Zurüruck zum Inhalt

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 15, Micha 5

Et tu, Bethlehem Ephrata, parvulus es in millibus Juda ; ex te mihi egredietur qui sit dominator in Israël, et egressus ejus ab initio, a diebus æternitatis.

Und du, Bethlehem-Ephrata, klein bist du unter den Hauptorten [„Tausendschaften“] von Juda; aber aus dir soll mir hervorkommen, der Herrscher werden soll in Israel, dessen Hervorgehen von Anfang, von den Tagen der Ewigkeit her gewesen ist.

Mich 5, 2 [1]

 

Cum ergo natus esset Jesus in Bethlehem Juda in diebus Herodis regis, ecce magi ab oriente venerunt Jerosolymam,

dicentes : Ubi est qui natus est rex Judæorum ? vidimus enim stellam ejus in oriente, et venimus adorare eum.

Als nun Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem,

die sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten!

Mt 2, 1f.

Das Kommen der "Drei Weisen", Joseph Binder, 1846 (Bild: WikiCommons, Dorotheum)

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 14, Amos 8

Ecce dies veniunt, dicet Dominus, et mittam famem in terram : non famem panis, neque sitim aquæ, sed audiendi verbum Domini.

Siehe, es kommen Tage, spricht Gott, der Herr, da werde ich einen Hunger ins Land senden; nicht einen Hunger nach Brot, noch einen Durst nach Wasser, sondern danach, das Wort des HErrn zu hören.

Am 8, 11

In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum.

Et Verbum caro factum est, et habitavit in nobis : et vidimus gloriam ejus, gloriam quasi unigeniti a Patre plenum gratiæ et veritatis.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Und das Wort ist Fleisch geworden und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Joh 1, 1.14

Verkündigung (Menschwerdung!) A. del Sarto, 1486–1530 (Bild: WikiCommons)


 

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 13, Hosea 2

Et sponsabo te mihi in sempiternum ; et sponsabo te mihi in justitia, et judicio, et in misericordia, et in miserationibus.

Et sponsabo te mihi in fide ; et scies quia ego Dominus.

Et erit in die illa : exaudiam, dicit Dominus, exaudiam cælos, et illi exaudient terram.

Hos 2, 19ff. (Vg.)

Und ich will dich mir verloben auf ewig, ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit, in Recht und Gericht, in Gnade und Erbarmen;

ja, ich will dich mir verloben in Treue, und du wirst erkennen, daß ich der HErr bin!

Und es soll geschehen an jenem Tag, spricht der HErr, da will ich antworten und erhören; ich will dem Himmel antworten, und er soll der Erde antworten;

Hos 2, 21ff.

 

Et ait illis Jesus : Numquid possunt filii nuptiarum, quamdiu sponsus cum illis est, jejunare ? Quanto tempore habent secum sponsum, non possunt jejunare.

Venient autem dies cum auferetur ab eis sponsus : et tunc jejunabunt in illis diebus.

Und Jesus sprach zu ihnen: Können etwa die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.

Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten, in jenen Tagen.

Mk 2, 19f.

 

Gaudeamus, et exsultemus : et demus gloriam ei : quia venerunt nuptiæ Agni, et uxor ejus præparavit se.

Et dixit mihi : Scribe : Beati qui ad cœnam nuptiarum Agni vocati sunt ; et dixit mihi : Hæc verba Dei vera sunt.

Freuen sollen wir uns und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Gemahlin hat sich bereit gemacht.

Und er sprach zu mir: Schreibe: Glückselig die, welche zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind! Und er sprach zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes!

Offb 19, 7.9

Hosea, Duccio di Buoninsegna, 1250/60 – 1318 (Bild: WikiCommons)


 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 12, Maleachi 3

Ecce ego mittam angelum meum, et præparabit viam ante faciem meam : et statim veniet ad templum suum Dominator quem vos quæritis, et angelus testamenti quem vos vultis. Ecce venit, dicit Dominus exercituum.

Et quis poterit cogitare diem adventus ejus, et quis stabit ad videndum eum? ipse enim quasi ignis conflans, et quasi herba fullonum

Siehe, ich sende meinen Boten, der vor mir her den Weg bereiten soll; und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, er kommt! spricht der Herr der Heerscharen.

Wer aber wird den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer des [Silber] Schmelzers und wie die Lauge der Wäscher.

Mal 3, 1f. [Maleachi, hebr. ‚Mein Bote‘]

 

Sed quid existis videre ? prophetam ? Etiam dico vobis, et plus quam prophetam.

Hic est enim de quo scriptum est : Ecce ego mitto angelum meum ante faciem tuam, qui præparabit viam tuam ante te.

Amen dico vobis, non surrexit inter natos mulierum major Joanne Baptista : qui autem minor est in regno cælorum, major est illo.

Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: einen, der mehr ist als ein Prophet!

Denn dieser ist’s, von dem geschrieben steht: ‚Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.‘

Wahrlich, ich sage euch: Unter denen, die von Frauen geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; wer jedoch der Kleinste ist im Reich der Himmel, ist größer als er.

Mt 11, 9ff.

Malachias, Figur am Hauptportal des Doms zu Verona (Bild: WikiCommons, Wolfgang Sauber)

PS: Vers 2 aus Maleachi 3 hat  G.F. Händel, der große mitteldeutsche Komponist 😉 , im ‚Messias‘ vertont:

„ But who may abide the day of His coming“

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 11, Sacharja 13

In die illa erit fons patens domui David et habitantibus Jerusalem, in ablutionem peccatoris et menstruatæ.

Framea, suscitare super pastorem meum, et super virum cohærentem mihi, dicit Dominus exercituum: percute pastorem, et dispergentur oves : et convertam manum meam ad parvulos.

An jenem Tag wird ein Quell eröffnet sein für das Haus David und für die Einwohner von Jerusalem, abzuwaschen Sünde und Unreinheit.

Schwert, erwache gegen meinen Hirten, gegen den Mann, der zunächst ist! spricht der Herr der Heerscharen. Schlage den Hirten, und die Schafe werden sich zerstreuen; und ich will meine Hand den ‚Kleinen‘ und Geringen zuwenden!

Sach 13, 1.7

 

Et hymno dicto, exierunt in montem Oliveti.

Tunc dicit illis Jesus : Omnes vos scandalum patiemini in me in ista nocte. Scriptum est enim : Percutiam pastorem, et dispergentur oves gregis.

Nachdem der Lobgesang gesprochen war, gingen sie zum Ölberg hinaus.

Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet es in dieser Nacht erleiden an mir Anstoß zu nehmen; Geschrieben ist nämlich: Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde zerstreuen.

Mt 26, 30-32

Ad Jesum autem cum venissent, ut viderunt eum jam mortuum, non fregerunt ejus crura,

sed unus militum lancea latus ejus aperuit, et continuo exivit sanguis et aqua.

Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,

sondern einer der Soldaten öffnete mit der Lanze seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus.

Joh 19, 33f.

Et ostendit mihi fluvium aquæ vitæ, splendidum tamquam crystallum, procedentem de sede Dei et Agni.

Und er zeigte mir einen Strom, das Wasser des Lebens, klar wie Kristall; er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus.

Offb 22,1

Sacharja (Zacharias) Michelangelo, Sixtina (Bild: Wikipedia, Immanuel Giel)


 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 10, Haggai 2

In die illa, dicit Dominus exercituum, assumam te, Zorobabel, fili Salathiel, serve meus, dicit Dominus : et ponam te quasi signaculum, quia te elegi, dicit Dominus exercituum.

An jenem Tag, spricht der Herr der Heerscharen, werde ich dich, Serubbabel, Sohn Schealtiels, meinen Knecht, spricht der HErr nehmen und dich wie einen Siegelring machen; denn dich habe ich erwählt, spricht der Herr der Heerscharen.

Haggai 2, 24 [23]

Liber generationis Jesu Christi filii David, filii Abraham.

Abraham genuit Isaac. Isaac autem genuit Jacob. Jacob autem genuit Judam, et fratres ejus.

Et post transmigrationem Babylonis : Jechonias genuit Salathiel. Salathiel autem genuit Zorobabel.

Eliud autem genuit Eleazar. Eleazar autem genuit Mathan. Mathan autem genuit Jacob.

Jacob autem genuit Joseph virum Mariæ, de qua natus est Jesus, qui vocatur Christus.

 

Geschlechtsregister Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.

Abraham zeugte den Isaak; Isaak zeugte den Jakob; Jakob zeugte den Juda und seine Brüder […]

Nach der Wegführung nach Babylon zeugte Jechonja den Schealtiel; Schealtiel zeugte den Serubbabel […]

Eliud zeugte den Eleasar; Eleasar zeugte den Mattan; Mattan zeugte den Jakob

Jakob zeugte den Joseph, den Mann der Maria, von welcher Jesus geboren ist, der Christus genannt wird.

Mt 1, 1f.12.15f.

 

„Quasi signaculum“: Der Davide Serubbabel [Zorobabel] erhielt den Siegelring als Symbol der königlichen Autorität.

Haggai, Schedelsche Weltchronik, 1493 (Bild: WikiCommons)

 

 

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 9, Zefanja 1

Et erit in die illa dicit Dominus vox clamoris a porta Piscium et ululatus a secunda et contritio magna a collibus

Ululate habitatores pilae conticuit omnis populus Chanaan disperierunt omnes involuti argento

An jenem Tag, spricht der Herr, wird ein Geschrei vom Fischtor her erschallen und ein Geheul vom zweiten Stadtteil her und ein großes Krachen von den Hügeln her.

Heult, ihr Bewohner des ‚Mörsers‘ [niedrig gelegener Teil Jeruslaems]! Denn das ganze kanaanitische Krämervolk ist vernichtet, alle Geldwechsler [LXX: „die vom Geld angetrieben sind“] sind ausgerottet.

Zef 1, 10f.

Et intravit Iesus in templum et eiciebat omnes vendentes et ementes in templo, et mensas nummulariorum evertit et cathedras vendentium columbas,

Et dicit eis: „Scriptum est: „Domus mea domus orationis vocabitur“. Vos autem facitis eam speluncam latronum“

Jesus ging in den Tempel und trieb alle Händler und Käufer aus dem Tempel hinaus; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um

und sagte: In der Schrift steht [Jer 7,11]: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.

Mt 21,12f.

Zefanja, frz. Buchmalerei, Valenciennes, 16. Jh. (Bild: WikiCommons, Racconish)


 

 

Der Dominoeffekt, Ein Schafsketchlet zum zweiten Advent

Der Dominoeffekt

Ein Sketchlet für vier Schafe und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, die Schafweide. Die Herde wirkt lustlos, manche lungern herum, andere schlafen oder grasen, manche vertreten sich ein bißchen die Füße. Blütenweiß tritt an die Gruppe um Wolle, Flocke und Kohle heran.

Blütenweiß: Du, Wolle?

Wolle (träge): Hm?

Blütenweiß: Warum werden wir heute nicht zur Kirche abgeholt?

Wolle: Weil wir da nicht mehr gebraucht werden.

Blütenweiß: Nicht mehr gebraucht? Aber wir sind doch die ‚Bischäflichen Hilfskräfte‚  und wärmen dem Orgelprofessor die Füße, wenn er sechs Stunden am Stück unterrichtet. Das weiß doch jedes Lämmchen!

Wolle: Hat sich ausgewärmt.

Blütenweiß: Aber warum?

Wolle: Weil der Professor jetzt im Winter gar nicht mehr spielt.

Blütenweiß: Auch nicht mehr freitags?

Wolle: Auch nicht mehr freitags.

Blütenweiß: Und nicht mehr dienstags?

Wolle: Und nicht mehr dienstags!

Blütenweiß: Aber das steht doch sogar in den Veranstaltungsprogrammen der Hochschule! Das war ganz fest ausgemacht!

Wolle: Tja! Ist dem Pfarrer doch egal.

Kohle (grunzt): Oder Corinna.

Blütenweiß: Was hat denn Corinna damit zu tun?

Wolle, Flocke und Kohle: Blütenweiß!!!

Flocke: Das hatten wir doch nun schon!

Blütenweiß: Sag nicht, sie hat das mit der Heizung immer noch nicht geregelt gekriegt?

Wolle betrachtet geflissentlich ihren linken Huf, den sie sich vor die Augen gehoben hat, Kohle scheint sich plötzlich für den Tannenbaum auf der Weide zu interessieren und Flocke beginnt ein kleines Liedchen zu pfeifen.

Blütenweiß: Ou, nein!!! Das kann doch nicht wahr sein! Wie lange geht das jetzt schon?

Flocke: Also zwei Jahre bestimmt.

Wolle: Weil unsere liebe „Gemeindeleitung“ sich mit der Heizsituation taub oder quer stellt, können die Professoren nicht unterrichten …

Flocke: … und der Professor in den Zwischenstunden nicht die Messen vorbereiten – registrieren und so.

Kohle: Und ohne Vorbereitung spielt er nicht.

Wolle: So einfach ist das.

Flocke: Hat ja nun lange genug Geduld gehabt.

Kohle: Und deshalb dürfen wir auch nicht mehr zur Kirche fahren und bei den Übungen zuhören.

Wolle (traurig): Das war immer soooo schön! (Sie singt): „Es ist der Herr stark und määäääää …“

Kohle: Wolle! Bitte!

Wolle (pikiert): Es gibt wohl kaum ein Schaf auf dieser Weide, das mehr Freude an guter Musik hat als ich …

Flocke: … und wenn dir nur etwas Förderung zuteil geworden wäre, wäre eine große Musikerin aus dir geworden, ich weiß!

Kohle (zu Wolle): Hallo Lady Catherine de Bourgh!

Wolle: Pfff!

Blütenweiß: Hört auf mit dem Quatsch! Es ist ernst! Soll das heißen, unter dem Starrsinn unserer „Gemeindeleitung“ leiden jetzt nicht nur die Professoren und die Studenten, sondern immer mehr auch alle Schafe?

Kohle (resigniert): Du hast es erfaßt!

Flocke (nüchtern): Klassischer Dominoeffekt.

Kohle: Aber sei getrost …

Flocke: … „[…] Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.“ (Am 8,7)

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf und drumherum! Ob es in Weimar besser ist? Oder wird? Wir werden sehen!

PS:

Wer sich in die literarische Anspielung vertiefen will, hier ist die Szene aus Jane Austens Pride and Prejudice

Und hier der Text:

„What is that you are saying, Fitzwilliam? What is it you are talking of? What are you telling Miss Bennet? Let me hear what it is.“

„We are speaking of music, madam,“ said he, when no longer able to avoid a reply.

„Of music! Then pray speak aloud. It is of all subjects my delight. I must have my share in the conversation if you are speaking of music. There are few people in England, I suppose, who have more true enjoyment of music than myself, or a better natural taste. If I had ever learnt, I should have been a great proficient.

Den man u.a. hier nachlesen kann. 🙂

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 8, Marien-Special (zugleich ein Sonntagmorgen voller guter Laune)

Bekanntlich freut sich der katholische Blogger als solcher ja viel lieber, als zu mäkeln (auch wenn das nicht alle glauben, die armen! 🙂 ) – wir kommen nur so häufig nicht dazu… 😉

Aber heute gab es reichlich Anlaß nach einem richtig schönen lateinischen Choralhochamt mit tüchtig inhaltsreicher Predigt und weiten Teilen der Liturgie ebenfalls in Latein; Herzlicher Dank an den Zelebranten und ebensolcher Dank an die Schola!

So recht ein Gottesdienst nach dem (wahren!) Willen der Väter des letzten Konzils: ‚Keine Hl. Messe (ganz) ohne Latein‘. Und es war proppenvoll…

Nebenbei: Ob sich so jeder klarmacht, was das für ein ulkiger Zustand ist, der da durch die de-facto Weigerung der deutschen Bischöfe, die klare Ansage von Papst Benedikt, in den Kelchworten doch nun endlich auch auf deutsch „für viele“ [vergossen] zu sagen eingetreten ist? Denn auf Latein heißt es natürlich (wie schon immer) „pro multis“ [effundetur]. Das ist doch krank, durch diesen Ungehorsam die Einheit des Erlebens des gläubigen Volks zu zerreißen; halten die die Leute eigentlich für so blöd?

Aber bevor wir uns doch wieder ärgern müssen, schnell noch ein Dank für das passend zum heutigen Marienfest ausgesuchte Schlußlied „Ave Maria, klare [GL 581], wo es in der zweiten Strophe ja so schön heißt: „Ohn Sünd bist Du empfangen, wie Dich die Kirche ehrt“.

Ja, genau!

Und aus lauter guter Laune hier noch ein bildliches Special zum Tage, das sich gut in den Dodekapropheton-Adventskalender fügt.

Es ist ein Ausschnitt aus dem Deckenfresko in der Klosterkirche zu – nein, halt, das wird noch nicht verraten, das kommt nämlich noch in ganzer Schönheit zum Abschluß des ganzen Vorhabens!
(Wer es aber jetzt schon weiß, der erhält, wenn er es uns per Kommentar mitteilt, zum Ende des Advents ein illustriertes und von der Autorin signiertes Exemplar der diesjährigen Advents-Schaf-Sketchlets! 😉 )

Maria, Regina Prophetarum, ora pro nobis!

Maria Regina Prophetarum (eigenes Bild)

 

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 8, Habakuk 2

Quia lapis de pariete clamabit et lignum quod inter iuncturas aedificiorum est respondebit

Vae qui aedificat civitatem in sanguinibus et praeparat urbem in iniquitate

Ja, der Stein wird aus der Mauer heraus schreien und der Balken im Holzwerk ihm antworten.

Wehe dem, der Städte mit Blut baut und Ortschaften auf Ungerechtigkeit gründet!

Hab 2, 11f.

Et quidam Pharisaeorum de turbis dixerunt ad illum magister increpa discipulos tuos

Quibus ipse ait dico vobis quia si hii tacuerint lapides clamabunt

Und einige von den Pharisäern in der Volksmenge sprachen zu ihm: Meister, weise deine Schüler zurecht!

Und er antwortete ihnen und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schwiegen, würden die Steine schreien.

Lk 19, 39 f.

Habakuk (mit Stein!), griech. Ikone (Bild: WikiCommons, Jojojoe)


Und weil heute ein Marienfest ist (das aber wieder einmal “ausfallen muß”, weil es ein Sonntag ist, vgl. dazu hier), deswegen, zur Feier des Tages, hier noch einige Zeilen aus dem Magnificat, die deutlich machen, wie sehr auch die Mutter des HErrn, die ja wohl eben gerade keine „Frau aus dem Volke“ im Sinne von Unbildung war, im Bewußtsein der Kontinuität des Heilshandelns lebte

Et ait Maria magnificat anima mea Dominum

Et misericordia eius in progenies et progenies timentibus eum

Suscepit Israhel puerum suum memorari misericordiae

Sicut locutus est ad patres nostros Abraham et semini eius in saecula

Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn

Seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten.

Er nimmt seinen Knecht Israel an und denkt an sein Erbarmen,

wie er es unseren Vätern zugesagt hat, Abraham und seinem Stamm auf ewig.

Lk 1, 46+50+54f.