Zurüruck zum Inhalt

Würde der Ämter (?)

„Der König der Herrlichkeit belohnt seine Diener nicht nach der Würde der Ämter, die sie bekleiden, sondern nach der Liebe und Demut, mit der sie ihre Aufgabe erfüllen.“

Schrieb der Hl. Franz von Sales (1567–1622), in seinem „Bestseller“ von 1609, der Philothea.

Und er meint wohl schon damals alle möglichen Formen von (Ehren-) Ämtern, wie man unschwer dem unmittelbaren Textzusammenhang entnehmen darf (s. unten).

Die Heiligen, das Licht der Welt, fürwahr!

[…] wir verdienen keinen so hohen Rang im Dienste Gottes, wir wollen uns überglücklich schätzen, wenn wir in der Küche oder Bäckerei arbeiten, seine Lakaien, Packträger und Diener sein dürfen; es bleibt dann seinem Gutdünken vorbehalten, ob er uns zu sich berufen und in seinen Rat aufnehmen will. Ja, der König der Herrlichkeit belohnt seine Diener nicht nach der Würde der Ämter, die sie bekleiden, sondern nach der Liebe und Demut, mit der sie ihre Aufgaben erfüllen.Saul suchte die Esel seines Vaters und fand die Königskrone (1 Sam 9 u. l0), Rebekka tränkte die Kamele Abrahams und wurde die Braut seines Sohnes (Gen 24,44), Rut sammelte die liegengebliebenen Ähren des Boas, schlief zu seinen Füßen und wurde zu seiner Gattin erhoben (Rut 2–4). Das Streben nach den hohen und erhabenen Dingen ist Illusionen, Täuschungen und Irrtümern ausgesetzt; es kommt oft vor, daß solche, die sich für Engel halten, nicht einmal gute Menschen sind; sie geben sich wohl großartig in Worten, erhaben im Reden, weniger aber in der Gesinnung und in den Werken.
Trotzdem dürfen wir nichts verachten, nichts ungerecht verurteilen, über nichts ungerecht nörgeln. Preisen wir Gott für die Erhabenheit der anderen, für unseren Teil aber bleiben wir bescheiden auf unserem niedrigen, gewöhnlichen aber sicheren Weg; er ist zwar weniger glänzend, aber unserem Ungenügen und unserer geringen Bedeutung angemessener.

Gebetsnovene zur Libanonreise des Hl. Vaters

So, und um heute auch noch etwas wirklich Wichtiges und, bei aller Ernsthaftigkeit der Sache, auch „Schönes“ zu tun:

„Vaticanista News“ hat zu einer Gebetsnovene aus Anlaß des bevorstehenden Pastoralbesuchs von Papst Benedikt im Libanon vom 14. bis 16. September aufgerufen (hier!) und dazu den folgenden Text von Monsignore Joachim Schroedel, Priester für die deutschsprachigen Katholiken in Kairo, veröffentlicht, den ich gerne der besonderen Aufmerksamkeit meiner Leser anempfehlen möchte (auch wenn ich so halb und halb davon ausgehe, daß da schon etliche seit einiger Zeit für dieses Ereignis beten werden 🙂 ).

 

GEBETSNOVENE

AUS ANLASS DES BESUCHS SEINER HEILIGKEIT,

PAPST BENEDIKTS XVI IM LIBANON

Herr, unser Gott; als Nachfolger des Apostels Petrus, als oberster Brückenbauer und Stellvertreter Deines Sohnes wird unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI., in das christliche Herz des Nahen Ostens, in den Libanon reisen.

Wir bitten Dich:

Gib ihm eine stabile Gesundheit.

Hilf ihm, die Strapazen der Reise zu tragen.

Beschütze ihn auf allen Wegen.

Laß ihn offene Ohren finden für das, was er den Christen des Nahen Ostens sagen will.

Schenke ihm aber auch, daß die Nichtchristen, besonders die Muslime, ihm mit Offenheit und Bereitschaft zum Frieden begegnen.

Herr und Gott, Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, hat die Gestade von Sidon und Tyrus besucht (Math 15,21; Mk 7,24; Luk 4,26) und viele kamen aus diesem Gebiet, um ihn zu hören (Mk 3,8; Lk 6,17).

Wir bitten Dich:

Gib allen Christen des Nahen Ostens Mut und Zuversicht, gerade im Hinblick auf die großen Herausforderungen, vor denen sie stehen.

Schenke ihnen Geduld und Hoffnung, daß Dein Sohn Jesus Christus selbst den Tod besiegt hat und in Deiner Herrlichkeit ist.

Und laß sie auf die unbesiegbare Kraft des Heiligen Geistes vertrauen.

Das erbitten wir, durch Christus, unseren Herrn. Amen

Es folgt das „Vater Unser“, ein „Ehre sei dem Vater“. Mit dem Gruß an die Gottesmutter (Gegrüßet seist Du, Maria) endet das tägliche Gebet der Novene.

 

Danke, Frau Kollegin!

 

Österreich in Weimar

Der (natürlich wieder anonyme) Eingangstext unserer Vermeldungen weist anläßlich des erfreulichen Besuchs einer Pilgergruppe aus dem Bistum Innsbruck auf eine ganze Reihe von Namen österreichischer Priester hin, die in der Zeit des Nationalsozialismus gelitten haben, umgebracht worden sind. Da sie teils in das damalige KZ Buchenwald verschleppt waren, gibt es ja eine besondere Beziehung der Weimarer Katholiken zu diesen Priestern, heißt unser Pfarrheim „Otto-Neururer-Haus“, liegen unter „unserem“ Altar Reliquien von ihm.

Und treue PuLa-Leser wissen, daß es auf einen Hinweis von „Frischer Wind“ hin auch geglückt ist, im vergangenen November der Seligsprechung von Carl Lampert hier zu gedenken (wobei ich mich immer noch frage, warum keine offizielle Stelle den Termin „auf dem Schirm“ hatte. Tauschen sich die Bistümer eines Sprachraums über so etwas nicht aus? Und wenn nein, warum nicht?).

Ärgerlich ist freilich, daß es dem anonymen Verfasser sogar bei einem so eminent kirchlichen Thema wie der Verehrung der Märtyrer „gelingt“ ein antirömisches Ressentiment unterzubringen, mit folgendem Zitat des tschechischen Theologen Tomáš Halík: „Gott hat seine Lieblinge, deren Namen er eifersüchtig „in pectore“ hütet, in der Intimität seines Herzens, und er verrät sie auch der Vatikanischen Kongregation für Heiligsprechungen nicht.“

Auch wenn das natürlich nicht „falsch“ ist, wollten wir das jetzt hören? Ich nicht. Vielmehr hätte eine „frische“ Seligsprechung auch mal ein Anlaß sein können, einfach dankbar zu sein, für einen Märtyrer, der „uns verraten worden ist“ und, ja, warum nicht, auch für genau das Wirken der erwähnten Kongregation, die sich ganz gewiß der Beschränktheit ihres Wissens sehr bewußt ist. Ich bin dankbar für ein geordnetes, zentrales Verfahren, auf dessen Ergebnisse sich dann die ganze Kirche verlassen kann.

Und wenn Sie die Chance haben, die Hl. Messe mit dem Innsbrucker Bischof Dr. Manfred Scheuer morgen, Donnerstag, 6. September 2012, 9.00 Uhr zu besuchen (ich kann natürlich leider nicht), dann hören sie bei der Predigt gut zu, ob es tatsächlich stimmt, was die Wikipedia über seine Positionen schreibt:

„Bischof Scheuer befürwortet eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Weiter warf er die Frage auf, ob es nicht „pastoral notwendig“ sei, Laien auch innerhalb der Eucharistie predigen zu lassen. Er sprach sich dafür aus, das „Paket“ der österreichischen Pfarrer-Initiative „aufzuschnüren“, bezeichnete aber manche Forderungen als nicht auf Diözesanebene lösbar.“

Nun ja.

Kommentare von Kolleginnen und Kollegen aus Österreich könnten ggf. sehr hilfreich sein!

Wahlen, Teil 8: Rebus omnibus nunc ita maledicere, ut fuerunt, non licet.

Nun liegen sie hinter uns, die Wahlen zu den Gremien im Bistum Erfurt, mit denen sich PuLa seit Mitte Juni beschäftigt und sich damit nicht nur Freunde gemacht hat. Aber, wie schon mehrfach gesagt, ich stehe dazu, daß es wichtig war!

Und? War’s das jetzt (endlich) mit dem Thema? Diese Frage ist nicht mit einem Satz zu beantworten. Leider!

Zunächst kann, wer möchte und es noch nicht getan hat, hier das Ergebnis für Weimar nachlesen.

PuLa gratuliert all denjenigen, die sich reinen Herzens um ein Mandat bemüht und es mit lauteren Mitteln errungen haben, besonders den Neulingen in den jeweiligen Gremien!

Und ich wünsche allen viel Kraft und das nötige Verantwortungsbewußtsein für ihr Wirken in den kommenden Jahren, das sich, was ich auch erst jüngst so richtig verstanden habe (Danke, A.R.!), bedingt durch die Strukturreform, in seinem Umfang und so auch in seinem Charakter, der Wahrnehmung von Aufgaben im gesamten Gemeindegebiet, verändert hat oder zumindest verändern sollte, bzw. müßte. Was jetzt not täte, wäre eine durchaus neue Form, seine Aufgaben ernst zu nehmen und die sprichwörtliche „(Pfarr-) Kirchturmspersepktive“ hinter sich zu lassen!

Nun, für diese Entwicklung bietet ja das hohe Maß an personeller Kontinuität, das die in Weimar gewählten Gremien auszeichnet, die allerbesten Voraussetzungen.

Hier, wo in den vergangenen Jahren z.B. der PGR doch glatt so alle 6 Wochen einmal tagte (außer in den Ferien natürlich!) hier, wo es eine so ausgeprägte Bereitschaft gab, sich mit Themen, die von außen oder innen an das Gremium herangetragen wurden, zu beschäftigen, daß sie durchweg das Ende der Wahlperiode unbearbeitet „überstanden“ haben, hier, wo die Satzung über die Arbeit dazu mißbraucht wurde, kritische Fragen oder auch nur aufmerksames Zuhören durch Rausschmisse zu unterdrücken, hier, wo gut etablierte Angebote musikalischer Kinderarbeit „plattgemacht“ wurden, obwohl (oder weil?) sie zwei Jahre hintereinander große Mengen von Besuchern des Gemeindefestes begeistert hatten, hier, wo auch nach einem halben Jahr und mehreren Erinnerungen rechtswidrig und kaltschnäuzig Protokolle einfach nicht bekannt gemacht (oder nicht geschrieben?) wurden, ja, hier herrschen wahrhaft hervorragende Voraussetzungen für einen schwungvollen Neuanfang!

Oder ist das ein Fall für das berühmte Diktum des bekannten Kirchenlehrers Fredericus Bobitius, das diesem Eintrag sein Motto gab: Rebus omnibus nunc ita maledicere, ut fuerunt,  non licet., was auf deutsch etwa heißt: „Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.“ (Hervorhebung von mir)

Nein, es ist eigentlich offenkundig, daß PuLa auch die Beobachtung des Wirkens der neuformierten Gremien nicht einfach weglassen kann, oder? Und alle, die sich, verständlicherweise, dabei gelegentlich ein bißchen angeödet fühlen, bitte ich schon jetzt um freundliche/kollegiale Nachsicht und um Verständnis: Die Dinge sind hier nicht so, z.B. einfach nicht so groß und so vielfältig, als daß man „einfach in die nächste Kirche“ gehen könnte. Über dieses Verständnis würde ich mich jedenfalls sehr freuen!

 

PS: Besonderer Dank an E.A., die für die genaue Fassung des lateinischen Zitats gesorgt hat (übrigens auch eine, deren gut angenommenes Angebot an die Gemeinde ohne erkennbare Reaktion der Gremien „vertrieben“ wurde…)

Liturgieexperte im Bezahlfernsehen?

Es gibt Tage, selten genug…, da zaubert einem die morgendliche Lektüre des täglichen Weimarer Käsblatts (aka Regionalzeitung) ein Lächeln ins Gesicht.

Harald Schmidt, dessen Fernsehkarriere mittlerweile dem Auf- und wieder Untertauchen des sagenhaften Ungeheuers von Loch Ness ähnelt, wird ab morgen im Bezahl-Fernsehen, beim Sender SKY, wieder mit seiner Show zu sehen sein.

Fehlender OCC (obligatory catholic content)? Von wegen!

Gefragt, ob er Änderungen an dem bewährten Format der Show plane, antwortete er der Nachrichtenagentur dapd:

„Das wäre ja, als ob Sie zur Kirche gehen und fragen, ob die Liturgie geändert wird.“

Tja!  Ist das nicht hübsch? 🙂 (Nachweis hier, bei WELT Kompakt)

PuLa fragt sich nun, ob dieser bemerkenswerte Satz eine bedauerliche Unkenntnis dessen verrät, was seit einiger Zeit an der Liturgie sehr wohl so alles geändert worden ist, oder ob er gerade im Gegenteil ein Indiz dafür ist, daß Schmidt, der auf jeden Fall ein kluger Kopf ist, sehr genau weiß, was er da sagt und seine so richtige Aussage vor genau diesem Hintergrund gemacht hat und machen wollte.

Jemand eine Idee, wie man diese Frage beantworten könnte?

Jedenfalls war erst vor zwei Tagen den Gedenktag des Hl. Harald (Arealdo di Brescia) , der mir, ich gestehe es offen, ohne Harald Schmidt vermutlich noch länger unbekannt geblieben wäre.

Hl. Arealdus, bitte für uns!

Brescia, alter und neuer Dom (Photo: Manfred Heyde)

Frische Brise aus Nordwest…

Nein, nicht gleich von der Küste (daran arbeiten wir noch), sondern aus Oschersleben. Wieder mal hat Pfr. Sperling in der Rubrik „Worte des Pfarrers“ zu einem aktuellen Thema Stellung genommen und wieder einmal sieht dabei der „Tag des Herren“ reichlich alt aus.

Der Text beschäftigt sich, versehen mit vielen hilfreichen Links, mit der westlichen Reaktion auf das Phänomen „Pussy Riot“, wie sie war und wie sie hätte sein können/sollen.

Das zu behandeln hatte ich eigentlich vermeiden wollte, so aus ästhetischem Selbstschutz, aber wenn die Verwirrung bis in die Kirchenzeitung vordringt…

Jedenfalls muß, man m.E., wenn man die beiden Links zur FAZ und zum European am Schluß des Beitrags einbezieht, mehr zu dem Komplex nicht lesen.

Danke, Herr Pfarrer!

 

PS: Ok, stimmt nicht ganz, die Pimpfe müssen natürlich wieder das Maul aufreißen und das muß man natürlich auch lesen, hier 🙂

Ihnen entkommt keiner...

 

 

 

 

Heute nur ganz schnell

noch der Hinweis auf den Vortrag, den unser Gemeindemitglied Hellmut Seemann, Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, morgen abend in Erfurt hält.

In der Reihe Petersberger Gespräche geht es um “ Paulus und Goethe, Gnade und Genius“.

Beginn 19.00 Uhr, Eintritt frei.

Ein MUSS! Fahrgemeinschaftsanfragen gerne über die Kommentarfunktion und vielleicht schaffe ich ja morgen noch einen ausführlicherern Hinweis.

Wahlen, Teil 7: Endspurt und praktische Fragen

Kinder, wie die Zeit vergeht! Mitte Juni haben wir auf PuLa begonnen, über die bevorstehenden Wahlen zu schreiben, und jetzt stehen sie unmittelbar bevor – am kommenden Wochenende ist es soweit.

Mir ist schon ganz ernsthaft bewußt, daß dieses Thema nicht nur Freunde gefunden hat, aber wer nachvollzogen hat, wofür PuLa den Sonderpreis bei den Schwester-Robusta-Awards 2012 erhalten hat, der versteht auch, warum der Komplex gerade hier auch für einen traditionsorientierten Blog wichtig ist (und wer sich in der Gemeinde ein bißchen auskennt, weiß ja sowieso Bescheid…).

Außerdem habe ich glaube ich wirklich zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel aufkommen lassen, daß mir die bloß relative Bedeutung des demokratischen Elements in der Kirche sehr bewußt ist!

Weiterhin darf man nicht vergessen, daß das Thema „Wahlen“ zugleich das Thema „Strukturreform“ war. Und da konnte man hier eben lesen, was rechtlich tatsächlich geschehen ist, nämlich die Neugründung aller Pfarreien und der daraus resultierende Untergang aller Gremien, wohingegen im „Tag des Herren“ (S. 11) noch am 26. August unter der typisch kirchenzeitungsmäßigen Überschrift „Die Nähe zueinander bewahren“ die Dinge wieder schön im Vagen belassen wurden.

Ich weiß nicht, was das für ein journalistisches Selbstverständnis ist, und ich weiß auch nicht, warum bistumsseitig damit so zögerlich umgegangen wird; wir sind nämlich schon „groß“, man darf uns ruhig mal einen rechtlichen Sachverhalt zumuten, ganz bestimmt… 😉

Und natürlich hat, wie befürchtet, die öffentlich unklare Lage dazu geführt, daß manche Ex-Gremienvertreter rechtswidrig so getan haben, als ob nichts passiert wäre und einfach weiter agiert haben. Das kommt davon.

Nun, genug der retrospektiven Betrachtung, in ein paar Tagen gilt es, sich zu entscheiden! Oder man nutzt noch auf den allerletzten Metern die Möglichkeit der Briefwahl (Wahlunterlagen im Pfarrbüro oder in der jeweiligen Sakristei der Gottesdienstorte).

Die (leider wieder einmal anonym verfaßten) aktuellen Vermeldungen deuten an, daß von der Möglichkeit der Briefwahl reger Gebrauch gemacht worden ist, was zu meinem Eindruck paßt.

Ansonsten wird der wertvolle Platz leider mit einer betulichen Geschichte von einem Seifenfabrikanten vergeudet (lernt man so zu schreiben auf gremienkirchlichen Fortbildungsveranstaltungen? Huh!), statt praktische Fragen des Wahlvorgangs zu erörtern, hinsichtlich derer es nämlich Unsicherheiten gibt. Aber es werden ja auch eher „Butspende“-Termine abgehalten, statt eine Kandidatenvorstellung zu organisieren. Dabei gibt es eben erfreulicherweise etliche neue Kandidaten, die zum Teil auch langjährigen Gemeindemitgliedern kein Begriff sind. Aber natürlich hätten sich da u.U. inhaltliche Debatten nicht vermeiden lassen. Wir sind aber schon „groß“, ganz bestimmt… 😉

Eine solche praktische Frage ist die nach der Anzahl der abzugebenden Stimmen. Das ist sehr wichtig, denn bei einem Fehler wird der Wahlzettel ungültig, sind die Stimmen „verschenkt“!

Das regeln § 3 Absatz 2:

„Bei Wahlen hat jeder Wahlberechtigte so viele Stimmen, wie Mitglieder und Ersatzmitglieder

des Kirchenvorstands zu wählen sind. Einem Kandidaten kann nur eine Stimme gegeben

werden.“

und § 7 Absatz 2:

„Der Wähler kann höchstens so viele Namen auf dem Stimmzettel ankreuzen, wie Mitglieder

und Ersatzmitglieder zu wählen sind, sonst ist der Stimmzettel ungültig. […]“

der Wahlordnungen zu Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderäten.

Da heißt konkret:

Für den Kirchenvorstand dürfen Sie höchstens für 8 Mitglieder und 3 Ersatzmitglieder Stimmen abgeben/Kreuzchen machen, d.h. insgesamt 11.

Für den Weimarer PGR dürfen Sie höchstens 10 Stimmen abgeben/Kreuzchen machen.

Für den Filialgemeinderat Bad Berka dürfen Sie höchstens 8 Stimmen abgeben/Kreuzchen machen.

Für den Filialgemeinderat Buttstädt dürfen Sie höchstens 6 Stimmen abgeben/Kreuzchen machen.

Und wie das Wort „höchstens“ in den Wahlordnungen zum Ausdruck bringt: Niemand muß so viele Stimmen abgeben, wie es Kandidaten gibt.

Da das schon ein ganze Menge Stimmen sind, die man da zu organisieren hat, bietet es sich u.U. an, sich vorher zu Hause in Ruhe eine persönliche Liste „seiner“ Kandidaten zu machen!

Und wie immer der Hinweis für alle Fälle: Das obige ist das Ergebnis meines Nachlesens und Nachdenkens, aber dies ist keine offizielle Seite und ich kann keine Gewähr übernehmen. Bitte fragen Sie in Zweifelsfällen offizielle Stellen nach verbindlichen Auskünften!

SRA*-Special-Sketchlet: Mitfühlende Kreaturen (auf den Fluren…)

Die Verleihung der Schwester-Robusta-Awards (*“SRA“) 2012 liegt hinter uns. PuLa gratuliert allen, die wohlverdient einen Preis errungen haben, freut sich mit ihnen und darüber, wie lebendig und vielfältig sich die Blogoezese präsentiert!

Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht in die Provinz herumgesprochen.

Nach Weimar?

Nein, weit gefehlt:

Die Aussprache

Ein Sketchlet für eine Person und die allseits bekannte Schafherde

 

(Auf der Wundersdorfer Weide dreht man Däumchen Hüfchen. Die Schafe liegen faul herum und suchen der Hitze unter den vorhandenen Bäumen so gut wie möglich zu entkommen. Da betritt ein Mann die Weide …)

Kohle (schläfrig): Da!

Wolle: Hat er es doch noch geschafft.

Flocke (gähnt): Wurde ja auch langsam Zeit.

Kohle (schmatzt): Die Preisverleihung war schließlich schon vorgestern.

Blütenweiß: Nun laßt doch mal! Sicherlich hat er viel zu tun …

Wolle (grinst): Du meinst, er muß vielleicht auch Novizinnen einkleiden – wie Hw. Alipius?

Blütenweiß: Daß du aber auch immer gleich …

Grauchen (beschwichtigend): Oder ihm war gestern zu heiß.

Flocke: Ein Glück jedenfalls, daß er nicht in der entgleisten S-Bahn war …

Kohle: Hm.

Wolle (grinst): Wird schließlich nicht jeder mit dem Pritschenwagen gefahren.

JoBo: Grüß euch!

Die Schafe (durcheinander): Tag, JoBo – Hallo – Schön, Sie zu sehen! – Na, Alter, was geht?

Kohle: Setzen Sie sich doch.

Flocke: Einen Schluck Wasser gefällig?

JoBo: Danke, alles bestens!

(Er setzt sich und beginnt, ein bißchen Gras auszuzupfen. Es entsteht eine Verlegenheitspause.)

Wolle: Tja!

Flocke: Schade, schade …

Kohle: Aber, insgesamt …

Blütenweiß (faßt sich ein Herz, überschwenglich): Also, ich finde es großartig, was Sie geleistet haben! (Sie wird rot.)

Grauchen (bewundernd): Drei Goldmedaillen!

Kohle: Vor allem die in „Dialog“.

Wolle: Für einen Blog ohne Kommentarfunktion!

Flocke: Den Coup macht Ihnen so schnell keiner nach!

JoBo (freut sich, etwas verlegen): Danke, danke!

Krutzi (abfällig, im Vorbeigehen in scheinbar ganz wichtigen Geschäften): Also so eine Goldmedaille –die hol ich doch mit Links!

JoBo: Vorder- oder Hinterhuf?

(Die Schafe prusten los.)

JoBo: Also, tut mir echt Leid mit dem Silber in „Zwerchfell“ … Wo ihr mich so toll unterstützt habt.

Fixi, das Lämmchen (vorlaut): Na, wer weiß, wie es sonst ausgegangen wäre … (Kohle gibt ihm einen Puff in die Rippen und guckt es streng an.)

Die Schafe (außer Krutzi): Überhaupt kein Problem – aber JoBo! – War uns eine Ehre! – Wir machen auch gerne wieder mit, wenn es Ihnen recht ist!

Kohle: Wir alle gratulieren Ihnen ganz herzlich!

Wolle: Weil wir schon dachten, daß Sie kommen, haben wir auch ein kleines Liedchen einstudiert

JoBo (blickt auf seine Armbanduhr, rasch): Oh, du, Wolle, ich muß schon wieder los, tut mir echt Leid … (Er steht behende auf und verabschiedet sich mit einem Kopfnicken.)

Kohle (blickt JoBo kopfschüttelnd hinterher): Diese Menschen … immer in Eile.

(Nach dieser kurzen Aufregung liegen die Schafe wieder faul herum und versuchen, der drückenden Hitze unter den vorhandenen Bäumen so gut wie möglich zu entkommen…)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Summer Special Sketchlet: Eine Kirche – Eine Welt

Also, ich hatte ja ehrlich die Absicht, erst mal nichts mehr über „Wahlen“ verlauten zu lassen. Ganz ehrlich! Aber, wer hätte das gedacht, das Interesse an dem Thema ist, äh, „weiter verbreitet“, als ich mir je hätte träumen lassen…

 

Der Weckruf

Ein Sketch für zwei Personen

 

(Ein Studentenwohnheim in Qíjī cūn, nahe Tianshui in der zentralchinesischen Provinz Gansu. Shi Fu, seines Zeichens Student der Informatik, wälzt sich im Bett im erkennbaren Versuch weiterzuschlafen, während sein wißbegieriger Zimmergenosse am gemeinsamen Schreibtisch am Rechner sitzt und surft. Es ist 4.25 Uhr Ortszeit.)

Wang Peng (voller Begeisterung): Shi Fu! Wach auf, Shi Fu!

(Shi Fu grunzt, dreht sich auf die andere Seite und zieht sich das Kissen über den Kopf.)

Wang Peng: Schau doch! Shi Fu! Das mußt du lesen! (Er scrollt einen Text entlang und liest.)

Shi Fu (unter dem Kissen): Laß mich in Luhe!

Wang Peng (ermunternd): Shi Fu! Wofül intelessielst du dich eigentlich?

Shi Fu (resignierend): Fül meinen Nachtschlaf.

Wang Peng: „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“, hat Lainel Welnel Faßbindel einmal gesagt.

Shi Fu (setzt sich seufzend auf): Ich ziehe nie wiedel mit einem Medienwissenschaftlel in ein Zimmel. (Er fährt sich mit der Hand über die Augen.)

Wang Peng (grinst): Da wil uns das sowieso nicht aussuchen können, mach das Beste dlaus!

Shi Fu (richtet sich weiter auf, um auf den Bildschirm sehen zu können): Und jetzt liest du wohl gelade wiedel diesen Blog aus Deutschland?

Wang Peng: Du hast es elfaßt! Dolt ist es jetzt spät am Abend und sie stellen Texte ins Netz, bevol sie schlafen gehen.

Shi Fu (sinkt in die Kissen zurück): Na bitte! Nimm dil ein Beispiel!

Wang Peng (eifrig): Das ist hochintelessant, Shi Fu! Jetzt haben sie Wahlen. (Er scrollt und liest.)

Shi Fu: Walen? Was velkaufen sie denn?

Wang Peng: Nicht Walen – Wahlen! Man wählt! Sogal in del Pfallgemeinde! Ist das nicht ille?

Shi Fu: Echt wahl?

Wang Peng: Ja! Echt: Wahl!

Shi Fu: Und man bestimmt wilklich mit?

Wang Peng: Ich denke, so ist es gedacht. Abel das welden wil sehen. Deshalb lese ich ja „PuLa“.

Shi Fu: Ich weiß nicht, Peng … Diese ganzen ausländischen Angelegenheiten … Das ist uns doch alles flemd! Kümmel‘ dich liebel um Lang Tsu. Sie stand schon wiedel mit dem Kölbchen vol del Kilche und keinel von uns weiß, wo das ganze Geld bleibt!

Wang Peng: Abel Fu! Deshalb lese ich doch hiel, um helauszufinden, ob es das woandels auch gibt.

Shi Fu (setzt sich auf, plötzlich hellwach): Was sagst du da? Das geht vielleicht gal nicht bloß uns so?

Wang Peng: Ja, das glaub ich, Fu.

Shi Fu (blickt nachdenklich vor sich hin): Das ist ja elstaunlich …

Wang Peng: Shi Fu! Höl zu, Shi Fu! Laß uns auch bloggen!

Shi Fu: Bloggen – was bloggen?

Wang Peng (visionär): Na – unsele Situation schildeln – und uns mit andelen austauschen.

Shi Fu (skeptisch): Auf einem Blog? Wenn du uns da nicht mal gehölig was einblockst! All unsele Plobleme plötzlich weltweit im Intelnet … Ich weiß nicht …

Wang Peng: Abel Shi Fu! Sei nicht dumm! Das velstehen doch ohnehin nul die, die sowieso wissen, was los ist! – Denk doch mal an die Diplomalbeit von Shao Hi …

Shi Fu: „Technische Velfügbalkeit und soziale Lelevanz netzbasieltel plivatel Infolmationsangebote“?

Wang Peng: Genau! Und technische Velfügbalkeit und soziale Lelevanz sind eben nicht das gleiche.

Shi Fu: Soll heißen: Das lesen nicht Hundelte von Millionen von Intelnetnutzeln, bloß weil es dasteht?

Wang Peng: Genau! Deshalb wal ihle Ausgangsthese ja auch: Diese Blogs lesen nul die, die es angeht und die die Pelsonen kennen, von denen man schleibt.

Shi Fu: Abel du liest doch tlotzdem diesen Blog aus – wie heißt das?

Wang Peng: Weimal.

Shi Fu: Weimal. Stimmt.

Wang Peng: Ja, denn ihl Endelgebnis wal ja, daß man diffelenzielen muß. Elstens kann man auch übel unbekannte Pelsonen lesen, um Anlegungen zul Lösung del eigenen Plobleme zu bekommen – so wie ich das tue. Und außeldem gibt es natüllich Themen, die sind pel se von weltweitem Intelesse …

Shi Fu: Wie die Eine Katholische Kilche (er strahlt).

Wang Peng: Genau so ist es, mein liebel Fu! Und deshalb bleiben wil dlan.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Tja, die Welt ist wirklich klein geworden, nicht wahr? Und neben einer Menge wirklich ernster Probleme hinsichtlich der kirchlichen Organisation (Tianshui ist Sitz eines seit 1972 [!] vakanten Bistums gleichen Namens) und der Verbindung mit Rom, machen, so scheint’s, Katholiken wie Shi Fu und Wang Peng, zwei eifrige Mitglieder der dortigen Gemeinde, auch in China so ihre Erfahrungen auf der Ebene der Pfarrei…