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Übrigens…

Vom 1.10.2012  bis zum 19.09.2014 waren es 718 Tage.

Vom 27.9.2012 bis zum 15.9.2014 waren es auch 718 Tage.

Der erstgenannte Zeitraum dürfte Ihnen bekannt vorkommen. Es handelt sich um die Dauer der ja nun glücklich beendeten Sedisvakanz des Erfurter Bischofsstuhls.

Der zweite Zeitraum ist derjenige der Sedisvakanz im englischen Bistum Leeds, der also, bloß hinsichtlich Anfang und Ende um wenige Tage verschoben, exakt der Dauer entspricht, die wir hierzulande auf einen Bischof gewartet haben.

Ich erwähne diesen hübschen Zufallsfund, weil es mir auch im nachhinein noch sinnvoll erscheint, sich vor Augen zu führen, daß wir mit unserem natürlich verständlichen, ja berechtigten Wunsch, möglichst zügig wieder einen neuen Hirten zu haben nicht allein waren. Weder in Deutschland noch in der Weltkirche!
Um sich vor Augen zu führen, daß die ebenfalls gut 150.000 Katholiken in und um Leeds diesen Wunsch sicher auch hatten – genauso verständlich und berechtigt! Und sich vielleicht dabei Rechenschaft darüber abzulegen, ob alle ungeduldigen Töne, die im Laufe der fast zwei Jahre (mit einer leichten Tendenz zur Hysterie gegen deren Ende…) dem Prinzip der brüderlichen Verbundenheit mit der gesamten Kirche entsprachen oder am Ende gar einmal darüber nachzudenken, ob man nicht auch römischen Dikasterien zubilligen muß mehr zu tun zu haben, als bloß auf uns zwischen Werra und Weißer Elster zu schauen…
Aber das ist vermutlich von manchem schon zuviel verlangt. 😉

Ich finde allerdings, es wäre nicht zuviel verlangt gewesen, wenn man bei Aktionen, die Kinder und Jugendliche einspannen, innerkirchlich mehr Sorgfalt auf die Wortwahl gelegt hätte.

"Minis" auf den Domstufen (Bild Cl. Heber)

„Minis“ auf den Domstufen (Bild Cl. Heber, ursprgl. via Twitter)

Das „wo bleibt“ hinterläßt in seinem fordernden Charakter doch ein wenig einen schalen Beigeschmack, tut mir leid. Wie wäre es  denn mit „Lieber Papst bitte denk an unseren Bischof!“ gewesen? Wo wir schon so schön am Zählen sind, das sind 37 Zeichen und damit gerade einmal 6 mehr als in der  leider realisierten Variante – dafür wäre auf den Domstufen auch noch Platz gewesen!
Ich fürchte, hier wird auch in einer solchen (scheinbaren?) Kleinigkeit deutlich, wie es bei manchen um das Verhältnis zu „Rom“ bestellt ist.

Dabei ist das, von allem anderen abgesehen, taktisch sehr unklug! Erinnern Sie sich, was als Äußerung von Papst Franziskus kolportiert wurde, als der Passauer Emeritus sich öffentlich über die lange Frist bis zu seiner Entlastung vom Amt des Administrators dort beschwerte? „Dann dauert es eben ein wenig länger!“, soll der Hl. Vater gesagt haben und auch wenn man das natürlich niemals wird belegen können, wer würde eine solche „unkonventionelle“ Reaktion gerade diesem Papst nicht zutrauen?
Und auch wenn wir von der obersten Spitze der Weltkirche einmal absehen: Hat man schon einmal davon gehört, daß eine alte und vielbeschäftigte Behörde es mag, wenn man sie „drängelt“? Nun, die römischen Dikasterien sind sehr alte und sehr vielbeschäftigte Behörden – sich mit ihnen „anzulegen“, sei es durch „Drängeln“ oder durch anderes hat regelmäßig wenig Aussicht auf Erfolg. Und man sagt obendrein, sie vergäßen praktisch nie etwas, da am Tiber…

Nun ja. Wollen wir aber diesen Beitrag nicht mit solchen Tönen beenden. Sondern uns stattdessen einmal anschauen, was der ernannte Bischof von Leeds, Msgr. Marcus Stock, anläßlich seiner Vorstellung gesagt hat:

Als Antwort auf Fragen aus den Reihen der Anwesenden erläuterte er, er sei in den späten 70er Jahren konvertiert und habe dann in Oxford Theologie studiert. In seiner Schilderung dessen, was er seit seiner Ankunft in der Diözese getan habe, sagte er, er habe den Konvent der Karmelitinnen in der Diözese besucht, da er sich wünsche, daß diese Ordensangehörigen eine Kraft des Gebets („power of prayer“ – schön!) für ihn sein möchten. Das Leben und die Arbeit der Ordensfrauen, sagte er, sei etwas, für das die Diözese dankbar sein sollte und das nicht vergessen werden dürfe.

[…] Nach seinem Lebensstil gefragt, wies er darauf hin, daß er ein Frühaufsteher sei, der um 4.30 aufstehe, um zu beten. Christus in den Mittelpunkt seines Lebens und seines Tages zu stellen sei für ihn der wichtige erste Schritt. (eigene Übersetzung, Original hier)

Die Wertschätzung eines kontemplativen (!) Ordens und des (persönlichen) Gebets: Das sind schöne erste Worte und Gesten eines neuen Bischofs!

 

PS: Und wo Sie gerade  sagen „ Passau“: Ich bin ja fest davon überzeugt, „unser“ Bischof Ulrich amüsiert sich als promovierter Kirchenhistoriker über all das ganze Gerede von der „Längsten Sedisvakanz Deutschlands“, das Sie überall finden, ganz köstlich. Das ist wieder mal nur ein Zeichen für die Kurzsichtigkeit und Geschichtsferne dieser Zeit. Nicht nur gab es noch Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Heimatbistum Mainz eine anderthalbjährige Sedisvakanz, nein, schauen Sie nur einmal, was sich zwischen dem 42. und dem 43. Bischof von Passau im 14. Jahrhundert abgespielt hat: Vier lange Jahre Sedisvakanz – wegen Doppelwahl! Jaja, doppelt wählen kann manchmal noch schädlicher sein als gar nicht wählen. 😉

 

Habemus Episcopum

Das Bistum Erfurt hat wieder einen Bischof. Heute, am Freitag, 19. September 2014, teilte Dompropst Gregor Arndt gegen 12.00 Uhr mit, daß Papst Franziskus den Hochwürdigsten Herrn Weihbischof Dr.

Ulrich Neymeyr

für dieses Amt bestätigt hat.

DEO GRATIAS!

Die Inbesitznahme des bischöflichen Stuhls soll am 22. November erfolgen; leider kann Bischof Dr. Neymeyr sich wegen anderer fest zugesagter Termine nicht bereits im Rahmen der Bistumswallfahrt seinen zukünftigen „Schäfchen“ zum ersten Mal zeigen, was er selber natürlich sehr bedauert!

PuLa gratuliert dem Erwählten von Herzen, wünscht ihm Gottes reichen Segen, viel Kraft und die notwendige Unabhängigkeit und Durchsetzungsfähigkeit in seiner Amtsführung!

Als Blogger habe ich mich natürlich ganz besonders gefreut, daß der künftige Amtsinhaber gewiß den neuen Medien gegenüber sehr aufgeschlossen ist, ist er doch u.a. Mitglied der Publizistikkommission der Deutschen Bischofskonferenz . Hier können Sie ihn selbst sehen, im Rahmen seiner Zuständigkeit für die Pfadfinder:

Und natürlich freue ich mich genau deswegen auch für die Kolleginnen und Kollegen in der Öffentlichkeitsarbeit des Bistums: Jetzt können sie ja richtig durchstarten: Ein YouTube Channel, ein Twitter-Account und ein facebook-Konto, das dauert ja alles nicht länger als maximal eine Woche! Der neue Erzbischof von Freiburg hat damit schon vor seiner Amtseinführung begonnen! Dann kann man weitersehen, was sich noch so anbietet.
Heute kann man erst einmal hier schauen, was das Bistum aktuell sehr schön an Informationen bietet.

Ganz persönlich finde ich einen Bischof „vom Rhein“, der auch noch Vizepräsident der der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte ist, sehr sympathisch, aber das ist natürlich nur nettes Beiwerk. Aber daß mit dieser Ernennung nun auch für unser Bistum vollzogen wird, was z.B. Bischof Zdarsa (Görlitz – Augsburg) und (Weih-) Bischof Koch (Köln – Dresden-Meißen) als päpstliche Linie in der Herstellung der praktischen Einheit in der Kirche in Deutschland vorgeprägt haben, das ist im Jahr 25 nach der Friedlichen Revolution wahrhaft Grund zur Freude! Wir hatten dieser Überzeugung wir ja hier schon verschiedentlich Ausdruck verliehen.

Mit Bischof Neymeyr erhält das Bistum Erfurt, das ja gerade erst auf 20 Jahre des Bestehens nach der Wiedererrichtung  im Juli 1994 zurückblicken kann, und das mit dieser Wahl gewissermaßen an die sehr alten Beziehungen Erfurts nach Mainz anknüpft, erst den zweiten Bischof – Meine Güte, was sind wir noch jung nach den Maßstäben der Weltkirche! 🙂

Und damit endet nun eine 718-tägige Sedisvakanz (1 Jahr, 11 Monate, 2 Wochen und 4 Tage), die zuletzt von einer unangebrachten und etwas unangenehmen Nervosität geprägt war (PuLa berichtete verschiedentlich). An diesem Freudentag will ich darauf nicht mehr näher eingehen, nur ein Satz muß sein: Was ich wieder und wieder geschrieben habe, haben die jüngsten Erkenntnisse zu dem Thema erneut bestätigt: „Rom“ konnte gar nichts dafür – die Gründe für die lange Dauer der Sedisvakanz waren hausgemacht! Lassen Sie sich von niemandem etwas anderes einreden.

Und jetzt freue ich mich wie angekündigt (hier) auf die Kommentare der Medien, besonders auf einen, schauen wir mal, ob wir überrascht werden 😉

Gebet für die Bischöfe

Allmächtiger, ewiger Gott, Du hast für die Leitung Deiner heiligen Kirche und die Glaubenseinheit über uns die Bischöfe gesetzt als Nachfolger der Apostel, als Wächter und Beschützer der Seelen. Gieße aus über sie, so flehen wir inständig zu Dir, eine Gnadenfülle, wirksam genug, daß sie sich immer mehr als gute Hirten bewähren und nutzbringend arbeiten zu Deiner Verherrlichung und unserem Heil. Daß sie durch ihr Wort und vor allem durch ihr Beispiel vollkommen alle Pflichten erfüllen, die ihnen aufgetragen sind. Daß sie den christlichen Glauben rein von jedem Irrtum bewahren. Daß wir unter ihrer glückbringenden Leitung allezeit leben können in Frömmigkeit, Frieden und christlicher Liebe.

Amen.

Hl. Petrus Canisius

Epizentrum! Und Normalbetrieb…

Das Epizentrum des katholischen Deutschland befindet sich heute ganz in der Nähe der geographischen Mitte, nämlich in Erfurt! Zwei wichtige Ereignisse spielen sich im Verlauf des Tages dort ab: Die Bekanntgabe des neuen Bischofs von Erfurt und der Beginn des dritten Bloggertreffens; welch schönes Zusammentreffen! Wie sagte der Kollege Winnemöller so schön: Wir treffen uns und die Gloriosa läutet (hier), tja! 😉

Was den Namen des Bischofs angeht, so wird PuLa seiner Linie treu bleiben und auch jetzt nicht über Personen spekulieren, auch wenn ich mir, glaube ich, seit gestern vormittag über die gesamte (!) letzte (dritte) Terna ein ganz gutes Bild machen kann; ein interessantes Bild!

Aber dennoch, der Blog-Betrieb geht weiter, er muß weitergehen und er wird weitergehen.

Aktuell würde ich gerne von der (vorläufigen) Einlösung einer Zusage berichten. Vor wenigen Tagen hatte ich geschrieben, ich würde i.S. der Veröffentlichung der neuen römischen Instruktion zum „Friedensgruß“ nachfragen. Das habe ich getan und zu meiner großen Freude hat M. Kopp, der Pressesprecher der DBK geradezu unglaublich schnell geantwortet (innerhalb von exakt 15 Minuten!); Herzlichen Dank!. Da zeigt sich eine gute Frucht der Bloggertreffen, denn dort hatten wir ihn ja im vergangenen Jahr kennenlernen dürfen (vgl. hier) – und er uns… 🙂

Hier die Antwort im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Lamers,

 die Diözesanbischöfe haben den Text erhalten und klären das weitere Vorgehen jeweils in den Bistümern. Gerne können Sie sich an die Bistümer wenden.

 Mit freundlichen Grüßen

 Matthias Kopp

Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz“

Aha! Na gut. Erstmal. Daraufhin habe ich noch am Mittwoch zunächst einmal die Erfurter Pressestelle und das Seelsorgeamt gefragt. Eine Antwort steht noch aus, aber das ist angesichts des heutigen großen Ereignisses natürlich verständlich.

Hm, eigentlich könnte ich noch ein paar weitere Bistümer fragen, oder?

Wie auch immer: PuLa bleibt für Sie dran! 🙂

Volle zwei Jahre

…oder vielleicht doch nicht?

Weimarer Ausgrabungen, oder: Sacro-Pop ist keine Brause

„…er schreibt schon wieder.“

So ließ sich ein Besucher des denkwürdigen Hochamts in Herz-Jesu Weimar, am Sonntag, dem 14. September 2014, 10.30 Uhr vernehmen, der hier ungenannt bleiben soll, als er sah, wie ich nach Ende des Gottesdienstes, so gegen 12.10 Uhr, ein paar Notizen vervollständigte. Und darin kam natürlich ganz sicher die Erwartung zum Ausdruck, nun auch bald die Umsetzung dieser Notizen hier auf dem Blog zu finden; gewiß eine frohe Erwartung, oder? 😉

Und weil ich die geschätzte Leserschaft um nichts in der Welt enttäuschen möchte, hier nun ein paar Bemerkungen zu diesem Ereignis. Aber eben auch für den Moment nur das: Ein paar vorläufige Bemerkungen, denn es gibt gerade derart viel zu tun, weil sich gerade derart viel tut, daß eine umfassendere Behandlung schlicht nicht möglich ist – wir kommen aber darauf zurück.

Was war da geschehen, am vergangenen Sonntag? Nun, wir mußten leider einen Gottesdienst erleben, der mich in Teilen an meine schlimmsten Erlebnisse aus den siebziger Jahren erinnerte.

Und das ist auch kein Wunder, denn er war sozusagen aus den „Seventies“: Wer auch immer hatte beschlossen zu versuchen, das kirchenmusikalische Niveau an unserer Pfarrkirche ausgerechnet durch die Aufführung der Messe „Wir haben einen Traum“ von Peter Janssens (*1934 +1998) zu heben.
Als ob es in dieser Hinsicht nichts Dringenderes zu tun gäbe! (vgl. zuletzt hier und hier)

Peter Janssens, einer der Erfinder des „Sacro-Pop“ , jener Schrumpf-Form musikalischen Bemühens, von der angeblich wirklich einmal Menschen gedacht haben, sie könnte sich dazu eignen, Menschen der Kirche verbunden zu halten, hat in diesem „opus“, das 1972 entstanden ist Musik komponiert, die so recht zu diesem Jahrzehnt paßt.
Sie kennen ja den schönen Spruch: ‚The decade that taste forgot‘ (frei übersetzt: ‚Das Jahrzehnt, das der gute Geschmack übersehen hat‘). 🙂

Ich kann hier aus den erwähnten Zeitgründen nicht näher darlegen, warum diese Musik immer schon so gänzlich unliturgisch, für den Gebrauch im Gottesdienst so völlig ungeeignet war, aber man  muß dafür kein Musikologe sein! Und das ist nach vierzig Jahren nicht besser geworden. Von den Texten, mit ihrer phasenweise schlicht unfreiwillig komischen „Befreiungs“-Rhetorik ganz zu schweigen.

Warum nur haben die Verantwortlichen der Pfarrei diese hoffnungslos vorgestrige Sache ausgekramt? Eine Übung in praktischer Musikarchäologie? Es ist doch ein reiner Segen, daß diese Phase der Verwirrung hinter uns liegt!
Wer, warum auch immer, so etwas heute hören will, soll bitte ein Konzert veranstalten, da kann hingehen, wer möchte, aber eine ganze Gottesdienstversammlung dafür quasi in Geiselhaft zu nehmen, das war schon ein Unding.

Wenn es sich also auch was die „bloße Musik“ angeht keineswegs nur um eine Geschmacksfrage handelt, so ist die Sachlage bedauerlicherweise noch erheblich ernster. Diesem gänzlich mißglückten Versuch einer Meßvertonung sind nämlich gleich zwei liturgische Ordnungswidrigkeiten (um es für den Moment nicht schärfer zu formulieren) sozusagen „eingeschrieben“!

Auf die gewichtigere, die erneute (!, vgl. hier)) Begleitung des eucharistischen Hochgebets durch Musikinstrumente komme ich zu gegebener Zeit zurück, versprochen!

Das zweite Problem ist das „Lied zum Friedensgruß“. Also, wenn es sich noch nicht herumgesprochen hat, genau das hat vor kurzem die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung untersagt. Jaja, vor kurzem! Im Juni bereits. Juni 2014. In diesem Pontifikat, dieser Papst, Franziskus, hat diese Instruktion gebilligt… 😉
Bedauerlicherweise ist sie von den Bischofskonferenzen bisher nicht veröffentlicht worden, warum auch immer (PuLa fragt für Sie bei der DBK nach!), das ändert aber nichts an ihrer Gültigkeit.

Sie sollten sich auch die übrigen neuen Regelungen unbedingt selber ansehen und wenn ich an dieser Stelle auf „katholisch.de“ verlinke, die es tatsächlich fertigbringen, mithilfe eines Fragezeichens zu versuchen, Zweifel daran zu wecken, daß der Friedensgruß allzu häufig ein „Unruhestifter“ ist, dann deswegen, weil es sich dabei um ein offizielles Portal der DBK handelt, hier. Außerdem empfehle ich die Lektüre eines sehr erhellenden Interviews zu dem Thema auf DOMRADIO, hier.

„Wir haben einen Traum“? Offenbar war das ein Traum von liturgischer Selbstermächtigung!
Höchste Zeit zum Aufwachen!

 

Sketch des Monats: Die Reminiszenz

Das Ende des Frauendreißigers naht und mit ihm das Gemeindefest der uns wohlbekannten katholischen Diasporagemeinde „Maria Hilf!“ Wundersdorf. Auch in diesem Jahr, wie schon 2013 , hat man sich aus diesem Anlaß etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Die Reminiszenz

Ein Sketch für drei Personen

 

(Im Pfarrbüro der kleinen Diasporagemeinde Maria hilf! in Wundersdorf/ Oderbruch. Stolz steht Tina, Bastelschere und Kleber noch in Händen, vor einem DIN A2 – Plakat, auf dem sie zum nächsten Gemeindefest einlädt. „Was wir vermißt haben“ steht als Motto quer über dem Blatt. Tinas Gesicht ist vor Erregung gerötet und strahlt und glänzt vor Wonne. Da betritt Hanna den Raum.)

Hanna: Hallo, Tina!

Tina: Grüß dich!

Hanna: Wieder fleißig?

Tina (burschikos): Na klar doch! Immer!

Hanna: Was ist es denn diesmal Schönes? (Sie tritt neben Tina, um das Plakat nicht auf dem Kopf entziffern zu müssen.)

Tina (strahlt): Plakat fürs nächste Gemeindefest.

Hanna (liest): „Was wir vermißt haben“ … hm. Interessant.

Tina: Da ist doch vor Jahren schon dieses Buch erschienen, „Dinge, die wir vermissen werden“ …

Hanna: Ach so, ja. Hab ich die Ankündigung gelesen: Der Quilitzsch liest jetzt hier im Buchladen. Und? Was vermißt er denn so?

Tina: Na, Teppichklopfer und Schreibmaschinen, Pappfahrkarten und Milchkannen …

Hanna: Und das möchtest du beim nächsten Gemeindefest sammeln? Für einen Flohmarkt?

Tina: Genau! Aber vor allem ging es uns darum, aufmerksam zu machen, daß der Autor ja das Wichtigste vergessen hat!

Hanna: Nämlich?

(Tina zeigt stolz auf einen blumenumrankten Schriftzug.)

Hanna (rätselnd): „DDR“ – Willst du mich vergackeiern?

Tina (affirmativ): Die DDR! Wir vermissen hier doch eigentlich alle die gute alte DDR.

Hanna: Kein Mensch vermißt die DDR! Dann wäre doch die Hälfte der Gemeinde überhaupt nicht hier!

Tina: Eben! Das wäre ja das Gute! Alle echten Gemeindemitglieder vermissen die guten alten Zeiten! Glaub mir! Wir haben das Ohr am Volk!

Hanna (skeptisch): Wer ist jetzt „wir“?

Tina: Die Guten.

Hanna: Ihr seid die Guten?

Tina (rundgesichtig): Wir sind die Guten! Das stand doch sogar schon auf unserer Gemeindehomepage. Also: Die, die das geschrieben hat, sind „wir“ und dieses „wir“ sind „die Guten“.

Hanna: Verstehe … Und was soll DDR bei uns jetzt heißen? Wollt ihr die Republik ausrufen?

Tina: I bewahre! Unsere kleine Gemeinde reicht uns vollauf. Denk doch mal nach! (Sie blickt Hanna erwartungsvoll von der Seite an.)

Hanna: D …. D …

Tina (hilft): Na, das eine „D“ heißt natürlich wieder „demokratisch“.

Hanna: Ach so, klar. Wie früher eben.

Tina: Genau!

Hanna: Und das andere? „Deutsch“? Wollt ihr auf den deutschen Sonderweg der Katholischen Kirche hinaus?

Tina: Was für einen deutschen Sonderweg?

Hanna: Schon gut. Was heißt das zweite „D“?

Tina: Na – Wunders…

Hanna: …-dorf! Klar! Dörflich, demokratisch …rrrrrrrr – randständig?

Tina: Nein! Ein Hauptwort mit „R“.

Hanna: Doch nicht Rat?

Tina (jubelt): Na doch! „Demokratischer Dorfrat“. Der ersetzt ab dem nächsten Gemeindefest nämlich den Pfarrgemeinderat! (Sie wirft sich stolz in die Brust.)

Hanna (entgeistert): Sagt wer?

Tina: Na, wir natürlich! Mitglieder des Pfarrgemeinderats haben diese Auflösung beschlossen.

Hanna: Der ganze Pfarrgemeinderat hat geschlossen …

Tina (unterbricht sie): Doch nicht der ganze! Mitglieder eben. Das reicht doch, um es zu legitimieren. Und jetzt benennen wir uns um. Das wird schön! (Sie klatscht in die Hände wie ein Kind.)

Hanna: Ja … und … die Gemeinde?

Tina: Welche Gemeinde?

Hanna: Na, unsere Pfarrgemeinde! Die müßt ihr doch fragen! Oder die muß das doch wissen!

Tina: Die Pfarrgemeinde? (Mit gespielter Geduld) Liebe Hanna! Was glaubst du wohl, warum wir uns umbenennen?

Hanna: Weil die Bezeichnung Pfarrgemeinderat irreführend ist?

Tina: Na eben! Um die Pfarrgemeinde geht es doch gar nicht! Wie können wir dann Pfarrgemeinderat heißen? Ist doch völlig idiotisch! (Frau Schramm kommt mit einer Bäckereitüte zur Tür herein und begrüßt Hanna freundlich.) Ah! Da bist du ja! Dann kann ich ja endlich los. (Sie rollt das Plakat zusammen. Wichtig:) Ich muß nämlich heut noch in den Copyshop damit, die Plakate sollen ja ein paar Tage hängen. (Sie gibt Hanna die Hand, schultert eine voluminöse Handtasche und verschwindet.)

Hanna (um einen neutralen Tonfall bemüht): Na, Frau Schramm, was sagen Sie zu den Nostalgie-Maßnahmen?

Frau Schramm (packt ihr Brötchen aus und ißt): Na, sie stimmen immerhin die Gremien auf die Altersstruktur der Gemeinde ab.

Hanna: Weil die Jüngeren sich gar nicht erinnern?

Frau Schramm: Nein, ich meine den alten Witz.

Hanna (beginnt zu grinsen): Den mit dem Rentenalter in der DDR?

Frau Schramm (nickt): Wird auf 85 erhöht.

Hanna (lacht): Das geht jetzt hier in der Gemeinde auch.

Frau Schramm: Zwischen 65 und 75 gehen die Aktiven in die Ehrenamtsbetreuung und machen immer so (sie schüttelt mit kleinen ruckartigen Bewegungen den Kopf) und zwischen 75 und 85 gehen sie in den Demokratischen Dorfrat und machen immer so (mit kleinen ruckartigen Bewegungen nickt sie mit dem Kopf).

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Ob aber das Phänomen nicht am Ende in anderen Pfarreien in der mitteldeutschen Diaspora auch bekannt ist?

‚Für euch‘ – ‚Mit Euch‘? Offener Brief an Pfr. Muhrer, Bad Aussee

Wenn man in den großen Ferien wegfährt, dann ist es natürlich einer der reizvollsten und interessantesten Aspekte, zu versuchen, am Urlaubsort einen Eindruck vom dortigen kirchlichen Leben zu bekommen. Und wenn man, wie wir, dazu neigt, einmal im Jahr immer an den gleichen Ort zu fahren, dann erhalten diese Eindrücke eine sehr schöne zeitliche Tiefe.
Treue PuLa-Leser wissen bereits, daß uns der Weg nun schon ziemlich lange in die Gegend um Bad Aussee führt (hier z.B., hier [ganz am Ende] und ganz frisch auch hier).

So kommt es, daß wir dort, im Gebiet der Ausseerlandpfarren nun auch schon den dritten Kaplan erlebt haben (und bevor Sie beginnen nachzurechnen, ja, wir sind dieses Jahr das zehnte Mal in Folge hingefahren 🙂 ). An den ersten fehlt uns leider ein wenig die Erinnerung, der nächste hingegen, ein junger Priester aus Korea, steht uns lebhaft vor Augen, nicht zuletzt der bewegende Besuch von Teilen seiner Familie und deren Teilnahme an der Feier der Hl. Messe in Grundlsee.

Und nun ist am vergangenen Wochenende nach drei Jahren die Zeit von Walter Obenaus als Kaplan im Ausseerland zu Ende gegangen (auch wenn man sich in Weimar so normale zeitliche Abläufe ja langsam fast nicht mehr vorstellen kann… 😉 ) und in den Sonntagsmessen am 30. und 31. August ist er verabschiedet worden.

Das können Sie selber nachlesen (hier),  in der Ausgabe Juli-August des Pfarrblatts (Übrigens: Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie feststellen, daß im Ausseerland das Pfarrbriefarchiv ausgebaut wird – ja, ausgebaut!, während es ja in Weimar bekanntlich schon Anfang 2012 abgeschafft wurde; scheint, als ob man andernorts keine Probleme damit hat, das eigene Handeln nachprüfbar zu dokumentieren, vgl. hier).

Dort, im Pfarrblatt, finden Sie zwei Texte zu diesem Ereignis: Einen von Kaplan Obenaus selbst und einen von seinem bisherigen Vorgesetzten, Pfr. Edmund Muhrer. Da beide gewissermaßen dem Genre des ‚Offenen Briefes‘ angehören, möchte ich diese Form ebenfalls nutzen, um mich an Pfr. Muhrer zu wenden (der übrigens hier auf PuLa schon einmal „vorgekommen“ ist, wenn auch sehr versteckt! Er war nämlich Mitglied in der Arbeitsgruppe VI, ‚Katechetische Texte‘ zur Erarbeitung des neuen Gotteslobs!, vgl. hier, fünftes Bild):

 

Pfarrkirche Bad Aussee vom Parkplatz an der Traun (eigenes Bild)

Pfarrkirche Bad Aussee vom Parkplatz an der Traun (eigenes Bild)

Hochwürden! Sehr geehrter Herr Pfr. Muhrer,

diese Zeilen, die ich Ihnen aus Anlaß des Abschieds von Walter Obenaus als Kaplan in den Ausseerlandpfarren schreiben möchte, bieten mir die schon lange erhoffte Gelegenheit, Ihnen zuallererst sehr herzlich Dank zu sagen, für die Möglichkeit, während unseres Urlaubs in „Ihrem“ Pfarrverband am kirchlichen Leben teilzunehmen. Wir haben vor allem  stets die Hl. Messe sehr gerne mitgefeiert, aber auch am Kuchenbasar leckeres Backwerk erstanden, uns von Ihnen auch noch „außer der Reihe“ einen Kräuterstrauß zu Mariä Himmelfahrt segnen lassen und wir waren beeindruckt von den musikalischen Fähigkeiten der Pfarreien, wenn sie eine ganze Mozart-Messe „gestemmt“ haben. Ganz besonders lieben wir die Hl. Messe sonntags um 8.00 Uhr in der Kapelle zu Gößl, die zu besuchen wir vor allem an den Abreisetagen nie versäumen.

Und wir fanden es, obwohl wir selbst diese Möglichkeit nur einmal genutzt haben, ein wunderbares Zeichen, wie Sie in Ihrem Verantwortungsbereich der Feier der Hl. Messe im außerordentlichen römischen Ritus Raum eingeräumt haben – Raum eingeräumt in sehr großherziger Weise, denn sie haben die „Alte Messe“ nicht ‚irgendwo‘ stattfinden lassen, sondern in der zauberhaften Marienkapelle Ihrer schönen Pfarrkirche in Bad Aussee; Danke!

Emanuel Stöckler – Marienkapelle in der Kirche von Aussee, 1882 (Bild: Wikimedia Commons, Hubertl)

Emanuel Stöckler – Marienkapelle in der Kirche von Aussee, 1882 (Bild: Wikimedia Commons, Hubertl)

Wir haben das immer als ganz vorbildhaft empfunden, gerade weil wir aus einem Bistum kommen (Erfurt), das unverständlicherweise noch immer einen „weißen Fleck“ auf der Landkarte der „tridentinischen Messe“ darstellt.

Es war Kaplan Obenaus, der diese Messen zelebriert hat, und  wenn man nun die beiden Texte im Pfarrblatt anläßlich seiner Verabschiedung liest wird klar, Sie haben damit auch einen mutigen Schritt getan, denn wer gelernt hat auch zwischen den Zeilen zu lesen, der findet in den beiden Texten ein „fernes Echo“ auch der Vorbehalte (Konflikte?), die es ganz offenbar gegeben hat. Doch Sie haben eben das Richtige getan – in echt katholischer Weite; Danke!

Nun geben Sie in Ihrem „Brief“ an Kaplan Obenaus diesem einen „persönlichen Wunsch“ mit auf den Weg, es möge ihm, „bei aller Liebe zum überlieferten Ritus“, „geschenkt werden“, sich „auf den Segen des Miteinander einer Gemeindemesse einzulassen“, bei allem „beispielhaften“ „für euch“ in seiner „Präsenz als Stellvertretung“ hielten Sie eine stärkere Betonung des „mit euch“ für wünschenswert, ja wohl sogar erforderlich.

Dazu würde ich nun gerne einige Worte sagen und hoffe sehr, Sie möchten mir das nicht verargen; immerhin kann ja manchmal auch ein ‚Blick von außen‘ von Interesse sein.

Dabei fiele es mir natürlich niemals, wirklich niemals, ein, den Ratschlag, den Sie als erfahrener Pfarrer einem jungen Priester mit auf den Weg geben, in Frage zu stellen. Ja, ich möchte sogar sagen, auch auf der doch schmalen Basis unseres Erlebens  vermag ich mir schon vorzustellen, was Sie vielleicht bewegt hat; Kaplan Obenaus kann schon ein wenig den Eindruck einer sozusagen „scheuen Sprödigkeit“, wenn ich so sagen darf, erwecken und das mag momentan (dies war ja seine erste Kaplansstelle)  den „Einsatz“ in einer Pfarrei gelegentlich erschweren.

Und natürlich muß ich Ihnen als Laie auch nicht sagen, daß (oder gar warum) das „für euch“ des Priesters die absolut notwendige Voraussetzung jedes „mit euch“ ist, wenn dieses „mit euch“ einen priesterlichen Sinn haben soll, und daß es daher immer das erste sein muß, das „prä“ hat, so, wie es ja auch in Ihren Worten an Walter Obenaus an erster Stelle steht!

Sie wissen noch viel besser als ich, wie peinlich und wie „hohl“, wie jedes Gehalts entleert, die leider viel zu häufig (wenn auch nicht im Ausseerland!) anzutreffende Anbiederung ist, die manche Geistliche betreiben. Papst Franziskus hat die Priester dazu aufgefordert, den „Geruch der Schafe“ anzunehmen, ihnen also ganz nahe zu kommen.
Er hat nicht gesagt, sie sollen wie die Schafe werden, oder auch nur wie die Schafe blöken…
Nein, wenn man die so häufig nur in tendenziöser Verkürzung wiedergegebenen Texte des Hl. Vaters in Gänze liest, dann  versäumt er darin nie, auf den Sinn des Priestertums hinzuweisen: Die Verherrlichung Gottes und die „Verwaltung“ (vgl. 1 Kor 4,1-2) seiner Gnadenmittel – von Kumpanei ist da nirgends die Rede (vgl. hier).
Und Sie wissen, so befürchte ich, auch noch viel besser, wie prekär es um das (Stunden-) Gebet vieler Priester bestellt ist, das doch die Grundlage des priesterlichen Lebens darstellt. Aber als einfacher Gläubiger kann ich darüber Auskunft geben, welch verheerende Wirkungen es “auf Seiten der Schafe“ hat, wenn sie das Gefühl bekommen, da fehlt etwas. Und sie spüren es, wenn auch vielleicht manchmal nur unbewußt, aber sie spüren es! Und dann droht das „für euch“ dramatisch an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Sehen Sie, Hochwürden, vor diesem Hintergrund habe ich die Sorge, daß manche Menschen Ihre klugen und wohlabgewogenen Worte mißverstehen könnten – weil sie leider Gottes von der Karikatur des wahren priesterlichen „mit euch“, von dem „Kumpel auf der Bierbank“, schon zu sehr geprägt sind. Natürlich kann ich nicht über „Ihren“ Pfarrverbund sprechen, aber bei uns sehe ich diese Gefahr jedenfalls.

Weil das nun ein wenig abstrakt daherkommen mag, und um zu erläutern, was es mit dem Abschied von Walter Obenaus zu tun hat, möchte ich Ihnen ein Erlebnis erzählen, das mich nun schon seit dem Sommer 2013 beschäftigt, und ich bin richtiggehend dankbar für die Gelegenheit dieses Briefes, es einmal niederschreiben zu können.

Es war in einer „ganz normalen“ Frühmesse, einer „Gemeindemesse“ (keiner „tridentinischen“ Messe!) in der Pfarrkirche Bad Aussee, die Kaplan Obenaus zelebrierte. Er stand nach der Wandlung am Altar, im Licht des Morgens, das durch die Chorfenster dieser ehrwürdigen und natürlich „geosteten“ Kirche strömte, und erläuterte in kurzen, leisen aber klaren Worten die Haltung der Finger, die er wie im alten Ritus praktizierte: Daumen und Finger bleiben aus Ehrfurcht nach der Berührung des Allerheiligsten zusammengelegt, um vorerst nichts anderes mehr zu berühren (vgl. hier, nach „Fingerhaltung“ suchen).

In diesem Augenblick habe ich verstanden, was das ist, von dem ich in vielerlei älteren Texten gelesen hatte: „Liebe zu den Priestern“!

Nie hatte ich gewußt, was ich mit diesem sozusagen „kollektiven“ Begriff anfangen sollte, ja, als echtes „Kind der Liturgiereform“ (Jg. 1963), hatte ich ihn eigentlich immer ein bißchen peinlich gefunden.

Jetzt nicht mehr.

Was ich vorher vielleicht rein verstandesmäßig als sinnvolle und wünschenswerte Befruchtung zwischen beiden Formen des einen Ritus bezeichnet hätte (und das ist es meiner Überzeugung nach auch wirklich!) das wurde in diesem Moment viel mehr: Mit einem Schlag wurde mir denkend und fühlend klar, was dieser Begriff meint. Daß die Empfindung ganz und gar unpersönlich und von der konkreten Person am Altar unabhängig ist. Weil es im Kern um die Liebe zum Sakrament geht und damit zu dem, der es gestiftet hat!

Daß aber davon dann auch ein Abglanz fällt auf den, der da in persona Christi vor uns steht. Seiten und Seiten der Lektüre über priesterliche Würde und Amt hätten mir diesen Moment nicht ersetzen können, den ich nie vergessen werde. In diesem Augenblick war das, was Kaplan Obenaus da „für mich“ und all die anderen Besucher dieser Hl. Messe wahrnahm, mehr und näher „mit mir“ und „bei mir“ als wären wir schon viele Jahre eng bekannt und hätten schon viele Pfarrfeste zusammen gefeiert.

Und weil ich fest davon ausgehe, dieses Erlebnis können noch viele Menschen haben, deswegen hoffe und bete ich, der junge Priester Walter Obenaus möchte sich in aller pfarrlichen Praxis als Wichtigstes und Kostbarstes dieses „für euch“ behalten und bin, was die Entwicklung des „mit euch“ angeht sehr zuversichtlich.

 

Dem Ausseerland, Ihnen und Ihrer Pfarrei im Gebet verbunden grüße ich Sie sehr herzlich

 

G. Lamers

Die weißen Tauben. Der Theaterhandwerker. Und der Kaplan

O Weimar! Du wundersamer, wunderlicher Ort! Wo in einem fort Dinge geschehen, die man schwer für möglich hielte – wenn man sie nicht ständig erlebte!

Das ist nun alles andere als neu, dafür ist die Stadt bekannt, seit, na, seit mindestens guten 200 Jahren. Und wer hat es gültig beschrieben? Natürlich kein gebürtiger Weimarer, sondern unser großer Frankfurter Import, Goethe selbst, wenn er im Jahre 1782 dichtet:

O Weimar! dir fiel ein besonder Los: Wie Bethlehem in Juda, klein und groß!
Bald wegen Geist und Witz beruft dich weit Europens Mund, bald wegen Albernheit.

Wobei hier vor Ort die zweite Zeile auch gerne einmal „vergessen“ wird… 😉

Dabei gibt es hier wahrlich der gehypten Albernheiten genug, wie z.B. die (kommerzielle) Veranstaltung sog. „Arkadischer Hochzeiten“ (vgl. hier), ein Schauspiel das im Grunde traurig stimmen müßte, weil man mit ansehen muß, wie die offenkundig vorhandene Sehnsucht nach bedeutungsvollem Ritual sich Ventile sucht, deren Peinlichkeitspotential doch erheblich ist.
Allein, ähnlich der Vornehmheit läßt es sich nicht improvisieren, das Ritual und wer etwas „davon haben“ will, der muß mehr investieren als „Geld und gute Laune“. Viel mehr.

Wer weiß, vielleicht finde ich irgendwann noch einmal ein Goethesches Gedicht, das auf dieses eigentümliche Phänomen paßt; es wäre eine schöne Vorstellung, denn ihm gelangen eben treffende Verse auch zu entlegenen Themen, wie im vorliegenden Fall auch: Die oben zitierten Zeilen, sie stammen aus dem Gedicht: „Auf Miedings Tod“ und Johann Martin Mieding, das war ein Weimarer Theaterhandwerker! (ganzer Text hier)

 

Ja, Mieding tot! O scharret sein Gebein
Nicht undankbar wie manchen andern ein!

Laßt seinen Sarg eröffnet, tretet her,
Klagt jedem Bürger, der gelebt wie er,

Und laßt am Rand des Grabes, wo wir stehn,
Die Schmerzen in Betrachtung übergehn.

O Weimar! dir fiel ein besonder Los!
Wie Bethlehem in Juda, klein und groß.

Bald wegen Geist und Witz beruft dich weit
Europens Mund, bald wegen Albernheit.

Der stille Weise schaut und sieht geschwind,
Wie zwei Extreme nah verschwistert sind.

 

„Wie zwei Extreme nah verschwistert sind.“: Von einer solchen Verschwisterung ist, um nun zum Anlaß dieses Eintrags zu kommen, auch zu berichten, was die Internetpräsenz des Katholischen in und um Weimar angeht, auch sie ist „klein und groß“ zugleich, die Situation, sie ist geistreich („witzig“) und albern zugleich.

Denn mittlerweile gibt es sage und schreibe drei (vermutlich sogar vier!) „Orte“ im weltumspannenden Netz,  die sich mit dem Schicksal katholischer Dinge in der Klassikerstadt befassen – das hat nicht jede Diasporapfarrei zu bieten, der ja doch immerhin ca. 3.500 Katholiken angehören, wahrhaftig, da würde vermutlich manch größere Pfarrei neidvoll erblassen.

Da haben wir natürlich zunächst die offizielle Präsenz der katholischen Pfarrei „Herz Jesu Weimar“ (hier), die sich neben einer graphischen Gestaltung, die tief blicken läßt (dazu bei Gelegenheit mehr!) vor allem dadurch auszeichnet, daß  sie die Menge der verfügbaren Informationen, von Bildern ganz zu schweigen (vgl. hier), konsequent ebenso auf ein Minimum reduziert wie die zeitliche Dauer ihrer Verfügbarkeit: das Pfarrbriefarchiv wurde im Frühjahr 2012 eingestellt. Sie enthält außerdem absichtsvoll (das haben wir schriftlich!) keine Links auf das Bistum oder gar den Vatikan, ich meine, warum auch? 🙁  Aber wann der nächste Blutspende-Termin stattfindet (eine  kommerzielle Nutzung des „Gemeindehauses“…), das finden Sie dort immer…

Dann hat Weimar seit dem Frühjahr 2011 einen eigenen traditionsorientierten Blog, der, den Sie gerade lesen: Pulchra ut Luna, Katholisch in Weimar. Und sowas hat ja nun auch bei weitem nicht jede Pfarrei, o nein! (Aber wir arbeiten dran. 😉 )
Wie schade, daß er von offizieller und offiziöser Seite so wenig geschätzt wird. Doch dafür wissen wir: PuLa wird von all denen gelesen, die wissen wollen, was wirklich los ist, auch dann, wenn sie unsere innerkirchliche Ausrichtung nicht teilen. Und es ist natürlich kein Zufall, daß so etwas in Weimar geschieht, das „Weltkulturdorf“, es ist eben doch etwas Besonderes, so sehr sich auch manche Menschen hier bemühen, so zu tun, als wären wir in einer ganz normalen deutschen Mittelstadt, wo keiner hinguckt: Nein, sind wir nicht. 🙂 (vgl. hier)

Ja, und dann ist eben gerade noch eine dritte Webpräsenz, wie soll ich sagen, „aufgetaucht“, die sich mit katholischen Dingen in Weimar beschäftigt. Genauer muß man sagen, sie ist wieder aufgetaucht, denn sie datiert eigentlich bereits aus dem Jahr 2012! Warum nicht mal ich sie vorher gefunden habe? Nun, ein Grund dafür könnte in der Tatsache zu suchen sein, daß dieser Blog (darum handelt es sich technisch) eine etwas, äh, „intermittierende“ Erscheinungsweise an den Tag legt (September 2012 – Januar 2013, März und Mai 2014 und jetzt August und September 2014) und das mögen Suchmaschinen gar nicht.
Und zuallererst hätte man ja überhaupt mal suchen müssen. Ob ich aber jemals gesucht hätte nach:

„MM; Drei Weisse Tauben; Das Leben ist Veränderung“ (hier)?

Wohl eher nicht. 🙂
Dabei steht „MM“ für die Initialen unseres Kaplans, Michael  Messer, die anderen Bestandteile vermag ich leider nicht zu enträtseln, aber: Ich gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe!
Die Zielgruppe, das waren und sind die Jugendlichen in unserer Pfarrei:

„Diese Seite ist meine persönliche Initiative. Sie wurde ins Leben gerufen, um Informationen für Jugendliche in der Gemeinde zu veröffentlichen und zugleich eine Plattform der Kreativität für Jugendliche zu sein. Es wäre schön, wenn sich viele Interessierte an der Gestaltung beteiligen würden.“

Hm! Wollen mal sehen, nicht? Ob es wohl zur „Kreativität“ gehört, daß nur zwei weiße Tauben zu sehen sind? Ich meine, wer „gelegentlich“ den Embolismus „vergißt“, dem kann ja auch mal so’ne Taube abhanden kommen, oder? Sind halt flatterhaft… 😉 (vgl. hier und vor allem hier 🙂 )

Sehr anerkennenswert sind die Links! Dort wird immerhin zum Bistum verlinkt! Und auf den bibleserver, sehr sinnvoll. Die Adresse dieses Blogs ist übrigens www.pulchra-ut-luna.de , so für die nächste Ergänzung, am besten zusammen mit dem Vatikan! 😉 ; wenn ich irgendwann mal eine Blogroll auf PuLa schaffe, verspreche ich auch einen Link auf die „Drei weißen Tauben“ zu setzen (wenn sie bis dahin nicht vollständig entflogen sind)!

Ja, so könnte man noch ein wenig weiter vor sich hinschmunzeln (etwa über den Link auf die „SEB-Seite“, die seit 2012 nicht mehr aktualisiert wird) oder über die tiefere Bedeutung des Satzes „Das Leben ist Veränderung“ und seinen Zusammenhang mit der Jugendarbeit, aber das will ich alles nicht tun, sondern auf den, wie ich fürchte, sehr ernsten Kern der Angelegenheit zu sprechen kommen.

Auf „Drei weiße Tauben“ wird nämlich, was wirklich sehr verdienstvoll ist, auch der Ministrantenplan veröffentlicht. Das ist ganz prima, nur, warum um alles in der Welt muß ein Hauptamtlicher (ein Priester obendrein!) das auf einer explizit privaten Seite tun? Von dem ganzen Komplex Jungendarbeit ganz zu schweigen.

Nun, dieses ganze Feld ist geheimnisumwittert, wie kaum ein anderes. Auch Gremienmitglieder, wenn sie ganz ohne Arg danach fragen, erhalten als Antwort dem Vernehmen nach nur eisiges Schweigen – und dann verstehen sie schon. Und fragen im Zweifelsfall nie, nie wieder. Denn sonst werden sie, wie man das immer mal wieder hört, coram publico „zur Sau gemacht“.
Man muß also schlicht vermuten, daß es daran liegt, daß der Kaplan auf der offiziellen Seite nicht arbeiten „darf“. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter, ein Priester!, „darf“ die dafür vorgesehene Webpräsenz der Pfarrei für die Erfüllung seiner spezifischen Aufgaben nicht nutzen, das ist vermutlich die einfache und häßliche Wahrheit.
Warum? Immer die gleiche Antwort: Weil es für manche Menschen einen Kontrollverlust bedeuten würde. Und diese Menschen werden gedeckt. Seit langem. Von verschiedenen Seiten.

Und daher gilt:

Bald wegen Geist und Witz beruft dich weit
Europens Mund, bald wegen Albernheit.

Armes katholisches Weimar!

 

PS: Sie fragen nach der „Vierten Präsenz“? O, ja, Entschuldigung! Schauen Sie sich bitte „Die Nacht des Herrn“ an (hier). Das ist ein Blog, der sich zwar nicht explizit mit Weimar befaßt, dessen Autor sich aber ausweislich etlicher Einträge bei uns ganz hervorragend auskennen muß, so daß ich den „Nachtbriefträger“ auf meiner Blog-Landkarte ebenfalls Weimar zuschlage. Im Moment. Ob ich mich zu den Hervorbringungen des selbsternannten „finsteren Gesellen“ irgendwie äußern möchte? Möchte ich lieber nicht.

Kommentare zum „Sommerkino“

Auf das: „Sommerkino auf PuLa: Katholische Identität, Liturgie und der ‚Geist des Konzils‘“ hin gab es ein paar Kommentare, die mich sehr gefreut haben. Also, fast alle haben mich gefreut…
Natürlich habe ich sie jeweils im Kommentarbereich beantwortet, aber da sie, jeder auf seine Weise, dazu angetan sind, einige Punkte zu der Reihe ‚Sommerkino‘, bzw. sogar dem Projekt PuLa im ganzen ein wenig zu verdeutlichen, habe ich mich entschlossen, sie in bewährter Weise „hochzuziehen“ und hier noch einmal zu reagieren.

Nur etwa 10 Stunden nach der Veröffentlichung des ersten Beitrags (vom 24. Juli, hier) schrieb ‚Elisabeth‘ folgendes:

„Danke, großes Danke! Ich bin Jhg.1952 und mir kam ab Ende der 60er Jahre auch so ziemlich alles, was nun in der Kirche ablief, KOMISCH vor! Zeit meines Lebens in der Kirche “engagiert”, habe ich nun das Gefühl vor einem Scherbenhaufen zu stehen;
des Laientheaters müde geworden, finde ich nun Verlorenes in der Eucharistischen Anbetung. Dort bin ich wieder ANGEKOMMEN!!“

Worauf ich geantwortet habe:

Sehr geehrte Elisabeth,

haben Sie Ihrerseits sehr herzlichen Dank!
Es ist mir eine große Freude, wenn Ihnen der Beitrag so gefallen hat und Sie vielleicht gar ein wenig stärkt.
Was sie sagen bestätigt mich in der Annahme, daß wir mehr über unsere Kirchenerfahrungen sprechen und uns austauschen sollten – was freilich voraussetzt, daß wir “Kleinen” auch ernstgenommen werden, was, wenn wir an die Worte des HErrn in Mt 18, 6 denken, sicher für alle Beteiligten besser wäre.

SEine Gegenwart in der Eucharistischen Anbetung zu erfahren, ist ein unschätzbarer Fixpunkt in dem “Scherbenhaufen”. Es darf aber nicht der einzige bleiben (denn dann ist er bald auch bedroht!) und er wird nicht der einzige bleiben, denn: »Opera Christi non deficiunt, sed proficiunt«, ‘die Werke Christi gehen nicht zurück, werden nicht weniger, sondern schreiten voran’ (wie Papst Benedikt den Hl. Bonaventura zitiert)

In Verbundenheit

Ihr

GL

Neben dem  charmanten Aspekt, daß dies eine Wortmeldung aus Österreich ist (wie die IP-Adresse auswies) und ich mich natürlich über internationale Leserschaft umso mehr freue, als ich damit ursprünglich nie gerechnet habe, erscheint es mit besonders wichtig, anhand dieser Wortmeldung erneut darauf hinzuweisen, daß es eben nicht mein „persönlicher Fimmel“ ist, wenn ich in diesem Zusammenhang von echtem „Leiden“ spreche: Nein, das ging und geht auch vielen anderen Menschen so („Scherbenhaufen“, „müde“, „Verlorenes“) Es ist das Leiden unter den Phänomenen, die immer wieder mit dem sog. „Geist des Konzils“ gerechtfertigt werden sollen – in Wahrheit aber nicht einmal schlüssig begründet werden können!

Und ich würde gerne noch einmal verdeutlichen, wie das mit den ‚Kleinen‘ in meiner Antwort gemeint ist. Lesen wir, was schon 1986 Kardinal Ratzinger dazu schrieb:

„Die „Kleinen“ in diesem Vers [Mk 9, 42, der Parallelstelle! G.L.] sind keine Kinder; Mit diesem Begriff sind, in der Sprache von Jesus, seine Jünger bezeichnet, die künftigen Christen. Und der „Skandal“, der sie verführt ist nicht eine sexuelle Verführung, sondern der Stolperstein [Stein des Anstoßes], der sie zum Verlust des Glaubens bringt. „Anstoß [Skandal] geben“ bedeutet, nach den Ergebnissen der aktuellen Exegese, „den Glauben stören“ und damit „des ewigen Heils berauben“.
Das primäre Gut, für das die Kirche verantwortlich ist, ist der Glaube der einfachen Menschen. Die Aufmerksamkeit für den Glauben der einfachen Menschen muß daher auch das innerste [tiefste] Kriterium jeder theologischen Lehre sein. Dessen muß sich bewußt sein, wer nicht nur rein privat forscht, sondern lehrt im Namen der Kirche.“
(Hervorhebung von mir, Quelle hier)

Nur, was tut, wer „Kleine“, wer einfache Gläubige um ihr verbrieftes Recht auf die unverfälschte Liturgie bringt denn anderes, als ‚Anstoß geben‘? Das ist nun mal in seinem Kern leider ein sehr, sehr ernstes, Thema. Und das ist es, nebenbei bemerkt, auch, was man in  dem so deutlich spürbaren persönlichen ‚Beteiligtsein‘ von Hw. Dr. Kreier spürt, was wesentlich dazu beiträgt, daß seine Einlassungen so wohltuend sind!

Dann schrieb Mirko Millich:

„Soviel vorweg: Mein Kommentar hat mit dem Artikel, auf den ich hier “antworte”, nichts zu tun, ich möchte Ihnen einfach einmal schreiben.

Ich bin Ihnen nie begegnet, kenne Sie nur durch Ihren Blog hier. Für mich ist Ihr Blog eine wunderbare Gelegenheit, etwas in die religiöse Landschaft rund um Weimar einzutauchen und Aspekte kennenzulernen, die mir fremd sind. (Wobei sich im Bistum Limburg, aus dem ich stamme, wohl auch ein Blog lohnen würde…)

Sie schreiben derart, daß auch ein wirklich Fremder wie ich schon fast süchtig auf weitere Ihrer Blog-Einträge wartet, es ist interessant, wohlinformiert (soweit ich das beurteilen kann) und dabei pointiert und oft witzig geschrieben. Gratulation zu dieser Mischung!

Wenn ich einmal etwas unverschämt sein darf: Ich würde mir von Ihnen Kommentare über Ihr Bistum hinaus wünschen, zum Beispiel hätten Sie den Umzug von Kardinal Woelki oder auch den neuen Passauer Bischof Oster kommentieren können. So gut informiert, wie Sie mir erscheinen, haben Sie dazu doch sicher auch eine Meinung!

Um es kurz zu sagen: Danke für Ihren Blog! Schreiben Sie weiter, schreiben Sie mehr, soweit es Ihre Zeit erlaubt.“

Worauf ich geantwortet habe

Sehr geehrter Herr Millich,

Verzeihung, aber ich bin erstmal “baff”!

Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Worte, die ich so nie erwartet hätte, und dies natürlich auch im Namen meiner Frau, denn ohne die Sketche ist PuLa nicht PuLa! 🙂

Auf Ihre Anregungen möchte ich separat “oben” auf dem Blog antworten, geben Sie mir bitte noch ein wenig Zeit.

Nochmals Danke für diese Ermutigung!

Ihr

GL

Ja, und nun ist es immer noch so, daß ich meine, soviel Lob gar nicht zu verdienen…

Deswegen möchte ich darauf auch gar nicht weiter eingehen, sondern ein bißchen was zu PuLas Intention und Arbeitsweise sagen.

„Eine Meinung“ habe ich tatsächlich zu den meisten Vorgängen in der Kirche in Deutschland, das ist sozusagen Grundvoraussetzung fürs Bloggen 🙂 !
Aber eine Meinung haben über einen Vorgang und darüber etwas schreiben, daß es (hoffentlich) Hand und Fuß hat – das sind doch zwei sehr verschiedene Paar Schuh!, was mir auch die Erfahrung aus nun schon mehr als drei Jahren Bloggen immer wieder bestätigt hat. Da müßte ich dann mindestens Vollzeitblogger werden, und das geht nun einmal nicht… Und übrigens kommen ja Bischof Oster & Co. durchaus auf PuLa vor – hier z.B. und wenn wir uns mit den Vorgängen um die Erfurter Sedisvakanz befassen.
Und es gibt es auch in Ihrer Nähe hervorragende Blogs! Schauen Sie doch z.B., wenn Sie ihn nicht schon längst kennen, bei dem ganz hervorragenden „Demut Jetzt!“ vorbei (hier), der die Limburger Vorgänge sehr intensiv kommentiert (hat).

Vor allem ist aber der lokale (und regionale) Schwerpunkt dieses Blogs einfach Teil des Ansatzes von Anfang an, Teil der raison d’etre von PuLa. Ich sage Ihnen, Herr Millich, wenn ich mich auf einmal vorwiegend mit westlichen Diözesen beschäftigte, da würden sich hier einige Leute die Hände reiben. Aber so, daß sie anschließend Handcreme bräuchten. Und das möchte ich gerne vermeiden… 🙂
Dennoch: Es ist sehr schön zu wissen, daß auch Beiträge, die sich nicht (unmittelbar) mit unserer Situation in der mitteldeutschen Diaspora befassen, so geschätzt werden, Danke für diese wunderbare Ermutigung und bleiben Sie PuLa verbunden, bitte!

Und dann gibt es da noch eine weitere „Elisabeth“, diesmal aus Nordrhein-Westfalen. Sie hat sich über die Emailadresse im Impressum gemeldet, aber der Veröffentlichung ausdrücklich zugestimmt (ich habe die Mails nur ein wenig um die persönlichen Bemerkungen “erleichtert“):

„Danke für Ihre vielen Kommentare, Berichte, Informationen auf Ihrem Blog.  Muß doch viel Arbeit machen.  Und wenn dann noch die Videos von Pastor Kreier  zu sehen sind, dann bin ich so dankbar daß Themen wie z.B. auch die verschandelten alten Marienlieder, Meßtexte  etc. besprochen werden.  Das interessiert in meinem Umfeld niemanden und macht mich so unglaublich deprimiert.

Bei uns wird ein junger Pfarrer bewundert und in der Messe für den wiederholten dümmlichen Spruch  „ es ist heiß heute – in der Hölle ist es heißer…“ belacht und ähnliche Dummheiten. Und es interessiert nur der so „ungerecht“ behandelte muslimische Schützenkönig.  

Ich würd so gern buddhistisch, da weiß man was man hat. Geht aber nicht bin halt einfach gläubig!  […]

Die Artikel von Prof. May sagen es deutlich, selbst die Katholiken unter meinen  Bekannten sind dermaßen, ja eigentlich  protestantisch, oder dermaßen naiv daß ich, wenn ich mich klar äußere, die Leute erschrecke.

Niemand nimmt Anstoß wenn […] Priester, „Anhänger von Bischof Ackermann“,  in der Predigt den Papa emeritus Benedikt  verunglimpfen.

Und jetzt seh‘ ich wieder nach Ihrem Blog.

Elisabeth […]“

Sehen Sie, wie auch hier das Element ganz persönlicher Betroffenheit, ganz persönlichen Leidens unter diesen Verhältnissen zum Ausdruck kommt? Und, auch wenn es hier offenkundig nicht völlig ernstgemeint war, kann man es noch deutlicher formulieren, als „Ich würd‘ so gern buddhistisch […].“, was ich oben geschrieben habe? Dumme Sprüche, kulturelle Selbstvergessenheit (Lieder!) und verfälschte Liturgie geben Anstoß, ja, sie können potentiell gar zum Glaubensverlust, zum Abfall führen!
Und daß die Kirche in Deutschland Papst Benedikt nicht verdient hatte, und die immer noch weitverbreiteten Reaktionen auf ihn nichts weniger als eine brennende Schande sind, das ist einfach so.

Trösten Sie sich ein wenig, sehr geehrte liebe Elisabeth, damit, daß ein gut Teil der Reaktionen schlicht damit zusammenhängt, daß die Betreffenden ihm schon rein intellektuell so wenig gewachsen sind, daß sie offenbar gar nicht anders können, als mit Ressentiment zu reagieren (wie allerdings Priester das mit ihrem Gehorsamsversprechen in Einklang bringen wollen, weiß ich nicht – aber das müssen sie irgendwann selber verantworten, da sollten wir uns nicht einmischen).
Und außerdem glaube ich gerne, daß Sie die Leute „erschrecken“, das kenne ich 🙂 , aber das ist gut so!
Aber daß Sie ganz alleine sind in Ihrer Umgebung, das kann ich mir beinahe nicht vorstellen, vielleicht bleiben alle, die so ähnlich denken wie Sie, einfach schon seit längerem „zuhause“? Dieses Phänomen kenne ich von hier auch. Das ist aber ganz falsch, denn darauf warten manche Leute nur! „Dableiben“, „weiter hingehen“ ist die Devise – dann können eigentlich Verbündete auf Dauer nicht ausbleiben – möchte ich jedenfalls hoffen.
Und Sie wissen ja: „PuLa ist ein Franchise Modell“, wer weiß, am Ende begegnet Ihnen jemand, der mit Ihnen gemeinsam einen Blog aufmacht? Es ist heute leichter denn je!
Aber wie schön, daß wir auch so über das Netz schon verbunden sind – und bleiben!

Tja, und auch Frau Engelstädter, an deren Reaktion auf meine Verwendung des Begriffs „Geist des Konzils“ ich ja versucht hatte, ein Gespräch in Gang zu bringen, darüber, wie man zu eben diesem Begriff auch anders empfinden kann, hat reagiert:

„Kleiner Irrtum Ihrerseits. ‚Wer den Geist des Konzils als sabberndes, dümmliches Schleimkotzmonster darstellt, ist auch nicht besser.‘ Diese Aussage von mir war eine Replik auf Art und Inhalt Ihrer Publikumsbeschimpfung. Ich habe nicht Sie als Person so charakterisiert.
Ansonsten sind Ihre weitschweifenden Ausführungen nur mühsam zu verfolgen. Eine Diskussion verbietet sich allerdings von vornherein durch diese an mich gerichtete Ansage:‚ …Wenn Sie dann immer noch meinen sollten, sinngemäß „Hornochse“ rufen zu sollen, dann denke ich mir eine adäquate Antwort aus…‘. Da bekommt man ja Angst (Ironiemodus)! Wenn also eine Diskussion nicht nach Ihren Vorstellungen läuft, wird gedroht. Übrigens: Wer so ungehemmt austeilt, wie Sie es tun, der sollte auch einstecken können.“

Worauf ich geantwortet habe:

Hm!
“Publikumsbeschimpfung”? Gibt es hier nicht. Mir erschließt sich außerdem wirklich nicht, wer in Ihrem Kommentar hätte angesprochen sein sollen, wenn nicht ich als Autor des fraglichen Beitrags.
Aber es ist ja auch schon spät… [sc. 23:49 Uhr am 5. August]

“Weitschweifig”? Wenn das wirklich alles ist, was Ihnen dazu einfällt – schade! Ich glaube nicht, daß sich die im Raum stehenden Fragen in wenigen Sätzen “beantworten” lassen. Vielleicht versuchen Sie es ja mit Abstand nochmal?

Gerne auch mit weiterem Einstecken und Austeilen! 😉

Heute, nach einiger Zeit, mußte ich schon an mich halten, um nicht wirklich ein bißchen gallig zu reagieren (von „ungehemmt“ wären wir da allerdings immer noch weit entfernt 😉 . Das liegt daran, daß man mit mir man vieles machen kann, aber wenn jemand anfängt, die Bedeutung von Sprache zu verdrehen – da hört der Spaß auf!

Genau das geschieht hier aber: Den fraglichen Satz mit der Struktur: „Wer x tut ist nicht besser als y“ konnte man nicht anders als persönlich verstehen. „Wer“ ist ein nämlich ein „Pronomen“, ein Stellvertreter des Namens. Selbstverständlich mußte ich annehmen, ich wäre gemeint. Jetzt zu versuchen, das in Abrede zu stellen, ist schlicht unsinnig. Man hätte allerdings um Entschuldigung für eine möglicherweise unbeabsichtigte Wirkung bitten können. Leider läßt aber der unangemessene Tonfall des versuchten „von oben herab“ („Kleiner Irrtum Ihrerseits…“) nach wie vor eben gerade nicht den Gedanken an irgendein Bedauern aufkommen. Und dann finde ich für die ehemalige Leiterin des Kinderbüros die Reaktion auf die Schilderung meiner explizit auch kindlichen Gefühle („weitschweifig“) schon eigentümlich.

Fazit: Die Bereitschaft zum Gespräch besteht hier offenbar nicht. Schade.

Aber das wird uns nicht davon abhalten, dieses Gespräch zu suchen! Wer den Beitrag vom 24. Juli unvoreingenommen  und offenen Herzens liest, sollte verstanden haben, daß jeder und jedem das ehrliche Bemühen um Wohlwollen, ja Sympathie sicher ist, der versucht, ganz andere Empfindungen zu schildern, als sie hier vorherrschen, wenn es um den „Geist des Konzils“ geht – es würde mich wirklich sehr interessieren, auch wenn man nicht (gleich) zu einer gemeinsamen Meinung findet. Und wie man an den Reaktionen aus den verschiedenen Teilen des deutschen Sprachraums sieht: Das Thema interessiert viele Menschen – also nur Mut!

Sommerkino auf PuLa V: ‚Eine Flut von Entritualisierung – eine Aushöhlung des Glaubens‘

Mit dem fünften Teil, ein bißchen kürzer als die vorangegangenen, endet leider das diesjährige Sommerkino auf PuLa mit Hw. Dr. Kreier. Aber angesichts der weit überwiegend sehr positiven Reaktionen kann  ich schon jetzt zusagen: Das machen wir nochmal – und nicht erst im nächsten Sommer!
Von und mit ihm gibt es über 400 (!) Videos auf YouTube und es werden immer mehr… (Nur besonders gut erschlossen sind sie eben nicht, was ich aber nicht als Vorwurf meine: Das besorgen Studenten in ihrer Freizeit!)
Da wird sich also etwas finden lassen!

Zu den Reaktionen auf diese Videoreihe und ihren leitenden Gesichtspunkt: Wie denken wir von der nachkonziliaren Liturgiereform/vom „Geist des Konzils“, gibt es in Bälde einen eigenen kleinen Beitrag, mit dem zugleich auch schon der versprochene Versuch (!) der zusammenfassenden Auswertung beginnt, die wird aber sicher noch etwas auf sich warten lassen, schon, weil wir vorher noch eine Begebenheit aus dem Urlaub in Österreich ins Auge fassen werden: Sehr wahrscheinlich in Form eines „Offenen Briefs“… 🙂

Nun aber los! Dieser Teil des Vortrags ist wiederum ganz prägnanter Weise durch die Beispiele aus Pfr. Kreiers priesterlicher Erfahrung, seiner Praxis gekennzeichnet:

0:12 Leider ist der Name des Autors, auf den Pfr. Kreier sich zu Anfang bezieht nicht zu verstehen, ich weiß nicht, ob es möglich sein wird, das noch in Erfahrung zu bringen, wenn werde ich berichten!

0:32 […] wenn ich mir am Beginn des Gottesdienstes zum Schuldbekenntnis an die Brust schlage, gebe ich Auskunft über mich selber in meinem Verhältnis zu Gott; wenn ich das seinlasse gebe ich eben keine Auskunft darüber; das ist ein Stück Verweigerung

0.49 [der gleiche Gedanke hinsichtlich des „großen Credos“ (Nicänum), ein Lieblingsthema von mir! Wieviel, pardon, dumme Gesichter von Priestern habe ich schon gesehen, wenn ich bei den Worten zur Menschwerdung gekniet habe! Aber was denn sonst?!]

1.00 Aus-Übung (!) der glaubenden Identität

1:11 Ein auch protestantischerseits inzwischen beklagtes Übel, daß  Gottesdienste Sitzungen sind

1:37 Verarmung der Sterbe- und Begräbnisliturgie

2:20 Oder die Hollywoodisierung unserer Trauungen [wer heute in einer Gemeindemesse heiraten will, erntet Überraschung sogar von dem Priester, der es selber erwähnt hatte…]

2:32 Genauso wie die Eventisierung der Firmung

3:03 Taufe ist ein ganz dramatisches Geschehen

3:12 […] das ist nämlich nach der Lehre der Kirche ein charakter indelibilis, den nimmt keiner mehr weg, auch wenn ich das Kirchensteuer-Geld öffentlich auf dem Petersplatz verbrenne und die Asche trinke oder sonst irgendwas mache, das ändert daran gar nichts [ 🙂 ]

3:57 Eine Flut von Entritualisierung – eine Aushöhlung des Glaubens – eine Auflösung unserer Identität [darauf wird zurückzukommen sein!]

4:16  Ich sage nicht, daß in der Vergangenheit einfach alles besser war

4:31 Stets auch vorhandene Gefahr der rituellen Erstarrung

6:12 „62er Messe kein Allheilmittel“

6:57 Manchmal haben die inneren  und die äußeren Gegner der Kirche ein beinahe instinktives Gespür, wo die Kirche verletzlich ist; „ es sind schon Hundianer“ (Thema: Martinsfest)

7:55 Aber heute wird ja die zweite Hälfte nicht mehr erzählt, daß dieser Arme in der Nacht dem Martin den erscheint der noch ungetauft ist und ihm als Christus erscheint [O, doch! Zum Glück wird das schon wieder erzählt: Hier! Und wer auch etwas Schönes hören möchte, hier z.B. oder hier! 🙂 ]

8:19 […] das gilt bis heute; Klassische 68er haben ja nie Weihrauch benutzt [gemeint sind also logischerweise innerkirchliche 68er!; bis heute…]

8:34 Es gibt kaum einen Ritus und kaum ein symbolisches Zeichen, das so stark Auskunft gibt über unsere Identität wie der Weihrauch [wunderbar!]