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Sketch des Monats: Der Erwählte

Der (zugegebenermaßen reichlich späte) Sketch des Monats Mai bietet Gelegenheit, erneut kurz einzugehen auf die Frage der Besetzung von Bischofsstühlen in Deutschland im allgemeinen und im Bistum Erfurt im Besonderen.
Da trifft es sich ganz ausgezeichnet, daß just heute die Ernennung von Stephan Burger zum neuen Erzbischof von Freiburg bekanntgegeben wurde: Den Freiburger Gläubigen einen herzlichen Glückwunsch und dem Ernannten ebensolche Segenswünsche aus der Diaspora!
PuLa erscheint die Tatsache, daß es sich damit bei den zwei zuletzt ernannten Bischöfen einmal um einen Dogmatiker (St. Oster, Passau) und einmal (bei der heutigen Ernennung) um einen Kirchenrechtler handelt ausgesprochen hoffnungsvoll! 🙂

Und was unsere Lage in Erfurt angeht, so werde ich nicht müde werden zu betonen, daß sich jeder Anflug von Neid verbietet! Erstens aus christlichem Prinzip, aber dann auch, weil das einfach dumm wäre! Denn ich kann nur wiederholen: Die Dinge hängen alle miteinander zusammen, sowohl was die vorhandenen potentiellen Kandidaten angeht, als  auch, was die personellen Kapazitäten in der Nuntiatur betrifft (die nur über kleinen Stab verfügt, der alle „Fälle“ zu bearbeiten hat)!

Auch deswegen dürfen uns sollten wir uns ehrlichen Herzens freuen, wenn andernorts die Dinge geklärt werden – das hilft auch uns!  Nun sind es z.B. nicht mehr drei, sondern „nur“ noch zwei Erzbistümer (Köln und Hamburg), die zu besetzen sind.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beobachtung, daß es in den vergangenen Tagen die (traditionsorientierten) Blogs waren, die die besten Informationen über die bevorstehende Ernennung brachten, schauen Sie z.B. hier vom 28. Mai aber auch hier!

PuLa wird sich Mühe geben, diesem Anspruch hier in der mitteldeutschen Diaspora (weiterhin) gerecht zu werden, ohne dabei ins unziemliche Plaudern zu geraten… 😉

Und weil das so ist, wollen wir, jenseits der, äh, „literarischen Fiktion“, dem „ wie es gewesen sein könnte“ zu der hiesigen Lage im einzelnen kein weiteres Wort verlieren, sondern uns auf die Bemerkung beschränken, bzw. die Prognose wagen: Es wird nun wohl noch einige weitere Monate dauern…

Gereon Lamers

 

 Der Erwählte

Ein Sketch für zwei Personen

 

Ein Pfarrhaus, irgendwo in Deutschland. In schwarzer Hose und Collarhemd kniet der Hausherr vor einem Kruzifix und verharrt nach dem Gebet der Vesper in einem drängenden eigenen Anliegen noch ein wenig in Stille. Da klopft es. Als er nicht reagiert, klopft es dringlicher noch einmal. Der Priester erhebt sich.

Der Erwählte (etwas unwirsch): Herein! (Als die Haushälterin zaghaft und betreten die Zimmertür öffnet): Was gibt es denn so Dringendes?

Die Haushälterin (reicht dem Priester ein schnurloses Telefon, dessen Mikrofon sie mit dem Daumen verdeckt. Dennoch leise): Entschuldigen Sie die Störung! Der Nuntius – er versucht es heute schon zum dritten Mal und war diesmal nicht zu vertrösten.

Der Erwählte (nimmt ihr mit einem vielsagenden Blick das Telefon aus der Hand und nickt ihr, bevor sie das Zimmer wieder verläßt, begütigend zu. Ins Telefon): Ja, bitte?

(Er hört) Guten Abend, Exzellenz.

(Hört wieder. Mit fester Stimme) Ja, Exzellenz, ich habe den Brief des Erfurter Domkapitels erhalten.

(Er hört und geht dabei zu seinem Schreibtisch, auf dem mittig das fragliche Schreiben liegt.) Ja, da hat man Sie korrekt unterrichtet, Exzellenz: Ich sehe mich außer Stande, dem Ruf zu folgen.

(Hört) Es betrübt mich über die Maßen, daß mein Verhalten den Heiligen Vater irritieren könnte. (Mit Zerknirschung) Ich versichere Ihnen, ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht!

(Hört) Was meinen Sie damit, das Bistum Tianshui sei bereits seit 1972 vakant …

(Hört. Indem er blaß wird, etwas ungläubig:) Sie wollen sagen, (er stockt) Sie wollen sagen, falls ich nicht als Bischof nach Erfurt gehe, könnte der Heilige Vater in seiner unendlichen Weisheit mir die Chance einer Bewährung in einer chinesischen Provinz …

(Halb setzt er sich, halb sinkt er kraftlos in seinen prächtigen Schreibtischstuhl. Er hört wieder, dann, mit schwacher Stimme) Jawohl. Selbstverständlich, Exzellenz. Ich werde die Angelegenheit noch einmal genauestens prüfen …

(Er hört) Mein Gewissen … sehr wohl, Exzellenz. Auf Wiederhören, Exzellenz!

(Er drückt die rote Taste seines Handapparates und läßt das Telefon auf seinen Schreibtisch gleiten. Nachdem er eine Weile fassungslos ins Leere gestarrt hat, klappt er seinen Laptop auf und öffnet eine Seite über das Bistum Tianshui. Er liest eine Weile und macht sich Notizen. Dann klappt er den Laptop wieder zu, schlägt sein Brevier auf und entnimmt ihm ein Bild des Letzten Abendmahls. Er fixiert eine Weile den Kelch in Jesu Händen und erhebt sich.

(Für sich, gefaßt): Wo ist der nächste Gänsestall … aber das hat ja noch nie funktioniert …

Der Erwählte (tritt zur Zimmertür und ruft in den Flur): Frau Wildermuth!

Die Haushälterin (erscheint und blickt Hochwürden prüfend an:) Ja?

Der Erwählte: Frau Wildermuth, sehen Sie doch bitte zu, daß wir beide an der Hochschule noch in den Anfängerkurs Chinesisch hineinrutschen. Und beschaffen Sie mir doch bitte eine Biographie über einen gewissen Peter Gratian Grimm, Kapuzinerpater; (Er drückt der völlig verdutzten Frau Wildermuth seinen Notizzettel in die Hand) Pater Grimm war von 1949 bis 1972 Bischof von Tianshui.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

 

PS: Potzblitz: Die hatten von der Erzdiözese Freiburg wenige Minuten nach der Bekanntgabe eine Videobotschaft des Ernannten online, hier, das setzt natürlich Maßstäbe für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit in den anderen Diözesen!

 

 

 

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