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Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 5

Und er sagte: “Geh hin und sage diesem Volk: Mit dem Gehör werdet ihr hören und doch gewiss nicht verstehen, und schauend werdet ihr schauen und doch gewiss nicht sehen;
denn das Herz dieses Volkes verfettete, und mit ihren Ohren hörten sie schwer, und ihre Augen schlossen sie, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und umkehren, auf daß ich sie heilen werde.
(Jes 6,9f.)

Et dixit: Vade, et dices populo huic:
Audite audientes, et nolite intelligere;
et videte visionem, et nolite cognoscere.
Excæca cor populi hujus, et aures ejus aggrava,
et oculos ejus claude: ne forte videat oculis suis,
et auribus suis audiat, et corde suo intelligat,
et convertatur, et sanem eum.

 

Deswegen rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil als Sehende sie nicht sehen und als Hörende sie nicht hören und nicht verstehen.
Und erfüllt wird ihnen die Prophetie Esaias, die sagende: Mit Gehör werdet ihr hören, und nicht sollt ihr verstehen, und sehend werdet ihr sehen, und nicht sollt ihr schauen.
Denn verstockt ist das Herz dieses Volkes, und mit den Ohren schwer hörten sie, und ihre Augen verschlossen sie, damit sie nicht schauen mit den Augen und mit den Ohren hören und mit dem Herz verstehen und umkehren und ich sie heilen werde.
Eure Augen aber selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.
Amen, denn ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte begehrten zu schauen, was ihr seht, und nicht schauten sie, und zu hören, was ihr hört, und nicht hörten sie.
(Mt 13,13-17)

In eigener Sache: Das Donum perseverantiæ und eine “runde” Zahl

Ganz konnten wir das dann doch nicht einfach hingehen lassen: Der Beitrag von heute früh war der tausendste auf PuLa veröffentlichte Beitrag.

Dabei ist das Wörtchen “veröffentlichte”, d.h. hier so viel wie “öffentlich sichtbar”, wichtig, denn geschrieben haben wir seit Ende März 2011 deutlich mehr Beiträge. Einige blieben (für immer?) Entwürfe, andere sind fertig, aber unsere Milde und Vorsicht hat uns daran gehindert, sie zu veröffentlichen, über manche ging die Zeit hinweg, wie es eben so ist.
Und 40
waren öffentlich, bis wie sie verborgen haben, nämlich die aus der Reihe “Wall of shame” in der wir über Jahre mit Tag und Datum geschrieben haben, was hier im Argen lag, konkret und immer wieder. Spaß hat das nicht gemacht, im Gegenteil, es war eine Belastung (dem Vernehmen nach blieben sie allerdings nicht ohne Wirkung…). Jedenfalls hoffen wir sehr, wir werden es nie für nötig halten, sie wieder öffentlich zu machen.

PuLa, Backend (eigener Screenshot, 4.12.2020)

Denken wir also lieber daran, daß wir in den vergangenen gut neun Jahren im groben Schnitt jeden dritten Tag einen Beitrag veröffentlichen konnten und voller Dankbarkeit daran, daß ein Ende nicht absehbar ist. Ich habe darum gebetet, um das Donum perseverantiæ.

Gereon Lamers

 

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 4

Weil ihr gesagt habt: “Wir haben einen Bund mit der Unterwelt geschlossen und mit dem Tod ein Abkommen – ein brausender Sturm wird, wenn er heranzieht, gewiß nicht zu uns kommen – wir haben eine Lüge zu unserer Hoffnung gemacht, und hinter der Lüge werden wir Deckung nehmen.“
Darum sagt der Herr so: “Siehe, ich werde in die Fundamente Sions einen kostbaren, ausgewählten Stein einsetzen, einen wertvollen Eckstein in ihre Fundamente, und wer auf ihn vertraut, wird nicht zuschanden werden.

(Jes 28,15f.)

Dixistis enim:
Percussimus fœdus cum morte, et cum inferno fecimus pactum:
flagellum inundans cum transierit, non veniet super nos
quia posuimus mendacium spem nostram, et mendacio protecti sumus.
Idcirco hæc dicit Dominus Deus:
Ecce ego mittam in fundamentis Sion lapidem,
lapidem probatum, angularem, pretiosum, in fundamento fundatum;
qui crediderit, non festinet.

 

Dieser ist der Stein, der verachtete von euch, den Bauleuten, der zum Hauptstein wurde.
Und ist in keinem anderen das Heil, denn nicht ist ein anderer Name unter dem Himmel, der gegeben ist unter Menschen, durch den wir gerettet werden müssen.
(Apg 4,11f.)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 3

Und es wird sein an jenem Tag die Wurzel von Jessai, der, der sich erhebt, über Völkerschaften zu herrschen, auf ihn werden Völkerschaften hoffen, und seine Ruhe wird Ehre sein.
(Jes 11,10)

In die illa radix Jesse, qui stat in signum populorum,
ipsum gentes deprecabuntur, et erit sepulchrum eius gloriosum.

 

Und wieder sagt Isaias: Wird sein die Wurzel des Jessai, und der Aufstehende, zu beherrschen die Heiden, auf ihn werden die Heiden hoffen.
(Röm 15,12)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 2

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Gott. Ihr Priester, redet zum Herzen Jerusalems, tröstet sie; denn voll geworden ist das Maß ihrer Demütigung, aufgelöst ist ihre Schuld; denn sie hat entgegennehmen müssen aus der Hand des Herrn Doppeltes für ihre Sünden.
(Jes 40, 1f.)

Consolamini, consolamini, popule meus, dicit Deus vester.
Loquimini ad cor Jerusalem, et advocate eam,
quoniam completa est malitia eius, dimissa est iniquitas illius:
suscepit de manu Domini duplicia pro omnibus peccatis suis.

(Selbstverständlich habe ich hier nicht irgendeine Aufnahme des „Messias“ (HWv 56) des großen mitteldeutschen Komponisten G. Fr. Händel ausgewählt, sondern eine mitteldeutsche, nämlich die der Lautten-Compagney unter Wolfgang Katschner von 2007.
Gesungen wird nach der Weimarer Textfassung unseres bekannten Mitbürgers
Johann Gottfried Herder. 😉 Schauen Sie hier, vielleicht kaufen Sie ja ganz altmodisch die CD als Geschenk? Die Künstler können gerade jetzt jede Unterstützung brauchen und die Aufnahme ist hervorragend!)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 1

Wehe über sie, die das Böse gut nennen und das Gute böse, die die Finsternis zu Licht machen und das Licht zu Finsternis, die das Bittere süß machen und das Süße bitter.
Wehe über sie, die verständig sind bei sich selbst und vor sich selbst gelehrt.
(Jes 5,20f.)

Væ qui dicitis malum bonum, et bonum malum;
ponentes tenebras lucem, et lucem tenebras;
ponentes amarum in dulce, et dulce in amarum!
Væ qui sapientes estis in oculis vestris,
et coram vobismetipsis prudentes.

 

Seid dasselbe füreinander Sinnende, nicht das Hohe Sinnende, sondern durch das Niedrige euch mitfortreißen Lassende! Seid nicht Verständige bei euch selbst!
(Röm 12,16)

 

(Anders als die Allioli-Bibel im zeitigen 19. Jh. lassen die Verweise in der neuen Einheitsübersetzung, die doch nach ihrem Vorwort die Verbindung beider Testamente zum Anliegen gemacht hat, diese Parallele nicht erkennen)

Das PS zum gestrigen Sketchlet vom Orgateam

Ja – wie sieht es in Herz Jesu Weimar aus mit längerfristigen Planungen? Eine zweifellos außergewöhnliche Anforderung an die Mitglieder der Pfarrei wird die Präsentation der Gemeinde im Kirchenpavillon der BUGA 21 auf dem Erfurter Petersberg sein. Unser Pfarrer hat beim Ordinariat bereits eingewilligt, die Woche vom 10.-16. Mai 2021 zu bespielen. Es ist die Woche um Christi Himmelfahrt – Chance und Schwierigkeit zugleich durch die vier schulfreien Tage am Stück. Hatten wir ja alles schon geschrieben. Dennoch hat man hier nun schon wieder vier Wochen verstreichen lassen, seit die erste und bisher letzte Sitzung zur Vorbereitung dieser BUGA-21-Beteiligung unserer Pfarrei Ende Oktober stattgefunden hat. Und an den Coronaverboten lag’s nicht – das hatten wir ja auch geschrieben. (Und liegt es weiterhin nicht: Morgen treffen sich die Sternsinger-Helfer.) Aber es soll – das habe ich aus erster Hand – auch im Dezember kein Treffen geben. Und nicht nur das: Man kann den Weihnachtspfarrbrief mit dem Läusekamm durchgehen und findet nicht den kleinsten Hinweis auf die gesamte Veranstaltung und die mögliche – nein: von unserem Pfarrer den Erfurtern schon zugesagte Beteiligung unserer Pfarrei (Wir haben übrigens nochmal zehn Tage weniger Zeit als die Wundersdorfer. Nach Ablauf der Osterferien 2021 noch vier Wochen …).

Naja – werden Sie sagen – der Weihnachtspfarrbrief … der schaut ja zurück. Stimmt. Vor allem. Aber nicht ganz: Raten Sie, was selbstverständlich halbseitengroß beworben wird? Richtig: Die Taizéfahrt im August. Aber von dieser BUGA-Aktion kein Sterbenswörtchen. Auch auf der Homepage nicht. Auch im Schaukasten nicht. Wenn man seitens des Kirchortrates (wie geschehen) bedauert, daß beim ersten Treffen wenige Gemeindemitglieder zum Termin erschienen sind; und wenn man befürchtet, durch den Vatertag könnten viele einen Kurzurlaub planen, obwohl wir sie eigentlich dringend auf dem Petersberg bräuchten – warum um alles in der Welt bewirbt man den Termin dann nicht mit allen Mitteln, die man hat? Das heißt auch mit den mündlichen Vermeldungen nach der Messe.

Vom Pfarrbrief verspricht man sich offenbar eine sehr zuverlässige Verbreitung von Informationen. Das sieht man daran, daß die nächste Firmung mit dem Hinweis bekanntgemacht wird, man solle sich den Termin im Kalender notieren, denn es werde bis zum Beginn der Unterrichtsstunden kein gesondertes Anschreiben mehr an die möglichen Firmbewerber geben (S. 13): Hier ist jemandem entweder alles egal, oder er geht davon aus, aus jeder Familie lese irgendjemand den Pfarrbrief Zeile für Zeile.

Nehmen wir mal letzteres an.

Aber warum dann nirgendwo ein Hinweis auf die BUGA und die dort anzuvisierende „Neuevangelisierung“, zu der wir immer wieder vom Ambo aus ermuntert werden? Die werden wir allein mit dem Versuch, „mit Leuten ins Gespräch zu kommen“ nicht erreichen. Leute, die wenig von Kirche wissen, reden in der Regel über das, was sie in sprachlicher Fassung parat haben. Und das ist derzeit der Mißbrauchsskandal. Vielleicht noch des Limburger Exbischofs goldene Badewanne (sofern diese keine Zeitungsente ist). Nein – da müssen wir schon christliche Inhalte präsentieren, und zwar so, daß sie einen lebhaften Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel prägnante Geschichten, schöne Bilder und eingängige christlich betextete Musik. Am besten mit Kindern und Jugendlichen, dann da springt der Funke meiner mittlerweile recht reichen Erfahrung nach immer über. Kriegen wir alles hin. Aber nicht, wenn wir im Januar anfangen zu überlegen, was wir wollen. Da müssen die Kinder, so wir sie ansprechen möchten, bereits Bescheid wissen und die Eltern den Termin (wie den Firmtermin) im Kalender haben. Da müssen die Proben beginnen, Corona zum Trotz und auch gut möglich: Die Erarbeitung eines Singspiels beginnt ja immer erstmal mit der Erzählung der Geschichte und dem Lesen des Textes. Notfalls in Teilgruppen. Irgendwie jedenfalls, aber nicht erst nach den Osterferien.

Wenn es nicht so fatal an die Schritte zur Vorbereitung der „Jugendsynode“ erinnern würde, die die Jugendarbeit in Herz Jesu Weimar wieder anstoßen sollte, aber nach der ersten Ankündigung über vier Monate hinweg kein Thema war – kein Stichwort nirgends –, so daß wir als Pfarrei auch den kompletten 2019er Firmjahrgang verloren haben. Und erinnern würde an die Durchführung des letzten besonderes Ereignisses, das die Pfarrei zu stemmen hatte: Messe, Festakt und Mittagessen zum hundertsten Jahrestag der Ankunft der Elisabethschwestern in Weimar am 3. Oktober 2019. Von den Schwestern war meine Beteiligung professioneller Weise bereits im Januar 2019 angefragt worden. Deshalb habe ich alle Cäcilini darauf eingeschworen, am 3. Oktober 2019 (einem freien Donnerstag mit folgendem Brückentag zum Beginn der Herbstferien) auf jeden Fall noch in Weimar zu sein. Und dank des langen Vorlaufes hat es funktioniert.

Leider gab es, obwohl wiederholt erbeten, weder im Vorfeld noch als Nachbereitung ein Treffen aller teilverantwortlich Mitwirkenden. So daß jeder sich an anderer Stelle absprach: Die einen untereinander, die andern im Sekretariat, wieder andere vielleicht beim Pfarrer. Und es natürlich knirschte: Da kam auf die Minute pünktlich zur ersten Durchlaufprobe in der Kirche zugleich die Gruppe, die die Kirche putzen wollte. Da wurden mangels Absprache die Ministranten so eingeteilt, daß nicht alle Sänger zur Generalprobe erscheinen konnten. Da erfuhr man im Moment der Aufführung, daß statt der organisierten zwei nur ein Mikrophon zur Verfügung stehen würde. Nicht, weil wir nicht genug hätten, sondern weil nicht alle sich rechtzeitig gekümmert hatten. Zwei Vorbereitungstreffen im Verlauf von acht Wochen wirken da wahre Wunder! Wer die Messe georgelt hat, habe ich übrigens nie herausbekommen, obwohl ich bis wenige Tage vor dem 3.10. nicht wußte, ob ich den Organisten in Ermangelung einer Cellobesetzung irgendwie brauchen würde.

Wenn man nun weiß, daß eine solche Veranstaltung sowieso immer Streß mit sich bringt (einen Krankheitsfall kann man beispielsweise nie wegplanen, den gibt es sowieso obendrauf), dann frage ich mich, warum man Ehrenamtlichen durch mangelnde Planung noch mehr Streß macht als nötig. Und den Gemeindemitgliedern – wie auch schon geschrieben – die Möglichkeit nimmt, bereits die Vorbereitung einer solchen Veranstaltung als gemeinsame Aktion zu erfahren und daneben auch noch die eine oder andere Person kennenzulernen. Nein: Jeder wurschtelt vor sich hin und es knirscht im Getriebe.

Warum?

Ganz nebenbei hätte ein Vorbereitungstreffen auch klären können, wie man außerhalb einer Heiligen Messe (beim Festakt eben) einen auswärtigen Gast im Bischofsrang protokollarisch korrekt begrüßt. Aber ich vergaß: „Wir sind ja unter uns. Da kommt’s ja nicht so drauf an … Oder?

In Ermangelung auch jeglicher Nachbereitung (denn, so hieß es, sowas käme ja nun nicht so schnell wieder vor) mußte ich diese Sachen einfach mal loswerden. Blicken wir wieder nach vorne, zur Planung der BUGA-Beteiligung unserer Pfarrei. Ab Januar sollten wie gesagt tendenziell die Proben beginnen, das heißt die Mitwirkenden feststehen, wenn musikalisch etwas von und mit Kindern und Jugendlichen dabei sein sollte. (Nebenbei bemerkt proben unsere beiden Erwachsenenchöre seit März nicht mehr. Da muß man auch klären, wer da im kommenden Jahr noch mit im Boot ist – und was mit wenigen Proben geht. Seinen Ruf aufs Spiel setzen wird von unseren ehrenamtlichen Chorleitern – zu Recht – jedenfalls keiner und lieber absagen als unter  Form spielen.) Denn die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen ist im kommenden Jahr nur auf dem Weg eines Projektchors vorstellbar. Und da hat es sich mit „Rawhide in A“, wie Elwood von den „Blues Brothers“ das im Film so schön ansagt. So eine Ansage funktioniert nur in Gruppen, die schon lange gemeinsam geprobt haben und über ein festes gemeinsames Repertoire verfügen. Wie bisher die Cäcilini. Aber im kommenden Mai werden auch die Cäcilini nicht mehr – wie man das noch zum Martinsspiel 2016 oder zur Eröffnung der Maiandachten 2018 gewohnt war – innerhalb von zwei Wochen die Lücken stopfen und ein präsentables Programm auf die Beine stellen können. Da haben die Verantwortlichen einfach nicht rechtzeitig für ausreichend Öl zum Nachgießen gesorgt (Mt 25,1-13)

Daher noch einmal mein Appell: Verschweigt den Termin der nächsten Bundesgartenschau und unserer zugesagten Beteiligung nicht, liebes Pfarrteam und liebe Gremien! Macht Werbung, wo ihr könnt (ich tue es auch) und kommuniziert. Es wird nicht leichter, wenn wir zuwarten. Noch sind die Chancen groß, einige richtig schöne Veranstaltungen mitzugestalten und mitzuerleben. Und vielleicht jemanden dadurch zu erreichen. Und ist das nicht aller Mühen wert?

 

Cornelie Becker-Lamers

 

PS (oder ist das jetzt ein PPS? 😉 ) Diesem, äh, untypisch langen “PS”, bzw. Nachwort und einigen Umständen der letzten zwei Tage muß leider der für heute abend vorgesehene zweite Teil des “Vorabends“ zum Adventskalender zum Opfer fallen. Aber ich hoffe, zu gegebener Zeit noch erläutern zu können, was ich mir bei der diesjährigen Iteration gedacht habe!

Morgen geht’s jedenfalls los!

Gereon Lamers

Das Orgateam (1/4). Ein Sketchlet zum Ersten Advent

Ein Sketchlet für sechs Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Wundersdorf, Schafweide. In den letzten Tagen ist es ziemlich kalt geworden. Aber das dicke Winterfell schützt die Schafe, und so grasen sie ruhig auf der Weide oder tummeln sich umeinander. Einige stehen in Gruppen und reden, andere vertreiben sich die Zeit im Unterstand. Fixi und Huf, die gerade vom Plätzchenbacken bei Teresa und Emily zurückgekommen sind, beanspruchen ebenfalls Raum für ihre Erzählungen. Eine andere Gruppe schmückt die Tanne, die im Zentrum der Weide steht. Kohle kommt soeben mit einer Truppe Lämmchen vom Ilex-Sammeln zurück, mit Hilfe dessen sie gemeinsam den Unterstand schmücken wollen. Kurz: Es herrscht wie immer reges Treiben auf der Weide.

Nur Flocke läuft gestikulierend von Gruppe zu Gruppe und scheint die Schafe von etwas überzeugen zu wollen. Was hat sie nur?

 

Flocke (eindringlich): Es ist nicht mehr viel Zeit!

Ein Schaf: Flocke! Du nervst!

Ein anderes Schaf: Wir haben alle genug zu tun!

Flocke: Ich sag’s euch: Das wird wieder nichts! (Sie wendet sich verzweifelt der nächsten Gruppe zu.)

Wolle (zu Flocke): Was ist los?

Flocke (jammert): Kein Schaf denkt an das Spreewaldrock-Festival auf der Lieberoser Endmoräne!

 (Sie fuchtelt mit den Vorderläufen.)

Grauchen (ist hinzugetreten): Was für’n Ding?

Flocke: Grauchen! Stell dich nicht dümmer, als du bist. Du weißt genau, wovon ich spreche.

Kohle (tritt hinzu und schüttelt sich ein paar Schneeflocken aus dem Fell): Worum geht’s?!

Wolle: Flocke fängt im Advent mit dem Spreewaldrock-Festival an! (Sie verdreht die Augen.)

Kohle: Wann ist das nochmal?

Flocke: Vom 20. bis 24. Mai 2021.

Kohle: Najaaaa! Das ist ja wirklich noch ein bißchen hin!

Wolle (selbstgerecht): Jetzt ist erstmal Weihnachten.

Flocke: Ja, jetzt ist erstmal Weihnachten, dann ist erstmal Sternsinger, dann Fasching, dann ist Ostern, und dann sind noch sechs Wochen Zeit für die Vorbereitung! Es ist doch immer dasselbe hier in Wundersdorf! (Sie ringt die Hufe.)

Grauchen: Aber, Flocke, meinst du nicht, es reicht, wenn wir das ab Januar besprechen?

Flocke: Hm! Wenn wir das denn täten! Aber ich denke, im Januar müssen die Proben beginnen. Da können wir uns nicht erst überlegen, was wir überhaupt wollen, was geht und dann kleckerweise anfangen, die Leute zusammenzusammeln!

Kohle (wird nachdenklich): Hmmmm … Flocke hat Recht …

Wolle (ebenso): Naja … stimmt schon … die Lämmchen brauchen Zeit zum Proben …

Flocke: … und wir Zeit, sie erstmal zusammen zu suchen. Das haben wir einfach viel zu sehr schleifen lassen.

Kohle: Haben wir Erwachsene denn etwas anzubieten?

Grauchen: Naja … wir hatten ja mal diesen Chor …

Blütenweiß (kommt aufs Stichwort angetrabt): Wo wir so großartig beim Bundeschorwettbewerb abgeschnitten haben?! (Sie lacht.)

Wolle (beginnt zu singen): E – he – he – heeeeeee

Flocke (im Quintabstand einfallend): E – he – he – heeee!

Kohle (in der Baßlinie): E – he – he – heeeeeere!

Alle lachen.

Grauchen: Ja – aber läuft doch noch ganz gut!

Blütenweiß: Das Ave Maria von Karl May konnten wir auch mal! (Sie summt den Kehrvers vor sich hin.)

Fixi und Huf haben sich zu der Gruppe hinzugesellt.

Huf: Fangt ihr schon wieder an, dieses Zeug zu singen?

Fixi: Wen wollt ihr denn mit den ollen Kamellen hinter dem Ofen vorlocken?

Flocke: Seid nicht so respektlos! Wir freuen uns einfach am gemeinsamen Gesang.

Wolle: Aber Fixi und Huf haben eigentlich Recht.

Kohle: Für das Spreewaldrock-Festival müssen wir vielleicht noch was anderes drauf haben als für einen Bundeschorwettbewerb.

Fixi: „Think!“

Huf (fällt sofort ein): „You’d better think! Think!“

Fixi (tanzt): “Think about what you’re tryin‘ to do to me … oh-oh-oh think!”

Die alten Schafe haben staunend zugehört.

Grauchen: Ist schon richtig. Schließlich geht es im Kirchenpavillon, den sie dort aufbauen wollen, darum, die Menschen zu erreichen.

Blütenweiß (nickt): Und das geht weder nur mit Gesprächen am Stehtischchen noch nur mit alten Liedern.

Kohle: Da müssen wir was Passendes haben … Erinnert ihr Euch an die Blues-Brothers-Szene in der Countrykneipe?

Die Schafe lachen und nicken.

Grauchen (nickt anerkennend): Schon gut, wenn man ein paar Lämmchen an Bord hat!

Kohle (mit neuem Elan): Ok, Schafe! Eins steht jedenfalls fest:

Alle: „Wir bringen die Band wieder zusammen!“

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Diese Schafe! Aber sie sind auf dem Quivive und stellen was auf die Beine. Und wie sieht es in Herz Jesu Weimar aus? Das PS wird ein bißchen länger. Deshalb koppeln wir es aus und posten es morgen gesondert.

 

Fortsetzung folgt morgen

Der Esaias/LXX-Adventskalender, 1. Adventssonntag

Volk, das in Finsternis geht, schaut ein großes Licht! Die ihr im Lande und im Schatten des Todes wohnt, ein Licht wird über euch leuchten.
(Jes 9,2)

Populus qui ambulabat in tenebris, vidit lucem magnam; habitantibus in regione umbræ mortis, lux orta est eis.

Wieder nun redete zu ihnen Jesus, sagend: Ich bin das Licht der Welt; der mir Folgende geht gewiß nicht umher in der Finsternis, sondern er wird haben das Licht des Lebens.
(Joh 8,12)

Sonnenaufgang auf dem Simplonpass, 2018 (Bild: Wikimedia Commons, Hp.Baumeler)

 

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Vorabend, Teil I 

Wenn ich heute abend zurückblicke auf die letzten neun Adventskalender, die wir hier auf PuLa schon hatten, und ja, dies wird wirklich bereits der zehnte!, dann haben sich geradezu schon Topoi herausgebildet, die an den Vorabenden immer wieder erscheinen: Ich stelle fest, daß ich lange vergeblich über ein mögliches Thema nachgedacht habe, das sich dann ziemlich knapp doch “einstellt”, dieses Thema spiegelt in der ein oder anderen Form wider, womit ich mich in dem Jahr beschäftigt habe und ich weiß zu Beginn noch nicht so recht, worauf es eigentlich alles hinauslaufen soll, denn keineswegs sind etwa alle Beiträge bereits fertig… 

Nun, gewiß werden Sie sich mit mir freuen, wenn ich Ihnen sage, das zumindest ist auch in diesem verrückten Jahr keinen Deut anders! 😀

Also, worum soll es in der Nummer 10 gehen?
Schon seit dem Adventskalender zu den sog. “Kleinen Propheten” im Jahr 2013 war klar, daß auch der “große”, der weihnachtliche Prophet schlechthin, Jesaja, einmal würde “vorkommen” müssen, natürlich nicht weil es allgemein so besonders wichtig wäre, wenn ich das mache, sondern weil es für mich wichtig ist, denn auf diese Weise liest man so ein biblisches Buch mit besonderer Intensität! 

Und ebenfalls schon seit langem hege ich ja eine besondere Affinität zur Septuaginta, dem griechischen Alten Testament, wie Sie vielleicht in diesem April an der kleinen Reihe zu Psalm 15 und seiner Verwendung in der Apostelgeschichte wieder bemerkt haben.

Damit ist schon mal klar, woher dieser Adventskalender seinen Namen hat, aus der (transliterierten) griechischen Form des Prophetennamens (hebr. Jeschajahu) und dem lateinischen Zahlzeichen für die 70: LXX. 

Unsere Textgrundlage wird dabei in bewährter Weise die “Septuaginta Deutsch”, Stuttgart 2009 bieten, dort findet sich in der Einleitung zum Jesajabuch (S. 1230) auch der interessante Hinweis, daß das anlautende “E” mehr oder weniger wie ein “I” gesprochen wurde, woher dann auch die lateinische Umschrift “Isaias” klar wird. 

Stichwort Latein: Auch wenn diesmal tatsächlich der (übersetzte) griechische Text in seiner teils fremden Spezifik im Vordergrund steht, ganz auf das Lateinische kann PuLa natürlich nicht verzichten, wir werden also den jeweiligen Vers auch in der Version der Vulgata (natürlich nicht der “Nova Vulgata”!) bringen. 😉 Der neutestamentliche Text wird ggf. aus dem “Münchener Neuen Testament” (MNT, Ostfildern, 9. Aufl. 2010 ) stammen, das sich ja seinerseits ebenfalls um eine möglichst große sprachliche Nähe zum griechischen Original bemüht. 

Und als ob damit der Neuerungen noch nicht genug wären 😆 teilen wir in diesem Jahr, in dem wie zuletzt 2015 (wo wir es anders gelöst haben) auf den ersten Adventssonntag noch ein Montag folgt, der nicht im Dezember liegt, erstmals den “Vorabend” mit seinen  Erläuterungen in zwei Teile. Nachdem ich Ihnen heute grob erläutern konnte, was ich vorhabe, hoffe ich am Montagabend ein bißchen darüber zu schreiben, warum ich es für angebracht halte, das zu tun.

Einen kleinen Vorgeschmack, keine “klassische” Stelle, eher assoziativ, soll es aber heute schon geben:

 

[…] sagt der Herr: Wenn auch eure Sünden wie Purpur sind, werde ich sie weiß wie Schnee machen, wenn sie aber wie Scharlach sind, werde ich sie weiß wie Wolle machen.
(Jes 1,18)

[…] dicit Dominus: Si fuerint peccata vestra ut coccinum, quasi nix dealbabuntur; et si fuerint rubra quasi vermiculus, velut lana alba erunt.

 

Und antwortete einer von den Ältesten, sagend mir: Diese, die Umworfenen mit den weißen Gewändern, wer sind sie, und woher kamen sie? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt. Und er sprach zu mir: Diese sind die Kommenden aus der großen Bedrängnis, und sie wuschen ihre Gewänder und weißten sie im Blut des Lammes. 
(Offb 7, 13f.)