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Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Vorabend

Ach ja! Über den diesjährigen Adventskalender habe ich schon früh, sehr früh, im Jahr angefangen, mir Gedanken zu machen – und dann ist es doch wieder knapp geworden… 😉

Aber der „ChAK“ (Chesterton-Adventskalender) 2011 hat viel zu viel Spaß gemacht, um dieses Jahr keine Fortsetzung zu versuchen. Jedoch hat sich für dieses Mal kein einzelner Autor und kein einzelnes Werk so richtig „nach vorne schieben“ können, hat die Beschäftigung mit einem bestimmten Heiligen nicht so richtig „gezündet“, was gewiß nicht an dem Heiligen lag, und, wer weiß, in einem anderen Jahr…

Außerdem geschah es, daß sich, ja, eben „zwei katholische Bücher“ als Geschenke bei mir einfanden (das letzte erst vor wenigen Tagen…) und so hoffe ich, Sie werden an Heiligabend auch gefunden haben, daß die Lesefrüchte aus den beiden Werken der Lektüre wert waren. Freilich, so spritzig und geistreich wie Chesterton wird es nicht werden, das ist aber auch ein verflixt hoher Anspruch!

Immerhin handelt es sich um zwei hinreichend verschiedene Bücher, die allerdings beide, je auf ihre Art, historisch sind und uns mit vergangenen Formen, katholisch zu sein in Deutschland verbinden.

Es handelt sich einmal um: Ludwig Mehler, Christkatholisches Haus- und Familienbuch in Wort und Bild, oder die ganze katholische Glaubens- und Sittenlehre, einfach und leichtfasslich dargestellt und durch Bilder veranschaulicht. Mit einem Anhange: Faßliche und deutliche Erklärung des katholischen Kirchenjahres und seiner Festzeiten sowie der hierbei vorkommenden kirchlichen Ceremonien und Gebräuche, Regensburg, 4. Aufl. 1869 (puh! 😉 ) Geschenk eines lieben befreundeten, lutherischen Kollegen.

Auf gut 1.000 Seiten und in 365 „Lesestücken“ führt der Stiftsdechant Mehler den Leser von der „Bestimmung des Menschen“ und der „Göttlichen Offenbarung“ bis zu den „Mitteln zur Vollkommenheit“, um dann noch Hausandachten und eben den Abschnitt über das Kirchenjahr hinzuzufügen. Das geschieht in der für diese Gattung üblichen Art der Abfolge von „Frage und Antwort“, „Belehrung“ und „Beispiel und Anwendung“. Heute gelesen wird man manche Formulierungen, gerade im Bereich der „Sittenlehre“, nicht eins zu eins übernehmen wollen, aber der Aufbau ist von bemerkenswerter Klarheit und man lernt ganz einfach vieles, was uns „armen Nachkonziliaren“ vielleicht ebenso „leichtfasslich“ erklärt werden muß, wie es damals für einfachere Gläubige am Platz war. Ich fand diese Stimme aus dem deuschen Katholizismus noch vor Reichsgründung und Kulturkampf einfach reizvoll!

Das zweite Buch ist erheblich jüngeren Datums: K. Schollmeier, H. Donat u.a., Im Land der heiligen Elisabeth, Glaube und kirchliches Leben im Bereich des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, Leipzig 1985. Ein reichbebilderter Band, durchaus repräsentativ ausgestattet, der einen Blick in kirchliche Selbstvergewisserung in der Spätphase der DDR ermöglicht.  Das Buch ist seinerseits stark historisch orientiert mit einem Schwerpunkt auf dem Zeitraum ab ca. 1940 . Bischof Wanke nennt das Buch im Vorwort sehr zu recht ein „Kaleidoskop“, die im einzelnen durchaus heterogenen Texte scheinen keinem „Masterplan“ zu folgen, sondern einen möglichst umfassenden Überblick zu versuchen und sind wahrscheinlich gerade daher so wertvoll, um manches besser zu verstehen, was uns hier heute umgibt!

So sollen also in den kommenden Tagen im Wechsel kurze Abschnitte aus beiden Büchern aufeinanderfolgen, „jeden Morgen ein Türchen aufgehen“, im ZKBAK und ich hoffe nicht nur im heutigen Bistum Erfurt von Interesse sein.

Über ergänzende Hinweise, gar Korrekturen oder Bemerkungen aus eigenem Erleben würde ich mich besonders freuen!

Kleine Kostprobe vorab?

Ordnung des Kirchenjahrs, Mehler, Anhang, S. 3 (Eigenes Bild)

Einleitung. 1. Lesestück. Bedeutung und Eintheilung des Kirchenjahres.

Fr. Was versteht man unter dem Kirchenjahre?

Antw. Unter dem Kirchenjahre versteht man die alle Jahre in einer schönen Reihenfolge wiederkehrenden heiligen Tage und Zeiten, deren Feier die katholische Kirche in der weisen und frommen mütterlichen Absicht angeordnet hat, damit sich die Gläubigen an die göttlichen Geheimnisse und Wohlthaten dankbar erinnern und durch heilige Gebräuche, Ceremonien und Andachtsübungen zu ihrer Erbauung und Heiligung sich an diesen heiligen Tagen und Zeiten beschäftigen sollen. (Mehler, Anhang zum Kirchenjahr, S. 3)

„In einer schönen Reihenfolge mütterlich angeordnet“ 🙂

Viel Vergnügen und eine gesegnete Adventszeit!

Psst! Geheimtip! Oder: Ein Freitagmorgen voller gute Laune

Für das Beten vom Wort Gottes her reicht das Sprechen nicht aus. Es verlangt Musik. […] Der christliche Gottesdienst bedeutet von daher die Einladung, mit den Engeln mitzusingen und so das Wort zu seiner höchsten Bestimmung zu führen.

Papst Benedikt XVI., Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern der Kultur im Collège des Bernardins in Paris, 12. September 2008

 

Hat er da „Freitagmorgen“ geschrieben?

Ja, Freitag-morgen! Denn heute, am Tag des Hl. Apostels Andreas bot ein Tag „Überstundenausgleich“ die Chance, die Wochentagsmesse um 8.00 Uhr zu besuchen. Und warum gerade heute? Gab es da etwas Besonderes? O, ja! Und der Charakter eines Geheimtips, der prägte sich sogar gleich doppelt aus…

Zunächst musikalisch! Denn was wir heute gehört haben, das war eines Apostelfests durchaus würdig, auch wenn natürlich der bescheidene Charakter einer Wochentagsmesse keine „Besonderheiten“ zuließ. Aber genau das bot gerade die Chance, zu hören, wo „der Bartel den Most holt“, vor allem im Vergleich zu dem, was uns sonst oft so geboten wird. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Daß mal das Tempo der Lieder stimmte und nichts verschleppt wird? Daß es schöne und (liturgisch) sinnvolle Vor- und schöne Nachspiele gab? Daß es, was ich persönlich ganz besonders genossen habe, eine subtile Ausdeutung des Texts jeder einzelnen Liedstrophe gab? Nun, Menschen, die von Musik viel mehr verstehen als ich, werden auch noch mehr gehört haben und von denen gibt es bekanntlich in Weimar etliche. Und bemerkenswert viele aus diesem Personenkreis (über die katholische Gemeide heraus!) fanden sich heute in der Kirche ein, weil sie nämlich wußten, daß Prof. Michael Kapsner, Initiator und geistiger Vater des ganzen Projekts „Franz-Liszt-Orgel in Herz-Jesu-Weimar“ heute zum ersten Mal die Freitagsmesse begleitet hat!

Wenn es hier so einen profilierten Künstler gibt, der dem Instrument so verbunden ist, fragen Sie sich da unter Umständen, warum er keine Messen an Sonn- und Festtagen gestaltet? Fragen Sie besser nicht, denn dann ist es aus mit der guten Laune! Jedenfalls ist es, natürlich, ein Resultat des Wirkens der „Gemeindeleitung“, und daß Michael Kapsner mit dieser Übung in praktischer Demut zeitliche Sündenstrafen abgelten kann, davon bin ich persönlich fest überzeugt…

Na, kommen wir, für heute!, lieber zum anderen Teil des Geheimtips. Wenn man, als berufstätiger Mensch, so selten eine Messe an einem Alltag besucht, dann hätte man heute fast ein bißchen neidisch werden können, wie „normal“, also „der Norm entsprechend“, das gehen kann. Von anderthalb Ausnahmen abgesehen, über die ich mich jetzt mal nicht auslassen will, haben wir heute vom Tagesgebet bis zum feierlichen Schlußsegen einfach das gehört, was die Texte des Tages vorsehen. Keine willkürlichen (und verbotenen!) Abweichungen, nichts selbstgebasteltes, keine Anpassung an „veränderte Hörgewohnheiten“, ja, nicht einmal einen „Friedensgruß“ 😉 , kurz: Kein Gedöns! Wie schön, wie wohltuend! Warum nur meinen die Verantwortlichen anscheinend, sie müßten an Sonn- und Feiertagen mehr „machen“? Was für ein fataler Irrtum. Was könnte wohl noch so gut „für sich allein stehen“ wie eine Hl. Messe?

Bevor sich die aktuelle gute Laune ob solcher Betrachtungen am Ende doch noch verflüchtigt hier besser der Hinweis wie man sich diesen Genuß im Advent noch weiterhin bereiten kann: An den kommenden beiden Freitagen, 7ter und 14ter Dezember, finden die Freitagsmessen als Roratemessen um 6.00 Uhr statt (mit anschließendem Frühstück, eine gute Gelegenheit zur Übung der eucharistischen Nüchternheit), was es berufstätigen Menschen wie mir erlauben wird, noch vor dem Dienst daran teilzunehmen, das ist wunderbar!

Für die Weimarer Leser werde ich rechtzeitig im Verlauf der Wochen nochmals erinnern!

Heiliger Andreas, Statue von Andreas Faistenberger, Mitte 18. Jh., in der Peterskirche, München (Bild: Furukama, Benedikt Köhler)

Hl. Apostel Andreas, bitte für uns!

 

 

Die Blutspende – Ein Sketch aus immer wieder gegebenem Anlaß

(EDIT (Oktober 2016): Wie wir, deo gratias, jetzt schon verschiedentlich schreiben durften: Der folgende Sketch bezieht sich auf eine Situation, die es momentan so nicht mehr gibt, also, in Wundersdorf natürlich. Allein: Dort wie allerorten vergeht die Vergangenheit nicht einfach, ja, manchmal ist sie nicht mal vorbei – Damit sie sich jedenfalls nicht wiederholt, darf man sie nicht vergessen – oder schönreden!)

Nachdem die Tombola-Aktion  des Vorjahres total in die Hose gegangen ist – natürlich zog Corinna selbst das Los mit dem Hauptgewinn: Berechtigung zum Ehrenamt, Ehrenamtsbetreuung, Schlüssel – und es in der Wundersdorfer Gemeinde weiter drunter und drüber geht – zwischenzeitlich war die berühmte Orgel verstimmt, weil die Hochschule in der vorlesungsfreien Zeit nicht auf die Empore darf – , werden unsere Freunde nicht müde, Mißstände aufzudecken und so die Verantwortlichen wachzurütteln – diesmal auf eine indirekte aber gleichwohl eindrückliche Art und Weise. Wir treffen sie heute mitten in den Vorbereitungen für eine satirische Adventsfeier…

 

Die Blutspende

Ein Sketch für neun Personen

 

(Das Pfarrheim der katholischen Gemeinde Maria Hilf! in Wundersdorf/ Oderbruch. Mit schreckverzerrtem Gesicht stürmt Klaus, den linken Ärmel hochgekrempelt und ein Band zum Abschnüren des Blutes um den linken Oberarm, den Flur entlang. In einiger Entfernung verfolgt ihn Karl mit weißer Küchenschürze, den Stirnspiegel eines HNO-Arztes vor dem Kopf und eine gezückte Spritze in der erhobenen rechten Hand. Frau Schramm tritt verwundert aus ihrer Bürotür und wird dabei fast umgerannt.)

Klaus: Hilfe! Hilfe!

Karl: Nun warte doch, ich hab‘ doch noch gar nicht angefangen!

Frau Schramm (folgt den beiden mit den Blicken): Was ist denn hier los? Klappt was nicht mit der Blutspende?

Karl (kommt außer Atem zurück): Doch, doch. Alles bestens.

Heiner (kommt lässig im weißen Kittel, in der erhobenen rechten Hand ebenfalls eine Spritze, über den Flur geschlappt. Aus seiner Kitteltasche schaut ein Stück Stethoskop-Schlauch hervor): Wir wollten uns nur ein Beispiel an Corinna nehmen.

Edith (kommt schreiend angerannt, gefolgt von Silke im Arztkostüm, Silke natürlich wiederum mit Spritze): Seht Euch den Bluterguß an! (Sie präsentiert empört unter dem Tupfer auf ihrem Arm einen großen dunkelroten Fleck).

Silke (betont schnoddrig): Das ist doch halb so wild! In einer Woche ist nichts mehr zu sehen! (Sie drückt genüßlich einige Tropfen Blutes aus der Spritze und beobachtet die Tropfen an der Nadelspitze.)

Frau Schramm: Was soll das ganze eigentlich? Warum rennt ihr hier alle im Arztkittel durch die Bude? Wo sind denn die Malteser?

Richard (kommt, mit Professor Ehrlich im Gefolge, im Arztkittel über den Flur getrottet): Die Malteser kommen heute nicht.

Frau Schramm: Wieso?

Karl: Weil wir sie abbestellt haben.

Frau Schramm: Einfach so? Wieso das denn?

Heiner: Wir dachten, dafür brauchen wir keine Fachleute.

Richard: Das kriegen wir auch so hin.

Karl: Wie Heiner schon sagte: Wir wollten uns ein Beispiel an der tüchtigen Corinna nehmen.

Frau Schramm: Ich verstehe überhaupt nichts! (Sie stemmt die Arme in die Hüften und blickt vorwurfsvoll von einem zum andern.)

Karl (erläuternd): Schauen Sie, wir haben einen Haufen Architekten und Ingenieure unter den Aktiven der Gemeinde, sogar in den Gremien – aber bei der Kirchenrestaurierung hat Corinna den Bau komplett alleine betreut. Da ging kein Weg rein.

Silke: Wie viele Juristen haben wir in der Gemeinde – aber Vertragsangelegenheiten regelt Corinna immer allein.

Heiner: Haben wir nicht etliche ausgebildete Journalisten und Zeitungsredakteure in der Gemeinde? Aber Homepage und Pfarrblättchen macht Corinna allein.

Frau Schramm (blickt Professor Ehrlich an): Ok, ich weiß was Sie jetzt sagen wollen …

Richard: Genau! Aber auch an Kunsthistorikern fehlt‘s nicht. Die Kirchenführungen zum Denkmaltag macht Corinna trotzdem allein.

Edith: Stimmt! Wir haben genügend Lehrerinnen und sogar Dramaturginnen in der Gemeinde, aber das Krippenspiel organisiert Corinna immer allein.

Silke: Erinnere mich nicht an das Krippenspiel! (Sie stürmt mit ihrer Spritze auf Edith los, die schreiend Reißaus nimmt.)

Klaus (hat sich mittlerweile beruhigt und ist zu der Gruppe hinzugetreten): Ach so! Und da habt ihr euch gedacht, wenn die gelernte Krankenschwester hier alle Arbeiten übernimmt, könntet ihr ja zur Abwechslung das Blut abnehmen?

Richard: Genau!

Heiner: Wir nehmen uns ein Beispiel!

Professor Ehrlich: „Lebenslanges Lernen“ (er visiert mit seiner Spritze das nächste mögliche Opfer an.)

Karl: Die arme Corinna kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!

Hanna (tritt, einige zusammengerollte DIN A4-Blätter in der Hand, an die Gruppe heran und winkt wie eine Regisseurin ab): Ok, ok, können wir bis hierhin so lassen. Aber, Karl: Tu so, als machtet ihr euch echte Sorgen um Corinna. Das „Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen“ muß richtig mitleidig kommen.

Karl (richtig mitleidig): Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten! (Alle grinsen beifällig. Als sie merken, daß es Regieanweisungen gibt, gesellen sich Silke und Edith der Gruppe wieder zu.)

Hanna (zu Karl): Phantastisch! (zu Silke) Silke, du machst Corinna total gut nach, man erkennt es sofort, diese „Selbstsicherheit“! Einfach großartig. Aber das mit dem Blut in der Spritze ist vielleicht ein bißchen dick aufgetragen, meint ihr nicht?

Heiner: Wieso, ist doch lustig!

Richard: Ich finde auch, das kann sie so machen.

Hochwürden Kneif (tritt aus seiner Wohnungstür und versucht, unbemerkt an der Gruppe vorbei zu kommen.)

Hanna (freundlich): Guten Morgen, Herr Pfarrer!

Silke (ebenso): Na, so früh schon unterwegs?

Karl (ebenso): Kommen Sie denn zu unserer Aufführung?

Richard (ebenso): Sie haben noch gar nicht auf unsere Einladung reagiert.

Hochwürden Kneif (ohne Regung): Da muß ich erst meine Vorgesetzten fragen. (Er verschwindet aus der Tür.)

Hanna: Wenn seine Vorgesetzten wüßten, was er sie alles fragen will … Ok! Wir machen weiter. Silke, Edith, ihr seid gerade hinten im Flur und kommt erst langsam wieder ran. (Silke und Edith trollen sich.) Karl, du warst gerade bei (sie schaut auf ihr Manuskript) „Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!“ – Sag das doch bitte eben noch mal – und dann Heiner. (Sie zieht sich wieder aus der Szene zurück.)

Karl: Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!

Heiner: Damit endlich auch mal wieder etwas in der Gemeinde unternommen werden darf, wo Corinna nicht den Daumen drauf hat:

Professor Ehrlich: Denn wenn der Pfarrer sagt „was sie nicht macht, macht keiner“ ist das ja nicht deskriptiv zu verstehen …

Richard: … sondern normativ.

Frau Schramm: Äh … Wie war das?

Heiner: Es ist keine Zustandsbeschreibung …

Klaus: … sondern eine Richtlinie.

Frau Schramm (verwirrt): Ist das so?

Karl: Denken Sie mal darüber nach: Warum mußte der Lateinkurs emigrieren?

Richard: Warum wurde die Ankündigung des neuen Literaturkreises damals aus dem Osterpfarrbrief genommen, woraufhin das Angebot zurückgezogen wurde?

Heiner: Warum soll Professor Ehrlich nicht die Hochämter orgeln …

Klaus: … und sein bester Student fremde Organisten vor deren erstem Spielen nicht in die Register einführen?

Prof. Ehrlich: Warum dürfen die Komponisten aus unserer Gemeinde ihre eigenen Sachen nicht hier in unserer Gemeinde aufführen? (Die Mitspieler ziehen mit gezückten Spritzen den Kreis um Frau Schramm immer enger. Sie blickt mit gespielter Angst von einem zum andern. Aus der Tiefe des Flures treten Silke und Edith wieder hinzu und reihen sich in den Kreis ein.)

Silke: Und warum erscheinen die Vermeldungen nicht mehr, bloß weil Corinna merkt, daß sie alleine nicht rumkommt?

Hanna (aus dem off): Klasse! Aber schön langsam! Frau Schramm als Pfarrsekretärin symbolisiert die Gemeinde. Der Kreis um sie muß sich langsam immer enger zusammenziehen. Die Gemeinde in der Bedrängnis – das ist die Botschaft.

Frau Schramm: Hey, eigentlich müßte noch jemand sagen: „Wir haben drei Frauen im Pfarrsekretariat angestellt, aber zur juristischen Fortbildung für Pfarrsekretärinnen geht Corinna allein.“

Edith (guckt sich nach Hanna um): Stimmt. Da hätten wir noch was ganz Aktuelles.

Hanna (kommt wieder zum Vorschein): Es wird dann aber auch alles sehr viel – nicht, daß es langweilig wird, die Aufzählung.

Karl: Auch wieder wahr! Das mit der Fortbildung für Pfarrsekretärinnen können wir bestimmt auch wann anders nochmal unterbringen.

Klaus: Meint ihr eigentlich, unsere Botschaft versteht einer?

Richard: Wie auch immer! Aber gesagt werden muß es!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Ob die Botschaft des Adventssketches von der Gemeinde verstanden wird? Irgendwie fiel mir da ein wunderschönes Marienlied ein, in dem es heißt:

„Du weißt, was uns im Herzen bebt

An gläubigem und kühnem Wagen.

Wenn deine Hand die Schatten hebt,

wird uns ein Fest der Gnaden tagen.“

 

(Neuzeller Wallfahrtslied: „ Maria, Mutter, Friedenshort“ GL 847)

 

Und es ist ein echter Skandal, daß ich davon keinen YouTube Clip gefunden habe! Es gibt viel zu tun. 🙂

 

PS: Das war übrigens Beitrag Nr. 200 auf diesem Blog, Kinder, wie die Zeit vergeht; Ha! Dazu hätt‘ ich ein schönes Video (Danke, Frischer Wind!)

 

 

 

Ein Sonntagmorgen voller guter Laune – und voller Überraschungen!

Treue PuLa-Leser wissen ja, wenn ich einen Beitrag in der Reihe: „Ein Sonntagmorgen voller guter Laune“ schreiben kann, dann habe ich sie auch (gehabt), die gute Laune!

Das war nämlich ein schönes Hochamt heute früh zu Christkönig! Dazu trug zunächst die Tatsache bei, daß wir im (nun zu Ende gehenden) aktuellen Lesejahr B ja genau jenes Evangelium (Joh 18, 33-37) hören durften, das ursprünglich für das Fest vorgesehen war, als es Papst Pius XI. im Jahr 1925 einführte. Leider gehört nicht auch die damalige Lesung aus dem Kolosserbrief (Kol 1, 12-20) dazu (heute im Lesejahr C), obwohl, wie ich zufällig feststellen durfte, diese Kombination vermutlich auf niemand geringeren als den Hl. Augustinus zurückgeht.

Doch das sind, zugegebenermaßen, Feinheiten!

Da war es unmittelbar doch wichtiger, daß wir die bestens disponierte Choralschola der Gemeinde hören durften (Danke, Dr. Meixner!) und so ein bißchen davon träumen konnten, wie es das Konzil wirklich gemeint haben dürfte: Keine Hl. Messe ganz ohne Latein!

Bei diesem Zelebranten kann man sich weiterhin auf die Beachtung des Embolismus ja ohnehin verlassen aber was ich richtig gut fand, war, wie auch die Heilige des heutigen Tages, Katharina von Alexandria, an den richtigen Stellen „vorkam“! Ist ja schon recht, daß der Sonntag das Heiligenfest „überwiegt“, aber muß man den Tagesheiligen deswegen ganz ignorieren? Nein, wie man heute sah, muß man eben nicht!, selbst wenn es sicher nicht immer möglich ist, sie oder ihn so gekonnt in die Predigt einzubauen, wie wir es heute erleben durften (Danke, Hw. Klemm!). So kann es auch gelingen, die alltagsprägende Bedeutung der Heiligenfeste ins Gedächtnis (zurück-) zu rufen; ganz prima!

Tja, so schickte man sich an, freudig und gestärkt den Kirchenraum zu verlassen, da schlug die Überraschung zu, wenn man so sagen darf. Denn die „Vermeldungen“ vermelden – das Ende der Vermeldungen! Naja, nicht so ganz, aber jedenfalls das Ende der Vermeldungen, wie wir, also auch die PuLa-Leser, sie kennen:

„Die Redaktion […] beschränkt sich ab dem 1. Advent 2012 auf unbestimmte Zeit auf ein einfaches Informationsblatt zum Wochenende.“ (nachzulesen hier, wenn Sie sich beeilen).

Na sowas! Nun, wie das in Zukunft aussieht, werden wir ja sehen. Bis dahin: Wie wird denn diese Veränderung begründet? Nicht ganz einfach zu sagen, denn einen wesentlichen Teil des Beitrags nimmt ein Traum von, ja tatsächlich, von Marietta Slomka ein, ein Traum von einer Welt ohne schlechte Nachrichten. Ich verstehe den Zusammenhang zu den Vermeldungen nicht so ganz, aber Frau Slomka hat jedenfalls handfeste Allmachtsphantasien, wie sie als eine Art Superheldin „die Welt der schlechten Nachrichten einfach anhält“. (Wie albern! Ich konnte Machlon, äh, Frau Slomka noch nie leiden! [Insiderwitz] 😉 ) Und die „ Redaktion träumt mit“. Aha. Hoffentlich nur von der Welt ohne schlechte Nachrichten und nicht von der Allmacht…

Es gibt aber noch einen zweiten Teil der Begründung und der ist sozusagen näherliegend: „Für die Redaktion gibt es spätabends an jedem Donnerstag ein Loch, in das die Gedanken stürzen: Sind alle Termine genannt? Sind sie richtig notiert? Gibt es unselige Dopplungen, die zu Fehlern führen? Stimmen die Messintentionen, Geburtstagskinder, Konzertankündigungen?“ usw.

Und weiter: „Worüber wird sich jemand freuen? Welche Nachricht wird der Redaktion negative Kritik im Internet, in E-Mails, Briefen, Anrufen oder Besuchen im Pfarrbüro einbringen?“

Fangen wir mal mit dem zweiten Teil an, kann ja nur PuLa gemeint sein (jedenfalls, was das Internet angeht, es gibt nämlich noch mehr Menschen, die sich gelegentlich kritisch äußern!). Ja, es hat hier Kritik an der „Redaktion“ der Vermeldungen gegeben. Und sie hat uns als „Schädlinge“ beschimpft. Aber auf den sachlichen Gehalt der Kritik ist zu keinem Zeitpunkt jemand eingegangen. Und wer öffentlich schreibt, zu öffentlichen Angelegenheiten, der muß sich eben einfach gefallen lassen, daß es andere Meinungen gibt.

So weit, so klar. Der andere Teil ist interessanter. Zusammengefaßt könnte man sagen, da war jemand kräftemäßig überfordert und hat unter dem Streß des Veröffentlichungstermins gelitten.

Das kann ich, wie jeder, der schreibt und das Schreiben unter Termindruck kennt, gut verstehen. Ehrlich! Mit der Schilderung empfinde ich durchaus Sym-pathie.

Aber wenn es eine solche, nachvollziehbare, Überforderungssituation gegeben hat, war das die einzig denkbare Reaktion? Hinschmeißen? Zu aller Schaden! Wie wäre es denn gewesen, wenn man sich Hilfe gesucht hätte? Oder glaubt einer, in Weimar, in Weimar!!, gäbe es nicht noch zwei, drei Leute, die schreiben können? Und wie wäre es denn gewesen, wenn den „Titeltext“, wie in anderen Gemeinden absolut üblich, regelmäßig ein Geistlicher, nicht zuletzt der Rektor der Pfarrkirche, geschrieben (und unterzeichnet!) hätte? Das hätte vermutlich auch viel „Kritik im Internet“ vermieden…

Aber das hätte natürlich was bedeutet? Einen gewissen Kontrollverlust für die Redaktion (die, wie man so hört, mit der „Gemeindeleitung“ mindestens teilidentisch ist) hätte es bedeutet… Und so sind wir, fürchte ich, wieder mitten im Zentrum der Weimarer Malaise angelangt; und dabei hatte der Tag so schön angefangen! 🙁

Na, PuLa wird sein Erscheinen jedenfalls nicht einstellen, im Gegenteil, nun muß hier ja noch mehr berichtet werden! Und ich sage Ihnen, ich bin da an einem Thema dran…, das hätte es sowieso nie in die Vermeldungen geschafft. Braucht aber noch ein wenig Recherche. Ein wenig.

Eine wunderbare Freundschaft?

Erinnern Sie sich noch an Thies Gundlach? Das ist jener damalige Funktionär des „Kirchenamts Hannover“, der im Jahre 2009 vorübergehend einige Bekanntheit erlangte, weil ein Thesenpapier zum Stand der Ökumene, das er für die 251. Sitzung der EKD-Kirchenkonferenz geschrieben hatte, etliche Unfreundlichkeiten gegenüber dem „katholischen Partner“, enthielt, und das Papier unabsichtlich die Öffentlichkeit erreicht hatte (nach wie vor hier zu lesen).

Dann hörte man wieder einmal von ihm als er, ruppige Töne gegen Katholisches sind in der EKD ja kein Karrierehindernis, man denke nur an den notorischen Arndt Brummer,  in der Zentrale aufstieg, immerhin so kurz nach der Begebenheit mit dem Thesenpapier, daß es überhaupt noch jemandem auffiel. Seine Funktion ist seitdem die eines (von drei) „theologischen Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD und Leiter der Abteilung „Kirchliche Handlungsfelder“.

Nun hat sich, wieder zwei Jahre später, Thies Gundlach erneut und diesmal absichtsvoll an die deutsche Öffentlichkeit gewandt, in einem Beitrag am 30. Oktober in der FAZ-Reihe „Fremde Federn“ mit dem vielversprechenden Titel: „Zweites Vatikanum und Reformation“ (hier online zu finden). Das Ergebnis seiner Betrachtungen, so meint Gundlach am Schluß, lege „ein gemeinsames Feiern des Reformationsjubiläum 2017 nahe als Beginn einer wunderbaren Freundschaft in oecumenicis“.

Ob das eine Einladung ist, die man ernstnehmen kann? Mal sehen!

Zunächst: Ich konnte die Aufregung über das Papier von 2009 schon damals nicht so ganz verstehen und kann es immer noch nicht. Ich habe schon schärfer akzentuierte interne Papiere gelesen. Freilich, Erzbischof Zollitsch, damals ganz frisch zum Vorsitzenden der DBK gewählt, kommt nicht gerade gut weg („umstrittener und daher geschwächter Kandidat“, „eine orientierende und prägende Kraft geht nicht von ihm aus“) und etliche Bewertungen der „römischen Irritationen“ sind nicht gerade nett, aber wer meint denn im Ernst, die (internen) Äußerungen in gewisser Weise ja doch konkurrierender Institutionen mit einer langen Konfliktgeschichte könnten (oder sogar sollten?) immer nur „nett“ sein? Ich meine das nicht und fand schon damals eher das Gefühl der Fremdheit für jedes genuin katholische Empfinden irritierend, das mir aus Gundlachs Text zu sprechen schien. Fremdheit sowohl auf der Ebene grundlegender Empathie, als aber vor allem auch auf der Ebene der korrekten sachlichen Informiertheit.

Schauen wir auf die Frage der Folgen der berühmten „Regensburger Rede“ von Papst Benedikt im Jahr 2006. Was Gundlach hier immerhin drei Jahre später referiert, ist nicht mehr als die veröffentlichte Meinung dazu bot und bietet. Ich glaube aber, die ganz andere Einschätzung, daß es nämlich just diese Rede war, die den intensivsten und inhaltsreichsten katholisch-muslimischen Dialog seit langem in Gang gesetzt hat, konnte man auch bereits 2009 gehört haben, wenn man sich denn bemüht hätte. Ob man sie allerdings von Herrn Gundlachs offiziellen deutsch-katholischen Gesprächspartnern hören könnte, bleibe dahingestellt…

Wie auch immer, der Text des Jahres 2012 ist, wie gesagt, für die Veröffentlichung geschrieben und man darf, gerade nach den Erfahrungen aus dem Jahr 2009 und angesichts der neuen Position, die Herr Gundlach innehat, wohl annehmen, daß er EKD-intern abgestimmt und insofern über die persönliche Meinung des Autors hinaus interpretierbar ist.

Leider ist er aber im Grunde viel problematischer, als das Papier von 2009. Der Beginn mit der unkritischen (und inhaltlich nicht begründeten) positiven Bezugnahme auf den theologischen Rohrkrepierer „Ökumene jetzt“ läßt ja für den weiteren Fortgang schon nichts Gutes erwarten, aber ich habe dann doch gestaunt, wie viele der häufigsten, ja geradezu alltäglichen Verzerrungen des „ökumenischen Dialogs“ sich in dem kurzen Text wiederfinden lassen.

Das Zweite Vatikanum, so heißt es dort, sei „auch in protestantischer Perspektive ein Meilenstein: Läse man sich ein in, nein, nicht etwa die Texte des Konzils, sondern in den „damaligen Geist des Aufbruchs“ müsse man diesem „wirkmächtigen Aufbruch großen Respekt“ zollen.

Jaja, man kann sich ungefähr vorstellen, welche Sorte Texte Herr Gundlach gelesen hat, daß seine Begeisterung in wenigen Zeilen gleich zweimal derart „aufbricht“ 😉 Schade, von dem Vertreter einer Bewegung, die u.a. mit der Parole „ad fontes!“ (zu den Schrift-Quellen) angetreten ist, hätte man mehr erwarten dürfen, wenn er sich schon um die Angelegenheiten der Nachbarn so intensiv zu kümmern vorgibt.

Doch schon der nächste Satz bestätigt eindeutig, um eine genuine Auseinandersetzung darüber, was das Konzil denn wirklich gesagt hat, geht es nicht, es geht um die Bestätigung des immer schon gefaßten (Vor-)Urteils:

„Leider gewinnt man aber heute den Eindruck, daß sich diese Kirche gar nicht so recht freut über diesen Meilenstein, sondern im Streit um die rechte Auslegung verharrt.“

Die behaupteten oder tatsächlichen Inhalte dieses „Meilensteins“ können Sie im Text selber nachlesen, es wird jedenfalls festgestellt: „Das Konzil und die Reformation haben vieles gemein“ und gegenüber seinem Vorgänger sei „ein großer Fortschritt deutlich“ geworden. Das bei den Beispielen die „Vergegenwärtigung des Evangeliums in der jeweiligen Landessprache“ nicht fehlen darf, hinsichtlich derer es ja nun mittlerweile wirklich die Spatzen von den Dächern pfeifen, daß dies in der Form, in der es dann geschehen ist niemals Intention des Konzils war, ach ja, wen schert’s, wenn das Ergebnis des ganzen Unternehmens, die Parallelität von Reformation und Konzil von vornherein feststeht?

Und dann folgen kurz aufeinander die beiden Sätze derentwegen ich oben meinte, der ganze Text habe etwas Typisches. Es sind, wieder einmal, Sätze, die einer „Übersetzung“ bedürfen, um sie richtig zu würdigen, aber die Mühe lohnt sich, denn Sie werden die Struktur der Aussagen in vielerlei „ökumenischen Aussagen“ immer wiederfinden können, leider!

Nummer 1: „Der große Aufbruch des Zweiten Vatikanums bezeugte eindrucksvoll die Kraft des lebendigen Evangeliums für eine sich immer wieder erneuernde und reformierende Kirche, die eben keineswegs nur in den Kirchen der Reformation wirksam ist.“

Übersetzt lautet dieser unerträglich gönnerhafte („keineswegs nur“!!) Satz: “Wenn und solange ihr ungefähr macht, was wir machen, dann ist das, was da so bei Euch passiert ja auch ganz ok.“

Nummer 2: „Wenn man die Neuerungen des Konzils grundsätzlich betrachtet, ergeben sich erhebliche inhaltliche Übereinstimmungen zwischen dem katholischen „aggiornamento“ des 20. Jahrhunderts und den reformatorischen Einsichten des 16. Jahrhunderts […]“

Die Grundstruktur dieses Satzes begegnet Ihnen, meist in stark vulgarisierter Form sogar noch viel häufiger, als die des ersten. Er lautet übersetzt: „Es ist schön, daß ihr jetzt mit ca. 450 Jahren Verspätung auch langsam da ankommt, wo wir schon so lange sind, gebt euch nur noch schön ein bißchen Mühe, dann holt ihr uns vielleicht noch ein!“

Vielen Dank auch, das umschreibt ja genau die Ausgangslage für eine „wunderbare Freundschaft“, wie ich sie mir vorstelle. Es sind eben allzu häufig bloße Lippenbekenntnisse, wenn gesagt wird, es gehe ja nicht um die „Nachhol-Ökumene“, die tagtägliche Realität der Aussagen gerade auf den „unteren Ebenen“ des Diskurses sieht ganz anders aus!

Das ist aber noch nicht alles, was man dem Gundlachen Text ablauschen kann. Er wirft auch, wieder einmal, ein Schlaglicht auf ein Problem, das wir auf PuLa schon einmal beleuchtet haben, den „Glauben an die Aufklärung“, wie ich es gerne nenne.

Denn ich könnte für die Haltung gegenüber dem Katholischen, wie sie in den oben analysierten Sätzen zum Ausdruck kommt ja durchaus ein empathisches Verständnis aufbringen, wenn sie durchgängig theologisch/reformatorisch begründet und vorzugsweise auch offen und ehrlich statt in Gestalt eines vergifteten Lobs geäußert würde.

Das könnten wir nämlich auch: „Es ist überaus erfreulich, daß die Bewegung zur größeren Einheit mit der katholischen Kirche (in der, wie das zweite vatikanische Konzil lehrt, die Kirche Jesu Christi subsistiert) mittlerweile in vielen kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangenen sind, zunehmend an Fahrt gewinnt. Es ist dies umso notwendiger, als diese Gemeinschaften leider hartnäckig in den schwerwiegenden Irrtümern ‚verharren‘, die sie schon seit beinahe 500 Jahren zum Nachteil der Christgläubigen verbreiten.“ 🙂

Aber Spaß beiseite, der Fortgang der Gundlachen Argumentation ist eben, wie angedeutet, nicht eigentlich theologisch. Er begibt sich vielmehr, und das ist ganz typisch für die Äußerungen vieler protestantischer (und leider auch einer hinreichenden Anzahl katholischer!) Stimmen auf eine andere, dem Glauben fremde, externe, Ebene. Die von ihm soeben behaupteten „erheblichen inhaltlichen Übereinstimmungen“ seien nämlich: „Kein Wunder, denn spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden neue intellektuelle Rahmenbedingungen für die Rede von Gott und den Glauben an seine Offenbarung in Jesus Christus so dominant, daß sich aus der Mitte des christlichen Glaubens heraus unvermeidlich gewichtige Übereinstimmungen in der Lehre ergeben mußten.“ (Hervorhebungen von mir)

Sehen Sie, wie da etwas, was mit der geistigen Bewegung aus dem Glauben heraus gar nichts zu tun hat, eingeführt wird? Und nicht nur eingeführt, es wird dominant (sic!), es „mußte“ sich etwas ergeben, der Glaube „mußte“ sich anpassen. Wenn ich so etwas lese frage ich mich immer: Was ist für solche Menschen eigentlich der entscheidende, der maßstabsetzende (geistesgeschichtliche) Strang ihres Denkens, ihre, um es ein bißchen postmodern zu sagen, „Master-Erzählung“?

Paulus (auch Luther, insofern!) oder Nietzsche? Wenn man das „dominant“ und das „mußte“ ernst nimmt, beantwortet sich die Frage allerdings leider von selbst. Ist es das, was Gundlach 2009 meinte, wenn er schrieb: „im Selbstverständnis der evangelischen Kirche ist die Lernbereitschaft und Kompromißfähigkeit im Blick auf das relativ Beste stärker ausgeprägt.“ (Hervorhebung von mir)

Ich würde das anders formulieren: Wenn man die Zwänge der je neuesten externen Entwicklung auf dem Markt der Meinungen und Ideen, die sich ja stets auf die „Aufklärung“ zu berufen pflegen, bejaht, sogar feiert!, dann liegt man in Wahrheit in geistigen Fesseln, umso verstörender, weil man sie ja von Fall zu Fall noch gar nicht kennt. „Kirche der Freiheit“??

Dessenungeachtet geben sich die gleichen Menschen, die in Wahrheit die Fesseln des je neuesten Zeitgeistes tragen (keineswegs nur, aber durchaus typisch für Vertreter der EKD), gerne als die „Sieger der Geistesgeschichte“ und treten anderen gegenüber auch so auf, wie wir oben gesehen haben. Das ist ziemlich lächerlich und ziemlich schwer erträglich zugleich.

Und so komme ich immer wieder, gerade auch im wirklich freundschaftlichen ökumenischen Gespräch!, zu dem Ergebnis: Warum lassen wir uns eigentlich nicht einfach ein bißchen mehr in Ruhe? Und zwar gerade an der vielbeschworenen „Basis“! Das letzte, was mich im ökumenischen Gespräch von Ansatz und Niveau überzeugt hat, war nämlich der fortgesetzte Austausch zwischen Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und dem ehemaligen bayerischen Landesbischof Friedrich. Also an der Spitze der Debatte und nicht „unten“. Trauen wir dem Hl. Geist nicht zu, daß wir es schon merken werden, wenn er uns wirklich zur Einheit ruft?

Tja, Herr Gundlach, das war jetzt leider nix, mit dem Versuch, mal so richtig freundlich zu schreiben. Ich komm‘ nicht zu ner Party, wenn der Gastgeber mich gönnerhaft für einen zurückgebliebenen Simpel hält. Und übrigens, „Casablanca“ ist ein toller Film, aber vielleicht überlegen Sie ja auch mal, ob sich das Zweckbündnis zweier Ganoven (illegales Glücksspiel, Betrug, sexuelle Nötigung…) wirklich als Modell für das Zusammenleben christlicher Gemeinschaften eignet, deren Gründer ihnen aufgetragen hat: „Estote ergo vos perfecti, sicut et pater vester cælestis perfectus est.“ (Mt 5, 48) Was ein gewisser Luther so übersetzte: „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Luther Bibel 1545)

Eine Buchvorstellung, Adventsvorfreude und kulturelle Unterschiede

Heute wurde in Rom ja der jüngste, dritte Teil der Jesus von Nazareth Reihe von Papst Benedikt zur Kindheits- und Jugendgeschichte vorgestellt und natürlich könnte das Buch jahreszeitlich passender nicht erscheinen und das meine ich ganz ohne Seitenhieb auf damit einhergehende wirtschaftliche Interessen. Ich freue mich auf die Lektüre!

Jedenfalls bietet auch ein solcher Anlaß Gelegenheit, Studien in kultureller Differenz zu treiben: Wo im deutschsprachigen Raum die Rede ist vom „tiefen Einblick“, den der Papst in „Fragen seines persönlichen Glaubens“ gebe, wo als Autor „Joseph Ratzinger“, wenn auch ein bißchen kleiner, über „Benedikt XVI“ steht (tatsächlich legt er ja nach wie vor Wert auf die Feststellung, es handele sich um seine „private“ literarische Tätigkeit) und wo, ganz zum Thema passend!, von dem „kleinen Buch“, das sich mit der „demütigen und doch großen Geschichte“ befasse, gesprochen wird, da gehen unsere Freunde jenseits des großen Teichs ganz anders zur Sache!

Schauen Sie sich das schöne kleine Werbe-Video aus Amerika einmal an, es ist zugleich auch ein richtiger Advents-Teaser:

Ist das nicht prachtvoll? „In Pope Benedict XVI’s powerful conclusion to the Jesus of Nazareth trilogy“! Der “machtvolle/kräftige Abschluß” der Trilogie des Papstes; jawoll!

Ach, die Amis! Man muß sie einfach immer wieder gern haben… 😉

Sketch des Monats November: Der Blindenhund

Es ist nicht mehr so richtig gemütlich auf der Schafweide vor den Toren von Wundersdorf, aber noch dürfen die Tiere draußen bleiben und gerade die Kleinen machen lebhaft Gebrauch von ihrer Freiheit…

 

Der Blindenhund

Sketch für drei Schafe, zwei Lämmer und beliebig viele Schafstatisten

 

( Die Schafherde grast gemütlich und ungestört, als Fixi und Huf, zwei Lämmer, auf die Gruppe um Wolle, Flocke und Kohle zugesprungen kommen. Die drei schauen auf.)

Fixi: Tante Flocke?

Flocke: Was gibt’s?

Huf: Dürfen wir am Graben „Der Wolf und die sieben Geißlein“ spielen?

Kohle: Wenn ich nicht wieder den Wolf spielen muß …

Wolle: Komm schon, Kohle, kümmer dich doch ruhig ein bißchen! Du machst das so schön mit den Kleinen!

Kohle: Heute wär es mir aber zu viel, wenn sie mich am Schluß umrennen und einen Berg Steine auf meinem Bauch aufhäufen!

Fixi: Das wollen wir doch gar nicht!

Huf: Grauchen spielt den Wolf.

Fixi: Genau. Wir haben einen grauen Wolf.

Kohle: Dann isses ja gut. (Er grast weiter.)

Flocke: Also, von mir aus könnt ihr gern zum Graben runter gehen.

Wolle: Paßt nur auf, daß Tatze euch nicht sieht. Der mag das gar nicht.

Fixi: Tatze ist nicht da!

Huf: Das ist ja das Gute! (Sie springen auf allen Vieren in die Luft und hüpfen um die großen Schafe herum.)

Kohle (schaut wieder auf, verdutzt): Tatze nicht da? Wo ist er denn?

Fixi (verdreht die Augen): Die Alten kriegen wieder alles mit …

Wolle: Na los, kommt schon, wo ist er?

Fixi: In der Kirche.

Flocke: In welcher Kirche?

Huf (stöhnt): In der katholischen Kirche Maria Hilf! in Wundersdorf natürlich – wo sonst?

Kohle: Und was macht er da – ohne uns?

Fixi: Blindenhund.

Wolle: Tatze?

Flocke: Für wen?

Huf: Hochwürden.

Kohle: Kneif?

Wolle: Der sah doch immer noch sehr gut?!

Fixi: Ja, aber er macht vor der Situation in seiner Gemeinde so fest die Augen zu, daß man fürchtete, er könne über irgend etwas stolpern …

Huf: … und da haben sie Tatze als Blindenhund engagiert.

Fixi: Dürfen wir jetzt endlich spielen gehen?

Flocke: Ja, klar, geht, los! (Sie blickt die anderen fragend und sprachlos an.)

Kohle (schüttelt den Kopf): Sachen gibt’s, die gibt’s nicht!

Wolle: Da ist unser guter Tatze jetzt jeden Sonntag in der Stadt!

Flocke: Statt hier uns Schafe zu hüten.

Kohle (sinniert): Ach ja! Wie doch so mancher Karriere macht, bloß, weil er die Achillesferse seines Chefs kennt …

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

 

Verzerrungen

Qui tribulant me exsultabunt si motus fuero * ego autem in misericordia tua speravi. Exsultabit cor meum in salutari tuo. Ps 12 (13) 5, 6

(Die mich bedrängen würden jauchzen, wenn ich wankte * ich aber habe auf Dein Erbarmen gehofft. Jubeln wird mein Herz in Deinem Heil.)

 

Puh, „Kränke“ und starke berufliche Belastung lassen einen abends nicht mehr unbedingt nochmals an die Tastatur streben… Sorry für die lange Pause! Vielleicht hat sich der ein oder die andere  ja auch gefreut? Zu früh gefreut! 😉

Aber ernstlich, leider muß PuLa sozusagen den Betrieb an einer Stelle wiederaufnehmen, für die ich mich bei den Lesern außerhalb des Bistums (denn da sollte ja doch interessieren, was sich in Weimar so tut!), sogleich entschuldigen möchte – es geht, horribile dictu, ein (hoffentlich) letztes Mal um die zurückliegenden Gremienwahlen.

Denn da kursieren leider stark verzerrende Darstellungen der Realität, die gerade gerückt gehören und nicht unwidersprochen bleiben können.

 

Herz-Jesu-Weimar, Verzerrungen (eigenes Bild)

Und diese Verzerrung geschieht ganz offiziell. In den Vermeldungen der Woche vom 21.10.2012 – 28.10.2012 (leider kann ich nicht mehr darauf verlinken, denn das Pfarrbriefarchiv wurde ja abgeschafft…) nennt Pfr. Kämpf in einer Mitteilung Namen. Namen von zwei ehemaligen Kandidatinnen für den PGR und den eines Kandidaten für den Kirchenvorstand.

Dabei nimmt er Bezug auf einen Brief, den ihm meine Frau (hier als Verfasserin der Sketche wohlbekannt) im Anschluß an die Wahl geschrieben hat. In diesem Brief habe sie, neben anderem, unterstellt „dass die Wahlkommission die Stimmzettel in Anzahl und Ergebnis manipuliert habe“ und „dass es der ‚Opposition‘ nicht möglich gewesen sei, in einem der Wahlvorstände mitzuarbeiten“ woraufhin Dechant Riechel, Ilmenau, das Wahlergebnis überprüft und am 2. September festgestellt habe, alles sei ordnungsgemäß verlaufen.

Diese Überprüfung hat der Brief tatsächlich ausgelöst und Herr Dechant hat meiner Frau höchst korrekter Weise auch die ausführliche Version des Ergebnisses der Überprüfung zugestellt (die Kurzfassung hing in der Gemeinde aus), wofür wir ihm herzlich danken.

Mit dem Brief so Pfr. Kämpf weiter, sei der „letzte traurige Höhepunkt“ von „Neid, Missgunst und böse[n] Unterstellungen“, die in den letzten Monaten dazu beigetragen hätten, „das Miteinander in unserer Pfarrgemeinde zu beschädigen“ erreicht.

Nach dieser gemeindeweiten Beschimpfung, an die wir (sc. das Ehepaar Lamers) uns ja schon gewöhnt haben, die aber eben auch zwei weitere Personen namentlich umfaßt, die mit dem Brief nicht das Geringste zu tun hatten, haben wir erwogen, das Schreiben in Gänze zu veröffentlichen. Wir werden dies aus wohlerwogenen Gründen jedoch bis auf weiteres nicht tun.

Aber den hier erweckten Eindruck, da hadere jemand dauerhaft mit dem Ergebnis, erhebe aus „Neid und Missgunst“ unhaltbare Anschuldigungen und beschäftige absichtsvoll die kirchliche Verwaltung, den kann man nicht so stehen lassen.

Zunächst zur Frage der Überprüfung als solcher. Wie gerade gesagt, der Brief hat sie ausgelöst, sie wurde aber darin nicht beantragt und dieser Ausgang war auch nicht intendiert! Vielmehr ist es so, daß Dechant und Seelsorgeamt offensichtlich die Lage so eingeschätzt haben, daß sie von sich aus (und ohne, daß wir zunächst auch nur davon wußten!) die Überprüfung angesetzt und durchgeführt haben und dafür gebührt ihnen, nochmals, Anerkennung und Dank!

Sie wurde schon deshalb nicht beantragt, weil wir niemals mit einer Veränderung des Auszählungs-ergebnisses gerechnet hätten und haben, das wir selbstverständlich insoweit akzeptieren. Soweit ihre Möglichkeiten reichen konnten, hat die sehr sorgfältige Überprüfung dieses Ergebnis bestätigt. Und, um das nun auch noch zu sagen, die ca. 10% der abgegebenen Stimmen, die meine Frau erhalten hat, halten wir für ein realistisches und angesichts dessen, was der Wahl vorangegangen ist, sogar für ein recht gutes Ergebnis. Es gibt da eine deutsche Partei, die regiert seit Jahrzehnten mit teils deutlich niedrigeren Ergebnissen das ganze Land mit… 😉

Aber, und darum kann und soll nicht herumgeredet werden, Mißtrauen gegenüber dieser Wahl im Ganzen, das gab es und das gibt es nach wie vor. Es ist interessant zu beobachten, wie in der Stellungnahme von Pfr. Kämpf systematisch versucht wird, dieses Mißtrauen als eines darzustellen, das sich gegen den Wahlvorstand als Ganzen richte, obwohl er natürlich sehr genau weiß, daß das nicht der Fall ist, weil es in diesem Gremium auch Vertreter gab, denen wir vorbehaltlos vertrauen.

Daß sich dennoch aus diesem Personenkreis Menschen zu unrecht angegriffen fühlen können (neben anderen, die bloß Krokodilstränen vergießen!) ist uns schmerzlich bewußt. Deshalb ist es hier  am Platze daran zu erinnern, woher das Stichwort von der „Wahlmanipulation“ eigentlich kommt, wer es das erste Mal erwähnt hat.

Das war die berüchtigte „Seite 11“ des Osterpfarrbriefs! So groß war, schon vor Ostern!, die Präokkupation mancher Leute mit der Gefahr eines, relativen, Macht- und Kontrollverlusts, daß sie von sich aus und völlig unprovoziert diesen Begriff als Vorwurf an PuLa gerichtet haben (hier nachzulesen). Und erinnern Sie sich noch, wie diese Veröffentlichung unterzeichnet war? „Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitglieder des Pfarrgemeinderates, des Kirchenvorstands und der Kirchengemeinde“ stand da. Und wenn man nicht weiß wer einen Text unterschrieben hat, in dem man explizit entmenschlicht und zum „teuflischen Diabolus“ erklärt wird, dann weiß man eben leider auch nicht, wer ihn nicht unterstützt hat. Das kommt von der ewigen Geheimniskrämerei und dem dauernden Anonym-bleiben-wollen in dieser Pfarrei. Darunter leiden eben auch ganz Unschuldige und es bestätigt sich erneut die Wahrheit des Prophetenworts: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten“ (Hosea 8, 7).

Also, wer hat da das „Miteinander in der Pfarrgemeinde“ beschädigt?

Ein starkes Stück ist weiterhin der Vorwurf an ein bisheriges Mitglied des Kirchenvorstands, er hätte sich ja für den Wahlvorstand melden können. Das finde ich (und nicht nur ich!) wirklich ungeheuerlich. Wer sich demokratisch korrekt, ja vorbildlich, verhält, weil er sich eben als Kandidat nicht selbst kontrollieren will, der kriegt es auch noch aufs Butterbrot geschmiert! Die bestehenden rechtlichen Vorschriften, die ja auch nie für eine solche Situation gedacht waren, gehören wirklich schleunigst überarbeitet und es gibt zum Glück Anzeichen dafür, daß dies höheren Orts auch erkannt wurde.

Und im übrigen hat der Vorwurf mit dem Brief meiner Frau schon wieder überhaupt nichts zu tun. Denn sie hatte kritisiert, daß die wirkliche Gemeindeleitung (ohne Anführungszeichen) eben niemanden von sich aus in den Wahlvorstand berufen hat, der nicht Kandidat ist und der „Opposition“ nahe steht. Da wären uns ein paar Namen eingefallen!

Aber das ist eben die Situation in Herz-Jesu Weimar: Ebenso wie vor einiger Zeit ein bescheidener Versuch meinerseits bloß projektbezogen, also vorübergehend (!) wieder einmal meine Mitarbeit anzubieten rabiat und unter Einsatz mehr als zweifelhafter Mittel verhindert wurde und damit nicht einmal ein themenbezogener Gesprächskontakt  zustande kommen konnte, ebensowenig besteht offenbar weiterhin irgendeine Bereitschaft (oder Fähigkeit?) zu einfachen Zeichen guten Willens.

Und in diesem Zusammenhang würde ich gerne grundsätzlich etwas sagen zu der Frage, wie an mit einem solchen Wahlergebnis umgeht. Da hört man dann, sehr wohlmeinend!, Stimmen, die sagen, man solle es „sportlich“ nehmen und andere, sehr gedämpft und ganz und gar nicht wohlmeinend!, man müsse eben auch „verlieren“ können.

Nun, „sportlich“ nehmen kann zunächst einmal bedeuten, daß man sich nicht dauerhaft grämt. Das war schon von Anfang an gegeben. Es kann sogar heißen, daß man sich mit dem Gewinner freut. Ein hoher aber prinzipiell berechtigter Anspruch, der aber vor allem eines voraussetzt: Umfassende Fairneß auf allen Seiten. Da diese nicht gegeben war kommt diese Form des Empfindens leider nicht in Frage. Und „sportlich“ heißt schließlich regelmäßig: Nicht zu gewinnen ist ein Ansporn, härter zu trainieren. Worauf Sie sich verlassen können! Nach der Wahl ist vor der Wahl… 🙂

Und was das „verlieren“ angeht, so wie es andere verstehen, nämlich: „Jetzt haltet endlich die Schn…!“ (pardon, aber so und schlimmer reden, die, die hier gemeint sind): Wird nicht passieren. Wir werden bewußt Teil dieser Gemeinde bleiben, uns zugehörig fühlen und uns kümmern, egal was man sich noch so alles ausdenken mag, um uns zu marginalisieren. Es sind schon viel zu viele weggeblieben: We’re here to stay!

Schließlich: das „Abenteuer PuLa“, das ich, weiß GOtt!, nicht leichten Herzens begonnen habe, hat sich wahrlich bemerkenswert entwickelt. Neben einigem, das man mehr auszuhalten hat, als erwartet, steht ein völlig unerwarteter und ebenso überproportionaler menschlicher und sogar geistlicher Gewinn. Wirklich! Ich hatte nämlich nicht gerechnet mit soviel Freundschaft, die man gewinnen würde, nah und fern, und für die ich sehr, sehr dankbar bin! Und ich hatte auch nicht damit gerechnet, um wie vieles tiefer mein Verständnis der Psalmen werden würde, wo bekanntlich häufig von den Feinden, den „inimici“ die Rede ist. In diesem Sinne bin ich auch dankbar für die Feinde, die ich mir offenbar gemacht habe und kann das Verfahren insoweit zur Nachahmung nur empfehlen 😉

„Verlieren“? Wir können gar nicht verlieren.

 

Sketchlet zum Wetter: Die Erklärung

Auch Wundersdorf hat der frühe Wintereinbruch voll erwischt…

Die Erklärung

Ein Sketchlet für vier Personen

 

(Wundersdorf, vor dem Pfarrhaus von Maria Hilf! Silke, Hedwig, Edith und Hanna kommen aus der Kirche und schlendern nach Hause. Auf dem Weg fällt ihnen etwas auf, was sie im Laufen diskutieren.)

Hanna: Guck mal, Corinnas Auto ist total eingeschneit!

Edith: Stimmt. Als hätte sie hier übernachtet. (Sie prustet.)

Silke: Na, na! Keine blöden Witze, über die Windschutzscheibe ist der Scheibenwischer gegangen!

Hedwig: Aber die Seitenscheiben. Ganz voll; sieht man nix.

Hanna: Na, sie guckt ja auch sonst nicht rechts und links.

Silke: Und die Heckscheibe! Man sieht wirklich nichts!

Edith: Wenigstens im Straßenverkehr könnte sie doch Rücksicht nehmen…

Hedwig: Da sieht man, wo’s hinführt, wenn man so einer immer alles durchgehen läßt.

Edith: Bestimmt versteckt sie im Auto die ganzen Plakate und Prospekte, die sie ständig abhängt und einsammelt!

Hanna: Und läßt es deshalb zugeschneit! (Sie lacht.) Das ist gut!

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß bei uns in Weimar niemals jemand auf die Idee käme, Plakate und Auslagen verschwinden zu lassen, bloß weil sie von den „falschen Leuten“ stammen…

(Ach, übrigens: Keine Sorge! Die Schafe gibt’s auch noch; nur noch ein bißchen Geduld!)

Sketch des Monats Oktober: Die Dienstleistung

Die Dienstleistung

Ein Sketch für zwei Personen

 

(Wundersdorf, in der Küche neben dem Pfarrbüro. Hochwürden Kneif sitzt, eine große weiße Serviette im Hemdkragen, mit Messer und Gabel bewaffnet am Tisch. Offenbar wartet er auf das Essen.)

Kneif (sieht zur Uhr): Schon 20 nach 12. – Ah! Endlich! (Er springt auf.)

Ein Mann mittleren Alters betritt nach kurzem Anklopfen mit einer großen grauen Styroporkiste auf der flachen Hand den Raum.

Der Caterer: Mahlzeit!

Kneif: Mahlzeit! Da sind Sie ja endlich! (Er will dem Mann die Warmhaltebox aus der Hand nehmen.)

Der Caterer (dreht die Box weg): Bevor ich Ihnen Ihr Essen gebe, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß Sie hiermit eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. (Er blickt Hochwürden streng an.)

Kneif (maßlos verblüfft) : Wie – ja – aber – was?

Der Caterer: Ich empfinde meine Arbeit als Dienstleistung. (Er hebt das Wort durch Betonung besonders hervor.) Ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, daß es keineswegs selbstverständlich ist, daß einem das Essen gebracht wird. Andere Leute kochen durchaus auch selbst.

Kneif (zornig): Jetzt hören Sie mal zu! Sie werden doch schließlich auch dafür bezahlt! Was glauben Sie, wie es anderen Menschen geht? In manchen Gegenden der Welt würden Sie dasselbe hier für freie Kost und Logis machen! (Er will ihm das Essen aus der Hand nehmen.)

Der Caterer: Wir sind hier aber in Deutschland und deshalb werde ich natürlich bezahlt und berechne täglich eine Anfahrtspauschale. Ich wollte Ihnen ja nur einmal ein wenig den Blick für all das schärfen, was Sie hier ständig in Anspruch nehmen. (Er stellt Kneif sein Essen hin.)

Kneif (öffnet die Box und entnimmt den Teller mit dem dampfenden Menü. Stinksauer): Da fahren Sie mir der Reklame auf dem Auto herum: „Kochen ist unsere Leidenschaft!“ und Ihren Kunden verderben Sie den Appetit!

Der Caterer: So schlimm wird es schon nicht sein. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag – und, ach ja: mein Kind geht jetzt doch lieber in einer anderen Gemeinde zur Firmung, wo der Priester den Unterricht nicht als „Dienstleistung“ empfindet. (Er rauscht zur Tür hinaus.)

Kneif (blickt ihm ganz kurz nach, dann ruft er in den Nachbarraum): Frau Schramm! Das Kind von unserem Essenanbieter – wie heißen die Leute noch mal? Das können sie von der Liste streichen, geht nicht zur Firmung. Nur daß Sie Bescheid wissen. (Er beginnt zu essen.)

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf.

Aber andernorts gibt es sicher Priester, die die Kinder- und Jugendseelsorge in ihrer Pfarrei nicht als „Dienstleistung“ bezeichnen, sondern aus Leidenschaft Berufung leben und sich freuen, wenn sie von ihrem besonderen Wissen etwas an Kinder und Erwachsene weitergeben können.