Zurüruck zum Inhalt

Die Begriffsfindung

Die Begriffsfindung

Ein Sketchlet für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Oh ja! Es gibt sie noch, die uns gut bekannte Schafweide vor den Toren von Wundersdorf. Die Berichterstatter hatten über den Sommer lediglich hitzefrei. Nun treffen wir die Schafe wieder – und tatsächlich haben sie schon wieder eine besondere Aktion auf die Beine gestellt. Wir sehen sie vor einer riesigen Leinwand (vgl. hier), über die ein hoch aufgeschossenes junges Wild-Schaf die kleine Herde via Beamer gerade mit offenbar hochinteressanten Informationen versorgt hat. Die Diskussion jedenfalls ist heftig.

Flocke: Da feiert man dieses Fest nun seit über fünfzehnhundert Jahren …

Wolle: … in der katholischen Kirche und sogar noch bei den Anglikanern …

Kohle: … der koptischen und armenischen Kirche …

Blütenweiß: … in den orthodoxen und syrisch-orthodoxen Kirchen sowieso …

Grauchen: … und Papst Sergius I hat es vor über dreizehnhundert Jahren in Rom eingeführt …

Kohle: … bzw. erwähnt als Fest, das es schon gibt! …

Flocke: … zusammen mit Verkündigung und Himmelfahrt und Mariä Lichtmeß.

Wolle: „Mariä Geburt“!

Blütenweiß: Die Geburt der Gottesgebärerin wird gefeiert – klar!

Huf: Gar nicht klar. Normal begeht man ja die Todestage.

Wolle: Sehr richtig! Außer eben bei Maria und Jesus und Johannes dem Täufer.

Grauchen: Weil diese drei besondere Menschen waren.

Fixi: Ohne Erbsünde empfangen bei Maria, zum Beispiel.

Flocke (nickt dem Lämmchen zu): Also richtig was Besonderes.

Wolle: Über Jahrhunderte Prozessionen, Feiern, besondere Gesänge, besonderes Gebet …

Blütenweiß: … und jetzt? Steht da: „23. Sonntag im Jahreskreis“.

Grauchen: Ich fasse es nicht!

Flocke: Diese Durchnumeriererei geht mir unglaublich auf die Nerven.

Kohle (schnaubt): „23. Sonntag im Jahreskreis“

Wolle (fassungslos): Das klingt wie … wie …

Flocke: … wie „23. Spieltag der Bundeslade“. (Die Schafe lachen.)

Kohle: Irgendwie unernst jedenfalls …

Wolle: … und bürokratisch.

Blütenweiß: Wie die dreiunddreißigste Kalenderwoche.

Grauchen: Als wollte man das Kirchenjahr hinter sich bringen.

Flocke (mit jeweils verstellter Stimme): „Bis wann können Sie die Predigt denn liefern?“ – „Na – ich sag mal – der 23. Sonntag im Jahreskreis wird’s schon werden.“ (Die Schafe lachen.)

Kohle (seufzt): Lach wenn’s zum Heulen nicht reicht, wie man so schön sagt.

Wolle: Genau so machen wir das!

Sie trotten zum Rest der Herde, um beim Abbau von Beamer und Leinwand behilflich zu sein.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu, vor den Toren von Wundersdorf!

Und bei uns in Weimar? Wenn Sie sich beeilen nachzusehen (denn das Pfarrbrief-Archiv wurde ja abgeschafft…), werden Sie jedenfalls feststellen, daß das Fest in den Vermeldungen für heute nicht ausgewiesen wurde, nicht mal in Klammern. Aber erwähnt wurde es dennoch, und das haben wir niemand geringerem, als dem Hl. Vater zu verdanken. Wie das zusammenpaßt? Dazu kommen wir noch.

 

 

Ein Kommentar

  1. Else Franke schrieb:

    „Fallen ein Hochfest und eine Feier niedrigeren Ranges (Fest, gebotener Gedenktag, nichtgebotener Gedenktag)auf denselben Tag, so hat das Hochfest den Vorrang. Hochfeste haben während der Zeit im Jahreskreis einen höheren liturgischen Rang als die Sonntage, die sonst vor allen anderen Festen und Gedenktagen Vorrang haben.“
    Steht sogar bei Wikipedia.
    Aber PuLa recherchiert ja neuerdings lieber hinterher (siehe auch angebliches Augustinus-Zitat).
    Mariä Geburt ist übrigens ein Fest und dem Sonntag damit untergeordnet. Das haben die Schreiber der Vermeldungen in Weimar richtig gemacht. PuLa glänzt auch weiterhin mit Halbwissen.
    Weiter so!

    Sonntag, 8. September 2013 um 20:52 | Permalink

5 Trackbacks/Pingbacks

  1. Pulchra ut Luna › ‚De Maria numquam satis‘ on Montag, 9. September 2013 um 22:46

    […] Nach ca. zweieinhalb Stunden war der Kommentar zum gestrigen Sketchlet schon da (schauen Sie hier). Ja, so muß das sein, vor dem Schlafengehen immer noch mal schauen, ob’s was Neues gibt bei […]

  2. […] im Oderbruch. Am Vorabend des Dritten Sonntags der Osterzeit  haben Hanna und Karl es sich in der Couchecke der Langenfelds bequem gemacht. Auf […]

  3. […] zu der guten Laune am gestrigen „11. Sonntag im Jahreskreis“ (zu der Bezeichnung vgl. hier) vor allem beitrug, war die herausragende musikalische Gestaltung durch die hervorragend […]

  4. […] Also. Das Wildschaf hatte mal wieder ( wie hier und hier) einen Vortrag vorbereitet. Zu Fronleichnam. Zum Thema alte Prozessionswege und […]

  5. Pulchra ut Luna › ‚De Maria numquam satis‘ on Montag, 27. August 2018 um 20:48

    […] Nach ca. zweieinhalb Stunden war der Kommentar zum gestrigen Sketchlet schon da (schauen Sie hier). Ja, so muß das sein, vor dem Schlafengehen immer noch mal schauen, ob’s was Neues gibt bei […]

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*

*