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Das Orgateam (3/4)

Ein Sketchlet zum dritten Advent für drei Personen und eine Waschmaschine

Wundersdorf, Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Edith hat sich Hanna zu einem Glühwein eingeladen. Während Edith das Gebräu zusammenmischt, sortiert Hanna ein paar Plätzchen auf einen Kuchenteller. Sie unterhalten sich über ihre jüngsten Erlebnisse mit den Schafen. Wir erinnern uns: Die Security des BER, auf dem der Weihnachtsmann soeben aus Skandinavien gelandet war, wollte den Heiligen wie alle anderen Ankömmlinge aus Risikogebieten in Quarantäne schicken. Um die Erfüllbarkeit seines göttlichen Auftrags fürchtend, suchte dieser Hilfe bei den Wundersdorfer Schafen: Sie sollten ihre Freunde im Ort um Herrenkleidung bitten, damit er ohne Verzögerung inkognito losziehen könnte …

 

Hanna: Also bei mir waren sie auch, Grauchen und Blütenweiß und ein paar andere. Aber ich hab nichts, was ich verleihen kann. So sonderlich viele Anzüge hat Karl nicht – und außerdem stimmt die Statur nicht.

Edith (mit der Packung Glühweingewürz in der Hand): Wie willst du den Glühwein denn haben – eher stark oder nicht so?

Hanna: Eher nicht so …lieber mehr O-Saft mit rein … aber sag mal (sie grinst) darfst du als West-Frau das überhaupt verwenden?

Edith starrt sie entgeistert an.

Hanna: Da steht doch „Ostmann“ drauf.

Glühwein mit Gewürz der Firma „Ostmann“ (eigenes Bild)

Beide lachen und Edith streut vorsichtig einen halben Teelöffel Glühweingewürz in den Topf.

Hanna: Ich mußte die guten Tiere unverrichteter Dinge wieder wegschicken. (Sie drückt die Plätzchendose zu.)

Edith: Na, sie durften ja auch nicht zu viel bringen – was sollen sie im Unterstand damit. Scheinbar haben sie uns für unseren Anzug entschieden.

Hanna: Ach! Du hattest wohl was? Richard ist doch so lang und dünn?!

Edith (nickt): Von meinem Vater. Der hatte genau die Statur, und ich habe es bis jetzt nicht fertig gebracht, einige seiner guten Anzüge wegzugeben. Die haben wir dann gemeinsam in Augenschein genommen und die Schafe sind mit einem robusten Tweed abgezogen.

Hanna: Ein Tweedanzug! Eine Seltenheit!

Edith: Ja. Aber ich hab ja auch eine Seltenheit dafür in Aufbewahrung bekommen (sie gießt zwei Becher voller Glühwein). Komm! Wir gehen ins Wohnzimmer.

Hanna nimmt den Plätzchenteller und geht Edith hinterher.

Hanna (stellt den Teller auf den Couchtisch): Na, jetzt bin ich gespannt! (Sie zieht sich einen Sessel heran.)

Edith (stellt die Becher ab und setzt sich ebenfalls): Das glaubst du nicht! Den echten Weihnachtsmann-Mantel!

Hanna (läßt vor Schreck fast ihren Becher fallen): Waaaaas? Den hast du hier?

Edith (pustet über ihren Wein und trinkt vorsichtig einen Schluck): Den habe ich hier. Aber frag nicht, wie der gemüffelt hat! (Sie lacht.)

Hanna: Ehrlich?!

Edith (nickt): Den hab ich erstmal in die Waschmaschine gesteckt. Das ging ja wirklich gar nicht!!!

Hanna (prustet los): Das darf doch nicht wahr sein!!! Und wenn dem guten Stück nun etwas zugestoßen wäre bei der Wäsche? Stell dir vor, der Mantel wäre eingelaufen (sie lacht.)

Teresa (von draußen): Mamaaaa! Darf ich Emilys Decke aus der Waschmaschine raustun? Die ist fertig und ich muß dringend dunkle 30-Grad-Wäsche waschen. (Sie steckt den Kopf zur Tür rein) Hallo Hanna! – Ich brauch morgen unbedingt die schwarze Hose!

Edith: Wie kommst du denn auf Emilys Decke? Wieso sollte die denn in der Waschmaschine sein?

Teresa: Na – was soll das denn sonst sein – der rosa Berg da drin?

Edith guckt Hanna entgeistert an und rennt wortlos ins Badezimmer.

Hanna (rennt hinterher): Was ist denn los? Was ist denn drin in der Maschine?

Edith (entriegelt das Bullauge und starrt fassungslos auf einen Berg rosanen Stoffes): Der Mantel des Weihnachtsmanns! … Das kann doch nicht wahr sein! (Sie zieht den gewaschenen Mantel aus der Maschine) Das darf nicht wahr sein!

Hanna (halb erschrocken, halb belustigt): Tja … ich würde sagen, der war nicht ganz farbecht!

Edith (zerknirscht): Er ist rosa!!! (Sie schreit) Aaaaah! Ich habe den Weihnachtsmann-Mantel rosa gemacht! (Sie vergräbt ihr Gesicht im Mantel.)

Hanna (befühlt ein Ende des Mantels): Nun laß doch erstmal sehen! (Sie nimmt Edith den Mantel aus der Hand, die ihn willenlos fallen läßt und auf dem Badhocker in sich zusammensinkt, das Gesicht in den Händen)

Hanna begutachtet den Mantel mit ausgestreckten Armen von vorne und hinten und hält ihn ins Licht.

Teresa (die natürlich längst von der Tür aus die Szene grinsend beobachtet hat; sachlich): Also – fleckig ist er schon mal nicht geworden.

Hanna: Ich muß auch sagen! Sieht tadellos aus. (Sie steckt die Nase hinein) Hmmmmmm – und riecht gut! (Sie lächelt.) Nur ist er halt rosa …

Teresa: Moment mal … heute ist doch

Hanna (fällt ein): … Gaudete!

Beide zusammen (schauen sich an): Heute ist Gaudete!!!

Edith (schaut auf): Das stimmt. Und? Hilft uns das jetzt irgendwie weiter?

Hanna: Begreifst du denn nicht? (Begeistert): Wir hätten für die Abendmesse endlich mal ein rosa Meßgewand!!!

Edith (beginnt den Plan zu verstehen): Du meinst …

Hanna: Wir bügeln das Ding schnell trocken, bringen es zu Frau Schramm in die Sakristei und der Pfarrer zieht heute Abend deinen getuned-ten Weihnachtsmann-Mantel an!

Edith (hat sich wieder gefangen und blickt versonnen in die Ferne): Das könnte die Rettung sein! (zu Hanna) Vielleicht könnten wir ein rotes Meßgewand dagegen eintauschen … andererseits … was ziehen die Pfarrer dann zu Stephanus an?

Hanna (überlegt mit): Neee – das geht nicht! Ich fürchte, den Weihnachtsmann-Mantel … 

Edith: … müssen unsere Damen von der Sternsinger-Näherei uns ganz ganz schnell ersetzen …

Hanna (legt den Arm um Edith): Laß uns gleich telefonieren!

Teresa: Wozu hat man eine Gewandmeisterin in der Pfarrei?!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja – so geht’s zu in Wundersdorf! Da haben sie es wirklich geschafft, der Gemeinde endlich ein rosa Gewand zu beschaffen – wenn auch unfreiwillig. Ob das mit dem Weihnachtsmann-Mantel noch rechtzeitig wieder in Ordnung kommt? Wir werden sehen!

 

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