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Embolismus verpflichtend – reloaded

Ach, die Blogoezese ist etwas Wunderbares! Wenn man gerade selber an einer Frage nicht weiterkommt, es gibt immer Kolleginnen oder Kollegen, die den Ball aufnehmen und helfen!

So hinsichtlich der Frage, inwiefern der vom Priester gebetete Embolismus (Erlöse uns Herr, allmächtiger Vater von allem Bösen…/Libera nos, quaesumus domine…) nach dem Vaterunser und vor der Doxologie (Denn Dein ist das Reich und…/Nam tuum est regnum et…) ein verpflichtendes Element der Rubriken des Meßbuchs im Novus Ordo/der ordentlichen Form des römischen Ritus ist oder ein fakultatives, sprich, vom Zelebranten nach Gutdünken weggelassen werden kann.

Diese Frage, die mich schon länger umgetrieben hat, hatte sich vor einigen Tagen eher am Rande anderer Betrachtungen zu liturgischen Einzelheiten erneut gestellt und ich hatte um Hilfe aus der Blogoezese gebeten. Sie kam prompt und es tut mir sehr leid, daß ich diese Geschwindigkeit nicht in der Verlinkung hier auf PuLa habe widerspiegeln können, allein, ein lange versprochener Tag Arbeitseinsatz im Garten trotz Erkältung hat mich ziemlich „geplättet“… 😉

Dafür ist das Ergebnis aber auch von wünschenswerter Eindeutigkeit: Der Embolismus ist verpflichtend! Jeder Priester hat ihn zu beten:

153 Nach dem Gebet des Herrn trägt der Priester den Embolismus ‚Erlöse uns, Herr,…‘ vor, wobei er die Arme ausbreitet. Dann ruft die ganze Gemeinde: ‚Denn dein ist das Reich‘…

So die Fassung des AEM (Allgemeine Einführung in das römische Meßbuch)

Oder knapper und präziser im (wie immer rechtsverbindlichen) lateinischen Text des Missale Romanum 2002:

„24. Manibus extensis, sacerdos solus prosequitur: Líbera nos, quǽsumus, Dómine, …“

(etwa: mit ausgestreckten Händen fährt der Priester alleine fort: Befreie uns, so bitten wir, Herr…)

Wohlgemerkt und ausdrücklich für alle, die mit den Bezeichnungen nicht so vertraut sind (und, man kann es ja gar nicht oft genug sagen, ich wünschte, niemand sähe sich gezwungen, sich näher damit zu beschäftigen!): Es handelt sich um die Rechtsvorschriften, die, weltweit, die „normale“, „nachkonziliare“ Form der Hl. Messe regeln (und nicht um irgend etwas, was sich ein paar erwiggestrige Finsterlinge und Sektierer ausgedacht haben 🙂 ).

Herzlichen Dank an „St. Irenäus, bitte für uns“, „Braut des Lammes“ und „Epistulae Tiberii“!

Alles wie gehabt, oder: Seit 1817 nichts gelernt!

Wahrlich, alles unter dem Himmel hat seine Zeit, auch Bloggen oder Nicht-bloggen 😉 (vgl. Koh 3)

Denn eigentlich dachte ich ja, da man höchst erfreulicherweise von der eigentümlichen Hervorbringung einiger deutscher Politiker unter dem originellen Titel „Ökumene jetzt“ nichts mehr hört (was ganz, ganz sicher dazu führen wird, das sich in wenigen Jahren das Szenario exakt so wiederholen wird…), da dachte ich, das kannst Du auslassen, außerdem gibt es ja auch, neben anderen, einen ganz hervorragenden Blogbeitrag aus dem Bistum Erfurt dazu, nämlich bei „Metal und Christentum“, hier, Zitat (sinngemäß komprimiert): „Theologischer Dünnpfiff auf Grundlage eines unrühmlichen Tricks bei argumentativer Unaufrichtigkeit“ (Übrigens, der Kollege ist frischgebackener Doktor der Theologie 🙂 ).

Aber das war eigentlich auch ein bißchen schade, denn allzu gerne hätte ich doch auf den ebenso gehalt- wie humorvollen und nicht zuletzt sprachlich eleganten Leserbrief von Fra‘ Dr. Georg Lengerke, Leiter des Geistlichen Zentrums der Malteser, hingewiesen, den er am 25. September in einigen Zeitungen, darunter der FAZ, geschrieben hatte. Fra‘ Dr. Lengerke war in einer sehr netten Mail so freundlich, mir einen Link zukommen zu lassen, unter dem der Text dauerhaft zur Verfügung steht, hier.

Er nimmt als Aufhänger den „Unionsaufruf“ des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., in dem dieser das Startsignal zur staatlich diktierten Vereinigung der lutherischen und der reformierten Teile des Protestantismus in seinem Herrschaftsbereich gab, die dann in den Folgejahren vollzogen wurde; ich habe diese sog. „Unierte Kirche“ im Rheinland selbst erlebt.

„Offenbar“, so Fra‘ Dr. Lengerke, „waren dem preußischen König die erheblichen Unterschiede im Abendmahlsverständnis der Lutheraner und der Reformierten nicht besonders wichtig.“ Und auch heute seien es bezeichnenderweise wieder Politiker, die vermeintliche „irrelevante Einzelheiten“ kleinredeten, die der Einheit der Christen bloß noch im Wege stünden. Dabei, so hält er fest, sind wir uns doch auch heute „nicht einig, was wir mit Amen meinen, wenn uns jemand ein Stück Brot reicht und uns sagt, das sei der Leib Christi.“

Der Leserbrief endet mit einem doppelten Paukenschlag, den ich hier nicht zitiere, unbedingt selber lesen!, es ist ein wirkliches Vergnügen (hier nochmal der Link).

Aber, wie es so ist, es gab soviel zu tun und dann schätze ich ja Beiträge, die bloß einen Link enthalten, nicht so sehr, langer Rede kurzer Sinn: Der Hinweis unterblieb.

Und seit gestern weiß ich auch, wozu das gut war! Denn da fand sich doch, wiederum in der FAZ (16. 9.12, S. 6), ein Leserbrief, der auf Fra‘ Dr. Lengerkes Bezug nimmt.

Aber wie!

Dr. Reymar v. Wedel, Rechtsanwalt und ehemals Justitiar des Konsistoriums in Berlin, Buchautor und engagiert in der Praxis des Freikaufs von Häftlingen aus der DDR, schreibt, es träfe keineswegs zu, daß für Fr. Wilhelm III. das unterschiedliche Abendmahlsverständnis von Lutheranern und Reformierten nicht wichtig gewesen sei: „Gerade für die Hohenzollern war die Abendmahlsfrage wichtig, weil sie gemeinsam mit ihren lutherischen Frauen zum Abendmahl gehen wollten […]. Er (sc. Fr.-W. III.) wollte also mit seinem Aufruf gerade die Gemeinsamkeiten in der Abendmahlpraxis erleichtern.“

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber ich mußte erstmal laut losprusten vor Lachen! Ist das nicht unglaublich? Und es gibt keinen Hinweis, daß Dr. v. Wedel diesen Satz etwa ironisch gemeint haben könnte!

Nein, die „Abendmahlsfrage“ nimmt in dieser Sicht der Dinge schon ernst, wer es gerne mit seiner Frau gemeinsam empfangen will. Meine Güte, ich empfinde noch nachträglich Mitgefühl mit allen protestantischen Theologen, die sich ernsthaft und nach bestem Gewissen bemüht haben, diese zentralen Fragen für sich zu bewältigen. Sind alle nicht so wichtig, eure „theologischen Differenzen“, „denn der gemeinsame Glauben […] ist wichtiger“ (v. Wedel) und vor allem: Der König will nicht allein zum Abendmahl gehen…

Kommt uns diese „Argumentations“-Struktur nicht aus mancherlei heutigen Äußerungen auch von sich katholisch nennender Seite bekannt vor?

Dahin führt die einseitige „Praxisbezogenheit“ (oder vornehmer: die anthropozentrische Theologie, dieser schwarze Schimmel): Im bedingungs- und besinnungslosen Pragmatismus geht unter, was allererst wichtig ist (und was Fra‘ Dr. Lengerke ja gerade zum Thema seiner Ausführungen gemacht hatte!), die Frage nämlich: Was ist denn da wirklich „gemeinsam“ im Glauben?

Ja, noch schärfer: Kann sich eine Haltung überhaupt noch berechtigterweise „Glauben“ nennen, die entscheidende Fragen zum Gehalt der geoffenbarten Wahrheit dem Diktat der Bedürfnisse des Augenblicks unterwirft? Da hilft dann übrigens auch keine noch so exzellente „christlich-hausväterliche Praxis“ und ggf. wäre die Frage nach Protestantismus und Säkularisierung wohl z.B. von hier aus zu stellen (vgl. die Diskussion um M. Mosebachs Äußerungen auf PuLa hier und hier!).

Dr. v. Wedel behauptet: „Auch heute gibt es keine Abendmahlprobleme in der evangelischen Kirche.“, was ich nicht glaube und nicht hoffe, denn es dürfte auch dort und auch heute noch Menschen geben, denen es wirklich um die Sache geht. Aber da kenne ich mich nicht aus und kann also nichts dazu sagen.

Aber: Vor dem Hintergrund solcher Äußerungen eines profilierten Protestanten, waren da nicht die vielgescholtenen Worte des Hl. Vaters in Erfurt, Glaubensfragen seien keine Verhandlungen, das sei ein „politisches Mißverständnis“, nicht eben genau das, was gesagt werden mußte?

So, nach diesen ja nur sehr oberflächlich erheiternden Betrachtungen braucht’s ein „kräftiges Bekenntnislied“ (B.P.)

„Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören!“

Und in dem folgenden Video aus Niederbayern, das ich nicht ganz ohne Augenzwinkern einstelle, wird, sehr im Gegensatz zur Osternacht im Kölner Dom, die’s ebenfalls auf YouTube gibt, der richtige Text gesungen!

Der Schellenkranz! 🙂

Fest soll mein Taufbund immer stehn, / Ich will die Kirche hören. / Sie soll mich allzeit gläubig sehn / und folgsam ihren Lehren / Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad / In seine Kirche berufen hat;  / nie will ich von ihr weichen.

Kleinigkeiten?

Es geschieht ja immer wieder, daß unsereinem vorgehalten wird, man hänge sich, gerade in liturgischen Fragen, an „Kleinigkeiten“ auf, man solle doch „nicht so pingelig“ sein, und was dergleichen Redewendungen mehr sind, ja, es ist mir auch schon passiert, daß Menschen ihre komplette Verständnis- ja Fassungslosigkeit zum Ausdruck gebracht haben, wie man nur auf die Frage, ob denn nach dem Vaterunser und vor der Doxologie der Embolismus gebetet wird, überhaupt achten könne.

Ich gestehe, ich bin umgekehrt angesichts dieser Haltung immer ziemlich ratlos, denn mir schien es noch nie begründungsbedürftig, daß es hinsichtlich des Vollzugs der Hl. Messe nichts „Nebensächliches“ geben kann. Wir treffen uns schließlich nicht einmal in der Woche, um eine nette Zeit miteinander zu verbringen, sondern wir feiern Gottes-Dienst. Wo, wenn nicht hier sollte jede Einzelheit zählen? Denn unser Gegenüber sind wir nicht selbst, es ist der Allerhöchste.

Und hinter scheinbaren Kleinigkeiten, hinter weggelassenen Elementen und veränderten Worten, da verbirgt sich in aller Regel etwas und das kann man entschlüsseln. Dafür bedarf es keines Theologiestudiums, ein wenig sprachliche Sensibilität und schlußfolgerndes Denken reichen völlig hin!

So möchte ich versuchen, ein bißchen zu erzählen, wie man in der Messe zuhören kann (ja, ich fürchte muß!) und warum das interessant ist.

Gestern in der Abendmesse gab’s frisches Anschauungsmaterial.

Klar, auch der Embolismus wurde, wie bei diesem Zelebranten üblich, leider wieder mal weggelassen. Nun ist es heute nicht mein Thema, inwiefern das eigentlich zulässig ist (vielleicht kann sich ja ein Kollege aus der Blogoezese dazu äußern?) aber es bleibt schon befremdlich wie manchmal Priester das priesterliche Gebet vermeiden.

Warum nur? Hier, wo das gemeindliche Beten und das priesterliche so wunderbar ineinandergreifen, hier verstehe ich es besonders wenig. Aber leider: Gemeinden gewöhnen sich daran, merken gar nicht mehr, daß ihnen etwas fehlt und das ist sehr, sehr schade!

Aber, wie gesagt, es geht mir heute nicht in erster Linie darum, sondern um zwei kleine, vermeintlich unscheinbare Wortveränderungen.

So hieß es nicht „von dem, was uns schuldig macht“, sondern: „von dem, was uns schuldig spricht“.

Der Unterschied? Erheblich! Durch die Verwendung eines anderen Verbs verändert sich der ganze Charakter der Aussage. Denn wenn da bloß „gesprochen“ wird (statt „gemacht“), dann kann man ja auch wider-„sprechen“, dann verliert, mit anderen Worten, die ganze Aussage ihren objektiven Charakter. Ob wir „wirklich“ schuldig sind, erscheint dann eher als eine noch offene Frage; können wir noch mal drüber „sprechen“, kann ich mich vielleicht selber los-„sprechen“?

Die philosophischen und theologischen Implikationen sind weitreichend und liegen offen zutage, denke ich.

Ich für mich halte fest: Es gibt Handlungen, für die kann ich mich frei entscheiden und wenn ich sie ausgeführt habe sind sie, sofern sie den geoffenbarten Geboten GOttes widersprechen, nicht bloß falsch, sondern auch sündhaft. Sie „machen“ mich in der Tat objektiv schuldig; es lohnt nicht darüber zu reden, ob es denn auch wirklich so ist, denn damit verlöre ich nur Zeit und Kraft mich darum zu kümmern, wie ich Vergebung erlangen kann. So hatte ich eigentlich auch immer die katholische Lehre zu diesem Thema aufgefaßt.

Und weiter hieß es nicht: „der mit Dir lebt und herrscht“, sondern, „der mit Dir lebt und liebt“. Jetzt höre ich förmlich, wie manche tief Luft holen: Da! Da sind sie wieder die hartherzigen, kalten „Tradis“, buchstabengläubig kleben sie am abgelebten Wortlaut und ziehen so ein „pöses“ Wort wie „Herrschaft“ der „Liebe“ vor, diese Unmenschen, und geben es auch noch zu! Da möge doch gleich der „Hl. Karl Rahner“ dazwischen fahren und einen anthropozentrischen Blitz schleudern! 😉

So ist es, natürlich, nicht. Gerade vor dem Hintergrund des gerade gesagten dürfte im Gegenteil klargeworden sein, daß ich mich der göttlichen Liebe bedürftig weiß, ganz gewiß! Dennoch bin ich ganz sicher, das „herrschen“ sollte bleiben, wo es vorgeschriebener Weise ist. Denn es hängt mit der „Liebe“ zusammen! Wie sagt Robert Spaemann: „Der Satz, ‚Gott ist die Liebe‘, verliert seine Pointe, wenn man nicht dazu sagt, daß er der Allmächtige ist“ (weil er der Allmächtige ist, „herrscht“ er nämlich). Das ist doch gerade die unglaubliche Verbindung, die wir als Christen feiern: Allmacht und Liebe. Liebe bis zum Kreuz, zur Selbstentäußerung. Und auf das Kreuz folgt die Auferstehung. Nur, ohne Allmacht keine Auferstehung, und ohne Auferstehung ist „euer Glaube umsonst“ wie der Hl. Apostel Paulus sagt (1 Kor 15, 17).

Daher muß in der Messe, der Vergegenwärtigung dieses Geheimnisses, die Rede sein von beidem, von der Liebe und von der Herrschaft, wenn wir von dem sprechen, von dem wir im Credo bekennen: cuius regni non erit finis, dessen Herrschaft kein Ende haben wird.

Wie wir sehen hat das schon so seine Berechtigung, daß die Texte der Hl. Messe nicht ins Belieben eines jeden Zelebranten gestellt sind…

Und so möchte ich mit dem Gebet schließen, das jetzt in Weimar (und vermutlich in abgewandelter Form im ganzen Bistum Erfurt) in jedem Gotteslob steckt (jedenfalls sollte!), dem Gebet um einen guten neuen Epi-scopus!

 

Jesus Christus, du Hirt und Haupt deiner Kirche,

du hast verheißen:

„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“.

Im Vertrauen darauf bitten wir:

schenke unserem Bistum einen guten neuen Bischof,

der uns ein Vorbild ist durch das Zeugnis seines Lebens,

der uns stärkt durch seine Worte,

der uns erhält in der Freude des Heiligen Geistes,

der uns segnet durch seine Gebete und uns einigt

zu einer Kirche, die ausstrahlt.

Erleuchte alle, die den Papst in der Auswahl unseres

neuen Bischofs beraten, und gib dem Erwählten Mut

und Vertrauen. Amen.

 

V: Heilige Elisabeth A: Bitte für uns!

V: Seliger Märtyrer Otto Neururer A: Bitte für uns!

 

Sketch des Monats… Der Auftrag

Ich habe eine heftige Abneigung gegen diese Kultur des Beleidigtseins. Offenbar reicht allein die Behauptung, man sei beleidigt, um sich ins Recht gesetzt zu sehen [,,,]

Salman Rushdie

 

Dieser Blog geht nicht ohne Sketche. PuLa ist nicht PuLa, ohne Wundersdorf, die Schafe und ohne unsere Freunde aus Qíjī cūn! Hinzu kommt, ihre schmerzhafte Suspendierung, bzw. Exilierung hatte nicht den erhofften (wenn auch nie erwarteten) Erfolg, so in Richtung auf die „Kultur des Beleidigtseins“. Ist nicht besser geworden.

Aber vor allen Dingen: Was sich so alles angesammelt hat in dem guten halben Jahr! Das Leben ist ja weitergegangen, da oben in Wundersdorf. Könnte also gut sein, es erscheinen in naher Zukunft mal ein paar Sketche außer der Reihe.

 


Der Auftrag

Ein Sketch für zwei Personen

 

(Berlin – Prenzlauer Berg, im Büro der Unternehmensberaterin Brigitte Thaler. Frau Thaler, eine sehr sorgfältig gekleidete und überaus gepflegte Dame mittleren Alters, sitzt hinter ihrem Schreibtisch und schaukelt ausgesprochen gutgelaunt in ihrem Chefsessel. Ihr gegenüber sitzt, ebenfalls entspannt zurückgelehnt, Martin Kellermann, ihr Mitarbeiter in der Auftragsakquise. Doch das Gespräch nimmt einen für beide Beteiligten unerwarteten Verlauf …)

Thaler: Hervorragend, lieber Herr Kellermann, ganz hervorragend!

Kellermann: Da hatte ich, mit Verlaub, einen guten Riecher…

Thaler: Den hatten Sie! Der kirchliche Bereich ist durch die Unternehmensberatung bei weitem noch nicht hinreichend erschlossen!

Kellermann: Man wähnt sich dort immer noch viel zu sehr im konkurrenzfreien Raum.

Thaler: Wo auch immer die Herren Geistlichen diese Einschätzung in den Jahrzehnten der Kirchenaustritte hernehmen mögen (beide lachen). Spaß beiseite, Kellermännchen, dieser Auftrag saniert unser Unternehmen auf Jahre! (Kellermann errötet ein wenig und wirft sich stolz in die Brust.)

Thaler (plötzlich ernst): Was freilich nichts anderes bedeutet, als daß ich Sie nicht weiter beschäftigen kann.

Kellermann (erschrocken auffahrend): Wie bitte?

Thaler (kühl): Sie müssen gehen. Ich habe die Personalabteilung angewiesen, Ihre Kündigung zum Quartalsende auszufertigen. (Sie klickert eine Kugelschreibermiene hin und her.)

Kellermann (völlig entsetzt und verständnislos): Aber … aber haben Sie nicht gerade meine Arbeit gelobt?

Thaler: Selbstverständlich habe ich das. Wir werden Ihnen auch das beste Zeugnis ausstellen, mit dem je ein Mitarbeiter unser Unternehmen verlassen hat. Aber einen Mitarbeiter in der Auftragsakquise brauche ich jetzt einfach nicht mehr.

Kellermann: Aber… das ist doch unmöglich…

Thaler: Herr Kellermann! Dem Lieben Gott ist nichts unmöglich (sie lacht schmutzig). Pfarrer Kneif und seine ‚Rechte Hand’ haben in den kommenden fünf Jahren volles Programm (triumphierend) und wir mit ihnen! Haben Sie die Terminplanung von Frau Hinterberger noch nicht eingesehen?

Kellermann (gedrückt): Die Detailplanung? Nein, die war mir noch nicht zugänglich.

Thaler (schiebt ihm einen Ordner hin und schlägt selber eine äußerlich identische Sammelmappe auf. Sie liest kursorisch, während beide zu blättern beginnen. Wieder wippend):

„Mediation in der katholischen Pfarrgemeinde Maria Hilf! in Wundersdorf/Oderbruch.

Sechs-Augen-Gespräche zwischen den Konfliktparteien.

Mittwoch, 2. Mai 2012, 10 Uhr

Frau Corinna Bischoff – Frau Herta Bierksch in Sachen Räumung der gemeindeeigenen Villa Köpenicker Damm 24 zwecks Umbau zur Kindertagesstätte; Mediation Brigitte Thaler.“

So. Dasselbe am Tag drauf mit dem Pfarrer, Anschlußgespräche, ein Termin mit einem Vertreter des bischöflichen Ordinariats. Da sind wir bei Mitte Mai, wenn wir Glück haben. Anschließend Familie Wagner, selber Konflikt, Räumung der Villa Köpenicker Damm 24.

Juni/ Juli volles Programm mit fast allen Mitarbeiterinnen des Altenheims der Gemeinde. Fühlen sich alle bevormundet, Klima stimmt überhaupt nicht mehr – Sommerpause – im September geht’s weiter (sie blättert): Bischoff – Thaler bzw. Kneif – Thaler und nacheinander Vertreter aus den Gemeindegremien (aufblickend) noch vor der nächsten Wahl, (wieder lesend) dann verschiedene Hauptamtliche der Gemeinde, dann haben wir Weihnachten (sie blättert einige Seiten weiter), 2013 Bischoff und Kneif sollen mit verschiedenen Mitarbeitern des bischöflichen Ordinariats in Sachen Kirchenrestaurierung reden, im Frühjahr 2013 Handwerksbetriebe und Architekten – Sommerpause – Herbst 2013 Bischoff – Thaler bzw. Kneif – Thaler und einige Mitarbeiter einer Orgelbaufirma, dann haben sie da einen Blogger aus der Gemeinde auf dem Kieker, der ist im November dran, wenn er kommt, aber das fällt gar nicht ins Gewicht, zeitlich gesehen, dann der Chefrestaurator der katholischen Kirche, Frau des Chefrestaurators – Weihnachten – 2014 Bischoff – Thaler bzw. Kneif – Thaler und Hochschulangestellte aus den Fachbereichen der Kirchenmusik – ehemalige Leiterin Jugendchor – ehemalige Leiterin Kinderchor – ehemalige Leiterin Malkurse – Sommerpause … in Sachen einer Auftragskomposition …

Kellermann (schlägt den Ordner zu und wirft ihn auf den Tisch, laut): Hören Sie auf! Das ist ja furchtbar!

Thaler (blickt auf): Das waren jetzt erst die, die überhaupt noch die katholische Kirche in Wundersdorf besuchen. Ab Herbst 2014 geht es mit denen weiter, die eigentlich nicht konvertieren möchten, aber keinen Ausweg mehr sehen, als in die evangelischen Gemeinden der Gegend auszuweichen. – Bischoff – Thaler – Frau M…

Kellermann (hält sich die Ohren zu): Hören Sie auf! Was hab ich da bloß angestoßen? (Er verbirgt sein Gesicht auf der Tischplatte in seinen verschränkten Armen.)

Thaler (beugt sich vor und legt ihre Hand auf einen Arm): Aber, aber, Herr Kellermann … Wer die Konflikte benennt, hat sie doch nicht geschaffen! Sie trifft keine Schuld!

Kellermann (schnieft): In welche Abgründe müssen wir blicken?!

Thaler (lehnt sich seufzend zurück, mütterlich): Wenn Konflikte über Jahre schwelen und man die Eskalation zuläßt, bis eine vermittelnde Konfliktbearbeitung nicht mehr möglich erscheint, dann dürfen wir nicht erwarten, daß das Problem mit ein-zwei Gesprächen vom Tisch ist und alle wieder fröhlich mittun.

Kellermann (steht auf und erhebt sich): Frau Thaler, darf ich um meine sofortige Beurlaubung bitten, noch vor dem Quartalsende? (Frau Thaler stutzt und sieht ihn fragend an.)

Kellermann (entschlossen): Ich möchte meinen Beruf an den Nagel hängen und einem Orden beitreten. Hier hilft nur noch beten!

Der junge Mann verläßt den Raum, Frau Thaler blickt ihm, halb vom Sitz erhoben, entgeistert nach.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß sich bei uns in Weimar kaum einer solch eine Fülle an unbewältigten Konflikten  vorstellen kann!

 

 

„Böses“ aus Rom? – Sedisvakanz im Bistum Erfurt

Man muß Hartmut Kaczmarek Dank sagen. Der stellvertretende Chefredakteur der Thüringischen Landeszeitung, Erscheinungsort Weimar, hat in einem Kommentar zur anstehenden Neubesetzung des Erfurter Bischofsstuhls Sätze von entlarvender Offenheit geschrieben. Sätze, die geeignet sind die Erkenntnis der uns umgebenden Wirklichkeit zu befördern.

Denn, was sich ja unter Umständen außerhalb der Grenzen dieses Diaspora-Bistums noch nicht allerorten herumgesprochen hat, der Erfurter Bischofstuhl ist seit dem 1. Oktober vakant, Papst Benedikt hat das Rücktrittsgesuch von Bischof Dr. Joachim Wanke angenommen (Nachricht auf der Bistumsseite).

Die Nachfolge regelt sich nach dem „Preußen-Konkordat“ von 1929, ausgehandelt von keinem Geringeren als dem damaligen Erzbischof Eugenio Pacelli, dem späteren Pius XII (schöne Zusammenstellung der Modalitäten wiederum beim Bistum, hier). Zum Diözesanadministrator wurde Weihbischof Dr. Reinhard Hauke gewählt.

Ich fühle ich nun wahrlich nicht berufen, Bischof Wanke angemessen zu würdigen, ich glaube, das gehört sich nicht, für einen, der notwendigerweise ein „Reingeschmeckter“ bleiben muß. Nur anmerken möchte ich angesichts des verbreiteten Tenors der öffentlichen Würdigungen gern, daß es m.E. ein großes Mißverständnis ist, wenn unser Altbischof nun retrospektiv undifferenziert als „Liberaler“ gefeiert wird; eine Einschätzung, in der ich mich mit Menschen, die ihn viel besser und näher kennen als ich, einig weiß (vgl. dazu auch z.B. hier und hier). Ich persönlich hätte gerne noch mehr erlebt, von diesem „anderen Bischof Wanke“.

Jedenfalls geht die Thüringische Landeszeitung mit dieser Art der einseitigen Würdigung „in die vollen“, die gleiche Zeitung, deren (immer noch amtierender) Chefredakteur im Frühjahr 2010 in seiner in Thüringen berüchtigten samstäglichen Kolumne „Das Schlüsselloch“ versucht hat, den Rücktritt von Bischof Wanke herbeizuschreiben und in diesem Zusammenhang einen Weimarer Priester auffällig hervorhob, z.B. hier nachzulesen.

Damals haben etliche Weimarer Katholiken Bischof Wanke brieflich ihres Vertrauens und ihrer Unterstützung versichert, darunter viele, die sich diesem Blog verbunden fühlen (und die Autoren natürlich sowieso!).

Aber mit einem Bischof, der das Amt nicht mehr inne hat, läßt sich eben leichter Politik machen, der dient dann bloß noch als Projektionsfläche eigener Wunschvorstellungen, respektive „Schreckensszenarien“. Und genau solche sieht H. Kaczmarek, frischgewähltes Mitglied des Filialgemeinderats Bad Berka, heraufziehen.

Unter der Überschrift: „Wer kommt jetzt?“ wird das „Anforderungsprofil“ des erwünschten Nachfolgers gezeichnet. „Sein Bild von Kirche“ dürfe nicht „vom Pomp eines Kölner Doms“ geprägt sein und im „Land Martin Luthers“ müsse er von „ökumenischem Geist durchflutet“ sein. „Mit neuen Ideen“ müsse er in der Lage sein „junge kirchenferne Menschen anzusprechen“, für einen „modernen Katholizismus, der nah bei den Menschen ist“. (ganzer Text hier)

Ach ja. Wie neu, wie geradezu „unerhört“…

Aber ich will mich hier nicht mit dem hohen Langeweile-Faktor derartiger Texte beschäftigen, sondern nur auf eines der vielen Mißverständnisse hinweisen, die diesen Kommentar durchziehen: Nah bei den Menschen ist nämlich gerade auch derjenige, der ihnen zu ihrem (kirchlichen) Recht verhilft, denn, wie sagt unser Weimarer Mitbürger Friedrich Schiller so schön: „Das Gesetz ist der Freund der Schwachen.“ Doch bevor der Gedanke, daß das Kirchen-Recht eine zutiefst pastorale, ja spirituelle Dimension hat, in einer „normalen“ Zeitung steht, ob’s da noch Zeitungen gibt, wie wir sie heute kennen? (von der TLZ mal ganz zu schweigen) 😉

Nein, es ist der zweite Teil dieser Wortmeldung, der den Erkenntnisgewinn bringt.

Denn, weiß man von diesem „Anforderungsprofil“ auch „im fernen Rom?“, so fragt Kaczmarek, und wiederholt die allseits bekannte Aufzählung der „Erzkonservativen“ von Kardinal Meißner über Erzbischof Woelki bis zum, er darf im Augenblick natürlich nicht fehlen, relativ neuen Limburger Amtsinhaber, um mit dem folgenden Absatz zu enden:

„Die Katholiken in Thüringen können eigentlich nur beten, dass ihnen ein solcher Oberhirte, der den Menschen fern ist, erspart bleibt. Aber ob man im Vatikan darauf hören wird? Der Trend der jüngsten Bischofsernennungen lässt aber Böses ahnen.“

Und hier ist es an der Zeit, deutlich zu widersprechen.

Mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß das in der Tat sehr angezeigte Gebet keine (kirchenpolitische) Meinungsäußerung gegenüber „Rom“ ist, sondern sich an eine höhere Adresse richtet, es würden vor allem wohl kaum alle im Sinne dieses Kommentars beten! Vielmehr bin ich fest überzeugt, die überwältigende Mehrheit der Katholiken in Weimar und im ganzen Bistum erwartet vom Papst, von diesem deutschen Papst zumal, der im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen hat, wie gut er die Kirche in Deutschland, auch die in der mitteldeutschen Diaspora,  kennt, nichts „Böses“!

Denn man muß sich das Wort schon auf der Zunge zergehen lassen: „Böses“ steht da. Nicht „Übles“ oder „Schlimmes“, nein „Böses“. Ich dachte immer, das Wort hat im religiösen Kontext eine Dimension, die bei der Verwendung des Begriffs sehr, sehr vorsichtig machen sollte.

Nun will ich meinem Mit-Gemeindemitglied Kaczmarek gern zugute halten, daß er schon längere Zeit über Gebühr belastet scheint, gerade mit dem Schreiben von Kommentaren, seit, so der Eindruck, sein Chefredakteur bloß noch sporadisch arbeitet und bloß noch schreibt wozu er gerade Lust hat, aber dennoch finde ich, das hätte nicht passieren sollen.

Aber, genau da steckt  der Erkenntnisgewinn: Dahin kommt es nämlich, wenn sich der „fortschrittliche“ deutsche National-Katholik in seinen Vorstellungen davon, wie es hierzulande zugehen solle, „gestört“ fühlt vom „bösen“ (sic!) Rom. Es sind eben (leider!) keine Hirngespinste „konservativer Bloggerkreise“, nein, man muß nur genau lesen und zuhören, dann wird es ganz offenkundig, was diese Richtung will (aber niemals zugibt): Los von Rom! (wir haben ja hier auf PuLa schon beobachten können, wie sich diese Haltung auch „im Kleinen“ ausprägt)

Aber man braucht sich nicht zu ereifern. Das ist nicht die erste und es wird auch, so steht zu befürchten, nicht die letzte nationalkirchlich-schismatische Bewegung der Kirchengeschichte sein. Sie wird scheitern, wie sie alle gescheitert sind und scheitern müssen. Denn wir werden Weltkirche sein, unter dem Bischof von Rom, oder wir werden nicht sein.

Und deshalb sei abschließend ganz ausdrücklich gesagt: Ich bin froh und dankbar, daß es gerade dieser Papst ist, der den nächsten Hirten unserer Ortskirche ernennen wird, was ich voll kindlichen Vertrauens erwarte und dafür bete, daß es ein wahrer „Epi-scopus“ werden möge!

Heiliger Bonifatius, der Du gerade hier in Thüringen die Kirche in Treue und Verbundenheit mit dem Papst einrichten wolltest, bitte für uns!

 

St. Bonifatius, Weimar Schöndorf, Relief über dem Eingang (eigenes Bild)

PS: Interessanteres, wenn auch nicht unbedingt Erfreuliches über die Vakanzen in deutschen Bistümern hat die SZ vom 4. Oktober, hier.

 

Aus gegebenem Anlaß

voller Dankbarkeit zugeeignet allen Freundinnen und Freunden nah und fern, auf die ich vertrauen kann „in tribulatione“: (in der Bedrängnis)

Qui habitat in adiutorio Altissimi, in protectione Dei cæli commorabitur.

Dicet Domino: Susceptor meus es tu, et refugium meum: Deus meus sperabo in eum.

Quoniam ipse liberavit me de laqueo venantium, et a verbo aspero.

Scapulis suis obumbrabit tibi: et sub pennis eius sperabis:

Scuto circumdabit te veritas eius: non timebis a timore nocturno,

A sagitta volante in die, a negotio perambulante in tenebris: ab incursu, et dæmonio meridiano.[…]

Verumtamen oculis tuis considerabis: et retributionem peccatorum videbis.

Quoniam tu es Domine spes mea: Altissimum posuisti refugium tuum.

Non accedet ad te malum: et flagellum non appropinquabit tabernaculo tuo.

Quoniam angelis suis mandavit de te: ut custodiant te in omnibus viis tuis.

In manibus portabunt te: ne forte offendas ad lapidem pedem tuum.

Super aspidem, et basiliscum ambulabis: et conculcabis leonem et draconem.

 

Eine schwache deutsche Annäherung:

Wer in der Hilfe des Allerhöchsten lebt, bleibt unter dem Schutz des Gotts des Himmels.

Er sagt zum HErrn: Du nimmst mich auf und bist meine Zuflucht * mein Gott, ich hoffe auf Dich.

Denn er hat mich befreit aus der Schlinge der Jäger * und von dem rauhen Wort.

Mit seinen Schwingen überschattet er dich * und unter seinen Flügeln wirst du hoffen.

Wie ein Schild umgibt dich seine Wahrheit * du wirst nicht Angst haben vor dem nächtlichen Schrecken.

Vor dem Pfeil, der am Tage fliegt + dem Unheil, das im Dunklen einhergeht * vor dem Ansturm und dem mittäglichen Dämon. […]

Wahrlich du wirst es mit deinen Augen betrachten * und die Vergeltung an den Sündern sehen.

Denn Du HErr bist meine Hoffnung * zum Allerhöchsten hast du deine Zuflucht gelegt.

Dir wird kein Übel widerfahren * und die Plage wird sich deinem Zelte nicht nähern.

Denn er hat seinen Engeln für dich befohlen * daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Dich auf den Händen zu tragen * daß dein Fuß nicht fest gegen einen Stein stoße.

Über die Natter und den Basilisken wirst du schreiten * und Löwen und Drachen zertreten.

 

Aus dem Psalm 90 in der lateinischen Form (und natürlich in der Zählung 😉 ), wie sie durch die Jahrhunderte das abendländische Beten bestimmt hat (und auch heute Teil der Komplet für Sonn- und Feiertage in der außerordentlichen Form des römischen Ritus ist). Von dem Problem der verschiedenen Formen der lateinischen Bibel, die uns so umgeben, habe ich bis jetzt gerade allenfalls eine schwache Ahnung, aber das ist richtig spannend! (wenn jemand eine gute „Geschichte der Vulgata“ kennt: Bitte melden!)

 

Unbedingt bis 3:10 schauen! 🙂

 

Nolite conformari…, oder: Je öller je döller?

Nolite conformari huic saeculo! Röm 12, 2

(Paßt Euch nicht dieser Welt an)

Leider wird dieser Beitrag weniger lustig, als ein Teil der Überschrift vielleicht vermuten läßt, denn er beschäftigt sich, aus mehr oder weniger aktuellem Anlaß, mit einer der vielen emotionalen Zumutungen (nicht nur aber besonders) in der real existierenden Kirche in Deutschland Anfangs des 21. Jahrhunderts.

Bei diesem Anlaß handelt es sich um einen Vorgang, den vor kurzem Dr. Alexander Kissler in seiner Kolumne in „The European“ aufgedeckt hat.

Da gibt es in München eine katholische Journalistenschule, ifp, „Institut zur Förderung des publizistischen Nachwuchses“ geheißen,  richtiggehend in Trägerschaft der Kirche und gegründet durch die Deutsche Bischofskonferenz 1968.Was folgt, bestätigt den spontanen Verdacht, daß aus diesem annus horribilis kaum etwas Gutes kommen kann (Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden natürlich ausgenommen!).

Haben sich doch dort 15 angehende Journalisten und ihre Trainerin (Expertin für „crossmedialen Journalismus“) als „Mitwirkende“ an einem Projekt zusammengefunden, das sich „ausgeschlachtet, das Fleisch-Dossier“ nennt.  Der ästhetische Gesamteindruck ist m.E. durchaus geeignet, sensiblen Naturen auf den Magen zu schlagen und die Themenpalette ist, nun ja, breit angelegt: Vom Wurstquiz über den Bauchtanz bis zur vielversprechenden Überschrift: „Menschenfleisch als Dünger“ ist alles im Angebot und das „Rituelle Aufhängen“ ist wirklich vom Allerfeinsten! (Dabei, es sei ausdrücklich betont, gibt es aber auch wirklich solide gemachte und interessante Beiträge, z.B. hier, um die es schade ist, daß sie in diesem Umfeld erscheinen mußten)

Zweifelsohne der Tiefpunkt des Projekts war allerdings, was für Kissler der Ausgangspunkt seiner Anfrage an das kirchensteuerfinanzierte Unternehmen wurde, eine Reportage dreier junger Leute über einen Münchener Swingerclub. Dieses mittlerweile von der Site entfernte Machwerk („Der Artikel wurde zur redaktionellen Überarbeitung vorübergehend offline geschaltet. Wir bitten um Verständnis“)  halte ich nun wohlgemerkt nicht deshalb für anstößig, weil ich meinte, katholische (oder einfach nur christliche) Nachwuchsjournalisten dürften sich nicht mit Swingerclubs beschäftigen, doch, „dürfen“ sie, aber die schiere Beliebigkeit, in der diese Behandlung passiert ist, die scheinbar oder anscheinend vollständige Distanzlosigkeit zu dem, was ihnen dort begegnet ist, das Fehlen aber auch jedweder Fragestellung, die jenseits der bloßen Beschreibung zu einer wie auch immer gearteten Erhellung des Phänomens hätte beitragen können, das alles ist schon abenteuerlich und rechtfertigt Kisslers Fazit vollauf: „[…] scheint hier Kirche als Weltverdoppelungsverein in ihre letzte Phase eingetreten.“

Und so frage nicht nur ich mich, was sich eigentlich die Eltern der jungen Leute so denken werden über die Gesellschaft, in die ihre Kinder da geraten sind, vor allem aber, was sich unter solchen Bedingungen lernen läßt, was andernorts nicht auch, und dann wohl sogar „besser“, soll heißen „rücksichtsloser“, bzw. „vorurteilsfreier“ und was dergleichen Vokabeln der Beliebigkeit mehr sind, lernen ließe.

Nun mögen Sie sich fragen, warum erzählt er uns das alles noch einmal? PuLas Beitrag zur aktuell erneut aufgeflammten Kirchensteuerdiskussion ? Nein, der kommt noch, obwohl man sich in diese Richtung gerne seine Gedanken machen darf.

Und es sind auch nicht die Reaktionen bzw. Nicht-Reaktionen auf den Vorgang, aber die sollen immerhin kurz gestreift werden. Auf der Seite des ifp: „Nichts“ (wenn man von dem dürren Satz, den ich oben zitiert habe absieht). Immerhin gab es seitens des Leiters des ifp (ein Priester…) eine persönliche Stellungnahme an Dr. Kissler, immerhin! Von Seiten der DBK? Das übliche dröhnende Schweigen und ob es Thema im Rahmen der Herbstvollversammlung wird, werden wir im Zweifelsfall nicht erfahren.

Und warum auch mögen sich manche dortigen „Strategen“ fragen, denn auch die medialen Reaktionen waren erstens ausgesprochen flau und paßten zweitens jedem ins Konzept, der Menschen wie Kissler für bloße Störenfriede auf dem Weg der deutsch-national-kirchlichen Selbstverwirklichung unter weitestgehendem Ausschluß der (kirchensteuerzahlenden) Öffentlichkeit hält.

Immerhin bat in „Christ und Welt“ die Redaktionsleiterin, Dr. Christiane Florin Kissler zum Interview über das Thema. Doch die Gesamtseite stand dann unter der Überschrift: „Wieviel Moral braucht der Sex?“ (hier, dazu gehörten im Print die Texte unten von Kissler und „Spirituell brisant“) und darum ging es eben diesmal gerade nicht. Sondern um Beliebigkeit oder Profil. Frau Florin hält aber lieber Dr. Kissler „ethisch fragwürdiges Verhalten“ vor, weil er drei junge Journalisten “vorführe“. Ok, das kennen wir ja auch aus Weimar zur Genüge: „Shoot the Messenger“  lautet das Motto, wenn einer unbequeme Wahrheiten ausspricht und diese Verhaltensweise ist immerhin wirklich richtig alt…

„Alter“ ist übrigens das Stichwort für das, worauf ich eigentlich hinauswill.

Aber zunächst, was tut der Netz-affine Mensch, wenn er einem solchen Geschehen begegnet? Er durchsucht die Homepage der Institution, um die es geht. Da stößt man dann z.B. auf den Aufsichtsrat des ifp  (auch mit hochkarätigen Journalisten aus Thüringen…) vor allem aber auf die Seite: „Unser Selbstverständnis“ .

Nach der Lektüre dieser Seite habe ich mich über nichts mehr gewundert. Leider. Sie besteht aus einer Ansprache von P. Dr. Wolfgang Seibel SJ, dem ersten Direktor des ifp. Überschrift: „Über den kirchlichen Charakter des ifp“:

„Es (sc. das ifp) soll also ein Stück lebendige Kirche erfahren lassen. Glaube wird ja nicht durch Belehrung und Wissensvermittlung geweckt. (sic!)

Glaube kann nur wachsen in einem Raum der Mitmenschlichkeit, der Freiheit, der Offenheit, des Vertrauens […]. Dem Glauben als einer in freier Entscheidung übernommenen Lebensform widerspricht ja jeder Versuch der Indoktrinierung, jede Art von Druck, Disziplinierung oder gar von Zwang.

Zum kirchlichen Charakter des Instituts gehört es auch, daß es keine bestimmte innerkirchliche Richtung vertritt oder favorisiert, sondern offen ist für die Vielfalt christlicher Glaubens- und Lebensstile. Alle, die in der großen Kirche Platz haben, sollen auch im Institut Platz haben – vorausgesetzt allerdings, daß sie dialogfähig sind, das heißt, daß sie ihre eigene Meinung nicht absolut setzen und nicht als die christlich und kirchlich allein mögliche hinstellen.“

Und weiter:

„Als Journalisten haben Christen keine andere Aufgabe und keine anderen Normen als die Kolleginnen und Kollegen, die von einer anderen Welt- und Lebensanschauung herkommen. Auch die ethischen Normen sind für alle gleich, weil sie ja in der unveräußerlichen Würde des Menschen und seinen Grundrechten wurzeln.“

Mit anderen Worten: Beliebigkeit und Lehramtsferne als Programm von Anfang an. Die Anpassung an die Welt wird offensiv verteidigt, und man zitiert dabei auch noch den Hl. Apostel Paulus. 🙁

Ok, der Tenor dieser Ausführungen ist uns ja allen seit mindestens 50 Jahren wohlvertraut, aber es scheint mir doch, als sei es nachgerade eine Karikatur jesuitischer Rhetorik („Die Kuh hat drei Beine! (Mindestens.)“), die explizite Absage an jede kirchliche Bindung, die diesen Namen verdient, als „kirchlichen Charakter“ zu deklarieren.

Und so fragen wir weiter: Wer ist Wolfgang Seibel SJ? Insider werden nun schmunzeln, denn ihnen ist natürlich bekannt, daß es sich um den langjährigen Leiter der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ handelt. Über deren Profil muß hier vermutlich kein Wort verloren werden, aber wer möchte kann hier das aktuelle Editorial aus der Feder des Nachfolgers von W. Seibel lesen: A.R. Batlogg SJ, „Ist das Konzil schuld?“. Man stößt dabei auf einen wenig subtil bemäntelten „Konzil, Konzil über alles“ Text (incl. dem Gespenst „Geist des Konzils“, dessen Erbe auf dem Spiel stehe…), mir scheint, die jesuitische Kunst der dialektisch verschlungenen Agitation war schon mal auf höherem Niveau. 😉

Und Pater Seibel (nach dem mittlerweile der Preis für Nachwuchsjournalisten des ifp benannt wurde) ist eben auch ein glasklarer Vertreter der romfernen Theologie der „Hermeneutik des Bruchs“, handlich nachzulesen z.B. hier in einem langen Interview mit br alpha aus dem Jahr 1999.

Kostproben gefällig?

„[…] denn die ganze Situation in der Kirche war eine Situation des Unterdrücktseins. Man hatte den Eindruck, dass alles unter dem Deckel gehalten würde. […] Schon damit hatte man den Eindruck, dass jetzt eine Epoche der Kirchengeschichte abgeschlossen ist.“

oder:

„Das Schlimme ist dabei, dass Rom wieder bestimmt, was Lehrfragen sind. Wenn ich Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz anschaue, z. B. die berühmte Königsteiner Erklärung, die 1968 nach der Enzyklica Humanae Vitae zum Thema Empfängnisverhütung erschien: Sie wäre unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich.“ (Hervorhebungen von mir)

Ich glaube, mehr ist zur Charakterisierung der Richtung nicht erforderlich, oder? Der traditionelle Katholik weiß, welcher theologischen Richtung der Mensch, mit dem er es zu tun hat, anhängt und wendet sich mit Grausen.

Nun ist aber Pater Seibel auch ein „älterer“ Herr (Jg. 1928). Sohn eines Zentrums-Abgeordneten. Und er ist Priester.

Und was möchte der traditionelle Katholik, wenn er es mit einem über 80-jährigen Geweihten zu tun hat? Er möchte mit Hochachtung, ja Liebe und Verehrung zu ihm aufschauen.

Geht aber nicht.

Das gleiche Phänomen haben wir im Urlaub erlebt: Ein ähnlich alter und schon gebrechlicher Priester (auch ein Jesuit, aus Amerika, der seit Jahrzehnten seine Urlaube in Österreich verbringt, Name bekannt, tut aber ja hier nichts zur Sache) wird, zu Mariä Himmelfahrt, an den Ambo geführt und dann folgt eine Predigt, die, ich kann es nicht sanfter sagen, vom gewöhnlichsten allgemeinen Heilsoptimismus durchdrungen war.

Essig war’s mit der Bereitschaft zur Verehrung.

Das ist das, was man eine „Frustration“ im strengen Sinne des Wortes nennt, eine enttäuschte Gefühlserwartung. Und wer immer sich regelmäßig aufregt und sich fragt, warum denn Traditionalisten gelegentlich so aggressiv unterwegs sind, findet hier einen Grund. Ja, ich empfinde es tatsächlich als persönliche Zumutung, sogar Kränkung, immer wieder das Alter nicht ehren zu können. Und ich bekenne mich dazu, daß mich das wütend macht. Ich möchte nicht über 80-jährige Priester kritisieren müssen, das schmerzt mich!

Freilich, es gibt keine Wahl. Ich würde ja auch nichts von liturgischen Einzelheiten wissen wollen, wenn man sich denn darauf verlassen könnte, daß immer alles in Ordnung ist. Wir wissen aber, das ist nicht der Fall. Ebensowenig wie eben Predigten und Texte über 80-jähriger Ordensleute in Ordnung sein müssen.

Die schmerzliche Verwirrung, die hier um sich gegriffen hat, ist eines der üblen Zeichen der Zeit, dieser ver-rückten Zeit nach der Moderne, die sich ihrerseits ja schon so viel darauf zugute getan hat, gerade hinsichtlich der natürlichen Empfindungen keinen Stein auf dem anderen lassen zu wollen.

Sie mögen einwenden, die Betrachtung sei sehr einseitig. Das stimmt.

Daher plädiere ich auch dafür, die umgekehrte Blickrichtung zumindest zu versuchen. Ich kann mich den Seibels dieser Welt (es gibt ihrer ja gar viele!) durchaus empathisch nähern. Ja, ich kann mir vorstellen, daß es ein sehr unschönes Gefühl ist, wenn man in der Jugend sozusagen „auch seine Revolution“ („Das Konzil“) hatte (alle anderen redeten ja auch von so was!) und die war edler und schöner als die der anderen (und das war sie ja nun auch wirklich) und nun reden auf einmal jüngere, viel jüngere, Menschen (fast) wie die Gegner von damals und das, was der „Geist“ der Veranstaltung gebracht hatte (und noch bringen sollte), das wird nun langsam wieder abgebaut. Die ganze Stimmung hat sich gedreht, auf die hoffnungsvollen „jungen“ Kirchen in der sog. Dritten Welt ist auch kein Verlaß mehr (sondern sie entdecken den Wert der Mundkommunion) usw. usf.….

Ganz ehrlich, ich kann mich hineinfühlen in einem Menschen, den das Gefühl beschleicht, die Grundkoordinaten seines intellektuellen Lebens, vor allem das Dogma der einlinigen Entwicklung, des „Fortschritts“, wie sie es nannten, stimmen nicht mehr. Solche Menschen verdienen unser Mitgefühl.

Nur sollte das Bemühen eben kein einseitiges sein. Wolfgang Seibel macht in dem Interview vor, wie es nicht geht, wenn er (1999!) unsereinen zur „untergehenden Art“ erklärt und Katholiken, die ihr weltkirchlich verbrieftes Recht auf eine unverkürzte Liturgie verteidigen, zu „Denunzianten“ erklärt. Schade.

Und schlußendlich: Empathie ist kein Ersatz für Aufrichtigkeit. Die kann schmerzhaft sein, aber es geht ja auch um was. Es geht um – Alles!

Und so sehe ich, durchaus traurig, am Ende dieser ein wenig länglichen Ausführungen leider nicht, wie auch künftig der Schmerz, Priester mit weißem Haar zu kritisieren, vermieden werden könnte.

Allein gilt:

Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen: Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. (Mk 10, 29 f.)

Amen!

Zizek und der Kardinal (und PuLa!)

Auf dem diesjährigen Michaelsempfang des Katholischen Büros der dbk in Berlin am 12. September hat Christoph Kardinal Schönborn eine in Gänze sehr schöne und bemerkenswerte Rede gehalten.

Aber bevor wir auf die Inhalte kommen zwei Worte zum „Drumherum“: Zunächst ist die mediale Resonanz der Veranstaltung angesichts der Tatsache, daß den Empfang immerhin die Kanzlerin besucht hat, absolut unterdurchschnittlich; Googeln Sie‘s mal unter News mit dem Kriterium „Letzte Woche“! Wofür ich als Kirchenmitglied eigentlich Rundfunkgebühren zahle, frage ich mich wirklich manchmal… 🙁

Zweitens finden Sie den Text zwar mittlerweile auf der Homepage der Erzdiözese Wien (hier) aber zuerst hatte ihn, wieder einmal, kathnet, hier.

Und das möchte ich gerne zum Anlaß nehmen zum wiederholten Male darauf hinzuweisen, daß alle Versuche, kathnet mehr oder weniger in eine Ecke mit vulgärtraditionalistischen Hetz und Schmutzseiten wie kr..net zu bringen völliger Unsinn sind, egal, ob sie wie immer mal wieder gerne mit dem Holzhammer oder wie unlängst subtiler in „Qualitätsmedien“ wie der FAZ geschehen. Das sind Äußerungen, die von ganz und gar durchsichtigen Interessen und einer Menge Ressentiment gespeist sind. Dem Ressentiment nämlich, das aus der Angst vor dem Verlust der Diskurshoheit entsteht (um nicht das härtere Wort vom Informations- und Meinungsmonopol zu verwenden)! Und dem Interesse natürlich, diese möglichst zu erhalten. Einfach nicht irritieren lassen, sondern sich selber ein Urteil über die Arbeit des Portals machen! Gerne wird in dem Zusammenhang ja auch immer auf die „schlimmen Kommentare“ auf kathnet verwiesen. Nun will ich ausdrücklich sagen, daß mir manches, was dort geschrieben wird (aber eben beileibe nicht alles!) mindestens stilistisch auch ziemlich fremd ist, nur, macht es das weniger authentisch? Und lesen Sie doch gerade einmal die Kommentare zur Veröffentlichung der Rede von Kardinal Schönborn: Ja, da gibt es welche, die finden auch an diesem wirklich guten Text noch was zu kritteln. Aber: es finden sich eben auch Beiträge aus den Reihen der Kommentarschreiber, die genau das wieder geraderücken!

Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, jedes Internet-Medium hat so seine Problembären oder Trolle unter den Kommentatoren (Hallo, Else! 😉 ) und mit kathnet fühle ich mich sogar noch darüber hinaus verbunden in dem Wissen, daß es Menschen gibt, die beide Medien explizit verteufeln, weil sie ihre Interessen bedroht sehen und Menschen Angst einjagen und ihnen unter Mißbrauch ihrer Autorität quasi verbieten wollen, sich mit ihren eigenen Angelegenheiten zu beschäftigen. Wird beim großen kathnet nicht funktionieren, und auch nicht bei meinem kleinen Blog, denn „Wir sind doch schon groß“, nicht wahr? Und wenn mir zum Abschluß noch jemand erklärt, warum es so häufig eben die gleichen Menschen sind, die sowas versuchen, die sonst bei jeder Gelegenheit die „mündigen Laien“ im Munde führen, dann wäre ich dankbar! 🙂

Nun, jedenfalls gelingt es Kardinal Schönborn in seiner ernsten aber doch alles andere als humorlosen Rede ein Schlaglicht zu werfen auf das Verhältnis von „Christentum und europäischem Projekt“, das sich ganz in die Linie des großen Anstoßes stellt, den Papst Benedikt mit seiner Freiburger Rede und dem Stichwort von der „Entweltlichung“  gegeben hat:

„Wie bei vielen anderen Gelegenheiten ermutigt Papst Benedikt die Christen heute, zur säkularen Gesellschaft ein positives Verhältnis zu gewinnen, nicht im Sinne der Anpassung. Vielmehr sollen die Christen in aller Freiheit in einer pluralistischen Gesellschaft das Eigene einbringen. Gerade in Staaten, die ein stark kooperatives Verhältnis zu den Kirchen haben – wie Deutschland oder Österreich – ist die Versuchung groß, mehr auf die eigene kirchliche Institution und Organisation zu schauen, als auf die ursprüngliche Berufung des Christen in der Welt. Gerade in einer säkularen Gesellschaft ist ein „verweltlichtes“ Christentum uninteressant, denn „weltlich“ sein, das können die Säkularen meist besser als die Kirchlichen. Papst Benedikts Aufruf zu einer „Entweltlichung“ der Kirche zielt, so sehe ich es, genau auf diese Situation eines „verweltlichten“ kirchlichen Lebens. Paradoxerweise ist eine „entweltlichte“ Kirche besser geeignet, weltoffen zu sein, wie es das Konzil wollte: „Sie öffnet sich der Welt, nicht um die Menschen für eine Institution mit eigenen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selber zu führen“, indem sie sie zu Gott führt.“ (Hervorhebung von mir)

Mir geht es hier besonders um das Wörtchen „uninteressant“. Denn was haben PuLa-Leser mit dem Kardinal gemein (außer dem gleichen Glauben, hoffentlich)?

Beide haben Slavoj Zizek rezipiert! Vor über einem Jahr haben wir uns auf diesen Seiten mit der nur auf den ersten Blick überraschenden Position des bekannten postmodernen Philosophen beschäftigt, daß es gerade das traditionelle Christentum ist, das entweltlichte, sozusagen, das am allerwenigsten „uninteressant“, bzw. langweilig ist (ggf. hier nachlesen).

Damals lagen die Reise des Hl. Vaters nach Deutschland und damit auch seine Freiburger Rede noch vor uns. Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen, wenn der Vorsitzende einer nationalen Bischofskonferenz auf diese Weise die Gedanken Benedikts weiterspinnt, gerade vor diesem Publikum (hoffentlich hat N. Lammert gut zugehört…).

 

Danke, Eminenz!

 

PS: Ich würde mir wünschen, daß dieser paradoxale aber letztlich doch so einfache Gedanke, daß man „anders“ sein muß, um für sich zu gewinnen, in die Überlegungen zum Thema „Neuevangelisierung“ Eingang findet. Gremienkirchliches Gleichmaß wird nämlich niemanden, aber auch niemanden hinter dem agnostischen Ofen hervorlocken…

 

 

 

Zu kurz gegriffen!

Folgenden herrlich albernen Witz fand ich auf „Kiliansnotizen“ (Danke!), angeblich ein Kommentar auf Youtube:

„How many traditionalists does it take to change a light bulb? None. We don’t believe in change.“

Aber das ist natürlich dramatisch zu kurz gegriffen, denn wir wissen ja: Im Himmlischen Jerusalem wird es ohnehin keiner Lichtquellen mehr bedürfen. Darauf dürfen wir uns ja wohl schon mal ein bißchen vorbereiten, oder? 🙂

Offb. 21 23: Et civitas non eget sole neque luna, ut luceant ei, nam claritas Dei illuminavit eam, et lucerna eius est Agnus.

Amen!

(Die ungefähre Übersetzung: „Wie viele Traditionalisten braucht es, um eine Glühbirne zu wechseln? Keinen. Wir halten nichts vom Auswechseln/vom Wandel“ gibt leider das schöne: „We don’t believe in change“ nicht ansatzweise wieder.)

Raubmilben sehen Dich an – „Nützlingsanbieter“ reloaded

Potzblitz, worum sich die jungen Leute heutzutage so alles kümmern! Schon in der Schulzeit schreiben manche z.B. im Wirtschaftsteil einer großen deutschen Tageszeitung wie der FAZ. Und um was für originelle Themen sie sich da kümmern! Schauen Sie mal, worum es unter dem Titel „Die feindliche Übernahme liegt in der Natur“ geht, hier, aber erschrecken Sie nicht bei dem Wesen, das Sie dort anschaut 😉

Ein interessant geschriebener Artikel nicht wahr? Und als treue PuLa-Leser kannten Sie ja das Prinzip der Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge schon und wußten von den Menschen, die sich damit (auch wirtschaftlich) beschäftigen.

Hat im Frühjahr ja einige Kommentare erzeugt, daß hier in der Pfarrei leider Gottes die „Nützlingsanbieter“ als dummer Vorwand dienten, um Menschen, die mit diesem Blog verbunden sind, kurzerhand als „Schädlinge“ zu bezeichnen, lesen Sie ggf. noch mal nach, hier.

Und, so werden Sie sich gewiß fragen, das hat sich doch sicher alles beruhigt, bestimmt sind die für diese Entgleisung Verantwortlichen zur Besinnung gekommen und haben um Verzeihung gebeten, damit dieser fatale Eindruck von Herz-Jesu-Weimar getilgt werden kann?

Es ist leider nicht an dem (dann hätte es hier auch sofort gestanden!).

Nein, es ist vielmehr so, daß „man“ nach wie vor kaum verhohlen zu genau diesem Ausdruck steht und ihn für berechtigt und angebracht hält! Und man kann sich vor diesem Hintergrund übrigens auch gut vorstellen, wie der „Wahlkampf“, den es ja öffentlich und mit offenem Visier nicht geben durfte, in Wahrheit verlaufen ist.

Hl. Maternus v. Köln, bitte für uns!

Der Hl. Maternus (außerhalb des Erzbistums Köln wird heute, dort am 14. September seiner gedacht) ist ja sozusagen auch ein Heiliger der Ausdauer und, wer weiß, als Patron gegen Fieber könnte er sich vielleicht für eine Abkühlung mancher Köpfe verwenden?