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Sommerkino auf PuLa II: Katholische Identität, Liturgie und „Ritualtheorie“

Wie angekündigt der zweite Teil unseres ‚Sommerkinos‘; Hw. Dr. Kreier setzte den Vortrag fort mit dem Durchgang durch den Aufsatz von R. Meßner, der sich mit „Ritualtheorien“ und ihrer möglichen Anwendung auf den katholischen Gottesdienst befaßt.

Einige Stichworte, die mir besonders aufgefallen sind:

  • Wieder sind u.a. auch einige Bemerkungen über die „Oberhirten“ aufschlußreich (ca. ab 2:01).
  • Sehr interessant die Bemerkungen über den „fehlenden Resonanzraum“ heutiger Künstler, wenn sie, z.B., liturgische Geräte fertigen sollen (ca. ab 7.00 ); wer würde da nicht auch an die deplazierten Hervorbringungen im Neuen Gotteslob denken… (vgl. hier!)
  • Notwendigkeit der wirklichen Durchdringung des komplexen Geschehens „Eucharistie“  statt „wohlfeiler“ Überlegungen zur „Ausdehnung des Kreises“, erneut: Wiedergewinnung der Fähigkeit  zum „liturgischen Akt“ (Guardini) vor externem Aktionismus (ca. 12:00)
  • Mangelhafte Katechese zur Eucharistie, Verwendung des Begriffs „Heiliges Brot“ mangelhaftes Surrogat (ca. 16.00)

1:11 Ritual: Die Performance formalisierter verbaler und nonverbaler relativ invarianter Handlungen, die nicht von den Ausführenden kodiert sind.

1:41 Also: Die Gruppe trifft sich und fragt: „Was machen wir denn  jetzt mal? Wie sollen wir denn dieses Jahr die Christmette machen?“ Das ist schon um Lichtjahre an der Sache vorbei. Das steht fest, wie die Christmette gefeiert wird, da gibt es gar keine Diskussion, weil es ein Ritus ist.

3:07  Formalisierung […] bedeutet einen gewissen Primat der Gestalt  vor dem Inhalt. Rituelles Verhalten als formalisiertes Handeln impliziert einen Weg von außen nach innen, vom körperlichen Tun zum geistigen Gehalt, nicht umgekehrt.

4:13 Da ist nicht der Inhalt die hierarchische Kirche oder synodale Kirche oder was auch immer oder wie ich bin toll, „Hallo ich bin euer Kumpel“ oder sowas, das ist alles nicht der Inhalt von Gottesdienst  das kann ich beim Bier abends machen oder auf der Kegelbahn aber nicht im Gottesdienst.

8:41 Und so gilt das auch für den Bereich der Musik, den wir sträflich vernachlässigen.

PS: Das „Taschenabendmahl“ habe ich gesucht, aber (leider??) nicht gefunden.

EDIT: Aber der Kollege J. Niebecker von „Zwischen Kirche, Kreuz und Kreuzkümmel“ (hier)! Der hat es gefunden, das Taschenabendmahl. Und zwar auf den Seiten des Deutschen Patentamts (hier); irgendwie bezeichnend, oder? Jedenfalls trifft die Beschreibung von Hw. Dr. Kreier den Nagel auf den Kopf! 🙁
Herzlichen Dank, Herr Kollege!

Und als Schlußgedanke: Will es einen nicht eigentümlich berühren, daß gerade vor wenigen Tagen (7. Juli 2014) die „Bewirkte Schutzdauer“ (BSD) des Designs nach 15 Jahren abgelaufen ist? Ich sage mal: ein hoffnungsvolles Zeichen! 🙂

Sommerkino auf PuLa: Katholische Identität, Liturgie und der ‚Geist des Konzils‘

Zu den vielen interessanten Erfahrungen, die man macht, wenn man das Bloggen anfängt, und zwar im sozialen Nahraum einer konkreten Pfarrei (und unter Klarnamen) gehören absolut unerwartete Reaktionen.

Da kann es z.B. passieren, daß man unvermittelt einem „sabbernden, dümmlichen Schleimkotzmonster“ gleichgestellt wird; so geschehen im Februar 2013… (hier, im Kommentarbereich)

Jo, Danke auch! 😉

Was war da geschehen?

Kurz zuvor hatte ich unter dem Titel: „Da haben wir ihn!“ einen Beitrag gepostet, der sich humoristisch mit dem „Geist des Konzils“ beschäftigte (hier).

Vor "liturgischen Masken", na klar! (eigenes Bild)

Vor „liturgischen Masken“, na klar! (eigenes Bild)

Wohlgemerkt, das Posting war ausdrücklich als „PuLas Beitrag zum Karneval“ ausgewiesen (und wer einigermaßen Englisch kann schaut bitte hier, und folgt von dort dem angegebenen Link, um eine Quelle der Inspiration dafür kennenzulernen).

 

„Ja zum Vatikanum II“, wohlgemerkt! :-)

„Ja zum Vatikanum II“, wohlgemerkt!

Tja, was war da zu tun? Wie reagieren? Mit einem herzhaften: „Danke gleichfalls!“ vielleicht? 🙂

Aber so etwas führt ja nicht weiter, zumal dankenswerterweise die Kommentatorin ebenfalls unter ihrem richtigen Namen agierte, ja sogar ausdrücklich darauf bestand, daß dieser genannt werde. Das ist ja hier aus der Nähe leider selten und so war ich dafür dankbar, denn das würde ja vielleicht helfen können, diesen ungewöhnlichen Vorfall zu erklären!

Und außerdem mußte ich ja erkennen, daß ich offenbar (in diesem Fall unabsichtlich!) jemanden emotional stark negativ berührt hatte, mit dieser Darstellung des „Geists des Konzils“, so sehr, daß ihm (bzw. ihr) der Humor scheint’s gänzlich abhanden kam.

Lesen wir also nochmal den Kommentar in Gänze:

„Wer den ‚Geist des Konzils‘ als sabberndes, dümmliches Schleimkotzmonster darstellt ist nicht besser!
Steffi Engelstädter
Ich bitte um Nennung meines vollen Namens und bin gespannt ob der Kommentar veröffentlicht wird.“

Ich habe damals u.a. geantwortet, ich würde gerne versuchen „das Thema der wechselseitigen emotionalen Reaktionen“ einmal „außerhalb des Kommentarbereichs zu behandeln“, könnte aber nicht versprechen, daß das schnell gehen würde.

Nun, mir scheint, die Angelegenheit ist in den anderthalb Jahren, die seitdem vergangen sind, nicht weniger wichtig geworden.

Aber worin genau besteht sie? Woher kommt das, daß zwei Katholiken auf das gleiche Stichwort derart konträr reagieren – und ich glaube sicher, hier reden wir nicht von einem Einzelfall!

Klar ist, der Ausgangspunkt ist das „Phänomen ‚Zweites Vatikanisches Konzil‘“; das „Phänomen“ wohlgemerkt, denn erfahrungsgemäß heißt das gleiche Stichwort zu verwenden noch lange nicht, daß man auch tatsächlich vom gleichen Gegenstand spricht!

Ich will an dieser Stelle gar nicht mit der oft gemachten Beobachtung anfangen, daß in den meisten Fällen (und häufig leider von „beiden Seiten“!) gar nicht die Texte im Vordergrund stehen, die da vor 50 Jahren verabschiedet wurden und seitdem ein wichtiger Teil des Lebens der Kirche sind (wenn sich eben auch nicht ihr gesamtes Leben darin erschöpft), nein, ich will es einmal ein wenig anders versuchen (auch wenn natürlich die genaue und unvoreingenommene Lektüre schon einiges klären könnte…).

Mir scheint, es könnte lohnend sein, sozusagen noch vorher in bewußter begrifflicher Unschärfe (daß ich das mal schreiben würde 😉 ) „die eigene Geschichte zu erzählen“, davon zu erzählen, zumindest zu versuchen anzudeuten wie das gekommen ist, daß man genau so und damit so anders als das Gegenüber reagiert.

Klar, daß ich das zunächst einmal allenfalls für mich selbst tun kann, mit einiger Verbindlichkeit, aber wer weiß, vielleicht macht Frau Engelstädter ja mit und äußert sich? (Dank eines freundlichen Hinweises können wir jedoch auch ohne dem zumindest über ihren Standpunkt spekulieren).

Was mich angeht, so bin ich letztes Jahr 50 geworden und daher reichen meine persönlichen Erinnerungen an Erlebnisse in der Kirche ca. 40 Jahre zurück, also bis Anfang der 70er Jahre. Sie sind damit samt und sonders von den Ergebnissen der nachkonziliaren Liturgiereform geprägt. Und nun ist es so, daß alles, aber auch alles, was man gemeinhin damit verbindet, mir schon als Kind und dann als Jugendlichem „komisch vorgekommen“ ist.
„Genauer“  konnte ich es ja nicht sagen, denn natürlich fehlten mir nicht nur die Begriffe, mir fehlte ja zunächst überhaupt die bloße Vorstellung, es könne auch anders sein! Und das war, was ich nicht häufig genug betonen kann, mein Gefühl.
Meins, und meist war ich damit allein. Denn ich war umgeben von Menschen, die das bejahten, was da geschah, auf jeden Fall aber keinen Zweifel daran aufkommen ließen, daß das „die neue Zeit“ sei und überhaupt völlig alternativlos.

Ich war damit aber unglücklich. So unglücklich, daß vermutlich die kirchenferneren Zeiten meines Lebens ganz wesentlich damit zusammenhängen.
Heute würde ich sagen, Entritualisierung, Entsakralisierung, Politisierung und modische ästhetische Anpassung haben mir den Kern des Gottesdienstes undeutlich werden lassen, damals habe ich sinngemäß gedacht: „Wenn da auch bloß in besseren Jutesäcken rumpolitisiert wird, kein Gottesdienst verläuft wie der letzte, jeden Sonntag ein neues Mätzchen irgendwelcher Laien „vorgeführt“ wird und das von der Klampfe begleitet, mit der dich schon der Liedermacher XY zum Wahnsinn treibt, was sollst du da?“

So war mein, ich wiederhole es, sozusagen autochthones Empfinden, das Empfinden eines Menschen, der nie etwas anderes kennengelernt hatte und wenn überhaupt eher „modern“ beeinflußt wurde.

Und dann passierte mir das, was so vielen anderen in den letzten zwei Jahrzehnten ebenfalls geschehen ist: Wir wurden gewahr, daß das, was uns von der vorfindlichen Kirche trennte, alles andere als alternativlos war und ist. Daß wir überhaupt nicht allein waren, und daß vielmehr die besten Köpfe in der Kirche (und teilweise sogar außerhalb der Kirche!) sagten: „Ja, es ist etwas schiefgelaufen, daß euch etwas „komisch“ vorgekommen ist, liegt daran, daß es „komisch“ ist!“

Ich hoffe, es wird deutlich, was ich sagen will: Der argumentativ arg strapazierte ‚Geist des Konzils‘ war für mich zur Chiffre geworden für den Versuch all das zu verteidigen, was mir zutiefst widerstrebte, worunter ich wirklich gelitten habe (ja, „gelitten“!), und was ich intellektuell dann ab einem bestimmten Zeitpunkt für erledigt halten mußte.
Und es war ein Gefühl ungeheurer Erleichterung und Befreiung festzustellen, daß ich damit weltweit keineswegs allein war und bin.

So meine emotionale Reaktion auf den ‚Geist des Konzils‘. Steffi Engelstädter empfindet offenkundig ganz anders.
Wie mag das kommen? Was sind die Faktoren für die „Anhänglichkeit“ an ein Stichwort, das ich so schrecklich finde? Was mögen sie und andere, ähnlich Empfindende damit emotional positiv verbinden?

Da ich (bisher?) nicht den Vorzug genieße, Frau Engelstädter persönlich zu kennen, möchte ich mich, zugleich als Einladung, sich selbst zu äußern, auf zwei Beobachtungen und die daran geknüpften Überlegungen beschränken, die auf öffentlich zugänglichen Informationen beruhen, denn Frau Engelstädter war eine Person des Öffentlichen Lebens in Weimar: Bis zum Beginn ihres Ruhestands im Jahr 2010 hat sie das Weimarer Kinderbüro geleitet, aus diesem Anlaß gibt es einen Zeitungsartikel über sie, den Sie hier finden.

Dort steht auch, sie habe sich in der DDR „ideologisch beengt“ gefühlt und, so dürfen wir vermutlich ergänzen, als Katholikin bedrängt. Das würde sehr gut passen zu dem Eindruck, den ich bisher in vielen Gesprächen gewonnen habe, daß nämlich hierzulande ‚das Konzil‘ als ein durchaus auch im weiteren Sinn „politisch“ befreiendes, bzw. Freiheit jedenfalls verheißendes „Zeichen der Zeit“ empfunden wurde. Und übrigens auch als ein Zeichen der Verbundenheit/Einheit im geteilten Deutschland!

Und das wäre, bzw. ist natürlich ein Empfinden, vor dem man nur Respekt haben kann, vor allem, wenn man selber die Herausforderung der Bewährung in der Diktatur nicht hat erleben müssen!
Freilich zeigt die Geschichte der vatikanischen Ostpolitik auch: Die Gefahr der Anbiederung an den damaligen Ostblock war umso größer, je radikaler die jeweiligen Personen in ihren theologischen Ansichten waren, oder etwas drastischer formuliert: Die „Liberalen“ waren eher die „Appeaser“. Und es war der Hl. Johannes Paul II.  und damit eben kein ausgesprochener „Neuerer“, der zu der Befreiung 1989/90 entscheidend beigetragen hat…

Und überhaupt, dieses Empfinden, so verständlich und ehrenhaft es auch ist, es wäre doch eher „weltlicher“ denn kirchlicher Natur, nicht wahr?

Nun dürfen wir dem Zeitungsartikel aber auch etwas über das Lebensalter von St. Engelstädter entnehmen, sie ist wohl gut 18 Jahre älter als ich. Das heißt, sie hat als junger Mensch die Zeit vor der nachkonziliaren Liturgiereform anders als ich noch bewußt erlebt. Und wiederum weiß ich aus Gesprächen mit Menschen dieser Generation, daß sie zu der Kirche von, sagen wir, 1960, ein deutlich distanziertes Verhältnis haben, sogar dann, wenn sie mit dem, was dann passiert ist, heute ganz und gar nicht einverstanden sind.
Auch das ist schon oft geschrieben und besprochen worden: Irgendwas hat vielleicht damals wirklich „nicht gestimmt“, dafür spricht einiges. Und da wäre es naheliegend, wenn man an das, was dann Veränderung gebracht hat, eine gewisse Anhänglichkeit entwickelt hat, was dann u.U.  mit dem Stichwort ‚Geist des Konzils‘ verbunden wird.

Auch dafür hätte ich selbstverständlich lebensgeschichtlich Verständnis und Respekt. Umso mehr, als nach meinem festen Eindruck die „Käseglocke DDR“ die mitteldeutsche Diaspora vor manchen „westlichen“ Auswüchsen auf dem Feld der Liturgie bewahrt hat, so daß manche Erfahrungen, die dazu angetan gewesen wären, den ‚Geist des Konzils‘ irgendwann kritischer zu sehen, hierzulande nicht gemacht werden mußten.

Ich finde, es wird anhand dieser skizzenhaften Überlegungen sehr deutlich, wie wichtig es wäre, über diese Erfahrungen und Empfindungen mehr miteinander zu sprechen, auch weil ich weiß, daß etliche PuLa-Leser im „alten Westen“ daran sehr interessiert sind!

Zur Vorbereitung dessen schlage ich vor, wir bilden uns gemeinsam weiter! Und da kommt (endlich 😉 ) das „Sommerkino“ ins Spiel, das der Titel verspricht.

Vor einiger Zeit bin ich, ich weiß leider nicht mehr wie, auf den Saarbrücker Hochschulseelsorger Dr. Johannes J. Kreier, gestoßen, der zugleich  Kapellan der Klarissen vom „Kloster am Rande der Stadt“ ist. Von ihm befindet sich eine unglaubliche Menge von Videos auf YouTube, die die Saarbrücker Katholische Hochschulgemeinde dankenswerterweise dorthin befördert (wenn auch leider etwas unübersichtlich, finde ich).

Und es lohnt sich sehr Hw. Dr. Kreier zuzuhören: Er ist ein unglaublich belesener Priester, der offenbar in der Verkündigung aufgeht und auflebt. Er ist außerdem, mit Verlaub, ein „Typ“, gebürtig aus der Eifel, da „wächst“ so etwas, wie ich als Bonner weiß 😉 (und so lohnt es sich auch, ihm zuzu-sehen…).
Und er ist ein völlig „unverdächtiger Zeuge“! Weder „zu alt“ noch „zu jung“, vor allem aber, wie Sie schon im ersten der von mir ausgesuchten Videos feststellen werden, ziemlich skeptisch gegenüber dem, was so mit „alter Messe“ zusammenhängt!
Aber was Dr. Kreier über Probleme der real existierenden Liturgie sagt, das würde ich mich vermutlich nicht zu sagen trauen! (Also, selbst wenn ich es alles wüßte… 😉 )

Deswegen möchte ich vorschlagen, wir hören ihm gemeinsam zu, zunächst in fünf Videos, die einen Vortrag wiedergeben (gehalten am 16. Januar diesen Jahres), die ich an den vier kommenden Mittwochen hoffe einstellen zu können. Ich werde mir von Fall zu Fall erlauben, ein paar Punkte rauszugreifen, zur Verdeutlichung, oder, um an der ein oder anderen Stelle das Verständnis zu fördern und zum Schluß, so im September, kann man ja vielleicht versuchen zu sehen, ob man ein bißchen etwas zusammenfassen kann.

Wenn wir damit fertig sind, Frau Engelstädter, werden Sie, da bin ich zuversichtlich, besser verstehen, warum unsereiner meint, zum so verstandenen ‚Geist des Konzils‘ kein anderes Verhältnis haben zu können, als ich es habe und spätestens dann erbitte ich mir für mein Empfinden ebenfalls den oben erwähnten Respekt!
Wenn Sie dann immer noch meinen sollten, sinngemäß „Hornochse“ rufen zu sollen, dann denke ich mir eine adäquate Antwort aus, aber das Gespräch, der inhaltliche Austausch wäre mir lieber.

2:08      Das Thema im engeren Sinne:
Nachdenkliches zur eigenen Identität aus Ritus, Form und Gestalt des Gottesdienstes

3:23      Also ich kann mir nicht die Kirche malen, wie sie gerne hätte und wenn die nicht tut was ich will dann ist das nicht mehr die Kirche, so hat das noch nie funktioniert [hier in Abgrenzung zur „Pius-Bruderschaft“, man darf aber auch an die WisiKis denken: „Wir sind Kirche“ im Sinne von „Wir sagen, was Kirche ist“…]

3:30ff.  Seit 2.000 Jahren enden alle Gruppen, die sich abspalten letztlich in der Vergessenheit, aber:

3:57      Das heißt auf der andern Seite im Umkehrschluß nicht, daß man mit allem [Vorfindlichen] unkritisch zufrieden sein muß, das heißt es nun wahrlich nicht

4:22ff.  Der Gottesdienst legt, das ist im Grunde genommen die Grundthese weshalb ich überhaupt von dieser Seite mal versuche heranzugehen an die Identität[sfrage]: Der Gottesdienst legt die Seele der Identität offen und ich glaube, das nehme ich vorweg, daß das eine wunde Seele ist.

5:58      man kann das auch manchmal bis hin zu Bischöfen erleben, die werden da ganz schnodderig und sagen, ja , da mit dem Ritus, da soll man sich doch nicht so anstellen, da soll man die Kirche im Dorf lassen und das muß zwar immer alles dann ordentlich sein, vor allem wenn die Bischöfe dann selber kommen, dann muß es immer irgendwie ganz, ganz nach dem Schema gehen, nach dem Ritus gehen ansonsten schaut man da jetzt nicht so drauf… [ach, wirklich, da wäre ich ja nie drauf gekommen… 🙂 ]

Der „unverdächtige Zeuge“: Reinhard Meßner mit dem Aufsatz: Einige Defizite in der Performance der Eucharistie, in dem Sammelband: Wahle, Stephan / Hoping, Helmut / Haunerland, Winfried (Hrsg.), Römische Messe und Liturgie in der Moderne, Freiburg (Herder) 2013 (S. 305- 345)

9:00      Meßner: „ein erhebliches Defizit in der liturgischen, auch der eucharistischen Feierpraxis durch deren Entritualisierung“

9:24      Karl Rahner hat da [Innsbruck] immer gelebt und gearbeitet da werden die Sätze lang weil die Luft so komprimiert ist durch die Berge das steht alles so eng; Da ist nur selten Durchzug… [ 🙂 ]

10:56    Das Konzil [als solches] hat überhaupt nichts gemacht [keine Liturgiereform durchgeführt] das Konzil hat bis zu seinen letzten Tagen im Grunde genommen die tridentinische Messe gefeiert

Brief an den liturgischen Kongreß: R. Guardini. Der Kultakt und die gegenwärtige Aufgabe der liturgischen Bildung. Ein Brief, in: A. Hänggi, (Hrsg.), Gottesdienst nach dem Konzil. Vorträge, Homilien und Podiumsgespräche des Dritten deutschen Liturgischen Kongresses in Mainz, Mainz 1964, S. 18-23

Windhauch oder Gang zur Quelle? Kirchenstatistik für 2013

Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.
(Koh 1, 2)

PuLa hat ja eine starke, ich möchte sagen, „Zuneigung“ zu den Propheten (vgl. hier) und wenn auch das schwierige und dunkle Buch Kohelet (aka Prediger Salomonis, Ecclesiastes) mit seinem für den Gesamtinhalt typischen Vorspruch wohl kaum je zu den Lieblingstexten gehören kann, die Verwendung, die der Blogger-Kollege Dr. M. Schäfer heute dafür fand, die „sitzt“:

„Die Zahl der Kirchenaustritte sagt „nur“ etwas über die Wirkung der Kirche als Institution in der Gesellschaft, der Rückgang des Gottesdienstbesuches zeigt dagegen einen dramatischen Substanzverlust an. Ohne eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit dieser Bedrohung von der Quelle her, ist alle kirchliche Arbeit nicht Wirken des Heiligen Geistes und Mitarbeit am Wachstum des Reiches Gottes, sondern Windhauch und Bauen auf Sand.“

So der Schluß eines schneidenden und zu recht auch bitteren Textes, den er unter der Überschrift: „Politiker-Geschwätz oder echte Auseinandersetzung?“ zu den Ende letzter Woche veröffentlichten aktuellen Zahlen der DBK „Eckdaten des Kirchlichen Lebens in den Bistümern Deutschlands 2013, Äußerungen des kirchlichen Lebens“ auf seinem Blog „summa-summarum“ (und auf kath.net) veröffentlicht hat. Der Kollege nimmt hier die deutschlandweit seit 2012 um beinahe 10% gesunkene Anzahl der „Gottesdienstteilnehmer“ zum Anlaß, die Reaktion der DBK und ihres Vorsitzenden Kard. R. Marx scharf zu kritisieren:

„Nichts Gutes wird man auf jeden Fall erwarten können, wenn Kardinal Marx in abgedroschenstem Manager- und Politiker-Slang verkündet, dass man sich angesichts der Zahlen fragen werde, ‚wie wir uns jetzt und künftig neu aufstellen müssen, damit das Evangelium weiterhin gehört und gelebt werden kann‘.“

PuLa kann dem von der Bewertung her nichts hinzufügen: Die Problematik des völlig unangemessenen Sprechens in gestanzten Phrasen, die einem schon aus allerlei weltlichen Zusammenhängen zum Hals raushängen (pardon!) die ist einfach genauso zu beurteilen, wie es hier geschieht; SO missionieren? Völlig ausgeschlossen!

Insofern zunächst nur die Aufforderung: Lesen! (hier oder hier; die Zahlen für 2012 finden Sie hier [S. 20] und die für 2013 hier, ebenso die Worte des ‚Großen Vorsitzenden‘)

Aber: PuLa ist ja schließlich auch Ihr Informationsblog aus der mitteldeutschen Diaspora, nicht wahr? 😉 und so haben wir uns natürlich auf die Aspekte konzentriert, die die mitteldeutschen Bistümer betreffen!

Ausgelöst wurde das durch die zeitnahe Berichterstattung auf den „Aktuelles“ Seiten (und via Newsletter) des Bistums Dresden-Meißen, wo der Pressesprecher, Michael Baudisch, ganz professionell auch gleich O-Töne „Seines“ Bischofs Dr. Heiner Koch hatte (hier; während übrigens die letzte Meldung auf den „Aktuelles“ Seiten unseres Bistums bis kurz vor Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags von Donnerstag, 17. Juli stammte).

Daß sich ein Pressesprecher, der sein Geld wert ist, um eine positive Meldung bemüht, das ist ja klar, und Dresden-Meißen hat auch eine solche: „Katholikenzahl im Bistum wächst um 524 Gläubige“

Die Entwicklung der Zahl der Gottesdienstteilnehmer wird nicht thematisiert (dazu gleich mehr), aber die Art und Weise, wie umgekehrt die gestiegene Anzahl der „Austritte“ thematisiert wird ist aller Ehren wert. Bischof Dr. Koch:

„“Diese Entwicklung schmerzt und es tut mir um jede und jeden einzelnen leid.“ Der Bischof betonte, dass er zu persönlichen Gesprächen über die individuellen Gründe jedes Kirchenaustritts bereit sei.“

Das ist die klassische Reaktion des Hirten angesichts des „einen Schafs“ und genauso  gehört sich das!

Betrachten wir also die Entwicklung „hier bei uns“, womit ich die Bistümer Erfurt, Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg meine, das Erzbistum Berlin ist aufgrund der Großstadtsituation m.E. ebenso wenig vergleichbar wie die eigentümliche West-Ost Konstruktion des Erzbistums Hamburg, da müßte man Vergleiche vermutlich auf der Dekanatsebene anstellen, aber dazu fehlen uns hier die Möglichkeiten.

Zunächst die Entwicklung der absoluten Zahlen:

2012 2013 Differenz
Erfurt 152.674 151.863 –  811 o. – 0,53 %
Dresden-Meißen 141.264 141.788 + 524 o. + 0,37 %
Görlitz 28.503 28.592 + 89   o. + 0,31 %
Magdeburg 86.737 86.121 – 616  o. – 0,71 %

Ein durchaus gemischtes Bild also, wobei man sich die Struktur der Entwicklungen im einzelnen anschauen müßte, bemerkenswert immerhin der Zuwachs von DD-M trotz erheblich höherer „Austritte“ im Vergleich zu Erfurt (1.195 zu EF 775; GÖ: 161, MD: 669), Bischof Koch führt das nicht zuletzt auf die Zuzüge aus katholischen Regionen Westdeutschlands in die Großräume Leipzig und Dresden zurück, wozu PuLa ergänzend bemerken möchte: Genau! Die Zeit der „DDR-Kirche“ ist endgültig und auch statistisch vorbei (auch wenn das „manche nicht wissen“ und andere nicht wollen…).
Bemerkenswert auch, wie gut sich das kleinste deutsche Bistum Görlitz hält!

Wie sieht es nun bei der Entwicklung des Gottesdienstbesuchs aus?

2012 2013 Differenz
Erfurt 29.792 28.000 – 1.792   o. – 6,00 %
Dresden-Meißen 27.679 25.000 – 2.679   o. – 9,7 %
Görlitz 6.243 6.000 – 243      o. – 3,9 %
Magdeburg 14.389 13.000 – 1.389   o. – 9,6 %

Wozu vor allem anderen zu sagen ist, daß die 2013er Zahlen (momentan?) nur auf glatte 1.000er gerundet vorliegen, was die Berechnung der Differenz in der Genauigkeit einschränkt.

Inhaltlich stellen diese Zahlen natürlich genau die glatte Katastrophe dar, von der der Kollege Schäfer spricht, wobei zweierlei zu bemerken ist: Erstens hält sich erneut Görlitz bemerkenswert gut, aber auch der Erfurter Rückgang ist klar unterdurchschnittlich und: Man muß diese Zahlen noch unter einer anderen Perspektive lesen:

Prozentualer Anteil  der Gottesdienstbesucher an der Katholikenzahl

2012 2013 Differenz
Erfurt 19,5 18,6 –       0,9 Punkte
Dresden-Meißen 19,6 17,7 –       1,9 Punkte
Görlitz 21,9 20,1 –       1,8 Punkte
Magdeburg 16,6 14,9 –       1,7 Punkte

Klarer Punktsieg für Erfurt – aber eben im Rahmen einer insgesamt höchst unerfreulichen Tendenz!

Freilich: Um diese Zahlen richtig einordnen zu können, muß man sie mit den Prozentzahlen von Gottesdienstbesuchern in westlichen Bistümern kontrastieren: Aachen: 8,3 % („Danke“, Kl. Hemmerle… 🙁 ), Freiburg: 9, 3%, Münster 9,7 %, Rottenburg-Stuttgart: 8,9 %, hingegen Regensburg: 16,6 %, Passau: 12,6 % und Fulda 14,0 % (alles 2013).

Die Interpretation dieser Zahlen innerhalb des westdeutschen Kontexts dürfte einem auch nur oberflächlichen Kenner der Verhältnisse nicht schwerfallen: Die Zahlen fallen umso schlechter aus, je „liberaler“ sich das jeweilige Bistum (bzw. seine Führung) in der Vergangenheit gebärdet hat…

Und was den West-Ost-Vergleich betrifft: Ob vielleicht das schlechte Abschneiden von Dresden-Meißen in dieser Kategorie just mit dem Zuzug „moderner Katholiken“ aus „dem Westen“ zu tun hat?

Das wäre eine lohnende Fragestellung, aber eines steht doch nun wirklich außer Zweifel und PuLa sagt das schon lange: Für die Übernahme irgendwelcher Rezeptchen („bewährte pastorale Strategien“), liturgischer Mätzchen („ das ist eine Gewohnheit aus xxx“) gibt es keinen, gar keinen, überhaupt gar keinen wie auch immer gearteten Anlaß!

Vielmehr ist es so, daß wir uns hüten müssen, uns Dinge aufschwätzen zu lassen, die weiter westlich bereits gescheitert sind, und im Einzelfall auch drauf schauen sollten wer das gerade versucht… (wohlgemerkt: Im Einzelfall: Keine Pauschalierungen!)

Vielmehr sollten wir die verbreitet noch (etwas) solidere Grundlage nutzen, um nach einer Neubewertung der Entwicklung der Kirche nach dem Zweiten Vatikanum zu suchen, gerade was die sog. Ergebnisse der sog. Liturgiereform angeht.
Mit eigenen Akzent.
Ohne sich von dem inzwischen seit 50 Jahren nicht verstummenden (und ergo schon reichlich heiseren 😉 ) Hurra-Geschrei irritieren zu lassen, das von den nüchternen Zahlen schlicht nicht gedeckt ist!

Zu diesem Zweck und in der mittlerweile gereiften Erkenntnis, daß es dazu offenbar einer ziemlich grundsätzlichen Anstrengung zur Klärung der Begriffe bedarf (Hallo, Frau Engelstädter! 😉 ) wird PuLa im Sommer eine Video-Reihe beginnen, in der ein Novus-Ordo-Priester (ironischerweise aus dem Saarland, also dem äußersten Westen 🙂 ) zu Wort kommen soll, mit seinem Blick auf die Problemlage. Mal schauen, ob wir so weiterkommen!
Ich hoffe, es kann am Mittwoch losgehen!

Sketch des Monats: Der Geheimtip

Wie konnte das passieren?
Wie konnte und wie kann es so weit kommen, daß in einer Gemeinschaft Verbundene, die an einem Strang ziehen sollten, in Parteien zerfallen, von denen eine die andere zum Gegner macht und geheimniskrämert in dem irrigen Glauben, auf alle anderen nicht angewiesen zu sein?

Überall in Deutschland schüttelt man ungläubig den Kopf anläßlich der Aktivitäten der US-amerikanischen Geheimdienste, die das in den internationalen Beziehungen zustande gebracht haben, zu unser aller Nachteil.

Überall in Deutschland? Nein. In der uns wohlvertrauten Diasporagemeinde Wundersdorf/Oderbruch erzählt man sich, wie alles kam:

 

Sketch des Monats: Der Geheimtip

Ein Sketch für vier Personen und beliebig viele Statisten

 

Sommer 2007. Ein brütendheißer Tag Mitte Juli. Am Baltimore-Washington International Airport verläßt ein unauffälliger junger Mann unauffällig sein Linienflugzeug und läßt sich unauffällig vom Strom der Reisenden Richtung Ausgang schieben. An der Gepäckförderanlage wartet er unauffällig auf seinen unauffälligen Koffer und geht dann zielstrebig, aber ohne Hast zum Taxistand vor dem Flughafen. Er erreicht das erste Taxi der Reihe, öffnet die hintere rechte Tür und setzt sich mit einem kurzen Gruß auf den Rücksitz.

Der Taxifahrer (hat sich nach dem Fahrgast umgedreht): Hello, man! Gosh! Was für ein Wetter hast du mitgebracht, Junge! Wo soll‘s denn hingehen?

Der junge Mann (unauffällig): Fort Mead.

Der Taxifahrer (läßt den Motor an): Ou! Zum Geheimdienst! Dann werde ich mal lieber den Mund halten – ihr Burschen seid ja immer im Dienst. (Er lacht.)

(Der junge Mann schaut aus dem Fenster und schweigt.)

Der Taxifahrer (jovial): Komm schon, Junge, nimm’s mir nicht übel! Ich wollte doch nur einen Spaß machen!

(Der junge Mann schaut auf seine Fingernägel und schweigt.)

Der Taxifahrer: Weißt du, wie öde das ist: immer nur im Auto sitzen und die Leute durch die Gegend kutschieren (ruft plötzlich laut) – paß doch auf, Mann – (er blickt mißmutig aus der Seitenscheibe nach einem anderen Fahrzeug). Wenn man sich da nicht ein bißchen unterhält, wird man völlig rammdösig. (ruft) Heyheyhey! So fährt man in Venedig! (Er weicht einem anderen Fahrzeug aus.) Aber mit dem Boot! (Er lacht.)

(Der junge Mann checkt seine Handymailbox und schweigt.)

Der Taxifahrer (erklärend): Die Hitze macht die Leute völlig verrückt!

(Pause. Der Taxifahrer beginnt ein kleines Liedchen zu pfeifen und beobachtet seinen stummen Fahrgast im Rückspiegel. Nach einer Weile)

Der Taxifahrer: Besonders gesprächig scheinst du ja wirklich nicht zu sein. Naja – umsonst nimmt man diesen Job ja auch nicht an. Meine Mutter pflegte zu sagen …

(Bevor wir erfahren, was die Mutter des Taxifahrers zu sagen pflegte, verlassen wir die beiden und begegnen dem jungen Mann erst wieder, als er in der perfekt klimatisierten obersten Etage des Hauptgebäudes des nationalen Sicherheitsdienstes der Vereinigten Staaten aus dem Fahrstuhl tritt. Ein Sicherheitsbeamter empfängt ihn.)

Der Sicherheitsbeamte: Guten Tag, Sir. Der Commander erwartet Sie bereits, Sir. Wenn ich vorausgehen darf, Sir.

(Im Gefolge des Sicherheitsbeamten durchmißt der junge Mann einen schier endlosen Flur und wird dann nach kurzem Klopfen in einen abgedunkelten Büroraum vorgelassen. Am Kopf eines langen ovalen Besprechungstisches sitzt ein Mann in der Uniform eines ranghohen Offiziers.)

Der Commander: Guten Abend, Malcolm! Wie war Ihr Flug?

Der junge Mann: Guten Abend, Commander. Danke. Alles in Ordnung.

Der Commander: Was ist so wichtig, daß Sie in so kurzer Zeit einen Gesprächstermin auf unserer Etage erstritten haben? (Er lächelt anerkennend, reicht dem jungen Mann die Hand und deutet mit einer einladenden Bewegung auf einen der leeren Stühle an seiner Seite.)

Der junge Mann (setzt sich, verschränkt die Hände und stützt die Unterarme auf den Tisch): Ich habe eine Nachricht von größter Wichtigkeit, Commander. Alle Welt weiß, daß unser Sicherheitsdienst im Wettlauf mit der Revolution in der Telekommunikation immer wieder ins Schwitzen gerät.

(Der Commander räuspert sich.)

Der junge Mann: Es steht seit Jahren sogar in ausländischen Presseerzeugnissen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.

Der Commander (sachlich): Was ist Ihr Vorschlag?

Der junge Mann: Mein kleiner Bruder kommt gerade von einem Schüleraustausch in Mitteldeutschland zurück.

Der Commander (mit feinem Lächeln): Das wissen wir… Und?

Der junge Mann: Über seine Gastfamilie geriet er dort in eine kleine katholische Diasporagemeinde, von deren Herrschaftsstrukturen wir uns eine Scheibe abschneiden können. – Er ist froh, wieder hier zu sein.

(Der Commander zieht eine Augenbraue nach oben.)

Der junge Mann: Ich meine nicht etwa die Strukturen der kirchlichen Hierarchie. Deren Autorität wird dort kaum und wenn, dann nur sehr asymmetrisch spürbar. Nein: Offenbar ist eine Einzelperson, ehrenamtlich tätig, für die drückende Atmosphäre der Angst und des Duckmäusertums unter den Gemeindemitgliedern verantwortlich. Sie hat ein System von Bespitzelung und Ausgrenzung aufgebaut, in dem mit willkürlich zugedachten Häppchen der Zuwendung in Form kleiner abverlangter Dienste belohnt wird.

Der Commander (spielt mit einem Kugelschreiber): Mit den Methoden geheimdienstlicher Tätigkeit in den sozialistischen Ländern haben wir uns vor 50, 60 Jahren auseinandergesetzt. Daß sie auch nach dem Fall der Mauer in gesellschaftlichen Nischen überdauern können, ist nichts Besonderes. Sonst noch was?

Der junge Mann (fährt in seinem Bericht fort): Statt nur auf die zurechtgemachten Berichte der Gemeindemitglieder zu warten, hat sie sich Zugang zum Emailpostfach des Pfarrers verschafft.

(Der Commander beugt sich nach vorne und blickt den jungen Mann überrascht und interessiert an.)

Der junge Mann: So erfährt sie von Ideen, möglichen Aktionen, aber auch von inneren Nöten der Menschen meist bevor sie sich in den Freundeskreisen der Gemeinde herumgesprochen haben und kann durch prophylaktisches Schlechtreden vieles im Keim ersticken.

Der Commander (lehnt sich wieder zurück und rekapituliert, ernst): Bemerkenswert! Der Pfarrer – der Priester! – hat eine Emailadresse …

Der junge Mann: …die um so häufiger frequentiert werden wird, als er sowohl die Haushälterin als auch einen persönlich besprochenen Anrufbeantworter eingespart hat …

Der Commander (beginnt zu lächeln): … und der die Gläubigen voll Vertrauen auf seine Schweigepflicht ihre persönlichsten Anliegen anvertrauen. (Er sieht dem jungen Mann in die Augen.) Und diese Emails werden von höchst unberufenem Auge mitgelesen …

Der junge Mann (zufrieden mit der Wirkung seiner Erzählung): … und zwar nicht nur sporadisch, das war von verschiedenen Zeitabläufen her nachweisbar. – Doch damit nicht genug, Commander. Dieselbe Person überwacht obendrein auch den Emailverkehr des Pfarrbüros, des Sekretariats und der diversen Gremien …

Der Commander: … was ihr ein vollständiges Bild der offiziellen und inoffiziellen Fragen in der Gemeinde verschafft: Voraussetzung ihrer absoluten Herrschaft … großer Gott, Malcolm! (Er gerät mehr und mehr in Begeisterung) Stellen Sie sich vor: Alle diese Emails werden ja gespeichert und ausgewertet. Das heißt, mit Suchalgorithmen könnte man nach Stichworten und Personennamen suchen, Netzwerke aufdecken, Biographien rekonstruieren … – (plötzlich ernst) Aber sagen Sie: Was hat sie enttarnt?

Der junge Mann: Wen? Diese Person?

Der Commander: Ja. Sie sprachen von Zeitabläufen, die ihren direkten Zugriff auf das Emailpostfach beispielsweise des Pfarrers nahelegten.

Der junge Mann: Sie hat von ihrem eigenen Postfach aus auf die Emails geantwortet.

(Der Commander legt den Kopf auf die Unterarme und stöhnt.)

Der junge Mann (belustigt): Ja, sie hat einige dieser Emails selber beantwortet und in ihrem Aktionismus häufig so rasch, daß es nicht durch ein Delegieren seitens eines überarbeiteten Geistlichen, sondern nur durch ihren direkten Zugriff auf das Postfach des Priesters erklärlich ist. So erfahren die Gemeindemitglieder jetzt langsam aber sicher von der Struktur, was das System letztlich unbrauchbar macht.

Der Commander (wieder aufblickend): Ok. Ich dachte schon, wir könnten sie engagieren.

Der junge Mann: Oh nein! Um Himmels Willen! Sie funktioniert nur in dem winzigen, nach außen abgeschirmten Raum dieser Diasporagemeinde, wo Satzungen und Kirchenrecht nicht das Schwarze unterm Fingernagel wert sind.

Der Commander (sinniert): In einer christlichen Gemeinde! Eigentlich undenkbar!

Der junge Mann (nickt): Wie Michael sagt: „Die Grundlage unserer Tätigkeit ist, genau das zu tun, von dem der Gegner annimmt, es sei unmöglich.“

Der Commander (erhebt sich und reicht dem jungen Mann die Hand): Ich danke Ihnen vielmals für diese Informationen, Malcolm! Sie werden von uns hören. Und wir, wir werden Geschichte schreiben, ohne daß die Geschichte überhaupt merkt, daß wir da sind!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf!
Bloß gut, daß in Weimar dem Pfarrgemeinderat seit einiger Zeit die E-Mail-Adresse vollends „abhanden gekommen“ ist (wenn auch nicht auf Initiative des PGR hin…)
Da kann ja sowas gar nicht erst passieren, oder?

Mitfreude oder Forderung? Armer Weihbischof II

Das war uns doch glatt etwas durchgegangen: Aus der „Thüringer Allgemeinen“ nämlich, der „größeren Schwester“ der Tageszeitungen aus der Zeitungsgruppe Thüringen. Wir lesen ja bekanntlich die Thüringische Landeszeitung, erstens weil sie mit Erscheinungsort Weimar irgendwie auch das „örtliche Käsblatt“ ist 🙂 und zweitens, weil sie, wenn wir auch praktisch nie mit ihm übereinstimmen, immerhin einen „Kirchenexperten“ hat, die TA aber nicht (vgl. hier).

Da stand also am 11. Juli zu lesen:

„Hauke verlangt baldige Entscheidung zu neuem Erfurter Bischof“ und weiter: „ Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke hat die weiter ausstehende Neubesetzung des Bischofsstuhls im Bistum Erfurt kritisiert.“

Er (Hauke) habe dafür seine Erklärung, bzw. Pressemitteilung zur Ernennung von Kardinal Woelki zum Erzbischof von Köln genutzt (Artikel hier).

„Verlangt“? „Kritisiert“? Wirklich? Reinhard Hauke der „Wutbischof“, der es „den Römern“ aber jetzt mal so richtig gesagt hat?

Sie erraten es sicher schon: so war es natürlich nicht.
Zwar sind die Zitate, die die TA bloß aus einer Meldung der dpa-Thüringen (Deutsche Presse-Agentur) bringt (sie hat eben keinen Kirchenexperten…) nicht falsch, aber die daraus gezogenen Schlüsse, bzw. die daraus generierten Überschriften, die sind eben mal wieder mindestens „schief“.

Und sie sind unvollständig und das ist in diesem Fall besonders irreführend, denn unser Administrator hat etwas sehr schönes und wichtiges gesagt, wie man der Originalmeldung auf der Bistumsseite (hier) leicht entnehmen kann:

„Unsere Kirche ist auf dem Fundament der Apostel gebaut. Kein Bistum kann daher ohne Bischof als Nachfolger der Apostel sein.“

Jawoll!Das ist der Kern der Sache; deswegen werden wir hier ja auch nicht müde, zu betonen, daß wir uns freuen sollen, einen Administrator in der Weihestufe des Bischofs zu haben! (Und nicht aus irgendwelchen äußerlichen Prestigegründen…)

Und er fährt fort in der (wohltuend knappen) Erklärung:

„So freue ich mich für die Katholiken des Erzbistums Köln und ihren neuen Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, und wünsche Gottes reichen Segen.“

Jawoll! Großmut, Mitfreude, brüderliche Mitfreude, Das ist die angemessene Haltung (und auch das hatten wir schon mehr als einmal erwähnt).

Es ist einfach immer das gleiche: Wenn normale Zeitungsschreiber, äh, Verzeihung, „politische Korrespondenten“ meine ich natürlich 😉 über Kirche schreiben, übersehen sie das wichtigste – man kann es ihnen nicht mal richtig übelnehmen, wenn sie in ihrem ständigen Zeitdruck alles über den Leisten schlagen, den sie halt kennen.
Nur uns selbst, uns selbst müßten wir es schon übelnehmen, wenn wir es nicht besser wüßten, oder wenn wir zu faul wären, die Möglichkeiten der direkten Information, die uns heute zur Verfügung stehen, auch zu nutzen, um uns nicht mit Stimmungsmache aus zweiter Hand zufrieden zu geben.

Nun gibt es da auch noch den Schlußsatz der Erklärung von Weihbischof Hauke:

„Und ich bete und hoffe, daß sich auch die noch oder wieder sedisvakanten Bistümer in Deutschland bald über die Ernennung eines neuen Bischofs freuen können. Gerade im Bistum Erfurt warten wir schon sehr lange darauf.“

Soll man gerade im letzten Satz nicht doch ein gewisses kritisches Potential sehen? Auf kirchentypische Weise verschlüsselt?
Mag schon sein. Wir wissen es nicht genau, denn wir kennen die Abläufe, anders als der Weihbischof, nicht en détail.

Nur, deswegen wissen wir eben auch nicht, wer da ggf. den „Zielpunkt“ der impliziten Kritik darstellt! Daß es nicht etwa, wie natürlich die Zeitungen meinen, „Rom“ sein wird, das haben wir ja hier in der Betrachtung der Angelegenheit in den letzten Wochen schon herausgearbeitet!
Schließlich: Könnte man den Satz nicht auch statt „kritisch“ so verstehen, daß er einfach einen Anflug von schlichter Traurigkeit („Resignation“ ist bei einem Bischof natürlich per se auszuschließen!), von einfach mal menschlich durchaus verständlichem „Frust“ beinhaltet?

Ich finde schon und deswegen finde ich es erneut schade, welchem „weltlichen“ Interpretationsschema jede Äußerung unterworfen wird – lassen Sie uns in diesen Tagen und Wochen verstärkt für Weihbischof Hauke beten, um Entschlossenheit, um Kraft und um die Fähigkeit, in dieser wenig angenehmen Lage immer wieder das wirklich Wichtige zu betonen!

 

PS: Wo Sie gerade sagen (Rheinische Überleitung 🙂 ) „Wutbischof“: Wir wollen ja mal nur aufpassen, daß das mit der „Umgekehrten Inkulturation“ (© PuLa) , die so manche Kirchenfunktionäre und Kirchenfunktionärinnen (die müssen hier leider eigens erwähnt werden…) zusammenphantasieren, nicht übertrieben wird! So nach dem Motto: „Heut fliegen wir auf die Philippinen, um was zu lernen und morgen nach Mozambik“, daraus wird nichts…!

Ich zitiere nur einen Kommentar dazu, aus Lima: „Lamentável pra não dizer PAVOROSOOOOO!“, was man etwa mit : „Bedauernswert, um nicht zu sagen GAAAAANZ schrecklich!“ übersetzen müßte – in der Tat!

Der Chronist – römisch Zwei

Der Chronist – römisch Zwei

Ein Sketchlet für zwei Personen

 

Am Redaktionstisch des „Petershagener Boten“ sitzen der Chefredakteur und Harry Czypionka, sein Stellvertreter (Czypionka mag diesen Ausdruck, auf sich bezogen, überhaupt nicht! Völlig falsche Assoziationen …) am Konferenztisch im Besprechungsraum (vgl. hier) und haben drei Hütchen vor sich auf dem Tisch stehen. Weitere Hütchen stehen am Rand.

Der Chefredakteur: Aber Woelki wußte damals schon, daß er wahrscheinlich nach Köln zurückdarf, wenn Meisner demissioniert (er schnippt eines der Hütchen vom Tisch und nimmt ein neues ins Spiel).

Der Stellvertreter: Klar! Die dunklen Kanäle der Traditionalisten nach Rom …

Der Chefredakteur: Und dann haben sie TvE gesteckt, daß er vielleicht für Berlin in Frage kommt, falls Woelki nach Köln zurückgeht, wenn Meisner zurücktritt … (er vertauscht das mittlere mit dem rechten Hütchen).

Der Stellvertreter (schlägt sich an die Stirn): Logisch! Und da hat Tebartz natürlich in Erfurt abgesagt, weil er ja hoffte, daß er für Berlin ins Gespräch käme, sobald klar wäre, daß Woelki nach Köln geht, wenn Meisner da weg ist! (Er vertauscht mehrmals alle drei Hütchen).

Der Chefredakteur (begeistert): Genau! Jetzt haben wir es! Und morgen schreiben Sie einen Ihrer berühmten Kommentare!

Der Stellvertreter (wendet sich plötzlich zur Sketcheschreiberin): Übrigens – was fällt Ihnen ein, einen Sketch, in dem ich eine Hauptrolle spiele, mit „römisch Zwei“ zu betiteln? Ich will das nicht!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

PS: Zum Titel: „Der Chronist“ vgl. hier!

Ein Gespenst geht um!

„Ein Gespenst geht um in der Kirche in Deutschland, das Gespenst des Kolumnismus!“
(C. Becker-Lamers)

Es konnte wohl nicht ausbleiben: Mit der gestern mittag vollzogenen Ernennung von Rainer Kardinal Woelki zum künftigen Erzbischof von Köln setzte auch im Bistum Erfurt (und in Bezug auf das Bistum Erfurt) das Rauschen im Blätterwald wieder ein.

PuLa ist ja nach wie vor der Meinung: Je weniger von dieser zu recht geheimen Angelegenheit zu lesen ist, je weniger Gerüchte öffentlich“ breitgetreten“ und über Personen spekuliert wird, desto besser! Und daran halten wir uns auch – aus Überzeugung, nicht etwa aus Mangel an „Material“…

Aber ich habe auch gesagt, PuLa wird seine Leser nicht mit den Hervorbringungen der Mainstream-Medien allein lassen, deren Meinungsmonopol ein für allemal gebrochen ist!

Und so sind wir heute erneut gezwungen, dem, was man so alles in den Zeitungen lesen kann, eine ‚katholische Stimme‘ entgegenzusetzen.

Beginnen wir damit, was uns etwas ferner liegt, der FAZ und ihrem als Berichterstattung nur notdürftig getarnten Meinungsartikel über die Causa Woelki (hier). Den hat natürlich wieder Daniel Deckers verfaßt. Unter dem Titel: „Woelki wird Erzbischof von Köln, weil Rom es so will“ nimmt (neben durchaus Interessantem und Lesenswertem) die Tatsache der (vermutlichen) Nichtberücksichtigung der örtlichen Vorschläge auf der Terna für Köln breiten Raum ein. Dazu haben wir ja anläßlich der Ernennung des Erzbischofs von Freiburg schon das Notwendige geschrieben, hier.

Aber Deckers baut auch erneut einen ganzen Absatz über unser Bistum ein:

„Ein Drama spielte sich unterdessen in Erfurt ab, wo sich Joachim Wanke im Oktober 2012 aus gesundheitlichen Gründen vom Bischofsamt hatte zurückziehen müssen. Im vergangenen Herbst nahm ein Gewählter die Wahl nicht an. Seitdem liegt der Ball wieder im Feld des Nuntius, der dem Kapitel eine neue Dreierliste übermitteln muß. Diese läßt seit Monaten auf sich warten – denn die Bischofskongregation läßt warten.“

Naja, von der „Drama-tisierung“ lebt die Presse eben! Mit Verlaub: „Drama“, was für ein Quatsch! Freilich ist es nicht schön, „einen Korb zu erhalten“, aber wenn die Kirche es zuläßt, daß ein Gewählter überlegt, ob er der Richtige ist, dann hat sie dafür gute Gründe! Stellen wir uns doch bitte einmal, rein hypothetisch, vor, die betreffende Person wäre, nach gründlicher Gewissenerforschung, zu dem Ergebnis gekommen, z.B. wegen allzu enger Verquickung seiner persönlichen Umstände mit dem fraglichen Bistum nicht die notwendige innere Freiheit zu haben, dort tüchtig durchzugreifen, wo es erforderlich ist. Wäre es dann nicht geradezu zwingend, auf das Amt zu verzichten, selbst unter Schmerzen?

Ich kann nur wiederholen: Freuen wir uns, daß wir einen Administrator in der Weihestufe des Bischofs haben, freuen wir uns, daß Rom, anders als in Freiburg kein „kirchenpolitisches“ Feuer unter dem Dach sah, das zur Eile drängte, und üben uns in den beiden christlichen Tugenden der Großmut und der Geduld!

Und noch etwas: Wie da erneut die Schuld für die lange Dauer auf „Rom“ geschoben wird, das paßt in keiner Weise zu neueren Informationen, die PuLa vorliegen!
Glauben Sie nicht denen, die keine Gelegenheit auslassen, ihren antirömischen Affekt auszutoben! Nein, es gibt dafür nach hiesiger Kenntnis ganz andere Gründe, über die ich aber, siehe oben, nicht schreiben werde!

Kehren wir daher zurück zu dem, was unsere örtliche Presse über die aktuelle Lage i.S. Bischofsernennungen so schreibt.

Noch am Donnerstagabend fand der aktuelle Kommentar des „Kirchenexperten“ der Thüringischen Landeszeitung, Hartmut Kaczmarek, den Weg ins Netz (hier), Freitag früh dann in die Printausgabe:

„Drei Bischöfe hat der Vatikan in der Amtszeit von Papst Franziskus in Deutschland ernannt – eine Linie ist dabei aber nicht erkennbar.“

Nun, das war zu beiden Zeitpunkten des Erscheinens zunächst einmal sachlich falsch, denn erst Freitagmittag wurde die Ernennung von Kardinal Woelki offiziell, aber das nur am Rande.

„Keine Linie erkennbar“ – wirklich nicht?

Aber lesen wir zunächst weiter:

„Und damit ist auch eine Vorhersage über die Besetzung des seit fast zwei Jahren vakanten Erfurter Bischofsstuhls unmöglich geworden.“

Ah! War sie das denn zu irgendeinem Zeitpunkt? Auf welcher Grundlage denn?

Dann wird von einem „führenden Bistums-Geistlichen“ kolportiert, einen „konservativen Kandidaten“ wolle „man“ nicht haben.
So so, und wer ist bitte „man“?

Und schließlich endet der erste Absatz mit der schrecklich langweiligen und der Situation völlig unangemessenen Journalisten-Floskel, die aus den Verhältnissen weltlicher Politik entlehnt ist: „Die Geduld gehe langsam zu Ende“.
O ja, und die Weltkirche zittert schon davor, daß in Erfurt, in ERFURT!, die Geduld am Ende ist; Du meine Güte, ist das absurd! 🙁

Dann der zweite Absatz, in dem erneut die „persönlich und sachlich“ unbefriedigende Situation unseres Administrators bedauert wird, denn es brauche „Richtungsentscheidungen“.

Was zu der persönlichen Situation von Weihbischof Hauke zu sagen ist, das hat PuLa schon gesagt, hier, ansonsten sollte man darüber möglichst wenig sagen, bzw. schreiben, aber nein, wenige Zentimeter neben diesem Kommentar bringt die TLZ einen Bericht darüber, er sei für die Berliner Nachfolge im Gespräch, einen Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd), ausgerechnet! 🙁

Und was die „sachliche“ Situation angeht: Es gibt hier wahrlich genug zu tun, was ein Administrator ohne weiteres kann: Nämlich Recht, bestehendes Recht anwenden! „Richtungsentscheidungen“ à la Kaczmarek hingegen, die kann kein Diözesanbischof treffen, weder jetzt, noch irgendwann, was soll also diese Augenwischerei?

Ob wir die Absicht, die dahintersteht, besser verstehen, wenn wir weiterlesen?

Zunächst nicht, denn auf die rhetorische Frage, wer denn wohl auf der nächsten Terna stehen werde, folgt dieser bemerkenswerte Satz:

„Das Gespenst eines Tebartz van Elst geisterte vor einiger Zeit durch Erfurt – scheint aber mittlerweile erledigt zu sein.“

Ah, da haben wir es, ja, das ‚Gespenst des Kolumnismus‘! 😉

Aber: Ist das möglich? Ist das wirklich möglich? Ich will ja zugeben, wir hatten hier zeitweise überlegt, ob wir nicht, vermutlich im Rahmen eines Sketches, so eine falsche Fährte legen sollten, in der TvE nach Erfurt berufen würde, haben uns aber dann aus Mitleid und Verantwortungsgefühl und weil wir wußten, unsere Leser erkennen sowieso sofort, was das für ein Blödsinn ist, dagegen entschieden.
Und nun steht es in der Zeitung: Als offenkundig ernstgemeinte Äußerung!
Es ist nicht zu fassen.

Darf ich daran erinnern, daß es nach der Annahme des Amtsverzichts seitens des armen Bischofs von Limburg sofort hieß, er stehe jetzt für „Aufgaben in der Weltkirche“ zur Verfügung? Es war und ist doch völlig klar, daß das eine vornehme Umschreibung für die Aussage: „In Deutschland sehen wir im Augenblick keine Chance mehr für ihn“ war!
Wenn hier nun im Juli 2014 so etwas geschrieben wird, dann kann das nur zwei Gründe haben: Den Wunsch des Journalisten mit diesem „red herring“ ein Schreckbild des „konservativen Bischofs“ (den „man“ ja nicht will…) heraufzubeschwören, oder, und das wage ich eigentlich gar nicht zu denken, oder „manche“ in Erfurt sind mittlerweile tatsächlich so hysterisch, so etwas für möglich zu halten und diese Hysterie gibt der Journalist nur wieder.
Ich halt‘ mal lieber das erstere für wahrscheinlich, obwohl…

Und weiter geht’s in Hartmut Kaczmareks Situationsbeschreibung: Der „derzeit“ (?!) nicht berechenbare Vatikan lasse von „Transparenz oder einer deutlichen Linie keine Spur“ erkennen. Da werde in Freiburg „ein Konservativer“ ernannt und in Passau „ein unkonventioneller Salesianer-Pater, der sich um Straßenkinder gekümmert hat“.

Stephan Burger und Stefan Oster also ein Gegensatzpaar?

Mitnichten, denn: Stefan Oster ist natürlich ebenfalls ein „Konservativer“!

„Ich vertrete den Glauben der Kirche und habe sehr feierlich versprochen, das auch zu tun. Und nur weil einer als nett empfunden wird, ist es noch nicht so, daß er den Glauben der Kirche auf den Kopf stellt.“

So Bischof Oster in einem Interview der Passauer Neuen Presse, Ende Juni, über das z.B. der Bayerische Rundfunk berichtet, hier.

Natürlich war von einem Dogmatik-Professor aus der Schule von Gerhard Ludwig Müller und Rudolf Voderholzer nie etwas anderes zu erwarten gewesen!

Tja…

Am Ende dieses Beitrags angelangt, dürfen wir also folgendes festhalten:

  • Lesen Sie in Kirchenfragen die Zeitung weiterhin, wie Sie es in DDR-Zeiten gelernt haben; das ist sicherer, auch wenn der Journalist nicht in Leipzig studiert hat… 😉
  • Der Papst tut, was seines Amtes ist: Er führt die Kirche. Deutsch-nationalkirchliche Träumereien spielen dabei überhaupt keine Rolle.
  • Was die Bischöfe in Deutschland angeht, so hat der Hl. Vater offenbar klare Vorstellungen: Selbst ein unkonventioneller „Sohn der Kirche“ (wie er sich selbst bezeichnet) sucht er exakt solche Kirchenmänner aus: „Söhne der Kirche“, gerne auch unkonventionell und vorzugsweise von relativ niedrigem Alter, so daß sie, deo volente, eine lange Zeit der Wirksamkeit vor sich haben. Kriterien, die aus falschen Zuschreibungen aus dem politischen Bereich („konservativ“) herrühren, spielen dabei überhaupt keine Rolle.

Und wenn das keine „Linie“ ist, weiß ich ja nicht, was eine sein soll! 🙂

Beten wir also vertrauensvoll für die Bischöfe, für den Hl. Vater und dafür, daß er „noch so einen Steph/fan“ für uns in Erfurt hat!

Gebet für die Bischöfe

Allmächtiger, ewiger Gott, Du hast für die Leitung Deiner heiligen Kirche und die Glaubenseinheit über uns die Bischöfe gesetzt als Nachfolger der Apostel, als Wächter und Beschützer der Seelen. Gieße aus über sie, so flehen wir inständig zu Dir, eine Gnadenfülle, wirksam genug, daß sie sich immer mehr als gute Hirten bewähren und nutzbringend arbeiten zu Deiner Verherrlichung und unserem Heil. Daß sie durch ihr Wort und vor allem durch ihr Beispiel vollkommen alle Pflichten erfüllen, die ihnen aufgetragen sind. Daß sie den christlichen Glauben rein von jedem Irrtum bewahren. Daß wir unter ihrer glückbringenden Leitung allezeit leben können in Frömmigkeit, Frieden und christlicher Liebe.

Amen.

Hl. Petrus Canisius

Petrus Canisius (1521-97), Anonym, Niederlande, 1699, Rijksmuseum (Bild: Wikimedia Commons)

Petrus Canisius (1521-97), Anonym, Niederlande, 1699, Rijksmuseum (Bild: Wikimedia Commons)

Druck. Frisch. oder: Das Imperium schlägt zurück (?)

Langjährige PuLa-Leser kennen ja schon die Praxis, wichtige Kommentare nicht bloß unter einem manchmal vielleicht sogar schon länger zurückliegenden Artikel zu veröffentlichen, wo sie, nach dem Funktionsprinzip eines Blogs, vermutlich nur noch wenig Aufmerksamkeit finden, sondern solche Diskussionsbeiträge „hochzuziehen“ und ihnen hier, im Hauptbereich der Beiträge einen Platz einzuräumen.

Heute ist es wieder einmal soweit, wenn auch der Beitrag, auf den sich der Kommentar bezieht, erst vor wenigen Tagen erschienen ist.
Sie erinnern sich, wir hatten gefragt, warum eigentlich die wirklich schönen Bilder von Erstkommunionen und Firmungen, die es zum Glück aus Herz-Jesu-Weimar gibt, nicht  auch im Netz anzuschauen sind. (Hier)
Unser Erklärungsversuch dürfte keinen Kenner der Verhältnisse überrascht haben, leider!

Diesen Beitrag konnten wir glücklicherweise mit Bildern von Michael Paech, dem mittlerweile auch schon langjährigen „offiziellen“ Photographen dieser Ereignisse illustrieren.

Nun hat Herr Paech heute diesen Kommentar übermittelt:

„Sehr geehrte Blogger,

ich möchte hiermit klarstellen, dass ich mich persönlich, als Gemeindemitglied und als Fotograf von den Inhalten dieses Artikels und des Blogs distanziere. Die Bereitstellung meiner Bilder auf diesem Blog sollte alleinigst der besseren Illustration dienen!

M.Paech“

Ach ja! Nun, es war mir schon klar, daß das nur einmal, ein einziges Mal funktionieren würde, Herrn Paech, für den die Aufträge der Pfarrei ja immerhin Teil seines Einkommens sind,  zu einer Veröffentlichung auf PuLa zu gewinnen. Denn was dann einsetzen würde, war ja klar:

Es wird Druck ausgeübt…

Dennoch, schade!
Ich will mir jetzt verkneifen, öffentlich zu  spekulieren, was da im Hintergrund abgelaufen ist (ob das Muster handfeste Drohungen waren, oder die Masche: ‚Ich bin sehr, sehr traurig‘… , wir kennen aus dem Bekanntenkreis beides), aber zwei Punkte sind mir doch wichtig:

  1. Hier wird mit offenen Karten gespielt! Eben weil ich mir keine Illusionen darüber gemacht habe, was nach der Veröffentlichung vermutlich passieren würde, habe ich Herrn Paech schon bei der ersten Anfrage (20.5.14) deutlich gemacht, daß sich PuLa „ziemlich kritisch“ mit den Zuständen in unserer Pfarrei auseinandersetzt.
  2. Die Bilder werden im Beitrag auch lediglich als Illustration genutzt! Der Photograph wird dort in keiner Weise für unsere Position vereinnahmt, bzw. der Eindruck erweckt, er stünde hinter den hier vertretenen Meinungen.

Und so sind wir jetzt auch nicht enttäuscht, wenn er nun sagt, daß er sich die Inhalte von PuLa nicht zu eigen macht!

Jedoch: Wie wenig offenbar wieder einmal anerkannt wird, daß in dem Beitrag die Gemeindeleitung mehrfach und ausdrücklich gelobt wird („ gute Entscheidung“ , „Danke!“, „sehr ordentlich gelöst“), das enttäuscht dann doch ein wenig – um nicht zu sagen: Es „macht betroffen“… (Ironiemodus aus)

Und für die Star Wars-Fans unter uns hier ein Ausschnitt aus dem amerikanischen Kino-Trailer für „The Empire Strikes Back“, der den Titel inspiriert hat; von 1979 (und das Alter merkt man ihm auch an!):

 

 

Jaja: “A galactic odyssee against oppression, genau, gaaanz genau!
Und auch wenn es noch einen ganzen Film dauert: Der Sieg des Guten ist unaufhaltsam! 🙂

Sketch des Monats: Das Halbfinale

Während in Brasilien unter reger Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung die FIFA-WM tobt, trägt man in einer kleinen katholischen Diasporagemeinde im Erzbistum Berlin ein Match aus, in dem die Ehrenamtler gegen „Vertreter“ des örtlichen Pfarrgemeinderates angetreten sind. Torreich ist das Spiel allemal – und dennoch verliert das Publikum so langsam aber sicher das Interesse an den Vorfällen auf dem Spielfeld. PuLa ist für Sie mal wieder live dabei.

 

Sketch des Monats: Das Halbfinale

Ein Sketch für drei Schafe, eine Kinoleinwand und beliebig viele Schafstatisten

 

(Auf unserer nun schon wohlbekannten Schafweide vor den Toren von Wundersdorf finden wir verblüffende temporäre Veränderungen vor: Am Rande der Weide ist eine große Public-Viewing-Leinwand installiert. Die Schafe stehen gebannt vor dem Bildschirm und verfolgen ein Fußballspiel. Etwas abseits steht Kohle und grast. Ihn scheint es nicht zu interessieren. Wolle und Flocke, die von einem Spaziergang am Wassergraben zurückkehren, gesellen sich Kohle zu.)

 

Flocke: Hallo, Kohle!

Kohle (mit vollem Mund): Ha-ooo.

Wolle: Na – wie steht’s?

Kohle: Keinge Ahngung (Er schluckt seinen Bissen hinunter.) Bei 7:9 habe ich aufgehört zu gucken.

Flocke: Wer führt denn?

Kohle: Die Ehrenamtler.

Wolle: Mit neun Toren?

Flocke: Wie kann das denn?

Kohle: Alles Eigentore der PGR-ler. Kneif lehnt ja nur am Pfosten und macht keinen Finger krumm.

Flocke: Aber trotzdem – neun Eigentore … Und wer hat die sieben Tore für den PGR geschossen?

Kohle: Geworfen, wolltest du wohl sagen? Na, Corinna rennt ab und zu mit dem Ball unterm Arm nach drüben.

Wolle: Wie? Das geht? Wird das nicht abgepfiffen?

Kohle: Nö. Scheint’s nicht … (er grast weiter).

Flocke: Und warum schießt von den andern keiner?

Kohle: Die Mannschaft des PGR besteht nur aus Vorstoppern. Da ist keiner im Sturm. Sie finden, das gehöre sich nicht. Sich so vorzudrängeln. Hat die stellvertretende Vorsitzende vorhin gesagt. (Er schaut zum Bildschirm) Da! Da siehst du’s grade schön – alle im Fünfmeterraum vor dem eigenen Tor.

Flocke: Früher hatten sie wenigstens noch den einen oder anderen Traditionalisten, den sie als „Rechtsaußen“ verkaufen konnten.

Kohle: Alles vorbei! „Friede, Freude, Eierkuchen: Wir machen dicht, woll’n nix versuchen.“

Wolle (trabt ein paar Schritte auf den Bildschirm zu): Ou, das war aber ein Foul!

(Man sieht Sanitäter auf den Platz laufen und einen Ehrenamtler auf einer Bahre davon tragen.)

Kohle: Tja. „Da waren’s nur noch sechs.“

Flocke: Was?

Kohle: Corinna hat schon einen Ehrenamtler krankenhausreif gefoult, und drei sind nach einer Schwalbe von Corinna vom Platz gestellt worden.

Wolle: Rote Karte?

Kohle: Klar, sofort!

Flocke: Hammerhart!

Wolle: Wer pfeift eigentlich?

Kohle: Jemand aus der Rechtsabteilung vom Bistum. Da ist sie gerade im Bild, guck!

Flocke: Hm! Und die sieht das wohl alles nicht?

Kohle: Sieht nichts oder darf nicht oder will nicht – oder sieht alles, pfeift aber nicht – keine Ahnung. (Er grast.)

Wolle (ereifert sich): Wenn bei der FIFA jemand so derbe foult, gibt es ein Disziplinarverfahren und der Typ ist über Monate weg vom Fenster!

Flocke: Wie jetzt dieser aus Uruguay …

Wolle: Suárez.

Flocke: Richtig, Suárez. Naja – deswegen ist der Sport ja auch attraktiv, gerade für junge Leute.

Flocke: Das stimmt! Die suchen nämlich nach Regeln, auf deren Einhaltung sie sich auch verlassen können …

Wolle: … die ihnen helfen, Situationen zu beurteilen, zu argumentieren und ein Gespür zu entwickeln dafür, was korrekt ist und was unfair.

Flocke: Die ihnen vor allem die Sicherheit vermitteln, daß es möglich ist, irgendwo mal prinzipiell durchzublicken.

Kohle (trocken): Tja. Regularien für unser Wundersdorfer Dilemma hätten wir in der Kirche auch genug, nur wendet sie keiner an. Corinna kann scheint’s wegbeißen, wen sie will.

Wolle (platzt): Schaf, Kohle, das kann dich doch nicht so kalt lassen!

Kohle: Was willst du denn von hier aus machen? Wir auf unserer Schafweide, hm? Was sollen wir uns denn hier heiß machen?

Flocke: Man muß doch etwas tun!

Kohle: Laß mal! Das hier ist erst das Halbfinale. Das Finale spielt woanders! Da spielen dann ganz andere Instanzen mit. Ganz andere!

 

 

ENDE

 

 

Cornelie Becker-Lamers

Ein zwei Jahre alter Sketch, der in der Zeit unserer freiwilligen (aber schlecht gedankten!) Sketch-Abstinenz bei JoBo erschien (hier), jedoch leider nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und nun erstmals auf PuLa in aktualisierter Form zu lesen ist.

 

Weimar: Das Internet, Stand 21.4. 1968?

Zugegeben: Es ist ein heikles Thema, die Veröffentlichung von Bildern, die Personen, vor allem aber Kinder, bzw. Minderjährige zeigen, auf der Web-Präsenz einer Pfarrei!

Aber es gibt natürlich im Lauf des Kirchenjahrs immer wieder Anlässe, die drehen sich um Kinder oder Jugendliche, Erstkommunion und Firmung nämlich. Hinzu kommen weitere Anlässe wie das Gemeindefest, Aktivitäten rund um den Kindergarten und dergleichen mehr. Aus all diesen Anlässen werden regelmäßig Bilder entstehen, die Personen so zeigen, daß sie zu identifizieren sind, womit das „Recht am eigenen Bild“ ins Spiel kommt, für Minderjährige geschützt und wahrgenommen von ihren Eltern.

Wie sollen die Verantwortlichen in einer Pfarrei auf die zweifelsohne vorhandenen juristischen Fallstricke reagieren?

PuLa hat ein bißchen recherchiert in den Webauftritten anderer mitteldeutscher Diaspora-Pfarreien zum Thema: „Bilder von der Erstkommunion“.
Die dort zahlreich gefundenen Aufnahmen können wir natürlich leider nicht direkt zeigen, aber hier geht’s lang, wenn Sie einmal selbst schauen möchten:

Wenn Sie sich die Mühe gemacht haben, den Links zu folgen (sonst müssen Sie’s mir einfach glauben 😉 ), so werden Sie feststellen, da gibt es jede Menge Bilder von den jeweiligen Erstkommunionen, von unterschiedlicher Art und Güte, ehrlich gesagt, von sehr unterschiedlicher Güte… Aber es gibt sie.
Und so „in erster Näherung“ möchte ich ja mal nicht annehmen, daß all dies Bilder ohne rechtliche saubere Grundlage da stehen, oder was meinen Sie?

Und in Weimar? (Geben Sie’s zu: Sie haben auf diese Frage gewartet! 🙂 )

In Weimar gibt es sowas nicht.

Also, nicht, daß es überhaupt keine Bilder einer Erstkommunion in der Herz-Jesu Kirche am August-Frölich Platz gäbe, nein, nein, eines gibt es: Es stammt aus dem Jahre 1968 (Weißer Sonntag 21. April), ist in schwarz-weiß und dient lediglich der Illustration der (schrecklichen!) Veränderungen im Kircheninnenraum, die dem armen Zweiten Vatikanischen Konzil angelastet werden! (hier)

Hm!

Existieren etwa keine aktuellen Bilder von solchen Gelegenheiten in unserer Pfarrkirche? Vielleicht, weil der Rektor der Pfarrkirche grundsätzlich Photographien während der „Heiligen Handlung“ ablehnt?

O, doch, sie existieren und PuLa ist sogar in der angenehmen Lage, Ihnen, sozusagen als Ausgleich zur mageren Homepage der Pfarrei, eine  kleine Auswahl präsentieren zu können!

Einzug (Bild: M. Paech)

Einzug (Bild: M. Paech)

 

Von der Orgelempore (Bild: M.Paech)

Von der Orgelempore (Bild: M.Paech)

Und wieso können wir das?

Wir haben gefragt! Und zwar den Lichtbildner. Seit einigen Jahren photographiert nämlich bei solchen Anlässen hier bei uns Michael Paech von „blitzdings.com“; schauen Sie bitte unbedingt auf seinem schönen Blog vorbei (hier)! Herr Paech hat PuLa die fünf Bilder, die Sie hier sehen, für diesen Beitrag (kostenlos) zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt; Dafür ganz herzlichen Dank!

Die Bilder von Herrn Paech, die nach meinem Empfinden in den letzten Jahren noch immer besser geworden sind, können die Familien der Kinder, bzw. Jugendlichen nach dem Fest auf DVD im Pfarrbüro erstehen und ich muß ganz ausdrücklich sagen: Das war eine gute Entscheidung, mit dem Photographieren einen Profi zu beauftragen, damit das „Geknipse“ von Verwandten während der Feier einzudämmen, und es war gut, gerade Michael Paech damit zu beauftragen; Danke!

Kerzen (Bild: M. Paech)

Kerzen (Bild: M. Paech)

Ja, das hat die Gemeindeleitung soweit sehr ordentlich gelöst. Es stellt sich nur sofort  die Frage: Warum geschieht  mit diesen Bildern nicht mehr? Warum können nicht noch viel mehr Menschen via Internet daran Freude haben? Kurz: Warum strahlen wir damit nicht ein wenig aus?

Haben Sie oben die ganz reizenden Bilder aus Zeulenroda (vgl. hier) gesehen? Dort gibt es ca. 300 Katholiken, weniger als ein Zehntel von Weimar! Keine eigene Web-Site – aber im Netz präsent, ausstrahlend…

Nun, ganz offensichtlich haben wir hier wieder die Situation, die wir schon in anderen Zusammenhängen kennen: Diese Pfarrei verfügt ja nicht nur über schönere und professionellere Erstkommunionbilder, als es sie anderswo gibt, nein, sie könnte auch erheblich bessere Orgelmusik haben (vgl. zuletzt hier mit weiteren Nachweisen)! Und die Reihe ließe sich fortsetzen.

Allgemein gesprochen ist es so, daß wir in Weimar für eine katholische Kirchengemeinde in der mitteldeutschen Diaspora über untypische Potentiale verfügen – die aber nicht genutzt werden!

Und woran liegt das? Das liegt daran, daß es Leute gibt, die in ihrer überheblichen  Kontrollfixiertheit („wir entscheiden hier, was erwünscht ist“, vgl. hier) niemand anderen etwas tun lassen wollen und deshalb schon gar nicht die Kraft hätten, es selbst zu machen, die aber auch andere Prioritäten haben, wie z.B. eine sicher schöne aber objektiv überflüssige zusätzliche Glocke oder andere „Bauaktivitäten“.
Daran liegt es. Und an denjenigen, die solche Leute gewähren lassen. Jahrelang. Hier und in Erfurt.

Sammlung (Bild: M. Paech)

Sammlung (Bild: M. Paech)

Nun dürfen Sie sich bloß keinen Bären aufbinden lassen, wenn wieder jemand etwas davon raunt, das sei ja alles praktisch rechtlich unmöglich und überhaupt käme ja dann gleich die Polizei!

Das ist falsch.

Ich will mal ganz davon absehen, daß die Leute, von denen wir hier reden, groß darin sind, irgendwelche vermeintlichen Rechtsvorschriften, seien es „zweijährige Bußzeiten“  oder seien es irgendwelche willkürlichen Pixelgrößen von Bildern, schlicht zu „erfinden“! (Man könnte dafür auch ein härteres Wort gebrauchen)
Das alles dient nur dem einen Zweck, berechtigte Anfragen von vornherein abzubügeln und damit den eigenen Machtanspruch zu wahren, sonst ist nichts dran.

Die rechtlich saubere Veröffentlichung von Kinderbildern auf einer Gemeindehomepage ist nicht ganz banal. Sie ist aber möglich!
Sie ist nicht einmal schwierig, bloß aufwendig.
In Kurzform: Erforderlich ist eine schriftliche, anlaßbezogene Zustimmungserklärung der Eltern und ein bißchen gesunder Menschenverstand in der Auswahl und der Kombination (-smöglichkeit) verschiedener Daten, vor allem von Bildern und Namen.
Eine absolut lösbare Aufgabe – wenn man bereit wäre, sie auf mehrere Schultern zu verteilen…

In Kurzform Wir könnten wieder mal richtig gut sein, aber wir sind es nicht!

Das ist schade, sehr, sehr schade! Und vollkommen überflüssig.

Irgendwann wird's dämmern... (Bild: M.Paech)

Irgendwann wird’s dämmern… (Bild: M.Paech)

PS: Wenn man schon von den Profi-Bildern öffentlich nichts zu sehen bekommt: Was ist eigentlich mit dem Video, das neulich der nette junge Mann im Parka da in der Kirche gemacht hat? Ach nein, sorry, das war ja der Kaplan, naja, ist halt immer besser, man erkennt Priester auch gleich als solche, nicht wahr? 😉
Und was ist mit den Bildern, die bestimmte Leute so „semi-offiziell“ machen? Wer kontrolliert eigentlich, was damit geschieht?