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Sketch: Der Plausch

Ach ja! Es ist immer wieder anrührend, wenn man feststellt: Das, was man tut ist vielen Menschen (um nicht geradezu zu sagen „den Menschen“ 😉 ) ans Herz gewachsen!
Doch, wirklich! Seit wir vorigen Donnerstag ja kurz darauf eingegangen sind (hier), warum die Monate April und Mai so relativ still waren, hier auf PuLa, seitdem sind uns noch etliche weitere Belege dafür zu Ohren gekommen, daß wir vermißt worden sind.
Aufrichtig vermißt von vielen Wohlmeinenden aber vermißt offenbar auch von etlichen, die „sowas ja sowieso nicht lesen!“ Insofern ist PuLa offenbar mittlerweile so etwas wie die „BILD“ der katholischen Szene in und um Weimar: Keiner liest es, aber alle wissen Bescheid…   Nur weiter so! 🙂

Und das ist natürlich ein Ansporn sondergleichen! Daher, geschätzte Leserschaft, liebe Freunde und werte Verächter bringen wir, so zur Wiedergewöhnung, heute und morgen gleich zwei Sketche; wie sagen unsere amerikanischen Freunde?

Enjoy!

Gereon Lamers

Der Plausch

Ein Sketch für vier Personen

 

Wundersdorf im Wolkenbruch – Quatsch! – im Oderbruch meine ich natürlich. 🙂 Obwohl der Tag so sonnig und mild begonnen hat, geht plötzlich ein Platzregen über dem kleinen Städtchen nieder. Karl schafft es mit knapper Not unter das Vordach des Pfarrhauses, wo bereits seine Frau Hanna, Edith und Hedwig zu leicht bekleidet und ohne Regenschirme Zuflucht gesucht haben.

Karl (schüttelt sich): „Wes Herd dies auch sei, hier muß ich rasten!“ Grüß euch!

Edith: Grüß dich, Karl. Du bist aber heute dichterisch aufgelegt.

Karl: Das war ein Zitat (er schiebt ein wenig Wasser von seiner Jacke.)

Hedwig: Woraus?

Karl: Erster Satz der Walküre.

Hedwig: Ich dachte immer, bei Opern heißt das ‚Erster Aufzug‘.

Karl: Da hast du auch vollkommen Recht. Trotzdem ist das der erste Satz, den Siegmund sagt.

Hanna: …singt.

Hedwig: Alle Tage sing und sage!

Edith: Jedenfalls landet Siegmund da ja ausgerechnet bei Hunding.

Hanna: Na, mit Hunding müssen wir hier ja zum Glück nicht rechnen.

Karl: Hm! Höchstens mit dem einen oder anderen Unding. (Die vier lachen.)

Edith: Habt ihr gelesen, was der Pfarrer an Silke wieder für einen Brief geschrieben hat?

Hanna: Unmöglich! Wenn man nicht wüßte, daß Kneif völlig humorlos ist, würde man sagen: Super Aprilscherz!

Karl: „Es bleibt generell untersagt, Fotos mit einer Kantenlänge der längsten Bildseite von mehr als 500 Pixel bei einer Auflösung von 96 dpi zu veröffentlichen.“ (Die vier schütten sich aus vor Lachen.)

Hanna: Also, das hätte ich wirklich nicht besser erfinden können!

Hedwig: Und diese Paragraphen am Schluß! Wenn er nicht direkt einen Anwalt schreiben läßt, kramt er bei einer so harmlosen und konstruktiven Anfrage Paragraphen raus.

Edith: Wo hab ich neulich noch gleich gelesen, man könne kaum noch Satiren schreiben, weil die Realität die Satire längst eingeholt hat?

Karl: Bei JoBo.

Edith: Stimmt! JoBo hat das geschrieben.

Hanna: Kluger Mann!

Hedwig: Wer ist denn JoBo?

Karl: Einer der berühmtesten katholischen Blogger. Sehr empfehlenswert zu lesen!

Edith: Also, was ich über Fußball weiß, weiß ich eigentlich von ihm … (sie grinst).

Karl und Hanna protestieren.

Karl: Das ist jetzt aber ungerecht!

Edith: Klar! War nur ein Spaß.

Hanna: Aber mal ehrlich! Dieser Brief muß Stunden an Zeit gekostet haben.

Edith: Wenn unser Pfarrer nur halb so viel Zeit in unser Gemeindeleben investieren würde wie er investiert, um es zu verhindern, wär hier der Bär los!

Hedwig (seufzt): Nun! Wir werden ihn nicht mehr ändern, fürchte ich!

Hanna: Stimmt, aber bei IHM ist ja kein Ding unmöglich…

Karl (zu Edith): Warum bist du eigentlich neulich nach dem Hochgebet aus der Messe rausgegangen? Wo die Musik war? Die Musik war doch schön!

Edith: Jaja, das war sie! Ich glaube, das war das Problem. Sie war wunderschön. Mutter und Tochter haben herrlich gespielt! Man wollte sich hineingleiten lassen wie in eine warme Badewanne – und mußte es wegdrücken, weil man ja den Worten des Priesters folgen wollte. Das war einfach zu viel für mein vegetatives Nervensystem. Mein Fehler!

Hedwig: Na, das würde ich nicht sagen! Wollte und sollte! Präfation und Hochgebet in Phantasiereisen-Ästhetik – das ist einfach ein Problem!

Hanna: Also ich fand ja die Fürbitten noch ein bißchen anstrengender … (sie lacht.)

Edith: Jaaa! Also, ob man mit den Firmlingen nicht was bißchen Lebensnaheres hätte ausarbeiten können?

Karl: Du legst den Finger auf die Wunde: „ausarbeiten“. (Sie lachen.)

Edith: Krim, Naher Osten, Nordkorea – also ehrlich!

Hanna: Wo sich Generationen von Diplomaten die Zähne dran ausbeißen, das hängen sich unsere Firmlinge auf …

Hedwig: Ich meine – wirklich! Hand aufs Herz: Welche Jugendliche interessiert sich für den Nahen Osten, wenn sie Krach mit der besten Freundin hat?

Karl: Und wer eine Usurpatorin wie Corinna in der Gemeinde hat, braucht nicht als erstes dafür zu beten, daß Putin wieder rund läuft!

Hanna (lacht): Stimmt! Der Führungsstil der beiden ist sehr ähnlich …

Hedwig (nickt): „Frechheit siegt“.

Edith: Genau! Sich nehmen, was man will, kaltstellen, wer einem gefährlich werden könnte und erstmal gucken, ob einem was passiert.

Karl: Echt zum Fürchten!

Hanna: Tja: Die Wiedervereinigung unserer Gemeinde wäre für unsere Jugendlichen wirklich erst mal wichtiger als die koreanische. „Wurzeln und Flügel“, sag ich da nur. Eins ohne das andere geht nicht!

Edith: Aber das ist ja ein generelles Problem bei dieser Art von Fürbitten: Je weiter die Probleme weg sind, desto besser.

Hanna: Sonst könnte man ja in die Verlegenheit kommen, über einen eigenen Lösungsansatz nachzudenken.

So plötzlich, wie der Regen gekommen ist, hört er auch wieder auf. Karl streckt die Hand unter dem Vordach hervor und schaut prüfend zum Himmel.

Karl: So! Es hat aufgehört. Ich will mal wieder los! Bis die Tage! (Er streicht Hanna über den Arm) Bis heute abend!

Die Frauen (durcheinander): Tschüß! – Bis Mittwoch! – Bis später!

Hedwig: So, jetzt weiß ich erst mal wieder Bescheid (sie grinst). Gut, daß es geregnet hat!

Edith (fröhlich aus dem Stegreif): „Wenn’s rauscht, dann plauscht!“

Die beiden anderen stöhnen.

Edith: Ok, ok, ich mach mich auch davon. Bis neulich! (Sie wischt ihren Fahrradsattel ab und schwingt sich auf den Drahtesel. Hanna und Hedwig gehen zu Fuß in die andere Richtung ab.)

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Und auch wenn es kaum möglich erscheint, der morgige Sketch wird eher noch musikalischer, obwohl (?) wir dabei auf die Schafweide zurückkehren.

O, ja, Stichwort musikalisch, also, bei aller Hochachtung, Richard Wagner kann musikalisch auf einem katholischen Blog nicht das letzte, bzw. einzige Wort haben!
Hm!? Wie sagt Hedwig?: „Alle Tage sing und sage!“

Ja, genau! 🙂

 

Sketch des Monats: Der Erwählte

Der (zugegebenermaßen reichlich späte) Sketch des Monats Mai bietet Gelegenheit, erneut kurz einzugehen auf die Frage der Besetzung von Bischofsstühlen in Deutschland im allgemeinen und im Bistum Erfurt im Besonderen.
Da trifft es sich ganz ausgezeichnet, daß just heute die Ernennung von Stephan Burger zum neuen Erzbischof von Freiburg bekanntgegeben wurde: Den Freiburger Gläubigen einen herzlichen Glückwunsch und dem Ernannten ebensolche Segenswünsche aus der Diaspora!
PuLa erscheint die Tatsache, daß es sich damit bei den zwei zuletzt ernannten Bischöfen einmal um einen Dogmatiker (St. Oster, Passau) und einmal (bei der heutigen Ernennung) um einen Kirchenrechtler handelt ausgesprochen hoffnungsvoll! 🙂

Und was unsere Lage in Erfurt angeht, so werde ich nicht müde werden zu betonen, daß sich jeder Anflug von Neid verbietet! Erstens aus christlichem Prinzip, aber dann auch, weil das einfach dumm wäre! Denn ich kann nur wiederholen: Die Dinge hängen alle miteinander zusammen, sowohl was die vorhandenen potentiellen Kandidaten angeht, als  auch, was die personellen Kapazitäten in der Nuntiatur betrifft (die nur über kleinen Stab verfügt, der alle „Fälle“ zu bearbeiten hat)!

Auch deswegen dürfen uns sollten wir uns ehrlichen Herzens freuen, wenn andernorts die Dinge geklärt werden – das hilft auch uns!  Nun sind es z.B. nicht mehr drei, sondern „nur“ noch zwei Erzbistümer (Köln und Hamburg), die zu besetzen sind.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beobachtung, daß es in den vergangenen Tagen die (traditionsorientierten) Blogs waren, die die besten Informationen über die bevorstehende Ernennung brachten, schauen Sie z.B. hier vom 28. Mai aber auch hier!

PuLa wird sich Mühe geben, diesem Anspruch hier in der mitteldeutschen Diaspora (weiterhin) gerecht zu werden, ohne dabei ins unziemliche Plaudern zu geraten… 😉

Und weil das so ist, wollen wir, jenseits der, äh, „literarischen Fiktion“, dem „ wie es gewesen sein könnte“ zu der hiesigen Lage im einzelnen kein weiteres Wort verlieren, sondern uns auf die Bemerkung beschränken, bzw. die Prognose wagen: Es wird nun wohl noch einige weitere Monate dauern…

Gereon Lamers

 

 Der Erwählte

Ein Sketch für zwei Personen

 

Ein Pfarrhaus, irgendwo in Deutschland. In schwarzer Hose und Collarhemd kniet der Hausherr vor einem Kruzifix und verharrt nach dem Gebet der Vesper in einem drängenden eigenen Anliegen noch ein wenig in Stille. Da klopft es. Als er nicht reagiert, klopft es dringlicher noch einmal. Der Priester erhebt sich.

Der Erwählte (etwas unwirsch): Herein! (Als die Haushälterin zaghaft und betreten die Zimmertür öffnet): Was gibt es denn so Dringendes?

Die Haushälterin (reicht dem Priester ein schnurloses Telefon, dessen Mikrofon sie mit dem Daumen verdeckt. Dennoch leise): Entschuldigen Sie die Störung! Der Nuntius – er versucht es heute schon zum dritten Mal und war diesmal nicht zu vertrösten.

Der Erwählte (nimmt ihr mit einem vielsagenden Blick das Telefon aus der Hand und nickt ihr, bevor sie das Zimmer wieder verläßt, begütigend zu. Ins Telefon): Ja, bitte?

(Er hört) Guten Abend, Exzellenz.

(Hört wieder. Mit fester Stimme) Ja, Exzellenz, ich habe den Brief des Erfurter Domkapitels erhalten.

(Er hört und geht dabei zu seinem Schreibtisch, auf dem mittig das fragliche Schreiben liegt.) Ja, da hat man Sie korrekt unterrichtet, Exzellenz: Ich sehe mich außer Stande, dem Ruf zu folgen.

(Hört) Es betrübt mich über die Maßen, daß mein Verhalten den Heiligen Vater irritieren könnte. (Mit Zerknirschung) Ich versichere Ihnen, ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht!

(Hört) Was meinen Sie damit, das Bistum Tianshui sei bereits seit 1972 vakant …

(Hört. Indem er blaß wird, etwas ungläubig:) Sie wollen sagen, (er stockt) Sie wollen sagen, falls ich nicht als Bischof nach Erfurt gehe, könnte der Heilige Vater in seiner unendlichen Weisheit mir die Chance einer Bewährung in einer chinesischen Provinz …

(Halb setzt er sich, halb sinkt er kraftlos in seinen prächtigen Schreibtischstuhl. Er hört wieder, dann, mit schwacher Stimme) Jawohl. Selbstverständlich, Exzellenz. Ich werde die Angelegenheit noch einmal genauestens prüfen …

(Er hört) Mein Gewissen … sehr wohl, Exzellenz. Auf Wiederhören, Exzellenz!

(Er drückt die rote Taste seines Handapparates und läßt das Telefon auf seinen Schreibtisch gleiten. Nachdem er eine Weile fassungslos ins Leere gestarrt hat, klappt er seinen Laptop auf und öffnet eine Seite über das Bistum Tianshui. Er liest eine Weile und macht sich Notizen. Dann klappt er den Laptop wieder zu, schlägt sein Brevier auf und entnimmt ihm ein Bild des Letzten Abendmahls. Er fixiert eine Weile den Kelch in Jesu Händen und erhebt sich.

(Für sich, gefaßt): Wo ist der nächste Gänsestall … aber das hat ja noch nie funktioniert …

Der Erwählte (tritt zur Zimmertür und ruft in den Flur): Frau Wildermuth!

Die Haushälterin (erscheint und blickt Hochwürden prüfend an:) Ja?

Der Erwählte: Frau Wildermuth, sehen Sie doch bitte zu, daß wir beide an der Hochschule noch in den Anfängerkurs Chinesisch hineinrutschen. Und beschaffen Sie mir doch bitte eine Biographie über einen gewissen Peter Gratian Grimm, Kapuzinerpater; (Er drückt der völlig verdutzten Frau Wildermuth seinen Notizzettel in die Hand) Pater Grimm war von 1949 bis 1972 Bischof von Tianshui.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

 

PS: Potzblitz: Die hatten von der Erzdiözese Freiburg wenige Minuten nach der Bekanntgabe eine Videobotschaft des Ernannten online, hier, das setzt natürlich Maßstäbe für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit in den anderen Diözesen!

 

 

 

Ist PuLa käuflich?

„PuLa“: selbst erdachte und inzwischen gut eingeführte (selbst unsere Gegner nutzen sie…) Abkürzung des schönen aber langen Blognamens: „Pulchra ut Luna, Katholisch in Weimar“

Wie ich auf diese Frage komme?

Als Resultat eines veritablen Schocks, den ich neulich in der Kaufhalle („Supermarkt“ für Euch Wessis! 🙂 ) erlebt habe!

Schauen Sie nur, das war es, was ich plötzlich aus dem Augenwinkel im Regal erblickte:

Schreck in der Kaufhalle

Schreck in der Kaufhalle

Und wirklich zunächst nur das, denn der Rest wurde von meinem Standpunkt aus für einen kurzen Moment dem Blick verborgen durch einen Türrahmen, denn es handelte sich um eine dieser neuartigen Kühltheken mit Glastüren.

Und was verbarg sich dahinter?

Das hier:

...und seine Auflösung

…und seine Auflösung

Putenlachsschinken!!

Zum Glück konnte ich vor Ort ein heftiges Kichern gerade noch unterdrücken, denn wie hätte ich der Fachkraft im deutschen Lebensmitteleinzelhandel DAS erklären sollen?! „Wissen Sie, ich habe da einen Blog, einen Katholischen Blog… Ach, Sie wissen nicht, was ein Blog ist?“ 😉

Jedenfalls dürfen Sie ganz beruhigt sein, PuLa kann man natürlich ebensowenig kaufen wie man uns einschüchtern kann! Das Schlimmste, was diesem Blog passieren kann ist, daß es, wie aktuell geschehen, zu längeren Unterbrechungen in der angestrebten Erscheinungshäufigkeit (ca. 2 mal pro Woche) kommt. Das liegt dann aber bloß daran, daß andere Aspekte des Lebens (durchaus auch schöne, wie Erstkommunionen und Firmungen!) sich zwischenzeitlich unabweisbar in den Vordergrund drängen, aber es liegt gewiß nicht an einem Mangel an Ideen oder an erlahmter Motivation, also bitte machen Sie sich keine überflüssigen Sorgen (oder vergeblichen Hoffnungen…)!
Vielmehr sind wir zuversichtlich, daß sich die Lage schon in den nächsten Tagen wieder bessert, sehr zuversichtlich! 🙂

 

PS: Übrigens hab‘ ich natürlich mit der Firma oder dem Produkt nichts zu schaffen, ich esse sowas nicht mal!

 

Alle Jahre wieder, oder: Der Auftakt II

Anfang Mai – eine wunderbare Zeit des Jahres, in der man sich, erfüllt von Osterfreude, an der Schönheit der Natur erfreuen sollte, und in der (selbst wenn es regnen und stürmen sollte 😉 ) im Kirchenjahr bis Pfingsten bekanntlich ohnehin ein einziges großes Fest gefeiert wird, was sich in jedem Gottesdienst bemerkbar macht, an vielen liturgischen Einzelheiten (Farben, Lesungen), was aber (recht verstanden!) auch gestaltet werden will.
Wenige Dinge wären dazu besser geeignet, ja eigentlich unerläßlich!, als besonders schöne musikalische Darbietungen und wenige Diaspora-Kirchen böten dafür bessere Voraussetzungen als Herz-Jesu-Weimar, verfügen wir doch über eine ganz außergewöhnlich aufwendige und wandlungsfähige, kostbare neue Orgel und zudem mit der Musikhochschule am Ort über ein reiches Reservoir an Musikern, Professoren wie Studenten, die in der Lage wären, das Instrument in angemessener Weise erklingen zu lassen.

Eigentlich. Eigentlich ist das so.

Denn, langjährige PuLa-Leser wissen es ja schon, was sich hier seit der Orgelweihe am 8. Mai 2011 zugetragen hat ist ein einziges Trauerspiel!
Und haben wir noch vor einem Jahr (hier, mit weiteren Nachweisen, vielen weiteren Nachweisen! 🙁 ) die vorsichtige Hoffnung geäußert, es könne sich etwas zum Besseren verändern, müssen wir heute traurig und entsetzt feststellen: Nichts ist besser geworden – im Gegenteil!

Denn heute gibt es noch weniger Gelegenheiten, zu denen die Orgel im Gottesdienst zeigen könnte, was mit ihr möglich ist (für Kenner: „Wegfall der Freitage und der Dienstage“, hier) und es finden auch noch weniger Konzerte statt.

Dieser Blog wird daher nicht müde werden, diesen skandalösen Umstand immer und immer wieder zu thematisieren – so lange, bis sich etwas geändert hat an einer Situation, die für alle Beteiligten unerträglich sein sollte:

  • Für eine christliche Gemeinde, die so dem Allerhöchsten nicht die Verehrung zukommen läßt, die ihr möglich wäre und „nebenbei“ Mitglieder vertreibt;
  • Für eine Hochschule, die sich seit Jahren hinsichtlich des in ihrem Eigentum befindlichen (!) Instruments und seiner Nutzung von der „Gemeindeleitung“ am Nasenring durch die Manege führen läßt (Weimar ist eine kleine Stadt: Alle, alle, die auch nur entfernt damit zu tun haben, wissen Bescheid);
  • Für ein Ordinariat, das sich fragen lassen muß, ob das Ausmaß der Beschäftigung mit sich selbst auch weiterhin verhindern soll, 20 km weiter östlich noch irgendetwas zu bewirken;
  • Für eine Lokalzeitung, die sich rühmt „ Wir schreiben Klartext“, die um die Probleme weiß und aus deren Reihen dennoch Ansätze zur Berichterstattung unterdrückt werden.

Aus all diesen Gründen bringt PuLa heute erneut (und künftig wenn es sein muß an jedem 8. Mai): Den Auftakt:

Qui habet aures audiendi audiat

Qui habet aures audiendi audiat

PS: Und außerdem gibt es da noch einen weiteren katholischen Blog, der, vermutlich ebenfalls aus Weimar, schon am 13. Mai 2011 über die Orgel und ihre Weihe berichtet hat; schauen Sie hier (Kommentare beachten!).
Hm, ich hab‘ mich ja schon immer gefragt, woher der leider anonym bloggende Kollege die Insider-Bilder hatte.
Ach ja, ‚man weiß so wenig‘… 🙂

Oder weiß man vielleicht eigentlich doch? 😉

PPS: Übrigens hat das Bild der „Heiligen Handlung“ sage und schreibe 800 x 534 Pixel! Sapperlot, wenn da mal nicht bald die Polizei kommt! (Sorry, weiterer Insider 🙂 )

Sketch zum Osterlachen: Die Behelfslösung

Da sich eine Live-Berichterstattung während der Karwoche natürlich verbietet, bringt PuLa hier eine Aufzeichnung vom 15. April 2014: 😉

Die Behelfslösung

Ein Sketch für zwei Personen

 Wundersdorf, Pfarrhof der katholischen Gemeinde Maria Hilf! Tina kommt mit irgendwelchen Teilen aus schwarzem blickdichtem Stoff aus dem Pfarrbüro und läuft direkt Silke in die Arme.

Silke: Guten Morgen!

Tina (kühl): Hallo. (Sie will vorbeigehen.)

Silke (mit Anteilnahme): Was hast Du denn da für Stoff?

Tina (hält ihr die Stoffteile hin): Das sind die Schlafmasken für die Osternacht.

Silke (blickt sie verständnislos an, während sie nach einem der Stoffstücke greift): Schlafmasken? Für die Osternacht?

Tina (lacht kurz auf): Natürlich nicht für die Messe. Aber für danach. Da muß es doch dunkel sein, wenn man aus der Kirche kommt.

Silke: Äh, ja klar – und?

Tina: Und wir fangen wieder um 5 Uhr früh an. Ab halb sechs ist es praktisch hell, um sechs geht die Sonne auf.

Silke: Jaja! Das ist uns ja schon öfter aufgefallen, daß das ein Problem ist …

Tina (stolz): Eben! Und weil das im Grunde jeder weiß und sich auch jedes Jahr irgendeiner findet, der das thematisiert, hat der Pfarrgemeinderat neulich im Umlaufverfahren beschlossen, diese Augenbinden anzuschaffen.

Silke: Wieso der Pfarrgemeinderat?

Tina: Na, der Pfarrer hat natürlich gesagt, die Sorgen wegen der Dämmerung seien unbegründet. Aber wir beraten doch den Pfarrer gern in liturgischen Fragen, bis wir eine gemeinsame Lösung finden. (Sie macht ein salbungsvolles Gesicht.) Das ist doch unsere Aufgabe.

Silke (konsterniert): Verstehe. (Sie hält sich eine der Schlafmasken vor die Augen): Das ist ja stockduster! Ich sehe nichts! (Sie winkt mit der Hand vor ihren Augen herum.)

Tina (triumphierend): Siehst du? So gehen wir am Sonntag früh alle garantiert im Dunkeln aus der Kirche und keiner kann meckern! (Sie grinst mit verkniffenem Mund.)

Silke (nimmt die Augenbinde wieder herunter und blinzelt ein bißchen): Sag mal, wäre es nicht einfacher, man feierte die Osternacht um die Mitternacht herum wie an anderen Orten auch?

Tina: Also erstens sind die 5 Uhr gesetzt. Was kann unser Pfarrer für den späten Ostertermin? Das ist doch nicht die Schuld von unserm Pfarrer, sondern vom Mond! Also wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen! Und außerdem hat Corinna die Einkünfte schon verplant. Die Dinger (sie hält die Augenbinden hoch) kosten ja was.

Silke (guckt Tina entsetzt an): Ihr – ihr seht das als Einnahmequelle?

Tina (zuckt mit den Schultern): Du kennst doch Corinna. Seit dem Flop mit dem Kalenderverkauf, der nicht das eingebracht hat, was sie erhofft hatte, sucht sie doch nach Möglichkeiten für so kleine Geschäfte.

Silke (hält sich wieder die Binde vor die Augen): Ok, aber eins interessiert mich noch: Wenn alle diese Binden aufhaben, wie findet ihr den Weg ins Gemeindehaus zum Osterfrühstück, ohne daß jemand fällt?

Tina (klatscht vor Freude in die Hände): Ha! Da hatten wir eine ganz besonders gute Idee – also vielmehr ich: Wir machen eine Polonaise hinter dem Pfarrer her – jeder legt die Hand auf die Schulter vom Vordermann und der Pfarrer führt uns.

Silke (nimmt die Maske ab): Und er ist der Einzige, der was sieht?

Tina: Genau. Er sieht und wir anderen folgen ihm blind. Diese Vorstellung hat ihm sichtlich gut getan. Das hat er auch formuliert. Er ist ja so ein positiver Mensch!

Silke (gibt Tina die Maske zurück): Na, dann wünsche ich Euch viel Erfolg mit Eurer tollen Idee!

Tina: Kommst du nicht?

Silke (sucht schnell nach einer Begründung): Ach, weißt du – die Kinder haben sich schon so lange gewünscht, mal wieder nach Petershagen zu fahren. Da haben sie ein so schönes großes Osterfeuer …

Tina: 22 Uhr 30?

Silke: Genau.

Tina: Na, dann! (Sie wendet sich zum Gehen.)

Silke: Machs gut! (für sich) Fünf Uhr; da hört man doch schon die Vöglein singen … naja! „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche…“ (sie lacht.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Osternacht. Oster-nacht? Oster-NACHT!

In den frühesten Zeiten wurde die Feier von Leiden, Tod und Auferstehung des HErrn als eine „Ganz-Nacht-Feier“ begangen, woraus sich dann (bis zum 4. Jh.) die Feier der drei Österlichen Tage, das Sacrum Triduum entwickelte, das schon Augustinus (354 – 430) kannte.

Der Charakter der Feier in der Nacht, einer „heiligen Nachtwache als Zeit des Übergangs“, hat sich, den Berichten der Evangelien folgend (die im einzelnen freilich voneinander differieren), auch in den heute geltenden Regelungen zur zeitlichen Plazierung der Osternachtfeier erhalten.

So heißt es in der Grundordnung des Kirchenjahres (GOK)

21. Die Osternacht, in der Christus auferstanden ist, gilt als „Mutter aller Vigilien“ (Augustinus). In ihr erwartet die Kirche nächtlich wachehaltend die Auferstehung des Herrn und feiert sie in heiligen Zeichen. Daher soll die ganze Vigil als nächtliche Feier gehalten werden, d. h. erst nach Anbruch der Dunkelheit beginnen und vor dem Morgengrauen des Sonntags enden. (Hervorhebungen und Klammereinfügung [im Original Fn. 11] vor mir)

Und das Meßbuch bestimmt:

„Die Feier findet in der Nacht statt; sie soll nicht vor Einbruch der Dunkelheit beginnen und nicht nach der Morgendämmerung des Sonntags enden.“ (MB [63])

Und dann gibt es da noch ein hilfreiches Dokument der Ritenkongregation vom 16. Januar 1988: „Die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“, (bzw. Paschalis Sollemnitatis), dort heißt es:

78. „Die ganze Feier der Osternacht findet in der Nacht statt; sie soll entweder nicht vor Einbruch der Dunkelheit beginnen oder nicht nach der Morgendämmerung des Sonntags enden.“ Diese Vorschrift ist streng einzuhalten. […]

Dabei ist das etwas mißverständliche „entweder…oder“ (das bezeichnenderweise in der englischen Version gar keine Entsprechung hat!) so zu interpretieren, daß, wenn man innerhalb des Zeitraums „Nacht“ [„entweder“] zu Beginn der Nacht anfängt, es bereits dunkel sein muß [„oder“] (besser hieße es:) „bzw.“, wenn man gegen Ende der Nacht beginnt, es noch nicht dämmern darf, wenn die Feier endet. Das Entweder…Oder bezieht sich also nur auf die alternativen Anfangs-, bzw. Endmöglichkeiten innerhalb des klar definierten Zeitraums „Nacht“.
(Leider habe ichden lateinischen Originaltext des Rundschreibens [noch] nicht gefunden, wer da helfen kann, ich würde mich freuen!)

Diese Definition der Nacht ist natürlich eine astronomische. Lesen Sie hier, wie man Dämmerung vom Winkelstand der Sonne hinter der Horizontlinie her bestimmt.
Dabei ist zu beachten, daß es drei Formen der Dämmerung gibt: Die Astronomische, als früheste, dann folgt die Nautische und schließlich die Bürgerliche Dämmerung, die auch so definiert ist, daß man zu ihrem Beginn bereits ohne weiteres draußen lesen kann.

Ganz schön kompliziert? Schon recht, aber im Internetzeitalter kein Problem mehr! Es gibt da ein sehr hilfreiches Onlinetool (hauptsächlich von Photographen genutzt), das es ermöglicht, für jeden Punkt der Erde und jeden beliebigen Zeitpunkt den Sonnenstand darzustellen und das dazu die Dämmerungszeiten angibt! Es heißt SUNCALC, und Sie finden es hier.

Schauen wir doch einmal, was uns SUNCALC z.B. für den frühen Morgen des diesjährigen Ostersonntags (20. April) ausgibt, sagen wir für den Standort Weimar, so als Beispiel:

00:00—03:59 — Nacht
03:59—04:50 — Astronomische Dämmerung
04:50—05:35 — Nautische Dämmerung
05:35—06:11 — Bürgerliche Dämmerung
06:11—06:14 — Sonnenaufgang
06:14—20:14 — Tageslicht

Mit anderen Worten: Eine Osternachtfeier mit „spätem“ Beginn müßte irgendwann zwischen 03.59 Uhr und 05.35 Uhr enden, je nachdem, welchen Dämmerungsbegriff man verwendet.
Dazu habe ich leider auch nichts Definitives gefunden, obwohl ich gewiß bin, das ist geregelt! (Auch hier wäre ich für jeden Hinweis dankbar!) Alle Hinweise aber , z.B. aus Direktorien anderer Bistümer oder der klösterlichen Praxis deuten auf eine „strenge“ Auslegung hin, was für dieses Jahr konkret hieße: „Um 4.00 muß Schluß sein!“ Und aus eigener Anschauung (ich bin regelmäßig kurz nach 6.00 Uhr außer Haus): Die „Bürgerliche Dämmerung“ hat mit „Nacht“ nun wirklich nichts mehr zu tun! (Und für den „frühen“ Start muß man logischerweise die Abendämmerung des 19. April bemühen, dieses Jahr ist hier bei uns 22.27 Uhr der frühestmögliche Beginn einer Osternacht)

Mit Hilfe dieses Handwerkszeugs können Sie nun schauen, wie sich die Feier der Osternacht an Ihrem Wohnort in die Ordnung der Weltkirche einfügt – oder auch nicht.

Suncalc für Weimar am 20. April

Suncalc für Weimar am 20. April

PS: So hilfreich die Wikipedia für den Dämmerungsbegriff ja wieder war, was sie im Artikel „Osternacht“ über den spätestmöglichen Beginn derselben um 5.00 Uhr (!) schreibt, ist schlichter Quatsch, schon allein deswegen, weil die Nennung einer Uhrzeit für ein Geschehen, das von zwei Variablen abhängt, der geographischen Position und dem Datum nämlich, gar nicht funktionieren kann. Dementsprechend wird dort natürlich auch keine (Rechts-) Quelle genannt, ts!

Edit (18.April, 19.10 Uhr): PuLa freut sich sehr über die zügige und lobende Erwähnung auf einem Blog, der das ganz ernst nimmt, mit dem „Handwerkszeug“, hier! Danke, lieber Herr Kollege! 🙂

 

„…per essere come Lui e in persona di Lui in mezzo al suo gregge…”

Vorgestern, am 14. April, empfing Papst Franziskus in der Sala Clementina die Gemeinschaft des Pontificio Collegio Leoniano di Anagni (vgl. hier), eines Priesterseminars für Diözesen der Region Latium, gegründet von Papst Leo XIII. im Jahr 1897; die Seminaristen hatten sich zu Fuß auf den Weg zum Hl. Vater gemacht, immerhin eine Strecke von fast 70 Kilometern (Franziskus: „Ihr Tapferen!“).

Die Ansprache des Papstes fand gestern in verschiedenen deutschsprachigen Nachrichtenquellen Niederschlag: Kathpress, Österreich (hier), der KNA (hier), auf der Kirchensite des Bistums Münster (hier) oder auch bei ZENIT (hier).

Die Berichte, die sicher auch (zum Teil) voneinander abhängig sind, stimmen weitgehend (aber eben auch nur weitgehend!) überein und was sie zu berichten haben, ist bemerkenswert.

Es gebe in der Kirche, so der Papst, „keinen Platz für Mittelmäßigkeit, die nur dazu führe, das heilige Volk zum eigenen Vorteil zu benutzen“. Wer nicht „Stimme Christi, die den Vater lobt und unermüdlich für die Brüder eintritt (Heb 7, 25)“ werden wolle, solle den Mut haben, einen anderen Weg zu wählen, forderte Franziskus, schließlich gebe es in der Kirche „viele Möglichkeiten Zeugnis abzulegen und viele Wege zur Heiligkeit“.

Priesterseminare dürften kein Rückzugsort für „psychologische Defizite“ sein, oder für diejenigen, denen der Mut fehle, sich einen Platz im Leben zu erkämpfen. Sonst könne ein Seminar „zu einer Hypothek für die Kirche“ werden.

Es sei besser eine Berufung zu verlieren, als mit einem unsicheren Kandidaten ein Risiko einzugehen, zitierte Franziskus einen Ausspruch von Pius XI: „Er war ein Bergsteiger; er kannte sich mit solchen Sachen aus!“

Außerdem zitierte der Hl. Vater mit großem Nachdruck ein Wort des Propheten Ezechiel: „Weh den schlechten Hirten, die nur sich selbst und nicht die Herde weiden.“ (Ez 34, 1-6, vgl. auch hier)

In ihrer Offenheit (für die der Papst an mehreren Stellen um Verständnis bat!) wahrhaft bemerkenswerte Sätze!

Sie finden den vollständigen Text auf Italienisch hier und auch wenn man, wie ich, nicht wirklich Italienisch kann, gelingt es, mit Hilfe von Google Translate und ein wenig Mühe durchaus, sich einen deutlichen Eindruck von dem Vortrag des Hl. Vaters zu machen.

Man spürt dann geradezu, wie er sich den Text in der für ihn typischen Weise zu eigen macht, vom Manuskript abweicht, um die einzelnen Themen sozusagen „mehrschrittig“ anzugehen (das kann auf den ersten Blick auch „sprunghaft“ wirken, aber das wäre ungerecht!).
Die typische Sprache gerade dieses Papstes zusammenzufassen ist nicht leicht, und diese („objektive“) Schwierigkeit birgt die Gefahr, das eigene vorgefaßte Meinungsbild dem Papst in den Mund zu legen vielleicht in besonderer Weise!
Für mich ist jedenfalls an diesem kleinen Beispiel erneut deutlich geworden: Wer sich auf (zumal deutsche…) Zusammenfassungen päpstlicher Äußerungen verläßt, ist verlassen! Was das Leben nicht  einfacher macht, seit der Hl. Vater nicht mehr in Deutsch als Originalsprache formuliert… (kleiner, tiefer Seufzer!).

Der „originale Franziskus“ ist jedenfalls auch in diesem relativ kurzen Text (weniger als 1.100 Worte im italienischen Text) deutlich vielschichtiger und auch, ja, „altmodischer“, „kirchlicher“ als das Bild, das uns nicht „falsche“ aber doch einseitige und unvollständige Zusammenfassungen vermitteln!
Wer möchte kann das wie gesagt selber nachvollziehen (in den oben angeführten Ausschnitten ist es z.B. die Stimme Christi, DIE DEN VATER LOBT, oder das ZEUGNIS und die Wege DER HEILIGKEIT, sowie „Pius XI. als Bergsteiger“, die in den Zusammenfassungen fehlen).

Aber bei dem Abschnitt, aus dem die Überschrift diese Beitrags genommen ist, da fehlt ihnen wirklich etwas Wesentliches (um nicht zu sagen DAS Wesentliche), was sich auch darin ausdrückt, das es im offiziell verbreiteten Text (wenn ich recht sehe als einziges!) kursiv hervorgehoben wird!

Die  Seminaristen sollen als Priester, so der Hl. Vater, „Hirten werden nach dem Bilde Jesu, des Guten Hirten, um wie Er und in Seiner Person/in persona Christi mitten in seiner Herde zu sein, um seine Schafe zu weiden.“

„Mitten in der Herde“, das hört man häufig von Papst Franziskus zitiert, wie er das meint, das sieht man hier, mit dieser wirklich schönen Betonung der Eucharistie als Zentrum des priesterlichen Dienstes.

Danke, Hl. Vater!

 

PS: Ein Video zu der Begegnung gibt es auch schon, und wer das versteht, der bedarf meiner bescheidenen Bemühungen um einen italienischen Text ohnehin nicht 🙂

 

 

‚Fetter Diss, Allor!‘ oder: ‚Christliches Leben nicht illustrativ versimpeln‘: Zur Gestaltung des neuen Gotteslobs, Teil 2

Nun ist es also soweit: Wenn morgen, am Sonntag Laetare, das neue Gotteslob auch in den fünf mittel- und ostdeutschen (Erz-) Bistümern Berlin, Magdeburg, Görlitz, Dresden-Meißen und Erfurt (den häßlichen Begriff der „Region Ost“ überlasse ich anderen!) erstmals im Gottesdienst benutzt wird, geht ein Prozeß zu Ende, der insbesondere seit dem vergangenen September einen (kirchentypisch?) chaotischen Verlauf nahm, seit nämlich klar war, daß auch wir hier in der Diaspora von der „Dünndruck-Krise“ betroffen waren. PuLa hat darüber immer wieder berichtet (z.B. hier, mit weiteren Verweisen) und auch wenn es natürlich gut ist, daß es zu einer gütlichen Einigung zwischen dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) und der Druckerei C.H. Beck kam, wie diese aussah wurde nicht einmal in Ansätzen kommuniziert. Ebensowenig übrigens, wie irgend jemand nach der ersten Aufregung noch über die Kredite und die damit verbundenen Risiken für die Rettung des insolventen WELTBILD-Desasters redet. Soviel zum Thema Bemühen um Transparenz in Finanzdingen. Ehrlich gesagt, ich zweifle mittlerweile an der psychologischen Fähigkeit (über den Willen möchte ich nicht spekulieren) weiter Kreise der Kirche in Deutschland wirklich die Lehren aus den Vorgängen in Limburg zu ziehen, die uns seit kurzem in Form des Prüfberichts vorliegen. Aber das ist ein anderes Thema.

Es müssen vier sein (eigenes Bild)

Es müssen vier sein (eigenes Bild)

Schon Ende September 2013 haben wir uns hier mit der graphischen Gestaltung des neuen Gotteslobs befaßt (vgl. aber auch hier). Ich möchte mich darauf auch weiterhin konzentrieren, denn zu der musikalisch-inhaltlichen Seite der Angelegenheit sollten sich bitte Berufenere äußern – und das tun sie ja zum Glück auch!

Jetzt, wo man das Buch in der Hand gehabt hat, bestätigt sich die Annahme, daß die praktischen Elemente der neuen Gestaltung überwiegend positiv zu bewerten sind, auch wenn das neue, größere Format gewöhnungsbedürftig ist. Aber Lesbarkeit und Aufbau machen einen guten Eindruck. Zu dieser im besten Sinne handwerklichen Seite der Angelegenheit finden Sie einen sehr  interessanten Beitrag auf dem Blog „Design-Tagebuch“, hier.

Aber, das ist ja nicht alles, was über die Gestaltung des neuen Gebetbuches zu sagen ist, denn als echtes Novum gibt es da eben die graphischen Elemente, bzw. die Illustrationen, die das alte Gotteslob nicht kannte.

Schon Ende September hatten wir ja festgestellt, daß die Zeichnungen aus den Händen der Kölner Künstlerin Monika Bartholomé, die neben wenigen farbigen Wiedergaben älterer Kunstwerke den Löwenanteil der graphischen Elemente im Neuen Gotteslob ausmachen, nach einem Entscheidungsprozeß von geradezu atemberaubender Transparenz und Öffentlichkeit in unser aller künftiges Gebetbuch gelangt sind, einem weiteren wahren Musterbeispiel für die geradezu offensive Berücksichtigung der Wünsche des mündigen Gottesvolks deutscher Zunge (Satiremodus aus).

Ein Beispiel für die Zeichnungen (eigenes Bild)

Ein Beispiel für die Zeichnungen (eigenes Bild)

Wesentlichen Anteil an diesem Prozeß scheint der Würzburger Bischof Dr. Fr. Hofmann gehabt zu haben, als Vorsitzender der zuständigen Unterkommission der Liturgiekommission der DBK.
Ganz wesentlichen.
Und offenbar ist man im Bistum Würzburg auf diese Rolle auch ziemlich stolz, denn man verloste dort im Herbst Exemplare des Neuen Gotteslobs mit Autogramm von Bischof Dr. Hofmann (hier, bitte runterscrollen bis zum 9. Oktober).

PuLa findet das ein bißchen schwach, wenn schon sollten es doch bitte limitierte Drucke der Zeichnungen sein, vielleicht signiert von der Künstlerin UND dem Geistlichen Herrn? So richtig schön vorgestellt im Rahmen einer Vernissage, mit Frankenwein, natürlich! 😉

Jedenfalls kann man sich auf den Seiten des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier, das ja bei der Liedauswahl offenbar auch eine gewichtige Rolle gespielt hat, alle 19 Graphiken für den überdiözesanen Stammteil anschauen, ich möchte sie hier nicht alle abbilden, zumal ja inzwischen die geschätzte Leserschaft zum größten Teil ein neues Gotteslob in Händen halten dürfte.

Wenn Sie kurz hier schauen möchten, achten Sie bitte auf  die begleitenden Texte, besonders deren jeweiligen Schluß!

Fest steht, alle Reaktionen des „normalen Kirchenvolks“, die ich bisher wahrgenommen habe, gehen in genau eine Richtung, nämlich die hier

Ok, das war nicht nett, sorry… 😉
Aber natürlich bleibt es einfach eine Tatsache, daß ‚Moderne Kunst‘, daß (weitgehend) Ungegenständliches außerhalb bestimmter, relativ kleiner Kreise nicht mit Verständnis rechnen, gar auf Zustimmung hoffen kann.

Nun will ich nicht behaupten, daß das Wissen um dieses Faktum geradezu ein Grund gewesen ist dafür die „Entscheidung“ über die Aufnahme dieser Graphiken als ‚Geheime Kommandosache‘ durchzuführen. Aber klar ist, es gibt das Bewußtsein für die Problematik in den einschlägigen kirchlich-universitär-publizistischen Kreisen. Denn da ist, allen voran bei Bischof Dr. Hofmann selbst (wie im Beitrag vom 28. September nachzulesen), immer wieder die Rede davon, diese Entscheidung sei „mutig“. So auch z.B. in einem Beitrag des bekannten Prof. Kranemann in der schon mehrfach erwähnten Beilage zum “Tag des Herrn“ vom 14. September 2013.
Und der „Tag des Herren“ hielt es schon im Herbst denn auch für erforderlich, in einem redaktionellen Beitrag (!) Werbung zu machen für die Zeichnungen (der TdH und das Neue Gotteslob für unseren Beritt erscheinen im gleichen Verlag…). Die Argumentationslinie ist etwa wie hier.

Jaja, „mutig“; das ist eines dieser Wörter, die „übersetzungsbedürftig“ sind. So wie es in diesem (und ähnlichen) Kontexten gebraucht wird gehört es ja nur scheinbar der deutschen Alltagssprache an. Der wahre Sinngehalt lautet etwa: „Euer Empfinden in diesen Dingen ist leider zurückgeblieben und interessiert uns, die wir darüber entschieden haben, nicht, denn unser fortgeschrittenes Bewußtsein sagt uns, was richtig und gut für Euch ist; jetzt gebt Euch mal schön Mühe, dann versteht Ihr es auch noch!“

So, nun wir haben uns noch einmal vor Augen geführt: Was da im Neuen Gotteslob gestalterisch auf uns zukommt, das ist das Resultat eines elitären Prozesses, im Verlauf dessen den Handelnden aller Wahrscheinlichkeit nach bestens bewußt war, daß sie auf breite Zustimmung nicht rechnen durften. Sie haben sich darum nicht geschert, sondern haben ‚mutig‘ entschieden.

Welches Bild dieser (sehr) kleine Kreis von Menschen von sich selbst und von den „Endabnehmern“, dem Kirchenvolk, dessen ‚Mündigkeit‘ so häufig im Munde geführt wird, hat, dazu kann man sich auf dieser Grundlage (erneut) so seine Gedanken machen.

Und nun? Ist das denn schon alles, was man zu den „Bildern“, die da auf uns zurollen, feststellen kann: Wie es dazu kam?
Sollen wir (erneut) widerstandslos über uns ergehen lassen, was uns die häufig immer noch tonangebende Generation 70+ und ihre Adepten da als den letzten Schrei und „mutigen Schritt“ aufdrückt? Bleibt uns wirklich bloß Resignation („Ich bin eh zu blöd/zu alt/zu zurückgeblieben, um das zu verstehen“) oder aber die willenlose Übernahme („interessant“) offiziöser Deutungsmuster?

Natürlich nicht! Nein, wir können uns wehren – intellektuell, emotional und ganz praktisch.

Nun ist es, was die intellektuelle Ebene angeht, hier nicht möglich, eine Kritik der modernen Kunstauffassung in ihrem Verhältnis zur Kirche zu leisten, aber das ist auch nicht erforderlich – einige Schlaglichter werden vollauf genügen.

Zunächst: Im Rahmen der modernen Kunst-Theorie sind eigentlich nur die Kriterien von Originalität und Innovativität als Maßstäbe zur Bewertung von Kunstwerken übriggeblieben, alles, wirklich alles andere ist schon seit langer Zeit im Nebel der Unverbindlichkeit, des ‚anything goes‘ verschwunden.  Ich habe mich bei Leuten erkundigt, die sich in diesem Diskurs auskennen, und das Ergebnis ist eindeutig: Die Strichzeichnungen von Frau Bartholomé „leisten“ diesbezüglich gar nichts. Derartige (halb-) ungegenständlichen Strichzeichnungen sind weder originell, noch innovativ. Da die Künstlerin nach eigenem Bekunden bei der „Produktion“ auch nicht darum bemüht war, spezifisch christliche Inhalte zu schaffen, sondern sich dem freien Spiel der persönlichen Assoziationen überlassen hat, kann man auch nicht von einer auf diesen besonderen Kontext bezogenen Innovativität ausgehen.

Aber, so möchten nun vielleicht manche einwenden: Muß man sich denn nicht doch darauf einlassen, auf den assoziativen Zugang von Seiten des Betrachters? Wie es zum Schluß der Texte beim Deutschen Liturgischen Institut immer heißt: „Und was sehen Sie?“ Nein, muß man keineswegs! Vielmehr gilt es den Kontext zu bedenken, in den diese „moderne Art“ der Kunst  (-betrachtung) hier zwangsweise transportiert wird: Es ist ganz wesentlich der Vollzug der Hl. Messe.
Ist es da wirklich angemessen, zu persönlichen und unverbindlichen Kunstbetrachtungen und Assoziationen angehalten, ja geradezu genötigt zu werden?  Das ist es natürlich nicht. Die Hl. Messe ist vielmehr ein Raum der Eindeutigkeit, des durchaus Vorgegebenen, das nicht zu unserer Disposition steht, weder hinsichtlich der Feier der Liturgie, noch sonst. Ihr ganzer Charakter zielt darauf, uns über unsere je individuellen Idiosynkrasien, unser Eingeschlossensein in unser ach so kostbares Selbst und seine begrenzten und zufälligen Vorstellungen zu erheben, hin zu einem Größeren, einem unendlich viel Größeren, in dem wir erst wahrhaft wir selbst werden können – ohne Unverbindlichkeiten, ohne „Fragezeichen“, ganz „eigentlich“…

Und dazu paßt die „Ermunterung“, sich einem durch und durch weltlichen Diskurs der Kunstbetrachtung zu überlassen nun einmal überhaupt nicht. Mit diesen Zeichnungen, so harmlos sie auf den ersten Blick daher kommen mögen, hat Bischof Dr. Hofmann und haben diejenigen, die es mit entschieden haben, einen ganzen Diskurs in einen heiligen Bereich geholt, der dort nicht hingehört. Das ist der entscheidende Punkt, aufgrund dessen wir jenseits aller völlig müßigen Betrachtungen über die Qualität der Werke oder was sie „uns sagen wollen“ feststellen müssen: Sie wären besser draußen geblieben, denn sie haben hier nichts zu suchen!

Extrem ärgerlich ist es, wenn in diesem Zusammenhang die Ungegenständlichkeit, die ja einen wesentlichen Teil des Assoziationsspielraums erst eröffnet, von Seiten hochmögender kirchlicher Angestellter wie Dr. Stefan Kraus, dem Direktor der „Kolumba“, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, noch besonders hervorgehoben, ja als alternativlos „modern“ dargestellt, und anderes abgewertet wird:  „Christliches Leben und Handeln“ werde in den Zeichnungen nicht „illustrativ versimpelt“, heißt es in dem Katalog zur Münsteraner Ausstellung der Werke von Frau Bartholomé, (vgl. hier).

Das ist deshalb so anstößig, weil der hier Schreibende selbstverständlich um die erheblich komplexere jahrhundertelange Beziehung des Christlichen Glaubens zum „Bild“ als solchem weiß! Jeder,  der sich auch nur einmal ansatzweise damit beschäftigt hat, weiß es auch: Es kann versimpelnde Illustration geben, ebenso wie es versimpelnde Abstraktion gibt, aber um sich klarzumachen, daß die Gleichung: Illustration = Versimpelung nicht aufgeht, reichen schon die zwei Stichworte: „Ikonen“ und „Romanische Kunst“!
Nein, hier wird in teils sehr raffinierter Weise eine ganz bestimmte Sicht der Dinge propagiert, die alles andere als alternativlos ist, bloß, weil sie nun seit einigen Jahrzehnten (was ist das schon!) den Diskurs beherrscht!

Es darf in diesem Zusammenhang auch  daran erinnert werden, daß sich der gesamte moderne Kunst-Diskurs durchaus aus einer in weiten Teilen sehr kämpferisch-aggressiv antikirchlichen Haltung vollzogen hat. Ich kann nicht umhin, diesen „Einbruch“ in unseren Raum des Heiligen als eine Art von scheinbarer „Kapitulation“ zu empfinden; eine höchst überflüssige „Kapitulation“.

Ob die bemerkenswerte intensive Beschäftigung mit dem Thema „Kunst“ im Leben von Bischof Dr. Hofmann dazu beigetragen hat?

„Während der Freisemester Erwerb des praktischen Rüstzeugs für Zeichnung und Malerei in dem der Universität [Bonn] zugehörigen Kunstatelier. (ab 1963)

Abschluß des Studiums der Kunstgeschichte und Philosophie mit der Promotion im Fachbereich Kunstgeschichte, Thema: „Zeitgenössische Darstellungen der Apokalypse – Motive im Kirchenbau seit 1945.“ (1978)

Ernennung zum Künstlerseelsorger im Erzbistum Köln. (1981)“

(Auszüge aus der offiziellen Biographie auf der Website des Bistums Würzburg, hier)

Wer weiß!

Kommen wir zur emotionalen Seite der Gegenwehr! Haben wir uns bisher mit den Zeichnungen beschäftigt, die sich im Inneren des Neuen Gotteslobs finden, so müssen wir natürlich auch das Signet in den Blick nehmen, das sich außen auf den Büchern findet, in manchen Ausgaben sogar noch auf dem Rücken! Auf unseren glücklicherweise nicht.

Ein schöner Rücken; der Goldschnitt diesmal fürs kleinere Kind (eigenes Bild)

Ein schöner Rücken; der Goldschnitt diesmal fürs kleinere Kind (eigenes Bild)

Die Assoziation, die mir dazu am häufigsten begegnet, ist diejenige mit dem (älteren) Logo der Firma Adobe Systems:

Adobe Systems, altes Logo (Bild Wikimedia)

Adobe Systems, altes Logo (Bild Wikimedia)

Was ja in der Tat naheliegend ist. Aber es geht noch viel naheliegender:

K1024_Bild 5b

K1024_Bild 5a

Dulcolax (Bild Boehringer-Ingelheim)

Dulcolax (Bild Boehringer-Ingelheim)

Dulcolax, ein Abführmittel – wie nett. 😉

Diese Konnotation war es, die meine ältere Tochter zu der jugendsprachlichen Bemerkung: „Fetter Diss, Allor!“ bewegte, was man etwa mit: „Gewichtige Herabwürdigung, mein Bester“ zu übersetzen hätte… 🙂

Das kommt davon, wenn man sich an einer so exponierten Stelle „vom Kreuz verabschiedet“ zugunsten eines irgendwie zustandegekommenen beliebigen Signets! Austauschbare Werbeästhetik statt Eindeutigkeit im Bekenntnis.

Und das ist dann doch einigen Bischöfen aufgefallen, drei von 27 Bistümern haben weiterhin ein Kreuz auf dem Buchdeckel: Paderborn, Eichstätt und – Limburg… Das ist ein Neuntel, na, immerhin… 🙁

Bald werden wir wieder hören: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ (Antiphon am Karfreitag). Hätten wir uns in den zehn Jahren der Vorbereitung auf das neue Gotteslob daran nicht mehrfach erinnern können, als es um die Gestaltung ging?

Übrigens: Kennen Sie den Wahlspruch von Bischof Dr. Hofmann? Er lautet: „Ave Crux, spes unica“ – „Sei gegrüßt Kreuz, einzige Hoffnung“. (vgl. hier)
Aber es gibt Dinge, die muß man wohl nicht verstehen.

(Und was ich davon halten soll, daß Bischof Dr. Hofmann seit der Frühjahrs-Vollversammlung Vorsitzender der Liturgie-Kommission der Bischofskonferenz ist, das weiß ich auch nicht so recht…)

Kommen wir zur praktischen Seite unserer Gegenwehr: Was ist zu tun?

Wiederum müssen wir unterscheiden zwischen innen und außen:

Innen sind die Zeichnungen leider erheblich störender, als ich das ursprünglich befürchtet hatte, nicht zuletzt, weil sie deutlich durchscheinen, das scheint bei der Bewältigung der Dünndruckkrise niemandem aufgefallen zu sein…

Illustration im nGL (eigenes Bild)

Illustration im nGL (eigenes Bild)

Illustration scheint auf Rückseite durch (eigenes Bild)

Illustration scheint auf Rückseite durch (eigenes Bild)

Aber es gibt schon Abhilfe und sie liegt im Zweifelsfall in Ihrem alten Gotteslob schon bereit:

Vorher (eigenes Bild)

Vorher (eigenes Bild)

Nachher (eigenes Bild)

Nachher (eigenes Bild)

Jaja, wer hätte gedacht, daß die guten alten Andachtsbildchen einmal auch auf diese Art hilfreich werden würden! 🙂 Sie werden uns künftig „aktiv“ vor der oben beschriebenen Zumutung beschützen, was für ein hübsches Sinnbild!

Außen müssen wir leider mehr Aufwand treiben. Antikapitalistische Verschwörungstheoretiker (und davon gibt’s hier eine ganze Menge…) könnten ja auf die Idee kommen, die ganze äußere Gestaltung diene dem Absatz von Schutzhüllen – die Nachfrage ist jedenfalls hoch…

Kirchenladen am Erfurter Domplatz kurz vor der Einführung: Run auf die Hüllen (eigenes Bild)

Kirchenladen am Erfurter Domplatz kurz vor der Einführung: Run auf die Hüllen (eigenes Bild)

Freilich: Es gibt Heldinnen des Alltags, die kaufen nicht, die machen selbst:

Selbstgemachte Hülle (Bild: Cl. Sperlich)

Selbstgemachte Hülle (Bild: Cl. Sperlich)

Bravo, liebe Kollegin, ab imo pectore, bravo! (vgl. hier)

Aber mit gekauften Hüllen geht es durchaus auch:

Vorher: "Logo" (eigenes Bild)

Vorher: „Logo“ (eigenes Bild)

Nachher: "christianisiert" (eigenes Bild)

Nachher: „christianisiert“ (eigenes Bild)

Manchmal muß es eben Filz sein... (eigenes Bild)

Manchmal muß es eben Filz sein… (eigenes Bild)

 

Sie sehen, wir sind ihm nicht etwa hilflos ausgeliefert dem neuen HB-Männchen (dem Hofmann-Bartholomé-Männchen) 😉 und es gibt noch weitere lustige Hüllen (ganz zu schweigen von dem weiten Feld des Selbermachens!), da werden wir noch viel Spaß mit haben, glaube ich – warten Sie ab, denn der Trend geht zur Zweithülle… 🙂

"Brüderchen komm tanz mit mir" (eigenes Bild)

„Brüderchen komm tanz mit mir“ (Idee: Pauline Lamers, eigenes Bild)

Jaja, wie das so gehen kann, wenn „Moderne Kunst“ sich in unserem Lebensumfeld breitmacht: 😉

Gereon Lamers

Die verräterische Formulierung Ein Sketchlet für zwei Personen

Die verräterische Formulierung

Ein Sketchlet für zwei Personen

 

Wundersdorf, im Wohnzimmer der Familie Langenfeld. Es ist Abend. Edith sitzt vor dem Laptop und surft ein bißchen zum Rücktritt von Bischof Tebartz-van-Elst, als sie auf eine Website stößt, auf der Artikel verschiedenster Zeitungen zum Thema zusammengestellt sind. Sie überfliegt die Artikel und lacht plötzlich auf.

Edith (lacht): „Strafversetzt“ – das klingt ja wie Sibirien.

Richard (blickt von seinem Buch auf): Hm?

Edith: Hier – wegen Tebartz: „Im Bistum Erfurt gibt es noch immer Befürchtungen, van Elst könnte nach Thüringen ‚straftversetzt‘“ in Anführungsstrichen „werden“.

Richard: Wieso Befürchtungen?

Edith (lacht wieder): Und wieso „strafversetzt“? Erfurt ist doch eigentlich eine ganz schöne Stadt.

Richard: Wer schreibt das denn?

Edith: TLZ – warte mal, was ist das denn – Thüringische Landeszeitung. Hm. Erscheint in Weimar.

Richard (grinst jetzt auch): Na – da wissen die wohl mehr als wir, was in dem Bistum so los ist …

Edith: … oder im Erfurter Ordinariat.

Richard (wendet sich wieder seiner Lektüre zu, brummelnd): „Strafversetzt“ … tssss!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf, von wo aus man sich ja soweit im Süden, hier bei uns in Thüringen, nicht so gut auskennen kann, nicht wahr? Daher sind die Spekulationen unserer Freunde dort auch verzeihlich. 😉

Aber: Warum schreibt eine Thüringer Zeitung so etwas? Denn die TLZ hat das heute wirklich geschrieben (leider nicht online)! Damit, ausgerechnet damit hat sie einen Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergänzt. Ist das der Blick einer Regionalzeitung auf das eigene Verbreitungsgebiet, um nicht zu sagen, die Heimat? Das ist doch sehr eigentümlich, denn normalerweise ist ein solches Presseorgan ja essentiell daran interessiert, seinen Lesern, also Käufern und Abonnenten (denen vor allem!) ein Gefühl von „Was sind wir doch toll hier in XXX!“ zu vermitteln.

PuLa ist jedenfalls nicht der Meinung, das Bischofsamt in Erfurt könne als „Strafe“ zu begreifen sein, schon deswegen, weil wir uns hier Phänomene, wie sie aus Klerus und Volk von Limburg leider bekannt geworden sind (wie Illoyalität, Ungehorsam, Vorverurteilung und Hetze) jedenfalls in diesem Ausmaß wahrhaftig nicht vorzustellen vermögen! Und „synodale Strukturen“ in dem dortigen Ausmaß, die gibt es hier bei uns auch nicht, dem Himmel sei Dank! Ich sage nur: „Das Elend der Westkirche“… (vgl. hier).
Hm! In dieser Perspektive, will einem da nicht scheinen, als wäre Erfurt u.U. das ganze Gegenteil einer „Strafversetzung“ und müßte eigentlich für jeden Bischof, bzw. Bischofskandidaten ein Wunschposten sein? 🙂

Jedenfalls ist das eigentlich schade, was die TLZ da produziert hat, nicht zuletzt, weil ihr heutiger Kommentar zur gestrigen Entscheidung aus Rom (hier) gar nicht schlecht ist. Ihn hat Gerlinde Sommer geschrieben und, bemerkenswerterweise, nicht der „Kirchenfachmann“ der TLZ. Besonders gefällt mir, daß bei Frau Sommer einfach davon die  Rede ist, Papst Franziskus habe eine Entscheidung getroffen. Warum der neue Vorsitzende der DBK so etwas verquer davon sprach, der Hl. Vater habe eine Entscheidung „herbeigeführt“, erschließt sich mir hingegen nicht so recht.

Aber das sind ja eigentlich alles kleine Fische im Vergleich zu dem, was sich heute erneut die FAZ oder genauer der notorische Daniel Deckers leistet. In einem auch sonst heftig gefärbten Artikel heute auf S.  3 des Blatts, der einen Überblick über die Jahre von Bischof Tebartz van Elst in Limburg versucht (hier), steht doch tatsächlich der Satz:

„Heute heißt es, er habe schon damals den Amtsverzicht angeboten.“

Was nun nichts anderes heißt, als daß der Verfasser die Glaubwürdigkeit der Verlautbarungen des Hl. Stuhls in Frage stellt. Aus der gestrigen wissen wir nämlich überhaupt von diesem Angebot des ehemaligen Limburger Bischofs mit Datum vom 20. Oktober2013.
Übersetzt auf den journalistischen Stil der BILD-Zeitung würde das dann etwa so lauten: „Hat der Papst gelogen?“.  Ich hatte Deckers schon viel zugetraut, aber das….? 🙁

Die Regelverletzung

Ein Sketch für drei Personen und beliebig viele Statisten

Zentralafrika, eines schönen Septembertages im Süden der Demokratischen Republik Kongo. Nahe der Quelle des Lualaba, der später als Kongo das ganze Land durchströmt, also in der Region Katanga westlich von Lubumbashi, hastet ein junger, hochaufgeschossener Mann in der Mittagshitze durch das dünnbesiedelte Bergland in Richtung sambisch-kongolesischer Grenze. Soeben erreicht er das wenige Hütten umfassende Dorf Mbene, in dem er Aufnahme und Versteck zu finden hofft und sinkt völlig entkräftet vor dem am spezifischen Federschmuck zu erkennenden Zelt des ortsansässigen Schamanen zu Boden.

Der besseren Lesbarkeit halber geben wir die sich nun entspinnende, in Swahili geführte Unterhaltung in deutscher Übersetzung wieder.

Der junge Mann: Wasser!

Der Schamane (tritt nach einer ganzen Weile aus seinem Zelt, voller Verwunderung): Wer hetzt denn in der Mittagshitze hier herum?

Der junge Mann: Wasser! Ndongi! Hilf!

Der Schamane (ruft etwas in sein Zelt und wendet sich dann wieder dem unerwarteten Gast zu): Tbalete! Du! Warum bist du jetzt, wo es um Regen zu bitten gilt, nicht zu Hause bei deiner Arbeit? (Er reicht ihm die Hand, um ihn in eine sitzende Position hochzuziehen. Die beiden setzen sich einander gegenüber.)

Der junge Mann (beugt sich eindringlich zum Schamanen hinüber): Ndongi! Versteck mich! Sie verfolgen mich! Bei der Barmherzigkeit der Quellgöttin des Lualalba, hilf! (Er sinkt wieder vor dem Kollegen in den Staub und beugt sein Gesicht bis zur Erde.)

Der Schamane (zieht ihn wieder hoch): Wer? Wer verfolgt dich?

(Eine Frau tritt aus dem Zelt des Schamanen, reicht dem Gast einen irdenen Becher mit Wasser und zieht sich sofort ins Zelt zurück.)

Der junge Mann (trinkt): Alle! (Er schluckt.) Alle aus meinem Dorf.

Der Schamane: Ui! Das ist unangenehm! (Er macht eine Kunstpause; ernst): Was hast du dir denn zuschulden kommen lassen?

Der junge Mann (drückt sein Gesicht wieder in den Staub): Ich habe zum Regentanz das falsche Lied gesungen.

Der Schamane (springt entsetzt auf): Ah! Fort mit dir! (Er stößt ihn mit dem Fuß an.) Das Unheil, das du heraufbeschworen hast, möge mein Dorf nicht auch treffen! Weg! Zieh weiter! Helfe dir, wer kann! (Er verschwindet in seinem Zelt und erhebt einen rituellen Gesang zu Schadensabwehr und seelischer Reinigung.)

Der junge Mann (vor dem Zelt): Hilf mir! Sie werden mich umbringen!

Der Schamane (aus dem Zelt): Dann leihen sie ihre Hände nur der Göttin, die du so schändlich verhöhnt hast! (Er singt weiter. Nach einer Weile verstummt er und steckt den Kopf aus der Tür): Welchen Gesang hast du denn ausgesucht?

Der junge Mann (schluchzt): Den für die Segnung der Wurzeln und des Rindenanstichs.

Der Schamane (entsetzt): Du Wahnsinniger! Die Göttin hat unsere Ahnen die richtigen Gesänge für jeden Anlaß gelehrt, von Vater zu Sohn werden sie seit Anbeginn der Welt überliefert. Wie kannst du es wagen, in ihre Ordnung einzugreifen, ohne ihren Zorn zu fürchten?

Der junge Mann (ist wieder in sich zusammengesunken): Aber ich habe den schöneren Gesang gewählt … um sie um so sicherer zu verherrlichen! Ich habe es nur gut gemeint!

Der Schamane: Was schön ist oder nicht, obliegt nicht deinem Urteil! Wir sind doch hier nicht in der deutschen katholischen Kirche!

Der junge Mann (schaut verdutzt auf): In der was?

Der Schamane (verächtlich): In der deutschen katholischen Kirche.

Der junge Mann: Was ist das denn?

Der Schamane (tritt gänzlich aus seinem Zelt, wichtig): Also: Der Neffe des Urgroßvaters der Schwägerin meiner ersten Frau …

Eine Frauenstimme (etwas verärgert aus dem Zelt): … der Cousine deiner ersten Frau!

Der Schamane (mit Blick über die Schulter in Richtung Zelt): … der Cousine meiner ersten Frau ist Bischof in Bukavu und war …

Der junge Mann (völlig überfordert): Bischof?

Der Schamane: … ja … so was wie wir hier, nur für die Katholiken. Aber hör doch mal zu! Er war in Deutschland …

Der junge Mann: … das mit den tollen Sozialsystemen?

Der Schamane: … ja! Aber hör zu! Er war in so einer Kleinstadt irgendwo mitten im Land und sagt, es herrschen Zustände … da machst du dir keine Vorstellung!

Der junge Mann: Ja? Was denn?

Der Schamane: Kein Gespür für Hierarchien – der Priester benimmt sich wie ein Kumpel – irgendeine Frau springt ständig da rum – Liturgie nach Tagesform … Un-mög-lich!

Der junge Mann (verstört): Na, so will man’s natürlich auch wieder nicht haben …

Der Schamane: Das sag ich dir! Keine zehn Pferde bringen mich dahin! Jeder hat einen Wagen, aber wie sie Gott verehren sollen, wissen sie nicht mehr!

Der junge Mann will gerade etwas sagen, als eine ungeordnete Menschenmenge mit wütendem Geheul den Hügel hinabgestürmt kommt und seiner ansichtig wird. Der Gast des Schamanen springt auf und rennt um sein Leben, die Meute hinterher.

Der Schamane (tritt, nachdem sich der Staub gelegt hat, sinnend ins Zelt zurück): Furchtbar muß das sein, in Deutschland! Diese Wilden! Diese Unkultur!

Die Frau (ist vor das Zelt getreten und blickt der erregten Menschenmenge nach): Bloß gut, daß bei uns in Mbene die Welt noch in Ordnung ist!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar