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„Herz spricht zum Herzen“ und ein nonchalantes Statement

„Herz spricht zum Herzen“, lat. Cor ad cor loquitur, Motto im Wappen des Sel. Kardinal Newman

Der jüngst bekannt gewordene Brief des Vizepräsidenten der Päpstlichen Kommission ‚Ecclesia Dei’, Erzbischof Augustine Di Noia, an die Pius-Bruderschaft aus der Adventszeit findet in der Blogoezese zu Recht intensive Beachtung, ja teils eine geradezu hymnische Würdigung (um es gleich vorweg zu sagen: ich glaube ebenfalls zu Recht!) (Die Links sind hier, hier und hier mit Teilübersetzung von Alipius)

Das Thema, um das es hier eigentlich geht, die Frage der Möglichkeit einer Wiedereingliederung dieser Priesterbruderschaft in die volle Gemeinschaft mit der Kirche wird andernorts kundiger behandelt, als ich das könnte, weshalb PuLa weiter davon absehen wird, sich intensiver damit auseinanderzusetzen, obwohl das Thema natürlich wichtig ist: Es geht um die Einheit der Kirche und eben nicht bloß um ein paar eigentümliche Gestalten am Rande, die man nach Belieben beschimpfen, bzw. zum Buhmann stilisieren kann! Wer das Spiel spielt, tut es aus eindeutigen Interessen und betreibt das Geschäft der „Welt“…

Weshalb ich dessenungeachtet die vollständige Lektüre des langen Briefs jedem dringend empfehlen möchte, der das entweder in englisch oder französisch hinkriegt, hat drei Gründe:

Erstens ist es einfach ein hinreißend schöner Text! So wünscht man sich innerkirchliche Kommunikation: Zugewandt aber klar, differenziert aber eindeutig, ausführlich aber konzise. Und wie da die Tradition bemüht wird, nein, sie wird eben nicht „bemüht“, vielmehr fließen, ach was, strömen die Großen, Augustinus und Thomas, nur so in die Argumentation ein, sehr wohltuend! Sicherlich hat A. Schwibach recht, wenn er sinngemäß schreibt: „In dem Text steckt jede Menge Benedikt“!

Zweitens meine ich aber, manche Sätze sollten sich durchaus auch als katholische Blogger gesagt sein lassen.

Dabei betreffen die Passagen im zweiten Teil des Briefs, der mit „Der Platz der Priesterbruderschaft in der Kirche“ überschrieben ist, und das Thema der notwendigen Voraussetzungen für theologische Debatten behandelt, papsttreue Blogger sicher eher weniger, denn wir versuchen ja eben gerade kein „Parallel-Lehramt“ zu etablieren, sondern im Gegenteil uns am päpstlichen Lehramt zu orientieren und es in unsere jeweilige (kirchliche ) Situation und die Motivation unseres Bloggens hinein zu übersetzen, es dabei bekannt zu machen, und von Fall zu Fall vielleicht auch mit unseren schwachen Mitteln zu verteidigen. Und da natürlich die wahre Lehre immer klarer und einleuchtender ist, als alle Irrlehren (die sich ja regelmäßig durch Kompliziertheit und Voraussetzungsreichtum „auszeichnen“, schon seit der „alten“ Gnosis…) ist sie sogar von einfachen Gemütern (wie mir) besser zu verstehen und wiederzugeben! 😉

Hingegen gehen die Zitate aus dem Werk des doctor communis im ersten Teil des Briefs, „Die Bewahrung der Einheit der Kirche“, alle an, die engagiert über Katholisches schreiben. Der große Heilige warnt vor „Stolz, Zorn, Ungeduld und übermäßigem Eifer“ (Pride, anger, impatience, and inordinate zeal). Das müssen wir alle uns immer wieder gesagt sein lassen, in unserem Bemühen, festgestellte Mißstände deutlich zu machen, in dem ständigen Prozeß des Abwägens, was wann richtig ist gesagt zu werden und wie. Ein gutes Vorhaben für die Fastenzeit, diese Fragen erneut zu reflektieren. Freilich, „Freibriefe“ für ein unverändertes „Weiter so“ wird es hier jedenfalls auch weiterhin nicht geben können.

Und drittens ist es vor allem der folgende einfache Satz, der für viele Kollegen offenbar so selbstverständlich ist (und es natürlich auch sein sollte), daß sie ihn teils gar nicht eigens erwähnen:

With magisterial authority, the Holy See has consistently maintained that the documents of the Council must be interpreted in the light of Tradition and the Magisterium and not vice versa, while the Fraternity has insisted that certain teachings of the Council are erroneous and are thus not susceptible to an interpretation in line with the Tradition and the Magisterium.

Er beschreibt das Grundproblem der jahrelangen Auseinandersetzung und die daraus resultierende „Sackgasse“ (stalemate) in der Diskussion.

Aber mir geht es hier bloß um den ersten Teil:

With magisterial authority, the Holy See has consistently maintained that the documents of the Council must be interpreted in the light of Tradition and the Magisterium and not vice versa […]

Mit lehramtlicher Autorität hat der Hl. Stuhl konsistent daran festgehalten, daß die Dokumente des Konzils im Lichte der Tradition und des Lehramts interpretiert werden müssen und nicht umgekehrt […]

Ja, dem ist wenig hinzuzufügen, oder? Ein nonchalantes Statement eben, so im Nebensatz 🙂 Nur daß der Satz leider nicht die Realität beschreibt, die uns, auch hier im Bistum Erfurt!, umgibt. Vielmehr wird das arme Konzil ständig zum „Superdogma“ erhoben, meist aus allzu durchsichtigen Interessen und unter Mißachtung der elementaren Regeln der redlichen Textauslegung (wenn die Texte denn überhaupt konkret bemüht werden).

Ich glaube, ich werde diese Passage auswendig lernen, am besten auf deutsch und englisch (und auf Latein, wenn sie so veröffentlicht wird 😉 ), so für alle Fälle…

Ach, übrigens: Neulich habe ich ihn gesehen, den „Geist des Konzils“. Doch, ehrlich! Bald wird es hier Photos geben, lassen Sie sich überraschen!

Fundstück

Wenn man so still (wenn auch nicht immer still-vergnügt…) vor sich hinblogt und sich gelegentlich aufgrund eigenen Erlebens und folgenden Nachdenkens auch als theologisch Fachfremder zu verallgemeinernden Sätzen aufschwingt, dann kann es ja passieren, daß man sich hinterher die bange Frage stellt, ob das denn auch wirklich alles seinen guten Sinn hatte?

Wieviel einfacher sind da doch die eher „journalistischen“ Beiträge, wo es bloß um sorgfältige Recherche und ordentliches Hinschreiben geht! (wie vor kurzem hier, z.B.) 🙂

Um so mehr freut man sich dann, wenn man aus berühmtem Munde Gedanken liest, die einem sozusagen vertraut vorkommen. Aber folgendes Zitat hat auch ganz unabhängig von meiner Beruhigung jede Verbreitung verdient:

„Konkrete Kirche als solche kann sich nicht als einen Teil verstehen, der in ein umfassendes Ganzes synthetisiert werden müßte. Die Catholica kann gewiß in ihren empirischen Gliedern gewisse ihrer Aspekte halb vergessen, stark vernachlässigt haben, sie kann aber nicht von außen her einen Zuwachs ihrer inneren Fülle erwarten oder erhoffen. Sie kann sich nur daran erinnern lassen, daß sie das, was man ihr scheinbar von außen anbietet, immer schon gewußt hat. (1 Joh 2, 21 und 27; Jud 5)“

Hans Urs v. Balthasar, Anspruch auf Katholizität, in: Ders., Pneuma und Institution, Skizzen zur Theologie IV, Einsiedeln 1974, 61 – 116; 67

Tja, wenn wir stärker erfüllt von diesem Bewußtsein aufträten, manche Probleme erledigten sich ganz von selbst!

Hier die Bibelstellen, auf die v. Balthasar Bezug nimmt:

Zwar wißt ihr alles ein für alle Mal; aber ich will euch dennoch daran erinnern: Obwohl der Herr das Volk aus Ägypten gerettet hatte, hat er später alle vernichtet, die nicht glaubten. (Jud 1, 5)

Ich schreibe euch nicht, daß ihr die Wahrheit nicht wißt, sondern ich schreibe euch, daß ihr sie wißt und daß keine Lüge von der Wahrheit stammt. (1 Joh 2, 21)

Für euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat. (1 Joh 2, 27)

Bezeichnenderweise alles Abschnitte, die sich mit dem Auftreten von Irrlehrern befassen.

(Wer sich unwahrscheinlicherweise die Mühe machen will nachzuvollziehen, welche eigenen Texte ich oben meinte: hier und hier)

 

Die Unbelehrbaren – ein superkallifragilistischexpialigetisches Sketchlet

Wo Sie grad sagen“: Transsubstantiation …

 

Die Unbelehrbaren

Ein Sketchlet für fünf Personen

 

In der Wohnung der Familie Langenfeld. Edith bringt Tina gerade zur Tür, als Tina anfängt herumzudrucksen. Offenbar hat sie noch etwas auf dem Herzen.

Edith (reicht Tina den Mantel): Bitte schön! Und du denkst an die Noten?!

Tina: Ja, mach ich. (Sie guckt vor sich hin.) Äh, … ich wollte noch …

Edith: Ja, was gibt’s?

Tina: Mit dem Fronleichnamslied.

Edith (überrascht): Dem Fronleichnamslied! (Sie lacht.) Da fängst du jetzt damit an? Das ist doch ewig her! (Wieder aufmerksam.) Also was ist damit?

Tina: Der Pfarrer sagt, er würde vor Kindern nicht das Wort Transsubstantiation in den Mund nehmen.

Edith: Wieso?

Tina: Weil das für Kinder viel zu schwer ist! Das können Kinder in dem Alter sich doch gar nicht merken!

Edith (ruft in die Wohnung hinein): Teresa, kommst du mal gerade?

(Sie horchen.)

Edith: Teeerreeeeesaaaaaaa!

Teresa (entfernt): Ja-a! (Eine Zimmertür öffnet sich und die Neunjährige kommt den Flur entlang gerannt.) Da bin ich!

Edith (freundlich): Teresa! Ihr hattet doch neulich dieses niedliche altersgerechte Lied in der Schule gelernt, wie ging das nochmal, die Tina möchte das so gerne mal hören.

Tina: Hm?

Teresa: Superkallifragilistischexpialigetisch?

Edith: Genau das!

Teresa (singt): Superkallifragilistischexpialigeeeeeeeeeetisch (weiter kommt sie nicht, weil Emily aus ihrem Zimmer gestürmt kommt)

Emily (stöhnt): Singst du dieses häßliche Lied?!

Teresa (unschuldig): Sollte ich!

Emily: So was Sinnloses! Das mußten wir in der dritten Klasse auch lernen! Es nervt!

Edith: Sagt mal, war euch das allen nicht viel zu schwer zu merken?

Emily (gespielt patzig): Nein! Es ist nur so sinnlos!

Edith: Der Herr Pfarrer hat nämlich Sorge, Transsubstantiation sei ein zu schweres Wort für Kinder.

Emily: Transsubstantiation? Wieso?

Teresa: Wie bei Fronleichnam?

Edith: Jau!

Teresa und Emily (beginnen zu singen): Fronleichnam – Leib des Herrn! Wir feiern die Verwandlung! Fronleichnam – Leib des Herrn!

Emily (unterbricht): Hey! Laß uns ein Quodlibet versuchen! Du singst Fronleichnam und ich singe dieses häßliche Superkallifragilistisch dazu – ok?

Teresa: Ok! (Sie schaut die große Schwester erwartungsvoll an.)

Emily: Du hast einen Auftakt …

Teresa: Ach so! Stimmt: Fron…

Emily (setzt ein): Superkallifragilistisch (sie singen zusammen und fangen bald fürchterlich an zu lachen.)

Edith (hält sich die Ohren zu und versucht die Kinder zu übertönen): Danke, ihr Lieben, ihr habt uns total geholfen – aber das Singen könntet ihr jetzt eigentlich wieder in euren Zimmern machen … (zu Tina) Hörst du? Ich glaube, der Herr Pfarrer kann ganz beruhigt sein! (Sie grinst.)

Tina (lächelt unsicher): Ja dann – also – bis morgen!

Edith (lächelt echt): Bis morgen! (Sie schließt die Tür.)

Emily (schnaubt) Der Pfarrer!

Teresa: Der hat doch gar keine Kinder – oder?

Edith: Nein, nein, nicht daß ich wüßte – aber er hat eben auf der Universität gelernt, was für Kinder zu schwierig ist und was nicht, das ist doch viel besser, als selber Kinder zu haben! (Sie schaut ihre Kinder erwartungsvoll an.)

Emily (guckt etwas unsicher zurück): Das ist jetzt nicht dein Ernst!

Edith (lacht): Nee, natürlich nicht! (Sie legt den Arm um ihre Kinder und geht mit ihnen in die Wohnung zurück.)

* * *

(Kurz darauf im Pfarrbüro. Corinna und Frau Schramm diskutieren über irgend etwas, man fängt nur Wortfetzen davon auf.

Tina: Hallo allerseits!

Corinna: Hallo! Na?

Tina: Ja, ich hab’s mal angesprochen.

Corinna (schnaubt verächtlich): „Transsubstantiation“ in einem Kinderlied! So ein Schwachsinn!

Frau Schramm: Hat sie es wenigstens eingesehen?

Tina (schüttelt den Kopf): Nö! Total unbelehrbar!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Tja, so geht’s zu in Wundersdorf. Bloß gut, daß in Weimar keiner auf die Idee käme, anspruchsvolle religiöse Kinderlieder nicht unters Volk zu bringen.

 

Und eigentlich ist es ja überhaupt ein englisches Wort, das Superdingsda:

Nur daß das oben gemeinte Kinderlied eben bei weitem nicht so lustig ist, wie das Original!

Und wer nun partout auch noch den Text nachlesen will, hier, bitte sehr.

 

 

 

 

 

Erwartbares und weniger erwartbares

Sorry, für mehr als kommentierte Linkrutschen (Hinweise auf interessante Beiträge anderswo, für Nicht-Netz-Sprecher 😉 ) reichen gerade Zeit und Kraft nicht.

Erwartbar war zunächst die Fortsetzung der Krise um die Bistumspresse (vulgo: “Kirchenzeitungen“). Dazu gibt es einen sehr guten, reflektierten Beitrag beim Kollegen auf Commentarium Catholicum, „Das Elend der Bistumspresse“, hier. Kostprobe?

„Die redaktionelle Linie der mir bekannten Blätter laviert zwischen halbherziger Anpassung an den Zeitgeist und mühsamer Vermeidung allzu offensichtlicher Skandale. […] Ihr Journalismus ist nicht unabhängig, aber auch nicht die Stimme ihrer Herren, der deutschen Bischöfe. Sie sind lau in jeder Hinsicht. Und damit langweilig.“

Nun, PuLa-Leser erinnern sich an das problematische Bild, das unser hiesiger „Tag des Herren“ bei näherem Hinsehen in der Berichterstattung zur Papstpredigt auf dem Erfurter Domplatz im September 2011 abgegeben hat (hier) und wundern sich nicht.

Und auch hinsichtlich des Punkts „Regionalität“, den Kollege Recke wie ich finde sehr zu recht betont: „Die einzige Stärke ist, und dieses Schicksal teilt die Kirchenpresse mit den meisten Tageszeitungen, das Lokale, hier also das Regionale“ gibt es Fragezeichen. So hätte die Berichterstattung über eines der unzweifelhaft herausragenden Ereignisse in unserem kleinen Bistum, das zwanzigjährige Jubiläum der Erfurter Edith-Stein-Schule (an der u.a. die hier wohlbekannte Amei Mende wirkt) deutlich ausführlicher ausfallen können, nein sollen, was in interessierten Kreisen auch allgemein so bemerkt wurde! Eine katholische Schule in Trägerschaft des Bistums, das ist in dieser zuerst (fast) entkatholisierten und dann (fast) entchristlichten Gegend Deutschlands eines der Hoffnungszeichen schlechthin. So läßt sich gewiß der Regionalitätsvorsprung nicht wahren. Wie sich übrigens die Wahrung dieser vermutlich einzigen Chance verbinden läßt mit Plänen zu einem „Magazin, das einer Tageszeitung beigelegt wird, um damit größere Zielgruppen zu erreichen“, erschließt sich mir nicht so ganz. „Chrismon (das bundesweit verteilte Magazin der EKD) auf katholisch“ mit regionalen Einsprengseln?? Da kriecht es mir schon jetzt kalt den Rücken rauf 🙁

Nicht bloß erwartbar, sondern nach den Gesetzen der Mediengesellschaft völlig unausweichlich war die Wiederkehr des schrecklichen Themas „Mißbrauch“. Daß sie jetzt aufgrund einer Initiative der kirchlichen Seite geschieht, die offenkundig die Notbremse ziehen mußte, was, wenn man sich mit einem Selbstdarsteller wie Pfeiffer eingelassen hatte, auch nicht ganz überraschend kommt, ist unter dem Aspekt vergleichsweise nebensächlich, so verheerend die Wirkung auch sein mag. In diesem ganzen Elend gibt es allerdings auch positive Überraschungen, so die nicht so ohne weiteres erwartbare zügige juristische Reaktion der DBK gegen Pfeiffer („Unterlassungserklärung“) und den ein oder anderen Kommentar in den Mainstream-Medien, der einem das Gefühl vermittelt, die zurückliegenden Jahre der Beschäftigung mit dem Thema, mit erschütternden Berichten ebenso wie mit erhellenden Erkenntnissen wären auch dort nicht spurlos vorübergegangen. Und so ist es mir heute eine ehrliche Freude auf einen Kommentar im STERN (!) verlinken zu können, den man gelesen haben sollte (hier, wer ihn noch nicht von kath.net her kennt.) Kostprobe?

„So war womöglich schon die Wahl von Professor Christian Pfeiffer als Kooperationspartner für die deutschen Bistümer keine wirklich kluge. Zwar gehört der Leiter des Hannoveraner Instituts zu den lautesten und in den Medien präsentesten deutschen Kriminologen, aber kaum zu den renommiertesten.“

„Was niemand von uns zulassen würde [sc. Mißachtung elementaren Datenschutzes], kann also auch nicht für Kleriker gefordert werden. Wenn es um Missbrauch geht, speziell sexuellen Missbrauch, dann lauert die Gefahr für Kinder ohnehin nicht zuerst im Beichtstuhl oder in der Sakristei, sondern eher zuhause auf dem Sofa. Das zeigen alle entsprechenden Statistiken. Allzu schnell wird manchmal in der öffentlichen Debatte aus einem gesamtgesellschaftlichen Problem ein kirchliches. Solche Verdrängungen aber führen am Ende nur zu neuen Problemen und neuen Opfern.“

Es stehen noch andere kluge Sätze in diesem Kommentar von Frank Ochmann. Allerdings auch dieser Eingangssatz:

„Wohin beim Stichwort „Missbrauch“ auch jetzt wieder der erste Reflex zielt, ist klar: auf die Verantwortlichen der katholischen Kirche. Und die haben ihn sich selbst zuzuschreiben. Zaudern, zögern, zurückweisen – das war lange die Strategie beim Umgang mit einem Skandal, der nach etlichen anderen Ländern 2007 auch Deutschland erreicht hatte.“

Dieser Satz, er ist nicht falsch, da hilft kein Drumherumreden, bzw. Drumherum-wünschen, sozusagen. Und er gilt überall, auch in den, so sieht es ja zumindest heute aus, weniger betroffenen östlichen Bistümern. Was ich bis vor kurzem nicht wußte, das Bistum Erfurt war als eines der Stichprobenbistümer im Rahmen der Pfeiffer-Studie vorgesehen. Das einzige „östliche“ im Kreis der insgesamt neun (neben Rottenburg-Stuttgart, München, Mainz, Trier, Köln, Osnabrück, Hildesheim und Hamburg). Wie gut also, daß heute erst wieder unser Diözesan-Administrator, Weihbischof Hauke, in einem Interview mit der Thüringer Allgemeinen (leider nicht online) den Willen zu Aufarbeitung und Ursachenerforschung betont hat (wobei ich freilich nicht „die Deutsche Bischofskonferenz“ als primär handelndes Subjekt sehen würde, sondern jedes einzelne Bistum, aber jetzt bloß keine ekklesiologische Diskussion 😉 ).

Und ich würde unter der Rubrik „Zaudern und Zögern“ gerne noch etwas hinzufügen: Wenn, wofür in meinen Augen einiges spricht, Erfurt auch in der weiteren wissenschaftlichen Erforschung mit einem neuen Partner Beispielsbistum bleibt, soll bitte (!!) keiner und keine meinen, es ginge dann „bloß“ um die „alten Personalakten“! Nein, das wird erneut die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Gesamtkomplex lenken. Mit der gleichen Unausweichlichkeit wie dieses Mal wird, gerade wenn diese Arbeit gut läuft, ein Interesse daran bestehen „doch mal zu schauen, ob wirklich alles so in Butter ist“, denn dieses Interesse erweckt Kirche immer. Immer! Das heißt, es wird z.B. geschaut werden, ob denn aktuell alles so ist, wie es sein sollte, ob alle Vorkehrungen getroffen und alle Vorschriften erlassen wurden und befolgt werden. Hoffentlich findet dann niemand Beispiele des „Zauderns und Zögerns“.

Hl. Gregor von Nyssa, bitte für uns!

Gregor v. Nyssa (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)

Weimarer Weihnacht – Versuch einer Bilanz

Wie zu Stephanus angekündigt wollen wir auch in dieser Weihnachtszeit (die ja bekanntlich in Wahrheit erst zu Mariä Lichtmeß endet 🙂 ) versuchen, ein wenig zu bilanzieren, was uns in dieser Saison so aufgefallen ist an weihnachtsspezifischen Aktivitäten, in und um Weimar.

Da ist zunächst das Thema „Krippenspiele“. Sie erinnern sich an die Ankündigung verschiedener Auftritte der „Cäcilini“ (christlicher Kinderchor Weimar, hervorgegangen aus der abgewürgten Kinderschola der Gemeinde) mit ihrem neuen Krippenspiel vor genau einem Monat? (Hier) Die haben alle stattgefunden, also vier auf dem Domplatz und einer im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes in der ungewohnten aber akustisch hervorragenden Umgebung des AWO-Altenheims in Weimar-West… Deswegen sorgte dort die ausgezeichnete Sprachverständlichkeit auch für Tränen der Rührung unter den Zuhörenden, was man für ein Krippenspiel wohl nur mit „Mission accomplished“ beschreiben kann 😉

Auf dem Domplatz, im Trubel eines deutschlandweit besuchten Weihnachtsmarkts war eine solche Konzentration natürlich nicht herzustellen, aber: Die Leute sind durch solches Tun anzusprechen, halten u.U. für die Dauer des Stücks inne und kommen, hoffentlich, dabei ein wenig ins Nachdenken über den wahren Sinn der Weihnacht. So nebenbei konnte man allerlei Betrachtungen anstellen über grundsätzliche Fragen vom Verständnis der Zielstellung ehrenamtlicher Tätigkeit, ob Effizienzdenken dabei eine Rolle spielen darf/muß (natürlich muß es!!) und wie sich dieses Verständnis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen spiegelt und abgestimmt wird (oder auch nicht…). Kryptische Bemerkungen? Stimmt schon, aber das ist ja heute auch nicht eigentlich das Thema, und wird bei sich bietender Gelegenheit erläutert, denn es ist gar nicht so uninteressant, auch für allgemeinere Betrachtungen über den Zustand der Kirche in Deutschland!

Jedenfalls: Schön war’s und mich beeindruckt immer wieder, wie gut der (international besetzte) Knirps-Chor mittlerweile klingt! (Obwohl, „mittlerweile“? Die haben schon 2009 zu Fronleichnam das schöne Wort „Transsubstantiation“ gesungen, schneller und richtiger, als viele Alte es sprechen können 🙂 )

 

"Cäcilini" vor der Krippe auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt (eigenes Bild)

Mehr Bilder gibt’s hier.

Und ein Krippenspiel gab es natürlich auch heuer wieder in Herz-Jesu-Weimar. Der letztjährige Versuch war ja leider ein ziemlicher Reinfall (vgl. hier und hier) aber zu meiner großen Freude wiederholte sich das dieses Jahr ganz und gar nicht! Nein, das war dieses Mal ein richtig ordentliches Krippenspiel, gespielt nur von Kindern, gereimt gar (wenn ich auch schon „flüssigere“ Verse gehört habe), begonnen, nachdem der Rektor der Pfarrkirche einfach vollständig den entsprechenden Abschnitt des Lukasevangeliums vorgetragen hatte und auch die Liedauswahl war angemessen. Wie schön! Wie „normal“! Wie wohltuend! Deswegen ist diesmal auch niemand rausgelaufen. Da konnte einem das kleine etwas bemühte „Schauspiel nach dem Schauspiel“, das, völlig überflüssigerweise, die Nennung des Namens der nun schon seit 20 Jahren für die Organisation des Krippenspiels Verantwortlichen kokett ein wenig verzögerte, gar nichts mehr ausmachen.

Soll doch mal keiner sagen, man könne mit Kritik in der Kirche nichts bewirken… 😉

Ob das auch für zwei weitere liturgische Veranstaltungen gilt?

Betrachten wir zunächst, wiederum wie schon vor 12 Monaten (hier), den Gottesdienst zum Jahresschluß. Dabei handelte es sich zunächst, anders als im Vorjahr, um einen Andacht und nicht um eine Messe. Ich finde zwar nach wie vor, daß eine „Diashow“ zum Jahr in der Pfarrei auch zu einer Andacht mit anschließender Aussetzung des Allerheiligsten paßt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, aber immerhin. Auch entfiel dieses Jahr glücklicherweise der so extrem störende Beifall, der beim vorigen Mal bedauerlicherweise zu verzeichnen war.

Jedenfalls, nach der Lesung aus dem 1. Johannesbrief ging die Leinwand hoch und der Rektor der Pfarrkirche sowie die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands begannen abwechselnd Bilder aus dem Leben der Pfarrei im Jahr 2012 zu kommentieren. Dabei erfuhr man, wie schon im vergangenen Jahr, etliches Interessante zur Statistik, wurde an manch bemerkenswerte und auch schöne Begebenheit erinnert und hätte sich eben nur um alles in der Welt gewünscht, das fände im Gemeindehaus und nicht in der Kirche, nicht im Rahmen eines Gottesdienstes statt! Na ja, mir schien jedenfalls, die Auswahl der Themen, gerade auch aus dem Bereich Ehrenamt, und auch die Auswahl der Bilder deutlich gelungener als im Vorjahr, zurückhaltender auch in Bezug auf die unmittelbar handelnden Personen, ein guter Ansatz!

Das etwas bemühte Spiel mit dem Wortbestandteil „-bruch“ über „Ein-bruch“, „Ausbruch“ oder einfach nur „brechen“ würde ich gerne ignoriert haben, wenn nicht der „Bruch-Klassiker“ schlechthin, der, na?, na?, genau: Der „Aufbruch“ 😉 u.a. die Erwähnung des Themas „Kindergarten“ begleitet hätte. Da „brach ein Bagger die Erde auf“, um eine große Schaukel aufbauen zu können. Ach ja, als ob das alles wäre, was man im Jahr 2012 über den Kindergarten sagen konnte! Zum Glück wissen PuLa-Leser es ja besser, vgl. hier!

Den Tonfall, in dem die Bestätigung des Ergebnisses der Gremienwahlen vorgetragen wurde, das jetzt ganz, ganz „FEST“ stehe, das Ergebnis nämlich, den muß man übrigens gehört haben, um sich auch noch im nachhinein die Präokkupation mit dem Thema vorstellen zu können, zu den Fakten vgl. hier und hier.

Freilich, das war nicht schon alles, was sich diejenigen anhören durften, die in den zurückliegenden 12 Monaten dem Mund aufgemacht haben und nicht nur die in Verbindung mit Fasching genannte offenbar erwünschte „freundliche Kritik“ geübt haben (warum sagt den Betreffenden eigentlich nicht mal jemand, daß es ausgesprochen ungeschickt ist, solche Begriffe aus dem „Kleinen Wörterbuch des Totalitarismus“ zu gebrauchen, gerade hierzulande?).

Nein, ausgerechnet im Kontext der Erwähnung eines noch ziemlich frischen Todesfalls aus den Reihen der Ehrenamtlichen wurde (sinngemäß zitiert) „die Frage aufgeworfen, wie wir miteinander umgehen“ und ob „an öffentlich geäußerten bösen Worten das Gefühl der Gemeinsamkeit innerhalb der Kirchengemeinde zerbricht.“

Soso, das „Gefühl“ der Gemeinsamkeit gilt es also zu wahren? Kommt bloß auf die „Kosten“ dieser „Gefühlswahrung“ an, will mir scheinen! Wenn es nur um den Preis der Wahrhaftigkeit zu wahren wäre, dieses „Gefühl“, dann kann ich darauf verzichten. Was von Seiten derjenigen, die da sprachen, an tatsächlicher Gemeinschaftlichkeit zu erwarten war, im Jahr 2012, das haben die „Schädlings-Vermeldungen“ und die berüchtigte „Seite 11“ gezeigt: Nichts! (Vgl. hier, hier und hier)

Oder habe ich das ganz falsch verstanden und mit den „bösen Worten in der Öffentlichkeit“ waren gerade die eigenen Entgleisungen gemeint? Dazu würde ja auch der Dank passen, an alle, die sich 2012 „in guter Weise“ am Gemeindeleben beteiligt haben, wie z.B. dieser Blog durch sein Bemühen um Fairneß und Wahrhaftigkeit, nehme ich an, oder? Die Bemerkung mit den „bösen Worten“ wäre also gar Selbstkritik gewesen? Das neue Jahr wird es erweisen… 😉

So, nach der Betrachtung dieser immerhin in einigen Ansätzen verbesserten Veranstaltung (mit allerdings noch viel „Potential“) kommen wir nun zu einem Element der Weimarer Weihnacht, das in gleicher Form auch schon im vergangenen Kirchenjahr stattgefunden haben muß und schon da weithin für Verwunderung und Anstoß gesorgt hat, das ich aber 2011 nicht besucht habe, und ich versuche ja möglichst nur über das zu schreiben, wovon ich mir selbst ein Bild machen konnte!

Es handelt sich um die „Weihnachtsvesper“, die am ersten Weihnachtsfeiertag um 17.00 Uhr stattfand. Das war eine an und für sich sehr schöne Veranstaltung (GL Nrn. 150 ff.), zu der ein wesentlicher Teil des Weimarer Klerus die Rolle der Vorsänger sehr angenehm übernahm. Aber niemand aus diesem Kreis hielt die vorgesehene „Homilie“, die Predigt. Das tat ein Laie, genauer eine Laiin. Ob das zulässig und statthaft ist, war die bald an PuLa gerichtete Frage.

Eine schwierige Frage und ich schicke vorweg, daß ich für jede Hilfe aus der Blogoezese dankbar wäre! Aber ich will mich auch nicht drücken.

Weit verbreitet ist ja die Meinung, außerhalb einer Messe dürften Laien im Gottesdienst predigen (und ich könnte mir vorstellen, daß es in den einschlägigen Vorschriften deutscher Bistümer Passagen gibt, die dieser Meinung Vorschub leisten, [MarCus??!])

Im Ergebnis konnte m.E. dennoch in diesem Fall ein Laie nicht predigen.

Worauf stütze ich mich mit dieser Meinung? Auf die vatikanische Instruktion „Redemptionis sacramentum, über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind“, die im Jahr 2004 die Auslegung der einschlägigen Rechtsnormen weltweit verbindlich geregelt hat und dabei, wie wir sehen werden, auch Dinge angesprochen hat, die sich nicht unmittelbar mit der Feier der Hl. Eucharistie befassen. Ich zitiere den vorrangig einschlägigen Abschnitt in Gänze:

„161. Wie schon gesagt, ist die Homilie innerhalb der Messe wegen ihrer Bedeutung und Eigenart dem Priester oder Diakon vorbehalten. Was andere Formen der Predigt betrifft, können christgläubige Laien, wenn es aufgrund einer Notlage in bestimmten Umständen erforderlich oder in besonderen Fällen nützlich ist, nach Maßgabe des Rechts zur Predigt in einer Kirche oder in einem Oratorium außerhalb der Messe zugelassen werden. Dies darf aber nur geschehen aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern in bestimmten Gebieten und um diese ersatzweise zu vertreten; man kann aber nicht einen absoluten Ausnahmefall zur Regel machen und man darf dies nicht als authentische Förderung der Laien verstehen. Zudem sollen alle bedenken, daß die Befugnis, dies zu erlauben, und zwar immer ad actum, den Ortsordinarien zukommt, nicht aber anderen, auch nicht den Priestern oder den Diakonen.“

Also, „außerhalb der Messe“ können „christgläubige Laien aufgrund eines Mangels an geistlichen Amtsträgern, um diese „ersatzweise zu vertreten“ tatsächlich zur „Predigt in der Kirche zugelassen werden“. Aber!: Die Möglichkeit der Zulassung ist eben an enge Voraussetzungen gebunden, namentlich den „Mangel an geistlichen Amtsträgern“. Nur, davon konnte am 25.12.2012 in der Herz-Jesu Kirche zu Weimar beim besten Willen nicht die Rede sein, wie oben beschrieben hielten sich drei (!) Priester in der Nähe des Altars auf.

Offenkundig geschah also diese „Zulassung“ zur Predigt aus genau dem Grunde, den die römische Instruktion explizit ausschließt, als „Förderung der Laien“. Und wer sich in Weimar auch nur ein bißchen auskennt, der weiß natürlich, es handelt sich tatsächlich um den Versuch der Förderung genau einer ganz speziellen Laiin, denn am Ambo stand eben die gleiche Person, die schon seit 20 Jahre die Krippenspiele organisiert, die die Hälfte des Vortrags zur Jahresschlußandacht bestritten hat, und deren „Wirken“ hier eben durchaus kontrovers diskutiert wird.

Und wenn Redemptionis sacramentum in dem anderem, deutlich weniger wichtigen Zusammenhang der „Hilfsdienste bei liturgischen Feiern“ vorschreibt, man solle „niemanden annehmen, dessen Beauftragung bei den Gläubigen Verwunderung erregen könnte.“ (Nr. 46), um wieviel mehr gilt dies dann für ein so zentrales Element des Gottesdienstes wie die Predigt!

Wohlgemerkt: Es gilt sehr genau zu unterscheiden, wovon wir reden: Ich bin keineswegs der Ansicht, Laien könnten im gottesdienstlichen Rahmen nicht sinnvoll das Wort ergreifen. Nur „predigen“ im sozusagen engeren Sinne, das sollten sie eben nicht, bzw. nur in den oben genannten eng umschriebenen Ausnahmefällen, die nicht mißbraucht werden dürfen und nicht in einer falschen Absicht zugelassen werden dürfen.

Zum Beispiel in der erwähnten „Förderungsabsicht“, zu der auch einschlägige Äußerungen bekannt sind.

Dennoch ist es aber natürlich nicht dieser bedauernswerte Einzelfall, dessentwegen es sich hoffentlich auch von außerhalb Weimars lohnt, den Vorgang zu betrachten. Vielmehr glaube ich, wir haben hier wieder einmal einen der Fälle vor uns, von denen ich am 2. Mai 2012 geschrieben habe: Einen Fall der strukturellen Gleichartigkeit zwischen dem „kleinen“, sozusagen alltäglichen „Wir machen hier unser eigenes Ding“ mit dem „Antirömischen Affekt“ (Hans Urs von Balthasar), dem „Wir lassen uns hier nicht reinreden“ vieler Vertreter der Kirche in Deutschland „im großen“, das, so meine Überzeugung, auf Dauer eine Gefahr für die Katholizität darstellt. Denn man darf wohl nicht annehmen, es gäbe nicht auch außerhalb Weimars Laien, die „zum Altar streben“, leider!

Nun wird mancherorts das beliebte Vorurteil einrasten, da sähe man es ja mal wieder, die Ewiggestrigen wollten zurück zu einer priester-zentrierten Kirche, redeten einer Klerikalisierung das Wort etc. etc.

Das ist mir völlig egal, denn es wird durch Wiederholung nicht richtiger, ebensowenig wie die nachweislich falsche Behauptung „das Konzil“ habe ja genau solche Phänomene gewollt.

Die einzige „Klerikalisierung“, die ich kenne ist nämlich die der nachkonziliaren „Entertainer am Altar“ (vgl. dazu J. Ratzinger/Benedikt XVI., Der Geist der Liturgie, Freiburg 2006 S. 69f.) und die finde ich schrecklich! Und das Zentrum, das wir anstreben sollten ist Christus. Seine sakramentale Vergegenwärtigung ist dem (Amts-) Priester aufgetragen, und zwar gerade dann wenn er gar nicht „er selbst“ ist, sondern in persona Christi handelt. Wer das als Priesterzentrierung kritisiert hat offenkundig das wahre Zentrum aus dem Blick verloren.

Und weil nicht alle Menschen so fein säuberlich zwischen einer Vesper und einer Hl. Messe trennen, vielmehr (und nicht zu unrecht!) die kirchlichen Vollzüge als Kontinuum erleben, deswegen sollte künftig die „Laienpredigt“ im oben beschriebenen Sinne keinen Teil unseres Gemeindelebens darstellen, zumal hier in der Diaspora auch noch die Gefahr der „Verwechslung“ mit der von Grund auf anderen protestantischen Praxis hinzukommt.

Die Ecclesia militans ist zurück!

Ok, ok, natürlich war sie nie weg, aber mit der Sichtbarkeit sah/sieht es nicht immer so gut aus…

Aber die morgen bevorstehende Weihe von Georg Gänswein zum Erzbischof hat in der interessierten katholischen Welt die Aufmerksamkeit auf das von ihm gewählte Wappen gelenkt:

 

Wappen Erzbischof Gänswein (ab 6.1.2013; Bild Kathtube)

Zu der gewählten heraldischen Symbolik Paul Badde in der WELT:

„Erzbischof Gänswein hat für sein nun notwendiges Bischofswappen als Wahlspruch die Worte gewählt: „Testimonium perhibere veritati“ (Für die Wahrheit Zeugnis ablegen). Noch sprechender aber ist das ganze Wappen. Da hängt sein Wappenschild an einem Patriarchalkreuz (resp. Erzbischofs-Kreuz G.L.) mit zwei Querbalken und hat zwei Hälften. Links darin befindet sich das Wappen Benedikt XVI., mit der Muschel des heiligen Augustinus und aller Jakobspilger, dem Freisinger Mohr und dem Bär des heiligen Korbinian.

Rechts davon aber spuckt nun in Blau ein Drache Feuer gegen das Haus des Papstes – allerdings senkrecht durchbohrt von einer Lanze aus der Höhe unter dem Stern von Bethlehem. Es ist eine radikal kühne und undiplomatische Sprache, die „Pater Georg“ nun als Erzbischof in seinen Schild aufgenommen hat.“

(ganzer Text auch auf Kathnet, hier)

Wie ultra-cool! Nun, für PuLa-Leser ist diese Einschätzung des Weihekandidaten ja nix neues, hier 😉

Jetzt wollen wir mal sehen, bzw. hören, in wie vielen Messen im Heimatland von Georg Gänswein morgen dieses Ereignisses für die Kirche in Deutschland gedacht wird…

 

PS: Wie schade, daß wir uns nun bald wieder der Kirche vor Ort, so ganz vor Ort, widmen müssen.

PPS: Und ich weiß gar nicht, warum man sich dafür entschuldigen sollte, daß das Thema auf mehreren Blogs auftaucht: Wir haben doch keine identische Leserschaft!

Von der Freiheit eines Christenmenschen…

Worunter ich u.a. die Freiheit verstehe, global kosmisch zu glauben und lokal etwas zu tun!

Merry X-Mas everyone!

Statue of Liberty (eigenes Bild)

Immer nach dem Motto: „Freie Katholiken im freien Internet“!

(Zur Auswahl der „Fackel“ vgl. hier; Danke, Hochwürden!)

PS: Schafe, die einem auf dem Kopf rumtrampeln, das ist vielleicht ulkig, sag‘ ich Ihnen! 😉

PPS: Es wird auch in diesem Jahr über die Weimarer Weihnacht das ein‘ oder andere zu berichten geben, erfreuliches und weniger erfreuliches…

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 24, Der Christbaum

Fr. Woher kommt wohl die schöne Sitte, am Weihnachtsfeste einen Christbaum aufzustellen?

Antw. Diese schöne Sitte hat eine gar tiefe und wunderbare Bedeutung; der festlich geschmückte Christbaum sinnbildet uns nämlich ganz trefflich und schön jenen segensreichen Lebensbaum, jenen Baum des Heiles, welcher an die Stelle des Verderben bringenden Baumes im Paradiese durch Jesus Christus aufgepflanzt worden ist.

Belehrung.

Das vorzüglichste unter allen Christgeschenken, womit die christlichen Eltern ihre lieben Kleinen am heiligen Weihnachtsfeste ganz besonders zu erfreuen pflegen, ist der Christbaum, sinnig geziert mit vergoldetem Obste, mit allerlei buntem Zuckerwerk, mit Kränzen von künstlichen Blumen, mit farbigen Bändern und beleuchtet von tausend Lichtchen.

 

Mehler, Der Christbaum (eigene Aufnahme)

„Die sinnbildliche Bedeutung dieses Christbaumes,“ sagt selbst ein Schriftsteller (Consistorialrath Augusti), der nicht unserm Glaubensbekenntnisse angehört, „ist so rein christlich und so aus dem Innern der christliche Lehre hervorgehend, daß man zweifeln muß, ob bei irgend einem andern Gegenstande dieser Art das Urchristliche so bestimmt nachgewiesen werden könne, als bei dieser schönen Sitte.“ – Was bedeutet nun dieser Christbaum? Ein Blick in den Kirchenkalender gibt uns Antwort auf diese Frage. Wir finden nämlich in demselben am gestrigen (sic!) Tage (am heiligen Abend) die beiden Namen: „Adam und Eva“; heute aber: „die Geburt Jesu Christi.“ Welch eine merkwürdige, bedeutungsvolle Zusammenstellung! Adam und Eva hatten gegessen vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen und uns dadurch in unsägliches Elend gestürzt. Dem ewigen Verderben wären wir Alle anheimgefallen, wenn uns nicht ein zweiter Baum in der Person des Erlösers Jesus Christus zu Theil geworden wäre, der da nach den Worten des Propheten Isaias (11,1.) hervorsproßte aus dem Stamme Jesse. Vom Baume im Paradiese kam Elend und Tod über das ganze Menschengeschlecht; das Heil aber wurde uns dadurch wieder, daß Christus aus Gehorsam seinen heiligen Leib an den Baum auf Golgatha an das Kreuz, hingab, um durch dieses freiwillige Opfer den Zugang zu dem Baum des Lebens, welcher den Sündern versagt war, zu eröffnen. (I. Petr. 2, 24.) Vom Baume, vom Holze kam der Fluch und Tod; vom Baume kommt uns nun Segen und Leben. Diesen segensreichen Lebensbaum also, der an der Stelle des verderbenbringenden Baumes im Paradiese durch Christus Jesus ist aufgepflanzt worden, diesen Baum des Heiles sinnbildet uns so trefflich und schön der festlich geschmückte Christbaum. Darauf deuten hin die brennenden Lichter, die goldenen und silbernen Aepfel u. s. w.; sie sagen es uns, daß das wahre Licht vom Himmel erschienen sei, und der Frucht am Baume der Erkenntnis die schädliche todtbringende Wirkung genommen habe. Nie sollen wir diese tiefe und wunderbare Bedeutung des Christbaumes übersehen, so oft wir ihn zieren mit den holden Gaben des Christkindleins! Bei Betrachtung des festlich geschmückten Christbaumes sollen wir aber auch nicht vergessen, daß es einen geistigen Christbaum gebe, den jeder fromme Christ ganz besonders am Weihnachtsfeste in seinem Herzen als Lebensbaum aufrichten soll. (Hervorhebungen im Original)

 

Und damit enden die Ausschnitte aus dem „Christkatholischen Haus- und Familienbuch“ des Regensburger Stiftsdechanten Ludwig Mehler für den Advent und der „Zwei katholische Bücher Adventskalender“ überhaupt! Was ein wenig als Verlegenheitslösung begonnen hat, oder vielmehr, was sich scheinbar (!) als eine Verlegenheitslösung darstellte, hat sich, so ging es mir jedenfalls selbst, als überraschend ergiebig erwiesen und zum Nach- und Weiterdenken angeregt und der verehrten Leserschaft hoffentlich auch ein wenig Vergnügen bereitet. Ich glaube, auf beide Werke werden wir noch verschiedentlich zurückkommen.

PuLa wünscht alles Leserinnen und Lesern von Herzen einen schönen und gesegneten Heiligen Abend!

 

Mehler, Krippe (eigene Aufnahme)

PS: Ob es morgen wieder ein bildliches Weihnachtsschmankerl gibt? Mal sehen! EDIT: Oder doch erst übermorgen… 😉

 

Sketchlet zum Advent No. 4: Der Wallfahrtsplan

Der Wallfahrtsplan

Ein Sketch für vier Schafe, ein Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Voller Elan haben die uns wohlbekannten Schafe den Plan zu einer gemeinsamen Besichtigung der Brandenburgischen Lautsprecherwerke und des altehrwürdigen Stiftes Neuzelle (es ist bald 750 Jahre alt, und das ist für Brandenburg ja schon wirklich viel!) vorangetrieben. Kohle hatte dem Wundersdorfer Hirten geschrieben und Tatze hatte den Brief anläßlich seines nächsten Sonntagsdienstes zugestellt. Der Hirte war tatsächlich mit einem Kollegen zusammen auf die Schafweide gekommen und die geistlichen Herren hatten eine Weile zu ihren Schafen gesprochen und untereinander diskutiert. Am nächsten Morgen war der nun schon wohlbekannte Pritschenwagen angefahren gekommen und Tatze hatte geholfen, die Schafe alle auf die Ladefläche zu treiben. Nun stehen sie da und warten.

Wolle (singt leise vor sich hin): Eh – he – he – heeeee …

Kohle (ein wenig ungehalten): Sagt mal, wie lange stehen wir jetzt eigentlich schon hier und warten, daß es losgeht?

Flocke (ruhig): Laß mal, wird schon!

Blütenweiß (besänftigend): Die geistlichen Herren hatten gesagt: „Wir müssen die Schafe dort abholen, wo sie stehen!“

Kohle (platzt heraus): Ja! Aber ABHOLEN heißt doch, daß es dann auch irgendwo hin geht, oder?

Flocke (ausgleichend): Sie haben jedenfalls nicht gesagt, daß sie uns nur verladen wollen.

Kohle (zornig): Aber offenbar gemeint! (Er kocht vor Wut.)

Wolle: Kohle hat Recht! Dieses ewige „Wir müssen die Schafe dort abholen, wo sie stehen“ hat nur Sinn, wenn der Wagen dann auch losfährt!

Fixi (quengelt): Tante Flocke, wann fahren wir?

Kohle: Da siehst du’s! Die Lämmchen werden auch schon unruhig! (Er drängt sich zum Rand der Ladefläche) Ich geh jetzt den Fahrer fragen, worauf er wartet. (Er springt vom Wagen und hoppelt Richtung Führerhaus).

Flocke (zu Fixi): Komm, wir spielen ein bißchen Stadt Land Fluß.

Fixi: Ok, sagst du?

Flocke: Kann ich machen. A …..

Fixi (ruft): Stop!

Flocke: Q.

Fixi (hastig): Quedlinburg!

Flocke: Querfurt.

Kohle (kommt zurück): Alle Schafe runter vom Wagen!

Wolle: Was hat er denn gesagt.

Kohle: Du wirst lachen, aber es sitzt gar keiner drin!

Die Schafe (in heller Aufregung durcheinander): Eine Herde ohne Hirten … da sieht man es wieder … sie trauen sich nicht zu führen … sie sparen immer an der falschen Stelle … das können sie doch mit uns nicht machen …

Kohle (mit Plan): Immer mit der Ruhe! Wir gehen zurück auf unsere Weide, feiern erst mal gemütlich Weihnachten und machen uns im Frühjahr selber auf den Weg!

Wolle: Du meinst … nach Neuzelle?

Flocke: Auf eigene Faust?

Kohle: Warum denn nicht? Sie sollen nur nicht denken, daß sie uns verladen könnten. Wenn das die Stunde der Schafe ist – wir sind bereit! (Er wirft den Kopf zurück).

Die Schafe springen nach und nach vom Pritschenwagen und trotten hinter Kohle her auf die Weide zurück. Bei einer hohen dichten Tanne versammeln sie sich und beginnen zu singen:

Die Schafe: O Tannenbaum, o Tannenbaum,

du trägst ein grünes Kleid.

Den Winter, den Sommer,

das dau‘rt die liebe Zeit.

 

Warum sollt‘ ich nicht grünen,

da ich noch grünen kann?

Ich hab‘ nicht Mutter noch Vater,

der mich versorgen kann.

 

Und wer mich kann versorgen,

das ist der Erde Schoß,

der läßt mich wachsen und grünen,

drum bin ich schlank und groß.

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Die Wundersdorfer Schafe wünschen allen PuLa-Leserinnen und -Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes Jahr 2013!

Was wohl aus dem „Aufbruch“ ( 😉 ) der guten Tiere zur Wallfahrt wird? Wir werden sehen!

 

 

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 23, Die Christbescherung

10. Lesestück

Die Christbescherung und der Christbaum

Fr. Wodurch pflegt sich die Freude des Weihnachtsfestes auch in den christlichen Familien besonders kund zu geben?

Antw. Besonders durch die Christbescherung und den Christbaum.

Fr. Aus welchem Grunde wurde wohl die Christbescherung in den christlichen Familien üblich?

Antw. Aus folgendem einfachen Grunde: weil uns der himmlische Vater am heiligen Weihnachtsfeste mit der köstlichsten Gabe, die er uns je geben konnte, beschenkt hat, so wollen auch die Christen auf Erden sich gegenseitig einander beschenken.

Belehrung.

Ein schöner und löblicher Brauch, entsprungen der heiligen Freude und Liebe, die sich am Weihnachtsfeste in Aller Herzen so sprechend kund gibt, ist auch an diesem heiligen Tage die sogenannte Christbescherung. Die heilige Nacht hat uns den göttlichen Heiland gebracht und in ihm uns die höchste Freude des Lebens geschenkt. Diese Freude tritt in der heiligen Liebe hervor und diese heilige Liebe will nur geben, will nur beglücken. Der Himmel hat uns so unbeschreiblich, so unendlich hoch beschenkt; darum wollen auch die Christen auf Erden sich beschenken. Schon wochenlang sehnt sich die liebe Jugend nach dieser festlichen Zeit, wo das Christkindlein kommt und sie mit so freundlichen Gaben beglückt, und emsig bemühen sich die sorgsamen Eltern, um das Weihnachtsfest auch zugleich zu einem recht schönen, freudenreichen Familienfeste umzubilden (Sieh das folgende Bild! [kommt erst morgen!]) Überall lies’t man auf dem Angesichte nur heilige Wonne, nur süße Freude. Selbst des Armen vergißt der Fromme nicht; er schickt erquickende Speise und Trank in die Hütten der Armuth und des Elendes und trocknet da manche bittere Thräne herber Noth, damit auch der Arme und Unglückliche die Freude dieses Tages mit den Glücklichen theilen könne. An manchen Orten der Christenheit wird am Vorabende des Weihnachtsfestes, wenn alles in der Natur schon ruhet, nur der Mensch noch nicht, eine Menge Fruchtkörner sogar in den Hofraum und auf das nächste Feld gestreut, damit in der Frühe bei aufgehender Sonne die Vögel des Himmels unerwartet Nahrung finden und der Tag, der uns das größte Heil gebracht, auch ihnen freundlicher sein möge. Sieh‘ so weit geht die heilige Liebe, selbst des vernunftlosen Thieres vergißt sie nicht; sie will haben, daß Alles die Wonne des heiligen Tages fühle, und darum gibt sie so gerne, so freudig, so reichlich, weil sie es weiß, daß Geben seliger sei, als Nehmen.

Beispiel und Anwendung.

Mein Christ! Wenn es deine Vermögensverhältnisse erlauben, so vergiß auch du besonders am heiligen Christtag der Armen nicht! Erfreue sie mit einem Weihnachtsgeschenke, damit auch für sie das freudenreichste Fest des Jahres ein Tag der Freude werde. Fürwahr, du kannst deine Liebe und Dankbarkeit gegen das liebreiche Jesukindlein auf keine schönere Weise an den Tag legen. […]“

„Und emsig bemühen sich die sorgsamen Eltern“ You gotta love it! 😉