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Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 7 „Domine Deus meus, in te speravi…“

7 Exsurge, Domine, in ira tua ; et exaltare in finibus inimicorum meorum ; et exsurge, Domine Deus meus, in præcepto quod mandasti ;

8 et synagoga populorum circumdabit te : et propter hanc in altum regredere.

9 Dominus judicat populos. Judica me, Domine, secundum justitiam meam, et secundum innocentiam meam super me.

10 Consumetur nequitia peccatorum ; et diriges justum, scrutans corda et renes, Deus.

13 Nisi conversi fueritis, gladium suum vibrabit ; arcum suum tetendit, et paravit illum.

14 Et in eo paravit vasa mortis, sagittas suas ardentibus effecit.

16 Lacum aperuit, et effodit eum ; et incidit in foveam quam fecit.

 

 

7 Steh auf, Herr, in deinem Zorne und erheb Dich in den Grenzen meiner Feinde; und steh auf, Herr, mein Gott, nach dem Gebote, das du verordnet, 

8 und die Versammlung der Völker wird Dich umgeben und dieser wegen kehre zurück auf die Höhe.

9 Der HErr richtet die Völker. Richte mich, HErr, nach meiner Gerechtigkeit und nach meiner Unschuld, geschehe mir.

10 Laß enden die Bosheit der Sünder und leite den Gerechten, Du Gott! der Herzen und Nieren erforschet

13 Wenn ihr euch nicht bekehret, wird er sein Schwert zücken. Seinen Bogen hat er gespannet und ihn zugerichtet.

14 Er hat tödliche Geschosse darauf gelegt; Seine Pfeile brennend gemacht.

16 Eine Grube hat er geöffnet und sie ausgegraben, aber er fiel in das Loch, das er gemacht.

 

Zwei sprichwörtliche Redewendungen der deutschen Sprache birgt dieser Psalm: Das ‚Prüfen auf Herz und Nieren‘ in Vers 10 und  das ‚Fallen in die selbstgegrabene Grube‘ in Vers 16.
Er ist Teil  der Komplet am Montag und aus Erfahrung kann ich sagen, er ist und bleibt ungewöhnlich „sperrig“ auch nach vielfacher „Lektüre“. Was einen nicht schämen muß, scheint es doch selbst dem Hl. Augustinus nicht anders ergangen zu sein, aber die Auswahl noch mehr als sonst erschwert: Wer meine Wahl gar nicht nachvollziehen kann, den bitte ich schon vorab um Nachsicht (und am besten einen ausführlichen „Kommentar“! 😉 ) (GL)

 

Gott als Richter

In einer Welt, die sich dieser Herrschaft entgegensetzt, hat der Anbruch der Gottesherrschaft zunächst den Charakter des »Zor­nes«. Daß »Gott aufsteht in Seinem Zorn«, darum geht auch das Gebet der Christen, die das »Wüten der Bedrücker sehen«. (RS)

Und die Versammlung der Völker wird Dich umgeben. Eben dadurch, daß Dich nicht fassen Deine Kreuziger, glauben an Dich die Heiden.. Aber wenn dies wirklich der Sinn dieser Stelle ist, so bringt das Folgende etwas noch Schmerzlicheres: Und wegen dieser kehre zur Höhe zurück. Auch wegen dieser Versammlung des Menschengeschlechts, die sich in den Kirchen breitmacht, kehre zur Höhe zurück, Sie trägt Deinen Namen und tut nicht Deine Taten (AA)

Das Tribunal, an das der Christ appelliert, ist universal, politisch-kos­misch. Gott ist »Richter der Völker«, »umgeben von der Ge­meinde der Völker«. Gottes Richteramt, jene letzte Offenbarung der Wahrheit und Gerechtigkeit, auf die wir warten, ist nichts Privates. Es ist die Herstellung einer absoluten Öffentlichkeit. […]
Diese Öffentlichkeit ist aber andererseits dadurch charakterisiert, daß es ihr gegenüber kein privates Reservat gibt. In ihr zählt nicht, wie in aller irdischen Gerechtigkeit, der Schein des Guten, sondern nur die innerste Wirklichkeit des Menschen, die allen anderen, ja sogar dem Menschen selbst, verborgen bleibt. »Du, o gerechter Gott, durch­forschst Herz und Nieren.« […]

Beten im Geiste Jesu

Der »gerechte Gott, der Herzen und Nieren durchforscht«, findet in jedem von uns geheime Wünsche nach einem Vorteil über andere. Nur der menschgewordene Sohn Gottes und Seine heilige Mutter sind so eins mit dem Willen Gottes, daß ihre Selbstliebe nur reines Abbild der Liebe ist, mit der Gott sie liebt. Alle Bitten der Psalmen um den Sieg der Gerechtigkeit müssen von uns im Geist Jesu gebetet werden, wenn sie nicht ein Moment von Falschheit enthalten sollen. Aus dem Geist Jesu beten heißt um die Königs­herrschaft Gottes bitten, die »dem Gerechten Bestand gibt«.[…] (RS)

Richte mich, Herr, nach meinem Recht und nach meiner Un­schuld über mir. Nach Recht und Unschuld, die über mir sind .. Richte mich nach der Flamme, die über mir schwebt [ super me !, GL], die nicht ich bin, sondern durch deren Ent­zündung aus Dir ich strahle. (AA)

Der Bogen und die Geschosse

Gern verstünde ich den Bogen von den heiligen Schriften, wo durch die Stärke des Neuen Testaments wie durch eine Sehne die Härte des Alten gebeugt und gezähmt ist. Von da werden als Pfeile die Apostel ausgesandt, glühende von Gottesliebe. Von welch andern Pfeilen würde entbrannt, wer zu Gott zurücksehnt? Todesgeschosse:  Sind es die Häreti­ker? Denn auch sie springen vom gleichen Bogen ab. Darum ist der göttlichen Vorsehung auch diese Schickung zuzuschreiben. Durch ihren Tod werden die Kinder der katholischen Kirche wie durch Stacheln aus dem Schlafe getrieben. »Es müssen nämlich Häresien sein« (1.Kor 11, 19) (AA)

Platon und die Grube

Der Ungerechte verschafft sich – wie Platon immer wieder zeigt – in Wirklichkeit gar keinen Vorteil, sondern handelt gegen sein eigenes Wesen. Oder, wie es hier formuliert wird: »Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.« Die Bos­heit kehrt sich gegen den Bösen selbst. Gerechtigkeit ist keine äußere Forderung, die an den Menschen ergeht, sie ist ein Gesetz seines Wesens. (RS)

Ein Trackback/Pingback

  1. Pulchra ut Luna › Psalm in gerechter Sprache on Montag, 6. April 2015 um 23:26

    […] Psalm 7 war natürlich auch Teil des Psalmen-Adventkalenders mit A. Augustinus und R. Spaemann, hier. […]

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