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Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Vorabend

Die sechste Ausgabe des traditionellen Adventskalenders auf PuLa soll in diesem Jahr mit Texten des Hl. Hilarius von Poitiers (um 310 -367) bestritten werden.

Wie ich dazu gekommen bin, diese große Bischofsgestalt des 4. Jahrhunderts“ (Benedikt XVI.) auszuwählen, kann ich, wenn ich ganz ehrlich bin, gar nicht genau sagen. Aber irgendwann „wußte“ ich es eben, soll heißen, anders als in den Vorjahren ging der Wahl keine längere Lektüre oder sonstige Beschäftigung mit dem Heiligen voran – mal sehen, wohin uns das bringt!

Freilich, es gibt jede Menge guter Gründe, Hilarius zuzuhören, das wußten neben anderen schon die Hll. Augustinus und Hieronymus, die ihn öfter zitieren und so wurde er vom Sel. Pius IX. im Jahr 1851 zum Lehrer der Kirche erhoben.

Ja, und nur ein wenig um die Ecke gedacht gibt es sogar eine Art Beziehung zu Thüringen!

Um das Jahr 310 (o. 315) wurde Hilarius in eine vermutlich noch heidnische Familie im damaligen römischen Pictavium geboren, erhielt eine solide literarische und philosophische Erziehung und empfing um 345 die Taufe. Weniger als 10 Jahre später wählten ihn die Christen seiner Heimatstadt zum Bischof, ein Phänomen der damaligen Zeit, das wir vom Hl. Martin kennen.

Hilarius Bischofsweihe

Hilarius‘ Bischofsweihe (Miniatur, 14. Jh., Bild: Wikicommons, Richard de Montbaston et collaborateurs)

Und zwischen den beiden Heiligen bestanden enge Beziehungen! Der ältere Hilarius hat vermutlich Martin getauft, ihn aber auf jeden Fall zum Exorzisten berufen, später, um 360, gründete Martin mit seiner Hilfe die Abtei St. Martin de Ligugé, die, nach sehr, sehr wechselvoller Geschichte bis heute besteht.

Zu diesem späten Zeitpunkt, wenige Jahre vor seinem Tode, hatte sich Hilarius in der gesamten damaligen Christenheit einen Ruf erworben und große Verdienste – die bis heute währen!

Denn er steht nicht nur am Anfang der christlichen Hymnologie, hat nicht nur den ältesten bekannten lateinischen Kommentar zum Matthäus-Evangelium geschrieben, nein, in langen und erbitterten Auseinandersetzungen mit der tödlichen Gefahr des Arianismus hat er sich den Ehrentitel: „Athanasius des Westens“ erworben oder auch „Malleus Arianorum“ der ‚Hammer gegen die Arianer‘. 😉

Die Einzelheiten des Hin und Her in diesem langen Kampf, soweit sie sich in der Biographie ‚unseres‘ Heiligen niedergeschlagen haben, mögen Sie, wenn Sie wollen, selber nachlesen, hier oder besser hier (englisch), vielleicht gehen wir von Fall zu Fall auch in den einzelnen Beiträgen noch darauf ein. Jedenfalls teilte er mit seinem großen Bischofskollegen Athanasius das Schicksal der Verbannung: Im Jahr 356 mußte er Gallien verlassen und sich nach Phrygien in der heutigen Türkei begeben. Ins Innere der heutigen Türkei, nicht etwas an die Küste, aber wenn die Absicht war, Hilarius damit zum Schweigen zu bringen, so ist dies krachend gescheitert: Nein, auch von dort aus setzte er in Briefen in Richtung Westen sein segensreiches Wirken fort.

Dabei betonen frühe Zeugen ebenso seine Klarheit in den zentralen Punkten wie seinen Sanftmut im persönlichen Umgang und seine Bereitschaft zur Versöhnung und dazu, Abstufungen im Irrtum auf Seiten der Gegner anzuerkennen, in dem Versuch, sie als Schritte hin zur vollen Wahrheit gelten zu lassen. Papst Benedikt schreibt 2007: „Manche alte Autoren glauben, daß [der] antiarianische Umschwung der Bischöfe Galliens großenteils der Standhaftigkeit und zugleich dem Sanftmut des Bischofs von Poitiers zu verdanken gewesen sei.“

Zugleich bewirkte Hilarius einen bedeutenden Transfer des „östlichen“ Denkens in den lateinischen Westen und die entscheidenden Schritte im damaligen Ringen um die christologische Wahrheit geschahen „im Osten“: Wenn wir bis heute vom nicänischen Credo reden, dann sprechen wir auch von einer kleinen Stadt in der heutigen türkischen Provinz Bursa, in der das erste ökumenische Konzil tagte…

Leider lehrt die Erfahrung der ca. 1.700 Jahre seit ‚Nicäa‘, daß keine der „großen“ Häresien wirklich stirbt, nicht die des Marcion und auch nicht die des Arius. Vermutlich ist es für unsere Ruhe besser, daß wir nicht genau wissen, wie viele Menschen uns in der Kirche umgeben, die in der ein oder anderen Art und Weise die wahre göttliche Natur Jesu Christi hintansetzen, bezweifeln oder gar offen leugnen. Die Häresie ist unter uns, das ist leider nichts als eine nüchterne Feststellung und gelegentlich tritt sie von akademischen Kathedern her auf uns zu.

Es gibt also allen Grund und Anlaß, auf die Theologie der Väter zu hören und das wollen wir in den kommenden 24 Tagen am Beispiel des Hl. Hilarius versuchen. Übrigens: Wenn ich oben geschrieben habe, dieser Adventskalender gehe nicht auf längere Lektüre zurück, so ist das nicht ganz richtig. Tatsächlich wird uns in den nächsten vier Wochen nämlich auch ein Buch begleiten, daß ich seit dem Sommer 2012 nicht ganz zu ende gelesen habe, peinlicherweise… (Hier, Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: den McIntyre dafür inzwischen mehr als einmal… 🙂 )

Es handelt sich um das zur durchgängigen Lektüre vielleicht allzu systematische Werk von Michael Fiedrowicz, Theologie der Kirchenväter: Grundlagen frühchristlicher Glaubensreflexion, Freiburg 2007, jetzt, so bin ich zuversichtlich, wird es uns helfen, den theologischen, bzw. theologiegeschichtlichen Kontext der Sätze des Heiligen zu erschließen, insbesondere derjenigen aus seinen dogmatischen Werken. Neben diesen wird aber, meiner ja spätestens seit dem Psalmen-Adventskalender mit Robert Spaemann aus dem Jahr 2014 bekannten Neigung zum Psalter der späte („nachexilische“, wenn Sie den albernen Witz gestatten) Tractatus in psalmos häufig vorkommen. Der Geist, in dem dieser Psalmkommentar geschrieben ist, seine „Transparenz [auf das] Mysterium Christi und seines Leibes, der Kirche [hin]“ (Benedikt XVI.) ist absolut zeitlos, denn, wie sagt das 21. ökumenische Konzil in der dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung (Dei Verbum)?

Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern vorausverkündet, berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes; darum behalten diese von Gott eingegebenen Schriften ihren unvergänglichen Wert. […]

und:

Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen […] und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen […]. (DV 14 f.)

Und der Thüringen-Bezug? Er liegt darin, welch durch und durch christliche Landschaft das Wirken der bedeutenden Heiligen Hilarius und Martin aus der Gegend um Poitiers offenbar gemacht hat. Denn es kann ja kein Zufall gewesen sein, daß sich die Hl. Radegunde, die letzte Prinzessin des untergegangenen Thüringer Reiches aus der ihr aufgezwungenen Ehe mit Chlotar um das Jahr 558 genau dorthin gewandt hat. So ist das mit der Gemeinschaft der Heiligen, die uns schon vorausgegangen sind: Alle sind mit allen verbunden – und mit uns!
(wie wir vor kurzem versucht haben zu zeigen: „Dove Sveta“ 🙂 )

Morgen früh geht‘s los!

2 Kommentare

  1. Andreas schrieb:

    Um ehrlich zu sein … bei McIntyre dachte ich zunächst etwas der Art „Oha, da werden auch amerikanische Thriller gelesen“ … 😉

    Sonntag, 4. Dezember 2016 um 19:49 | Permalink
  2. So siehst Du aus! 😉

    Aber im Ernst: McIntyre ist, finde ich, schwierig, aber lohnend. Und es ist wieder einmal absolut bezeichnend, daß es m.W. keine deutsche Übersetzung gibt – „Tugenden“ haben wir vermutlich nach 1968 kategorial (‚als Kategorie‘) abgeschafft…
    Was man über ihn auf der deutschen Wikipedia findet ist übrigens auch schlicht ‚Kappes‘ (wie der Rheinländer sagen würde).

    Gesegneten Advent in Richtung Süden!

    Sonntag, 4. Dezember 2016 um 20:58 | Permalink

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  2. […] einen besonderen Blick zurück auf den Adventskalender des vergangenen Jahres mit dem Hl. Hilarius von Poitiers. Denn über Ostern 2017 hatte meine große Tochter Gelegenheit, anläßlich eines Besuchs bei ihrer […]

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