Als kleiner Nachtrag zum Papstgeburtstag folgt hier der Link zu einem sehr schönen Text von Dr. Alexander Kissler im heute erscheinenden „Vatican-Magazin“ (das übrigens auch am Weimarer Bahnhof erhältlich ist, für alle, die Papier bevorzugen!): „Mystiker aus Einsicht„.
Kissler ist immer lesenswert, aber was mich gerade an diesem Text besonders gefreut hat, ist die Tatsache, daß er die ja gern ein bißchen stiefmütterlich behandelte Predigt des Hl. Vaters auf dem Erfurter Domplatz in seiner Argumentation heranzieht! Hier der Abschnitt, auf den sich Kissler bezieht:
„[…] Christus kommt auch heute auf uns zu, er spricht jeden einzelnen an, wie er es eben im Evangelium getan hat, und lädt jeden von uns ein, ihm zuzuhören, ihn verstehen zu lernen und ihm nachzufolgen. Diesen Anruf und diese Chance haben die Heiligen genutzt, den konkreten Gott haben sie anerkannt, ihn gesehen und gehört und sind auf ihn zugegangen, mit ihm gegangen; sie haben sich von innen her sozusagen von ihm anstecken lassen und haben sich ausgestreckt auf ihn – in der beständigen Zwiesprache des Gebets – und von ihm das Licht erhalten, das ihnen das wahre Leben erschließt.“
(Zur Predigt auf dem Domplatz mit ganzem Text auf PuLa: hier)
Papst Benedikt feiert heute seinen 85. Geburtstag.
Ob ich in der Lage wäre, zu diesem Anlaß etwas auch nur ansatzweise Angemessenes zu schreiben? Vermutlich eher nicht! Den Schub, den dieser Papst vielen Gläubigen (und sogar Nicht-Gläubigen!) auf dieser Welt geschenkt hat, den wird man wohl erst im zeitlichen Abstand wirklich würdigen können und ich fürchte, alles Persönliche geriete mir leicht zu persönlich…
Wie schön, daß PuLa sich dankbar an der wunderbaren Initiative einiger Kolleginnen und Kollegen beteiligen konnte, die dem Jubilar einen Blumenstrauß papsttreuer Blogs gebunden haben. Enjoy!
You’ll never walk alone…
Edit: Und (mit herzlichem Dank für den Hinweis!) hier noch ein sehr launiger und gelungener Beitrag von M. Matussek auf Spiegel-Online.
Seufz! Bis man nach so einem Wochenende, das man mit der Familie fast völlig außerhäusig verbracht hat, wieder an die Tastatur kommt…
Aber es gibt heute abend etwas zu berichten. Etwas Schönes! Nun ist eigentlich die Abendmesse nach dem Weißen Sonntag ja nichts Aufregendes und auch die schöne und sorgfältige Gestaltung (Embolismus!) durch Pfr. Riethmüller und die ebensolche Predigt hätten mich um kurz vor 23.00 Uhr nicht mehr dazu gebracht, das Notebook anzufeuern.
Nein, heute abend war es die Musik, die den Gottesdienst besonders ausgezeichnet hat. Ich saß relativ weit hinten und vor mir wandten sich immer wieder etliche Gemeindemitglieder erstaunt um, was sich denn da so erfreuliches auf der Orgelempore tat. Sichere und geschmackvolle Registrierung, schöne und, für unsere Verhältnisse, ausführliche Liedvorspiele, die Aufzählung ließe sich fortsetzen! Klar, daß es nach dem abschließenden Marienlied (!) auch noch ein schönes Nachspiel gab. Als im Anschluß mehr als ein Besucher dieser Messe das Bedürfnis verspürte, sich dafür beim Organisten zu bedanken, stellte sich heraus, daß es sich um einen Studierenden der Musikhochschule handelte, der, nach eigenem Bekunden, nicht einmal Kirchenmusik im Hauptfach betreibt!
Um so bemerkenswerter, wie sensibel gerade der liturgische Aspekt des Spiels an zwei zentralen Stellen gelungen war. Wir hatten es auf diesen Seiten schon einmal: Der an und für sich schöne und sinnvolle „Friedensgruß“ wird durch seine Plazierung unmittelbar vor dem Agnus Dei zum Problem. Wie überaus wohltuend und hilfreich war es da, durch den kleinen aber professionellen Kunstgriff eines etwas längeren Liedvorspiels wieder die Chance zur Konzentration auf das Wesentliche, die sakramentale Gegenwart des HErrn, zu bekommen! Und ebenso nach der Kommunion. Wie oft wird man aus diesem Moment der Andacht und des Gebets, im besten Fall des wirklich innigen Gebets, gerissen, weil auf der Empore jemand meint, jetzt müsse es „aber mal weiter gehen“; zum Aus-der-Haut-fahren! Nicht so heute: Sehr sensibel begann das Lied nach der Kommunion einmal erst zum angemessenen Zeitpunkt. Danke, Herr B., nochmals ganz herzlichen Dank!
Was man an diesem schönen Erlebnis sieht, ist, was Amei Mende vor einiger Zeit den Verantwortlichen der Gemeinde detailliert und mit etlichen Nachweisen nahe zu bringen versucht und via PuLa mit uns allen geteilt hat: Gute Kirchenmusik ist nichts für abgehobene Schöngeister, nein, sie dient der Liturgie in entscheidender, wenn auch manchmal durchaus unaufdringlicher Weise. Und zwar nicht an derem Rande, sondern in ihrem Zentrum! Nicht nur die musikalischen Experten (zu denen ich mich auch nicht zählen darf, obwohl es davon gerade bei uns auch ziemlich viele gibt) erfreut sie, sondern sie nützt jedem einzelnen Gläubigen, der sich um seine Andacht müht!
Jetzt werden sich vermutlich gerade die externen PuLa-Leser fragen: Warum ist denn das offenbar so etwas Besonderes? Warum hat man denn solche Erlebnisse in einer Stadt mit einer Musikhochschule nicht öfter? Müßte das nicht möglich sein? Ja, liebe Leser, das wäre es. Aber die Studierenden spielen nicht regelmäßig. Dahinter steht eine Geschichte, die ungeachtet ihrer deprimierenden Gründe von der Solidarität zwischen Lernenden und Lehrenden erzählt und so nicht einmal nur traurig ist. Aber zu traurig und zu lang, um heute abend erzählt zu werden.
Vielleicht muß man sie ja auch gar nicht mehr erzählen, wenn, ja wenn ein, zwei Menschen über ihren Schatten springen und wirklich etwas tun, statt nur so zu tun, als ob sie etwas täten…
Anders als im vergangenen Jahr ist das Osterlachen auf PuLa heuer weniger innerkirchlich als historisch/gesellschaftspolitisch.
Viel Spaß! (bevor wir uns, mehr nolens denn volens, vorrübergehend unangenehmeren Themen zuwenden müssen…)
Verwaltungssitz des Kreises Weimarer Land ist Apolda, ein häufig zu Unrecht unterschätztes Städtchen mit bemerkenswertem kulturellem Leben und im kirchlichen Zusammenhang interessant aufgrund seiner großen Vergangenheit im Glockenguß!
Wenig überraschend ist das Autokennzeichen des Kreises „AP“.
Und erinnern Sie sich noch an die „Außerparlamentarische Opposition“? Eines der ganz besonders problematischen Phänomene der an solchen nicht armen 60er Jahre, abgekürzt „APO“. Ihren Höhepunkt hatte diese „Bewegung“ nach allgemeiner Meinung im emblematischen Jahr 1968.
Ahnen Sie schon, worauf das hinausläuft? Genau, auf das Autokennzeichen AP-O 1968.
Und das gibt’s tatsächlich:
Als ich das sah, dachte ich zuerst: „Ich hätte mich ja eher mit dem Landrat duelliert, als dieses Kennzeichen zu akzeptieren! Ob sich der Halter nichts dabei gedacht hat?“
Aber das ist ja fast unmöglich!
Doch der zweite Blick offenbart: Der oder die Betreffende scheint ein Mensch von beträchtlicher Coolness zu sein!
Schauen Sie nur:
Das Kennzeichen befindet sich auf einem Mercedes! Einem schwarzen Mercedes!! Einem sauberen schwarzen Mercedes!!!
Arme Achtundsechziger…
Aber so ist das: The Times, they are a‘changing!
(Zur Veröffentlichung von Autokennzeichen vgl. LG Kassel – Az.: 1 T 75/07)
Sehr empfehlenswert! Vor allem der vorangestellte Text von Pfr. Kämpf, ganz wie’s sein soll, die „Predigt für die, die nicht in die Kirche kommen können“, aber auch S. 8, über das neue Angebot der CARITAS und, außerordentlich erfreulich!, auf S. 9 der Hinweis auf die künftige regelmäßige Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung, die auf die hervorragende Initiative eines weiblichen Gemeindemitglieds zurückgeht; herzlichen Dank für die Initiative und herzlichen Dank der Gemeinde für die Einrichtung!
Aber in diesem „Osterbrief“ findet sich auch, auf S. 11, ein Text, der, wie sich erschließen läßt, schon den Verfassenden als Fremdkörper vorgekommen sein muß. Er setzt sich nämlich mit diesem Blog auseinander, wenn man denn die ziemlich wüste Abfolge von Beschimpfungen und Unterstellungen eine Auseinandersetzung nennen kann.
Schade, gerade wollte ich mich, auch im Interesse der PuLa-Leser außerhalb Weimars, die die hiesigen Vorkommnisse ja nur bedingt interessieren können, mal wieder mit interessanteren Dingen beschäftigen (und es gibt einiges, das gerne geschrieben würde!), da kommt so etwas…
Aber wenn Sie den bemerkenswerten Text gelesen haben, werden Sie mir zustimmen: Das kann nicht unkommentiert stehen bleiben.
Und es wird nicht unkommentiert bleiben. Stück für Stück, Vorwurf für Vorwurf.
Aber, bis auf eine Ausnahme, nicht jetzt. Ich hatte schlicht keine Lust, diesen Samstag damit zu vertun und ab morgen (spätestens) treten wir ja nun in die zentrale Zeit des Kirchenjahres ein, die ich mit der Widerlegung solch absurden Gezänks nicht beschmutzen werde. Daher macht PuLa bis nach den Osterfesttagen Pause, d.h. auch Kommentare beabsichtige ich nicht zu veröffentlichen, aber Sie wissen ja, daß sie dennoch nicht verloren gehen!
Deswegen empfehle ich, laden Sie sich bei Interesse den Text herunter und speichern ihn bei sich, vielleicht drucken Sie ihn sich ja auch ohnehin aus, denn das so nützliche „Pfarrbriefarchiv“ ist vor kurzem abgeschafft worden, in bemerkenswerter zeitlicher Koinzidenz zu diesem Beitrag übrigens. Statt dessen darf man sich jetzt in eine Verteilerliste einschreiben und erhält den Pfarrbrief dann per Newsletter, vermutlich nach digitaler Gesichtskontrolle… 😉
So, und damit zu der erwähnten Ausnahme. Auf der Seite 11 wird behauptet, PuLa habe „sich offensichtlich die Amtsenthebung von Pfarrer Kämpf zum Ziel gemacht.“
Dazu paßt, daß es offenbar Menschen gibt, die wohl dazu angestachelt wurden zu verbreiten, meine Frau sammele zu diesem Zwecke Unterschriften, z.B. vor der „Herderkirche“ (für Nicht-Weimarer: das ist die evangelische Stadtkirche St. Peter und Paul) wahrscheinlich weil da so viele Katholiken sind…
Ach Du liebe Güte! Was für ein blühender Unsinn. Also, zum Mitschreiben:
Erstens: Kein Mitglied meiner Familie sammelt irgendwelche Unterschriften und wir kämen auch gar nicht auf so einen Gedanken. Das letzte Mal, daß ich in kirchlicher Angelegenheit auf der Straße gewesen bin (abgesehen von Prozessionen), war mit einer Sammelbüchse der CARITAS. Und ich weiß auch von keinem unserer Freunde, die sich einem solch unwürdigen Tun auch nur gedanklich nähern könnten!
Zweitens: PuLa verfolgt keineswegs die Amtsenthebung von Pfr. Kämpf, oder irgendeine andere Form, unseren rechtmäßig eingesetzten Pfarrer loszuwerden.
Pfarrer Kämpf ist auf diesen Seiten kritisiert worden, auch deutlich kritisiert worden, und zwar jeweils als Reaktion auf sein vorangegangenes Handeln. Pfarrer Kämpf ist auf diesen Seiten auch gelobt worden, was jeweils ganz genauso ernst gemeint war und was die interessierten Kreise geflissentlich unterschlagen.
Es sprengt aber beinahe mein persönliches Vorstellungsvermögen, wie jemand Kritik (um jetzt mal nur die zu betrachten) ausschließlich als Bedrohung interpretieren kann und wie es möglich ist, von Kritik automatisch auf persönliche Ablehnung zu schließen und von vermeintlicher (!) persönlicher Ablehnung automatisch auf den Wunsch, jemanden „loszuwerden“. Mir scheint, das ist ein geradezu klassischer Fall, wo die Verdächtigung mehr über die sagt, die sie äußern, als über die, die sie treffen soll. Traurig.
Außer der persönlichen Dimension hat dieser falsche Vorwurf aber natürlich noch eine weitere, wichtigere: Die genuin kirchliche nämlich. Unterschriften gegen (oder meinetwegen auch für) einen Pfarrer? Wir sind doch hier nicht bei den WiSiKis! So etwas hat in der Hl. Mutter Kirche einfach keinen Platz! Bei uns weist der Bischof der Pfarrei ihren Hirten zu und zwar regelmäßig auf Dauer (vgl. CIC can. 522 und can. 538, bes. §1). Und dann haben die beiden eben miteinander auszukommen, der Pfarrer mit seiner Gemeinde und all ihren Mitgliedern – und sie mit ihm.
Letztlich ist das ein Ausfluß der hierarchischen Verfaßtheit der Kirche, die ihrerseits auf ihrer apostolischen Legitimation beruht, und darauf, daß der geweihte Priester eben „etwas besonderes“ ist. Von diesem Prinzip ist PuLa, bin ich, sind wir tief durchdrungen und wenn mich an dem Vorwurf etwas ernsthaft schmerzt (und nicht nur in seiner Absurdität amüsiert), dann ist es, daß mir/uns so etwas zugetraut wird.
Und, nur daß wir uns richtig verstehen, ab der Veröffentlichung des Beitrags, den Sie gerade lesen, kann niemand mehr auch nur einigermaßen guten Gewissens behaupten, PuLa habe mit derartigen erfundenen Aktivitäten etwas zu tun. Ich werde aber, anders als der Beitrag im „Osterbrief“, auch künftig nicht mit dem Vorwurf der „Lüge“ um mich werfen. Wer wissentlich objektive Unwahrheiten erfindet, verbreitet oder gar andere dazu anstachelt, hat seinen Lohn ja schon dahin.
Also, der Abschied von Pfr. Kämpf ist kein Thema von PuLa, aber warum steht dann in der Überschrift „Abschiede?“ im Plural?
Nun, es gibt schon etwas, wovon sich diese Gemeinde künftig wird verabschieden müssen, wie mir in den letzten Tagen klar geworden ist. Aber nicht von einer Person, sondern von einem Abstraktum.
Was das ist? Das wird jetzt noch nicht verraten!
(Aber keine Sorge, PuLa ist es nicht!)
Eine gute und „ertragreiche“ Karwoche und ein gesegnetes und frohes Osterfest!
Zu dem bedauerlicherweise notwendigen Posting über die „Nützlingsanbieter und was daraus werden kann“ gibt es offline eine ganze Menge (!) an Reaktionen, aber auch zwei Kommentare, die wieder mal zu schade sind, um bloß im Kommentarbereich einsehbar zu sein:
„Die Vermeldung zum 4.Fastensonntag ist im Stile der Lingua Tertii Imperii verfasst.
Wäre die Verlautbarung der Pfarrgemeinde “Herz Jesu” Weimar die Leistung einer einzelnen Person und nur privat veröffentlicht worden könnte man das noch mit einer individuellen Fehlleistung begründen.
Aber dem ist nicht so! Diese Verlautbarung ist ganz öffentlich, für jeden interessierten, von der offiziellen Homepage der Gemeinde abrufbar und steht damit repräsentativ für die Gemeinde.
Sollte dieses Dokument, sprachlich und inhaltlich, wirklich die Meinung der Verantwortlichen wiederspiegeln bin ich mehr als besorgt.
Gerade am Fuße des Ettersberges sollte man etwas sensibler sein mit der Wortwahl.
Peter“
Dienstag, 20. März 2012 um 16:21
„Bei allem Entsetzen: Daß eine solche Grundhaltung weit verbreitet ist, kann ich mir zum Glück nicht vorstellen! Aber es ist wie Sie schreiben, Peter (Identität ist der Redaktion bekannt!), auch als individuelle Fehlleistung durfte so etwas gerade in Weimar einfach nicht in den Pfarrbrief gelangen, zweimal nicht an der prominenten Stelle und dreimal nicht anonym, d.h. so, daß man es zunächst mit der Gemeinde identifizieren muß!
Dank und Gruß
GL“
Mittwoch, 21. März 2012 um 10:43 |
„PuLa schreit lieber laut in die Welt, als sich mit Anfragen und Bemerkungen direkt an die Redaktion des Pfarrbriefes (redaktion@herzjesu-weimar.de) zu wenden. Konstruktiv können nur klärende Gespräche sein – und die hat es nach Elses Recherche sowohl von Redaktionsseite mit dem Autor des Ursprungstextes als auch innerhalb der Redaktion gegeben.
Es ist wohl alles klar – und PuLa bleibt wieder einmal die Rolle des schädlichen Giftmischers.
Else Franke“
Freitag, 23. März 2012 um 17:43 |
Aber, aber, werte Else, wer wird denn so gallig sein? Mir scheint, da liegt ein grundlegendes Mißverständnis vor! Wie stellen Sie sich das denn vor, mit „Anfragen und Bemerkungen“ an die Adresse der Pfarrbriefredaktion? Das hätte doch nur solange einen Sinn haben können, wie der Pfarrbrief noch nicht ver-öffentlicht war. Denn ab diesem Zeitpunkt lag das Kind nun mal im Brunnen und es konnte jeder sehen, der über einen Internetanschluß verfügt. Jetzt mußte es darum gehen, den Schaden dadurch zu minimieren, daß ebenfalls in der Öffentlichkeit erkennbar wurde, in dieser Gemeinde und in Weimar gibt es durchaus sprachlich-historische Sensibilität!
Wie notwendig das war, bestätigen Sie gerade mit Ihrem letzten Satz, den Sie, so vermute ich, im Zuge Ihrer Recherche aufgeschnappt haben: PuLa hatte sich den Schuh ja bis jetzt gar nicht angezogen! Es war schon schlimm genug, solange die „Schädlings-Bezeichnung“ abstrakt im Raum stand, aber nun muß man tatsächlich annehmen, es waren ganz konkrete Gemeindemitglieder gemeint. Ts,ts!
Else, Sie müssen wirklich aufpassen, daß Sie bei Ihren Recherchen nicht in problematische Gesellschaft geraten; wenn man nicht aufpaßt färbt das ab!
Und die, die da vielleicht wirklich von „Giftmischern“ reden, sollten bitte einmal bedenken: Es gibt auch Medizin, die schmeckt (zunächst) bitter…
Mir scheint, da paßt zum musikalischen Abschluß der Psalm 43 (42) des vergangenen Sonntags (Judika) mal nicht so gut (oder zu gut?), daher hier zur allgemeinen Entspannung ein Chorsatz von Mendelssohn aus dem Ps. 91 (90) (auch Teil der Komplet zum Sonntag im Stundengebet nach dem a.o. Ritus), dargeboten vom Windsbacher Knabenchor.
Treue PuLa Leser kennen die Rubrik „Die Woche spricht zurück“, in der wir der nur in eine Richtung verlaufenden Kommunikation im Pfarrbrief für Herz-Jesu-Weimar von Zeit zu Zeit eine Entgegnung widmen.
Die letzte Folge liegt schon ein bißchen zurück und manchmal haben die Texte ja durchaus ihre humoristische Seite.
Als nun in der aktuellen Ausgabe der ja mindestens offiziöse, da anonyme „Leitartikel“, der eben früher regelmäßig „In die Woche gesprochen“ überschrieben war, unter der vielversprechenden Überschrift „Die Nützlingsanbieter“ stand, dachte ich, ob das wohl wieder einmal Anlaß zu einer launigen Betrachtung böte, sozusagen passend zum Sonntag Laetare?
Leider gefror mir jedoch über der Lektüre das Schmunzeln im Gesicht.
Aber der Reihe nach: Der Beitrag beginnt mit einem ausführlichen Zitat von der Website des „Vereins der Nützlingsanbieter“, um erstmal zu klären, wovon denn eigentlich die Rede ist: „Flor- und Schlupfwespen, Raubmilben, Trichogramma und Nematoden“…
Der dann folgende Text hat einen Radio-Beitrag von Dr. Peter Felix Ruelius aus dem Bistum Limburg zur Grundlage, den dieser im Sommer 2008 im Hessischen Rundfunk gehalten hat (wohlgemerkt: Nichts gegen Übernahmen fremder Texte, PuLa zieht es allerdings vor, diese dann auch zu kennzeichnen).
Und dort erklärt Dr. Ruelius und ihm folgend der Pfarrbriefschreiber eben das hilfreiche Wirken all dieser Wesen: „Besonders raffiniert finde ich die Schlupfwespe; ein winziges Tierchen, das seine Eier ausgerechnet in die Eier eines Schädlings hineinlegt [sc. und die dadurch absterben], sich also auf Kosten ihres viel größeren Gegners unablässig vermehrt.“ […] „Und weil diese Nützlinge nicht überall dort in ausreichender Menge vorkommen, wo man sie braucht, haben sich Unternehmen darauf spezialisiert, diese Nützlinge zu züchten und der ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft anzubieten. Und damit man nun diese Idee wirkungsvoll weiterverbreiten kann, haben sich diese Unternehmen in einem Verein zusammengeschlossen. Dieser Verein hat einen der schönsten Namen, die man sich für einen Verein überhaupt nur denken kann: Er heißt: Verein der Nützlingsanbieter.“
Gut, jetzt wissen wir also, wie sich die ulkige Überschrift erklärt und es folgt bei Ruelius die ausdrücklich als Phantasie gekennzeichnete Vorstellung, man könne solche bei einschlägigen Anbietern erworbenen Nützlinge auch gegen die vielen Krisenherde der Welt einsetzen, was aber mit der Realität wenig zu tun habe: „Wenigstens nicht im Großen.“
Und an dieser Stelle beginnen deutliche und bedeutsame Unterschiede zum Text unseres Pfarrbriefs. Was Dr. Ruelius allgemein auf den „Hausgebrauch“ des menschlichen Zusammenlebens bezog, der nach dem Hl. Apostel Paulus, „Besiege das Böse durch das Gute“, mehr Nützliches und Gutes vertragen könne, das wendet der Pfarrbrief – Überraschung! – auf die „Krisen einer Kirchengemeinde“ an, der die Nützlinge „Ruhe und Frieden bringen“ könnten, denn „an die Stelle des Üblen, des Schädlichen, des Unruhe Stiftenden“ könne ja etwas „Nützliches“ gesetzt werden.
Soso. Und wie stellt sich der anonyme Verfasser dieser Zeilen diese Ruhe und diesen Frieden vor? Das wird auch erklärt. Er entstünde offenbar, wenn sich jemand „[…] in den Dienst nehmen lässt zugunsten einer größeren Gemeinschaft. Nein, nicht sich in den Dienst stellt, sondern sich in den Dienst nehmen lässt [im Original kursiv hervorgehoben]. Denn nicht immer ist das Angebotene auch das Erwünschte und Hilfreiche.“
Ist das nicht ein bemerkenswerter Satz? Er heißt übersetzt: „Egal, wer sich egal was ausdenken mag, was gut und nützlich ist und wer sich gnädigerweise betätigen darf, was „erwünscht“ (!) und hilfreich ist, das entscheiden wir allein.“
Tja, wen darf man sich unter diesem „wir“ wohl vorstellen? Jedenfalls, erinnern wir uns, handelt es sich um einen Text aus dem offiziellen Pfarrbrief, der seinen Verfasser nicht nennt, und den sich ergo die Gemeindeleitung zurechnen lassen muß.
Aber, so werden Sie sich vielleicht fragen: Müssen einem deswegen gleich die Gesichtszüge einfrieren?
Nein.
Aber niemals, wirklich niemals hätte ich mir vorzustellen vermocht, daß ich in der Verlautbarung einer christlichen Gemeinschaft (!) würde lesen müssen, wie Menschen in die Kategorie von „Schädlingen“ eingeordnet werden:
„Da muss jeder selbst überlegen, ob er Schädling oder Nützling ist. Ob er Raubbau treibt an Gegebenheiten, die er vorfindet. […]“.
Und an dieser Stelle sollte der Humor jedes Menschen, aber besonders jedes Deutschen zuverlässig zu Ende sein, meiner ist es.
Werte Hauptamtliche der Gemeinde: Solche Machwerke dürfen Ihrer Kontrolle nicht entgehen; Kontrolle gehört zu Ihrem Auftrag!
Werte(r) Verfasser(in): Man kann in der Fastenzeit auf alles mögliche verzichten, Herz und Verstand sollten aber nicht dabei sein!
Der sog. „Liturgienachmittag“ scheint ja, nach allem, was man hören darf, eher so verlaufen zu sein, wie PuLa es ja als zweite Möglichkeit in den Raum gestellt hatte: Der Vortrag als solcher stand im Vordergrund, besondere praktische Anwendung war offenkundig nicht gewollt, praktische Nachfragen mit Gemeindebezug ebensowenig…
Nun, hoffentlich hat sich Herr Professor Kranemann (der auf meine Email übrigens nicht reagiert hat, aber was haben Liturgiewissenschaftler denn auch mit einfachen Gläubigen zu schaffen? 😉 ) bei uns wohlgefühlt!
Der guten, aufmerksamen M.M. verdankt sich aber ein sehr interessanter Hinweis, der nur zu gut zum Thema paßt.
„Wenn schon priesterlos, dann ökumenisch Gottesdienst feiern“ titelt „Frust in der Gegenwart“, Verzeihung: „Christ in der Gegenwart“ in den „Nachrichten“ der Nummer 7/2102 auf S. 74.
Dort schlägt der evangelische Theologe und frühere Pfarrer für Ökumene im Evangelischen Stadtkirchenverband Köln, Dr. Hans- Georg Link vor, wenn schon durch „Priestermangel“ bedingt, keine Eucharistie gefeiert werden könne, solle man doch gleich ökumenische Wortgottesdienste durchführen. An die Stelle des Ausfalls des katholischen Gottesdienstes könne so die Verhinderung der „Auflösung der regelmäßigen Gottesdienstgemeinde“ treten und „ein verstärktes ökumenisches Selbstbewußtsein entwickelt“ werden.
Aha. Ich muß gestehen, es fällt mir schwer, daran zu glauben, jemand vom Fach könne einen solchen Vorschlag ernstgemeint, oder wirklich guten Willens gemacht haben. Denn wie wenig kann man von den Wesensunterschieden zwischen der Hl. Messe und einem evangelischen Gottesdienst eigentlich verstanden haben, wie einem solch frontalen Angriff auf die beiderseitige (!) konfessionelle Identität das Wort reden?
Welch eigentümliche Mischformen müßten da entstehen; Weihwasserbecken nur an einer Tür? Kreuzzeichen jedes zweite Mal, dann aber alle, oder nur die Katholiken? Eine Nacht, in der alle Katzen grau sind drohte!
Daß man in jahrzehntelanger einschlägiger Berufstätigkeit (Dr. Link ist bereits im Ruhestand) nicht verstanden haben soll, daß nach katholischem Verständnis die „(Gottesdienst-)Gemeinde“ eben einen weniger hohen Stellenwert hat als im evangelischen Raum, als das eucharistische Geschehen, das ggf. auch mit einer ganz winzigen (oder sogar gar keiner) Gemeinde ein Werk Christi et Ecclesiae ist, das will mir nicht in den Kopf!
Und, pardon, es erscheint, vor allem unter Diasporabedingungen, schon als eine Zumutung, die vorausgesetzte Asymmetrie: Professionalität auf der einen (evangelischen) und Laientum auf der anderen (katholischen) Seite nicht auch schlicht als Trick zur Abwerbung aufzufassen.
Dazu paßt dann auch die steile These, „Das katholische Gebot zur sonntäglichen Eucharistiefeier und das entsprechende amtliche Verbot ökumenischer Gottesdienste am Sonntagvormittag [seien] ja ohnehin überholt, wenn faktisch gar keine Eucharistie stattfinden [könne]“.
Ob man das noch ein Rechts-Verständnis nennen kann ist mir nicht ganz klar, aber in Bezug auf den einzelnen katholischen Gläubigen ist es eine ziemlich unverschämte Aufforderung zum Ungehorsam.
Timeo Danaos et dona ferentes, was man hier wohl mit: „Ich fürchte die Ökumenisten, gerade, wenn sie Geschenke bringen“ frei übersetzen müßte.
Am kommenden Samstag, dem 3. März 2012, findet, wie auch vermeldet wurde, ein Treffen der „haupt- und ehrenamtlichen ‚Mitgestalter‘ unserer Gemeindegottesdienste“ statt, zu dem alle Küster, Organisten, Lektoren, Kantoren, Kommunionhelfer und Diakonatshelfer“ eingeladen wurden, so steht es jedenfalls im Einladungsbrief (liegt PuLa vor) (die Klärung der Frage, ob wirklich „alle“ aus diesem Kreis eingeladen wurden, will ich hier und jetzt mal weglassen…).
Auf diesem ”Liturgienachmittag“ soll „über die Gestaltung unserer Gottesdienste nachgedacht und geredet werden können“: „Dies soll auch Gelegenheit bieten, Bewährtes zu bewahren, Überholtes zu beenden, Neuem Raum zu geben.“, so steht es da zu lesen.
Und weil ja der Pfarrgemeinderat für solche Fragen zuständig ist, denn er „unterstützt und berät den Pfarrer“ (u.a.) in der „Feier der Liturgie und der Sakramente“ (Statut für Pfarrgemeinderäte im Bistum Erfurt vom 1. Juli 2004, 2.2, 3. Anstrich) und er gibt „Anregungen und Vorschläge für die Gestaltung der Gottesdienste“ (ebd. 2.3, 3. Anstrich), hat das Schreiben neben Herrn Pfr. Kämpf der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Dr. M. Klein mit unterzeichnet.
Wie bitte? Was sagen Sie da? Dr. Klein ist gar nicht PGR-Vorsitzender? Mensch, stimmt ja; Danke!
Naja, da wird sich der PGR sicher genau berichten lassen, was dieses Ad Hoc Gremium da so überlegt hat, z.B. in seiner Sitzung am 6. März (die Sitzungen sind übrigens gemeindeöffentlich, Statut […] 8.2).
Als ich noch durfte, habe ich als Lektor auch mal an einem solchen Treffen teilgenommen, und da wurden, wie ich fand, gute Sachen überlegt und beschlossen, aber, angemessenerweise, eher Kleinigkeiten des Ablaufs, wie das gemeinsame Verbeugen der verschiedenen Dienste vor dem Altar, wenn sie sich „abwechseln“ und dergleichen mehr, wie gesagt, durchaus wichtige Kleinigkeiten, aber doch Details.
Hier dagegen spricht nicht nur das o.g. Zitat aus der Einladung, sondern vor allem eine gewichtige andere Tatsache dafür, daß es um mehr gehen könnte. Eingeladen ist nämlich aus Erfurt Prof. Benedikt Kranemann, seines Zeichens Liturgiewissenschaftler und zwar nicht irgendeiner, sondern ein sehr profilierter; schauen Sie z.B. hier sein Publikationsverzeichnis (das mir schon eher zu umfangreich ist, aber das ist Geschmackssache).
Prof. Kranemann ist auch Vorsitzender der ‘Arbeitsgemeinschaft katholischer Liturgiewissenschaftler’, AKL.
Das Thema seines Vortrags soll lauten:
”Gesendet in den Weinberg des Herrn.
Laien in der Katholischen Liturgie heute.“
Oha! Da hat man sich ja einiges vorgenommen.
Hm, wenn ich so den vergangenen Jahren nachsinne, woher kommt mir das bekannt vor, Einladung eines Wissenschaftlers aus Erfurt zur Unterstützung anstehender Entscheidungen? Ja, genau! Von der berüchtigten Gemeindeversammlung am 14. März 2009 her, als ein überaus sympathischer älterer Herr uns die Sache mit dem „Mahl-Geschehen“ erklären sollte, um so die „Altarinsel“ zu rechtfertigen.
Nun, das ist ja, GOtt sei Dank, nochmal gutgegangen, aber vor diesem Hintergrund fragt man sich doch, was liegen denn aktuell für Themen von vergleichbarem Kaliber an?
Vielleicht hilft es da ja, sich mit dem inhaltlichen Profil des Vortragenden zu beschäftigen? Mal gucken:
Zunächst erinnerte ich mich dunkel, im Umfeld des Papstbesuchs den Namen Kranemann gehört zu haben, und tatsächlich:
In der Instruktion habe die „Kritik aus der Bischofskonferenz und von Theologen keinerlei Berücksichtigung gefunden“, sagte Benedikt Kranemann am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Erfurt. Es bestehe die Gefahr, daß damit Spannungen innerhalb der Kirche weiter verschärft würden, so der Erfurter Professor.
Die neue Instruktion verstärke den Papst-Erlaß zur Wiederzulassung der alten Messe von 2007 und mache die tridentinische Messe wieder zum Gegenstand der Priesterausbildung. Dadurch könnten sich Gruppen bestätigt sehen, die hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückwollten.
Der Liturgiewissenschaftler kritisierte, das Papier behandle einen „Nebenschauplatz“ und gehe an den Problemen der Kirche in Deutschland vorbei. Nötiger sei etwa, eine gottesdienstliche Sprache zu entwickeln, „die Gläubigen heute ermöglicht, Liturgie zu feiern“, sagte Kranemann. „Was der Mehrheit auf den Nägeln brennt, taucht in dieser Diskussion überhaupt nicht auf“. Die Instruktion würde „von der Mehrheit der Gläubigen und Bischöfe als Rückschritt empfunden“.“
So gibt, von mir leicht gekürzt, das domradio ein Interview von Prof. Kranemann aus dem Mai 2011 wieder.
Bei der in Frage stehenden Instruktion handelt es sich um „Universae Eccelsiae“, jenes treuen PuLa-Lesern wohlbekannte Papier, in dem der Vatikan seinem Unmut über die weitgehende Nichtbefolgung der großzügigen päpstlichen Absichten i.S. „Alter Messe“ Luft macht und die Stellung der einfachen Gläubigen in dieser Frage stärkt.
Dieses Riesen-Faß aufzumachen ist hier nicht der Ort, ich wiederhole nur gerne die einfache und grundlegende Frage: Wenn doch die Gegner des außerordentlichen Ritus so sicher sind, daß sie die Mehrheit hinter sich haben, wovor haben sie dann Angst? Warum tun sie alles, damit sich erstmal weite Teile des Gottesvolks in Deutschland überhaupt keine eigene Meinung bilden können? Man muß sich das immer wieder klarmachen: Seit 2007 wird uns ein Angebot, ein Geschenk vorenthalten und alles, was ich mir als Begründung vorstellen kann ist leider viel zu traurig und zu häßlich, um es hier auszusprechen.
Na, jedenfalls haben wir jetzt einen ersten Eindruck davon gewonnen, für welche Richtung der deutschen Theologie Prof. Kranemann steht.
Bei weiterer Recherche stellte sich heraus, es gibt ein ganzes Buch, das Prof. Kranemann mit herausgegeben hat, das fast genau den Titel des beabsichtigten Vortrags trägt: B. Kranemann, M. Wiljens (Hg.), Gesendet in den Weinberg des Herren, Laien in der katholischen Kirche heute und morgen, Erfurter Theologische Schriften, Bd. 35, Würzburg 2010. Darin: B. Kranemann, Veränderungen im Laienbild der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Eine liturgiewissenschaftliche Perspektive, S. 93 – 106.
Ich habe diesen Beitrag gelesen, ich habe noch weiteres in diesem Buch und in anderen Büchern gelesen, sowie den ein oder anderen Aufsatz im Internet. Ich habe ziemlich viel Kranemann in relativ kurzer Zeit gelesen und bedauere das nicht, denn ich habe dabei viel gelernt und etliche Anregungen erfahren.
Und nach dieser Lektüre steht für mich als Ergebnis fest: Prof. Kranemann ist ein durchaus typischer Verfechter dessen, was man, wie ich finde zurecht, als „Hermeneutik des Bruchs“ bezeichnet, jener Denkschule also, für die das Vatikanum II einen solchen Neu-Anfang bedeutet, daß, zumindest in den praktischen Folgerungen, von dorther, bzw. von der eigenen Interpretation dessen, was das Konzil denn gesagt hätte, der entscheidende Maßstab des Handelns genommen wird. Das wäre ich ggf. bereit aus den Texten zu belegen, aber das führt hier zu weit.
Jedenfalls bemüht sich der Hl. Vater bekanntlich seit Beginn seines Pontifikats um die „Hermeneutik der Kontinuität“, bzw. der „Reform in der Kontinuität“ und diesem Ansatz fühle ich mich näher (vgl. z.B. hier).
Hier ist nicht der Ort für eine genuin theologische Auseinandersetzung (und ich bin dafür auch nicht qualifiziert!) aber beispielhaft will ich mich um immerhin einen textlichen Beleg nicht drücken, wohin die einseitige Orientierung am zweiten Vatikanum und das Gefühl von „Rom“ in seinen (deutschen) Kreisen gestört zu werden, führen kann!
Auf den Seiten 97 ff. setzt sich Prof. Kranemann mit der Instruktion „Liturgiam authenticam“ aus dem Jahr 2001 auseinander (ich hatte ja versprochen, daß wir bald auf sie zurückkommen 😉 ) und zwar als Beispiel dafür, wie durch das neuere römische Handeln (diesmal noch im Pontifikat des Sel. Johannes Paul II.) die berühmte Participatio actuosa, die tätige Teilnahme der Laien am/im Gottesdienst gefährdet würde:
„Man wird diese Instruktion nicht als gegen Laienpartizipation gerichtet lesen können, doch verändert sie die Konditionen für die Teilnahme. In der alten Übersetzerinstruktion konnte man die Teilnahme der Gläubigen als Bezugspunkt der Übersetzung erkennen, in der jetzigen stehen die ,liturgia authentica“ (Nr. 1) und der Ausdruck von überzeitlichen und -örtlichen Wahrheiten (”quae temporis ac loci fines exsuperant“) (Nr. 19) im Mittelpunkt. Die Voraussetzungen für eine gelingende Teilnahme werden ungünstiger; bei der Übersetzung stehen sie nicht mehr im Vordergrund.“
Also, ich finde, auch wenn man den ersten Satz des Zitats ausdrücklich würdigen muß, da läuft ganz gehörig etwas schief, wenn der „Ausdruck von Wahrheiten, die die Grenzen von Zeit und Raum überschreiten“ (wie ich lieber übersetzen würde) die Voraussetzungen für die gelingende Teilnahme der Gläubigen stört!
Ich jedenfalls gehe auch ziemlich genau des Ausdrucks dieser Wahrheiten wegen in die Messe. Sollte man da nicht lieber anfangen, darüber nachzudenken, ob die eigenen Kriterien für diese Teilnahme (noch) die richtigen sind? Stichwort: Teilnahme ist nicht identisch mit „Machen und Tun“ (vgl. J. Ratzinger/Benedikt XVI, Der Geist der Liturgie, Freiburg, 2. Aufl. 2007, bes. S.147ff.).
Nun werden Sie vielleicht einwenden, was soll uns das alles vor dem konkreten Hintergrund des bevorstehenden „Liturgienachmitags“, oder anders gefragt, kann man denn aus meiner knappen Kranemann-Lektüre erahnen, was er uns vielleicht sagen will?
Ja, ich glaube, man kann!
Denn direkt im Anschluß an die gerade zitierte Stelle geht es weiter: „[man kann] eine wachsende Kompetenzzuweisung an Laien auch in der Liturgie nicht übersehen. So sind im deutschen Sprachgebiet durch die Beauftragung von Laien mit der Leitung sonn- oder auch werktäglicher Wort-Gottes-Feiern neue Möglichkeiten und zugleich neue Formen der Partizipation eröffnet worden.“
Da liegt, so vermute ich, des Pudels Kern: Wort-Gottes-Feiern, Wortgottesdienste, WoGoDis! (vgl. auch Kranemann, Liturgie und Ortskirche, in: Den österlichen Mehrwert im Blick, Würzburg 2012, S. 115- 125, hier S. 122 f.).
Um es kurz zu machen: Das wäre so ziemlich das Letzte, was wir in Weimar brauchen, jedenfalls über das hinaus, was wir bereits haben (Krankenhaus, Altersheim), und am wenigsten an Sonntagen!
Wir brauchen akkurat keine (selbst-)ermächtigte Laienspielschar, deren „Angebote“ gar nicht umhin könnten mit der Feier der Hl. Eucharistie in (scheinbare aber faktische) Konkurrenz zu treten. Was wir vielmehr bitter nötig haben ist eine Katechese, die den Gläubigen klarmacht, wie sehr der katholische Christ, wie sehr die Kirche aus der Eucharistie lebt, und die klarmacht, dafür gilt es u.U. auch Opfer auf sich zu nehmen auf Seiten des Volks wie des Klerus! (Vgl. dazu die wunderbare Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ des Sel. Johannes Paul II. v.a. die Nummern 1, 2, 10 und 29 -33)
Wir brauchen das umso weniger, als wir in Weimar unter keinem wirklich nennenswerten Priestermangel leiden, und statt ihn implizit oder explizit herbeizureden lieber für sein Nicht-Eintreten beten sollten (z.B. in Eucharistischer Anbetung).
Vor allem darf man sich von den Befürwortern der WoGoDis nicht einlullen lassen: Es gereicht in diesem Zusammenhang Prof. Kranemann zur Ehre, wenn er, als Befürworter!, selber schreibt: „es ist nicht zu übersehen, dass diese von manchen Laien auch als Profilierungsmöglichkeit verstanden worden sind, dass über die Bestreitung bestimmter Aufgaben und Befugnisse ein bestimmtes Kirchenbild propagiert werden sollte usw.“ (Kranemann, Veränderungen, S. 100), um dann allerdings fortzufahren, das könne bei Wort-Gottes-Feiern nicht auftreten (ebd.).
Mit Verlaub, genau daran vermag ich nicht zu glauben! Wenn eine solche Form erstmal in die Hände interessierter Kreise und der schrecklichen Vereinfacher gerät, ist dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet.
Und wenn ich bei Prof. Kranemann selbst lese: „Immerhin existieren mittlerweile kirchenoffizielle oder zumindest –offiziöse liturgische Bücher“ (ebd. S. 99, Anm. 27, Hervorhebungen von mir), dann wird für einen unvoreingenommenen Betrachter doch offenkundig, hier ist der Grund sehr wackelig, auf dem man zu stehen käme!
Übrigens: Bischof Zdarsa hat im Bistum Augsburg gerade die WoGoDis an Samstagabenden und Sonntagen untersagt! Lasse sich also auch niemand einreden, die Kirche in Deutschland sei ja einhellig auf diesem Weg, die Bischöfe seien sich einig, Nein, sind sie nicht, wie man sieht. (vgl. dazu wie immer hilfreich und präzise „Frischer Wind“ mit weiteren Nachweisen!)
Aber, wer weiß, vielleicht sehe ich ja auch nur Gespenster und es wird einfach nur ein Nachmittag, an dem ein ausgewiesener Wissenschaftler aus dem reichen Schatz seiner Forschung vorträgt; wir werden sehen, denn PuLa bleibt für seine Leser dran!
Zum Abschluß kann man sich im folgenden Video auch ein bewegtes Bild von Prof. Kranemann machen, das ich an der wie ich finde interessantesten Stelle, nämlich da, wo es just um die Eucharistie geht, starten lasse, hier ist aber auch der Link zum vollständigen Video.
So, und wenn jemand meinen sollte, er müsse nun, wie schon andere besuchende Professorinnen und Professoren aus Erfurt vor ihm, auch Prof. Kranemann vor den unguten Umtrieben von PuLa „unter der Gürtellinie“ (die da offenbar mit einem Stirnband verwechselt wurde :-)) warnen, so kann er sich die Mühe sparen, ich habe dem Herrn Professor bereits einen Link per Email zugesandt, denn ich schätze das offene Visier.
Vielleicht haben es regelmäßige(re) Besucher der Hl. Messe in der Pfarrkirche gar nicht so richtig mitbekommen (denn dann hat man ja meist ein eigenes Gebetbuch bei sich!), aber in Herz-Jesu Weimar liegen seit einiger Zeit blitzeblank neue Exemplare des „Gotteslobs“ zur allgemeinen Benutzung aus.
Das war für PuLa ein Anlaß (neben anderen), sich mit dem Thema „Gotteslob“ mal ein bißchen zu beschäftigen, und, siehe da, das Thema scheint in der Luft zu liegen, gab es doch in kurzer Abfolge Berichte sowohl in der FAZ (30. Januar) als auch im TdH.
Die Recherche ergab schnell, daß die Einführung eines neuen Gotteslobs eigentlich für die nähere Zukunft, nämlich den Advent 2013, geplant sei.
Und da kaufen wir um den Jahreswechsel 2011/12 noch neue Exemplare des „Alten“?
Stehen wir hier also vor einem eklatanten Fall der Verschwendung von Mitteln der Gemeinde?
PuLa meint – Nein. (überrascht? 😉 )
Und warum „Nein“? Offenbar teilen die Gemeindeleitung und PuLa hier eine Einschätzung, die da lautet: „Das dauert noch länger!“ (und ich habe mich dann auch an eine aufgeschnappte Bemerkung solchen Inhalts erinnert).
Tja, und woran liegt es nun, daß es vermutlich länger dauern wird?
Und wie der aufmerksame deutsche Nationalkirchler schon gleich an der Sprache (Jetzt wird’s lateinisch, also gefährlich!) merkt: „Rom“ ist mal wieder an allem schuld!
Tatsächlich handelt es sich bei „Liturgiam authenticam“ um die V. Instruktion zur rechten Durchführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie „Sacrosanctum concilium“, erlassen von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung am 28. März 2001.
Und nun liegt der Entwurf des „Neuen Gotteslobs“ seit Ende vergangenen Jahres in Rom, um von dort (auch) auf Grundlage dieser Instruktion geprüft und schließlich gutgeheißen zu werden.
Da schauen jetzt also tatsächlich Fachleute aus dem außerdeutschen (!) Sprachraum auf „unsere“ Texte; Schock!
Daß es sowas in der Welt-Kirche gibt, da wäre man ja niemals drauf gekommen, oder? Und weil „Rom“ ja ohnehin so langsam ist, und überhaupt immer was zu meckern hat, an dem, was hierzulande in einem ach so transparenten Prozeß entstanden ist, daß ihn kaum ein normaler Laie mitbekommen hat, deswegen herrscht nun ein allgemeines Klima des Beleidigt-seins in den einschlägigen, insbesondere liturgiewissenschaftlichen Kreisen.
Dabei hatte man doch so raffiniert zuvorkommend versucht, es den römischen Prüfern leichtzumachen, z.B. indem man Lieder ohne den Namen des Autors losschickte, offenbar in der Hoffnung, manch anstößiger Verfasser könne so unbemerkt bleiben. Hat aber nicht geklappt. Die Namen wurden nachgefordert. Offenbar doch nicht nur weltfremde und überabeitete Kollegen am Werk, da in Rom! (Tschuldigung für den lockeren Tonfall, aber hier gilt ja nun wirklich: difficile est satiram non scribere! [schwierig ist es, keine Satire zu schreiben])
Wie man an der römischen „I“ (O, schon wieder was römisches!) in der Überschrift sieht, halte ich das Thema für ausbaufähig.
Und „Liturgiam authenticam“ wird uns hier auch bald schon wieder begegnen in (etwas) anderem Zusammenhang!
Ja, so spiegelt sich die weltkirchliche Realität in unserer bescheidenen Diaspora-Gemeinde, und es gilt, der Gemeindeleitung einen Dank zu sagen, für die kluge Entscheidung, neue alte Bücher anzuschaffen, nicht zuletzt weil sie auch gewährleisten, daß wir uns (im Stammteil) noch lange an der bewährten deutschen Rechtschreibung erfreuen dürfen! 🙂