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Der Chesterton Adventskalender – Tag 22

We have already noted that this paradox appeared also in the treatment of the early Church. It was important while it was still insignificant, and certainly while it was still impotent. It was important solely because it was intolerable; and in that sense it is true to say that it was intolerable because it was intolerant. It was resented, because, in its own still and almost secret way, it had declared war. It had risen out of the ground to wreck the heaven and earth of heathenism. It did not try to destroy all that creation of gold and marble; but it contemplated a world without it.

[Wir haben schon beobachtet, wie dieses Paradox auch in der Behandlung der frühen Kirche gegenwärtig war. Sie war schon wichtig, solange sie noch unbedeutend und ganz sicher solange sie noch ohnmächtig war. Sie war wichtig, bloß weil sie unerträglich war, und in diesem Sinne ist es richtig zu sagen, daß man sie nicht tolerieren konnte, weil sie intolerant war. Man nahm Anstoß an ihr, weil sie in ihrer eigenen stillen und fast geheimen Weise den Krieg erklärt hatte. Sie war aus der Erde aufgestiegen, um Himmel und Erde des Heidentums zu ruinieren. Nicht daß sie versucht hätte, jene ganze Schöpfung aus Gold und Marmor zu zerstören, aber sie faßte eine Welt ins Auge, die ohne dies auskam.]

 

Der Chesterton Adventskalender – Tag 21

It is already apparent that though men are said to have looked for hell under the earth, in this case it is rather heaven that is under the earth. And there follows in this strange story the idea of an upheaval of heaven. That is the paradox of the whole position; that henceforth the highest thing can only work from below. Royalty can only return to its own by a sort of rebellion. Indeed the Church from its beginnings, and perhaps especially in its beginnings, was not so much a principality as a revolution against the prince of the world. This sense that the world had been conquered by the great usurper, and was in his possession, has been much deplored or derided by those optimists who identify enlightenment with ease. But it was responsible for all that thrill of defiance and a beautiful danger that made the good news seem to be really both good and new. […] In both cases we may remark the same paradox of revolution; the sense of something despised and of something feared. The cave in one aspect is only a hole or comer into which the outcasts are swept like rubbish; yet in the other aspect it is a hiding-place of something valuable which the tyrants are seeking like treasure. In one sense they are there because the inn-keeper would not even remember them, and in another because the king can never forget them.

[Es ist hinreichend offenkundig, daß, obwohl es heißt, die Menschen hätten unter der Erde nach der Hölle Ausschau gehalten, sich in diesem Fall eher der Himmel unter der Erde befindet. Und daraus folgt in dieser eigentümlichen Geschichte die Vorstellung von einem Umsturz des Himmels. Denn das ist das Paradox an der ganzen Situation, daß hinfort das Allerhöchste, nur noch von unten wirken kann. Die Königsherrschaft kann nur in ihr Eigentum zurückkehren durch eine Art von Rebellion. Und tatsächlich war die Kirche von ihrem Anfang an, und vielleicht sogar vor allem in ihren Anfängen, weniger eine Herrschaft als vielmehr eine Revolution gegen den Herrscher der Welt. Das Gefühl, daß die Welt durch den großen Usurpator erobert worden sei und sich in seinen Klauen befände, haben jene Optimisten, die Aufklärung mit Bequemlichkeit verwechseln, immer sehr bedauert und verspottet. Aber genau dieses Gefühl war verantwortlich für all den Nervenkitzel trotziger Gegenwehr und die schrecklich schöne Gefahr, die die guten Neuigkeiten wirklich gut und wirklich neu erscheinen ließen. […] Wir können das nämliche Paradox der Revolution in beiden Fällen beobachten: Das Gefühl von etwas verachtetem, das zugleich gefürchtet wird. In einer Hinsicht ist die Grotte nur  eine Ecke oder ein Loch , in das die Ausgestoßenen hineingefegt werden wie Kehricht, doch in anderer Hinsicht ist es das Versteck von etwas Wertvollem, das die Tyrannen suchen wie einen Schatz. Auf eine Weise waren sie dort, weil sich der Herbergswirt nicht mal mehr an sie erinnern konnte, und andererseits, weil der König sie niemals hätte vergessen können.]

Der Chesterton Adventskalender – Tag 20

We might well be content to say that mythology had come with the shepherds and philosophy with the philosophers; and that it only remained for them to combine in the recognisation of religion. But there was a third element that must not be ignored and one which that religion forever refuses to ignore, in any revel or reconciliation. There was present in the primary scenes of the drama that Enemy that had rotted the legends with lust and frozen theories into atheism […] Unless we understand the presence of that enemy, we shall not only miss the point of Christianity, but even miss the point of Christmas. Christmas for us in Christendom has become one thing, and in one sense even a simple thing. But like all the truths of that tradition, it is in another sense a very complex thing. Its unique note is the simultaneous striking of many notes; of humility, of gaiety, of gratitude, of mystical fear, but also of vigilance and of drama. It is not only an occasion for the peacemakers any more than for the merry-makers; it is not only a Hindu peace conference any more than it is only a Scandinavian winter feast. There is something defiant in it also; something that makes the abrupt bells at midnight sound like the great guns of a battle that has just been won.

[Wir könnten uns wohl damit zufrieden geben zu sagen, daß die Mythologie mit den Hirten kam [sc. zur Krippe] und die Philosophie mit den Weisen, und daß es ihnen nur noch oblegen hätte, sich in der Anerkenntnis der Religion zu vereinen. Aber da gab es noch ein drittes Element, das nicht übersehen werden darf, eines, das zu ignorieren sich diese Religion fortgesetzt weigert, selbst wenn sie Feste feiert, oder Versöhnung. Schon während der ersten Szenen des gerade begonnenen Dramas, war auch jener Feind anwesend, der Legenden mit Fleischeslust verdorben und der Gedankengebäude zu Atheismus gefroren hatte […]. Wenn wir diese Gegenwart des Feindes nicht verstehen, verpassen wir nicht nur die Bedeutung des Christentums, sondern auch die Pointe an Weihnachten. Weihnachten ist für uns im Christentum zu einer einheitlichen Sache geworden, und in gewissem Sinne sogar zu einer einfachen Sache. Aber wie alle Wahrheiten aus jener Tradition ist es in einem anderen Sinne eine sehr komplexe Sache. Seine einzigartige Note ist das gleichzeitige Anspielen ganz vieler Noten, solcher der Demut, der Freude, der Dankbarkeit, der geheimnisvollen Furcht, aber auch der Wachsamkeit und der Dramatik. Weihnachten ist nicht bloß eine Gelegenheit für die Friedensstifter, nicht mehr als nur eine für die Spaßmacher, es ist nicht nur eine hinduistische Friedenskonferenz oder bloß ein skandinavisches Winterfest. Es hat vielmehr etwas Trutziges an sich, etwas, das das plötzliche Läuten der Glocken um Mitternacht klingen läßt wie die schweren Geschütze einer gerade gewonnenen Schlacht.]

 

Der Chesterton Adventskalender – Tag 19

Philosophy also, like mythology, had very much the air of a search. It is the realization of this truth that gives its traditional majesty and mystery to the figures of the Three Kings; the discovery that religion is broader than philosophy and that this is the broadest of religions, contained within this narrow space. […] For it is the paradox of that group in the cave, that while our emotions about it are of childish simplicity, our thoughts about it can branch with a never-ending complexity. And we can never reach the end even of our own ideas about the child who was a father and the mother who was a child.

[Auch die Philosophie, wie die Mythologie, hatte sehr viel von einer Suche an sich. Es ist die Erkenntnis dieser Wahrheit, die den Figuren der Heiligen Drei Könige ihre traditionelle Majestät und ihr Geheimnis verleiht, die Entdeckung, daß Religion umfassender ist als Philosophie, und daß dies die umfassendste aller Religionen ist, eingehaust in diesen engen Raum. […] Denn es ist das Paradox dieser Gruppe in der Grotte, daß zwar unsere Gefühle darüber von kindlicher Einfachheit sind, unsere Gedanken darüber sich jedoch in endloser Komplexität verzweigen können. Nicht einmal das Ende unserer eigenen Ideen können wir erreichen, über das Kind, das ein Vater war und die Mutter ein Kind.]

Sketchlet zum Advent No. 4 – Die Paraderolle

In Wundersdorf, seiner Zeit immer ein bißchen voraus, ist das Krippenspiel schon einmal über die Bühne gegangen. Die Hirten wenden sich anderen Dingen zu. Und die Schafe?

Die Schafe machen Zukunftspläne…

 

Die Paraderolle

Ein Sketchlet zum Vierten Adventssonntag 2011 für vier Schafe und beliebig viele Schafstatisten

 

(Die uns nun schon bekannte Weide vor den Toren des kleinen Städtchens Wundersdorf. Wolle, Flocke und Kohle grasen gemütlich zusammen mit den andern Schafen. Irgendwann blickt Wolle auf und gewahrt Krutzi, die schnaufend einen Hirtenstab im Maul hinter sich her zieht.)

 

Wolle (stupst Flocke und Kohle mit der Schnauze an): Seht mal, Krutzi kommt aus der Stadt zurück.

Alle drei: Krutzi!

Flocke: Hallo, Krutzilein – na? Wie war das Krippenspiel?

Kohle: Haben dich auch alle schön beachtet?

Wolle: Viel Text hattest du ja trotz allem nicht.

Flocke: Durften die Kinder dich streicheln?

Kohle: Oder hatten sie Angst vor dir wegen deinem geschorenen Fell?

Krutzi (immer noch den Hirtenstab im Maul): Ngacht ngich ing Huhe!

Wolle: Was sagst du?

Flocke: Was schleppst du da eigentlich im Maul mit dir herum?

Kohle: Man versteht ja kein Wort.

Wolle: Leg doch mal den Stab weg und sprich mit uns!

Krutzi (läßt den Hirtenstab fallen): Laßt mich in Ruhe!

Wolle: Aber Krutzi!

Flocke: Wer wird denn so kaltschnäuzig sein!

Kohle: Wir haben so viel an dich gedacht!

Wolle: Und für dich gebetet!

Flocke (neugierig): Jetzt sag, was ist das für ein Stab?

Krutzi (wirft stolz den Kopf zurück): Der ist von unserem Hirten!

Wolle: Von unserem Hirten?

Flocke: Den gibt er einem Schaf?

Kohle: Was soll DAS denn?

Krutzi: Oberschaf, wenn ich bitten darf.

Wolle: Blödsinn!

Flocke: Es gibt keine Oberschafe …

Kohle: … nur Oberhirten …

Wolle: … irgendwo …

Flocke: … weit weg …

Kohle: … in der Hauptstadt.

Wolle: Wieso wollte unser Hirte den Stab denn nicht mehr haben?

Krutzi: Er mußte in eine Clubsitzung, und da wollte er ihn nicht mitnehmen.

Flocke: Er ist in einem Club?

Kohle: In was für einem Club denn?

Krutzi: Einem ganz wichtigen Club wo aus jedem Beruf einer drin ist. Da trifft er ganz wichtige Menschen!

Wolle: Wichtige Menschen?

Flocke: Aber er ist doch unser Hirte …

Kohle: … wir müßten ihm doch das wichtigste sein!

Krutzi: Deshalb hat er mir ja den Stab gegeben!

Wolle: Mäh?

Krutzi (mit gespielter Geduld): Damit die andern nicht sehen, daß er ein Hirte ist!

Flocke: Versteh ich nicht …

Kohle: … hast du nicht grade gesagt, er ist genau deshalb in dem Club mit den vielen Berufen?

Krutzi (ärgerlich): Das versteht ihr nicht!

Flocke: Sag ich doch.

Wolle (schaut Krutzi plötzlich sinnend an, bedächtig): Du-u, Krutzi …

Krutzi: Was denn noch?!

Wolle (mit wachsender Begeisterung): Krutzi, ich habe einen neuen Job für dich! Nimm den Stab doch bitte mal in den rechten Lauf – so, genau – ja! Phantastisch!

Flocke (jauchzend): Jetzt seh’ ich’s auch!

Kohle (erkennend): Einfach wunderbar!

Flocke: Man müßte nur noch eine Fahne am Stab anbringen …

Kohle (legt den Kopf etwas schief): … ein rotes Kreuz auf weißem Grund …

Wolle (mit Entschlossenheit): Krutzi! Christkind war gestern! Ab jetzt bereitest du dich auf deine Rolle als Osterlamm vor!

Krutzi (horcht auf): Osterlamm?

Kohle (lacht): Na, dann faste mal vorsichtshalber schön weiter! (Wolle und Flocke müssen auch lachen.)

Wolle: Armes Krutzichen!

Flocke: Am besten, wir beschützen es.

Kohle: Vor der Versuchung?

(Ehe Krutzi davonlaufen kann, haben sich die drei wieder im Kreis um sie herum aufgestellt.)

Krutzi (leicht panisch): Weg mit euch – so kann ich mich ja kaum noch rühren!

Kohle (grinst): Mhm!

Flocke: Das ist ja das Gute!

Wolle: Wie pflege ich zu sagen? Immer locker bleiben!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu, rund um Wundersdorf! Bloß gut, daß bei uns in Weimar die Hirten ihren Club ja einfach in Kirche und Gemeindehaus einladen; ganz exklusiv…

Die Schafe schicken sich jetzt an, eine weihnachtliche Zeit der Einkehr einzulegen (Krutzi wird weiter warm- und somit auch zur Einkehr an-gehalten!) aber wer weiß, ich glaube, im Lauf des neuen Jahres könnten wir wieder von ihnen hören…

 

Der Chesterton Adventskalender – Tag 18 Special Edition „Weltethos“

Auf den Text des heutigen Tages habe ich mich besonders gefreut: Chesterton at his very best:

The Theosophists build a pantheon; but it is only a pantheon for pantheists. They call a Parliament of Religions as a reunion of all the peoples; but it is only a reunion of all the prigs. Yet exactly such a pantheon had been set up two thousand years before by the shores of the Mediterranean; and Christians were invited to set up the image of Jesus side by side with the image of Jupiter, of Mithras, of Osiris, of Atys, or of Ammon. It was the refusal of the Christians that was the turning-point of history. If the Christians had accepted, they and the whole world would have certainly, in a grotesque but exact metaphor, gone to pot. They would all have been boiled down to one lukewarm liquid in that great pot of cosmopolitan corruption in which all the other myths and mysteries were already melting. It was an awful and an appalling escape. Nobody understands the nature of the Church, or the ringing note of the creed descending from antiquity, who does not realise that the whole world once very nearly died of broadmindedness and the brotherhood of all religions.

[Die Theosophen bauen ein Pantheon, aber es ist nur ein Pantheon für Pantheisten. Sie berufen ein Parlament der Religionen ein, als Versammlung aller Völker, aber es ist nur eine Versammlung aller eingebildeten Pedanten. Doch genau so ein Pantheon war schon vor 2000 Jahren an den Küsten des Mittelmeers errichtet worden, und die Christen wurden dazu eingeladen, das Bild von Jesus aufzurichten, Seite an Seite mit dem Bild Jupiters, des Mithras, des Osiris, des Atys, oder des Ammon. Es war die Weigerung der Christen, die zum Wendepunkt der Geschichte wurde. Hätten die Christen akzeptiert, sie und die ganze Welt mit ihnen wäre, um eine groteske, aber präzise Metapher zu gebrauchen, in den Pott gekommen. Sie wären alle weichgeschmort worden, zu einer einzigen lauwarmen Flüssigkeit in dem großen Topf kosmopolitischer Zersetzung in dem schon all die anderen Mythen und Mysterien vor sich hin schmolzen. Es war ein entsetzliches und erschreckendes Entkommen. Niemand versteht das Wesen der Kirche, oder jenes widerhallende Merkmal des Glaubens, das von der Antike auf uns gekommen ist, der nicht erkennt, daß die ganze Welt einmal beinahe an großzügiger Toleranz und einer Bruderschaft aller Religionen zugrunde gegangen wäre.]

Tja! Und wie wir alle wissen heißt die jüngste Emanation des hier von Chesterton schon vor 86 Jahren analysierten und auf seine antiken Wurzeln zurückgeführten Symptoms der scheintoleranten „Wir haben doch alle irgendwo recht und außerdem haben wir uns alle lieb“-Propaganda „Projekt Weltethos“, gegründet und promotet vom katholischen Renegaten Hans Küng (also, natürlich nur wenn er nicht gerade für den eigenen (Nach-) Ruhm Musikstücke bestellt, die allerdings wohl wenig überzeugend ausgefallen sind…).

Diesen gefährlichen Unsinn hat schon 1996 Robert Spaemann im MERKUR sauber seziert, dieser Text steht aber m.W. nicht im Netz. Schauen Sie aber doch statt dessen mal bei Heinzpeter Hempelmann, einem evangelischen Philosophen und Theologen (Dr. Heinzpeter Hempelmann, Hans Küngs „Projekt Weltethos“ als Beispiel einer westlichen Variante des religiösen Wahrheitspluralismus). Er kennzeichnet das Vorhaben als „in sich widersprüchlich, inkonsistent, intolerant und argumentationslogisch unbefriedigend“(S.19).

Solch gemeinsame Einschätzung, SO stellt sich PuLa Ökumene vor! 😉

Der Chesterton Adventskalender – Tag 17

That truth that is tradition has wisely remembered them almost as unknown quantities, as mysterious as their mysterious and melodious names; Melchior, Caspar, Balthazar. But there came with them all that world of wisdom that had watched the stars in Chaldea and the sun in Persia; and we shall not be wrong if we see in them the same curiosity that moves all the sages. They would stand for the same human ideal if their names had really been Confucius or Pythagoras or Plato. They were those who sought not tales but the truth of things, and since their thirst for truth was itself a thirst for God, they also have had their reward.

[Jene Wahrheit, die Tradition heißt, hat sie weise als beinahe unbekannte Größen im Gedächtnis behalten, ebenso geheimnisvoll wie ihre geheimnisvollen und melodischen Namen; Melchior, Kaspar, Balthasar. Aber mit ihnen kam die ganze Welt der Weisheit, die in Chaldäa die Sterne beobachtete und die Sonne in Persien; und wir werden nicht irregehen, wenn wir in ihnen die gleiche Neugier erkennen, die alle Weisen bewegt. Sie stünden auch für das gleiche menschliche Ideal, wenn ihre Namen tatsächlich Konfuzius oder Pythagoras oder Platon gewesen wären. Es waren diejenigen, die nicht Geschichten, sondern die Wahrheit der Dinge suchten, und da ihr Durst nach Wahrheit in sich selbst ein Durst nach Gott war, haben sie auch ihre Belohnung erhalten.]

„Maria nur für Rentner?“ reloaded

Am 9. Dezember hatte PuLa gefragt, ob der de facto Ausfall des Hochfests Mariä Erwählung selbst in der Diaspora wirklich sein müsse und die Frage, natürlich, verneint.

Die interessanten Kommentare zu diesem Posting zeigen, daß wir es hier leider offenbar mit einem deutschlandweiten Problem zu tun haben, und auch Schwierigkeiten darüber hinaus.

Weil ich finde, das Thema ist zu wichtig, um im Kommentarbereich zu verdämmern, hier noch einmal der Text samt Kommentaren und Antworten sowie einige Ergänzungen und Links:

Ist Maria nur was für Rentner?

Gestern war übrigens ein Hochfest. Ein Marienfest. Mariä Erwählung, bzw. das “Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“.

Nun, das war in unserem Pfarrbrief auch so vermerkt (anders als am 4. Dezember die Hl. Barbara, aber das nur am Rande).

Nur, wer als berufstätiger Gläubiger an diesem Hochfest eine Messe besuchen wollte, der schaute, wieder einmal, in die Röhre. Denn der konnte weder um 8.00 Uhr ins Elisabethheim, noch u.U. um 19.00 Uhr nach Bad Berka, schon gar nicht gemeinsam mit seinem Ehepartner/seiner Familie, denn irgend jemand sollte um die Zeit ja mal die Kinder ins Bett sorgen, oder?

Daß es um 14.00 Uhr einen Seniorengottesdienst gab ist zwar sehr schön, nützt aber vielen (berufstätigen) Gläubigen nichts.

Was soll das? Warum ist ein Hoch-Fest nicht etwas mehr an Mühe wert? Wann, wenn nicht im Advent sollte uns das Geheimnis der jungfräulichen Geburt besonders neugierig machen? Ist die Erwählung Mariens, dieses schier zum Verrücktwerden schöne und vornehmste Beispiel dafür, was Gott mit einem Menschen vorhaben kann, in Weimar irgendwie nicht so spannend? Ist dieser erste Schritt Gottes auf das Kind Maria hin, unverdient und unverdienbar und deswegen übrigens eigentlich auch sehr „ökumenisch“, vielleicht ein bißchen peinlich geworden, weil es ja vordergründig kein „Herrenfest“ ist, obwohl natürlich, wie jedermann sehen kann, der Vorschein des Christusereignisses auf diesem Geschehen liegt, es gewissermaßen von dort sein Licht erhält?

Geht all das etwa nur Ruheständler an? Diese Frage beantwortet sich wohl von selbst. Aber ein Seniorengottesdienst als einziges besonderes Ereignis nährt eben den falschen Eindruck, es könne so sein! Der Einwand: „Kommt ja doch keiner!“ ist Blödsinn. Erstens ist die Anzahl der Gläubigen wichtig, aber nicht allein ausschlaggebend und zweitens ist das ja nicht raus, wer käme. Es kommt aber bestimmt keiner, solange er den Eindruck gewinnen muß: „Die nehmen das ja selber nicht so ernst.“ Man kann eine Gemeinde an solche Feste auch heran-führen! Aber das bedeutete schon ein bißchen Mühe.

Wie hat der Hl. Vater in Erfurt auf dem Domplatz gefragt, nachdem er festgestellt hatte, wie erfreulich viel seit der Wende in Sachen Bau und Ausstattung geschehen ist? „Wo stehen wir heute?“ Was tun wir in all den erneuerten Räumen? Er hat von Weimar gesprochen!

 

PS: Ich bin heute einfach zu traurig und wütend für einen versöhnlichen Abschluß aber wenn Sie über die immer aktuelle Bedeutung der Jungfräulichkeit etwas richtig Gutes lesen möchten, schauen Sie bei Frischer Wind vorbei und folgen ihrem Link auf einen Vortrag von Robert Spaemann, nach der Lektüre wußte ich zwar noch besser warum ich traurig bin, aber besser ging’s mir doch.“

Kommentare und Antworten:

Michael Pahl schrieb:

Ich schätze den Blog wirklich sehr, v.a. den Chesterton-Adventskalender (danke!), aber dieser Eintrag hier ist Unsinn. Wann genau hätte die gewünschte Hl. Messe denn stattfinden sollen, wenn in einer einzigen (räumlich doch vermutlich überschaubaren) Pfarrei vier (!) Optionen zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten bestanden?

G. Lamers schrieb:

Vielen Dank für die Wertschätzung! Mir macht der ChAK auch viel Freude!

Vielleicht hätte ich mich hinsichtlich dessen, was ich mir vorstelle, wirklich präziser ausdrücken sollen. Zunächst ist die Pfarrei alles andere als räumlich überschaubar! Schauen Sie mal auf die Startseite unserer offiziellen Homepage! Die Nord-Süd Ausdehnung beträgt über 50 km. Ansonsten ist alles ganz einfach: Eine zusätzliche Messe in der Pfarrkirche um 18.30 Uhr oder 19.00 Uhr wäre erforderlich. Und die so festlich (Predigt, Musik), daß man merkt, da geht es um was! Dann, so bin ich fest überzeugt, kommt auch wer. Ich erlebe bei meinen Kindern, daß die Vermittlung der Verehrung der Gottesmutter gar nichts schwieriges oder krampfiges ist. Just DO it!

Ach ja, übrigens war nach meinen Informationen durchaus ein Geistlicher “frei”…

Damian schrieb:

In unserer Pfarrei war es ähnlich. Hl. Messe um 15 Uhr, anschl. Treff 60 Plus. Allerdings mit einem Unterschied. Während die Hl. Barbara (trotz Adventssonntag) im Pfarrbrief vermerkt wurde, war das Hochfest am 8.12. mit keinem Wort erwähnt.

G. Lamers schrieb:

Danke! Das ist ja, in gewisser Weise, tröstlich, daß es nicht nur ein Weimarer Phänomen ist…

Aber wenn wir niemanden heran-führen, dann weiß eben wirklich auch bald niemand mehr, warum es bestimmte Feste gibt!

str schrieb:

Ich hatte das gegenteilige Problem: Ich konnte weder früh morgens noch abends und die Fast-Mittagsmesse war bei den (hier objektiv nicht mehr christlichen) Augustinern. Habe Gott sei Dank noch etwas um Halb 5 gefunden, sogar mit Predigt.

Aber beim Evangelium und bei manchem Gebet fiel mir auf, daß manch weitverbreitetes Mißverständnis vielleicht auch aus einer unglücklichen Schriftauswahl herrührt. So auch hier:

“Wann, wenn nicht im Advent sollte uns das Geheimnis der jungfräulichen Geburt besonders neugierig machen?”

Genau darum geht es aber am 8. Dezember gerade nicht. Im Advent ja, aber nicht an diesem Hochfest.

G. Lamers schreibt:

Ja und nein. Ja, die Leseordnung macht das Verständnis der Verschiedenartigkeit der jeweiligen Geschehen nicht gerade einfacher. Allerdings erhebt sich die Frage, was stattdessen gelesen werden sollte. Ich finde, hier liegt einfach eine Herausforderung an den Zelebranten: das muß schlicht erklärt werden, am besten eben im Rahmen einer Predigt! 🙂

Nein, denn die beiden Feste sind selbstverständlich verschiedenen Inhalts, aber genauso selbstverständlich sind sie doch im „Ablauf“ des Heilsplans aufeinander bezogen! Als ich schrieb wollte ich den Bezug auf den Advent hervorheben und das wollte ich mit dem von Ihnen zitierten Satz tun. Das war vielleicht ein bißchen knapp, aber ich dachte, der Rest des Absatzes hätte hinreichend klargemacht, daß mir die Differenz von Erwählung, Verkündigung und Geburt schon bewußt war. Sicher sind wir doch in dem angedeuteten weiteren Sinne einer Meinung, daß das, was zu Erwählung geschah, auch Teil des Geheimnisses der Geburt ist, es sozusagen expliziert und auf den Menschen Maria, ihre besondere „Qualität“ und eben damit auf die letzte Berufung aller Menschen zurückbezieht, oder? Und so fand und finde ich, kann eines aufs andere neugierig machen! Dazu hat wieder mal Frischer Wind den richtigen Text (Frischer Wind hilft immer! ;-)), (hier) sehr empfehlenswert!

 

Zu den Kommentaren aus ganz Deutschland hat sicher auch die Verlinkung bei Elsa beigetragen, die eigene Erfahrungen schilderte:

„Was ist hier eigentlich los?

Eben habe ich gerade bei Pulchra ut Luna diesen reichlich desolaten Eintrag zur „Feier“ des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis in irgendeiner deutschen Region gelesen. Das erinnerte mich daran, dass ich am Donnerstag, also am Tage des Hochfestes, ebenfalls hier in Deutschland eine Hl. Messe besucht habe. Vor lauter Glück, unter widrigen privaten Bedingungen die Kurve dennoch zum Messbesuch bekommen zu haben, hatte ich sämtliche Begleitumstände verdrängt – und ich kann ja auch sehr demütig sein, auch wenn mir das jetzt niemand wirklich abnimmt.

Letztlich trägt auch Kerzenlicht- es war ein Rorateamt – dazu bei, über widrige Verhältnisse hinwegzusehen – andere Menschen können körperlich oder auch aus politischen Umständen nicht an einer Hl. Messe teilnehmen, das ist mir wohl bewusst. Dennoch fehlte der hochfestliche Charakter komplett an diesem Tage – und das bin ich von Italien her einfach nicht gewohnt. Sicher ist es besser, die Predigt einfach ausfallen zu lassen, wenn einem weder zum Evangelium noch zum Dogma der Unbefleckten Empfängnis etwas Gescheites einfallen mag. D‘ accord. An die Anmoderation zur Hl. Messe als Einstieg nach dem „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ mit Wortlaut: „Ich begrüße Sie herzlich zu diesem Gottesdienst undsoweiter“ habe ich mich auch gewöhnt. Vielleicht könnte man ja zum Schluss auch noch den Wetterbericht verlesen?

Dass beim Vaterunser die instinktiv nach „und erlöse uns von dem Bösen“ stockende Gemeinde von Altarseite her ermuntert wird, doch einfach durchzubeten und sich bloß nicht durch den priesterlichen Embolismus stören zu lassen, der ganz gewiss nicht eingeschoben werden solle, auch das … hinnehmbar. Sicher, man kann es nie allen Recht machen, aber theoretisch hätten wir ja das Glück, dass es sowas wie Rubriken gibt und theoretisch sollte auch niemand von der Liturgie etwas weglassen oder hinzufügen, selbst wenn er Priester wäre, damit gäbe es dann für niemanden mehr Anlass zu maulen. Theoretisch.

Was dem Fass aber den Boden ausschlägt, ist, vor dem Schlusssegen noch schnell Werbung für die Unterschriftenaktion der kfd – Mehrheit statt Wahrheit – zum Kommunionempfang für wiederverheiratet Geschiedene zu machen, wie heute, GAUDETE! – geschehen.

Diese Aktion solle natürlich in gar keinem Falle die Unauflöslichkeit der Ehe relativieren undsoweiterundsofortEssegneeuchderallmächtigeGottVaterSohnundHeiligerGeist.

Es macht ziemlich wenig Sinn, einen solchen Gottesdienst zu besuchen, nur, um sein Sonntagsgebot erfüllt zu haben. Eigentlich sogar überhaupt gar keinen.

Dennoch einen gesegneten dritten Adventssonntag allseits.“

 

Mal abgesehen davon, daß ich hoffe, Elsa hielt nicht wirklich meinen Eintrag für „desolat“, sondern die geschilderte Situation (…) bitte auch die Kommentare bei ihr lesen, die sind zumindest zum Teil hoffnungsvoller!

Und zum Weiterlesen noch zwei Links (die ich wiederum Frischer Wind verdanke!), und die zeigen, wie sehr man unter einem unangemessenen Gottesdienst-„Angebot“ leiden kann (hier) und wie differenziert doch eine Reihe von ganz praktischen Problemen mit der Gottesdienstgestaltung sein können (hier).

Der Chesterton Adventskalender – Tag 16

And the thing they found was of a kind with the things they sought. The populace had been wrong in many things; but they had not been wrong in believing that holy things could have a habitation and that divinity need not disdain the limits of time and space. […] The place that the shepherds found was not an academy or an abstract republic, it was not a place of myths allegorised or dissected or explained or explained away. It was a place of dreams come true. Since that hour no mythologies have been made in the world. Mythology is a search.

[Und das, was sie fanden war von gleicher Art mit den Dingen, die sie suchten. Das normale Volk hatte hinsichtlich vieler Dinge falsch gelegen, aber sie lagen nicht falsch damit, daß heilige Dinge eine Behausung haben könnten, und daß Göttlichkeit die Grenzen von Raum und Zeit nicht zu verschmähen braucht. […] Der Ort, den die Hirten fanden, war keine Akademie und keine abstrakte Republik, es war kein Ort, an dem Mythen allegorisiert oder seziert, erklärt oder wegdiskutiert wurden. Es war ein Ort, an dem Träume wahr wurden. Seit jener Stunde wurden in der Welt keine Mythologien mehr fabriziert. Mythologie ist eine Suche.]

Der Chesterton Adventskalender – Tag 15

Upon all such peasantries everywhere there was descending a dusk and twilight of disappointment, in the hour when these few men discovered what they sought. Everywhere else Arcadia was fading from the forest. Pan was dead and the shepherds were scattered like sheep. And though no man knew it, the hour was near which was to end and to fulfill all things; and though no man heard it, there was one far-off cry in an unknown tongue upon the heaving wilderness of the mountains. The shepherds had found their Shepherd.

[Überall stiegen auf all diese bäuerlichen Bevölkerungen die Dämmerung und das Zwielicht der Enttäuschung herab, zu jener Stunde, als diese wenigen Männer entdeckten, was sie suchten. Überall sonst in den Wäldern verdämmerte Arkadien und verflüchtigte sich. Pan war tot, und die Hirten waren zerstreut wie Schafe. Und obwohl es niemand wußte, war die Stunde nahe, alle Dinge zu beenden und zu erfüllen; und obwohl niemand ihn hörte, war da ein weit entfernter Schrei in einer unbekannten Sprache, über der wogenden Wildnis der Berge. Die Hirten hatten ihren HIRTEN gefunden.]