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‚Unzeitgemäße‘ Betrachtungen…

… zur „Liturgischen Zeit„.

Im vorangegangenen Beitrag (4. Februar) hatte ich mich anhand eines Zeitungsartikels (erneut) mit „Mariä Lichtmeß“ als Punkt im Kirchenjahr befaßt.
Der Kommentar des Kollegen „Vincentius Lerinensis“ ist so gehaltvoll und dazu angetan, die Sache weiterzubringen, daß ich mich in altbewährter Weise entschlossen habe, ihn nicht nur im Kommentarbereich, sondern zusammen mit meiner vorläufigen Antwort „hier oben“ zu veröffentlichen!
Lesen Sie also, wenn Sie ihn u.U. nicht mehr so ganz präsent haben sollten, den Ursprungsbeitrag, um dann mit dem Kommentar einzusetzen!

Es mag in der Zeitung stehen, es ist aber trotzdem falsch — und war es schon immer. Die Kalenderreform hat die Weihnachtszeit nicht verkürzt, sondern um ein paar Tage verlängert. Sie endet jetzt mit dem Fest Taufe des Herrn, früher endete sie mit Epiphanie (auch wenn der erste Sonntag nach Epiphanie von einem Fest, nur einem anderen, WIMRE [Anm. der Redaktion: Im Internet geläufige Abkürzung für: „Wenn ich mich recht erinnere“, vgl. IIRC] dem der Heiligen Familie, verdrängt wurde).

Die Sonntage nach Epiphanie zählten aber mitnichten zur Weihnachtszeit, vielmehr wurden sie genauso in grün gefeiert wie die Sonntage im Jahreskreis.

Auch ist Lichtmeß niemals das Ende der Weihnachtszeit gewesen. Vielmehr konnte Lichtmeß bereits mitten in die Vorfastenzeit fallen (tut es, glaube ich, dieses Jahr sogar), die allerdings auch noch nicht so richtig zum Osterfestkreis gehört(e), da ihre liturgische Farbe ebenfalls grün ist.

Natürlich ist Lichtmeß von Weihnachten abhängig (40. Tag), aber Dreifaltigkeitssonntag, Fronleichnam und Herz Jesu sind auch von Ostern abhängig, ohne daß die Osterzeit erst mit dem Herz Jesu-Fest endete.

Durch die Liturgiereform ist das nur deutlicher geworden, da zuvor die Festzeiten offener in die Nicht-Festzeiten übergingen, die einfach nach dem letzten Fest des jeweiligen Festkreises gezählt wurden (Sonntage nach Epiphanie, nach Pfingsten).

Natürlich dürfen die Weihnachtsbäume und Krippen bis Lichtmeß stehen bleiben. Die sind ja auch kein Bestandteil der Liturgie und ihrer Vorschriften (und es auch m.W. nie gewesen). In manchen Gegenden stehen die Krippen wohl das ganze Jahr über. Das gehört alles in den guten Bereich der Volksfrömmigkeit.

Nur sollte man zwischen Liturgie und Volksfrömmigkeit klar unterscheiden, sonst kommt zur historisch falschen Unterstellung, daß die Kalenderreform die Weihnachtszeit verkürzt hätte. Hat sie nicht, und die Volksfrömmigkeit darf gerne weiter bis zum Aschermittwoch Weihnachten feiern, das hört ja genauso wenig jemals auf wie Ostern oder Pfingsten.

 

Lieber Kollege!

vor allem anderen, selbst vor dem Dank, die herzliche Bitte um Entschuldigung, daß ich diesen wertvollen Kommentar derart lange in der Warteschlange gelassen habe! Es war gewiß keine Absicht, ich komme nur gerade nicht rum und daher nur sehr unregelmäßig zum Bloggen!

Dann also: Danke! Der Inhalt Deines Kommentars gehört nämlich genau zu dem, was ich meinte, als ich über das schrieb, was ich alles gerade nicht schaffen würde (s.o…. 🙁 ) Und ich will gerne zugeben, daß ich den Eindruck, eine Verkürzung der Dauer der Weihnachtszeit gehöre mit zu den Änderungen in liturgischen Kalender nach dem zweiten Vatikanum durchaus bewußt nicht vermieden habe, obwohl ich schon so eine Ahnung hatte, es könne so sein wie Du sagst… 😉

Nur, ist damit schon alles gesagt? Ich glaube, nein! Denn der Eindruck, der entstanden ist, da hätte sich etwas in der „Einteilung“ der ‚kirchlichen Zeit‘ (was für den einfachen Gläubigen ja nicht notwendigerweise identisch ist mit der ‚liturgischen Zeit‘ im sozusagen fachlich-korrekten Sinne), der ist eben einfach da, und der ist es ja auch, der sich in dem zitierten Zeitungsartikel spiegelt!
Ein Artikel, den ich natürlich von vornherein nicht als Beitrag einer Fachjournalistin gewertet habe (Frau Tismer ist eher eine Fachfrau i.S. alter Autos und Bergrennen, ja, wirklich!), sondern als Ausdruck des mit diesem Eindruck verbundenen Unbehagens. Und daß das (Pseudo-) Argument: „Das Konzil hat es aber so gewollt“, das ja allzuoft als sprichwörtliche ‚Schere im Kopf‘ funktioniert, im Jahr 2018 diese Wirkung nicht mehr unbedingt entfaltet, das finde ich immer noch ebenso bemerkenswert, wie die schiere Tatsache, daß 50 Jahre seit den schrecklichen 60er Jahren ins Land gegangen sind, und ‚die Leute‘ empfinden immer noch so!

Den Gründen dafür nachzuspüren, will ich irgendwann versuchen, denn es muß ja irgendwoher kommen, das „Gefühl“, sich an irgendwelchen konkreten tatsächlichen Veränderungen festmachen lassen, auch wenn diese jedenfalls nicht im direkten Sinne das Ende der Weihnachtszeit im liturgischen Kalender betroffen haben.

Herzlichen Gruß

Gereon

PS: Du hast ganz recht: Als Du den Kommentar schriebst war der Sonntag Septuagesima, der den Beginn der Vorfastenzeit markiert(e), schon vorüber (28. Januar). Zur Vorfastenzeit habe ich übrigens hier schon mal was geschrieben (und finde es nach über vier Jahren nicht revisonsbedürftig.. 😉 )

„Vatikanisches Konzil hin oder her“

Vor Jahr und Tag, ok, vor Jahr und zwei Tagen, also zu Mariä Lichtmeß 2017 schrieb ich in diesen Zeilen über das „wirkliche Ende der Weihnachtszeit“ und endete nach einigen Betrachtungen über die Art und Weise, wie früher und wie gerade aktuell die liturgischen Zeiten heißen mit dem Satz: „[…] so ist jeder Baum und jede Krippe, die bis Lichtmeß stehen, auch in dieser Beziehung ein Hoffnungszeichen und ein Zeichen des Widerstands, den der Glaubenssinn vor Ort nun schon seit Jahrzehnten leistet – ist ja nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte.“

Gestern nun durfte ich lesen:

„Weihnachten endete gestern. Und keinen Tag früher“,

worauf einige Bemerkungen über das zweite vatikanische Konzil, „seine“ Liturgiereform und die damit verbundene Festlegung des „Ende[s] der Weihnachtszeit“, vor allem aber über das Festhalten der Menschen an „jahrhundertelangen Traditionen“ folgten, Bemerkungen, die in dem Satz gipfelten, der die Überschrift dieses kleinen Beitrags bildet.

Ja, Sie hatten doch nicht etwa gedacht, ich würde so flapsig über das 21. Ökumenische Konzil schreiben, oder? Käme mir gar nicht in den Sinn! 😉
Wer dann so geschrieben hat? Silvana Tismer, die Lokalchefin der Blätter der Funke-Mediengruppe in Heiligenstadt und so sprang mir der kleine Text, der seinerseits die Überschrift hat: „Es geht auf Ostern zu“ (und auch damit meinen Bemerkungen aus dem vergangenen Jahr ähnelte!) eben gestern in der samstäglichen Kolumne ‚Guten Morgen‘ ins Auge.

Gerade-so-nach-Weihnachtszeitliche Zeitungslektüre (eigenes Bild)

Das ist doch wirklich sehr bemerkenswert: Da stehen Sachen in der Zeitung, mitten hier in der mitteldeutschen Diaspora (wenn auch aus dem Eichsfeld geschrieben), die man so ohne weiteres nicht erwartet hätte. Wie schön, wenn sich jemand traut, seine empirischen Beobachtungen und daran geknüpften Betrachtungen ohne falsche Rücksichtnahmen aufs (Druck-) Papier zu bringen! Ganz so, wie man das von Journalistinnen und Journalisten erwartet!

Tatsächlich: Gerade eben in der 18.00 Uhr Messe hier in Herz-Jesu Weimar war zwar die Krippe abgeschmückt, aber sie stand noch, ebenso wie der Baum, noch mit seinen Strohsternen und – niemand fand es seltsam! (Wiewohl der Gesamtcharakter des Gottesdienstes schon eher zur Vorfastenzeit [die es aber ja im novus ordo gar nicht mehr gibt!] paßte, als zum „5. Sonntag im Jahreskreis“, aber das ist ein anderes Thema…)

Nun scheint mir, gerade in diesem Jahr gibt es eine ganze Menge von Beiträgen über „Lichtmeß“, Bedeutung und Herkommen, auch in katholischen Medien, aber das mag auch bloß mein Eindruck sein. Nicht nur subjektiv ist aber die Beobachtung, daß etliches in diesen Beiträgen nicht recht zusammenpassen will und das betrifft gleich mehrere Ebenen.
Und eine dieser Ebenen spricht Frau Tismer sozusagen unerschrocken an: Wie war es vor der Zeit, die von den Entwicklungen geprägt ist, die das Zweite Vatikanum ausgelöst hat? Ob das wirklich „seine“ (des Konzils) Liturgiereform war, was dann über uns gekommen ist, ist bekanntlich umstritten, aber daß sich der liturgische Kalender verändert hat, steht ja fest.
In einer Zeit, in der auch in unserem Bistum immer mehr Menschen Fragen stellen, wie das „früher“ denn war, mit der Liturgie und neugierig sind auf „Tradition“, ja, spüren, es ist ihre Tradition, da tut die Beantwortung dieser Fragen not.

Leider habe ich im Augenblick nicht die Kraft/Zeit, das in der Qualität anzugehen, die Sie zu recht von PuLa erwarten (vgl. hier z.B.) aber, es geht nichts verloren und, deo volente, nobis viventibus, wird sich noch Gelegenheit ergeben! 🙂

Das ist Kunst!

Das ist Kunst!

Ein lustiges Gedicht aus traurigem Anlaß

 

Hier steht Kunst in Pfarrers Garten.

Doch nicht Werke aller Sparten:

Chainsaw-Carving mag er sehr,

drum steht das hier mehr und mehr.

Der Orkan, der Friederiker,

hatt‘ die Fichte auf dem Kieker –

wie ein Streichholz umgehaun

inklusive Gartenzaun!

Schnell beräumt die Stadt den Schaden,

rot-weiß abgesperrt der Ort,

und zersägt der Baum sofort,

Teile gleich schon aufgeladen.

 

Freitag schon ist kaum noch sichtbar,

was am Tag zuvor geschah,

und die Teile, licht und lichtar,

liegen still und friedlich da.

 

Wenn die Kunst jetzt mit verschwände –

denkt euch nur! O welch ein Schreck!

PuLa stellt drum klar behende:

Das ist Kunst

und das kann weg!

Cornelie Becker-Lamers

(Alles eigene Bilder)

Und führe uns nicht in Versuchung …

… zu viel zu schreiben

Einige unserer Leserinnen und Leser haben PuLa um einen Kommentar zum derzeitigen Übersetzungsstreit hinsichtlich der sechsten Vater-unser-Bitte gebeten. Aber die Aufgabe von PuLa ist eine andere und wir fühlen uns nicht kompetent.

Außerdem scheint es ganz offensichtlich nicht nötig zu sein. Von Altbischof Kähler, der sich schon vor Wochen in unserer Lokalzeitung ganz eindeutig zur Korrektheit der gebräuchlichen Übersetzung positioniert hat (vgl. auch hier) bis zum Theologieprofessor Michael Seewald, der in der aktuellen Nr. 2 vom 14. Januar 2018 des Tag des Herrn eine Doppelseite zum Vaterunser füllt, sind sich die Fachleute einig: „Vordergründig lautet die korrekte Übersetzung: ‚Und nicht führe uns in Versuchung‘ (Mt 6,13)“, so Seewald auf S. 5 der erwähnten Zeitungsausgabe. Er weiß es genau, denn er versucht eine nähere Erläuterung auf Grundlage des aramäischen Kausativ, der, wie er erklärt, eine Handlungsmotivation formuliert: „Wenn zum Beispiel davon die Rede ist, daß der Bauer das Vieh ‚tränkt‘, heißt das: Der Bauer tut etwas, das das Vieh veranlaßt zu trinken.“ (ebd.) Der aramäische Kausativ. Donnerwetter. Man lernt nicht aus.

Leider folgt nun ein klassischer Fall von „Si tacuisses“. Hätte Professor Seewald es mit diesem Hinweis auf die möglichen (Anm. der Redaktion: Notabene: Die “möglichen”!!) aramäischen Denkfiguren hinter dem griechischen Text belassen, wir hätten alle gestaunt. Aber er wollte noch ein bißchen weiterschreiben: „Gott führt demnach den Menschen nicht in Versuchung, genauso wenig wie der tränkende Bauer selbst trinkt.“ (ebd.)

Warum schreibt er das? Er muß gemerkt haben, daß der Vergleich hinkt wie Israel am Jabbok, denn die Parallele zum Trinken wäre ja das In-Versuchung-Geraten Gottes selbst. Denkt Herr Seewald, das ist egal und für die Leser des Tag des Herrn allemal gut genug – merkt sowieso keiner? Ich begreife es nicht.

Wie auch immer – hätte es Professor Seewald, der an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Dogmatik unterrichtet, bloß bei diesen Ausführungen zur Übersetzung der Vater-unser-Bitte belassen. Aber er wollte noch ein bißchen weiterschreiben. Und so kommt es, nachdem wir erfahren haben, daß Jesus das alles sowieso nie gesagt hat, richtig fett. „Jeder, der schon einmal eine katholische Messe besucht hat, weiß, daß man das, was dort gesagt wird, nicht so heiß essen darf, wie es gekocht wird.“ (ebd.)

Wie bitte? Na dann Prost Mahlzeit zum nächsten lauwarmen Gottesdienst. Wer sich je gefragt hatte, ob einige Probleme in den Pfarreien schlicht damit zusammenhängen könnten, daß die Priester einfach selber nicht mehr glauben, was sie da erzählen, der bekommt hier völlig unerwartet aber deutlich die Bestätigung geliefert von einem, der es wissen muß. Und mehr noch: Der Autor, der uns da so beruhigend zuspricht, ist Jahrgang 1987 – wird also aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten 35-40 Jahren Priester ausbilden. Na dann – Prost … aber das hatte ich ja schon gesagt.

„Das Meßbuch“, so Professor Seewald im Tag des Herrn weiter, „ist voll von anstößigen Texten [ah – okääääi – war mir gar nicht bewußt!], das Gottlob [sic] voll von merkwürdigen Liedern.“ Und Strichzeichnungen, möchte man ergänzen und ist versucht, die Aussage über die merkwürdigen Lieder denn doch sofort zu unterschreiben – stiege nicht der Verdacht in einem auf, Herr Seewald meine andere Lieder als man selbst. Vielleicht dachte er beim Schreiben ja gar nicht an Huub Osterhuis oder die 777, sondern an „Wunderschön prächtige“ (eeeeewig nicht gesungen) oder den „Taufbund“ (auch ewig nicht gesungen, obwohl paar Taufen erlebt in letzter Zeit …)?

Die rituellen Gebete läßt der 2013 zum Priester geweihte Münsteraner Professor jedenfalls nur wegen ihrer Kuscheligkeit gelten: „Rituelle Gebete schaffen Vertrautheit und prägen sich ein, bleiben aber bei näherem Hinsehen oft schwer verständlich, weil sie einer anderen Zeit entstammen.“

Warum schreibt er das? Spricht er, was kaum zu glauben wäre, von sich selber oder vermutet er ein solches Unverständnis bei der Leserschaft des Tag des Herrn, der er ja drei Absätze zuvor auch schon seine Scheinparallele mit dem nicht-trinkenden Bauern untergejubelt hat? „Diese Antiquiertheit“, hält Professor Seewald fest, „verleiht ihnen [den rituellen Gebeten] Stabilität und macht sie nur schwer austauschbar.“ Nach einer letzten Abwertung der Meßtexte als „antiquiert“ kriegt der Autor die Kurve und streicht die kulturelle Verankerung der gängigen Vater-unser-Übersetzung heraus: „An die Stelle der alten Fassung würde keine neue, sondern eine Lücke treten.“ (ebd.) Wo er recht hat, hat er recht. Aber: Müßte man die Übersetzung, wäre sie falsch, nicht trotz alledem ersetzen?

Professor Seewald ist, wie erwähnt, Jahrgang 1987. Was nicht ist, kann also noch werden. Ich wünsche ihm von Herzen, daß ihm der eine oder andere Sinn aufgeht, so wie man plötzlich Gedichte versteht, die man seit langem kennt und als Schülerin nicht durchdrungen hat. Fest steht jedenfalls: Ein solches Verständnis kommt wenn, dann nur bei Texten, die man in feststehender und immer gleicher Form wiederholt.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Und jetzt wissen Sie auch, warum ich mir regelmäßig die Lektüre des “Tag des Herrn” gar nicht mehr antue/antun kann; das Wochenende ist einfach zu kostbar, beinhaltet es doch eben, ja, den “Tag des Herren”, den Sonntag, den man sich durch die Lektüre irr- oder gar ungläubiger Texte nicht beeinträchtigen lassen möchte.
Zu hart? Das glaube ich nicht. Denn es wird nicht differenziert, hinsichtlich dessen, “was in der Messe gesagt wird”, es beinhaltet ergo auch die Wandlungsworte. Wer “das ist mein Leib” “nicht so heiß essen” will (übrigens merkt man hier auch, welch bemerkenswert schlechten Geschmack das Sprachbild unter Beweis stellt, neben allem anderen), der befindet sich nicht mehr auf dem Boden der Lehre der Kirche, Punkt.

Gereon Lamers

Früher oder später…

…aber dafür nun schon zum siebten Mal erscheint in dieser weihnachtlich geprägten Zeit zuverlässig das „Bildnis des Bloggers mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung“. Was 2011 aus einer reinen Laune heraus begann, gehört mittlerweile auf seine Art auch zur Reflexion über das abgelaufene Jahr, spiegelt dessen Erlebnisse, die Freuden aber eben ggf. auch die Schwierigkeiten des Jahres wider (weshalb es sich ja das letzte Mal [bezogen auf das Jahr 2016] so ungebührlich verzögerte, hier). Da sind wir ja glücklicherweise heute doch viel zeitiger dran! 🙂

Ich weiß natürlich nicht, wie es Ihnen erging, aber ich fühlte mich im Lauf des Jahres 2017 zusehends von Baretten ‚verfolgt‘. Ja, doch, ich meine „Barette“, nicht etwa (Hipster-) „Baerte“ (obwohl… 😉 ) und auch nicht „Birette“ (von denen fühlte sich vermutlich eher eine ganz andere Art von Katholiken verfolgt – wenn es doch hierzulande nur mehr Birette gäbe…), nein, ich meine wirklich „Barette“ und zwar als Teil der (spät-) mittelalterlichen Gelehrtentracht, die, zusammen mit dem ebenfalls daher rührenden Talar dann ja zur Amtstracht der Geistlichen in den aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften geworden ist, dem von Cranach geprägten „Urbild“ ihres Gründers folgend. Und eben diesem, bzw. seinen Abbildern ist man im zurückliegenden Jahr des „Reformationsjubiläums“ jedenfalls hier bei uns eben derart häufig begegnet, daß einen im öffentlichen Raum gelegentlich das Gefühl beschlich, man könne nicht über die Schulter schauen, ohne daß da schon wieder… (vgl. auf PuLa auch hier). Und, ich mag mich täuschen, aber nach meinem Eindruck wurde der Umfang der Barette immer größer, desto später die Darstellung zu datieren ist, so daß ich den Eindruck gewann, im Verlauf des 19. Jahrhunderts hätten geradezu „Wagenräder“ die Silhouette der einschlägigen Standbilder geprägt.

Und so stand gewissermaßen ein überdimensioniertes Barett schon im Raum, als mir der Zufall (?) die Regenschutzhülle eines neu angeschafften Notebook-Rucksacks in die Hände – und dann auf den Kopf spielte… Dann galt es freilich noch ein anderes persönliches Vorbild für das genaue Bildmotiv zu finden, das versteht sich ja von selbst, aber das ging schnell und dies ist das Ergebnis:

Mit großem Barett (eigenes Bild)

Na? Haben Sie das Vorbild erkannt? Auch keineswegs eine unproblematische Persönlichkeit, aber doch ein ganz, ganz anderer Fall und außerdem will ich mich ja nicht identifizieren oder gar parallelisieren (behüte!), sondern es geht ja bloß um die Anregung.

Derweil liest man in unseren (Kirchen-) Zeitungen so allerlei Nachklapp des Jubiläumsjahres und fragt sich, was so im einzelnen gemeint sein könnte, wenn Bischof Feige (Magdeburg) im „Tag des Herrn“ (1/2018, S. 9) aus einem Aufsatz in der „Herder-Korrespondenz“ so zitiert wird: „manche Vertreter meiner Kirche“ (sic!) seien noch immer „einem identitären Kirchenbild verhaftet“. Hm!
Schon konkreter wurde da bereits am 22. Dezember 2017 Ilse Junkermann, Noch-Landesbischöfin der EKM im Gespräch mit der TLZ (S.1), als sie ankündigte: „Protestanten und Katholiken werden zum 1. Advent 2018 in Erfurt gemeinsam den Beginn des neuen Kirchenjahres feiern“.
Soso, werden wir das? Ich finde, das wäre doch ein wunderbarer Anlaß für ein sichtbares ökumenisches Zeichen: Laßt einmal, nein, zum erstenmal die Erfurter ökumenische Martinsfeier am 11. November, dem Tag des Hl. Martin v. Tours stattfinden und nicht wie seit ich weiß nicht wie langer Zeit einen Tag vorher am Geburtstag eines frühneuzeitlichen mitteldeutschen Augustinereremiten.
Würden Sie mit mir wetten, daß das so wie gerade vorgeschlagen geschieht? Nein? Wie schade, ich würde, indem ich auf das Gegenteil setze, gerne mal wieder eine Wette gewinnen… 😉

Technische Schlußbemerkung: Wir haben die Kategorien „Bildnis des Bloggers“ und insbesondere „Nikolaus“ neu eingeführt, so daß vor allem letztere Beiträge nun leichter zu finden sind (und dabei auch ein paar „Altlasten“ entsorgt, so nach fast 7 Jahren… 🙂 ).

 

Edit, 10. Januar 2018: In einer früheren Version stand fälschlicherweise „Augustiner-Chorherr“; PuLa dankt C. H. herzlich für den freundlichen Hinweis!

Die Sternsinger

Die Sternsinger

Kein Sketch, aber für beliebig viele Kinder

„Krabat“-Fans wissen das: Schon zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in der die Krabatgeschichte angesiedelt ist, gab es den Heischebrauch des Dreikönigssingens zwischen den Jahren und um den Dreikönigstag herum. In den Wintermonaten erwerbslose Handwerker oder eben bettelnde Waisenkinder wie die literarische Figur des Krabat in der Version Otfried Preußlers gingen von Haus zu Haus, sangen (soweit, wie Preußler nahelegt, der Stimmbruch dies zuließ) und sorgten so für einen mageren Lebensunterhalt. Sogar bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts soll der Brauch nachweisbar sein (hier, S. 74) und noch die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ (1805-08) von Clemens Brentano und Achim von Arnim überliefert zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein „Sterndreherlied“, hier.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Brauch wiederbelebt. Nur betteln die kleinen Heiligen Drei Könige nun nicht mehr für sich selber, sondern für Kinder, die sie noch nie gesehen haben und die sie vermutlich auch niemals sehen werden (heißt: “Es wird ihnen vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten” vgl. Lk 14, 12-14 hier): Seit 1959 – und mittlerweile mit Filmen, regelrechten Unterrichtsmaterialien und jährlich neuen Liedern erstaunlich aufwendig – bereitet das Kindermissionswerk Die Sternsinger ein wechselndes Jahresthema auf. Eine bestimmte Region aus der früher so genannten ‚Dritten Welt‘, den Entwicklungs- oder Schwellenländern, wird herausgesucht, auf die Probleme der Kinder oder einzelner Einrichtungen und Institutionen für Kinder und Jugendliche dort aufmerksam gemacht und das nach Abschluß der Aktion Mitte Januar gesammelte Geld den Bedürftigen zugeleitet. Über eine Milliarde Euro sollen seit 1959 auf diesem Wege zusammengekommen sein, und jährlich wird die Spendensumme höher.

Und das, obwohl die Zahl der mitwirkenden Kinder und Jugendlichen in den letzten 20 Jahren um 40% zurückgegangen ist.

Wo auch immer das war – in Weimar nicht! Gestern abend sind im Aussendegottesdienst (hier) wieder 15 Gruppen mit Kindern und Jugendlichen auf den Weg gebracht worden, und da sind die Dreikönigssängerinnen und –sänger aus Bad Berka noch gar nicht mitgezählt. Die Vorbereitungstreffen mit Verteilung des Materials, Üben der neuen Lieder und einer Vorführung des erwähnten jährlichen Films werden vom Gemeindereferenten in der Regel Anfang Dezember des Vorjahres angeboten. Die Anzahl der mitwirkenden Kinder – in Weimar immer so um die 80 – und die Höhe der eingeworbenen Spenden aber steht und fällt mit dem Engagement der begleitenden Elternteile, die in jedem Jahr neue und altgediente Sternsinger für die Aktion zu begeistern verstehen, aber auch auf eigene Faust ihre Adressenlisten verlängern, auf Menschen zugehen und in der eigenen Nachbarschaft für eine Dreikönigsspende werben.

Die auffallend schönen Gewänder – um zum eigentlichen Anlaß dieses Textes hier zu kommen –, die auffallend schönen Gewänder der Weimarer „Könige“ dürften einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Begeisterung der Kinder leisten. Auch die entstanden und entstehen weiterhin in einer reinen Ehrenamtlerinnen-Aktion: Vor einigen Jahren bereits fand sich eine kleine Gruppe von Müttern unserer Pfarrei – darunter eine Gewandmeisterin des Deutschen Nationaltheaters – zusammen, die sich vornahm, den Bestand an Sternsingergewändern der Gemeinde zu erneuern. Aus ausgesucht schönen Stoffen entstand ein großer Schwung goldborten- und tressenbesetzter Umhänge in allen Farben, dazu Stoffkronen, Turbane und Stoffringe zur Befestigung wehender Kopftücher. In jedem Jahr wird seither der Bestand um weitere Gewänder ergänzt, denn jede dieser Mütter näht jährlich ein neues.

Sternsinger in Weimar 2018 (eigenes Bild)

Was in meiner Kindheit noch in jedem Jahr möglich war – daß nämlich die Kinder genau am Dreikönigstag zum Singen herumgehen und den Segen an die Häuser schreiben –, ist in der heutigen Zeit der vollgepackten Terminkalender nicht mehr realisierbar. In diesem Jahr aber klappt es – der 6. Januar ist ein Samstag, und so kamen auch bei uns heute am späten Vormittag fünf Heilige Drei Könige mit Stern vorbei, schrieben mit der geweihten Kreide an die Tür, sangen, sagten ihr Sprüchlein her und klapperten mit der Spendenbüchse.

PuLa wünscht allen Sternsingern, die an anderen Orten schon zwischen den Jahren unterwegs waren und in Weimar in der kommenden Woche noch ihre Termine beim Bürgermeister und dem Superintendenten (hier) wahrnehmen werden, einen guten Weg und viel Freude bei ihrem Engagement.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Silvester

Heute morgen kam im Deutschlandfunk übrigens eine durchaus verdienstvolle Sendung über den Hl. Silvester (hier), es handelte sich allerdings (wie wir bei der Recherche feststellen mußten) um eine Wiederholung aus dem Jahr 2011 und beinhaltete etwa das, was die Cäcilini Weimar schon seit Jahren wissen und singen… 😉

PuLa wünscht allen seinen Leserinnen und Lesern von Herzen einen guten und gesunden Jahreswechsel und ein gesegnetes glückliches neues Jahr 2018!

Häusliche Silvestertorte (Torte: P. Lamers, Bild: C. Lamers)

 

Der Kreuzlinienlaser

Der Kreuzlinienlaser

Ein Sketchlet zum Vierten Advent für acht Personen

Wundersdorf, Oderbruch.

Am Vorabend des Vierten Advent, der in diesem Jahr ja zugleich der Heilige Abend ist, herrscht in der Pfarrkirche Maria Hilf! reges Treiben. Begünstigt durch die milden Temperaturen, sind die Flügeltüren des Westportals (das in diesem Fall ein Ostportal ist) sperrangelweit geöffnet und eine Rollirampe verbindet das Straßenniveau barrierefrei mit dem etliche Stufen höher gelegenen Kirchenschiff.

Als der Küster durch die Sakristei das Kircheninnere betritt, um für die Vorabendmesse die notwendigen Arbeiten zu verrichten, traut er seinen Augen nicht: Im Korb einer kleinen fahrbaren Hebebühne versperrt Ines, bis an die Decke hinaufgefahren, den Mittelgang und macht sich irgendwie an der Decke des hohen Raumes zu schaffen. Um das sportliche Fahrzeug herum stehen Shammiram, Edith und Helene.

Teleskoparbeitsbühne im Kircheneinsatz (Bild: BEYER-Miteservice KG)

Hm. Das ist ja bis auf Kurti und Sara genau die Putztruppe von neulich. Na – das kann ja heiter werden … Was tut Richard? Justiert er etwas? Jedenfalls sitzt er in einer der Bänke und schraubt an einem kleinen schwarzen Kästchen herum – ganz ähnlich dem, das Ines da gerade an der Decke befestigt. An zwei Säulen haben sich Wenzel und Nahamiyya hochgezogen (in Wundersdorf geht sowas) und verfolgen das Geschehen von der erhöhten Position der Kapitelle aus.

Eijeijeijeijeijeijei, wenn das mal alles gut geht!

Der Küster (ist an die Gruppe herangetreten, mit spitzem Unterton zur Hebebühne hinauf): Kann ich irgendwie behilflich sein?

Ines (überhört die Ironie): Nein, vielen Dank! Ist ganz lieb! Aber das hier ist eine Holzdecke – das weiß ich, seit ich mal vor Jahren die Aufhängung des Adventskranzes reparieren mußte. Und in Holz komm ich hiermit ganz leicht rein. (Sie betätigt den Akkuschrauber.)

Der Küster (versucht, das Geräusch zu übertönen): Ich meinte eigentlich … (er gibt auf.)

Ines (ist mit Bohren fertig): Was wolltest du sagen?

Der Küster: Was machst du da und ist das mit irgendwem abgesprochen?

Ines: Selbstverständlich haben wir uns abgesprochen! Glaubst du, wir sind zufällig alle hier?

Der Küster: Und der Pfarrer?

Ines: Äääääh – ach so …

Edith (rasch): Na, für den ist das doch!

Richard (schaltet sich schnell ein): Ein Laserprojektor für die Texte seiner Herz-Jesu-Worship-Gesänge!

Wenzel (vom Säulenkapitell): Jeden ersten Freitag im Monat!

Der Küster (hat von einem zum andern geschaut): Was hat das denn damit zu tun?

Ines (harmlos): Na, wir bringen doch nur ein Lasergerät an, schau … Augen zu! (Alle schließen die Augen) und auf (alle schauen nach vorne und sehen, wie ein roter Lichtpunkt durch den Altarraum huscht.

Der Küster (für sich): An irgendwas erinnert mich das

Helene: Außerdem hat der Chorleiter für die Zitherstelle im Agnus Dei ein Alpenglühen bestellt.

Ines (muß lachen): Genau! Deswegen beeilen wir uns so. Das mußte jetzt noch vor Heiligabend! (Sie schüttet sich aus vor Lachen und beginnt, mit ihrer Hebebühne herunterzufahren. Richard reicht ihr das zweite schwarze Kästchen an.)

Der Küster: Was für eine Zitterstelle?

Helene: Uraufführung! Alpensinfonie – äh … Alphornmesse! Die Geigen machen da an einer Stelle ganz schön diese Zithern nach!

Edith: Du denkst echt, gleich kommt Sissi um die Ecke.

Der Küster: Ach Gott!

Helene: Laß dich überraschen – ich meine, wenn er jetzt nicht „Ein Heldenleben“ hinterherkomponiert – warum nicht? Paßt schon!

Ines (setzt mit der Hebebühne einige Meter zurück): Also alles in bester Ordnung! Du kannst völlig beruhigt sein!

Der Küster (trollt sich grummelnd, im Gehen): Aber die Türflügel arretiert ihr später wieder?!

Alle (durcheinander): Na klaaaar! – Wird gemacht! – Du kannst dich auf uns verlassen! – Sei ganz beruhigt! – Dankeeeeee!

Shammiram (als der Küster in der Sakristei verschwunden ist, leise): Er hat nicht geglaubt!

Ines (aus der Höhe): Was einer glaubt und was nicht, ist in Deutschland Privatsache (sie bohrt). Das geht uns nichts an (sie bohrt nochmal).

Edith (zu Shammiram): Hast schon recht! Aber stell dir vor, wir hätten ihm die Wahrheit gesagt.

Helene: Daß wir hier zwei Kreuzlinienlaser montieren, damit wir ab jetzt eine Richtlinie für die Abstände der Bänke haben …

Kreuzlinienlaser, Anwendungsbeispiel (Bild: BestenDrei.de)

Richard: Was glaubst du, was er da gesagt hätte?

Shammiram (verschmitzt): Glauben in Deutschland Privatsache! (Alle lachen).

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Eine innovative Truppe, wo man hinschaut! Jedenfalls haben uns unsere Freunde vorgestern gleich versichert, daß die Ausrichtung der Bänke ein voller Erfolg war – so voll, wie die Kirche zum Krippenspiel und zur Christnacht.

Weihnachtswünsche

Also sowas ! Da hat uns doch wirklich der Streß dieses verkürzten Advents einen Streich gespielt: Anders als in den Vorjahren haben wir Ihnen, der verehrten, treuen Leserschaft noch keine Weihnachtswünsche übermittelt.

Nun, das sei hiermit nachgeholt.

PuLa wünscht allen seinen Lesern eine gesegnete und frohe Weihnachtszeit!

Und die ist ja bekanntlich viel, viel länger als die paar Tage, die für gewöhnlich dafür gehalten werden. Wir graulen uns jetzt schon davor, ab morgen, spätestens übermorgen, die ersten Weihnachtsbäume am Straßenrand liegen zu sehen, die die Menschen in ihrem aufgezwungenen/anerzogenen Bestreben nach „Neuem“ jetzt schon beginnen zu „entsorgen“.

Aber: Dies ist keine Zeit für Kulturkritik, dafür ist sie viel zu schön, nur, bitte, wirklich, man kann einen richtigen Baum bei richtiger Behandlung ohne weiteres bis Mariä Lichtmeß in der Wohnung haben, ohne daß er unansehnlich würde und ohne daß er eine Feuergefahr darzustellen begönne: „Believe me!“ 😉

Weimarer Weihnachtsbaum 2017/18 (eigenes Bild)

Keine Sorge!

Keine Sorge!

Madonna verschwunden – Erklärung gefunden

Wer wie ich unsere Marienfigur besonders gern hat und sie allsonntäglich und zuweilen auch unter der Woche einmal aufsucht, um ein kurzes Gebet zu sprechen, dem könnte der Schreck in die Glieder fahren, wenn er in dieser Weihnachtszeit erstmals unsere Pfarrkirche betritt.

Denn die Madonna, kaum daß sie ihren Platz mit Wirkung vom 19. November 2017 der restaurierten Elisabeth geräumt hat und milde lächelnd (o clemens, o pia!) auf ihren angestammten, wenn auch derzeit noch etwas luftigen Platz im linken (bei uns: südlichen) Seitenschiff zurückgekehrt ist, ist von dort wieder verschwunden.

Herz-Jesu-Weimar, südliches Seitenschiff, Zustand ab 19.XI.2017 (eigenes Bild)

Ja, wirklich, sie ist weg. Ich habe es auch gesehen. Man schaut noch etwas unsicher auf den dichten Tann (Anm. der Redaktion: Eigentlich eher ‘Ficht’), der, wo sie sonst stand, nun die Kulisse zu Krippe und Stall abgibt, ob die Zweige die Figur vielleicht nur verdecken, Madonna-im-Rosenhag-mäßig. Aber nein. Sie ist nicht mehr da. Und nachdem ich an sachkundigster Stelle nachgehört hatte, ob ich etwa eine Notiz darüber in den Vermeldungen überlesen hätte (was nicht der Fall ist), dachte ich, ich will doch ganz knapp auf PuLa darüber schreiben. Denn die Sache geht ja alle diejenigen an, die diese Figur lieben.

Herz-Jesu-Weimar, südliches Seitenschiff, Zustand am 24.XII.2017 (eigenes Bild)

Die Reihenfolge der Entscheidungen war nicht ohne weiteres zu rekonstruieren – ob nun die Madonna weichen mußte, weil die Krippe aufgebaut wurde und man dann entschied, sie in die Restaurierung zu geben, oder ob sie ohnehin in die Restaurierung sollte und man deshalb in aller Ruhe die Krippe aufbaute, als sei das Seitenschiff noch kahl. Das klang bei jedem der vier Befragten ein wenig anders. Fest zu stehen scheint mir, daß unsere Marienfigur der Elisabeth und dem Bonifatius in eine Erfurter Restaurierungswerkstatt nachfolgen (soweit ich gehört habe, Anfang Januar) und von dort einen Monat später zurückzuerwarten sein wird.

Heißt: Zu Ende der Weihnachtszeit ist die Madonna wieder da. Und wieder im Seitenschiff. Nur noch schöner. (Wer die Elisabeth verstaubt vom Treppenabsatz des Kindergartens her kennt und sich nun an ihrem blendend weißen Schultertuch nicht sattsehen kann, darf sich schon mal ausmalen, wie die Maria im Februar aussehen wird.)

Ob das bedeutet, daß nun alle Figuren des Seitenaltars, die ja, wie wir seit der Ausstellung zum 125jährigen Kirchweihjubiläum Ende September 2016 wissen, sämtlich noch vorhanden und in gutem Zustand sind, konnten mir leider auch diejenigen nicht beantworten, die es eigentlich wissen müßten.

Wie auch immer: Keine Sorge, die Maria kommt zurück – und bis nächstes Jahr haben sich die Verantwortlichen sicherlich überlegt, wo und wie sie die Krippe aufbauen, ohne die Madonna jedes Mal verräumen zu müssen. Und vielleicht hat ja sogar die Gemeinde bis dahin erfahren, was mit ihren Heiligenfiguren geplant ist. Denn das geht schließlich alle an, die diese Figuren lieben.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Fürwahr, das tut es! Immerhin, so möchte ich hinzufügen, mit der Krippe ist ja “eine Maria da”, aber so ein Hin und Her kann natürlich keine dauerhafte Lösung darstellen. Aber auf der Grundlage ganz frischer Erfahrung glaube ich, wir müssen uns keine Gedanken machen! Diese ‚frische Erfahrung‘, das ist die Messe zum vierten Advent, heute um 10.00 Uhr, die das Thema Menschwerdung und damit notwendigerweise die MutterGottes vor allem aber nicht nur im Rahmen der sehr guten Predigt von Hw. Pfr. Gothe so schön und gedankenreich gewürdigt hat, wie es sich gehört. Da kann es an dem Bewußtsein für die Notwendigkeit fester Orte gerade für Maria doch nicht fehlen!

Gereon Lamers

PS: Wir befanden uns gerade mitten im Prozeß der Veröffentlichung dieses kleinen Postings, da ließ das CMS uns wissen, dies würde der 750. veröffentlichte Beitrag auf PuLa werden, am Heiligen Abend, wie schön! 🙂
Wir sind gewiß, viele Kolleginnen und Kollegen aus der Blogozoese freuen sich mit uns und noch viel mehr, die für die wir das ja eigentlich machen: Die Pfarrkinder in Herz-Jesu-Weimar!