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Lotte, nicht Lethe!

Es ist allerlei passiert, seit wir Mitte August aus den österreichischen Bergen ankündigten, noch eine Folge der Reihe zu den Leserbriefen bringen zu wollen (hier), mehr als man hätte erwarten sollen, in etwa drei Wochen.

Dem, was da geschehen ist, müssen wir uns jetzt leider noch einmal widmen und so ist die Zeit über die Frage der Leserbriefe hinweggegangen, was wir ein wenig bedauern, denn in der vorgesehenen letzten Folge hätten ja just die ausführlich zu Wort kommen sollen, die eben nicht in das Horn der Bischofs-Kritiker und PuLa-Verächter  stießen, und in großer Nüchternheit dafür plädierten, die Dinge doch so zu sehen, wie sie sind, von öffentlichem Geschrei abzusehen und eine Phase in der Geschichte der Pfarrei ruhig und möglichst würdevoll zu beenden.

Wir wissen heute, dieser Wunsch sollte leider nicht erfüllt werden.

Wir sagen an dieser Stelle aber gerade deswegen den Leserbriefschreibern, u.a. Frau Hildegard Seichter; Herrn Bernd Mende und Dr. Michael Klein herzlichen Dank. Besonders die Nennung des letzteren Namens gibt Anlaß lieber gleich von uns aus zu sagen, nein, wir wollen niemanden für uns vereinnahmen, das sind nicht alles PuLa-Fans – genau deswegen sind diese Zeugnisse gesunden Menschenverstands ja so wertvoll! Beispielhaft möchten wir nur diese Sätze von Bernd Mende zitieren:

„[…] Wenn der Einfluß von Ratgebern [sc. des ehem. Pfarrers] aus deren unstillbarem Drang nach Machterhalt übergroß wird und der mitmenschliche Umgang gestört ist, kann Selbstschutz [sc. die erbetene Versetzung] eine gute Lösung sein.
Daß nun eine Handvoll verlorener Schafe den guten Hirten verjagt hätten, halte ich für eine zu simple Erklärung.

Als Reaktion auf, raten Sie!, genau: auf St. Engelstädter… 🙂 (deren Kommentar vom 18. August ich übrigens inzwischen wie versprochen auch noch beantwortet habe, hier, Nr. 7)

“Spärrän!”

Den Auftakt zu dem, was nun kommen sollte, bildete am 15. August ein wahrhaft denkwürdiges Stück Lokaljournalismus, das inzwischen nur noch unter der Bezeichnung „Das Herz-Schmerz-Interview“ bekannt ist. Das beste, was ich dazu sagen kann, ist, daß das wunderbare Fest Mariä Himmelfahrt (schöne Hl. Messe in der Pfarrkirche Bad Aussee!) diese Schmonzette ganz schnell in den Hintergrund hat treten lassen, es ist so absurd! (wenn Sie den Nerv haben: Hier ist es nachzulesen)

Es gab einige Nachfragen, ob wir uns nicht dazu äußern wollten, aber ich muß einfach um Verständnis bitten: Dazu etwas zu sagen, fangen wir lieber gar nicht erst an. Es verbietet sich aus einer ganzen Reihe von Gründen. Aber vielleicht schließen Sie sich ja mit uns dem ungläubigen Kopfschütteln eines befreundeten Jenaer Katholiken an, der sinngemäß gesagt hat: „Da kriegt ein katholischer Priester mal eine ganze Zeitungsseite in der Samstagsausgabe und das ist, was er daraus macht?“

 So kam Sonntag, der 30. August heran, der, wie es der Kalender fügte, ja auch recht genau den Monat beschloß, und wir haben, aus naheliegenden Gründen des Takts, nicht die letzte Hl. Messe, die unser bisheriger Pfarrer in dieser Eigenschaft in Weimar gehalten hat, besucht.

Dennoch dauerte es gar nicht lang, bis wir das erste von den Geschehnissen aus der Pfarrkirche erfuhren. Ein älteres weibliches Gemeindemitglied, Frau M., rief bei uns an und zieh uns auf dem Anrufbeantworter gleich einmal umstandslos der „Feigheit“, weil wir nicht persönlich drangingen – es war allerdings genau in der Mittagszeit, und da ruhen wir gern ein wenig… (wirklich, der Benimm älterer Herrschaften ist auch nicht mehr das, was er einmal war, ts! 😉 ) Zu den weiteren wenig freundlichen Äußerungen gehörte (neben einem wirklich ernsten Punkt, auf den wir zurückkommen) dann aber auch etwas, was uns mit dem Anruf schon fast wieder versöhnt hat: Ein Satz, man werde den Blog jetzt „spärrän“ (sperren) lassen, mit ganz prachtvoll rollendem „rrr“; ich weiß nicht, ist das Ostpreußisch? Sehr schade jedenfalls, daß man das nicht mehr öfter hört! Das „spärrän“ ist in unserer Familie zum „Instant-Klassiker“ geworden, der einen über den absurden Inhalt der Bemerkung mit einem Schmunzeln hinweggehen läßt. 🙂

Am nächsten Tag gab es dann vom bekannten „Liturgieexperten“ der TLZ, Thorsten Büker, einen Zeitungsbericht über den Gottesdienst, Sie finden ihn hier.
Nun werde ich gewiß nichts näheres zu einem Gottesdienst sagen, den ich nicht selbst erlebt habe, daher hier nur zwei, drei Beobachtungen.

Daß Bischof Dr. Neymeyr kam und dann auch zelebriert hat, konnte wirklich überraschen. Die Souveränität und Großherzigkeit, die für diese Geste erforderlich war, gerade wenn man die jüngsten Äußerungen des ehemaligen Pfarrers über ihn im „Herz-Schmerz-Interview“ berücksichtigt, kann ich nur bewundern!

Dann ist mehrfach von Beifall, langem Beifall (der also den liturgischen Ablauf deutlich unterbrechen mußte) die Rede. Dazu hat schon mal jemand was gesagt, besser und mit mehr Autorität, als ich das je kann:
„Wo immer Beifall für menschliches Machen in der Liturgie aufbricht, ist dies ein sicheres Zeichen, daß man das Wesen der Liturgie gänzlich verloren […] hat.“ (J. Ratzinger, Der Geist der Liturgie, Freiburg i. Br. u. a. 2006, S. 170; ich danke einem Freund für die zeitgerechte Erinnerung an den Abschnitt!)

Die Zeitungs-Passagen zur Predigt (im Entertainer-Modus = frei mit dem Mikrophon herumlaufend)  lassen vermuten, daß es sich noch ein letztes Mal um Ausführungen handelte, die der Komplexität des wichtigen und vielgestaltigen Themas „Gesetz“ nicht gerecht wurden, weil sie allzu „persönlich“ (im Sinne des Ich-Bezugs und im Sinne der Aggression gegen uns) ausfielen, was beides in einer Homilie schwerlich etwas verloren hat. So haben wir es seit mindestens 2013 ja auch mehrfach unmittelbar mit anhören müssen (vgl. auch hier). Ich will dazu nur die alte Kanonistenweisheit zitieren:
„Das Gegenteil der Rechtskirche ist nicht die Liebeskirche, sondern die Unrechtskirche.“

 Zu wichtigen Aussagen des Bischofs in dieser Hl. Messe, die über den aktuellen Anlaß hinausweisen, kommen wir weiter unten.

Mythos und Popanz

Dieses Ende, das nicht unerwartet kommen konnte, es ist doch sehr bedrückend. Einer, dessen „Geschäft“ das Möglich-machen von Vergebung sein sollte, geht in verhärteter, öffentlich zur Schau gestellter persönlicher Feindschaft. Und etliche bejubeln das. Aber nicht nur, indem sie so tun, als hätte es nie sachliche Gründe für den selbsterbetenen Weggang gegeben, nein, es wird auch eine Schreckgestalt aufgebaut, ein Popanz. Das geschieht so „lehrbuchhaft“, daß man lachen möchte, wäre es nicht so traurig, wie die vermeintlich ‚dunklen Mächte‘ bemüht werden, die zwar ‚gefährlich‘, aber doch letztlich nur ‚ganz wenige‘ sind, und die man nur ‚entfernen‘ muß, damit endlich ‚wieder Ruhe‘ ist. Überflüssig zu sagen, daß man sich so jede Chance zu einer realistischen, gar selbstkritischen Erkenntnis der jüngeren Vergangenheit verbaut.

Und die grassierende Auschließeritis, die wir jetzt erneut erleben müssen, auch wieder in dem o.g. Telephonanruf: „Es wird endlich Zeit, daß Sie die Gemeinde verlassen“, die nähert sich dem Muster des ‚Sündenbocks‘. Dabei hatte ich es immer so verstanden, daß gerade im Christentum diese grausame Erscheinung der Religionsgeschichte endgültig überwunden wurde; wie wir auf PuLa dazu denken können Sie, in literarischer Form, hier nachlesen.

Die andere Seit dieser problematischen Entwicklung ist die Mythenbildung: Der Mythos des „weggemobbten guten Pfarrers“. Als hätte es hier nie echte Probleme und echtes Leid unter den Pfarrkindern gegeben, als wären nicht Menschen de facto vertrieben worden und die Möglichkeiten der Pfarrei in vielerlei Weise geschmälert worden. Nein, es wird zäh am Mythos der kleinen Gruppe festgehalten, die sich, eigentlich grundlos, den Weggang des Pfarrers zum Ziel gesetzt hatte.

Es ist schon langsam ein bißchen anstrengend, aber ich werde es so oft schreiben, wie es nötig ist: Nein, die Ablösung des bisherigen Pfarrers war nie unser Ziel und wir haben sie (wie „Erfurt“ bestätigt hat) nie gefordert. Unser Wunsch wäre Einsicht, Umkehr und Veränderung gewesen und zu einer daraus folgenden Verständigung wären wir, wenn es auch sehr schwer geworden wäre, bis zum Ende bereit gewesen. Unter anderem deswegen haben wir ja nicht anonym gebloggt, wie das zweifellos jemand getan hätte, dem es bloß darum gegangen wäre, haltlose Anschuldigungen in die Welt zu setzen.

Wir haben es uns ganz bewußt selbst verboten, auch nur im eigenen Herzen den Weg für die erforderliche Veränderung zu „wissen“. Nein, wir wußten ihn nicht, denn das zu wissen war nicht an uns. Der an dem es war, Bischof Ulrich, hat dann entschieden und es stünde allen gut an, diese Entscheidung nicht öffentlich zu zerreden oder sie durch aufgesetzte „Jubelfeiern“ durch die Tat nachträglich als grundlos erscheinen zu lassen. Welche Blüten es treibt, wenn man so hartnäckig verweigert, die Wirklichkeit wahrzunehmen, sieht man übrigens daran, daß es jetzt doch tatsächlich Menschen gibt, die von einer Rückkehr des ehemaligen Pfarrers phantasieren, womit die Verwirrung einen neuen Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt erreicht hat. Nun, das würde, von allem anderen abgesehen, nach PuLa vorliegenden Informationen schon daran scheitern, daß der bisherige Amtsinhaber einen weiteren Einsatz im Pfarrdienst sowieso abgelehnt hat…

The Elephant in the room

Wenn Sie den oben verlinkten Artikel über die Hl. Messe am 30. August gelesen haben, werden Sie sich schon denken, was jetzt folgt, und was hier nur gemeint sein kann, mit dem ‚Elefanten im Wohnzimmer‘, diesem wunderbaren Begriff der englischen Sprache, der als metaphorischer Ausdruck für ein „elefantöses“ Problem steht, das jedermann sieht, über das aber niemand reden will (vgl. hier).

Es handelt sich natürlich um die ‚Priesterbruderschaft St. Pius X.‘, die Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X., kurz, FSSPX, vor welcher der Bischof öffentlich gewarnt hat.

Ganz ehrlich, ich hatte gehofft, die FSSPX auf diesem Blog nie behandeln zu müssen, denn es handelt sich um ein Thema, das wie kaum ein zweites droht, jedes ruhige Gespräch auszuschließen und in aller Regel bloß als „Totschlagargument“ genutzt wird und zur sozialen Stigmatisierung derjenigen dient, die mit ihr in Verbindung gebracht werden.

So geschehen auch im vorliegenden Fall, wenn Thorsten Büker in seinem Artikel vom 31. August PuLa zweimal in die Nähe der Bruderschaft rückt und uns gegen Ende ganz explizit unterstellt wir „pflegten Kontakte“ zu ihr.

Das ist interessant, Büker scheint Latein zu können, verfährt er doch nach dem alten Motto: Semper aliquid haeret (es wird schon was hängenbleiben). Was stört es da, wenn ein Anruf oder eine Mail (er hat unsere E-Mail-Adresse) die Wahrheit hätte zutage fördern können:

Wir haben nie auch nur einen Priester der FSSPX getroffen, geschweige denn etwas mit ihm beredet und wir haben dementsprechend auch noch keine Hl. Messe der Bruderschaft mitgefeiert.
Wen wir kennen, das sind die Menschen, die in ihren Räumlichkeiten den Gottesdienstort in Hopfgarten beherbergen, und da wir nicht zu denjenigen gehören, die anderen einen Stempel aufdrücken, um sie dann auszuschließen, wird es dabei auch bleiben!

Das alles hätte man ganz leicht in Erfahrung bringen können, aber stattdessen hat Herr Büker offenbar lieber auf diejenige Person gehört, die schon seit dem vergangenen Frühjahr die Lüge von unserer Verbindung mit der Piusbruderschaft streut. Daß er nicht versucht hat, es zu verifizieren, läßt sich nur mit voller Absicht erklären. Ich finde das ist, journalistisch wie persönlich, erbärmlich.

Aber es gehört ja zu den vielen charmanten Seiten des Lebens in Mitteldeutschland, daß die Menschen aus langer Erfahrung sowieso nicht so schnell glauben, was in der Zeitung steht! 🙂

Ja, weil das regelmäßig so oder so ähnlich abläuft, war ich froh, bisher über die FSSPX nicht berichten zu müssen, was ja um so leichter fiel, als der Blog bekanntlich vorrangig berichtet, wie das ist ‚Katholisch in Weimar‘ zu sein, und es die FSSPX hier ja gar nicht gab.

Das hat sich jetzt seit einem guten halben Jahr geändert (vgl. hier und hier), das ist einfach ein Faktum. Und damit fühlen wir uns nun journalistisch verpflichtet, uns damit zu befassen. Und da wir bekanntlich nicht dazu neigen uns wegzuducken 😎 , werden Sie also künftig von uns auch hören, was wir zur Piusbruderschaft denken, und was hier in der Nähe in Bezug auf sie geschieht. Allerdings wird das nicht schnell gehen können, denn es ist ein komplexes und schwieriges Gebiet, auf dem unvoreingenommene Information (fast) nicht zu erhalten ist!

Im Sinne der Erfüllung dieser Verpflichtung fügt es sich nun allerdings sehr gut, daß es eine brandaktuelle Äußerung von höchster Stelle gibt, die sich u.a. mit der FSSPX befaßt.

Folgendes hat Papst Franziskus mit Datum vom 1. September in einem Brief in Bezug auf das bevorstehende „Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ geschrieben:

„Eine abschließende Überlegung gilt den Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen die von den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. betreuten Kirchen besuchen. Dieses Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit schließt niemanden aus. Von verschiedener Seite haben mir einige bischöfliche Mitbrüder vom guten Glauben und der guten sakramentalen Praxis dieser Gläubigen berichtet, allerdings verbunden mit dem Unbehagen, in einer pastoral schwierigen Situation zu leben. Ich vertraue darauf, daß in naher Zukunft Lösungen gefunden werden können, um die volle Einheit mit den Priestern und Oberen der Bruderschaft wiederzugewinnen. Bewegt von der Notwendigkeit, dem Wohl dieser Gläubigen zu entsprechen, bestimme ich in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, daß diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Lossprechung von ihren Sünden erlangen.

Auf die Fürsprache der Mutter der Barmherzigkeit vertrauend, empfehle ich die Vorbereitung dieses Außerordentlichen Jubiläums ihrem Schutz.“

(hier; Tschuldigung, die marianische Schlußformel mußten wir natürlich auch noch bringen, auch wenn sie nicht ganz zur Sache gehört! 😉 )

Schon jetzt, wo ich noch ganz am Anfang meiner Beschäftigung mit dem Komplex stehe, kann man sagen: Ein sehr, sehr aufschlußreicher und in vielerlei Hinsicht interpretationsfähiger Text, auf den bestimmt zurückzukommen sein wird.

Bis dahin rege ich an, die „Ausschließer“, die hier in Weimar unterwegs sind, bedenken zuerst einmal diesen Satz: „Dieses Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit schließt niemanden aus.“ (Hervorhebung von mir)
Danke, Hl. Vater!

Numquid cognoscentur in tenebris mirabilia tua? * et justitia tua in terra oblivionis?

Ob etwa Deine Wunder erkannt werden in der Finsternis? * und Deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens? (Ps 87, 13 Vg., eigene Übertragung aus dem Lateinischen)

Weimar liegt bekanntlich an der Ilm, aber durch Weimar fließt auch die Lotte, die, bevor sie in die Ilm mündet, früher etliche Mühlen in unserer Stadt antrieb, und nach der die Straße, an deren Ende sich die Kirche befindet und in ihrem Verlauf der Katholische Kindergarten (und in der wir wohnen 😉 ), den Namen „Lotte-Straße“ erhielt (bevor sie, guterweise, nach dem evangelischen Märtyrer Paul Schneider benannt wurde). Unser Pfarrhaus war ursprünglich die wohl größte dieser Mühlen, und unser Gemeindehaus hat diese Adresse. Man könnte also sagen, die Lotte ist sozusagen ein katholischer Bach! 🙂

Die Lethe hingegen war ein ganz und gar ungemütliches Gewässer, einer der Flüsse der griechischen Unterwelt, ihr Name bedeutet ‚Vergessen‘, denn das sollte den Seelen der Abgeschiedenen geschehen, wenn sie daraus tränken.

Was uns das angeht? Nun, die klugen Griechen (von deren Denken aufgrund göttlicher Fügung so vieles ins Christentum einfließen sollte) haben von hier aus ihr Wort für ‚Wahrheit‘ gefunden, es heißt Aletheia.

A-lethe-ia: „Unvergessenheit“, die Wahrheit findet sich in einem Gegensatz zum Vergessen, Vergessen zu fordern oder zu befördern verträgt sich nicht mit der Liebe zur Wahrheit. Und wie uns die bittere rhetorische Frage aus dem tiefernsten Psalm 87 (heute meist als Nr. 88 bezeichnet) zeigt, das Vergessen verträgt sich auch nicht mit der göttlichen Gerechtigkeit.

Es geschieht vor diesem ernsten Hintergrund, wenn wir heute, zu Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte dieser Pfarrei, dieser Gemeinde ankündigen, wie wir in der nächsten Zeit den Blog zu betreiben gedenken.

Es war unausweichlich, heute den Blick noch einmal auf die Vergangenheit zu richten, aber es hat keine Freude gemacht. Wir wollen das in Zukunft möglichst vermeiden, was allerdings nicht von uns allein abhängt. Aber wir werden nicht vergessen, denn Vergessen ist wider die Wahrheit.

Und wir werden die Zeit, die nun beginnt, und auf die wir uns riesig freuen, sehr sorgfältig beobachten. Wir tun das in großer Zuversicht und würden eigentlich nur zu gerne allen Zweiflern beweisen, um wieviel lieber wir Erfreuliches berichten. Aber das werden wir zunächst auch nicht tun, denn in der augenblicklichen Atmosphäre täte das wohl erstmal auch nicht gut.

Wir haben, das können wir Ihnen versprechen, genug Themen, die mit Weimar nicht unmittelbar zu tun haben (und die z.T. in letzter Zeit zu kurz gekommen sind!). Die zu bearbeiten, darauf freuen wir uns schon!

Morgen wird unser neuer Pfarradministrator, Timo Gothe, mit einem feierlichen Gottesdienst offiziell seine Tätigkeit aufnehmen. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen Weisheit, Kraft und Gottes Segen für seine Amtsführung!

 

PS: Um sicherzustellen, daß der Neuanfang nicht zerredet wird, werden wir zu diesem Beitrag keinen Kommentar veröffentlichen.

 

Sankt Helena oder „Niemand ist eine Insel“

Daß wir Katholiken am heutigen 18. August der Heiligen Helena gedenken, unterscheidet uns von etlichen anderen Christen, die die Mutter Konstantins des Großen am Gedenktag ihres Sohnes, dem 21. Mai, mitfeiern.

Die Legenden zu ihrer Person überschlagen sich, was bei einer so frühen Heiligen aber nicht verwunderlich ist (denken Sie nur, was für Geschichten sich nicht alles um die Figur des Heiligen Nikolaus von Myra ranken.) Sie wird ob ihrer gesellschaftlich niederen Herkunft madig gemacht. Und sicherlich glaubten tatsächlich viele, sich mit Recht darüber aufregen zu dürfen, daß der illegitime Sohn des Constantius Chlorus, vor dessen politisch angeordneter Ehe mit der Stieftochter Kaiser Maximians mit Helena gezeugt, letztlich Kaiser wurde. (Das Geburtsdatum Konstantins des Großen liegt ja wirklich bemerkenswert im Dunkeln. Aber doch immer noch klarer zutage als das des Nikolaus von Myra …)

Wie dem auch sei – freuen wir uns, was für die Ausbreitung und Festigung des Christentums aus dieser Mutter-Sohn-Geschichte alles gekommen ist. Mit nun wirklich erstaunlicher Tatkraft machte sich Helena, nachdem sie sich von ihrem Sohn zum Christentum hatte bekehren lassen und 312 getauft worden war, auf die Reise ins Heilige Land, um nach Reliquien für die neue Religion zu suchen. Schon hoch in den Siebzigern (sie wurde ja um die Mitte des dritten Jahrhunderts in Drepanon/ Helenopolis [heute das türkische Hersek an der Südwestküste des Schwarzen Meeres] geboren), „fand“ sie das Kreuz Christi, die Gebeine der Heiligen Drei Könige (heute im Kölner Dom), barg die Reliquien des Apostels Matthias und brachte den Heiligen Rock nach Trier, als Augusta Treverorum ja damaliger Herrschersitz römischer Kaiser. Sie veranlaßte so viele Kirchenbauten in der gesamten damals  bekannten Welt  (in Palästina waren die Heiligen Stätten ja glücklicherweise noch gut erkennbar, da die heidnischen Herrscher sie vorsorglich mit Venustempeln überbaut hatten 😉 ), daß hier auf dem Blog aus gegebenem Anlaß nur diejenige über dem Grab des Märtyrers Gereon, der bemerkenswerte Bau von St. Gereon in Köln mit dem dekagonal gestalteten Zentralraum, erwähnt sei.

St._Gereon_Köln,_Deckendetail

St. Gereon, Köln, Deckendetail (Bild: Wikimedia Commons, Kathleen Palnau)

Während das mit Helena eng verbundene Fest der Kreuzerhöhung weiterhin am 14. September begangen wird, wurde das Fest der Kreuzauffindung (3. Mai) 1960/61 als solches abgeschafft.

Üblich ist die Darstellung der Heiligen mit dem Kreuz als ihrer wichtigsten Auffindung. Deshalb habe ich auch ein solches Bild ausgesucht, als ich vor einiger Zeit Monolog und Gebet der Helena aus dem Kindermusical „Konstantin. Die Legende“ geyoutubet habe. Das Kindermusical dreht der besseren Darstellbarkeit halber die zeitliche Abfolge der Bekehrungen von Mutter und Sohn um und zeigt Helena (es geht ja vornehmlich um Konstantin) ausschließlich in ihrer Funktion als liebende und sorgende Mutter.

Durch die Position des Aufnahmegerätes ist der Monolog schwer zu verstehen. Hier deshalb der Text zum Mitlesen:

„Mein Sohn! Mein geliebter, einziger Sohn! Morgen zieht er in die Schlacht, die über unser aller Schicksal entscheidet. Und über sein Leben. Sein Vater fiel. Sechs Jahre ist das nun schon her. In Britannien fand er den Tod an der Seite seines Sohnes. Seither ist Konstantin Kaiser. Sein Heer rief ihn zum Herrscher aus. Er nahm die Stelle seines Vaters ein und kämpft nun wie er. Soll der Krieg denn nie enden? Nur Christus, der Erlöser, kann uns retten. Herr, verleih mir die Kraft, Konstantin zum Christentum zu bekehren. Damit ich endlich begreife, warum Gott mich, eines Gastwirts Tochter, zur Mutter eines Kaisers machte.“

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Was sollen denn die Anführungszeichen bei „fand“, hm? 🙂
Und der (rechtlich) genaue Status des Festes Kreuzerhöhung wäre schon auch interessant! Wenn jemand was etwas weiß – ich kann gerade nicht recherchieren.

[Edit 19. August] Aufgrund mehrerer Hinweise (Danke besonders an  D.R. und Ch. H.) wurden die ursprünglich irrtümlichen Angaben zu „Kreuzerhöhung“ im Text korrigiert.

Gereon Lamers

 

 

 

Alleinvertretungsanspruch? (Leserbriefe zu PuLa Teil 4)

Eine Leserbriefschreiberin meint selbst (vgl. hier im Kommentarbereich), sie hätte es einfach verdient, in der (voraussichtlich) vorletzten Folge dieser kleinen Reihe noch vorzukommen: Frau Engelstädter, die ihren Beitrag bereits am 18. Juli schrieb. Sie können ihn hier nachlesen.

Nun könnte man sich fragen, ob sie das wirklich „verdient“ hat, liegt doch inzwischen ihr schriftliches Eingeständnis vor, eine faire, umfassende Würdigung dessen, was auf diesem Blog geschieht,  nicht vorgenommen zu haben und das auch gar nicht zu beabsichtigen: „Die hier noch genannten Rubriken und Beiträge habe ich nicht gemeint, kann und will sie auch nicht beurteilen.“, (hier, im Kommentarbereich) Schön, immerhin eine ehrliche Aussage, mit der man es im Grunde sein Bewenden haben lassen könnte.

Aber es stellt sich schon die Frage: Warum sich dann überhaupt in so weitreichender und so eindeutig negativer Art und Weise äußern? Zumal das, was da stand eher ein selbständiger Beitrag denn eine bloße Reaktion auf den Leserbrief von Cornelie (hier) war.
Ist das bloß die menschlich ja nicht prinzipiell unverständliche Anhänglichkeit an eine Person, auch wenn wir die nicht mehr nachvollziehen können? Nein, ich glaube, das alleine ist es nicht und deswegen möchte ich auch nach so relativ langer Zeit doch noch darauf reagieren, das ist eine passende Aufgabe für einen (den ersten!) regnerischen Urlaubstag 😉

Hingegen werde ich auf einzelne Vorwürfe nicht mehr genauer eingehen: Wie gesagt, wir haben es ja jetzt schriftlich, daß eine gerechte Beurteilung gar nicht angestrebt ist und außerdem ist Sommer…

Die Behauptung, „Ziel der Angriffe“ sei vorwiegend der Pfarrer gewesen ist allerdings schlicht falsch; vgl. zuletzt hier. Freilich, die Leitungsperson trägt die Gesamtverantwortung. Im Fall von notwendiger Kritik ist es schlechterdings unmöglich, sie auszusparen.

Vielleicht wäre es gut, manche machten sich stärker als bisher bewußt, eine Pfarrei ist schon im Verständnis des weltlichen Rechts eine Körperschaft öffentlichen Rechts, was dort geschieht, geschieht öffentlich, ist niemandes „Privatsache“! Übrigens auch nicht die einer Gruppe, deren „Verdienst“ darin besteht, „schon immer“ dagewesen zu sein…
Und auch im engeren Verständnis handelt es sich bei unser aller Tun um „cultus publicus“! Die katholische theologische Tradition hat die Liturgie ungefähr seit der „Konstantinischen Wende“ (im 4. Jahrhundert…) immer als öffentlichen Kult aufgefaßt.
Daher ist es auch nachgerade lächerlich, sich darüber aufzuregen, wenn sich jemand im Gottesdienst Notizen macht, der anschließend darüber schreiben möchte. Das ist einfach“ journalistische Sorgfalt“ und dient der Präzision. Im übrigen geschieht es, um sowohl schönes wie weniger schönes (zu der Differenzierung vgl. ebenfalls hier) festzuhalten und ich werde ganz gewiß damit fortfahren, wann immer es erforderlich ist.

Was weiterhin die Anspielung auf die „bestimmten Staatsorgane“ angeht, so ist es schlicht absurd, das öffentliche Handeln eines Blogs mit den Machenschaften eines der übelsten Geheimdienste des 20. Jahrhunderts in Verbindung bringen zu wollen. Wie Sie das denen gegenüber rechtfertigen wollen, die in brutaler Realität mit den „bestimmten Staatsorganen“ zu tun gehabt haben, und von denen gibt es in dieser Gemeinde etliche, möchten wir gar nicht wissen (vgl. zu  Stasi-Terminologie hier und hier) Vielleicht sollte jedenfalls an dieser Stelle sogar jemand ins Nachdenken kommen, der unlängst Frau Engelstädters Hervorbringung einen „klugen“ Leserbrief genannt hat, in einem neuerlichen ‚bemerkenswerten‘ aber inhaltlich weitgehend unbeachtlichen Zeitungsbeitrag.

Also, das alles mußte einen im Grunde nicht dazu bewegen, auf diese Wortmeldung einzugehen. Was aber dann?
Es gibt da ein Thema, das den ganzen Beitrag durchzieht, ich habe es in der folgenden Zusammenstellung (die nur aus Originaltext besteht!) sozusagen verdichtet:

„Es gibt eine kleine Minderheit – sie hört das nicht gern – von konservativen Traditionalisten  in der Gemeinde, die sich im Internet-Blog „PuLa – Katholisch in Weimar“ mit theologischen und liturgischen Sachverhalten aus ihrer Sicht auseinander setzen. Traditionalisten haben einen Platz in der Gemeinde, wenn sie nicht aggressiv einen Alleinvertretungsanspruch erheben.
Wieviel Traditionalisten gibt es? „PuLa“ wird von zwei Personen geführt. In großen Abständen taucht noch eine Dame auf. Keiner der Freunde von „PuLa“ wird im Blog sichtbar und solidarisiert sich offen. Gibt es sie? Sind es drei, eine Handvoll oder zehn? Wir müssen in Zukunft wachsam sein und uns wehren.“

Ja, Frau Engelstädter, da stellen Sie ganz richtige Fragen. Aber Sie werden darauf keine Antwort erhalten.
Natürlich nicht.
Nein, Sie müssen bestimmt nicht wissen, wie viele wir sind, o nein!
Aber seien Sie sicher: Wir sind viele. Mehr als Sie sich vorstellen können. Und an Stellen, von denen Sie nicht einmal träumen, weit über Weimar hinaus; überall.
Mitten unter ihnen.

Und wir sind jung!
Junge Menschen, junge Familien, wir beide hier gehören zu den Älteren!
Und wir haben Pläne: Als eine der ersten Maßnahmen haben wir z.B. vorgesehen, daß alle Gemeindemitglieder mindestens das Kleine Latinum nachweisen müssen (übergangsweise hilft auch die [Rück-] Übersetzung eines Textes von Joseph Ratzinger aus dem Italienischen), und den Besitz eines „Volks-Schott“, klar. Und die Prozessionen werden künftig um ca. 300% verlängert und in Marschformation absolviert (lockerer Schritt bleibt aber erlaubt!).
Und das wird erst der Anfang sein…

[Satiremodus aus]

Im Ernst: Ist das nicht ganz prachtvoll? Wie der Abschnitt changiert zwischen scheinbarer Großzügigkeit („haben einen Platz“) und kaum verhüllter Drohung („müssen uns wehren“), zwischen vorgespielter Gewißheit („kleine Minderheit“) und tiefsitzender Unsicherheit („wie viele gibt es“); Überaus bezeichnend ist das.

Frau Engelstädter, wenn Sie Ihrer Sache mit der „kleinen Minderheit“ gegenüber der „überwältigenden Mehrheit“ so sicher sind, wovor sind Sie denn in Sorge?!
Ich will Ihnen sagen, was es nach meiner Überzeugung ist: Ohne daß Sie es natürlich je eingestehen werden, haben Sie eben doch eine Ahnung davon, daß wir mit dem, was wir sagen einen Punkt haben, und mehr als einen. Daß die Zeit un- und widersinniger (liturgischer) Experimente endgültig und unwiederbringlich vorbei ist. Daß die Kirche nicht „aus“ Tradition lebt, sondern „Tradition lebt“, daß dies ihr lebendiger Selbstvollzug ist und immer sein wird (vgl. hier), und daß genau das es ist, was junge Menschen anzieht, in einer Zeit, in der die „Volkskirche“, wie wir sie kannten, endet und eine „Bekenntniskirche“ entsteht, die sich wieder als ecclesia militans weiß (was sie natürlich immer war). Und daß vieles „Gedöns“, das wir aufgebaut, und an das wir uns gewöhnt haben, verwehen wird wie der sprichwörtliche ‚Windhauch‘ (vgl. hier).

Und wenn Sie (sich selbst gegenüber) ehrlich wären, müßten Sie sich zugeben, daß Sie sogar wissen: Sie bauen da einen Popanz auf mit der Konstruktion einer homogenen „Tradi-Gruppe“! Sie wissen genau, wer „Freunde“ dieses Blogs sind, und daß es sich dabei keineswegs um ausgewiesene „Traditionalisten“ handelt (Wenn Sie nur ein wenig mehr Ahnung von der „Szene“ hätten, könnten Sie übrigens auch wissen, wir beide hier entsprechen ebenfalls dem Klischee dieser Richtung keineswegs).
Nein, statt einer kleinen „Tradi-Gruppe“ gab es hier seit 2011 vielmehr genug Menschen, die sogar sich selbst nur sozusagen zähneknirschend zugeben, daß wir mit dem, was wir über die Weimarer Verhältnisse geschrieben haben, immer wieder recht hatten – weil wir Fakten berichtet haben. Aber diese vielen Menschen waren und sind bei allen Meinungsunterschieden vereint in der (An-) Erkenntnis einer unhaltbaren Lage und dem umfassenden („katholischen“) Bestreben nach Besserung.

Was die inhaltliche Auseinandersetzung („wehren“) angeht, die sicherlich weiterhin stattfinden wird, so ist mir, mit Verlaub, nicht bange. Sofern, was wir schreiben lediglich die Normen der Kirche spiegelt, kann es nämlich (praxisrelevant) eine solche gar nicht geben und was den „liturgischen Stil“ angeht, so warten wir gespannt auf begründete Ansichten, die wir bisher allerdings vermissen mußten, obwohl wir uns gerade in Ihre Richtung, Frau Engelstädter , schon sehr viel Mühe gegeben haben (vgl. hier). Ein dumpfes Gefühl von „wollen wir nicht“ wird wohl niemanden zufriedenstellen können…

Und Ihre decouvrierende Bemerkung mit dem „wehren müssen“ zeigt nur eines, nämlich wer hier wirklich einen „Alleinvertretungsanspruch“ erhebt. Wir nicht. Auf die Scheinliberalität des „haben einen Platz“, fällt jedenfalls niemand mehr herein.

Der (voraussichtlich) letzte Teil dieser Reihe zu den Leserbriefen wird dann diejenigen Leserbriefschreiber würdigen, die in all dieser (bestellten?) Verwirrung den ‚Kopf über dem Nebel‘ behalten haben, die gab es nämlich auch und zwar in gar nicht so geringer Zahl! Und er wird genau damit auch daran erinnern, daß es echte Probleme und echtes Leid gab (und gibt) und gegen die Gefahr des Vergessens und gegen die Legendenbildung angehen, an der gerade so heftig gestrickt wird.

 

 

 

Die Gaunerkomödie: Ein Zwischenruf zur Leserbriefserie

Der von Hartmut Kaczmarek am 14. Juli inszenierte Bad Berkaer „Sturm auf die Bastille“ – will sagen die von ihm losgetretene Leserbriefdebatte hatte die Gemeinde unversehens mitten in eine Situation hineinkatapultiert, die jeder von uns als klassische Slapstickeinlage einer Gaunerkomödie kennt: Ein bauernschlauer Unhold wird durch sein Verhalten zur Ursache eines Streites, in dem zuletzt alle aufeinander einschlagen, während der, der eigentlich den Grund zur Prügelei lieferte, unbehelligt unten aus dem Pulk herauskrabbelt und sich klammheimlich davonstiehlt.

Das ist die Situation, in der wir uns mit den Leserbriefen befunden haben. Hatte meine Wortmeldung das für die Gemeinde so verhängnisvolle, permanente Gewährenlassen der stv. Vors. unseres KV als ein Hauptproblem in der Amtsführung des Pfarrers benannt, schimpften einige Reaktionen auf den Blog oder mich persönlich und tadelten so in gut antiker Manier den Boten für die schlechte Nachricht.

Und wir mußten konstatieren: Jemand fehlte. War Ihnen auch aufgefallen, daß in dem ganzen Streit um den selbst erbetenen Weggang des Pfarrers „die Gemeinde“ sich so gar nicht geäußert hat? „Die Gemeinde“ freilich nur im Sinne jener Anmaßung, mit der die stv. Vors. unseres KV, wie gewöhnlich ohne Rücksprache mit dem PGR, ihre Privatmeinung als – zudem etwas krude – offizielle Stellungnahme der Herz-Jesu-Gemeinde zur Straßenumbenennung der Hans-Wahl-Straße in die TLZ hatte setzen lassen (vgl. hier). Zu so einer Frage hat sie sich geäußert – und nun gar nicht? Wo unser scheidender Pfarrer doch angeblich bei allen so beliebt war und insbesondere „die Gemeinde“ in obigem Sinne von der Deckung all ihrer Aktivitäten durch seine Amtsautorität zweifellos am allermeisten profitiert hat?

Uns wundert das gar nicht. Denn wir kennen diese ihre Strategie bereits. Immer dann, wenn PuLa verleumdet wurde durch die Unterstellung bösen Willens und die Behauptung, wir produzierten erfundene Geschichten und haltlose Vorwürfe (im Osterpfarrbrief 2012, also der berühmt-berüchtigten „Seite 11“, vgl. hier oder in dem anonymen Schreiben aus dem Herbst letzten Jahres, vgl. hier fehlte in der Aufzählung aller angeblich oder angeblich zu Unrecht von uns kritisierten Personen immer genau eine einzige: Die stv. Vors. unseres KV. Komischerweise aber ist das genau die, deren Verhaltensmuster alle, die unter ihr zu leiden hatten, in PuLas Sketchen wiedererkennen, und zwar in der Figur, an der sich unsere Kritik hauptsächlich entzündet. Genau dieser Name fehlte jeweils und er fehlte auch jetzt.
So ein Zufall!
Oder so eine Gaunerkomödie?

Hat die betreffende Person möglicherweise Angst, die Nennung ihres Namens (Selbstbezeichnung: „Herr im Haus“) könnte zur Folge haben, daß etliche aus der Pfarrei sich nur allzu einig wären, die Kritik an ihrem Auftreten sei ja nun allerdings nur allzu berechtigt? Insofern sei ja PuLa denn doch zuzustimmen? Denn von den Klagen über ihre Amtsanmaßungen, ihre Herz- und Taktlosigkeiten hallen Gemeinde und Erfurter Ordinariat bekanntermaßen unüberhörbar wider. So gerne sie sich für gewöhnlich in den Vordergrund spielt, so mucksmäuschenstill verhält sie sich daher zur Zeit in der Öffentlichkeit, damit ja keiner auf die Idee kommt, sie in irgendeiner Weise mit dem Streit um die Amtsführung des Pfarrers und seinem jetzigen Weggang in Verbindung zu bringen.

Aber seien Sie unbesorgt! Wir halten Augen und Herzen offen und werden niemals vergessen, wer in unserer Pfarrei die Menschen nach dem Muster „divide et impera“ selbstherrlich auseinander bringt: Wer all die Leiden verursacht hat, von denen PuLa lediglich berichtet. Wir werden nicht wegschauen und uns nicht ablenken lassen. Und wir werden nicht vergessen, mit welchen Mitteln sie wen alles aus unserer Mitte vertrieben hat. Auch wenn sie sich zur Zeit öffentlich lieber ganz mucksmäuschenstill verhält.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

„Tut nichts ohne den Bischof!“ (Leserbriefe zu PuLa Teil 3)

Im heutigen Teil unserer Antwort auf die Leserbriefe, die H. Kaczmarek mit seinen Äußerungen von Mitte Juli (hier) losgetreten hat, wollen wir uns mit den Reaktionen aus Bad Berka selbst befassen. Sie erschienen am 21. Juli, haben es aber nicht in die Online-Sammlung der TLZ (hier) gebracht, die ja sowieso ziemlich lückenhaft ist.

Den Schreiben von Herrn Johann Heim und Frau Martina Nokel merkt man deutlich an, da war jemand „angepiekt“, daß wir die Frage in den Raum gestellt hatten, wie gut die Informationslage in Bad Berka („hinterm Berg“) denn wohl sei. Das ist menschlich sehr verständlich, trägt aber in der Sache nicht sehr weit.

Bitte bedenken Sie, was der Auslöser der Fragestellung war: Eine Wortmeldung, die nun einmal nicht aus dem Zentrum der Pfarrei kam, aber für sich in Anspruch nahm, für (fast) alle zu sprechen, denn dort (im Zentrum) dächten ja bestimmt alle genauso, wenn man sie denn nur „richtig“ gefragt hätte.
Aber das ist eben nicht so und dem mußte widersprochen werden. Sie schreiben, sehr geehrter Herr Heim, bezeichnenderweise wenige Zeilen weiter unten selbst, der Pfarrgemeinderat (mit Sitz in Weimar!) habe die „Unterstützung versagt“. Was auch immer davon im einzelnen zu halten sein mag, aber der war jedenfalls „näher dran“ und seine Mitglieder hatten eben wohl doch eine bessere Kenntnis der Lage.

Wir wissen sehr wohl um die mehr als problematischen Erfahrungen, die Sie in Bad Berka in der Vergangenheit haben machen müssen, und verstehen von daher manche Reaktion besser. Allerdings ist es schon sehr eigentümlich, daß Sie den, um den es die ganze Zeit geht, so anders als viele Menschen in Weimar erlebt haben sollen, daß wir manchmal geneigt sind, uns zu fragen, ob da wirklich von der gleichen Person die Rede ist.

Ihr Eindruck vor Ort entbindet Sie aber nicht davon, zumindest zu versuchen, sich auch mit der Situation in der Gesamtpfarrei und ihrem Zentralort auseinanderzusetzen. Mit dem Bemühen um Objektivität. Die Struktur ist jetzt (seit vielen Jahren) nun einmal so, daß Sie ebenso angeht, was in Weimar passiert, wie umgekehrt uns, was sich bei Ihnen abspielt. Und wir wissen ja auch genau, daß Sie in den letzten Jahren von dem “Wirken“ der stv. Vors. des Kirchenvorstands einiges mitbekommen haben. Haben Sie sich schon einmal ganz nüchtern die Frage gestellt, was die notwendigen personellen und institutionellen Bedingungen dafür waren, daß dies so lange Zeit geschehen konnte?

Soweit läßt sich über das, was uns da aus Bad Berka entgegenscholl, ja noch ganz nüchtern reden, doch leider gibt es noch weitere Aspekte.

Zunächst finden wir die Bereitschaft, Menschen, die man gar nicht oder nur wenig kennt, Mitkatholiken zumal, schlechte, ja übelste Motive zu unterstellen, ziemlich bedrückend. Haben Sie sich wirklich überlegt, was Sie  da alles so geschrieben haben: „Dauerhaftes Mobbing“, „Intrigenspiel“, „pathologisch“, „Lüge“, „bösartig“? Sie teilen ganz schön aus, angesichts Ihrer ansonsten zur Schau getragenen Empfindlichkeit. Wie hätten Sie wohl reagiert, wenn wir, statt einfach nur zu fragen, ob Sie wohl gut genug informiert sind, uns umgekehrt ähnlich negative „Gründe“ für Ihre Haltung überlegt hätten? Aber das machen wir eben nicht, das kommt auf ‚Pulchra ut Luna‘ nicht vor.

Auf die schiefe und unpräzise Verwendung der Begriffe Mobbing und Intrige, im einzelnen einzugehen, lohnt nicht, nur soviel: zum „Mobbing“ gehört regelmäßig das Verbreiten falscher Tatsachenbehauptungen. Das haben wir nicht getan, sondern wir schreiben, was wirklich geschieht. Nur umgekehrt, umgekehrt haben wir genau das erlitten – und vermutlich kennen wir das Ausmaß dessen nicht einmal ansatzweise, was über uns und unsere Freunde schon so erzählt worden ist.

Verwechseln Sie nicht den Boten mit der Nachricht! Bestrafen Sie nicht den Boten für die Nachricht: Wir berichten von den Anfeindungen, die zunächst viele andere und dann auch uns betroffen haben, wir produzieren sie nicht.

Dann bitte ich Sie herzlich und dringend: Überlegen Sie sich, was Sie in Richtung auf Ihren Bischof sagen! So engagiert man im einzelnen in Bezug auf die je aktuelle Situation vor Ort auch sein mag: Hier steht mehr auf dem Spiel, viel mehr! Da geht es um das richtige Verständnis von Kirche überhaupt und nur insofern das stimmt, werden wir gemeinsam, d.h. gemeinsam untereinander und gemeinsam mit ihm!, in der Lage sein den eingetretenen Schaden zu heilen.
„Tut nichts ohne den Bischof!“ sagt schon (ca.) im Jahr 110  der Hl. Ignatius v. Antiochien! Bitte lesen Sie noch einmal, was ich mit Bezug auf H. Kaczmarek dazu geschrieben habe (hier und in den Kommentaren) und meditieren Sie im Gebet die Bedeutung , die das „Grundsakrament Kirche“ für uns hat!

Schließlich fällt uns in allen Leserbriefen (und daher potentiell auch in den Reaktionen darauf!) eine für die Zukunft gefährliche Tendenz auf: Wenn wir nicht aufpassen, droht gar nicht mehr aufzufallen, daß da „jemand fehlt“ in all dem Hin und Her.

Das werden wir aber zu verhindern wissen.

Könnten Sie so was erfinden? (Leserbriefe zu PuLa Teil 2)

Es ist schon bemerkenswert (wenn auch nicht überraschend…), wie die unlängst von der TLZ veröffentlichte Zusammenschau der Leserbriefe mit Bezug auf PuLa (hier) vorwiegend diejenigen berücksichtigt, die uns nicht freundlich gesonnen sind, um es mal sehr vorsichtig auszudrücken. Denn es gibt weitere Schreiben an die Zeitung, die geeignet wären, das Bild ausgewogener erscheinen zu lassen, auch rein zahlenmäßig. Aber das wollen wir heute (heute!) ebensowenig näher untersuchen, wie die Gründe dafür. ‚Liberale Zeitung‘ und Katholizismus, das war schon immer ein schwieriges Verhältnis.

Was jedoch ungeachtet dessen in den PuLa-kritischen Beiträgen zum Teil so zu lesen war, also von Katholiken untereinander, das erfordert (wie in Teil 1 dieser Reihe angekündigt, hier), eine Reaktion, denn es ist mit dem Stichwort „Vorurteile“ (wie im folgenden Beitrag) nur sehr (!) milde bezeichnet.

Es geht aber dabei natürlich nicht in erster Linie um uns, sondern darum, daß die Fehleinschätzung von Pulchra ut Luna die Fehleinschätzung der Gesamtlage, in der wir uns befinden, spiegelt , und die scheint noch weiter verbreitet, als bisher schon befürchtet. Das wiederum gefährdet potentiell den notwendigen Neubeginn – und muß daher besprochen werden.

 

G. Lamers

 

Bemerkungen zu den Vorurteilen gegenüber PuLa

„Scribe visum super tabulas“ (hier)  – schreib das Gesehene auf, wird Habakuk ermahnt. Was diesem Aufruf vorausgeht: schreiende Ungerechtigkeiten, sind auch PuLas Ausgangspunkt und Motivation. Es schmerzt mich, daß uns böser Wille als Movens unterstellt wird. Und ich finde es ausgesprochen eigentümlich, daß Menschen auf die Idee kommen können, in einer funktionierenden Gemeinde mit einem netten und dialogfähigen Vorsteher, wie er jetzt immer geschildert wird, könnten sich Probleme so lange aufstauen, daß sie sich zuletzt in einer „Leserbriefschlacht“  entladen – und kämen Leute auf die Idee, Geschichten zu erfinden, wie wir sie auf PuLa berichten. Ich persönlich kann mir niemanden vorstellen, der sich ohne erheblichen Leidensdruck an eine solche zeitaufwendige Arbeit macht, die obendrein nicht nur nichts einbringt, sondern noch kostet.

Daß wir häufig bei Andeutungen bleiben müssen, ist der Tatsache geschuldet, daß die meisten Opfer die Verbreitung ihrer Erlebnisse nicht wünschen. Erfundene Geschichten sind es dennoch nicht: In der Regel liegen sogar Briefe und Mails vor, die sie belegen.

Unsere Erfahrung, als PuLa online ging, war, daß Stillschweigen über Ungerechtigkeiten und erlittenes Leid, daß Kooperation und Unterordnung bis zur Selbstaufgabe in keinem uns bekannten Fall dazu geführt hatte, daß wieder jemand von ‚offizieller‘ Seite unserer Gemeinde auf die entsprechenden Menschen zugegangen wäre oder ihren Wünschen in irgendeiner Form entsprochen hätte. Stillschweigen, hieß das, war und ist im vorliegenden Fall kein gangbarer Weg und hilft nur, die Machenschaften und Amtsanmaßungen der „Gemeindeleitung“ (lies: der stv. Vors. unseres KV) weiter zu vertuschen.

Unsere Hoffnung, als PuLa online ging, war zweifach: Erstens daß das – und sei es andeutungsweise – Aufdecken der stets fernab jeglicher, auch der Gremienöffentlichkeit sich vollziehenden Ausgrenzungen Ehrenamtlicher und Verhinderungen gemeindlicher Initiativen (wir beobachten das als aktiv Involvierte seit Anfang 2005, nicht erst seit 2011, als PuLa an den Start ging) die Hemmschwelle für die Machenschaften der stv. Vors. unseres KV (Selbstbezeichnung: „Herr im Haus“) erhöhen würde. Diese Hoffnung schlug bisher fehl.
Zweitens daß die Vorgesetzten unseres Ortsgeistlichen ihn nicht gewissermaßen achselzuckend über Jahre in seiner Lage schmoren lassen würden – wenn er denn schon nicht selber willens oder in der Lage war, den Machenschaften und Eigenmächtigkeiten der stv. Vors. unseres KV einen Riegel vorzuschieben, unterstützt durch den Druck unserer Veröffentlichungen.

Die Hoffnung, ohne personelle Veränderungen eine Verbesserung der Situation der ehrenamtlichen Gemeindearbeit in Herz-Jesu Weimar herbeizuführen, schlug ebenfalls fehl. Gespräche zu den neuralgischen Punkten im Gemeindeleben wurden durch die Gemeindeleitung konsequent verweigert, es gab, obwohl durch die Mitbrüder angeregt, seit 2009 keine Gemeindeversammlung mehr, im Vorfeld der PGR-Wahlen gab es keine Gesprächs- oder Vorstellungsrunden, sondern nur „verdeckten Wahlkampf“ seitens der stv. Vors. unseres KV.

Mit dem Angebot einer Mediation bissen dem Vernehmen nach sogar die Bischöfe 2012 und 2015 bei unserer Gemeindeleitung auf Granit, und so besteht erst jetzt, nachdem Bischof Ulrich dem Versetzungsgesuch unseres Pfarrers entsprochen hat, die Chance, daß unsere Pfarrei wieder für alle, die dies wünschen, zur Heimat werden kann: Die Chance nämlich, daß die stv. Vors. unseres KV auf das Normalmaß einer Ehrenamtlerin zurückgestutzt wird und nicht weiter in die Arbeit anderer haupt- (!) und ehrenamtlicher Gemeindemitglieder hineinregiert bzw. sie verhindert. Daß ihr der Generalschlüssel und die Schlüsselgewalt über weitere, vermutlich sogar private Räume im Pfarrhaus und die Kirche wieder entzogen werden, daß die Emailadresse des Seelsorgers wieder ein nur dem Priester bekanntes Paßwort erhält, daß der PGR gestärkt und zur Kommunikation mit der Gemeinde ermutigt wird. Daß ein Hauch von Transparenz auch die finanziellen Angelegenheiten zu durchwehen beginnt (denn es ist unser aller Vermögen, das vom KV verwaltet wird – ich sage nur Boni-Bus), daß im PGR wieder Arbeitskreise zugelassen werden, die nicht nur gerüchteweise existieren, sondern wirklich arbeiten, daß die von der Gemeinde finanzierten Medien (Vermeldungen und Homepage) wirklich wieder für die Gemeinde und ihre Mitglieder nutzbar und nicht von der stv. Vors. des KV allein, sondern von einem mehrköpfigen kompetenten Team betreut werden. Daß die Schlüssel zum Gemeindehaus wieder ohne Druck und Neurose an die Gruppen ausgereicht werden, die katholische Kinder- und Jugendarbeit anbieten, daß alle Kantoren wieder singen und alle Lektoren wieder lesen können, Orgelprofessoren wieder in Messen orgeln, Komponisten wieder für die Gemeinde komponieren, daß CD-Einspielungen unserer Orgel und Kirchenkonzerte zugelassen werden usw.
Und, sofern sie noch im Lande und bis heute katholisch sind, diejenigen wieder (auf-)gesucht werden, die sich im Verlauf der letzten 12 Jahre voll Trauer und Schmerz von unserer Gemeinde abgewandt haben.

Die anstehende Veränderung in der Pfarrstelle ist, so hat der Bischof entschieden, die Bedingung der Möglichkeit all dieser und weiterer notwendiger Schritte in Richtung auf ein lebendiges und kommunikatives Gemeindeleben hin. Der Heilungsprozeß aber ist erst noch zu leisten. Die jüngsten verzerrenden Darstellungen und bestellten „Gefälligkeitsgutachten“ (vgl. Teil 1, hier) zeigen, daß er noch nicht begonnen hat.

Um auf PuLa und sein stetes Bemühen um die Verbesserung der Situation in Herz-Jesu Weimar zurückzukommen, so hätte ich niemals geglaubt, daß wir knapp 100 Sketche publizieren würden, bevor sich etwas bewegt (vgl. hier). Die PuLa-Sketche sind verdichtete fiktionale Texte und gehen als solche natürlich nie eins zu eins in der Wirklichkeit auf. Dennoch „denke“ ich sie mir nicht „aus“ (das geht bei künstlerischen Werken nicht), sondern sie „fallen“ mir „ein“: Die Dinge, die sich in unserer Gemeinde abspielen, kann man sich ja gar nicht „ausdenken“. Man glaubt sie ja kaum, wenn man sie hört – wie ja z.B. einige Leserbriefschreiber uns einfach nicht glauben.
Die Sketche sind also eine Reaktion auf Vorkommnisse, eine literarische Verarbeitung von Erlebnissen, die uns oder anderen Gemeindemitgliedern zugestoßen sind. Um sich angesichts all der Verletzungen nicht selber – wie anderen ja geschehen – krank zu ärgern, um die eigene seelische Gesundheit zu erhalten und bekannt zu machen, welcher Geist hier herrscht, habe ich diese kleinen satirischen Texte hingeschrieben und zum Teil (!) auch veröffentlicht. Ob man sie witzig findet oder nicht – sie sind allemal geistreicher als die Vorkommnisse, die sie zur Grundlage haben.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Die hämische Freude über einen „wessifreien Kirchenvorstand“ (lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen im Jahr 25 nach der Wende, in einer Pfarrei, die seit ihrer Neugründung im 19. Jh. nur durch Zuzug wachsen konnte und in der zur Zeit zwei Drittel der Meßdiener/innen solcherart „Migrationshintergrund“ aufweist) war einer der Anlässe dieses Sketches. Der skandalöse Umgang unserer „Gemeindeleitung“ mit der neuen Orgel fand u.a. in diesem Sketch seinen Niederschlag.

Die Schafsketche (hier der erste von ihnen) mag nicht nur ich sehr. Sie spiegeln die immer sehr konstruktiven und versöhnlichen Gespräche in einer „Herde“ wider, in der nur ein einziges Schaf verhaltensmäßig aus der Reihe tanzt und alle dominieren will. Die von mir angesichts des hiesigen, nicht etwa „eingetretenen“, sondern herbeigeführten, bzw. in Kauf genommenen Ehrenamtlerschwundes als unpassend und verletzend empfundene Bemerkung vom Ambo aus, manche Ehrenamtler wolle man am liebsten teilen, damit man sie doppelt habe, floß in einen Sketch mit ausgesprochen versöhnlichem Ende ein, hier.

Wie man darauf kommen kann, PuLa sei nur ein Mecker- oder gar „Hetzblog“, ist mir daher völlig unverständlich. Man sollte nicht den alten Fehler begehen und den Boten für die Nachricht tadeln. Wir schildern, was hier im Argen liegt. Wir suchen die Fehler nicht und erfinden nichts hinzu. Im Gegenteil: Es geschieht noch viel mehr an Unrecht als wir schildern können, wollen oder dürfen.

Hier für alle, die zu PuLa noch keinen positiven Zugang gefunden haben, einige Links: Da sind, mit immerhin ebenfalls 100 von derzeit insges. ca. 580 Beiträgen, die vier Adventskalender, die u.a. mit Gilbert K. Chestertons „The Everlasting Man“ bekannt machen , praktische Bistumsgeschichte betreiben (hier) oder sich mit den Psalmen auseinandersetzen. Da gibt es lehrreiche Nikolaus-Schaf-Sketche zum Datum (z.B. hier), das Sommerkino, das – übrigens gewissermaßen „für“ Steffi Engelstädter, die aber leider weder kommunizieren noch verstehen wollte und statt dessen nun diesen verzerrenden Artikel in die Zeitung gesetzt hat – einen Vortrag „Zur Katholischen Identität“ des Saarbrücker Hochschulseelsorgers Dr. Johannes Kreier vorstellt und bespricht (hier), die Zusammenfassung des Erfurter Eschatologie-Symposiums nebst Nachtrag , die bloggende Begleitung von  Papstbesuch und –rücktritt, ein eigener Fastenvortrag meines Mannes in Eilsleben, katholische ‚Heimatkunde, als Beitrag zur gemeindlichen Seelenhygiene die Ergänzung des allzu lückenhaften „Jahresrückblicks“ unserer „Gemeindeleitung“ u.v.m..
Zudem gibt es die ganz lokal orientierte Kategorie „Ein Sonntagmorgen voller guter Laune“, in der gejubelt und gelobt wird, wenn der berechtigte Anspruch eines Christenmenschen auf eine erbauliche Messe erfüllt wurde.

Viel Spaß beim Lesen und Vorurteile revidieren wünscht

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Wie schön! „Unser Karmel“ auf den Seiten des DLI

Heute früh (sehr früh: bei mir um 00.03 Uhr…) traf der Newsletter des Deutschen Liturgischen Instituts (DLI) in Trier ein.

Er barg eine unerwartete und erfreuliche Überraschung! Dabei war ich nicht gerade spontan begeistert, als ich von dem neuen Projekt: „Strasse der Moderne, Kirchen in Deutschland“ (hier) las. (Wie?, das überrascht Sie nicht? Warum das denn? 😉 )
Aber, wie es so ist, beim näheren Hinsehen wurde es noch richtig interessant und scheint mir jetzt eine wirklich nachvollziehbare und gute Idee.

Die Site ist heute (24. Juli) online gegangen und wird künftig jeden Sonntag um neue „moderne“ Kirchen aus ganz Deutschland erweitert.
Sehr sympathisch ist mir die gewählte Regionen-Einteilung! Endlich hat mal jemand gemerkt, daß Thüringen nun wirklich nichts mit Ost-Deutschland zu tun hat, sondern daß das hier die Mitte ist. Konsequenterweise findet sich daher die Kategorie: „Kirchen in Deutschlands Mitte“, die Hessen und Thüringen umfaßt (ich hätte ja auch Sachsen-Anhalt noch einbezogen, aber dennoch).

Und was findet sich zum heutigen Start als Beispiel für eine moderne Kirche in Thüringen?
„Unser“ Karmel, die Kirche St. Bonifatius in Weimar-Schöndorf; Wie schön! (hier)

Und der Beitrag dazu ist absolut hochklassig, ihn hat mit Frau Dr. Verena Schädler die momentan wohl führende Expertin auf diesem Gebiet (vgl. hier) verfaßt.

Also, klicken Sie auf das Bild über dem Schriftzug „Schuld und Sühne“, das führt zu sehr gelungenen weiteren Bildern (von Wolfgang Lukassek, dem pensionierten Leiter des bischöfl. Bauamtes) und freuen sich daran!

Wir hier auf PuLa haben zu dieser Kirche eine ganz besondere Beziehung, die aber eher privater und nicht vorwiegend ästhetischer Natur ist, aber u.a. deshalb kam sie hier schon einige Male vor (vgl. hier und hier). Speziell für unsere „westlichen“ Leser mit ebenfalls eher „altmodischem“ Geschmack sei aber eines hinzugefügt: Diesen Kirchen hier in der ehemaligen DDR, die dem atheistischen Regime abgerungen werden mußten, denen spürt man das ab! Wirklich, Sie haben, finden wir, eine besondere spirituelle Qualität, die einen manchen denkbaren Einwand hintanstellen läßt, wenn man sich darauf einläßt.

 

PS: Die Angelegenheit wäre doch bestimmt auch etwas für die Bistums-Seite, oder? (von der Homepage von Herz-Jesu-Weimar mit ihrem überforderten Redaktions-„Team“, wollen wir jetzt mal lieber schweigen, sonst heißt es wieder, wir brächten nur Negativ-Nachrichten 😀 )

PPS: Der Text rühmt völlig zu Recht den guten Erhaltungszustand der Innenausstattung, wie schade , daß sich das nicht mehr auf den bis vor kurzem noch vorhandenen Beichtstuhl beziehen kann…

„Ach so, Sie sind Professor? Das ist etwas anderes.“ (Leserbriefe zu PuLa Teil 1)

Kinder, Kinder! Da ist man mal ein Wochenende nicht in Weimar (sondern in Löbau, wo es sehr schön ist! Das „PuLa unterwegs“ dazu folgt aber aus ganz bestimmten Gründen erst in ca. 3 Wochen), schon laufen die Leserbrief-Spalten der TLZ schier über mit Beiträgen, die sich mit diesem bescheidenen Blog aus der mitteldeutschen Diaspora befassen, unglaublich! Das hat durchaus amüsante Seiten – allerdings nicht nur.
Jedenfalls stellen wir mit Interesse fest, daß der Weimarer TLZ-Chef, der noch Mitte April von einer „weithin unbekannten Internet-Seite“ schrieb, unterdessen im Zeitalter der Medien-Konvergenz und -interaktion angekommen zu sein scheint, das ist doch sehr erfreulich.

Seit vielen Wochen befleißigen wir uns nun aus gutem Grund der Zurückhaltung, was den eigentlichen Anlaß all dieser Aktivität angeht – und werden das auch weiterhin tun, auch wenn es (zusehends) schwer fällt, manch schlicht abstruse Einschätzung, bzw. Darstellung nicht als solche zu charakterisieren – und mit der Wirklichkeit zu kontrastieren! Aber, wie gesagt, wir haben gute Gründe für die Zurückhaltung.

Was wir aber nicht tun werden, ist, das, was da über uns, unsere Freunde und unsere Überzeugungen zum Teil so daherschwadroniert wird, unkommentiert zu lassen – dafür haben wir nämlich viel zu viel Spaß am Schreiben! 😀

Und so steigen wir heute ein in eine kleine Sommer-Reihe zu den Leserbriefen, die da meinen, sich an PuLa abarbeiten zu müssen; es gibt schon jetzt genug Stoff für einige Tage: Viel Spaß!

Beginnen wollen wir, nicht ganz ganz chronologisch, mit der in mancher Hinsicht überraschendsten Wortmeldung dieser Tage. Da schrieben, oho! 😉 , zwei Professoren, Frau Silke Satjukow und Herr Rainer Gries,  am 20. Juli einen Beitrag, den die TLZ ganz zu recht mit „Perfide Anspielungen und gezielte Diffamierung“ überschrieb, denn diese Vorwürfe kommen darin wirklich vor. Wir rieben uns die Augen, denn der Text (Sie können ihn hier lesen) erweckt den Eindruck, als kennten sich die Autoren wirklich hier aus, sprechen sie doch davon, was wir „seit Jahren“ täten („Stimmung machen“, „obskure Anwürfe“ loslassen) und auch, daß es sich dabei nur um „wenige (Propagandisten)“ handele wissen die beiden offenbar ganz genau.

Dann wird im weiteren Verlauf mit theologischem Einschlag fortgefahren  und was da so kommt, das kennt man auch tatsächlich von (allzu-) vielen Theologen:  Die gänzlich undifferenzierte und selektive Inanspruchnahme des Zweiten Vatikanums incl. der „Konzilspäpste“ Johannes XXIII. (der das Latein gefördert hat)  und Pauls VI. (der den „Rauch des Satans“ in die Kirche hat eindringen sehen) und, wie oft haben wir das schon gehört?, die selbstbewußte Feststellung, PuLa sei nicht vom Geist Jesu inspiriert, was ja im Umkehrschluß heißt, genau zu wissen, worin dieser besteht.

Als dann allerdings wenige Zeilen weiter unten von einer „anderen christlichen Religion“ (sic!) die Rede war, haben wir uns doch gedacht, daß da etwas nicht stimmen kann.

Und siehe da: Satjukow und Gries sind gar keine Theologen.

Nein, beide sind Sozialwissenschaftler, genauer Historiker (vgl. hier und hier). Und machen da sehr interessante Sachen. Na gut, wir sind auch beides keine Theologen (allerdings sagen wir das auch immer wieder laut und deutlich), aber was soll denn die Bemerkung: „gerne garnieren sie ihre Ein- und Auslassungen mit Zitaten aus theologischen Schriften“?
Eigentümlich! Ich meine, das ist etwa so, als stellte ich Prof.  Gries als „ausgewiesene[n] Kenner des europäischen Qualitätsschaumweins“ vor. Das täte ich doch auch nicht (obwohl es hier genauso steht), wenn ich ernsthaft vorhätte, seine Hervorbringungen zu würdigen! Was die beiden offenbar umgekehrt nicht vorhaben.

Nun gut, jetzt war also klar, was da an Pseudo-Theologischem stand, das mußte man kein bißchen ernster nehmen, als man alles nehmen muß, was das arme Zweite Vatikanum immer und immer wieder an gedankenarmer und reflexionsloser Dienstbarmachung für irgendwelche glaubensexternen Zwecke erdulden muß (ja, auch der „Geist des Konzils“ kommt wieder vor…), man muß es gar nicht ernst nehmen.

Blieb die Frage: Woher das heftige Engagement? Eifrige Katholiken/Christen? Wir haben bei unseren Erkundigungen niemanden gefunden, der die beiden je in einem gemeindlichen Zusammenhang erlebt hätte, weder hier noch in Jena. Ja, es scheint nicht einmal sicher, daß Frau Satjukow überhaupt einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehört.

Also, was war es dann? Sind die beiden Freunde von Thorsten Büker? (so beim Gläschen Schaumwein? 😉 )  Die Freunde anderer Beteiligter?

Denkbar, aber als Erklärung unbefriedigend.

Dann kam uns ein Verdacht. Er entzündete sich an dem schönen Satz: „Das Prinzip des Dialogischen zählt seither zu einem kardinalen Imperativ des Katholischen.“ Prust!
Den Spaß, solche wunderbar klischeehaften Wissenschafts-Sprech-Sätze zu drechseln machen meine Frau und ich uns auch manchmal (sie schafft das zwischen Aufstehen und Frühstück, ich brauch‘ meist vorher noch ne Tasse Tee…), das ist wirklich ein köstlicher Zeitvertreib!

Also, das wirkte doch alles irgendwie uneigentlich!

Dann fiel uns auf, wie der Text geradezu lehrbuchhaft betreibt, was in der Sprache einigermaßen avancierter Sozialwissenschaft „Othering“ genannt wird, das Bestreben, eine Gruppe von Menschen, die einem aus irgendeinem Grund nicht paßt, zum Zwecke der Konstituierung, bzw. Stabilisierung des eigenen Selbstverständnisses/der eigenen Gruppe zu „den Anderen“ zu machen und diese „Anderen“ dann (vorzugsweise in essentialisierter Form) abzuwerten (vgl. hier, hier und hier).
Den beiden Hochschullehrern war gewiß auch, davon konnten wir ja sicher ausgehen, bekannt, was Manuel Borutta in seiner mittlerweile bereits in zweiter Buchauflage vorliegenden (preisgekrönten) Dissertation: „[Liberaler] Antikatholizismus. Deutschland und Italien im Zeitalter der europäischen Kulturkämpfe“ (jetzt Göttingen, 2011, vgl. hier) zu diesem Thema geschrieben hat,  besonders insofern er das Phänomen auch als eines der binnenkonfessionellen (lies: innerkatholischen) Antagonisierung beschreibt. Einer Antagonisierung, in der sog. „liberale Katholiken“ schon damals der katholischen Sache und, ironischerweise, den (politischen) Liberalen sehr geschadet haben.

Jetzt fing die Sache an, Kontur zu bekommen! Das war ja auch zu stereotyp, was die beiden uns ganz unbekannten Herrschaften da an Othering mit uns zu betreiben schienen: Hier die, „liberalen“, „dialogischen“ ‚Guten‘, da die ‚Bösen‘, „Feinde“, die „infam“ und „gnadenlos“ die anderen „stalken“ und ihnen Dinge „unterstellen“. Hier die ‚Dummen‘, die ihre „Ein- und Auslassungen“ bloß „mit Zitaten garnieren“ können, dort die ‚Erleuchteten‘, die in Nachfolge großer Päpste den Dialog mit der Welt suchen.
Nicht wahr? Wenn man es so geballt liest (und das ist ja nicht einmal alles) merkt man es sofort:

Das kann gar nicht, nein, das IST nicht ernstgemeint!

Also, Frau Professor, Herr Professor, geben Sie’s zu: Das Ganze ist ein Forschungprojekt. Ein Projekt „teilnehmender Sozialwissenschaft“. Sie untersuchen „Prozesse des Othering in sich ausdifferenzierenden Gemeinden der mitteldeutschen Diaspora unter den Bedingungen der Umbruchssituation nach den politischen Veränderungen der Jahre 1989/90“.

War ja auch von vorneherein völlig ausgeschlossen, daß zwei Personen Ihres geistigen Kalibers einen Blinden Fleck so monströsen Ausmaßes hätten übersehen können, daß sie unabsichtlich selber betreiben, was sie untersuchen.

Tja, tut uns leid, keine Ahnung, warum Sie jetzt meinten, selber eingreifen zu müssen, in das Experiment, aber wir haben es gemerkt und nun ist es raus! Und wir haben schon immer gesagt, die Weimarer Verhältnisse geben ein paar (!) Diplomarbeiten und Dissertationen her.
Aber vielleicht ist ja noch nicht aller Tage Abend: Wenn ich so einen Gutteil der anderen Leserbriefe Revue passieren lasse, allein da findet sich noch jede Menge Material. Von unseren jahrelangen einschlägigen Erfahrungen ganz zu schweigen. Schicken Sie also doch einfach die jungen Wissenschaftler, die Sie betreuen, bei uns und unseren Freunden vorbei. Wir nehmen sie gut auf und haben mehr als genug einschlägige Erzählungen und Unterlagen.
Die jungen Leute kriegen dann bei uns auch einen Tee und am Ende auch noch ein Schlückchen Sekt!. 😆

 

PS: Der Titel dieses Beitrags ist eine Hommage an die große, die unvergeßliche Dr. Erika Fuchs (1906  bis 2005), deren sprachschöpferische Kraft das Deutsche so sehr bereichert hat (vgl. hier, hier und hier).

UPDATE: Bad Berka liegt im Wald (aber hoffentlich nicht hinter der Fichte!)

Zu unserem gestrigen Beitrag (hier) über den aus Bad Berka „ferngesteuerten“ Presse-Bericht zu einem angeblich „Offenen Brief“ an Bischof Ulrich Neymeyr gibt es einige notwendige Ergänzungen:

Der Beitrag ist jetzt auch online verfügbar (hier). Der Text hat sich nicht verändert, nur der Titel wurde ergänzt, er lautet jetzt: „‘Bischof ignoriert Hilferuf‘: Filialgemeinden setzen sich für Pfarrer Carsten Kämpf ein“. Und damit ist er noch mehr fokussiert auf das, woran niemand, am wenigsten der Betroffene selbst, ein Interesse haben sollte…

Der fragliche Text war bloß insoweit „offen“, als er eine Zeitlang (möglicherweise am 13. und 14. Juni) in den Kirchen in Bad Berka, Blankenhain und Kranichfeld allgemein zugänglich auslag. Das wirft, nebenbei, auch ein interessantes Licht auf die gestern angeschnittene Frage, inwiefern es sich bei den Unterzeichnern in jedem Fall um sog. „Aktive“ handelt.

Es ist erforderlich, in dem gestrigen Artikel sorgfältig auf semantische Feinheiten zu achten. Da ist einmal die (zurückhaltend ausgedrückt) unscharfe Verwendung des Begriffs „Gemeinde“. Wenn z.B. H. Kaczmarek von Bad Berka her sprechend zitiert wird, er verstehe nicht „warum die Gemeinde in Weimar die Versetzung von Pfarrer Kämpf so ruhig hinnimmt“, dann kann das bei ungenauem Lesen leicht den Eindruck erwecken, es handele sich hier um zwei voneinander unabhängige Einheiten: „Gemeinde Bad Berka“ und „Gemeinde Weimar“, wovon natürlich überhaupt keine Rede sein kann. Das ganze andauernde windelweiche „Gemeinde, Gemeinde“-Gerufe (ver-) führt aber natürlich zu solchen Dingen.
Fakt ist: Es handelt sich (seit der Strukturreform) um eine Pfarrei, einen Rechts- und Seelsorgeraum und ein autonomes Handeln der sowieso in ihren Aufgaben stark beschränkten örtlichen Gremien als solcher ist insofern überhaupt nicht mehr möglich. So gesehen weint, falls er es nicht versucht hat (?), die Gremien in Weimar (Stadt) zu kontaktieren,  der Vorsitzende des Filialgemeinderats hier einfach Krokodilstränen.

Noch kritischer aber ist die Verwendung des Begriffs „Versetzung“. Kritisch deshalb, weil bei diesem Begriff mitschwingt, es handele sich um einen Vorgang ohne oder gegen den Willen des Betroffenen. Das kann so sein, muß aber nicht. Zunächst einmal meint das Wort lediglich ganz neutral die auf Dauer angelegte Zuweisung eines anderen Amts, bzw. Arbeitsbereichs. Gerne auch mit Zustimmung des Betroffenen.
Im Fall der Versetzung eines in der Pfarrei fest etablierten katholischen Pfarrers muß man dazu wissen, daß die Versetzung ohne/gegen seinen Willen ausgesprochen hohen Hürden begegnet! So hohen Hürden, um es ganz deutlich zu sagen, daß die Tatsache im Zweifelsfall öffentlich wird. Was im vorliegenden Fall nicht geschehen ist. Nehmen wir hinzu, was das Bistum Ende April darüber mitgeteilt hat (hier) und berücksichtigen die eigene predigtöffentliche Wortwahl von Pfr. Kämpf („Verzicht“), so wird klar: Diese Versetzung geschieht nicht gegen seinen Willen.

Daher, liebe Bad Berkaer (und Kranichfelder und Blankenhainer) Mit-Pfarrkinder: Auch und gerade wenn die Kirche so wunderschön im Wald liegt (vgl. hier): Laßt Euch nicht hinter die Fichte führen! Weder von Leuten, die ein berufliches Interesse daran haben, Streit zu kultivieren, noch von Leuten, die irgendwie in Gremienvorstellungen steckengeblieben zu sein scheinen, die vielleicht (!) mal in den 70er-Jahren aktuell waren! 😉

 

PS: Immer wieder interessant, was man so aus Bad Berka hört, auch über dieses Thema hinaus. Na, ist immer ein schönes Ziel für Besuche! 😀

Schimmer-los in Bad Berka (?)

Meine Güte!! Meine Güte, hätte ich das heute morgen in der Zeitung nicht mit eigenen Augen gelesen, ich hätte es selbst nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre vermutlich nicht für möglich gehalten.

Nachdem das erste Kopfschütteln vorüber ist, bleiben zwei vorrangige Empfindungen: Erstens: Armer (Noch-) Pfarrer Kämpf! Wer solche Freunde hat, der braucht wahrhaftig keine selbst­gemachten „Feinde“ mehr!
Zur zweiten Empfindung kommen wir ganz zum Ende.

Wer heute morgen den Weimar-Teil der TLZ aufschlug (S. 13, bisher nicht online, leider), dem fiel als erstes ein schönes Foto des bekannten und beliebten TLZ-Fotografen Maik Schuck ins Auge, das, um 3.00 Uhr morgens entstanden, Weimar im Schimmer nächtlichen Lichterglanzes zeigte; sehr schön.
Aber was darunter stand, das entbehrte leider jedweden Schimmers im übertragenen Sinne , das war völlig ahnungslos, oder vielmehr: Es gab vor das zu sein, und das ist noch viel, viel schlimmer.

Da erzeugt unter dem Titel „Bischof ignoriert Hilferuf“ der ja mittlerweile sattsam bekannte Thorsten Büker (vgl. hier) erneut einen Eindruck von den Zuständen in Herz-Jesu Weimar, der mit der Wirklichkeit nur sehr am Rande etwas zu tun hat. Bezeichnenderweise stammen auch die vermeintlichen Belege für die erhobenen Behauptungen ausschließlich „vom Rande“, von den geographischen Rändern der Pfarrei nämlich.

Aber schön der Reihe nach.

Der Artikel berichtet, es gebe einen „Offenen Brief“, unterschrieben von 72 Angehörigen der Filialgemeinden Bad Berka, Kranichfeld und Blankenhain an Bischof Neymeyr, in dem die Unterzeichner ihre Sorge hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Pfarrei zum Ausdruck brächten: „Wir sorgen uns vor allem deshalb, weil es einer kleinen Minderheit gelungen ist, einen von der über­wältigenden Mehrheit der Ge­meinde geschätzten und geach­teten Pfarrer [sc. Hw. Kämpf] so in Mißkredit zu bringen, daß er jetzt versetzt wurde.“

Die Initiative für diese „Unterschriftensammlung“ ging von Bad Berka aus, angeblich vom gesamten dortigen Filialgemeinderat, aber wer PuLa in der Vergangenheit genau verfolgt hat, weiß ja schon, wie der Vorsitzende dieses Gremiums dazu neigt, sein Amt aufzufassen (hier). Es handelt sich in dieser Funktion nach wie vor um den auf diesem Blog ja noch viel bekannteren Hartmut Kaczmarek, seines Zeichens seit einiger Zeit zum Glück nicht mehr stv. Chefredakteur der TLZ.

Vor allem anderen muß gesagt sein: So sehr „offen“ kann der Brief nicht gewesen sein, denn PuLa (dem nicht mal seine Verächter abstreiten gut informiert zu sein) hatte bis heute morgen keine Ahnung davon. (aber wir bleiben dran!).

Dann wird immer noch das tote Pferd von der „kleinen Minderheit“ geritten, die hinter der ganzen Sache stecke, was vordergründig nicht ungeschickt mit großen Zahlen kontrastiert wird: Die Unterzeichner seien „90% aller aktiven Katholiken“ in den Filialgemeinden. Mal ganz abgesehen von der Frage, wie „Aktivität“ hier definiert wird: Das wären dann insgesamt also 80 Aktive. Eine überwältigende Zahl… 🙄 Aber vor allem eine in keiner Weise nachprüfbare Zahl. Doch es kommt noch besser: „Der Bad Berkaer [sc. H. Kaczmarek, der aus Ostwestfalen stammt d. Red.] ist sich sicher: „Würde in Weimar eine ähnliche Unterschriftenak­tion gestartet, würde sich eine ebenso hohe Anzahl der aktiven Katholiken daran beteiligen.“

Womit wir vollends im Reich der frei flottierenden Phantasie angekommen wären…

Und natürlich wird erneut die Frage nicht beantwortet, warum denn der Bischof (der von „Weimarer Verhältnissen“ ganz unbelastete „neue“ Bischof) um alles in der Welt auf die „Kleine Minderheit“ hätte hören sollen. Warum denn nur? Die Hoffnung auf „gute Presse“ kann es, wie man sieht, ja wohl nicht gewesen sein.

Die Wahrheit ist natürlich: Ja, Bischof Ulrich hat „gehört“. Umfassend. Und mit seiner offenbar zu Recht gerühmten großen pastoralen Erfahrung (Hirten-Erfahrung!) ist es ihm gelungen, sich zügig ein Bild zu machen von einer Gemeinde, die dringend der Heilung und des  umfassenden (da reden wir nicht nur von einer und auch nicht nur von zwei Personen!) Neuanfangs bedarf. Und er hat eine Entscheidung getroffen. Wie das seines Amtes ist.

Vor diesem Hintergrund ist es schon ziemlich schwer erträglich, wenn es in dem Artikel heißt, die Unterzeichner sorgten sich um die „künftige Entwicklung der Gemeinde“, in der das „Klima durch Pfarrer Kämpf bislang von Offenheit und Toleranz geprägt“ gewesen sei.

PuLa hat sich bekanntlich seit dem Bekanntwerden der Personalie extrem zurückgehalten, was die Person C. Kämpf und die Bewertung seines Leitungsstils angeht. Wir werden das, trotz alledem, auch weiter tun. Aber solch ein Satz, in die Öffentlichkeit gesprochen, kann nicht unkommentiert bleiben, eine solch dreiste Irreführung nicht unwidersprochen hingenommen werden:
Nein, das genaue Gegenteil war der Fall. Das Klima in der Pfarrei Herz-Jesu Weimar war nicht von Offenheit, sondern von verhärteter Gesprächslosigkeit und nicht von Toleranz, sondern von dem Laissez-faire zugunsten genau einer Person und der damit einhergehenden Verhinderung zahlreicher Initiativen und vielfachen Engagements aller Art geprägt.

Mehr werden wir, bis auf weiteres, auch jetzt nicht schreiben, denn wir haben kein Interesse daran, den Wechsel in ein neues Amt (noch mehr) zu erschweren, das überlassen wir anderen… Pfr. Kämpf kann sich bei seinen ‚Freunden‘ „bedanken“.

Die Einschätzung, zu der Bischof Ulrich hinsichtlich des „Klimas“ in dieser Pfarrei gekommen ist, war jedenfalls offenbar so überdeutlich, daß er nach bald 8 Monaten im Amt noch keine Messe in Weimar gefeiert hat, wohl aber „rundherum“ in Arnstadt, in Sömmerda und anderen „katholischen Zentren“.
Das ist die Wirklichkeit: Die Zustände, die hier eingerissen sind, verhindern seit nun 234 Tagen, daß die Weimarer Katholiken ihren Bischof in ihrer Heimatstadt in der Feier der Hl. Eucharistie erleben dürfen!

Und zum Dank für seine Entschlußkraft und Konsequenz darf sich Bischof Ulrich jetzt  in einer unsäglich jammerigen Art anmaulen lassen. Mittlerwei­le „gehe es um den Leitungsstil eines Bi­schofs, der sich dem Gesprächs­wunsch von Gläubigen entzie­he, die sich ernsthaft Sorge um den Zustand der Gemeinde machten“, so zitiert Büker Kaczmarek und: „In der Gemeinde breiten sich Frust und Resigna­tion aus“, so klage er. Der Bischof habe mit der Unterschriftenaktion einen „Hilferuf“ ignoriert.

So ein Quatsch! Der Bischof hat mit seiner Handlungsweise die Würde des Amtes gewahrt und ist richtigerweise nicht über das Stöckchen gesprungen, das ihm da von ganz wenigen hingehalten wurde!
Nun gibt es aber unter den Unterzeichnern ganz gewiß auch Menschen guten Willens, die nur in die Irre geführt wurden, und die jetzt traurig sind.
Das müssen Sie nicht! Führen Sie sich einfach vor Augen, wie die Wirklichkeit ist: Die Autorität des Bischofs bezieht ihre Legitimation nicht aus  Mehrheiten. Schon gar nicht aus bloß herbeiphantasierten Mehrheiten. Sie rührt aus der apostolischen Sukzession her und hat ihren Ursprung damit nicht in dieser Welt, sondern beim HErrn selbst. Um es ganz deutlich zu sagen: Ein Bischof müßte, auch wenn nicht 72, sondern wirklich 6.000 (oder 60.000 oder wieviel auch immer) seiner Diözesanen in einer wichtigen Frage nicht seiner Meinung wären nach gründlicher Prüfung im Gebet im Vertrauen auf die ihm sichere Amtsgnade, so entscheiden, wie er es für richtig hielte. Er müßte!
So und nur so hat die Kirche in der Vergangenheit lebensgefährliche Situationen wie die Häresie des Arianismus überwinden können. So wie Bischof Ulrich gehandelt hat, das ist genau kein Zeichen mangelnder Zugewandtheit, ja ich bin ziemlich sicher, es wird ihn geschmerzt haben, Ihnen für den Moment „abzuschreiben“. Aber er mußte so handeln. Weil sein apostolisches Amt es so verlangt und weil es darum geht Menschen zu schützen, gerade Betroffene.

Hören Sie doch nicht auf Leute, die Sie traurig machen, weil sie in der „Saure-Gurken-Zeit“ ihr Blatt füllen müssen, oder die Sie in Auseinandersetzungen „aus dem Westen“ verwickeln wollen, die längst passé sind! Lesen Sie lieber ein wenig über den Hl. Athanasius den Großen und seine Standhaftigkeit und rufen ihn um Beistand gegen die Traurigkeit an, ihn, der gesagt hat:

„Der auferstandene Christus macht das Leben der Menschen zu einem ununterbrochenen Fest.“

Und damit kommen wir abschließend zur zweiten Empfindung: „Dank“!
Ja, wir für unseren Teil können abschließend nur sagen: „Danke!“ Danke H. Kaczmarek und Th. Büker, daß Sie, sicher unfreiwillig, aber sehr wirksam erneut klar gemacht haben, wo der Katholik hingehört, und wo er fröhlich wird:
An der Seite seines Bischofs!