Vielleicht haben es regelmäßige(re) Besucher der Hl. Messe in der Pfarrkirche gar nicht so richtig mitbekommen (denn dann hat man ja meist ein eigenes Gebetbuch bei sich!), aber in Herz-Jesu Weimar liegen seit einiger Zeit blitzeblank neue Exemplare des „Gotteslobs“ zur allgemeinen Benutzung aus.
Das war für PuLa ein Anlaß (neben anderen), sich mit dem Thema „Gotteslob“ mal ein bißchen zu beschäftigen, und, siehe da, das Thema scheint in der Luft zu liegen, gab es doch in kurzer Abfolge Berichte sowohl in der FAZ (30. Januar) als auch im TdH.
Die Recherche ergab schnell, daß die Einführung eines neuen Gotteslobs eigentlich für die nähere Zukunft, nämlich den Advent 2013, geplant sei.
Und da kaufen wir um den Jahreswechsel 2011/12 noch neue Exemplare des „Alten“?
Stehen wir hier also vor einem eklatanten Fall der Verschwendung von Mitteln der Gemeinde?
PuLa meint – Nein. (überrascht?
)
Und warum „Nein“? Offenbar teilen die Gemeindeleitung und PuLa hier eine Einschätzung, die da lautet: „Das dauert noch länger!“ (und ich habe mich dann auch an eine aufgeschnappte Bemerkung solchen Inhalts erinnert).
Tja, und woran liegt es nun, daß es vermutlich länger dauern wird?
An zwei Worten: „Liturgiam authenticam“!
Und wie der aufmerksame deutsche Nationalkirchler schon gleich an der Sprache (Jetzt wird’s lateinisch, also gefährlich!) merkt: „Rom“ ist mal wieder an allem schuld!
Tatsächlich handelt es sich bei „Liturgiam authenticam“ um die V. Instruktion zur rechten Durchführung der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie „Sacrosanctum concilium“, erlassen von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung am 28. März 2001.
Und nun liegt der Entwurf des „Neuen Gotteslobs“ seit Ende vergangenen Jahres in Rom, um von dort (auch) auf Grundlage dieser Instruktion geprüft und schließlich gutgeheißen zu werden.
Da schauen jetzt also tatsächlich Fachleute aus dem außerdeutschen (!) Sprachraum auf „unsere“ Texte; Schock!
Daß es sowas in der Welt-Kirche gibt, da wäre man ja niemals drauf gekommen, oder? Und weil „Rom“ ja ohnehin so langsam ist, und überhaupt immer was zu meckern hat, an dem, was hierzulande in einem ach so transparenten Prozeß entstanden ist, daß ihn kaum ein normaler Laie mitbekommen hat, deswegen herrscht nun ein allgemeines Klima der Beleidigt-seins in den einschlägigen, insbesondere liturgiewissenschaftlichen Kreisen.
Dabei hatte man doch so raffiniert zuvorkommend versucht, es den römischen Prüfern leichtzumachen, z.B. indem man Lieder ohne den Namen des Autors losschickte, offenbar in der Hoffnung, manch anstößiger Verfasser könne so unbemerkt bleiben. Hat aber nicht geklappt. Die Namen wurden nachgefordert. Offenbar doch nicht nur weltfremde und überabeitete Kollegen am Werk, da in Rom! (Tschuldigung für den lockeren Tonfall, aber hier gilt ja nun wirklich: difficile est satiram non scribere! [schwierig ist es, keine Satire zu schreiben])
Wie man an der römischen „I“ (O, schon wieder was römisches!) in der Überschrift sieht, halte ich das Thema für ausbaufähig.
Und „Liturgiam authenticam“ wird uns hier auch bald schon wieder begegnen in (etwas) anderem Zusammenhang!
Ja, so spiegelt sich die weltkirchliche Realität in unserer bescheidenen Diaspora-Gemeinde, und es gilt, der Gemeindeleitung einen Dank zu sagen, für die kluge Entscheidung, neue alte Bücher anzuschaffen, nicht zuletzt weil sie auch gewährleisten, daß wir uns (im Stammteil) noch lange an der bewährten deutschen Rechtschreibung erfreuen dürfen!
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