränken, sondern muß die musikalische Arbeit, das gemeinsame Singen gerade von Kindern und Jugendlichen ganz deutlich in den Fokus rücken. Denn, wie Bischof Ulrich anläßlich des Chorfestes der pueri cantores am 5. Mai 2018 im Erfurter Dom betonte: „Es ist entscheidend, was wir singen.“

Aber die Gewähr zu christlichen Inhalten bieten eben tatsächlich allein die kirchlichen Chöre. Und die Wahrnehmung, Unterstützung und Wertschätzung der Gemeindemitglieder, die dabei mitziehen, drückt sich dann ganz fundamental vor allem andern zunächst einmal in ihrer Sichtbarmachung aus. Durch Chorkleidung eben.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Wo Sie grad sagen „im fernen Westen“, da habe ich doch durch diesen Text hier wieder was gelernt. Von und gemeinsam mit meinem vielseitig gebildeten Mann nämlich, der zunächst einmal das Lied „Bochum“ von Herbert Grönemeyer assoziierte, hier:

Tja. „Tief im Westen/ Wo die Sonne verstaubt/ Ist es besser/ Viel besser, als man glaubt“. Das muß man inzwischen schon besingen. Also: Auch der ferne Westen hat seine Identitätsprobleme in Umbruchzeiten. Aber seinem eigenen Song stellt Grönemeyer hier das „Steigerlied“ („Glück auf!“) voran und läßt es durch die Menschenmenge im vollen Ruhrstadion singen. Und jetzt raten Sie mal, woher das Lied stammt? Genau: Aus Mitteldeutschland 😃 ! Einige Strophen tauchen schon in einem 1531 erschienenen Zwickauer Liederbuch auf, die ersten vollständigen Überlieferungen als Steigerlied oder –marsch datieren auf Schneeberg, 1678 sowie ein Freiberger Liederbuch um 1700!

Sketch des Monats: Der Kantorennachwuchs

Ein Sketch für vier Personen

Wundersdorf, Oderbruch. Im Wohnzimmer der Familie Langenfeld. Edith und Richard sitzen auf dem Sofa, im Sessel Lilly, eine Freundin aus dem sonnigen Südwesten. Sie hat vor Jahren eine Weile in Wundersdorf gelebt und ist auf einer zweiwöchigen Besuchstour im Osten unterwegs. Die drei trinken Tee zusammen, unterhalten sich und begucken nebenbei Lillys Fotos von ihrem Aufenthalt in Dresden zwei Tage zuvor.

Lilly (scrollt auf ihrem Smartphone): Und hier – in der Hofkirche (Sie zeigt das Foto herum).

Edith: Ah ja, die Kanzel. Schön!

Richard: Jaaaa! Dieser Löwe! Ich liebe diesen Löwen! (Er erbittet sich das Smartphone und zoomt sich den Löwen ran.)

Dresden, Hofkirche; Kanzel (Ausschnitt; eigenes Bild)

Edith: Dort warst du wohl in der Messe?

Lilly (nimmt das Smartphone wieder an sich und scrollt weiter): Ja, Sonntag um zehn. Und da war ein Kantor … du schmeißt dich weg … soooo süß … einer von den Kapellknaben, wißt ihr? Schön im liturgischen Gewand, weiß und rot, das haben die ja da alle … (die drei blicken sich vielsagend an und Edith und Richard nicken. Sie wissen, worauf Lilly anspielt …) Ich sage euch, der konnte kaum auf den Ambo gucken, so klein war der, aber hat so schön gesungen – ah! Das ist auch ein lustiges Bild (Sie zeigt das Foto herum)

Edith: Nur die Kuppel der Frauenkirche hinter einem Wall? Wo hast du denn den Blick erwischt?

Dresden, hinter den Brühlschen Terrassen, die Kuppel der Frauenkirche (eigenes Bild)

Lilly: Ich weiß nicht mehr … irgendwie da die Brühlschen Terrassen lang – und … ach, ich bin so in Gedanken gelaufen. (Sie scrollt.) Aber sagt mal … wir hatten hier doch auch mal so gute junge Kantoren … gibt’s die noch?

Edith: Du meinst die Jungs? Ach! Da singen doch längst …

Teresa (von draußen): Mamaaaaaaaa! (Sie kommt ins Wohnzimmer gestürmt.) Ah! Hallo Lilly! Wie geht’s? (Sie gibt Lilly die Hand und wendet sich, bevor Lilly antworten kann, gleich wieder Edith zu) Mama! Ich brauche heute die 60 Euro für die Abschlußballkarten!

Edith: Teresa! Du kommst hier einfach reingestürmt … wir unterhalten uns gerade!

Teresa: Mama! Bitte! Jetzt! Matthias wartet schon unten. (Sie wedelt mit den Händen.) Kannst du mir das Geld bitte jetzt geben?

Edith (verläßt seufzend mit Teresa den Raum, zu den andern): Bin gleich wieder da.

Lilly (grinst): So war ich früher auch! Immer alles auf den letzten Pfiff! (Sie legt ihr Smartphone beiseite.)

Richard (trinkt einen Schluck Tee): Klar (Er grinst.) Wenn man immer die Erfahrung macht, daß irgend jemand es schon rausreißen wird … Aber sonst ist sie ein gutes Kind! Das wird schon.

Lilly: Na klaaaar! Und groß geworden! Donnerwetter! Die hätte ich ja auf der Straße kaum erkannt … eine richtige junge Dame!

Richard (nickt; mit Vaterstolz): Mhm! Aus Kindern werden Leute.

Edith (kommt wieder ins Zimmer, während man draußen die Wohnungstür ins Schloß fallen hört): So. Dann wäre das auch erledigt. – Wo waren wir stehengeblieben?

Lilly: Beim Wundersdorfer Kantorennachwuchs. Ich hatte gesagt, da gab es doch ein paar junge Leute, die so herrlich gesungen haben, damals, mit dem tüchtigen Kaplan, als wir hier den Jugendchor noch hatten. Und du wolltest glaube ich gerade sagen, da singen doch längst deren Kinder? Mein Gott – ich war so lange nicht hier! (Sie schüttelt den Kopf.)

Edith: Ach so! (Sie lacht.) Neenee – ich wollte sagen, da singen doch längst wieder die Eltern. (Sie gräbt lachend ihr Gesicht in beide Hände.)

Lilly (entgeistert): Wie? Die Eltern?

Richard: Na ja – die Eltern eben.

Lilly: Ja aber …

Edith (öffnet die Hände): Na, die jungen Leute sind weggezogen … Studium, Beruf, keine Ahnung. Tilman, den du jetzt wahrscheinlich meintest …

Lilly: Genau! Tilman hieß der eine von ihnen.

Edith: … der ist inzwischen unten bei euch da … Freiburg die Ecke.

Lilly: Und dann kantorieren wieder die Eltern? Naja – die können es immerhin sicher. Und irgendeine Altersgrenze gibt es wohl nicht? Wie damals auf der Orgelbank …

Edith: Altersgrenze? Hm. (Sie schaut Richard an) 50, würde ich sagen (Sie lacht.)

Lilly: Ach! … Wie? … Ich dachte …

Richard (grinst bitter): … Mindestalter!

Lilly (lacht auf): Du guter Gott!

Richard: Es wird natürlich Nachwuchs bei den Kantoren gesucht. Stand im Pfarrbrief. Aber wer den liest, der hatte es auch schon selber gemerkt.

Lilly (nickt verständnisvoll): Und – der Pfarrer klappert die Kinder- und Jugendchöre seiner Pfarrei ab und versucht in den Proben die Jungs und Mädchen zu begeistern?

Edith: Ääääh … (sie blickt Richard hilfesuchend an) … ich bin mir nicht sicher … ob er mal selbst in die Proben geht …

Richard (sarkastisch): Ich glaube, er wartet eher darauf, daß sich irgendwann jemand nach der ersten Lesung in Ninja-Manier aus der Kuppel abseilt und den Ambo entert.

(Die beiden Frauen malen sich die Situation aus und lachen.)

Edith: Ja … Kantorieren … das ist ja gar nicht so einfach!

Richard: Neenee, das muß man schon ein bißchen vorbereiten … wenn man da Nachwuchs haben will …

Edith: … mal ‘ne Schulung anbieten oder so …

Richard: … ein bißchen langfristig.

Lilly: Ah ja! Wie war das gerade? Immer alles auf den letzten Pfiff? Scheint nicht nur ein Problem von Jugendlichen zu sein …

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß Weimar bisher noch wirklich tonsichere Erwachsene der mittleren bis älteren Generation zum Kantorieren hat. Aber ein paar Jugendliche wären schon gut – wegen der Vorbildwirkung für andere Jugendliche! Denn wenn man – auch als Lektoren – immer nur Gemeindemitglieder am Werk sieht, die 40 Jahre und mehr älter sind als man selber – kommt man dann auf die Idee, dieser Dienst könnte auch was für einen selber sein? Wir (ein paar Leute, mit denen ich mich unterhalten habe und ich selber) denken: nein.

Vielleicht halte ich dazu irgendwann nochmal ein paar Stichpunkte fest, hier auf PuLa. Das heute war – pünktlich zum Ehrenamtsdank, der an diesem Samstag wieder stattfindet – erstmal ein kleiner satirischer Einstieg, von dem ich hoffe, daß niemand ihn übelnimmt.

Manchmal werden unsere Satiren ja von der Realität eingeholt und bleiben dahinter zurück. Diesmal haben wir die Sache ein bißchen zugespitzt, um das Problem deutlich zu machen. Denn zum Glück hat Weimar ja außer den guten altgedienten Kantoren seine berühmten WWF (Winzigen Weimarer Freundeskreise). Und da findet sich denn auch unter den Kantoren über kurz oder lang jemand, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Und so wird es denn mit Gottes (und Gothes) Hilfe vielleicht schon nach den Herbstferien etwas werden, mit der Schulung. Und dann vielleicht auch mit den jugendlichen Nachwuchssängerinnen und -sängern. Eine einzelne tapfere Newcomerin haben wir bis dahin schon mal dingfest gemacht. Aber sie sollte im Kantorendienst nicht allein in ihrer Generation bleiben!

Ach ja: Den kleinen Kapellknaben, der kaum auf den Ambo gucken konnte und der trotzdem schön kantoriert hat, den gibt es wirklich. Den haben wir am 12. Mai 2019 (Muttertag)

Eine Pietà aus Meißner Porzellan

selbst in der Hofkirche erlebt.

Cornelie Becker-Lamers

Ja, Chorkleidung! (3/4)

Grafikdesign will gelernt sein

In den vorangegangenen Texten hatten wir über die gängige Übertragung der Idee von Corporate Identity und Corporate Design auf Gruppen der Kirche gesprochen. Was die Kinder- und Jugendchöre in Herz Jesu Weimar betrifft (von denen übrigens derzeit nur noch die Cäcilini übrig sind, also ein Vokalensemble; die Homepage ist da irreführend), ergibt sich dasselbe Bild wie beim Erwachsenenchor. Dem äußeren Erscheinungsbild wird von offizieller Seite keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl wir für Anlässe angefragt und zu den pueri-cantores-Festen entsandt werden. Man scheint die Frage der Identifizierbarkeit und Öffentlichkeitswirksamkeit der Gruppen einzig und allein für ein Problem der Chorleiterinnen zu halten, was es aber nicht ist. Zumal es bei theoretisch mehreren Chören und, da Pfarrei ohne Kantorenstelle, mehreren ehrenamtlichen Leiterinnen auf der Hand liegt, daß Treffen zur Ideenfindung, Meinungsbildung, Abstimmung und gemeinsamer Entscheidung unabdingbar wären. Meine Gruppe besteht übrigens, einfach mal nebenbei bemerkt, nicht „72 Stunden“, sondern seit zweimal 72 Monaten – nämlich gut 12 Jahre. Dennoch schlägt, sooft das Gespräch in die Nähe des Themas Chorkleidung zu geraten droht, der Gemeindereferent mir lediglich vor, einen Verein zu gründen, dann könne man leichter T-Shirts beantragen.

Ich weiß immer nicht, ob ich bei dieser Bemerkung, die zu 100% am Problem vorbeigeht, lachen oder weinen soll. Die Kirchgemeinde, deren Mitglied ich bin, ist bereits eine Körperschaft öffentlichen Rechts. In jedem Jahr wird ihr ein Geldbetrag für jedes Mitglied zugewiesen. Warum sollte irgend jemand, der durch Kirchensteuer, die wöchentlichen Kollekten und ehrenamtliche Arbeit zum Kirchenvermögen beiträgt, einen Verein für die Kinderchorarbeit, ein Vokalensemble, einen Instrumentalkreis, die Seniorenarbeit … der eigenen Heimatpfarrei gründen? Vor dem Hintergrund der Geschichte unserer Pfarrei besteht dann nur die erhöhte Gefahr, daß diese Gruppe als Privatangelegenheit angesehen und nur noch weniger unterstützt wird. Das hatten wir – auch ohne Verein – bekanntlich alles schon.

Ich werde mich daher niemals allein um T-Shirts für die Cäcilini kümmern. Ich komponiere schon für die Gruppe. Man kann nicht alles machen. Und man kann nicht alles können. Studieren die Grafiker und Designer denn nur aus Spaß vor sich hin? Nein! Das Entwerfen sichtbarer Motive und die Anordnung von Schrift und Bild auf der Fläche wollen gelernt sein, in puncto Kleidung wie in puncto Werbung. Wenn sich da irgend jemand ein paar Stunden an den Rechner setzt und ein paar Zeilen hin- und herschiebt, kommen Plakate heraus, die man sogar übersieht, wenn man weiß, wo sie hängen und sie aktiv mit den Augen sucht. Auch das haben wir schon durch. Außerdem möchte ich ganz bewußt, daß sich jemand anders mit um die Chorkleidung kümmert, und zwar als Zeichen dafür, daß auch jemand anders als nur ich sich für die Musik mit den Kindern und Jugendlichen interessiert und engagiert. Wir werden schließlich für die Gestaltung von Messen, Andachten, Seniorennachmittagen und sogar von Pfarreien außerhalb angefragt – da sollte sich unsere Pfarrei von offizieller oder offiziell beauftragter Seite auch zu dieser Gruppe bekennen und die Arbeit mit allen erdenklichen Werbemaßnahmen unterstützen – je magerer das Angebot in der Kinder- und Jugendseelsorge unserer Pfarrei wird, desto entschlossener.

Wo hängt’s in Herz Jesu Weimar? Am Geld aus mehreren Gründen definitiv nicht. Die Jugendgruppe ist vor gut drei Jahren auf eine einstellige Zahl an Mitgliedern zusammengeschrumpft, die Pfadfinder arbeiten auch in Weimar als Teil des 1907 gegründeten internationalen Vereins und arbeiten auf eigene Rechnung, Jugendchor und Herz Jesu Finken proben nicht mehr, die Cäcilini brauchen nicht mal Geld für Noten, weil ich die selber schreibe und ausdrucke, das Benzin für den Bonibus bezahlt man bei Fahrten mit den Gruppen der Pfarrei als Ehrenamtler selber, Plakate vom Designer gibt es ebenfalls aus Kostengründen nicht, Requisiten werden nicht mal für das Krippenspiel bewilligt und die RKW, die bis 2015 jahrelang Gewinn für die Pfarrei abwerfen mußte, arbeitet derzeit kostendeckend. Da dennoch ein Haushaltstitel für die Kinder- und Jugendseelsorge existiert, kann es am Geld nicht liegen. Auch aus finanzieller Sicht ist mir die Aufforderung zu einer eigenen Vereinsgründung also unverständlich.

Ich kenne eine evangelische Landpfarrei, da gab es Chor-T-Shirts (von einer Designerin entworfen und ganz im Sinne der Wiedererkennung einer Corporate Identity abgestimmt auf das entsprechende Werbeplakat und die Handzettel) schon vor der ersten Probe. Kein Kind zahlt für sein T-Shirt, sondern tauscht von Jahr zu Jahr einfach die passende Größe ein. Wie das geht? Der Landpfarrer hat ein einziges Unternehmen am Ort, das er von Zeit zu Zeit als Sponsor für solche ganz konkreten Dinge gewinnen kann.
Just do it!
Weimar hat mehrere (Einkommens-)Millionäre. Auch katholische. Auch solche, die noch nicht aus der Kirche ausgetreten sind. Als ich unseren neuen Pfarrer das erste Mal um T-Shirts für die (damals noch drei) Kinder- und Jugendchöre bat, nannte ich ihm einige dieser Menschen, die, wenn es sich denn partout als notwendig herausstellen sollte, via Sponsoring vielleicht solche Kleidung bezahlen könnten. Oder man widmet mal eine der zahlreichen Kollekten für die Kinder- und Jugendseelsorge der Pfarrei konkret einem solchen Projekt. Vergebliche Liebesmüh, da es offenbar gar nicht sein soll.

Waaaarum?

Ich thematisiere das, weil es in Herz Jesu Weimar wirklich System hat und ich, da meine Gruppe ja mit darunter leidet, wenigstens die Begründung dafür gerne erfahren würde. Die im September 2015 42-köpfige Pfarrjugend, die zwei Mädchen zum Amtsantritt des neuen Pfarrers zusammengetrommelt hatten, bat damals ebenfalls um T-Shirts bzw. bedruckte Kapuzenpullis. Die Jugendlichen wollten als Pfarrjugend Herz Jesu Weimar für die katholische Kirche Reklame laufen. Was für ein Geschenk des Himmels (besonders nach dem Weggang eines Pfarrers, der sogar zu offiziellen Anlässen statt im Collarkragen mit offenem Hemd und Windjacke neben seinem orthodoxen Kollegen im Rhason auflief). Aber auch diese Jugendlichen bissen mit ihrer Bitte auf Granit. Keine Chance. Corporate Identity in Herz Jesu Weimar Fehlanzeige. (Wenn ich im Verlauf meiner Texte ab und zu solche scheinbar alten Geschichten auftische, kommt das daher, daß wir nicht bei der ersten Irritation schreiben, sondern sehr lange zusehen, bis uns eine Angelegenheit aufgrund vieler vieler Beispiele als strukturell verfahren und uns ein Umdenken dringend notwendig erscheint.)

Also: Was ist los?

Worauf ich mit dem Eingangszitat dieser Textreihe („Es war ein entsetzliches Bild“) hinaus wollte, war nicht, daß ich das genauso hart formulieren würde. Aber was ich befürchte, ist, daß das Erscheinungsbild einer Gruppe als Spiegel ihres inneren Zustandes gelesen wird. So oder so. Und ich denke, daß man auch von außen nach innen wirken kann. Sprich: So was wie Chorkleidung bringt dann einfach auch ein Mehr an Identifikation mit sich. Die Premiumausführung ist natürlich ein Gewand in Weiterentwicklung der alten „Chorhemden“, wie wir sie in verschiedenen, auch Jugendchören am Ort haben und auch durch Gäste schon in der Messe erleben konnten.

Die Cäcilini wissen sich in der Regel zu helfen und sprechen sich mittlerweile von Fall zu Fall eigenständig ab.

„Hat jede so ein ‚Conni‘-T-Shirt?“ Die Cäcilini im Hochamt am 26. August 2018 einheitlich in gestreiften Shirts, teils bei der Generalprobe noch mit Jacke (eigenes Bild)

Vor dem Hintergrund der enttäuschenden Entwicklung der Jugend- wie der Chorarbeit in Herz Jesu Weimar haben wir keinen Grund, mit den Schultern zu zucken. Vielmehr müssen wir alle gemeinsam alles versuchen, was die Anziehungskraft der Pfarrjugend und der musikalischen Gruppen unserer Pfarrei erhöhen könnte.

Cornelie Becker-Lamers

Fortsetzung folgt

Ja, Chorkleidung! (2/4)

Zugehörigkeit und Ausstrahlung

Im vorangegangenen Text haben wir über das Bemühen der Kirche gesprochen, die Unternehmensstrategie des Corporate Design und der Corporate Identity auf Ehrenamtliche und Gruppen der Pfarreien zu übertragen.

Und so ist denn auch die Idee der anlaßbezogen bedruckten T-Shirts längst im kirchlichen Leben angekommen. Keine Ministrantenwallfahrt, keine 72-Stunden-Aktion des BDKJ, kein pueri-cantores-Fest, in dem man seitens der kirchlichen Veranstalter nicht mit den weltlichen Gruppen von Benefixlauf, Stadtlauf, Grundschul-Abschieds-T-Shirt 4. Klasse (und was dergleichen Anlässe mehr sind) Kleidungsstücke, Basecaps oder Tücher um die Wette druckt. Erfahrungsgemäß – und auch damit kalkulieren die Veranstalter längst – schreckt es niemanden von der Teilnahme ab, wenn die Kosten dabei auf die einzelnen Teilnehmenden umgelegt bzw. die Preise der T-Shirts kommentarlos bekanntgegeben werden. (Im Falle der letzten 72-Stunden-Aktion immerhin 20 Euro pro Nase.)

Identität und Erinnern: bedruckte Sachen als Souvenirs vom pueri cantores-Fest 2018, der Ministrantenwallfahrt nach Rom, von der Jugend im Bistum Erfurt, vom Papstbesuch 2011 und vom Elisabethjahr 2007 als Auswahl dessen, was sich in unserem Haushalt über die Jahre angesammelt hat (die weltlichen Pendants an bedruckten T-Shirts hier nicht im Bild; eigenes Bild)

Das „Benedikts Schäfchen“ war eine ganze Weile das Sport-T-Shirt meiner Tochter. Da sie es bewußt und mit Stolz trug, dürfte es mit dafür verantwortlich sein, daß man sie in der Schulklasse mit ihrem katholischen Glauben identifiziert und bis in den Sozialkundeunterricht hinein in allen Fragen rund um Kirche um ihre Meinung bittet.
Also: „works as advertised“ – will sagen: Die Corporate Identity, die sogar noch in dem „Benedikts-Schäfchen“-T-Shirt steckt, bewirkt im konkreten Fall – wenn auch nicht allein – tatsächlich das Identifikationsangebot, das Gefühl der Zugehörigkeit, die ‚Kundenbindung‘, das persönliches Einstehen und die positive Ausstrahlung, die wir im gestrigen Text zusammenfassend postuliert haben. Im Bistum weiß man das alles. Beim Papstbesuch überließ man daher nichts, aber auch gar nichts dem Zufall: Damit nicht etwa ein Regenschauer die Helfer unsichtbar machen würde, gab es zusätzlich zu den T-Shirts auch noch Regencapes.

Warum schreibe ich das alles?

Herz Jesu Weimar hätte im musikalischen Bereich ziemlich viele Möglichkeiten, eines oder mehrere unter etlichen Alleinstellungsmerkmalen herauszustreichen und dadurch etwas für die Sichtbarkeit, d.h. das Zeugnis-Ablegen unserer Pfarrei und damit unserer Konfession in unserer Stadt zu tun. Seine Franz-Liszt-Gedächtnisorgel zum Beispiel. Oder die Komponisten der Pfarrei in Geschichte und Gegenwart: Hummel, Cornelius und Liszt, Vollmer, Albrecht und Kassel, Dietrich, Schöneberger und Kapsner und weitere, die ich nicht kenne oder bei dieser Aufzählung vergessen habe.
Oder die Cäcilini mit ihrem besonderen Repertoire, das ebenfalls aus einer ganzen Reihe von Originalkompositionen und Uraufführungen in Weimar und andernorts resultiert. Jede Menge Möglichkeiten. Leider aber nutzt man nur eine einzige, um unsere Pfarrei von allen anderen Gruppen dieser Welt zu unterscheiden – diese dafür aber umso konsequenter:

Es gibt für die Chöre der Pfarrei Herz Jesu Weimar keine Chorkleidung.

Einfach nein.

Und wenn Sie sich auf den Kopf stellen – keine Chance!

Fragen Sie mich nicht warum – um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, schreibe ich diesen ganzen langen Text hier. Vielleicht stößt er ja endlich die dringend notwendige Debatte an.
Ich muß es mir jedenfalls endlich einmal von der Seele schreiben, weil das Thema mich nicht losläßt. Ich weiß nicht, wie viele Male ich und andere es schon angesprochen haben. Im Chor selber natürlich, anfangs jedes Mal vor größeren Anlässen. Und unser Chorleiter weiß selbstverständlich ebenfalls, wie ein Chor – noch dazu ein Chor mit liturgischen Diensten – auszusehen hat; macht es in glatt schwarz auch immer richtig vor, formuliert es nur nicht. Und ohne, daß man es konkret ansagt, genügt das Vorbild allein nicht. Da sind überkommene Gewohnheit und Gruppendynamik stärker. Nicht einmal ein für alle eindrückliches Erlebnis beim Besuch des Speyerer Domchores vor einigen Jahren konnte in dieser Hinsicht etwas ausrichten.

Also sprach ich das Thema auch schriftlich an, in Emails an den Pfarrer und an den Chorleiter, traf als Reaktion aber nur auf dieselben zuckenden Schultern, auf die man in Herz Jesu Weimar immer trifft, wenn man mangels Möglichkeit zum sachbezogenen Gespräch im größeren Kreis Einzelne, etwa auch aus den Gremien, anspricht. Ist das Fehlen von Chorkleidung etwa Absicht und Stil des Hauses? Aber warum nur? Sooft man die Zeitung aufschlägt, sieht man, daß jeder, aber auch wirklich jeder Dorfchor uns hinsichtlich optischer Geschlossenheit der Gruppe etwas vormacht. Das geht ja auch wirklich, ohne daß man einen Pfennig zusätzlich in die Hand nimmt, indem man schwarze Kleidung und irgendein bestimmtes Accessoire vereinbart. Keine Hexerei. Man darf es halt nur nicht dem Zufall überlassen.

Als anläßlich des 125. Kirchweihjubiläums (zu dem der Chor übrigens ein wirklich grandioses Programm inklusive dem berühmten „Halleluja“ aus Händels Messias sauber abgeliefert hat) ein Foto für den Internetauftritt der Pfarrei gemacht werden sollte, bekniete ich unseren Dirigenten: Sag wenigstens diesmal was zur Kleidung. Wir sehen jedes Mal aus wie die Teilnehmer der Bürgerreise nach Blois. Sollte heißen: Jede und jeder ordentlich gekleidet – aber wie eine temporär zusammengewürfelte Truppe.
Mit dieser Äußerung war ich freilich im Unrecht; den Teilnehmenden an den Weimarer Bürgerreisen gegenüber nämlich. Denn sogar die Bürgerreisen sind auf ihre Corporate Identity und das damit einhergehende Identifikationsangebot, auf ein Zusammenwachsen als Gruppe, d.h. Kundenbindung und auf das Kleidungsstück als Souvenir bedacht. Selbstverständlich haben sie pro Reise ein T-Shirt, und zwar seit langem schon: Bemerkte ich doch neulich, daß unser Nachbar bei der Gartenarbeit sein quittegelbes T-Shirt der Weimarer Bürgerreise nach Blois aus dem Jahr 2001 auftrug.

Natürlich wünsche ich mir für den Kirchenchor der Erwachsenen in Herz Jesu Weimar keine bedruckten T-Shirts. Aber für unabdingbar halte ich Chorkleidung – am besten nicht nur schwarz plus Tuch, sondern wirklich Gewänder –, wie sie in allen zivilisierten Gegenden dieser Welt üblich sind:

Cornelie Becker-Lamers

Fortsetzung folgt

PS: Um falschen Schlußfolgerungen vorzubeugen: Die fehlende Chorkleidung ist natürlich kein Grund, nicht im Kirchenchor mitzusingen!