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Botschafter der Pfarrei. Botschafter des Glaubens (2/2)

Gäste aus dem Münsterland auf den Spuren Johann Sebastian Bachs

Natürlich fahren wir nicht nur weg. Wir empfangen auch Gäste. Die folgende Geschichte beginnt ganz ähnlich wie die mit den Oberhauser Klosterspatzen, nur, daß auch noch eine ChorleiterInnenfortbildung des pueri-cantores-Verbandes eine Rolle spielt. Dort nämlich war ich im Frühjahr 2019 der Kantorin einer katholischen Pfarrei aus dem Münsterland als mögliche Weimarer Ansprechpartnerin genannt worden: Eine Reise auf den Spuren Johann Sebastian Bachs wollte für eine Gruppe aus Emsdetten geplant und durchgeführt sein. Im Rahmen einer solchen Reise darf natürlich auch Weimar als Geburtsort beispielsweise Wilhelm Friedemann (1710-84) und Carl Philipp Emanuel Bachs (1714-88) nicht fehlen.

Im Vordergrund die Straßenfront des 1989 abgerissenen Bachhauses; im Hintergrund die hübschere Fassade, an der darum auch die entsprechende Tafel angebracht ist (eigenes Bild)

Im März kam ein Treffen zwischen zwei Kolleginnen und mir zustande – vor allem aber stellte ich den Kontakt zum Ehepaar Mende her. Also zur Initiatorin unseres Blockflötenensembles Herz Jesu und deren Ehemann. Denn wenn sich ein Ehepaar mit dem Thema „Bach in Weimar“ auskennt, dann dieses (ok – vielleicht noch ein-zwei andere … 😉 ) Bernd Mende hat noch dazu zur Stadtgeschichte, den Glocken des Schloßturmes und dem Historischen Friedhof bereits jede Menge publiziert und ist da ein ausgewiesener Fachmann. Und so gab es denn für ‚unsere‘ Reisegruppe einiges an organisatorischer Hilfestellung (natürlich wollten einige der Gruppe auch, ungeachtet des Themas „Bach“, nach Buchenwald) und inhaltlicher Anregung.

Am 20. September trafen dann die Münsterländer in Weimar ein, erhielten in zwei Gruppen (denn sie waren insgesamt knapp 50 Personen) kompetente Stadtführungen zu den Bachorten – und um 12 Uhr mittags ein etwa halbstündiges Konzert unseres Blockflötenquartetts im Renaissanceraum des Palais Schardt . Es waren sehr nette und inspirierende Begegnungen für alle Beteiligten. Ich fand das über die Freude des Augenblicks hinaus gut, denn ich hatte das Gefühl, daß wir damit über den einzelnen persönlichen Kontakt hinaus menschlich etwas für die Verständigung zwischen ‚Ost‘ und ‚West‘ erreicht hatten. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg lagen damals keine drei Wochen zurück – und die Diskussionsrunden und Berichterstattungen im Vorfeld waren mir entsprechend präsent. Und da war, in all den Reden darüber, daß „man die Menschen im Osten ja auch verstehen müsse“ vor allem eines mit Händen zu greifen gewesen: Die Distanz derer, die da sprachen zu dem (und denen), worüber sie sprachen.

Wir haben – und zwar ausgelöst und untrennbar von der Infrastruktur, die die Kirche mit ihren Pfarreien und Institutionen bietet – einer Gruppe von immerhin knapp 50 Herrschaften, die vielleicht wie so viele BewohnerInnen der eine Zeitlang mal sogenannten ‚alten Bundesländer‘ die ‚neuen Bundesländer‘ bisher nicht gar nicht besucht hatten, persönliche Kontakte und Eindrücke über anonyme Stadtführungen und Informationstafeln in den Kirchen und Museen hinaus ermöglicht. Ich bin sicher, die Mehrzahl der Reisenden kam nach Hause und dachte: ‚Toll ist es dort! Wunderschöne Städte – nette Menschen – kompetente Leute – toll! Hätte ich so nicht erwartet.‘

Wie gut, daß es die kirchlichen Strukturen (noch) gibt, die diese Begegnungen ermöglicht haben. Und wie gut, daß wir darin, in unseren einzelnen Gemeinden, nicht nur „unter uns“ sind.

Cornelie Becker-Lamers

 

„Alles mit Gott und nichts ohn‘ ihn“ (eigenes Bild)

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