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„no-one notices the customs slip away” (1/2)

Was hat Al Stewart mit Eugen Drewermann zu tun? 

Oktober. Rosenkranzmonat. Auch in der christlichen Glaubenspraxis ist das meditative Gebet tief verwurzelt. Wissen wir. Aber es gab noch mehr als das. Und das wissen wir vielfach nicht mehr.

Die Beschäftigung mit älteren Texten zeigt nämlich, daß im Deutschland des 17. Jahrhunderts auch eine Verbindung geistlicher Inhalte mit körperbezogenen Praktiken ausgearbeitet worden war. Die Übung dieser Praktiken aber ist uns leider durch die Finger geronnen wie so vieles, das irgendeiner Generation unserer Vorfahren plötzlich der Weitergabe nicht mehr wert schien. Es könnte vielen Menschen etliche Therapiestunden ersetzen, wenn sie wieder breiter bekannt gemacht würde. Der folgende Text wird den Körper einbeziehende meditative Praktiken, wie Friedrich Spee sie in seinem „Güldenen Tugendbuch“ entworfen hat, in aller Kürze vorstellen. Vielleicht reicht das ja für den einen oder die andere schon als Anregung, zu erweiterten Gebetsformen unserer Tradition zurückzufinden und sie neu mit Leben zu füllen.

Bei der Beschäftigung mit Brahms‘ romantischer Klage „In stiller Nacht“, deren Text sich als drastische Verkürzung eines frühneuzeitlichen Gründonnerstagsgedichtes entpuppte, stieß ich in dem Buch „Geistliches Wunderhorn“ (im folgenden GW) auf den Hinweis zu Friedrich Spees „Güldenem Tugendbuch“. Dieses 1649 posthum erschienene, vermutlich aber bereits 1627/28 verfaßte Werk des 1591 geborenen Jesuiten widmet sich u.a. ausführlich der Tugend der Hoffnung und verzeichnet an dieser Stelle das Gedicht „Bey stiller Nacht“.

Sie erinnern sich: „Bey stiller Nacht“ (Text hier) imaginiert den zu Tode geängstigten Christus im Garten Gethsemane, der seinen Vater um den Erlaß des schmach- und leidvollen Todes bittet. Als dieser ablehnt und den Sohn zu ermutigen versucht, stellt Jesus sich seine Mutter vor und klagt ihr sein Leid. Kreuz und Marterwerkzeuge imaginiert er zuletzt so eindringlich, daß das lyrische Ich vor Mitleid vergeht und die compassio auch des ganzen Kosmos spürt: „Die Sterne lan/ ihr Glitzen stahn,/ mit mir sie wollen weinen.“

Dieses Gedicht, wie früher üblich zum lauten Vor-sich-hin-Sprechen verfaßt, steht im Zusammenhang eines ganzen „seelsorglichen Übungsprogramms“ für einen Menschen „in grosser betrübnuß und bedrangnuß des hertzens“ (Zitat durch Alex Stock, GW S. 209). Wer nicht mehr aus noch ein weiß, nirgends Rat und Trost finden kann oder zu erbitten wagt, wen die Sorge förmlich umtreibt und wen es „seines stands gerewet“ (ebd.), der stelle sich, so die Unterweisung des Tugendbuches, Jesus am Kreuz leibhaftig vor Augen. Christus selber wird dann bald zum Betenden zu sprechen beginnen:

„Was wiltu machen? Gehe in dein kämmerlein, setze dich da nider zu meinen füssen, ò mein hertziges, außerwehltes kind: Weine, vnd weine; Laß fliessen dein hertz, vnd augen: laß winden und wehen deine seufftzer, laß gehen in lufften deine begierden: zu mir, zu mir solt schreien vnd klagen, ich werd erhören dein gebett, dein gebett werd ich erhören.“ (Zitat ebd.)

Aus dem 14. Jahrhundert und möglicherweise aus der Feder Papst Johannes XXII. stammt ein Gebet, das ebenfalls um die eigene Stärkung angesichts der Leiden Christi bittet: „passio Christi conforta me“ (Leiden Christi, stärke mich), heißt es zu Beginn der zweiten Strophe. Ich liebe diesen Text und bete die Worte in jeder Messe mehrfach. Die lateinische, besser zu vertonende Originalfassung habe ich vor Jahren für die Cäcilini in eine ganz schlichte und einfache Melodie verpackt. Vor gut drei Jahren haben wir sie während der Heiligen Kommunion in einem Hochamt gesungen. Enjoy: 🙂

Spees „Güldenes Tugendbuch“ geht noch weiter als der spätmittelalterliche Gebetstext. Es bleibt nicht bei den Worten stehen. „Die Übung der Einbildungskraft geht in eine Übung des Körpers über“, stellt Axel Stock fest und beschreibt die „unmittelbar atemtherapeutische“ Wirkung des immer und immer wieder laut geseufzten Gebets. Denn Spee präzisiert seine performatorischen Anweisungen zum heilsamen Beten: „Die seufftzer aber sollen nit anders gehen, als: Ach Jesu! Ach Jesu, gar langsam vnd tieff, so blaset sich vill betrangnuß allgemach vom hertzen, wie offt durch die erfahrnuß beweret worden ist.“ (Zitat in GW S. 210) Zuletzt wird zur Indienstnahme der Musik geraten, die durch „trawrige Liedlein“ das Überfließen des Schmerzes in die tröstenden Tränen besonders gut befördern kann.

Als Pfarrer Preis Ende Juni dieses Jahres im Hochamt in Herz Jesu Weimar an die Lesung des Tagesevangeliums Mk 5, 21-43 – der Geschichte von der Tochter des Jaïrus und der blutflüssigen Frau – Bemerkungen über verschiedene Definitionen von Gesundheit anschloß, stellte er neben die Definition der Weltgesundheitsorganisation (Gesundheit als „Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“) eine andere: nämlich Gesundheit als Fähigkeit zum Umgang mit Störungen. Das fand ich großartig und mußte damals sofort an Spees „Güldenes Tugendbuch“ denken, das so viele praktische Hinweise zur Bewältigung von Störungen und Trauer bereithält.

Ich wollte auf diese Inhalte bereits im Kontext von Gereons Ausführungen zur Lehre von den letzten Dingen hingewiesen haben. Wie tröstlich ist die Eschatologie in der Trauer angesichts des fremden und in der höchsten Angst angesichts des eigenen Todes. Priester sollten sie in Requien, aber auch in Lebenskrisen, wie sie die Coronamaßnahmen bei so vielen von uns durch die unzähligen und langanhaltenden Verbote existentiellster Lebensvollzüge ausgelöst haben, durchaus wieder häufiger und eindringlicher zur Sprache bringen. Spees „Tugendbuch“ zeigt, wie tief auch in der christlichen Glaubenspraxis nicht nur das meditative Gebet (Rosenkranz, Allerheiligen- oder Lauretanische Litanei …) sondern auch eine Verbindung geistlicher Gehalte mit beispielsweise atemtherapeutischen Körperübungen verankert war.

Lassen Sie uns vernachlässigte oder gar verschüttete Gebetsformen wiederfinden und erhalten. Lassen Sie uns die Traditionen, die einst Europa formten und zusammenhielten, mit neuem Leben füllen und unsererseits weitergeben!

 

Cornelie Becker-Lamers

Fortsetzung folgt …

 

… morgen mit einem Liedtext aus der Populärkultur, der das Thema durch zusätzliche Aspekte noch unterfüttern wird und die Überschrift erklären wird. 😉

 

PuLa-Reloaded: “Die dunkelste und wagemutigste aller Grenzüberschreitungen”

Der folgende Text, ursprünglich veröffentlicht am 1. September 2011 (hier) wurde geschrieben, ganz in der Vorfreude auf den Papstbesuch wenige Tage später.
Inhaltlich gibt es, mehr als 10 Jahre später im Grunde nichts hinzuzufügen zu dem, was uns damals bereits ausgerechnet Slavoj Zizek, ein marxistisch inspirierter, postmoderner Philosoph bescheinigt hat: Lesen Sie es unten nochmal nach.

Eines hat sich allerdings seit damals dramatisch verändert. Der heutige Papst hat sich seit genau dem 16. Juli 2021 endlich auch offen dazu bekannt, daß er “traditionsverbundene Katholiken […] als eine zum Aussterben verurteilte Rand- und Resterscheinung” versteht, ja, daß er genau das herbeiführen will.

Das ist sehr traurig und wird seinem Andenken in der Geschichte der Päpste schweren Schaden zufügen, aber, und das ist viel wichtiger, er wird selbstverständlich Unrecht behalten. Beten wir für ihn, daß (um seinetwillen) rechtzeitig seine Augen geöffnet und sein Herz bewegt werden, gerade heute, an einem Tag, an dem wir auch seines großen heiligen Vorgängers Pius V. gedenken, der die Form der Messe kodifiziert hat, die sein Nachfolger leider nicht mehr in ihrem dauerhaften Wert zu erkennen vermag! 

Und bis dahin nehmen Sie doch das folgende auch als Ermutigung, den großen Chesterton wieder einmal zu lesen!

Enjoy: 🙂

“Die dunkelste und wagemutigste aller Grenzüberschreitungen”

„Der bekannte radikale Philosoph Slavoj Zizek weist seine Zuhörer regelmäßig darauf hin, daß es in unserem Zeitalter der ‚abgesegneten Grenzüberschreitungen‘ nichts gibt, das ganz so radikal ist wie das, was G.K. Chesterton die ‚aufregende Liebesgeschichte Orthodoxie‘ nannte. So wird in unserem trunkenen Zeitalter die Orthodoxie für Zizek (den kämpferischen Atheisten) wie für Chesterton (den traditionellen Katholiken) zur ‚dunkelsten und wagemutigsten aller Grenzüberschreitungen‘.“

So schrieb Ashley Woodiwiss schon 2005 in Christianity today (und es darf gerne jeder an meiner Übersetzung rummäkeln; wenn er denn bessere Vorschläge hat 🙂 , Originaltext unten)

Wer mit den Werken des großen Chesterton ein bißchen vertraut ist, weiß natürlich; „Orthodoxie“, das meint hier weder die orthodoxen Kirchen, noch im engeren Sinne die „rechte Lehre“, sondern das, was Chesterton selbst „den Glauben der Apostel“ (the creed of the apostles) nannte. Traditionelles christliches Denken und Handeln, Einstellungen und Lebensführung (was er, klar!, in der römischen Kirche und ihrer Lehre idealtypisch verwirklicht sah).

Für Woodiwiss war das der Aufhänger, um über die überaus interessante angelsächsische theologische Strömung der Radical Orthodoxy zu berichten (vgl. letzter Satz englisches Original); es lohnt sich sehr, den ganzen Artikel zu lesen!

PuLa hingegen möchte seine Leser bitten, sich das einen Moment auf der Zunge zergehen zu lassen: Da bescheinigt uns ein prominenter Vertreter der postmodernen Philosophie (über die man viel sagen kann, aber zeitgenössisch ist sie ganz gewiß) in ironischer Weise nichts weniger, als daß wir heute eigentlich die einzig Interessanten seien! Daß es eine mutige, nein, fast die mutigste Haltung ist, die man heutzutage einnehmen kann, z.B. die christliche Ehe zu verteidigen. Daß wir vor allem eines nicht sind: langweilig.

Langweilig sind nämlich die, die immer noch nicht verstanden haben, daß sich die Kämpfe wie die Versprechen der Moderne mittlerweile schlicht erledigt haben. Das (philosophische) Denken hat sich gewandelt und, siehe, nachdem der Staub sich verzogen hat ist das traditionelle Christentum noch da und sieht, gerade in den Augen etlicher Betrachter von außen, attraktiver aus, denn je.

Wer also immer noch in den Schützengräben der 60er Jahre steckengeblieben ist, egal auf welcher Seite: „Rauskommen!“ Da fällt schon lange der Schuß nicht mehr.

Und wer sich hat einreden lassen, als traditionsverbundener Christ und als Katholik ganz besonders sei man ja eigentlich eine zum Aussterben verurteilte Rand- und Resterscheinung: „Den Kopf hochnehmen!“ Dann sieht man besser. Unerwartete Verbündete, z.B.

Und mit Joseph Ratzinger/Benedikt XVI empfangen wir bald einen Papst, der intellektuell noch nie in diesen Gräben gestanden hat (weshalb ihn ja „Kritiker“, die ihm geistig nicht das Wasser reichen können, auch nicht einzuordnen vermögen, wie z.B. das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung). Hier in unserer „Diaspora“, wo manche am liebsten immer noch vor allem geistig in Ruhe gelassen werden wollen, dürfen wir ihn empfangen. „Aufwachen und mit-machen!“ Und mit-denken. Und zuversichtlich und treu nach Rom schauen.

Denn dann werden wir alle miteinander wie der Igel fröhlich sagen können: „Ich bin all hier!“

Und wenn jemand möchte, hier noch ein bißchen mehr Zizek (allerdings auch auf englisch).

Originaltext:

(As the popular radical philosopher Slavoj Zizek routinely points out to his audiences, in our age of ordained transgressions, there is nothing quite so radical as what G.K. Chesterton called the „thrilling romance of orthodoxy.“ Thus in our besotted age, orthodoxy becomes for Zizek (the fighting atheist) as for Chesterton (the traditionalist Catholic), „the most dark and daring of all transgressions. We ought not to be surprised then, that at the dawn of the 21st century a movement dubbed Radical Orthodoxy (RO) has emerged at the cutting-edge of theology and postmodern philosophy.“)

 

Gereon Lamers

PuLa-Reloaded: Die Generalprobe

Als der folgende Text am 13. Dezember 2015 ursprünglich erschien, hiergeschah dies im Rahmen der alljährlichen sonntäglichen Sketche im Advent unter dem Reihentitel: “Das Unterstanding”, die wir Ihnen allesamt nur ans Herz legen können. Gerade die Nr. 4/4, hier, erfreut auch außerhalb der Jahreszeit das Herz nicht zuletzt mit einer immer wieder unglaublich gekonnten und witzigen Musiknummer! 

Aber hier ging es um etwas ganz anderes, es ging, erstaunlicherweise, um – Computer! Oder eigentlich doch um etwas ganz anderes?

Lesen Sie selbst: 🙂

Die Generalprobe

Ein Sketchlet für vier Personen

Wundersdorf/ Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Emily und Teresa sind in ihren Zimmern, in der Endphase ihrer Vorbereitungen auf das Krippenspiel. Richard sitzt am Küchentisch, vor sich eine Tasse Tee. Er ist bester Wochenendlaune und möchte sie mit seiner Frau teilen. Die ist gerade damit beschäftigt, die Arbeitsplatten nach einer größeren Backaktion zu säubern.

Richard: Also, weißt du, die Frage nach dem richtigen Betriebssystem treibt mich schon um! Immerhin werden es bald Computer für vier Personen sein, auf die ich zu achten habe – was bedeutet: mehr als vier Geräte! Und jetzt, wo Windows 7 eben doch langsam in die Jahre kommt… Man muß sich Gedanken machen…

Edith (zerstreut): Mhm. (Sie schaut in den Backofen, ruft): Teresa, ich glaube, die Mince Pies können gleich raus. (Nach einem Blick auf die Eieruhr) Noch zweieinhalb Minuten. (Sie spült den Lappen aus.)

Teresa (aus ihrem Zimmer): Wo ist meine schwarze Leggins, Mama? (Sie kommt in die Küche gelaufen, alarmiert): Ist etwa meine schwarze Leggins in der Wäsche?

Edith (überlegt kurz): Nein, Teresa, dunkle 30 Grad ist durch – die Leggins müßte in deiner Schublade sein – schau doch nochmal genau nach. (Sie schiebt Teresa aus der Tür, holt zwei leere SIGG-Flaschen aus der Speisekammer und beginnt die erste mit Leitungswasser zu füllen.)

Richard: Ja, wie gesagt, die Situation entbehrt ja nicht der Ironie: Mit Windows 10 war ja jedem Kundigen klar: „Windows as a Service“ heißt nichts anderes als Umstieg auf ein Rolling Release-Modell! Gleichzeitig nennen sie die neueste Version doch tatsächlich 1511, verstehst Du „November 2015“ du weißt, woher wir das kennen, oder?

Teresa (kommt zurück): Die Leggins ist da nicht!

(Edith dreht den Wasserhahn zu, stellt die Trinkflasche ab und geht mit Teresa in ihr Zimmer. Von draußen): Hier! Das ist sie doch. (Sie kommt in die Küche zurück und macht mit den Trinkflaschen weiter.)

Richard: Naja, oder du weißt es auch nicht, jedenfalls klingt das völlig wie das Schema von Ubuntu, das aber, als Debian-Abkömmling, mit seinem gemächlichen Zyklus eben genau keine Rolling-Release-Distro ist. Das ist doch wirklich ulkig, denn natürlich stellt sich „die Linux-Frage“ gerade wenn man bedenkt: Es werden immer mehr Geräte. (Er schaut kurz aus dem Fenster.) Ok, im Moment gibt es bis nächsten Sommer (mit einem Trick vielleicht auch noch länger!) die Möglichkeit des kostenlosen Umstiegs auf Windows 10, aber im Prinzip kostet es ganz schön und irgendwann will Microsoft natürlich Geld verdienen, is ja klar, und da haben wir von Office im Abo noch gar nicht gesprochen, verstehst du?

(Bevor Edith antworten kann, klingelt die Eieruhr.)

Edith: Teresa! Deine Mince Pies!

Teresa: Kannst du mal gerade? Ich muß mich noch fertig anziehen.

Edith: Ok! (Sie stellt die fertigen Flaschen zurecht und beginnt, die Küchlein aus dem Ofen auf einen Kuchenrost zu bugsieren.)

Richard: Was ich sagen wollte: Es gibt natürlich noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte: Immer noch kostet für Windows ja der Virenscanner extra, jedes Jahr. (Er seufzt und trinkt einen Schluck Tee) Jedes Jahr neu, für x Geräte! Da ist eben die Welt bei Linux noch weitergehend in Ordnung! Aber wenn man dort nach einer Rolling Release Distro sucht, landet man halt automatisch bei Arch und seinen Derivaten…

Emily (kommt in die Küche gestürmt): Mama, der Tacker ist leer.

Edith (mit den Küchlein zugange): Linke Schreibtischschublade, hinten rechts.

Richard: … ich meine, Arch ist cool, end-cool! Aber wie stabil ist es wirklich in einer Produktionsumgebung? Du reißt mir doch den Kopf ab, wenn du auf einmal nichts mehr schreiben kannst, weil das Update auf neue Pakete das System lahmlegt, vom Umstieg auf eine neue Kernel-Variante ganz zu schweigen… Ob ich das dann immer schnell genug gepatcht kriege?

Emily (mit zwei verschiedenen Schachteln in der Hand): Welche Größe?

Edith (blickt von ihren Mince Pies auf): Wozu brauchst du’s denn?

Emily (hibbelig): Ich muß die Königskrone noch fertigmachen.

Edith: Ach so! Für den großen Tacker? Die rechte Schachtel.

(Emily hält fragend die richtige Schachtel in die Höhe und stürmt wieder hinaus.)

Edith (für sich): Mit der Krone hätte sie ja auch mal einen Tag eher anfangen können!

Richard: Und dann, nicht zu vergessen, die Frage der Cloud-Integration! Ich meine, ohne geht ja nun mal gar nicht mehr, vor allem für die jungen Leute. Funktioniert onedrive-d auf, sagen wir, Manjaro? Oder Antergos? (Er macht eine Kunstpause.) Klar, es gibt auch andere Cloud-Angebote mit nativen Linux-Clients, aber was Microsoft da auf die Beine gestellt hat ist eben schon verdammt ausgefeilt; allein die Suchfunktion, das geht ja sowas von besser im Browser als mit dem doofen ollen Explorer! Und dann die Web-Apps … Andererseits, wann braucht man die wirklich? Letztlich formuliert man ja doch im lokalen Textverarbeitungsprogramm, so voll ohne Latenz, wenn die Gedanken „etwas schneller“ fließen, hihi …!

Teresa (kommt mit einem Hirtenkostüm in die Küche und stellt sich rückwärts vor ihrer Mutter auf): Kannst du mir mal grade den Reißverschluß zu machen?

Edith: Moment! (Sie läßt das letzte Küchlein auf den Rost gleiten und wendet sich dann Teresa zu.)

Richard: O, Mensch, Teresa, du bist ein toller Hirte, viel Erfolg, das wird gut!

Emily (kommt mit ihrer Königskrone auf dem Kopf in die Küche): Geht das so?

Edith (rückt die Krone ein bißchen zurecht): Ja! Sieht gut aus.

Emily (ruft): Teresa, beeil dich, wir müssen los.

Teresa (von draußen): Soll ich die Stiefel anziehen, Mama?

Edith: Ja, klar – die Kirche ist kalt.

Teresa (kommt auf einem Stiefel in die Küche gehüpft. Während sie den andern anzieht): Kann du das machen mit dem Puderzucker?

Edith: Über die Mince Pies? (Sie lächelt) Ja, kann ich.

Teresa: Danke! (Sie gibt ihrer Mutter einen Kuß.)

Emily (Gibt der Mutter auch einen Kuß; dann, zu Teresa): Los! (Mit einem Blick auf die Uhr) Es ist schon fünfundzwanzig! (Sie stürmen hinaus.)

Teresa (sich entfernend): Ich hasse es, zu spät zu kommen.

Edith: Halt! Eure Trinkflaschen! (Die Kinder kommen zurück, um die Flaschen zu holen.) Fahrt trotzdem vorsichtig! (Sie blickt ihre Kinder eindringlich an.)

Emily und Teresa: Machen wir! Tschüß Papa!

Richard (ruft den beiden hinterher): Tschü-üß! Viel Erfolg!

Emily und Teresa (von weitem): Danke! (Man hört die Haustür ins Schloß fallen.)

(Edith fällt auf einen Küchenstuhl und schaut Richard lächelnd an.)

Richard (kommt zum Thema zurück): Ja, oder man macht den ganz großen Sprung und schafft sich einen eigenen Server an, auf dem OwnCloud läuft, reicht ja ein raspi. Aber dann, dann heißt es Server einrichten, via SSH und Ports öffnen oder schließen, ich meine, mit dem Verfrachten eines raspbian-Images auf die Micro-SD ist es ja nicht getan…

Edith (schlägt sich an die Stirn): Apropos verfrachten! Das Paket an Deine Eltern muß ja auch noch los.

Richard (irritiert): Sag mal – hörst du mir überhaupt zu?

 

Cornelie Becker-Lamers/ Gereon Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß es hier in Weimar gar nicht solche Computer-Freaks gibt… 😉

 

PS (2021): Ganz recht, solche Nerds gibt es in Weimar gar nicht, 😉 aber wie Richard mich hat wissen lassen, haben sich seine Überlegungen im Grunde alle bewährt. Er ist aber jetzt doch weiter, gibt sich mit Arch-Derivaten gar nicht mehr ab und hat stattdessen die ein oder andere Vanilla-Arch-Installation seit Jahren problemlos am Laufen, Respekt, Richard!
Nur die Cloud-Integration ist noch nicht ganz da, wo sie sein soll, aber das ist ein Thema für ein andermal/einen anderen Sketch? 

PPS: Von Windows 10, bzw. 11!!, wollen wir lieber gar nicht erst anfangen!

Gereon Lamers 

Elischeba

Heute ist der Gedenktag von Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers

Erinnern Sie sich? Vor zwei knapp Jahren, am 3. Oktober 2019, begingen die Weimarer Elisabethschwestern den hundertsten Jahrestag ihrer Ankunft in Weimar. Es gab ein Pontifikalamt, einen Festakt und ein Mittagessen und die Cäcilini waren zur musikalischen Umrahmung des Festaktes eingeteilt. Das stand lange nicht fest, weswegen der Schaffensprozeß der passenden Musikstücke einige Umwege machte und die Probenzeit knapp war. Aber natürlich haben die Cäcilini alles geschafft! 🙂 Ich habe das hier damals beschrieben.

Es entstand zuguterletzt zur großen Freude der versammelten Elisabethschwestern aus nah und fern bekanntlich der Liedzyklus „Dreimal Elisabeth. Dreimal Nähe zu Gott“, dessen erstes Lied den Glauben Elisabeths, der Mutter Johannes des Täufers einzufangen versucht. Das zweite geht um Elisabeth, die Thüringer Landgräfin aus dem Hochmittelalter. Und das dritte natürlich über die Motivation der Grauen Schwestern zu ihrem Dienst.

Und damit man die Lieder unterscheiden kann, trägt das erste den hebräischen Namen seiner Heldin, also Elischeba – zu deutsch „Gott ist Fülle“ –, das zweite die ungarische Form des Namens, Erzsébet, und das dritte den Titel Elisabeth! mit Ausrufezeichen. „Erzsébet“ ist schon länger online und Sie können es hier

hören. „Elischeba“ habe ich heute aus Anlaß des Gedenktages für YouTube zurecht gemacht. Hier ist das neue Lied des Cäcilini-Kanals.

 Enjoy 🙂

 

Cornelie Becker-Lamers

PuLa-Reloaded: Da Capo Allioli

Jaja, das heutige PuLa-reloaded kommt einen Tag zu spät, ich geb’s ja zu. Aber als wir gestern nach hause kamen – da war’s eben schon heute 😉 und wir hatten genug über katholischen Content gesprochen, in der “Weimarer Katholischen Stammkneipe”, darauf können Sie sich verlassen (wenn auch nicht unbedingt erfreulichen…).

Dafür paßt das Stückchen besonders gut, denn wie das Reload von letzter Woche vom Beginn der Adventszeit 2014 stammt, so wurde dieses ursprünglich zu deren Abschluß veröffentlicht, hier.

Bevor wir Ihnen aber viel Spaß wünschen: An der damaligen Empfehlung, sich unbedingt eine Allioli-Bibel anzuschaffen hat sich nichts geändert! Ja. die Überarbeitung der “Einheitsübersetzung”, die inzwischen erschien, hat die Dringlichkeit dieses Rats eher noch, na, sagen wir, ‘akzentuiert’?!
Aber jetzt,

Enjoy: 🙂

Da Capo Allioli

Seit dem 1. Dezember hat uns hier auf PuLa die Übersetzung der Heiligen Schrift von Joseph Franz Allioli durch den Advent begleitet.

Allioli 1851, Frontispiz (eigenes Bild)

Allioli 1851, Frontispiz (eigenes Bild)

Wir haben gemeinsam verfolgen können, wie dieser gelehrte geistliche Herr vor rund 180 Jahren ein ums andere Mal glückliche Formulierungen gefunden hat und wie das Original aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine mittlerweile ungefähr vier späteren „Bearbeitungen“ regelmäßig „in die Tasche steckt“! Hier auf PuLa werden wir künftig gewiß öfter auf diese große Leistung zurückgreifen!

Allioli 1851, Approbation, S. 1 (eigenes Bild)

Allioli 1851, Approbation, S. 1 (eigenes Bild)

Die nachgerade kaum zu überschätzende Bedeutung, die sein Werk, die von ihm gefundene Sprache dieser ersten päpstlich approbierten Bibel in deutscher Sprache für viele Generationen deutscher Katholiken hatte, steht im krassen Mißverhältnis zu seinem heutigen Bekanntheitsgrad, auch, was das Bildliche angeht.

J. Fr. Allioli (Bild: Wikimedia)

J. Fr. Allioli (Bild: Wikimedia)

Jedoch, dieser Name hat etwas Inspirierendes, gerade, was  das Bildliche angeht;

Voila, Spaghetti Allioli:

"Spaghetti Allioli" (eigenes Bild)

„Spaghetti Allioli“ (eigenes Bild)

Und in Wundersdorf haben unsere Freunde den Adventskalender wohl auch verfolgt, wenn man hier so schaut. 🙂

Mit diesem mittlerweile schon traditionellen „Bildnis des Bloggers mit eigentümlicher Kopfbedeckung“ (vgl. hier, hier und hier) verabschiedet sich PuLa, wenn nicht noch etwas ganz außergewöhnliches passiert, für dieses Jahr von seinen Lesern und wünscht einen guten, gesunden und fröhlichen Jahreswechsel!

PS: Sollte jemand rufen: „Er war schon mal besser rasiert!“, so antworte ich: Schauen Sie sich mal echte italienische Köche an! 😉

Gereon Lamers

PuLa-Reloaded: Die Schafe Egalias

Ok, ok noch ist es nicht soweit, aber die wichtige Grenze von 100 Tagen bis Heiligabend ist, Moment, … genau heute! 😉

Daher fühlen wir uns mehr als berechtigt dazu, ein Adventsskechtlet zu bringen, ursprünglich veröffentlicht am 30. November 2014, hier.

Enjoy! 🙂

Sketchlet zum Advent No 1: Die Schafe Egalias

Auf der uns wohlbekannten Schafweide bei Wundersdorf im Oderbruch herrscht reges Treiben. Einige Schafe fertigen festlichen Weideschmuck aus Heu und getrockneten Blumen, andere schmücken schon die Bäume damit, wieder andere trainieren die Standardsituationen eines Krippenspiels, da sie erst zur Generalprobe in die Kirche geholt werden sollen. Eine kleine Gruppe um Kohle ist in eine heftige und emotionale Diskussion verwickelt.

Um was geht’s?

Die Schafe Egalias

Ein Sketchlet für sechs Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Kohle: Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!

Wolle (kommt neugierig aus der Krippenspielgruppe herangetrabt): Um was geht’s?

Flocke: Kohle hat beim Twittern von der Diskussion um die Frauenquote in den Vorständen gelesen. Und jetzt regt er sich total auf.

Grauchen: Da sieht man’s wieder: Man sollte die Böcke gar nicht twittern lassen!

Wolle (muß nochmal nachfragen): Ja, aber – die Frauen, die wir so kennen, betrifft das doch gar nicht – Edith, Hanna, Silke …

Flocke (unterbricht sie): Es geht ihm ja auch nicht um die Frauen, sondern um sich.

Wolle: Mä?

Kohle (laut): Begreift ihr denn gar nicht? „Rechts werden die Schafe und links die Böcke stehen“, heißt es bei Matthäus [Mt 25, 31-46; hier: 33f. 41]. Und dann sagt der Richter zu denen an seiner rechten Seite: „Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt das Reich Gottes in Besitz, das er seit Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält!“ Und die auf der linken Seite sind verflucht! (Verzweiflung steht ihm ins Gesicht geschrieben.)

Grauchen: Aber Kohle! Das ist doch metaphorisch gemeint! „Die Schafe und die Böcke“. Das sind doch einfach nur die Guten und die Bösen.

Kohle: Ah ja? Metaphorisch? Und warum sind die Böcke dann die Metapher für das Böse, hm? Neineinein! Es paßt genau zum ganzen Tenor dieser Texte. Denk doch mal nach! Wenn ein Lamm geopfert werden muß, zum Pessachfest oder so, wer ist es, hm? Natürlich wieder ein männliches! (Er macht eine Kunstpause.) Dadurch sind wir überall in den Herden unterrepräsentiert!

Wolle (charmant): Aber, aber! Geht es dir denn so schlecht bei uns? So als Bock im Korb? (Sie blinzelt ihm zu.)

Kohle (ärgerlich): Nein! Mir jetzt konkret natürlich nicht! Aber es geht ums Prinzip! Verstehst du das denn nicht?!

Blütenweiß (sanft): Aber Kohle! Du siehst das völlig falsch! Daß immer nach einem männlichen Lamm gesucht wird zum Opfern – das ist doch eine Ehre!

Kohle (platzt): Eine Ehre? Wir werden umgebracht! Reihenweise umgebracht! (erhobenen Hauptes) Ich fordere eine Quotierung bei den Sündenböcken!

Die Schafe brechen in schallendes Gelächter aus.

Flocke (kriegt sich als erste wieder ein): Entschuldige, lieber Kohle, aber jetzt ist es wirklich gut. Es heißt Sündenbock. Da hört man doch schon am Wort, daß es ein männliches Tier sein muß!

Kohle (verzweifelt): Das ist es ja! Bis in die Sprache hinein ist die Bibel böckefeindlich! Was sage ich – die Bibel! Unsere ganze Gesellschaft!

Grauchen: Aber Kohle! Jetzt bist du es, der ungerecht ist. Denk doch mal an den Ausdruck „Ich hab keinen Bock“. Damit wollen Jugendliche zum Ausdruck bringen, daß sie keine Lust haben. Also ist da „Bock“ doch ein positives Wort. Bock = Lust! Das ist doch toll!

Kohle (mit tränenerstickter Stimme): Toll? Wir werden auf unsere Sexualität reduziert! Als hätten wir nichts in der Birne! Es ist zum Heulen!

Hilflos und betroffen stehen die Schafe um Kohle herum. Sie beginnen langsam zu verstehen, daß es ihm wirklich schlecht geht und überlegen nun fieberhaft, wie sie ihm helfen können.

Wolle (aufmunternd): Da freu dich doch, daß es in unserer Herde immer Krutzi ist, die sich zum Opferlamm stilisiert.

Die Schafe lachen und sehen zu Krutzi hin, die den ganzen Morgen schon mit gerecktem Kopf am Wiesenrain steht und nach dem Hirten Ausschau hält.

Blütenweiß: Ja! Weil Krutzi halt lieber ein Bock wäre!

Flocke (blickt liebevoll zu Fixi und Huf hinüber, die am Bach herumtollen): Völlig unverständlich!

Wolle: Aber es gibt so Schafe, die haben einfach nichts begriffen …

Grauchen (seufzt; dann, resolut): Okay! Aber um Krutzis Probleme geht’s jetzt nicht. Kohle geht es schlecht!

Flocke: Am besten, wir kreisen ihn ein und wärmen ihn ein bißchen.

Blütenweiß (mitfühlend): Ich glaube auch: Mehr können wir jetzt nicht für ihn tun …

Die Schafe kreisen den unglücklichen Kohle ein, wärmen ihn und versuchen ihm Mut zuzusprechen.

Die Schafe (leise, durcheinander): Kooooohliiiiiii! – Wir wissen alle ganz genau, wie tatkräftig du bist … – … und was du alles für die Herde tust! – Denkt mal, damals, auf dem Pritschenwagen …  – Erinnere mich nicht an den Pritschenwagen!

 

ENDE

 

Ach ja, die Schafe! Wie sich doch so manches unserer Probleme in ihrer Herde widerspiegelt! Manches direkt und manches eben auch spiegelverkehrt. Wir blenden uns an dieser Stelle aus der Szene aus und erwarten gespannt, wie es mit Kohles Initiative um eine gerechtere Welt weitergehen wird …

Und für alle, die sich über den Titel dieses Sketchlets wundern, hier die Auflösung: „Die Schafe Egalias“ bezieht sich auf einen zu Recht berühmten feministischen Roman, der in der Bundesrepublik der 80er Jahre maßgeblich zur – sagen wir: – emotionalen Durchdringung der sogenannten „Frauenfrage“ beigetragen hat (hier).

Cornelie Becker-Lamers

(Noch kein) PuLa unterwegs: Glauchau

Mariä Geburt führte uns zu einem lang geplanten Ausflug nach Glauchau (das ist in Südwest-Sachsen, für unsere westlichen Leser) im Tal der Zwickauer Mulde.

Ökologisch völlig korrekt per Bahn angereist, war es ein ganz wunderbarer Ausflug bei ebensolchem Wetter. Acht Stunden haben wir die Stadt zu Fuß erkundet und und uns gewiß nicht eine Minute gelangweilt! Verblüffend fanden wir daher die Einlassungen eines städtischen Bediensteten im Schloß- und Stadt-Museum, der die Stadt für gar nicht interessant erklärte – aber wie sich herausstellte, war das auch kein Glauchauer… 😉 .
Stichwort Glauchauer: wir fanden die Menschen, die wir dort getroffen haben, durch die Bank außerordentlich freundlich und zugewandt! Manchem westlichen Schreiberling, der Sachsen (wie den ganzen “Osten”) pauschal abwertet, würde man dieses Erlebnis gönnen!

Jedoch: Interessante Topographie hin, freundliche Bewohner her, reiche Zeugnisse der Industriearchitektur hin, großes Villenviertel her, erfahrene Leser wissen: Wir können gar nicht unterwegs sein in der Mitteldeutschen Diaspora, ohne nach dem Katholischen Leben vor Ort zu fragen, in Geschichte und Gegenwart! Daraus entstehen dann die Beiträge mit dem Label “PuLa unterwegs” und wir schmeicheln uns, schon so einiges gefunden zu haben, was nicht so ohne weiteres zu erwarten gewesen wäre! 

In Glauchau fanden wir u.a. das hier:

Relief im Innenhof von Schloß Forderglauchau (eigenes Bild)

Schön, nicht? Es handelt sich  (so die darunter angebrachte Tafel) um die Kopie einer Arbeit des Florentiner Renaissance-Künstlers Andrea della Robbia (1435-1525), ein Hochrelief aus Ton mit farbiger Glasur, ,,Maria, das Jesuskind anbetend“.

Nur, wie kommt denn ein so offenkundig “katholisches” Motiv an den Südflügel des Innenhofs von Schloß Forderglauchau (doch, das heißt wirklich so!), wurde doch auch in jener Gegend unseligerweise ab der Mitte des 16. Jahrhunderts die “Reformation eingeführt” und zwar, wie regelmäßig, ganz wesentlich von dem örtlichen Adelsgeschlecht, den dort seit dem 12. Jahrhundert ansässigen Schönburgern

Schloß Forderglauchau, Innenhof, Blick nach Osten (eigenes Bild)

 

Die Antwort ist im einzelnen richtig kompliziert aber grob gesagt ist es so, daß sich, wie bei diesen alten Geschlechtern nicht unüblich, zwei Linien des Hauses herausbildeten, die wiederum in verschiedene Äste mal zerfielen, mal sich wieder vereinten.

Bei den Schönburgern war es auch so und in beiden großen Linien kam es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu Konversionen! Bereits 1822, also in der typischen, romantischen Zeit für derartige Entscheidungen, in der Fürstlichen Linie, dem Ast Schönburg-Hartenstein.

Der Forderglauchauer Zweig der Gräflichen Linie Schönburg-Glauchau aber konvertierte (“erst”)  im Jahr 1869 zum Katholischen  Glauben und richtete sich natürlich im Stammschloß eine Kapelle ein! Und über dem Zugang zu ihr hängt das Relief! 

Schloß Forderglauchau, Südseite mit Kapelle (eigenes Bild)

Und in die Kapelle kamen wir gestern nicht mehr herein, weil – das Museum schloß…

Ohne Bilder aus dem Innenraum kann aber natürlich kein vollwertiges ‘PuLa Unterwegs’ entstehen, womit die eigentümliche Überschrift des heutigen Beitrags schon erklärt wäre, jedoch, es gibt dafür noch mehr Gründe!

Erstens war auch die heutige Pfarrkirche “Mariä Himmelfahrt” ärgerlicherweise verschlossen, ein stattlicher Bau, vermutlich von Anfang der 60er Jahre, gar nicht einmal soo weit vom Stadtzentrum entfernt, und ohne (Innenraum-) Bilder von ihr geht es natürlich auch nicht ab.

Zweitens aber knüpfen sich an die Konversion der “Forderglauchauer” so viel interessante Geschichten, daß wir sie erst ansatzweise übersehen, Geschichten zumal, die auch über Glauchau hinausführen!

Also, das wird noch ein bißchen brauchen, bis wir Ihnen ein “rundes” ‘PuLa Unterwegs’ präsentieren können, bis dahin aber können wir nur wiederholenWie reich und tief die Welt dem wird, der mit dem katholischen Blick auf sie schaut, das haben wir schon anhand dieses (bewußt!) wenig vorbereiteten Besuchs erneut erfahren dürfen und sind darob sehr froh und dankbar! Einen Besuch in Glauchau aber können wir aus vollem Herzen empfehlen!

 

Gereon Lamers 

 

PuLa-Reloaded: Das Gotteslob und andere „Knüller“

Da es sich so ausgezeichnet in unsere jüngste Beschäftigung mit dem gesamten Themenfeld der “Modernen Kunst”, sei sie bildender oder musikalischer Natur, fügt, habe ich mich entschlossen, nun auch noch den dritten größeren Beitrag zur Frage, wie kamen die “‘Strichmännchen’ ins Gotteslob und was bedeutet das?” erneut zu bringen.
Er erschien ursprünglich im August 2014 (hier) und neben der praktischen Relevanz, die ja offenkundig nicht nachgelassen hat, denn wir müssen die Publikation ja ständig benutzen!, scheint mir, ist auch der Blick auf das Gebaren mancher deutscher Bischöfe, nach sieben Jahren nicht weniger aufschlußreich. Hier haben wir ein Beispiel dafür wie sie handeln – wenn sie nicht gerade vom “Mündigen Gottesvolk” oder dem “Dialog auf Augenhöhe” bloß reden!

In meinen Augen bietet die Haltung, die hier exemplarisch zum Ausdruck kommt, keinerlei Gewähr, daß es, wenn es eines nicht mehr allzu fernen Tages um die “Umsetzung” der “Beschlüsse” des sog. “Synodalen Wegs” geht, nicht ähnlich zugeht, obwohl dieser bekanntlich mangels irgendeiner kirchenrechtlichen Natur überhaupt nichts “beschließen” kann! Doch gibt es ja, GOtt sei  Dank!, auch einige wenige Bischöfe, die diesen Irrweg immer deutlicher nicht mehr mitzugehen bereit sind (die ++ Voderholzer und Oster, allen voran), und an deren Verhalten und Äußerungen man sich wird orientieren können – und müssen.

Lesen Sie daher auch zur Mahnung heute:

Das Gotteslob und andere „Knüller“

In der Main-Post, der Tageszeitung aus und für Unterfranken (mit gut 122.000 verkauften Exemplaren immerhin dreimal so groß wie „unsere TLZ“), genauer vermutlich in der letzten Samstagsausgabe fand sich ein Interview mit dem Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann anläßlich seines 10jährigen Dienstjubiläums als Bischof von Würzburg, das es dankenswerterweise mittlerweile auch in die Online-Ausgabe geschafft hat (hier), nachdem Auszüge schon über die Katholische Nachrichtenagentur kna „gelaufen“ und in verschiedenen katholische Nachrichtenportalen verbreitet worden waren (vgl. z.B. hier).

Der dort wiedergegebene Teil  des Gesprächsinhalts ist es auch, von dem her Bischof Dr. Hofmann treuen Lesern dieses Blogs vertraut ist: Das neue Gotteslob und sein Anteil daran.

Sie erinnern sich, unser Ergebnis in der Auseinandersetzung mit dem neuen Gotteslob war, daß der persönliche Anteil von Bischof Dr. Hofmann an dem extrem intransparenten Prozeß, der zur Aufnahme graphischer Element ins Gotteslob geführt hat, sehr hoch war (hier).

In einem zweiten Schritt hatten wir die Qualität der künstlerischen Hervorbringungen angeschaut, uns aber vor allem gefragt, was es grundsätzlich heißt, „Moderne Kunst“ in den gottesdienstlichen Raum zu tragen und waren dabei zu dem Schluß gekommen, man hätte es besser bleiben lassen (hier). Schließlich hatten wir die im zweiten Beitrag schon begonnenen Strategien zur Verteidigung gegen diese ästhetische und inhaltlich-liturgische Zumutung erneut ins Auge gefaßt (hier).

Ganz klar also, daß PuLa genau hinschaut, wenn sich die Chance eröffnet, zu den Fragen, die wir uns hier gestellt haben, vielleicht neue Erkenntnisse zu gewinnen!

Die entscheidende Passage (zu der unmittelbar davor kommen wir noch!) ist diese:

„Bischof Hofmann: Wissen Sie, was ein Bestseller ist? Das neue Gotteslob! Wir haben schon fünf Millionen Exemplare verkauft. Das ist doch super, in noch nicht einem Jahr. Das freut mich sehr, daß die Leute das so annehmen. Da habe ich zwölf Jahre meines Lebens reingesteckt. Ich bin auch dankbar für die vielen positiven Zuschriften. Das hat mich schon viel Überzeugungsarbeit in der Bischofskonferenz gekostet, daß wir da die moderne Kunst so intensiv unterbringen konnten.“

„Bestseller“? Das finde ich ja nun doch, äh, sagen wir „gewagt“. Wer ein Produkt lanciert, das für die Ausübung einer der „Kundschaft“ sehr existentiell wichtigen Aktivität praktisch unverzichtbar ist, zu dem es keine Alternative und in Bezug auf das es nicht einmal eine relevante Auswahlmöglichkeit gibt, der macht es sich, finde ich, ein wenig sehr leicht, sich über die vermeintliche Annahme durch „die Leute“, abgelesen an der Anzahl der verkauften Exemplare, allzusehr zu freuen.

Was hätte denn bitte derjenige tun sollen, der sich nicht (min.) jeden Sonn- und Feiertag auf die Leihexemplare der Pfarrei verlassen will, wenn nicht ein Exemplar kaufen?

Hätte es eine (am Ende etwas preiswertere) Ausgabe ohne Illustrationen gegeben (in deren Kalkulation ja der in der Höhe ‚natürlich‘ nicht bekannte Lohn der Künstlerin entfallen wäre), dann gäbe es eine reale Möglichkeit die Annahme genau dessen, worauf Bischof Hofmann hier so stolz ist, zu überprüfen, so aber nicht! (Und wenn es diese Ausgabe je geben wird: Ich kaufe auch noch ein Exemplar, mindestens; tut sich da eine Marktlücke auf?)

Aber wir lernen aus diesem Abschnitt noch viel mehr. Wie schon verschiedentlich vermutet, identifiziert sich Bischof Hofmann stark mit dem Werk (zwölf Jahre“) und er ist offenkundig sehr zufrieden damit, mit seinem (hohen) Anteil daran („mich viel Überzeugungsarbeit gekostet“).

Nun, was ich davon halte, daß im neuen Gotteslob „die moderne Kunst so intensiv“ „untergebracht“ werden konnte, das habe ich ja hoffentlich hinreichend deutlich gemacht (vgl. die Links oben).

Aber sehen Sie, was aus diesen Formulierungen spricht? Ein klare „Agenda“, ein Plan. Bischof Dr. Hofmann bestätigt mit diesen wenigen Worten genau, das, was wir schon vermutet hatte: Er wollte „die“ [der Artikel ist wichtig!] moderne Kunst“ „da“ „unterbringen“. Und dazu bedurfte es einiger „Überzeugungsarbeit“. D.h., ihm war klar, daß es Widerstände geben würde, aber er war für „die moderne Kunst“ bereit, sie zu überwinden, über zwölf Jahre. Und man muß ja ganz sine ira et studio feststellen: Das ist ihm auch gelungen.

Ich finde es allerdings ein Armutszeugnis sondergleichen, daß es über einen so langen Zeitraum nicht gelungen ist, diesem Vorhaben etwas entgegenzusetzen. Daß offenbar niemand ernsthaft versucht hat diese, selbst nach den ohnehin mehr als fragwürdigen Maßstäben „moderner Kunst“ bestenfalls mittelmäßigen und austauschbaren Strichzeichnungen, die jetzt unser aller „Handwerkszeug“ beim Kirchbesuch verunzieren, zu verhindern.

Wurde wirklich keine Alternative (z.B. der schlichte Verzicht auf Illustrationen) ernsthaft erwogen?

Hat sich vor allem niemand für ein geordnetes und nachvollziehbares Verfahren wie einen Wettbewerb stark gemacht, das, vielleicht, in der Lage gewesen wäre, eine gewisse objektivierte Qualitätssicherung herbeizuführen? (In dem anderen Bereich, wo es darum geht, mit dem Geld anderer Leute umzugehen, dem staatlichen, den ich von innen kenne, wäre so etwas völlig undenkbar gewesen!)

Muß man wirklich annehmen, daß eine hochmögende Versammlung intelligenter Personen wie sie die Deutsche Bischofskonferenz darstellt, dafür zu gleichgültig oder zu träge war?

Daß niemand in der Lage war, zu sehen, daß hier Grundsätzliches und zugleich sehr Praktisches auf dem Spiel stand?

Ich erspare mir an dieser Stelle den Versuch einer Antwort.

Und zwar Grundsätzliches, weil wir es jetzt aus dem Munde des Verantwortlichen selbst haben, daß es um „die“ moderne Kunst und nicht um „ein bißchen“ moderne Kunst ging. Genau was ich geschrieben habe: Es geht hier um nichts weniger als die Frage nach dem gesamten Diskurs, einschließlich aller weltanschaulichen Untiefen, mit der wir es zu tun haben.

Und Praktisches, weil sich nach einigen Monaten des Gebrauchs herausgestellt hat, was ich ebenfalls schon als Befürchtung geäußert hatte: Die Strichzeichnungen sind im Buch genau so plaziert, daß man sie überproportional häufig aufblättert, beim Vollzug der Hl. Messe.

Allerdings hat sich auch gezeigt, daß die Methode des präventiven Abdeckens mit Andachtsbildchen funktioniert: Nie waren sie so wertvoll wie heute!

Und „viele positive Zuschriften“ soll es dazu geben. Nun, meine Erfahrungen sind andere, ich kenne von zwölf bis über achtzig viele Menschen, die das ganz, ganz anders sehen und sich fragen, was das soll; vor allem der Verzicht aufs Kreuz!

Edit, 20.August: Wofür auch Art und Anzahl der Kommentare auf diesen Beitrag sprechen, den ich noch nicht mal getwittert hatte (sorry!), s. unten.

Aber ich habe ja gesagt, wir kommen auch auf den Abschnitt vor den Einlassungen zum Neuen Gotteslob zurück:

[Auf die Frage nach Kontakt zu Papst Benedikt XVI.]

„Er wollte ja mit mir ein Buch schreiben, eine Theologie der Kunst. Da sollte ich die Kapitel über die Kunst abdecken und er wollte den theologischen Teil schreiben. Ein Jahr später wurde er Papst und dann ging das nicht mehr. […] Eine Theologie der Kunst wäre ein wichtiges Projekt gewesen, die brauchen wir unbedingt.

[…] Aber das Buch wäre ein Knüller geworden. Wir haben für alles entsprechende Vorlagen, aber für die Kunst nicht.“

Wenn mir mal jemand gesagt hätte, ich würde dankbar dafür sein, daß ein Buch unter Beteiligung von Joseph Ratzinger nicht zustandegekommen ist…

Dabei ist es ja zunächst völlig richtig, daß eine aktuelle und hochrangige „Theologie der Kunst“ ebenso wichtig und wünschenswert wäre, wie „entsprechende Vorlagen“, worunter man ja vermutlich Anleitungen zur praktischen Anwendung des im „theoretischen Teil“ Erarbeiteten in der Kirchenpraxis zu verstehen hätte.

Nun, ich will nicht so weit gehen, zu vermuten, Joseph Ratzinger wäre insoweit dankbar für seine Wahl zum Pontifex gewesen, um da wieder rauszukommen, aber schon nach dem wenigen, was ich aus seiner Feder zum Thema des Zusammenhangs von Kunst und Glauben, Kunst und Liturgie gelesen habe, bin ich tatsächlich ganz sicher, daß die Zusammenarbeit spätestens an der Frage der Einschätzung der Bedeutung „moderner“ Kunst, na, „schwierig“ geworden wäre, und daß der Papa emeritus für eine derart naive (hoffentlich bloß „naive“!) Aktion, wie sie die Lancierung der Zeichnungen von Frau Bartholomé darstellt, niemals die Hand geliehen hätte.

Allein die Vorstellung der Möglichkeit einer feinsäuberlichen Aufteilung in einen „theologischen“ und einen „künstlerischen“ Teil hat, wenn man z.B. auch einmal nur gelesen hat, wie J. Ratzinger über Ikonen spricht, etwas unfreiwillig Erheiterndes an sich. Vor meinem geistigen Auge sehe ich förmlich den großen Gelehrten schmunzeln, wie nur er es kann…

Tatsächlich aber glaube ich, von den Problemen einer möglichen Kooperation Ratzinger-Hofmann einmal völlig abgesehen, daß es für den Versuch einer synthetischen Darstellung des aktuellen Verhältnisses von Glaube und Kunst im Augenblick nicht die Zeit ist. So wenig weiß „die Kunst“ im Moment eigentlich über sich Auskunft zu geben und zu sehr hat der organsierte Glaube scheinbar gerade „vergessen“, was von ihm aus zwangsläufig zu sagen wäre, philosophisch und anthropologisch. Wer keine Kriterien hat, das „Neue HB-Männchen“ auf dem Gotteslob zu verhindern, nein, um gar nicht erst auf einen solchen Gedanken zu verfallen, der sollte ein solches Gespräch besser überhaupt nicht erst beginnen, denn auf der Grundlage vorweggenommener Kapitulation vor fremdem Denken würde der Austausch langweilig und auswirkungslos bleiben müssen.

 

Gereon Lamers

 

Selige Jungfrau, Muttergottes und Mutter der Kirche: Bitte für  Deine Kinder, daß sie ihre Selbstvergessenheit im Denken überwinden, damit die Kirche der Welt wieder geben kann, was diese allein niemals findet!

Ikone der “blauen” Mutter Gottes vom Don, Ende 15. – Anfang 16. Jh. Russisches Museum, St. Petersburg (Bild: Wikicommons, Testus)

 

Sketch des Monats: Das Wunderkind

Ein Sketch für sechs Personen

Wundersdorf, Oderbruch. Im Wohnzimmer der Familie Schwarz. Gastgeber Hanna und Karl haben sich mit Richard und Edith, Silke und Hedwig zusammengesetzt und leeren soeben die erste Flasche Wein. Man muß eine gemeinsam erlebte Aufführung Neuester Musik verarbeiten und hat sich zum Trost etwas Mozart in den CD-Spieler geschoben.

Hanna: Da sind das alles hochausgebildete Musikerinnen und Musiker – und dann fahren sie mit dem Staubtuch über die Saiten und trommeln mit dem Bogen auf ihrem Instrument herum! (Sie nippt an ihrem Weinglas.)

Karl (schüttelt den Kopf): Also ich werde daraus auch nicht wirklich schlau.

Silke: Es kommt mir vor, als ob dieses ganze Konkrete und diese ganze Kunst ohne jede inhaltliche Aussage oder Bedeutung in der Bildenden Kunst irgendwie am wenigsten stört.

Edith: Du meinst: Eine einfarbige Leinwand – dagegen kann eigentlich niemand was haben?

Karl: Stimmt! Man streicht ja auch eine Wand farbig und hat sie dann in der Wohnung.

Hanna: Das war ja auch Rodschenkos Credo, vor 100 Jahren: Bilder malen ist wie Wände streichen …

Richard: Immer dieses Schlußstriche ziehen im Namen aller ungefragten Anderen ist natürlich der Gipfel des Totalitären!

Silke: Hm! … Stimmt. Aber ich meine, wem‘s nicht gefällt: Man kann besser die Augen zu machen als die Ohren. Also Musik, die sich vollzieht … das geht einem einfach näher.

Karl: Apropos Musik: Die „Prager“ war schon immer meine Lieblingssinfonie. (Er lauscht der Musik aus den Lautsprechern. Auch alle andern sind einen Moment lang still und hören zu.)

Silke (nach einer Weile): Unvorstellbar, was dieser Mensch uns noch geschenkt hätte, wäre er nicht mit 35 Jahren gestorben!

Hedwig: Heute wäre das alles heilbar … Streptokokken …

Hanna (nickt): Antibiotika! Fertig!

Silke: Wäre Mozart heute geboren … was hätte er für Möglichkeiten gehabt!

***

Ediths Gedanken schweifen ab. Sie hört für einen Moment nicht mehr zu. Vor ihrem geistigen Auge entrollt sich der Lebenslauf eines 1980 geborenen Mozart:

„Der Vater wird angeklagt, weil er seinen Sohn bereits im Kindesalter hat auftreten lassen. Weitere Auftritte und Konzertreisen werden mit Blick auf das Kindeswohl untersagt. Ein Nervenzusammenbruch des Vaters im Zusammenhang mit der Beantragung öffentlicher Gelder wirft die Entwicklung des Knaben eine weitere Zeit zurück. Da er aufgrund seiner Leistungen im Fach Mathematik das Abitur nicht besteht, schreibt er sich im Alter von 20 Jahren an einer Musikhochschule im Fach Komposition ein. Studienfragen im Stil von ‚Komponieren Sie, wie man eine Couch herabrollt‘ erreichen das junge Genie nicht. Wechselnde Beziehungen und eine zeitweilige Drogenabhängigkeit behindern die konzentrierte Arbeit und den Erfolg zusätzlich. Als er im Alter von 35 Jahren an den Folgen eines Motoradunfalls stirbt, hinterläßt er zwei Phantasien für Regenrinne und Gartenschlauch sowie einen Instrumentalzyklus für 23 frei wählbare Schlaginstrumente.“

***

Richard: Hallo!!!! (Er rüttelt Edith an der Schulter.)

Edith (schreckt auf): Oh! Entschuldigung! Ich war in Gedanken.

Silke (lacht): Hat das Thema, was Mozart heute für Möglichkeiten hätte, dich so mit Beschlag belegt?

Edith (lächelt matt): Genau das.

Karl: Ob du noch einen Schluck Wein möchtest, hatte ich dich gefragt.

Edith: Danke! Ich halte mich an deine Nußmischung.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

PuLa-Reloaded: Der Fastenvortrag

Wie wundersam sich doch manche Dinge fügen. Man könnte sich für den gestrigen Text samt seinem “PS” überhaupt keinen besseren Anschluß vorstellen, als diesen ursprünglich am 28. März 2016 erschienenen Sketch des Monats, den wir in Folge der Betrachtungen zum“Neuen Gotteslob” ohnehin schon ausgesucht hatten! 

Zum Glück nimmt er die Sache heute fröhlich-satirisch in den Blick, ohne allerdings den Ernst des Themas leugnen zu können oder zu wollen.

Enjoy! 🙂 

Sketch des Monats: Der Fastenvortrag

Ein Sketch zum Osterlachen für sieben Personen und 19 Statisten

Wundersdorf, Oderbruch. Im Gemeindehaus der katholischen Pfarrei Maria Hilf! Es ist mitten in der Fastenzeit. Die melaminbeschichteten Tische sind zusammengerückt, so daß Arbeitsgruppen von 6-8 Personen im Kreis um die Tische Platz nehmen können.

Für den Fastenvortrag des heutigen Abends ist eigens aus dem Ordinariat ein Referent der Pressestelle angereist, um zum Thema der jüngsten Publikation von Bischof Hofmann, Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“ vorzutragen.

Die Sitzung ist schon in vollem Gange, als Hanna leise hereinschleicht und sich entschuldigend an einen Tisch klemmt, an dem Edith, Silke, Hedwig, Richard und Karl bereits sitzen und – ja, irgendwie arbeiten. Der Vortragende schlendert zwischen den Tischen umher, an denen man offenbar nach einer ersten Einführung bereits zur Stillarbeit übergegangen ist: Auf mittig ausgebreiteten DIN A2-Blättern fahren die Menschen mit dicken Textmarkern in Schlangenlinien herum.

Hanna (flüstert): Entschuldigung! Meine Mutter rief gerade noch an, die konnte ich nicht so abhängen.

Edith (flüstert zurück): Hast nichts verpaßt.

Hanna (immer flüsternd): Was macht ihr denn da?

Edith (ebenso): Wir sollen Figuren malen wie sie im neuen Gotteslob sind, um zu sehen, was das mit uns macht. (Sie zeichnet eine Art kaputten Kelch.)

Hanna (schaut sich irritiert um): Aber das sind hier nicht die „Neuen Wege in der Kleinkindpädagogik“?

Karl: Nein. Die Erzieherinnen sind oben.

Hedwig: Haben wir vorhin trommeln hören.

Hanna: Ah! Ok. (Sie nimmt sich einen Textmarker und beginnt unzusammenhängende Bögen zu malen. Nach einer Weile) Wie hieß das Thema nochmal?

Silke: Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“.

Hanna: „Künstlerisch“ in Anführungsstrichen …

Richard: Nein. „Gotteslob“ in Anführungsstrichen. (Die Gruppe prustet los.)

„Zeichnung als Zwiesprache“ (eigenes Bild)

Der Pressereferent (kommt vorbeigeschlendert, jovial): Ah! Ist hier ja schon jede Menge Kommunikation im Gange! Schön, wenn die Kunst im Gebetbuch solche Anstöße gibt.

Silke (brummt): Na, sagen wir mal: Wir nehmen Anstoß.

Der Pressereferent (beugt sich lächelnd vor): Das habe ich akustisch nicht verstanden.

Karl (rasch): Sie sagte, es ist halt ein Geben und Nehmen.

Der Pressereferent: Jaja, ganz recht! (Er wendet sich dem nächsten Tisch zu.)

(Hanna legt ihren Stift weg und greift sich eines der Bücher, die an jedem Platz zur Nutzung und womöglich sogar zum Kauf ausliegen. Karl folgt ihrem Beispiel, und im folgenden werfen die beiden sich gegenseitig die Zitate der Künstlerin, Monika Bartholomé, und ihres Mentors, Bischof Friedhelm Hofmann zu.)

Edith (malt ein bißchen lustlos herum): Wenn mir irgendjemand erklären könnte, was diese Zeichnungen sollen …

Hanna (grinst und zitiert von S. 23): Da kann ich dir helfen. Hier. „Der Benutzer wird zum Nachdenken aufgefordert. Er soll sich die Frage stellen: Was hat diese Zeichnung mit dem Inhalt zu tun?“ (Alle müssen lachen. Silke legt ihren Stift weg und nimmt sich eines der Bücher.)

Karl: Gut – das funktioniert immerhin. Ich habe mich immer gefragt, warum ich mir beim Gebet zum Heiligen Geist den Stuhl von Frau Bartholomé angucken soll.

Hanna (wird rot): Karl!

Karl (verteidigt sich): Das heißt so! Das Bild heißt „Stuhl“, die Ameise hier.

Silke (zitiert S. 31): Hört mal, das hier ist auch schön. Sie sagt: „Die Zeichnungen möchten Denk- und Empfindungsräume schaffen …. Mmm … diese Sprache entzieht sich der Eindeutigkeit, die Zeichnungen zeigen nicht auf den Text und sagen, so möchte ich gelesen werden. Sie beziehen Position in einem Dazwischen … es geht um Empfindungen, Erinnerungen, nicht um die Bestätigung und Verstärkung des Wortes.“

Richard (von dem Text genervt): Heidernei!!! Kein Wunder, daß Bischof Hofmann Angst hatte, Tebartz-van Elst könnte angefahren kommen und über die „Suche nach einer Verkündigung der Verläßlichkeit“ sprechen.

Hedwig: Bischof Tebartz-van Elst?

Richard (nickt): War vom FdK zum „Fest des Glaubens“ nach Aschaffenburg eingeladen worden, als Vortragender.

Hanna (blickt auf): Stimmt! Was hat er jetzt für eine Aufgabe in Rom?

Richard: Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung, zuständig für Katechese.

Karl: Und weil Aschaffenburg im Bistum Würzburg liegt, hat Bischof Hofmann sich ein paar Monate, nachdem die Sache bekannt geworden war, eingemischt und Tebartz angeblich gebeten, sein Kommen nochmal zu überdenken.

Edith (schnaubt): Der wird sich gedacht haben: Mein lieber Bruder – hast du vielleicht diese dummen Zeichnungen überdacht, als ich gesagt habe, in Limburg kommt ein ordentliches Kreuz aufs Cover?!

Hanna (liest wieder vor, S. 44): Hier, Friedhelm Hofmann: „Ein Weniger an Reduzierung künstlerischer Ausdruckskraft ist kaum denkbar.“ (Alle lachen.)

Silke: Da steht ja mal was Wahres!

Edith (greift nun auch zu einem der Bücher, grübelnd): „ein Weniger an Reduzierung“ … das ist eine doppelte Verneinung … oder?

Karl: Komm! So genau haben die beim Formulieren nicht nachgedacht.

Hanna (prustet): Scheint mir auch schon so! Hier, S. 62: „wie zwei Arme zwischen elektrisch geladenen Drähten“ …

Hedwig (lacht kurz auf): Na, dann sind die Arme nicht mehr lange da!

Karl: Das ist noch gar nichts! Hört mal. Zu diesen drei Linien hier schreibt er: „Eine weitere Möglichkeit [der Deutung] weist auf einen Menschen hin, der gebeugt unter einer Last dahergeht. Diesen Gedanken stützt das auf der gegenüberliegenden Seite plazierte Lied ‚Holz auf Jesu Schulter‘ (GL 291)“ (Alle stöhnen) Moment! Geht noch weiter: „Wichtig ist, daß der Betrachter die im Bild aufscheinende Melodie, das Beschwingte, die befreiende Leichtigkeit auf sich wirken läßt.“

Silke (in die am Tisch aufkommende Empörung hinein): „befreiende Leichtigkeit“? Beim Kreuztragen? Jesus hat das nicht leicht getragen …

Hedwig: … genau! Er hat doch gelitten, er war doch ganz Mensch …

Edith: … ist ja auch mehrmals unter dem Kreuz hingefallen. (Alle schnauben und blättern in dem Machwerk. Die kleine Gewitterwolke über dem Tisch ist beinahe sichtbar.)

Richard (zitiert S. 58): „Wer hat den Mut, diese Sprossen hochzusteigen?“ (Er schüttelt den Kopf.)

Karl (zitiert von S. 64): „Mir drängt sich der Gedanke auf, daß Gott uns auf unserem Lebensweg berührt – zärtlich und unaufdringlich.“

Hanna (schaut in Karls Buch): Wo ist das?

Karl: S. 64, zu nochmal drei so Linien nebeneinander. (ironisch) Der unaufdringliche Eingriff Gottes in unser Leben – besonders gut zu merken, wenn man sich verliebt … (Er grinst seine Frau an.)

Hanna (lacht): … genau! Völlig unaufdringlich …

Silke (lacht auch): Ich kann mich noch gut erinnern: Man konnte in aller Ruhe mit allem weitermachen …

Edith (grinst): Ganz zu schweigen von Geburten …

Hedwig: … mal ganz unaufdringlich zwölf Stunden Wehen …

Karl: Da lob ich mir die antiken Erzählungen – Semele oder so: Kein Sterblicher kann Gott begegnen, ohne zu sterben.

Edith: Hm! Deshalb tritt Gott ja auch nur als Engel des Herrn auf – alles andere hält man nicht aus.

Hedwig: Weil Gott halt mal so unaufdringlich ist.

Silke: Wie man sich das vom Allmächtigen eben vorstellt.

Richard: Es ist nicht zu fassen! Diese beziehungslosen Linien, die die Tante da hinmalt (Er sucht ein Zitat, findet es und liest): Hört mal: „Die Linie ist wesenhaft oder Grenze oder beides.“

Edith: Hä?

Richard: S. 30.

Hedwig: „Oder beides“?!

(Edith hat zuletzt wieder nach ihrem Stift gegriffen und einige Striche auf das DIN A2-Papier geworfen. Die andern schauen, lachen, stehen auf und werfen ihre Bücher auf den Tisch. Indem sie in die Runde grüßen, gehen sie zur Garderobe, holen ihre Mäntel und verlassen den Saal.)

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Jetzt müssen wir natürlich auch erst einmal schauen, was Edith da zuletzt gezeichnet hat:

Wesenhaft (eigenes Bild)

Besenschaft (eigenes Bild)

Oder beides (eigenes Bild)

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Bloß gut, daß wir diese Bildchen schon vor Monaten analysiert haben, hier, hier und hier (und öfter) und sich darauf folgend zumindest in unserem Freundeskreis die Menschen zu helfen wissen und die Zeichnung einfach mit inhaltsreichen und aussagekräftigen Bildern zuzukleben beginnen.

Gottesdienstliche Feiern (Bild: S. G.)

Hl. Thomas v. Aquin (Bild S.G.)

Auferstanden (Bild: S.G.)

 

PS: Nur so für alle Fälle: Das Buch von +Fr. Hofmann haben wir uns NICHT etwa ausgedacht/“gephotoshopt“! (vgl. folgendes Bild der ISBN) Wir können uns ja vielleicht so allerlei ausdenken, aber das… Vielmehr bin ich mehr als dankbar für diese Form der, nun ja, ‚Verarbeitung‘ durch Cornelie; ich war daran gescheitert, mich damit etwa ganz ernst zu beschäftigen – wer weiß, wie das geendet hätte…

Gereon Lamers

Zeichnung als Zwiesprache, ISBN (eigenes Bild)