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Weimar: „Bloß weg von Rom!“ und „Ultramontanismus“

Wie tun mir die Redakteure der TLZ (Thüringische Landeszeitung, Erscheinungsort Weimar) leid!

Aus Anlaß des angekündigten Papst-Rücktritts haben sie eine wirklich sehr achtbare Ausgabe hingekriegt, gestern, am 12. Februar. Ich habe im überregionalen und im Weimarer Teil zusammen etwa 16 (!) redaktionelle Beiträge gezählt, die, natürlich zum Teil sehr unterschiedliche, Reaktionen aus dem ganzen Land zusammentrugen und wer auch immer schon mal unter Zeitdruck geschrieben hat, wird dieser Leistung seinen Respekt nicht versagen können!

Zwei echte Höhepunkte gab es, auf einen kommen wir gleich zurück, der andere war die Karikatur von „Nel“, schauen Sie hier (und sehen Sie sich auch die vom 13. Februar an, Navigationspfeile!) Idee (Kreuztragen!) Empathie, Ausführung, das ist ein echter Künstler!

Warum tun mir dennoch die Mitarbeiter der TLZ leid?

Wegen zweier Kommentare der beiden leitenden Herren also Chefredakteur und stellvertretender Chefredakteur! Beide sind auf diesem Blog ja keine unbekannten Größen mehr, aber was sie sich da geleistet haben kann wieder mal nicht unwidersprochen bleiben. Dabei tue ich mich immer ein wenig schwer damit, die Ergüsse aus einer Zeitung mit, zumal deutschlandweit gesehen, sagen wir mal „begrenzter“ Reichweite auch noch zu verbreiten, aber hier gilt, das alte PuLa-Motto „Kosmisch glauben, lokal was tun!“ Denn das, was hier vorbereitet wird, willentlich oder unwillentlich, ist gefährlich und es tut not, sich allerorten dagegen zur Wehr zu setzen. Die ganze Dimension des Themas hat Alexander Kissler in bewährter Weise dargelegt, im CICERO, hier, sehr empfohlen!

Beginnen wir heute, hierarchisch korrekt 😉 , mit dem Chefredakteur. Dessen Hervorbringungen findet, schon seit langem, ganz Thüringen mehr als seltsam. Das sagt zwar keiner laut, aus naheliegenden Gründen, aber es ist so. Der gestrige Text (hier) unter der Überschrift: „Revolution tut not!“ (sic!) war aber so bodenlos, daß gestern eine Reihe evangelischer (!) Kollegen auf mich zukam und mir zu verstehen gaben, sie seien mit angeekelt:

„Wir Deutsche waren Papst. Und es ist gut so, dass es endlich vorbei ist. Papst Benedikt […] war seinem Amt nicht gewachsen.“

Oder:

„Die Menschen hier zu Lande in der Diaspora sind eh von diesem Umherziehen dieser geistlichen Herren in diesen mittelalterlichen Umhängen und Kopfbedeckungen irritiert. Rom ermöglicht ein Agieren mit dem Rücken zum Volk selbst am Altar, jenseits der Lebenswelt der Ortskirchen.“

Und schließlich:

„Das alles signalisiert dem aufgeklärten, christlich denkenden Menschen von heute nur eine Einsicht: Bloß weg von Rom […].“

Sie werden mir nachsehen, daß ich eine Punkt für Punkt Auseinandersetzung mit diesen vor-vorgestrigen Eruptionen aus Selbstschutz und aus Gründen der Kraftökonomie vermeiden muß. Es ist schon traurig mit ansehen zu müssen, wie in der Generation, der Hans Hoffmeister angehört, das Gefühl der Panik über den rapiden Verlust der Deutungshoheit in schiere Unflätigkeit umschlägt. Allerdings ist das Gefühl natürlich berechtigt.

Jedenfalls: Wer immer mal meinte, die hier vertretene These, das Unheil der „Los von Rom“ Bestrebungen sei auch hier vor Ort, in diesem Diaspora-Mikrokosmos, zu finden, wäre ein bißchen überspannt, sieht sich jetzt hoffentlich eines besseren belehrt, oder? Das außergewöhnliche Ereignis wirkt offenbar katalytisch und fördert in aller Deutlichkeit zutage, was sonst gern unausgesprochen bleibt.

Nun könnte man das alles ja sogar ein bißchen witzig finden, geht doch den Herrn Chefredakteur als meines Wissens aus der Körperschaft Kirche Ausgetretenen das alles eigentlich gar nichts mehr an. Es ist aber nicht witzig. Und zwar deshalb, weil er (ursprünglich daheim in Ostwestfalen) damit das Bild der mitteldeutschen Diaspora-Kirche bis zur Unkenntlichkeit zu verzerren droht.

Die Wahrheit ist, daß hier viele, viele Menschen jahrzehntelang genau von der Verbindung mit „Rom“, der Verbindung mit der Weltkirche gelebt haben! Sie haben Kraft geschöpft, aus ihrem Traum, eines Tages wieder unbeschränkt dazugehören zu dürfen. Kraft, die teilweise auch zum sehr handfesten Konflikt mit der gottlosen Staatsmacht und zu tapferer Bewährung geführt hat. Und deswegen haben sie nicht auf ein paar Reingeschmeckte gewartet, die ihnen heute erzählen wollen, das sei ja alles ganz nett gewesen, aber jetzt bekämen sie mal erzählt wo es langzugehen hätte. Und sie haben es einfach nicht verdient, daß im größeren Teil des katholischen Deutschlands ein so verheerend falsches Bild gezeichnet zu werden droht!

Werter Herr Hoffmeister, ich weiß nicht, ob es Ihnen gelingen wird, zu einem Stil zurückzufinden, der es ermöglicht, Sie wieder als ernstzunehmenden Journalisten wahrzunehmen. Ich würde es Ihnen wünschen, aber bis dahin müssen Sie gestatten, daß ich zwar ggf. bereit bin für Ihr Seelenheil zu beten, bei der von Ihnen heraufbeschworenen „Revolution“ aber vorher auf der „anderen Seite der Barrikade“ stehen würde. Aus vollem Herzen. Zur Verteidigung des katholischen Glaubens und der – Freiheit!

So, das war, für heute, die eine Seite der Reaktionen aus Weimar. Hatte ich in der Überschrift nicht auch von „Ultramontanismus“ gesprochen? Fürwahr, denn in der gleichen Ausgabe findet sich im Weimarer Lokalteil ein ganz wunderbares Interview mit dem Präsidenten der Klassik Stiftung Weimar (nach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die zweitgrößte derartige Einrichtung in Deutschland) Hellmut Seemann. Dieser Beitrag findet sich (warum wohl?) leider nicht im Online-Angebot der TLZ, aber die folgenden Zitate retten die Ehre der ganzen Stadt:

„Im Kulturkampf beschimpfte man die Katholiken als „Ultramontane“, das sollte heißen: vaterlandslose Gesellen. In gewisser Weise akzeptiere ich diese Beschimpfung gern. Denn tatsächlich gibt es für den Katholiken eine zusätzliche Perspektive: Wie stellt sich eine Frage aus dem Blickwinkel Roms? Immer wenn es „national“ zugeht, liegt darin die besondere katholische Variante der „Freiheit eines Christen-menschen.“

Oder:

„Seine [sc. Benedikts] Theologie, seine Gottesfurcht und sein Ausharren bei den Schwachen werden vorbildlich bleiben. Vielleicht werden sie nach seinem Rücktritt stärker wirken als während seiner Amtszeit. Irreversibel ist, was er zum Judentum des Jesus von Nazareth gesagt hat. So hat kein Papst vor ihm gesprochen.“

Und schließlich, auf die Frage, wie es sich eigentlich als Katholik in der Diaspora lebe:

„Wenn man es ernst meint, ist es eine Erleichterung, wenn das Katholische nicht zur Konvention gehört.“

Danke, Hellmut Seemann!

 

Und morgen lesen Sie: Wie sich ein stellvertretender Chefredakteur an zwei Tagen gleich zweimal ins Abseits katapultiert; incl. literarischer Verarbeitung!

Bleiben Sie dran! 🙂

 

Bittere Bestätigung

Und eine schnelle dazu. Gestern nacht, nachdem der Beitrag zum angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt ziemlich angriffig geraten war (er schrieb sich eben so!), dachte ich für Momente: „Ob er vielleicht ein bißchen sehr kämpferisch ausgefallen ist?“

Nicht lange! Der Blick in die Morgenzeitungen, besonders die Kommentare unseres allseits beliebten Regionalblatts ließen mir nur deshalb den Kaffee nicht wieder hochkommen, weil ich gar keinen trinke.

Ernstlich, das Ausmaß an dümmlichsten Klischees, die Borniertheit verbunden mit den abgenutztesten Sprachbildern und die schiere Gehässigkeit ballten sich in einem Maße zusammen, das schon bemerkenswert ist.

Und das grimmige Gefühl der Bestätigung stellte sich leider nicht nur in Bezug auf die Angemessenheit des gestern gewählten Tonfalls ein, nein, es kam auch auf hinsichtlich etlicher Einschätzungen der vergangenen Jahre auf und ich hätte gerne darauf verzichtet.

So aber wird es hier eine „Presseschau“ geben müssen, das geht ja auch in der Fastenzeit. Zumal es auch Schönes zu berichten geben wird. Von einem bekannten Weimarer, der, verblüffenderweise ;-), immer noch mit den Machern dieses Blogs redet.

Da haben wir ihn!

Den „Geist des Konzils“! Kenner haben es schon geahnt (vgl. Kommentare zu den Postings vom 9. und 10. Februar) die ersten deutschen Bilder des geheimnisvollen Wesens, das bisher allenfalls in den USA schon abgelichtet worden ist, exklusiv für Sie auf PuLa!

Es war schwierig. Mit Blitz ließ sich hier gar nicht gut arbeiten:

Überblitzter Hintergrund (eigenes Bild)

Aber dann. Hier zeigt sich, der Versuch, ihm in seinem natürlichen Habitat näherzukommen, ist erfolgreich:

Vor "liturgischen Masken", na klar! (eigenes Bild)

Nachdem er ein bißchen die Scheu verloren hatte (ich hab‘ mal lieber nix vom Blog erzählt…), ließ er sich vor einem 70er Jahre Hintergrund, der ihn offenbar beruhigte, auch scharf aufnehmen:

Flower Power (eigenes Bild)

Das Wesen hat sich natürlich nicht eindeutig identifiziert. Aber es paßt alles zum geheimnisvollen „Geist des Konzils“: Kleiner Kopf, großer Bauch, klare Anzeichen für exzessiven Hedonismus, Einäugigkeit und starrer Blick (auf den vermeintlichen Fortschritt vermutlich) und die wenigen Zähne deuten auf das fortgeschrittene Alter hin. Als ich ihn fragte, ob es sein könne, daß man ihn und seinesgleichen in der Erkältungssaison auch im Fernsehen sähe, brummelte er mißvergnügt etwas wie: „Von irgendwas muß man ja leben, seit die Kirchensteuermittel für liturgische Experimente nicht mehr so sprudeln“. Tja, als ich mich dann doch getraut habe, nach seinem Namen zu fragen, da meinte das Wesen: „Nenn mich einfach Hannibal!“ und entschwand unter lautem Gekicher.

Also, ich würde diesem fragwürdigen Zeitgenossen ja nicht gerne wieder begegnen, aber daß wir weiter von ihm hören werden, ist ja vermutlich unvermeidlich…

 

Womit PuLas Beitrag zum Karneval beendet wäre. Auch dieses Jahr haben wir einen Beitrag zum „Schiffbruch“ nicht gebracht, obwohl der „Käpt’n“ ihn verdient hätte. Ich halte ihn aber für ziemlich zeitlos…

 

Adieu, Papst Benedikt

Quoniam angelis suis mandabit de te: * ut custodiant te in omnibus viis tuis.

In manibus portabunt te: * ne forte offendas ad lapidem pedem tuum.

Super aspidem et basiliscum ambulabis: * et conculcabis leonem et draconem.

(Ps. 90, 11 – 13)

„Papa“, Vater, kann man wohl auf italienisch einfach sagen zum „Santo Padre“ und ganz sicher bestand, besteht, der Schock des heutigen Tages darin, Abschied nehmen zu müssen vom öffentlichen Wirken eines geistigen Vaters. Ein Gefühl, das dieser Blogger mit vielen Gleichgesinnten auf der ganzen Welt teilt (was übrigens ein großer Trost ist! Hier, hier und hier z.B.)

Das war ein trauriger Tag, dieser 11. Februar 2013, da gibt es kein Vertun. Denn die Zeugnisse sind Legion, wie es gerade dieser Papst war, dem das kaum jemand zugetraut hatte, der viele, sehr, sehr verschiedene Menschen heimgeholt hat in die Kirche. Heimgeholt und ermutigt, in dieser Heimat, die sie zum Teil vorher gar nicht kannten, mit ihm, in seinem Sinne, Ordnung zu schaffen.

Ich gehöre dazu und den Dank dafür werde ich in diesem Leben ebensowenig abgelten können, wie es möglich sein wird, das theologische Werk abzuschreiten, das uns der Gelehrte Joseph Ratzinger hinterläßt.

Dieses Pontifikat geht nun zu Ende und wenn hienieden etwas endet, das schön war und gut, dann sind wir traurig. Traurig, weil wir besonders deutlich spüren, wie das ist, mit der Endlichkeit in der gefallenen Welt und weil wir uns in eben dieser Welt um das Vertrauen in die Führung des Hl. Geistes gegen all‘ unsere Sorgen immer erst mühen müssen.

Ein trauriger Tag, ja, doch kein Tag der Trauer! Ein Tag der Besinnung, des Innehaltens, ja, aber kein Grund zur Lähmung. Wie stünden wir auch da, in den Augen dessen, der sich gerade bis zu dem Punkt geschunden hat, an dem er glaubte, es nicht mehr verantworten zu können?

Was können wir tun?

Zunächst: Beten. Michael Fuchs schlägt den Petrinischen Rosenkranz vor, hier.

Und dann: Schon heute wurde klar: Es gilt das Vermächtnis dieses Pontifikats zu verteidigen. Und die Person dieses großen Papstes. Ab sofort. Gegen die, die vermutlich aus komfortablen amerikanischen Lehnstühlen „Opfergänge im Amt“ fordern ebenso wie gegen die, die jetzt „klammheimliche Freude“ empfinden, kaum verhalten grinsen und hoffen, „die Übung ist vorbei“. Da fallen mir auch ein paar in unserer Nähe ein. Vorwiegend solche in irgendwelchen Ämtern.

Daraus wird aber nichts. Nach dem heutigen Tag weniger denn je.

http://youtu.be/TigSPnMCWEQ

 

Keine Ahnung, aber es flüchtet!

Gestern dachten wir noch, wir sehen Gespenster, heute scheint es uns, als sei es ein veritabler Geist.

Wandelt er in der Kirche (etwas)? Hier sehen wir ihn jedenfalls auf der Flucht.

 

Auf der Flucht (eigenes Bild)

Ob es gelingt, ihn in seinem natürlichen Habitat zu stellen?

 

Was ist das?

Was treibt sich in der Kirche herum? Was schiebt sich da in den Vordergrund ? Sehen wir Gespenster?

 

Seltsame Gestalt

Ob wir der Erscheinung in den kommenden Tagen noch besser auf die Spur kommen können?!

Befreiend

„Wenn jemand, der das Sakrament des Ordo nicht empfangen hat, de facto eine Gemeinde leitet […], dann muß der zuständige Bischof diesen ‚Gemeindeleiter‘ zum Priester weihen oder von seiner Position befreien. Andernfalls opfert er das sakramentale dem funktionalen Denken.“ (Binnenanführungszeichen von mir)

Karl-Heinz Menke, Sakramentalität, Wesen und Wunde des Katholizismus, Regensburg 2012, S. 307

Wobei hier vorausgesetzt wird, daß die Weihe zum Priester tatsächlich eine Möglichkeit darstellt und nicht aus irgendeinem Grunde ausgeschlossen ist, z.B. weil jemand verheiratet ist, oder aus einem anderen Grund… 😉

 

Aus dem Osten was Neues – Dr. Heiner Koch zum Bischof von Dresden-Meißen ernannt

Seit ein paar Tagen hat unser Nachbarbistum Dresden-Meißen einen ernannten (zum Wahlverfahren vgl. hier) neuen Bischof, den (bisherigen) Kölner Weihbischof Dr. Heiner Koch, was ja sicherlich allgemein bereits zur Kenntnis genommen wurde.

In Thüringen ist diese Tatsache nicht bloß aufgrund der Nachbarschaft von Interesse, nein, Bischof Koch wird auch ein „Thüringer Bischof“, denn zum Bistum Dresden-Meißen gehört das Dekanat Gera. Darin sind die Katholiken der ehemaligen (bis 1918/20) Territorialstaaten Reuß jüngere und ältere Linie und Sachsen-Altenburg zusammengeschlossen. Klugerweise hat die Kirche auch beim Neuzuschnitt der Bistümer nach der deutschen Wiedervereinigung an der Tradition festgehalten, die Grenzen der Bistümer und die der politischen Einheiten nicht vollständig aneinander anzugleichen!

Klar, daß die ersten Äußerungen von Bischof Dr. Koch hier auf besonderes Interesse stoßen. Und, was soll ich sagen, mir gefällt bisher fast einschränkungslos alles, was ich gelesen habe! Von dem neuen Bischof oder über ihn! Es ist fast ein bißchen unheimlich… 😉

So hat Bischof Dr. Koch zunächst in einem Brief (hier) an seine künftigen Schäfchen vom 18. Januar m.E. viele wichtige Dinge erwähnt und dabei eine kluge Gewichtung vorgenommen. Zwei Dinge möchte ich besonders hervorheben. So bekennt er sich eindeutig zur Notwendigkeit missionarisch Kirche zu sein:

„Das Evangelium ist eine frohe Botschaft für alle Menschen. Sie kann durch uns zu einer Einladung für alle Menschen in unserer Gesellschaft werden, für die wir als Kirche berufen sind. Sie ermutigt uns, mit so vielen und für so viele Menschen, die unseren Glauben und unsere Gemeinschaft nicht oder noch nicht teilen, Gottes Gegenwart zu entdecken und seine Nähe erfahrbar werden zu lassen. Welch‘ großes Bistum ist das Bistum Dresden-Meißen angesichts dieser vielen Menschen!“ (Hervorhebungen von mir)

Und es fällt folgender zentrale Satz zu seinem Amtsverständnis, der bisher noch zu wenig Beachtung gefunden hat:

„Im bischöflichen Amt wird das Voraus Christi vor seiner Kirche sakramental sichtbar und wirksam, wie wir es vor allem in der Eucharistie, der Mitte unseres kirchlichen Lebens, feiern. Es ist für mich eine große und bewegende Aufgabe, in meinem Dienst und in meinem Amt die sakramentale Verbindung mit Christus und der Kirche, mit ihren Bischöfen zu allen Zeiten und an allen Orten und mit dem Heiligen Vater wirksam darzustellen.“ (Hervorhebungen von mir)

Ich hätte nicht erwartet, schon so schnell, noch vor der „Inbesitznahme“ (am 16. März) ein herzliches „Danke, Herr Bischof!“ schreiben zu können, aber so ist es ja nur umso schöner!

Die Verwendung eines musikalischen Sprachbilds („Gerade in unserem von der Musik so geprägten Land ist es mein großer Wunsch, dass wir zusammen die Botschaft Gottes für die Menschen zum Klingen bringen.“) und ein marianischer Schluß („Maria, die Christus zur Welt gebracht hat und […] den Menschen mit Würde und Bereitschaft hingibt, sie begleite auch uns und die Menschen, die Gott uns anvertraut!) runden dieses gelungene Schreiben ab.

Das Interview mit dem DOMRADIO am gleichen Tag (hier) variiert naturgemäß die Themen des Briefs in freierer Form („Ich freue mich, in ein Bistum zu kommen, das enorme Chancen hat. Es ist zahlenmäßig – 150.000 Katholiken – ein kleines Bistum. Aber es warten 3 Millionen ungetaufte Menschen dort.“) und bringt interessante neue Aspekte. So erfreut den katholischen Blogger natürlich die Erwähnung der Internet-Seelsorge.

Und ich fand bemerkenswert, daß gleich am ersten Tag die sieben Studentengemeinden des Bistums genannt werden! Da gibt es eine, von der weiß ich ein ganz klein bißchen was. Sie wird von einem Jesuitenpater geleitet und erfreut sich lebhaften Zulaufs. Und dort gibt es eine Regelung, daß jede und jeder nur maximal zwei Ehrenämter übernehmen dürfen. Und, wissen Sie was? Das klappt! Es ist nicht etwa so, daß, „ wenn XY es nicht macht, es ja keiner macht“, wie man das ja mancherorts hört, wo (informelle) Ämterhäufung breiteres Engagement erstickt, nein, ganz im Gegenteil! Es sind genug und mehr als genug junge Leute da, für alles, was anliegt. Ob man sich da wohl was abschauen könnte?! 🙂

Dann besuchte der ernannte Bischof Ende des Monats erstmals Dresden. Und er hat die Journalisten offenbar positiv überrascht. Lesen Sie den Bericht in der Sächsischen Zeitung, hier.

Überrascht mit dem klaren und offensiv vorgetragenen Bekenntnis zur Fortsetzung der wissenschaftlich unterstützten Aufarbeitung der Mißbrauchsvorfälle.

Mit Positionen, die sich schlagwortartigen Festlegungen entziehen, ohne unklar zu werden.

Mit seiner ganzen Art: „Der gebürtige Düsseldorfer präsentiert sich als charmbolzende Mischung aus konservativem Katholiken, lebensfrohem Karnevalisten und diskussionsfreudigem Priester.“ Oder: „Hier spricht jemand Klartext, polternd und hart.“

Zusammengefaßt empfindet die Zeitung ihn als „eine Art Gegenentwurf zu seinem altersbedingt ausgeschiedenen Vorgänger Joachim Reinelt. Der hatte […] die Kirche in der ostdeutschen Diaspora leise und nach innen gewandt geführt. Der Kölner Katholik Koch sagt dagegen: ‚Streit ist für mich kein Problem.‘ und: ‚ Ich mische mich gern ein.‘“

Wie erfrischend!

Übrigens, in der Thüringer Presse habe ich bisher nur wenig bis gar nichts über Bischof Dr. Koch gelesen. Ob man hier mit seiner Art, dem „Menschen nahe“ sein zu wollen, vielleicht nicht umgehen kann, weil sie sich bequemem Schubladendenken widersetzt? (vgl. hier)

Mir scheint jedenfalls, wenn wir den Blick ein wenig über den konkreten Fall hinaus weiten, drängen sich einige Schlußfolgerungen auf.

  1. Es gibt offenbar mehr geeignete Kandidaten für die Besetzung der deutschen Bischofssitze, als es die „Süddeutsche Zeitung“ u.a. wahrhaben wollen.
  2. Die Führung auch und gerade eines Diaspora-Bistums erfordert unter den heutigen Bedingungen die Fähigkeit zu einer gewissen „Lautstärke“, dem offensiven Zeigen und Vertreten von Profil, ob das in jedem Einzelfall gefällt, oder nicht. Wer heute immer nur „leise“ bleibt, verfällt dem Verdacht der gesellschaftlichen Irrelevanz, was keine gute Voraussetzung für missionarisches Wirken darstellt.
  3. Gut zwanzig Jahre nach Vollzug der deutschen Einheit scheint eine Art „Austausch“ der geistlichen Führungskräfte in beide Richtungen (Bischof Zdarsa!) in Gang zu kommen. Das ist überaus erfreulich, weil ich glaube, die beiden ehemaligen Teile unseres Vaterlands haben sich auch diesbezüglich wechselseitig etwas zu geben! Wie gut, daß seitens der Kirche „Hausberufungen“ schon immer eher vermieden wurden.

 

Heiliger Valerius, bitte auch  für uns um einen guten neuen Bischof!

Gräber der beiden ersten Trier Bischöfe, rechts Valerius (Bild: Stefan Kühn aus der deutschsprachigen Wikipedia)

Die Überlebenden – Sketch des Monats Januar

Zum Geleit:

Nein, nein, geschätzte Leser, Sie irren nicht, dieser Beitrag ist ursprünglich bereits gestern morgen erschienen. Nur, gestern war der der 27. Januar und es war wenig sensibel, einen Text mit der Überschrift“ Die Überlebenden“ an just diesem Tag zu veröffentlichen.

Umso mehr, als wir hier bekanntlich auf sprachliche Sensibilität gerade hinsichtlich der deutschen Geschichte immer Wert gelegt haben und weiterhin legen werden. Der Text war lange fertig und die Veröffentlichung wurde ohne Arg für den gestrigen Sonntag geplant. Als die Möglichkeit eines Zusammenhangs hinsichtlich der Überschrift (für den Text selbst kann es einen solchen ja nicht geben) deutlich wurde, war es aus praktischen Gründen leider zu spät.

PuLa dankt sehr für wohlmeinende Hinweise in diese Richtung und bittet ausdrücklich um Entschuldigung, hätte nicht passieren sollen!

 

Die Überlebenden

Ein Sketch für fünf Personen und beliebig viele Statisten

 

(Hanna, Edith und Richard im gut gefüllten Lokal „Bacchos“. Ganz offenbar haben sich die drei zu einem Thema in Rage geredet, als Karl verspätet dazu stößt und sich gerade die Winterjacke auszieht.)

Edith: Ich begreife es nicht!

Hanna: Ein Haufen toller Leute, und die größten Gauner werden gewählt!

Richard (scheinbar beruhigend): Aber, aber! Er will doch gar nicht an die erste Stelle, tritt doch ganz bescheiden ins zweite Glied zurück!

Edith (schnaubt verächtlich): Wirtschaftsminister!

Hanna (lacht): So ist die Wirtschaft dann ja auch!

Karl (schaltet sich ein): Na?! Seid ihr schon wieder beim alten Thema?!

(Die drei blicken sich völlig verständnislos an.)

Hanna (ehrlich verblüfft und fragend): Haben wir schon mal über Berlusconi diskutiert?

Karl (greift sich lachend an den Kopf): Ach! Berlusconi! Entschuldigt! Neee, klar – da war ich jetzt auf dem falschen Dampfer! (Er winkt dem Kellner und macht ein Zeichen für ein großes Pils.)

Hanna (lacht): Solange du nicht auf Captain Conrad’s Traumschiff warst, bin ich beruhigt!

Richard: Obwohl, da gab es, wie man jetzt hörte, auch Überlebende …

Edith: „Hurra! Wir leben noch!“

Hanna: Klingt wie nach einer echten Katastrophe.

Karl (spöttisch): Ja, dabei wissen wir doch seit der Christmette, daß man sich in unserer Pfarrei ehrenamtlich engagieren kann und das das auch immer so war!

Edith (seufzt): Immer so war – wenn’s nur immer so wahr wäre!

Der Kellner: Pils! (Er stellt Karl das Glas hin und die beiden lächeln sich an.)

Richard: Gemeint war: „Seien Sie halt seit 60 Jahren Organist, dann nutzen wir Sie auch noch länger aus, um bloß andere wegzuhalten.“

Edith: Oh! Das war aber jetzt böse! (Sie grinst.)

Karl (hebt sein Glas): Jetzt erst mal Prost! (Alle heben ihr Glas, prosten sich zu und trinken.)

Hanna: Richard hat aber Recht! Es war ein Paradebeispiel für Adenauers Unterscheidung von einfacher, reiner und lauterer Wahrheit … (Sie trinkt einen Schluck.)

Karl: Genau! Gut, daß der Alte das damals so schön unterschieden hat, dann brauchen wir jetzt nicht zu sagen, daß unser Pfarrer in der Heiligen Nacht am Altar steht und sich tüchtig was vormacht …

Edith: Neee! Das brauchen wir zum Glück wirklich nicht! (Sie stupst Hanna von der Seite an) Er hätte ja sogar beinahe für uns gebetet!

Hanna (begeistert): Jaaa! Das war herrlich! (Sie lacht herzlich.)

Richard (gemessen): „Jetzt wollen wir für alle beten, die einmal hier in der Gemeinde ehrenamtlich tätig waren“ (er macht eine Kunstpause)

Karl (fällt ein): … „und die schon tot sind!“

(Alle vier wiehern vor Lachen, so daß die Leute an den Nachbartischen sich umdrehen und belustigt herübersehen.)

Edith (wischt sich die Lachtränen aus den Augen): Ja! Das war verdammt knapp!

Hanna: Das klang ja zuerst fast „versöhnlich“.

Richard: Aber dann hat er ja das Ruder ja gerade noch rumgerissen.

Karl: Und wie hieß es dann so schön in der Jahresschlußmesse: „Wir danken allen, die sich in guter Weise am Gemeindeleben beteiligt haben.“

Hanna: Zack! Da hatten sie wieder ihr Fett weg. Frisch von der Kanzel.

Edith (harmlos): Ein Unding! Unsere alten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden so bloßzustellen … (sie beginnt zu lachen)

Richard: … und sozusagen offiziell vom Dank auszuschließen!

Karl (gespielt wurstig): Aber – was soll’s! Die leben bekanntlich auch noch.

Edith: Auf den nächsten Karneval! Das ist schließlich das Einzige, weswegen unser PGR-Vorsitzender überhaupt mal das Wort ergreift. (Alle lachen.)

Hanna: Muß also richtig wichtig sein! Also dann:

Alle vier: „Hurra! Wir leben noch!“ (Sie prosten sich zu und trinken.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Und in Weimar? Da steht nach diesem kleinen Rückblick auf die Weihnachtsfeiertage der Fasching auch unmittelbar bevor und damit die Zeit, in der  Narrenfreiheit herrscht. Mal sehen, wie sie genutzt wird…

 

„Das 100. Schaf“ – Ein Gedicht und seine Anwendungsfälle

Der Pressesprecher unseres Bistums, Peter Weidemann, ist auf diesen Seiten ja kein Unbekannter, sein „Bistum Erfurt Aktuell“ gehört, ich habe es schon oft gesagt, zur Pflichtlektüre des hiesigen netzaffinen Katholiken (vgl. hier).

Darüber hinaus ist er auch beim „Pfarrbriefservice“ engagiert.

Und für diesen hat er ein – Gedicht verfaßt! Ein Gedicht? Ja, ein Gedicht. Ein gelungenes modernes Gedicht und ich finde, schon der aktuelle Inhalt lohnt die Lektüre!

Lesen Sie selbst:

wo drei oder zwei


herr karsten s

45 jahre alt

unverheiratet

sonntäglicher

gottesdienstbesucher

blieb irgendwann

aus unbekannten

gründen und

von da an

für immer der

feier der heiligen

messe in seiner

gemeinde sankt o

fern

 

er wurde nicht

vermisst

 

peter weidemann

 

(Hier ist der Link, auch zum Download und zur weiteren Nutzung)

Die Interpretation fällt nicht schwer, oder? Ja, man hätte eben als Überschrift sicher auch „ Das 100ste Schaf“ wählen können, das Schaf, dem nach dem Auftrag des HErrn vorrangig nachzugehen ist, das man zu diesem Zweck natürlich zuerst einmal kennen muß (denn sonst fällt einem ja eben gar nicht auf, daß es fehlt!):

„Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, läßt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet – amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.

So will auch euer himmlischer Vater nicht, daß einer von diesen Kleinen verlorengeht.“

(Mt 18,12-14)

Ja, die Interpretation dieses appellativen Textes ist klar (und es stellt natürlich ein Qualitätsmerkmal dar, daß er sich so nahtlos in die biblische Botschaft fügt!):

Geht auf jeden einzelnen zu, gerade auch auf die, die nicht von sich aus auf sich aufmerksam machen!

Daß es ein Appell ist, der jeden von uns angeht, das dürfte sich ebenso von selbst verstehen, wie wir uns wahrscheinlich darüber einig sind, daß wir alle solche traurigen Beispiele kennen.

Nur, wie soll man dann eigentlich den Fall bewerten, wenn nicht „ein unverheirateter Mann“ „aus unbekannten Gründen“, sondern ganze Familien aus allzugut bekannten Gründen wegbleiben? Weil sie nämlich aktiv vertrieben wurden!

Und ihnen niemand nachgeht. Sondern schlecht hinter ihnen her geredet wird.

 

Wie soll man diesen Fall bewerten?

 

Hl. Timotheus,

der Du als Mitarbeiter des Apostels Paulus vielen „Schafen gefolgt“ bist;

Bitte für uns!

Hl. Timotheus (Bild: Wikicommons, gemeinfrei)