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Morgen wieder Lucia-Feier in Herz-Jesu Weimar!

Morgen, am 13. Dezember 2022 wird in Herz-Jesu Weimar, diesmal schon um 17.00 Uhr!, eine gute Tradition fortgesetzt: Die Andacht zum Tag der Hl. Lucia.

Wir haben hier auf PuLa schon verschiedentlich von diesem Projekt der Musikhochschule  berichtet und können Ihnen den Besuch aus Erfahrung nur empfehlen!

Bei der Gelegenheit: Sie wissen ja: „Nach Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei, gedenke, daß Quatember sei!“ 😉 Nach diesem schönen Gedenktag zeigt der Advent noch einmal seinen Charakter als (milde) Fastenzeit (am Mittwoch, Freitag und Samstag)!

Cornelie Becker-Lamers

PS: Eines muß ich ja doch sagen: 17.00 Uhr ist für Berufstätige eine fast unmögliche Zeit… Müssen wir immer so tun, als ob das alles eine Veranstaltung für Rentner ist? Ist es nicht!  🙁

Gereon Lamers

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 12, Luise Hensel

Nach dir nur will ich trachten,
Mein Heiland, Jesus Christ!
Will kühn die Welt verachten,
Die deine Feindin ist,
Hinweg die Augen wenden
Von ihrem Zauberlicht;
Ihr Feuer kann nur blenden,
Erleuchten kann es nicht.

Luise Hensel, geboren am 30. März 1798, in die Kirche aufgenommen am 7. Dezember 1818, gestorben am 18. Dezember 1876

Wohl wirklich jede und jeder Deutsche kennt ein Werk von ihr, denn Luise Hensel ist die Dichterin des “Nachtgebets”:

Müde bin ich, geh zur Ruh,
Schließe beyde Aeuglein zu:
Vater, laß die Augen dein
Ueber meinem Bette seyn!

und es ist schon eine Ironie, daß sich dieses Lied, das die Tochter eines protestantischen Pastors nach ihrer Konversion geschrieben hat, heute im evangelischen Gesangbuch findet, aber nicht im katholischen Gotteslob; o, ja, wir sind wirklich großartig im Vergessen des und der Eigenen… 

Luise Hensel, gemalt von ihrem Bruder (Bild: Wikicommons, LeastCommonAncestor)

Die Fülle der Bezüge, die Luise Hensels Leben mit bedeutenden Menschen ihrer Zeit, der deutschen Romantik, unmittelbar nach der Phase ihres Aufbruchs, verbindet, ist fast überreich.
Schwester des Malers Wilhelm Hensel und damit Schwägerin der Komponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn, wurde sie umworben von dem Komponisten Ludwig Berger und den Dichtern Clemens Brentano und Wilhelm Müller.
Für letzteren wurde sie zum Urbild der „Schönen Müllerin“, unsterblich vertont von Franz Schubert: 

Doch insbesondere die Beziehung zu Brentano wurde für beide wechselseitig auswirkungsreich, er revertierte zur Kirche, sie fand heim zu ihr, nach der sie wohl schon seit früher Jugend gesucht hatte. 

„Nicht der äußere Glanz des Cultus, noch weniger Sentimentalität“ habe sie zu dem Schritte bestimmt, erklärte sie noch am 14. Oktober 1862, sondern die klare Erkenntnis, daß in der katholischen Kirche die von Christo gestiftete Kirche vorhanden sei“

Gemeinsam mit Brentano bemühte sie sich um die Aufzeichnungen der seligen Mystikerin Anna Katharina Emmerick und ihr vertraute Brentano schließlich die Sorge um seinen eigenen literarischen Nachlaß an!

Ihr weiteres, über lange Phasen recht unstetes Leben, war von karitativen- und Lehrtätigkeiten geprägt: Nicht weniger als drei Ihrer Schülerinnen aus dem nur sechsjährigen Wirken an der Höheren Töchterschule St. Leonhard in Aachen sollten später Ordensgründerinnen wurden: Clara Fey, Franziska Schervier und Pauline von Mallinckrodt. An letztere konnte sie sich gegen Ende ihres Lebens wenden und verstarb 78-jährig in Paderborn.

In einer Dorfkirche

Immer muß ich sein gedenken,
Immer seiner Huld mich freun,
Immer her die Schritte lenken
Zu dem Kirchlein arm und klein.

O du Wunder aller Gnade,
Das der kleine Schrein umschließt!
Ja, in dieser armen Lade
Wohnt er, dem das All entfließt.

O des Glückes, das der Glaube
Seiner Gegenwart mich lehrt!
O der Wonne, die im Staube
Meine Seele schon erfährt!

Seele, und du schaust noch trübe
Auf die Dinge niederwärts?
Gibt’s für dich noch andre Liebe?
Erdenfreude? Erdenschmerz?

Sieh’ in dieser Silberschale
Ruht dein Gott, dein einzig Gut!
Und du darbst beim reichsten Mahle?
Und du frierst bei höchster Glut?

Auch der kleinen Ampel Schimmer
Mahnt dich, ganz für ihn zu glühn,
Herz, o säumst du denn noch immer,
Ganz in Flammen zu versprühn?

(Langenberg, 1856)

 

Gereon Lamers 

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 11, Michael Nazir Ali

The Church I so loved has lost its way. I simply HAD to leave.

Msgr. Dr. Michael James Nazir-Ali, geboren am 19. August 1949, aufgenommen in die Kirche am 29. September 2021, zum Priester geweiht am 30. Oktober 2021 

Wenn ein führender christlicher Intellektueller wie M. Nazir-Ali sich in höherem Alter (72) zu einem Schritt entschließt, von dem er selbst sagt, leichter wäre es gewesen, seiner bisherigen, anglikanischen Gemeinschaft verbunden zu bleiben, darf man davon ausgehen, daß die Gründe wohlüberlegt und zwingend waren!
Und wenn das im Jahr 2021 geschieht, seitens einer überaus eloquenten Person, dann darf man weiter davon ausgehen, es gibt genug eigene Worte von ihm zu seiner Entscheidung.

Und so ist es auch. Als verblüffend schwierig hat es hingegen erwiesen, ein Zitat zu finden, das an den Anfang dieses kleinen Beitrags gestellt werden konnte. die zwei Sätze oben (von denen ich nicht einmal ganz sicher bin, ob sie ihm nicht eher in den Mund gelegt worden sind, weil sie so gar nicht zu seinem Sprach- und Schreibduktus passen) sind dann auch die beste Kurzformel, die ich finden konnte, für einen, dessen Konversion so bestimmt ganz und gar nicht “gefühlig”, aber nichtsdestotrotz aus tiefer Glaubensüberzeugung geschah.
Aber werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf einen faszinierenden Lebensweg. 

Dr. Michael Nazir-Ali, 2011 (Bild Wikicommons, Gaia Octavia Agrippa)

Nazir-Ali wurde als Kind in Pakistan katholisch erzogen, nachdem sein Vater vom schiitischen Islam konvertiert war. Seine Familie zählt sich zu den Sayyidd.h., direkten Nachkommen Mohammeds. Seine Mutter hatte einen methodistischen Hintergrund.
Er selbst bekannte sich ab seinem 20. Lebensjahr zum Anglikanismus, studierte in Großbritannien Theologie und stieg schnell zu hohen geistlichen Ämtern auf. So war er ab 1984 der erste anglikanische Bischof von Raiwind und zugleich der jüngste Bischof der anglikanischen Gemeinschaft überhaupt. Vorher machte M. Nazir-Ali in Slum-Pfarreien aber auch intensive pastorale Erfahrungen.
Nach seiner Flucht aus Pakistan im Jahr 1986, erzwungen durch die Islamisierungsbestrebungen unter der Militärdiktatur,  machte er eine brillante wissenschaftliche Karriere an den englischen Universitäten und wurde im Jahr 1994 zum Bischof von Rochester ernannt. Als solcher war er auch Teil des House of Lords, trat aber im Jahr 2009 ohne Angabe von Gründen von diesem Posten zurück. Ende des Jahres 2002 war Nazir-Ali einer der beiden „Finalisten“ für das Amt des Erzbischofs von Canterbury, aber der damalige britische Premierminister Tony Blair entschied sich, vermutlich aus politischen Rücksichten, für den “liberaleren” Kandidaten (Rowan Williams).
In den Jahren war M. Nazir-Ali Mitglied zahlreicher Gremien, insbesondere im internationalen und im Bereich der Ökumene. 

Und gerade letzteres war, wenn ich seine Aussagen richtig deute, in vieler Hinsicht der Motor seiner Entfremdung von der anglikanischen Gemeinschaft!
So schildert Nazir-Ali immer wieder, wie enttäuscht er war, wenn, nach der Einigung mit dem ökumenischen Partner, vor allem der Katholischen Kirche, die Anglikanische Gemeinschaft letztlich doch nur machte, was sie je vor Ort (also nicht einmal einheitlich) gerade wollte. Von dieser Feststellung aus war es natürlich nicht mehr weit zu der Erkenntnis von der grundsätzlichen ekklesiologischen Defizienz aller sich „reformiert“ nennenden Kirchentümer.
Hinzu trat eine wachsende Überzeugung von der biblisch begründeten Richtigkeit der katholischen Sakramentenlehre, ganz konkret in ihrer Siebenzahl, sowie allgemein die Erkenntnis, in welch letztlich fataler Weise der Anglikanismus dabei ist, vor der säkularen westlichen “Kultur” zu kapitulieren:

“Die Anglikanische Gemeinschaft ist wankend geworden in der Einhaltung dieser beiden Prinzipien [Grenzen der Inkulturation, formuliert von J. Paul II.] und sie hat vor der zeitgenössischen westlichen Kultur auf eine Weise kapituliert, die die göttliche Offenbarung selbst gefährdet”

Und:

„Die Kirche muss ihre Herangehensweise ändern. Sie darf weder vor der Kultur kapitulieren noch darf sie irgendeine Kultur zerstören. Stattdessen muß sie den Punkt beachten, den Papst Benedikt gemacht hat: Daß die Rolle der Kirche darin besteht, der Kultur zu ermöglichen, ihr wahres Zentrum zu finden.“

Es ist eine große Ermutigung, daß jemand von dem Format Michael Nazir-Alis der Katholischen Kirche auch in ihrer heutigen Gestalt immer noch zutraut, diesen Kampf besser zu bestehen, als andere Kirchentümer! Er dürfte bei seiner Entscheidung eher nicht auf die Kirche in Deutschland geschaut haben… 🙁

Wenn Sie, was ich sehr empfehlen kann!, mehr über M.Nazior-Ali lesen möchten, hier, hier, hier und hier sind einige Links (auf Englisch).

Leider habe ich nur wenige Bilder von ihm nach seiner Konversion gefunden, hier immerhin das Twitter Profilbild

aber es gibt ein Video seiner Priesterweihe!

Enjoy! 🙂

Gereon Lamers

 

PS: Wie schön, daß Beitrag Nr. 1.200 auf PuLa gerade an einem Sonntag erscheinen kann.

 

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 10, Sigrid Undset

Mir blieb nichts anderes übrig, als zu einem Priester zu gehen und zu bitten, in allem unterwiesen zu werden, was die katholische Kirche wirklich lehrt. Daß die katholische Kirche mit der von Christus gegründeten Kirche identisch war, hatte ich nie bezweifelt.

Sigrid Undset, geboren am 20. Mai 1882, in die Kirche aufgenommen im November 1924 , gestorben am 10. Juni 1949

Als Sigrid Undset im Jahr 1928 den Nobelpreis für Literatur erhielt, währte ihr Dasein als Schriftstellerin schon deutlich länger als 20 Jahre. Sie hatte es, beinahe in einer Art Doppelleben, einer ungeliebten Bürotätigkeit abgerungen, zu der sie sich nach dem frühen Tod des Vaters verpflichtet gefühlt hatte. Schon ihre ersten Texte (die zunächst abgelehnt wurden) hatten sich mit Themen des Mittelalters beschäftigt. Der intensive Umgang mit ihrem sehr geliebten Vater, ein bekannter norwegischer Archäologe, dürfte dafür den Grund gelegt haben. 
Aber es waren zunächst “realistische” Themen, die ihren bald einsetzenden Erfolg als Autorin begründeten, der ihr um das Jahr 1909, auch versehen mit einem Stipendium, das Leben als freie Künstlerin gestattete und sie zu einer langen Reise durch Europa, hauptsächlich aber nach Rom führte.
Schließlich waren es aber ihre Werke , in denen das Mittelalter und vor allem Personen der Kirche vorwiegend positiv aufgefaßt sind, die ihren Weltruhm begründeten, allen voran Kristin Lavransdatter und die schließlich den Nobelpreis bedeuteten. 

Sigrid Undset, 1928 (Bild: Wikicommons, Pieter Kuiper)

Entschiedene Gegnerin des Nationalsozialismus seit den frühen 1930ern, mußte sie 1940 über das neutrale Schweden ins US-amerikanische Exil fliehen. Die Zeit literarischer Produktivität kehrte aber auch nach ihrer Rückkehr nach Norwegen, wo sie bloß 67-jährig verstarb,  nicht zurück.

Undsets Hinwendung zum Katholischen, sie war auch Franziskaner-Tertiarin, war begleitet von einer schroffen Ablehnung der norwegisch-protestantischen Staatskirche:

“Für mich war die Frage der Autorität der Kirche ganz und gar eine Frage der Autorität Christi. Ich hatte die Geschichte der Reformation nie anders als eine Geschichte der Rebellion gegen das Christentum gesehen, obwohl es eine Rebellion gläubiger, häufig subjektiv frommer, Christen war […]“

, der sie, so würden wir es heute wohl formulieren, vorwarf, willfähriger Komplize der “Diktatur des Relativismus” und Agentin des Zeitgeists zu sein:

“Wir können in dieser Welt nur eine Art von Freiheit erlangen – die, die unser Herrgott beschreibt, wenn er sagt: „Die Wahrheit wird dich frei machen.“ Aber wenn diese Wahrheit anerkannt und damit freigesetzt wird, dann können die deterministischen Faktoren des Lebens einen Menschen nicht mehr in Ketten halten, und dann kann man diese Freiheit nur durch einen endlosen Kampf gegen diejenigen Mächte bewahren, denen man entronnen ist – vor allen anderen gegen die Versuchung, zurückzublicken und sich nach der alten, romantischen Traumwelt zu sehnen, in der zwei und zwei alles sein kann und man selbst entscheiden kann, was nicht wahr sein soll.
Insofern ist es verständlich, dass der moderne Mensch seine ganze Kraft aufwendet, um sich der Autorität der Kirche zu entziehen.”

Mir scheint, die Beschäftigung mit der Katholischen Intellektuellen Undset könnte kaum weniger interessant und “zeitgemäß” sein, als diejenige mit der Dichterin.

Gereon Lamers 

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 9, Richard Seewald

Als Katholik fühle ich mich als Bürger der Welt, als ein in Europa Geborener als solcher des Abendlandes. Durch meine Muttersprache bin ich dem deutschen Kulturkreis zugehörig, und als Staatsbürger schwor ich mich der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu, als in meinem Geburtsland die Tyrannis herrschte.

Richard Seewald, geboren am 4. Mai 1889, in die Kirche aufgenommen 1929, gestorben am 29. Oktober 1976

Richard Seewald, Zeichner, Maler, Illustrator und Schriftsteller geboren in eine ostpreußisch-reformierte Familie, wenn auch mit Schweizer Wurzeln mütterlicherseits, studierte zunächst Architektur in München, begann 1909 zu malen, wurde 1918 Mitglied der Neuen Sezession und unterrichtete zwischen 1924 und 1931 an den Kölner Werkschulen. Noch in diesem Jahr verließ er Deutschland, siedelte, vorbereitet durch etliche frühere Besuche, in die Schweiz über, deren Bürger er 1939 wurde.
Im Jahr 1954  nahm er eine Professur an der Akademie der bildenden Künste in München an, die aber nur vier Jahre währte. Bis zum Ende seines Lebens war ihm jedoch ein erheblicher künstlerischer Erfolg beschieden.

Richard Seewald, ca. 1970 (Bild: Digiporta, Germanisches Nationalmuseum, Deutsches Kunstarchiv)

Seewald gehörte, wenn auch sozusagen “verspätet”, zum reichen ‘Katholischen Frühling’ der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, war bekannt und befreundet mit Hugo Ball, Th. Haecker, Hugo Rahner, Carl Muth und H.U. v. Balthasar. Die “Organisation” seiner Konversion in der Kölner Zeit deutet auf ein stark verinnerlichtes, lange vorbereitetes Geschehen:
“Meine Aufnahme in die katholische Kirche erfolgte im Collegio Papio in Ascona. Ich hatte darum gebeten, weil ich fürchtete, daß dieser Schritt in Köln ein mir unliebsames Aufsehen machen würde. Damals hatte sich gerade Klemperer, der Dirigent an der Oper, taufen lassen, und dort wurde Max Scheler gerade seines Eintritts in die Kirche wieder überdrüssig und lehrte einen werdenden Gott. – Der kluge Benediktinerpater Hugener, Rektor des Kollegiums und, wie ich später bemerkte, wegen der Strenge seiner Lebensführung und seiner Aszese ein wenig gefürchtet, ließ sie bei mir augenscheinlich beiseite, hielt mich dank meiner Kenntnisse von Möhler und Newman für genügend vorbereitet und nahm mich nach Rücksprache mit dem Bischof von Lugano sofort in die Kirche auf.“
Die Zugehörigkeit zur Kirche ließ Seewald in der Folge auch etliche Kirchen im deutschsprachigen Raum, ‘von Norderney bis Zürich’ ausstatten.

Verkündigung an die Hirten, Fresko in der Pfarrkirche St. Theresia Zürich-Friesenberg (Bild: Wikicommons, Charly Bernasconi)

Höchst bemerkenswert bei diesem so eminent („klassisch-„) modernen Künstler ist, wie sich sehr früh (1966/67) Skepsis hinsichtlich der Ergebnisse des Zweiten Vatikanums breitzumachen begann:
“Aber, ist das Wort ‹Liebe› während des Konzils nicht in einer kaum noch erträglichen Weise strapaziert worden? – Wir haben die getrennten Brüder zu lieben, die unterentwickelten Völker, die Leprakranken, die Hungernden in Indien, alle Heiden, die Juden, die Mohammedaner, die Kommunisten, mit einem Wort: die ganze Welt. Seid umschlungen Millionen! – Es ist, als ob wir vergessen hätten, dass die Liebe eine übernatürliche Tugend ist, die wir uns also nicht selber geben können. Ist sie mit einmal das Allgemeingut aller Christen geworden? – Ist eine in der Kirche noch nie erfolgte Ausgießung der Liebe erfolgt?”

Gereon Lamers 

 

PS: Es ärgert mich sehr, nicht das genaue Datum der „Wiedergeburt“ von R. Seewald, den Tag seiner Aufnahme in die Kirche gefunden zu haben. Wenn es jemand weiß: Bitte melden! 

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 8, Edith Stein

[…] Seit mir im Sommer 1921 das ‚Leben‘ unserer hl. Mutter Teresia in die Hände gefallen war und meinem langen Suchen nach dem wahren Glauben ein Ende gemacht hatte.

Edith Stein, Ordensname Teresia Benedicta a Cruce, OCD, geboren am 12. Oktober 1891, aufgenommen in die Kirche am 1. Januar 1922, ermordet am 9. August 1942, Heiliggesprochen am 11. Oktober 1998

Wenn Edith Stein in dem obigen Zitat (ESGA 1, 350) vom “wahren Glauben” sprach, so meinte sie damit, in der damals noch völlig selbstverständlichen Sprechweise, das Katholische Bekenntnis, nicht die Bekehrung zum Christentum überhaupt, denn diese war der Entscheidung für eine konkrete Konfession (hinsichtlich derer verschiedene Kräfte um sie rangen) um mehrere Jahre vorangegangen.
Sie habe sich, so schrieb sie bereits am 10. Oktober 1918: „mehr und mehr zu einem durchaus positiven Christentum durchgerungen“: „Das hat mich von dem Leben befreit, das mich niedergeworfen hatte und hat mir zugleich die Kraft gegeben, das Leben aufs Neue und dankbar wieder aufzunehmen. Von einer ‚Wiedergeburt‘ kann ich also in einem tiefsten Sinne sprechen.“ (ESGA 4, Br. 53)

Zu Einzelheiten ihres inneren Bekehrungsvorgangs aber schwieg sie  und sprach vom: „Secretum meum mihi“ (mein Geheimnis bleibt bei mir).

E. Stein in ihrer Studienzeit (Bild: Wikicommons, Monasterio Santa Teresa de Jesús, Buenos Aires)

In einem Brief von Ende 1927 schrieb sie:
„Vielleicht habe ich bei der Darstellung meines Weges [zur Konversion] das Intellektuelle zu schlecht wegkommen lassen. In der jahrelangen Vorbereitungszeit hat es sicher stark mitgewirkt. Doch bewußtermaßen entscheidend war das reale Geschehen, nicht ‚Gefühl‘, Hand in Hand mit dem konkreten Bild echten Christentums in sprechenden Zeugnissen (Augustin, Franziskus, Teresa).“ (ESGA 4, Br. 115) (Hervorhebung von mir)

Eine Haltung, die so ganz zu der brillanten phänomenologischen Philosophin paßt, die Edith Stein war, sein wollte und doch nicht werden durfte, jedenfalls im Sinne einer akademischen Karriere, denn diese blieb der Frau, die gut genug war ein Jahr umsonst als Assistentin ihres Lehrers E. Husserl zu arbeiten, und insgesamt vier Habilitationsschriften verfaßte, verwehrt.

Der strenge Orden der Karmelitinnen aber hat sie ausdrücklich “aufgefordert”, wissenschaftlich weiter zu arbeiten und die Kirche hat sie schließlich, nach Leiden und Tod, zur ‘Patronin Europas‘ erhoben.

E. Stein, das “Paßbild”, 1938 (Bild: Wikicommons, Archiv des Karmel zu Köln)

Als Mann, als Deutscher und als Katholik werde ich, wenn Sie mir ausnahmsweise diese persönliche Bemerkung gestatten wollen, bei der Betrachtung dieses Lebens immer ganz schnell ganz still.

 

Gereon Lamers

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 7, Beatrice von Weizsäcker

Angekommen! Angenommen. Segen und Kraft und Freude in einer Welt, die oft so seltsam ist, und einer Zeit, die viel verlangt. Ja, es stimmt, Gottes Geist weht, wo er will.

Marianne Beatrice Freiin von Weizsäcker, geboren am 20. August 1958 wurde am 24. Mai 2020 in die Kirche aufgenommen.

Beatrice von Weizsäcker, 2009 (Foto: Wikicommons, DEKT/Jens Schulze)

Über diese ebenso rezente wie hoch-öffentliche, weil gesellschaftlich relevante Konversion hat PuLa schon am Tag darauf ausführlich berichtet und das Geschehen aus unserer Sicht eingeordnet, hier.

Die dortigen Ausführungen halten wir nach wie vor für richtig und notwendig, sie passen aber vom Tenor her nicht so gut in unseren Adventskalender, schauen Sie also bitte bei Interesse dort nach!
Heute möchten wir nur ergänzen, daß Frau v. Weizsäcker nach wie vor auf ‘evangelisch.de’ veröffentlicht, leider aber ihren Instagram-Kanal gelöscht (oder verborgen) zu haben scheint, was schade ist, denn man konnte ihr dort bei den nächsten Schritten ihrer „katholischen Reise” folgen, die sehr sympathisch und anrührend geschildert waren.
Auf jeden Fall aber sollten Sie diesem Link folgen, der auf die wunderbare kleine Geschichte führt, aus der das folgende Zitat genommen ist, es lohnt sich!

“Wenn ich tot bin, will ich katholisch beerdigt werden. Das weiß ich jetzt. Es genügt mir nicht, dass nach reformatorischem Verständnis der Mensch sowieso bei Gott ist und es darum nicht notwendig ist, für die Toten zu beten. […] Es soll Weihwasser geben. Und Rituale. Ich will gut in Gottes Ewigkeit ankommen.
Es soll Ostern sein!
Egal zu welcher Jahreszeit.”

Das war im Herbst vor ihrer Konversion und wie heilsam es ist (für alle Beteiligten!), für die Verstorbenen zu beten, das weiß Beatrice v.W. inzwischen gewiß auch!

Gereon Lamers

 

Der Ersatzmann

Ein Sketchlet zum St.-Nikolaustag für eine Person und eine Schafherde

Wundersdorf, Schafweide. Im Unterstand drängen sich die Schafe und bestaunen einen gutsituierten Herrn unbestimmbaren Alters, der sich an einem Leinensack beträchtlichen Ausmaßes zu schaffen macht. Er trägt einen schlichten, aber gut sitzenden Maßanzug aus robustem Wollzeug und zieht aus dem Sack nach und nach Stiefel und diverse Gewänder hervor.

Was hat das zu bedeuten?

 

Kohle: Wir freuen uns sehr, daß Sie uns die Ehre Ihres Besuches erweisen. (Er räuspert sich.)

Der fremde Herr: Aber gern, lieber Kohle (er blickt lächelnd in die Runde), liebe Schafe!

Huf: (Platzt heraus): Bisher kannten wir Sie nur aus Büchern.

Fixi (ehrfürchtig): Und von Abbildungen.

Flocke: Das stimmt! Leibhaftig kam bisher immer nur Ihr Stellvertreter nach Wundersdorf.

Wolle: Deshalb haben wir uns schon gefragt, ob es Sie überhaupt … (sie verstummt abrupt, als Grauchen ihr einen Rippenstoß versetzt)

Blütenweiß (rasch): Deshalb haben wir Sie so inkognito erst gar nicht erkannt. (Sie errötet.)

Der fremde Herr (lacht): Ah! Aber der Weihnachtsmann war hier?! (Er fährt in einen der Stiefel, die er aus seinem Sack gefischt hat.)

Kohle (nickt): Mehrfach.

Flocke: Aber den hat man ja zuletzt auch kaum wiedererkannt …

Wolle (lacht): Nachdem Edith seinen Mantel in der Waschmaschine gewaschen hatte!

(Die Schafe lachen ausgiebig.)

Der fremde Herr (bekleidet sich nach und nach mit Schultertuch, Albe, Zingulum und Stola): Ja! Davon hab’ ich gehört. Aber das haben Eure Gewandmeisterinnen ja glücklicherweise wieder geradegezogen.

Kohle: Was verschafft uns nun aber wirklich in diesem Jahr die Ehre Ihres persönlichen Besuchs?

Der fremde Herr: Ganz einfach, lieber Kohle … Der Weihnachtsmann ist in diesem Jahr schon anderweitig beschäftigt (er blinzelt den Schafen verschmitzt zu).

Grauchen (nach einer kurzen Weile gespannter Stille): Und … wo ist er, wenn man fragen darf?

Der fremde Herr: Darfst du, Grauchen! Er vertritt mich mal wieder. Aber diesmal nicht zum Geschenke machen! (Er lacht. Die Schafe halten den Atem an.) Er vertritt mich bei einem besonderen Gremium. (Der fremde Herr macht ein geheimnisvolles Gesicht.)

Wolle (platzt heraus): Sagen Sie nicht …

Flocke (ebenso): … beim Synodalen Weg?! (Eine Art Aufschrei geht durch den Unterstand).

Der fremde Herr: Doch, Flocke und Wolle, genau so ist es! (Die Schafe staunen und raunen um die Wette. Nach einer Kunstpause fährt der Heilige Nikolaus fort) Die Damen und Herren Delegierten hatten natürlich mich persönlich angefragt. Sie wollten meinen Bekanntheitsgrad für ihre ja mehr als zweifelhafte Sache ausnutzen (er schüttelt den Kopf.)

Die Schafe (durcheinander): Da sieht ihnen ähnlich! – Den Heiligen Nikolaus als Promi mißbrauchen! – Es ist doch nicht zu fassen! – Was glauben die eigentlich, wer sie sind?

Der fremde Herr: Ja, es war lustig! Ich habe das aus unserer Paralleldimension heraus ja alles hautnah mitverfolgen können (er lacht auf). Wie der Herr Vorsitzende der DBK, nachdenklich wurde, als Bischof Oster ihm in Erinnerung rief, daß ich Arius beim Konzil von Nicäa geohrfeigt habe. (Seine Stimme bekommt einen zufriedenen Unterton.)

Nikolaus ohrfeigt Arius auf dem Konzil von Nicäa (Bild wikimedia commons)

Die Schafe (durcheinander): Ja genau! – Was sagen sie dazu? – Geschah ihm recht! – ‚Nachdenklich‘, soso!

Kohle (gespannt): Und? Man hielt trotz der drohenden Wiederholungsgefahr weiterhin an der Einladung fest?

Der Heilige Nikolaus (schlüpft in eine prächtige goldene Kasel): Jau! „Papperlapapp!“ meinte Irmi. (Nach einem Blick in die Runde) Sie glaubt die Geschichte nicht. (Unter den Schafen entsteht ein akustisches Tohowabohu.) Aber ihr müßt euch nicht ärgern. Ich habe das Problem ja gelöst (er grinst.) Mit dem Weihnachtsmann waren alle vollkommen zufrieden. Nur Seine Eminenz der Kardinal von Köln hat ein wenig skeptisch geschaut, als wollte er sagen: ‚Das? Das ist er doch nicht!‘ Es war hochinteressant! (Er birgt aus seinem Sack eine Mitra und setzt sie sich auf den Kopf.) Habt ihr hier einen Spiegel?

Wolle: Leider nein.

Huf: Für uns reichen Pfützen …

Flocke: Aber es sitzt alles perfekt!

Fixi: Sie sehen wunderschön aus!

Blütenweiß: Es tut uns so leid, daß wir Ihnen beim Ankleiden so gar nicht helfen können!

Eine Stimme aus dem Off (laut und fröhlich): Braucht jemand Hilfe?

Die Schafe fahren herum. Sogar der Heilige Nikolaus stutzt. Wenn er sich nicht in der Paralleldimension der Heiligen befindet, hat auch er nicht den kompletten Überblick. Da steckt eine junge Frau ihr Gesicht zur Tür des Unterstandes hinein. Den dunklen Teint umgibt eine dicke Wolke von schwarzen Locken.

 

Fortsetzung folgt

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Da haben wir gerade verkraftet, daß der Heilige Nikolaus persönlich auf der Weide erscheint, da kommt schon der nächste Gast. Wer mag die junge Frau sein, die da so unkompliziert auf sich aufmerksam macht? Hoffentlich erfahren wir am nächsten Sonntag mehr!

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 6, Augustinus von Hippo

Statim quippe cum fine huiusce sententiae, quasi luce securitatis infusa cordi meo, omnes dubitationis tenebrae diffugerunt. 

Augustinus Aurelius, geboren am 13. November 354, aufgenommen in die Kirche 24./25. April 387, gestorben am 28. August 430, Bischof und Kirchenlehrer, einer der vier lateinischen Kirchenväter. 

Im Sommer 386 befand sich der Rhetoriklehrer Augustinus in einer schwerwiegenden Lebenskrise. Gerade auf intellektuellem Gebiet unbefriedigt von den Lehren des Manichäismusdenen er jahrelang angehangen hatte, rang er, unter dem Einfluß des Bischofs Ambrosius und sicher auch weiterhin seiner Mutter Monikamit dem Christentum, mit der Bibel. Mitte oder Ende August wurde ihm eines der gewiß berühmtesten Bekehrungserlebnisse der Geschichte zuteil: „Tolle, lege!“, „Nimm und lies!“
Ambrosius taufte ihn zum folgenden Osterfest.
Sein Einfluß auf das abendländische Denken ist schwer zu überschätzen. 

Monika und Augustinus, Ary Scheffer (1846) (Bild: Wikicommons, “National Gallery”)

 Dicebam haec, et flebam, amarissima contritione cordis mei. et ecce audio vocem de vicina domo cum cantu dicentis, et crebro repentenis, quasi pueri an puellae, nescio: tolle lege, tolle lege. Statimque mutato vultu intentissimus cogitare coepi, utrumnam solerent pueri in aliquo genere ludendi cantitare tale aliquid, nec occurebat omnino audisse me uspiam: repressoque impetu lacrimarum surrexi, nihil aliud interpretans divinitus mihi iuberi, nisi ut aperirem codicem et legerem quod primum caput invenissem. […]

Arripui, aperui et legi in silentio capitulum, quo primum coniecti sunt oculi mei: ‘Non in comissationibus et ebrietatibus, non in cubilibus et inpudicitiis, non in contentione et aemulatione, sed induite dominum Iesum Christum, et carnis providentiam ne feceritis in concupiscentiis.’
Nec ultra volui legere, nec opus erat. Statim quippe cum fine huiusce sententiae, quasi luce securitatis infusa cordi meo, omnes dubitationis tenebrae diffugerunt. 

So sprach ich und weinte in der größten Bitterkeit meines Herzens. Und siehe, ich höre da aus dem benachbarten Hause die Stimme eines Knaben oder eines Mädchens in singendem Tone sagen und öfters wiederholen: „Nimm und lies, nimm und lies„ Sogleich veränderte sich mein Gesichtsausdruck, und aufs angestrengteste begann ich nachzudenken, ob etwa die Kinder bei irgendeinem Spiele etwas Derartiges zu singen pflegten, aber ich entsann mich nicht, jemals solches gehört zu haben. Da hemmte ich den Strom meiner Tränen und stand auf; konnte ich mir doch keine andere Erklärung geben, als daß eine göttliche Stimme mir befehle, die Schrift zu öffnen und das erste Kapitel, auf das ich gestoßen, zu lesen. […]

Ich griff nach ihnen, öffnete sie und las für mich das Kapitel auf das zuerst meine Augen fielen: „Nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid; sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt nicht des Fleischs in seinen Lüsten“. (Röm 13,13f.)
Ich wollte nicht weiterlesen, es war auch nicht nötig; denn bei dem Schluß dieses Satzes strömte das Licht der Sicherheit in mein Herz ein, und alle Zweifel der Finsternis verschwanden.
(Confessiones, Buch 8, Kapitel 12)

Fra Angelico, Die Bekehrung des Hl. Augustinus (Bild: Wikicommons,  “Musée Thomas-Henry”)

Gereon Lamers

Der Adventskalender von Konversionen, Tag 5, Hermann von Pückler-Muskau

Überall in der katholischen Kirche ist das Menschliche berücksichtigt, der Schwäche mit Milde und Vergebung aufhelfend, die Stärke mit noch gewaltiger Hand leitend, und in wahrhaft liberalem Sinne Kirche und Staat gänzlich scheidend.

Hermann Ludwig Heinrich Graf von Pückler-Muskau, ab 1822 Fürst von Pückler-Muskau, geboren am 30. Oktober 1785, in die Kirche aufgenommen am 30. Oktober 1839, gestorben am 4. Februar 1871

Was würden Sie sagen: Steht ein Mensch, der schließlich 86 Jahre alt wird, an seinem 54. Geburtstag “im hohen Alter”?
Wohl kaum, nicht wahr? Und doch steht es so in der deutschen Wikipedia über die in Budapest an diesem (Geburts-!) Tag vollzogene Konversion Hermann v. Pücklers, womit die ‘Freie Enzyklopädie’ nun im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts die sattsam bekannten Abwertungsstrategien der letzten Jahrhunderte, in diesem Fall des 19. Jahrhunderts, unbewußt (?) perpetuiert.
Wobei man sagen muß: Sie erwähnt das Faktum immerhin, was in so manchem Web-Eintrag über den “Grünen Fürsten” nicht einmal der Fall ist, darunter kein geringerer, als die offizielle Seite der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz! Allerdings, die Ausstellung vor Ort tut es, und in nicht schlechter Art und Weise.

Verbreitete Ablehnung hat der Fürst damals auch erfahren, allein, teils konnte er es sich einfach leisten, teils leistete er es sich einfach, denn sein Leben war schon zu diesem Zeitpunkt eines, das sich mit dem alten Diktum vom ‘Ungenierten Leben nachdem der Ruf erst ruiniert ist’, nicht schlecht beschreiben ließe.

Schier unmöglich ist es, in diesem Rahmen die zahllosen Facetten dieses langen und vielfältigen Lebens auch nur anzureißen, wenn wir auch sogar auf PuLa schon einmal seiner Erwähnung getan haben, hier

Weiterhin mag man mit Fug und Recht an Pücklers Rechtgläubigkeit zweifeln, befand er sich  doch just zum Zeitpunkt der Konversion gerade auf dem Rückweg von einer Orientreise, von der er im Begriff war, eine junge Abessinierin mit Namen Machbuba mit sich zurück nach Muskau zu bringen, in der erklärten Absicht, künftig eine Doppelehe zu führen! Die arme junge Frau ‘von den Ufern des Nils’ sollte allerdings das Leben an denen der Oder nicht lange überstehen und starb im folgenden Jahr. 

Pückler in orientalischer Tracht (Bild Wikicommons)

Aber all das ändert nichts daran, daß sorgfältige biographische Arbeit, egal wo, sich nicht von antikatholischem Ressentiment leiten lassen darf! 🙁 

Nun wollen wir aber diesen Beitrag im Advent nicht auf dieser häßlichen Note enden lassen und weisen stattdessen darauf hin, daß es da noch etwas gibt, das sich mit dem Fürsten verbindet und ebenfalls aus dem Jahr 1839 stammt: Das nach ihm benannte Eis! 

Sog. „Fürst-Pückler-Eis“ (Bild: Wikicommons, User: Pschemp)

Ja, dieses ist in dem nämlichen Jahr für ihn von seinem Leibkoch erfunden worden, ob damals bereits mit Schokolade, oder aber mit Pistazien, da recherchieren wir noch, ebenso, wie Cornelie schon seit langem die feste Absicht verfolgt über Machbuba und den Komplex der Doppelehe etwas zu schreiben.

Gereon Lamers