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‚De Maria numquam satis‘

Donnerwetter, da war „Else Franke“, PuLas treueste (wenn auch nicht liebste) Kommentar-Schreiberin, die „Beobachterin von außen“ ja tüchtig schnell! Nach ca. zweieinhalb Stunden war der Kommentar zum gestrigen Sketchlet schon da (schauen Sie hier). Ja, so muß das sein, vor dem Schlafengehen immer noch mal schauen, ob’s was Neues gibt bei PuLa! 😉

Nun, das trifft sich ganz ausgezeichnet, denn wir hatten ja ohnehin angekündigt, auf die Weimarer Vermeldungen nochmal zurückkommen zu wollen!

Hier zunächst der Text des Kommentars:

„‘Fallen ein Hochfest und eine Feier niedrigeren Ranges (Fest, gebotener Gedenktag, nichtgebotener Gedenktag)auf denselben Tag, so hat das Hochfest den Vorrang. Hochfeste haben während der Zeit im Jahreskreis einen höheren liturgischen Rang als die Sonntage, die sonst vor allen anderen Festen und Gedenktagen Vorrang haben.‘ Steht sogar bei Wikipedia. Aber PuLa recherchiert ja neuerdings lieber hinterher (siehe auch angebliches Augustinus-Zitat).

Mariä Geburt ist übrigens ein Fest und dem Sonntag damit untergeordnet. Das haben die Schreiber der Vermeldungen in Weimar richtig gemacht. PuLa glänzt auch weiterhin mit Halbwissen. Weiter so!“

Seufz!

Na, dann fangen wir mal mit dem unwichtigsten an, Stichwort „hinterherrecherchieren“. In der Tat, das vermeintliche Augustinus-Zitat vom 29. August mußte zwei Tage drauf korrigiert werden.

Na und? Ein Problem wäre es doch wohl nur gewesen, wenn ich das wider besseres Wissen hätte stehenlassen. Hier geht es aber transparent zu und die Korrektur eigener Fehler stellt für uns kein Problem dar. Sehr im Gegensatz zu den Verfassern der berüchtigten „Seite 11“ des Osterpfarrbriefs 2012 (vgl. hier und hier). Sie werden es vielleicht nicht glauben, Else, aber die haben immer noch nicht um Vergebung für ihre ungeheuerlichen und lügnerischen Anwürfe gebeten und das ist nun mehr als 500 Tage her und nicht zwei…

Aber jetzt zur Hauptsache, der Frage, wie das ist, wenn ein „Fest“ (im Sinn des liturgischen Fachterminus) auf einen Sonntag fällt. Was da in der Wikipedia steht, ist uns natürlich nicht neu.

Allerdings werden derartige Fragen für die je einzelne Gemeinde nicht auf der Wikipedia, sondern im sog. Direktorium geregelt, dem liturgischen Kalender jedes Bistums. Das fürs Bistum Erfurt steht leider nicht im Netz, aber schauen Sie als Beispiel einmal hier, für das Bistum Fulda. Und, in der Tat, da steht „Das Fest Mariä Geburt entfällt in diesem Jahr.“

Aber habe ich etwa geschrieben, es hätte gefeiert werden müssen? Nein, da steht etwas von „ausweisen“, „erwähnen“, sogar „in Klammern“, was ja nun wirklich ein deutlicher Hinweis darauf ist, daß mir die „Vorrang“ des Sonntags natürlich klar war.

Allein, wie der (wahrscheinlich katholische) Dichter Shakespeare so schön sagt, „es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde“ (bzw. zwischen römischem Generalkalender und Bistumsdirektorium 🙂 ), „als Eure Schulweisheit sich erträumen läßt“!

Denn schauen Sie nur hier, was sich in Dingelstädt getan hat, an diesen Tagen (hier):

Fest Mariä Geburt

[…] Festprediger ist in diesem Jahr Pfarrer Andreas Anhalt aus Sonneberg. […]

am Samstag um 19.30 Uhr Vesper vor der Marienkirche mit anschließender Lichterprozession

danach wird die Gebetsstunde für die Verstorbenen sein

am Sonntag um 08.00 Uhr Frühmesse vor der Marienkirche

am Sonntag um 10.00 Uhr Wallfahrtshochamt in der Pfarrkirche. Im Anschluss daran gehen wir in Prozession zur Marienkirche, danach wird zum Frühschoppen mit den Dünmusikanten und zum Mittagessen aus der Gulaschkanone ins Festzelt eingeladen.

am Sonntag um 18.00 Uhr Vesper vor der Marienkirche

am Montag um 09.00 Uhr Handwerkermesse vor der Marienkirche

 

Ganz schön heftig, für ein Fest, das angeblich ausfallen muß, wie? 🙂

Hat sich da Dechant Pfr. Roland Genau (uns in Weimar aus seiner Kaplanszeit in guter, nein, mittlerweile in sehnsuchtsvoller Erinnerung!) in echter Dunkelmännermanier einen rechtsfreien Raum geschaffen, in dem er den „Errungenschaften“ der nachkonziliaren (nach-konziliaren!) Liturgie- und Kalenderreform frech trotzt? 😉

Natürlich nicht. Aber die sehr unterschiedlichen Ausprägungen in ein und demselben Bistum bestätigen bloß die allgemeine Erfahrung, die jeder mit dem Kirchenrecht macht, der sich mit wachem Verstand damit beschäftigt: Nach mehreren Jahrhunderten der (kasuistischen) Entwicklung tut man gut daran, immer etwas tiefer zu schauen. Was genau in Dingelstädt dieses fulminante Fest ermöglicht hat, weiß ich (noch) nicht, habe aber eine Idee (Stichwort: „Eigen-Hochfest“, denn Hoch-Feste haben ja den Vorrang vor „normalen“ Sonntagen).

Aber darum geht es ja eigentlich gar nicht. Es wäre darum gegangen, ein kleines, klitzekleines bißchen Bewußtsein davon zu verraten, daß mit dieser „Verdrängung“ (wie es immer wieder so bezeichnend häßlich heißt) des (Marien-) Festes eben ein echter Verlust einhergeht. Wenn die „Schreiber der Vermeldungen in Weimar“ davon eine Ahnung hätten, dann hätten sie dieses Bewußtsein eben z.B. durch die Erwähnung in Klammern deutlich machen können. Mindestens das. Für diesen „Verstoß“ (wenn es denn einer wäre) hätte es bestimmt keinen Rüffel aus Erfurt gegeben (gab es eigentlich einen für die echten Verstöße wie fehlender Embolismus, falsches Ende des Tagesgebets und predigende Laiinnen? (vgl. hier, hier und hier).

Nein, den „Rüffel“ hätte es gewiß umso weniger geben können, als, wie erwähnt, das Fest ja in unseren „Vermeldungen“ sehr wohl vorkam. Es gab da nämlich einen, der hat es erwähnt, Papst Franziskus nämlich! Ja, der wurde doch tatsächlich mit seinem Aufruf zu Fasten und Gebet für den Frieden in Syrien am vergangenen Samstag auf den ersten Seiten der „Vermeldungen“ zitiert (sogar mit Namen, obwohl doch diese Beiträge meist anonym sind, wofür man nicht alles den Hl. Vater braucht… 😉 ) Er schreibt:

„Deshalb, liebe Brüder und Schwestern, habe ich beschlossen, für die gesamte Kirche am kommenden 7. September, Vigil des Festes der Geburt Marias, der Königin des Friedens, einen Tag des Fastens und Betens für den Frieden in Syrien, im Nahen Osten und in der ganzen Welt anzusetzen.“ (Hervorhebung von mir)

Tja, komisch, ich dachte immer, die haben in Rom den gleichen Kalender wie wir…

Wenige Zeilen weiter unten schreibt der Hl. Vater übrigens am 1. September, also immerhin 6 Tage vor dem Termin:

„Ich rufe alle Teilkirchen auf, dass sie nicht nur diesen Tag des Fastens begehen, sondern auch eine liturgische Feier in dieser Intention organisieren.“ (Übersetzung für die, die die vornehme römische Diktion nicht so gewohnt sind: „Kriegt gefälligst den Hintern hoch und macht was!!“)

Nun, in Rom gab es u.a., was die Kirche zu derartigen Gelegenheiten eben immer in ihrem reichen Schatz hat, und was nur gehoben werden muß und mit geringem Aufwand gehoben werden kann: Rosenkranzgebet und Eucharistische Anbetung.

Und in Weimar? Nun, neben der Vorabendmesse um 18.00 Uhr stand: „Um Frieden in Syrien“ und es wurden unerträglich bürokratische formulierte Fürbitten (von der DBK…, hier) gebetet. Das war’s aber auch schon. „Liturgische Feier“?? Fehlanzeige. Dabei hätte man sich ja zunächst nur die Worte des Hl. Vaters leihen müssen:

„Bitten wir Maria, uns zu helfen, der Gewaltanwendung, dem Konflikt und dem Krieg mit der Kraft des Dialogs, der Versöhnung und der Liebe zu begegnen. Sie ist unsere Mutter. Sie möge uns helfen, den Frieden zu finden. Wir alle sind ihre Kinder. Hilf uns Maria, auch diesen schwierigen Moment zu überwinden und uns dafür einzusetzen, jeden Tag und in jeder Umgebung eine authentische Kultur der Begegnung und des Friedens aufzubauen.

Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!“

Und so hätte man angefangen, der Intention des Papstes Genüge zu tun UND an das Marienfest erinnert. So einfach geht das.

Naja, vielleicht hätte man in Weimar sogar in Abwesenheit des Rektors der Pfarrkirche ja etwas vorbereiten können, denn, wie man an den „Vermeldungen“ sieht, den „Schreibern des Pfarrbriefs“ (wirklich Plural?) lag die Information ja so rechtzeitig vor, daß sie Eingang in das Dokument, das regelmäßig Freitag nachmittag ins Netz gestellt wird, finden konnte (die Pressemitteilung der DBK lag immerhin bereits am 4. September vor).
Ulkig nur, daß zur etwa gleichen Zeit zwei Geistliche, die von uns zu dem Thema kontaktiert wurden, von der ganzen Angelegenheit noch nichts wußten, woraus man nur schließen kann, daß sie von den „Pfarrbrief-Schreibern“ „vorsichtshalber“ erst gar nicht informiert worden sind…

Alles „richtig gemacht“, die „Pfarrbrief-Schreiber“? Mitnichten!

„Weiter so“? Worauf Sie sich verlassen können!

Angesichts dieser Misere tut es gut, an den Hl. Bernhard v. Clairvaux zu erinnern.

De Maria numquam satis (von Maria niemals genug)

hat der bedeutende Heilige gesagt, in dem man den Begründer der Herz-Jesu-Frömmigkeit sieht, der mit seiner Hinwendung zu Christus als dem Gekreuzigten schon im frühen Mittelalter klar gemacht hat, was eine von Amnesie befallene Theologie versucht hat, uns vergessen zu machen: Wer versucht, die Verehrung von Mutter und Sohn gegeneinander auszuspielen, verläßt den Boden des Katholischen.

Hl. Bernhard, bitte für uns!

Francisco Ribalta (1565 – 1628) Der herabgestiegene Gekreuzigte umarmt den Hl. Bernhard (Bild: Wikipedia/Museo Nacional del Prado)

 

Die Begriffsfindung

Die Begriffsfindung

Ein Sketchlet für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Oh ja! Es gibt sie noch, die uns gut bekannte Schafweide vor den Toren von Wundersdorf. Die Berichterstatter hatten über den Sommer lediglich hitzefrei. Nun treffen wir die Schafe wieder – und tatsächlich haben sie schon wieder eine besondere Aktion auf die Beine gestellt. Wir sehen sie vor einer riesigen Leinwand (vgl. hier), über die ein hoch aufgeschossenes junges Wild-Schaf die kleine Herde via Beamer gerade mit offenbar hochinteressanten Informationen versorgt hat. Die Diskussion jedenfalls ist heftig.

Flocke: Da feiert man dieses Fest nun seit über fünfzehnhundert Jahren …

Wolle: … in der katholischen Kirche und sogar noch bei den Anglikanern …

Kohle: … der koptischen und armenischen Kirche …

Blütenweiß: … in den orthodoxen und syrisch-orthodoxen Kirchen sowieso …

Grauchen: … und Papst Sergius I hat es vor über dreizehnhundert Jahren in Rom eingeführt …

Kohle: … bzw. erwähnt als Fest, das es schon gibt! …

Flocke: … zusammen mit Verkündigung und Himmelfahrt und Mariä Lichtmeß.

Wolle: „Mariä Geburt“!

Blütenweiß: Die Geburt der Gottesgebärerin wird gefeiert – klar!

Huf: Gar nicht klar. Normal begeht man ja die Todestage.

Wolle: Sehr richtig! Außer eben bei Maria und Jesus und Johannes dem Täufer.

Grauchen: Weil diese drei besondere Menschen waren.

Fixi: Ohne Erbsünde empfangen bei Maria, zum Beispiel.

Flocke (nickt dem Lämmchen zu): Also richtig was Besonderes.

Wolle: Über Jahrhunderte Prozessionen, Feiern, besondere Gesänge, besonderes Gebet …

Blütenweiß: … und jetzt? Steht da: „23. Sonntag im Jahreskreis“.

Grauchen: Ich fasse es nicht!

Flocke: Diese Durchnumeriererei geht mir unglaublich auf die Nerven.

Kohle (schnaubt): „23. Sonntag im Jahreskreis“

Wolle (fassungslos): Das klingt wie … wie …

Flocke: … wie „23. Spieltag der Bundeslade“. (Die Schafe lachen.)

Kohle: Irgendwie unernst jedenfalls …

Wolle: … und bürokratisch.

Blütenweiß: Wie die dreiunddreißigste Kalenderwoche.

Grauchen: Als wollte man das Kirchenjahr hinter sich bringen.

Flocke (mit jeweils verstellter Stimme): „Bis wann können Sie die Predigt denn liefern?“ – „Na – ich sag mal – der 23. Sonntag im Jahreskreis wird’s schon werden.“ (Die Schafe lachen.)

Kohle (seufzt): Lach wenn’s zum Heulen nicht reicht, wie man so schön sagt.

Wolle: Genau so machen wir das!

Sie trotten zum Rest der Herde, um beim Abbau von Beamer und Leinwand behilflich zu sein.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu, vor den Toren von Wundersdorf!

Und bei uns in Weimar? Wenn Sie sich beeilen nachzusehen (denn das Pfarrbrief-Archiv wurde ja abgeschafft…), werden Sie jedenfalls feststellen, daß das Fest in den Vermeldungen für heute nicht ausgewiesen wurde, nicht mal in Klammern. Aber erwähnt wurde es dennoch, und das haben wir niemand geringerem, als dem Hl. Vater zu verdanken. Wie das zusammenpaßt? Dazu kommen wir noch.

 

 

“Vielleicht ist die größte Bedrohung der Kirche nicht…“

„Maybe the greatest threat to the church is not heresy, not dissent, not secularism, not even moral relativism, but this sanitized, feel-good, boutique, therapeutic spirituality that makes no demands, calls for no sacrifice, asks for no conversion, entails no battle against sin, but only soothes and affirms.“  (Timothy Cardinal Dolan)

(“Vielleicht ist die größte Bedrohung der Kirche nicht die Häresie, nicht die Abweichung, nicht der Säkularismus, nicht einmal der moralische Relativismus, sondern diese keimfreie, zusammengesuchte, therapeutische Wohlfühl-Spiritualität, die keine Anforderungen stellt, kein Opfer fordert, zu keiner Bekehrung aufruft, keinen Kampf gegen die Sünde nach sich zieht, sondern nur einlullt, besänftigt und bejaht.“)

Danke, Herr Erzbischof!

Timothy Cardinal Dolan ist Erzbischof von New York und wer seine Webpräsenz anschaut (hier), wundert sich nicht, daß er Mitglied im Päpstlichen Rat für die soziale Kommunikationsmittel ist (hier).

 

Maria exterminiert die Häresien (Bild: Wikipedia, Sailko)

Wohl doch kein Augustinus-Zitat…

Wie vorgestern schon angekündigt, habe ich mich an berufener Stelle erkundigt, was denn wohl von der Authentizität des wiedergegebenen Satzes zu halten sei, der da dem Hl. Augustinus zugeschrieben wurde.

Nun, die Skepsis war nur allzu berechtigt, es ist davon auszugehen, daß der Satz NICHT von dem großen Heiligen und Kirchenlehrer stammt. Schade in gewisser Weise. Ob ich das vorher hätte überprüfen sollen? Vielleicht, aber so kann der Vorgang immerhin dazu dienen, (antiken) Zitaten gegenüber allgemein ein bißchen Vorsicht walten zu lassen (auch und gerade, wenn sie einem gut in den Kram passen…).

Jedenfalls danke ich Dr. Clemens Weidmann von der Universität Wien (Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) sehr herzlich für seine Bemühungen, die das Diktum im Werk des Bischofs von Hippo nicht nachweisen konnten. und den Hinweis auf den Beitrag von Dr. Dr. habil. Christof Müller vom Zentrum für Augustinus-Forschung, Würzburg, der auf eine ähnliche Frage schon 2004 darauf verwies, der ganze Duktus des Spruchs passe nicht in die Gedankenwelt Augustinus‘, nachzulesen hier.

Aber auf der Startseite der Homepage des ZAF findet sich ein echter Ausspruch des Heiligen, den ich Ihnen, sozusagen als Ersatz nicht vorenthalten möchte (und die leise mitschwingende Selbstironie, bzw. präemptive Selbstkritik der Würzburger Wissenschaftler stellt diesen, finde ich, ein ausgezeichnetes Zeugnis aus:

“Amate scientiam, sed anteponite caritatem. Scientia si sola sit, inflat.
Quia vero ‘caritas aedifícat’ (1 Cor 8,1), non permittit scientiam inflari.” (Sermo 354,6)

(“Liebt die Wissenschaft, aber zieht die caritas vor. Die Wissenschaft, wenn sie allein ist, macht aufgeblasen.
Weil jedoch ‚die Liebe aufbaut‘ (1 Kor 8,1), erlaubt sie es der Wissenschaft nicht, sich aufzublasen.)

Woran sich das von Dr. Weidmann argumentativ gebrauchte Zitat aus dem Psalmenkommentar zu den zwei Flügeln der caritas (den ‚Flügeln‘ und eben nicht ‚Töchtern‘ ! einer allegorischen Figur, wie er ausführt) wunderbar anschließt:

[Q]uae sunt duae alae caritatis? Dilectio dei et proximi. (Enarrationes in psalmos 149, 5)

Welche sind die zwei Flügel der caritas? Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten)

Die Reihenfolge ist übrigens nach wie vor bedeutsam, so im Sinne einer notwendigen Voraussetzung… 😉

 

Hoffnung, Wut und Tapferkeit: Der Hl. Augustinus stärkt die Blogger

Nur, daß das klar ist: Selbst in Weimar wurde gestern, am 28. August, nicht nur des 264ten Geburtstags von Goethe gedacht, sondern auch des Todestages des Hl. Augustinus; des 1583ten, ähem!

Angesichts diese Zahlenverhältnisses fällt es dann ja auch eigentlich gar nicht auf, daß PuLa erst heute etwas dazu bringt, oder? 😉

Denn erst heute kam mir folgender Spruch unter, der dem großen Heiligen zugeschrieben wird:

„Die Hoffnung hat zwei schöne Töchter; ihre Namen sind Wut und Tapferkeit. Wut darüber, wie die Dinge sind und Tapferkeit, darauf zu sehen, daß sie nicht so bleiben.“

Das hat das Zeug zum Motto aller aufrechten katholischen Blogger, finde ich!

Bevor ich aber aus vollem Herzen sage: „ Danke, Hl. Augustinus!“, wüßte ich gerne, ob das Zitat auch wirklich authentisch ist. Ich habe so ohne weiteres nichts finden können, vor allem kein lateinisches Original und keine Quellenangabe… Kann jemand helfen? Ich habe auch selbst eine Idee, wen ich fragen kann, aber das dauert ein bißchen.

Bis dahin wollen wir hoffen, daß das Zitat nicht bloß gut erfunden ist, auf jeden Fall aber danach handeln!

 

Lorenz Hoffnas (1772 - 1836) Die bayerischen Prinzessinnen Amalie Auguste und Elisabeth Ludovika, ca. 1810 (Bild: ZVAB)

PuLa unterwegs: Wesel-Bergerfurth, oder: Das Elend der West-Kirche

Salvum me fac Domine quoniam defecit sanctus * quoniam diminutae sunt veritates a filiis hominum (Ps. 11, 2 Vg.)
(Schaffe mir Rettung, Herr, weil Heiliges dahinschwindet, weil die Wahrheit vermindert wird von den Menschenkindern)

Als ich am 21. Juli nach dem Besuch der Hl. Messe das Kirchengebäude in Wesel-Bergerfurth verließ, wußte ich nicht, sollte ich weiter vor Wut und Trauer mit den Zähnen knirschen, oder, jetzt, wo es zu Ende war, erleichtert aufseufzen, darüber, daß ich mir ein solches Geschehen, wie ich es gerade hatte miterleben müssen, in keiner der mitteldeutschen Kirchen, die ich kenne, vorzustellen vermag?

Gut einen Monat später ist die Situation insofern nicht einfacher geworden, als ich nach der Recherche zu diesem Artikel etlichen Menschen in und um Bergerfurth für ihre Hilfe zu Dank verpflichtet bin… Und schließlich ist es ja überhaupt keine angenehme Lage, über einen Ort, an dem man zu Gast war, zu schreiben, wie schrecklich man es fand, was sich dort abgespielt hat.

Allein, das worum es hier geht ist leider erheblich wichtiger als Fragen der Höflichkeit und so bleibt mir nichts übrig, als im folgenden zu versuchen eindeutig klarzumachen, wo m.E. die Verantwortlichkeiten liegen, und wo nicht, und den fälligen, ehrlichen Dank von Fall zu Fall abzustatten.

Ich hatte mich zum Meßbesuch in diesem doch recht dezentralen Ortsteil von Wesel entschieden, weil es um 8.30 Uhr die frühestmögliche Messe war, die in der nach Strukturreform ganz frisch (zu Pfingsten, am 19. Mai 2013) errichteten Pfarrei St. Nikolaus, Wesel angeboten wurde.

Zu Beginn sind einige Worte zum Ort der Veranstaltung erforderlich. Als der Weg nach St. Aloysius schließlich gefunden war

 

Wegweisend? (eigenes Bild)

zeigte sich neben dem abgesetzten Glockenturm eine Art Pavillon, dem die Bauzeit in den 60er/70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geradezu auf die Stirn geschrieben steht.

 

St. Aloysius, Bergerfurth (eigenes Bild)

Und richtig, 1969 wurde der Grundstein des aktuellen Kirchenraums gelegt. Naja, dachte ich, „du hast schon würdige Messen in Bauwerken erlebt, die du ästhetisch nicht mit der Kneifzange anpacken würdest, bleib‘ gaaanz ruhig!“ Daß, wie sich herausstellte, der Altar in Richtung Nord-Nord-Westen schaut, obwohl der quadratische Bau grundsätzlich ja auch die Ostung hätte zulassen müssen, verwunderte mich dann schon nicht mehr.

Die nächste, nachhaltige Irritation folgte allerdings auf dem Fuß: Das Knien als gottesdienstliche Körperhaltung war hier offenbar seit der Bauzeit nicht vorgesehen, denn es fehlte dafür nicht nur an jeder Vorrichtung, nein, auch die Abstände zwischen den Stuhl (!)-reihen wurden, wie ich während der Wandlung am eigenen Leibe erleben mußte, so gewählt, daß sie das Knien erheblich erschweren, dementsprechend hat es, soweit ich das unwillkürlich mitbekommen habe, auch praktisch niemand getan.

Ein Gebäude, das absichtsvoll zum Zwecke katholischen Gottesdienstes geplant und gebaut wurde, und in dem seit Jahrzehnten nicht mehr gekniet wird/werden kann??!

Aber noch bevor es zu dieser Beobachtung kommen konnte, fiel mein Blick auf das Altarbild:

St, Aloysius Bergerfurth, Altarraum am 21.7.2013 (eigenes Bild)

St. Aloysius Bergerfurth, 'Altarbild' am 21.7.2013 (eigenes Bild)

Ja, Sie haben richtig gelesen, das ist wirklich als Altarbild gemeint. Das Werk der Weseler Religions- und Kunstlehrerin Beate Florenz-Reul ist nämlich erst im Zusammenhang mit der Neugründung der Pfarrei entstanden, im Rahmen einer aus diesem Anlaß eigens veranstalteten Kunstaktion mit dem schönen Namen: „Kon-Fusion“… Lesen Sie selbst, was einer der Weseler Pastoralreferenten, Herr Raphael Günther, über das Bild schreibt (herzlichen Dank an S.H. für die Zusendung):

„Zum Kunstwerk von Beate Florenz-Reul:

Wir sehen ein Tanzpaar. Der Mann greift der Frau demütig unter die Arme. Er trägt und stützt sie, damit sie in freier, ausgreifender Bewegung tanzen kann. Links des Paares sehen wir einen zerteilten Maikäfer auf dunklem Grund, ein Symbol des Todes. Rechts die Maikäferlarve, die auf neues Leben hinweist. […]

Eine ungewohnte Christusdarstellung. Sie erinnert an eine verschüttete christliche Tradition, die das alttestamentliche Hohe Lied der Liebe als Allegorie für Christus und die Kirche deutet. Jesus als Herr des Tanzes, als „Lord of the Dance“, wie ihn ein irisches Volkslied nennt. Er greift uns, er greift der Kirche (und damit auch der neuen Weseler Pfarrei) demütig unter die Arme, damit wir zwischen Tod und Neuanfang durch immer neue Verwandlungen hindurch den Tanz des Lebens wagen.“

Ernsthaft? Das Bild eines Tanzpaares incl. einer prominenten weiblichen Figur mit gespreizten Beinen und der Tänzer als Christusdarstellung hinter dem Altar? Ernsthaft?

Wie fest muß eigentlich das Gefühl von „wir können uns alles erlauben“ in den dafür Verantwortlichen verwurzelt sein, damit so etwas möglich ist? Dabei merkt man ja sogar dem gerade zitierten Text noch einen Rest von Unwohlsein an und zur Ehrenrettung der Bergerfurther Gemeinde sei gesagt: Es gibt Indizien dafür, daß man sich dort mit dem Objekt auch nicht wohl fühlt! Gefragt worden ist sie wohl ohnehin nicht.

Aber daß es wirklich ein Altarbild sein sollte, worauf man da auf der ‚zauberhaften Ziegelmauer‘ in Ermangelung anderer optischer Reize schaute, und nicht nur eine temporäre Ausstellung, das wußte ich ja noch nicht, als eines der problematischsten sich katholisch nennenden gottesdienstlichen Ereignisse begann, dessen ich je Zeuge werden mußte.

Begrüßungen seitens des Priesters mit einem ‚Guten Morgen‘ o.ä. sind ja, leider!; nichts so völlig Neues mehr, aber der längere (!) Plausch über das Wetter (!), der sich hier anschloß, war es für mich dann doch. Aber meine Überraschung nahm noch zu, als, nachdem das Kreuzzeichen dann doch endlich mal geschlagen war, sofort der Pastoralreferent, Herr Marius Stelzer, der in Albe mit eingezogen war, sozusagen den ersten inhaltlichen Teil übernahm: Es ging um das neue ‚Gotteslob‘, das mit „Liedern des Monats“ eingeführt werden soll, deren erstes begann: „Vertraut den neuen Wegen…“ Über das Lied schweigt des Sängers Höflichkeit, aber es war für die gesamte Liedauswahl leider nicht untypisch: Fünf von acht (!) Liedern stammten aus dem ‚Diözesanteil Münster‘ und man weiß ja, was sich in Diözesanteilen so alles ausgebreitet hat.

Nun, irgendwann war dann mit dem Tagesgebet doch der Zelebrant mal wieder „dran“ und, was soll ich sagen, er hatte zu dessen Abschluß eine ‚individuelle‘ (ergo unzulässige) Variante auf Lager, die ich noch nicht kannte: „…der mit dem Vater lebt und Leben schafft“. Nun, was ich von solchen Abwandlungen halte und warum habe ich ja hier schon geschrieben.

Daß gerade in solcherart geprägten Messen eine von zwei vorgesehenen Lesungen, und besonders gerne die aus dem AT, wegelassen wird, ist mir immer ein Grund zum ironischen Grinsen, denn damit demonstrieren die dafür Verantwortlichen, wie sie wirklich zum Zweiten Vatikanum stehen, zu dessen unzweifelhaft sinnvollen Forderungen ja die nach mehr biblischen Texten im Gottesdienst gehört. Daß in diesem Fall mit dem Text von Abraham und den ‚drei Männern‘ bei den Eichen von Mamre (Gen 18, 1-10) auch noch einer der wichtigsten (Dreifaltigkeit!) und schönsten ‚dran glauben‘ mußte, wurde noch hübsch dadurch abgerundet, daß es gerade dieser Text war, der über das Thema „Gastfreundschaft“ in der Lage gewesen wäre, einen Bezug zum Evangelium des Tages von Jesus bei Marta und Maria (Lk 10, 38-42) herzustellen, während der Abschnitt aus dem Kolosserbrief (Kol 1, 24-28) sich dazu nicht so ohne weiteres anbot.

Ob Herr Stelzer das bei der Vorbereitung der Predigt bedacht hat? Denn der Herr Pastoralreferent hat gepredigt, vor dem Altar stehend und rhetorisch durchaus gekonnt, während der Priester, halb versteckt durch eine Stahlstütze, auf seinem Hocker vor der Ziegelwand saß.

Und zum Abschluß der Predigt ging es dann wieder um Lieder, und daß auch jeder seinen Liedzettel hat, zu welchem Zweck der ‚Prediger‘ dann mal schnell in den Vorraum wuselte und sie verteilte… Ob es daran lag, daß ich kein Credo (-lied) gehört habe?

Wundert sich mittlerweile noch irgend jemand, daß dem Vaterunser nicht der vorgeschriebene Embolismus folgte? Aber vielleicht darüber, daß im Hochgebet noch vor den Ordensleuten für ‚die Pastoralreferenten‘ gebetet wurde?! Oder wunderte man sich gerade schon überhaupt über nichts mehr?

Na, ich kann mich auch an ein Agnus Dei nicht erinnern, aber daß mir die innere Bereitung zur Kommunion fehlte, ist wohl klar und dann war es irgendwann endlich vorbei.

Was für ein erschütterndes Erlebnis! Ich hatte gerade nicht nur eine Veranstaltung erlebt, die sich von der sinnlich-ästhetischen Erfahrung alle Mühe zu geben schien, die Unterschiede zu einem evangelischen Gottesdienst zu minimieren, sondern auch eine Veranstaltung, in der ebenso der Priester gewillt schien, seine Rolle als geweihter Hirte im Gottesdienst möglichst weit zu minimieren. Auch das habe ich hier schon einmal gefragt: Was geht in einem Amtsträger der Kirche vor, der sich so verhält? Was ist sein Verhältnis zu seiner Berufung, aber auch schon einfach nur zu seinem Beruf?

Und dann haben wir es hier natürlich mit einem liturgischen Mißbrauch zu tun. Mit einem glasklaren. Denn in der Hl. Messe predigen Priester oder Diakone, aber keine Pastoralreferenten: Die römische Instruktion Redemptionis Sacramentum aus dem März 2004 (hier), die die in diesem Zusammenhang gültigen Normen der Kirche verbindlich darstellt und auslegt, sagt in Nr. 161 unzweideutig: „[…] die Homilie innerhalb der Messe [ist] wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten“ oder ganz deutlich auch in Nr. 66: „Das Verbot der Zulassung von Laien zur Predigt innerhalb der Meßfeier […]“.

Ich habe in St. Nikolaus, Wesel nachgefragt, ob es denn eine kirchenrechtliche Grundlage gebe für dieses Vorgehen. Eine Antwort habe ich bisher nicht erhalten, was vielleicht kein Zufall ist… Sollte sie aber noch kommen, werde ich sie Ihnen nicht vorenthalten – man darf gespannt sein.

Nun erhebt sich natürlich die Frage, habe ich da einen Ausreißer nach unten erwischt, oder ist das Erlebnis wirklich, wie ich es in der Überschrift unterstelle, charakteristisch für die Kirche ‚ im Westen‘? Leider deuten fast (!) alle meine ‚westlichen‘ Liturgieerfahrungen der letzten Zeit auf letzteres, wie z.B. das Erlebnis in Graurheindorf, nach dem Bloggertreffen in Bonn, hier. Und auch die Analyse dessen, was man über St. Nikolaus, Wesel sonst so (im Netz) in Erfahrung bringen kann, deutet in die gleiche Richtung: Dort hängen beispielsweise Plakate aus, auf denen die Differenzierung zwischen Priestern und Pastoralreferenten ausschließlich darin besteht, daß bei den einen: „ständige Gottesdienste“ steht und bei den anderen nur „Gottesdienste“. Und die Predigt geschah ohnehin derart routiniert, daß von einem regelmäßigen Geschehen, d.h. von einem gewohnheitsmäßigen Rechtsbruch, sicher auszugehen ist

Nun, ich werde vermutlich in den kommenden Jahren noch Gelegenheit haben, das in Wesel persönlich zu überprüfen, denn ich bin aus privaten Gründen immer mal wieder dort; mal sehen, wenn ich gerade besonders mutig bin, gehe ich vielleicht auch mal in einen Wortgottesdienst… Wir werden sehen.

Jedenfalls gibt es in St. Nikolaus fünf Priester für neun Gottesdienstorte, was nach sehr einfacher Betrachtung zu dem Ergebnis führt, daß mit Nutzung der Vorabendmesse und einem einfachen Rotationsprinzip zwar nicht jeden Sonntagmorgen an jedem Ort ein Priester eine Messe halten kann, sehr wohl aber eine solide Grundversorgung ohne weiteres zu gewährleisten ist.

Was konkret Bergerfurth betrifft, so könnte jedenfalls die sehr interessante jüngere Kirchengeschichte des Ortes, auf die ich hier leider nicht näher eingehen kann (herzlichen Dank an H.N.!), gerade ein ermutigendes Beispiel des Opfermuts geben, den Ende des 19. Jahrhunderts die Gläubigen aufgebracht haben, um einen würdigen Raum für die Feier der Hl. Messe zu schaffen und Priester herbeizuholen, auch finanzielle Opfer. Schauen Sie, welch hübsche kleine Kapelle der Vorgängerbau des Pavillons war (herzlichen Dank an P. v. B. für die Zusendung und an W.K. für die Vermittlung!):

 

Bergerfurth, Der Vorgängerbau (Bild: Museum Bislich)

Der quer zum ‚Kirchenschiff‘ liegende Raum ist die ehemalige Wohnung des ‚geistlichen Lehrers‘, der Bergerfurth ab 1868 ursprünglich zugleich Schulbildung und katholischen Kultus brachte, bevor der preußische Staat (als Spätfolge des Kulturkampfs?) diese Konstruktion 1890  nicht mehr zuließ.

 

Abschließend gesagt bin ich als gebürtiger Rheinländer sehr traurig über das, was ich da erleben mußte und als Deutscher und Katholik ein wenig ratlos, wie der Weg aus solch eingefahrener Verirrung zu finden sein möchte.

Für Bergerfurth wie für jede Gemeinde, die unter solchen Machenschaften leidet, gilt aber jedenfalls:

1) Ihr seid nicht allein!

2) Ihr habt das verbriefte Recht auf besseres:

„Alle Christgläubigen haben das Recht auf eine wahre Liturgie und besonders auf eine Feier der heiligen Messe, wie sie die Kirche gewollt und festgesetzt hat, wie es also in den liturgischen Büchern und durch andere Gesetze und Normen vorgeschrieben ist. In gleicher Weise hat das katholische Volk das Recht, daß das Opfer der heiligen Messe unversehrt und in voller Übereinstimmung mit den Äußerungen des Lehramtes der Kirche gefeiert wird.

Schließlich ist es ein Recht der katholischen Gemeinschaft, daß die Feier der heiligsten Eucharistie so vollzogen wird, daß sie wirklich als Sakrament der Einheit erscheint und jede Art von Mängeln und Gesten gänzlich gemieden werden, die Spaltungen und Parteiungen in der Kirche hervorrufen könnten.“ (Redemptionis sacramentum Nr. 12, Hervorhebungen von mir)

3) Leistet Widerstand: PuLa ist ein Franchise-Modell 😉

4) Et quisquis scandalizaverit unum ex his pusillis credentibus in me: bonum est ei magis si circumdaretur mola asinaria collo ejus, et in mare mitteretur. Mk 9, 41 (42)
(Bitte ggf. nicht in die irreführende Einheitsübersetzung schauen, sondern z.B. hier)

Doch als einfacher Gläubiger, der heute in Mitteldeutschland zuhause ist, ist mir eines (noch) klarer geworden:
Wir haben großes Glück, zu sein, wo wir sind!

Wenn DAS die Folgen großer und „reicher“ Bistümer und mehrerer Jahrzehnte „fortschrittlicher“ Entwicklung sind, dann sollten wir heil-froh (froh um des Heils willen!) sein, daß wir in kleinen und armen Bistümern leben, die sich z.B. keine Pastoralreferenten ‚in der Fläche‘ leisten können! Wir haben ganz offenbar in diesem Sinne vom „Westen“ nicht nur nichts zu lernen, wir müssen vielmehr darauf achten, alles zu tun, um solche Zustände bei uns nie-, niemals einreißen zu lassen, ja mehr noch, wir sollten erhobenen Hauptes daran mitwirken, daß eines schönen Tages, das, was ich in Wesel erleben mußte, nirgendwo in ganz Deutschland mehr denkbar ist!

Hl. Bonifatius, Gründer des Bistums Erfurt, Missionar ganz Deutschlands in enger Übereinstimmung mit dem Hl. Vater, bitte für uns!

 

Bonifatius fällt einen heidnischen Kultbaum, Radierung von Bernhard Rode1781(Bild: Wikipedia/James Steakley)

 

PuLa unterwegs: Zeitz, oder der Dom im Schloß

Woran denken Sie, wenn Sie ‚Zeitz‘ hören? Wie, an nichts?!
Ok, weiterlesen! 😉

An Briketts, Kinderwagen und Otto Baensch, den Erbauer des Nord-Ostsee-Kanals? Sehr gut, aber ein wenig vergangenheitsorientiert.

An Zucker und Wein? Ausgezeichnet; ja Zeitz ist wieder eine Weinstadt (wie in Zeiten des mittelalterlichen Klimaoptimums) und die Weine, die an der Weißen Elster wachsen, lohnen sehr; der dort produzierte Zucker landet gewiß nicht in den vorwiegend trocken ausgebauten Gewächsen… 🙂

Aber wenn Sie nichtsahnend durch das ziemlich überdimensionierte barocke Torhaus von Schloß Moritzburg schreiten, wartet eine doppelte Überraschung auf Sie.

 

Schloß Moritzburg, Zeitz, Torhaus (eigenes Bild)

Sie stehen unversehens an der Langseite (Norden) einer größeren gotischen Hallenkirche, der zwar die Türme abhanden gekommen sind, die aber auch noch (an der Südseite) über wesentliche Teile eines Kreuzgangs verfügt. Nach Westen schließt ein angebauter Blendflügel des barocken Schlosses von geringer Tiefe das Kirchengebäude ab.

Blick aus dem Torhaus auf das Langhaus 😉 (eigenes Bild)

St. Peter und Paul, Zeitz, Langhaus von Norden (Bild: Wikipedia)

Aber die Verblüffung ist steigerbar. Denn wer den sehr angenehmen, hellen und freundlichen Kirchenraum betritt, stellt fest: Bei allen sehr ‚protestantischen Einbauten‘ des 17. Jahrhunderts handelt es sich um eine katholische Kirche! Seit 1946 nutzt die örtliche katholische Gemeinde den Dom St. Peter und Paul, wiewohl sie in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eine eigene kleine Kirche erbaut hatte.

 

St. Peter und Paul, Zeitz, Blick ins Langhaus, Richtung Südwesten (eigenes Bild)

Dom? Ja, Dom, denn Zeitz war, von 968 bis zur Verlegung des Sitzes nach Naumburg 1028 (sprechen Sie die Zeitzer aber besser immer noch nicht darauf an!) Bischofssitz. In Zeitz blieb ein Kollegiatsstift, unter dessen Regie der heutige Bau entstand, der Ende des 15. Jahrhunderts fertiggestellt war.

St. Peter und Paul, Zeitz, Blick auf die Herzogsloge (eigenes Bild)

Natürlich mit Türmen… Die entfernte dann erst der Erbauer des Schlosses Moritzburg, Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz, weil sie, das muß man bei allem Bedauern zugeben, die typische Silhouette eines barocken Schlosses völlig unmöglich gemacht hätten. Die Glocken zogen glücklicherweise in das Torhaus um.

Von dort aus rufen sie auch heute zum sonntäglichen Gottesdienst, zur Hl. Messe. Und, was soll ich Ihnen sagen, die leise Bänglichkeit, wie denn eine mitteldeutsche Diasporagemeinde einen so großen Kirchenraum füllen würde, erwies sich als völlig unbegründet; es war voll! Auf ein funktionierendes Gemeindeleben deutete auch hin, in wie großer Zahl und wie ausgesprochen lange die Meßbesucher im Anschluß noch vor der Kirche stehenblieben, bald auch zusammen mit ihrem Hirten (in schwarz und mit Kollarhemd…).

St. Peter und Paul, Zeitz, nach der Messe (eigenes Bild)

Der Besuch des Museums im Schloß ist sehr zu empfehlen, und das nicht nur wegen des Deutschen Kinderwagenmuseums, sondern auch wegen der gut gemachten neueren historischen Ausstellung zur Stadtgeschichte, die mich mit der beeindruckenden Gestalt des im Chor des Doms beigesetzten ‚letzten Zeitzer Bischofs‘, Julius von Pflug, ins Nachdenken gebracht hat über ein angemesseneres Verhältnis zur „Reformationszeit“ (Stichwort: Nicht nur Betrachtung der Verlustgeschichte, sondern mehr Betrachtung von katholischen Biographien, die nach wie vor etwas zu sagen haben).

 

Wappen des Bischofs J. v. Pflug auf seinem Grab (eigenes Bild)

Und war Ihnen der „Kardinal von Sachsen“, Christian August von Sachsen-Zeitz bekannt? Ich muß gestehen, mir nicht, aber dieser Sohn von Herzog Moritz hat es bis zum Erzbischof von Gran (bzw. Esztergom, Ungarn) und Stellvertreter des Kaisers gebracht!

Woran man mal wieder sieht: Katholische Karrieren konnten sogar aus dem Tal der Weißen Elster ganz schön weit führen… 🙂

Merke: Es gibt mitten im ‚Kernland der Reformation‘ sehr lohnenswerte „katholische“ Reiseziele und Zeitz gehört dazu.

 

St. Peter und Paul, Segnender Christus, Reste der Ausmalung (eigenes Bild)

On the rocks: Zweihundert Jahre Pfarrjubiläum in Jena gefeiert

Gesagt – getan: Wie vorgestern angekündigt, haben wir uns gestern auf den Weg gemacht zum Ort des historischen Geschehens, nach Jena, um des Wiedererstehens organisierter Kirchlichkeit in unserer Region vor zweihundert Jahren zu gedenken – und zu feiern!

Wir, das waren immerhin acht Weimarer Gemeindemitglieder von unter 10 bis über 80 Jahren. Und was hätte es für einen schöneren und passenderen Tag geben können, als das Hochfest der Aufnahme Mariens, um der Gründung einer Pfarrei zu gedenken, die damals ‚Maria vom Siege‘ hieß? Ja, freilich wird man in den Jahren vor 1813 bei der Wahl des Termins auch an den Geburtstag Napoleons am 15. August (1769) gedacht haben, aber wie der zeitliche Abstand deutlich zeigt: Die wahren Siege sind ganz anderer Natur – und sie sind haltbarer: Es feiern heute wohl deutlich mehr Menschen die ‚assumptio‘, als den Geburtstag des Korsen – selbst hier in der Diaspora! 🙂

Der Rektor der Pfarrkirche St. Johann Baptist, Jena (seit 1905 unter diesem Patrozinium), Pfr. Pohlmann hatte die Initiative ausdrücklich gutgeheißen und uns eingeladen, Danke, Hochwürden!

St. Johann Baptist, Jena (eigenes Bild)

 

Von Pfr. Pohlmann in die Geschichte vor Beginn der Messe kurz eingeführt und mit der Tatsache unseres Besuchs vertraut gemacht, haben wir dann Teilen der durchaus zahlreichen Gemeinde, die sich anläßlich des Hochfestes eingefunden hatte, ein Gläschen Sekt (deutschen und französischen selbstverständlich) und kleine profiteroles (aka Windbeutel; nach einem burgundischen Rezept, selbstverständlich. Danke, B.W. !) kredenzt und das Angebot fand lebhaften Zuspruch (nachweislich anhand der genutzten Gläser min. 27, ohne Kinder natürlich 😉 )

"Verbindung von Liturgie und heiterer Weltlichkeit" (eigenes Bild)

So entspannt kann kirchliches Feiern (auch) sein…

„Diese Verbindung von Liturgie und heiterer Weltlichkeit („Kirche und Wirtshaus“) hat immer als typisch katholisch gegolten und ist es auch.“ (J. Ratzinger/Benedikt XVI., Der Geist der Liturgie, Freiburg 2007, S. 172)

Danke, Hl. Vater!

Und warum ‚on the rocks‘? Weil sich die Sektflaschen im Cooler in einer Packung crushed ice von der Tankstelle am Wege befanden! Funktioniert ganz prima, zur Nachahmung sehr empfohlen!

 

St. Johann Baptist, Jena, Portal (eigenes Bild)

PS: Um nun aber nicht gar zu wenig seriös zu enden, hier noch ein Bild der ersten Seite der Errichtungsurkunde, (veröffentlicht zuletzt im Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, 59, 2007, S. 325 – 336, von Clemens Brodkorb und Wolfgang Hradský)

Die entscheidenden Sätze, die Bezug nehmen auf das Ineinanderwirken von (weltlich-rechtlicher) Stiftung und letztlich für das Gründungsdatum auschlaggebender kirchenrechtlicher Errichtung, lauten:

„[…] bestätigen Wir, von höchster Befriedigung Unseres seelsorgerlichen Sinnes bewegt, hiermit […] mit kirchlicher Vollmacht noch einmal die oben erwähnte Stiftung, und Wir errichten im Hinblick auf diese Schenkung eine katholische Pfarrei in der Stadt Jena unter dem Titel der Heiligen Jungfrau Maria vom Siege […] (a.a.O., S. 335)

PPS: Und dann gibt es da, ganz zu Ende der Urkunde, noch einige wahrhaft zeitlose Sätze der Ermahnung an die künftigen Thüringer Pfarrer, die ich Ihnen einfach nicht vorenthalten kann:

„Im übrigen bitten wir die jeweiligen Pfarrer, Wir ermuntern und ermahnen sie im Herrn, daß sie […] beständig über die ihnen anvertraute Herde wider jede Gefahr der Verderbnis wachen, stehenden Fußes immer bereit, jedem Einzelnen die Sakramente zu spenden, eingedenk jener überaus gewichtigen Verpflichtung, aufgrund derer sie gehalten sind, gegenüber Gott auch nur über ein einziges Schaf, das sie durch ihre Schuld oder auch nur Nachlässigkeit verloren haben, Rechenschaft abzulegen.“ (a.a.O., S. 336)

Zweihundert Jahre ‚French Connection‘ Jena-Weimar: Ein Pfarrjubiläum

Man mag ja kaum darüber nachdenken: Seit ‚Einführung‘ der Reformation in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts (über diesen eigentümlich bürokratischen Begriff muß man irgendwann auch mal was schreiben!) gab es über lange, lange Zeit in Weimar, wie in weiten Teilen Mitteldeutschlands überhaupt keinen katholischen Kultus; die Feier der Hl. Messe war schlicht verboten.

Es ist dieser düstere Hintergrund, der einem die Bedeutung der Tage vor zweihundert Jahren, als Anfang/Mitte August 1813 mit der Gründung der Pfarrei Jena-Weimar organisierter Katholizismus wieder erstand, so richtig deutlich werden läßt, aber der Reihe nach:

Im Jahr 1533 wurden die Franziskaner aus ihrem Weimarer Kloster vertrieben und erhielten Predigtverbot. Erst gut 180 Jahre später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts liegen die ersten Nachrichten von erneuten, strikt anlaß- und personenbezogenen Messen auf dem Gebiet des späteren (seit dem Wiener Kongreß) Groß-Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach vor, sei es für italienische Kaufleute, Soldaten in der allerdings bald aufgelösten Armee oder für eine französische Fürstin im kurzlebigen (ca. 1672 – 1690 ) Herzogtum Sachsen-Jena.

Aber das ist nicht die ‚französische Verbindung‘, auf die der Titel anspielt. Sie ist vielmehr das Ergebnis der seit 1789 nachweisbaren Bemühungen der eigentlich ja seit ihrer Gründung 1558 sehr prägnant protestantischen Universität Jena um einen Priester für katholische Studenten und Universitätslehrer.

Nach dem Scheitern erster Ansätze konnte Gabriel Henry (* 28.3.1752, + 4.6.1835), gebürtig aus Nancy, am ersten Fastensonntag des Jahres 1795 seine Jenaer Antrittspredigt halten. Henry (das Datum seiner Priesterweihe kann ich hoffentlich einmal nachtragen ) gehörte zu den zahlreichen französischen Geistlichen, die die Amok laufende französische Revolution ins Exil nach Deutschland getrieben hatte.

Trotz schwieriger (materieller) Bedingungen gelang es Henry in Jena offenbar recht zügig, sich zu Stadt und Universität in ein mehr als auskömmliches Verhältnis zu setzen und die Seelsorge für die einigen Dutzend Katholiken in Stadt und Umfeld zu gewährleisten, so sehr, daß er es 1802 ablehnte, nach Frankreich zurückzukehren, wo ihn interessante Positionen erwarteten, und mit Genehmigung seines Bischofs in Jena verblieb.

Dort wurde er im Oktober 1806, als die Stadt im Zusammenhang mit der Schlacht von Jena und Auerstedt einen Moment lang ins Zentrum der Weltgeschichte rückte, zur Schlüsselfigur in der Verbindung zwischen der Stadt und den französischen Siegern. Er traf dabei nicht nur mit den Marschällen Lannes und Ney, sondern, am 15.10.1806, auch mit Napoleon selbst zusammen.

Beim ‚Kaiser der Franzosen‘ hat er sich, erneut alle Karrierechancen ausschlagend, für die rechtliche Gleichstellung der Katholiken in Sachsen-Weimar, für die Kirche und den Kirchbau in Jena und für Erleichterungen für die Stadt Jena im Zuge der Besatzung (und zwar in dieser Reihenfolge…) eingesetzt – mit Erfolg!

Im Jahr darauf dankte ihm die Stadt den Einsatz mit der Ehrenbürgerwürde und als wieder ein Jahr später Napoleon erneut in der Nähe weilte (Erfurter Fürstenkongreß von 1808) nutzte Henry die Gelegenheit, um seine Bemühungen um eine auskömmliche wirtschaftliche Absicherung der Kirche in Jena fortzusetzen, in Zeiten ohne Kirchensteuer (oder gar Staatsleistungen an die Kirche) die unabdingbare Voraussetzung für ein dauerhaftes Bestehen kirchlicher Organisationsstrukturen.

Die Dotation gelang, eine Art ‚Kirchenvorstand‘ wurde gewählt, der sachsen-weimarische Staat begann, sich um die Sache zu kümmern (regelmäßig nur allzu kleinlich) und Ende März 1809 wurde der Kirche das Gut Mohrental übergeben.

Dennoch dauerte es bis zur kirchlichen Errichtung der Pfarrei noch einige Jahre, sie wurde durch den ehemaligen Kurmainzischen Statthalter in Erfurt, Erzbischof Carl Theodor von Dalberg mit Datum vom 5. August 1813 vorgenommen,   mittlerweile als Erzbischof von Regensburg . Die gesamte Bistumsstruktur in Deutschland war zu diesem Zeitpunkt in völliger Unordnung, ein Umstand, der in den folgenden Jahrzehnten noch für allerlei Ungemach sorgen sollte).

Das Patronatsfest der neuerrichteten Pfarrei „Unsere Liebe Frau vom Siege“ war der 15. August.

Und da diese einzige Pfarrei in Sachsen-Weimar das gesamte Staatsgebiet umfaßte (und ohnehin bald nach Weimar verlegt wurde, wozu die veränderten politischen Umstände wesentlich mit beitrugen), können wir morgen, am Hochfest der Aufnahme der Jungfrau Maria in den Himmel (Assumptio Beatae Mariae Virginis) zugleich voll Freude das 200-jährige Pfarrjubiläum feiern.

Und das werden wir auch tun. Bleiben Sie dran oder, noch besser, melden Sie sich bei uns (per Kommentar, Mail oder Telephon)!

Heilige Maria, MutterGottes, in unversehrter Jungfräulichkeit in den Himmel aufgenommen, bitte für uns!

Mariä Himmelfahrt, Frankreich, 19. Jh. (Bild: Wikipedia, anonym)

 

Das ging ja jetzt schnell!

Oder, um genau zu sein: Die Antwort von Herrn Waschki, Chefredakteur der Bistumspresse, an Prof. em. L. Sperling war schon bei ihm, als ich, urlaubsbedingt verzögert, erst dazu kam, die spannende Debatte über das Thema Lebensschutz im ‚Tag des Herrn‘, insbesondere die Behandlung der Initiative ‚One of us‘, aufzunehmen (hier). Ist es nicht beruhigend, daß Blogs auch mal nicht so schnell sind? 😉

Die Tatsache, daß Herr Waschki zeitnah geantwortet hat ist sehr, und der ganze Ton des Briefs ist durchaus erfreulich, lesen Sie selbst, das letzte Dokument mit einer erneuten Antwort von Lutz Sperling (hier).

Allerdings gibt es eine Zeile in dem Brief, die mich besonders hat aufhorchen lassen:

„Zu den Personen: Die ‚rechte Ecke‘ ist ein Zitat einer kirchlichen Quelle.“ heißt es da. Eine der Quellen offenbar, von denen weiter oben die Rede ist:

„[die] sehr schwammig scheinen“ es tatsächlich aber nicht seien, sondern „sehr zuverlässige und ernst zu nehmende Quellen […] „Leider wollte niemand sich namentlich nennen lassen.“, was wieder mit dem „Pranger“ im Internet zusammenhinge.

Dazu fiele einem gar manches ein: Z.B. ob es wirklich eine besonders mutige, bzw. stilvolle Haltung für Menschen im kirchlichen Dienst sein kann, mit faktischer Hilfe des TdH im Ergebnis ‚hintenrum‘ Stimmung zu machen, statt sich der Unbequemlichkeit zu unterziehen, für seine (gut begründeten?) Meinungen offen einzustehen. Ich finde das, vorsichtig ausgedrückt, kein besonders überzeugendes Bild (Martyria, einer der Grundvollzüge der Kirche, heißt Zeugnis…).

Doch kann man andererseits auch feststellen, daß es mittlerweile offensichtlich eine innerkirchliche ‚Gegenmacht‘ im Internet gibt, die solche ‚Helden‘ ziemlich vorsichtig werden läßt, was ja eigentlich ein ermutigendes Signal ist.

Aber lassen wir uns nochmal das Zitat auf der Zunge zergehen:

„Die ‚rechte Ecke‘ ist ein Zitat einer kirchlichen Quelle.“ (Hervorhebung von mir)

Ja, das kennen wahrscheinlich die meisten traditionsgebundenen Blogger, den Versuch in die „rechte Ecke“ gestellt zu werden. Ich kenne es auf jeden Fall und wurde u.a. schon ziemlich bald als „Rechtsaußen“ bezeichnet“.

Was dazu vor der Hand zu sagen ist, habe ich schon im November 2011 geschrieben, hier.

Heute steht mit Papst Franziskus eine Persönlichkeit an der Spitze der Kirche, der wohl gewiß niemand vorwerfen möchte, sie gehöre in die rechte Ecke. Er ist der Kronzeuge schlechthin für die Feststellung: Die Lehre der Kirche gehört in eine andere (intellektuelle) Dimension, als derartiger hilfloser Hader der Parteiungen! So, wenn der Hl. Vater bei allem Engagement für die Armen zu entscheidenden (Reiz-) Themen der kirchlichen Lehre bloß sagt: „Es ist die [Position] der Kirche. Ich bin ein Sohn der Kirche.“ (vgl. wie immer wunderbar vor wenigen Tagen der ‚Frische Wind‘, hier).

Danke, Hl. Vater!

Ich werde aber heute auch angesichts dessen, was der Brief von Herrn Waschki wieder einmal offenbart hat, gerne noch ein bißchen deutlicher als vor anderthalb Jahren:

Die undifferenzierte Verwendung des Vorwurfs, jemand sei irgendwie ‚rechts‘, zeugt von der offenkundigen Unwilligkeit oder Unfähigkeit der Verteidigung der eigenen Position und ist tendenziell feige.

Kein Wunder, daß die Macher dieses Blogs und ihr Umfeld von interessierter Seite auch nur hinter verschlossenen Türen als „Kirchenfaschisten“ bezeichnet wurden.

Nur dumm, daß PuLa sehr feine Ohren hat…