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Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 7, Nahum 1

Deus aemulator et ulciscens Dominus, ulciscens Dominus et habens furorem, ulciscens Dominus in hostes suos et servans iram inimicis suis.

Dominus patiens et magnus fortitudine, nullumque impunitum derelinquet Dominus.

In tempestate et turbine via eius, et nubes pulvis pedum eius.

Ein eifersüchtiger und rächender Gott ist der HErr; ein Rächer ist der HErr und voller Zorn; ein Rächer ist der HErr an seinen Widersachern, er verharrt im Zorn gegen seine Feinde.

Der HErr ist voll Geduld, aber von großer Kraft, und er läßt gewiß nicht ungestraft. Der Weg des HErrn ist im Sturmwind und im Ungewitter, und Gewölk ist der Staub seiner Füße.

Nah 1, 2f

 

Vigilate itaque, quia nescitis diem neque horam.

Darum wacht! Denn ihr wißt weder den Tag noch die Stunde.

Mt 25,13

Novit Dominus pios de tentatione eripere, iniquos vero in diem iudicii puniendos reservare

Der Herr kann die Frommen aus der Prüfung retten; bei den Ungerechten aber kann er warten, um sie am Tag des Gerichts zu bestrafen

2 Petr 2,9

Aemulor enim vos Dei aemulatione; despondi enim vos uni viro virginem castam exhibere Christo.

Denn ich eifere um euch mit der Eifersucht Gottes; ich habe euch nämlich einem einzigen Mann verlobt, euch Christus [gegenüber] als reine Jungfrau darzustellen.

2 Kor 11,2

Nahum, Standbild an der Kathedrale von Santiago de Compostela (Bild: WikiCommons, P.Lameiro)


 

Sketch des Monats zu Nikolaus (ohne Titel…)

Das Stunt-Schaf (großspurig): Hey, warum haben wir keine Anmoderation?

Kohle (zuckt die Achseln): Vielleicht ist der Layouter für die Überschriften krank. (Er grast weiter.)

Das Stunt-Schaf (regt sich künstlich auf): Aber dann wissen wir ja nichts! Ist das hier eine Herde und untereinander befreundet oder seid ihr frisch zusammengewürfelte Schafe? Ist das hier ein Existentialisten-Blog oder schlägt man hier romantische Töne an? Wie sollen wir uns verhalten? Grasen wir? Liegen wir? Ah! Diese Amateure!

Wolle (runzelt die Stirn): Blas‘ dich hier mal nicht so auf wegen deiner kleinen Flugnummer! Halt doch einfach die Luft an und guck, was sich ergibt. Wir treten seit Jahren gemeinsam auf und es war noch jedes Mal eine runde Sache.

Kohle (grinst): Was die Frage nach der grundsätzlichen Ausrichtung des Blogs angeht, so dürfte für dich als Stunt-Schaf das Geworfensein der Existentialisten auf jeden Fall keine Hürde darstellen …

Flocke (zieht eine Augenbraue hoch): Paß‘ einfach ein bißchen auf, wenn Du irgendwo neu bist: Das hier hat weder mit Existentialismus noch mit Romantik viel zu tun!

Das Stunt-Schaf (wirft den Kopf zurück): Pf! Anfänger! Sagt ihr mir wenigstens, welche Tages- oder Jahreszeit es ist? Oder wißt ihr das auch nicht?

Blütenweiß (spitz): Du bist ja immerhin schon mal ziemlich langhaarig frisiert …

Grauchen (ebenso): Könnte dir schon mal ein Hinweis sein.

Das Stunt-Schaf (überheblich): Das sagt gar nichts: Mir ist vorhin ein Schaf mit rappelkurz geschorenem Fell begegnet … da drüben steht sie jetzt, ein bißchen abseits. (Amüsiert) Sie hat versucht, mir den Zutritt zur Weide zu verwehren. Haha!

Kohle: Ach ja, Krutzi …

Wolle: Die fällt immer schon mal ein wenig aus der Rolle.

Flocke: Aber du bist ja offenbar mit ihr fertig geworden.

Das Stunt-Schaf (herausfordernd): Na aber hallo! Also? Welche Jahreszeit?

Kohle (pädagogisch): Um welches Thema geht’s denn? Hat man dir das gesagt?

Das Stunt-Schaf: Selbstverständlich! Denkst du, ich nehme blindlings jeden Auftrag an? Es geht um Nikolaus!

Wolle (geduldig): Na also: Winter!

Das Stunt-Schaf: Ich habe auch schon auf der Südhalbkugel gespielt …

Flocke (wendet sich stöhnend ab): Womit haben wir das verdient?

Blütenweiß (sanft): Flocke! Schnauf‘ hier nicht rum! Wir sind eine Herde und haben es nicht nötig, jemanden auszugrenzen.

Flocke (ungehalten): Ich hab‘s aber auch nicht nötig, mir von so einem aufgeblasenen …

Das unfrohe Wortgeplänkel wird glücklicherweise durch das vertraute Tuckern des Pritschenwagens unterbrochen, der Fixi und Huf aus der Stadt zurückbringt. Die beiden Lämmchen kommen, ihre Rucksäcke auf dem Buckel, zur Herde gesprungen.

Flocke (kuschelt kurz mit beiden Lämmchen): Hallo, ihr beiden, schön daß ihr gesund wieder hier seid! Es war so windig!

Fixi: Das kannst du laut sagen!

Huf: Aber in der U-Bahn ging’s.

Flocke (streicht Fixi liebevoll über’s Fell): Ihr seht aber auch tüchtig gegen den Strich gebürstet aus!

Huf: Wie unsere Nikolaus-Geschichte.

Kohle: Ja! Erzählt mal!

Fixi: Wir wollten ja das mit der Namensgebung herausbekommen.

Huf: Aber es hat nicht ganz geklappt!

Fixi (setzt sich hin und packt ihre Notizzettel aus): Also, die Bestandteile sind klar:

Huf: νίκη [Nike], der Sieg und λαός [Laos], das Volk.

Fixi: Und jetzt war die Frage: Heißt es „Sieg des Volkes“ oder „Sieg über das Volk“?

Huf (schlicht): Also letztlich die Frage nach der Übersetzung als genitivus objektivus oder als genitivus subjektivus.

Die Schafe hören aufmerksam zu. Bis auf das Stuntschaf natürlich. Für das muß sich die Regie was überlegen.

Fixi: Wie gesagt liest man überall „Sieg des Volkes“ …

Huf: … außer im Krünitz (Verweis hier)

Fixi: Nun haben wir nochmal ein bißchen nach den genauen Wortbedeutungen …

Huf: … eigentlich den Konnotationen …

Fixi: … und damaligen Bedeutungen des Wortes λαός geschaut …

Huf: … denn έθνος [Ethnos] heißt ja schließlich auch „Volk“!

Fixi: Und da haben wir gelesen, daß λαός tatsächlich im Gegensatz zu έθνος gebraucht wurde und das auserwählte Volk Israel meint.

Die Schafe (durcheinander): Ach so! – Na klar! – Okääääääi!? – Da brat mir einer ‘n Storch! – Da hätten wir auch schon mal früher drauf kommen können.

Kohle (platzt heraus): Aber wenn λαός im Gegensatz zu έθνος das auserwählte Volk Israels meint …

Fixi (engagiert): … dann kann bei einem „Sieg“ dieses „Volkes“ eigentlich kein spezifisch christlicher Heiliger herauskommen!

Huf (etwas verzweifelt): Bei einem „Sieg über“ dieses „Volk“ doch aber eigentlich auch nicht, denn die griechischen Städte, um die es in den Nikolausgeschichten geht …

Fixi: … zum Beispiel Ephesos …

Huf: … sind ja nicht jüdische Städte, sondern praktizieren heidnische Kulte …

Fixi: … ihr wißt schon, Diana Ephesia und so …

Huf: … wie in der Apostelgeschichte steht.

Fixi: Wenn man dann hinzunimmt, daß es Darstellungen gibt, in denen Nikolaus „gegen Kultbilder und Dämonen“ vorgeht…

Huf (unterbricht sie): Fixi! Die sind doch viel später! Diese Ikonen waren 19. Jahrhundert!

Fixi: Ach so! Ok! Hast recht!

Huf: Nein, aber er wurde sogar manchmal als „Gott des Volkes“ bezeichnet, weil er so populär war!

Fixi: Das ist nun aber auch später!

Huf: Stimmt!

Fixi: Für die Zeit der Namensgebung haben wir eigentlich nichts gefunden, was uns irgendwie weitergebracht hätte.

Flocke: Was sagt denn Hans Jürgen?

Wolle: Wart ihr bei ihm in der Humboldt-Uni?

Fixi: Ja! Er hat ein tolles Dienstzimmer Unter den Linden.

Huf: Aber er weiß es auch nicht. Es ist vom Wort her nicht entscheidbar, wie es zu übersetzen ist. Man muß es aus dem Kontext erschließen.

Blütenweiß: Verstehe! Und den haben wir nicht wirklich!

Grauchen (ketzerisch): Weil man ja auch gar nicht weiß, ob Nikolaus überhaupt gelebt hat …

Fixi (überhört die Spitze): Ich weiß! Das habe wir ja letztes Jahr schon herausgefunden. Aber das ist doch auch völlig gleichgültig, solange er als Figur funktioniert hat und funktioniert!

Huf (tadelnd): Eben nicht gleichgültig! Mit der Namensgebung wollte man doch etwas aussagen, als man die Geschichten weitererzählt hat.

Grauchen: Schon gut, schon gut!

Fixi: Fassen wir zusammen: Bei „Sieg des λαός“ käme kein christlicher Heiliger heraus – es sei denn natürlich, man hätte den Begriff vom jüdischen auf das christliche Volk übertragen …

Huf: … und bei „Sieg über das Volk“ müßte er „Nikethnos“ heißen.

Kohle: Oder vielleicht „Nikodemus“? δημος [Demos] heißt doch auch Volk?!

Die Schafe gucken sich verblüfft an und fangen, bis auf das Stunt-Schaf, fürchterlich an zu lachen.

Huf (nach einer Weile): Ok, Fixi, ich weiß schon, was wir nächstes Jahr zu Nikolaus machen …

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 6, Jona 3

Et coepit Iona introire in civitatem itinere diei unius et clamavit et dixit adhuc quadraginta dies et Nineve subvertetur

Et crediderunt viri ninevitae in Deo et praedicaverunt ieiunium et vestiti sunt saccis a maiore usque ad minorem

Und Jona fing an in die Stadt hineinzugehen, eine Tagereise weit, und er rief und sprach: »Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!«

Und die Leute von Ninive glaubten an Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten Sacktuch an, vom Größten bis zum Kleinsten unter ihnen.

Jona 3, 4f.


Viri ninevitae surgent in iudicio cum generatione hac et condemnabunt illam quia paenitentiam egerunt ad praedicationem Ionae et ecce plus Iona hic

Die Leute von Ninive werden aufstehen zum Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.

Lk 11, 32

Jona predigt Ninive, Gustave Doré (Bild: Wikicommons)

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 5, Obadia 3f.

Superbia cordis tui extulit te habitantem in scissuris petrae exaltantem solium suum qui dicit in corde suo: Quis detrahet me in terram

Si exaltatus fueris ut aquila et si inter sidera posueris nidum tuum inde detraham te dicit Dominus

Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in der Felsen Klüften wohnst, in deinen hohen Schlössern, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen?

Wenn du dich in die Höhe aufschwängest wie der Adler und legtest dein Nest zwischen die Sterne, von dort will ich dich herunterstürzen, spricht der HErr.

Ob 3f.

Nolite putare quoniam veni solvere Legem aut Prophetas; non veni solvere, sed adimplere.

Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten zu lösen. Ich bin nicht gekommen, zu lösen, sondern zu erfüllen.

Mt 5, 17

Qui maior est vestrum, erit minister vester.

Qui autem se exaltaverit, humiliabitur; et, qui se humiliaverit, exaltabitur.

Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.

Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Mt 23, 11f.

Obadia, frz. Buchmalerei, 13. Jh. (Wikimedia-Commons)

Hinweis: Das Buch Obadia (bzw. Obadja, wie es heute meist wiedergegeben wird, aber das klang mir potentiell zu sehr nach ‚Datscha‘ 😉 ) ist das kürzeste im gesamten AT, es umfaßt gerade einmal 21 Verse und ist daher nicht in Kapitel eingeteilt worden. Daher beziehen sich die obigen Angaben „direkt“ auf den jeweiligen Vers.

Das apostolische Lehrschreiben, Ein Sketch für drei Personen und ein Schaf

Das apostolische Lehrschreiben

Ein Sketch für drei Personen und ein Schaf

Wundersdorf im Oderbruch. Die Küche der Familie Langenfeld. Edith und Richard schlürfen des Jahres ersten Glühwein, während sie einen gut 250 Seiten dicken Papierstapel unter sich aufgeteilt haben, und, hin und wieder daraus vorlesend, eifrig schmökern.

 

Richard (hat bis fast ganz nach hinten geblättert): Ah ja! Natürlich endet er mit Maria, wie sich das gehört. Hör mal: „Es gibt einen marianischen Stil bei der missionarischen Tätigkeit der Kirche. Denn jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, daß die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen.“

Edith (im Plauderton): Sehr schön! Das ist ja hier gewissen Leuten wieder wie auf den Leib geschrieben. Maria kommt vorne aber auch schon, als es um Textstellen geht, wo Leute sich freuen – Johannes im Bauch zum Beispiel. Aber hör mal das hier ist auch herrlich: „Es gibt Christen, deren Lebensart wie eine Fastenzeit ohne Ostern erscheint.“ (Sie lacht).

Richard (grunzt): Mhm! Siehe Gemeindefest, wo man die Caritas am besten gleich mal nach neuen Mitgliedern rumrennen läßt, wo man die Truppe einmal beisammen hat …

Edith: … und wo die ehrenamtlichen Chorleiter nach einer einstündigen Musicalaufführung der PGR-Vorsitzenden am Getränkestand noch 50 Cent für ein Glas Wasser rüberreichen dürfen.

Richard: Das war was anderes: Das war der Strafzoll, weil das Stück bei den Leuten so gut angekommen ist!

Edith: Stimmt! Da hat kaum noch einer von den Zuhörern so richtig unerlöst geguckt …

Richard (grinst): Frechheit so was!

Beide lachen und prosten sich mit ihren Glühweinbechern zu, als plötzlich ein schwarzes, uns wohlbekanntes Schaf die Bühne betritt.

Edith (stutzt): Nanu! Kohle! Was machst du denn hier? (Sie streicht Kohle über den Rücken und krault ihn ein bißchen hinter den Ohren.) Hm?

Kohle (brummelt völlig geistesabwesend): Aber wenn λαός im Gegensatz zu έθνος das auserwählte Volk Israels meint …

Richard: Kohle! Haaaallooooo! (Er wischt ihm mit der Hand vor den Augen hin und her.)

Kohle (schreckt auf): Huch! Wo bin ich? Richard, du? Bei uns auf der Weide? Mitten im kalten Winter?

Richard (lacht): Wir sind nicht auf der Weide, Kohle, wir sind „in der Küche der Familie Langenfeld“ …

Edith: … und Richard und ich trinken „des Jahres ersten Glühwein“. (Sie grinst.)

Kohle: Au Backe! So ein Mist! Ich bin ja heute gar nicht dran!

Edith: Nee, das hat noch zwei Tage Zeit, vermute ich mal …

Richard: … bis Nikolaus …

Edith: … oder was hast du da gerade gebrummelt?

Kohle: Ihr habt vollkommen Recht! (Er wendet sich dem Publikum zu und strahlt) „Seien Sie gespannt auf den nächsten Nikolaus-Sketch, der wieder spannende Fragen und Anregungen rund um die Figur des Heiligen bereithält!“

Er trottet, schlagartig wieder völlig zerstreut, von der Bühne und stößt dabei fast mit Hanna zusammen, die gerade die Küche betritt.

Hanna: Was geht ’n hier? Bringen wir jetzt schon Sketche mit Werbepause? (Sie lacht.)

Edith (ein bißchen besorgt): Kohle war aber komisch drauf … so kenne ich ihn gar nicht …

Richard: Schade, daß Teresa nicht da war. Die hätte ihn aufgemuntert.

Hanna: Ob die Schafe sich Sorgen machen, weil es in Brandenburg Wölfe gibt?

Richard: Ooooch! Die haben doch Tatze! Tatze ist ein Kerl! (Er schöpft Hanna am Herd einen Becher voll Glühwein aus dem Topf.)

Hanna (zieht sich einen der Papierstapel ran): Und, was lest ihr hier Schönes?

Edith: Evangelii gaudium, vom jetzigen Heiligen Vater.

Hanna (lacht): „vom jetzigen Heiligen Vater“? Ist jetzt sogar schon die katholische Christenheit in der Patchworkfamilie angekommen?

Richard (setzt sich wieder hin, jovial): Na, da kommt Mutter Kirche auch noch drüber. Es gab schon schlimmere Zeiten, wo wir echt zwei Päpste hatten.

Edith: Stimmt. Unsere beiden zitieren sich ja auch gegenseitig.

Hanna (liest den Schluß des Lehrschreibens): „Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, zum Abschluß des Jahres des Glaubens, am 24. November – Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, König des Weltalls – im Jahr 2013, dem ersten meines Pontifikats“. Ist schon interessant, wie er die weltlichen mit den kirchlichen Zeitangaben verbindet …

Edith: Tja! Der gute Francesco geht halt mit der Zeit. Prost! (Die drei trinken sich zu und beginnen wieder zu lesen.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Oha, so geht’s zu Wundersdorf! Aber lassen Sie sich nicht von Kohles Verwirrung anstecken! Was er da vor sich hinbrummelt hat tüchtig Hintergrund! Nikolaus mehr!

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 4, Joel 2

Sol vertetur in tenebras et luna in sanguinem antequam veniat dies Domini magnus et horribilis

Et erit omnis qui invocaverit nomen Domini salvus erit quia in monte Sion et in Hierusalem erit salvatio sicut dixit Dominus et in residuis quos Dominus vocaverit

Die Sonne soll verwandelt werden in Finsternis und der Mond in Blut, ehe da kommt der große und schreckliche Tag des HErrn.

Es soll aber geschehen, daß ein jeder, der den Namen des HErrn anruft, gerettet wird; denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird eine Zuflucht sein, wie der HErr versprochen hat, und bei den Übriggebliebenen, die der HErr beruft.

Joel 2, 31f.

Non enim est distinctio Iudaei et Graeci nam idem Dominus omnium dives in omnes qui invocant illum

Omnis enim quicumque invocaverit nomen Domini salvus erit

Es ist nämlich kein Unterschied zwischen Juden und Griechen: alle haben denselben HErrn, der reich ist für alle, die ihn anrufen

Denn wer den Namen des HErrn anrufen wird, der soll gerettet werden.

Röm 10, 12f.

Joel, Elfenbeinplatte, Syrien o. Palästina, 7. Jh., Louvre (Bild: Wikimedia Commons, Marie-Lan Nguyen)

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 3, Micha 7

Nolite credere amico et nolite confidere in duce ab ea quae dormit in sinu tuo custodi claustra oris tui

Quia filius contumeliam facit patri filia consurgit adversus matrem suam nurus contra socrum suam inimici hominis domestici eius

Ego autem ad Dominum aspiciam expectabo Deum salvatorem meum audiet me Deus meus

Vertrau dem Freund und dem Ratgeber nicht; bewahre die Pforte deines Mundes vor der, die in deinen Armen liegt!

Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter lehnt sich auf gegen die Mutter, die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter; die Feinde des Menschen sind seine Hausgenossen!

Ich aber will nach dem Herrn ausschauen, will harren auf den Gott meinen Retter; mein Gott wird mich erhören.

Mi 7, 5-7

 

Nolite arbitrari quia venerim mittere pacem in terram; non veni pacem mittere sed gladium.

Veni enim separare hominem adversus patrem suum et filiam adversus matrem suam et nurum adversus socrum suam:

et inimici hominis domestici eius.

Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert!

Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter;

und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Mt 10, 34- 36

 

Micha, Gustave Doré (Bild via Wikipedia, The York Project)

 

PS:

Vielleicht fragt sich ja der ein oder die andere, warum ich nicht den wunderbaren Abschnitt nach Micha 4, 3 berücksichtigt habe, sicher der bekannteste aus dieser Schrift, vielleicht gar aus dem ganzen Zwölfprophetenbuch. Zumal es sich dabei um einen ganz wichtigen Text aus der Vorgeschichte der friedlichen Revolution von 1989 handelte. Warum also nicht die „Schwerter zu Pflugscharen“ auf einem Blog aus Mitteldeutschland?

Originalitätssucht? Spaß an „dunkleren“ Passagen? 😉

Nein, es war nur so, daß das Dodekapropheton insgesamt eine Überraschung für mich bereithielt; lesen Sie selbst (der Einfachheit halber nur auf deutsch und nur in der Version der Einheitsübersetzung):

Micha 4, 3

Er spricht Recht im Streit vieler Völker, / er weist mächtige Nationen zurecht [bis in die Ferne]. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg.

In Joel 3, 10 aber heißt es:

Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen / und Lanzen aus euren Winzermessern! / Der Schwache soll sagen: Ich bin ein Kämpfer.

Tja! Selbst die schönsten Texte der Bibel eignen sich eben nicht für eine verkürzend-einseitige Lesart; „Auswahl“ (griech. ‚Hairesis‘…) ist gefährlich.

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 2, Amos 8

Et erit in die illa dicit Dominus occidet sol meridie et tenebrescere faciam terram in die luminis.

Und an jenem Tag wird es geschehen, spricht der HErr, daß die Sonne am Mittag untergeht und dunkel werde ich die Erde werden lassen am hellen Tag.

Am 8, 9

45 A sexta autem hora tenebrae factae sunt super universam terram usque ad horam nonam.

46 Et circa horam nonam clamavit Iesus voce magna dicens: „Eli, Eli, lema sabachtani?“, hoc est: „Deus meus, Deus meus, ut quid dereliquisti me?“.

45 Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land.

46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Mt 27,45-46

Amos, Gustave Doré

 

 

Die Improvisation – Ein Schaf-Sketchlet zum Ersten Advent

Die Improvisation

Ein Sketchlet zum Ersten Advent 2013 für sechs Schafe, eine Stimme und beliebig viele Schafstatisten

 

Kalt ist es geworden in Wundersdorf. Auch auf der allseits bekannten Schafweide herrscht tiefer Winter. Die Schafe lungern ein bißchen herum, aber einige blicken auch verunsichert in die Ferne. Wolle, Flocke, Fixi und Huf laufen sichtlich nervös hin und her.

Also, irgend etwas stimmt da nicht. Was ist los?

 

Wolle (besorgt): Wann kommt er denn?

Flocke: Wollte eigentlich jetzt …

Fixi (weinerlich): … längst da sein!

Die vier laufen noch eine Weile hin und her, als plötzlich eine Stimme aus dem Off zu hören ist.

Regie (gestreßt): Was ist los? Ihr seid auf Sendung!

Wolle (verzweifelt): Kohle ist nicht da!

Regie (stöhnt): Ich mach nie wieder was mit Schafen live!

Flocke (vorwurfsvoll): Da können wir doch nix dafür!

Regie: Jetzt laßt Euch was einfallen! 1 Minute 22 müßt ihr mir mindestens überbrücken!

Fixi: Reicht grade für einmal das Ave Maria!

Regie (barsch): Nein! Das dauert 2 Minuten 28.

Fixi (grummelt): … singen wir halt schneller.

Huf (beginnt zu summen und singt dann): „Hast du heute Zeit für mich, singe ich ein Lied für dich von 99 weißen Schafen, die schon lang nicht mehr gut schlafen …“

Wolle (verblüfft): Das ist doch von Nena.

Flocke: Nee! Die sang doch von Luftballons. Das hier ist neu.

Huf: Ist es nicht. Das kursiert schon lange bei uns auf der Weide. Kennt ihr nicht?

Wolle: Nee, sing noch mal!

Huf: Ich kanns nicht ganz, die erste Strophe ist glaube ich: „J‘ana war die Nummer hundert, habt ihr euch nicht auch gewundert: Konversion bald zu verbuchen, Hirte geht nicht, sie zu suchen.“

Flocke (platzt heraus): Stark!

Wolle: Was ist das?

Huf: Ach, das geht um diese Bibelstelle, daß der gute Hirte jedes verlorene Schaf suchen geht, und in dem Lied ist es dann so, daß dem Hirten alle 99 abhanden gekommen sind, und ihm ist es egal oder sogar ganz recht. Der Schluß ist dann: „99 Schafe weiden in der dürren Steppe, leiden, Hirte freut sich mit dem einen an ganz blankpolierten Steinen.“

Wolle: Au weia!

Blütenweiß (hat sich hinzugesellt): Das ist aber ein trauriges Lied! Sing nicht weiter!

Huf: Ich weiß, paßt eigentlich nicht in den Advent.

Fixi: Aber wenn man improvisieren soll, kommt halt raus, was drin ist.

Regie: Und Schnitt! Danke, Schafe, das war in Ordnung so. Ich hoffe, Kohle taucht wieder auf. Ich takte euer ursprünglich für heute geplantes Programm dann nächsten Sonntag ein. (Es klickt.)

Blütenweiß: Weg ist er.

Grauchen (steht jetzt auch dabei): Was war das denn für ne Urlaubsvertretung?

Blütenweiß: Also, dem waren unsere Inhalte ja wohl völlig egal!

Wolle: Macht nichts. Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Oha! Ja, so geht’s zu auf der Schafweide. Aber bestimmt werden die Geschichten der nächsten Sonntage fröhlicher – hoffentlich…

 

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 1, Hosea 6

1 In tribulatione sua mane consurgunt ad me venite et revertamur ad Dominum

2 Quia ipse cepit et sanabit nos percutiet et curabit nos

3 Vivificabit nos post duos dies in die tertia suscitabit nos et vivemus in conspectu eius sciemus sequemurque ut cognoscamus Dominum quasi diluculum praeparatus est egressus eius et veniet quasi imber nobis temporaneus et serotinus terrae

4 Quid faciam tibi Ephraim quid faciam tibi Iuda misericordia vestra quasi nubes matutina et quasi ros mane pertransiens

5 Propter hoc dolavi in prophetis occidi eos in verbis oris mei et iudicia tua quasi lux egredientur

6 Quia misericordiam volui et non sacrificium et scientiam Dei plus quam holocausta

In ihrer Bedrängnis kommen sie schon am Morgen zu mir und sagen, Laßt uns zum Herren gehen und zum HErrn zurückkommen, denn er hat uns gerissen und er wird uns heilen, uns schlagen und uns verbinden, nach zwei Tagen wird er uns beleben und am dritten Tage werden wir aufstehen und vor seinem Angesicht leben. Wir werden uns beeilen, den HErrn zu erkennen; wie die sichere Morgenfrühe werden wir ihn finden und er wird wie ein Regen für uns kommen, ein früher und später Regen für die Erde. Was soll ich für dich tun Ephraim? Was soll ich für dich tun, Juda? Euer Erbarmen ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau der Morgenfrühe der dahingeht. Deshalb habe ich eure Propheten niedergemäht, sie getötet mit den Worten meines Mundes. Und dein Urteil wird hervorgehen wie das Licht.

Denn Erbarmen will ich und nicht Opfer, Gotteserkenntnis eher denn Rauchopfer.

Hos 6, 1-6

10 Et factum est, discumbente eo in domo, ecce multi publicani et peccatores venientes simul discumbebant cum Iesu et discipulis eius. 11 Et videntes pharisaei dicebant discipulis eius: „Quare cum publicanis et peccatoribus manducat magister vester?“. 12 At ille audiens ait: „Non est opus valentibus medico sed male habentibus. 13 Euntes autem discite quid est: „Misericordiam volo et non sacrificium“. Non enim veni vocare iustos sed peccatores“.

Und es geschah als Er im Haus zu Tisch lag, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Schülern. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Schülern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum geht hin und lernt, was es heißt: Erbarmen will ich, nicht Opfer. Denn ich bin nicht gekommen zu rufen die Gerechten, sondern Sünder.

Mt 9, 10-13

4 Et quia sepultus est et quia resurrexit tertia die secundum scripturas

Und daß er begraben wurde, und daß er erweckt worden ist am dritten Tage nach den Schriften

1 Kor 15, 4

Hosea, Alessandro Moretto, um 1521-24, Brescia (Bild: Wikicommons, RobyBS89)