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Sola scriptura? Solus BAT! Was man aus der aktuellen EKD-Synode lernen kann

Von „synodalen Strukturen“ hören wir ja aus der jahrzehntealten Mottenkiste der „Reform“-Forderungen à la ZdK häufig genug. Wem nun das, was wir in der Causa Limburg an Wirken „synodaler Strukturen“ beobachten durften wie die frevelhafte Manipulation der Kathedralglocken, abtrünnige Priester, die im Hochgebet ihren Bischof nicht mehr erwähnen und ein Domkapitel, das nach dem Motto: ‚Rette sich wer kann‘ jahrelange Mitverantwortung öffentlich leugnet, wem das also noch nicht genug ist, der konnte am gestrigen Sonntag beobachten, wie ‚wohltuend‘ das Wirken „synodaler Strukturen“ sich auswirkt, wenn sie voll ausgeprägt sind, wie bei unseren protestantischen Brüdern und Schwestern.

Da wurde nun gestern Günther Beckstein, der bisherige Vertreter der Präses der Synode der EKD, Kathrin Göring-Eckardt, NICHT als ihr Nachfolger gewählt (sondern Irmgard Schwaetzer, ehem. Bundesbauministerin). Warum wurde er nicht gewählt? Weil er öffentlich Kritik am berüchtigten Familienpapier der EKD geübt hatte? Weil er überhaupt gefordert hatte, der Protestantismus in Deutschland müsse „frommer“ werden? Oder vielleicht, weil er einfach der ‚dumme polternde Bayer‘ ist, der sich in einer Sprache ausdrückt, die den Damen und Herren Synodalen nicht hinreichend ‚akademisch‘ verschwurbelt ist? Oder doch einfach nur, weil ein ehemaliger CSU-Politiker in der nach allgemeiner Meinung rot-grün (oder grün-rot?) dominierten Versammlung eh ein Fremdkörper war und ist? (vgl. z.B. hier)

Wahrscheinlich von allem ein bißchen, und die Anteile abzuschätzen kann sich allenfalls ein Insider zutrauen.

Interessant ist aber ein Aspekt, der, wie mir scheint, als Katalysator der Ablehnung gewirkt haben dürfte. G. Beckstein hatte im Vorfeld der Versammlung in deutlichen Worten Kritik geübt an einem alten Bekannten im deutschen ökumenischen Verhältnis, der auch den PuLa-Lesern vertraut ist. Er hatte nämlich gesagt: „Wir brauchen lutherische Theologie in der EKD und nicht nur Gundlach-Theologie“.

Gemeint war Thies Gundlach, theologischer Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes. Mehr zu ihm und seinen bloß vermeintlich ökumenischen Vorstellungen in dem PuLa-Artikel hier.

Leider hat sich Beckstein für diese Äußerung mittlerweile entschuldigt und sich in ziemlich lavierender Weise rausgeredet, er habe nicht gewußt, daß Journalisten anwesend sind, naja, das kennt man ja.

Aber DAS war offensichtlich zuviel. Einen leitenden „Kirchenbeamten“, bzw. einen der leitenden Angestellten zu kritisieren, das hat, als Zünglein an der Waage, G. Beckstein vermutlich das Amt gekostet.

Nun, all das sind inner-evangelische Vorgänge und auch wenn ich aus ganzem Herzen glaube, daß Beckstein gerade mit seiner persönlich zugespitzten Kritik völlig recht gehabt hat, kann man fragen, was hat das auf einem katholischen Blog zu suchen? Wollte ich nur einfach mal wieder auf einen alten Artikel hinweisen können?

Na klar! 😉

Aber nicht nur. Denn in dem Zusammenhang fiel mir ein Kommentar aus der FAZ wieder ein, erschienen am Vorabend des „Reformationstags“ (also zwei Tage vor Allerheiligen… 🙂 ), der mir für diesen Vorgang sozusagen schon vor dem Ereignis den Schlüssel geliefert zu haben scheint. Da äußerte sich Reinhard Bingener, gewissermaßen das evangelische Pendant zu Daniel Deckers unter den Journalisten der FAZ, im „großen“ Kommentar auf der Seite 1 zu dem Thema: „Eine bürgerliche Religion“.

Der Text beginnt, unweigerlich in diesen Zeiten, mit einer Gegenüberstellung des armen Bischofs von Limburg mit Papst Franziskus und seinem „Armutsideal“ für die Kirche. Klar, wer dabei besser wegkommt aber im folgenden erweist sich Bingener dennoch, wieder einmal, als ein Meister darin, unterschwellig-subtil das Katholische als überlebt und jedenfalls irgendwie verdächtig erscheinen zu lassen. Das kann er wirklich erheblich besser als Herr Gundlach (von Arndt Brummer, dem „Kettenhund“ der EKD ganz zu schweigen).

Aber der entscheidende Dreh des Kommentars kommt dann erst noch: Weder „Prunksakralität“ (also katholisch à la T.v.E.) noch „Armutsideal“ (also katholisch à la Franziskus) seien die Lösung, denn: [Die Reformatoren] „formulierten Grundprinzipen einer bürgerlichen Religion“, die Ablehnung des „Imperativ, eine religiöse Existenz müsse irgendwie anders sein.“ Dieser bemerkenswerte Gedankengang endet mit dem Schlußsatz: „Die A13-Religion der deutschen Kirchenbeamten ist allemal besser als Armutsgesten oder Protzgehabe.“

Aha. Hätte ich diesen Satz losgelöst irgendwo gelesen, ich hätte mich vermutlich gefragt, wo der Verfasser denn wohl ausgebüxt sei, oder ob der Karneval schon am 30. Oktober begonnen habe, aber, wie gesagt, es handelt sich um den großen Kommentar einer überregionalen deutschen Tageszeitung am Vorabend des „Reformationstags“ auf der „Seite 1“.(man kann den Text zum Glück online nachlesen, hier).

Tja, wie hat der HErr so schön gesagt: „Wenn ihr nicht werdet wie die Beamten, könnt ihr das Reich Gottes nicht erlangen“. Wo stand das noch gleich? Im Evangelium nach dem Hl. Buerocratius vermutlich.

Aber ernstlich: Hat das noch etwas mit dem alt-reformatorischen Prinzip der Sola scriptura (das ich natürlich nicht teile!) zu tun? Sola scriptura? Nein, Solus BAT! scheint die Devise zu sein (BAT, Bundesangestelltentarif, auch wenn das System aktuell nicht mehr so heißt).

Dazu ließe sich nun so einiges sagen, vor allem über das grundverkehrte Kirchenverständnis („Kirche“ letztlich nur als geistige Realität unter Abwertung der irdischen Institution), das zuverlässig der Leugnung der Geschichtlichkeit des übernatürlichen Heilswirkens in der realen, irdischen Welt in die Hände spielt, und damit den Abfall vom Glauben überhaupt vorbereitet, aber das ist eine alte Geschichte und ein weites Feld.

Wichtig ist mir heute: Genauso, wie Herr Bingener den Protestantismus in Deutschland hier schildert, genauso hat sich die Synode der EKD in der Causa Beckstein gerade benommen: „Die A13-Religion der deutschen Kirchenbeamten“ am Werk, quasi (wobei Bingener am Samstag [9. November] in einem kleinen Kommentar bemerkenswerterweise diesen Verlauf praktisch vorhergesagt hatte (S. 10): Quod erat demonstrandum!)

Und da drängen sich dann zwei Beobachtungen auf:

1) (Neu-) Evangelisierung geht so bestimmt nicht. Oder denkt ernsthaft irgend jemand, man könne mit dieser bloßen Weltverdoppelung, obendrein in der peinlichsten Form politischen Personalgeschachers, geistlich bzw. spirituell irgendeinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken? „Kommt alle zu uns! Hier geht es zwar genauso besch… zu, wie in der Welt, die ihr schon kennt, aber wir haben da noch ein paar nette, alte Geschichten auf Lager, die wir zwar selber nicht mehr so recht ernstnehmen, aber sie sind zu Weihnachten ganz kuschelig.“
Wohl eher nicht.

2) Und daran anschließend: Worüber soll ich denn mit solchen Menschen „ökumenisch“ reden? Es scheint mir höchste Zeit, den allseits ad nauseam (=bis zum Schlechtwerden) beschworenen „Zwang zur Ökumene“ einmal in diesem Licht zu sehen. Ich möchte mich nicht mit „Kirchenbeamten“ unterhalten, jedenfalls nicht, wenn sie gar nichts anderes mehr sein wollen. Diese Bemerkung zielt wohlgemerkt nicht primär auf die protestantische Seite (die muß selber sehen, was sie tut), sondern auf diejenigen in unserem eigenen Laden, die uns immer genau dies als Vorbild empfehlen, wie z.B. das nichts und niemanden außer sich selbst repräsentierende ZdK.
Oder auf einen Stadtdekan, der sich schon jetzt in „schönster“ Zivilkleidung als Mitglied eines Domkapitels in einer Pressekonferenz rumlümmelt, wie um zu demonstrieren, daß er schon vor Jahren die Abschaffung der konfessionellen Spaltung durch weitmöglichstes „Abschleifen“ alles Katholischen empfohlen hat.

Warum hören wir solchen Leuten überhaupt noch zu? Es ist lächerlich!

Zum Ende sei hinzugefügt: Ich kenne und schätze (lutherische) Protestanten, die leiden unter diesem Syndrom mehr und heftiger, als wir es naturgemäß je können, die mühen sich, etwas zu tun, gegen die „Diktatur der OberkirchenrätInnen“ (nicht meine Wortschöpfung!).

Unterstützen wir sie! Außer im Gebet geht das am besten – indem wir katholisch bleiben.

 

2 Kommentare

  1. Proschwitz schrieb:

    Was ist das Gute an „BAT-Kirchlern“, egal ob kath. oder ev.? Sie erledigen sich von selbst! Und warum? Sind sie etwa spannend? Sind sie anregend? Mit einem Wort: sind sie „lebensfördernd“? Nein, das sind sie nicht. Sie sind genau das, was Häresie ausmacht, sie sind langweilig! Genauer: totlangweilig. Man kann ihnen dabei getrost zuschauen, wie sie sich selbst zu Grabe tragen. Oder noch besser: man lässt sie gleich links liegen und wendet sich wieder dem Leben und dem allumfassenden Glauben zu.

    Dienstag, 12. November 2013 um 11:52 | Permalink
  2. Hm! Sehr einverstanden mit der Analyse, aber ich weiß nicht, ob ich so optimistisch wäre, jedenfalls kurzfristig.

    GL

    Dienstag, 12. November 2013 um 20:32 | Permalink

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. […] muß offenbar sein, einem Gremium, dem auch der in diesen Zeilen schon bekannte Thies Gundlach (hier, mit weiterführendem Link) zugeordnet ist und dessen letzte im Netz greifbare Publikation aus dem […]

  2. Pulchra ut Luna › Am 31. Oktober 2017… on Dienstag, 31. Oktober 2017 um 18:51

    […] Kirchenbeamte geplant hätten. Der wohl prominenteste ‚Kirchenbeamte‘ der EKD, der hier ja gut bekannte Thies Gundlach keilte zurück, eben diese Professoren hätten in einer „grummeligen Meckerstimmung“ die […]

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