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„Ein Hauptmann sagt: Er war wirklich Gottes Sohn!“

Ein Rückblick auf den Kinderkreuzweg in Herz Jesu Weimar

Die Cäcilini haben in diesem Jahr den Kinderkreuzweg gestaltet. Hatten wir ja schon erzählt. Unsere Gemeindereferentin, Frau Rimestad, hat die Gruppe von der theologischen Seite her betreut und gemeinsam haben wir am Karfreitag die Andacht abgehalten. Sie und die Religionslehrerin der Grundschulkinder hatten über ihre WhatsApp-Gruppen tüchtig Werbung gemacht und die Zeitung hatte den Kreuzweg angekündigt, so daß es ziemlich voll wurde. Wir haben 30 Kinder gezählt plus Eltern und andere Interessierte, die altersbedingt zum Teil in den Bänken sitzen blieben.

 

Herz Jesu Weimar, Gemeinde zum Kinderkreuzweg, Karfreitag 2018 (eigenes Bild)

Es hat uns alle erfüllt und war zugleich dem Ernst des Tages angemessen. Die Kinder und Jugendlichen haben ihre eigenen Texte zu den Stationen natürlich selbst vorgetragen. Frau Rimestad hatte in einem Korb die Utensilien, die wir zur Veranschaulichung der Stationen zusammengetragen hatten (so hatte ein besonders begabtes Mädchen ein ‘Schweißtuch der Veronika’ gemalt). Zu Beginn jeder Station sangen wir gemeinsam „Bleibet hier und wachet mit mir“ (GL 286).

„Bleibet hier und wachet mit mir“ zur Nacht der Lichter, November 2010 in St. Agnes Köln

Dann lasen die Kinder und Jugendlichen den entsprechenden Text zur Station vor – neun von 14 hatten sie Wochen zuvor ausgesucht. Jetzt begann die Inszenierung der Station durch die Utensilien. Teilnehmende Kinder entzündeten ein Windlicht (vielen Dank an F.F. aus dem Samstagabendkreis, der uns aus seinem Riesenvorrat neun vorbereitete Gläser zur Verfügung stellte!) und stellten mit den kleinen Gegenständen die Situation nach. Gemeinsam mit Frau Rimestad überlegten die Kinder, wie Worte und Handlungen der Station zu verstehen sind. Besonders die Erstkommunionkinder, die dabei waren, machten unglaublich lebhaft mit und wußten auch vieles, was Frau Rimestad sie zum theologischen Hintergrund fragte.

Herz Jesu Weimar, Blick auf die Reihe der Windlichter und Utensilien zu den ersten Stationen, Karfreitag 2018 (eigenes Bild)

Um von einer Station zur anderen zu wandern, erklangen dann kurze, thematisch untereinander verwandte Musikstücke, die eigens für diesen Anlaß entstanden sind. Im Zuhören und Nachempfinden waren die Kinder ebensogut wie im Nachdenken und Formulieren: Wenn Frau Rimestad fragte, was sie im jeweiligen Stück gerade gehört hätten, hatte eines in den Tritonus-Stößen des Cello die Hammerschläge am Kreuz erkannt, ein anderes in den Achtelfiguren der Flöten das hämische Kichern der Soldaten, die Jesus seiner Kleidung berauben. Ein echter Gänsehautmoment ergab sich, als sich die junge Vorleserin bei den Worten „Jesus stirbt“ hinkniete (übrigens ihre eigene Idee) und alle Kinder und Eltern es ihr spontan gleich taten. Noch der letzte Papi, der sich plötzlich zwischen lauter knienden Kindern eingeklemmt fand, stieg vorsichtig über die kleinen Körper hinweg und suchte sich einen Platz zum Knien in der Bank. Alle blieben bis zum Ende des Textes – eben das: „Ein Hauptmann sagt: Er war wirklich Gottes Sohn!“ – in dieser Gebetshaltung. Das war unglaublich schön!

Herz-Jesu Weimar, Karfreitag 2018, Meditative Musik zur Station „Jesus stirbt“

Zum Abschluß der Andacht bildeten wir einen großen Kreis unter der Vierung, die Cäcilini sangen mehrstimmig „Amazing grace“ und wir beteten das Vater unser. Das haben wir auch aufgenommen und man kann hören, wie viele Beter wir waren. Wir spielen es hier aber lieber nicht ein. Wer weiß! Nicht daß es noch Scherereien gibt wegen des Urheberrechts. Sagt doch der Pfarrer in der Osternacht, der Autor sei doch nicht seit zweitausend Jahren tot …

Herz Jesu Weimar, Abschluß der Kreuzwegandacht für Kinder, Karfreitag 2018 (eigenes Bild)

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Seit der Ausstellung zum 125jährigen Kirchweihjubiläum wissen die meisten von uns, daß die Schnitzwerke zu den Kreuzwegstationen ursprünglich erstens farbig gefaßt und zweitens höher an der Wand angebracht waren. Da man, wie der Ausstellungsmacher damals ganz richtig bemerkte, allein schon bei der Maria sieht, welchen Unterschied die Höhe ihrer Plazierung ausmacht – zwischenzeitlich stand sie ja unter den Elisabethfenstern und schien keusch und scheu den Kopf gesenkt zu halten – im Altarverbund stand sie höher und blickte dadurch den zu ihr aufschauenden Beter an! –, wollte ich doch mal ausprobieren, ob man der intendierten Wirkung der Kreuzwegstationen nicht ebenfalls irgendwie auf die Spur kommen könnte. Die farbige Fassung würde natürlich so ohne weiteres niemand zurückbringen. Aber die Position ließe sich vielleicht simulieren. Ich nutzte also einige unbeobachtete Momente und legte mich unter die Figuren. Bei der Station Jesus stirbt am Kreuz, die wir oben im eigenen YouTube-Video frontal zeigen, erkennt man, daß bei der Ansicht von unten derselbe Effekt eintritt wie bei richtigen Plazierung der Maria: Der Gekreuzigte blickt den Betenden an:

Herz Jesu Weimar, Kreuzwegstation XII „Jesus stirbt am Kreuz“, Schrägansicht aus einer liegenden Position (eigenes Bild)

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