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Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 15 „Conserva me, Domine…“

1 […] Conserva me, Domine, quoniam speravi in te.

2 Dixi Domino : Deus meus es tu, quoniam bonorum meorum non eges.

5 Dominus pars hæreditatis meæ, et calicis mei : tu es qui restitues hæreditatem meam mihi.

6 Funes ceciderunt mihi in præclaris ; etenim hæreditas mea præclara est mihi.

9 Propter hoc lætatum est cor meum, et exsultavit lingua mea ; insuper et caro mea requiescet in spe.

10 Quoniam non derelinques animam meam in inferno, nec dabis sanctum tuum videre corruptionem.

11 Notas mihi fecisti vias vitæ ; adimplebis me lætitia cum vultu tuo : delectationes in dextera tua usque in finem.

 

1 Bewahre mich Herr; den ich habe gehofft auf Dich.

2 Ich sprach zu dem HErrn: Mein Gott bist Du; denn meiner Güter bedarffst Du nicht.

5 Der HErr ist meines Erbes und Bechers Antheil; Du bist’s, der mir zurückgibt mein Erbe.

6 Das Loos ist mir gefallen auf’s Herrliche; denn ein herrliches Erbe ist mir geworden.

9 Darum freuet sich mein Herz, und frohlocket meine Zunge; und auch mein Fleisch wird ruhen in der Hoffnung:

10 denn Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und Deinen Heiligen nicht zu sehen geben die Verwesung.

11 Denn Du thuest mir kund den Weg des Lebens, wirst mir Freude geben vollauf durch Dein Angesicht , Wonne zu Deiner Rechten ewiglich.

 

Nicht Herr der Lage

Wir sind unserer selbst nicht mächtig, wenn wir nicht »bewahrt werden«. Die Haltung des Beters hat etwas Kindliches, sonst kann er nicht beten. […] Abhängig sind wir so oder so. Aber das freie Bekenntnis zu jener einzigen Abhängigkeit, die uns nicht unfrei macht, weil sie uns in unserem Wesen sein läßt, das ist die Haltung des Gebetes. […]

Erbteil und Becherteil

Dem Stamm Levi war bei der Landver­teilung Israels kein eigenes Land zugewiesen worden. Er dient dem Altar und soll vom Altar leben, von den Zehnten und den Tempeleinkünften. Aber wenn der Psalmist hier sagt: »Auf schö­nem Land fiel mir mein Anteil zu«, dann denkt er nicht an den Vergleich der Einkünfte. Sein Glück ist es, daß er unmittelbar vom Altar lebt, daß »der Herr mein Erbteil ist«. So mag der hei­lige Franziskus gebetet haben, nachdem er die Armut gewählt hatte und damit eine Gottunmittelbarkeit, die durch den Besitz nur gestört wird. […] (RS)

Der Herr ist mein Erbteil und Becherteil. Denn sie werden mit mir das Erbe besitzen, eben den Herrn. Trinken an­dere todbringende Lüste, mein Becherteil ist der Herr. Wenn ich sage mein, so nehme ich die Kirche hinzu, denn wo das Haupt, dort ist der Leib. (AA)

Ewiges Leben

An den Ausdruck des Jubels der Seele schließt sich die Gewißheit: »Auch mein Leib wird sicher wohnen. « Die Freude bleibt nicht nur innerer Trost. Ihr Inhalt ist die umfassende Rettung des ganzen Menschen. […]

In Tod und Auferstehung Christi hineingetaucht, schließt auch unsere Geborgenheit in Gott die Gewißheit ein, nicht im Totenreich zu bleiben. […]
Erst wenn wir wissen, daß »Leben« ein qualitativer Begriff ist, entsteht in uns die Sehnsucht nach einem Leben ohne Ende. Denn mit dem Leben in Gott ist der Gedanke des Endes unver­einbar. Mit dem Erscheinen des Sohnes Gottes auf Erden ist auch dieses Psalmwort unüberholbar erfüllt: »Du hast mir die Wege des Lebens bekannt gemacht.« (RS)

[E]in Text […], der eines der tragenden Stücke der frühchristlichen Auferstehungspredigt wurde, Psalm 1[5] (bes. Vers 9 ff). Aus seinem tiefen Vertrauen auf Gottes ret­tende Macht heraus wagt der Beter hier die Worte: »Auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit. Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du läßt deinen Frommen das Grab nicht schauen … Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.« Auch wenn hier ein direkter Glaube an die Todesüberwindung nicht ausgesagt sein sollte, so klingt doch die Gewißheit, daß Jahwe stärker ist als die Scheol, mit aller Deutlichkeit auf; der Beter weiß sich geborgen in Gottes Händen, die unzerstörbar die Macht des Lebens sind. (J. Ratzinger, Eschatologie, Tod und Ewiges Leben, Regensburg, 6. Aufl. 1990, S.78)

Sketchlet zum Advent No. 3: Das Sonderrecht

Das Sonderrecht

Ein Sketchlet für zwei Personen

Wundersdorf/ Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Edith und Richard misten Zeitungen aus. Dabei stoßen sie auf den einen oder anderen Artikel, der sie an etwas erinnert und tauschen sich darüber aus.

Edith (schaut von einer Zeitung auf): „Tugce starb an ihrem 23. Geburtstag.“

Richard blättert in seinem eigenen Stapel und brummt.

Edith: In der Antike glaubte man, perfekte Menschen sterben am selben Tag, an dem sie geboren wurden. (Sie legt die Zeitung auf den Abfallhaufen und sortiert weitere Zeitungen unbesehen dazu.)

Richard (sortiert aus): Hm. Der „Hirntod“, was auch immer man davon halten mag, war aber wohl schon früher. An ihrem Geburtstag haben sie „nur“ die Geräte abgeschaltet.

Edith (blättert; zertreut): Hm.  … Auf jeden Fall echt nah dran.

Richard (aus seiner Zeitung): „Karlsruhe bestätigt zweite Ehe als Kündigungsgrund“

Edith: Hm. Weißt du noch, Tom damals? Dem haben sie am Hedwigsgymnasium den Vertrag unterm Füller weggezogen, als er sagte, er heiratet Conni nicht … Da haben sie gesagt: „Wilde Ehe gibt’s bei uns nicht“.

Richard (brummt): Ist ja auch richtig so.

Edith (blättert weiter): Trotzdem! Die wußten genau, daß er Familie hat! Wie sollen denn da die Mütter zu Hause bleiben, wenn sie den Vätern keine Stelle geben? (brummt) Alles so verlogen!

Richard: Hm. Sie argumentieren halt, daß die Mitarbeiter an katholischen Schulen und Krankenhäusern auch die Institution Kirche repräsentieren. (Er sortiert einen Stapel Zeitungen auf den Abfallhaufen.) Und da gibt es dann halt in der Verfassung ein Sonderrecht für die Kirchen als Arbeitgeber.

Edith (liest aus einer der jüngeren Ausgaben): Ah! „Wundersdorf ehrt mit seinem 20. Menschenrechtspreis zwei syrische Erzbischöfe“.

Richard (blättert und sortiert): Hm.

Edith: Die sind ja echt seit anderthalb Jahren vermißt!

Richard: Mhm, schlimm!

Edith: Muß richtig großer Bahnhof gewesen sein in der Wundersdorfhalle, bei der Vergabe.

Richard (sortiert aus): Hm!

Edith: Also die Erzbischöfe, die stellvertretend den Preis in Empfang genommen haben, aber auch OB, MP, Superintendent und eben eine ganze Schar von Metropoliten, koptischen und orthodoxen Bischöfen, aus Köln und Berlin – also richtig hochgehängt die Sache! Hundert Grußworte von allen Seiten …

Richard: Ah! Ok!

(Sie blättern weiter und sortieren aus.)

Edith (nach einer Weile): Hab ich dir erzählt, daß unsere orthodoxen Mitbrüder und –schwestern sich schon gefragt haben, warum eigentlich kein Vertreter der katholischen Gemeinde anwesend war und gesprochen hat?

Richard (schaut auf): Nein. Wer sagt?

Edith: Ifigenia war dort – als Vertreterin der deutsch-griechischen Gesellschaft und unserer griechisch-orthodoxen Gemeinde, und unser orthodoxer Erzpriester. Er hat das zu ihr gesagt.

Richard (interessiert): Aha?!

Edith: Naja, sie haben dann gedacht, es sei sicherlich jemand da, den sie nur nicht kennen.

Richard (braust auf): Das ist genauso, als wäre keiner da!

(Sie blättern weiter in Zeitungen und sortieren aus.)

Edith: Wann wird das denn entschieden?

Richard: Was?

Edith: Wer den Wundersdorfer Menschenrechtspreis bekommt.

Richard: Meines Wissens muß das jedes Jahr am 31. Juli feststehen. Warum?

Edith: Dann hätten Hochwürden ja seinen Urlaub eigentlich ein bißchen danach ausrichten können … Wenn so viele Vertreter aus aller Welt nach Wundersdorf gefahren kommen …

Richard: Selbstverständlich hätte er das!

Edith: Er hätte doch sogar eine echte Conrad-Kneif-Rede halten können …

Richard (lacht): Du meinst in Stil von: ICH war ja auch mal in Syrien.

Edith (lacht auch): Genau: Für MICH war das ja damals richtig knapp, im März 2011 noch wieder rauszukommen!

Richard: Tja – warum hat er sich das nur entgehen lassen? Aber im Ernst! Wenn er schon nicht selber die Anteilnahme aufbringt, bei der Preisverleihung anwesend sein zu wollen, dann muß er selbstverständlich einen Vertreter schicken!

Edith: Den Pfarrvikar.

Richard: Zum Beispiel.

Edith: Der ist gebildet, kennt sich in der Gegend aus …der hätte ein Grußwort halten können, daß alle gedacht hätten: Boah, die Katholiken!

Richard: Klar! Aber das ist Kneif halt offenbar völlig wurscht!

(Sie sortieren weiter aus.)

Edith: Sag mal, müssen Priester nicht eigentlich auch die Kirche nach außen repräsentieren?

Richard (schaut auf): Selbstverständlich – wer sonst?

Edith: Na, die Ärzte und Lehrer und so … da nehmen sie’s so genau … und so ein Priester kann sich offenbar alles erlauben.

Richard: Hm.

Edith: Warum können sie Priester und Laien immer so mit zweierlei Maß messen?

Richard: Keine Ahnung … Sonderrecht der Kirche?

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Ob es bei der Verleihung des Weimarer Menschenrechtspreises am Ende zu ähnlichen Phänomenen gekommen sein mag?

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 14 „Domine, quis habitabit…“

1 […] Domine, quis habitabit in tabernaculo tuo? aut quis requiescet in monte sancto tuo?

2 Qui ingreditur sine macula, et operatur justitiam;

3 qui loquitur veritatem in corde suo; qui non egit dolum in lingua sua ; nec fecit proximo suo malum, et opprobrium non accepit adversus proximos suos.

4 Ad nihilum deductus est in conspectu ejus malignus; timentes autem Dominum glorificat. Qui jurat proximo suo, et non decipit;

5 qui pecuniam suam non dedit ad usuram, et munera super innocentem non accepit. Qui facit hæc non movebitur in æternum.

 

1 […]  HErr! wer wird wohnen in Deinem Zelte? oder wer wird ruhen auf Deinem heiligen Berge?

2 Der ohne Makel einhergeht und Gerechtigkeit übet,

3 der Wahrheit spricht in seinem Herzen, der nicht Falschheit übet mit seiner Zunge; seinem Nächsten nichts Uebles thut, und Schmähung wider seinen Nächsten nicht annimmt;

4  in dessen Augen nichts gilt der Bösewicht; der aber in Ehren hält die, so den HErrn fürchten; der seinem Nächsten schwöret und ihn nicht betrüget;

5 der sein Geld nicht gibt auf Wucher, und Geschenke nicht nimmt gegen den Unschuldigen: wer solches thut, der wanket nicht in Ewigkeit.

 

Reflexion über sich selbst

Die Forderung zielt […] auf die sitt­liche Verfassung des Hinzutretenden. Was ist der Sinn der Ein­gangsfrage? […] Immer wie­der durchzieht dieses Grundgefühl den Psalter: das Gefühl der Geborgenheit in Gott, in Seinem Haus. […]
»Im Zelt Gottes weilen«, »auf Seinem Berg wohnen«, das ist innerlich unmöglich, ohne daß der Mensch sich wandelt. […] Es gibt kein Gebet, in welchem der Beter indifferent gegen die Verfassung des eigenen Seins bleiben könnte. Besonders gilt das für das innere Gebet. […] Gewissenserforschung ist eine Voraussetzung des Gebetes.

Und zu ihr hält uns der 1[4]. Psalm an. Er enthält gleich einen sehr konkreten elementaren Beichtspiegel. […] Und dieser Maßstab zielt nicht zuerst auf dieses oder jenes, sondern auf das Herz des Menschen. Wohnen darf auf Gottes Berg, »wer in seinem Herzen treulich redet«, wer es von Grund auf ehrlich meint mit der Wahr­heit, wer ohne Falten ist, ohne Reservate, die er vor Gott, vor anderen, vor sich selbst verbirgt. […]
Der Gerechte ist der, der sich von irdischen Maßstäben nicht blenden läßt. »Der Verworfene ist in seinen Augen verächtlich.« Der Gerechte »ehrt die Gottesfürchtigen.« Auch dies ist ein Ge­genstand der Gewissenserforschung. Denn wir sind stets geneigt, die irdische Rang- und Prestigeordnung an die Stelle der gött­lichen zu setzen. Sogar die Kirche ist in dieser Versuchung, wie schon der Apostel Jakobus sagt. Wer ins Gebet eintritt, wer im Zelt Gottes wohnen will, muß die Maßstäbe Gottes bei der Be­urteilung der Welt zum Maßstab für seine eigene Rangordnung machen. […]

Das Gebot, aus der Notlage anderer Menschen keinen Vorteil zu ziehen, wird sicher nicht erfüllt durch die Aneignung eines bestimmten Soli­daritätsvokabulars, das bestimmte politische Gruppen begünstigt, ohne zu wissen, ob sie in der komplexen Lage der Welt irgendjemandem von Nutzen sind. […]

Bestechung gegen Unschuldige

[D]er Geist solcher Taten ist uns weniger fremd, als wir denken. Wie leicht reden wir jemandem zuungunsten anderer nach dem Mund, weil uns, wenn nicht an seinem Geld, so doch an seinem Wohlwollen, seiner Freundschaft liegt, weil er für unser Fortkommen oder auch nur für unser Wohlbefinden nützlich ist: Bestechung!

Zutritt zum Vater

Der Psalm nannte Gottes Bedingungen des Zutritts. Untadelig sollen wir sein, sine macula. Hier stellt sich Entmutigung ein: Wir sind nicht ohne Makel, »sine macula«, also dürfen wir nicht das Haus Gottes betreten. […] Die Antwort auf dieses Dilemma ist Jesus Christus. […]»Einen solchen Hohen Priester sollten wir haben, der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt (sine macula), von den Sün­dern abgesondert und höher als der Himmel. Er muß nicht täg­lich zuerst für die eigenen Sünden Opfer tun.« (Hebr 7,26 f.) In Ihm haben wir Zutritt zum Vater. (RS)

 

Die Übersetzung von Vers 4 ist Allioli, finde ich, leider ein bißchen sehr zurückhaltend geraten: Der ‚Bösartige‘(malignus) ist aggressiv  (der maligne Tumor, z.B.) und der ‚Bösewicht‘ ist, zumindest heutzutage, eher eine Figur des Kasperle-Theaters; deswegen wird er im Anblick (conspectus) dessen, der zumindest hofft, auf Gottes heiligem Berg ruhen zu dürfen ‚auf nichts zurückgeführt‘ (ad nihilum), dazu ist Anstrengung erforderlich, (innere) Tätigkeit, denn bekanntlich kommt das Böse häufig und „gerne“ attraktiv daher.
Und für das Umgekehrte gilt das auch: ‚glorificare‘ ‚rühmen‘ (glori-ficare, gloriam facere, ‚Ruhm machen‘) ist anders und mehr als ‚in Ehren halten‘. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 13 „Dixit insipiens in corde suo…“

1 […] Dixit insipiens in corde suo : Non est Deus. Corrupti sunt, et abominabiles facti sunt in studiis suis ; non est qui faciat bonum, non est usque ad unum.

2 Dominus de cælo prospexit super filios hominum, ut videat si est intelligens, aut requirens Deum.

3 Omnes declinaverunt, simul inutiles facti sunt. Non est qui faciat bonum, non est usque ad unum. Sepulchrum patens est guttur eorum ; linguis suis dolose agebant. Venenum aspidum sub labiis eorum. Quorum os maledictione et amaritudine plenum est ; veloces pedes eorum ad effundendum sanguinem. Contritio et infelicitas in viis eorum, et viam pacis non cognoverunt ; non est timor Dei ante oculos eorum.

6 Quoniam Dominus in generatione justa est, consilium inopis confudistis, quoniam Dominus spes ejus est.

7 Quis dabit ex Sion salutare Israël ? Cum averterit Dominus captivitatem plebis suæ, exsultabit Jacob, et lætabitur Israël.

 

1 Der Thor spricht in seinem Herzen: “Es ist kein Gott“. Verderbt sind sie, und abscheulich sind sie geworden in ihren Anschlägen. Keiner ist, der Gutes thut, auch nicht Einer.

2 Der HErr schauet vom Himmel auf die Menschenkinder, daß er sehe, ob einer verständig sey oder nach Gott frage.

3 Alle sind abgewichen, allesammt unnütz geworden; keiner ist, der Gutes thue, auch nicht Einer. Ein offenes Grab ist ihr Rachen; mit ihren Zungen handeln sie trüglich, Natterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit; schnell sind ihre Füße zum Blutvergießen. Verderben und Unglück ist auf ihren Wegen und den Weg des Friedens kennen sie nicht; die Furcht Gottes ist nicht vor ihren Augen.

6 [D]enn der HErr ist bei dem Geschlechte der Gerechten; den Rath des Armen habt ihr verspottet, weil der HErr seine Hoffnung ist.

7 Wer wird doch Israel das Heil aus Sion geben? Wenn der HErr abwendet die Gefangenschaft seines Volkes, wird Jakob frohlocken, und Israel sich freuen!

Verkehrte Welt

Die Psalmen kreisen immer wieder um das Thema »Die wahre und die verkehrte Welt«: die Welt, wie Gott sie sieht, wie sie wäre, wenn sie den Blick Gottes als maßgebliche Wahrheit anerkennte; und die Welt, wie sie aus der Perspektive der Aufleh­nung gegen Gottes Königtum erscheint. […] Der 1[3.] Psalm bildet einen Höhepunkt innerhalb dieser Thematik. […]
Zum Leben, als wenn kein Gott wäre, gehört es, sich zu sagen: Er ist wirklich nicht. Dies ist die Vollendung des Aufstandes gegen Seine Herrschaft. […]
Daß der Atheismus des Toren nur die verborgene In­nenseite seines Handelns ist, geht aus dem folgenden Satz [Vers 3] hervor, wo von der Verderbtheit der Sitten die Rede ist. […]
Und nun sagt der Psalm, wie es Gottes suchendem Blick er­geht: Er begegnet keinem Blick. Er findet keinen, der nach Gott Ausschau hält, keinen, der die Welt vom Blick Gottes her zu ver­stehen sucht, keinen, der Gutes tut, »auch nicht einen Einzigen«. […]

Umschwung, „Peripetie“

Plötzlich ist nicht [mehr der Übeltäter]  Herr der Situation, sondern Gott, der »bei dem Geschlecht der Gerechten« ist. Auf einmal gibt es das Ge­schlecht der Gerechten, nachdem es zuvor hieß, es gäbe keinen, der gerecht wäre. Im Erleiden des Unrechts wird »der Arme, der seine Zuversicht auf Gott setzt«, zum Gerechten. Im Erleiden des Unrechts stellt sich die Wahrheit wieder her. […]
Das Volk Gottes, die civitas Dei, ist nicht das Subjekt der Geschichte, es ist nicht Täter, sondern Opfer, wenn es seinem Herrn folgt. Es gehört deshalb zu denen, die die verkehrte Welt als verkehrt erfahren. Darum sein Ruf nach Hilfe, »Erlösung von Zion«, »Rückkehr aus der Gefangenschaft«. […] Hier ist nicht mehr von den »Menschen« die Rede, die alle Böses tun, sondern vom Volk Gottes, das in der verkehrten Welt der Menschen gefangen ist, aber als Volk der Verheißung Ausschau hält nach Erlösung. Der Ort, von wo die Erlösung kommt, ist schon da: Zion-Golgatha. Golgatha ist der Gipfel der verkehrten Welt, zugleich der Punkt der Umkehr, der Wendepunkt. […] (RS)

 

Psalm 13 kann einen ‚ganz schön mitnehmen‘ und das sollte er auch tun: „auch nicht Einer“, jeder ist damit gemeint, jeder einzelne, wir alle…! Und von dieser Wucht erspart einem Robert Spaemann nichts, im Gegenteil. Ich habe das gar nicht erst versucht gekürzt widerzuspiegeln, sondern empfehle Ihnen erneut die Lektüre des Buches; dringend empfehle ich sie!

Der heilige Apostel Paulus hat im dritten Kapitel des Römerbriefs (bes. ab Vers 10) dieses Gebet als Ausgangspunkt der Darlegungen zu Sünde und Rechtfertigung gemacht – wir wissen, mit welch gewaltigen und teils problematischen theologiegeschichtlichen Wirkungen.
Aber auch ohne dem ist das hier erneut ein Ort, an dem m.E. deutlich wird, wie ausgesprochen gefährlich die un(an)geleitete Bibel-Lektüre werden kann, vor allem, wenn sie „auswählt“ (griech. hairesis, die Auswahl). Bekanntlich gilt das ganz ausdrücklich auch für die Schriften des Hl. Apostels Paulus.
Ich empfinde in solchen Momenten trostreich und voller Dankbarkeit das Geschenk, das die Kirche ist! Sie läßt uns, im letzten zuverlässig irrtumsfrei, die ganze Bibel lesen und lehrt uns, sie ausgewogen und richtig zu verstehen. Wie wunderbar ist diese Gewißheit in der lebendigen Gemeinschaft aller Zeiten, der wir angehören dürfen!
Und so betet die Kirche eben auch nicht umsonst den ganzen Psalter und lehrt uns daraus, wie Er uns auch wieder „Freude ins Herz“ gibt! (Ps 4, 7) (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 12 „Usquequo, Domine…“

1 In finem, psalmus David. Usquequo, Domine, oblivisceris me in finem? usquequo avertis faciem tuam a me?

2 Quamdiu ponam consilia in anima mea, dolorem in corde meo per diem?

3 Usquequo exaltabitur inimicus meus super me?

4 Respice, et exaudi me, Domine Deus meus. Illumina oculos meos, ne umquam obdormiam in morte;

5 nequando dicat inimicus meus: Prævalui adversus eum. Qui tribulant me exsultabunt si motus fuero;

6 ego autem in misericordia tua speravi. Exsultabit cor meum in salutari tuo. Cantabo Domino qui bona tribuit mihi; et psallam nomini Domini altissimi.

 

1 Zum Ende, ein Psalm Davids. Wie lange, Herr, wirst Du mein so ganz vergessen? Wie lange wendest Du dein Angesicht von mir?

2 Wie lang soll ich rathschlagen in meiner Seele, Schmerzen leiden in meinem Herzen täglich?

3 Wie lang soll sich mein Feind über mich erheben?

4 Schau doch und erhöre mich, HErr, mein Gott! Erleuchte meine Augen, daß ich nicht etwa entschlafe zum Tode,

5 daß mein Feind nicht etwa sage: Ich bin seiner mächtig geworden; denn die mich quälen, frohlocken, wenn ich wanke.

6 Aber ich hoffe auf Deine Barmherzigkeit, es frohlockt mein Herz in deinem Heile; ich will singen dem HErrn, der mir Gutes gethan, und lobsingen dem Namen des HErrn, des Allerhöchsten.

 

 

»Wie lange noch?«, beginnt der Psalm. Diese Frage gehört zum Wesen des Menschen. Denn wir sind endliche Wesen. […] Es gibt im menschlichen Leben das »zu spät!«. […]
Die Pseudoewigkeit der Wissenschaft mit ihrer Fortschrittsidee ist Opium des Volkes angesichts jener Leiden, die entweder jetzt oder gar nicht geheilt werden. […]

Für den Psalmis­ten steht hinter aller Angst des Einzelnen um sich selbst immer noch eine andere: daß die Feinde triumphieren, wenn sie den Frommen wanken sehen. Das ist zunächst ein ganz elementares Motiv – niemand gönnt seinem wirklichen Gegner den wirk­lichen Sieg, noch weniger das Triumphgefühl auf meine Kosten.
Das Psalmengebet unterdrückt kein elementares menschliches Motiv. Es kennt nicht die Verleugnung der ganzen Dimension der Aggressivität. Und auch das Christentum lehrt nicht die Ver­leugnung dieser Dimension, sondern ihre Reinigung. Jesus be­fiehlt dem Petrus, das Schwert, das er für Ihn gezogen hatte, in die Scheide zu stecken (Joh 18,11). Aber es war ja Liebe in diesem Ziehen des Schwertes. Nur reichte die Liebe nicht aus, im Zu­stand der Wehrlosigkeit Christus nicht zu verleugnen. Wie viele aber ziehen ihr Schwert nur deshalb nicht, weil ihre Liebe nicht einmal so weit reicht? […]

Der Psalmist betet um Rettung schlechthin. Und das heißt beten, daß Gott unsere Augen er­leuchtet. Die Angst des Beters geht aufs Ganze: das Verschwin­den des göttlichen Gesichts, Verdunkelung des Sinns, Triumph der Feinde, Verschwinden der Welt, Tod. Die Bedrohung kennt keine Grenzen, wenn einmal Gottes Gesicht sich verhüllt. […]

Unvermittelt die Peripetie, wie so oft im Psalm. Das Gebet selbst ist schon der Anfang der Rettung. Solange der Mensch zu Gott ruft, hat das Böse nicht gesiegt. (RS)

 

Auch dieser Psalm ist Teil der Komplet am Dienstag. Durchhalten: Realistisch schildert der Psalm, was geschähe, wenn man es nicht täte, wenn man „wankte“. Und er vermittelt zugleich den wahren Grund für die Fähigkeit dazu: Kein eigenes Verdienst, sondern „Barmherzigkeit“ und die kann nur „erhofft“, erbetet werden, „in finem“, bis zum Ende. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 11 „Salvum me fac, Domine…“

2 Salvum me fac, Domine, quoniam defecit sanctus, quoniam diminutæ sunt veritates a filiis hominum.

3 Vana locuti sunt unusquisque ad proximum suum ; labia dolosa, in corde et corde locuti sunt.

4 Disperdat Dominus universa labia dolosa, et linguam magniloquam.

5 Qui dixerunt : Linguam nostram magnificabimus ; labia nostra a nobis sunt. Quis noster dominus est?

6 Propter miseriam inopum, et gemitum pauperum, nunc exsurgam, dicit Dominus. Ponam in salutari ; fiducialiter agam in eo.

8 Tu, Domine, servabis nos, et custodies nos a generatione hac in æternum.

 

2 Hilf mir, HErr! Denn die Heiligen nehmen ab; und die Wahrheit mindert sich unter den Menschenkindern.

3 Eitles reden sie, ein jeglicher zu seinem Nächsten; ihre Lippen sind trügerisch, mit doppeltem Herzen reden sie.

4 Es vertilge der HErr alle trügerischen Lippen, die großsprecherischen Zungen,

5 die da sagen: Unsere Zunge wollen wir herrlich machen; unsere Lippen sind unser, wer ist unser Herr?

6 Wegen des Elendes der Dürftigen und des Seufzens der Armen steh‘ ich jetzo auf, spricht der HErr. Ich will Heil schaffen, vertraulich mit ihnen handeln.

8 Du, HErr, wirst uns behüten, und uns bewahren vor diesem Geschlechte in Ewigkeit.

 

Ein geläufiges Gefühl

Das Gefühl des Niedergangs, das Gefühl, daß das Böse in der Welt überhandnimmt, daß Rechtschaffenheit nur etwas für die Dummen ist. Und das Gefühl, daß Glaube und Frömmigkeit rückläufig sind. […]
Die Situation des Niedergangs, ja des Endes ist vor allem durch einen Zug charakterisiert: die Herrschaft der Lüge, der »glatten Zunge«. […] Die menschliche Rede ist ja imstande, die wahre Welt zum Ver­schwinden zu bringen. Alle Dinge sind, wie sie sind. Aber das Wort kann, was ist, umlügen. So nennt Jesus den Fürsten dieser Welt auch den Vater der Lüge. […]
Bei der Lüge kommt es darauf an, welche Lüge sich als die mächtigere erweist. Die Welt der Lüge ist eine Welt des Kampfes um die Macht- Und Wille zur Macht steckt nach den Worten des Psalms auch hinter der -glatten Lippe« oder »Zunge«: »Mit unserer Zunge sind wir mächtig, unsere Lippen helfen uns. Wer kann Herr sein über uns?« Wer bereit ist zur Lüge, gewinnt Macht über den anderen. Man kann ja dessen Vorstellungen über die Wirklichkeit manipulieren und so sein Handeln steuern. Wer gar im Großen durch Meinungsbeeinflussung auf die Menschen wirken kann, ist der wahre »Fürst dieser Welt«. […]

Ein geheimer, nicht korrumpierbarer Bund

Der zweite Teil des Psalms stellt, wie in so vielen Psalmen vor­her, die Wiederherstellung der wahren Welt durch Gott dar. […]
Aber dieser zugleich Gute und Mächtige zeigt sich nicht als solcher. Er kündigt sich nur an: »Wegen der Bedrückung der Armen und Seufzer der Schwachen – jetzt stehe ich auf, spricht der Herr!« Alle, die unter dem Wort der Offenbarung leben, leben in der Phase des »Jetzt stehe ich auf! « Aber sie haben nur das Wort, und ihre einzige Erfahrung ist die der Glaubwürdigkeit dieses Wortes. […]
»Mit dem Frommen ist es aus!«, hieß es am Anfang. So ist es, wenn wir die Realität in Rechnung stellen, die sich den Augen zeigt. Anders ist es, wenn wir die Wirklichkeit in Betracht ziehen, wie sie uns im Wort Gottes gedeutet wird. »Der Glaube kommt vom Hören. « (Rom 10,17) Das Wort Gottes umgibt den Glau­benden wie eine für die Welt unsichtbare und doch undurch­dringliche Mauer. […]
»Laßt euch retten aus diesem ver­kehrten Geschlecht« (Apg 2,  40), so sagt der heilige Petrus denen, die auf seine Predigt hin tragen, was sie denn tun sollen. Und Christus hatte im Gebet vor seinem Tode ausdrücklich »nicht für die Welt«  gebetet, sondern für »die, die Du mir gegeben hast« (Joh 17, 9). Sie aber sind durch das Gebet des Herrn für immer geborgen in der Treue Gottes. Und jedes Gebet ist ein tieferes Eingehen in diesen geheimen, durch nichts korrumpierbaren Bund […]. (RS)

 

Jedesmal, wenn ich diesen Psalm bete, er gehört zur Komplet des Dienstags im bewährten Ritus, kann ich nicht umhin zu staunen über die Treffsicherheit, die „Aktualität“ der Beschreibung der „großsprecherischen Zungen“! Und wie schön Allioli das „magnificabimus“, was ja eigentlich heißt: „wollen wir großmachen“ mit „herrlich machen“ übersetzt: Da wird deutlich, was da geschieht: Sie ver-Herr-lichen, sie ver-gotten ihre Rede, machen sie zum Götzen, dessen Anbetung sie allseits fordern und es „Rationalität“ oder „Wissenschaftlichkeit“ nennen und gar nicht merken, daß sie selbst die  ersten und schlimmsten Unterworfenen sind. Es gibt Tage, da übersetze ich für mich „dieses Geschlecht“, vor dem wir im strengen Wortsinne ‚Gott sei Dank‘ bewahrt sind, härter: „Gottloses Pack“. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 10 „In Domino confido…“

2 In Domino confido; quomodo dicitis animæ meæ: Transmigra in montem sicut passer?

3 Quoniam ecce peccatores intenderunt arcum ; paraverunt sagittas suas in pharetra, ut sagittent in obscuro rectos corde ;

5 Dominus in templo sancto suo ; Dominus in cælo sedes ejus. Oculi ejus in pauperem respiciunt, palpebræ ejus interrogant filios hominum.

7 Pluet super peccatores laqueos; ignis et sulphur, et spiritus procellarum, pars calicis eorum.

8 Quoniam iustus Dominus, et iustitias dilexit : æquitatem vidit vultus ejus.

 

2 Ich vertraue auf den HErrn; wie saget ihr zu meiner Seele: Flieh wie ein Sperling auf den Berg!

3 Denn siehe, die Sünder spannen den Bogen, halten bereit ihre Pfeile in dem Köcher, um in Dunkeln zu schießen auf die, so aufrichtigen Herzens sind

5 Der HErr ist in seinem heiligen Tempel, der HErr hat im Himmel seinen Sitz; seine Augen schauen auf den Armen, seine Augenlider erforschen die Menschenkinder.

7 Er regnet Schlingen über die Bösen; Feuer und Schwefel und Sturmwind ist der Anteil ihres Bechers.

8 Denn der HErr ist gerecht und liebt die Gerechtigkeit[en]; auf Billigkeit schauet sein Angesicht.

 

Auseinandersetzung mit wohlmeinenden Freunden

Der Ratschlag dieser Freunde: Gib auf! Verzichte darauf, deinen Anspruch auf Recht, deinen Hunger und Durst nach Ge­rechtigkeit erfüllt zu sehen! Rette deine Haut! »In die Berge flieh wie ein Vogel!« Die Berge sind der Ort der Flüchtlinge, der Ge­ächteten, der Vogelfreien. […]
Und dieser Rat ist es, den der Beter nicht akzeptiert. Er akzeptiert nicht die Vogelfreiheit. Er hat sich im Herrn geborgen, »der in Seinem heiligen Tempel wohnt«. Der Tempel, das ist nicht die Vogelfreiheit draußen vor der Stadt. Das ist mitten im Zentrum. Hier ist Gottes Platz, und aus dieser Mitte läßt der Beter sich nicht vertreiben. […]

Persepktivwechsel

Unvermittelt wechselt die Perspektive des Psalmisten. Die Freunde kalkulieren die Chancen nach irdischen Maßstäben und kommen zu einem vernichtenden Ergebnis. Der Beter spricht von der Perspektive Gottes, dessen »Augen die Menschen prüfen«. An die Stelle der aussichtslosen .Lage tritt die Gewißheit von der Gerechtigkeit des Herrn, der den Frevlern ein vernich­tendes Schicksal bereitet. […]
Gesicht gebracht werden? Der Rat der Freunde ist so, daß Beter fragt: »Wie könnt ihr so zu meiner Seele sprechen?« (RS)

„Denn der Herr ist gerecht und liebt die Gerechtigkeiten“ [iustitias] Nicht umsonst steht die Mehrzahl, denn in vielen Gerechten werden gleichsam viele Gerechtigkeiten geschaut, wäh­rend die Gerechtigkeit Gottes Eine ist, an der alle teilha­ben. Wie wenn ein Antlitz in viele Spiegel blickt, so wird, was in ihm einzig ist, von jenen Vielen vielfach zurück­gestrahlt. (AA)
[Auch die Mehrzahl der LXX-Handschriften hat den Plural („Gerechtigkeitserweise“ könnte man auch sagen), den leider auch Allioli nicht so übersetzt hat]

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 9 „Confitebor tibi, Domine…“

1 In finem, pro occultis filii. Psalmus David.

12 Psallite Domino qui habitat in Sion; annuntiate inter gentes studia ejus,

13 quoniam requirens sanguinem eorum recordatus est; non est oblitus clamorem pauperum.

14 Miserere mei, Domine: vide humilitatem meam de inimicis meis,

15 qui exaltas me de portis mortis, ut annuntiem omnes laudationes tuas in portis filiæ Sion.

20 Exsurge, Domine; non confortetur homo: judicentur gentes in conspectu tuo.

21 Constitue, Domine, legislatorem super eos, ut sciant gentes quoniam homines sunt.

 

23 Dum superbit impius, incenditur pauper: comprehenduntur in consiliis quibus cogitant.

32 Dixit enim in corde suo : Oblitus est Deus; avertit faciem suam, ne videat in finem.

35 Vides, quoniam tu laborem et dolorem consideras, ut tradas eos in manus tuas. Tibi derelictus est pauper; orphano tu eris adjutor.

38 Desiderium pauperum exaudivit Dominus; præparationem cordis eorum audivit auris tua,

39 judicare pupillo et humili, ut non apponat ultra magnificare se homo super terram.

 

1 Zum Ende, für die Geheimnisse des Sohnes, ein Psalm Davids.

12 Lobsinget dem HErrn, der auf Sion wohnet! Verkündet unter den Heiden seine Rathschlüsse;

13 denn der Rächer ihres Blutes gedachte ihrer, er vergaß nicht das Geschreie der Armen.

14 Erbarme Dich meiner, o HErr! Sieh meine Erniedrigung durch meine Feinde,

15 der Du mich emporhebest aus den Thoren des Todes, damit ich All Dein Lob verkünde in den Thoren der Tochter Sions.

20 Steh auf, o HErr, es erstarke nicht der Mensch; vor Deinem Angesicht sollen gerichtet werden die Völker.

21 Setz, o HErr einen Gesetzgeber über sie; damit die Völker erkennen, daß sie Menschen sind.

 

23 So lange Uebermuth treibet der Gottlose, muß brennen der Arme; aber jener wird gefangen in den Anschlägen, die er ersinnet

32 Denn er spricht in seinem Herzen: Gott hat’s vergessen, hat abgewandt sein Angesicht, daß er’s nimmermehr sehe.

35 Du siehst es; denn Du schauest die Mühsal und den Schmerz, um sie Deiner Hand zu übergeben. Dir ist überlassen der Arme; der Waise bist Du Helfer.

38 Das Verlangen der Armen hat erhöret der HErr, Du hast bereitet ihr Herz, daß darauf höre Dein Ohr,

39 daß Du Recht schaffest der Waise und dem Niedrigen, daß der Mensch hinfüro sich nimmer groß mache auf Erden.

 

Wenn wir [den Psalm], auch unabhängig von bestimmten Situationen, als Christen beten, dann tun wir es unter der Voraussetzung, daß alle Schriften letz­ten Endes von Christus und von der Befreiung durch Ihn han­deln. […]
So ist die Wirklichkeit: nicht neutral gegen Gut und Böse, son­dern in ihrem Grund und Wesen gut. Auch der Richter ist Partei, für das Recht und damit für den, der Unrecht leidet, also den Armen, den Unterdrückten, den Bedrängten. Er ist »Bluträcher«. […]
Und nun: »Er vergißt nicht die Schreie der Armen.« Der Beter des Psalms meditiert die wahre Ordnung der Dinge. Er durchdringt betend den dichten Nebel der irdischen Maßstäbe. […]
Die Meditation über Gottes gerechtes Gericht führt indes nicht aus der irdischen Wirklichkeit heraus, in der die Not des Armen fortbesteht. Daher das Nebeneinander: Dank für das Gericht und Bitte um Gericht: […] Die Welt, wie sie ist, ist charakterisiert durch Hybris, durch den babyloni­schen Turmbau, die Selbstüberhebung des Menschen. Worin liegt die Hybris? Sie liegt darin, daß der Mensch unter dem Vorwand, das Recht zu interpretieren, sich selbst zur Quelle des Rechts und seiner Geltung macht. Solches Recht kann immer nur zur Bedrü­ckung der jeweiligen Armen fuhren, denn wo der Mensch herrscht, herrscht notwendigerweise der Stärkere, seien es Einzelne über Viele, seien es Viele über Einzelne. Aber Recht heißt: Unterordnung des Menschen unter ein Gesetz, das seinen Ursprung nicht in ihm selbst hat. Alles andere ist »Überhebung«. Frei ist der Mensch nur, wo Gott Richter der Volker ist. […]

Die Welt ist verkehrt. Der Psalm schildert die verkehrte Welt, in der der Frevler nicht nur sein Unwesen treibt, lügt, dem Armen auflauert, ihn ausplündert, mordet, sondern dies alles auch mit der Sicherheit dessen tut, der weiß, daß er nichts zu fürchten hat. […]
Und wieder die dem Gebet eigentümliche Wendung in den letzten Versen: Das Gebet selbst vermittelt die Gewißheit seiner Erhörung. Plötzlich heißt es: »Das Begehren der Armen hast Du vernommen.« […]
Die Hybris des Menschen, die ihn sich selbst an »Gottes Stelle setzen«, die ihn »Recht setzen läßt«, bedeutet: »Gewalt«. Gewalt ist das Gegenteil legitimer Herrschaft. […]
Die Auferstehung Christi ist der ostentative Bruch aller menschlichen Gewalt, denn das stärkste Instrument dieser Herrschaft ist der Tod. Wo die Macht des Todes gebrochen ist, da »übt ferner kein Mensch von der Erde Gewalt«. Als Menschen, die im Zeichen der Auferste­hung Christi leben, können wir mitten in der Welt der Gewalt des Menschen beten: »Das Begehren des Armen hast Du vernom­men, Herr.« (RS)

 

Mit dem heutigen Psalm, dem zehnten in der Zählung der Septuaginta und ihr folgend der Vulgata, läuft ihre Zählung mit der momentan aktuellen auseinander. In ihr handelt es sich um zwei Psalmen, Nr. 9 und Nr. 10. In den Büchern aus dem 19. Jahrhundert, die ich benutzt habe, heißt es dann für das, was hier der zweite Teil von Psalm 9 ist: „Psalm 10 nach den Hebräern“.

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Allioli-Bibel, „Ps 10 Nach den Hebräern“ (eigenes Bild)

Dies ist nicht der Ort, sich mit dem Für und Wider beider Zählweisen auseinanderzusetzen. In letzter Konsequenz ist es auch sicherlich (beinahe) egal. Aber ich möchte schon festhalten, daß es Gründe gibt, an der „alten“ Zählweise festzuhalten, m.E. sogar wissenschaftliche. Aber das zu begründen bin ich von Ausbildung nicht berufen und weiß noch nicht genug davon, um zum jetzigen Zeitpunkt etwas dazu zu sagen. Daß ich mich für den Adventskalender so entschieden habe, wie ich es entschieden habe, hat dennoch auch heute schon belastbare Gründe, die zu erkennen und nachzuvollziehen man kein Altphilologe sein muß: Wie schon in der Einleitung ausgeführt, bedeutet es mir sehr viel, diese Texte zu beten in dem Gefühl der Verbundenheit mit den Generationen von Betern vor unserer Zeit. Für mich ist das ein so gewichtiges Argument, daß ich die Weise, wie in der Allioli-Bibel die Zählung „ nach den Hebräern“ in Klammern angegeben wird

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Allioli-Bibel, „Ps 22 (23)“ (eigenes Bild)

gegenüber dem heutigen Verfahren, daß dies ja genau umgekehrt macht (also die Zählung der Vulgata in Klammern setzt), deutlich bevorzugen würde. Und wenn heute vielerorts der Bezug auf die lange bewährte Zählweise gar ganz weggelassen wird, dann frage ich mich schon, ob es den dafür Verantwortlichen eigentlich völlig „wurscht“ ist, wenn ein Augustinus oder eine Teresa von Avila, ein Robert Bellarmin oder eine Teresia Benedikta v. Kreuz (Edith Stein) nicht (sofort) verstanden hätten, was sie mit einem Bezug auf Ps. 23 meinen, weil sie ihn als Ps. 22 kannten. Mir ist das aber nicht egal.
Und auf einer anderen grundsätzlichen Ebene geht es darum erneut dem vulgären Vorurteil entgegenzutreten, das da lautet: „Alt = dumm; neu = schlau“. Das paßt gar nirgendwo, im Umgang mit heiligen Texten und ihrer Geschichte aber besonders schlecht.

Sketchlet zum Advent No. 2: Das Veilchen

Das Veilchen

Ein Sketchlet für zwei Schafe, acht Personen und beliebig viele Statisten

Wundersdorf/ Oderbruch. Im Gemeindesaal der katholischen Gemeinde Maria Hilf! Familie Langenfeld, bestehend aus Richard und Edith und ihren Töchtern Emily und Teresa, sitzt mit Silke, Hanna und Karl an einem Tisch beim Gemeindekaffee. Zu ihren Füßen haben es sich Wolle und Flocke, zwei der Wundersdorfer Schafe, bequem gemacht. Weitere Tische sind mit kleinen und großen Pfarrkindern besetzt. Tina, ihres Zeichens Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, wuselt herum, trägt Geschirr und singt dabei immer wieder leise vor sich hin: Sie hat einen Ohrwurm von Mozarts „Veilchen“.

Edith (krault Flocke hinter den Ohren): Und? Geht es Kohle wieder besser?

Flocke (zustimmend): Mäh!

Hedwig: Was hatte er denn?

Richard: Eine Krise.

Wolle: Weil er twittert!

Flocke: Unsinn! Die Diskussion hat es ihm nur zu Bewußtsein gebracht. Man merkte doch, wie präsent ihm mit einem Schlag alles war.

Hedwig: Na was denn: „alles“?

Edith: Er litt letzte Woche fürchterlich unter der böckefeindlichen Sprache der Bibel: Die Böcke sind die von vornherein Verfluchten, die Opfertiere und die Sündenböcke.

Silke: Ach Gott! Aber das ist ja wahr!

Wolle: Wir haben ihn dann notdürftig damit getröstet, daß Krutzi ja lieber ein Bock wäre und sich immer schon zum Opferlamm der ganzen Herde stilisiert hat.

Edith: Ausgerechnet Krutzi! Die, wo sie nur kann, alle herumkommandiert. Es ist wirklich zum Lachen!

Tina (singt vor sich hin): „Ach, aber ach! Das Mädchen kam und nicht in acht das Veilchen nahm. Ertrat das arme Veilchen!“

Silke: Krutzi wäre lieber ein Bock?

Flocke: Ja, weil sie gerne Hirte wäre.

Die ganze Runde bricht in fröhliches Gelächter aus.

Hanna: Aber ob man Hirte werden kann oder nicht, hängt doch nicht nur davon ab, ob man ein Bock ist?

Edith (lacht): Auch wenn zuweilen in Puncto Gemeindeleitung der Bock zum Gärtner gemacht wird …

Karl: Na, immerhin haben wir zum Ausgleich auch eine „Leithammelrunde“.

Wolle: Mä?

Edith: Die Leiter der Kruppen und Greise – äh! Gruppen und Kreise …

Silke (lacht ein wenig bitter): Hja! Jemand anders als die Senioren hat bei uns seelsorglich wirklich kaum noch ein Angebot.

Flocke: Entschuldigt, daß ich so nachfrage, aber … Ihr wißt doch, was der Unterschied zwischen einem Bock und einem Hammel ist?

Karl (mit einem Seitenblick auf die kleine Teresa): Ach so, ja. Der zwischen einem Hengst und einem Wallach.

Teresa: Ach so! Hammel sind kastriert. Sag das doch gleich!

Silke (lacht): Ja, dann ist der Name ja goldrichtig: Da sitzen nämlich genau die zusammen, die sowieso nichts ausrichten können, weil Corinna auf allem den Daumen hat.

Alle lachen.

Tina (singt): „Es sank und starb und freut sich noch: Und sterb ich denn, so sterb ich doch durch sie, durch sie, zu ihren Füßen doch!“

Edith (schaut zu Tina hinüber, seufzt): „Es war ein herzig‘s Veilchen!“

Hanna (zu Flocke): Aber den Lämmchen geht’s gut?!

Flocke: Alles bestens!

Richard (mitfühlend): Irgendein Schaf erzählte was von Konjunktivitis?

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 8 „Domine, Dominus noster, quam admirabile …“

2 Domine, Dominus noster, quam admirabile est nomen tuum in universa terra! quoniam elevata est magnificentia tua super cælos.

3 Ex ore infantium et lactentium perfecisti laudem propter inimicos tuos, ut destruas inimicum et ultorem.

4 Quoniam videbo cælos tuos, opera digitorum tuorum, lunam et stellas quæ tu fundasti.

5 Quid est homo, quod memor es ejus? aut filius hominis, quoniam visitas eum?

6 Minuisti eum paulo minus ab angelis; gloria et honore coronasti eum ;

10 Domine, Dominus noster, quam admirabile est nomen tuum in universa terra!

 

2 Herr, unser Herr, wie wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde! denn Deine Herrlichkeit ist erhöhet über die Himmel.

3 Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hast Du vollkommenes Lob bereitet um deiner Feinde willen, um den Feind und den Rachgierigen zu stürzen.

4 Denn schau ich Deine Himmel an, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du gegründet:

5 was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, oder der Menschensohn, daß du ihn heimsuchest?

6 Du hast ihn nur wenig unter die Engel erniedrigt, mit Herrlichkeit und Ehre ihn gekrönet,

10  Herr, unser Herr, wie wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde!

 

Vollendeter Lobpreis

Der siebte Psalm, der mit einem Notruf begann, endete mit Lobpreis. Der achte Psalm ist ganz diesem Lobpreis gewid­met. Am siebenten Tag vollendet Gott die Welt, indem Er sie für gut befindet. Im achten Psalm antwortet der Beter mit dem Echo: Die Welt ist schön, und das Werk lobt den Meister. Hier ist nicht von dem die Rede, was der Mensch auf Erden gemacht hat, son­dern von dem, was allen Menschen weit vorausliegt, von der Natur als Epiphanie Gottes […] (RS)

In der zum Schluß wiederholten Anrufung heißt es betont: „HErr, unser HErr“, HErr für uns, für das Menschengeschlecht, der sich nicht in sich selbst verschließt, obwohl er sich natürlich genügte in der innertrinitarischen Beziehung, sondern sich verströmt, unerklärlicher- und „wunderbarer“-weise. (GL)

‚Kinder und Säuglinge‘ stürzen die Feinde

Es gehört zum Gottesverhältnis der Juden wie der Christen, die Welt so zu sehen. Denn das heißt, sie im Lichte des göttlichen Sabbats sehen. Es gibt keine Erlösung, wenn die Welt nicht im Grunde gut und schön ist. […] Es gehört zur guten Welt, daß in ihr für Gotteslob schon gesorgt ist. Nicht einmal wir sind dazu nötig: Die Kinder und Säuglinge besorgen es […]. Lob Gottes geschieht nicht erst mit Wissen und Bewußtsein. Es ge­schieht, wo überhaupt das Licht, das Offene wahrgenommen und auf es geantwortet wird. Das Lächeln des Säuglings, mit dem er auf das der Mutter antwortet, ist ein Lob Gottes, die Kinderlieder sind es, aber auch das Entdecken der fallenden Klötze oder des steigenden Luftballons. Die Zustimmung zur Welt! (RS)

Unter den Feinden dieser Ordnung des Heils durch Jesus Christus, und zwar den gekreuzigten, haben wir alle die zu verstehen, die an Ungekanntes zu glauben verbieten und eine sichere Erkennt­nis versprechen, wie es alle Häretiker tun, und die, die vom Aberglauben der Heiden ‚Philosophen‘ genannt wer­den. Nicht als ob das Versprechen des Wissens verwerflich wäre, sondern weil sie die überaus heilsame und notwen­dige Stufe des Glaubens vernachlässigen zu dürfen meinen, durch die allein man zu etwas Gewissem, das als sol­ches, nur ein Ewiges sein kann, emporzusteigen vermag. (AA)

Dieses schwache, mit kosmischen Maßstäben gemessen gar nicht in Betracht kommende Wesen ist »nur um ein Geringes unter die Engel« […] gestellt. Ihm und nicht den Sternen kommen die Begriffe zu, die ursprünglich das Wesen Gottes aussagen: Herrlichkeit und Ehre. […] Der Mensch ist – wie Mond und Sterne – von Gott geschaffen. Aber das Spezifische des Menschseins ist nicht durch das Wort »schaffen« ausgedrückt, sondern durch das Wort »gedenken«. Das bloß Geschaffene ist im Verhältnis zum Schöpfer wie ein Ding, ein Objekt. Der endliche Geist aber, der sich zu seinem Schöpfer zurückwendet, tritt mit Ihm in Kommunika­tion, und er hat in dieser Gemeinschaft seinen Grund und sein Wesen. [vgl. die Kritik der Rezension am Vorabend!, hier] Er soll Gottes gedenken, weil er selbst im Gedenken Got­tes gründet. Er ist zwar auch »Werk Seiner Hände«, aber Mensch ist er durch jenen »Hauch«, der die unmittelbare Übertragung des Lebens durch die Lebensäußerung Gottes ist. (RS)

 

Wie wunderbar sich Psalm 8 dazu fügt, daß wir am 8. Dezember ein Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern! Wer würde die hier anklingenden Themen der ‚Heimsuchung‘ und des ganz kleinen und zugleich ganz mächtigen Kindes aber auch der nachgerade unfaßlichen Möglichkeit der Erhöhung des Menschen nicht auf sie und ihr Kind beziehen? Wer wäre, gerade im Advent, dafür nicht ganz besonders empfänglich?

Dürer Mondsichelmadonna

Albrecht Dürer, Mondsichelmadonna (Bild: Zeno.org, gemeinfrei)

Folgerichtig war (?) Psalm 8 denn auch Bestandteil des Offiziums der Muttergottesfeste:

Wahrhaft ‚wunderbar ist des HErrn Name‘ in Maria, der erkorenen unter allen Geschöpfen. […] Bekleidet mit der Sonne, den Mond (d.i. die Welt) ‚ zu ihren Füßen‘ und um das Haupt ein Sternendiadem (Offb 12, 1), sitzt sie ganz nahe beim Lichtthron des dreifaltigen Gottes, mütterlich herrschend über alle ‚ihr zu Füßen gelegten‘ Kreaturen. Holdselige Mutter, Königin des Himmels, von dir spricht der Heilige Geist: ‚Schön ist sie wie der Mond!‘ (Hl 6,9) (MW)

Ja, ‚Schön ist sie wie der Mond‘Pulchra ut Luna! 🙂

 

Und zum Feiertag haben wir auch noch ein Video! Von den Machern von „Advent in two minutes“:

„Mary in two minutes”; Enjoy!