Zurüruck zum Inhalt

„Dem Licht und dem Tag gehören“

Ok, ok, es ist ziemlich spät für Jahresrückblicke (sogar für Rückblicke auf Rückblicke ;-)) aber der hier ist es wert!

Peter Weidemann hat im offiziellen Newsletter des Bistums Erfurt („BEA“, Bistum Erfurt aktuell, ist, wie PuLa schon mehrfach geschrieben hat, Pflichtlektüre für den Internetaffinen Katholiken hierzulande; Abo hier!) vorige Woche die Predigt von Bischof Dr. Joachim Wanke zum Jahresabschluß im Dom eingestellt, und die lohnt die Lektüre auch außerhalb des Bistums unbedingt!

Der Bischof erinnerte in der Predigt, die ihren Titel dem Tessalonicherbrief (1 Thess 5) verdankt, u.a. an die Freude des Papstbesuchs und griff das Stichwort der „Entweltlichung“ auf. Geradezu offensiv:

„Nochmals zum Stichwort ‚Entweltlichung‘. Im Lichte der soeben betrachteten biblischen Aussagen verstehen wir, was der Papst meint.

• Eine Kirche, die sich in den Selbsttäuschungen dieser Welt verfängt – wie kann diese zum Hoffnungszeichen für Gottes Zukunft werden, zum Salz, das unserem begrenzten menschlichen Leben Würze und Sinn gibt?

• Eine Kirche, die selbst blind ist für Gottes Verheißungen, Zumutungen und Tröstungen – wie kann diese anderen Blinden die Augen öffnen?

Das ist die Sorge des Papstes, dass uns das Grundwasser des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung ausgeht, von dem her sich alle Lebensäußerungen der Kirche letztlich speisen.“

Dem voran ging anschließend an die berühmte Mahnung aus dem Römerbrief (12,2) auch folgender Abschnitt:

„Genau darum geht es: Sich nicht einer Welt angleichen, die sich selbst genügt; einer Welt, die seit jeher im Begriff ist, Gott zu vergessen. Christsein verlangt eine andere Art zu leben, als wir das bei vielen Menschen um uns herum wahrnehmen. Es geht um den Ausstieg aus einer Existenz, die sich in einer trügerischen Sicherheit wiegt […] Christsein ist der immer neue Einstieg in eine Lebensform, die sich der allgemein verbreiteten Täuschungen entledigt; eine Lebensweise, die bereit ist, die Realitäten anzuerkennen, z. B. die Tatsache, dass unser irdisches Leben begrenzt ist; eine Existenz, die sich (im Bild des Apostels gesprochen) dem „Tageslicht“, sprich: dem Willen Gottes und seinen Ansprüchen stellt – kurz: es geht um ein Leben in Wachheit und Nüchternheit.“

Deutliche, ernsthafte Worte des Hirten der Ortskirche in hörbarem Einklang mit dem Bischof von Rom: So geht Jahresrückblick, so geht Kirche.

Danke, Herr Bischof!

(Vollständiger Text auf den Seiten des Bistums)

 

 

Erste allgemeine Ver-un-sicherung

Nun sind die Sternsingertage vorüber und waren frei von Schnee und Eis – gut für die, die sich jedes Jahr mit ihren „Königen“ ins Auto setzen, um Gemeindemitglieder in entlegeneren Gegenden zu besuchen und sich an weißer Pracht dann immer nicht recht freuen können.

Was im Un-Fall passiert, wenn Ehrenamtler in Ausübung ihrer Tätigkeit mit dem Wagen in den Graben rutschen, war denn auch Thema der letzten „Leithammelrunde“ der Ehrenamtlichen im Oktober, nachdem „aus dem Kirchenvorstand“ die alarmierende Meldung in die Runde geworfen wurde: „Das Bistum hat die Versicherungen gekündigt!“ Ungläubiges Entsetzen: Wie können sie nur – also „die da oben“ wieder mit ihrem dicken Personalpolster! Können sich’s ja leisten.

Nachfragen ergaben dann noch am selben Abend kleckerweise, daß die Nachricht in der Form allerdings nicht zutraf. Erst waren die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter die nach wie vor versicherte „Ausnahme“ (!), dann kam heraus, daß selbstverständlich auch Ehrenamtler – Kommunionhelfer auf dem Weg zu den Kranken, und, ganz wichtig! Vertreter des Kirchenvorstands auf Baustellen! – in der Ausübung ihrer Tätigkeit weiterhin über das Bistum versichert sind. Der Bulli ist vollkasko versichert sowie all seine Insassen, selbst bei eigenem Unfallverschulden ist das eigene Privatfahrzeug über das Bistum versichert, für das fremde Fahrzeug haftet die Versicherung des Fahrers. – Und wenn man Beleuchtung für eine Theateraufführung ausleiht? Das geschehe dann nun aber wirklich auf eigene Gefahr.

Ein Telefonat mit der zuständigen Mitarbeiterin im bischöflichen Ordinariat ergab, daß auch dieses letzte Detail nicht zutrifft: Sogar Gegenstände sind über einen Sammelvertrag des Bistums Erfurt haftpflichtversichert.

Also, liebe Mitstreiter! Nicht abschrecken lassen! Weiter mit Kindern und Jugendlichen Theater spielen! Ehrenamtliche Mitarbeiter sind wie die hauptamtlichen über die Berufsgenossenschaft Verwaltung auch bei Selbstverschulden versichert, wenn sich ein Unfall in Ausübung der ehrenamtlichen Tätigkeit ereignen sollte. Zur Sicherheit sollten größere Unternehmungen (ich denke: etwa das Auf-die-Leiter-Steigen, um zum Gemeindefest die Girlande aufzuhängen – Ihr wisst: die meisten Unfälle passieren im Haushalt … 😉 ) bei Herrn Hoffmeier angemeldet und abgesprochen werden.

Fazit: Von dem gesamten Redebeitrag „aus dem Kirchenvorstand“ bleibt damit lediglich übrig, daß die Bistumsverwaltung aus der gesonderten Kinderunfallversicherung ausgestiegen ist, und das mit gutem Grund: Kinder sind in Deutschland immer und überall gesetzlich versichert und die Versicherungen haben ohnehin auch in der Vergangenheit, wenn denn ein Unfall tatsächlich einmal beim Bistum gemeldet und nicht sowieso nur mithilfe der eigenen Chipkarte behandelt wurde, den Schadensausgleich untereinander geregelt. Die Kinderunfallversicherung war also effektiv überflüssig (Genauso überflüssig, wie deren Kündigung mit einer in den einzigen anwesenden Vollbart gebrummelten, so unglaublich coolen Bemerkung „elf Millionen für den Papstbesuch“ zu kommentieren).

Wichtig bleibt natürlich, die Aufsichtspflicht nicht zu verletzen und nicht Erstklässler – wie es bei der vergangenen RKW geschehen sein soll – beim „Pullern“ im unbekannten Wald allein zu lassen und mit der Gruppe weiterzulaufen, bis das Kind die Gruppe nicht mehr sieht. Dann kann es im Un-Fall wirklich eng für die Aufsichtsperson werden.

Schön fand ich, daß ich nicht die erste war, die am Tag nach der „Leithammelrunde“ in Erfurt beim Ordinariat anrief. „Jaja, da muß ja wirklich was los gewesen sein, ich hatte heute schon einen Anruf“, sprach die freundliche Dame – und beruhigte mich so, ohne es zu wissen, gleich doppelt: In der Weimarer Herz-Jesu-Gemeinde hat sich ganz offenbar schon weiter herumgesprochen, daß man alarmierende Gerüchte – äh, Berichte „aus dem Kirchenvorstand“ über das böse, böse Bistum lieber noch mal gegencheckt; eine schöne Gewißheit, die ich im Zusammenhang mit den Nachrichten über die Versicherungslage bei unseren Veranstaltungen den PuLa-Lesern doch auch endlich noch einmal weitergeben wollte.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Vorurteile (…und „Kämpfe“?)

Eines der Vorurteile, die über uns traditionelle Katholiken in Umlauf sind, ist ja, daß wir in liturgischen, in Fragen der Gottesdienstgestaltung, keinen Spaß verstehen, und immer darauf achten, daß auch „alles vorkommt“, was muß. Und wie es mit Vorurteilen eben so ist, meistens ist was dran (in dem Fall ja auch aus gutem, nein, aus bestem Grund!) aber man muß immer bereit bleiben, sie an der Wirklichkeit zu überprüfen.

Und so freue ich mich darüber, heute einmal positiv über einen Gottesdienst zu schreiben, in dem nicht „alles vorkam“! Es handelte sich um die Messe zur Einholung der Sternsinger am vergangenen Sonntag um 10.30 Uhr und die fand ich schön! Dabei fehlte z.B. die zweite Lesung, die (das kann man ja in manchen Kreisen gar nicht oft genug sagen) gerade das Zweite Vatikanum so energisch gefordert hat. Das hielt ich hier für ausnahmsweise gerechtfertigt, weil es ja z.B. Zeit brauchte für den so herrlich wuseligen Einzug der Sternsinger. Sogar über die sozusagen „innerkirchliche“ (auf das Gebäude bezogen) Aussendung der Kinder zum Friedensgruß will ich in so einem besonderen Fall mit mir reden lassen, auch wenn es natürlich dabei bleibt: Der „Friedensgruß“ vor dem Agnus Dei ist und bleibt ein Problem der Störung der Konzentration auf das Wesentliche.

Gefragt habe ich mich freilich (und nicht alleine!), warum man denn den „Abschluß der Weihnachtszeit“ gar so deutlich betonen muß. Es soll ja Gemeinden geben, in denen bleibt die Krippe nach wie vor bis Mariä Lichtmeß stehen (wie der Baum in vielen Familien!) und im Rosenkranz beten wir ja auch bis zum 2. Februar die „Freudenreichen Geheimnisse“. Ich meine, was haben wir denn mit der angestaubten Liturgiereform für dieses verfrühte Ende des Weihnachtsfestkreises bekommen? Zum Beispiel die faszinierende Bezeichnung „n-ter Sonntag im Jahreskreis“ Gähn! Na, persönlich bin ich ja überzeugt, diese eigentümliche Verkürzung der Fülle des Katholischen fällt in einer der nächsten Phasen der Benedikt-Revolution ohnehin. Aber ich schweife ab.

Weniger schön fand ich leider den Verzicht auf den priesterlichen Embolismus („Erlöse uns Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen…“) nach dem Vaterunser, der braucht ja nun wirklich nicht viel Zeit! Und auf die darin zum Ausdruck kommende Verschränkung von priesterlichem Handeln und (erneuter) Antwort der Gemeinde („Denn Dein ist das Reich…“) sollte man nicht leichten Herzens verzichten.

Aber sogar etliche Lieder zur Gitarre, sonst für mich zuverlässig echte Andachtsstörer, fügten sich dieses Mal recht zwanglos ein, erinnerten sie doch an die musikalische Begleitung, mit der die „Könige“ vielfach unterwegs gewesen waren.

So sollte klargeworden sein: Wenn es einen besonderen Grund gibt, wie hier eben den Abschluß der Sternsingeraktion und die Würdigung der daran Beteiligten, dann kann man auch schon mal die ein oder andere Ausnahme machen.

Ausnahms-weise wohlgemerkt…

Außerdem trug zur guten Laune auch noch eine richtig gute Predigt von Pfr. Kämpf bei, in der, wie ich fand, das Thema der Berufung der ersten Jünger mit dem Motto: „Kommt und seht!“ sehr schön auf den vorliegenden Anlaß appliziert und mit der Gemeindewirklichkeit verknüpft wurde!

Ach, Sie glauben, Sie hätten in der Predigt auch eine Spitze gegen PuLa gehört? Ja, ich weiß schon, was Sie meinen, aber erstens muß ich sagen, so von einem Wortarbeiter zum anderen: War gut rausgearbeitet! und zweitens kennen Sie doch den alten Spruch aus der Öffentlichkeitsarbeit: „Solange sie meinen Namen richtig schreiben, ist mir egal, was sie über mich schreiben“. Nein, das verdirbt mir, GOtt sei Dank, die Freude an einer schönen Messe nicht.

 

PS: Allerdings haben äußerst vertrauenswürdige Gemeindemitglieder berichtet, in der Vorabendmesse sei in der Predigt von „Glaubens“- oder gar „Religionskämpfen“ die Rede gewesen und haben das auch auf PuLa bezogen. Eigentlich kann das ja nun schon deswegen nicht sein, weil in diesen Zeilen noch nie von einer anderen Religion als der christlichen die Rede gewesen ist, wenn ich mich recht erinnere.

Hm! Wenn da aber künftig „gekämpft“ werden soll, ob PuLa dann schon mal prophylaktisch aufrüstet? Ich hab‘ ja immer noch keinen Klapprechner, der mir erlauben würde immer und von überallher zu (re-)agieren; mal schauen, wie sich die Notebook-Preise so entwickelt haben 😉

Aber ernstlich, wenn da wirklich solche Ausdrücke gefallen sein sollten, hoffe ich doch sehr, der rausgehörte Zusammenhang war ein Mißverständnis:

Parce Domine, Verschone HErr Dein Volk…

Was vom Jahre fehlte…

…jedenfalls im offiziellen Jahresrückblick für Herz-Jesu Weimar.

Die Jahresabschlußmesse 2011, Silvester ab 17.00 Uhr, reihte sich ein in die Abfolge „bemerkenswerter“ Gottesdienste gegen Ende des Jahres und so muß PuLa, wenn auch spät (aber dafür gibt es einen sachlichen Grund!), um seiner Chronistenpflicht zu genügen auf Ablauf und Inhalt an diesem Nachmittag noch einmal zurückkommen.

Woran es nicht fehlte, war eine der schönsten denkbaren Perikopen, der Prolog des Johannesevangeliums und auch an der abschließenden Aussetzung des Allerheiligsten fehlte es nicht. Eine Predigt hingegen haben wir nicht gehört (und ich kann mich auch an ein Credo nicht erinnern).

Stattdessen durfte sich die versammelte (umfangreiche) Gemeinde an dem erfreuen, was man früher eine Diaschau genannt hätte, die Präsentation einer Abfolge von Bildern also, die abwechselnd vom Hauptzelebranten und der stv. Vorsitzenden des Kirchenvorstands kommentiert wurde.

Und wozu diente dieses unerwartete Geschehen? Es handelte sich um den offiziellen Jahresrückblick der Pfarrei mit dem an sich löblichen Vorsatz (sinngemäß zitiert) „Dank zu sagen an die über 100 Ehrenamtlichen, von denen viele ihren Dienst ganz im Verborgenen versehen“.

Nun, etliche von diesen wurden auch in den sich anschließenden 20 Minuten nicht „ent-borgen“. Aber schauen wir doch, was in diesem Rückblick so alles vorkam – und was nicht.

Neben einigem an wirklich interessanter Statistik (wegen derer man aber keine Hl. Messe besucht!) stachen zunächst einige „Haupt- und Staatsaktionen“ heraus, die teilweise auch in diesen Zeilen schon ihren Niederschlag gefunden hatten: Die Orgelweihe, die Orgelabnahme, Pfarrer Hohmann und gaaanz viel „Franz Liszt“ (PuLa meint: Es wird wirklich Zeit, daß aus Weimar jetzt das Heiligsprechungsverfahren mit Nachdruck weiterverfolgt wird 😉 ).

Immerhin, der Papstbesuch kam auch vor. Da seien ja „viele“ aus der Pfarrei bei diesem „feierlichen Gottesdienst“ dabeigewesen. Allerdings kamen diese „vielen“  nicht etwa im Bild vor, nein, bebildert wurde dieses Ereignis durch den Blick auf ein Flugzeug (angeblich mit dem Hl. Vater darin) von unten. So kann man ggf. auch vermitteln, daß man froh ist, wenn einer wieder weg ist…

Und, natürlich, durfte auch mein Lieblingsereignis des Jahres, dieser wahre spirituelle Höhepunkt, nicht fehlen: Der ZDF-Gottesdienst! Der wurde mit dem Photo einer Person illustriert. Lange. Und hier kam auch eine meiner liebsten Wortschöpfungen aus dem Jahr 2011 wieder vor: „Die Akteure vor der Kamera“! PuLa kann sich nur wiederholen: Interessantes Selbstbild, das da zum Vorschein kommt!

Und was wurde nun vom Ehrenamt erwähnt? Die Sternsinger, der Fasching, die RKW, die Verabschiedung von Herrn Böttcher als Leiter des Kirchenchors (leider nicht die Übernahme dieses wichtigen Amtes durch Herrn Dr. Christoph Meixner! )

Und das „Verkündigungsspiel“. Das bildete den Abschluß mit der Frage eines der fiktiven Engel: „Und wie geht’s weiter?“ und der Antwort des Hauptzelebranten: „Es geht immer weiter!“ Aha.

Darauf folgte Applaus, den ich in der Kirche (außerhalb von Konzerten) immer ganz besonders „liebe“, und der so recht die Grundlage für die anschließende sakramentale Handlung bildete.

Aber wir hatten uns ja vorgenommen, auch nach dem zu schauen, was vom Ehrenamt nicht vorkam, nicht wahr? Eine wahrlich ansehnliche Liste (und wo immer möglich holt PuLa die Illustration hiermit nach):

 

Die Katholische öffentliche Bücherei, KÖB

Der Jugendchor

Die Choralschola

Der Laudatechor

Die Theateraufführung zum Misereorsonntag:

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gemeindefest zu Fronleichnam samt Musical(ur)aufführung:

Der Advents- bzw. Christkönigsbasar:

(Adventsbasar, nachgestellt, u.a. mit dort gekauften Dingen)

Die verschiedenen Gruppen der  „Kirchenputzer“

Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand (die in anderen Gemeinden übrigens durchaus das ganze Jahr über mit Bild und Lebenslauf im Internet abrufbar sind)

und noch andere mehr!

Nun „verstehe“ ich ja vielleicht noch, daß das Musical von den „falschen Leuten“ gemacht und unterstützt wurde, aber da haben Kinder mitgewirkt, ja ganze Familien und das gleiche gilt natürlich erst recht für das Misereorsonntags-Theaterstück.

Und was die KÖB angeht und das Basteln für den Basar, da wird das ganze Jahr gearbeitet, ganz im Stillen. Und Ruhm erntet auch nicht, wer auf dem Gemeindefest Kuchen bäckt und verteilt:

Wären das nicht eigentlich die Beispiele gewesen, wenn man „Ehrenamt im Verborgenen“ würdigen will?

 

Freilich, Fernsehkameras sind da wirklich selten dabei; die „Akteure“ vor denselben übrigens auch…

 

PS: Zum Ehrenamtstreffen am 7. Januar wurde die „Diaschau“ anders als in den Vorjahren diesmal nicht gezeigt, obwohl es den Weihbischof doch vielleicht auch interessiert hätte „drauf-zu schauen“; das wollte ich aber noch abwarten, denn eine veränderte/ergänzte Form der Präsentation wäre ja immerhin möglich gewesen.

Kommentare… (besonders zum „Verkündigungsspiel“)

Der chronologische Charakter eines Blogs (neue Einträge stehen immer oben) hat den Vorteil der Aktualität, bringt es aber auch mit sich, daß die Aufmerksamkeit auf ältere Einträge gewissermaßen „mit absinkt“. Und das kann schade sein, gerade wenn in Kommentaren die behandelte Angelegenheit noch von anderen Seiten beleuchtet wird.

So einen Fall hatten wir gerade wieder einmal hinsichtlich der Bemerkungen zum „Verkündigungsspiel“. Daher hole ich gleich die interessantesten Kommentare zum Nachlesen „noch mal hoch“!

Hinzu kommt, daß PuLa um treue Leser weiß, die mit der Kommentarfunktion nicht so gut zurechtkommen. Es ist aber wirklich nicht schwer.

Man muß zu Beginn zwei Fälle unterscheiden.

Fall 1: Ich will schauen, ob es Kommentare gibt und sie dann lesen. Dazu ist es lediglich erforderlich, den fraglichen Beitrag noch einmal anzuschauen (wenn er noch nicht zu lange zurückliegt am einfachsten durch „Herunterrollen“ gleich auf der Startseite. Unter jedem Beitrag steht rechts „Kommentare“ und dahinter ggf. in Klammern die Anzahl derjenigen, die veröffentlicht wurden. Auf das Wort „Kommentare“ muß man klicken, dann gehen die Kommentare auf und können gelesen werden.

Fall 2 ist, wenn Sie einen Kommentar verfassen möchten. Falls Sie der erste sind, der das tun möchte, beginnt dieser Vorgang genauso wie beim Lesen: Sie klicken auf das Wort „Kommentare“ am Ende des Beitrags und werden zu einem Eingabefeld geleitet.

Oder dieses Eingabefeld findet sich, falls Sie schon im Kommentarbereich waren, ganz an dessen Ende.

Dort finden Sie dann zwei „notwendige“ Felder, nämlich Name und Email-Adresse (damit ich ggf. mit Ihnen in Kontakt treten kann) und das Feld, in das der eigentliche Text gehört. Das ist ziemlich klein, und wer mehr schreiben möchte, tut das am besten in seinem Textverarbeitungsprogramm und fügt dann hier ein. Die andere Möglichkeit ist, in das Textfeld nur die Bitte um Kontaktaufnahme zu schreiben, dann melde ich mich per Email bei Ihnen und Sie können mir ggf. den Text direkt schicken, wobei ich mich dann um das technische kümmere (auch um „nur“ Kontakt aufzunehmen, ohne unbedingt einen Kommentar schreiben zu wollen, hat sich diese Variante schon sehr bewährt!).

Eine Irritation möchte ich bei der Gelegenheit auch noch aufklären: Dort steht der mißverständliche Satz: „Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben“ Damit ist natürlich nicht der Inhalt, sondern die Emailadresse gemeint, die vertraulich behandelt wird! (Diesen Text kann ich auch als Blogautor leider nicht verändern!)

Vor dem Senden des Kommentars müssen Sie dann nur noch den sog. CAPTCHA Code eingeben, in das Feld ganz unten. Diese Kombination aus Buchstaben und Zahlen finden Sie, etwas „ulkig“ geschrieben, in dem bunten Feld darüber. Wenn die Zeichen ganz unlesbar sein sollten, gibt es rechts daneben so eine Art Scheibe, auf die man klicken kann, dann macht das System einen neuen „Vorschlag“! Nötig ist dieses Verfahren, um (noch mehr) Spam- oder Müll-Kommentare, die maschinell erstellt werden, zu vermeiden (die „Maschinen“ können verzerrte Zeichen [bisher] nicht so gut erkennen, wie wir Menschen).

So, es würde mich sehr freuen, wenn das geholfen hat, und jetzt die interessanteren Kommentare zu „Vom Krippenspiel, das keines war“:

Cornelie schrieb:

„Die Distanzierung von der Weihnachtsgeschichte, die hier offenbar sogar den Engeln bzw. dem Erzähler in den Mund gelegt wurde (ich konnte ja nicht selber gucken, weil ich zeitgleich im Altenheim Musik gemacht habe) erinnert mich an das Krippenspiel 2006, in dem in einer langatmigen Rahmenhandlung die alte Maria sich ihrer Niederkunft erinnerte und die Weihnachtsgeschichte als Spiel im Spiel auf die Bühne gebracht wurde. Das ganze ging dadurch eine schier endlose Dreiviertelstunde lang ohne inhaltlich substantiellen Zugewinn (Maria zierte sich, wenn ich mich recht erinnere, z.B. ewig, ob sie nun erzählen soll oder nicht u. dergl.) und produzierte genau die Distanz zur eigentlichen Geschichte, die in solcherart Spiel eben zustande kommt.

“Episches Theater” nennt man diese z.B. von Bert Brecht gerne verwendete Erzählstrategie im Drama. Mitleid, Einfühlung und individuelle Läuterung, die das am Beispiel der griechischen Tragödie geschulte bürgerliche Theater anstrebt, sollten durch das Spiel im Spiel verhindert, die Bühnenhandlung nicht als gegeben rezipiert, sondern in ihrem Fortgang zur Disposition gestellt und der intellektuelle Zugang zum Bühnengeschehen erzwungen werden.

Kann dies alles Ziel eines Krippenspiels sein? Ich habe damals mit Pfarrer Kämpf darüber gesprochen und hatte den Eindruck, mit ihm hierzu einer Meinung zu sein. Aber das war wohl eine Projektion, wie sie wohl auch schon anderen Gemeindemitgliedern ihm gegenüber unterlaufen ist. 2008 jedenfalls wurde uns dieselbe Struktur aufgetischt in dem Krippenspiel “Das Wunder von Betlehem im Internet” von Mario Huf: Oma will Heiligabend den Enkel vom Computer weglocken und zum Schluß gucken sie, immer wieder von der Rahmenhandlung unterbrochen, gemeinsam scheibchenweise die Weihnachtsgeschichte im Netz. Für die Gemeinde (oder soll ich sagen: für das Publikum?) materialisieren die Figuren sich wiederum in einer Spiel-im-Spiel-Handlung.

Die erkenntnistheoretische Begründung für solches Episches Theater geht mit Hegel davon aus, daß bloßes oder vermeintliches WIEDERerkennen das wirkliche Erkennen einer Handlung verhindert. Daher der Versuch, durch Verfremdung das Wiedererkennen zu unterbinden oder zu erschweren.

Aber nochmals: Kann das das Ziel eines Krippenspiels sein? Gilt das Krippenspiel nicht in erster Linie Kindern, die überhaupt erstmal kennenlernen müssen, was sie im Laufe ihres Lebens dann überdenken können? Gründen vielleicht konzeptionelle Probleme der heutigen Kinderpastoral möglicherweise in dem Versuch, Kinder- und ElternENTERTAINMENT anzustreben und das auch noch in ein und derselben Aktion? Denn woher sonst die augenscheinlich geradezu panische Angst, irgendeine Geschichte einfach mal schlicht WIEDERzuerzählen? Wo man doch etwa aus der Geschichte der Märchen (wie der eigenen Erfahrung) weiß, wie gerne Kinder Geschichten wieder-, und zwar WORTWÖRTLICH wiederhören. (Ohne die Fähigkeit des Menschen, die grundlegenden gemeinschaftsstiftenden Geschichten wirklich wortgetreu wiederzugeben, ist eine Kultur auf der Basis mündlicher Erzähltradition gar nicht vorstellbar. Es gibt sie aber und damit auch unsere Fähigkeit und unseren Wunsch zum Wiedererzählen.)

Ein verfremdendes Krippen- oder gar Verkündigungsspiel zu Weihnachten geht m.E. an den Bedürfnissen der Kinder vorbei – und so spannend, daß es die Eltern zu fesseln vermöchte, ist es in der Regel auch nicht. Bei dem Versuch, alle gleichermaßen zu bedienen, gelingt nur etwas, wonach dann alle bedient sind. Auch die Eltern wären vermutlich zufriedener, hätten sie das Gefühl, ihre Kinder hätten ein herzerfüllendes, im besten Wortsinne “märchenhaftes” Weihnachtsspiel erlebt: ohne Gags, ohne Distanz. Und wer weiß – vielleicht suchen die Eltern mitunter sogar selber danach!“

Amei Mende schrieb:

„Erstmals seit vielen Jahren besuchte ich am Hl. Abend 2011 die Krippenandacht in unserer Pfarrkirche. Unsere Enkelkinder, die zu unserer großen Freude aus Potsdam zu Besuch kamen, um das Weihnachtsfest bei den Großeltern zusammen mit der Uroma und allen Onkel und Tanten zu feiern, wollten erleben, wie Eltern mit ihren Kindern im Gottesdienst sich auf das Geburtsfest unseres Heilands einstimmen. Am ersten Adventssonntag hatte unser 4-jähriger Enkel in seiner Gemeinde in einem großen Engelchor ein Verkündigungsspiel mitgestaltet. Die Vorfreude war also groß auf die Krippe im Stall bei Ochs und Esel, Maria und Joseph in stiller Freude über das Geschenk der Liebe Gottes zu den Menschen das kleine Jesuskind anbetend, die Hirten in ihrem einfachen natürlichen Habitus mit ihrem Attribut – die Flöte -, dass einem sogleich die Pastorale aus dem Concerto grosso g-Moll,op.6 Nr.8 von Arcangelo Corelli im Ohr klingt. Und über allem, was da unten auf der Erde geschieht, leuchtet der Stern von Bethlehem und “es kam ein Engel hell und klar von Gott aufs Feld zur Hirtenschar, der war gar sehr von Herzen froh…” In würdevollem Gestus steht ihm die Freude darüber, dass die Botschaft bei den Hirten ankam, ins Gesicht geschrieben.

Martin Luther fasst die in der Tat bewegende Begegnung zwischen dem Verkündigungsengel und den Hirten in folgende Verse: “Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mär, der guten Mär bring ich so viel, davon ich singn und sagen will: Euch ist ein Kindlein heut geborn von einer Jungfrau auserkorn, ein Kindelein so zart und fein, das soll eur Freud und Wonne sein.” Gl 138 (In der gegenwärtigen Lutherdekade dürfen wir uns im Jahr 2012 dem Thema “Reformation und Musik” widmen.) An dieser Stelle muss ich auch bestätigen, was unsere Gemeindemitglieder immer wieder feststellen, dass die Krippenfiguren in unserer Pfarrei zu den schönsten gehören.

Aber es wollte an diesem Nachmittag so gar keine weihnachtliche Stimmung bei dem Krippenspiel, das keines war, aufkommen:

Schreiende Engel, die nur mit sich selbst beschäftigt waren, der Kirchenraum in voller Beleuchtung, nur Orgelklang in vollem plenum, keine Flöten und Geigen und keine Kinderstimmen für die Spielszenen und Gesang. Die Zwischentexte hätte auch ein Kind oder Jugendlicher vortragen können. Zu dem Inhalt des Rollenspiels will ich mich nicht noch einmal äußern. Ich kann in allem dem zustimmen, was Gereon Lamers schon über den theologischen Gehalt (plusminus=0) geschrieben hat.

Für unsere Kinder (die sich noch sehr gut an eigene Krippenspielaufführungen erinnern können) und für unsere Enkel hatte sich totale Ernüchterung breit gemacht. Es lohnte sich nicht, freudige Gedanken und Empfindungen über das Erlebte auszutauschen. Allein die Information, dass bereits die Könige an der Krippe mit ihren Gaben bereitstanden, hat mich doch sehr irritiert.

Es bestätigt sich wieder einmal der Volksmund: Vorfreude ist die schönste Freude. Die richtige Weihnachtsfreude erlebten wir dann zu Hause unter dem Weihnachtsbaum mit natürlichen Kerzen und mit viel Gesang begleitet von Flöten und Geigen.

Was mir besondere Kopfschmerzen bereitet ist, dass die Kinderpastoral in unserer Gemeinde nicht sichtbar ist. Das, was wirklich gut gemacht wird, wird zugedeckelt. Im Jahresrückblick 2011 in der Jahresschlussmesse erschien kein Bild und wurde kein Wort verloren über die zauberhafte Aufführung des “Rut-Musicals” mit der überzeugenden Verkündigung einer klaren Botschaft.

In dieser Art wünsche ich mir ein Krippen-Spiel zu Weihnachten 2012!“

 

Na, auf die Art und Weise kommt doch sogar mal der bedeutende frühneuzeitliche deutsche Schrifsteller Martin Luther hier zu Wort; ist ja sonst eher selten der Fall. Ich sage ja immer, PuLa braucht einen protestantischen Schwester-Blog… 😉

Spekulatius? Spekulatius! Sketchlet zu Neujahr 2012

Während sich im Advent unsere Aufmerksamkeit stark auf die Schafweide vor den Toren von Wundersdorf konzentrierte, drohte glatt aus dem Blick zu geraten, daß auch die Menschen im Städtchen selbst nicht untätig waren:

 

Die Spekulatiusplätzchen

Ein Sketchlet zu Neujahr 2012 für vier Personen

(Wundersdorf, Haus der Familie Langenfeld. Küche. Edith, Emily und Teresa versuchen sich zum ersten Mal an echten Spekulatiuskeksen. Teresa ist gerade dabei, dem vorbereiteten Teig aus Butter und Gewürzen das Mehl hinzuzufügen.)

Edith (alarmiert): Nicht von so weit oben!

Emily: Darf ich jetzt den Speck schneiden?

Teresa: Das wollte ich machen!

Emily: Du hast doch schon das Mehl dazugetan!

Teresa: Na und? Dafür hast Du die Butter geschmolzen.

Emily: Du bist sowieso noch zu klein für das scharfe Messer!

Teresa: Das ist gemein! Immer willst du alles machen!

Emily: Wo ist überhaupt der Speck? Hol ihn doch erst mal aus dem Kühlschrank!

Teresa: Ich weiß ja gar nicht wo der ist!

Emily: Siehst du! Du kannst es gar nicht!

Teresa: Du bist so gemein! (Sie bereitet sich gerade aufs Losheulen vor, als Edith dazwischengeht.)

Edith (versucht die beiden zu übertönen): Hört auf euch zu streiten! Und wieso eigentlich Speck? Da kommt doch gar kein Speck rein!

(Emily und Teresa blicken ihre Mutter entgeistert an. Einen Moment lang ist es mucksmäuschenstill im Raum. Emily hat sich als erste wieder gefangen.)

Emily: Und warum, bitte schön, heißt das ganze dann SPECKulatius?

Edith (legt ihr Gesicht in ihre bemehlten Hände): JETZT versteh ich, was ihr meint! (Sie lacht.) Ihr seid süß! Und klug!

Emily: Warum lachst du dann?

Edith (hat jetzt bemehlte Wangenknochen): Weil es trotzdem nicht stimmt! Spekulatius kommt nicht von Speck und schreibt sich auch nur mit „k“, nicht mit „ck“ …

Emily (zu Teresa): „Speck“ schreibt man nämlich mit „ck“!

Teresa (gereizt): Weiß ich!

Edith: … sondern Spekulatius kommt von „speculator“, das ist lateinisch und heißt in etwa „der Späher“.

Emily: Hä?

Edith: Auf den Modeln hier (sie nimmt eine der Formen von der Arbeitsfläche und zeigt sie den Kindern) war ursprünglich der Bischof abgebildet, wie er zur Visitation – also zum Besuch – auf seinem Pferd in die Gemeinden reitet.

Teresa: Warum?

Edith: Naja, das Wort „Bischof“ hat auch mit Schauen und Spähen zu tun: Bischof kommt von Epi-scopus, und „scopein“ heißt auf griechisch „Schauen“.

Emily: „Scopein“ heißt „Schauen“?

Edith: Ja! Wie in „Tele-scop“, womit man weit schaut.

Emily (begeistert): … oder „Micro-scop“ …

Teresa: … oder „Horror-scop“! (Teresa ist fasziniert. Edith muß lachen.)

Emily: Also, „scopein“ heißt „schauen“. Und „epi“? Das heißt dann wohl „weg“?

Edith: Neinneinnein, das heißt in dem Fall natürlich „drauf“; der Epi-scopus ist eigentlich der Aufseher, der herumreitet in seinem Bistum und nach dem Rechten sieht.

Emily (überlegt einen Augenblick): Und warum kommt unser Bischof dann nicht mal nach Wundersdorf?

Teresa (besorgt): Vielleicht kann er nicht reiten?

Emily: Das wird es sein!

Teresa: Was machen wir denn da?

Emily: Er könnte doch auch fahren!

Teresa: Genau! Papa fährt doch auch jeden Tag in die Hauptstadt!

Emily: Da wohnt doch der Bischof auch, oder, Mama?

Edith (ein wenig ratlos): Jaja, ihr habt völlig Recht …

Teresa: Na also! Dann kann unser Bischof das doch auch!

Emily: Am besten, wir schicken ihm ein paar von unseren Spekulatius-Plätzchen!

Teresa: Jaaaa! Das machen wir! Wo ist der Speck?

Edith und Emily (betont): Es kommt kein Speck rein!!!

Teresa: Ach, stimmt ja! (Sie setzt ihr charmantestes Garfield-Grinsen auf.)

Edith: Neinnein, wir sind fertig mit den Zutaten.

Emily: Dann los! Ich will kneten!

Teresa: Das wollte ich doch!

Edith: Geht das schon wieder los?

Emily (begütigend zu Teresa): Ich halte die Schüssel und du knetest. (Edith atmet erleichtert auf und wirft Emily einen dankbaren Blick zu. Teresa fährt mit den Händen in den fettigen Teig und hat gerade die ersten Klumpen erzeugt, als Richard den Kopf zur Tür hereinsteckt.)

Richard: Hallo Kinder! Habt ihr schon gesehen? Es schneit!

Emily und Teresa: Es schneit!!!! (Beide rennen zum Fenster, wobei Teresa jede Menge Teig auf dem Fußboden verteilt.)

Edith (macht ihr „manchmal fühle ich mich so müde“-Gesicht): Hättest du mit dieser Nachricht nicht noch fünf Minuten warten können? Wir hatten es fast geschafft!

Richard: Entschuldigung! (Er kostet die ersten fertigen Teigklumpen.) Hm! Wird aber lecker!

Emily (vom Fenster aus): Die sind ja auch für unseren Bischof!

Richard: Für den Bischof? Und ich?! (Nimmt mit gespielter Angst die Schüssel in die Arme und dreht sie ein wenig weg.)

Teresa: Ja! Damit er daran denkt, daß er auch ein Aufseher ist!

Richard: Ah, so ist das! Man bekommt Plätzchen geschenkt, zur Ermunterung für seine Arbeit? Das muß ich mir merken! (Er legt Edith den Arm um die Schulter und gibt ihr einen Kuß.)

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß bei uns in Weimar schon am 7. Januar der Weihbischof vorbei-schaut. Ob er auch drauf-schaut? Da kann PuLa nur spekulieren… 😉

 

 

Vom Krippenspiel, das keines war

Für den Nachmittag des Heiligen Abends waren auch in Herz-Jesu-Weimar ein „Krippenspiel“ und „Weihnachtssingen“ angekündigt, wie jedes Jahr.

Nun, das Weihnachtssingen hat stattgefunden, aber ein Krippenspiel im eigentlichen Sinne des Wortes haben wir nicht gesehen.

Schon die Ankündigung in lokalen Printmedien (leider nicht im Netz) ließ, naja, aufhorchen: „Ein Engel der Verkündigung ist der Erzengel Gabriel, doch was passiert, wenn der sich ziert?“ war da zu lesen, unter einem Bild von sechs Gemeindemitgliedern in weißen Gewändern und ausgestattet mit überaus dekorativen, riesigen Flügeln! (angeblich vom Theater entliehen)

Einen schwachen Eindruck gibt dieses eigene Bild:

Verkündigungsspiel 2011 auf der Orgelempore

Die Atmosphäre in der Kirche war, wie sie zu solchen Gelegenheiten immer ist: Proppenvoll, wuselig und voller Menschen, die man sonst nie, oder nur sehr, sehr selten sieht. Damit will ich mich aber gar nicht aufhalten, besser selten als nie!, nein, das Faktum ist aber für den Fortgang der Argumentation wichtig.

Dann begann die Darbietung und gleich vorweg sei gesagt, hier wurde engagiert und offenkundig auf Basis solider Probenarbeit gespielt.

Nur hatte man leider schon mit dem ersten Satz das Vergnügen am Inhalt des Spiels, mittlerweile korrekt als „Verkündigungsspiel“ apostrophiert, verloren. Da protestierte doch tatsächlich die Gabriel-Figur gegen den „sinnlosen und peinlichen“ Verkündigungsauftrag und führte aus, er habe ja schon bei Zacharias, der ihm leid getan habe, so eine dumme Figur gemacht.

Und diesen Tonfall behielt das Stück dann bei, ob im Altarraum, auf der Empore oder, als die Gabriel-Figur dann, wenig motiviert, „die Kurve gekriegt“ hatte mit Blick auf die Krippe.

Als man zwischendurch fast den Eindruck bekommen mußte, der Stückeschreiber hätte PuLas Sketchlets im Advent gelesen (vor allem dieses hier), weil die Hirten gar so betont ihre Schafe zurück gelassen haben sollten, verließ mindestens eine Familie offenkundig enttäuscht die Kirche.

Dazu hatten vermutlich auch die Zwischentexte beigetragen, die der Geistliche, um die Geschichte überhaupt erkennbar zur „Weihnachtsgeschichte“ zu machen, in, sagen wir mal, loser Anlehnung an das Lukasevangelium vorgetragen hatte.

Da kam „Gott sozusagen selber auf die Erde“, da trat der Engel zu einer „jungen Frau“, die er „freundlich anblickte“ und die schließlich „Ich bin bereit!“ antwortete (Lara Croft hätte es nicht schöner sagen können…). Kein Wunder, daß die Hirten dann auch keine himmlischen Heerscharen, sondern plötzlich „viel, viel mehr Engel“ zu sehen bekamen.

Wenn nicht zwischendurch die dritte Strophe von „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ (GL 132) gesungen worden wäre, von „wahr‘ Mensch und wahrer Gott“ wäre wohl überhaupt keine Rede gewesen.

Muß man da theologisch noch was sagen? Im griechischen Original steht da nun mal „dummerweise“ „parthenos“, die Jungfrau und die entsprechenden hebräischen Ausdrücke sind mehrdeutig, wenn ich das richtig verstanden habe, so daß man getrost auch Jungfrau sagen sollte, denn, da war doch was, da war doch was? Ach ja: Ein Dogma, genau!

Und dann der Engel. Der arme Engel! Engel sind bekanntlich die früheren von Gott mit Intelligenz und freiem Willen erschaffenen Wesen. Sie konnten daher rebellieren und ihr „Aufstand“ hatte die bis heute wirkenden schrecklichen Folgen. Die Engel jedoch, die sich „damals“ richtig entschieden haben, das sind die, von denen Romano Guardini schreibt und dabei Augustinus aus den Confessiones (Bekenntnissen) zitiert: „Der Engel, von dem die Schrift redet, ist jener, der sich in Glaube Liebe und Gehorsam, dem zugewandt hat, von dem alles Leben stammt und durch dessen Erleuchtung zu schönem Leben, zum Himmel der Himmel geworden ist.“  (R. Guardini, Der Engel in Dantes göttlicher Komödie, München 1951, S. 37, Hervorhebung von mir). Von der Darstellung dieser „Diener der heiligen Herrschaft“ (ebd., S. 35) sagt Guardini weiter: „Ihre Gestalt zerfällt, sobald das Private, Gefühlsmäßige hineinkommt […]“. In der Tat, die Vorstellung des Engelfürsten Gabriel als Zweifelnder, bzw. Aufsässiger ist nicht nur theologisch absurd, sie ist auch ästhetisch peinlich!

Wie kommt so etwas zustande? Ich kann nur allgemeine Vermutungen äußern, denn die Vorbereitung solcher und ähnlicher (Martins-, Nikolaus- etc.) Spiele gestaltet sich in Weimar als Geheime Kommandosache…

Wahrscheinlich (hoffentlich!) aber hat irgendeine (bischöfliche?) Kommission auch diesen Text einmal abgesegnet. Das macht aber die Sache nicht besser. Wir treffen hier auf das alte Leiden, das immer auftaucht, wenn die Kirche versucht, sich anzupassen, vermeintlich anzupassen an all diejenigen, die da ausnahmsweise mal gekommen sind, und die man „abholen muß, wo sie stehen“, zu denen man „in ihrer Sprache sprechen muß“, oder was dergleichen wohlfeile Vokabeln mehr sind. Und denen man etwas Neues, „Originelles“ bieten möchte.

Und das ist eben alles gut gemeint, aber falsch. Es erzeugt das, was ein kluges Gemeindemitglied im Anschluß „die totale Entzauberung“ nannte, den Verlust der eigentlichen, der übernatürlichen Dimension.

Könnte es nicht vielmehr sein, daß die vielen Menschen, die da kommen, gerade etwas „anderes“ suchen? Etwas Außeralltägliches nämlich. Und dafür wären wir doch die Spezialisten. Nach meiner Erfahrung haben die Leute ein feines Gespür dafür, wenn ihnen nach dem Mund geredet wird, ob das in der Politik oder eben auf geistlichem Gebiet ist. Ihre Reaktion ist in beiden Fällen die gleiche: Sie nehmen übel. Und sie nehmen nicht (mehr) ernst; und beides zu recht.

Warum scheint es mittlerweile Mut zu brauchen, um den alten Texten zu vertrauen? Ihrem heiligen (!) Gehalt und auch ihrem Wohlklang? Wäre es nicht viel verdienstvoller gewesen, diese vielen Menschen mit einem „Anstoß“ nach Hause zu schicken? Einem Denk- und Gefühls-Anstoß. „Betrügen“ wir sie nicht eigentlich ein bißchen, wenn wir ihnen die inhaltliche Fülle des Katholischen vorenthalten?

Oder ganz kurz und frei nach R. Spaemann: „Wahrheit ist nicht originell, Irrtum ist originell.“

Abschließend sei noch einmal betont: Es macht keinen Spaß, so zu schreiben, wenn man, mehr oder weniger, alle Mitwirkenden kennt, die sich, um auch das zu wiederholen, viel Mühe gemacht haben. Aber es ist hoffe ich zwischen den Zeilen deutlich geworden, daß die inhärenten Probleme dieser Aufführung nicht mit den Mitwirkenden, sondern mit den Verantwortlichen heimgehen, oder?

Übrigens gäbe es ja schon eine Möglichkeit, einmal einen „neuen Ton“ erklingen zu lassen und sich dennoch nicht vom korrekten Gehalt zu entfernen. Kennen Sie das „Münchener Neue Testament“? Da wird versucht, sprachlich möglichst nah am griechischen Original zu bleiben. Immer wieder sehr erhellend und gelegentlich unfreiwillig erheiternd. Kostprobe gefällig? Nehmen wir den Abschnitt aus dem Lukasevangelium (Lk 1, 21-23) als Zacharias, seiner Sprache beraubt, aus dem Tempel kommt und vor das Volk tritt (und achten Sie bei der Gelegenheit darauf, wie aufmerksam und verständig das Volk reagiert; soviel zum Thema: „Peinlicher Auftrag“ und „tat mir leid“…):

„Und war das Volk erwartend den Zacharias, und sie staunten über sein Sich-Zeit-Lassen im Tempel; Herauskommend aber nicht konnte er reden zu ihnen, und sie erkannten, daß er eine Erscheinung gesehen hatte im Tempel; und er war ihnen zuwinkend und verblieb stumm; Und es geschah, als sich erfüllten die Tage seines Dienstes, wegging er in sein Haus.“

DAS fände ich mutig, denn, wie würden echte „Star Wars“ Fans sagen: „Grammatik bei Yoda gelernt Du hast!“ 😉

Von Rentieren und Menschen

Nach 24 Tagen ChAK, die ja, bei allem echten Vergnügen, doch eher ernst gestimmt waren, einem Advent auf PuLa, völlig ohne Weihnachtsmann (nicht mal in der Variante der Weihnachtsmannfreien Zone…) und nach all den zauberhaften Weihnachtsscheußlichkeiten bei Alipius (z.B. hier), sticht mich jetzt einfach der Hafer:

Merry X-Mas everyone!

Wir sind alle nur einfache Rentiere im Geschirr des HErrn… 😉

PS: Es handelt sich um Blätter eines Riesenmagnolienbaums in den Wörlitzer Anlagen; wenn jemand den botanischen Namen kennt, würde ich mich über einen Hinweis freuen.

PPS: Irgendwie hatte ich es ja geahnt: Es IST etwas besonderes passiert in Weimar, aber kein Kommentar während der Festtage, nein, nein!

Der Chesterton Adventskalender – Tag 24

So, und mit dem Heiligen Abend kommt der ChAK, wie jeder Adventskalender, dem es mehr um kindliches Vergnügen, als um liturgische Korrektheit ging, zum Ende. Mir hat er genau das bereitet und etliche Rückmeldungen, für die ich an dieser Stelle noch einmal herzlich danke, deuten darauf hin, daß er noch mehr Menschen Freude gemacht hat, was mich sehr zufrieden stimmt.

Ich bitte noch einmal um Nachsicht, wenn eine Übersetzung schief, oder zumindest nicht elegant genug war! Schauen Sie nur das Ende des heutigen Abschnitts an: Das ist Poesie! Und ich bin kein Poet…

The truth is that there is a quite peculiar and individual character about the hold of this story on human nature; it is not in its psychological substance at all like a mere legend or the life of a great man. It does not exactly in the ordinary sense turn our minds to greatness; to those extensions and exaggerations of humanity which are turned into gods and heroes […]. It does not exactly work outwards, adventurously, to the wonders to be found at the ends of the earth. It is rather something that surprises us from behind, from the hidden and personal part of our being; like that which can sometimes take us off our guard in the pathos of small objects or the blind pieties of the poor. It is rather as if a man had found an inner room in the very heart of his own house, which he had never suspected; and seen a light from within. It is as if he found something at the back of his own heart that betrayed him into good. It is not made of what the world would call strong materials; or rather it is made of materials whose strength is in that winged levity with which they brush us and pass. It is all that is in us but a brief tenderness that is there made eternal; all that means no more than a momentary softening that is in some strange fashion become a strengthening and a repose; it is the broken speech and the lost word that are made positive and suspended unbroken; as the strange kings fade into a far country and the mountains resound no more with the feet of the shepherds; and only the night and the cavern lie in fold upon fold over something more human than humanity.

[Die Wahrheit ist, daß der Einfluß, den diese Geschichte auf die menschliche Natur hat, einen ganz besonderen und individuellen Charakter aufweist; in ihrer psychologischen Substanz hat sie nämlich nichts von einer bloßen Legende oder der Biographie eines großen Mannes. Sie lenkt unsere Aufmerksamkeit gerade nicht im gewöhnlichen Sinn auf Großes; auf jene Ausweitungen und Übertreibungen der Menschheit, aus denen schließlich Götter und Helden gemacht wurden. […] Sie weist gerade nicht abenteuerlustig hinaus auf die Wunder, die an den Enden der Erde zu finden sind.

Vielmehr überrascht uns ihr Einfluß hinterrücks, aus dem versteckten und persönlichen Teil unseres Wesens, ähnlich dem, was uns manchmal unerwartet berühren kann im Pathos der kleinen Dinge oder den blinden Frömmigkeitsübungen der Armen, wenn wir nicht auf der Hut sind. Es ist eher so, als ob ein Mensch mitten in seinem eigenen Haus eine innere Kammer gefunden hätte, von der er nichts geahnt hatte, und aus der ein Licht scheint. Es ist, als habe er auf der Rückseite seines eigenen Herzens etwas entdeckt, das ihn betrogen hat; betrogen zum Guten.

Die Geschichte ist nicht aus dem, was die Welt ein starkes Material nennen würde, vielmehr ist sie aus dem Stoff, dessen Stärke in jener geflügelten Leichtigkeit liegt, mit der sie uns berühren und dann weiterziehen.

Es ist all das, was in uns nicht mehr ist, als ein kurzer Moment der Zärtlichkeit, dort aber verewigt wird, alles, was nicht mehr bedeutet als einen bloßen Augenblick des Sanftwerdens, der auf seltsame Art und Weise zu einer Stärkung und zur Möglichkeit des Ruhens wird, es ist die abgebrochene Rede und das verlorene Wort, die gültig gemacht werden und ungebrochen aufgehoben, als die merkwürdigen Könige bei der Rückkehr in ihr fernes Land am Horizont verblassen und die Berge nicht mehr widerhallen von den Füßen der Hirten, und nur noch die Nacht und die Grotte da liegen, wie ein Schoß über einem weiteren Schoß, liegen über etwas, das menschlicher ist als die Menschheit.]

 

PuLa wünscht allen seinen Lesern gesegnete und frohe Festtage und beabsichtigt, eine Weihnachtspause zu halten!

Also, falls (in Weimar) nicht besonderes passiert heißt das… 😉

Naja, für morgen hätte ich da ja noch was. Aber ob ich mich das traue? Mal sehen…

Der Chesterton Adventskalender – Tag 23

And the third point is this; that while it is local enough for poetry and larger than any other philosophy, it is also a challenge and a fight. While it is deliberately broadened to embrace every aspect of truth, it is still stiffly embattled against every mode of error. It gets every kind of man to fight for it, it gets every kind of weapon to fight with, it widens its knowledge of the things that are fought for and against with every art of curiosity or sympathy; but it never forgets that it is fighting. It proclaims peace on earth and never forgets why there was war in heaven.

[Und der dritte Punkt ist dies: Während sie [sc. die Idee des Christentums und des Katholischen] bodenständig genug ist, um poetisch zu sein, und umgreifender als jede andere Philosophie, ist sie zugleich eine Herausforderung und ein Kampf. Bewußt macht sie sich weit, um jeden Aspekt der Wahrheit zu umfangen, bleibt aber immer streng gerüstet gegen jede Art des Irrtums.

Jede Art Mensch bekommt sie dazu, für sie zu kämpfen, sie erhält jede Art von Waffe, um damit zu kämpfen, mit jeder Art von Neugier und Einfühlung erweitert sie ihr Wissen über alles, wofür und wogegen zu kämpfen ist, aber sie vergißt nie, daß sie kämpft .

Sie verkündet den Frieden auf Erden und vergißt dabei nie, warum es Krieg in den Himmeln gab.]