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Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 7 „Domine Deus meus, in te speravi…“

7 Exsurge, Domine, in ira tua ; et exaltare in finibus inimicorum meorum ; et exsurge, Domine Deus meus, in præcepto quod mandasti ;

8 et synagoga populorum circumdabit te : et propter hanc in altum regredere.

9 Dominus judicat populos. Judica me, Domine, secundum justitiam meam, et secundum innocentiam meam super me.

10 Consumetur nequitia peccatorum ; et diriges justum, scrutans corda et renes, Deus.

13 Nisi conversi fueritis, gladium suum vibrabit ; arcum suum tetendit, et paravit illum.

14 Et in eo paravit vasa mortis, sagittas suas ardentibus effecit.

16 Lacum aperuit, et effodit eum ; et incidit in foveam quam fecit.

 

 

7 Steh auf, Herr, in deinem Zorne und erheb Dich in den Grenzen meiner Feinde; und steh auf, Herr, mein Gott, nach dem Gebote, das du verordnet, 

8 und die Versammlung der Völker wird Dich umgeben und dieser wegen kehre zurück auf die Höhe.

9 Der HErr richtet die Völker. Richte mich, HErr, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Unschuld, geschehe mir.

10 Laß enden die Bosheit der Sünder und leite den Gerechten, Du Gott! der Herzen und Nieren erforschet

13 Wenn ihr euch nicht bekehret, wird er sein Schwert zücken. Seinen Bogen hat er gespannet und ihn zugerichtet.

14 Er hat tödliche Geschosse darauf gelegt; Seine Pfeile brennend gemacht.

16 Eine Grube hat er geöffnet und sie ausgegraben, aber er fiel in das Loch, das er gemacht.

 

Zwei sprichwörtliche Redewendungen der deutschen Sprache birgt dieser Psalm: Das ‚Prüfen auf Herz und Nieren‘ in Vers 10 und  das ‚Fallen in die selbstgegrabene Grube‘ in Vers 16.
Er ist Teil  der Komplet am Montag und aus Erfahrung kann ich sagen, er ist und bleibt ungewöhnlich „sperrig“ auch nach vielfacher „Lektüre“. Was einen nicht schämen muß, scheint es doch selbst dem Hl. Augustinus nicht anders ergangen zu sein, aber die Auswahl noch mehr als sonst erschwert: Wer meine Wahl gar nicht nachvollziehen kann, den bitte ich schon vorab um Nachsicht (und am besten einen ausführlichen „Kommentar“! 😉 ) (GL)

 

Gott als Richter

In einer Welt, die sich dieser Herrschaft entgegensetzt, hat der Anbruch der Gottesherrschaft zunächst den Charakter des »Zor­nes«. Daß »Gott aufsteht in Seinem Zorn«, darum geht auch das Gebet der Christen, die das »Wüten der Bedrücker sehen«. (RS)

Und die Versammlung der Völker wird Dich umgeben. Eben dadurch, daß Dich nicht fassen Deine Kreuziger, glauben an Dich die Heiden.. Aber wenn dies wirklich der Sinn dieser Stelle ist, so bringt das Folgende etwas noch Schmerzlicheres: Und wegen dieser kehre zur Höhe zurück. Auch wegen dieser Versammlung des Menschengeschlechts, die sich in den Kirchen breitmacht, kehre zur Höhe zurück, Sie trägt Deinen Namen und tut nicht Deine Taten (AA)

Das Tribunal, an das der Christ appelliert, ist universal, politisch-kos­misch. Gott ist »Richter der Völker«, »umgeben von der Ge­meinde der Völker«. Gottes Richteramt, jene letzte Offenbarung der Wahrheit und Gerechtigkeit, auf die wir warten, ist nichts Privates. Es ist die Herstellung einer absoluten Öffentlichkeit. […]
Diese Öffentlichkeit ist aber andererseits dadurch charakterisiert, daß es ihr gegenüber kein privates Reservat gibt. In ihr zählt nicht, wie in aller irdischen Gerechtigkeit, der Schein des Guten, sondern nur die innerste Wirklichkeit des Menschen, die allen anderen, ja sogar dem Menschen selbst, verborgen bleibt. »Du, o gerechter Gott, durch­forschst Herz und Nieren.« […]

Beten im Geiste Jesu

Der »gerechte Gott, der Herzen und Nieren durchforscht«, findet in jedem von uns geheime Wünsche nach einem Vorteil über andere. Nur der menschgewordene Sohn Gottes und Seine heilige Mutter sind so eins mit dem Willen Gottes, daß ihre Selbstliebe nur reines Abbild der Liebe ist, mit der Gott sie liebt. Alle Bitten der Psalmen um den Sieg der Gerechtigkeit müssen von uns im Geist Jesu gebetet werden, wenn sie nicht ein Moment von Falschheit enthalten sollen. Aus dem Geist Jesu beten heißt um die Königs­herrschaft Gottes bitten, die »dem Gerechten Bestand gibt«.[…] (RS)

Richte mich, Herr, nach meinem Recht und nach meiner Un­schuld über mir. Nach Recht und Unschuld, die über mir sind .. Richte mich nach der Flamme, die über mir schwebt [ super me !, GL], die nicht ich bin, sondern durch deren Ent­zündung aus Dir ich strahle. (AA)

Der Bogen und die Geschosse

Gern verstünde ich den Bogen von den heiligen Schriften, wo durch die Stärke des Neuen Testaments wie durch eine Sehne die Härte des Alten gebeugt und gezähmt ist. Von da werden als Pfeile die Apostel ausgesandt, glühende von Gottesliebe. Von welch andern Pfeilen würde entbrannt, wer zu Gott zurücksehnt? Todesgeschosse:  Sind es die Häreti­ker? Denn auch sie springen vom gleichen Bogen ab. Darum ist der göttlichen Vorsehung auch diese Schickung zuzuschreiben. Durch ihren Tod werden die Kinder der katholischen Kirche wie durch Stacheln aus dem Schlafe getrieben. »Es müssen nämlich Häresien sein« (1.Kor 11, 19) (AA)

Platon und die Grube

Der Ungerechte verschafft sich – wie Platon immer wieder zeigt – in Wirklichkeit gar keinen Vorteil, sondern handelt gegen sein eigenes Wesen. Oder, wie es hier formuliert wird: »Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.« Die Bos­heit kehrt sich gegen den Bösen selbst. Gerechtigkeit ist keine äußere Forderung, die an den Menschen ergeht, sie ist ein Gesetz seines Wesens. (RS)

Sketch zum Nikolaustag: Der schwarze Peter

 

Der schwarze Peter

Sketchlet für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide. Friedlich rupft die Herde das Gras zwischen den ersten Schneeflecken aus. Die ganze Herde? Nein: Eine Gruppe um Kohle, Flocke, Wolle, Grauchen und Blütenweiß frißt nicht, sondern wartet ungeduldig auf die beiden Lämmchen, von denen sie eine ja nun schon zur Tradition gewordene (hier und hier) spannende Geschichte zum Thema Nikolaus erwartet. Haben sie es auch in diesem Jahr geschafft?

Wolle: Wo haben sie eigentlich diesmal recherchiert?

Blütenweiß (mitfühlend): Eben: Zur Bibliothek können sie ja jetzt erstmal nicht.

Grauchen: Ich glaube, sie waren regelmäßig im „Bacchos“.

Wolle: Nun, das ist ja aller Ehren wert – wenn ich sie dazu auch noch ein wenig zu jung finde … Aber das „Bacchos“ ist ein Wirtshaus und keine Bücherei!

Grauchen (lacht): Da hast du recht. Aber dort liegen immer die Tageszeitungen aus. Die haben die beiden durchgesehen und sich die wichtigsten Seiten erbeten.

Flocke (strahlt): Brave Lämmchen!

Kohle (grunzt): Naja, und mein Tablet im Unterstand haben sie, fürchte, auch heimlich konsultiert … ich war mit dem Paßwort zu unvorsichtig …

Blütenweiß (deutet zum Hügel): Seht mal!

Fixi und Huf kommen über den Hügel auf die Gruppe zu gesprungen und setzen ihre Rucksäcke ab.

Huf (schnauft): Da wären wir!

Flocke: Um nicht zu sagen: Da seid ihr! Wie schön!

Huf: Ich habe hier den Konjunktiv II verwendet, um unsere Ankunft als Resultat einiger Mühen deutlich werden zu lassen.

Kohle: Ihr wart im „Bacchos“?

Fixi: Ja! Von dort haben wir immer die Zeitungen bekommen …

Huf: … und haben gelesen, daß die Figur des Zwarten Piet in den Niederlanden auch in diesem Herbst wieder hohe Wellen geschlagen hat!

Blütenweiß: Wellen geschlagen?

Fixi: Ja, als der Nikolaus und der Zwarte Piet auf dem Schiff in Gouda ankamen.

Kohle (ärgerlich): Ach, das ist doch Käse! Was soll der Blödsinn? Eine so vielschichtige und verwobene Tradition aus so verengtem Blickwinkel zu betrachten …

Grauchen: Wieso kommen sie mit dem Schiff?

Huf: Weil Nikolaus der Patron der Seefahrer ist – die ältesten Legenden fußen auf Schiffswundern.

Wolle: Und da kommt der niederländische Nikolaus sozusagen immer  direkt aus Myra?

Fixi: Nein! Interessanterweise wird gespielt, er käme aus Spanien!

Grauchen: Aaaah! Das klingt ja sehr habsburgisch … aus dem katholischen Spanien kommt der Heilige in die abgefallene Provinz?

Flocke: Klar! Und bringt von dort den „Mohren“ mit, den „Mauren“! Völlig logisch!

Kohle: Stimmt! Die Mauren saßen ja in Spanien von 711 bis 1492 …

Grauchen: … und haben bis heute jede Menge Spuren hinterlassen.

Flocke: Und was ist daran nun rassistisch?

Huf: Also, das Problem ist, daß die Legende vom Bischofsbegleiter …

Wolle: … den gibt es doch andernorts auch: die Krampusse in Österreich …

Blütenweiß: … eben, und Knecht Ruprecht …

Fixi (geht auf die Unterbrechung ein): Jajaja! Die Krampusse sind sogar in ganz ehemals Österreich-Ungarn verbreitet: Norditalien, Slowenien, Kroatien …

Kohle: … schon wieder Habsburg?

Huf: Ja, aber bei allem Respekt: viel viel älter!

Fixi: Denn die Verkleidung als Teufel wurde zur Zeit der Inquisition bereits verboten.

Grauchen: Puh! „Zur Zeit der Inquisition“ … das sind ja auch locker fünf- sechshundert Jahre …

Fixi: Naja, ich nehme an, das meint die frühe Neuzeit, 16. Jahrhundert, das ist zumindest die Zeit mit dem schlimmsten Hexenwahn.

Flocke: Genau!

Wolle: Bekanntlich jedenfalls nicht das Mittelalter!

Huf: Aber eben auch garantiert nichts, was irgendwie zu einer kolonialistischen Zeit passen würde.

Fixi: Und der Tuifl-Krampus ist dann zum Teil in den Knecht Ruprecht umgewandelt worden, der allerdings auch ältere Bräuche aufsaugen muß, denn sein Name kommt von der Rauhpercht – Rauh-Percht wird zu Ru-Precht …

Huf (dozierend): … also eine klassische Liquidmetathese

Fixi (guckt Huf ärgerlich an): … und die Rauhpercht ist eine germanische Fruchtbarkeits- und Regengöttin, die in vorchristlicher Zeit auch umging.

Flocke: Das hattet ihr glaube ich schon mal erzählt.

Fixi: Kann sein! Jedenfalls ist diese Figur aber völlig hinter dem Knecht Ruprecht verschwunden, sonst hätte Luther den Ruprecht nicht über den Nikolaus gelegt.

Grauchen: Hä?

Huf: Nikolaus war das winterliche Geschenkfest. Das paßte Luther nicht, er wollte den Heiligengedenktag abwerten und hat das Christkind erfunden, das die Geschenke bringt.

Wolle: Und aus dem Nikolaus wurde der Weihnachtsmann mit den vielen Geschenken.

Grauchen: … und den Coca-Cola-Farben.

Fixi: Da ist in puncto Weihnachtsmann was dran!

Huf: Santa Claus wurde nämlich von holländischen Auswanderern in den USA eingeführt.

Fixi: Womit wir endlich wieder beim Thema wären!

Kohle (blinzelt Huf zu): Konjunktiv II?!

Blütenweiß: Die vielen Geschenke sind aber nicht in Zusammenhang mit dem Weihnachtsmann erfunden worden?

Huf: Neee! Das ist ganz alt! Denk an die Urlegende von den drei goldenen Kugeln! Neinein! Auch dieses Abfragen, ob die Kinder brav waren, ist sehr alt. Früher war die verbindliche Tagesperikope das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt 25, 14-30).

Kohle: Ah! Man fragte die Kinder also, ob sie auch tapfer ihre Talente weiterentwickelt haben?! Sehr schön!

Wolle: Eigentlich sollte man mal einen Nikolaus zu unserer Gemeindeleitung schicken und der ein bißchen auf den Zahn fühlen …

Flocke: … wie sie mit den Talenten in ihrer Gemeinde so umgeht?

Grauchen (sarkastisch): Oh! Da wird dem armen Knecht Ruprecht vom Verhauen ja der Arm lahm!

Blütenweiß (ketzerisch): Ob Hochwürden deshalb über Nikolaus in Urlaub gegangen sind?

Fixi (genervt): Könnten wir jetzt mal weitermachen?

Die Schafe sind mucksmäuschenstill und warten bereitwillig Fixis Kunstpause ab.

Fixi (mit einem Na bitte-geht doch!-Gesicht): Der Zwarte Piet ist der typische Begleiter des Nikolaus, den es überall dort gibt, wo Nikolaus gefeiert wird. Immer irgendwie als gebändigter Dämon, manchmal wirklich als Monster in Ketten. AAABER! Aber in den Niederlanden hat sich Mitte des 19. Jahrhunderts …

Wolle: … also sozusagen vorgestern …

Fixi: … aber immerhin auch schon wieder vor 150 Jahren die Figur äußerlich so gewandelt, daß sie als ‚Sarotti-Mohr‘ und schwarzer Diener des Heiligen daherkommt.

Huf: Und es hat sich eine Handvoll schwarzer Holländer gefunden, die sagen, sie würden im Januar aufgezogen mit: „Na, du hast wohl das Schiff zurück nach Spanien verpaßt?!“

Wolle: Ach so!

Flocke: Das ist alles?

Blütenweiß: Naja, aber wenn es die Niederländer wirklich von sich aus so empfinden …

Fixi: Quatsch! Auf so was kommt man doch nicht! Das hat ein Berufsopferfinder vom UNHCR erfunden …

Huf: … eine jamaikanische Professorin, die gefordert hat, man solle den Brauch wegen Rassismus abschaffen.

Kohle: Einen Brauch, den es länger gibt als Schwarze auf Jamaika?

Grauchen: Schon irgendwie lustig …

Fixi: Naja, der Spaß hört aber schon auf, wenn durch solche Aktionen rechte Demagogen die Lacher auf ihrer Seite haben, wenn sie tönen, besser schaffte man die Vereinten Nationen ab als Sinterklaas und Zwarte Piet!

Huf: Jedenfalls ist es so hochgekocht, daß bei den Anti-Piet-Demos ein paar Berufsdemonstranten aufgelaufen sind und richtig Randale gemacht haben, so daß es zu 90 Festnahmen kam.

Fixi: Und die Arbeitsgruppe beim UNHCR fordert jetzt, daß man die Figur „anpaßt“, und die Piets malen sich blau und grün an und sagen, das Schiff sei durch einen Regenbogen gefahren!

Die Schafe (stöhnen durcheinander): Oooooh no! – Das ist ja wohl völlig … Sooo vorhersehbar … Nicht schon wieder …Der arme Regenbogen ..

Kohle: Eigentlich müßte die Figur ja nicht weiter angepaßt, sondern die Anpassung des 19. Jahrhunderts rückgängig gemacht werden. Der Teufel ist bekanntlich überall einheimisch …

Wolle: Also, ich glaube, da kann man ganz schwer was ’zu sagen …

Grauchen: Der Brauch ist einfach so alt, daß er sich regional so unterschiedlich ausgeprägt hat …

Kohle: Und überall hat er seine eigene Tradition.

Flocke: Jedenfalls vielen Dank, ihr beiden, daß ihr uns das so schön dargestellt habt!

Blütenweiß: Brave Lämmchen!

Fixi (guckt Huf lachend an): Ich würde sagen:

Beide zusammen: „Das hätten wir!“

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 6 „Domine, ne in furore tuo …“

1 In finem, in carminibus. Psalmus David. Pro octava.

2 Domine, ne in furore tuo arguas me, neque in ira tua corripias me.

3 Miserere mei, Domine, quoniam infirmus sum; sana me, Domine, quoniam conturbata sunt ossa mea.

5 Convertere, Domine, et eripe animam meam ; salvum me fac propter misericordiam tuam.

8 Turbatus est a furore oculus meus; inveteravi inter omnes inimicos meos.

10 Exaudivit Dominus deprecationem meam ; Dominus orationem meam suscepit.

11 Erubescant, et conturbentur vehementer omnes inimici mei ; convertantur, et erubescant valde velociter.

 

1 Zum Ende unter den Liedern, ein Psalm Davids, für die Octav.

2 Herr, straf mich nicht in deinem Grimme und züchtige mich nicht in deinem Zorne.

3 Erbarme dich meiner, o Herr! denn ich bin schwach; heile mich, o Herr! denn meine Gebeine zittern;

5 Wende dich, Herr! und errette meine Seele; hilf mir um deiner Barmherzigkeit willen.

8   Vor Grame ist verdunkelt mein Auge; veraltet bin ich unter allen meinen Feinden.

10   Der Herr hat mein Flehen erhört, der Herr hat mein Gebet angenommen.

11   Es sollen sich schämen und heftig erschrecken alle meine Feinde; sie sollen sich wenden und schämen gar schnell!

 

Es kann freilich auch ohne freventliche Zeitberechnungen der Gerichtstag der achte heißen, weil nach dem Ende dieser Welt ein ewiges Leben anhebt, nicht mehr zeituntertan, [wäh­rend] alle Zeiten im Rhythmus dieser sieben Tage ab­rollen. (AA)

Wieder ein Gebet aus der Not. […] [Z]um ersten Mal tritt der Beter vor Gott nicht als Ankläger, um einen Richterspruch gegen die Feinde zu erwirken, sondern in der Sorge, der Richter­spruch könnte sich auch gegen ihn selbst wenden. […]
Hier hilft kein Rechten. Wir sind Sünder. Die Heiligkeit Got­tes verlangt eine Weise der Hingabe, von der wir weit entfernt sind. Auch die Kirche muß beten: »Herr, sprich mich nicht schul­dig in Deinem Zorn.« Die Heiligkeit Gottes wird zum »Zorn Gottes vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen« (Röm 1, 18), und gemessen am Wesen dieser Heiligkeit ist »keiner gerecht, auch nicht einer« (Röm 3,10). Was kann der Beter denn zu seinen Gunsten geltend machen? Es ist immer dasselbe- Vor Gott gibt es nur die Flucht zu Gott. Vor Ihm als Richter gibt es nur den Appell an Ihn als Vater, der sich einfach deshalb erbarmt, weil Er Sein Kind leiden sieht. […]
Die Klage geht weiter und endet mit einem Ausdruck der Er­schöpfung, der Resignation: »Der Feinde sind so viele.« Von allen Seiten wird die Sache Christi bedrängt: Der Wohlstand bedroht sie ebenso wie das Elend, die »Aufklärung« ebenso wie die Un­wissenheit, der Hochmut ebenso wie der Trieb, der säkulare Uni­versalismus ebenso wie der fanatische Partikularismus, Herrsch­sucht ebenso wie Revolte. […] (RS)

„Inveterare“, „alt machen“, also „inveteravi“, Perfekt, „ich habe alt gemacht“ und zwar mich, also „bin gealtert“. Dennoch bewahrt gerade die von Allioli gewählte Form „veraltet“ einen Rest der (pseudo-) passivischen Konstruktion und damit den Gedanken des „Erleidens“: Es sind meine Feinde, die mich „alt machen“ und, ganz ‚modern‘, auch “alt aussehen“ lassen, immer wieder und wer kennte dieses müde, „alte“ Gefühl nicht, wenn ihrer und ihrer Taten (scheinbar) zu viele werden, sich (scheinbar) nichts ändert?! Da denkt der Psalmbeter an Ps 102 (momentan 103), Vers 5  […] renovabitur ut aquilæ juventus tua: Deine ‚Jugend‘ wird erneuert gleich der des Adlers! (GL)

Unvermittelt schlägt der Ton des Psalms um, plötzlich verkeh­ren sich die Kräfteverhältnisse. Plötzlich erfährt der Beter, daß sein Weinen gehört wird. Und sofort tritt er den Feinden in einer Position der Stärke entgegen. […] Der Psalm endet mit dem Wunsch des Beters, daß auch die Feinde sich der Nichtigkeit ihrer Position bewußt werden, »ins Herz erschrecken« und schamrot werden, weil auch sie plötzlich der Wahrheit ansichtig werden und damit der Scheinhaftigkeit ihrer Macht. Die Bitte um die Demütigung der Feinde kann auch im Geist der Feindesliebe gebetet werden. Es ist die Bitte darum, daß sie zu sich selbst und in die Wahrheit kommen. (RS)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 5 „Verba mea auribus percipe, Domine …“

1 In finem, pro ea quæ hæreditatem consequitur. Psalmus David.

7 Odisti omnes qui operantur iniquitatem ; perdes omnes qui loquuntur mendacium. Virum sanguinum et dolosum abominabitur Dominus.

8 Ego autem in multitudine misericordiæ tuæ introibo in domum tuam; adorabo ad templum sanctum tuum in timore tuo.

 

1 Zum Ende, für die, so das Erbe erhält, ein Psalm Davids

7 Du hassest alle, die Böses thun, verderbest alle, die Lügen reden; den Mann des Blutes und Truges verabscheuet der HErr.

8 Ich aber will eingehen in Dein Haus in der Fülle Deiner Barmherzigkeit; will anbeten in Deiner Furcht nach Deinem heiligen Tempel hin.

 

Der Psalmtitel heißt: Für die Erbin. Es ist darum die Stimme der Kirche, der zur Erbschaft Berufenen, da­mit sie selbst das Erbe Gottes werde. (AA)

„Die Feinde“

Wer zum Psalter greift, muß mit einem Punkt mit sich ins Reine kommen. Es gibt keine Erfahrung, kein Lebensgefühl, das in den Psalmen so häufig ausgedrückt wird wie die Erfahrung der Abgrenzung. Es gibt fast keinen unter den 150 Psal­men, in denen nicht von den Feinden, den Gottlosen, den Übel­tätern oder wenigsten von den anderen die Rede ist, die ihre Hoffnung nicht – wie der Beter – auf Gott richten, sondern auf ihre eigene Kraft. […]
Wie haben Christen das Wort »Feind« zu benutzen und wie die Psalmen zu beten, in denen von den Feinden die Rede ist? […]
Zu­nächst werden wir durch die Heilige Schrift belehrt, daß die Feindschaft eine Seinsverfassung ist, die nicht in unserer Ver­fügung steht.
[Und d]as Evangelium des Friedens selbst weckt Feindschaft. Es gibt die »Feinde des Evangeliums«, und Christus bedient sich ebenso wie die Apostel ihnen gegenüber der harten Sprache der Feind­schaft. […]
Was bedeutet dann aber »Tötung der Feindschaft« für die Christen? Es bedeutet, daß Feindschaft keine Macht mehr über das Wesen des Menschen besitzt. […] Das Feindsein definiert nicht mehr die Person des Feindes. Nicht um seine Vernichtung geht es, sondern darum, daß er aufhört, Feind zu sein. Er wird nicht mehr auf die Rolle der Feindschaft festgelegt. […]

Christus der Vorbeter

Wenn der Psalmist sich selbst als den Gerechten und den Feind als den Ungerechten sieht, so können wir als Christen dies nur betend nachvollziehen, wenn wir es mit Christus als dem Vorbeter beten; wenn jedes dieser Gebete uns zugleich veranlaßt, uns selbst durch den Geist Gottes von Zorn, Haß und allem bösen Willen reinigen zu lassen. So auch haben wir den fünften Psalm zu beten. […]

Es folgt das triumphierende »Ich aber« des Beters. Er darf in den heiligen Bezirk der Gemeinschaft mit Gott eintreten, aus dem der Gottlose ausgeschlossen ist. […] Dürfen wir sagen: »Ich aber…«, wie es der Psalm tut? Redet nicht der Pharisäer so: »Herr, ich danke Dir, daß ich nicht bin wie die übrigen Menschen…!« (Lk 18,11)? Aber so lautet ja das Gebet des Psalms nicht. Der Beter rühmt sich keines Verdienstes, er dankt nicht für seine Gerechtigkeit, son­dern dafür, daß er Zutritt zum Hause Gottes hat. Daß wir durch Christus »Zutritt zum Thron der Gnade« (Hebr 4,16) haben und der Gewalt der Finsternis entrissen sind, dafür zu danken ist kein Pharisäismus. (RS)

Ich gehe ein in Dein Haus. Wie ein Stein, scheint mir, ins Gebäude. (AA)

Gottesfurcht und Geborgenheit

Gottesfurcht ist ein häufiges Thema der Psalmen. […] Furcht ist normalerweise ein negatives, ein beklemmendes Gefühl. Anders die Gottesfurcht. Hier, wo sie zum ersten Mal erwähnt wird, geschieht es mit Dankbarkeit. […]
Die Gott fürchten, fliehen nicht vor Gott, denn wer weiß, wer Gott ist, der weiß, daß das Furchtbare gerade in der Entfernung von Ihm liegt. Wer Gott fürchtet, flüchtet zu Gott. Es gibt nur einen Ort der Geborgenheit: bei Ihm. (RS)

 

Nachbemerkung: Die im Buch wesentlich ausführlicheren Darlegungen Spaemanns zum Thema „Feindschaft“ lohnen allein schon die Anschaffung des Werkes! Für den, der Feindschaft erfährt (vgl. hier, hier und hier) ist das Gebet der Psalmen in diesem „gereinigten“ Sinne Balsam, Stärkung und Herausforderung zugleich. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 4 „Cum invocarem exaudivit me Deus …“

2 Cum invocarem exaudivit me Deus justitiæ meæ, in tribulatione dilatasti mihi. Miserere mei, et exaudi orationem meam.

7 Signatum est super nos lumen vultus tui, Domine : dedisti lætitiam in corde meo.

9 In pace in idipsum dormiam, et requiescam ;

10 quoniam tu, Domine, singulariter in spe constituisti me.

 

2 Da ich rief erhörte mich der Gott meiner Gerechtigkeit; in der Trübsal hast Du mir Raum gemacht. Erbarme Dich meiner und erhöre mein Gebet!

7 Das Licht Deines Angesichtes, HErr ist gezeichnet über uns; Du hast Freude in mein Herz gegeben!

9 Ich schlafe darüber in Frieden und ruhe;

10 denn Du, HErr, hast mich sonderlich festgestellt in der Hoffnung.

 

Der zu Beginn des vierten Psalms Angerufene ist der »Gott meiner Gerechtigkeit«. Die Bedürftigkeit, aus der der Psalm spricht, ist nicht die aktuelle der Bedrängnis durch Feinde, son­dern sie ist durch das Wort »Gerechtigkeit« oder »Rechtferti­gung« bezeichnet. Unsere Existenz ist ja nie eine bloß physische. Unsere Existenz als die geistiger, sprechender, in einer Sprachgemein­schaft existierender Wesen bedarf eines Sinn- und Rechtferti­gungszusammenhangs. Der Zusammenhang der »Gerechtigkeit« ist ebensowenig wie das nackte Leben ein sicherer Besitz, son­dern wir sind seiner von Augenblick zu Augenblick bedürftig […] Grund unserer Rechtfertigung ist Gott. […] Er ist »Gott meiner Gerechtigkeit«. Dieser Titel drückt das tiefste Vertrauen in eine durch nichts zu verletzende Geborgenheit aus. […]
Daß Gott es ist, der uns den of­fenen Raum einräumt, ist eine häufige Aussage des Psalmisten. […] Die tiefste Beengung ist die durch den Tod, der uns allen den Raum des Offenen zu nehmen droht. Indem Gott uns den Glauben an die Rettung vom Tod geschenkt hat, hat Er uns »Weite geschaf­fen«. (RS)

Schön und bündig darum, aber für inner­lich Sehende zeigt er die Güter, die zu suchen sind: Ausgeprägt ist in uns das Licht Deines Angesichts, o Herr. Dies Licht ist des Menschen ganzes und wahres Gut. Ausge­prägt aber sagt er in uns wie die Münze nach des Königs Bild geprägt wird. (AA)

Das Wunderbare wird im Psalm mit den Wörtern »Erhörung, Leuchten, Freude« umschrieben. […] Wenn Gott sich zeigt, wenn die Herrlichkeit, wenn der Glanz Gottes aufleuchtet, wenn die Dinge der Welt in diesem Glanz aufscheinen, dann erübrigt sich alles andere. Wenn der Sinn erfahren wird, verschwinden die Fragen. […]
Die Freude hüllt den Beter im Augenblick des Schlafes ein. »Friede« ist die Frucht der Freude. […] Es gehört zur Erfah­rungsweise, die das Psalmengebet vermittelt, den Rhythmus des Lebensablaufs und die täglichen Ereignisse als Zeichen göttlicher Gegenwart zu erleben. Wer mit dem Psalmengebet lebt, wird sich mit der Zeit diese Erfahrungsweise zu eigen machen. (RS)

Psalm 4 betet die Kirche in der Komplet des Sonntags (so jedenfalls in der bewährten Form des Römischen Breviers von 1962) und aus (dankbarer) Erfahrung kann ich sagen, daß kaum eine bessere Weise vorstellbar ist, den Tag des HErrn zum Ausklang zu bringen!
Die (echte!) Allioli-Übersetzung beweist hier gerade in den letzten Versen ihre Stärke. (GL)

Die Glocke ist im Turm!

Zugegeben: Die neue Glocke für unsere Pfarrkirche Herz-Jesu in Weimar kann sich mit der Bedeutung der berühmten Gloriosa, der größten freischwingenden mittelalterlichen Glocke der Welt, im Erfurter Marien-Dom nicht messen.

Dennoch ist es natürlich richtig, was während der feierlichen Glockenweihe (vgl. hier) am 23. November (die ich wegen einer Dienstreise nach Schwerin leider verpaßt habe 🙁 ) gesagt worden sein soll: „So etwas erlebt nicht jede Generation“.
Und deswegen wäre es, wenn man es ernst meinte damit, daß es sich um ein Projekt aller Pfarrkinder handelt, ja auch richtig, wenn man versuchte, an jedem Schritt (und nicht nur solange, bis das Geld zusammen ist…), den die neue Glocke bei uns tut, so viele Menschen wie nur möglich teilhaben zu lassen, oder?

So geschehen, als im Jahr 2004 die Gloriosa wieder in die Türme des Doms gelangte. Wir erinnern uns noch gut, damals ging unsere Große noch in den Erfurter Katholischen Kindergarten und alle die Kleinen strömten zum Zugucken, als der große Moment kam – da erinnert sie sich noch zehn Jahre später gut dran! Und außerdem Hunderte, Aberhunderte von Erfurtern!
Schauen Sie hier, was das für emotionale Momente waren:

Nur, so läuft das bei uns in Weimar nicht ab. Gestern, am 2. Dezember 2014, so zwischen 15.00 Uhr und 15.30 Uhr kam unsere neue Glocke in den Turm, aber davon wußte niemand. Also, niemand außer der Gemeindeleitung und der „Gemeindeleitung“, sprich, der Rektor der Pfarrkirche war (überraschenderweise) anwesend und die stv. Vorsitzende des Kirchenvorstands ebenfalls.

Reicht ja auch!, ich meine, einen katholischen Kindergarten haben wir zwar auch und der liegt nur ca. 400 m weit entfernt, aber was soll’s, ist ja nicht mehr in Trägerschaft der Pfarrei… (vgl. hier). Und auch sonst, warum z.B. arme ältere Menschen zu so was aus dem Haus treiben, nicht? Sollen froh sein, daß sie’s warm haben! Die können das ja dann auf der Homepage der Pfarrei anschauen… O, äh, ja, tut mir leid, da ist leider nichts zu finden, naja, wird sicher bald nachgeholt, obwohl – die letzte „aktuelle“ Meldung zum Glockenthema stammt vom 3. Juni 2014…

Also, seien Sie dankbar, daß es aufmerksame Weimarer Mitbürger gibt (Pfarrkinder und Nicht-Pfarrkinder), die das Ereignis zumindest photographisch dokumentiert haben, und freuen sich daß es PuLa gibt, um die Bilder auch zu veröffentlichen 😉

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„Am Haken“ (Bild: privat)

 

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„Kurz vor dem Ziel“ (Bild. privat)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 3 „Domine, quid multiplicati sunt …“

2 Domine, quid multiplicati sunt qui tribulant me  Multi insurgunt adversum me;

4 Tu autem Domine, susceptor meus es, gloria mea, et exaltans caput meum.

6 Ego dormivi, et soporatus sum; et exsurrexi, quia Dominus suscepit me.

 

2 Herr, wie haben sich gemehret, die mich bedrängen! Viele stehen auf wider mich.

4 Du aber, o HErr nimmst mich auf; bist meine Ehre und erhebest mein Haupt.

6 Ich schlief und sank in tiefen Schlaf und stand wieder auf; denn der HErr nahm mich auf.

Der Aufstand des Menschen gegen Gott, von dem der zweite Psalm spricht und der seinen Grund in der Nicht­anerkennung der Bedürftigkeit hat, hat eine paradoxe Konse­quenz: Er steigert die Bedürftigkeit dessen, der sich an diesem Aufstand nicht beteiligt. Er stürzt den Gottesfürchtigen in Not. Der Zeuge Gottes […] lenkt die Feindschaft der Vielen auf sich. Das Lachen Gottes über den Aufstand des Menschen [Ps 2] heißt nicht, daß Sein Zeuge etwas zu lachen hätte.

Christus, der exemplarische Beter der Psalmen

Das ist die Situation Jesu Christi: „Er hat in den Tagen Seines Fleisches Ge­bet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht dem, der ihn vom Tode retten konnte.“ (Hebr 5,7) Und Er hat es noch am Kreuz mit Worten des Psalmisten getan.

Die Ehre ist die soziale Existenz des Men­schen. Als sprechende und soziale Wesen, existieren wir nicht nur physisch, sondern zugleich im Anerkanntsein durch die andern. Dem Zeugen Gottes wird heute in vielen Ländern sogar die Ehre genommen, Zeuge seines Glaubens an Gott zu sein. (RS)

Es kann dieser Psalm auch in anderer Weise aus der Person Christi verstanden werden, nämlich wenn Er als ganzer spricht. Als ganzer, sage ich, mit Seinem Leibe, dessen Haupt Er ist. Es spricht also zugleich die Kirche und ihr Haupt inmitten der Verfolgungsstürme über dem ganzen Erdkreis — wir wissen, wie das schon erfüllt ist! Herr, wie vermehrten sich die, die mich bedrängen? Du aber, Herr, bist Der, der mich aufnimmt. In Christus natürlich, denn in jenem Menschen wurde auch die Kirche vom Worte angenommen, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. Mit Recht sagt also auch die Kirche: Der Du mich aufnimmst, mein Ruhm [meine Ehre]! denn sie schreibt es nicht sich zu, daß sie erhaben ist, da sie einsieht, durch wessen Gnade und Erbarmen sie es ist. (AA)

Christus suscepit nos. Wappenspruch von Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt, 2014 –

Das Neuheitserlebnis des Er­wachens am Morgen ist nicht eine psychologische Illusion, son­dern die Erfahrung einer Realität, die durch das Alltagsbewußtsein verdeckt wird, so wie auch erst die Augen der Liebe die volle Realität eines Menschen zur Erscheinung bringen. Der Beter erfährt im täglichen Rhythmus des Lebens unmittelbar das Unalltägliche, die Nähe Gottes. […] Das Geheimnis von Schlafen und Aufwachen ist das tägliche Zeichen jenes Schlafens und Auferwecktwerdens, das für uns nicht als ungewisse Zukunft vor uns liegt, sondern in Tod und Auferweckung des Herrn schon bestimmende Macht unseres Lebens ist. (RS)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm2 „Quare fremuerunt gentes …“

2 Astiterunt reges terræ, et principes convenerunt in unum adversus Dominum, et adversus Christum ejus.

4 Qui habitat in cælis irridebit eos, et Dominus subsannabit eos.

7 Dominus dixit ad me : Filius meus es tu ; ego hodie genui te.

8 Postula a me, et dabo tibi gentes hæreditatem tuam, et possessionem tuam terminos terræ.

 

“Warum toben die Heiden…”

2 Es stehen auf die Könige der Erde und kommen zusammen die Fürsten wider den HErrn und wider seinen Gesalbten.

4 Der im Himmel wohnet, lacht ihrer und der HErr spottet ihrer.

7 Der Herr hat zu mir gesagt: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget.

8 Begehre von mir, so will ich dir geben die Heiden zu deinem Erbe und zu deinem Eigenthume die Enden der Erde.

 

Im zweiten Psalm geht es unmittel­bar um den Adressaten und den Inhalt allen Betens, um Gott. Wer ist Gott? Die erste Antwort lautet und muß lauten: Gott ist der allmächtige Herr. […] das weckt den Protest des Menschen, der nach Selbstbestimmung verlangt, als wäre die Fähigkeit eines Geschöpfes zur Selbstbe­stimmung nicht das überwältigendste Zeichen der Macht seines Schöpfers. […]
Was nun folgt, ist die Rede Gottes. Gott lacht über den Aufstand. Kein verständnisvolles Lächeln, sondern Spott. Gott »thront im Himmel«. Das heißt, der Versuch eines Auf­stands gegen die Allmacht des Schöpfers ist lächerlich. […] (RS)

Obwohl es auch die prophetische Voraussage des Tages sein könnte, da Jesus Christus in Menschen­gestalt geboren wurde, so wird das Heute doch [besser] im ewigen Sinne genommen, da es eine Gegenwart besagt und […] es in der Ewigkeit nur Gegenwart gibt. […] Ich habe Dich heute gezeugt; womit lauterster und katholischer Glau­be die immerwährende Zeugung der Kraft und Weisheit Gottes, die der Eingeborene Sohn ist, verkündet. (AA)

Jene Stelle ist somit eine überaus denkwürdige Urkunde der Gottessohnschaft Christi, dieses Grundes all unseres Glaubens, Hoffens und Liebens. (MW)

[Dies ist] die aus Sicht des Neuen Testaments hinzugefügte reale Erfüllung des in der spezifischen Sprache des Psalms Gesagten. Denn welchem anderen König auf Zion wären denn »die Enden der Erde zum Eigentum« gegeben worden? [vgl. Mt 28, 18 GL] Die Übertragung alttestamentlicher Sätze auf Christus ist daher keine uneigentliche. Sie bringt die Sätze erst in ihre Wahrheit. (RS)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm1 „Beatus vir…“

1 Beatus vir qui non abiit in consilio impiorum, et in via peccatorum non stetit, et in cathedra pestilentiæ non sedit ;

2 sed in lege Domini voluntas ejus, et in lege ejus meditabitur die ac nocte.

1. Glückselig der Mann, der nach dem Rathe der Bösen nicht geht, und auf dem Wege der Sünder nicht steht und auf dem Stuhle der Pestilenz nicht sitzt;

2. sondern im Gesetze des HErrn seine Lust hat und in seinem Gesetze betrachtet Tag und Nacht!

Das Gebetbuch Israels und der Christenheit, der Psalter, beginnt in der Vulgata mit dem Wort beatus – „glücklich“, „selig“ – mit dem auch die Proklamation des Gesetzes des Neuen Bundes beginnt, die Bergpredigt.“ […] Die Verheißung der Seligkeit wird geknüpft an eine Entscheidung, die Entscheidung angesichts einer alternativen Möglichkeit. […] Die Sünder gehen einen „Weg“. Daß der Selige ihn nicht geht, versteht sich von selbst. Aber so wie er im Rat der Gottlosen nicht beiläufig verkehrt, so „steht“ er auch nicht am [eigtl. „‘auf‘ dem“, GL] Weg der Sünder […] weil er nämlich gar nicht „steht“, sondern selbst geht, aber einen anderen Weg. (RS)

ER wollte kein irdisches Reich in Hoffart, die darum mit Recht ein Thron der Seuche heißt, weil es kaum einen gibt, der frei ist von Herrschliebe und menschlichen Ruhm nicht anstrebt. (AA)

Das Hebräische betont […] die Lesart: „ der nicht sitzt auf dem Lehrstuhl oder in der Runde der Spötter‘ […] Die Religionsspötter sind ansteckend wie die Pestkranken. (MW)

Die Septuaginta (LXX), die diesen Ausdruck eingefügt haben, haben wörtlich: ‚derer, die die Pest sind‘.

‚Cathedra‘, der ‚Lehrstuhl‘; so gemahnt ‚cathedra pestilentiae‘ auch an die todbringende Gefahr verdorbener Lehren und ihre ‚ansteckende‘ Verbreitung. (GL)

Das Erste, was der Psalter über den seligen Mann sagt, ist, woran er sich freut. […] Der selige Mann freut sich am Gesetz des HErrn. Die Juden haben ein Fest der Gesetzesfreude“ (Simchat Thora). (RS)

Ein anderes ist es im Gesetze zu sein, ein anderes unter dem Gesetze zu sein. Wer im Gesetz ist, handelt gemäß dem Gesetz, wer unter dem Gesetz ist, wird gemäß dem Gesetz behandelt. Jener ist also Freier, dieser Knecht… .(AA)

Die Vulgata hat ‚voluntas‘, den ‚Willen‘, getreu aus der LXX übernommen. Freude, eine „ernste Sache“ (Seneca) ereignet sich nicht einfach, sie erfordert Akte des Willens, beständiges Bemühen wie ja z.B. auch die dauerhafte Betrachtung (‚Tag und Nacht‘) sich nicht von selbst ereignet, sondern getan werden will. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender. Mit Robert Spaemann. Vorabend

Schon die PuLa-Adventskalender der vergangenen drei Jahre waren ja so angelegt, daß sie sich gewissermaßen an die Lektüre des zurückliegenden Jahres anlehnten: ‚Chesterton‚ 2011, ‚Zwei katholische Bücher‘ 2012 und das ‚Dodekapropheton‘ (Zwölfprophetentbuch) im vergangenen Jahr.

In diesem Jahr hat nun allein ein Buch 2014 für meine geistliche Lektüre zu einem großartigen Jahr werden lassen und so fiel die Entscheidung nicht schwer, dieses Verfahren auch heuer beizubehalten.

Das erste Mal gehört habe ich von diesem Buch am oder um den 8. März, denn da wurde es in der Literaturbeilage der FAZ in der Rubrik „Neue Sachbücher“ besprochen. Ob ich es nach der Rezension gekauft hätte, wenn ich den Verfasser nicht bereits gekannt hätte?

So war es aber zum Glück und daher habe ich (wie ich im nachhinein feststellen mußte) die Besprechung nur höchst oberflächlich gelesen, denn ich war einfach zu begeistert zu erfahren, daß es das gäbe:

Robert Spaemann, Meditationen eines Christen, Über die Psalmen 1 -51, Stuttgart (Klett-Cotta) 2014

Der verehrte und geliebte Robert Spaemann schreibt über die Psalmen, die mir, wie man vermutlich auch hier auf dem Blog schon hat merken können, in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden sind – wie wunderbar! Ja, ich war voll Freude, Vor-Freude bis Ende September und Freude bei der Lektüre seitdem, denn das Werk ist nichts zum „Runter-Lesen“ (obwohl es „spannend“ genug ist!).

Nun braucht auf der einen Seite Robert Spaemann, der große Gelehrte und herausragende deutsche Philosoph der letzten Jahrzehnte  nicht die Empfehlung durch einen kleinen Provinz-Blogger, andererseits ist das Werk ja explizit nicht für ein wie auch immer geartetes Fachpublikum geschrieben, sondern es hat ausdrücklich ‚ganz normale‘ Menschen im Blick und stellt sich auch damit in die große Reihe christlicher Psalmenkommentare, deren wohl bekanntester, die ‚Enarrationes in Psalmos‘ des Hl. Augustinus ja auch zu einem Gutteil aus Predigten des Bischofs von Hippo entstanden sind. Und aus dieser Perspektive kann ich nur sagen: „Kaufen“! Oder noch viel besser: „Schenken lassen“!, schließlich steht Weihnachten vor der Tür… 😉

Das Buch ist teuer; knapp 50 € sind wahrhaft kein Pappenstiel, aber es ist eben auch unschätzbar, wenn einem dieses „Gebetbuch der Christenheit“ erschlossen wird aus der Perspektive eines einerseits ganz heutigen Denkers, vertraut mit dem, was Philosophie und Theologie im zurückliegenden Jahrhundert vorgelegt haben, dessen Katholizität andererseits unbezweifelbar und dabei nicht „versteckt“, sondern deutlich spürbar wird, wenn sie auch ganz und gar „unaufdringlich“ bleibt. Da man mit den Psalmen sein Leben lang nicht fertig wird, wird sich auch, davon bin ich überzeugt, die Investition in dieses Buch als eben solche erweisen: Eine lohnende Anschaffung. Und übrigens ist es auch ein sehr schön gemachtes und solide produziertes Buch, das lange Haltbarkeit verspricht.

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Spaemann, Psalmen (Bild: Klett-Cotta)

Übrigens war Klett-Cotta so großzügig (und so klug), eine ausführliche Leseprobe bereitzustellen: Die Einleitung und den kompletten Kommentar zu Psalm 1, hier!

Was ich mir dennoch an dem Buch noch anders vorstellen könnte, bzw. wünschen würde, dazu kommen wir gleich beim ‚praktischen Teil‘ noch!

Aber bevor das diesjährige Schreiben losging, habe ich natürlich auch die oben erwähnte Rezension  noch einmal gelesen und nun muß ich kurz darauf eingehen.

Sie stammt von Christoph Markschies, einem evangelischen Kirchenhistoriker und Theologen, der vor einigen Jahren relativ kurzzeitig Präsident der Humboldt-Universität in Berlin war. Und es handelt sich zweifelsohne um die eingebildetste, oberflächlichste, unangemessenste und ärgerlichste Besprechung, die ich in diesem Jahr überhaupt zu Gesicht bekommen habe. Der Gedanke, daß für dieses Machwerk vermutlich auch noch Geld geflossen ist, ist schwer erträglich. Es Punkt für Punkt im einzelnen auseinanderzunehmen, wäre reizvoll – aber das paßt nicht in den Advent (und leider steht der Text nicht in Gänze online zur Verfügung, vgl. aber hier). Daher muß ich mich auf ein paar Schlaglichter beschränken:
Der Text läßt, beim besten Willen, nicht erkennen, daß Markschies vor seiner Abfassung wesentlich mehr als die Einleitung und den Kommentar zum ersten und zum 23. Psalm (moderne Zählung) gelesen hat, wirklich nicht. Zum Anfang setzt sich die oberflächliche Lektüre fort mit der Bemerkung, im ersten Psalm gehe es um den „Rat“, nicht bei den gottlosen Spöttern zu sitzen, Davon steht da aber nichts. (und es ist wirklich gut, daß Sie sich davon in der Leseprobe selber überzeugen können!) Psalm 1 stellt das fest über den ‚Gerechten‘, er konstatiert eine objektive Wirklichkeit, das ist ein erheblicher Unterschied. Schlimmer wird die nicht nur oberflächliche, sondern schlicht unkorrekte Wiedergabe des Spaemannschen Gedankengangs, wenn Markschies behauptet, dieser schriebe in der Auslegung des ersten Psalms „Der Gottlose schrumpft ‚an Bedeutung unter die Amöbe‘“ und mit der Frage fortfährt: „Darf man es sich so einfach machen?“ Nun, wenn  es Robert Spaemann an dieser Stelle um eine anthropozentrische Betrachtung des Schicksals je einzelner Menschen, und seien es „Gottlose“, ginge, er hätte es gewiß nicht so knapp abgehandelt. Aber darum geht es an dieser Stelle eben nicht. Und das kann man bei aufmerksamer Lektüre auch sehen, dort steht: „Das Bild der Spreu trifft das Wesen der Gott­losigkeit. Sie ist das Nichtige. Person ist der Mensch als Ebenbild Gottes. Als solches hat er unendliche Bedeutung, kein Haar fällt von seinem Haupt, ohne daß der Vater es will. Der Gottlose ist bedeutungslos. Er hat kein Gewicht. Es ist so gut, als hätte er nicht gelebt. Das ist die Holle: der Zustand reiner Kontingenz, reiner Gleichgültigkeit. Ein Zustand, dem nicht einmal Mitleid oder Trauer gilt: »ewiger Tod« (Oftb 20,14; 21,8). Der endliche Geist ist entweder mehr oder weniger als die Dinge. Mehr, wenn die Leere zur Transparenz, zur »Lichtung« des Göttlichen wird; weniger, wenn er bei sich bleibt, sich »in sich verkrümmt« (Augustinus). Dann schrumpft er an Bedeutung unter die Amöbe.“ (S. 19, Hervorhebungen von mir).

In diesem auch schöpfungstheologisch reichen Gedankengang geht es um die Freiheit, die radikale Freiheit, des „endlichen Geistes“ und deren unausweichliche, „objektive“ Folgen, und nicht darum, es sich „leicht zu machen“ damit, einzelne bedauernswerte gottlose Individuen ‚abzuschreiben‘; es ist mir auch anhand des weiteren Zusammenhangs nahezu völlig unverständlich, wie ein derart plattes Mißverstehen zustande gekommen sein kann. Freilich nur „nahezu“, denn Markschies  liefert schon Hinweise auf den Grund, sie lassen sich mit den Stichworten Relativismus und Anthropozentrismus zusammenfassen. Das blitzt z.B. auf in folgender Passage: „Dann spricht eher der Philosoph und wirbt […] in der freien Selbstbestimmung des Menschen nur ein Mittel zu sehen und nicht das Ziel: ‚Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, wir müssen uns nach ihr richten‘ [so zitiert er Spaemann].“. (Hervorhebung von mir). Ja, in der Tat, was denn sonst? Wohin „freie Selbstbestimmung des Menschen“ ohne Ziel außerhalb ihrer selbst führt, haben wir das nicht erlebt, erleben wir es nicht ständig?

Der gleiche Rezensent, der es so eklatant versäumt, die Grundlagen seiner insofern ins Leere zielenden Kritik anzuzeigen, glaubt dessenungeachtet ganz vom hohen Roß schreiben zu können: „Natürlich ist solcher Vorbehalt gegen eine unziemliche Vermischung von Theologie und Philosophie nicht das einzige Gefühl, das einen Protestanten bei der Lektüre der Meditationen beschleicht.“ Oder: „Da lebt einer aus und in dieser biblischen Bilderwelt, gewiß. Aber er lebt in der ungebrochenen Tradition christlicher Auslegung seit ihren Anfängen.“ (Hervorhebung von mir) Aber!!! Der Theologe Markschies, so der unausweichliche Schluß, lehnt  diese Tradition ab. Was Sie immer schon über moderne Theologen wissen wollten, sich aber nie zu fragen getraut haben…
Leider verabsäumt Prof. Markschies anzugeben, in welcher Tradition er sich denn sieht (vermutlich beginnt die Antwort mit „A“ und geht mit „ufklärung“ weiter… 😉 ). Und so jemand bescheinigt Robert Spaemann und seinem Buch im letzten Satz der Rezension „Grenzen“…
Es ist vielleicht abschließend nicht völlig ohne Interesse, darauf hinzuweisen, daß Markschies, der von der ZEIT, dem protestantisch imprägnierten Zentralorgan „aufklärerischen“ Gedankenguts in Deutschland, anläßlich seines Amtsantritts als Präsident der Humboldt-Universität hochgejubelt wurde („Ein Pontifex in Berlin“, sic!, hier) darin ziemlich schnell gescheitert ist, was offenbar mit seiner Art des Umgangs mit anderen Menschen zusammenhing; warum wundert uns das nicht? (vgl. z.B. hier und hier)
„Aufgefangen“ hat ihn dann – die EKD. Sie hat ihn zum Vorsitzenden der sog. „Kammer für Theologie“ gemacht, Pöstchen muß offenbar sein, einem Gremium, dem auch der in diesen Zeilen schon bekannte Thies Gundlach (hier, mit weiterführendem Link) zugeordnet ist und dessen letzte im Netz greifbare Publikation aus dem Jahre 2009 zu stammen scheint (hier). Hm! Na, vielleicht hat sie aber ‚hinter den Kulissen‘ mitgearbeitet an den „großartigen Erfolgen“ der theologischen Veröffentlichungen der EKD in letzter Zeit, als da wären z.B. die Publikation über Ehe und Familie und die letzte Veröffentlichung über ‚reformatorische Theologie‘ im Vorfeld des 2017er-Jubiläums, die zu einer ausgemachten Krise der amtlichen „Ökumene“ geführt hat (verteidigt hat er es jedenfalls vgl. hier). Passen würde es.

Aber nun genug davon! Indirekt und sicher gegen den Willen des Rezensenten ist ja aus seinen Worten gerade erneut deutlich geworden, was dieses Buch so wertvoll macht, nicht wahr?

Markschies: „Hier versucht einer eine traditionell katholische Lektüre des Psalters als Gebetbuch der Christenheit [und] es erstaunt […], wie harmonisch hier Gegenwart und Tradition, Glaube und Vernunft zusammenpassen.“
Genau! 🙂

Kommen wir also dazu, wie ich mir diesen Adventskalender vorstelle. Da mußte selbstverständlich zunächst eine Auswahl her, eine Auswahl aus dem jeweiligen Psalm und aus der Kommentierung durch Spaemann. Das ist natürlich schmerzhaft, denn beides lebt an und für sich gerade aus der jeweiligen und aufeinander bezogenen Vollständigkeit und jede Auswahl muß allerlei Wertvolles unter den Tisch fallen lassen (wie z.B. regelmäßig den für die Psalmen so charakteristischen „Umschwung“ [Peripetie]) oder auch manche ‚Wiederholungen‘, die in ihrem jeweiligen Kontext eben gerade mehr als das sind…
Aber es geht nicht anders und ich muß Ihnen ja auch noch was zu lesen übrig lassen… 🙂  Zudem gibt es glücklicherweise auch eine große und gute Tradition des Zitierens einzelner Psalmverse! Ich bin daher sehr zuversichtlich, Sie werden dennoch einen Gewinn haben, von den Ausschnitten!

Nun zur Gestaltung im einzelnen:

Ich hatte oben ja schon angedeutet, daß es bei aller Begeisterung noch etwas gibt, das ich mir an dem Buch anders wünschen würde. Das hängt in erste Linie mit einer Entscheidung zusammen, die aber einen großen Vorzug des Buchs ausmacht: Spaemann zitiert die Psalmtexte nach der Vulgata, allerdings leider nicht zweisprachig, also lateinisch und deutsch, sondern bloß in der Übersetzung der Allioli-Bibel (vgl. hier). Dabei merkt man, was er in der Einleitung auch selber andeutet, immer wieder, wie er tatsächlich (u.a.) mit dem lateinischen Text gearbeitet hat. 🙂 Hier auf PuLa werden wir daher die Ausschnitte zunächst im Latein der Vulgata (genauer der „Clementina“) bringen, und natürlich auch in deren Zählung. Damit ist man so nah wie realistisch möglich an der Form, in der diese Texte Jahrhunderte hindurch im ganzen Abendland gebetet worden sind. Sie können die vollständigen Psalmtexte jederzeit auf dem „Bibleserver“ abrufen (hier) (und zu der Frage „Clementina vs. Nova Vulgata“ werde ich auch irgendwann mal was schreiben… 🙂 )

Nun ist es allerdings leider weiterhin auch so, daß der Text der Allioli-Bibel hier in einer mehrfach überarbeiteten Form gegeben wird, ohne daß dies (und das ist meine einzige echte Kritik an dem wunderbaren Buch) deutlich gemacht wird. Klett-Cotta wünschte sich vermutlich eine „moderne“ Textgrundlage mit klarem Copyright etc..  Nun, wer PuLa kennt, der weiß, „behutsame Überarbeitungen“ und „vorsichtige Anpassungen“ sind uns aus Erfahrung zumeist ein Graus, sie verhunzen in aller Regel die Sprache des Originals eher, als daß sie irgend etwas anderes tun und sie berauben uns der Chance, die darin liegt, sich einmal mit einer anderen (älteren) Sprachform auseinanderzusetzen. Wie gut, daß wir vor einiger Zeit ohnehin aus eben diesen Gründen eine „originale“ Allioli-Bibel angeschafft hatten, genauer eine Ausgabe von 1851. Daraus werden wir also den deutschen Text bieten, wundern Sie sich also nicht über ungewöhnliche Orthographie, bitte! 😉

Allioli-Bibel, 1851 (eigenes Bild)

Allioli-Bibel, 1851 (eigenes Bild)

Weiterhin haben wir noch zu Rate gezogen die Auswahl, die Hans Urs v. Balthasar aus Augustinus‘ Enarrationes‘ vorgelegt hat (Über die Psalmen, Freiburg [Johannes Verlag Einsiedeln], 3. Aufl. 1996), was dann mit „(AA)“ gekennzeichnet wird, Spaemann dementsprechend natürlich mit „(RS)“, und ein weiteres älteres Werk: Psallite sapienter; Erklärung der Psalmen im Geiste des betrachtenden Gebets und der Liturgie von P. Dr. Maurus Wolter, ursprgl. 1869, zitiert nach der 3. Aufl. Freiburg [Herder] 1904, „(MW)“. Ein sehr schönes Buch (in fünf Bänden…), dem die gelegentlich erheiternde Sprache der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum Abbruch tut, und aus dem man nebenbei so allerlei mitkriegt, welch ungeheuren (liturgischen) Reichtum wir (vorübergehend) verloren haben…

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Psallite Sapienter, 1904 (eigenes Bild)

Daneben haben wir gelegentlich auch noch in die „Septuaginta Deutsch“ geschaut, die sich bekanntlich mit „(LXX)“ für lateinisch „Siebzig“ abkürzt (Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 2009). Soweit erforderlich werden wir weitere Quellen (und ggf. Abkürzungen) von Fall zu Fall nennen.
(Und sollte ich gar, horribile dictu, meinen, mir sei selber etwas eingefallen, dann steht da natürlich „GL“ 😉 )

Morgen früh geht’s los!