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Eine seltsame Debatte

Um das folgende verstehen zu können, muß man, vor allem für die Leser außerhalb Weimars, ein wenig ausholen. Seit etlichen Jahren wird in unserer Stadt immer wieder die Umbenennung einer bestimmten Straße diskutiert. Das ist nun als solches alles andere als seltsam (mir fielen noch weitere „Kandidaten“ ein!) und auch die Tatsache, daß eine solche Debatte Jahre dauern und ganz unterschiedliche Standpunkte hervorrufen kann, ist nicht ohne Präzedenzfälle.
Nun fragen Sie sich vielleicht, was so ein (stadt-)geschichtliches Thema auf einem katholischen Blog zu suchen hat? Dazu kommen wir gleich und dann beantwortet sich auch die Frage, worin das „Seltsame“ an dieser speziellen Debatte liegt!

Diskutiert wird im vorliegenden Fall die Umbenennung der „Hans-Wahl-Straße“. Hans Wahl (1885 1949) leitete in der Zeit zwischen den Kriegen das Goethe-Nationalmuseum und ab 1928 auch das Goethe und Schillerarchiv, das jetzt an der Straße liegt, die seinen Namen trägt. Höchst bemerkenswerterweise verblieb er bis 1949 in diesen Ämtern, obwohl „völkisch“ orientiert und Mitglied der NSDAP.
Im vergangenen November hat die Klassik Stiftung zu der Thematik eine wissenschaftliche Tagung organisiert, die der öffentlichen Diskussion natürlich in erheblichem Umfang neue Nahrung gegeben hat.

Mir persönlich scheint, jedoch ohne, daß ich mich mit dem Für und Wider der Angelegenheit (bisher) näher befaßt habe, in dieser Lage sehr viel für eine Umbenennung zu sprechen. Das würde jedoch alles die Beschäftigung damit auf PuLa nicht rechtfertigen.
Die Angelegenheit hat jedoch seit einiger Zeit einen besonderen „katholischen Aspekt“!
Denn es wurde vorgeschlagen, die Straße künftig nach dem Sel. Otto Neururer  zu benennen, dem österreichischen Priester, der im KZ Buchenwald gelitten und in Ausübung seines priesterlichen Dienstes das Martyrium erlitten hat. Unsere Pfarrei verfügt über Reliquien Otto Neururers und unser Gemeindehaus ist nach ihm benannt.

Bemerkenswert, nicht wahr? In einer Zeit, in der das Religiöse in der Öffentlichkeit allgemein eher auf dem Rückzug scheint, da entsteht gerade in dieser allgemein glaubensfernen Gegend und aus katholischer Sicht zumal in der Diaspora, der Gedanke, an einen katholischen Priester erinnern zu wollen, wenn es um den Widerstand gegen eine unmenschliche und widergöttliche Diktatur geht.
Ein schöner Gedanke, oder? Sollte man nicht die begeisterte Zustimmung der örtlichen katholischen Gemeinde erwarten?

Und damit beginnt es, das „Seltsame“. Es begann genauerhin mit einem Artikel (offenbar direkt) aus der Feder der stv. Vorsitzenden des Kirchenvorstands in der TLZ vom 15. Juni. Unter der Überschrift: „Gemeinde widerspricht“ verwahrte sie sich dort dagegen, die Gemeinde (korrekter wohl die Pfarrei!) habe dies vorgeschlagen sowie gegen die gegen die vom „Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus“ in diesem Zusammenhang verwendeten Begriffe „Antifaschist“ und „Widerstandskämpfer“.

Wir hatten gehofft, der eigentümliche Eindruck, den eine solche öffentliche Einlassung ausgerechnet von katholischer Seite machen mußte, würde untergehen, zumal am 30. Juni mit dem Leserbrief von Amei Mende ein deutlicher Kontrapunkt gesetzt wurde:

„[…] die Stadt, die Pfarrer Paul Schneider und Edith Stein ehrt, würde mit dem Namen Otto Neururer auch ein Zeichen setzen. Es ist kaum denkbar, dass eine städtische Würdigung des Märtyrers – weil auch andere dafür wären – ausgerechnet am Widerstand der katholischen Gemeinde scheitern sollte.“

Damit schien alles gesagt, aber ein Leserbrief des Initiators der künftigen Benennung nach Otto Neururer in der heutigen Ausgabe der TLZ, zeigt, daß es leider nicht an dem ist, und daß zusätzliche Erläuterungen erforderlich sind. PuLa antwortet daher Herrn Dr. Johannes Bock in Form eines Offenen Briefes:

Sehr geehrter Herr Dr. Bock,

mit großer Aufmerksamkeit haben wir heute in der TLZ Ihren Leserbrief zum Thema der künftigen „Otto-Neururer-Straße“ gelesen.

Sie schreiben darin: „Einigermaßen unerwartet gab es die in der Thüringischen Lan­deszeitung von Christine Her­zog publizierte Stellungnahme „Widerspruch zu Neururer Stra­ße“. Falls das die Meinung der Gemeinde sein sollte, frage ich allen Ernstes, ob in Europa nur noch im Olympischen Dorf in Innsbruck per Straßennamen an den österreichischen Pfarrer erinnert werden kann?“

Diese Sorge, sehr geehrter Dr. Bock, können wir Ihnen nehmen! Sie werden schon dem Leserbrief von Frau Mende in der TLZ vom 30. Juni entnommen haben, daß die Stv. Vorsitzende des Kirchenvorstands keineswegs die vorherrschende Stimmungslage in der Herz-Jesu-Gemeinde wiedergibt.

Sie müssen darüber hinaus ihre Äußerung im Kontext betrachten, um sie richtig zu bewerten. Die Betreffende ist aus dem genannten Ehrenamt heraus in keiner Weise befugt, in einer solchen Frage für die Pfarrei Herz-Jesu zu sprechen (vgl. hier §§ 1, 3 und 10)! Sie neigt allerdings leider dazu, diesen Eindruck zu erwecken, sogar, wenn sie gerade über gar kein Amt verfügt (vgl. hier) aber das ändert nichts an den rechtlichen Tatsachen: Ausschließlich dem Ortspfarrer stünde hier eine Stellungnahme im Namen der ganzen Pfarrei zu! Eine solche Äußerung gibt es unseres Wissens aber nicht.

Sie müssen sich auch nicht dafür entschuldigen, Dr. Bock, daß Sie nicht „alle gefragt“ haben, denn manche sind einfach gar nicht zuständig, egal wieviel sie reden!

Es gab auch in der Gemeinde keinen Meinungsbildungsprozeß zu dieser Frage, wie ebenfalls Frau Mende schon geschrieben hat. Hätte es ihn gegeben, ich habe keinerlei Zweifel daran, wie er ausgegangen wäre. Mit großer Zustimmung und herzlichem Dank für Ihre Initiative!

Wir haben es übrigens besonders schön gefunden, daß Sie den Sel. Carl Lampert erwähnt haben! Vielleicht wissen Sie es nicht, aber im Jahr 2011 gab es in der Weimarer Pfarrei sehr wohl ein Gedenken anläßlich seiner Seligsprechung! In kleinem Rahmen, aber immerhin. Schauen Sie hier und hier!

Wenn wir Ihnen einen Rat geben dürfen: Warten Sie in Ruhe die Sommerpause ab und wenden sich ab September an den neuen Ortspfarrer. Dann wird Schluß sein, mit unzuständigen Querschüssen.

Für Ihre Initiative dankbare Pfarrkinder wünschen Ihnen einen schönen Sommer!

Cornelie Becker-Lamers & Gereon Lamers

Die Laienförderung

Die Laienförderung

Ein Sketchlet für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide. Fixi und Huf sind mal wieder zur Bibliothek gefahren – per Anhalter, denn den Pritschenwagen hat Corinna ja versetzt  – und mit einem Rucksack voller Artikel und Bücher zurückgekehrt. Nun bringen sie die Schafe, die sie neugierig eingekreist haben, auf den aktuellsten Stand auch in kirchenpolitischen Angelegenheiten. Gerade stöbert Huf in einer Ausgabe des „Tag des Herrn“.

Huf (liest): Jetzt waren die Diakonatshelfer in Volkenroda.

Blütenweiß: Aha! Warum das denn?

Fixi: Sie haben 50 Jahre WoGoDi in den ostdeutschen Ländern gefeiert.

Grauchen: Da gibt’s doch nichts zu feiern.

Wolle: Naja, die Diakonatshelfer sich selbst halt.

Flocke: Wollt ich sagen! Denn der Anlaß, aus dem der Dienst erfunden wurde, ist ja ganz und gar kein erfreulicher.

Kohle: Katholische Vertriebene aus den Ostgebieten und priesterlose Gemeinden in Gegenden, in denen vor ein paar hundert Jahren die Reformation „eingeführt“ wurde.

Wolle: Besser gesagt: kompromißlos durchgedrückt.

Flocke: Kein Grund zum Feiern, weder das eine noch das andere.

Huf: Da sagt ein Bischof was dazu.

Blütenweiß: Wer?

Fixi: Der Altbischof Wanke aus Erfurt.

Kohle: Und?

Huf: Warte. (Huf überfliegt das Interview und faßt zusammen.) Erstmal zur historischen Einordnung: Es geht um die Vertriebenen in kleinen Dörfern in der Diaspora. „Die Initiative zu der neuen Gottesdienstform sollte ihnen ermöglichen, einen Sonntagsgottesdienst zu besuchen, auch wenn kein Priester vor Ort war.“

Grauchen: Wie wir schon sagten.

Blütenweiß: Das wußten wir schon.

Huf: Und dann wird er gefragt, wie das so aufgenommen wurde.

Flocke: Und was sagt er?

Huf: „Sie“ – also die WoGoDis – „wurden von Anfang an sehr gut angenommen, wenn man sorgfältig darauf achtete, daß in der Gemeinde anerkannte Persönlichkeiten zur Leitung beauftragt waren.“

Grauchen (voller Anerkennung): Toller Bischof!

Blütenweiß (begeistert): Na, der hätte mit Corinna ja kurzen Prozeß gemacht!

Flocke (unterfüttert): Steht in der Weihnachtsvesper und predigt, und vier Priester sitzen drum rum.

Wolle (ergänzt): Bringt in der Gemeinde alle, ob sie haupt- oder ehrenamtlich oder auch einfach nur aus Versehen mit ihr zu tun bekommen, gegen sich auf und teilt noch die Kommunion aus, wenn der Kaplan ebendies gerade in der Predigt thematisiert hat.

Wolle: Ach! Siehst du. Und dieser Bischof da, aus Erfurt, der redet mal geradeaus!

Blütenweiß (schwärmerisch): Was sagt man dazu?

Kohle (ironisch): „Danke, Wanke“!

Blütenweiß (entsetzt): Aber Kohle! Wie kannst du denn so sarkastisch sein?

Kohle: Na, weißt du, ob der in seinem Bistum auch so gehandelt hat, wie er jetzt redet? Ob er da wirklich hingeguckt hat, was in den Gemeinden passiert ist?

Flocke (betroffen): Aber Kohle! Das wissen wir nicht!

Wolle (sogar fast ein bißchen beleidigt): Ich finde auch, du solltest ein bißchen vorsichtiger sein.

Grauchen (hat aufmerksam zugehört und nachgedacht): Wie auch immer, es kommt zu oft vor, daß auf diesem Zwischenboden, den sie da in die Hierarchie eingezogen haben, Leute Klimmzüge machen, die es offenbar nötig haben. Ob hier in Wundersdorf oder anderswo.

Huf (nickt): Der ursprüngliche Zweck ist da nicht mehr immer gegeben.

Fixi: Es verkommt zur mehr oder weniger willkürlichen Laienförderung nach dem Gusto der örtlichen Gemeindeleitung …

Wolle (hat verstanden): Ich finde, mit dieser Art der Laienförderung sollte eigentlich Schluß sein.

Kohle (grinst): Genau! Die Kohleförderung soll schließlich auch heruntergefahren werden.

Die Schafe (lachend durcheinander): Aber, aber! – Wer wird denn so klein-lich sein! – Das kommt ganz auf deinen Ausstoß an!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

„Auf einen Neubeginn freuen“

Zu unserem Beitrag vom 10. Juni (hier) gab es einen Kommentar von Dr. M. Klein; hier noch einmal der Text und die Antwort:

„Wohltuend, daß Sie so lange geschwiegen haben. Ihre Darstellung im obigen Artikel ist nur in Ansätzen an der Wirklichkeit orientiert. Er ist genauso schlecht recherchiert, wie der „Bücker“ [sic] Artikel.

Vielleicht sollten wir uns auf einen Neubeginn freuen. Und der [sic] „wall of shame“ hat, wenn Sie es mit einem Neubeginn ernst meinen, hier überhaupt nichts zu suchen.

Kohle das Schaf darf noch ohne zu rülpsen auf der Weide grasen.

Vielleicht können wir ein Miteinander finden, ohne uns gegenseitig zu schneiden, aneinander vorbeisehen und auch unterschiedliche Meinungen/Standpunkte aushalten.

Michael Klein“

 

Sehr geehrter Herr Dr. Klein,

leider komme ich jetzt erst dazu, Ihnen wie versprochen ausführlich zu antworten – aber wer weiß, wofür das gut war, vielleicht sehe ich heute etwas klarer, was sich aus Ihren Zeilen herauslesen läßt.

Vorab wiederhole ich nochmal, daß ich mich über Ihre Äußerung als solche freue, genau wie über die jüngsten Kommentare von Frau Engelstädter, immer zu!
Wir alle miteinander haben in den letzten Jahren unter anderem auch an einem Mangel an Offenheit, ja, auch an offenem Streit, gelitten. Ein Mangel, der, wie Sie ja wissen, regelmäßig schamlos ausgenutzt wurde (Gremienwahlen: „Wir brauchen doch keinen Wahlkampf!“ sagte die, die dann intrigierend durch die Familienkreise tingelte) und als „Ermöglichung“ (z.B. „offener Worte“) bemäntelt worden ist. In Wahrheit war es eine ständige Verhinderung ebensolcher offenen Worte und hat die Kommunikationskultur schwer beschädigt!

Aber zunächst bietet Ihr Kommentar ja an zwei Stellen erfreulicherweise die Möglichkeit, wichtige Übereinstimmungen zwischen uns festzustellen!

Da geht es einmal um die Einschätzung des Artikels von Herrn Büker (nette Freudsche Fehlleistung in Ihrem Originaltext 😉 ): Ja, der war in der Tat „schlecht recherchiert“, man kann auch noch mehr dazu sagen, aber insoweit sind wir uns einig.
Was sich mir in diesem Zusammenhang nicht erschließen will, ist, wie Sie dazu kommen, mein Beitrag vom 10. Juni fiele in die gleiche Kategorie. Der besteht nämlich zum großen Teil aus Fakten, die völlig unabhängig von PuLa nachprüfbar sind. Da, wo das nicht der Fall ist, haben wir nochmal nachgefragt – und bleiben bei dem, was wir geschrieben haben.
Warum reagieren Sie mit einer so gänzlich unbegründeten Behauptung auf einen Beitrag, der unter anderem zum Inhalt hatte, daß das Bistum selbst an einem wichtigen Punkt explizit die Richtigkeit dessen, was wir seit drei Jahren schreiben bestätigt hat? Ich glaube, vielen unserer Leser hat das erneut bestätigt, daß man dem trauen darf, was PuLa schreibt. Und warum gehen Sie mit keinem Wort auf die Frage ein, wer eigentlich wirklich die Artikel schreibt, die sich mit unserer Pfarrei beschäftigen? Viele Menschen, mit denen wir gesprochen haben, fanden das sehr interessant.
Kurz, solange Sie Ihren Vorwurf nicht in irgendeiner Form erstens konkretisieren und zweitens nachprüfbar belegen, werden Sie mir sicher nachsehen, daß ich dessen Inhalt für unbeachtlich halten muß.

Kommen wir also zur zweiten, noch wichtigeren Übereinstimmung: „Vorfreude auf einen Neubeginn
Wohl wahr! Nun setzt freilich die Verwendung dieses Worts logisch zwingend voraus, zuerst einmal die Notwendigkeit für einen solchen einzugestehen. Vielen Dank dafür!
Nur, wie gerne hätte ich das vor Mitte April schon einmal öffentlich vernommen – von Ihnen wie von vielen anderen. Haben Sie sich vielleicht schon einmal die Frage gestellt, ob er dann nicht gar so lange auf sich hätte warten lassen, der Neubeginn? Oder ob es am Ende gar richtiger gewesen wäre, nicht immer weiter „mitzumachen“, sondern mit vielen anderen deutlich Position zu beziehen gegen ein „Regiment“, unter dem ja auch Sie hinreichend gelitten haben?

Aber wie dem auch sei, das ist jetzt Vergangenheit, schauen wir lieber, ob man sich nach Ihren Zeilen vorstellen kann, wie Sie sich den „Neubeginn“, die Zukunft denn so vorstellen. Da stellen sich einige Fragen.

Sie bringen die Hoffnung zum Ausdruck, daß es gelingt, zu einem Miteinander zu finden, und dabei unterschiedliche Meinungen/Standpunkte auszuhalten. Da bin ich ganz bei Ihnen und sehe darin kein Problem. Allerdings irritiert mich in dem Zusammenhang ein wenig Ihr Eingangssatz. Sie finden es einerseits „wohltuend“, lange nichts von PuLa gehört zu haben und wollen andererseits unterschiedliche Meinungen aushalten. Wie paßt das zusammen? Sie wollen doch sicher nicht nur andere Meinungen aushalten, solange die nicht geäußert werden, oder? Ich hoffe sehr, das ist nicht so, denn den Gefallen (der freilich auch gar keiner wäre) würde ich Ihnen nicht tun.
Und, nur so nebenbei gesagt, man muß sorgfältig unterscheiden, was wirklich „Meinung“ ist und was damit gar nichts zu tun hat. Ein nicht unerheblicher Teil dessen, was PuLa in den letzten Jahren z.B. über liturgische Fragen geschrieben hat, ist gar keine Meinungsfrage, da geht es schlicht darum, sich in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche korrekt  zu verhalten, da ist für „Meinung“ insofern überhaupt kein Platz (vgl. exemplarisch hier).
Aber „unterhalb“ dieser Schwelle, von der ich im übrigen sehr zuversichtlich bin, daß wir sie in Zukunft in Weimar überhaupt nicht mehr überschreiten werden, gibt es wahrlich genug Raum für den Streit der Meinungen, die sich ja auch nur so weiterentwickeln können (vgl. z.B. hier zum Thema „WoGoDis“) – darauf freue ich mich schon!

Jetzt müssen wir noch zu einem zweiten Punkt kommen, der mich doch irritiert hat. Man muß ihn wohl ebenfalls mit Ihrem Eingangssatz zusammenlesen: Sie schreiben, zum Neubeginn paßten die Walls of Shame nicht.
Diese Reihe, die wir am 11. Juli 2014 (also sehr spät) begonnen haben, dient, erinnern wir uns, dem Zweck, Vergessen zu verhindern. Vor allem das durchaus absichtsvolle „Vergessen“, wie Menschen hier behandelt worden sind und was alles nicht (mehr) geschehen konnte, vgl. hier.
Ich will mir eigentlich nicht vorstellen, Ihre Wort könnten bedeuten, daß Sie vorschlagen möchten, darauf mit einem simplen „Schwamm drüber“ zu reagieren. Eigentlich nicht.
Übrigens würde das auch gar nicht funktionieren, denn mit „Schwamm drüber“ hat noch nie ein Neubeginn funktioniert, der seinen Namen verdient hatte. Und daher wird die Wall of Shame solange ihren Platz auf PuLa haben, bis die Dinge ganz konkret besser, nein, gut geworden sind. Bis den Menschen, die unter den Zuständen gelitten haben, durch die Tat Gerechtigkeit widerfahren ist. Denn darauf kommt es bei dem bevorstehenden Heilungsprozeß vor allem an: Konkrete, sichtbare Veränderungen. (Ein paar Bitten um Verzeihung wären auch ganz nett, aber ich bin ja Realist und kein Traumtänzer 🙁 )

Also, Herr Dr. Klein, ich hoffe sehr, ich habe Sie da falsch verstanden, denn sonst müßte ich wiederholen: Den Gefallen (der freilich auch gar keiner wäre), über die Gründe, die zur Wall of Shame geführt haben, künftig zu schweigen, würde ich Ihnen nicht tun.

Vor uns liegt eine spannende und wichtige Zeit, beten wir füreinander, daß wir ihren Anforderungen gerecht werden.

Mit freundlichen Grüßen

 

Gereon Lamers

 

PS: Zu meiner Verblüffung hat sich Kohle (im Gegensatz zu anderen Vertretern der Herde) bisher noch nicht gemeldet; Liegt vermutlich daran, daß es zu vornehm ist, das gute Tier! 😀

Der Humpelkreis

Ein Sketch zum 1002. Geburtstag Hermanns von Reichenau, genannt contractus, der Lahme. Dieser Geburtstag ist zwar erst am 18. Juli, aber wie wir unsere lieben Wundersdorfer Schafe kennen, proben sie schon kräftig.

 

Der Humpelkreis

Ein Sketch für vier Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide. Friedlich grast die Herde in der warmen Frühsommersonne. Nur Krutzi steht irgendwo am Rand, fernab von allen Schafen, und gibt Interviews über sich selbst im allgemeinen, den Schafhirten im besonderen und allerlei erfundene Bosheiten aus den Teilen der Herde, die sich von ihr, Krutzi, abgespalten haben. Das werden immer mehr. Inzwischen eigentlich alle.

Aber darum geht es jetzt gar nicht. Oder vielleicht doch. Jedenfalls möchten Wolle, Flocke, Fixi und Huf sich gerade eine Runde aufs Ohr legen, um die frischen Gänseblümchen zu verdauen, als sich an einer Ecke der Weide ein eigentümlicher Gesang erhebt.

Wolle (hebt das freie Ohr): Was ist das denn?

Flocke (ebenso): Mittägliche Ruhestörung.

Grauchen (kommt zur Gruppe hinzugesprungen): Rette sich wer kann!

Wolle (im Tran): Worum geht’s?

Blütenweiß (hinterher): Sie studieren das Salve Regina ein. (Sie hält sich die Ohren zu.)

Flocke (lauscht den Tönen): Das ist doch nicht das Salve Regina.

Grauchen: Doch.

Blütenweiß: Nur nicht das originale, sondern ein modernes.

Grauchen: Von Enjott Schneider.

Blütenweiß: Es gibt Dutzende von Salve Reginas.

Grauchen: Und in dem da kommt so ein schöner Lämmchen-Sopran vor.

Blütenweiß: Und den haben sie gerade.

Fixi: Ach so. Ja dann!

Huf: Ist ja soweit in Ordnung.

Fixi (lauscht): Erinnert mich irgendwie an den Bundeschorwettbewerb.

Flocke (läßt die Informationen sacken. Dann): Aber warum studieren sie um alles in der Welt ausgerechnet jetzt ein Salve Regina ein?

Wolle (hat sich wieder hingelegt): Na – das Salve Regina kann man immer singen!

Blütenweiß: Nee, es gibt wohl einen konkreten Anlaß.

Flocke: Eine internationale Wallfahrt?

Fixi (horcht auf): Oder fahren wir endlich nach Neuzelle?

Grauchen: Neineineinein! Hört auf! So entstehen Gerüchte!

Blütenweiß: Es geht nur um die Verabschiedung von Hochwürden Kneif …

Fixi (enttäuscht): Ach so! Ist ja langweilig!

Grauchen: … und den Geburtstag von Hermannus contractus am 18. Juli.

Flocke: Oh nein! Nicht schon wieder ein Geschenk basteln.

Fixi (stöhnt): Hermannus contractus lebte im 11. Jahrhundert.

Wolle (hebt den Kopf): Hermannus wie? Wer ist das überhaupt?

Huf: Hermannus contractus – der Lahme. Hermann von Reichenau. Hatte Muskelatrophie, soweit ich weiß und konnte nicht gehen.

Flocke: Und was hat Hermannus contractus mit dem Salve Regina zu tun?

Blütenweiß: Na, der hat‘s komponiert.

Grauchen: Das originale.

Blütenweiß: Deshalb nennen sie sich auch „Humpelkreis“. Wegen Hermannus.

Wolle: Das wird ja immer besser.

Flocke: Warum muß man denn gleich einen Kreis gründen, wenn man ein Lied gemeinsam einstudiert? Das machen wir doch immer schon mal.

Grauchen: Jaaaa – aber der Humpelkreis ist was besonderes!

Wolle: Soso.

Blütenweiß: Sie führen sich nämlich wie gesagt auf Hermannus contractus zurück und der war ein mittelalterlicher Graf.

Flocke: Ein mittelalterlicher Graf? Klingt ja nicht sehr vertrauenerweckend …

Wolle (schläft schon fast): … alles Raubritter damals!

Huf: Nicht alle!

Fixi: Hermann von Reichenau nicht.

Huf: Der war ein Mönch.

Blütenweiß: Jedenfalls sagen sie, sie müssen sich zusammentun und präsent sein, wenn unser Hirte weggeht, weil sie ja irgendwie doch der eigentliche Kern der Herde sind.

Wolle (klappt die Vorderläufe über den Kopf): Oh nein!

Flocke: Na, ganz toll! Dann kommen wir ja von Krutzi in die Traufe.

Fixi (guckt zu der Gruppe hinüber und runzelt die Stirn): Aber sagt mal: Ist das nicht Kohle, dort drüben? Wie ist der denn da hineingeraten?

Blütenweiß: Pffff – keine Ahnung. Irgend jemand ist auf Kohle gestoßen.

Huf (knurrig): Kohle sollte lieber aufstoßen und sich davon machen.

Flocke: So etwas würde Kohle niemals tun! Kohle ist ein Herr!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Spaß mit (Gotteslob-) Hüllen IV, PuLa unterwegs (und ein WoGoDi…)

Mitte Mai war PuLa im Spreewald. Schön da, wirklich schön, auch wenn das Paddeln nach jahr(zehnt)elanger Abstinenz mal wieder etwas geübt werden müßte, ähem!

Im Spreewald (eigenes Bild)

Im Spreewald (eigenes Bild)

 

Paddeln im Spreewald (eigenes Bild)

Paddeln im Spreewald (Bild A. K.)

Da das Hochfest Christi Himmelfahrt anstand, und sich der Aufenthalt über den folgenden Sonntag erstreckte, hatten wir gleich zweimal Gelegenheit, zu Gast zu sein in der zuständigen Pfarrei Hl. Familie Lübbenau, genauer im für uns günstig gelegenen Gottesdienstort Vetschau, in der Kirche, die der (relativ neuen) Pfarrei den Namen gegeben hat.

Vetschau, Kirhce Hl. Familie (Bild: Olaf Meister)

Vetschau, Kirche Hl. Familie (Bild: Olaf Meister)

Diese Pfarrei gehört zum Bistum Görlitz, dessen Bischof, Wolfgang Ipolt, ja übrigens Sproß einer bekannten katholischen Familie aus Gotha ist; ohne Thüringen geht es halt nicht, ähem 😉

Treue Leser wissen, wie sehr wir gerade den Besuch in anderen Diaspora-Gemeinden schätzen und uns darauf freuen, weil man in aller Regel freundlich, ja herzlich begrüßt wird  und sich eigentlich immer interessante Gespräche anknüpfen. Der manchmal vielleicht ein bißchen überstrapazierte Spruch. ‚Wer glaubt ist nie allein‘ kommt bei solchen Aufenthalten sozusagen zu sich selbst!

So war es auch diesmal. Aber noch bevor es zu Gesprächen kam, fiel, nein stach, etwas anderes ins Auge: Gotteslobhüllen!

Gotteslobein Vetschau (eigenes Bild)

Gotteslobe  in Vetschau (eigenes Bild)

Ja, da präsentierte sich der gesamte Bestand, der für die gottesdienstliche Versammlung bereitstand, in dieser schönen und würdigen Form. Dabei zeigte schon der zweite Blick: Offenbar handgefertigt! Und in der Tat, es stellte sich heraus, daß dies das Werk der geschickten Hände der ehrenamtlichen Organistin war. Richtig solide Arbeit, tolle Paßform, einfach klasse. Klar, daß wir einige erstanden haben!

Solide Verarbeitung! (eigenes Bild)

Solide Verarbeitung! (eigenes Bild)

Nun ist aber der wirklich interessante Aspekt an der Angelegenheit damit noch gar nicht benannt: Im Gespräch stellte sich nämlich heraus, daß zwar die Initiative zur Gestaltung von Hüllen ursprünglich von der genannten Dame ausging, aber dann hat der Pfarrer sie beauftragt, doch für den ganzen Satz, der in der Kirche bereit liegt, welche anzufertigen!
Ja, so kann das auch funktionieren, wenn es eine gute Idee aus der Mitte der Pfarrkinder gibt, wird sie aufgegriffen zum geistlich-ästhetischen Nutzen für alle! Offenbar war Hw. dort eben auch zu dem Ergebnis gelangt, daß das „Neue HB-Männchen“ (vgl. hier, mit weiteren Nachweisen) kein Aushängeschild für eine Katholische Kirche sein kann; sehr  gut! Wie schade, wenn anderswo auf Klarsichthüllen zurückgegriffen wird…
(Bei der Gelegenheit: Wir wissen von lieben und klugen Menschen, die haben die Ideen aus PuLa aufgegriffen und kongenial weiterentwickelt, was die Frage betrifft, wie man die Zumutung der Bildchen im Innern des Buches loswird: Man schneide Bilder aus einem Kalender mit christlicher Kunst  aus und klebe sie vorsichtig ein; auch das funktioniert!)

Und so bleibt es dabei: Mit dem Thema werden wir noch eine Menge Spaß haben, denn der Trend geht zur Fünft-Hülle… 😆

Ordnung muß sein. (eigenes Bild)

Ordnung muß sein. (eigenes Bild)

Und der WoGoDi, was war mit dem Wortgottesdienst? Ja, wir sind tatsächlich am Sonntag in einen Wortgottesdienst geraten, den der dortige Ständige Diakon gehalten hat, denn Hw. war in Lübbenau anläßlich der dort anstehenden Firmung unabkömmlich.

Jetzt höre ich Sie förmlich leise einatmen, PuLa bei einem WoGoDi? Ging das gut? (vgl. hier) Ich muß zugeben, der Besuch war unbeabsichtigt, hätten wir‘s gewußt, wir wären vermutlich woanders hingefahren!
Aber, wie das mit dergleichen scheinbaren „Zufälligkeiten“ eben so ist: Es ist immer für was gut! Der Wahrheit die Ehre: Es war ein (für die Vetschauer Verhältnisse) gut besuchter und würdiger Gottesdienst, den wir da erlebt haben. Ich war angenehm berührt/überrascht.

Das heißt aber natürlich nicht, daß ich meine grundsätzliche Meinung über derartige Formen (besonders am Sonntag) geändert hätte; Keineswegs! Doch es gab zwei Elemente, die mich im konkreten Fall dennoch zu dieser „sanften“ Einschätzung kommen ließen: Erstens ist dort die Not, sprich der Priestermangel, wirklich mit Händen zu greifen und keine wohlfeile Ausrede zur „Förderung“ (in Wahrheit ist es das ja gerade nicht!) irgendwelcher Laien, die „auch mal“ im Altarraum agieren wollen. Als wir erzählten, wieviele Priester z.B. in Weimar regelmäßig Dienst tun, konnten die Vetschauer nur schmerzvoll aufstöhnen…
Und zweitens merkte man den Handelnden (also allen) die Bescheidenheit, die ungekünstelte Demut, die aus dem wachen „Bewußtsein des Mangels“ kam, deutlich an! Sehr, sehr angenehm war das! Meilenweit entfernt von dem ebenso schwer erklärlichen wie schwer erträglichen Gerede, was das doch für eine „Bereicherung“ sei, wie wir es selbst aus dem Munde hoher Kirchenmänner immer wieder hören müssen (von den Liturgiewissenschaftsprofessoren, die ihre Absolventen beschäftigt wissen wollen, ganz zu schweigen, das muß man ja nicht so sehr ernst nehmen).

Nein, es ist keine Bereicherung! Es ist genau kein Ausdruck eines irgendwie gearteten Reichtums, sondern einer höchst bedauerlichen und von Fall zu Fall zu erduldenden Armut, einer Armut, um deren Beseitigung wir den HErrn bitten müssen. Immer wieder und mit heißem Herzen.

Dennoch sage ich heute gerade in die „traditionelle Richtung“: Schaut genau hin, bevor ihr euch ereifert, man sollte auch in dieser Frage differenzieren, gerade in der Diaspora! Ich persönlich bin den Spreewäldern dankbar für diese Erinnerung!

Und zu den grundsätzlichen Fragen im Umfeld der behaupteten „Bereicherung“ will ich schon lange was schreiben, was „Deutliches“, so in Bezug auf unsere Lage hier in Weimar und im Bistum Erfurt, aber: Man kommt nicht rum! 😉
Na, das Thema wird so schnell nicht weggehen…

Es hat keinen Sinn

Nein, es hat einfach keinen Sinn, daß sich PuLa seit nunmehr fast 8 Wochen in der Berichterstattung über die weitere Entwicklung in der Pfarrei Herz-Jesu Weimar weiter so zurückhält, daß selbst die schlichte Chronistenpflicht, vor allem gegenüber unseren Lesern von außerhalb des Bistums, darunter leidet!

Als wir am 13. April über „Veränderungen in der Personalsituation der Pfarrei“ berichtet haben (hier), endete dieser Beitrag mit den Worten: Öffentliche Kommentare dazu überlassen wir anderen.“ Dahinter stand die leise Hoffnung, in der bevorstehenden Phase des Übergangs würden manche Menschen zur Besinnung kommen, normale Umgangsformen und Verhaltensweisen (wie z.B. die schlichte Pflichterfüllung in ehrenamtlichen Gremien…) (wieder) aufnehmen, kurz, der notwendige Heilungsprozeß, dessen diese Gemeinde so dringend bedarf, könnte vielleicht schon ein bißchen in Gang kommen, vielleicht gar dem Amtsnachfolger doch das eine oder andere schon vorab aus dem Weg geschafft werden.

Heute müssen wir feststellen: Es gibt dafür keine, überhaupt gar keine Anzeichen. Vielmehr handeln Gemeindeleitung und „Gemeindeleitung“ zumindest äußerlich wie eh und je (incl. der ja mittlerweile schon gewohnten Beschimpfungen von Gemeindemitgliedern vom Ambo aus). Ob es die sog. „Gremien“, in denen man sich bekanntlich dazu gratuliert, inzwischen frei von ‚Zugezogenen‘ zu sein (und damit sind nicht mal [nur] ‚Wessis‘ gemeint!), in einer irgendwie funktionsfähigen Form überhaupt noch gibt, ist unklar, denn man hört von ihnen genau nichts (in fortgesetzter Verletzung der hier schon oft zitierten rechtlichen Vorschriften). Und diejenigen, die, aus welchen Gründen auch immer, beschlossen haben wie eh und je gleich den berühmten drei Affen ‚nichts zu sehen, nichts zu hören und nichts zu sagen‘, die tun das auch weiterhin, gucken an einem vorbei und machen irgendwie und irgendwas weiter.

Drei Affen am Tōshō-gū Schrein, Nikkō, Japan (Bild: Wikimedia Commons, Jakub Hałun)

Drei Affen am Tōshō-gū Schrein, Nikkō, Japan (Bild: Wikimedia Commons, Jakub Hałun)

Kombiniert man diese Bestandsaufnahme mit der öffentlich zur Schau getragenen völligen Einsichtslosigkeit desjenigen, der hier Mitte April journalistisch den Stein ins Wasser geworfen hat, und dem, was in der Zwischenzeit sonst noch so bekannt geworden ist (gerade erst wieder in den letzten Tagen!), so muß man konstatieren, unser erneuter Versuch (nach der „Sketchpause“ 2012), durch weitgehendes Schweigen etwas zu befördern, war erneut zum Scheitern verurteilt. Deswegen ist damit jetzt Schluß und wir nehmen Berichterstattung und Kommentierung zu den Zuständen, die uns hier umgeben, wieder auf.

Zu diesem Zweck müssen wir zeitlich bereits ein ganzes Stück zurückschauen, genauer bis Ende April. Auf die journalistisch ja gar nicht satisfaktionsfähigen Hervorbringungen von Herrn Büker (allein schon die gröbliche Vermischung von Nachricht und Kommentar war ja hanebüchen genug!), von denen obendrein inzwischen höchst zweifelhaft ist, ob sie überhaupt (alle) von ihm stammen, oder vielmehr der „Bad-Berka-Connection“ geschuldet sind, folgte unmittelbar kein weiterer redaktioneller Beitrag. Was folgte, waren (in der TLZ vom 22. April) zunächst zwei Leserbriefe zum Thema. Deren einer bedauerte die personelle Veränderung und drückte „Betroffenheit“ 🙄 darüber aus. Nun, dieselbe Person, die diesen Leserbrief schrieb, rief vor kurzem einem anderen Gemeindemitglied auf der Straße (!) Tiernamen nach – als Reaktion auf den Wunsch nach einem gesegneten Sonntag… Inwieweit das ein Licht auf den Gehalt des Leserbriefs wirft, darüber wollen wir uns gar nicht äußern, aber ein überaus sprechender Beleg für die „Qualität“ des Umgangs miteinander, die hier in den letzten Jahren einreißen durfte, scheint uns das schon zu sein.

Erheblich viel interessanter war hingegen der andere Leserbrief! Ihn schrieb einer unserer tapferen Ruhestandspfarrer und setzte sich darin ruhig aber deutlich mit den Quellen des Artikels vom 13. April und den darin enthaltenen Behauptungen auseinander: „Wenn sich ein Teil Ihrer Berich­te auf Aussagen eines Mitglieds der Gemeinde stützt, das seinen Namen nicht nennen will, ist das bedauerlich. Anonym kann man alles behaupten, man kann auch lügen!“
Und weiter zu der Behauptung, es hätte vor Bekanntgabe der personellen Veränderung einen Mangel an Loyalität unter den Priestern in unserer Pfarrei gegeben: „Immer wieder – über all die Jahre – konnte sich [der Pfarrer] auf die Mitbrüder verlas­sen. Ich habe immer betont: Du bist der Pfarrer! Du hast das Sa­gen! Wir stehen jederzeit zu dir und helfen, wo wir gefordert sind. Wenn unsere Kollegialität be­zweifelt wird, soll es derjenige beweisen und soll nicht auf diese Weise Lügen in die Welt setzen.“
Geht es noch deutlicher?

Hinzuzufügen bleibt zum einen, daß wir niemanden kennen, der die Wahrheit der Sätze über die Loyalität in Frage stellen würde oder könnte. Zum anderen, wie die Reaktion auf diese Einlassungen ausfiel: Dem fraglichen Priester wurde aus dem „Clan“ unter Nutzung nicht zitierfähiger Ausdrücke eine bis in die Schulzeit zurückdatierende Freundschaft Bekanntschaft gekündigt, schriftlich… Und als vor kurzem das Gedenken an den 70. Todestag der sel. Märtyrer-Priester Otto Neururer und Mathias Spanlang feierlich begangen wurde, da wurde dieser Priester, der das regelmäßige Gedenken im ehemaligen KZ Buchenwald jahrelang treu aufrechterhalten hat, nicht eingeladen.
Noch Fragen?

Ach ja, das Gedenken an und für sich war übrigens natürlich eine tadellose Angelegenheit. Schade nur, wenn man aus sicherer Quelle weiß: Denjenigen, die sich jetzt damit brüsten und es gar nicht weit genug bekannt gemacht sehen können, mußte das Projekt erst von einem katholischen Verband aus Erfurt „nahegelegt“ werden. (Zu einem aus der Mitte der Gemeinde mit Hilfe der Blogoezese erwachsenen Märtyrer-Gedenken vgl. hier)

Dann geschah, am 25. April, etwas Überraschendes und sehr Erfreuliches: Die gleiche TLZ, die sich gerade derart blamiert hatte, brachte einen überaus sachlichen, informativen und erhellenden Bericht zu den näheren Umständen und den Hintergründen der personellen Veränderung, freilich nicht aus der Feder des gleichen Journalisten. Sie können dieses Stück solide Recherche zum Glück (in der leicht erweiterten Version für das Eichsfeld) selber nachlesen, hier.

Die in unserem Kontext interessierende Kernaussage ist folgende: Das Bistum Erfurt hat höchstoffiziell die Behauptung, irgendwelche „Ultrakonservativen“ hätten schriftlich oder mündlich die Ablösung des Pfarrers gefordert, kategorisch zurückgewiesen. Und zwar in Bezug auf die drei Bischöfe Wanke, Hauke und Neymeyr.

Langjährige Leser wissen, das haben wir nun schon seit gut drei Jahren geschrieben, daß wir von derartigen Forderungen nichts wissen, und daß wir uns daran auch auf keinen Fall  beteiligen würden, weil das nicht katholisch wäre (vgl. zuletzt hier mit weiteren Nachweisen).
An dieser Stelle gestatten Sie mir vielleicht in aller ehrlichen Bescheidenheit die Bemerkung: Hier sieht man, dem, was auf PuLa steht, kann man vertrauen. Überlegen Sie selbst, inwiefern das in den letzten Jahren für Bemerkungen aus anderen Quellen galt.

Abschließend möchten wir diesen Eintrag noch für einen Hinweis nutzen: Seit Mitte April  haben wir gelegentlich die besorgte Frage erhalten, „Geht es denn jetzt auch weiter mit dem Blog?“.
Die klare und eindeutige Antwort lautet: Aber selbstverständlich!

Haben es nicht die letzten Wochen gezeigt, daß „Einfach so“ bestimmt nichts besser wird?! (Dafür bedürfte es wohl mindestens noch einer ganzen Reihe weiterer Umzüge… 😆 )
Nein, wir werden natürlich auch weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten, wie es ist, „Katholisch in Weimar“ zu sein.  Und wenn es künftig, wie wir inständig, aber auch zuversichtlich hoffen, öfters Erfreuliches zu berichten geben wird, werden wir die Glücklichsten überhaupt sein! Im übrigen: Es gibt auch ohne „Weimarer Verhältnisse“ genug Themen, oder?

Also: „Aufhören“ kommt überhaupt nicht in Frage! Wir möchten uns unser Leben ohne Bloggen nämlich gar nicht mehr denken! 🙂

Und von allem anderen abgesehen: Können Sie sich vorstellen, wie Kohle das Schaf reagieren würde, wenn wir nicht mehr von der Weide berichteten? Das möchten wir uns lieber gar nicht erst ausmalen… 😉

‚unfehlbar‘ – ‚überwahrheitlich‘, Die „Tiberente“

Immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen ist es, wenn PuLa auf herausragende andere Blogs hinweisen kann!
Und da hat uns die jüngste Bildergeschichte („Schweini gehabt“) einen Kommentar beschert, der uns auf einen, wir müssen es gestehen, bis dato unbekannten Blog aufmerksam gemacht hat (man kommt nicht rum, mit all den Tätigkeiten, sichtbar und unsichtbar, die der lokale und regionale Schwerpunkt so mit sich bringt, ich sag’s Ihnen! 😉 ).

Es handelt sich um:

Die Tiberente

Und die dauerhaft nicht zu kennen wäre eine Schande und ein Verlust gewesen! Daher in  zweifacher Weise sehr herzlichen Dank, lieber Kollege, für den Kommentar!

Der „Tiberente“ gelingt eine wirklich seltene Kombination von hintersinnigem und „gelahrtem“ Humor mit der Verwirklichung eines drängenden katholischen Bildungsauftrags („Schnitzelmesse“, ja, doch!); wir ziehen respektvoll den Hut und versprechen, sie in die Blogroll prominent aufzunehmen, wenn wir denn irgendwann einmal endlich eine haben werden…

Kleine Kostprobe gefällig?

Aus den „Häufigen Fragen“:

„Ist der Chefredakteur der Tiberente Protestant, Atheist, Sedisvakantist, Intellektueller, Opus-Dei-Anhänger, kreuz.net-Beiträger, Wir-sind-Kirche-Mitglied, Freimaurer, Piusbruder, Theologe, ein Feind der Kirche, ein Feind Benedikts XVI., ein Feind Franziskus’, ein verheirateter Pfarrer, Franzose, Manichäer, Albigenser oder gar Jesuit?

Nein.“

„…oder gar…“

😆

 

Schweini gehabt!

Aufmerksame Leser (und wann hätten wir je andere gehabt? 😉 ) erinnern sich natürlich an die Ankündigung im Rahmen des diesjährigen „Osterlachens“ (hier), daß nach dem „Wein“ auch noch etwas zum „Brot“ käme. Nun, das hat sich, äh, ein wenig verzögert… 😳

Daher heute ohne weitere lange Vorrede die Bildergeschichte zum Thema „Ungewöhnliche Haustiere“; sie sind wirklich gefährlich! 😀

Mopsen 1

Mopsen 2

Mopsen 3

 Mopsen 4

 Mopsen 5

 Mopsen 6

 Mopsen 7

 Mopsen 8

 Die teilweise nicht ganz optimale Bildqualität bitten wir zu entschuldigen, diese Tiere sind schwer zu photographieren, so bei der Nahrungsaufnahme! 😆 (Alles eigene Bilder)

Konstantin. * 27. Februar zwischen 270 und 288 (!) + 22. Mai 337 Zu seinem Gedenktag am 21. Mai

„Man kennzeichne all unsere Schilde mit einem Kreuz, dem Zeichen des neuen und ewigen Lichtes“, verkündet der Titelheld aus dem Kindermusical „Konstantin. Die Legende“, das 2010 zum Gemeindefest von Herz-Jesu Weimar uraufgeführt und 2013, zum Konstantinjahr völlig überarbeitet und erweitert, dann schon im Exil in Apfelstädt und Kloster Volkenroda wiederaufgenommen wurde.

Die – allerdings mit dem Christogramm, dem ‚Konstantinischen Kreuz‘! – gekennzeichneten römischen Schilde und Helme sind archäologisch belegt. Daß die Kennzeichnung der puren Unterscheidung der römischen Rüstungen gedient haben soll, als sich 312 in der Schlacht an der Milvischen Brücke die beiden römischen Tetrarchen Konstantin und Maxentius gegenseitig bekriegten und Maxentius in Überzahl unterlag, ist unwahrscheinlich. Irgend etwas muß passiert sein im Vorfeld jener Schlacht, die Konstantin unter den Schutz des Christengottes stellte und diesen nach gewonnener Schlacht – ganz antik gedacht – als den mächtigeren anerkannte.

Eusebius von Cäsarea schreibt, dieses Etwas war ein Kreuzzeichen am Himmel, das Konstantin den Sieg verhieß. Man muß dem Bischof und Hoftheologen darin nicht folgen, aber auf alle Fälle ist es eine schöne Geschichte und deshalb kommt sie in dem Musical auch vor. Ein Zeichen bringt die Dinge doch immer auf den Punkt und läßt sich in so einem Bühnenstück gut realisieren – jedenfalls wenn, wie in unserem Fall – den Regisseurinnen Elisabeth Asshoff (2010) bzw. Miriam Platzeck (2013) hierzu so gute Ideen kommen.

Konstantin I. hat eine Menge Menschenleben auf dem Gewissen. An Grausamkeit stand er seinen antiken Kollegen in nichts nach. Aus Eifersucht ließ er in bewährter Manier Frau und Sohn über die Klinge springen, bekämpfte in Maxentius seinen Schwager und so weiter und so weiter. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Die Kirche tut dies in gewisser Weise trotzdem, indem sie Konstantin andere Taten zugute hält und des Kaisers als Wegbereiters des Christentums am heutigen 21. Mai gedenkt. Da wird das Mailänder Toleranzedikt in den Vordergrund gerückt, das nach Absprache mit dem Tetrarchen Licinus im Jahre 313 die christliche Religion den übrigen Religionen im römischen Reich gleichstellte und damit ihren Aufstieg zur Staatsreligion unter Theodosius I. ermöglichte.

Da wird Konstantins Ringen um die Einheit der schon damals in koptischer, arianischer und orthodoxer Glaubensrichtung wachsenden Kirche gewürdigt. Da gedenkt man des Konzils von Nicäa, das unter dem mittlerweile allein herrschenden Konstantin das bis heute gültige Credo der Kirche formulierte und die Wesenseinheit von Gottessohn und Gottvater als Glaubensinhalt festhielt.

In den erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Arius und Athananius dem Großen, dem 1568 unter dem Heiligen Papst Pius V. zum Kirchenlehrer erhobenen Patriarchen von Alexandria, dessen gebotener Gedenktag am 2. Mai kaum drei Wochen zurückliegt, nahm Konstantin letztlich für Athanasius Partei. Daß er sich auf dem Sterbebett im Jahre 337, übrigens genau zu Pfingsten, dennoch durch den arianischen Bischof Eusebius von Nikomedia taufen ließ, bleibt eines der Rätsel, die der durchsetzungsfreudige Herrscher mit ins Grab nahm.

Aber schöner und Inspirationsquelle für herrliche Gemälde ist ohnehin die Geschichte, nach der der Eremit Silvester 312 oder 13 den Kaiser taufte, ihn dadurch vom Aussatz befreite und zum Dank 314 zum ersten Papst einer freien Christenheit erhoben wurde. Deshalb kommt auch nicht die rätselhafte Taufe auf dem Totenbett, sondern diese Geschichte in dem Musical vor – Einheit von Ort, Zeit und Handlung, Sie wissen schon.

Wenn Sie in die Ouvertüre des Kindermusicals einmal hineinhören möchten – sie stellt die meisten Melodien des Stückes vor und wir haben sie hier auf YouTube eingestellt:

Das Lied zur Kreuzesvision, von unserem Eingangszitat abgerundet, gibt es auch, hier:

Naja, und das Lied zu Silvester natürlich ebenfalls, allerdings in der ausgekoppelten Version im Rahmen der „Weltreise durchs Kirchenjahr“, hier:

Cornelie Becker-Lamers

„Beschönigt“, ts! Wer den Schlußchor des Musicals (mein Lieblingsstück daraus!) hört, fragt sich sowieso nicht mehr, warum dieser bedeutenden Gestalt zu gedenken ist, jawohl! 😀
Und wer wird schon so einen antiken Kaiser verstehen (wollen)? Immerhin, im Zweifel war die Gültigkeit der Taufe nicht in Frage zu ziehen, das hatte ja im Grunde schon die Synode von Arles 314 geklärt, oder galt das im Falle der Arianer gerade nicht, Stichwort ‚trinitarische Taufformel‘? 😯 Wer kennt sich da aus??

Gereon Lamers

 

Der Vinsanto, Sketch des Monats Mai

Wie langjährige Leser ja bereits wissen, manchmal dauert es etwas, bevor uns die Nachrichten aus Wundersdorf erreichen, aber was man da so hört; immer wieder lehrreich. In mancherlei Hinsicht…

Der Vinsanto

Ein Sketch für vier Personen

 

Wundersdorf im Oderbruch. Am Vorabend des Dritten Sonntags der Osterzeit  haben Hanna und Karl es sich in der Couchecke der Langenfelds bequem gemacht. Auf dem Tisch stehen vier kleine Weingläser, eine große Schale mit selbstgebackenen Cantuccini und eine Flasche Vinsanto (besser hier, engl.). Edith rückt die Servietten zurecht und setzt sich auch hin. Ein sonniger Tag geht zu Ende, wenn auch der Kachelofen noch nicht ganz in die Sommerpause geschickt werden kann.

Hanna (plaudert): Gestern stand Corinnas Auto vor dem Pfarramt, obwohl der Pfarrer gar nicht da war.

Richard (nimmt in einem Sessel Platz): Ah ja! Klar: Sie vernichtet jetzt Beweise.

(Die andern müssen lachen.)

Richard: Was lacht ihr? Das liegt doch auf der Hand!

Karl (zu Richard): Du hast recht: Der Pfarrer geht weg …

Richard: … und da weiß sie, daß ihre Tage mit Generalschlüssel gezählt sind …

Hanna: Wir sollten die Stasizentrale … äh, das Pfarrbüro besetzen!

Karl (lacht): Genau! Wie damals.

Hanna (grinst): Normannenstraße!

Edith (nimmt die Vinsantoflasche in die Hand und betrachtet sie kritisch): Sagt mal, ihr habt doch noch gar nichts getrunken.

Karl: Nö. Wenn wir Corinna durchschauen, ist das die Frucht völlig nüchterner Überlegung.

Richard (setzt sich aufrecht): Trotzdem sollten wir diesen Zustand der Nüchternheit jetzt schleunigst beenden! (Er entkorkt die Flasche und beginnt reihum einzugießen.)

Edith (schiebt den Gästen die Schale mit Cantuccini zu): Und dazu ißt man Cantuccini (sie nimmt eins der Mandelplätzchen).

(Die vier nippen an ihren Weingläsern und schieben den Schluck ein bißchen im Mund herum.)

Karl: Hm! Lecker! (Er stellt das Glas ab.)

Hanna: Schön süß!

Edith: Ein Dessertwein. (Sie trinkt.)

Karl (greift nach der Flasche und liest sich etwas zur Provenienz durch): Ein 2003er Castello di Ama.

Richard (nickt): Aus dem klassischen Chianti-Gebiet.

Hanna: Aha. Und wo ist das? In der Toscana … (Sie betrachtet die Rückseite der Flasche.)

Richard: So ziemlich genau auf der Mitte zwischen Florenz und Siena (er trinkt noch einen Schluck).

Edith: Wunderschöne Gegend!

Karl: 14,5% Alkohol – und trotzdem noch so ein Zuckergehalt. Das ist irre. Wie schaffen die das?

Richard: Soviel ich weiß, wird Vinsanto aus getrockneten Trauben gemacht. Dadurch verdichtet sich der Zuckergehalt.

Hanna: Getrocknete Trauben – da braucht man ja ordentlich Platz, um sie gut belüftet trocknen zu lassen, damit sie nicht schlecht werden.

Richard: Ja. Warm und gut belüftet. – Und den Wein setzt man dann in älterem, fertigen Vinsanto an. Das bringt die Fermentierung in Gang. (Er trinkt und greift nach einem Mandelplätzchen.) Und dann braucht die Reifung eben Minimum 3 Jahre, eigentlich 5-10.

Karl (betrachtet den Wein in seinem Glas): Der ist jetzt 12 Jahre alt.

Edith: Der Vinsanto reift in Eichenfässern, wo der Deckelgriff ein Kreuz ist.

Vin Santo Faß mit Kreuz-Griff (Bild: Wikimedia Commons)

Vin Santo Faß mit Kreuz-Griff (Bild: Wikimedia Commons)

Hanna: Vinsanto. – Da heißt das Heiliger Wein und ist so sündhaft lecker (sie lacht).

Richard: Wieso „sündhaft“? Sünde ist was anderes! Wenn man vorher ordentlich gefastet hat, darf man in der Osterzeit auch was Leckeres trinken!

Karl: Heiliger Wein – ja! Woher kommt eigentlich der Name?

Edith: War glaube ich früher Meßwein. Zu Ostern.

Apostelkommunion, Stundenbuch des Herzogs von Berry (Bild: Wikimedia Commons)

Apostelkommunion, Stundenbuch des Herzogs von Berry (Bild: Wikimedia Commons)

Richard: In der Heiligen Zeit.

Edith: Ach! Deshalb soll man auch die Cantuccini eintauchen – das verstehe ich jetzt erst!

Hanna: Du meinst, wie bei der Kommunion in beiderlei Gestalt? (Sie läßt ein Mandelplätzchen in ihrem Wein einweichen.)

Edith (grinst): Kann-tutsch-ini sozusagen.

Hanna (lacht): Genau! Kann-tutsch-eini!

Edith: Hat meine Oma immer mit trockenem Kuchen in Kaffee gemacht.

Hanna (quiekt): Ja! Meine auch!

Richard (irritiert): Ja aber – Moment! Das soll bei der Eucharistie ja gerade nicht sein!

Karl: Machen wir aber immer so. Gründonnerstag. (Er tunkt ein Mandelplätzchen unter.)

Richard: Ist trotzdem verboten. Wenn es der Kommunikant selber macht.

Edith: Hä? Und wieso das jetzt?

Richard: Naja, um den Leib des HErrn nicht zu gefährden.

Hanna: Verstehe ich nicht.

Richard: Na, die geweihte Hostie ist halt kein Kann-tutsch-eini. Deswegen wird ja in zivilisierten Gegenden auch eine Patene untergehalten!

Edith (halb für sich): Hätte ich bloß nichts gesagt …

Hanna (hält ein Plätzchen hoch): Und die hast du selber gebacken?

Edith: Ja. Ist eigentlich kein Problem. Die Kinder fitschen die Mandeln frisch – das schmeckt man total, was für Qualität man da kauft – ja, und dann: Mehl, Eier, Zucker, bißchen Backpulver … also echt keine Hexerei! Aber zweimal backen, das ist so’ne Art Zwieback!

Hanna: Hmja, das spürt man ja. Superlecker!

Edith: Danke!

(Sie trinken und schmecken dem Schluck hinterher.)

Cantuccini zu Vin Santo (Bild: Wikimedia Commons, Paolo Piscolla)

Cantuccini zu Vin Santo (Bild: Wikimedia Commons, Paolo Piscolla)

Richard: Aber, Leute, nochmal zu den Vorgängen im Pfarrhaus …

Edith: Ich hab ja immer gesagt: Der Oderbruch-Tatort war ein Mißerfolg, weil sie das Schema-F nicht hinter sich gelassen haben. Hier ist es völlig idiotisch, Verfolgungsjagden im Auto zu inszenieren …

Hanna (lacht): … bei unserem Tempo 30 auf der Hauptstraße …

Edith: Eben! So ist Wundersdorf einfach nicht. Das funktioniert hier nicht. Der eigentliche Krimi spielt sich ganz woanders ab …

Karl (begeistert): Du hast Recht! Nobbi Bauer und Hurz Fliege ermitteln im Pfarrhaus! Das wäre der Renner!

Richard: So viele Leichen, wie Kneif und Corinna im Keller haben, könnten sie locker gleich mal 13 Folgen drehen.

Hanna: „Weitere Staffeln folgen.“ (Sie lacht.)

Edith (macht den ersten Vorschlag): „Rufmord im Pfarrblatt“

Karl: „Glockenstuhl und Pritschenwagen“

Richard: „Endstation Aktenshredder“

Edith: „Die neue Sekretärin“

Hanna (stutzt): Hm? Wir haben doch noch gar keine neue Sekretärin.

Edith: Hältst du das für Zufall? Was glaubst du, wie die Corinna jetzt im Weg wäre!

(Alle lachen.)

Karl: Aber wißt ihr – da ist leider ein Denkfehler dabei …

Die anderen (durcheinander, mit gespielter Entrüstung): Was? – Denkfehler bei uns? – Niiiiiiiemaaaaaaals! (Sie lachen)

Richard: Ich weiß, was du meinst: Es gibt keine Tatortstaffel mit jedes Mal denselben zwei Verdächtigen, stimmt’s?

Karl: Das ist genau das Problem.

Hanna: Unsere Serie wird stinklangweilig!

Edith (mit verstellter Stimme): „Anonyme Briefe aufgetaucht? Ha! Da bestellen Sie mir doch gleich mal Corinna Bischof in den Vernehmungsraum!“

Karl (ebenso): „Doppelte Handwerkerrechnungen? Corinna Bischof in den Vernehmungsraum!“

Richard (ebenso): „Kontenzugriff am Rendanten vorbei? Na, da wollen wir uns doch zur Abwechslung mal Corinna Bischof vornehmen!“

Hanna: Das müßte man also wohl doch in einer einzigen Folge abhandeln – mit dem Motiv der Wiederholungstäterin.

Edith: Ah! Genau! Sehr gut! (mit der verstellten Stimme) „Die Frau kenn ich doch! Die ist doch damals in der Geschichte mit der Orgel mit einem blauen Auge davongekommen …“

Karl: Und die Hintergrundstory ist: Mächtige Vorgesetzte haben sie gedeckt.

Richard: Genau! Der Filz reichte bis in die Spitze der Behörde!

Hanna: Lange waren den heldenhaften Kommissaren die Hände gebunden.

Edith: Erst ein neuer Polizeipräsident macht überhaupt die Ermittlungen gegen diese Frau möglich.

Karl (mit markiger Stimme): Aber sie sind noch da.

Edith: Wer?

Die andern: Na, die Helden.

Edith: Ach so! Ja, klar!

Richard: Und beginnen mit ihren Ermittlungen …

Hanna: Gib mir vorher aber doch noch mal so ein Kann-tutsch-ini!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß in Weimar ja niemals jemand auf die Idee käme, solche Spekulationen könnten etwas mit der Realität zu tun haben. Oder verschlossene Papiertonnen gesehen hätte…
Zu der ernsten Frage nach der Kommunion unter beiderlei Gestalten vgl. hier.