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Selber Schreiben bewegt!

Eine Ermunterung

Nach der Erfahrung mit den Texten der Cäcilini für den Kinderkreuzweg 2018, den Erfahrungen mit den Erwachsenenkreuzwegen 2019 und 2020, nach der Erfahrung mit der Entstehung dieser Texte und vor allem ihrer Wirkung auf die Mitfeiernden – ob klein, ob groß – kann ich nur alle Gruppen und Kreise, die Kreuzwegandachten in unserer Pfarrei ausrichten, ermutigen, Kreuzwegtexte selber zu verfassen.

Beispiellos ist das, wie wir gesehen haben, unter Jugendlichen nicht – siehe der große Kreuzweg, den ich gestern als multimediales Projekt beschrieben habe, von Beginn der 90er Jahre. Aber auch unter Erwachsenen ist es nicht ohne Beispiel: Am 16. März 2018 bot der ‘SamstagAbendKreis’ unserer Pfarrei beispielsweise die sehr aufwendige Kreuzwegandacht „Das Leiden unseres Bruders Jesus Christus nach Lukas“ aus sieben Stationen, mit eindrucksvollen Lichtinstallationen und selbstverfaßten, ganz in die heutige Zeit hineingenommenen gesellschaftspolitischen Texten an.

„Bruder“, nicht „Herr“: Das Begleitheft mit allen Texten und dem Ablauf der Kreuzwegandacht vom 16. März 2018 des SamstagAbendKreises unserer Pfarrei (eigenes Bild)

 

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Wiewohl ich aufrichtig nicht weiß, ob ich das könnte, solche Texte selber verfassen, möchte ich mich dem aus vollem Herzen anschließen! Die Texte, die bei den Jugendlichen entstanden sind, machen staunen. Im positiven Sinne!
Und auch wenn ich über den Ansatz des sinnigerweise „SAK“ abgekürzten oben erwähnten Kreises alles andere als spontan begeistert bin (aus eigenem Erleben kann ich leider nichts dazu sagen), so ändert das nichts. Denn es ist allemal besser, da entsteht etwas, das eben wirklich „heutig“ ist, als die de facto Alternative, die leider allzu häufig anzutreffen ist: Kreuzwegtexte aus Büchern, die ihre 30-40 Jahre auf dem Buckel haben, und das in der verwendeten Sprache und dem Geist, den diese transportiert, auch überdeutlich verraten! Wie so etliches aus dieser Zeit, das in so großer Zahl in unseren Pfarreien rumgeistert (Meßgewänder, z.B.!!) taugen sie m.E. bloß noch zur historischen Betrachtung (um den häßlichen Begriff des „Gruselkabinetts“ zu vermeiden 😉 ).
Ceterum censeo: Kreuzwegandachten sind am Freitag zu feiern.

Gereon Lamers

 

Ein Hauch von Pfarrjugend

Die Cäcilini gastierten am 8. März um 17 Uhr mit ihren selbstverfaßten Kreuzwegtexten in St. Franziskus Sömmerda

Alles begann, wenn ich mich recht erinnere, um Ostern 2017 herum, als ich in einer Gruppe von Freunden vor der Kirche stand und mich mit einem jüngeren Kirchenchormitglied über das Thema „Jugend-“ oder „Kinderkreuzweg“ unterhielt. Wie wir darauf kamen, weiß ich nicht mehr, aber ich erzählte, daß ich bei aller Erfahrung, die ich mittlerweile im Schreiben und Komponieren von Liedern gewonnen habe, vor dem Thema Passion immer einen Heidenrespekt empfunden und mich an das Thema nie herangewagt hätte. Viel zu groß schien mir die Gefahr, der Ernsthaftigkeit nicht gewachsen zu sein, unbewußt auf irgendwie Vorgefertigtes zurückzugreifen oder gar etwas zu verkitschen. Mein Gesprächspartner erzählte seinerseits von einem Jugendkreuzweg, den er Anfang der 90er Jahre selber mitgefeiert und -gesungen habe. Ein Altersgenosse aus der damals sehr großen Weimarer Pfarrjugend hatte ein über einstündiges – heute würde man sagen: multimediales Gesamtwerk angestoßen, das aus Bildbetrachtungen, eigenen Orgelkompositionen (mit der ebenso unbeabsichtigten wie symbolischen Gesamtlänge von 33 Minuten) und selbstverfaßten Liedern der Jugendlichen bestand. Die acht Stationen begannen mit Verrat und Gefangennahme und endeten mit der Auferstehung. Heute ist besagter Musiker promovierter Theologe, dabei noch immer, wenn es seine Zeit erlaubt, Musiker und Komponist, vor allem aber Pfarrer in Sömmerda,

Die Erzählung faszinierte mich. Wie wäre es, diesen Jugendkreuzweg wieder aufzuspüren? Mit Jugendlichen Texte zu verfassen, die heute passen? Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Wünsche beider Generationen zusammen zu reflektieren und die gesamte Andacht erneut aufzuführen? Wer weiß, wie viele Menschen sich erinnern würden, weil sie damals mit in den Bänken oder gar hinter einem Instrument saßen? Eine wunderbare Gelegenheit, dazu angetan, die neue Generation der Jugendlichen mit älteren Einheimischen zusammenzubringen. Man braucht ja doch immer irgendein Thema und einen Anlaß. Die Idee setzte sich in mir fest und ich beschloß – da Sömmerda nicht aus der Welt, sondern unsere Nachbarpfarrei ist, den Kontakt zu Pfarrer Bock anzuknüpfen.

Zu meiner großen Freude stellte ich nach dem ersten Anruf im Sekretariat und einer ausführlichen Antwortmail seitens des Pfarrers fest, daß ich mit meinem Anliegen die sprichwörtlichen offenen Türen einrannte. Auch er erinnerte sich sehr gerne an das Projekt, versprach, alle alten Unterlagen und handschriftlichen, kopierten Noten herauszusuchen und mich zu einem Gespräch in seinem Gemeindehaus zu empfangen.

Nach dem Gespräch in Sömmerda wieder zuhause angelangt, machte ich mich mit den Bildern und der insgesamt sehr umfangreichen Musik vertraut. Daraufhin stellte ich die ganze Sache in einer Koordinierungsrunde der LeiterInnen der Gruppen und Kreise vor. Da mir beschieden wurde, die Pfarrjugend sei derzeit zahlenmäßig nicht in der Lage, solch ein Projekt zu stemmen und der kleine Jugendchor sei uns ebenfalls abhanden gekommen, mußten, da dennoch ein Kreuzwegtermin abzudecken war, die Cäcilini ran. Und die sieben (!) Jugendlichen haben es mit Bravour gemeistert: Zunächst, 2018, mit Kreuzwegtexten für Kinder.
Im Jahr 2019 dann, und hiervon will ich im folgenden berichten, mit einer Kreuzwegandacht für die ganze Gemeinde. Für diese Andacht besprachen wir über vier Proben hinweg die Texte. Verfaßt wurden sie von den Jugendlichen selbständig zuhause.

Was macht den neuen Kreuzweg der Cäcilini aus? Die Jugendlichen wählten neun Stationen: die neun Stationen der Begegnung Christi mit anderen Menschen. Die entsprechenden Texte meditieren nicht über die einzelnen Aspekte der Passion, wie man das ja bei den meisten Kreuzwegandachten antrifft, sondern führen die Mitfeiernden direkt in das biblische Geschehen hinein und überlassen die Reflexion und das Nachempfinden den Zuhörenden. Jede Station wird aus der Perspektive einer der handelnden, leidenden oder beobachtenden Personen geschildert. So erleben wir die erste Station nicht im Gerichtssaal des Pilatus, sondern im Gemach seiner Frau Claudia Procula, die ihren Mann wegen eines Traumes vor der Verurteilung Jesu warnt (Mt 27, 19). Wenn man bedenkt, welche Rolle Träume in den Texten der Bibel spielen, ist es verwunderlich, daß dieser Aspekt häufig komplett aus der Betrachtung der Passion ausgespart wird.
In diesem Falle nicht. Hier wird genau dieses Motiv inhaltlich gefüllt. Dann spricht Maria zu uns, Simon von Cyrene und Veronika, ein gehässiger Soldat und ein mitleidiger Beobachter. Sogar in Jesus selbst hat eine der jungen Autorinnen sich hineinversetzt. Es ist berührend und neu. Unterbrochen werden die Texte von neun kurzen Musikmeditationen für zwei Blockflöten und Cello. Am 24. März 2019 haben wir diese Andacht in Herz-Jesu Weimar, am 8. März 2020 in St. Franziskus Sömmerda gefeiert.

Bei der Ankunft vor dem Gemeindehaus Sömmerda (eigenes Bild)

Eines der Zwischenspiele, das im abschließenden Film erklingt, ist bereits dem Kinderkreuzweg am Karfreitag 2018 entnommen und auch mit einem der für Kinder bestimmten, sehr kurzen Text versehen.

 

Cornelie Becker-Lamers

Look up and…

…think of Mary! (2)

Mondsichel über Weimar, 26. März 2020 (eigenes Bild)

Das wird der erste Frühlingsvollmond, was da heute abend jedenfalls über Weimar so schön, so erhaben und so tröstlich im Westen stand und wer dächte nicht an die Muttergottes und an das Fest in ihrem Namen, das wir gestern, ja, trotz allem, begangen haben?

Sehr treuen PuLa-Lesern mag dieser kurze Text bekannt vorkommen, sehr zurecht, das erste “Look up and think of Mary” haben wir vor über 5 Jahren, am 22. März 2015 fast textgleich gepostet und sahen, abgesehen von der Datumskorrektur heute keinen Anlaß zu großer Veränderung.

Auch das folgende Bild ist das gleiche wie zuvor: 

Spätgotische Mondsichelmadonna (ca. 1480) in der Stiftskirche St. Pankratius in Hamersleben (Bild: Wikimedia Commons, Waldstein)

Nur daß wir heute nicht bloß wie damals ganz allgemein an Oschersleben erinnern wollen (Hier, hier und hier, z.B.), das uns so ans Herz gewachsen ist, nein, der YouTube-Channel der Pfarrei St. Marien ist in dieser schweren Zeit eine ganz konkrete Empfehlung! Jetzt zahlt sich aus, daß dort rechtzeitig an die (gar nicht mehr so) “Neuen Medien” gedacht wurde! Und viel wichtiger, als die technische Perfektion (die sicher noch nicht erreicht ist) ist natürlich, bei Pfr. Sperling sind Sie vor jeder “Überraschung” (Sie wissen schon, was wir meinen) sicher. Ganz sicher!

Beispielhaft hier das Video zum gestrigen Rosenkranz. Klicken, abonnieren und Benachrichtigungen einschalten!

Gereon Lamers

Ora pro nobis, Sancta Dei Genitrix!

 

Sketch des Monats: Das Preisausschreiben

Ein Sketch für fünf Schafe und zwei Lämmchen 

Wundersdorf, Oderbruch. Die allseits bekannte Schafweide. Fixi und Huf hocken bei Nieselregen und kaltem Wind im Unterstand und haben sich Kohles Tablet unter den Nagel gerissen. Sie scheinen einen Text zu entwerfen und lachen sich kaputt. Hm! Da muß man ja bei den beiden eigentlich sofort mißtrauisch werden. Was haben sie nur schon wieder ausgeheckt?

 

Kohle (stupst die Tür zum Unterstand auf): Fixi! Huf! Wo steckt ihr beiden?

Flocke und Wolle kommen hinter Kohle in den Unterstand gestapft.

Fixi: Wir entwerfen ein Preisausschreiben für die Pfarrei.

Flocke: Für Maria Hilf Wundersdorf?

Huf: Ja, klar! Für welche denn sonst?

Wolle: Die Pfarrei hat kein Geld für Preisausschreiben!

Kohle: Was zu beweisen wäre …

Fixi: Es geht ohnehin nur um die Ehre. Also einen Spieleabend oder so.

Wolle: Ah! Das klingt auf jeden Fall realistischer.

Blütenweiß und Grauchen kommen von draußen rein.

Blütenweiß (schüttelt sich): Ein lausig kalter Wind ist das!

Grauchen: Wenn an so einem Tag die windgeschützten Plätze unter der Tanne alle belegt sind, kann man sich wirklich nur noch in den Unterstand retten!

Flocke (zu Fixi und Huf): Nun erzählt schon!

Grauchen: Worum geht’s denn?

Wolle: Die beiden entwerfen ein Preisausschreiben.

Blütenweiß: Na, da bin ich ja gespannt!

Kohle: Also?

Huf: Gesucht werden Ideen für weitere Taizé-Angebote in der Pfarrei.

Wolle: Wie bitte???

Flocke: Wollt ihr mich auf den Arm nehmen?

Blütenweiß: Die treffen sich doch seit Jahren jeden Mittwoch abend.

Grauchen: Und jetzt auch jeden Montag früh und donnerstags mittags.

Kohle (zieht eine Augenbraue hoch): Die Frage ist tatsächlich eher, ob dieser sedierende Singsang süchtig macht!

Wolle: Dazu noch die Schweigemeditationen dreimal die Woche.

Flocke: Sie werden sich am Ende noch mit totschweigen, in unserer Pfarrei!

Blütenweiß: Wieso mit? Wen schweigen sie denn noch tot?

Flocke: Na, alles! Sämtliche Probleme! Oder schon mal ein Wort zum Chorsterben in unserer Pfarrei gehört?

Wolle: Oder zum Thema Pfarrjugend in Maria Hilf?

Kohle: Statt dessen bemüht man sich, die Jugendlichen so oft es geht außer Landes zu schaffen.

Grauchen: Stimmt! Eigentlich immer, wenn irgendwie mehr als vier Tage am Stück keine Schule ist: Über Silvester waren sie in ganz kleiner Runde zu Taizé in Breslau.

Flocke: In der Karwoche schaufeln sie wieder eine Gruppe runter nach Taizé – die Werbung dafür haben sie glaube ich dem Religionslehrer in Petershagen aufs Auge gedrückt.

Wolle: Dann natürlich die große Sommerfahrt nach Taizé, zu der sich hoffentlich möglichst viele Firmbewerber einschreiben. Damit der Bus nicht wieder zur Hälfte oder Dreivierteln leer fährt.

Kohle: Und wem es im Sommer in Taizé zu heiß ist, dem vermittelt man gern in den Herbstferien eine Taizéfahrt mit einer anderen Brandenburger Pfarrei.

Fixi (bedeutet durch eine Geste, daß alle erstmal zuhören sollen; mit wichtiger Miene): Haben wir alles hier im Vorspann genau so stehen. Ist doch klar: Wenn’s einfacher wäre, bräuchte man ja kein Preisausschreiben.

Huf: Eben! Es ist aber richtig schwierig, sich noch weitere Angebote auszudenken.

Fixi: Was aber unbedingt sein muß! Das sieht man sofort, wenn man einen Blick auf unseren Schaukasten wirft.

Huf (mit gespielter Entrüstung): Da sind doch tatsächlich trotz der ganzen Werbung für Taizé-hier und Taizé-da noch ein paar Quadratzentimeter frei!

Blütenweiß: Ach so! (Sie beginnt zu lachen.)

Grauchen (lacht auch): Ihr meint, das birgt die Gefahr, daß dort am Ende jemand eine Werbung für den Kirchenchor aufhängt?

Flocke (beginnt zu verstehen; dramatisch): PANIK!

Huf: Genau! Die singen schließlich etwas anderes als Terzparallelen!

Wolle (ist jetzt auch im Film): Kreuzgefährlich!

Blütenweiß (sarkastisch): Und voll-stän-dig überflüssig!

Fixi (erleichtert): Habt ihr’s endlich kapiert!

Huf (doziert): Aber eine Monokultur ist eben nur eine richtig schöne Monokultur, wenn es wirklich gar nichts anderes mehr gibt. Das gilt schließlich auch im Spirituellen!

Kohle: Ah ja! Na, da bin ich ja mal gespannt, ob jemandem noch was einfällt!

Fixi: Meine stille Hoffnung ist ja …

Flocke (mütterlich): Was, mein Lämmchen?

Huf: … daß endlich mal noch ein paar mehr Schafen der Hut hochgeht und sie unserem Pfarrer einen ganz anderen Vorschlag machen …

Blütenweiß: Laß mich raten …

Kohle: … Taizé fasten …

Grauchen: … und Dialog üben!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß es in Weimar natürlich schon längst noch mehr Taizé-Angebote gibt: Vorträge dazu in Weimar, Vorträge in Bad Berka, ganze durchwachte Nächte auf Isomatten …

Cäcilini in Sömmerda

„Das ist eines Christen unwürdig“

Hamsterkauf und Fastenzeit

Wir persönlich legen keine größeren Vorräte an. Was natürlich nicht unabhängig ist von der Entfernung bis zum nächsten größeren Lebensmittelladen (zwei Minuten Fußweg) und deren derzeitigen Öffnungszeiten (gefühlt rund um die Uhr). Und vom Platz im Keller. Aber wer Angst vor einer Versorgungskrise hat, den hält wohl auch das nicht ab: Schließlich legt man ja Vorräte an, damit man alles hat, falls der Laden nicht mehr versorgt werden kann. Dann ist es egal, wie weit entfernt er ist.

Vergangenen Sonntag sprach ein Priester einen ganz anderen Aspekt an: „Lassen Sie sich nicht anstecken von der Panik und den Hamsterkäufen. Das ist eines Christen unwürdig.“ Das war kühn gesprochen. Und völlig richtig. Es bezog sich nicht einmal auf die Fastenzeit. Das gilt immer. Hamsterkäufe sind eines Christen unwürdig.

Tatsächlich trifft uns die Angst vor den leeren Regalen genau zur richtigen Zeit: Zur Fastenzeit, in der es sowieso angezeigt ist, den Kühlschrankinhalt auszudünnen. Unseren Kühlschrank bezeichnete unsere Tochter unlängst als Mischung von Tetris und Memory. Das ist witzig, weil es eben leider so treffend ist: Man muß immer schauen, wo man irgendwas noch hinstopfen kann – wobei die zwei Kartoffeln, die man vielleicht als Rest für irgendwann verwahrt hat, in die dritte Reihe gelangen und irgendwann doch schlecht werden: Das ganze Jahr über ein Ärgernis und etwas, wofür man sich schämt. Ich habe es schon mit Kühlschranklisten versucht, auf denen ich eingetragen habe, wo welche kleinen Reste lagern, die man demnächst in ein Gericht integrieren sollte. Leider war sogar das letztlich vergeblich, die Lage besserte sich nicht wirklich. Offenbar brauche ich einen äußeren Anlaß wie die Fastenzeit, um einmal im Jahr da wirklich wieder klar Schiff zu machen.

Ein echte Versorgungskrise wäre eine noch bessere Hilfe: Die Speisekammer durchsehen und sich überlegen, was man aus nicht in Rezepten vorgesehenen Kombinationen von Zutaten für Essen zubereiten kann. Die Zeitung mal nicht ins Altpapier werfen, sondern in den Toilettenraum legen und merken, daß das auch geht.

Noch ist es nicht soweit. Aber ich fürchte, verdient hätten wir es – vielleicht sogar alle miteinander. Als Gesellschaft, die tonnenweise Lebensmittel vernichtet und dennoch das ‚Containern‘ verbietet. Aber wer bekommt schon, was er verdient …

Cornelie Becker-Lamers

Das Kreuzsteig-Fastentuch

Ein Sketch für vier Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen
und beliebig viele Schafstatisten

Wundersdorf, Oderbruch. Die allseits bekannte Schafweide vor den Toren der Stadt. Richard, Edith, Emily und Teresa nutzen die Sonnenstunden für einen Spaziergang zur Schafweide, um Kohle, Wolle, Flocke, Grauchen, Blütenweiß und die Lämmchen Fixi und Huf endlich einmal wieder zu besuchen. Wie immer finden sie die Schafe guter Dinge und sehr beschäftigt: Von der Tanne hängt ein großes Leinentuch herab. Irgendetwas ist darauf gedruckt, das sieht man, aber von weitem ist schwer zu erkennen, was es sein könnte. Außerdem scheinen die Schafe mit vereinten Kräften – ein – was ist das? Moment mal – ja! – ein altarähnliches kleines Bauwerk aufzurichten.

 

Edith (am Gatter): Kohle! Flocke! Fixi! Hu-uf!!!

Die Schafe schauen sich um und kommen auf Ediths Ruf hin zum Gatter gelaufen.

Kohle (öffnet das Gatter): Kommt rein! Das ist aber schön, daß ihr endlich mal wieder vorbeischaut!

Teresa (jammert): Das haben wir schon lange vor – und dann haben wir keine Zeit!

Flocke (mitleidig): Wenn du das schon sagst …

Die Familie schlendert neben den Schafen über die Weide in Richtung Tanne.

Richard: Sagt mal, was habt ihr denn da für eine Fahne aufgehängt?

Wolle: Eine Fahne ist das nicht!

Fixi: Das war eigentlich als Fastentuch gedacht.

Emily (versucht die Darstellung zu entziffern): Mit Spuren darauf?

Huf: Klauenspuren. Ja!

Teresa: Gefärbt mit Naturfarbstoffen sozusagen!

Kohle (stolz): Genau!

Edith: Toll! Und wo habt ihr den schönen Stoff her?

Kohle: Hat uns Silke beschafft. Ist ziemlich gutes Leinen! Ich glaube, sie hat es als Projekt beim Bonifatiuswerk angemeldet … Fastentuch gestalten mit Kindern oder so … schon floß das Geld! Wir Schafe geraten ja selten wirklich als Herde in den Blick.

Richard: Und auf dem Leinen seid ihr herumgetr… herumgelaufen?

Blütenweiß (errötet ein wenig): Auf Zehenspitzen, wie das so unsere Art ist …

Flocke: Es ist nämlich jetzt doch kein Fastentuch mehr, sondern ein Kreuzweg!

Edith und Emily (aus einem Munde): Ein Kreuzweg?!

Grauchen: Eigentlich eher eine Kreuzstiege … Himmelsleiter sozusagen …

Flocke: Deshalb hängt das Tuch auch von der Tanne herab.

Wolle: „Weg“ klingt ja immer so innerweltlich … aufeinander zu und so … 

Huf: … wie in „synodaler Weg“ …

Grauchen: Aber eigentlich sind wir ja alle unterwegs zu Gott!

Edith: Verstehe!

Richard: Das seht ihr ganz richtig!

Emily: Also ich weiß nicht … Kreuzstiege … ob sich so ein Begriff durchsetzen kann?

Teresa: „Kreuzweg“ ist so eingeführt!

Richard: Und der Weg nach Golgotha war ja auch ein Weg!

Edith (sieht den Unmut der Schafe steigen und will vom Thema ablenken): Aber sagt mal, warum macht ihr hier eigentlich euren eigenen Kreuzweg … oder Kreuzessteig auf?

Kohle (wichtig): Wir denken, wir müssen uns unabhängig machen!

Flocke: Falls die Stadt abgeriegelt wird …

Wolle: … und wir in Quarantäne müssen …

Blütenweiß: … und kein Priester mehr hierher kommen darf …

Grauchen: … und wir nicht mal mehr in die Nikolauskapelle!

Fixi (wichtig): Deshalb auch dieser kleine Altar hier (sie zeigt auf das undefinierbare kleine Bauwerk, an dem sich die ganze Zeit über einige Schafe zu schaffen gemacht haben.)

Richard (lacht auf): Um Himmels Willen, Schafe! Was macht ihr euch für Gedanken?

Emily: Habt ihr auch schon Vorräte angelegt?

Kohle (ein wenig pikiert, mit Hinweis auf die Weide): Das brauchen wir ja nicht. Futter ist da!

Flocke: Aber die geistige Nahrung vielleicht irgendwann nicht mehr!

Wolle: Eben! In München und Berlin haben sie schon Messen abgesagt!

Edith (stutzt): Messen abgesagt?

Fixi: Haben wir im Newsticker gelesen!

Richard (fassungslos): Aber … es … (mit neuem Anlauf) Da kann ich euch glaube ich beruhigen!

Kohle: Wieso?

Emily: Da sind kaufmännische Messen gemeint. Verbrauchermessen oder Tourismusbörsen und so.

Blütenweiß: Ehrlich?

Grauchen: Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen?

Richard: Ich glaube nicht, nein!

Kohle (konsterniert): Das ist ja … ja dann … aber trotzdem …

Edith: Auf jeden Fall wird der liebe Gott euren Eifer zu schätzen wissen!

Teresa: Und ihr habt mal wieder was gemeinsam auf die Beine gestellt!

Emily: Und wer weiß … vielleicht wird hier ja doch im Frühjahr oder Sommer mal eine Messe abgehalten. Zu Pfingsten vielleicht?

Richard: Wir können im Seelsorgeamt ja mal Bescheid sagen, daß hier ein 1A neuer Kirchort entsteht!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Die Vorbereitung

Ein Sketchlet für vier Personen

Wundersdorf/ Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Richard und Edith sitzen bei einer Tasse Tee und leiten das Wochenende im engeren Sinne ein.

Richard: Wofür hatte Teresa heute vormittag die Probe?

Edith: Ein Projektchor. Von Petershagen aus. Frag mich nicht. Es muß aber eine größere Sache sein, die Aufführung ist wohl erst kurz vor den Sommerferien.

Richard: Tapfere Teresa! (Er trinkt einen Schluck Tee.)

Edith: Ja, tapfere Teresa – trotzdem müßte sie heute auch nochmal ans Cello …

Richard: Klar, immer. Aber warum genau?

Edith: Kinderkreuzweg. Da sind wir halt auch im Wort.

Richard: Wann ist das? Der Kreuzweg?

Edith: Morgen …

Richard: Hm!

Edith: Ja, eben … Aber das wird schwer werden, sie zum Üben zu bewegen. Ich glaube, sie hat gerade ein neues Buch angefangen … (Sie trinkt Tee.)

Nach einer Weile …

Edith (steht auf, geht zur Küchentür und ruft in alarmiertem Tonfall): Jemand müßte mal den Geschirrspüler ausräumen!!! (Sie setzt sich wieder hin, nimmt sich ihren Tee und lauscht. Nach einem kurzen Moment …)

Teresa (ruft auf dem Flur): Ich muß noch Cello üben! (Sie läuft in Richtung Wohnzimmer und man hört sie die Saiten stimmen und erste Töne aushalten.)

Richard (trinkt noch einen Schluck Tee und erhebt sich dann umständlich): Na gut! (Er schnauft) Dann mache ich es eben!

Er geht zum Geschirrspüler und schaut hinein. Die Maschine ist fast leer.

Richard (konsterniert zu Edith): Was ist denn da auszuräumen? Die Maschine ist doch gar nicht gelaufen!

Edith (grinst): Ich weiß! Ich wollte ja auch nur, daß Teresa Cello übt!

Bevor Richard antworten kann, kommt Emily mit zwei vollen Stoffbeuteln vom Einkauf in die Küche gestürmt.

Emily: Die Leute machen Hamsterkäufe!

Richard (hat noch die Spülmaschinenklappe in der Hand) Wo?

Emily: Im Lebensmittelladen! (Sie stellt die Beutel auf einen leeren Stuhl.) Es ist echt insane: Noch eine Handvoll Kartoffeln in der Auslage … Das Nudelregal praktisch leer – Reis – sogar in den Getränkefächern. Es ist unnormal!!! (Sie räumt zwei Liter Milch in den Kühlschrank.)

Edith: Ah! Milch gab es zum Glück noch, wie ich sehe … das ist die Hauptsache!

Emily (zu ihrem Vater): Was machst du hier eigentlich? (Sie zeigt auf die Spülmaschinenklappe)

Richard (grinst): Ooch, ich halt doch zuhause immer schon mal einfach die Klappe!

(Alle lachen, Edith stimmt einen Trauermarsch an)

Emily: Aber im Ernst: Was ist nur los? Wer weiß denn sonst noch von dem Corona-Verdachtsfall in unserer Schule? Das weiß doch außer den Eltern niemand!

Richard (klappt den Geschirrspüler zu): Keine Ahnung. Aber erstens sind das schon mal über 1.000 Leute …

Edith: … und zweitens – was weißt du, von welchen Verdachtsfällen wir nicht wissen?

Emily (schüttelt den Kopf): So hab ich diesen Laden echt noch nie gesehen!

Richard: Sei froh! In anderen Ländern sind echte Versorgungskrisen an der Tagesordnung!

Edith: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Gefährdungslage für Deutschland immer noch als mäßig bis gering ein …

Richard: Trotzdem wird schon der Sprit billiger, weil die Leute nicht mehr so viel in der Gegend rumfahren.

Emily: Aber unser Kreuzweg morgen wird nicht abgesagt?

Edith: Nein! In die Kirche gehen wir auf jeden Fall weiter!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! …. Bloß gut, daß in Weimar alle viiiiiiel entspannter sind 😉

Der Kinderfasching

Eindrücke von einer schönen Feier

Natürlich haben wir auch Fasching gefeiert, in Herz Jesu Weimar. Am Freitag für die Großen war ich nicht dabei. Aber den Kinderfasching am vergangenen Sonntag habe ich ein bißchen mitgefeiert. Er war klugerweise auf den Sonntag nach der Familienmesse gelegt, zu der etwa 15 bis 20 Kinder kostümiert erschienen waren. Kinder lasen das Kyrie und die Fürbitten vor. Im Verlauf der Messe gab es ein Vater Unser mit allen Kindern um den Altar herum (wobei mir unklar ist, warum in solchen Fällen immer der Embolismus wegfallen muß. Wer von den Kleinen überhaupt das Vater Unser mitbeten kann, hat sich auch schon an diese Unterbrechung gewöhnt … Wer nicht, ist sowieso mucksmäuschenstill, dort oben auf dem ‚Präsentierteller‘, und lernt es dann gleich richtig).

Ganze Familien wurden zuletzt zur anschließenden Feier in den geschmückten Gemeindesaal eingeladen, so daß es deutlich voller war als im Jahr zuvor an einem Samstag Vormittag. Den Anstoß, zur 10.00 Uhr-Messe zu gehen, hatte meine Tochter gegeben. Sie war in der Vorabendmesse zum Kantorieren eingeteilt (wir hatten parallel Gäste) und fand in der auch da schon gereimten Predigt gute Ansätze. Das wollte ich mir anhören und fand es wie beschrieben: Der Wegzug zweier Orden, der unserer Stadt in wenigen Wochen bevorsteht, wurde beklagt. Wir wurden zu mehr Umweltbewußtsein ermahnt und das Preisdumping der Nahrungsmittelindustrie als der Irrsinn benannt, der es ist. Auf dem Politikfeld im engeren Sinne wurden die Ereignisse des 5. Februar gebrandmarkt und der Gemeinde erstaunlich klar ins Gewissen geredet.

Jetzt kommt ein kleiner Einschub: Ich habe seit dem 5. Februar zwei Predigten von unterschiedlichen Zelebranten in Herz Jesu Weimar gehört, die beide dieses Thema anschnitten. Was ich vermißt habe und daher hier wenigstens erwähnen will, ist: Über den derzeitigen (“amtierenden”) Thüringer Ministerpräsidenten ereifert sich bekanntlich gerade ganz Deutschland. Aber es gibt nur eine einzige Pfarrei, in der er und seine Familie beheimatet sind. Das ist Herz Jesu Weimar. Der Polizeischutz, den seine private Umgebung vom Wahlabend bis zum Rücktritt brauchte, spielte sich buchstäblich vor den Augen unserer Priester ab. Wer, wenn nicht diese Priester, hätten, ohne in ein schiefes Licht geraten zu können, die Möglichkeit, einmal nur die menschliche und seelsorgliche Seite des ganzen Dramas in den Blick zu nehmen und ihr Mitleid mit Kindern auszusprechen, die für den Schulweg Polizeischutz brauchen; ihr Mitgefühl mit der Ehefrau, die viele von uns aus den Kindergartenzeiten unserer Kinder kennen (sie hat nämlich fünf), die sich über mindestens zehn Jahre hinweg bei allen Feiern und den berühmten Weihnachtsmärchen des katholischen Kindergartens engagiert und die Aufführungen reichlich mit Kostümen und Bühnenbildelementen ausgestattet hat – und die nun auf der Straße angepöbelt wurde. Ich finde, in unserer Gemeinde sollte auch auf diesen Aspekt hingewiesen werden. In der Besprechung der Wahl, ihrer Motivation, ihrer möglichen und ihrer tatsächlichen Folgen hat sich die Thüringer Lokalpresse nämlich in wirklich ungeahnter Weise selbst übertroffen. Da blieb kein aktueller Aspekt unbeleuchtet. Und kein historischer – ob über die Herrschaft, die vor 30 Jahren oder jene, die vor 75 Jahren endete. Einschub Ende.

Zurück zum Kinderfasching. Nach einem kleinen Umzug zum Elisabethheim, wo die kleinen Jecken sich den Schwestern präsentierten, gab es, wie schon in der Messe, Livemusik mit unserem Gemeindereferenten an der Gitarre. Vater Abraham hat drei Kamele. Auch eine Art Bewegungskanon (stimmt nicht ganz, aber mir fällt kein besserer Begriff für die raffiniert verzahnten Bewegungsabläufe der kleinen Gruppe ein) mit dem Pfarrer und fünf Jungs. Besonders für Stimmung sorgte eine vorbereitete kleine Geschichte des Gemeindereferenten, die das Publikum in die Aufführung einbezieht: „Die Geschichte der drei Königstöchter vom König mit dem grimmigen Blick“. Personen werden eingeführt, und jedes Mal, wenn sie genannt werden, muß eine Bankreihe bestimmte Geräusche machen. Alle sind einbezogen und es ist sehr lustig. Die Geschichte ging etwa so:

Die Geschichte der drei Königstöchter vom König mit dem grimmigen Blick

Handelnde Personen und Dinge:

Der König mit dem grimmigen Blick (Reihe 1 muß jeweils GRRRR machen); die Tochter, die aussieht wie eine Hexe (Reihe 2 ist dran mit HIHIHIHIII); die Tochter, die den Stockschnupfen hat (Reihe 3: Hatschi! Hatschi!); die Tochter, die wunderschön ist (Reihe 4: AAAAAH!); der Swimmingpool (PLATSCH!); der Ball mit dem goldenen Kern (HUUIIIIIIII!)

Nun aufgepaßt:

Es war einmal ein König mit dem grimmigen Blick (GRRR), der hatte drei Töchter: Eine Tochter, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI), eine Tochter, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!) und eine Tochter, die wunderschön war (AAAAAH!). Die Familie lebte in einem großen Schloß mit Garten, und in dem Garten war ein Swimmingpool (PLATSCH!)

Eines Tages spielten die drei Schwestern mit ihrem Ball mit dem goldenen Kern (HUUIIIIIIII!) am Swimmingpool (PLATSCH!). Sie warfen den Ball mit dem goldenen Kern (HUUIIIIIIII!) hin und her: Die Schwester, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI), die Schwester, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!) und die Schwester, die wunderschön war (AAAAAH!).

Plötzlich fiel der Ball mit dem goldenen Kern (HUUIIIIIIII!) ins Wasser des Swimmingpools (PLATSCH!) Die Mädchen erschraken: Die Schwester, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI) erschrak, die Schwester, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!) erschrak und die Schwester, die wunderschön war (AAAAAH!) erschrak ebenfalls. Denn der König mit dem grimmigen Blick (GRRRR) war ein strenger Vater und sie fürchteten, gerügt oder bestraft zu werden, wenn sie den Ball (HUUIIIII!) am Abend nicht wieder mit in ihr Spielzimmer brachten.

Nun war guter Rat teuer. Wer würde in den Pool (PLATSCH!) hinabtauchen und den Ball (HUUIIIII!) heraufholen? (Da er einen Goldkern hatte, ging er ja unter!) Ein Frosch kam nicht. Sowas gibt’s nur im Märchen. Sie mußten es also selber schaffen: Entweder die Schwester, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI), oder die Schwester, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!) oder die Schwester, die wunderschön war (AAAAAH!).

Da sprach die Schwester, die wunderschön war (AAAAAH!): „Ich möchte nicht in den Swimmingpool (PLATSCH!) hinabtauchen. Da werden ja meine Haare naß und liegen hinterher nicht mehr.“ – Da sprach die Schwester, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!): „Ich kann es schon gar nicht tun – ich bin ja schon erkältet! Wenn ich mir nun eine Lungenentzündung hole?“ und sie nieste gleich nochmal so laut. Da zog die Schwester, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI) wortlos ihr Königstochterkleid mit dem weiten Reifrock aus, so daß sie nur noch ihre lange Unterwäsche trug, band sich die Haare zusammen, sprang in den Swimmingpool (PLATSCH!), tauchte mit ein paar kräftigen Schwimmstößen nach dem Ball mit dem goldenen Kern (HUUUIIII!), kam wieder hoch und warf den Ball mit dem goldenen Kern (HUUUIIIIIII!) an Land. Da klatschten ihre Schwestern – die Schwester, die den Stockschnupfen hatte (Hatschi! Hatschi!) und die Schwester, die wunderschön war (AAAAAH!) – fröhlich in die Hände. Die Schwester, die aussah wie eine Hexe (HIHIHI) kletterte zurück in den Garten, strich sich das Wasser vom Körper, wrang ihre Haare aus und stieg wieder in ihr dickes trockenes weites Kleid. Das wärmte sie. So konnten alle drei wieder fröhlich weiter spielen.

Und die Moral von der Geschicht? Beurteile nie jemanden nach seinem Äußeren!

 

So etwa ging die Geschichte. Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Vielleicht hatte sie auch ein etwas “klassischeres” Thema. Jedenfalls machte der Ablauf total Laune. Nebenbei traf man natürlich noch den oder jenen und unterhielt sich eine Runde auch mit Leuten, die man zwar seit 15 Jahren, aber immer nur vom Sehen kannte. Also die perfekte Fete. Fazit daher: Kinderfasching in Herz Jesu Weimar – hingehen!

 

Cornelie Becker-Lamers

PS: Zum Einschub ist noch zu ergänzen, daß wir am 9. Februar nicht in Weimar waren (aber natürlich in einer Hl. Messe, doch dazu später mehr), so daß wir eine mögliche sozusagen unmittelbare Reaktion im oben beschriebenen Sinne vielleicht nicht mitbekommen haben. Schreiben Sie uns ggf. gerne einen Kommentar!

Gereon Lamers

Sachen gibt’s, die gibt’s nicht!

Eine kleine Anekdote über die große Rolle des Internet in der heutigen Zeit

Gestern stehe ich unterwegs zur Cäcilini-Probe vor dem Pfarrhaus und rede beim Fahrradabschließen mit einer der Jugendlichen, als zwei geschäftige ältere Damen in Hosenanzügen und Laufschuhen auf den Pfarrhof stürmen und an der Glastür rütteln. „Zu!“ ruft es fassungslos. Die Damen sind derart in Eile, daß ich ein menschliches Bedürfnis vermute und entschlossen bin, rasch zu helfen. Man erlebt ja immer wieder, daß scheinbar ratsuchende Menschen gezielt das Pfarrhaus ansteuern, aber nicht die Seelsorge, sondern bloß eine Toilette suchen. Ich trete also herzu und werde, noch bevor ich grüßen kann, in die Pflicht genommen: „Können Sie uns helfen!“ Es ist nicht wirklich eine Frage. Die Erklärung des Auftritts erfolgt wiederum, bevor ich auch nur ein erstes Mal reagieren kann. Und sie betrifft doch tatsächlich nicht die Örtlichkeiten, sondern – die Cäcilini! „Hier soll ein Vokalensemble stattfinden!“ höre ich, und diesmal reicht die Zeit endlich für ein freundliches „Ja“ von meiner Seite. – „Da wollen wir hin!“ Ich nehme die Damen näher in Augenschein und denke: ‚Der liebe Gott hat Humor!‘ Sie müssen wissen, daß ich immer mal um weitere Mitglieder für unser kleines Vokalensemble bete, denn – wie man so schön sagt: Es ist doch ja kein anderer nicht, der für uns könnte streiten. Da Christi Bodenpersonal in unserer Pfarrei alle Musik, die die beiden Herren nicht selber machen, herzlich gleichgültig ist, hilft ja auch wirklich nur noch beten. ‚Ah!‘ denke ich also. ‚Gott hat mein Gebet erhört – aber in anderer Weise als ich dachte. Das hat man ja immer schon mal. Auch gut! Erst mal sehen, was wird. Und überhaupt: Warum nicht? Man soll niemanden ausschließen.‘ Für all dies habe ich ohnehin nur Sekundenbruchteile Zeit, denn weitere drängende Fragen stehen an: „Wo ist denn dieser Elisabethsaal?“ – „Der ist hier“, sage ich und mache eine kleine Geste mit der einen Hand, während ich mit der anderen die Schlüssel am Bund zu sortieren versuche. „Und warum ist zu?“ Es bricht aus beiden zugleich hervor. „Der Sekretär wird gerade gegangen sein“, sage ich. „Sechszehnuhrdreißig stand da, das haben wir!“ sagt die eine mit Blick auf die Uhr und die andere fügt hinzu: „Hätten wir uns gar nicht so zu beeilen brauchen!“ – „Wir fangen heute Viertel vor erst an.“ – „Das stand da aber nicht!“ – „Stimmt. Wir sind wenige, und da treffen wir solche Absprachen per WhatsApp.“ (Denn etwas Sichereres steht uns ja in Herz Jesu Weimar bisher nicht zur Verfügung. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

Der langen Rede kurzer Sinn: Die beiden Damen sind nur für drei Tage zu Besuch in Weimar, haben uns im Internet gefunden (ich denke mal, bei den „Terminen der Woche unserer Homepage) und gehen von einem kleinen Konzert aus. (Also doch keine neuen Mitglieder. Gut. Erspart Diskussionen mit den Jugendlichen. Also weiter beten.) Als sie hören, wir halten nur eine Probe ab, und noch dazu eine, in der wir in Vorbereitung auf den Kreuzweg, den wir am 8. März in St. Franziskus, Sömmerda anbieten, nur ein Lied proben und ansonsten Texte besprechen, möchten sie zuhören und mitmachen. Tatsächlich erweist sich eine der Damen als sichere Sopranistin. Sie singt mit. Ihre Freundin bleibt in den Stuhlreihen sitzen. Und es kommt, wie es kommen muß: Die Dame, die nur zuhört, formuliert ihre Begeisterung über den Chorklang der sechs Jugendlichen. Völlig anders als von den Touristinnen geplant, sind wir doch wieder positive Botschafterinnen unserer Pfarrei und Botschafterinnen des Glaubens geworden.

Und warum? Weil Menschen sich via Internet informieren und neugierig werden konnten. Ich denke, auch in der Jugendarbeit wird beispielsweise ein Instagram-Account über kurz oder lang für unsere Pfarrei unverzichtbar sein. Mittlerweile treten schon Bekleidungsläden mit ihrem Online-Shop auf dieser Plattform auf, weil sie klugerweise dort sein möchten, wo die Jugendlichen hinschauen. Und das ist derzeit Insta. Instagram ist, es mag einem gefallen oder nicht, der virtuelle Raum, in dem die Jugendlichen sich täglich austauschen und sich zu ihren Treffen in der Wirklichkeit verabreden.

Nun aber zum Abschluß: Was haben wir gesungen? Teile daraus fielen heute schon: Es ist das lateinische „Verleih uns Frieden“, dem die Zeilen vom streitenden Gott folgen. Es ist das „Da pacem domine“, in dem Charles Gounod (1818-1893) den Text einer gregorianischen Antiphon vertont hat. In diesem dreistimmigen Satz ist es nicht einfach, die Tonhöhe zu halten. Ich glaube, das liegt daran, daß die Mittelstimme über weite Strecken a‘ zu singen hat. Der zweite Sopran ist wie eine Spiegelachse für die beiden Randstimmen. Wenn diese Stimme sackt (was auf identischen Tönen leicht passiert), sackt der ganze Chor, in der Regel um einen Halbton. Das ist den Cäcilini in der Messe am 26. August 2018 passiert, als wir das Werk schon einmal aufgeführt haben. Und es passiert etlichen Ensembles, die ihre Interpretation dennoch ins Netz stellen. Ein einziges YouTube Video habe ich gefunden, auf dem Tempo, Aussprache und Intonation stimmen. Hier ist es: Das „Da pacem domine“ von Charles Gounod in einer Aufführung durch den Knabenchor capella vocalis im Jahr 2018.
Enjoy! 🙂

Natürlich haben auch andere Komponisten den Text vertont. Besonders schön finde ich den vierstimmigen Satz von Arvo Pärt (*1935), den der Este 2004, zwei Tage nach dem Bombenanschlag in der Madrider U-Bahn zu komponieren begann. Bis heute wird das Werk in Spanien am Jahrestag des Terroranschlags zum Gedenken an die Opfer aufgeführt. Hören Sie eine Interpretation des Estonian Philharmonic Chamber Choir unter Paul Hiller aus dem Jahr 2006:

Wenn Sie die gregorianische Antiphon interessiert, die habe ich auch gefunden. Es ist ein Livemitschnitt von 2012 aus Cagliari. Es singt das Vokalensemble Exsurge Domine:

 

Cornelie Becker-Lamers