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Schimmer-los in Bad Berka (?)

Meine Güte!! Meine Güte, hätte ich das heute morgen in der Zeitung nicht mit eigenen Augen gelesen, ich hätte es selbst nach all den Erfahrungen der vergangenen Jahre vermutlich nicht für möglich gehalten.

Nachdem das erste Kopfschütteln vorüber ist, bleiben zwei vorrangige Empfindungen: Erstens: Armer (Noch-) Pfarrer Kämpf! Wer solche Freunde hat, der braucht wahrhaftig keine selbst­gemachten „Feinde“ mehr!
Zur zweiten Empfindung kommen wir ganz zum Ende.

Wer heute morgen den Weimar-Teil der TLZ aufschlug (S. 13, bisher nicht online, leider), dem fiel als erstes ein schönes Foto des bekannten und beliebten TLZ-Fotografen Maik Schuck ins Auge, das, um 3.00 Uhr morgens entstanden, Weimar im Schimmer nächtlichen Lichterglanzes zeigte; sehr schön.
Aber was darunter stand, das entbehrte leider jedweden Schimmers im übertragenen Sinne , das war völlig ahnungslos, oder vielmehr: Es gab vor das zu sein, und das ist noch viel, viel schlimmer.

Da erzeugt unter dem Titel „Bischof ignoriert Hilferuf“ der ja mittlerweile sattsam bekannte Thorsten Büker (vgl. hier) erneut einen Eindruck von den Zuständen in Herz-Jesu Weimar, der mit der Wirklichkeit nur sehr am Rande etwas zu tun hat. Bezeichnenderweise stammen auch die vermeintlichen Belege für die erhobenen Behauptungen ausschließlich „vom Rande“, von den geographischen Rändern der Pfarrei nämlich.

Aber schön der Reihe nach.

Der Artikel berichtet, es gebe einen „Offenen Brief“, unterschrieben von 72 Angehörigen der Filialgemeinden Bad Berka, Kranichfeld und Blankenhain an Bischof Neymeyr, in dem die Unterzeichner ihre Sorge hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Pfarrei zum Ausdruck brächten: „Wir sorgen uns vor allem deshalb, weil es einer kleinen Minderheit gelungen ist, einen von der über­wältigenden Mehrheit der Ge­meinde geschätzten und geach­teten Pfarrer [sc. Hw. Kämpf] so in Mißkredit zu bringen, daß er jetzt versetzt wurde.“

Die Initiative für diese „Unterschriftensammlung“ ging von Bad Berka aus, angeblich vom gesamten dortigen Filialgemeinderat, aber wer PuLa in der Vergangenheit genau verfolgt hat, weiß ja schon, wie der Vorsitzende dieses Gremiums dazu neigt, sein Amt aufzufassen (hier). Es handelt sich in dieser Funktion nach wie vor um den auf diesem Blog ja noch viel bekannteren Hartmut Kaczmarek, seines Zeichens seit einiger Zeit zum Glück nicht mehr stv. Chefredakteur der TLZ.

Vor allem anderen muß gesagt sein: So sehr „offen“ kann der Brief nicht gewesen sein, denn PuLa (dem nicht mal seine Verächter abstreiten gut informiert zu sein) hatte bis heute morgen keine Ahnung davon. (aber wir bleiben dran!).

Dann wird immer noch das tote Pferd von der „kleinen Minderheit“ geritten, die hinter der ganzen Sache stecke, was vordergründig nicht ungeschickt mit großen Zahlen kontrastiert wird: Die Unterzeichner seien „90% aller aktiven Katholiken“ in den Filialgemeinden. Mal ganz abgesehen von der Frage, wie „Aktivität“ hier definiert wird: Das wären dann insgesamt also 80 Aktive. Eine überwältigende Zahl… 🙄 Aber vor allem eine in keiner Weise nachprüfbare Zahl. Doch es kommt noch besser: „Der Bad Berkaer [sc. H. Kaczmarek, der aus Ostwestfalen stammt d. Red.] ist sich sicher: „Würde in Weimar eine ähnliche Unterschriftenak­tion gestartet, würde sich eine ebenso hohe Anzahl der aktiven Katholiken daran beteiligen.“

Womit wir vollends im Reich der frei flottierenden Phantasie angekommen wären…

Und natürlich wird erneut die Frage nicht beantwortet, warum denn der Bischof (der von „Weimarer Verhältnissen“ ganz unbelastete „neue“ Bischof) um alles in der Welt auf die „Kleine Minderheit“ hätte hören sollen. Warum denn nur? Die Hoffnung auf „gute Presse“ kann es, wie man sieht, ja wohl nicht gewesen sein.

Die Wahrheit ist natürlich: Ja, Bischof Ulrich hat „gehört“. Umfassend. Und mit seiner offenbar zu Recht gerühmten großen pastoralen Erfahrung (Hirten-Erfahrung!) ist es ihm gelungen, sich zügig ein Bild zu machen von einer Gemeinde, die dringend der Heilung und des  umfassenden (da reden wir nicht nur von einer und auch nicht nur von zwei Personen!) Neuanfangs bedarf. Und er hat eine Entscheidung getroffen. Wie das seines Amtes ist.

Vor diesem Hintergrund ist es schon ziemlich schwer erträglich, wenn es in dem Artikel heißt, die Unterzeichner sorgten sich um die „künftige Entwicklung der Gemeinde“, in der das „Klima durch Pfarrer Kämpf bislang von Offenheit und Toleranz geprägt“ gewesen sei.

PuLa hat sich bekanntlich seit dem Bekanntwerden der Personalie extrem zurückgehalten, was die Person C. Kämpf und die Bewertung seines Leitungsstils angeht. Wir werden das, trotz alledem, auch weiter tun. Aber solch ein Satz, in die Öffentlichkeit gesprochen, kann nicht unkommentiert bleiben, eine solch dreiste Irreführung nicht unwidersprochen hingenommen werden:
Nein, das genaue Gegenteil war der Fall. Das Klima in der Pfarrei Herz-Jesu Weimar war nicht von Offenheit, sondern von verhärteter Gesprächslosigkeit und nicht von Toleranz, sondern von dem Laissez-faire zugunsten genau einer Person und der damit einhergehenden Verhinderung zahlreicher Initiativen und vielfachen Engagements aller Art geprägt.

Mehr werden wir, bis auf weiteres, auch jetzt nicht schreiben, denn wir haben kein Interesse daran, den Wechsel in ein neues Amt (noch mehr) zu erschweren, das überlassen wir anderen… Pfr. Kämpf kann sich bei seinen ‚Freunden‘ „bedanken“.

Die Einschätzung, zu der Bischof Ulrich hinsichtlich des „Klimas“ in dieser Pfarrei gekommen ist, war jedenfalls offenbar so überdeutlich, daß er nach bald 8 Monaten im Amt noch keine Messe in Weimar gefeiert hat, wohl aber „rundherum“ in Arnstadt, in Sömmerda und anderen „katholischen Zentren“.
Das ist die Wirklichkeit: Die Zustände, die hier eingerissen sind, verhindern seit nun 234 Tagen, daß die Weimarer Katholiken ihren Bischof in ihrer Heimatstadt in der Feier der Hl. Eucharistie erleben dürfen!

Und zum Dank für seine Entschlußkraft und Konsequenz darf sich Bischof Ulrich jetzt  in einer unsäglich jammerigen Art anmaulen lassen. Mittlerwei­le „gehe es um den Leitungsstil eines Bi­schofs, der sich dem Gesprächs­wunsch von Gläubigen entzie­he, die sich ernsthaft Sorge um den Zustand der Gemeinde machten“, so zitiert Büker Kaczmarek und: „In der Gemeinde breiten sich Frust und Resigna­tion aus“, so klage er. Der Bischof habe mit der Unterschriftenaktion einen „Hilferuf“ ignoriert.

So ein Quatsch! Der Bischof hat mit seiner Handlungsweise die Würde des Amtes gewahrt und ist richtigerweise nicht über das Stöckchen gesprungen, das ihm da von ganz wenigen hingehalten wurde!
Nun gibt es aber unter den Unterzeichnern ganz gewiß auch Menschen guten Willens, die nur in die Irre geführt wurden, und die jetzt traurig sind.
Das müssen Sie nicht! Führen Sie sich einfach vor Augen, wie die Wirklichkeit ist: Die Autorität des Bischofs bezieht ihre Legitimation nicht aus  Mehrheiten. Schon gar nicht aus bloß herbeiphantasierten Mehrheiten. Sie rührt aus der apostolischen Sukzession her und hat ihren Ursprung damit nicht in dieser Welt, sondern beim HErrn selbst. Um es ganz deutlich zu sagen: Ein Bischof müßte, auch wenn nicht 72, sondern wirklich 6.000 (oder 60.000 oder wieviel auch immer) seiner Diözesanen in einer wichtigen Frage nicht seiner Meinung wären nach gründlicher Prüfung im Gebet im Vertrauen auf die ihm sichere Amtsgnade, so entscheiden, wie er es für richtig hielte. Er müßte!
So und nur so hat die Kirche in der Vergangenheit lebensgefährliche Situationen wie die Häresie des Arianismus überwinden können. So wie Bischof Ulrich gehandelt hat, das ist genau kein Zeichen mangelnder Zugewandtheit, ja ich bin ziemlich sicher, es wird ihn geschmerzt haben, Ihnen für den Moment „abzuschreiben“. Aber er mußte so handeln. Weil sein apostolisches Amt es so verlangt und weil es darum geht Menschen zu schützen, gerade Betroffene.

Hören Sie doch nicht auf Leute, die Sie traurig machen, weil sie in der „Saure-Gurken-Zeit“ ihr Blatt füllen müssen, oder die Sie in Auseinandersetzungen „aus dem Westen“ verwickeln wollen, die längst passé sind! Lesen Sie lieber ein wenig über den Hl. Athanasius den Großen und seine Standhaftigkeit und rufen ihn um Beistand gegen die Traurigkeit an, ihn, der gesagt hat:

„Der auferstandene Christus macht das Leben der Menschen zu einem ununterbrochenen Fest.“

Und damit kommen wir abschließend zur zweiten Empfindung: „Dank“!
Ja, wir für unseren Teil können abschließend nur sagen: „Danke!“ Danke H. Kaczmarek und Th. Büker, daß Sie, sicher unfreiwillig, aber sehr wirksam erneut klar gemacht haben, wo der Katholik hingehört, und wo er fröhlich wird:
An der Seite seines Bischofs!

4 Kommentare

  1. Hartmut Kaczmarek schrieb:

    Sehr geehrter Herr Lamers,
    haben Sie vielen Dank, dass ich endlich mal wieder die Ehre hatte, von Ihnen durch den Kakao gezogen zu werden. Ehrlich gesagt, ich habe ja fast schon unter Entzugserscheinungen gelitten und mich gefragt, was ich denn bitte so falsch mache, dass ich auf Ihrer Seite nicht mehr erwähnt werde.
    Erfrischend finde ich wie immer, wie schnell Sie in persönliche Angriffe abgleiten. Das zeigt für mich, welchem Menschenbild Sie verhaftet sind.
    Erfreulich finde ich, dass Ihr Netzwerk in der Filialgemeinde versagt, obwohl die Unterschriftenliste zwei Wochen nach den Gottesdiensten auslag.
    Interessieren würde mich die Antwort auf eine Frage: Gilt der Absolutheitsansprach, den Sie bischöflichen Entscheidungen zusprechen, eigentlich auch für die Entscheidungen von Bischöfen in aller Welt, Kindesmissbrauch in der Kirche jahrelang zu decken?
    Hartmut Kaczmarek

    Mittwoch, 15. Juli 2015 um 17:35 | Permalink
  2. Bitte, Herr Kaczmarek,

    gern geschehen! Ich freue mich, daß es Ihnen jetzt wieder besser geht. Wie ich ja schon immer sage: Einfach jeder in dieser Pfarrei braucht PuLa! 😀

    Dabei habe ich im Grunde gar keinen Spaß daran, Sie zu ärgern („persönliche Angriffe“ kann ich nicht entdecken), wenn Sie nur nicht immer wieder mich ärgerten. Und weil Sie das so tun, daß es gleich eine öffentliche Begebenheit ist, muß man eben nolens volens ebenso reagieren.

    Auf den letzten Absatz Ihrer Einlassungen muß ich kurz eingehen, denn das ist ein ernstes Thema. Wenn Sie genau lesen, werden Sie feststellen, einem „Absolutheitsanspruch“ habe ich nicht das Wort geredet. Ja, die Amtsgnade ist einem Bischof sicher. Aber als Mensch kann er sie schlimmstenfalls verlieren, wie jede/r von uns die Gnade verlieren/verspielen kann, durch unser Handeln, durch unsere Sünden. Deswegen habe ich sie in dem Satz wohlweislich auf die „gründliche Prüfung im Gebet“ folgen lassen. Das gehört, ebenso wie die volle Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und der ganzen Kirche, zu den Voraussetzungen dafür, daß die Amtsgnade wirksam werden kann.

    Wenn Sie dem Link auf die Geschichte des Hl. Athanasius gefolgt wären, wäre Ihnen sofort klargeworden, daß man natürlich allein schon aus der Geschichte der Kirche heraus die Möglichkeit irrender Bischöfe grundsätzlich in Betracht ziehen muß, denn er hatte viele Bischöfe gegen sich.
    Aber man darf nicht sozusagen damit anfangen! Nein, der Anfang allen anständigen katholischen Nachdenkens über bischöfliches Handeln kann nur der eindringliche und wiederholte Versuch des Nachvollzugs sein, auch (vielleicht gerade), wenn ich es nicht verstehe. Auf diesen Anfang folgt Gebet, für den Bischof und in der Sache. Glauben Sie uns, das geht; wir haben darin Übung, jede Menge Übung…

    Daß das Bild der Kirche in besonders verheerender Weise von den Mißbrauchsfällen verdunkelt worden ist, bedarf ja keines weiteren Wortes. Ich bin persönlich überzeugt, Fehlentscheidungen in diesem Kontext hätten genau wie oben skizziert (Einheit mit dem Papst und Prüfung im Gebet) vermieden werden können.

    Dennoch muß ich sagen, daß Sie mich mit dieser Verbindung schon wieder „geärgert“ haben. Lange Zeit ist gewiß mit Beschweigen und Vertuschen viel Schaden angerichtet worden. Aber mittlerweile gilt es aufzupassen, daß der Mißbrauch nicht verkommt zu einer wohlfeilen Negativfolie für alles, was gerade nicht paßt. Gerade weil das Thema so fürchterlich ernst ist! Deswegen empfinde ich die Erwähnung des Themas in diesem Kontext als ebenso unnötig wie unangemessen.

    Denn aus der oben erwähnten Haltung zu Entscheidungen, die man nicht versteht, hat ein gewisser Stil zu folgen. Man fragt seinen Bischof etwas. Man kann ihm auch sagen, daß man, trotz allen Bemühens (!) etwas nicht verstehen kann.
    Aber man mault ihn nicht öffentlich an.
    Nicht weil er notwendigerweise so ein toller Typ ist, sondern weil er der Nachfolger der Apostel vor Ort ist. Weil man der Kirche schadet, wenn man die verschiedenen Weisen der Legitimation verwischt.
    Und der Welt schadet, denn sie braucht das Bild der Kirche, so wie sie ist:

    Das Licht der Welt, die Stadt auf dem Berge! (cf. Mt 5, 14).

    Freitag, 17. Juli 2015 um 13:54 | Permalink
  3. Hartmut Kaczmarek schrieb:

    Sehr geehrter Herr Lamers,
    Sie können gut austeilen, aber offenbar nichts einstecken. Schade, dass Sie nicht den Mut haben, meinen Kommentar von gestern zu veröffentlichen und vor allem meine Frage nach der Absolutheit von Bischofsentscheidungen zu beantworten.
    Hartmut Kaczmarek

    Donnerstag, 16. Juli 2015 um 16:57 | Permalink
  4. Aber, aber! Wer wird denn so ungeduldig sein? Ich bin berufstätig und habe Familie, wissen Sie?
    Zum Glück habe ich heute einen Tag frei, sonst hätten Sie sich noch etwas gedulden müssen…

    Freitag, 17. Juli 2015 um 13:59 | Permalink

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  2. […] Teil unserer Antwort auf die Leserbriefe, die H. Kaczmarek mit seinen Äußerungen von Mitte Juli (hier) losgetreten hat, wollen wir uns mit den Reaktionen aus Bad Berka selbst befassen. Sie erschienen […]

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