Zurüruck zum Inhalt

Das Gotteslob und andere „Knüller“

In der Main-Post, der Tageszeitung aus und für Unterfranken (mit gut 122.000 verkauften Exemplaren immerhin dreimal so groß wie „unsere TLZ“), genauer vermutlich in der letzten Samstagsausgabe fand sich ein Interview mit dem Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann anläßlich seines 10jährigen Dienstjubiläums als Bischof von Würzburg, das es dankenswerterweise mittlerweile auch in die Online-Ausgabe geschafft hat (hier), nachdem Auszüge schon über die Katholische Nachrichtenagentur kna „gelaufen“ und in verschiedenen katholische Nachrichtenportalen verbreitet worden waren (vgl. z.B. hier).

Der dort wiedergegebene Teil  des Gesprächsinhalts ist es auch, von dem her Bischof Dr. Hofmann treuen Lesern dieses Blogs vertraut ist: Das neue Gotteslob und sein Anteil daran.
Sie erinnern sich, unser Ergebnis in der Auseinandersetzung mit dem neuen Gotteslob war, daß der persönliche Anteil von Bischof Dr. Hofmann an dem extrem intransparenten Prozeß, der zur Aufnahme graphischer Element ins Gotteslob geführt hat, sehr hoch war (hier).
In einem zweiten Schritt hatten wir die Qualität der künstlerischen Hervorbringungen angeschaut, uns aber vor allem gefragt, was es grundsätzlich heißt, „Moderne Kunst“ in den gottesdienstlichen Raum zu tragen und waren dabei zu dem Schluß gekommen, man hätte es besser bleiben lassen (hier). Schließlich hatten wir die im zweiten Beitrag schon begonnenen Strategien zur Verteidigung gegen diese ästhetische und inhaltlich-liturgische Zumutung erneut ins Auge gefaßt (hier).
Ganz klar also, daß PuLa genau hinschaut, wenn sich die Chance eröffnet, zu den Fragen, die wir uns hier gestellt haben, vielleicht neue Erkenntnisse zu gewinnen!

Die entscheidende Passage (zu der unmittelbar davor kommen wir noch!) ist diese:

„Bischof Hofmann: Wissen Sie, was ein Bestseller ist? Das neue Gotteslob! Wir haben schon fünf Millionen Exemplare verkauft. Das ist doch super, in noch nicht einem Jahr. Das freut mich sehr, daß die Leute das so annehmen. Da habe ich zwölf Jahre meines Lebens reingesteckt. Ich bin auch dankbar für die vielen positiven Zuschriften. Das hat mich schon viel Überzeugungsarbeit in der Bischofskonferenz gekostet, daß wir da die moderne Kunst so intensiv unterbringen konnten.“

„Bestseller“? Das finde ich ja nun doch, äh, sagen wir „gewagt“. Wer ein Produkt lanciert, das für die Ausübung einer der „Kundschaft“ sehr existentiell wichtigen Aktivität praktisch unverzichtbar ist, zu dem es keine Alternative und in Bezug auf das es nicht einmal eine relevante Auswahlmöglichkeit gibt, der macht es sich, finde ich, ein wenig sehr leicht, sich über die vermeintliche Annahme durch „die Leute“, abgelesen an der Anzahl der verkauften Exemplare, allzusehr zu freuen.

Was hätte denn bitte derjenige tun sollen, der sich nicht (min.) jeden Sonn- und Feiertag auf die Leihexemplare der Pfarrei verlassen will, wenn nicht ein Exemplar kaufen?
Hätte es eine (am Ende etwas preiswertere) Ausgabe ohne Illustrationen gegeben (in deren Kalkulation ja der in der Höhe ‚natürlich‘ nicht bekannte Lohn der Künstlerin entfallen wäre), dann gäbe es eine reale Möglichkeit die Annahme genau dessen, worauf Bischof Hofmann hier so stolz ist, zu überprüfen, so aber nicht! (Und wenn es diese Ausgabe je geben wird: Ich kaufe auch noch ein Exemplar, mindestens; tut sich da eine Marktlücke auf? 😉 )

Aber wir lernen aus diesem Abschnitt noch viel mehr. Wie schon verschiedentlich vermutet, identifiziert sich Bischof Hofmann stark mit dem Werk (zwölf Jahre“) und er ist offenkundig sehr zufrieden damit, mit seinem (hohen) Anteil daran („mich viel Überzeugungsarbeit gekostet“).

Nun, was ich davon halte, daß im neuen Gotteslob „die moderne Kunst so intensiv“ „untergebracht“ werden konnte, das habe ich ja hoffentlich hinreichend deutlich gemacht (vgl. die Links oben).

Aber sehen Sie, was aus diesen Formulierungen spricht? Ein klare „Agenda“, ein Plan. Bischof Dr. Hofmann bestätigt mit diesen wenigen Worten genau, das, was wir schon vermutet hatte: Er wollte „die“ [der Artikel ist wichtig!] moderne Kunst“ „da“ „unterbringen“. Und dazu bedurfte es einiger „Überzeugungsarbeit“. D.h., ihm war klar, daß es Widerstände geben würde, aber er war für „die moderne Kunst“ bereit, sie zu überwinden, über zwölf Jahre. Und man muß ja ganz sine ira et studio feststellen: Das ist ihm auch gelungen.

Ich finde es allerdings ein Armutszeugnis sondergleichen, daß es über einen so langen Zeitraum nicht gelungen ist, diesem Vorhaben etwas entgegenzusetzen. Daß offenbar niemand ernsthaft versucht hat diese, selbst nach den ohnehin mehr als fragwürdigen Maßstäben „moderner Kunst“ bestenfalls mittelmäßigen und austauschbaren Strichzeichnungen, die jetzt unser aller „Handwerkszeug“ beim Kirchbesuch verunzieren, zu verhindern.
Wurde wirklich keine Alternative (z.B. der schlichte Verzicht auf Illustrationen) ernsthaft erwogen?
Hat sich vor allem niemand für ein geordnetes und nachvollziehbares Verfahren wie einen Wettbewerb stark gemacht, das, vielleicht, in der Lage gewesen wäre, eine gewisse objektivierte Qualitätssicherung herbeizuführen? (In dem anderen Bereich, wo es darum geht, mit dem Geld anderer Leute umzugehen, dem staatlichen, den ich von innen kenne, wäre so etwas völlig undenkbar gewesen!)
Muß man wirklich annehmen, daß eine hochmögende Versammlung intelligenter Personen wie sie die Deutsche Bischofskonferenz darstellt, dafür zu gleichgültig oder zu träge war?
Daß niemand in der Lage war, zu sehen, daß hier Grundsätzliches und zugleich sehr Praktisches auf dem Spiel stand?
Ich erspare mir an dieser Stelle den Versuch einer Antwort.

Und zwar Grundsätzliches, weil wir es jetzt aus dem Munde des Verantwortlichen selbst haben, daß es um „die“ moderne Kunst und nicht um „ein bißchen“ moderne Kunst ging. Genau was ich geschrieben habe: Es geht hier um nichts weniger als die Frage nach dem gesamten Diskurs, einschließlich aller weltanschaulichen Untiefen, mit der wir es zu tun haben.
Und Praktisches, weil sich nach einigen Monaten des Gebrauchs herausgestellt hat, was ich ebenfalls schon als Befürchtung geäußert hatte: Die Strichzeichnungen sind im Buch genau so plaziert, daß man sie überproportional häufig aufblättert, beim Vollzug der Hl. Messe.
Allerdings hat sich auch gezeigt, daß die Methode des präventiven Abdeckens mit Andachtsbildchen funktioniert: Nie waren sie so wertvoll wie heute! 🙂

Und „viele positive Zuschriften“ soll es dazu geben. Nun, meine Erfahrungen sind andere, ich kenne von zwölf bis über achtzig viele Menschen, die das ganz, ganz anders sehen und sich fragen, was das soll; vor allem der Verzicht aufs Kreuz!

Edit, 20.August: Wofür auch Art und Anzahl der Kommentare auf diesen Beitrag sprechen, den ich noch nicht mal getwittert hatte (sorry!), s. unten.

Aber ich habe ja gesagt, wir kommen auch auf den Abschnitt vor den Einlassungen zum Neuen Gotteslob zurück:

[Auf die Frage nach Kontakt zu Papst Benedikt XVI.]

„Er wollte ja mit mir ein Buch schreiben, eine Theologie der Kunst. Da sollte ich die Kapitel über die Kunst abdecken und er wollte den theologischen Teil schreiben. Ein Jahr später wurde er Papst und dann ging das nicht mehr. […] Eine Theologie der Kunst wäre ein wichtiges Projekt gewesen, die brauchen wir unbedingt.
[…] Aber das Buch wäre ein Knüller geworden. Wir haben für alles entsprechende Vorlagen, aber für die Kunst nicht.“

Wenn mir mal jemand gesagt hätte, ich würde dankbar dafür sein, daß ein Buch unter Beteiligung von Joseph Ratzinger nicht zustandegekommen ist…

Dabei ist es ja zunächst völlig richtig, daß eine aktuelle und hochrangige „Theologie der Kunst“ ebenso wichtig und wünschenswert wäre, wie „entsprechende Vorlagen“, worunter man ja vermutlich Anleitungen zur praktischen Anwendung des im „theoretischen Teil“ Erarbeiteten in der Kirchenpraxis zu verstehen hätte.

Nun, ich will nicht so weit gehen, zu vermuten, Joseph Ratzinger wäre insoweit dankbar für seine Wahl zum Pontifex gewesen, um da wieder rauszukommen, 😉 aber schon nach dem wenigen, was ich aus seiner Feder zum Thema des Zusammenhangs von Kunst und Glauben, Kunst und Liturgie gelesen habe, bin ich tatsächlich ganz sicher, daß die Zusammenarbeit spätestens an der Frage der Einschätzung der Bedeutung „moderner“ Kunst, na, „schwierig“ geworden wäre, und daß der Papa emeritus für eine derart naive (hoffentlich bloß „naive“!) Aktion, wie sie die Lancierung der Zeichnungen von Frau Bartholomé darstellt, niemals die Hand geliehen hätte.
Allein die Vorstellung der Möglichkeit einer feinsäuberlichen Aufteilung in einen „theologischen“ und einen „künstlerischen“ Teil hat, wenn man z.B. auch einmal nur gelesen hat, wie J. Ratzinger über Ikonen spricht, etwas unfreiwillig Erheiterndes an sich. Vor meinem geistigen Auge sehe ich förmlich den großen Gelehrten schmunzeln, wie nur er es kann… 🙂

Tatsächlich aber glaube ich, von den Problemen einer möglichen Kooperation Ratzinger-Hofmann einmal völlig abgesehen, daß es für den Versuch einer synthetischen Darstellung des aktuellen Verhältnisses von Glaube und Kunst im Augenblick nicht die Zeit ist. So wenig weiß „die Kunst“ im Moment eigentlich über sich Auskunft zu geben und zu sehr hat der organsierte Glaube scheinbar gerade „vergessen“, was von ihm aus zwangsläufig zu sagen wäre, philosophisch und anthropologisch. Wer keine Kriterien hat, das „Neue HB-Männchen“ auf dem Gotteslob zu verhindern, nein, um gar nicht erst auf einen solchen Gedanken zu verfallen, der sollte ein solches Gespräch besser überhaupt nicht erst beginnen, denn auf der Grundlage vorweggenommener Kapitulation vor fremdem Denken würde der Austausch langweilig und auswirkungslos bleiben müssen.

 

Selige Jungfrau, Muttergottes und Mutter der Kirche: Bitte für  Deine Kinder, daß sie ihre Selbstvergessenheit im Denken überwinden, damit die Kirche der Welt wieder geben kann, was diese allein niemals findet!

Ikone der “blauen” Mutter Gottes vom Don, Ende 15. – Anfang 16. Jh.  Russisches Museum, St. Petersburg (Bild: Wikicommons, Testus)

Ikone der “blauen” Mutter Gottes vom Don, Ende 15. – Anfang 16. Jh. Russisches Museum, St. Petersburg (Bild: Wikicommons, Testus)

Magie? Marie!

Ein Beitrag zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Wir feiern das Hochfest „Mariä Himmelfahrt“. Wie schön und wie wunderbar „vorkonziliar“ 😉 : Denn wie uns Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti, langjähriger Pressesprecher des Erzbistums Köln, in seinem Lexikon der Bräuche und Feste unterrichtet, feierte man „schon vor dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 […] in der Ostkirche die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, das Fest Mariä Himmelfahrt bzw. In Assumptione B.M.V.“ In der Westkirche, so Becker-Huberti weiter, sei das Fest spätestens seit dem 7. Jahrhundert am 15. August übernommen worden und habe seit der Dogmatisierung der Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel durch Papst Pius XII. am 1. November 1950 einen starken Akzent erhalten. (Herder-Verlag 42007, S. 238)

In Ermangelung eines unmittelbar passenden Textes wird heute bekanntlich die Geschichte von Mariä Heimsuchung als Tagesevangelium gelesen (Lk 1, 39-56). Aber die hochmittelalterliche Legendensammlung Legenda aurea des Jacobus de Voragine überliefert uns, was die Bibel nicht erzählt: Das Leben und Sterben Mariens. Demnach überlebt die Gottesmutter ihren Sohn um 24 Jahre, in denen sie immer wieder die Orte seines Wirkens aufsucht. Sie vermißt ihren Sohn und möchte sterben, um wieder mit ihm vereint zu sein. Eines Tages erscheint ihr noch einmal – wie zur Verkündigung – der Erzengel Gabriel, um ihr das Ende ihres Leidens anzukündigen.

Gabriel grüßt die Gottesmutter wie in der Verkündigungsszene. Mit seiner Todesankündigung überbringt er ihr einen Palmzweig als Baum des Paradieses, aber auch Symbol des Martyriums. Der Zweig wird ihrem Trauerzug vorangetragen werden, wenn sie drei Tage nach Gabriels Besuch verstirbt. Sie darf die zwölf Jünger vollzählig um sich versammelt wissen, denn heftige Windböen werden jeden von ihnen von seinem derzeitigen Aufenthaltsort aufheben und zu ihr bringen.

Die Szene des „Marientodes“ – lat. „Dormitio“, das „Entschlafen“ –, in der alle Jünger, manchmal zudem Heilige und Christus selbst – um Marias Totenbett versammelt sind, ist seit dem Hochmittelalter ebenso häufig bildlich dargestellt worden wie die Assumptio Mariae oder die Marienkrönung: In der Tat sind hier an Marias Bahre alle vereint und werden Zeugen, wie Jesus die Seele seiner Mutter als kleines weißgekleidetes Kindlein in den Himmel hebt – Umkehrung der üblichen Madonnenikonographie der Maria mit dem Jesusknaben auf dem Arm. Oder Christus trägt seine Mutter wie eine Geliebte in seinen Armen aus dem Grab in den Himmel. Maria, heißt das, muß nicht bis zum Jüngsten Tag warten, sondern ist sofort und beispielhaft für alle Menschen leiblich auferstanden. Als Beweis dessen erzählt man die Geschichte vom geöffneten Grab Mariens, das keinen Leichnam, sondern nur duftende Blumen barg.

Das Hochfest Mariä Himmelfahrt hat sich eine enge Verbindung zum Brauchtum erhalten: Es heißt der „Große Frauentag“, „Maria Würzweih“ oder „Büschelfrauentag“. Es ist das einzige Fest, zu dem nach wie vor eine – einst häufiger im Jahr übliche – Kräuterweihe stattfindet. Schriftlich ist dieser Brauch, wie Becker-Huberti schreibt (ebd.) spätestens seit dem Sachsenspiegel des 13. Jahrhunderts belegt. Das geweihte Büschel aus 7 oder 9 oder gar 99 Kräutern, darunter Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, Kamille, Thymian, Baldrian, Alant, Klee sowie den verschiedenen Getreidearten, wird gegen den Palmsonntags-Zweig im „Herrgottswinkel“ oder einer entsprechenden Stelle im Haus ausgetauscht. Im Krankheitsfall wurden Tees daraus aufgebrüht oder die Kräuter unter das Tierfutter gemischt. Theologische Klammer von Marienverehrung und Kräuterbrauchtum ist der seit dem 5. Jahrhundert belegte Beiname Marien als „guter und heiliger Acker“, der „göttliche Ernte brachte“ (Becker-Huberti, ebd.). Auf ihn geht auch die Darstellung der „Maria im Ährenkleide“ zurück.

Die Marienverehrung früherer Jahrhunderte kennt zwei „Frauentage“. Gemeint ist dabei immer nur die Eine: Maria, „Unsere Liebe Frau“. Auch der „Muttertag“ ehrte ursprünglich nur die eine Mutter, Maria. Der „Große Frauentag“, Mariä Himmelfahrt, besitzt in Mariä Krönung (22. August) seinen Oktavtag, der besondere Hochfeste markiert. Mit dem „Kleinen Frauentag“ bezeichnet man das Fest Mariä Geburt am 8. September. Da diesem Datum noch Mariä Namen und das Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariä am 12. bzw. 15. September folgen, ergibt sich der „Frauendreißiger“ als Zeitspanne zwischen dem 15. August und dem 15. September, der wie die Monate Mai und Oktober dem Marienlob und dem Mariengebet gewidmet sind oder sein sollten.

Nun ist das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel hierzulande leider kein gesetzlicher Feiertag. Auch fasten wir für gewöhnlich nicht mehr, wie es die orthodoxen Christen tun, zwei Wochen lang vor dem Fest. Aber wir weihen immerhin noch Kräutersträußchen, und das sollten wir auch unbedingt weiterhin tun.

Denn die säkularisierte und dadurch gern ins abergläubische abgleitende ‚Konkurrenz‘ schläft nicht. Im Sommer 2008 überraschte uns ein Blick in das aktuelle Heft der prämierten Jugendzeitschrift „w.i.t.c.h“ (ein Anagramm aus den fünf Namen der in den Fortsetzungsgeschichten handelnden Comicmädchen mit Anspielung auf das englische Wort „witch“ = „Hexe“ (vgl. hier), das sich unsere damals 8jährige Tochter in ihrem Interesse an allem Lesbaren zugelegt hatte. Gleich auf S. 4 erzählt „w.i.t.c.h“ den Mädchen vom „Magischen August“ und gibt „magische Tipps“, durch die das „Genießen des Sommers“ der jungen Leserin „leicht gemacht“ werde. Und siehe da: Als allererstes stoßen wir auf einen geklauten Frauendreißiger mit konstruiertem Kräuterbrauch:

„Zauberhafte Kräuterbüschel

Kräuter, die zwischen dem 15. August und dem 15. September gesammelt werden, haben besondere Heilwirkungen. Hexen sammeln in dieser Zeit einen Strauß aus sieben Kräutern. (Sternchen: Im magischen Kräuterbüschel sollten mindestens sieben der folgenden Kräuter enthalten sein: Johanniskraut, Thymian, Kamille, Salbei, Schafgarbe, Dill, Mohn, Pfefferminze, Melisse, Holunder oder Rosmarin) Sie [die Hexen] binden ihn zu einem Büschel und hängen ihn in ihr Zimmer. Er stimmt die Geister freundlich und unterstützt die Kreativität.“

Zitat Ende. Wir haben nicht schlecht gestaunt. Was doch aus dem katholischen Brauchtum so alles rauszuholen ist, wenn grad keiner hinguckt.

Cornelie Becker-Lamers

In der Tat frappierend, oder? Man weiß nicht, soll man sich über die Unverschämtheit ärgern oder es vorziehen, die fortdauernde Wirkkraft unserer Bräuche zu bewundern, selbst in solch erheblicher Dekontextualisierung?
Bevor aber am Ende aus den vermutlich harmlos-neugierigen kleinen „witches“ vielleicht nicht mehr ganz so harmlose „bitches“ werden (pun intended),  wäre es doch gelacht, wenn es nicht gelingen sollte, sie davon zu überzeugen, wer das Original des Brauchs hat – und nicht bloß den kommerziellen Abklatsch. Wo echte Schöpferkraft und Spiritualität walten und nicht „Kreativität“ und (Un-)„Geister“!

Freilich, Voraussetzung dafür ist, daß wir selber unsere Bräuche ernstnehmen, verstehen und praktizieren.

Maria aufgenommen ist, Halleluja,
zu   ihrem Sohne Jesus Christ Halleluja.
Ihr Sohn, der Tod und Grab besiegt, Halleluja,
er läßt im Tod die Mutter nicht, Halleluja.
Im Himmel ist sie Königin, Halleluja,
und aller Welt ein Trösterin. Halleluja.
O Zeichen groß: ihr Kleid die Sonn, Halleluja,
ihr Schuh der Mond, zwölf Stern ihr Kron, Halleluja.
(GL 522)

Madonna_im_Ährenkleid_Salzburg_14_Jh._proc

Madonna im Ährenkleid, 14. Jh., Stiftskirche St. Peter zu Salzburg (Bild: Wikimedia Commons, AndreasPraefcke)

 

 

 

 

Grenzen der Naivität. Oder der Veralberung. (Nichts) Neues zur Bischofsfrage in Erfurt

Ich habe ja nun schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, daß ich es vorziehen würde, nicht mehr über das schreiben zu müssen, was die Thüringer Zeitungslandschaft so i.S. der Sedisvakanz unseres Bistums produziert!
Aber kriegt man regelmäßig, was man will? Natürlich nicht! 😉
Und als der Artikel, den ich gestern morgen noch tunlichst zu ignorieren versuchte, dann auch noch bei Twitter auftauchte und damit den mitteldeutschen Mikrokosmos zu verlassen drohte (Danke auch, @Stanislaus! 😉 ), da war klar, das kann eben doch nicht unkommentiert bleiben. Seufz!

Also dann: Die TLZ brachte gestern einen waaahnsinnig aufregenden Artikel, der sich mit der vermeintlichen Reaktion des Hl. Vaters auf die Worte eines 23jährigen Erfurter Theologiestudenten aus dem Eichsfeld befaßt, der im Rahmen der jüngsten Ministrantenwallfahrt nach Rom Gelegenheit hatte, einige Worte an den Papst zu richten, weil das Los entschieden hatte, daß er als Gruppenleiter für unser Bistum in der ersten Reihe sitzen durfte.
Ja, wirklich, das ist der Inhalt des Artikels! (hier)

Und was sagte der junge Mann, als sich der Papst ihm zuwandte? Er selbst gibt seine Worte so wieder:

„Heiliger Vater, viele Grüße aus dem Bistum Erfurt, wo wir ja immer noch auf einen neuen Bischof warten.“

Ah ja.

Daraufhin habe der Papst so ausgesehen „als ob ihm in dieser Sekunde eingefallen wäre, daß da ja noch eine Personalie aussteht.“

„Daraufhin“, obwohl, wie aus dem Artikel selbst hervorgeht, sich Weihbischof Hauke kurz zuvor bereits als Diözesanadministrator vorgestellt hatte. Brillante Logik in diesem Artikel, doch, doch.

Geschätzte Lokalredaktion der TLZ in Heiligenstadt: Ist Ihnen u.U. auch der Gedanke durch den Kopf geschossen, der Hl. Vater könnte so verblüfft geschaut haben, wie er es auf dem Photo, das den Artikel begleitet, tatsächlich tut, weil er sich als lebensälterer Kirchenmann aus einem anderen Kulturkreis, wo man solches vielleicht nicht gewöhnt ist, schlicht über die Chuzpe (um es mal vorsichtig auszudrücken) dieser Anrede gewundert hat?

Aber warum sollte ich mich mit dem Benehmen eines der Selbstdarstellung auch sonst nicht abholden (vgl. hier) Erfurter Studenten befassen?

Weil der Knackpunkt des Artikels leider erst noch kommt, denn die Zeitung liefert nun auch die Thesen des „angehenden Theologen“ zu den Gründen für die lange Sedisvakanz:

Nur weil, als Erfurt vakant wurde, Papst Benedikt noch im Amt war, wird Daniel Bertram zitiert, könne es sein, daß andere Bistümer, die später vakant wurden, früher wieder einen neuen Bischof bekommen hätten. „Unser kleines Bistum Erfurt ist dann auf dem Schreibtisch immer weiter nach unten gerutscht.“

Ist das zu fassen?!

Man kann zwar von einem 23jährigen vermutlich nicht verlangen, daß er vom Innenleben größerer, gegliederter Verwaltungen, wie der Vatikan eine ist, etwas versteht, aber von ausgewachsenen Zeitungsredakteuren erwarte, nein, verlange ich, daß sie auf die Wiedergabe, die unkommentierte Wiedergabe!, einer solch, äh, „juvenilen“ Äußerung verzichten, bitte!

Schon die regelmäßige Lektüre des eigenen Blatts hätte vor dieser Peinlichkeit bewahrt, ganz zu schweigen, diejenige dieses Blogs (u.a. schon hier,  hier und hier).

Bei näherem Nachdenken finde ich übrigens, ein Erfurter Theologiestudent könnte über die (bundesweit) bekannten Gründe für die lange Dauer der Sedisvakanz doch ein wenig besser informiert sein; Herr Bertram, die Adresse ist www.pulchra-ut-luna.de , available in any browser und wenn Sie Twitter bevorzugen: Unter @GGLamers  wird  regelmäßig über neue Einträge unterrichtet … 🙂

Denn, beim besten Willen, das Thema ist für derartige Albereien zu ernst. Und mit Albereien geht der Artikel noch weiter, Lesen Sie selbst, wie der arme Weihbischof sich angeblich verhört haben soll, woraus dann flugs die Andeutung des Papstes wird, er könne mit einem neuen Bischof noch bis Ostern 2015 dauern, oder der schwer verständliche Satz über die Schuhe des Papstes – es ist einfach unterirdisch. (Dabei werde ich zu dem Satz: „ Er [sc. Franziskus] kennt doch noch nicht einmal Etzelsbach“, mit dem die Unsinnigkeit eines erneuten Papstbesuchs in Thüringen begründet werden soll, sicherheitshalber schweigen, es gibt eine Dimension von Kirchturmdenken  Lokalpatriotismus, die ist mir „leider“ nicht zugänglich)

Nein, das ist einfach nicht das Niveau, auf dem die Frage, wann die Herde wieder einen Hirten erhält, verhandelt werden kann, so geht das nicht!
Und wenn ich erst am Dienstag von der Hoffnung auf ein gedeihliches Nebeneinander von Lokal-/Regionalpresse und Blogs geschrieben habe (hier) ist diese Hoffnung mit einem derartigen Artikel vorerst wieder ein bißchen geschwunden. Schade.

 

Sketch des Monats August: Der Grabenbau

Der Grabenbau oder: Ein „Sonntagmorgen“ voller Anspielungen

 Ein Sketch für sechs Schafe, zwei Lämmchen, einen Fotografen und
beliebig viele Schafstatisten

 (Wundersdorf, Schafweide. Eines schönen Sonntagmorgens im August. Tatze, der Hütehund der Herde, ist gerade von dem uns bekannten Pritschenwagen zu seinem Dienst als Blindenhund in der Kirche der katholischen Diasporagemeinde Maria Hilf! Wundersdorf abgeholt worden, als einige Schäfchen unter Anleitung von Krutzi vom Kanal an der Tränke aus beginnen, einen Graben über die Weide zu ziehen.
Ein Fotograf läuft durch die Szene und hält immer wieder ausgesuchte Perspektiven im Bild fest. Es dauert eine Weile, bis Kohle, Flocke und Wolle bemerken, was sich da anbahnt.)

Kohle (trottet zu Krutzi, irritiert): He, Krutzi, was soll das? Warum grabt ihr einen Wassergraben um unsere Weide?

Krutzi (großspurig): Niemand hat die Absicht, einen Graben zu ziehen. (Sie wendet sich wieder den Arbeiterschäfchen zu und treibt sie zur Eile an.)

Kohle (ärgerlich): Krutzi! Ich bin nicht blind! Ihr kreist hier die halbe Weide ein.

Krutzi (leichthin): Das hat der Herdenvorstand so beschlossen, ich kann nichts dafür.

Kohle (trottet zu Grauchen, die etwas entfernt auch gerade mit dem Grasen aufgehört hat und die Szene beobachtet): Grauchen, was muß ich hören: Der Herdenvorstand hat einen Wassergraben quer durch unsere Weide beschlossen?

Grauchen (völlig verdattert): Das ist das erste was ich höre, kein Wort davon ist wahr!

Wolle (wütend): Typisch! Der Herdenvorstand wird wieder vors Loch geschoben, wenn Krutzi einen ihrer Alleingänge bemänteln will!

Flocke (im Diskussionston): Wo hat Krutzi überhaupt die Schaufeln her?

Blütenweiß (grübelnd): Ich wette, Corinna steckt dahinter …

Flocke: Aber was kann das für einen Sinn haben?

Grauchen: Jetzt dämmert’s mir langsam: Neulich waren Corinna und Hirte Kneif im Herdenvorstand und es ging um eine Aktion, mit der hier auf der Weide ein Exempel statuiert werden sollte. Wir alle hatten keine Ahnung, um was es sich handelt – aber ihr wißt ja, wie es ist, wenn man im Herdenvorstand eine Frage stellt – man wird sofort niedergebrüllt und dumm gemacht. Also haben alle geschwiegen und genickt …

Kohle (nickt verständnisvoll): Hm! Kenn’ ich. Aber Exempel wofür – hast du eine Idee?

Grauchen: Also, wenn ich das jetzt hier so sehe … Corinna und Kneif würden am liebsten die Gemeinde einmauern, das steht fest. Sie nehmen zwar immer den Mund tüchtig voll von wegen: Wer wegbleibt, dem weinen wir keine Träne nach – aber Fakt ist, daß sie den einen oder anderen Lektoren und Organisten eben doch noch brauchen. Sie sind inzwischen schon bei den 15jährigen und den ganz alten Herrschaften angelangt …

Wolle (halb belustigt, halb entsetzt): … das erinnert ja schon beinahe an den „Volkssturm“ …

Grauchen: Irgendwie schon.

Wolle: Unfaßbar!

Flocke: Wundersdorfer Filz!

Blütenweiß: Völlig eingesponnen, die beiden …

Wolle (bedächtig): … „curvatus in se“

Flocke: Hm?

Wolle: „der auf sich selbst gekrümmte Mensch“ – Augustinus. Spielt später in der Auffassung von Sünde eine Rolle.

Flocke: Aha! Ja. Gutes Sprachbild!

(Die Schaufelschafe haben mittlerweile einen erheblichen Teil ihrer Arbeit getan, als Fixi und Huf, die beiden Lämmchen, herbeigestürmt kommen. In ihren Vorderläufen tragen sie Schilder mit der Aufschrift: Wir sind die Herde bzw. Herrschaft kippen ohne Schippen. Sie stürmen auf die Gruppe um Kohle und Grauchen zu.)

Fixi (schreit): Ihr steht hier und quatscht!

(Der Fotograf ist auf die beiden Lämmchen aufmerksam geworden und fotografiert nun auch die Gruppe der diskutierenden Schafe.)

Huf: Los! Wir müssen etwas tun, sonst ist die Herde bald geteilt! Seht doch: Schon jetzt können manche aus dem Herdenrat auf die andern nicht mehr zugehen! (Er deutet auf einige Schafe, die jenseits des Grabens achselzuckend an der Böschung stehen und sich rasch wieder abwenden.)

Fixi: Ich finde, das erinnert verdammt an was, was wir neulich in Geschichte hatten!

Kohle: Und – was schlagt ihr vor?

Huf: Wir müssen die Bauschafe überreden, die Schaufeln niederzulegen. Wir sind eine Herde! (Die beiden Lämmchen stürmen los. Schon als sie mit ihren Schildern kommen, läßt ein Schaf die Schaufel fallen und springt todesmutig über den noch nicht mit Wasser gefüllten Graben – ein Bild, dazu angetan, um die Welt zu gehen! Andere Schafe beginnen, mit der ausgehobenen Erde, die ja komplett auf der Seite von Krutzi und den Schaufelnden liegt, den Graben mit den bloßen Hufen wieder zuzubuddeln. Während Grauchen, Blütenweiß, Wolle, Flocke und die andern zum Graben stürmen, um die Bauschafe darüber aufzuklären, wozu sie hier mißbraucht werden, wendet Kohle sich dem Fotografen zu.)

Kohle: Guten Morgen, ich bin Kohle.

Der Fotograf: Guten Morgen! Ich bin der Fotograf.

Kohle: Sagen Sie bitte, wenn Sie hier so viel fotografiert haben – könnten Sie uns wohl das eine oder andere Bild überlassen? Wir publizieren immer mal Informationen über die Situation auf unserer Weide.

Der Fotograf: Das ist ja interessant! Darüber möchte ich auch mehr erfahren. Ja, klar! Bilder sind überhaupt kein Problem. Ich mach dir ein paar fertig für den Druck. (Er läßt eine Flasche „Christinen Brunnen“ in den Papierkorb am Wiesenrain plumpsen und tritt dagegen.)

Kohle (grinst): Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu, auf der Wundersdorfer Weide! Bloß gut, daß irgenwann das Ende jedes ungerechten Regimes kommt…

Sommerkino auf PuLa IV: ‚Ein innerer Kosmos ist mutwillig zerstört worden’

Der heutige Abschnitt aus dem Vortrag von Hw. Dr. Kreier, mit dem wir unser ‚Sommerkino‘ fortsetzen, beginnt mit den Äußerungen von R. Meßner zu der mittlerweile ja schon nachgerade „klassischen“ Frage in jeder Debatte um Liturgie, der nach der Ausrichtung des Priesters, vor allem während des Eucharistischen Hochgebets.
Pfr.  Dr. Kreier tut hier das, was PuLa seinerseits mit ihm tut: Er ruft Meßner zum ‚unverdächtigen Zeugen‘ auf, weil eben Meßner (wir erinnern uns an das erste Video) als universitärer Liturgiewissenschaftler, der schon „Einlassungen der Glaubenskongregation“ erhalten hat (die er allerdings, wenn ich das richtig verstanden habe, dann eben auch akzeptiert hat!) nicht in dem Verdacht eines „liturgischen Reaktionärs“ stehen kann! Weil er sozusagen dennoch zu dem Ergebnis gekommen ist, diese „unbedacht vorgenommene Wendung“ habe das Problem der „Publikumssituation“ stark verschärft und damit einem falschen Verständnis des Gottesdienstes Vorschub geleistet (vgl. auf PuLa schon 2011 hier).

Wer, etwas zugespitzt formuliert, so vernagelt ist, Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. immer noch für einen solchen „Reaktionär“, mindestens aber für lebensfern und abgehoben zu halten, mit dem, was er in „Der Geist der Liturgie“ geschrieben hat (und mit dem Motu proprio Summorum Pontificum von 2007 weiterführte), der muß eben irgendwann erkennen, die Kritik an den Ergebnissen der nachkonziliaren Liturgiereform ist weitverbreitet, vielfältig und gewissermaßen „bunt“, sie speist sich aus vielerlei Ansätzen und Ausgangspunkten.

Und diese Kritik ist keine Kopfgeburt, sie ist keinesfalls ein vorwiegend intellektuelles Phänomen.

Es handelt sich vielmehr darum, daß hier etwas erlitten wird. Bei Priestern und Laien gleichermaßen. Beide leiden an bestimmten Phänomenen und dieses Leiden führt direkt in den Kern dessen, worum es im katholischen Gottesdienst geht.

Und hier ist nun meines Erachtens der Vortragsstil von Hw. Dr. Kreier ausgesprochen hilfreich: Schauen Sie, wie er sich von dem Text des Aufsatzes, den er als Grundgerüst nutzt, über weite Strecken vollständig löst und von sich spricht. Von seinen ganz konkreten priesterlichen Erlebnissen, Problemen und Empfindungen:

 

 

0:31 Eine wohl allzu unbedacht und damit undifferenziert vorgenommene Wendung des Liturgen um 180 Grad [auf den hier und an anderer Stelle erwähnten Vortrag zum Canon romanus, dem ersten Hochgebet, kommen wir noch zurück!]

1:15  Gaanz furchtbar […] Das ist ganz schrecklich, Unbeholfenheit meinerseits

1:49 Aber alles andere [außer Begrüßung] ist an Christus gerichtet! Und ich guck‘ permanent in die Leute.

2:13 Das ist nochmal ein eigener Punkt, ob wir das noch jemals geändert kriegen

ab 2.21 Ermutigende Erfahrungen in Gottesdiensträumen ohne freistehenden Altar, Zuspruch durch die Gläubigen [Derartige Erlebnisse haben wir auch gerade wieder in Österreich machen dürfen, genauer in der wunderbaren Kapelle in Gößl am Grundlsee, die auch keinen freistehenden Altar hat, kein Mitfeiernder nimmt daran Anstoß…]

Kapelle Gößl, Innenraum (leider durch Butzenscheiben photographiert..., eigenes Bild)

Kapelle Gößl, Innenraum (leider durch Butzenscheiben photographiert…, eigenes Bild)

2:55 Wenn man sich wirklich öffnet dafür fähig zu werden für den liturgischen Akt kann man fast gar nicht anders.

3:24 Das Konzil spricht ja davon nicht [„Wendung zum Volk“]

3:49 Im evangelischen Gottesdienst dreht sich keiner zum Volk

ab 5:53 Zusammenhang mit dem Zeitgeist der späten 60er Jahre! [das Insistieren auf der (weitgehend negativen) Bedeutung dieser Periode ist auch keinesfalls die Privatspinnerei von PuLa…]

6:58 Und immer wenn da jetzt auch im Trier Anhang [des Gotteslobs] steht: „Regional, 1974“ ich krieg da immer schon Ausschlag

8:46 Ich wundere mich, daß diese Lieder immer noch gesungen werden aber teilweise mit einem schlechten Text

ab 9:20 Vernachlässigung der Details der liturgischen „Performance“ in der Liturgiereform

11.20 Kein gültiges Rituale mehr für „normale Priester“

12:46 Wir haben gar kein Proprium mehr

14:29 Diese liturgische Werkstatt, die die Aufträge des Konzils ausgeführt hat, die hat einen Kosmos zerstört

16:32 Beispiele, wo wir merken, das ist noch inkonsequent [was nach 1965 entstanden ist]

18:28 Aber wo haben wir dann die Norm? Wo kann man denn überhaupt noch einem Ritus begegnen, der verläßlich ist?

 

Kapelle Gößl (eigenes Bild)

Kapelle Gößl (eigenes Bild)

 

 

Was zu beweisen war, Zeitungskrise und zerstörtes Meinungsmonopol

Quod erat demonstrandum.

Wenn sich PuLa mit Beiträgen in Zeitungen auseinandersetzt (und das kommt ja gelegentlich vor… 😉 ), fehlt selten der Hinweis, daß das Meinungsmonopol der Journalisten durch das Internet ein für allemal gebrochen sei, und daß es nunmehr „nur noch“ eine Aufgabe jedes Einzelnen wäre, sich zu den Dingen, die ihn angehen und interessieren Information und Meinung, Nachricht und Kommentar, auch andernorts zu beschaffen, z.B. auf einem Blog.

Nun mag ja die/der eine oder andere denken: „Klar, daß er das so schreibt, entspricht ja seinem eigenen Interesse!“ Stimmt. Aber das sagt ja längst auch „die andere Seite“! Sprich: Journalisten, die über ihre eigenen Zukunft reflektieren, können gar nicht umhin, sich mit diesem Phänomen zu befassen.

Heute würde ich Sie gern auf einen sehr nachdenklichen und wie ich finde hilfreichen Artikel aus der FAZ aufmerksam machen, wo drei Zeitungsjournalisten die Geschichte des deutschen Zeitungswesens in der Nachkriegszeit (kritisch) Revue passieren lassen, den aktuellen Zustand bilanzieren und zwei Szenarien zur Zukunft der Printmedien skizzieren (hier).
Sehr lesenswert!

Einige Kostproben:

„Dazu kamen neue Blogs von Fachleuten oder Autoren, die fundierte und lesenswerte Kommentare in die Welt brachten.
Das Internet vermiest den Zeitungen nicht nur das Anzeigengeschäft, es untergräbt auch ihre Autorität. Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet. Ihre Hoffnung bleibt, daß sie doch noch gebraucht werden.“ (Hervorhebung von mir)

Und als Teil des positiven Zukunftsszenarios:

„Einige Verlage setzen explizit auf einen Journalismus, der sich nicht mehr so stark an den Institutionen wie den Parteien, der Kirche oder den Gewerkschaften abarbeitet.“

Ein Satz, den sich eine Zeitung wie die TLZ, die in einer weitgehend entchristlichten Umgebung ausgerechnet den ohnehin eher „westlich“ geprägten „deutschen Reformkatholizismus“ propagiert, zu Herzen nehmen sollte!

Und schließlich an uns Blogger selbst gerichtet:

„Überraschend für viele ist, daß die Desintegration der Medien, die durchs Internet so leicht gemacht wird, zurückgedrängt wird. Blogger und Journalisten finden sich zu mehr oder weniger losen Redaktionsgemeinschaften zusammen […]. Gemeinsam können sich die Reporter eher Bildredaktion, Infografik und Korrektur leisten und damit die Darstellung verbessern.“

Ganz meine Rede! (Lokal-) Zeitung und Blogger müssen nicht im Sinne eines Nullsummenspiels agieren! Sie können sich durchaus ergänzen, wobei allerdings Voraussetzung ist, daß beide Seiten ihre jeweilige „Agenda“, die über Informationsvermitttlung hinausgeht, offenlegen, was bei Blogs in der Regel, auf PuLa in jedem Fall, gegeben ist, während bei Zeitungen Fragen angebracht sind.
Hier verhüllt der Nimbus der unparteiischen Information allzu häufig ‚hidden agendas‘, versteckte Grundausrichtungen und Ziele, die in manchen Fällen gar zu internen Maulkörben werden…

Und was die Zusammenarbeit  und  Vernetzung auf Seiten der im Netz Aktiven angeht: Da kann auch in der Blogoezese noch so manches wachsen!

Wie gesagt: „Pula ist ein Franchise-Modell“ (vgl. hier aber auch hier) es gibt Phänomene, denen gehört überall auf die Finger geschaut/geklopft
Überall! 🙂

Rätsel (ein Limmerick)

Es saßen in Weimar beim Biere

Zwei Priester, zwei Laien (macht viere)

Am Freitag – ‘s ist wahr.

Trug einer Collar?

Und wer aß nichts von einem Tiere?

Sommerkino auf PuLa III: ‚Sie haben keine Sicherheit wenn Sie irgendwo in die Messe gehen, was Sie erwartet‘

Auch in Teil III des ‘Sommerkinos’ geht es zunächst noch um die Beobachtungen, die R. Meßner in dem in Teil I zitierten Aufsatz macht und es ist in der Tat auf den ersten Blick verblüffend, welch eminent praktische Beobachtungen über die Feier der Hl. Messe möglich sind, wenn man sich sozusagen „ganz allgemein“ mit Ritualtheorien beschäftigt.
Wohlgemerkt: ‚auf den ersten Blick‘!, denn ‚auf den zweiten Blick‘ wird eben „bloß“ deutlich, um was es sich bei der Feier der Hl. Messe tatsächlich handelt: Den Punkt, auf den alles Ritual, die ganze Religionsgeschichte immer schon zugelaufen ist, und in dem es/sie sich end-gültig erfüllt: Die Consummatio, Zusammenfassung und Vollendung. Von daher betrachtet ist es einfach nur logisch, daß die Betrachtung „echter“ auch nicht-christlicher Ritualität etwas ‚damit zu tun hat‘, mit dieser Feier!

Erneut ist der Vortrag höchst erheiternd, im Kern aber tiefernst:

  • Keine Begrüßung durch den Priester zu Beginn des Gottesdienstes: „Ganz viele Messen, auch gehalten von ganz hochmögenden Menschen, fangen immer an mit ‚Ich‘“. (ca. ab 0:37).
  • Die Invarianz gibt dem Mitfeiernden eine Sicherheit (ca. ab 2:01)
  • „Kanonizität“ als Charakteristikum ritueller Botschaften; „invariant gefeiertes Ritual gibt mir Auskunft über meine Identität“ (ca. ab 3:39)
  • Drei Beobachtungen (von Meßner): 1) Die Teilnehmer eines Rituals werden selbst Teil der ‚inszenierten‘ Wirklichkeit 2) Im Gesamtgefüge der rituellen Handlung sind ausnahmslos alle Teilnehmer 3) Teilnahme geschieht primär durch äußerliches Verhalten, nicht unmittelbar durch innere Akte (ca. ab 5:21)
  • Guardini: Starke Vernachlässigung der äußeren Gestalt des Gottesdienstes seit dem 19. Jh.; Kritik Kreiers am Ritualismus der „reaktionären Schwestern und Brüder“, die doch zugleich ganz auf das innere Erleben abhöben: „das ist 19. Jahrhundert“, wiewohl die Anziehungskraft der außerordentlichen Form des Ritus gerade auch auf jüngere Menschen und Priester „logisch“ sei. (ca. ab 7:31)
    [Dem Verständnis, das Hw. Dr. Kreiers Äußerungen zum Vetus Ordo, und zu denjenigen, die ihn praktizieren, zugrunde liegt, wird noch Aufmerksamkeit zu widmen sein]
  • Weitverbreitete Gestalt eines liturgischen Klerikalismus, für den es gleichgültig ist, ob die Handelnden tatsächlich Kleriker sind (ab ca. 11:50)

1:06   (Begrüßungen) Ich weigere mich, es geht nicht um mich; das ist doch banal, das ist doch so schrecklich banal […] diese Sätze sind banal und sie sind im Grunde genommen ‚variant‘ (vgl. auch hier)

2:10    Also die Invarianz, die Unveränderlichkeit von Ritualen schafft Sicherheit und Klarheit durch die ständige Durchbrechung der unsicheren und ungeordneten Existenz

4:17     Daß wir uns so schwer tun mit unserer Identität hängt auch mit der permanenten Varianz des gottesdienstlichen Geschehens zusammen (vgl. auch hier); Sie haben keine Sicherheit wenn Sie irgendwo in die Messe gehen was Sie erwartet; das war mal, das haben wir aber nicht mehr.

5:48     Die sogenannte Participatio actuosa; das heißt nicht, daß jeder von denen, die im Kirchenschiff sitzen, einmal oben steht, auf der Treppe und was gesagt hat oder auch mal vorgekommen ist oder noch‘ne Pirouette dreht und alle klatschen Beifall und dann sind alle glücklich und das ist dann die tätige Teilnahme; das ist ein großes Mißverständnis.

10:05     Unter uns Priestern heißt es dann: „Ach, das glaubst Du noch?“  Oder jeder glaubt was anderes und weil auch jeder andere Texte nimmt, weil wir uns nicht mehr auf die kanonischen Sequenzen einigen können, obwohl die vorgeschrieben sind aber wen interessiert das noch? Das heißt, ich kodiere die Botschaften selber.

11:04      Viele Eucharistiefeiern sind durch einen Wortschwall (Verbalismus) bestimmt; wir werden permanent belehrt, aber wir feiern nicht mehr.

11:24       In der aktuellen Performance der Eucharistie kann man nicht selten den Eindruck gewinnen, daß abwechselnd Personen einem Publikum gegenübertreten, um ihm Texte vorzulesen beziehungsweise vortragen. [Wer dächte da nicht an die immer noch nicht ausgestandene Gefahr vermehrter „WoGoDis“ (vgl. hier) und an den in Weimar einmal „beliebten“ (und nie zurückgenommenen) Gebrauch des Terminus: „Akteure vor der Kamera“? (vgl. hier und hier)]

PuLa unterwegs: Erinnerung an die Schlacht von Mogersdorf, 1. August 1664

Am heutigen 1. August wird an gar mancherlei Daten der Weltgeschichte erinnert, vorwiegend neueren Datums. Da kann so ein kleiner Provinzblog kaum sinnvoll etwas beitragen, dachten wir uns, und haben uns daher entschlossen, hier eines Ereignisses zu gedenken, das schon etwas länger zurückliegt, 350 Jahre, um genau zu sein.

Am 1. August 1664 gelang den multinationalen christlichen Truppen im Türkenkrieg von 1663/64 mit dem Sieg in der Schlacht von Mogersdorf (bzw. Schlacht an der Raab) wiewohl sie zahlenmäßig im Verhältnis 1 zu 2 unterlegen waren, der entscheidende Abwehrerfolg dieses Krieges.
Aus verschiedenen Gründen (und vermutlich klugerweise) wurde nicht versucht, den militärischen Erfolg unmittelbar auszunutzen, sondern er führte zügig zum 20-jährigen sog. „Waffenstillstand von Eisenburg“.
Dieser bildete, bis er von türkischer Seite gebrochen wurde, eine wesentliche Voraussetzung, damit im „Großen Türkenkrieg“ von 1683-99 die unmittelbare militärische Bedrohung Mitteleuropas durch die Osmanen endgültig beendet werden konnte.

Aus diesem Grunde haben die Bürger der Stadt, die deutsch Pettau, slowenisch Ptuj an der Drau (Drava) heißt, und die schon aufgrund ihrer direkten geographischen Nähe zu wichtigen Schauplätzen dieses Krieges allen Grund zur Dankbarkeit hatten, genau das Richtige getan, um eines solchen Ereignisses zu gedenken:

Sie haben eine Mariensäule errichtet!

Und da dieselbe heute noch steht (und sich in gutem Zustand befindet), haben wir heute das Vergnügen, sie in der Reihe: „PuLa unterwegs“ präsentieren zu können:

Mariensäule in Pettau/Ptuj

Mariensäule in Pettau/Ptuj

Mariensäule Ptuj vor Minoritenkloster (rest. 2010)

Mariensäule Ptuj vor Minoritenkloster (rest. 2010)

 

Gewiß darf man sich die Reaktion der damals hart Bedrängten so vorstellen, wie knapp 100 Jahre zuvor als der Hl. Papst Pius V. die Katholiken am Tag der Schlacht von Lepanto (vgl. auch hier) aufgerufen hatte:

„Betet den Rosenkranz! Bittet um den Beistand der Jungfrau und Gottesmutter Maria – unserer Mutter – zu diesem altehrwürdigen Gebet, auf daß sie in dieser schweren Stunde unsere Fürsprecherin sei. Darin liegt unsere Hoffnung, damit Europa christlich bleibe. Betet den Rosenkranz. Betet alle!“

 

 

Der Eisbecher

Der Eisbecher

Metten, im Juli 2014

In der vermutlich besten Eisdiele entlang der Donau, bei „Fontanella“ in Metten, gibt es einen neuen Eisbecher: Zu Ehren des hier vorübergehend ansässigen, unterdessen emeritierten Bischofs von Limburg (vgl. auch hier) serviert man hier seit einigen Wochen die „Coppa Tebartz van Elst“. Auf der Karte ist die Neuheit zwischen der „Coppa Sicilia“ und dem Eisbecher „Tentazione“ plaziert.
Die „Coppa Tebartz van Elst“ ist eine Komposition aus weißem-West-Eis und vielen goldenen Aprikosentalern, die sich unter einer dunklen Soße verstecken. Das ganze wird in einer kleinen Badewanne angerichtet.
Die eigentliche Besonderheit der „Coppa Tebartz van Elst“ aber besteht darin, daß sie immer teurer abgerechnet wird, als sie in der Karte steht. Auf Nachfrage gab die Besitzerin der Eisdiele an, über die wahren Kosten des Eisbechers von ihrem Personal im unklaren gehalten zu werden.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Gelateria Fontanella vor Klosterkirche, Metten

Gelateria Fontanella vor Klosterkirche, Metten