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Sketch des Monats Oktober: Der Pritschenwagen

Sketch des Monats Oktober:

Der Pritschenwagen

Ein Sketch für fünfzehn Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide. Flocke, Wolle und Kohle, Grauchen und Blütenweiß stehen zusammen und grasen. Des Herbstes letzte warme Tage tauchen die Weide hinter rotgold gefärbten Bäumen in ein bezauberndes Licht.

Alles ist friedlich und still.

Da kommen Fixi und Huf mit ihren Rucksäcken und einem Riesengeschrei über den Hügel gestürmt und kippen den älteren Schafen einen Haufen Zeitungsausschnitte vor die Nase.

Huf (in einem Ton, der keinerlei Widerspruch duldet): Jetzt aber!!!

Wolle (blickt auf): Hallo erstmal! – Um was geht’s?

Fixi (triumphierend): Hallo! Diese Bildtafeln aus Neuzelle da sind fertig!

Huf: Worauf wir die ganze Zeit gewartet haben!

Flocke (ist herangekommen und hat sich mit Nase und Hufen einen Artikel zurechtgestupst): „Europaweit einmalig. Barocke Passionsdarstellungen von Neuzelle erhalten eigenes Museum“.

Blütenweiß (hoppelt heran): Das ist ja wunderbar, dann können wir ja endlich fahren!

Fixi (stolz): Yep!

Huf: Was dachtet ihr denn, warum wir so einen Wind machen?

Flocke (überfliegt den Artikel, mit Begeisterung): „… europaweit einzigartige barocke Kulissentheater von Leidensweg und Auferstehung … Neuzelle … weitgehend restauriert. … Ab 20. März 2015 können zwei Passionsszenen im Kutschstall des früheren Zisterzienserklosters … besichtigt werden.“

Grauchen (unternehmungslustig): Aber das ist ja phantastisch!

Fixi und Huf: Na klar! – Das sagen wir doch!

Blütenweiß, Grauchen, Fixi und Huf (springen wie wild durcheinander, singend): Wir werden nach Neuzelle fahrn, wir werden nach Neuzelle fahrn!

Weitere Schafe kommen neugierig hinzu und schließen sich schnell dem ausgelassenen Treiben an. Nur Wolle, Flocke und Kohle werfen sich vielsagende Blicke zu und bleiben seufzend abseits stehen.

Grauchen (völlig außer Atem, unterbricht kurz seinen Freudentanz, im Guter-Dinge-Tonfall): Hey, ihr Drei! Warum sagt ihr nichts?

Kohle (verzieht das Gesicht): Also …

Wolle (druckst rum): … wir wollen euch ja nicht den Spaß verderben, aber …

Flocke (läßt die Bombe platzen): … der Pritschenwagen ist weg!

Mit einem Schlag herrscht Totenstille. Die Schafe blicken sich völlig verdattert nach der kleinen Gruppe um.

Blütenweiß (nach einer Weile, ungläubig): Was?

Flocke (ruhig): Ich sagte: Der Pritschenwagen ist weg!

Grauchen: Wie – weg?

Kohle: Weg eben.

Ein Schaf (orientierungslos): Wie – weg? Wie sollen wir denn ab jetzt zum Krippenspiel in die Stadt kommen?

Flocke: Öh – per Anhalter?

Ein anderes Schaf (empört): Sehr witzig! Und wer nimmt eine ganze Schafherde per Anhalter mit?

Ein drittes: … und bringt sie zum nächsten Chorwettbewerb?

Ein viertes (in Aufruhr): Und sollen unsere Lämmchen jetzt etwa per Anhalter in die Bibliothek fahren?

Ein fünftes: Und wie kommt Tatze zur Messe?

Ein sechstes: Und was heißt überhaupt „weg“?

Ein siebentes? Ist er geklaut worden?

Ein achtes: Oder ist nur das Benzin alle?

Ein neuntes (mit ironischer Distanz): ‚Wer hat aus meinem Pritschenwagen getrunken?‘

Ein zehntes (ärgerlich zum neunten): Kannst du nie mal ernst bleiben?

Kohle: Neinein, der Pritschenwagen, der uns immer gute Dienste geleistet hat, ist wirklich weg. Man sagt, das müßten wir nicht verstehen.

Huf (patzig): Tu ich auch nicht!

Das dritte Schaf: Äh – wurde da mal irgendwas kommuniziert? So von offizieller Seite?

Kohle: Öh – nö! Von offizieller Seite nicht …

Wolle: … aber angeblich war er alt.

Flocke: Ich hab unter sechs Augen gehört, er wurde nach Berlin verschenkt.

Wolle (guckt Flocke irritiert an): Nach Sachsen verkauft!?

Flocke (guckt zurück): Nach Berlin verschenkt!

Wolle (beharrlich): Nach Sachsen verkauft!

Fixi: Ey, sagt mal, wollt ihr uns [es folgt ein jugendsprachlicher Kraftausdruck für „auf den Arm nehmen“]?

Kohle: Nein, Fixi. Es ist so, wie wir sagen.

Huf: Aber was sagt ihr denn? Die eine so, die andere so.

Wolle: Das verstehe ich auch nicht. Flocke, wo hast du das mit Berlin her?

Flocke: Von Tatze.

Kohle: Hm. Der ist quasi ein Hauptamtlicher. Muß es eigentlich wissen.

Wolle: Und ich hab meine Info direkt von Tina. Die sollte es ja wohl auch wissen.

Grauchen: Aber das ergibt doch keinen Sinn! Corinna verschenkt nichts! Nicht Corinna! Das glaub ich einfach nicht!

Blütenweiß: Und wenn eine sächsische Herde ihn uns noch abkauft, kann er ja nicht zu alt zum Fahren gewesen sein …

Das sechste Schaf: … sonst wär‘s ja wie mit den abgelaufenen Medikamenten in die dritte Welt …

Das fünfte Schaf: … so etwa!

Grauchen (in Kriegsratstimmung): Ich finde, das schreit nach Aufklärung!

Blütenweiß (ganz ungewohnt direkt): Das find ich auch! Da ist doch schon wieder irgendwas faul!

Wolle: Aber wer könnte uns helfen?

Flocke (nach kurzem Nachdenken): Richard und Edith. Oder Hannah und Karl. Oder Silke.

Kohle: Stimmt. Eigentlich gibt es genügend Leute, die das Herz am rechten Fleck haben.

Blütenweiß: Aber wie kommen wir an die ran?

Grauchen: Jetzt, wo der Pritschenwagen weg ist? Wir sind ja quasi immobil …

Das vierte Schaf: … und können übrigens, wenn wir nicht mehr gemeinsam durch die Gegend karriolen, auch nicht mehr für das Herdendasein Reklame machen.

Das zweite Schaf: Es ist ein Elend!

Das fünfte Schaf: Auf lange Sicht schadet so was der Schäferei an sich … auch den Hirten!

Das achte Schaf: Wenn sie’s nur einsehen würden!

 

Ach ja! Die armen Schafe. Da stehen sie nun mit der niederschmetternden Nachricht und wissen sich keinen Rat. Die Nachmittagssonne beginnt, sich hinter den Baumwipfeln zu verstecken. Kühl ist es geworden auf der Wundersdorfer Weide. In Gruppen stehen die kleinen Rasenmäher und grübeln vor sich hin.

Da blitzt das Herbstlicht durch das schüttere Laub und lenkt seinen milden Strahl Kohle direkt ins Gesicht. Kohle blickt auf und schaut einen Moment lang in goldenes Licht.

Kohle (mit einer plötzlichen Eingebung): Schafe!! Wie dumm wir sind! Wir haben doch so mächtige Hilfe!

Alle drehen sich nach Kohle um und machen ein neugieriges Gesicht.

Kohle: Wir werden BETEN!!! Unsere Kirche heißt nicht umsonst Maria hilf!

Die Schafe (durcheinander): Ja-a-a-a! – Wie waren wir kleingläubig! – Laßt uns etwas Schönes singen! – Wir bitten die Muttergottes um Beistand!

Fixi: Das Neuzeller Wallfahrtslied!

Die Schafe (stellen sich in Chorformation auf und beginnen nach Fixis Dirigat mit den getragenen Strophen): Maria, Mutter, Friedenshort … wenn deine Hand die Schatten hebt, wird uns ein Fest der Gna-a-a-a-den ta-a-a-agen!

Kohle (während die anderen singen, für sich): Aber publik muß es auch werden! (grimmig) Das ist der Moment, wo sich das Schaf vom Surfer trennt …

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu, auf der Weide bei Wundersdorf!
Aber was Kohle da nur gemeint hat?
Und ob nur dort urplötzlich Fahrzeuge verschwinden?

Bleiben Sie dran! 🙂

 

 

Wall of shame I, 4 Kinderschola

1008 Tage seit der aus der Kinderschola der katholischen Pfarrei Herz-Jesu Weimar hervorgegangene Christliche Kinderchor Cäcilini nicht mehr die Besucher katholischer Gottesdienste erfreuen kann, weil der Pfarrgemeinderat gedungen wurde festzustellen, dabei handele es sich nicht um „Kinderseelsorge im Sinne der Pfarrei“.
Aktuell gibt es auch deswegen in der Pfarrei überhaupt keinen festen Kinderchor mehr.

Manche Sachen gibt’s immer noch nicht –Zwischenruf Teil 2

Es gibt Anlaß, auf unseren vorgestrigen „Zwischenruf“ zu den Umständen des Abhandenkommens und der Wiederauffindung „unserer“ Otto-Neururer-Reliquie noch einmal zurückzukommen, erfreulichen Anlaß sogar!
Naja, vorwiegend erfreulichen Anlaß.

Wir hatten ja u.a. kritisch bemerkt, daß immer wieder vom Reliquiar die Rede war und einem ominösen „ideellen Wert“, aber nicht von dem, worum es eigentlich geht, der Reliquie selbst. In eine ähnliche Richtung ging auch ein Kommentar vom Kollegen J.N. bei Kirche Kreuz und Kreuzkümmel (hier):

„So ein Klau passierte vor drei Jahren [auch] in meiner Heimatgemeinde. Aber der Pastor meinte nur, daß das Reliquiar ja nicht viel wert gewesen sei – alles halb so schlimm… – oder so ähnlich.“

Scheint, als hätte man auch andernorts Probleme, angemessen katholisch zu formulieren, bzw. zu empfinden!

Aber inzwischen hat sich hier bei uns der Rektor der Pfarrkirche der Thüringer Allgemeinen gegenüber in einer Art und Weise geäußert, die der Sache angemessener scheint, schauen Sie hier, was er für Worte gefunden hat!

Soweit der erfreuliche Teil.

Daß aus dem Reliquiar dann in der Überschrift der Zeitung auf einmal das „Bonifatius-Kreuz aus Schöndorf“ (!) wurde, ist vermutlich nur wieder einmal der hierzulande verbreiteten mangelhaften Kenntnis in nahezu allen kirchlichen Dingen geschuldet…
Nach PuLa vorliegenden Informationen handelt es sich übrigens bei dem Reliquiar ursprünglich um eine Monstranz aus den 30er oder 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, was auf den ersten Blick stilistisch passen würde und auch den immer wieder betonten „geringen materiellen Wert“ zu erklären hülfe.

Den Kopf geschüttelt haben wir dann allerdings wieder angesichts der Aussage, „natürlich“ stehe man dazu, den Finder mit den ausgelobten 1.000 € zu belohnen, jedoch habe man M. Paech noch nicht kontaktiert, sondern „warte erst einmal, bis die Polizei den Fall abgeschlossen hat“.
Wie jetzt? Hat er es nun gefunden oder nicht? Und was haben denn die polizeilichen Ermittlungen damit zu tun? Wann die wohl abgeschlossen sein werden? Manche Kriminalfälle ziehen sich jahrelang hin, oder?
Merke: Wenn jemand etwas verdient hat, hat er es verdient, egal, ob er in anderem Zusammenhang u.U. auch noch Geld von einem erhält!
Ob da wohl im Hintergrund mal wieder jemand „tüchtig sparen“ will? Oder doch „bloß“ Kirchen noch fester verschlossen halten möchte? (vgl. hier)

 

PuLa bleibt für Sie dran.

Herzlichen Glückwunsch! oder: Sachen gibt’s, die gibt’s nicht. Ein Zwischenruf

Am Freitag, 26. September (vermutlich) verschwand ein Behältnis mit einer Reliquie des sel. Otto-Neururer,  kreuzförmig, mit der Aufschrift „Ich fürchte mich nur vor einem, nämlich vor dem Richterstuhl Gottes“, aus der St. Bonifatius-Kirche in Weimar-Schöndorf. Obwohl das Reliquiar dort an einer Steinplatte festgemacht war – stellen Sie sich das mal vor.
Jaja: So kann‘s gehen, wenn Kirchen nachmittags einfach für alle zugänglich sind …  Wie weise ist da doch im Vergleich das Vorgehen in Herz-Jesu, unserer Hauptkirche, die nach dem Sonntagsgottesdienst immer so schnell schon wieder abgesperrt wird, daß regelmäßig die Gemeindemitglieder, die sich nach der Messe draußen noch ein wenig unterhalten, Zeugen werden, wie Touristen an der verschlossenen Kirchentür ruckeln.

Aber zurück zu unserem Fall: Das Behältnis war weg, seit dem 26. September (vermutlich), aber man hörte das ganze folgende Wochenende nichts von dem Vorfall, obwohl sich anläßlich des Kirchweihfestes unserer Hauptkirche alles Volk in der Herz-Jesu-Kirche tummelte und ja immerhin nicht jeden Tag Reliquien verschwinden! Hätt‘ man ja nach der Messe mal einen Ton sagen können … Wird ja auch sonst alles mögliche kommentiert. Allein man las von dem Vorfall erst am nachfolgenden Dienstag in der Lokalzeitung, hier.

Als das kleine Kreuz (15×30 Zentimeter) mit kreisförmigem Behältnis  – von, wie immer wieder betont  wurde, geringem materiellen, aber hohem „ideellen“ Wert – nicht sofort wieder auftauchte, schwang die Gemeindeleitung sich zur Aussetzung einer Belohnung in Höhe von 1.000 Euro auf. So. Und wissen Sie, wer diese 1.000 Euro jetzt bekommen soll? Ausgerechnet der auch auf unserem Blog schon bekannte Photograph Michael Paech (vgl. hier). Das ist doch wohl irre, freut uns außerordentlich und wir gratulieren ganz herzlich! Ihm zur Belohnung und, vor allem, uns, zur glücklichen Wiederauffindung!

Aber damit noch nicht genug der Kuriositäten: Sie werden nicht glauben, wo Herr Paech das Reliquiar fand: in der evangelischen Jakobskirche in der Weimarer Altstadt, einem der touristisch höher frequentierten Orte unseres Städtchens aufgrund der auf dem historischen Kirchhof bestatteten Berühmtheiten (Cranach d.Ä., Frau Herder, Frau Goethe vulgo „die Vulpius“ etc., hier. Da lag oder stand – wo genau, darf noch nicht verraten werden von wegen der Ermittlungsarbeit – „scheinbar achtlos abgesetzt“, wie die TLZ am vergangenen Samstag festhielt, das gesuchte Stück.

Also, Sie können sagen, was Sie wollen: Da muß doch jemand ein schlechtes Gewissen bekommen haben! Am Sonntag zuvor war von dem Fall nämlich auch noch bei „Kripo live“ im mdr-Fernsehen berichtet worden, hier. Dort hieß es zwar, das Kreuz sei erst drei Tage später, am 29.9., verschwunden (was auch erklären würde, warum der Pfarrer am 28.9. seinen Schreck über den gemeinen Diebstahl noch nicht mit seinen Schäfchen hatte teilen können, obwohl das Reliquiar doch für die Gemeinde einen so irre hohen ideellen Wert hat) – aber unser Dieb, sage ich Ihnen, der wird schon gewußt haben, daß es sich um seine Missetat handelt! Journalisten können schließlich auch nur aufarbeiten, was man ihnen mitteilt, und man kann als überlastete Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit und alles andere (Sie wissen schon: „Es macht ja sonst keiner…“) ja auch mal durcheinander kommen.

Der Dieb jedenfalls hat wahrscheinlich ferngesehen, Angst bekommen, sich den Spruch auf dem Diebesgut durchgelesen, vor dem Richterstuhl Gottes  ebenfalls Angst bekommen und das gestohlene Reliquiar klammheimlich im Laufe der Woche in einer offenen Kirche abgestellt. Also manchmal ist es ja dann doch auch wieder gut, wenn Kirchen einfach so offen und für alle zugänglich sind, nicht wahr?, sonst hätte der Dieb ja gar nicht gewußt, wohin. Und Herr Paech hätte seine Vermutung, daß es sich um unser Reliquiar handelt, gar nicht so ohne weiteres überprüfen können. Er hat es nämlich wohl erstmal in aller Ruhe fotografiert und das Bild dann in der Zeitungsredaktion mit dem Foto des Artikels verglichen, in dem das Kreuz als gestohlen gemeldet wurde. Und dann wahrscheinlich die Polizei alarmiert und als sie in die Jakobskirche (zurück-) kamen, war die Kirche immer noch offen und das Reliquiar immer noch da. Obwohl es „achtlos abgestellt schien“ und nicht befestigt war.

Sachen gibt’s, die gibt’s nicht. Und je phantastischer die Informationen werden, desto neugieriger wird man ja, zu erfahren, was eigentlich wirklich passiert ist, an jenem 26. oder 29. September 2014 zwischen 14.30 und 19.00 Uhr, als die Schöndorfer Kirche für jedermann zugänglich war. Wo das Reliquiar für die Gemeinde doch einen so hohen ideellen Wert hat!

Cornelie Becker-Lamers

Tja, schon eigentümlich, die Umstände um diesen Kriminalfall, oder? Aber auf jeden Fall freut sich PuLa natürlich erst mal von Herzen mit, daß die Reliquie bald (erstmal ist sie ja noch bei der Polizei, und die Staatsanwaltschaft muß sie nach Abschluß der Ermittlungen dann erst wieder freigeben), daß die Reliquie also bald wieder da ist, wo sie hingehört! Wohlgemerkt, die Reliquie, von der in der ganzen Berichterstattung auffällig wenig die Rede gewesen ist, im Vergleich zu ihrem Behältnis. Vielleicht hätte man auch mal erwähnen können, daß es hier um einen geistlichen Schatz ging, der Gegenstand der Verehrung ist, aber (katholisch) formulieren ist halt Glückssache…

Übrigens, so für die Leser außerhalb Weimars: Für den Ort in der Bonifatiuskirche, an dem des seligen Otto Neururer und anderer Märtyrer im Zusammenhang mit dem KZ Buchenwald gedacht wird, wurde natürlich mal wieder was umgebaut. Das erfuhr die Gemeinde genauso nachträglich wie den Diebstahl des Reliquiars. Etwas mußte für die Gebetsecke weichen, was den Raum ebenfalls als katholischen auswies: ein Beichtstuhl aus der Bauzeit nämlich 🙁 Ob der für die Gemeinde nicht auch einen hohen ideellen Stellenwert hatte? Aber das ist wieder eine andere Geschichte …

"Ich war ein Beichtstuhl", Gedenkort für O. Neururer und M. Spanlang (noch ohne Reliquiar; eigenes Bild)

„Ich war ein Beichtstuhl“, Gedenkort für O. Neururer und M. Spanlang (noch ohne Reliquiar; eigenes Bild)

Strömet zuhauf! Abstimmung für die Schwester-Robusta-Awards läuft

Jetzt ist es soweit, die Abstimmung zu den Schwester-Robusta-Awards 2014 hat begonnen!

Sie findet statt auf dem „totaliter-aliter“, dem Blog des hw. Herrn Alipius, bitte hier entlang.

Man kann dort alle Blogs noch einmal anschauen und mit einem Klick auf die jeweilige Kategorie kommt man zur Abstimmungsseite derselben.

PuLa hatte ja über die Nominierungsphase schon kurz berichtet (hier). Nun gibt es bis zum 15. November nochmals die Gelegenheit, einen sehr reizvollen Querschnitt deutschsprachiger Blogs kennenzulernen aus der Blogoezese und ihrem Umfeld; ich will auch selbst den ein oder anderen nochmal näher ins Auge fassen, denn nicht überall stehen meine Favoriten schon fest.

Daher: Viel Vergnügen und gutes Abstimmen!

Die Abholung, oder: Schafe blöken dich an

Oweia! Das kommt davon, wenn man im Urlaub so entspannt vor sich hin bloggt und darüber ein wenig die Disziplin hinsichtlich der bloginternen Verlinkung ins Hintertreffen gerät…

Heute früh (also, nach Urlaubsmaßstäben – nicht „vor dem Aufstehen“ 😉 ) rief doch tatsächlich Kohle, das allen treuen Lesern wohlbekannte schwarze Schaf von der Wundersdorfer Weide, hier in Dalmatien an und, ja und blökte tüchtig in den Hörer, was uns eigentlich einfiele, von dem gestrigen Beitrag aus nicht auf den sinnverwandten Eintrag über den „Wallfahrtsplan“ der Schafe zu verlinken?! Bloß mal gut, daß er wegen der höheren Gebühren dann doch schnell wieder auflegte. 🙂

Dieser Kohle! Irgendwie habe ich das Gefühl, wir werden in nächster Zeit noch mehr von ihm hören; er klang, als hätte er mächtig Oberwasser.

Aber wie dem auch sei: Recht hat es, das gute Tier! Lesen Sie also bitte im Anschluß an den Beitrag von gestern zu der Thematik des „Abholens“ unbedingt noch einmal:

Der Wallfahrtsplan

Ein Sketch für vier Schafe, ein Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

„Wenn wir die Menschen dort abholen, wo sie sind,

müssen wir aufpassen, daß wir nicht bleiben, wo sie sind.“
(Bischof Klaus Küng, St. Pölten, Österreich)

Dieses wunderbare Zitat schließt nahtlos an den Beitrag von gestern an, denn der Blog auf dem es erschienen ist, ist ebenfalls in der Kategorie „Trägheit“ nominiert.

Es handelt sich um die „Habichtsburg, Private Überlegungen eines Katholiken“ (hier), betrieben von Eduard Habsburg-Lothringen. Jaja, genau die Familie; wie er selbst einmal in einem Interview gesagt hat, wäre vor 100+ Jahren die korrekte Bezeichnung „Erzherzog Eduard“ gewesen – und ich finde die österreichische Adelsphobie, die den Familiennamen des „von“ entkleidet hat, ja albern, aber sei’s drum.

Der Beitrag jedenfalls, aus dem das wunderbare Zitat stammt, das ich oben wiedergegeben habe (hier), stellt sozusagen den blogoezesanen Abschied Eduard Habsburgs von seiner 5-jährigen Tätigkeit als Medienreferent in der Diözese St. Pölten dar (daher auch „Private Überlegungen“ im Blogtitel!) und die Gedanken, die er dort äußert zu der Frage, welchen „Unterschied der Bischof macht“, lohnen den Blick dorthin sehr und lassen allein schon die Nominierung (die ja eben keine Beschimpfung darstellt, sondern nur heißt: „Bitte mehr!“) leicht nachvollziehen!

Ich habe mich außerdem besonders gefreut über den Beitrag vom Sonntag „Familiensynode: Bitte das Kleingedruckte lesen“, der einmal mehr an einem konkreten Beispiel herausarbeitet, wie ständig Äußerungen von Papst Franziskus in der medialen Darstellung verfälscht werden (hier). PuLa hatte da ja vor einiger Zeit auch schon einmal einen kleinen Text untersucht (hier).
Ganz ehrlich: Ich verstehe jeden, der bei einem oberflächlichen Blick in die Blogoezese denkt: „Was die nur immer haben mit ihrer Schimpferei auf das, was sie die ‚Mainstream-Medien‘ nennen; soo schlimm kann’s doch gar nicht sein.“ Ja, ich verstehe das. Aber wenn Sie selber wieder und immer wieder erlebt haben, was da wirklich passiert, wenn Sie sich das selber erarbeitet haben (teils ziemlich mühsam erarbeitet haben), dann, das verspreche ich Ihnen, kommen Sie auch ziemlich bald zu dem Ergebnis, wie wir es hier schon verschiedentlich formuliert haben: ‚ Glauben Sie nichts, einfach nichts, was Sie nicht selbst am autorisierten Originaltext überprüft haben!‘ Wer das für ein trauriges Fazit hält, dem will ich nicht widersprechen, aber das hilft nun einmal nichts.

Übrigens: Ich hatte ja vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, daß und warum ich von den sog. „Sozialen Netzwerken“ Twitter gut leiden kann (hier). Das ist nach wie vor so. Inzwischen habe ich auch schon Kolleginnen zum Mitzwitschern bewegt: Here’s looking at you @Frischer_Wind  😉
Als @GGLamers habe ich es dort inzwischen zu ca. 150 sog. ‚Followern‘ gebracht,  auch E. Habsburg (@EduardHabsburg) und ich ‚folgen uns gegenseitig‘, daher komme ich jetzt drauf), was nicht so arg viel erscheint, aber es reicht gelegentlich für einen Retweet seitens mehrerer Mit-Twitterer, der dann auch schon mal etliche hundert bis ein paar tausend Leute erreicht (und vor kurzem gab’s gar eine Erwähnung [ein #ff sogar!] an schlappe 11.500 weitere User (danke, @Marc_Lueger 🙂 )

Tja, soll mal bloß keiner sagen, die Situation in der mitteldeutschen Diaspora interessiere außerhalb ihrer selbst niemanden, o doch, das tut sie… 😉

 

Wow! Diesjährige Nominierungen für den Schwester-Robusta-Award

Auch wenn ich glaube, daß ihr Bekanntheitsgrad inzwischen ganz erheblich ist, hier noch einmal in Kürze: Die „Schwester-Robusta-Awards“ sind DIE Auszeichnung in der deutschsprachigen Blogoezese. Sie werden vom hochwürdigen Herrn Alipius auf seinem Blog totaliter-aliter (hier) organisiert und auf der Grundlage einer Abstimmung (Poll) seitens der Leser vergeben in etlichen, teils sehr launig aber immer treffend formulierten Kategorien.
Nun ist soeben die Nominierungsphase zu Ende gegangen, die Auflistung der nominierten Blogs findet man hier.

PuLa hat, wie sich regelmäßige Leser erinnern werden, im Jahr 2012 einen Sonderpreis erhalten für „das Zeugnis heroischen Kampfes in der Diaspora, der einem klarmacht, daß es noch so viel schlimmer sein könnte.“ (vgl. hier) und hat sich darüber natürlich sehr gefreut! Außerdem habe ich damals schon die Nominierung für einige Gedanken zur Behandlung liturgischer Fragen  in der mitteldeutschen Diaspora genutzt, an denen ich, ungeachtet einiger bedenklicher Tendenzen aus jüngster Zeit (vgl. hier und hier) nach wie vor festhalte und die ich daher nach wie vor Ihrer Aufmerksamkeit empfehle (hier).

Nun muß ich zerknirscht eingestehen, daß ich in diesem Jahr den Nominierungsprozeß nur sehr am Rande verfolgt habe, was sich jetzt als großer Fehler herausstellt, denn: PuLa wurde in drei Kategorien nominiert und wir wissen sozusagen vor Rührung gar nicht, wo wir hinschauen sollen! 😉

Es handelt sich dabei um die Kategorien: „Trägheit“, „Zwerchfell“ und „Großmaul“.

Diese Kategorien sind wie folgt definiert (und zwar hier):

Trägheit: Welches Blog ist so gut, daß man sich dort mehr Postings wünscht, als man bisher bekommt?

Zwerchfell: Wer hat die witzigsten Beiträge? Wer schmiedet Sprüche, die Euch wiehern lassen? Wer lädt auf kreative Art mit humorigen Texten oder Bildern zum Schenkelschlag-Marathon?

Großmaul: Wer läßt sich wenig bis nichts bieten, reißt die Kiemen so richtig auf und entgeht regelmäßig mit knapper Not dem „Das mußt Du aber auch mal christlicher sehen“-Knebel?

Mit allen drei Nominierungen können wir offenkundig mehr als gut leben… 🙂

Nun ist es so, daß die Vorschläge in den ersten beiden Kategorien öffentlich, d.h. also über den Kommentarbereich von totaliter-aliter kamen und wir danken den beiden Kolleginnen sehr, sehr herzlich!
Der Vorschlag „Großmaul“ hingegen wurde offenbar dem hw. Herrn per Email zugestellt und ich gestehe, daß mich das schon ziemlich neugierig macht 😉

Nun, das soll und wird zurecht geheim bleiben, aber eines ist klar, die Robusta-Awards sind eine wunderbare Gelegenheit, deutschsprachige katholische Blogs (und noch einiges mehr) kennenzulernen, so auf der Suche nach denen, für die man stimmen möchte. Machen Sie reichlich Gebrauch davon!

Außerdem wird PuLa darüber an dieser Stelle informieren, wenn die Abstimmungsphase begonnen hat.

PS: Gerade sehe ich: Die diesjährigen Sonderpreise wurden bereits vergeben, hier. Daß PuLa dem immer „Frischen Wind“, dem wir uns ganz besonders verbunden fühlen, auch besonders herzlich gratuliert, ist ja klar! Aber soweit ich es beurteilen kann, bin ich auch mit alle anderen Vergaben sehr einverstanden.

„Ich glaube daran“ und andere „Lieder zum Credo“

Wie sich doch die Dinge manchmal fügen: Da hatte ich gerade einen sehr interessanten Beitrag gelesen, über die rechte Art und Weise, die Hl. Dreieinigkeit in der Liturgie angemessen zu loben, der sich u.a. mit manchen „Liedern zum Credo“ auseinandersetzt, schon ergibt sich „vor Ort“ die Notwendigkeit, über dieses Thema zu sprechen.
Es deutet nämlich einiges darauf hin, daß gerade ein bestimmtes dieser Lieder aus dem „Neuen Gotteslob“ bei uns verstärkt genutzt, ja geradezu „gepusht“ werden soll.

Aber schön der Reihe nach.

Der fragliche Beitrag stammt von Prof. Ansgar Franz, einem Liturgiewissenschaftler, der im Augenblick in Mainz lehrt (vgl. auch hier). Er trägt den Titel: „Gott ist dreifaltig einer“? Das Lob des dreieinen Gottes in der Liturgie und er findet sich in der Ausgabe 3/2013 von „zur debatte“, Themen der Katholischen Akademie in Bayern, S. 13 -15 (leider nicht online, vgl. aber hier).

Das Fragezeichen im Titel deutet nun keineswegs darauf hin, der Autor könne etwa die Trinität in Frage stellen – ganz im Gegenteil durchzieht den Artikel das Bemühen, eben deren „Lob in der Liturgie“ vor „Banalisierungen“ zu schützen. Dies ist nicht der Ort, den ganzen sehr bedenkenswerten Artikel zu paraphrasieren, aber was die musikalische Seite angeht, und dies ist ein Spezialgebiet von Prof. Franz, so befaßt er sich vor allem mit diesem Lied:

„Gott ist dreifaltig einer; / der Vater schuf die Welt, / der Sohn hat uns erlö­set / der Geist uns auserwählt. / Dies glaub ich, und so leb ich / und will im Tod vertraun, / daß ich in meinem Lei­be / soll meinen Gott anschaun“

von Marie Luise Thurmaier, 1943, vormals GL 489 jetzt GL 354.

Wie jeder weiß, der in den letzten Jahrzehnten auch nur gelegentlich 😉 in der Kirche war, ein überaus gern genutztes Lied, wenn es zum Credo „mal wieder schnell gehen muß“ 🙁

Prof. Franz nun charakterisiert dieses Lied schlicht als „unangemessen“:

„Abgesehen von der grundsätzlichen Problematik dieser in Meßliedreihen zusammengestellten Lieder zum Ordinarium (Lied „zum Gloria“, „zum Cre­do“, „zum Sanctus“ etc., wo eigentlich „Gloria“, „Credo“ oder „Sanctus“ ste­hen sollten), die ursprünglich ,neben‘ den offiziellen liturgischen Texten her­liefen, heute aber an deren Stelle treten sollen, scheint dieses „Credo-Lied“ im Besonderen problematisch, da es die biblische Dynamik der Dreieinheit Gottes gründlich domestiziert und die frohe Botschaft von dem sich in drei Personen offenbarenden Gott nachhal­tig historisiert.

Die allesamt in der Vergangenheitsform gebrauchten Verbfor­men, die das Heilswirken der göttlichen Personen beschreiben („schuf“, „hat er­löset“, „[hat] auserwählt“), vermitteln den Eindruck, der Vater habe sich be­reits nach getaner Schöpfung zurückge­zogen, der Sohn habe sich nach voll­brachter Erlösung verabschiedet und auch der Geist sei, nachdem er uns ein­mal „auserwählt“ hat, nun nicht mehr wirksam.

Es ist ein grundlegender Unterschied, ob man mit dem Symbolon (also dem sog. „Großen Glaubensbekenntnis“, dem Nicäno-Konstantinopolitanum von 381, G.L.]  bekennt „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmel und der Erde …“ oder ob man sagt: „der Vater schuf die Welt“; im ersten Falle wird bekannt, daß Gott auch heute noch ‚kreativ‘ ist, im zwei­ten Falle liegt sein Schöpfungshandeln in weiter Ferne.
Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, daß der ganze zwei­te Teil des Liedes nur noch von der ei­genen leiblichen Auferstehung („daß ich in meinem Leibe“) spricht und ge­messen am Symbolon sowohl die Kir­che verschweigt, deren Liturgie das Heilswirken der göttlichen Personen vergegenwärtigt, als auch die Gemein­schaft der Heiligen, die das irdische Gottesvolk mit den Bewohnern des Himmlischen Jerusalem vereint.
Der Einzelne scheint hier von Gott, den Menschen und allen guten Geistern ver­lassen.
Von dem in der Bibel bezeugten dynamischen Verhältnis der drei gött­lichen Personen zueinander und zu den Menschen – das, was den Vater als Va­ter auszeichnet, den Sohn als Sohn und den Geist als Geist – ist in dem Lied nichts zu spüren.
Warum es Vater, Sohn und Geist sind und nicht etwa Vater, Sohn und Enkel oder drei Geschwister geht allein daraus, daß sie sich – wie das Lied behauptet – streng paritätisch die Heilswerke Schöpfung, Erlösung und Erwählung teilen, kaum hervor.
Si­cherlich kann und muß es ,Kurzformeln‘ des Glaubens geben, aber ob eine Verkürzung wie GL 489 [jetzt 354, G.L.] noch sinnvoll ist, darf bezweifelt werden.“

Das ist starker Tobak, wie?
Dabei wissen Kenner übrigens, die Sache mit den „Kurzformeln“ war mal ein eigenes, dorniges Thema der Auseinandersetzung in der jüngeren Theologiegeschichte, aber das kann man, glaube ich, getrost zur Seite lassen, denn so wie ich Prof. Franz verstehe, geht es ihm an dieser Stelle bloß um liturgisch-pragmatische Fragen und wer wollte bestreiten, daß nicht für jeden Gottesdienst beliebig viel Zeit zur Verfügung steht?
Die Frage ist eben immer nur: Wo wird „gespart“ und mit welchen Mitteln geschieht das! Da zeigt uns dieses längere Zitat, wie es besser nicht passieren sollte, weil dabei ganz schön viel „schiefgehen“ kann – und zwar an einem Kernpunkt unseres Glaubens! Und es zeigt sich erneut, daß (relativ) neue textliche und musikalische Hervorbringungen, und wenn man sich auch noch so sehr schon an sie gewöhnt hat, anhand inhaltlicher Kriterien, am Maßstab der Lehre der Kirche überprüft werden müssen!
Und der Artikel zeigt in ganz bemerkenswerter Weise auch, daß es regelmäßig die älteren, alten oder sehr alten Texte sind, an denen im Zweifelsfall Maß zu nehmen ist. Ansgar Franz führt dies sehr aufschlußreich durch am Beispiel des Liedes „Dreifaltiger verborgener Gott“ (heute GL 775 ehem. 279) von 1969, das jedoch „weitestgehend mittelalterlicher Hymnodie“ folge und eben damit zu guten Ergebnissen gelange.
Dabei scheint es mir eindeutig, daß wir es bei Prof. Franz nicht mit einem ausgewiesenen ‚Traditionalisten‘ zu tun haben; neben der positiv gefärbten Erwähnung der „Kurzformeln“ spricht auch sein Bedauern über ausbleibende „ Innovationen“ dafür, was ja ein Wort ist, das nicht jeder freiwillig in den Mund nimmt… 😉

Wir sehen daran erneut, was PuLa ja nicht müde wird zu betonen: Es geht, wenn (z.B. hier) Neuerungen kritisiert werden, nicht um eine blinde Veränderungsunwilligkeit oder gar um reaktionäre Rückwärtsorientierung, es geht um die besseren Argumente. Doch die hat nun mal regelmäßig die „Tradition“!  (Und das ist notwendigerweise so, doch das zu begründen würde jetzt eine ekklesiologische Diskussion erfordern, was nicht hierher gehört, wer in Kurzform lesen will, was ich dazu meine, kann hier nachlesen, ziemlich am Ende).

Kommen wir zur aktuellen praktischen Nutzanwendung dieser Überlegungen für Weimar. Ich sagte, da wird offenbar gerade versucht, eines der neuen Lieder „zum Glaubensbekenntnis“ (O-Ton Gotteslob, vgl. oben…) zu „pushen“. Es handelt sich um das Lied mit der Nr. 777 in unserem östlichen Regionalteil, „Ich glaube an den Vater, den Schöpfer dieser Welt“ von Markus Pytlik (*1966) mit dem Refrain nach allen vier Strophen: „Ich glaube daran“.
Zu den musikalischen Qualitäten will ich mich nicht äußern, dazu bin ich nicht der Richtige; ich finde allerdings, es gibt eine Form von Eingängigkeit, die grenzt schon schwer an Aufdringlichkeit, aber das mögen andere ja als Stärke des Liedes verbuchen. Ich werde aber deshalb diesmal kein Video einbetten… 😉 , Den Text finden Sie, außer möglicherweise im Gotteslob z.B. hier.

Herr Pytlik jedenfalls ist offenbar unter den NGL-Komponisten dieses Landes eine ziemlich große Nummer; er besucht Kongresse dieser Spezies (hier) und er ist wahrhaftig unbescheiden genug, sich zu fragen, warum er eigentlich nicht in den Stammteil des Gotteslobes aufgenommen wurde, sondern „nur“ in mehrere Regionalteile (vgl. hier).
Da haben beim Gotteslob wohl doch noch ein paar Leute aufgepaßt und, wenn es schon bei der graphischen Gestaltung nicht geklappt hat (vgl. hier), dann zumindest in dieser Hinsicht! Wer weiß, am Ende hat sogar Prof. Franz mit dafür gesorgt, er war nämlich an diesem Prozeß  beteiligt.

Nun vermeidet, so will mir scheinen, dieses Lied im Vergleich zu dem oben betrachteten einige der trinitätstheologischen Klippen und das Bekenntnis zur Schöpfung des Menschen als „Frau und Mann“ ignoriert zwar die „korrekte Reihenfolge“ 😉 aber heutzutage muß man sich über die Erwähnung der zweigeschlechtlichen Komplementarität der Schöpfung als solcher ja schon freuen.

Aber dann! „Ich glaube an den Geist, den man im Herzen spürt […]“. O ja! „Spürt“! Klar, das Empfinden, die „Erfahrung“ ist ja allgemein zum neuen Ausweis der (vermeintlichen) Verbindlichkeit geworden („Was fühlst Du dabei?“). Das ist natürlich ebenso lächerlich wie gefährlich und vom Hl. Geist bleibt hier eigentlich alles Entscheidende und Unterscheidende (!) ungesagt.

Doch auch das brauchen wir gar nicht näher zu betrachten, denn allein die erste Zeile der vierten Strophe genügt, um das Lied zu disqualifizieren:

Ich glaube an Gemeinschaft mit Gott als Fundament.“

In der Diktion von Prof. Franz  könnte man wissenschaftlich vornehm sagen: Dieses Lied verschweigt ebenfalls die „Kir­che, deren Liturgie das Heilswirken der göttlichen Personen vergegenwärtigt, [und] die Gemein­schaft der Heiligen, die das irdische Gottesvolk mit den Bewohnern des Himmlischen Jerusalem vereint.“

Ich sage hingegen einfach: Nein! Das glaube ich nicht. (Oder nur in einem so allgemeinen Sinne, daß es an dieser Stelle, an der es um ein Bekenntnis geht!, völlig irrelevant ist) Ich glaube an etwas, das einen konkreten Sinngehalt hat: Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Es kann doch um gar nichts anderes gehen! Bitte, an eine „Gemeinschaft mit Gott als Fundament“ glauben vermutlich auch die, die als Angehörige des sog. „Islamischen Staats“ mordend, brennend und vergewaltigend den Mittleren Osten heimsuchen!

Das kommt dabei heraus, wenn man auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner alle Katzen grau werden läßt! (und dementsprechend finden Sie dieses Lied im Netz auch bei allen möglichen „Ökumene-Ausschüssen“ „im Westen“ und sogar in das „Chorbuch“ der sog. „Neuapostolischen Kirche“ hat es Aufnahme gefunden)

Nur so am Rande sei ergänzend erwähnt, daß in diesen Liedern „natürlich“ auch regelmäßig die Mutter des HErrn, daß Maria fehlt – und das ist eben immer ein untrügliches Anzeichen dafür, daß im katholischen Sinne etwas nicht stimmen kann!

Dieses Lied ist also als nicht geeignet, als Credo gesungen zu werden, das ist klar, und warum es es überhaupt in das Gotteslob geschafft hat, erschließt sich mir nicht.

Nur, was ist jetzt zu tun, wenn es einem im Gottesdienst dennoch begegnet? Wie immer im Umgang mit dem neuen Gotteslob hat PuLa einen praktischen Vorschlag: Schlagen Sie einfach die Nummer 586 auf. Dort findet sich das „Große Glaubensbekenntnis“ und zwar sehr schön in zwei Spalten nebeneinander auf deutsch und in Latein. Das können Sie, noch bevor die vier länglichen Strophen fertig gesungen sind, locker leise bis zum Ende vor sich hinsprechen – damit haben Sie dann wirklich und zuverlässig den Glauben der Kirche bekannt!

Vermutlich werden Sie auch noch Zeit dafür haben, Betrachtungen darüber anzustellen, was Latein für eine wunderbar knappe, ja „ökonomische“, Sprache ist, vielleicht bekommen Sie sogar eine Ahnung davon, wie schön der Text in dieser Sprache „fließt“. Es ist „unsere Sprache“, das Lateinische, unsere katholische Sprache, ja, auch Ihre, selbst wenn Sie sich (noch) nicht so gut darin auskennen; es ist Ihre Sprache! (Lassen Sie nicht zu, daß man sie Ihnen wegnimmt, bitte!)

Und anschließend können Sie dann die fest geschlossenen Ohren langsam und vorsichtig (denn man weiß ja nicht, wer gerade die Fürbitten geschrieben hat, oder wer sie vorträgt 😉 ) wieder „aufklappen“ und gestärkt dem weiteren Fortgang des Meßopfers folgen! 🙂

 

 

PS: Sie dürfen aber, anders als in dem ansonsten sehr schönen Video („Kneel“ – „Raise“ 🙂 ) ruhig bei der deutschen, bzw. „erasmischen“ Aussprache des Latein bleiben! Die ganzen „Sch“ und „Tsch“ –Laute („schenitum“) der romanischen Tradition müssen wir keineswegs übernehmen!

Die weißen Tauben flattern weiter, oder: Netiquette, irgendwer?

Anfang des Monats hatte PuLa über das Webangebot „Drei weiße Tauben, Leben ist Veränderung“ unseres Kaplans berichtet (hier) und was man daran unseres Erachtens ablesen kann über die Zustände in der katholischen Pfarrei Herz-Jesu Weimar.

Nun gibt es eine Reaktion darauf („nun“? Naja, ist auch schon vom 16. September, man kommt einfach nicht rum… 😉 ).

Ganz ehrlich gesagt: Ich weiß nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Am besten, Sie lesen selbst, vielleicht verstehen Sie dann, weshalb ich ein wenig ratlos bin (hier).

Jedenfalls habe ich  gewiß nicht die Absicht, an dieser Stelle über die möglichen Vor- und Nachteile verschiedener Content Management Systeme auch nur ein Wort zu verlieren (Joomla vs. WordPress)!

Deswegen beschränke ich mich auf drei Bemerkungen:

1) Wie schon beschrieben begrüßt PuLa die Bestrebungen zur Wiederbelebung der Jugendarbeit in dieser Pfarrei lebhaft und ergo prinzipiell auch alles, was geeignet sein könnte, dazu beizutragen.

2) Der oben erwähnte Beitrag nimmt auf „einen Blogger hier in Weimar“ und auch sonst an etlichen Stellen auf PuLa und den Beitrag vom 3. September Bezug – ohne jedoch darauf  zu verlinken! Das ist nun aber leider ganz, ganz schlechter Stil im Netz. Noch vor allen anderen Regeln der Netiquette gehört es nämlich zu ihren Grundsätzen, daß man für die Leser nachvollziehbar und nachprüfbar macht, womit man sich auseinandersetzt. Ich finde das ziemlich enttäuschend, muß ich sagen. Allerdings ist es auch nicht weiter schlimm, denn dann erledigen wir die wechselseitige Auf-Einander-Bezugnahme eben einseitig von hier aus! 🙂

Oder ist es inzwischen endgültig „strafbewehrt“ PuLa zu erwähnen? Dann wäre ein Link natürlich doppelt „gefährlich“! 😉 Das leitet dann über zu Punkt

3) Ich sehe keinerlei Veranlassung von den Annahmen über den Hintergrund dieses „persönlichen Projekts“ irgend etwas zurückzunehmen. Nach wie vor bin ich überzeugt, daß die am 3. September skizzierten Hintergründe den Kern der Sache treffen, ganz unabhängig von der „persönlichen Motivation“, die ich als solche nicht in Abrede stellen möchte.

Und demnächst aus unserem Kuriositätenkabinett: „Wie es doch tatsächlich Menschen gibt, die versuchen die Reichweite eines Blogs mit Papier und Briefmarken einzuholen“; Bleiben Sie dran! 🙂