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Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 22, „Philadelphia“

„In der Heiligen Schrift wird die Gemeinde »Philadel-phia« (= Bruderliebe) genannt. Möge die Atmosphäre in Philadelphia sich auszeichnen durch Weite, Herzlichkeit, Heiterkeit, Offenheit.

Es darf und muß auch gelegentlich blitzen, donnern und krachen. Kritik und Korrektur gehören zur Gemeinde, aber wenn es in der Pfarrei, im Pfarrhaus und in den Gemeinde-versammlungen chronisch sauer, kalt, muffig und miese¬petrig ist, wenn dort nur Lamentationen zu hören sind, dann wird ein Zeitgenosse, wenn er in eine solche Ver-sammlung kommt, sicher nicht rufen, was der Besucher der Gemeinde von Korinth gesagt hat: »Wahrlich, Gott ist bei euch!«, vielmehr wird er sagen: »Bei euch ist es auch nicht anders als sonstwo.«

Es gehört für uns alle eine große Weite und Kraft des Herzens, Mut und Phantasie dazu, die vielen in vielfachen Formen »Gemeinde« erfahren zu lassen. Entscheidend ist wohl, daß der Pfarrer ein Leutepriester ist, Zeit hat und sich freut, wenn jemand an seiner Tür klopft; komme, wer da kommen mag.

Haben unsere Pfarrgemeinderäte genügend das ganze Territorium der Gemeinde im Auge, d.h. alle diejenigen, die darin wohnen, oder denken sie zu intern?“

Aus dem Schlußreferat von Bischof Aufderbeck auf dem Pastoralkongreß in Erfurt, 18.11.1979 (Im Land der […], S. 132 f.)

 

So hieß es Ende 1979; wahrlich zeitlos gültige Sätze, will mir scheinen. Und von besonderer Aktualität ist natürlich der letzte Ausschnitt, ist doch der Anspruch an die Arbeit der Pfarrgemeinderäte mit der letzten Neugründung der Pfarreien im Bistum Erfurt (die ja stattgefunden hat, auch wenn partout nicht darüber geredet wird… 😉 ) nochmals deutlich höher geworden. Mal sehen, wann man anfängt, etwas davon zu merken, daß man sich dort den neuen Herausforderungen stellt. Fortbildungsmöglichkeiten gibt es ja… (das Programm des Marcel Callo Hauses für 2013 habe ich leider online noch nicht gefunden, aber es gibt einschlägige Angebote)

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 21, Das hochheilige Weihnachtsfest

„8. Lesestück.

Das hochheilige Weihnachtsfest: die heilige Christnacht und der heilige Christtag.

Fr. Welches ist der Mittel= und zugleich der Glanzpunkt des Weihnachtskreises?

Antw. Das hochheilige Weihnachtsfest, welches zerfällt in die heilige Christnacht und in den heiligen Christtag.

Fr. Was ist die heilige Christnacht?

Antw. Sie ist jene freudeneiche und beseligende Nacht, welche durch die Geburt des Weltheilandes ganz besonders geheiligt und geweiht worden ist; daher auch die Bezeichnung „Weihnacht“.

Belehrung.

Während die Kirche Gottes der Ankunft des Heißersehnten entgegenharret, und ihre Sehnsucht mit jedem Tag sich steigert, welche sich besonders lebhaft in den sieben letzten Tagen des Adventes durch jene sieben großen Antiphonen, die vor dem Magnificat in der Vesper gesungen werden, und deren jede mit O anfängt, kundgibt, bricht endlich die ewig denkwürdige Nacht an, die uns den Erlöser bringt. In hellem, feierlichen Klange ertönen durch das Dunkel der Mitternacht in Städten und Dörfern die Glocken der Kirchen; als Boten der Christnacht verkünden sie uns die Ankunft des Erlösers und rufen jedem Gemüthe vernehmlich zu, wie einst auf Betlehems Fluren die Engel des Himmels: „Wir verkünden euch eine große Freude; denn heute ist euch der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“ Schaarenweise strömen die Gläubigen hin in die glänzend beleuchteten Tempel, um den Neugeborenen unter Jubel zu begrüßen, vor ihm anbetend niederzufallen und in heiliger Freude den Tribut ihres Dankes, ihrer Liebe und Anbetung Dem zu zollen, der aus purer, aus gränzenloser Liebe zu uns seine ewige Herrlichkeit verließ und sich nicht scheute, als Gott Mensch zu werden, um die Menschen göttlich zu machen. Feierlicher als je ertönt jetzt der Freudengesang, der so lange verstummen mußte, das festliche Gloria, von den himmlischen Heerscharen selbst gesungen: „Gloria in excelsis Deo! Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind!“ (Sieh das folgende Bild!) Und mächtig hallt es wieder (sic!) durch

 

Mehler, Christnacht (eigene Aufnahme)

die weiten Räume des heiligen Hauses, und in jedem Herzen schlägt es freudig, und wonnetrunken jubelt jede Zunge: „Heute ist uns der Heiland geboren! Ein Kind ist uns gegeben, ein Erlöser ist uns geworden!“ O selige, heilige Nacht, die freudenreichste von allen, die je auf die Erde sich herniedersenkte, die lichtvollste von allen, in deren Dunkel hereinscheint die ewige Sonne der Gerechtigkeit, die da ist Jesus Christus, der neugeborne Heiland und Erlöser!“

Jaja, „schaarenweise strömen wonnetrunkene Gläubige“, ach ja! 😉

(Zu den Problemen mit der hier gebrauchten hergebrachten deutschen Übersetzung des „Gloria“ vgl. das neue Buch des Papstes über die Kindheitsgeschichten, S. 82 ff.)

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 20, Das nachkonziliare Rätesystem im Aufbau

„Aus den Aufzeichnungen von Bischof Aufderbeck

In etwa dreiviertel bis vierfünftel der Gemeinden besteht ein Pfarrgemeinderat. Alle Dekanate haben einen Dekanatsrat. Das bedeutet aber durchaus nicht, daß alle Dekanatsräte und Pfarrgemeinderäte gut arbeiten. Es besteht erst das äußere Gerüst. Die Arbeitsweise ist sehr unterschiedlich.

Fast alle Dekanate haben in diesem Jahre zum dritten Mal einen Laienkonvent gehabt, an dem alle Mitglieder der Pfarrgemeinderäte eines Dekanates teilnehmen. Ein Höhepunkt unserer bisherigen Arbeit war der Laienkongreß in Erfurt zu Pfingsten 1969. Es nahmen daran etwa 190 Damen und Herren teil, einschließlich 30 Jugendlicher. Wir haben am Sonnabend vor Pfingsten begonnen und am Pfingstmontag nachmittag geschlossen. Manchen war der Termin aus familiären Gründen sehr ungelegen. Die Tage waren aber überaus schön. Sie verliefen ohne jede Mißstimmung. (8. 1. 1970)

Es besteht der äußere Aufbau, was natürlich in keiner Weise heißt, daß alles gut funktioniert. Wir werden aber auch hier Geduld haben müssen. Die Dekanatsräte arbeiten z. T. ganz gut. Aber die Arbeit ist doch noch sehr in den Anfängen. Vielleicht wird die kommende Synode uns hier ein wenig weiterhelfen. Das Miteinander und Füreinander ist doch oft recht schwierig. Es fehlt uns viel an der Erfahrung der eigenen Armut und an dem Glauben, daß der Heilige Geist in der Gemeinschaft der Brüder und Schwestern besonders wirksam ist. Vielleicht ist auch unsere Erziehung schuld, daß der Priester aufgrund seiner Weihe und seines Studiums meint, er könne alles und wisse alles. Aber es finden sich auch hier hoffnungsvolle Zeichen. Jedenfalls ist die Willigkeit von allen Seiten da. (28. 1. 1971)“

(Im Land der […], S. 269)

 

Bischof Aufderbeck, ganz wie wir ihn nun schon einige Male kennenlernen durften: Aufmerksam, im besten Sinne kritisch und auf der Suche nach dem Fehler bei sich, bzw. der „Seite der Priester“. Bei aller tiefempfundenen Sympathie könnte (müßte?!) man allerdings wohl aus heutiger Sicht, nach den Erfahrungen mit Jahrzehnten der Gremienarbeit, hinzufügen, daß schöne pfingstliche Tage „ohne Mißstimmung“ nicht notwendigerweise bei der Lösung möglicher Probleme oder gar Konflikte helfen. Und ich habe auch so meine Zweifel, ob es gerechtfertigt ist, in jeder Gremiensitzung „automatisch“ eine solche Gemeinschaft der Brüder und Schwestern anzunehmen, in der der Hl. Geist besonders wirksam ist. Ob da nicht auch manches menschlich-allzumenschliche unter dem schönen Schein der Konfliktvermeidung in eine ganz andere Richtung gewirkt hat? (Wir werden Bischof Aufderbeck auch zum Thema „Konflikte“ noch hören.)

Und was die Bereit-Willigkeit zur Übernahme von Aufgaben angeht, so finden sich dazu in „Im Land der heiligen Elisabeth“ überaus aufschlußreiche Sätze in einem Text von W. Hentrich und Chr. Kendzia über „Mitarbeit der Erwachsenen für eine lebendige Gemeinde“:

„Es galt, nach den Beschlüssen des Konzils zu einem lebendigen und von vielen mitgetragenen Gemeindeleben zu kommen. Das Wort von der gemeinsamen Berufung aller im Volk Gottes gab großen Auftrieb. Und es war ein Aufbruch ( ;-), GL), als 1969 nach einem eigenen Pastoralkongreß über die »Mitverantwortung der Laien« die Pfarrgemeinderäte eingerichtet wurden. Darauf erfolgten die Dekanatsräte und der Pastoralrat.

Es fehlte keineswegs an Bereitwilligkeit, wohl mußte bald erkannt werden, daß jede Bereitschaft nach konkreten Aufgaben verlangt. Aufgaben für ein gemeinsames Werk aber galt es zu »teilen« – und zwar in dem Bewußtsein, daß alle auf Grund ihres gemeinsamen Priestertums durch Taufe und Firmung berufen sind, Seelsorge in gemeinsamer Verantwortung zu sehen und zu tragen.

Das verlangte einerseits vom Priester die Bereitschaft, Laien mitarbeiten zu lassen und [andererseits, GL] vom Volke Gottes, mitarbeiten zu können.

Diese Aufgabe des Gemeindeleiters, »die Heiligen heranzubilden zur Ausübung ihres Dienstes« und andererseits die klare Aussage des Konzils, daß Laien nicht ein belangloser Aufwand, notwendige Übel in Zeiten des Priestermangels sind, ist bis heute nicht befriedigend gelöst. Vielleicht sind damals, als Erkenntnis und Bereitschaft aufeinandertrafen, gerade bei den Ämtern die Zeichen der Zeit nicht genug erkannt worden.

Die Frage bleibt, ob heute der rechte Augenblick gekommen ist, die Verantwortung des gesamten Gottesvolkes in der Seelsorge als »Not-wendigkeit« zu begreifen.“

(Im Land der […], S. 117) Hervorhebungen von mir.

Hier, wo ein Priester und ein Laie gemeinsam schreiben, nicht mehr am Anfang, sondern Mitte der 80er-Jahre, sieht man, daß auch der Ablauf von ca. 15 Jahren keineswegs jede Skepsis getilgt hat, ja, mir will scheinen, darin sind geradezu paradigmatische Aussagen über die Zusammenarbeit und ihre notwendigen Voraussetzungen enthalten:

  • Konkrete Aufgaben sind ebenso erforderlich wie es ihre klare Definition ist
  • Ob jemand mitarbeitet und worin ist nicht nur eine Frage des (guten) Willens, sondern ebenso der Kompetenz der Ehrenamtlichen
  • Und so ist die Aufgabe der priesterlichen Leitung keinesfalls geringer, sondern größer und schwieriger, sozusagen „leitender“ geworden

Persönlich glaube ich ja, das „Erkennen der Zeichen der Zeit“, war auf Dauer nicht eine Frage der Bereitschaft, (immer mehr) abzugeben an Verantwortung (was ja von Fall zu Fall auch ganz bequem sein konnte!), sondern die Herausforderung, sich über die gewachsene Rolle des Priesters Rechenschaft abzulegen, der immer verantwortlich bleiben muß und wird, für das, was in „seiner Gemeinde“ geschieht, oder auch nicht!

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 19, Liturgische Eigenheiten der Adventzeit

Fr. Welche Gebräuche sind während der Adventzeit von der Kirche angeordnet worden?

Antw. Besonders folgende: bei allen heiligen Messen und Aemtern, welche sich auf die Adventzeit selbst beziehen, erscheinen die Priester der Kirche in blauer Farbe; es wird hierbei kein „Gloria“ und bei den priesterlichen Tagzeiten kein „Te Deum“ angestimmt.

Belehrung.

Da die Zeit des Adventes eine Zeit der Buße, oder mit anderen Worten eine Zeit der Trauer und Klage über die Sünde ist, damit wir auf solche Weise durch Lebensbesserung dem nahenden Heilande in uns eine Wohnstätte bereiten, so kleidet die Kirche ihre Diener in den Tagen des Adventes in blaue Gewande; denn durch die blaue Farbe stellt sie uns den Geist der Buße dar. Auch ertönt an diesen Tagen nicht der Freuden=Gesang der Engel: „Gloria in excelsis“ weil es ja doch wohl unpassend wäre, zu der Zeit, wo der göttliche Erlöser noch erwartet wird, schon jenen Lobgesang anzustimmen, den die himmlischen Chöre erst bei seiner wirklichen Erscheinung im Fleische, bei seiner Geburt selbst unaufhörlich wiederholten. Aus einem ähnlichen Grunde unterbleibt während des Adventes, wenn nicht ein Festtag einfällt, auch das „Te Deum“, jener Freudenhymnus, welcher sonst fast täglich in den kirchlichen Tagzeiten gebetet oder gesungen wird. Wohl aber ertönt um so häufiger das Alleluja, ein Jubelruf, in welchem die Kirche Gottes, von heiliger Hoffnung beseelt, oft freudig aufjauchzet; denn der Advent ist nicht nur eine Zeit der Klage und Trauer, sondern auch der süßesten Hoffnung auf die nahe Ankunft des langerwarteten Erlösers; und in diesem Gefühle freudiger Erwartung so oft und voll inniger Beseligung: Alleluja!

[…]

Gebet.

Ja, göttlicher Herr und Heiland, Jesus Christus! gerne bereiten wir die einen Sitz in unseren Herzen; laß uns dafür eine ewige, selige Wohnung in deinem Himmel zu Theil werden, der du lebest und regirest in Ewigkeit. Amen.“


Daß die „Reformen von 1962“ das häufige Te Deum abgeschafft und die liturgische Farbe Blau, die für Reinheit stand und insbesondere im marianischen Zusammenhang Verwendung fand, durch „Weiß“ ersetzt wurde, wen wundert diese Reduktion  noch? Wenn denn die Begründungen in jedem Fall überzeugten, vor allem aber: Wenn denn der gewünschte Effekt eingetreten wäre… 🙁  Aber nach Summorum pontificum (Art. 9, §3) kann ja nun wieder jeder Priester das Stundengebet in der überlieferten Form absolvieren!

Abschließend möchte ich für mich persönlich wiederholen: Freilich ist einem die Bezeichnung des Advents als Zeit der „Trauer und Klage über die Sünde“ zunächst fremd, freilich die Ausdrucksweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht unmittelbar anschlußfähig, aber wer zu wählen hätte, zwischen dem damaligen Ansatz und der heutigen Praxis der kollektiven vorbereitenden Dauervöllerei im Glühweindunst, wüßte der nicht schon aus rein ästhetischen Gründen, wie er sich zu entscheiden hätte?

Und damit gehen für dieses Jahr die Beiträge zum Advent im engeren Sinne aus dem „christkatholischen Hausbuch“ des Stiftsdechanten Mehler zu Ende; zweimal hören wir noch etwas von ihm, dann aber schon auf das Weihnachtsfest selbst bezogen.

(Ach, übrigens, wir haben die Wahl…)

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 18, Einführung der Räte

Wie angekündigt folgen in den nächsten Tagen einige Texte, die geeignet sind, die Stimmung widerzuspiegeln, in der die Einführung der uns heute so vertrauten „Gremien“ geschah:

„Aus den Aufzeichnungen von Bischof Aufderbeck

In der nachkonziliaren Zeit wird die Kirche ja mehr und mehr eine »Kirche der Räte«. Wenn die Räte ihre Funktion richtig verstehen und ihre Arbeit in Anerkennung der Hierarchie tun, dann kann eine solche Arbeit sicher nutzen. Der Priesterrat, der an sich sehr gut gewählt ist, ist einige Male zusammengewesen. Die Arbeit dieses Priesterrates begrüße ich sehr. … Die meisten Gemeinden haben inzwischen Pfarrgemeinderäte. Soweit man das bis jetzt sehen kann, sind sie eine Hilfe, wenngleich natürlich immer die Gefahr besteht, daß viel geredet und wenig getan wird. -Auf Dekanatsebene haben wir im letzten Jahr auch die Dekanatsräte gebildet, die aber jetzt erst ihre Aufgaben beginnen. (4. 2. 1969)“

(Im Land der […], S. 269)

„Am Elisabethtage haben wir einen Diözesan-Caritas-Tag mit den Elisabethfrauen gehalten. Es wird ja gut sein, daß neben der liturgischen Arbeit und den Glaubensseminaren auch die diakonischen, alltäglichen kleinen Gemeindedienste nicht vergessen werden. Es ist leider so, daß im Gegensatz zu der Nachkriegszeit diese Kleinarbeit etwas zurückgetreten ist. Es wird heute mehr geredet als gehandelt. Eine Kirche des größeren Mundwerkes ist noch keine erneuerte Kirche. (8. 1. 1970)“

(Im Land der […], S. 236) Alle Hervorhebungen von mir

 

Den Schlußsatz könnte man sich einrahmen, oder? 😉

Vgl. dazu auch Ps. 12, 4:  Disperdat Dominus universa labia dolosa, et linguam magniloquam. (etwa: Der HErr zerstreue alle trügerischen Lippen und die großsprecherische Rede)

Jedenfalls erleben wir auch hier wieder einen differenziert empfindenden, wägenden Hirten, der, natürlich, ganz den Texten des Konzils gemäß, keinerlei Zweifel an der „Anerkennung der Hierarchie“ läßt und die Dinge nüchtern, aber eben auch nicht in ablehnender Defensive bewegt und beobachtet. Auf Bischof Aufderbeck können sich, so scheint es mir, weder die WisiKis noch diejenigen berufen, die pauschal eine ganze Ära der Kirchengeschichte (die nun freilich langsam zu Ende geht) nachträglich im Wortsinne verteufeln wollen. Wie sympathisch!

Auch ist mir bei der Lektüre von „im Land der heiligen Elisabeth“ in diesem Advent einiges klar(er) geworden, über die große Rolle, die die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit gespielt haben, für die Herausbildung dessen, was heute das Bistum Erfurt ist. Eine schwere Zeit, ohne Frage, aber in paradoxer Weise auch eine Zeit der Bewährung und der, ja, „Ausweitung“! Das ist ein Thema, das weiterzuverfolgen ich versuchen möchte.

 

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 17, Der Morgenstern

„Fr. Warum wird das Rorate oder Engelamt schon am frühen Morgen gehalten?

Antw. Weil es ganz besonders zur Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria gefeiert wird, welche der Ankunft Christi, der da ist die Sonne der Gerechtigkeit, ebenso voranging, wie der Morgenstern der aufgehenden Sonne.

Belehrung.

Maria gleicht in Wahrheit dem Morgensterne, weshalb sie auch von der Kirche Gottes in der lauretanischen Litanei als solcher begrüßt wird (sieh das nachfolgende Bild!); aus eben diesem Grunde fällt auch das liebliche Fest der unbefleckten Empfängnis Mariä in die heilige Adventzeit. Auf er gefahrvollen und stürmischen Fahrt unseres Lebens sollen wir daher recht oft und vertrauensvoll zu Maria emporblicken und besonders in der heiligen Adventzeit oft zu ihr rufen: Du Morgenstern, bitt‘ für uns,“ damit wir am heiligen Weihnachtsfeste die Sonne der Gerechtigkeit schauen.

Beispiel und Anwendung.

Der Morgenstern ist den Seeleuten gar lieb; denn wenn der Morgenstern mit seinem Freundlichen Lichte auf sie niederschaut, so ist für sie keine Gefahr; das Schiff gleitet auf dem Meeresspiegel ruhig dahin. Auch hierin gleicht Maria dem Morgensterne. Mit mütterlicher Sorgfalt und Liebe blickt sie auf uns und lenkt das Schifflein unserer Seele auf dem gefahrvollen Weltmeere, damit es nicht Schiffbruch erleide zum ewigen Verderben. Die

 

Morgenstern (eigene Aufnahme)

heilige Magdalena von Pazzis erblickte eines Tages in einer Entzückung auf offener See ein Schifflein, in welchem alle Verehrer Mariens sich befanden und dessen Steuerruder Maria selbst führte, worauf sie Alle sicher in den Hafen geleitete. – Zu Maria, dem Morgensterne, sollen auch wir unsere Zuflucht nehmen und sie bitten, daß sie uns leite und führe, damit wir rein und unbefleckt, wie sie selber war, am heiligen Weihnachtsfeste zur Krippe ihres göttlichen Sohnes und einst zum Richterstuhl unsers göttlichen Richters und von da in den Hafen der ewigen Seligkeit gelangen mögen.“

Von der erwähnten Komponente der besonderen Marienverehrung (von daher auch ursprünglich die Feier der Roratemessen an den der Gottesmutter besonders geweihten Samstagen!) ist heute nichts mehr zu spüren. Die Begründung ist die allgemein übliche: Der Charakter der Votivmesse an Maria habe überhand­genommen und den eigentlichen „Erwartungscharakter“, sozusagen den Kern des „Rorate“ dominiert (das freilich auch nicht mehr gesungen wird…); vgl. hier.

Ich kann das aber dem angeführten Text von 1869 so nicht entnehmen! Vielmehr scheint mir hier das Verhältnis zwischen der Betrachtung der jungfräulichen Mutter und derjenigen ihres Sohnes (in seiner alles überragenden Bedeutung) sehr ausgewogen! Immerhin vom sozusagen chronologischen Ablauf her bewegen wir uns ja noch vor der Geburt… Allerdings mögen sich im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts die (praktischen) Gewichte verschoben haben.

Nichtsdestotrotz scheint mir, wir stoßen hier auf einen der Fälle, wo die „Liturgiereform von 1969“ ein wenig (oder ein wenig mehr) das Kind mit dem Bade ausgeschüttet hat. Denn es hatte ja natürlich einen guten theologischen Sinn, zu den Roratemessen das Evangelium von der Verkündigung des HErren zu lesen, und so das eigentliche Fest der Menschwerdung (das heute vielerorts so schmählich vernachlässigt wird!) mit dem unmittelbar bevorstehenden Ereignis von dessen „Sichtbarwerdung“ zu verbinden! Sich stattdessen „am Meßformular vom Tag zu orientieren“ ist dagegen doch eher blaß.

Ein bißchen holzschnittartig ausgedrückt, verläuft ja, was die Lesungen angeht, die Konfliktlinie zwischen Anhängern der „alten Messe“ und solchen der „neuen Form“, so, daß die letzteren (zurecht) sagen: Jetzt bekäme der Gläubige im Verlauf von drei Kirchen- (Lese-) Jahren erheblich mehr biblische Texte zu Gehör, während die andere Seite einwendet, dafür höre man in der Alten Form aber die wesentlicheren!

Persönlich habe ich dazu (noch) keine verallgemeinerungsfähige Meinung, aber der Fall der Roratemessen scheint mir an die Anhänger der Tradition zu gehen…

Sketchlet zum Advent No. 3, Die Werksbesichtigung

Am letzten Adventssonntag hatten wir die Schafe verlassen, als Krutzi gerade erläutert hatte, warum sie schon wieder zu Beginn des Winters kahlgeschoren ist: Sie hatte ihr Fell als Dämmstoff an die BLW – die Brandenburgischen Lautsprecherwerke – verkauft, um das Geld der darbenden katholischen Gemeinde Maria hilf! in Wundersdorf zu spenden. Aber Krutzi hat noch mehr erlebt:

 

Die Werksbesichtigung

Ein Sketch für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Eine große Traube Schafe umrundet Krutzi. Sie halten sie dadurch warm und alle lauschen gespannt der Erzählung von ihrer Werksbesichtigung bei den BLW.

Krutzi: Und dann haben sie mir ihren reflektionsarmen Raum gezeigt, in dem sie die Chassis prüfen.

Wolle: Den was?

Krutzi (belehrend): Der sogenannte reflektionsarme Raum ist ein schallarmer Raum – wir sagen umgangssprachlich auch gerne schalltoter Raum.

Wolle (leise zu Kohle): Da schnappt Krutzi ein paar Begriffe auf und schwadroniert damit sofort herum, als wäre sie vom Fach!

Kohle (ebenso zurück): Jaja, das konnte sie schon immer gut. Aber mich verblüfft es auch jedesmal wieder. (Sie hören weiter zu.)

Krutzi (noch mitten in ihrer Erklärung): In einem solchen reflektionsarmen Raum sind die Wände dick mit stoffbespannten Zacken ausgekleidet, die allen Schall schlucken. Wenn du dort etwas sagst, kommt einfach NICHTS zurück. Eine völlig surreale Erfahrung! Du kannst rufen so laut du willst – es wird einfach alles geschluckt. Alles tot! (Krutzi hält inne, beeindruckt von ihrer eigenen Erzählung.)

Flocke (kommt von der Tränke zurück und hat einiges verpaßt): Na?

Kohle: Ist ganz interessant: Krutzi erzählt gerade von ihren Erlebnissen in einem reflektionsarmen Raum.

Flocke (harmlos): Ah! Hat sie Wundersdorfer PGR-Vorsitzende getroffen?

Kohle (belustigt): Nein! Nicht: „reflexionsarm“, sondern „reflektionsarm“ – ein Raum, in dem aller Schall geschluckt wird.

Wolle (schaltet sich ein): Muß eine irre Erfahrung sein: Du sagst was, wieder und wieder – und es kommt einfach nichts zurück!

Blütenweiß (die gerade wieder zur Gruppe hinzutritt): Ach ja – unser Pfarrgemeinderat und seine „Arbeitsgruppen“ …

Kohle und Wolle (lachen): Blütenweiß, da hast du was mißverstanden: Krutzi hat bei den BLW einen schalltoten Raum besichtigt.

Fixi: Oooooooh! Da will ich auch mal hin!

Huf: Können wir da nicht mal gemeinsam hinfahren?

Kohle: Warum eigentlich nicht?! (Er blickt unternehmungslustig in die Runde) Dafür wird das Geld schon noch reichen!

Wolle: Notfalls tarnen wir es als Wallfahrt …

Flocke (begeistert): Jaaaa! Da ist doch Neuzelle in der Nähe! Dort muß es wunderschön sein! Davon hat meine Großmutter immer erzählt!

Blütenweiß: Und es hat dort eine Marienkirche!

Kohle: Und eine Klosterbrauerei.

Wolle (grinst): Also nichts wie hin!

Fixi und Huf (hüpfen auf allen Vieren durch die Luft): Au ja! Au ja! Au ja! Wir machen eine Wallfahrt! Wir machen eine Wallfahrt!

Kohle (streng): Aber denkt dran, ihr Racker: Rasen und Kräuter im Klostergarten sind TABU!!!

 

FORTSETZUNG FOLGT

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Tja: So geht’s zu rund um Wundersdorf! Bloß gut, daß in Weimar der Pfarrgemeinderat erst gar nicht wirklich Arbeitsgruppen hat, seit er sich von einer „Externen“ rumkommandieren läßt – oder ist uns da eine positive Entwicklung entgangen?.

Aber bleiben wir gespannt, ob die Schafe Kloster Neuzelle und die BLW tatsächlich zu sehen bekommen …

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 16, Die Benennung Rorate oder Engelamt

Nach 5 Strophen von „Thauet, Himmel den Gerechten…“ (vgl. gestern) fährt Stiftsdechant Mehler wie folgt fort (Anhang zum Kirchenjahr, S. 21):

„O wie schön! Wer denkt nicht mit heiliger Freude zurück an diese seligen Morgenstunden, gefeiert im Hause und im Dienste Gottes? –

Fr. Woher kommt denn die Benennung „Rorate“ oder „Engelamt“?

Antw. Die Benennung „Rorate“ kommt her von dem Anfangsworte: Rorate, mit welchem die Rorate=Messe beginnt; „Engelamt“ aber heißt die feierlich gesungene Rorate=Messe deshalb, weil das ganze Evangelium in dieser Messe von der Botschaft des Engels an Maria handelt.

Belehrung.

In dem so eben angeführten Kirchengesange ist die ganze Bedeutung des Wortes „Rorate“ ausgedrückt. „Rorate“ heißt zu Deutsch: „Thauet!“ Weil nämlich die Messe mit den Worten des Propheten Isaias (45, 8.) Beginnt: „Rorate coeli desuper et nubes pluant justum!“ etc., d.h. „Thauet, ihr Himmel, herab den Gerechten, und ihr Wolken, regnet ihn! Die Erde öffne sich und sprosse den Heiland hervor!“ – So erhielt dieser Morgen=Gottesdienst die Benennung „Rorate“. Da aber in demselben besonders jene geheimnisvolle Begebenheit erzählt und gefeiert wird, wo der Engel Mariä die Botschaft bringt, daß sie zur Mutter des Erlösers auserkoren sei (wovon das ganze Evangelium in der Rorate=Messe handelt), so nennt man es auch Engel=Messe, und wenn es feierlich gehalten wird, Engel=Amt. –

Alles vereinigt sich bei dieser schönen Andacht, um uns mit der Aufgabe, die wir als Christen im Advente haben, vollkommen bekannt zu machen und unser Herz mit glühender, heiliger Sehnsucht nach Jesus, dem göttlichen Heilande, und nach seiner Ankunft in uns zu erfüllen.

Introitus Rorate (Bild MicheletB, Creative Commons)

 

Der „Zwei katholische Bücher-Adventskalender“ – Tag 15, Kirchliche Bräuche im Advente

„7. Lesestück.

Besondere Andachten Rorate-Messen oder Engelämter und kirchliche Gebräuche im Advente.

Fr. Welche besondere kirchliche Andachten pflegen im Advente abgehalten zu werden?

Antw. Sogenannte Rorate-Messen oder Engelämter.

Belehrung.

Eine der schönsten und erhebendsten kirchlichen Andachten, welche uns während der heiligen Adventzeit begegnet, ist die sogenannte Rorate-Messe. Am frühesten Morgen, wo im kalten Dezember noch tiefes Dunkel über der Erde liegt, ertönt vom Thurme der Pfarrkirche herab der feierliche Klang der Glocken, als wollten sie mit ihren ehernen Zungen die Worte des kirchlichen Hymnus verkünden:

‚Gebrochen werden Schlaf und Ruh‘; Vom Himmel winkt uns Jesus zu!‘

Und bereitwillig folgen die frommen Gläubigen diesem ernsten und heiligen Rufe. Durch die frostige Winternacht, die uns, wie schon gesagt, die Zeit vor und ohne Christus sinnbildet, zieht Jung und Alt gleich jenen klugen Jungfrauen in der Parabel mit brennenden Lampen in der Hand hin zum Tempel des Herrn, um den göttlichen Bräutigam und Erlöser mit Inbrunst des Herzens zu suchen.

In wunderbarem Lichtschimmer erglänzt vom Altare her das Gotteshaus, ein Zeichen und ein Bild, wie Christus als Licht der Welt in die Nacht und  Dunkelheit des Lebens hineinscheint. Alles bemüht sich, diesen Glanz des Gotteshauses noch dadurch zu vermehren, daß Jedes für sich eine Wachskerze anzündet und vor sich auf seinem Kirchenstuhle befestigt. So schimmern unendlich viele Lichter, und die Gemeinde erscheint in dieser Lichtesfülle so recht wie Eine heilige Familie. Da tritt der Priester an den Altar. Und nun kann beim beginnenden Gottesdienste die Gemeinde sich nicht länger halten, tief und zugleich freudig bewegt durch die Worte des Propheten Isaias läßt sie ausströmen ihr Innerstes in den Gesang:

Thauet Himmel den Gerechten…“

„Mit brennenden Lampen in der Hand“, Hm, ob’s heutzutage auch LED-Leuchten sein dürften? Merke: Orientierung an der Tradition ist nicht gleichbedeutend mit Maschinenstürmerei! 😉

Eine „Perle“ braucht neuen Glanz! Trauerspiel um unseren Kindergarten

Im fortgeschrittenen Advent, vor dem Sonntag Gaudete, muß hier eine traurige Geschichte erzählt werden. Traurig und häßlich. Oder häßlich und traurig? Aber es ist unmöglich, darüber zu schweigen, denn es ist, wieder einmal, eine Angelegenheit, die alle Angehörigen der Pfarrei Herz-Jesu-Weimar angeht, die aber von den Verantwortlichen geradezu intensiv beschwiegen wird. Übrigens geht der Kreis der Betroffenen wieder deutlich über die Mitglieder der Gemeinde hinaus. Also, bringen wir’s hinter uns, heute, am Freitag, paßt es noch am besten 🙁

Es geht um die jüngsten personellen Entwicklungen im Kindergarten St. Elisabeth, der sich in der Trägerschaft der Pfarrei Herz-Jesu-Weimar befindet. Treue Leser erinnern sich, es gab schon verschiedentlich Beiträge über, das, was sich im Verhältnis zwischen Kindergarten und der „Gemeindeleitung“ so abspielt. Der berüchtigte Osterpfarrbrief hat dann vor diesem Hintergrund versucht, PuLa die Beschädigung der Karriere einer Mitarbeiterin anzuhängen, was natürlich Unsinn war (vgl. hier). Nun, machen Sie sich nach Lektüre des folgenden selbst ein Bild davon, wer hier wirklich droht Menschen und Institutionen zu beschädigen.

Jedoch, wenn man über Dinge schreibt, die auch arbeitsrechtliche Fragen berühren, dann tut man gut daran, sehr vorsichtig zu sein, und so werde ich im folgenden besonders sorgfältig kennzeichnen, wo ich glaube von Fakten reden zu können, wo ich wiedergebe, was in der Gemeinde (und darüber hinaus!) alles erzählt wird und was meine Interpretation der Dinge ist, das, was ich dazu meine.

Doch nun genug der Vorrede! Sie erinnern sich, zum 1. August 2012 sollte die Stelle des Leiters des Kindergartens neu besetzt werden, und das wurde sie auch. Der „Neue“ (ja, eine Person männlichen Geschlechts!) war kein Unbekannter, vielmehr hatte man sich von seinen organisatorischen und Leitungskompetenzen in einer vergleichbaren Tätigkeit hier vor Ort über einige Zeit ein deutliches Bild machen können und, so heißt es, man hat sich deswegen auch einige Mühe gemacht mit der „technisch“ nicht ganz einfachen Gewinnung genau dieser Person.

Nichtsdestotrotz wird der gleichen Person schon im November, also noch innerhalb der Probezeit, fristlos gekündigt!

Ich werde Sie jetzt mit dem verschonen, was ich über die unmittelbaren Umstände dieser Kündigung gehört habe, denn ich will ja den Ruf dieser Pfarrei eben nicht beschädigen, aber unbestreitbar ist zunächst mal eines: Es kommt keine personelle Ruhe und Kontinuität in die Leitung unseres (ich betone: „unseres“!!) Kindergartens. Das ist schlecht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und es ist schlecht für die Kinder, denn jüngere Studien belegen erneut, daß gerade der Wechsel der Bezugspersonen in der externen Betreuung der Kleinen möglichst vermieden werden sollte!

Es müßte also schon gravierende Gründe für eine solch einschneidende Maßnahme nach so kurzer Zeit gegeben haben, nicht wahr?

Das fand offenbar auch die Elternschaft des Kindergartens, der die Nachricht ursprünglich lediglich mit einem lapidaren Aushang mitgeteilt werden sollte. Sie setzte nämlich eine Veranstaltung für alle Kindergarteneltern durch, in welcher der Träger (die Pfarrei Herz-Jesu-Weimar) sein Vorgehen erläutern sollte. Diese Versammlung fand am 13.11.2012, 19.00 Uhr im Otto-Neururer-Haus statt. In Ermangelung eines Kindergartenkindes war ich zu dieser Veranstaltung nicht eingeladen (wäre ich trotzdem gekommen, wäre sie ja vermutlich abgeblasen worden… 😉 ), so daß ich über den Verlauf nur auf der Basis von Aussagen Dritter berichten kann. Zunächst hatte wohl der Rektor der Pfarrkirche, in meinen Augen der einzig wirklich legitimierte Vertreter des Trägers, an diesem Abend noch einen anderen Termin, so daß er die Veranstaltung relativ frühzeitig verlassen mußte und dies auch tat, ohne zuvor inhaltlich Stellung bezogen zu haben.

Natürlich haben die Eltern dann nach den Gründen für den „Rausschmiß“ gefragt. Es wurde ihnen entgegnet, das sei arbeitsrechtlich relevant, darüber dürfe man nicht sprechen. Allerdings wurden wohl auch dann noch keine Gründe genannt, als der Betroffene öffentlich ausdrücklich eingewilligt haben soll, darüber zu reden.

Nachträglich hat man gehört, der Grund für die Trennung seien „Kompetenzüberschreitungen“ gewesen.

Aha.

Jedenfalls müssen die Eltern den weiteren Verlauf des Abends irgendwie als traumatisch empfunden haben, denn wir wissen von Menschen, die vorher überlegt hatten, ihr Kind in den katholischen Religionsunterricht zu schicken, nachher aber nicht mehr. (Zur Erläuterung an die Leser außerhalb der Diaspora: Das ist hier, wo wir umgeben sind von lauter Ungetauften, ein durchaus wichtiges und nicht gar so seltenes Thema: Eltern, die ihrem Kind auf diesem Wege sozusagen eine „religiöse Chance“ geben wollen, worüber man sich ja sehr freuen muß!).

Tatsächlich geändert hat sich an der Entscheidung nach dem Abend nichts mehr.

Natürlich habe ich mich bemüht, weiter nach möglichen Gründen für die Beendigung der Tätigkeit zu fragen. Alles, was ich gehört habe, waren Berichte von Eltern, die den Betreffenden als engagierte, freundliche und zupackende Persönlichkeit schilderten, die im Kindergarten sehr präsent gewesen sei, so gar kein „Chef“, der sich in seinem Büro verschanzt. Im Moment gibt es daher für mich also keinen Grund, irgendwelche fachlichen, pädagogischen Defizite anzunehmen.

Ziehen wir eine kurze Zwischenbilanz:

  • Personelle Kontinuität in der Leitung unseres Kindergartens ist erneut nicht erreicht worden, im Gegenteil.
  • Die Kontinuität in der Betreuung der Kinder ist punktuell beeinträchtigt worden.
  • Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde sind durch die Abläufe vor den Kopf gestoßen und verstört worden. Statt missionarisch auszustrahlen, hat Herz-Jesu Weimar abgeschreckt.

Fragen wir nochmal, was hat diesen erheblichen (und insoweit objektiv feststellbaren) Schaden angeblich bewirkt? Eine „Kompetenzüberschreitung“, heißt es.

Nun, nehmen wir einmal an, es kommt zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Träger und dem Leiter einer Einrichtung, der sich noch in der Anfangsphase seiner Tätigkeit befindet. Meinungsverschiedenheiten über den Umfang dessen, was dieser Leiter entscheiden kann. Dann weist man ihn darauf hin, oder? Und wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dann anzunehmen, der Betreffende würde, noch in der Probezeit!, sich den Hinweisen seines Arbeitgebers hartnäckig und schwerwiegend widersetzen? Ist es nicht viel wahrscheinlicher anzunehmen, er würde sich peinlich genau an den Vorgaben seines Arbeitsvertrags orientieren? Ich finde schon.

Nochmals: Ich kann auf der Basis der mir vorliegenden Informationen nicht völlig ausschließen, daß es doch schwerwiegende Gründe gegeben haben kann, die diese objektiv schädliche Entscheidung unausweichlich machten.

Aber ich glaube das nicht. Ich werde auch nicht den Leuten glauben, die ab jetzt vermutlich unterwegs sein werden und (wie schon so oft) raunen: „Wenn Sie wüßten… aber ich darf ja nichts sagen.“ Dazu habe ich, haben wir nämlich schon zu oft und teils am eigenen Leib die Erfahrung machen müssen, was da alles erfunden worden ist, auch an übler Nachrede. Beispiele und Einzelheiten (bis auf weiteres…) gerne im persönlichen Gespräch!

Nein, und damit kommen wir zu meiner Interpretation der Dinge: Ich glaube, ich kann mir sehr gut vorstellen, was da im Herbst wirklich abgelaufen ist. Da hat sich offenbar, ganz kurz zusammengefaßt, jemand nicht ans Gängelband nehmen lassen!

Warum auch? Als erfahrener Leiter einer vergleichbaren Einrichtung, zumal als Mann? Und diese vermutlich fehlende Bereitschaft zur Unterordnung auch in Dingen, die zum Tagesgeschäft der Einrichtung gehören, die traf eben seitens des Trägers auf den Kontrollfimmel einer einzelnen Person, den zu beobachten wir hier ja schon oft Gelegenheit hatten. Das konnte gar nicht gut gehen! Schade nur, daß der einzige (!) wirklich verantwortliche Repräsentant dieser Gemeinde so etwas geschehen läßt.

Und schade natürlich, daß wir jetzt für unseren Kindergarten vermutlich so schnell auch nicht wieder einen neuen profilierten Leiter bekommen werden. Oder meint jemand ernsthaft, eine potentielle Kandidatin oder ein potentieller Kandidat würden sich nicht vorher erkundigen, was hier los ist?

Ich kann in dieser verfahrenen Lage nur noch etwas deutlicher formulieren, was ich im Kern schon vor über einem Jahr geschrieben habe: Es ist Zeit für einen Professionalisierungsschub!

Unser Kindergarten ist zu schade, um als Spielwiese persönlicher Idiosynkrasien einzelner Gemeindemitglieder herzuhalten. Es ist an der Zeit, diese potentielle „Perle der Gemeinde“ wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen! Das wäre mal eine würdige Aufgabe für den neu gewählten Kirchenvorstand, der zu der o.g. Sitzung ja in Gänze eingeladen war.

Zum Schluß dieser Ausführungen mögen Sie sich vielleicht fragen, warum ich trotz offensichtlicher Sym-pathie (was ja ursprünglich „mit-leiden“ heißt!) von dem Schicksal des Betroffenen (und seiner Familie!) weitgehend schweige. Das geschieht aus wohlerwogener Rücksichtnahme. Aber da gibt es eine positive Entwicklung, das kann ich sagen, zumindest der Sturz in die Beschäftigungslosigkeit hat nicht stattgefunden, dank eines „katholischen Eingreifens“ von außerhalb Weimars; Gott sei Dank!

Heilige Elisabeth, Patronin unseres Kindergartens, bitte für uns!


Holbein, Hl. Elisabeth (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)