Zurüruck zum Inhalt

„Die Steine schreien“, oder: Stölzl und Chesterton

Zu einem bestimmten Abschnitt des gestern hier vorgestellten und verlinkten Vortrags von Prof. Stölzl hatte ich gleich noch eine Assoziation und kaum 24 Stunden später habe ich sie auch schon dingfest gemacht… 😉

Stölzl:

„Das Genie der Selbsterfindung Europas ist nirgendwo deutlicher verdichtet als in den gotischen Kathedralen, die entstanden sind in einer Zeit, als die große Masse aller Bauten noch aus Holz und Stroh bestand.“

Chesterton:

“Christ prophesied the whole of Gothic architecture in that hour when nervous and respectable people (such people as now object to barrel organs) objected to the shouting of the gutter-snipes of Jerusalem. He said, „If these were silent, the very stones would cry out.“ Under the impulse of His spirit arose like a clamorous chorus the facades of the mediaeval cathedrals, thronged with shouting faces and open mouths. The prophecy has fulfilled itself: the very stones cry out. “

(Aus: Othodoxy, The Eternal revolution)

[Christus hat das Ganze der gotischen Architektur prophezeit, in jener Stunde, als nervöse und wohlanständige Leute (die gleichen Leute, die sich jetzt an Drehorgeln stoßen) Einspruch erhoben gegen das Geschrei der Gassenjungen von Jerusalem. Er sagte: „Wenn diese schwiegen, würden die Steine selbst schreien.“ Unter dem Impuls Seines Geistes entstanden, gleich einem lärmenden Chor die Fassaden der mittelalterlichen Kathedralen, gedrängt voll mit rufenden Gesichtern und offenen Mündern. Die Prophezeiung hatte sich erfüllt: die Steine selbst schreien es heraus.] (eigene Übertragung)

Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien. Lk 19, 39 f.

Die Kathedrale von Burgos

 

 

„Sehnsucht nach Begegnung mit Exzellenz“

Dieser Beitrag begann mit einem Ärger und endete in großer Dankbarkeit. Ärger darüber, den Vortrag von Professor Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt, hier in Weimar, im Rahmen der Petersberger Gespräche am 29. April verpaßt zu haben (ich weiß immer noch nicht warum 🙁 ). Dankbarkeit für das, was dort gesagt wurde, und was glücklicherweise online nachzulesen ist (und Dank dafür auch der TLZ!).

Professor Stölzl, der sich schon jetzt um weit über sein Amt hinaus um das Weimarer Erbe verdient gemacht hat (Affäre „Haus der Frau vom Stein“) setzt sich in dem Beitrag mit dem Titel: „Kirchen – Orte des Außerordentlichen“ mit der Bedeutung, der höchst aktuellen Bedeutung!, der Kirchen, der Kirchenräume und dessen, was in ihnen geschieht für uns auseinander und dieses „uns“ ist dabei sehr weit zu verstehen, es meint „außerhalb der felsenfest kirchentreuen Minderheiten“ alle Europäer, denn: „Wer das nicht weiß, daß das alte ‚europäische Haus‘ vor allem ein Kirchenhaus war, der ist, ob er es weiß oder nicht, nicht bei sich selbst.“

Wie es sich für den Präsidenten einer Musik-Hochschule geziemt, wird besonders die Frage, nach dem, was denn musikalisch in der Kirche zu geschehen hat, und auch was eher nicht (das aber sehr nachdenklich und differenziert!), behandelt:

„Religion ist das Gegenteil von Banalität. Wenn ich das sage, liegt mir jeder kulturelle Hochmut fern. Ich will nur daran erinnern, daß unsere jüdisch-christliche Religion immer in Rangfolgen gedacht hat, immer das Himmlische als das Aller-Höchste, als das Schwierigste gekannt hat, um das die größten Anstrengungen unternommen werden. Das Axiom von der Ebenbildlichkeit Gottes grenzt ein und aus, nicht nur im Ethischen, sondern auch im Ästhetischen. Der Kirchenraum muß sich hüten vor Banalisierung. Er darf das Schwierigste, Unzugänglichste der Künste in sich bergen wie auch das überwältigend Verständliche, wenn es denn auch in formaler Hinsicht überwältigend ist. Das Heilige in sichtbare, hörbare und spürbare Phänomene zu übersetzen: Das ist die historische Aufgabe der Kirchenräume.“

Ein Text dessen Inhalt, ungeachtet seiner, wie ich finde, geradezu universalen Gültigkeit, in Weimar geschrieben, gerade für Weimarer kirchliches Handeln verbindlich sein muß! (vgl. dazu auch schon Amei Mendes Gedanken, hier).

Danke, Herr Professor Stölzl!

Und was die Petersberger Gespräche angeht, da erwarten uns noch mindestens zwei weitere Schätze! Am 29. Mai trägt Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz zum Thema: „Eros und Christentum – paßt das zusammen? Nachdenken aus ungewohntem Blickwinkel“ vor und am 29. August Hellmut Seemann zu „Paulus und Goethe. Gnade und Genius“

Ich rege (und biete!) schon jetzt die Bildung von Fahrgemeinschaften an!

Wer sich von der bekannten katholischen Philosophin Gerl-Falkovitz schon jetzt einen Eindruck verschaffen möchte, sieht sich dieses Video an

Direkteinbettung habe ich nicht hingekriegt, hier der Link. Aber Vorsicht, legen Sie sich was zu knabbern bereit, denn die 1 Stunde 11 Minuten kommen Sie nicht wieder weg vom Bildschirm, einfach großartig!

Los Wochos: Maialtäre

„Los Wochos“, das ist ein beinahe schon kampagnenhaftes Format in der Blogozese, der informellen Gesamtheit der traditionell orientierten katholischen Blogs deutscher Zunge, in dem ein Blog alle anderen für einen begrenzten Zeitraum aufruft, zu einem bestimmten Thema Beiträge/Bilder/Videos zu bringen. Häufig handelt es sich dabei um relativ spezielle popkuturelle, vor allem musikalische Themengebiete, zu denen PuLa mangels einschägiger Kenntnisse leider nichts beitragen kann.

Jetzt aber hat „pro spe salutis“ Los Wochos zum Thema Maialtäre ausgerufen. Eine wunderschöne Idee, finde ich! Hier ist der Aufruf,  bei „Frischer Wind“ (wo sonst?!) finden Sie eine hilfreiche Übersicht mit weiterführenden Links.

Und da will ich mich denn nicht drücken. Hier also der Maialtar aus der zu Herz-Jesu Weimar gehörenden Kirche Maria Regina Apostolorum im Ortsteil Oberweimar. Bescheiden, aber ein Beweis dafür, daß die schöne Sitte auch hier in der Diaspora gepflegt wird!

Die Regeln des Initiators: „Es zählen nur Altäre, die man in diesen Tagen selbst photographiert (hat) – also keine Google-Bildsuche oder dergleichen. Und: Vor jedem Maialtar muß nach dem Ablichten zumindest ein Salve Regina für Papst Benedikt XVI. gebetet werden.“ Wurde erledigt!

 

Salve, Regina,

mater misericordiae;

vita, dulcedo et spes nostra, salve.

Ad te clamamus, exsules filii Evae.

Ad te suspiramus,

gementes et flentes in hac lacrimarum valle.

Eia ergo, advocata nostra,

illos tuos misericordes oculos

ad nos converte.

Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,

nobis post hoc exsilium ostende.

O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

Sei gegrüßt, o Königin,

Mutter der Barmherzigkeit;

unser Leben, unsere Wonne

und unsere Hoffnung, sei gegrüßt!

Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;

zu dir seufzen wir

trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.

Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,

wende deine barmherzigen Augen uns zu

und nach diesem Elend zeige uns Jesus,

die gebenedeite Frucht deines Leibes!

O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

„Jede Sünde ist der Elf zugehörig“

Wie angekündigt und (leider!) notwendig hier der zweite Teil der Auseinandersetzung mit der Verteufelung von PuLa:

 

„Jede Sünde ist der Elf zugehörig“ (Beda Venerabilis)

Gedanken zu einer deplazierten Wortmeldung

Als die Karnevalsjecken im vergangenen Herbst die „fünfte Jahreszeit“ am Jahrhundertdatum eines 11.11.11 einläuten konnten, druckte die FAZ einen Essay von Theo Stemmler zur Symbolik der Zahl Elf ab. (Theo Stemmler, In Überzahl gegen Kirche und Staat, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 263 vom 11. November 2011, S. 8; alle Zitate des Abschnitts aus Stemmlers Text.) Die Elferräte, lesen wir dort, treten erst seit Anfang des 19. Jh.s zusammen, aber die Sonderstellung der Elf reiche weit in die Sprach-, Religions- und Kulturgeschichte zurück. Den Zahlwörtern der indoeuropäischen Sprachen etwa sei abzulesen, daß die Elf – wörtlich jeweils „eins darüber“ oder „eins über zehn“ – stets als „‘krumm, schräg, überzählig‘ negativ bewertet“ worden sei. In der mittelalterlichen Bibelexegese, so Stemmler, werde die Elf gar der Sünde zugeordnet.

Wie schön, daß in Weimar die Welt noch in Ordnung ist. Denn folgerichtig auf S. 11 gab uns der letzte Osterpfarrbrief einen Text zur Kenntnis, der unverkennbar Züge des Närrischen trägt: Eine kleine Gruppe maskierter Privatpersonen (auf die private Finanzierung der Seite wird eigens hingewiesen) vergleicht sich zunächst mit dem Herrn selber, malt dann aber in einem wütenden Wortschwall aus frei erfundenen Geschichten und verfälschender Textwiedergabe den Teufel an die Wand und stellt – schief, überflüssig und in einem Osterpfarrbrief definitiv fehl am Platze – die Wahrheit auf den Kopf.

Verhelfen wir nun, gegen Ende der Osterzeit, der Wahrheit wieder zu ihrem Recht. Wir müssen dabei deutlicher werden, als die anonymen Verfasser des genannten Elaborats dies wünschen werden.

 

„Was darf die Satire? Alles.“ (Kurt Tucholsky)

Eine Einführung in die Wundersdorfer Sketche

Daß Literatur nicht erklärt, was geschieht, sondern es vor den Augen der Leserschaft im Text selber geschehen läßt, macht Literatur in Erkenntnisprozessen so wertvoll: Situationen werden so nicht bloß intellektuell nachvollziehbar und verständlich, sondern darüber hinaus beim Lesen gefühlsmäßig in vielen ihrer verschiedenen Facetten erfaßt. Daß Literatur eben dadurch „engagiert“ sein und mit ihrer eigenen Realität tatsächlich auf die außerliterarische Wirklichkeit zurückwirken und in sie eingreifen kann, muß man vielleicht einmal selber erlebt haben, um es zu glauben.

Wir erleben es gerade.

Auf PuLa sind einige Sketche erschienen, die Szenen aus dem Leben der katholischen Diasporagemeinde Maria Hilf! in Wundersdorf/ Oderbruch und einer ebendort beheimateten aufgeweckten Schafherde zum Inhalt haben. Die Sketche nehmen Machtanspruch und tatsächliche Herrschaftsausübung einer weiblichen Person aus dieser Gemeinde aufs Korn. Kritisiert wird in den unterschiedlichen Situationen immer wieder dieselbe Person, ob in der Figur der „Corinna“ oder als Schaf „Krutzi“ – selbst wenn sie als Figur gar nicht selber auftaucht, sondern eine Szene die Folgen ihres Kontrollzwangs und des seelischen Drucks, den sie auf die handelnden Personen ausübt, vor Augen führt. So thematisiert „Der Hauptgewinn“ (September) ihren Machtanspruch über die Ehrenämter der Gemeinde, „Das Nikolausgeschenk“ (Dezember) ihre Monopolisierung der gemeindeeigenen Medien und „Das Copy-Right“ (Januar) den Druck, unter dem die Sekretärin der Wundersdorfer Gemeinde steht.

Liebe Menschen übertragen die Wundersdorfer Sketche auf ihre eigene Gemeinde und erfreuen sich an der treffenden Schilderung von Zuständen, die ihnen vertraut erscheinen. Andere übertragen sie auch und fühlen sich ganz offenbar ertappt. Dies voraussehend, waren die Sketche denn auch als vergleichsweise gutmütige Hinweise an eine Person unserer Weimarer Gemeinde gedacht, ihr Verhalten zu überdenken und der Gemeinde die Vielfalt und Qualität der gerade hier in Weimar möglichen ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht weiter vorzuenthalten (vgl. in diesem Sinne bereits den Beitrag „Boshaft?“).

Interessanterweise aber wird auf der SEITE 11 des Osterpfarrbriefes die Frage, ob denn jemand – und wenn ja: wer in der Figur der „Corinna“ auf die Schippe genommen werden könnte, auf das Sorgfältigste ausgeklammert. Diese Frage soll ganz offenbar außerhalb des Denkbaren gehalten werden. Statt dessen unternimmt es die SEITE 11 mit viel Mühe, in sämtlichen PuLa-Beiträgen nach Textstellen zu suchen (man fand deren zwei…), die so weiter-„entwickelt“ werden konnten, daß die implizite Kritik an unserem „Corinna“-Pendant in Herz-Jesu Weimar als Kritik an ganz anderen Menschen erscheint. So versucht die SEITE 11 den falschen Eindruck zu erwecken, die betreffenden Gemeindemitglieder würden ungerechtfertigter Weise zum Opfer „unsachlicher“ Beschreibung.

Wir haben uns daraufhin gefragt, ob die Verfasser der SEITE 11 ernsthaft wollen können, daß PuLa „Klarnamen“ nennt. Vielleicht kann „Else Franke“, die fleißige Kommentarschreiberin mit den guten Beziehungen, ja auch dies einmal recherchieren … (Ich muß den Namen hier in Anführungszeichen setzen, denn „Else Franke“ existiert, so wie sie im Kommentarbereich von PuLa agiert, ebenfalls nur als literarische Figur. Denn die Person hinter „Else Franke“ – Mitgliedern des PGR wie des KV unter diesem Namen unbekannt und dennoch nach eigenem Bekunden bis zuletzt beim Ehrenamtstreffen unserer Gemeinde zugegen – bringt nicht unseren Mut auf, unter Klarnamen zu schreiben und bedient sich daher des Namens einer hochbetagten, wenn nicht mittlerweile verstorbenen Dame aus Sachsenhausen/ Filialgemeinde Buttstädt, von der mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen ist, daß sie nicht via Internet kommunizieren würde.) Nein! Wir werden selbstverständlich auch weiterhin den Namen der von uns kritisierten Person nicht nennen. Es erkennt sie ohnehin jeder, der mit unserem Gemeindeleben vertraut ist, und andere interessiert ihr Name nicht.

Auf SEITE 11 also wird vieles unterstellt, was wir nicht getan und Kritik erwähnt, die wir nicht geäußert haben, so daß wir heute ausnahmsweise ein bißchen deutlicher werden und den Spaß etwas beiseite lassen müssen. Eine der bewußten Verfälschungen bezieht sich auf einen der ganz wenigen von mir verfaßten nicht-literarischen Gastbeiträge, nämlich den Text von der „Ersten allgemeinen Ver-un-sicherung“, weswegen ich diese Verfälschung auch selber richtigstellen möchte. Besagter Text hatte, wie die Sketche, ins Schwarze getroffen und seine Wirkung nicht verfehlt: Die Person, deren Verwirrung stiftende Halbwahrheiten in der „Ersten allgemeinen Ver-un-sicherung“ richtiggestellt werden, hatte sich so geärgert, daß sie den Inhalt zu einer Beschimpfung unserer bischöflichen Behörde „umfrisierte“ und war damit in Erfurt aufmarschiert, um mich anzuschwärzen. Im Ordinariat freilich ist man auf PuLa zu Hause, hatte rasch im Original nachgelesen, die Fälschung aufgedeckt, und die betreffende Person hätte sich auf dem Grunde der für mich gegrabenen Grube wiedergefunden, hätte man in Erfurt nicht in aller Eile die ganze Grube zugescharrt. In dieser „Ersten allgemeinen Ver-un-sicherung“ nun wird en passant eine Situation erwähnt, die sich während der letzten RKW zugetragen hat: Eine Erstklässerin hatte Bescheid gesagt, daß sie austreten müsse und war doch im für sie unbekannten Legefelder Wald allein gelassen worden, bis sie die Gruppe nicht mehr sah. Das ist wirklich passiert, das Kind war meine Tochter, und die Aufsichtsperson war in dieser Gruppe nicht unser Gemeindereferent, sondern selbstverständlich ebendie Person, von der ja der gesamte „Ver-un-sicherungs“-Text handelt. Besäße diese Person einen Funken Kritikfähigkeit, hätten wir es bei dem allgemein gehaltenen Hinweis vom 18. Januar belassen können. Nun aber müssen wir, um unseren gewissenhaften Gemeindereferenten zu entlasten, Roß und Reiter deutlich benennen.

Merke: Alle Andeutungen auf PuLa sind in dieser Weise ernst zu nehmen! Immer stehen sehr konkrete Ereignisse im Hintergrund, die der/ den Verantwortlichen wohlbekannt sind. Die Rücksicht, die wir auf PuLa unserer „Gemeindeleitung“ gegenüber trotz allem nehmen, sollte nicht dazu verleiten, unsere Kritik vom Tisch wischen oder gegen Dritte kehren zu wollen.

Nun will ich noch einen Vorwurf der SEITE 11 dementieren, der auf mich gemünzt sein muß, mich aber bei all seiner Schwere eigentümlich unbeteiligt läßt, eben weil er so gänzlich daneben liegt: Eine PuLa-Autorin hätte im Sekretariat in vertraulichen Unterlagen „gekramt“. (Liegen da vertrauliche Unterlagen herum? Ich denke, wir haben so einen tollen Datenschutz ) Wenn ich recht sehe, haben bisher nur Amei Mende, Frau Kuhn (PuLa-kritisch) und ich Gastbeiträge für PuLa geliefert. Frau Mende fällt für diese Idee aus, leitet außerdem zur Zeit keine Gruppe und hat daher kaum im Sekretariat zu tun, Frau Kuhn steht wohl außerhalb jedes Verdachts. Auf mich trifft der Vorwurf ebenfalls nicht zu. Nicht nur, weil ich in der Regel in aller Eile die notwendigen Kopien gezogen habe, wenn bereits Chor-Kinder da waren, sondern weil die ganze Idee des heimlichen „Kramens“ mir charakterlich fremd ist. Man erfährt weiß Gott in dieser Gemeinde ständig von so vielen Dingen, zu denen man nicht schweigen kann, daß man nicht auch noch Lust verspürt, aktiv nach weiteren zu suchen. Nein: Diese Erfindung der SEITE 11 klingt doch sehr nach einer nachträglichen Rechtfertigung von Überwachungsmaßnahmen, die der Januar-Sketch „Das Copy-Right“ anhand eines Wundersdorfer Beispiels aufs Korn nimmt. Doch das dort beschriebene Mißtrauen ist ja – für die Figuren im Text wie in der Weimarer Realität – eben deshalb so verletzend, weil es hier wie da unbegründet ist. Aber wer, wie u.a. die Figur der Wundersdorfer „Corinna“ (vgl. auch „Die Laufschriftanzeige“), ein künstliches Autoritätsgefälle unter den Ehrenamtlern durch möglichst finales Vorenthalten möglichst aller Informationen aufbauen und aufrechterhalten will, sieht sicherlich über kurz oder lang Gespenster.

Was, um auch hierauf noch einmal eigens einzugehen, unsere angeblich beschimpften Weimarer Sekretärinnen angeht: Bekanntlich ist jeder Sketch in einen kleinen Vorspann und einen abschließenden kleinen Ausblick eingebettet. Und da lesen wir nach dem „Copy-Right“: „Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß wir in Weimar so gute und belastbare Sekretärinnen haben“. Die Textaussage des Sketches kann nicht als Angriff auf die Wundersdorfer Sekretärin gelesen werden und ist auch beim bösesten Willen nicht in diese Richtung auf die Weimarer Verhältnisse ausdeutbar. Kontrollfimmel und Herrschsucht gehen, wie mehrere Sketche zeigen, von einer anderen Person der Gemeinde aus, im Falle Wundersdorfs eben von „Corinna“.

So geht es denn in den Wundersdorfer Sketchen überhaupt um „Herrschaftskritik“. Der Erwartungshorizont, vor dessen Hintergrund die Sketche zu lesen sind, ist also nicht der gemütliche Kaffeeplausch beim Gemeindefest, sondern die Politsatire. Wenn Sie sich nun in Erinnerung rufen, welcher Ton im politischen Kabarett herrscht, werden Sie zugeben, daß die Geschichten von Wolle, Flocke, Kohle und Krutzi dagegen nur als „lammfromm“ (sozusagen im Wortsinne…) zu bezeichnen sind.

Im Gegensatz zur politischen Satire. Aber auch im Gegensatz zum in der Weimarer Herz-Jesu-Gemeinde herrschenden Umgangston seitens der „Gemeindeleitung“. Wenn seitens der „Gemeindeleitung“ in einer Konfliktsituation die Kommunikation nämlich nicht der Einfachheit halber schlicht abgebrochen wird, mißachtet sie bekanntlich insbesondere hinter den von unserem Pfarrer in seiner Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit so wortreich beworbenen „verschlossenen Türen“ gerne einmal die Grenzen des Anstandes und der bürgerlichen Umgangsformen. Und Konfliktsituationen produziert unsere „Gemeindeleitung“ in ihrer derzeitigen Konstellation ständig – zum Imageschaden unserer Gemeinde im Bistum, in den Institutionen unserer Stadt und darüber hinaus. Und sehr zum Leidwesen vieler aktiver Gemeindemitglieder: Der gewöhnlich lapidar gebrauchte Ausdruck des „krank Ärgerns“ wird in Herz-Jesu Weimar immer wieder erschreckend konkret: Es geschieht erzwungenermaßen, aus purem Selbstschutz, daß sich immer mehr Familien gerade der aktivsten Gemeindemitglieder vollständig aus dem Gemeindeleben in Herz-Jesu zurückziehen und lieber die Kirchen anderer Orte oder gar anderer Konfessionen besuchen.

Interessanterweise weinen all diese Menschen sich seit Jahren bloß untereinander aus und wenden sich nicht an das doch für die Sorgen der Gemeindemitglieder eigentlich zuständige Gremium, den Pfarrgemeinderat. Da wir die Teilnahme an diesem heimlichen Dauerdiskurs der versteckten Trauer und unterdrückten Wut irgendwann nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren konnten, haben wir uns nach langem Abwägen zu dieser Dialogplattform – eben PuLa – entschieden, die den Gedemütigten zeigen kann, daß sie nicht allein unter den hiesigen Verhältnissen leiden. Für die Verantwortlichen in dieser Gemeinde der beinahe paralysierten Gremien und der verhinderten Kommunikationsforen hingegen war und ist PuLa eine Chance, sich zu Problemen zu äußern, etwas zu erläutern und etwas zu ändern. Nach Ablauf eines Jahres wissen wir freilich, daß das heimliche Reden hinter vorgehaltener Hand der „Gemeindeleitung“ immer schon lieber war und bleibt.

Woher soll nun vor dem Hintergrund des Gesagten die Motivation kommen, die in der Kritik stehenden Personen mit Samthandschuhen anzufassen? Ich kann die Empfindlichkeiten nicht verstehen, mit denen den Wundersdorfer Sketchen hin und wieder begegnet wird. Sie müssen entweder auf bewußt verbreiteten Fehlinformationen beruhen (wie z.B. den unlängst frei erfundenen Geschichten über Unterschriftssammlungen gegen den Pfarrer), auf bislang mangelnder eigener Erfahrung in dieser Gemeinde – oder aber sie sind Zeichen der Angst, die verbreitet unter den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern unserer Gemeinde herrscht.

Denn sagen Sie einmal ehrlich: Wenn es in unserer Gemeinde jemanden gibt, der mühelos in der Figur der „Corinna“ wiederzuerkennen ist, hat diese Person es dann nicht verdient, daß man solche Sketche über sie schreibt – und daß diese Sketche auch erscheinen? Doch, das hat sie! Aber, wie Kurt Tucholsky so schön bemerkt: „Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.“ So sitzen denn auch einige Menschen aus der Weimarer katholischen Gemeinde auf dem Sofa und schmollen. Wagen nicht mehr, uns anzusehen, weil sie doch gar zu gerne den Boten für die Nachricht haftbar machen möchten und die Schuld an den Mißständen in der Gemeinde denen in die Schuhe schieben wollen, die diese Mißstände benennen: „Ach, wie war es doch vordem ohne PuLa so bequem!“

Oder man erschrickt, weil man plötzlich die Leute kennt, die in einem politischen Kabarett vorkommen. Man fürchtet sich oder schämt sich für sie.

[…hier folgte ein Abschnitt über das Verhältnis von „Gemeindeleitung“ (mit Anführungszeichen) und Gemeindeleitung (ohne Anführungszeichen), den die Redaktion für dieses Mal „um des lieben Friedens willen“ gestrichen hat, was aber nicht heißt, daß es nicht notwendig wäre, über genau dieses Verhältnis nachzudenken, bzw., darüber, was die Weimarer Zustände überhaupt erst ermöglicht…]

Nun aber noch einmal zurück zum Ausgangspunkt. Was bedeutet es konkret, wenn ich sage: „Wir erleben gerade die Wirkung engagierter Literatur in einer autoritären Herrschaftsstruktur“? Ohne daß es, von meinen Emails und Kommunikationsangeboten abgesehen, in den vergangenen anderthalb Jahren irgendeinen Austausch zwischen der Gemeindeleitung und mir gegeben hätte – dieser Austausch war ursprünglich übrigens sehr freundlich und verhältnismäßig rege –, erhielt ich im Januar unter fadenscheinigen Gründen gleichsam „Berufsverbot“, wurde also von allen Ehrenämtern ausgeschlossen. In dem der „Dorflogik“ verhafteten Einflußbereich wurde außerdem ein Aufführungsverbot über meine Werke verhängt, und zwar nicht über die Sketche – das wäre ja schon bemerkenswert genug –, sondern über das Musical zum biblischen Buch „Rut“, das zur Uraufführung beim Gemeindefest 2011 vielen Menschen sehr viel Freude bereitet hat (hier zu sehen) und, da punktgenau zum Thema der nächsten RKW passend, zur Kinderwallfahrt 2012 auf dem Erfurter Domberg zwei weitere Male aufgeführt werden sollte. Dies wurde mit erheblichem Aufwand hintertrieben. Ausgrenzung, Verleumdungen und Beschimpfungen treffen darüber hinaus nicht nur uns, sondern auch all die Menschen, die sich den Umgang mit uns nicht verbieten lassen möchten. PuLa-Lesen schlußendlich wird dem Vernehmen nach geradezu zum beichtwürdigen Vergehen hochstilisiert.

Also, liebe Kinder, aufgepaßt: Hat die PuLa-Uhr Punkte oder Striche? 😉

Einen Dialog in der Gemeinde an das faktische Ende von PuLa zu knüpfen, wie die SEITE 11 dies abschließend tut, ist vor diesem Hintergrund nur als zynisch zu bezeichnen, denn die Kommunikation ist seit längerem gestört, und das nicht nur uns gegenüber (vgl. auch Kommentar 7, hier). Wir werden deshalb selbstverständlich weiterschreiben, weil in unserer Gemeinde durch Gespräche nichts zu bewegen ist solange

– die Gemeindeleitung die Kommunikation abbricht, sobald es „kritisch“ wird,

– die Gremien gerade gut genug sind, um vorgeschoben zu werden, wenn die „Gemeindeleitung“ nach außen hin eine fragwürdige Entscheidung bemänteln will,

– Gästen mit Nachfragen in der PGR-Sitzung der Mund verboten wird und sie des Raumes verwiesen werden,

– schriftliche Anfragen selbst aus dem PGR heraus – und seien sie so harmlos wie die Bitte um eine verbesserte, d. h. bei uns: überhaupt eine Ehrenamtskoordination – von Sitzung zu Sitzung ergebnislos vertagt werden,

– es keine Gemeindeversammlungen und keinerlei gemeindeöffentliche Kommunikation gibt,

– die Machtausübung, die wir hier erleben, nur möglich ist, weil alles heimlich und verborgen geschieht, Bekanntgewordenes unter den Teppich gekehrt wird und das Schweigen aller die Herrschaft unserer „Gemeindeleitung“ stabilisiert,

– immer mehr Menschen dem Gemeindeleben entfremdet werden und wir darunter leiden.

 

„L’exil et le royaume“

Die Wundersdorfer Sketche beziehen ein Asyl

Wir möchten nun, was die Sketche betrifft, auf diejenigen unserer Freunde Rücksicht nehmen, die darüber aus welchen Gründen auch immer erschrocken sind. Die Sketche ziehen deshalb um. Da ihre Zahl gerade in den letzten Wochen aus gegebenem Anlaß sehr stark angewachsen ist, sollen sie selbstverständlich weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Sie erscheinen ab jetzt auf einer anderen Internetseite und sind dann nur noch für Insider auf die Weimarer Verhältnisse übertragbar – das reicht ja. So bleiben sie den Verantwortlichen ein Hinweis, unseren gekränkten Freunden ein Trost und Unbeteiligten ja übrigens einfach eine Freude. Denn so einzigartig sind wir hier nun auch wieder nicht, daß es nicht genügend Menschen gäbe, die in den Wundersdorfer Sketchen Grundmuster ihres je eigenen Umfelds wiedererkennen und denen diese kleinen Texte darum wertvoll sind. An Kirchenkabarett besteht auch über Weimar hinaus großer Bedarf, schauen Sie bei Gelegenheit doch mal, wen es da alles gibt, hier.

 

Cornelie Becker-Lamers

 

NB: Ein „Exil“ freilich bloß „bis auf weiteres“, denn es schmerzt mich sehr, auf ein so wesentliches Element von PuLa verzichten zu sollen, das viele Leser nicht zu Unrecht für den besten Teil dessen hielten, was hier bisher zu lesen war!

GL

 

 

Nah und Fern im Geist

 

„Wie nah sind uns manche, die tot sind, und wie tot sind uns manche, die leben.“

(Wolf Biermann, Der Hugenottenfriedhof)

Kennen Sie das? Man stolpert über ein Zitat, sagt sich: „Ja, genau!“ und bemerkt, wenn man nur einen Moment länger drüber nachdenkt, in welchem Ausmaß man quasi automatisch auch schon ein bestimmtes Vorverständnisses gleich mitdenkt. So ging es mir mit der obigen Zeile von Wolf Biermann. Nur daß sich herausstellte, mein Vor-Verständnis war ein Miß-Verständnis, jedenfalls ein chronologisches.

Denn weil ich mich in Biermanns Werk nun nicht gerade intensiv auskenne, dachte ich: „Ach ja, der alte Sozialist. Da ist er im vorgerückten Alter doch zu einer sehr vernünftigen Position gelangt.“ Nur um bei näherer Recherche festzustellen: Das Lied stammt bereits aus dem Album „Warte nicht auf beßre Zeiten“ von 1973! Also drei Jahre vor seiner Ausbürgerung und deutlich bevor er sich von der Idee des Sozialismus abwandte, was nach eigenem Bekunden „Anfang der 80er Jahre“ geschah. Und so werden denn auch in dem Text des Liedes, dem die Zeile als Refrain (!) dient, auf dem „Hugenottenfriedhof“ alle möglichen „sozialistischen Heiligen“ besungen, bzw. „besucht“: Liebknecht und Luxemburg, Heartfield und Brecht, aber auch Helene Weigel und, sehr stimmig, Hegel.

Zehn Jahre später, Wolf Biermann ist schon lange zwangsweise im „Westen“, singt Roland Jahn diese Zeilen in der Stasi-Haft vor sich hin, bis auch er abgeschoben wird.

Wenn man es recht betrachtet, glaube ich, wird schon aus diesen wenigen Worten klar, warum Biermann im real existierenden Sozialismus nicht klarkommen konnte.

Denn warum hat er recht mit seiner Feststellung von der (möglichen) Nähe der Toten? Weil wir geistige Wesen sind!

Wer so etwas formulieren konnte, der konnte in einem System, dessen Weltanschauung den „Historischen Materialismus“ verfocht, nur scheitern. Und der war offensichtlich der jüdischen Tradition seiner Vorfahren letztlich immer schon stärker verpflichtet als der kommunistischen. Schade, daß es solange dafür brauchte, wie für so viele gute Köpfe im fürchterlichen 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Ideologien.

Wie gut haben wir es doch. Wir wissen, daß wir geistige Wesen sind, ja mehr, viel mehr noch, wir wissen auch, wer es ist, der diese Existenzform verbürgt, denn: „Gott ist Geist […]“ Joh 4, 24

„Dank sei dem HErrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat […]!“

Und hier, in großem Respekt für die Bereitschaft zu lebenslanger geistiger Beweglichkeit, das Lied auf Youtube, auch wenn’s sonst in die Musik auf PuLa so gar nicht paßt:

 

PS: Ich kann es mir doch nicht verkneifen! Schauen Sie mal, was ein anderer Blog (nicht Teil der Blogozese!) aus dem Zitat macht und versäumen Sie nicht, auch den (kurzen) Menüpunkt „Warum ich schreibe“ zu lesen. Es gibt eine Art von Egozentrik, die macht mich (beinahe) sprachlos (Dann spiegeln Sie sich mal schön, „Peter“…).

Herzlichen Glückwunsch, Professor Spaemann!

Wenn auch eigentlich unverzeihlich spät am Tag, kann PuLa doch den heutigen 85. Geburtstag des großen Philosophen Robert Spaemann nicht unerwähnt lassen!

Das ist nun schon wieder ein Jubilar, über den etwas halbwegs Adäquates zu schreiben, ich mir nicht einmal von ferne zutraue! Sein in der deutschen Nachkriegsphilosophie einzigartiges Werk zu umreißen ist aber auf einem katholischen Blog wohl auch gar nicht unbedingt gefragt.

So beschränke ich mich darauf, zu tun was hoffentlich alle Schreibenden, selbst die Größten, freut: Ich empfehle Spaemann Ihrer Lektüre!

Lesen Sie z.B. hier eine in Rom gehaltene Rede von 1991, in der etliche der Elemente seines, im Ergebnis so überaus engagierten, Denkens anklingen.

Und, wenn Sie das nächste Mal eine Buchhandlung betreten: Gönnen Sie sich eine kleine Aufsatzsammlung von Spaemann: Das unsterbliche Gerücht, Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne, Stuttgart 2007. Aus Erfahrung kann ich sagen, daß eine bessere, nachhaltigere Ferienlektüre (es ist ein kleines, handliches Büchlein!) kaum denkbar ist.

Spaemanns in Variationen wiederkehrendes Motto: „Wichtig ist, was immer ist!“ hilft aus so manchem Dickicht des Denkens.

Ad multos annos, verehrter, lieber Professor Spaemann!

 

Übersetzungshilfe oder: We’re here to stay!

Aufmerksamen Lesern ist es natürlich bewußt: Ich lasse Sie seit dem 31. März auf etwas warten! Die angekündigte weitere Auseinandersetzung mit der berüchtigten „Seite 11“ des Osterpfarrbriefs steht noch aus.

Was soll ich sagen, die Beschäftigung mit diesem Text, bzw. der dahinter stehenden Geisteshaltung, die schiebt man gerne raus, zumal in einer so schönen Zeit wie der nach dem Osterfest… Aber, wenn es je zur Debatte gestanden hätte, diese abenteuerlichen Anwürfe einfach im Raum stehen zu lassen, inzwischen bestimmt nicht mehr, denn zwischendurch ist schon wieder so viel passiert, was dazu angetan ist, zahlreiche Gemeindemitglieder in die Irre zu führen, über das, was hier wirklich geschieht.

Da tut Information not. Also, gehen wir’s an; haben Sie das bemerkenswerte Schriftstück parat? Wenn nicht, ich werde ausführlich zitieren!

Zunächst ist es leider erforderlich, auf den Punkt zurückzukommen, den ich eigentlich schon abgearbeitet wähnte (hier), die unsinnige Behauptung, PuLa, bzw. PuLa verbundene Personen(gruppen) beabsichtigten die Amtsentfernung unseres Pfarrers und sammelten zu diesem Zwecke Unterschriften. Wie gesagt, schiere Erfindung.

Das hat aber offenbar bestimmte Leute nicht daran gehindert, sozusagen virtuell den Kreis derjenigen, die angeblich Unterschriften zu diesem Zwecke gesammelt haben sollen, sowohl personell als auch räumlich zu erweitern: Nun wird nämlich auch noch in Bad Berka und in Buttstädt erzählt, daß derartige Aktionen stattgefunden haben sollen. Nun, wer solche „Sammler“ gesehen hat, der hat auch den Osterhasen gesehen 😉 Nochmals: Niemand hat Unterschriften mit dem Zweck der Versetzung unseres Pfarrers gesammelt. Lassen Sie sich keinen Hasen, äh, Bären aufbinden!

Aber, damit ist das Thema leider immer noch nicht erledigt, denn: Es hat schon eine Unterschriftensammlung stattgefunden! Allerdings für Pfr. Kämpf! Im Ernst, wenige Tage vor dem Triduum sind tatsächlich verbürgt Menschen unterwegs gewesen, die haben Unterschriften zur Unterstützung eines rechtmäßig im Amt befindlichen katholischen Geistlichen gesammelt. Und da schreibe ich Ende März noch so blauäugig (bloß in einer Klammer, weil es mir so undenkbar erschien!) daß alle die Gründe, die gegen eine solche Unterschriftensammlung gegen einen Pfarrer sprechen, auch gegen die Unterschriftensammlung für einen Pfarrer sprechen und dann passiert das tatsächlich; Unglaublich!

Meinen diejenigen, die das betrieben haben wirklich, es ließe sich für einen katholischen Geistlichen auf diese Weise auch nur ein Jota mehr an Legitimität erreichen? Wie absurd! Da braucht man dann auch nicht mehr darüber nachzudenken, daß die Aktion teilweise offenbar nicht sehr geschickt durchgeführt wurde (auch in der Kirche!!) und bloß von so kurzer Dauer war, daß vermutlich eh nur ein sehr kleiner Kreis von Gemeindemitgliedern davon erfahren hat. Jedenfalls sollen die Ergebnisse nach Erfurt ans Bistum weitergeleitet worden sein. Na, die werden sich aber gefreut haben! So, wie sich jede personalführende Stelle freut, wenn sich jemand ungefragt in ihre Angelegenheiten mischt. Wenn Sie mich fragen, damit hat man dem Betroffenen einen Bärendienst erwiesen.

Aber kommen wir zu den Teilen des Textes, mit denen wir uns bisher noch nicht beschäftigt haben, und fangen, so zur Abwechslung, mal ganz unten an!

Da lesen wir: „(Die Finanzierung dieser Seite wurde privat übernommen, die Kasse der Pfarrei Weimar wird damit nicht belastet.)“ Wie bitte? Es gibt private Teile im Pfarrbrief? Das ist ja interessant. Kann ich da auch eine Seite buchen, um eine Richtigstellung zu bringen? 😉 Aber ernstlich, was soll das denn? Entweder, man hält das, was im Pfarrbrief steht, für so wichtig und für von so allgemeinem Interesse, daß es ganz normal dort erscheint, oder, ja, oder es hat dort überhaupt nichts zu suchen! Auf die Idee, die Finanzierung dieser Seite zu hinterfragen wäre ich sicher zu allerletzt gekommen, aber wie schon Ende März gesagt, man merkt eben, es war den für diesen Text Verantwortlichen offenbar nicht wohl in ihrer Haut!

Und dann springen wir eins höher und sehen uns die Unterschriften an. Oder vielmehr das, was dafür herhalten muß, denn Namen sind da wieder nicht zu finden, ebenso wie ja auch die Eingangstexte unserer wöchentlichen Vermeldungen weiterhin anonym erscheinen… Stattdessen stand dort also: „Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitglieder des Pfarrgemeinderates, des Kirchenvorstands und der Kirchengemeinde“ Das ist nicht ungeschickt, denn beim flüchtigen Lesen entsteht der Eindruck, es seien jeweils alle Mitglieder der zuerst genannten Personengruppen gemeint.

Das steht da aber nicht. Denn so war es auch nicht, wir kennen definitiv Menschen aus PGR und Kirchenvorstand, die haben mit diesem Elaborat nichts zu tun. Traurig genug, wenn es wirklich mehrere (wenn auch eben nicht alle) Geistliche(n) mitgetragen haben.

Die hätten doch nämlich zum mindesten, und damit springen wir an den Anfang des Textes, die schon bemerkenswerte implizite Gleichsetzung der Verfasser mit dem HErrn selbst monieren müssen, die da vorgenommen wird. Zitiert wird der Abschnitt mit dem Rauswurf der Händler aus dem Tempel (Joh 2,13-15): „Das ist nicht der milde Jesus, der uns sonst in den Evangelien begegnet. Jesus ist einfach nur wütend. Er diskutiert nicht, sondern lässt seinem Zorn freien Lauf. Auch wir sind zornig: Im Internet gibt es einen Blog, eine Seite, die sich „Katholisch in Weimar“ nennt.“(Hervorhebung von mir). DAS kommentiere ich mal lieber nicht, für den Maßstab seiner Vergleiche ist jeder selbst verantwortlich (vgl. aber Ex 20, 7).

Und dann geht’s gleich in die Vollen: „Auf dieser Internetseite werden Mitglieder unserer Kirchengemeinde beschimpft, verleumdet, verunglimpft und beleidigt.“

Wie nett. Und wie inhaltsarm. Ohne Belege kann ich nur allgemein sagen: Verleumdung und Beleidigung sind Straftatbestände. Mit solchen Begriffen sollte man nicht leichtfertig um sich werfen. Und im übrigen stehen auf diesem Blog die Autoren mit ihrem Namen für ihre Beiträge ein, während alles nicht extra Gekennzeichnete natürlich von mir und nur von mir ist. Immer. Wie wäre es für den Anfang, man nähme sich an dieser Offenheit ein Beispiel?

Aber kommen wir zu den Vorwürfen im Einzelnen.

„An erster Stelle und immer wieder wird unser Pfarrer Kämpf diffamiert. Egal, ob er zu Fortbildungen, Werkwochen, Exerzitien oder auf Dienstreisen ist – ihm wird immer wieder vorgehalten, er sorge sich nicht um die Gemeinde.“

Nun, unter „diffamieren“ versteht man die gezielte Verbreitung ehrverletzender Behauptungen, obwohl man weiß, daß sie unwahr sind.

Die in diesem Text aber nicht behaupteten, sondern festgestellten Abwesenheiten von Pfr. Kämpf ließen sich belegen, waren also keineswegs „unwahr“. Über die Gründe für diese Abwesenheiten habe ich damals nicht spekuliert und habe es heute ebensowenig vor, das Ausmaß derselben erschien mir aber unabhängig von den Gründen übertrieben und zu dieser Meinung stehe ich nach wie vor. Ebenso ist „immer wieder“ einfach falsch Ich habe von mir aus an diesen leidigen Komplex um das Fernbleiben unseres Pfarrers vom Papstbesuch schon lange nicht mehr erinnert (womit wir wieder beim „Bärendienst“ sind…).

Und weiter: „Von einem langjährigen, treuen Mitglied der Kirchengemeinde wird penetrant mehrmals behauptet, es sei nicht katholisch.“ Hilfe!, hier habe ich ja erstmal nachdenken müssen, was überhaupt gemeint ist, solange ist das her. Also, es handelte sich in der Tat um eine Fehlinformation, die ich sofort klargestellt habe (hier) und ich kann bis heute nur sagen, was ich damals geschrieben habe: „ […] findet jemand, es ist eine Beleidigung zu sagen: „Sie sind Protestant.“ Also ich nicht.“

Dann folgt etwas, das leider ernster zu nehmen ist: „Der Leiterin unseres Kindergartens wird unterstellt, sie habe Probleme mit dem Kirchenvorstand und gebe deshalb ihre berufliche Karriere auf.“ Autsch! Von „Karriereaufgabe“ habe ich, selbstverständlich, kein Sterbenswörtchen geschrieben, überzeugen Sie sich, hier, nur jetzt, jetzt steht das böse Wort da. Und schon wieder dürfte es jemanden geben, der sich für die „Seite 11“ schön bedankt haben wird.

Hinsichtlich des folgenden Anwurfs muß ich ein wenig an mich halten. Dazu fiele mir noch einiges mehr ein, als ich jetzt hier schreiben werde, aber jeder, der sich in den Weimarer Verhältnissen auch nur ein wenig auskennt, wird sich sowieso sein Teil denken:

„Ehrenamtliche Mitarbeiter, die vom Pfarrer zur Ausübung ihres Dienstes einen Schlüssel übertragen bekommen haben, werden in Misskredit gebracht.

Hier offenbaren die Autoren der Internetseite, dass Schlüsselbesitz für sie nur mit Macht zu tun hat.

Dabei gehören in unserer Kirchengemeinde zur Schlüsselgewalt in erster Linie die Sorge um eine würdige Feier der Liturgie, Putzen und Aufräumen, Mühe um alte und junge Menschen, viele Stunden des Arbeitseinsatzes und große Verantwortung.“

Soso, „in erster Linie“ Und sonst? 😉 Aber im Ernst, man muß sich den Kontext vor Augen halten, in dem die „Schlüsselfrage“ hier auf PuLa vorgekommen ist:

„[…] ganz abgesehen davon daß es hier ja auch Ehrenamtliche gibt, die über einen Generalschlüssel verfügen und damit ihre Arbeit in der Gemeinde jederzeit (zu jeder-Zeit!) in Selbstbedienung ausführen können. Von Kontrolle ist dann übrigens keine Rede – komisch eigentlich.“

Es geht und ging um eine krasse Ungleichbehandlung. Es geht und ging darum, daß eine Person, die auch bloß ehrenamtlich tätig ist, wie andere, sich mit einem General-Schlüssel völlig frei bewegen kann, räumlich und zeitlich, und daß alle anderen, seien es Kirchenputzer, Jugend oder Chorleiter, ja sogar Hauptamtliche, immer wieder um den jeweiligen Schlüssel geradezu „betteln“ müssen, ständigem entwürdigendem Mißtrauen ausgesetzt sind und in einer Weise kontrolliert werden, die einfach nicht zum Charakter kirchlicher Räume paßt. Das Otto-Neururer-Haus, das übrigens auch mit staatlichen Fördermitteln renoviert wurde, kann unter diesen Umständen einfach nicht so genutzt werden, wie es eigentlich selbstverständlich wäre.

Und das hat in der Tat etwas mit Macht zu tun. Aber mit einer Macht, die bereits ausgeübt wird, ungerecht ausgeübt wird, und bestimmt nicht mit einer, die irgend jemand, der hier schreibt, anstrebt, weiß Gott nicht… (Die penetrante Selbsterhöhung im letzten Abschnitt des Zitats spricht im übrigen glaube ich für sich, die muß ich nicht kommentieren).

„Immer wieder versuchen diese Autoren aktiv, Mitglieder unserer Kirchengemeinde, ja sogar kirchliche Mitarbeiter anderer Pfarreien und Christen anderer Konfession zu verunsichern und gegen Gemeindemitglieder zu hetzen.“ (Hervorhebung von mir)

Wäre mal interessant, wie so was auch „passiv“ ginge 😉 Leider, liebe Leser, bin ich an dieser Stelle mit dem Versuch gescheitert, herauszufinden, was hier gemeint sein könnte. Nur, denkt hier jemand, Herz-Jesu-Weimar sei eine Insel, ein Dornröschenschloß mit einer hohen undurchdringlichen Hecke darum, so daß niemand etwas davon erfährt, was drinnen vorgeht? Wie absurd! Auf diesen Aspekt wird in der abschließenden allgemeinen Betrachtung zurückzukommen sein!

Aber widmen wir uns vorher noch meinem zweitliebsten Vorwurf (den „Höhepunkt“ bewahren wir uns bis zum Schluß auf, wie sich das gehört!):

„Sie betreiben gezielt die Manipulation der im Herbst anstehenden Wahlen zu Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand.“

Die anstehenden Wahlen also. Auf PuLa war von diesen Wahlen doch noch gar nicht die Rede. Halt, doch, einmal, als es um den Abschluß der Strukturreform ging, aber da stand ja noch lange nicht mal das Datum, der 2. September, fest…

„Wahlmanipulation“! Wer auf so einen Vorwurf kommt, der gibt wirklich eine Menge über sich preis! Ich wäre jedenfalls auf so einen Gedanken einfach gar nicht gekommen. Erstens tut man so was nicht. Zweitens habe ich als Beamter auf das Funktionieren demokratischer Spielregeln einen Eid geleistet und drittens: Wie geht denn das, Wahlen manipulieren? Gibt’s da schon Erfahrungswerte? 😉 Ernstlich: Wie soll man sich das auch nur hypothetisch vorstellen? Über welche rein tatsächlichen Voraussetzungen sollte ich, sollten wir, zu einer solchen Manipulation verfügen? Die Auszähler hypnotisieren? Nachts ins Pfarrhaus einbrechen und die Ergebnisse fälschen? Wir haben ja keinen Generalschlüssel…

Entweder, bei diesem völlig abgedrehten Vorwurf hat jemand auch in der Fastenzeit zu tief ins Glas geschaut, oder – ja, oder hat da jemand so viel Angst vor Veränderung, daß er das ganz normale und gewollte Funktionieren demokratischer Mechanismen, das akkurat darauf abzielt, daß sich etwas verändern kann, mit dem rechtswidrigen und unanständigen Versuch einer Manipulation gleichsetzt? Ich biete jedenfalls hiermit schon mal an, mich an diesem Tag als Wahlhelfer zu Verfügung zu stellen, dann können sich alle sozusagen gegenseitig kontrollieren! 😉

„Unser Pfarrgemeinderat hat in der Sitzung Anfang März deutlich gemacht, dass diese Aktivitäten in unserer Gemeinde nicht geduldet werden […]“

Der Pfarrgemeinderat hat nichts dergleichen getan, für so etwas hätte er auch gar nicht die Kompetenz. Allerdings hat er, mehrheitlich, nicht einstimmig, unter einer fadenscheinigen und fabrizierten Begründung (dazu bei Gelegenheit mehr) dazu beigetragen, daß ein musikalisches Angebot für Kinder bis auf weiteres aus der Gemeindearbeit gestrichen wurde. Ansonsten sollten die Verantwortlichen endlich, wie andernorts allgemein üblich, die Protokolle der Sitzungen öffentlich zugänglich machen, jedenfalls aber den unmittelbar Betroffenen zukommen lassen.

„[…] denn hier versuchen Katholiken, anderen Katholiken vorzuschreiben, wie man katholisch zu sein hat.“

Ha! Herr Kapellmeister, bitte einen Tusch für diesen Halbsatz! Diesen entlarvenden und deshalb hilfreichen Halbsatz. Es gab ja zwischendurch wirklich schon Momente, da habe ich gedacht: „Laß sie doch machen in ihrem Klein-Klein, um mehr geht’s ja offensichtlich wirklich nicht.“ Aber genau hier sieht man: Es geht sehr wohl um mehr!

PuLa will niemandem etwas vorschreiben. PuLa erinnert lediglich an die Tatsache, daß es substantiell verschiedene Arten „katholisch zu sein“ nicht gibt und nicht geben kann. Was es geben kann, sind verschiedene Stile der Frömmigkeit, und da ist PuLa tolerant, vgl. z.B. hier (obwohl man sich auch über die „Stile“ sehr wohl schon unterhalten und sogar streiten kann!).

Worüber man sich aber unter Katholiken nicht streiten können sollte, sind die Inhalte des Credo, oder? Und da ist nun mal u.a. die Rede von der „einen Kirche“, die wir glauben. Und die eine Kirche, das ist nicht (bloß) die Kirche in Weimar, in Erfurt, oder in Deutschland, das ist die Kirche auf der ganzen Welt und für die ganze Welt. Und ihre Einheit wird verbürgt und verwirklicht im Amt des Nachfolgers Petri.

Aber: Es geht natürlich umgekehrt auch in Weimar um die Kirche, die EINE Kirche! Und daher wird hier auch in Zukunft versucht werden, das, was uns begegnet, an dem zu messen, was uns der Hl. Vater sagt und was römisches Gesetz ist, auch wenn das mancherlei „deutsche“ Phantastereien (zer-) stört, denn von der Vorstellung: „Wir machen hier unser Ding“ zum liturgischen Mißbrauch, der uns von der Weltkirche trennt, ist es manchmal nur ein kleiner Schritt (auch dazu bei Gelegenheit mehr).

So, und nachdem uns damit die „Seite 11“, wenn auch auf unerfreuliche Weise, fast so etwas wie einen Jahresrückblick auf PuLa, das März/April 2011 seine Tätigkeit aufgenommen hat, spendiert hat, sehen wir langsam etwas klarer, wenn wir nämlich beginnen, die hier formulierten Vorwürfe ein bißchen zu „übersetzen“, um so herauszufinden, was eigentlich dahinter stecken könnte!

Wie bitte? Ach, Sie haben so gut aufgepaßt, daß Sie bemerkt haben, nach all den Kübeln Schmutz, in die wir schon geschaut haben, fehlen immer noch einige einzelne Anwürfe. Stimmt. Die sind aber nicht vergessen, Reaktion folgt bald. Bis dahin wollen wir aber die Geduld der Leser außerhalb Weimars nicht allzusehr auf die Probe stellen, denn was jetzt folgt, ist hoffentlich auch außerhalb unseres engen räumlichen Kontexts von einem gewissen grundsätzlichen Interesse.

Wenn Sie sich mal die Grundstruktur der „Seite 11“ wie auch einiger Kommentare der notorischen „Else Franke“ anschauen, da fällt eines stark ins Auge: Von Interesse sind eigentlich nicht die Inhalte dessen, was hier verhandelt wird. Überhaupt nicht. In gut einem Jahr PuLa hat sich von dieser Seite noch keine einzige inhaltliche Erwiderung in meinem Postfach gefunden! Nicht eine! Statt dessen wird alles auf einer ausschließlich persönlichen Ebene betrachtet und das in einem klarem Freund/Feind Denken: „Die (Bösen) und Wir (Guten)“. Das gipfelte dann eben in der expliziten Dämonisierung auf der „S. 11“: „Denn das tut der teuflische Diabolus […]“, die sich an die Bezeichnung von Mitmenschen/Nächsten als „Schädlinge“ nahtlos anschließt (und, nebenbei bemerkt, überdeutlich macht, daß diese Bezeichnung niemals als „Scherz“ gemeint gewesen ist, wie es jetzt gerne dargestellt wird!).

Und dann ist immer wieder die Rede vom gestörten Frieden, bzw. dem Unfrieden, den PuLa hervorgerufen hätte. „Übersetzt“: „Wir“ haben hier in Ruhe gemacht, was wir schon immer gemacht haben, und „Die“ sind die Störenfriede. PuLa hat ja schon analysiert (hier), wie man sich auf Seite des selbsterklärten „Wir“ diese Ruhe vorstellt: „Wir“ sagen, was hier in Weimar „erwünscht“ ist, und wer sich mit was betätigen darf.

Wohlgemerkt, mich interessiert im Augenblick nicht die Frage, ob das in einer christlichen Gemeinschaft eine angemessene Haltung ist/ein pastorales Konzept sein kann, sondern bloß der gewissermaßen soziologische Aspekt. Den hat vor einiger Zeit die Erfurter Pastoraltheologin, Prof. Maria Widl, bei uns ja nicht unbekannt, in einem Interview treffend beschrieben: „Die bislang weitverbreitete Gemeindestruktur im Sinne der Dorflogik ist hingegen die des Clans, in der wichtige Leute über unwichtigen Leuten stehen und vorgeben, wo es lang geht.“ Und zu dieser Logik des „Dorfs“ gehört natürlich die Kontrolle. Zuvörderst die Kontrolle der Kommunikation und ihrer Mittel. Dumme Sache bloß, daß ein Blog solcher Kontrolle prinzipiell entzogen ist. Diese Erkenntnis erklärt vermutlich einen Teil der Aggressivität auf der „Seite 11“.

An dieser Stelle ist es natürlich erforderlich zu fragen, ob denn PuLa nicht wirklich die Ruhe und den Frieden gestört hat (und ggf. warum).

Die Ruhe schon, den Frieden nicht! lautet die Antwort. Denn es gab keinen Frieden.

Die Motivation für PuLa war und ist eine zweifache: Persönlich war für mich ein Punkt gekommen, an dem ich, nach Jahrzehnten des Leidens an bestimmten Erscheinungsformen der „real existierenden Kirche in Deutschland“, ihren Stuhlkreisen und Mittelaltären, ihren Gitarren und „gestalteten Gottesdiensten“ schlicht die Nase voll hatte, was, denke ich, vielen Kollegen in der Blogozese genau so ging.

Aber das hätte mich alleine niemals dazu bewegen können, wirklich selber zu schreiben. Es gibt so wunderbare katholische Blogs, viel schöner und gelehrter, bunter und fröhlicher als meiner.

Aber es gab keinen, der die trügerische Ruhe in dieser Gemeinde anpackte. Der zumindest versuchen konnte, die kranke Kommunikation, die hier eingerissen ist, aufzubrechen. Oder finden Sie es normal, wenn alle nur hinterrücks darüber stöhnen, „…daß ja schon wieder…“?

Ich nicht, und PuLa ist immer noch der Versuch, eine Dialog-Plattform zu bieten, denn was in der Gemeinde vor sich geht, das sind unsere eigenen Angelegenheiten! „Ruhe“ kann es auch geben, wenn alle hilflos mit den Zähnen knirschen, „Frieden“ gibt es nur in der Wahrheit, auch wenn die unbequem ist. Nein, PuLa bietet keine „bösen Lügen“ (wie die „Seite 11“ behauptet), sondern berichtet über unbequeme Wahrheiten.

Und Weimar ist eben kein „Dorf“ im oben beschriebenen Widlschen Sinne, Weimar ist eine „Stadt“, auch in dem Sinne, daß sich die hiesige Gemeinde ständig in ihrer Zusammensetzung verändert, nicht zuletzt durch Zuzüge und das, bedingt z.B. durch die Hochschulen, schon seit etlichen Jahrzehnten. Und sie wird es weiterhin tun! Und parallel dazu haben sich eben die Kommunikationsmöglichkeiten durch das weltweite Netz grundlegend verändert. Wer heute „sein eigenes Ding machen“ will, ohne die, die es betrifft, einzubeziehen, auf sie Rücksicht zu nehmen, der darf eben nicht mehr damit rechnen, daß das nicht öffentlich, nicht zum Gegenstand der Debatte wird.

Und dann stellte sich etwas Interessantes heraus: Das „Sein eigenes Ding machen wollen“, das begegnet einem als Strukturproblem nämlich auf beiden Ebenen, daran krankt die Kirche in Deutschland im Ganzen wie diese relativ unbedeutende Diasporagemeinde. Und die beiden „Mir san mir-Trips“, die hängen enger miteinander zusammen, als ich anfangs annahm (weswegen ich eben für den Satz mit dem „Vorschreiben, wie man katholisch zu sein hat“ als Beleg so dankbar bin!). Nach Jahrzehnten, in denen nur allzuoft eine abgehobene und selbstreferentielle (Universitäts-) Theologie so manchem Geistlichen und erst recht manchem „engagierten Laien“ alles mögliche eingeredet hat, was so alles „ginge“ und vor allem, wie blöde und zurückgeblieben die doch in Rom seien, da ist mittlerweile so einiges „vor Ort“ angekommen. Nur erleben wir gerade, und nicht erst in diesem Pontifikat, in der Kirche eine wahrhaft „katholische“, eben eine „allgemeine“, weltumspannende Bewegung in die entgegengesetzte Richtung und PuLa ist insofern nur ein klitzekleiner Teil dieser Bewegung (aber stolz darauf!).

Und jetzt wissen wir auch endlich, was es ist, wovon Weimar wird „Abschied nehmen“ müssen, wie im Beitrag vom 31. März angekündigt: Von der aufgezwungenen Widlschen „Dorflogik“ und von der falschen Ruhe, die mit Frieden nichts zu tun hat.

Denn das gilt eben für alle die, die in „Ruhe“, also unbemerkt, ihr eigenes Süppchen kochen wollen, und sich eben damit tatsächlich vom „Katholischen“ zu entfernen drohen: Game over! Das Spiel ist vorbei.

Für alle die aber, die sich aus gutem Grund vorgenommen haben, immer wieder in diese Suppe zu spucken gilt: We’re here to stay!

Wir gehen nicht wieder weg, nicht aus Berlin und nicht aus Brighton, nicht aus Chicago und nicht aus Colombo, nicht aus Wigratzbad und auch nicht aus Weimar.

 

Von guten und schlechten Hirten

Am 4. Sonntag der Osterzeit sieht die Perikopenordnung als Evangelium den zweiten Teil der „Hirtenrede“ in Joh. 10 vor, die Verse 11-18.

Da auch beide Lesungen aus dem NT stammen, ergibt sich leider nicht die Möglichkeit, den wichtig(st)en alttestamentarischen Text zu Gehör zu bringen, der sozusagen die Folie für die „Hirtenrede“ bildet: Ezechiel 34, 1-31 (und 37, 24).

Daher hier, sozusagen als Service für treue PuLa-Leser, leicht gekürzt und auf den Aspekt des einen, kommenden Hirten zugespitzt:

Die schlechten Hirten Israels und der gute Hirte

1 Das Wort des Herrn erging an mich:

2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?

3 Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide.

4 Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken mißhandelt ihr.

5 Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere.

[…]

9 darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn:

10 So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.

11 Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.

12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

[…]

16 Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

[…]

23 Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein.

24 Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein. Ich, der Herr, habe gesprochen.

31 Ihr seid meine Schafe, ihr seid die Herde meiner Weide. Ich bin euer Gott – Spruch Gottes, des Herrn.

Kapitel 37

24 Mein Knecht David wird ihr König sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden nach meinen Rechtsvorschriften leben und auf meine Gesetze achten und sie erfüllen.

 

Die Großherzogin und ein Privileg

Luxemburg ist zu Besuch! II.KK.HH. Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg weilen heute im Rahmen ihres Deutschlandbesuchs in Thüringen und werden sich ab dem Mittag in Weimar aufhalten, zu einem Mittagessen im Hotel Elephant, zu einer Stadtrundfahrt und zu einer anschließenden Besichtigung der Anna-Amalia-Bibliothek (Medieninformation der TSK).

„Huch!“ höre ich Sie da sagen, „Was interessiert uns das denn auf einem katholischen Blog?“ PuLa goes glamour? 😉

Nein, keine Sorge, es gibt sehr wohl einen katholischen Bezug und er liegt nicht nur darin, daß mit dem Präsidenten der Klassik-Stiftung ein Mitglied unserer Gemeinde den Hoheiten die  Kunstschätze erläutern wird.

Vielmehr besucht mit Großherzog Henri einer von nur noch drei verbliebenen „Katholischen Monarchen“ die Stadt. Außer ihm tragen diesen von den Päpsten verliehenen Ehrentitel nur noch die Könige von Belgien und, natürlich, von Spanien.

Und im vorliegenden Fall ist der Titel keineswegs nur Schall und Rauch oder eine nette historische Reminiszenz. Nein, Großherzog Henri hat nach seinen Überzeugungen gehandelt, als er im Jahr 2008 die Gegenzeichnung des luxemburgischen Euthanasie-Gesetzes verweigerte. Mit diesem Aufstehen gegen die „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) hat er damals viel riskiert, letztlich nichts weniger als den Fortbestand der Dynastie als erbliche Staatsoberhäupter Luxemburgs. Da aber die Luxemburger in ihrer großen Mehrheit ihr „regierendes Haus“ behalten wollten und wollen, wurde, auch da schon unter der Führung der „Allzweckwaffe“ Jean Claude Juncker, in wenigen Tagen eine Verfassungsänderung durchgepeitscht, die die Notwendigkeit der großherzoglichen Billigung von Gesetzen eliminierte und damit das Problem aus der Welt schaffte.

In diesem Sinne: Herzlich willkommen, Königliche Hoheit!

So, und warum verspricht die Überschrift etwas von der Großherzogin? Weil der Titel des Katholischen Monarchen eine ganz bestimmte kleine protokollarische Folge hat: Das „Privilège du blanc“.

Ausschließlich „Katholische Königinnen“ (regierende) oder eben die Ehefrauen „Katholischer Monarchen“ dürfen nach vatikanischem Protokoll in Gegenwart des Hl. Vaters in Weiß erscheinen, statt des ansonsten obligatorischen Schwarz.

Schauen Sie hier, anläßlich der Seligsprechung von Johannes Paul II.:

Gute Laune bei der Seligsprechung

Ist das nicht zauberhaft?

 

China und die Kirche in Cottbus

Ich geb’s ja zu: Daß PuLa im Moment mehr auf fremde Texte verlinkt, als Selbstgeschriebenes bringen zu können, irritiert mich ein bißchen. Aber es kommen wieder andere Zeiten, ganz bestimmt!

Bis dahin darf aber ein gerade für uns Katholiken in der mitteldeutschen Diaspora wichtiges Interview wie das mit Martin Mosebach in WELT Online vom 20. April auf keinen Fall unerwähnt bleiben (wieder einmal herzlichen Dank an A. Kissler für den Hinweis)!

Unter dem Titel: „Der Unglaube im Osten ist ein Erbe Preußens“ entwickelt Mosebach seine Thesen, warum denn nach einer neueren amerikanischen Studie der Osten Deutschlands die atheistischste Weltgegend überhaupt ist. Stichworte: Reformation und preußisches Staatskirchentum, aber auch schon die Frage nach den Grenzen des antiken römischen Herrschaftsbereichs! Sehr anregend, auch wenn ich z.B. über den Vergleich mit dem nachkommunistischen Rußland unter dem Aspekt des antiken Erbes, bzw. der Frage, inwieweit man denn hier oder dort „barbarischer“ geblieben sei, gern noch einmal nachdenken würde…

Aber: Mosebach bleibt auch in diesem Text nicht in einer jammerigen Nabelschau befangen, sondern zeigt wieder einmal echten katholischen Weitblick: „Die Kirche wandert über den Erdkreis. Jetzt entwickelt das Christentum zum Beispiel eine große Strahlkraft in China. Das dürfte politisch gesehen die interessantere Nachricht sein als die, ob in Cottbus die Kirche voll ist.“ Genau! Ein ganz ähnlicher Gedanke, wie ich ihn in der Einführung zu diesem Blog einmal formuliert habe: „Wir werden Weltkirche sein, oder wir werden nicht sein“.

Es ist natürlich bezeichnend, daß Mosebach, der übrigens Weimar gut kennt, für die kaum zu überschätzenden Verdienste, die er sich mit seinem zuerst wohl 2002 erschienenen Buch: „Die Häresie der Formlosigkeit – Die römische Liturgie und ihr Feind“ von interessierter Seite beständig als „Feuilleton-Katholik“ beschimpfen lassen muß, aber zu diesem Begriff und seiner polemisch-ideologischen Verwendung muß ich dann wirklich in Zukunft mal selber was schreiben… 😉