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Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 7

Fr. Warum hat die Kirche diese heilige Zeit eingesetzt?

Antw. Um uns an jene traurigen Zeiten vor Christus zu erinnern und uns zugleich zur wahren Buße und Besserung, zu einer würdigen Vorbereitung auf das heilige Weihnachtsfest zu ermuntern.

Belehrung.

Durch die heilige Adventzeit will uns die Kirche zurückführen in jene viertausend Jahre, der Finsterniß und des Elendes, wo die Welt da stand ohne Erlöser. Sie will dadurch ihren Kindern zeigen, wie unselig und elend auch sie sind ohne ihn, und sie ermahnen, ihren Erlöser und Gott wieder zu suchen, und ihm den Weg in ihr Herz durch wahre und aufrichtige Buße zu bahnen, wenn sie ihn durch die Sünde verloren haben. Darauf zielt Alles hin, was die Kirche während dieser heiligen Zeit vornimmt. Sie läßt ihren Kindern die ernstesten Predigten halten für Herz und Ohr; schon gleich am ersten Tage des Advents läßt sie das Evangelium letzten Gerichte verkünden [*], um Aller Herzen heilsam zu erschüttern und sie durch die Erinnerung an die letzte schreckliche Ankunft des Herrn auf den Wolken des Himmels zu einer um so ernsteren Vorbereitung auf seine erste Ankunft zu bewegen. Bei ihren liturgischen (gottesdienstlichen) Verrichtungen verschwinden alle Zeichen der geistlichen Freude; die Priesterkleidung verändert ihre Farbe, die Altäre erscheinen schmucklos, feierliche Hochzeiten und alle Belustigungen sind verboten, dagegen während der Woche mehrere Fasttage angeordnet (bei uns der Mittwoch und Freitag); die Andachten mehren sich; selbst die Natur im schauerlichen Winter draußen scheint in den Ernst der Kirche einstimmen zu wollen; ja, alles vereinigt sich, um unser Herz so recht zur Buße, zur stillen, heiligen Andacht und zur Rückkehr zu Gott anzumahnen und aufzufordern.

* Lk 21, 25-36, vgl. aktuelles Lesejahr C

Sketchlet zum Nikolaustag: Die lebendige Tradition

Kohle, Wolle, Flocke und die anderen Schafe stehen auf ihrer Weide vor den Toren von Wundersdorf und scharren zwischen den Schneeflecken nach den letzten Hälmchen. Da kommt der uns schon bekannte Pritschenwagen den Feldweg entlang getuckert, hält neben der Herde an, läßt Fixi und Huf abspringen und fährt dann weiter. Die beiden Lämmchen, jedes mit einem kleinen Rucksack auf dem Buckel, laufen schnell zur Herde und beginnen atemlos drauflos zu plappern.

Die lebendige Tradition

Ein Sketch für drei Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Fixi: Stellt euch vor: Ob er überhaupt geboren ist, weiß man nicht, aber gestorben ist er 432!

Huf: Und Myra war eine griechische Stadt, aber jetzt ist sie türkisch und heißt Demre und Harun al-Rashid hat sie erobert.

Fixi: Deswegen haben auch Händler aus Bari den Leichnam mitgenommen.

Huf (wichtig): Da fließt Öl raus, das heilt!

Fixi: Und der 9. Mai was fast 888 Jahre lang ein kirchlicher Festtag halt wegen dem transdingsbums …

Huf: … latio!

Fixi: … genau! Der translatio Sancti Nicolai.

Huf: Ratet, wer den Feiertag abgeschafft hat!

Kohle: Das Zweite Vatikanum?

Huf: Der Kandidat hat 100 Punkte… (Er setzt seinen Rucksack ab.)

Wolle: (die schon eine Weile von einem zum andern geschaut hat): Sagt mal, wovon redet ihr eigentlich?

Flocke: Die Kleinen waren doch heute in der Bibliothek.

Kohle: Ich hab sie zum Recherchieren geschickt zum Thema Nikolaus.

Wolle: Na, du hast Nerven!

Fixi (fällt den Alten ungeduldig ins Wort): Aber das Krasseste fand ich mit der Artemis das.

Huf: Der Diana.

Fixi: In Ephesos.

Huf: Kommt schon in der Apostelgeschichte vor, daß die Missionierung da nicht so richtig voranging wegen ihr.

Fixi: Edith sagt, es gibt Leute, die sagen, Nikolaus sei bloß erfunden worden, um jemanden zu haben, dem man den Sieg über den Artemiskult zuschreiben kann.

Kohle: Wo habt ihr denn Edith getroffen?

Fixi: Die war auch grad in der Bibliothek.

Kohle: Naja – was Edith immer alles so sagt …

Huf: Es stimmt aber: Er hat ihren Tempel gar nicht eingerissen, der ist beim Erdbeben eingestürzt.

Fixi: Hundertfünfzig Jahre vorher oder so.

Huf: Und außerdem heißt Nikolaus „Sieg über das Volk“!

Kohle (runzelt die Stirn): So? Ich dachte: „Sieg des Volkes“?!

Fixi: Hm. Man liest beides. Der Krünitz hat „Volksbesieger“.

Huf: Jedenfalls hat er „ihr“ Datum – 6. Dezember – übernommen und ihre Farben rot und weiß.

Wolle: Die sind von Coca Cola.

Fixi: Sind sie nicht. Die haben sich nur geschickt draufgesetzt! Die Farbsymbolik ist viel älter.

Huf: Und das Schwarz des Todesaspektes ist auf Knecht Ruprecht ausgelagert.

Flocke: Das steht alles in den Büchern?

Fixi: Äh, nö, das war jetzt wieder von Edith …

Kohle: Also, ich glaube, ich muß mal mit Edith sprechen … sie darf euch Kinder nicht so überfordern …

Huf (abschließend): Aber, Kohle, ich glaube, da kriegen wir kein Lied draus geschrieben!

Fixi: Das ist alles viel zu viel …

Huf: Da bräuchte man drei Lieder:

Fixi: Über das mit der Artemis …

Huf: … dann das mit dem heimlichen Schenken und den drei goldenen Kugeln …

Fixi: … und dann eins über Knecht Ruprecht, der eigentlich die Rauh-Percht ist …

Huf: … die rauhe Perchta, die Fruchtbarkeitsgöttin der Germanen …

Fixi: … weswegen auch das mit der Rute ursprünglich ein Haselzweig war und der war zum Segnen!

Wolle: Puuuuh! Mir brummt der Kopf!

Flocke: Ich sag dir: Wenn die lebendige Tradition erstmal abgerissen ist …

Fixi: Dein Lied kannst du jedenfalls selber machen – hier: Ich hab dir ein bißchen Literatur herausgeschrieben (er wirft Kohle seinen Rucksack mit einigen Notizzetteln vor die Füße; zu Huf): Komm! Wir gehen was trinken!

Huf: Ich komme! (beginnt zu singen): „Morgen kommt der Weihnachtsmann…“

Beide (im Davonspringen): „ … kommt mit seinen Gaaaaaben.“

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu rund um Wundersdorf. Diese Schafe! Bloß gut, daß in Weimar gelegentlich in Liedern, sogar in Kinder-Liedern!, eine Schneise durch das Dickicht der Legenden geschlagen, und Heiligenviten vermittelt werden. (Freilich haben die „Gemeindeleitung“ und die Gemeindeleitung diese Aktivitäten aus Herz-Jesu-Weimar verbannt. Ob sie was gegen Heilige haben? 😉 )

Für alle jedenfalls, die mehr über Nikolaus, sein Herkommen und seine Derivate wissen wollen, hier Fixis Literaturliste:

Jacobus de Voragine, Legenda Aurea. Heiligenlegenden, Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Jacques Laager, Zürich: Manesse 1990.

Manfred Becker-Huberti, Der Heilige Nikolaus. Leben, Legenden und Bräuche, Köln: Greven 2005.

Karlheinz Blaschke, Sankt Nikolaus und die Städte Europas, in: FAZ Nr. 280 (2.12.2009) S. N3.

Thomas Hauschild, Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte, Frankfurt a.M.: Fischer 2012, heute rezensiert von Jürgen Kaube in der FAZ Nr. 285, S. 29.

 

Folge dem Stern! Einladung auf den Erfurter Weihnachtsmarkt

Leute, die auf (katholischen) Blogs schreiben, die verschanzen sich hinter ihrer Tastatur und sind im „wirklichen Leben“ zu nichts zu gebrauchen? Ja, das hättet ihr gern! 😉

Seit 2007 findet, ursprünglich als wissenschaftliches Projekt gestartet, mittlerweile aber breit ehrenamtlich getragen, im Bistum Erfurt jedes Jahr im Advent die Aktion: „Folge dem Stern“ statt. Ihr Ziel ist es, die davon hier und heute weitgehend „entwöhnten“ Besucher der Weihnachtsmärkte mit dem christlichen Grund der adventlichen und weihnachtlichen Traditionen wieder vertraut zu machen. Vgl. auch hier und hier.

Dieses Jahr gibt es im Rahmen der preisgekrönten Aktivitäten auch einen Beitrag aus Weimar, bei dem etliche Menschen mitwirken, die diesem Blog verbunden sind:

Herzliche Einladung zu den nächsten Aufführungen des

Christlichen Kinderchors Cäcilini Weimar

(vormals Kinderschola der Herz-Jesu-Gemeinde):

Die Heilige Nacht

Ein musikalisches Krippenspiel für Kinder

nach der gleichnamigen Erzählung von Selma Lagerlöf

in Verse gebracht und vertont von Cornelie Becker-Lamers

7. und 14. Dezember 2012, jew. 16.00h und 16.30h

Erfurt, Domplatz, bei der großen Krippe

So, 4. Advent (23. Dezember 2012) im 9.30h-Gottesdienst

Weimar-West, AWO-Pflegeheim Soproner Str. 1

 

Folge dem Stern (Bild: idw)

PS: Bei dem Termin am 23. Dezember handelt es sich um einen evangelischen Gottesdienst; hier hat nämlich niemand was gegen (praktische) Ökumene, nur gegen (unterreflektierten) Ökumenismus… 🙂

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 6

Besonders wertvoll finde ich in der Selbstdarstellung des Bistums, Verzeihung, des bischöflichen Amts!, von 1986 die immer wieder eingestreuten Abschnitte: „Aus den Aufzeichnungen von Bischof Aufderbeck“, wir werden ihnen im Verlauf dieses Advents noch mehrfach begegnen.

„Aus den Aufzeichnungen von Bischof Aufderbeck

Am 19. November 1974 konnte zum ersten Mal nach der Reformation die hl. Messe in der Kapelle auf der Wartburg zu Ehren der heiligen Elisabeth gefeiert werden. Ein großes Erlebnis! Für etwa 500 Gläubige waren Karten ausgegeben.

Eine besondere Freude war es, daß Landesbischof Dr. Braecklein selbst an dem Gottesdienst und an der anschließenden Agape teilnahm. In einer kurzen Ansprache bei Tisch erklärte er, daß dies für ihn auch ein Zeichen der Ökumene sei. Er sei gern gekommen und freue sich, daß von nun an regelmäßig auf den Elisabethtag ein Gottesdienst auf der Wartburg gefeiert werden könne. (26. 2. 1975)“

 

Ob Bischof Aufderbeck irgendeine Ahnung hatte, von dem Doppelleben seines protestantischen Pendants? Der Weimarer Superintendent Ingo Braecklein wurde von Ende der 50er Jahre bis 1987 als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit geführt und verdankte vermutlich auch seine Wahl zum Landesbischof seinen staatlichen „Partnern“, ungeachtet der Tatsache, daß er auch einmal Mitglied der NSDAP gewesen war. Mehr findet sich hier, hier und hier. Leider beschweigt die „Evangelische Kirche Mitteldeutschlands“ (EKM) die Angelegenheit in ihrer Netzpräsentation nach wie vor fast hörbar, was umso unverständlicher ist, als es gegen die Wahl Braeckleins auch mutigen Widerstand aus mehreren Richtungen gegeben hat!

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 5

„Fr. Wann hat die Kirche die Adventzeit angeordnet?

Antw. Die Kirche hat schon im vierten Jahrhundert die Adventzeit als Vorbereitung auf das heilige Weihnachtsfest angeordnet; und es wurde dieselbe vor Zeiten viel strenger gehalten und viel ernstlicher gefeiert, als heut zu Tage.

Belehrung.

Schon in jenen Homilien, welche wahrscheinlich dem heiligen Cäsarius von Arles (+ 27. Aug. 542) zugehören, kommen nicht unklare Andeutungen vor, welche uns beweisen, daß die Christen eine Art heiliger Vorbereitungszeit vor Weihnachten feierten, denn unter Anderem heißt es dort: „Wenn der Geburtstag eines vornehmen Herrn gehalten werden soll, so trifft man dazu Vorbereitungen; um wieviel mehr sollen wir uns nicht zum Geburtstage unseres Herrn und Gottes mehrere Tage vorbereiten?“ Eine bestimmtere Verordnung in Betreff der Adventfeier begegnet uns in der Mitte des fünften Jahrhunderts. Damals gab der heilige Bischof Perpetuus von Tours allen seinen Diözesanen den Befehl, „vom Feste des heiligen Martinus (11. Nov.) bis zum Geburtstage des Herrn dreimal in der Woche zu fasten.“ Dasselbe verordnete auch im Jahre 582 die Synode zu Mascon (Makon) für ganz Frankreich und fügte noch bei, „daß auch das heilige Meßopfer wie in der Fastenzeit gefeiert werden solle.“ Dem Gesagten gemäß fing also die Adventszeit schon am Martinstage an und wurde von den Gläubigen unter strengen Fasten und fromme Andachtsübungen zugebracht, beinahe ebenso, wie die vierzigtägige Fasten.“

(L. Mehler, Anhang zum Kirchenjahr, S. 18)

Ach ja! Das 19. Jahrhundert! 😉 Denn wenn wir ehrlich sind, vom „strengen“ Fasten und den „frommen Andachtsübungen“ steht da nix in den alten Texten und die Formulierungen sind ja auch für das frühe Mittelalter herrlich anachronistisch, obendrein wissen nicht nur (Kirchen-) Historiker: Dinge werden in Vorschriften gegossen, weil sie nicht befolgt werden…

Dennoch: Eine Erinnerung daran, daß die Adventszeit nach wie vor und absolut sinnvollerweise eine Fastenperiode ist, die tut not, in Zeiten der allgemeinen Süßwarenattacke, die schon seit Anfang September anhält…

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 4

Vorgestern hatte ich angekündigt, daß der ZkBAK auf das Bonifatiusjubiläums 1954 zurückkommen würde, insbesondere auf  die Auswirkungen  für das katholische Leben in Weimar. Aber ich finde auch den ersten Abschnitt interessant, der einem wieder einmal vor Augen führt, wie die deutsche Teilung sich im Laufe der 50er Jahre in manchen Bezügen erst allmählich verschärfte. Hier schreibt Prälat Karl Schollmeier, der Verfasser dieses Abschnitts, ganz selbstverständlich von der Teilnahme an den Katholikentagen 1952 – 58. Wir werden aber im weiteren Verlauf der Einträge auch noch auf Formulierungen stoßen, die die Realität der Grenze, vor allem ab 1961, scharf  erkennen lassen.

 

„Erlebnisse besonderer Art waren für alle, die daran teilnehmen konnten, die Katholikentage 1952 und 1958 in Berlin, 1954 in Fulda, 1956 in Köln[…]

Hier darf sicher erwähnt werden, daß beim Katholikentag 1956 in Köln die Erfurter Spielschar den ehrenvollen Auftrag hatte, die große Jugendkundgebung im Eisstadion zu gestalten, was dann auch geschah mit der Aufführung »Mord im Dom« von T. S. Elliot (sic!), einem Spiel über den Märtyrertod des hl. Thomas Becket.

Noch ein weiteres Ereignis aus dem ersten Jahrzehnt kirchlicher Jugendarbeit nach dem Krieg verdient hier erwähnt zu werden. Beim 1.200-jährigen Bonifatius-Jubiläum im Jahre 1954 hatte sich die katholische Jugend im Bereich unseres heutigen Bischöflichen Amtes verpflichtet, eine Bonifatius-Gedächtniskirche in der thüringischen Diaspora zu bauen. Weihbischof Dr. Freusberg bestimmte, daß diese Kirche in Weimar-Schöndorf erstehen sollte. Am Tage der Einweihung zogen mehr als 5.000 Jugendliche vom Bahnhof Weimar singend und betend in einer Prozession nach Schöndorf hinauf. Sie trugen mit sich ihre Banner und das riesige Kreuz, das über dem Altar der Kirche hängen sollte. In seiner Predigt sprach der Weihbischof Dank und Anerkennung allen Jugendlichen aus, die durch ihr finanzielles Opfer das Werk ermöglicht hatten. Viele von ihnen hatten ein ganzes Jahr lang je Woche einen Stundenlohn geopfert, so daß die stattliche Summe von 516.000,- Mark zusammenkam. »Der Berg, auf dem wir stehen«, sagte der Weihbischof, »ist in den letzten Jahrzehnten zu einem bedeutungsvollen Berg in der deutschen Geschichte geworden. Diese Geschichte ist jedoch geschrieben auf einem schwarz umränderten, trauererfüllten Blatt. Wie viele Tränen sind am anderen Ende des Berges, in Buchenwald, geweint worden, wieviel Haß, Neid, Menschenverachtung sind dort aufgeflammt und wirksam geworden! Hier aber soll jetzt eine Stätte des Friedens und der Versöhnung erstehen, die Abgründe überbrücken kann.«

Viele Jugendliche, welche diese »Gründerjahre« miterlebt haben, sind heute z. T. schon Großeltern, meist »gestandene « Leute in ihren Gemeinden[…] und bekunden zuweilen, daß manches, was sie für ihr Leben und Arbeiten als Christen in Kirche und Welt geformt hat, ihnen damals vermittelt worden ist.“

 

Treue PuLa-Leser kennen die Kirche in Weimar-Schöndorf, heute auch gern kurz: „Unser Karmel“ genannt, natürlich längst, z.B. vom Gedenken an den Sel. Carl Lampert im vergangenen Jahr; mir ist sie sehr ans Herz gewachsen!

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 3

Belehrung.

Im engern Sinne des Wortes bezeichnet Advent die vierwochentliche Vorbereitungszeit auf das Fest der gnadenreichen Geburt Jesu Christi. Viertausend Jahre harrten im alten Bunde die Patriarchen, die Propheten und Könige mit Sehnsucht der Ankunft des verheißenen Messias entgegen (sieh das folgende Bild!) – nach seiner Geburt sehnten sich die Altväter in der Vorhölle. Diese Zeit des Sehnens und Harrens vergegenwärtigt uns nun die Kirche durch die heilige Adventszeit, deren vier Sonntage uns so trefflich jene viertausend Jahre sinnbilden; sie will

 

Mehler, Zeit des Sehnens (eigene Aufnahme)

dadurch auch in unserm Herzen die Sehnsucht nach der Ankunft des Heilands erneuern. – Mit dem heiligen Advent fängt jene Zeit zu dämmern an, die uns die Erlösung brachte. Des Erlösers Ankunft ist die Zeit einer neuen Schöpfung, eine neue Zeit, ein neues Jahr, das Jahr der Gnade, der Versöhnung, der Erlösung; daher fängt auch die Kirche mit dem Advent ihr Jahr an; der erste Sonntag im Advent ist ihr Neujahrstag.

(L. Mehler, Anhang zum Kirchenjahr, S. 17 f.)

Und ein „etwas“ aktuellerer Text zum Beginn des Kirchenjahres beim Frischen Wind, hier! 🙂

 

Sketchlet zum Advent No. 1 – Das untilgbare Prägemal

Einer schönen Tradition folgend, wollen wir auch in diesem Jahr an den Adventssonntagen zu den Wundersdorfer Schafen schauen:

Frühwinter ist es auf den Schafweiden rund um Wundersdorf und bis in den späten Vormittag hinein überzieht Rauhreif die Wiesen und Äcker mit weißlichem Glitzern. Doch die uns wohlbekannten Schafe haben heute morgen keinen Sinn für die Pracht der Natur: Wolle, Flocke, Kohle und die anderen haben Grauchen in ihre Mitte genommen und diskutieren ganz offenbar in aller äußerlichen Kälte ein heißes Thema.

Das untilgbare Prägemal

Ein Sketch für sieben Schafe, einen Hütehund und beliebig viele Schafstatisten

Kohle (aufgebracht zu Grauchen): Kein Hirte kann dich aus der Schafschaft ausschließen!

Wolle (ebenso): Kein Hirte und auch sonst kein Mensch!

Tatze (der beständig die Gruppe umrundet): Wuff! Nicht mal ein Hund könnte das!

Flocke: Daß wir Schafe sind, ist ein Character indelibilis!

Blütenweiß (zu Fixi): … ein untilgbares Prägemal.

Huf (kommt herangesprungen, mit im Moment völlig deplazierter Fröhlichkeit): Hey! Was macht ihr denn alle für lange Gesichter!

Fixi (gedämpft): Halt mal grad die Klappe.

Huf (sofort leise und mitfühlend): Was ist denn los?

Fixi (nimmt Huf ein wenig beiseite, während die anderen Schafe lautstark weiterdiskutieren): Sie wollen Grauchen aus der Schafschaft ausschließen, weil sie keine Milch mehr geben will.

Huf: Wer will das?

Fixi: Das DOH.

Huf: Wer?

Fixi: Das „Deutsche Oberhirtentum“. Das ist so eine Versammlung und die bestimmen das.

Huf (platzt heraus): So ein Blödsinn! Einmal Schaf – immer Schaf, das weiß doch jedes Lämmchen!

Fixi: Hm, klar! Bloß das DOH nicht.

Huf: Und warum?

Fixi: Weil sie keine Milch …

Huf: Stimmt, hattest du gesagt! (Huf denkt nach; nach einer kleinen Pause) Und warum will sie keine Milch mehr geben?

Fixi: Sie sagt, es paßt ihr nicht, daß damit so viel Käse gemacht wird.

Huf: Ok, ist ihr gutes Recht!

Tatze (will die beiden Lämmchen wieder näher bei der Gruppe haben): Kommt mal wieder ran, ihr zwei. (Er treibt sie zur Herde zurück.)

Kohle: Ich sage immer: Die Milch ist für unsere Lämmchen da! Ohnehin eine Unsitte, uns so auszuquetschen!

Huf: Wir sind doch hier nicht im Stift Melk!

Flocke: Ob wir vor der Kirche demonstrieren sollten?

Grauchen (resigniert): Was willst du denn skandieren?

Fixi: „Wir sind die Schafe!“ zum Beispiel.

Wolle (leise und fassungslos): Es geht ihnen nur um die Milch …

Flocke (zögerlich und unsicher): Das glaube ich nicht …

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Tja – so geht’s zu auf den Wiesen rund um Wundersdorf und bloß gut, daß bei uns in Weimar ja ohnehin niemand auf die Idee käme, unter „Kirche“ vor allem das Materielle zu verstehen 😉 , doch der aktuelle Bezug geht ja auch weit darüber hinaus, leider!

Ich persönlich habe zu der traurigen aktuellen Diskussion über das deutsche Kirchensteuer(un)wesen bisher nichts besseres gefunden, als den luziden Aufsatz von Georg Bier in der HERDER-Korrespondenz (die ja bekanntlich nicht gerade ein „dunkelkatholisches Kampfblatt“ ist…). Nach der Lektüre haben Sie das Problem verstanden, aber keine bessere Laune 🙁  Also vielleicht besser erst morgen lesen und sich daran erinnern, daß der Advent auch eine Fastenzeit ist…

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 2

Das Bonifatiusjubiläum am 23. Mai 1954

Dem Apostel Deutschlands in besonderer Weise verbunden ist nicht nur Fulda, wo der Heilige sein Grab gefunden hat, sondern auch Erfurt […]. Thüringen war eines der wichtigsten Missionsgebiete des hl. Bonifatius.

Darum folgten die Katholiken der Diaspora und des Eichsfelds in vorher nicht geahnter Zahl der Einladung ihres Weihbischofs Dr. Freusberg, an den Feierlichkeiten in Erfurt teilzunehmen. Schon zu den Arbeitstagungen, die am Mittwoch, dem 19. Mai, begannen, kamen Delegierte nicht nur aus dem Bereich des Generalvikariats Erfurt, sondern aus der gesamten DDR […] In Erinnerung an das Martyrium des hl. Bonifatius wurde am Freitagabend in der Kulisse des Hohen Chores im Erfurter Dom das Spiel vom Märtyrertod des hl. Thomas Becket (+1170) „Mord im Dom“ von T.S. Eliot aufgeführt.

Am Samstagabend versammelte sich die Jugend zu einer bis dahin für Erfurt einzigartigen Maiandacht, in der der Apostolische Nuntius für Deutschland, Erzbischof Münch, in begeisternden Worten zu den jungen Menschen sprach. Verständlich, daß sie ihm anschließend einen Huldigungsbesuch vor seinem Quartier machten. Lichter brannten in den Händen. Der Nuntius und die Bischöfe standen an den Fenstern. Lieder klangen durch die Nacht: Bekenntnislieder, Marienlieder. Da bricht der Nuntius zwei Blüten vom Fliederstrauß, der neben ihm steht, und wirft sie der Jugend hinaus; und nun ist es vorbei mit der Herrlichkeit in den Vasen der Propstei: der Weihbischof bringt selbst einen ganzen Arm voll Blumen und gibt sie Erzbischof Münch für die Jugend. „Und wenn ich zwei Käppchen hätte, dann würde ich euch auch eines davon herunterwerfen“, ruft der fröhliche Bischof von Fulda der Jugend zu.

Als sie endlich nach Hause müssen, stecken sie all ihre Kerzen in ein frisches unbepflanztes Blumenbeet vorm Haus. Da knien sich zwei Jungen nieder und fangen an, die Kerzen umzustecken und der Nuntius entziffert: Es – lebe – Papst – Pius – XII.

 

So Walter Hentrich, Pfarrer in Weimar von 1986 – 1998 , der in „Im Land der heiligen Elisabeth“ mit mehreren Texten vertreten ist (hier S. 142). Diese Feier des Bonifatiusjubiläums hatte für die Katholiken in Weimar ganz praktische Folgen, die bis heute nachwirken, aber dazu mehr beim nächsten Ausschnitt aus diesem „katholischen Buch“.

Bis dahin ist es vielleicht eines Gedenkens wert, was das Bekenntnis zum Papst, zumal zu diesem Papst!, gerade ein Jahr nach dem Tod Stalins für einen Mut erfordern mußte… Und der Nuntius war übrigens US-Amerikaner; „langweilige 50er Jahre“??!

 

Im Land der heiligen Elisabeth, Leipzig 1985 (eigene Aufnahme)

 

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 1

Erstes Hauptstück.

Der Weihnachtskreis.

6. Lesestück. Von dem Umfange des Weihnachtskreises und vom Advente.

[…] Fr. Welche Bestandtheile des Kirchenjahres gehören sonach zum Weihnachtskreise?

Antw. Folgende:

1) der Advent, als Vorfeier,

2) das Fest der Geburt selbst, als Mittelpunkt,

3) das Fest der Beschneidung,

4) das Fest der Erscheinung,

5) das Fest der Darstellung im Tempel und

6) die Sonntagsreihe nach Epiphanie, [Ziffern 3-6 mit geschweifter Klammer:] als Nachfeier

[…] Belehrung.

Dieser Advent oder diese Ankunft des Herrn ist nach der Erklärung des heiligen Albertus des Großen vierfach. „Die erste Ankunft geschah in den Schooß der Jungfrau Maria, die zweite in die Welt, die dritte in das Herz des Menschen, die vierte wird zum Gerichte geschehen. Der Herr ist in den Schooß der Jungfrau gekommen, um die menschliche Natur anzunehmen; er ist in die Welt gekommen, um das Menschengeschlecht durch sein Blut zu erlösen; er kommt in das Herz des Menschen, um es von seinen Gebrechen zu heilen und es mit sich zu vereinigen; er kommt zum Gerichte, um mit der Wurfschaufel seines richterlichen Auspruches den Weizen von der Spreu abzusondern.“

Mehlers Hausbuch, außen (Eigenes Bild)

Ich finde ja nach wie vor, die alte Gliederung des Kirchenjahrs hat eminent etwas für sich. Und, ist es nicht seltsam, wie aktuell uns das „abgeschaffte“ Fest Circumcisionis, Beschneidung des Herrn, plötzlich, sozusgen „auf Umwegen“ geworden ist? Wir haben allen Anlaß, uns klarzumachen: Diese Debatte geht keineswegs bloß Juden und Muslime an! Was da verhandelt wird ist die Frage nach dem künftigen Verhältnis der deutschen Gesellschaft zur Eigen-art religiöser Weltsicht und der Möglichkeit ihrer praktisch-konkreten Handlungsfreiheit insgesamt und die schrillen Töne der Intoleranz im Namen von „Humanität“ und „Selbstbestimmung“ sind ja nicht zu überhören (vgl. auch hier). Weiterhin scheint mir, ein Fest, so geeignet, der Verbindung zum Alten Bund zu gedenken (unabhängig davon, ob das Fest früher so gefeiert worden ist!), wäre das nicht eigentlich eine feine Sache? (vgl. auch hier, dritter Text)