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Sketchlet zum Advent No 4: Das (Pasta-)Gericht

Das (Pasta-)Gericht

Sketchlet für vier Personen

Wundersdorf, Oderbruch. In der Küche der Familie Langenfeld. Richard und Edith setzen einen großen Topf Wasser auf und bereiten etwas zum Mittagessen vor. Emily und Teresa kommen in den Raum geschlendert.

Teresa: Was gi-ibt’s?

Edith: Laß dich überraschen! (Sie blinzelt ihrer Tochter zu.)

Richard (zu Emily): Ist eigentlich mit den Ministrantendiensten über die Feiertage alles klar?

Emily: Also, am Kaplan liegt’s diesmal jedenfalls nicht. Das mit seinem Blog da klappt eigentlich echt gut. Das heißt: Sobald er’s hinkriegt, daß Suchmaschinen den Blog erstmal finden…

Edith: Ach ja! Der Kaplan hat ja einen zweiten Blog aufgemacht.

Richard: Un-heimlich, diese Aktivität … (er grinst).

Edith: Wie heißt die Seite nochmal?

Teresa: Irgendwas mit Tauben.

Richard: Ah. Eine Gefälligkeit für den Weihbischof.

Emily: Wieso?

Richard: Na, die Gehörlosen liegen unserem Weihbischof doch ganz besonders am Herzen.

Edith (lacht): Ja! Das scheint ihm immer noch die liebste Kundschaft!

Richard: Die kriegen wenigstens nur mit, was man ihnen direkt erzählt.

Emily (leicht genervt): Nicht Taube – Tauben! Flatter flatter! (Sie wedelt schwungvoll mit den Armen.)

Edith und Richard (lachen): Ach so! – Also doch eher klassisch, die Benennung.

Edith: Na, was der Kaplan da neulich über die Atmosphäre im Wundersdorfer Pfarramt vom Stapel gelassen hat, in drei Messen hintereinander, das war ja auch definitiv für offene Ohren!

Richard: Stimmt! Da wäre ein Gebärdendolmetscher wahrscheinlich vor Schreck erstmal ausgestiegen.

Teresa: Oder hätte was anderes übersetzt – wie bei Asterix.

Emily: „Oh, Cholerik …“

Beide Kinder (skandieren zugleich): „… dein Übersetzer lügt!“ (Sie lachen und drücken mit dem Ausruf „Check“ ihre rechten Fäuste aneinander.)

Edith: Ist schon so! Solange sich ein „Vertriebenenbischof“ nicht auch um die kümmert, die von seinen eigenen Leuten aus den Gemeinden vertrieben werden, …

Richard: Vielleicht ist das ja sein guter Vorsatz für das neue Jahr?

Edith: Hm! Warten tun wir jedenfalls schon lange genug drauf! (Sie wirft eine Packung Spaghetti ins kochende Wasser.)

Teresa: Ah! Es gibt Nudeln!

Emily: Mit was für ‘ner Soße?

Edith: Hab ich doch schon mal gesagt: Laßt euch überraschen!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß es gute Vorsätze überall gibt, oder?
Und was mag nur mit der überraschenden Pasta-Zubereitung gemeint sein?
Lassen Sie sich überraschen! 🙂

 

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 22 „Dominus regit me…“

1 Psalmus David. Dominus regit me, et nihil mihi deerit:

2 in loco pascuæ ibi me collocavit. Super aquam refectionis educavit me,

3 animam meam convertit. Deduxit me super semitas justitiæ, propter nomen suum.

4 Nam, etsi ambulavero in medio umbræ mortis, non timebo mala, quoniam tu mecum es. Virga tua, et baculus tuus, ipsa me consolata sunt.

5 Parasti in conspectu meo mensam, adversus eos qui tribulant me ; impinguasti in oleo caput meum ; et calix meus inebrians quam præclarus est !

6 Et misericordia tua subsequetur me omnibus diebus vitæ meæ ; et ut inhabitem in domo Domini, in longitudinem dierum.

 

1 Ein Psalm Davids. Der HErr regieret mich, und nichts wird mir mangeln;

2 auf einem Weideplatze; da hat er mich gelagert; am Wasser der Erquickung mich erzogen;

3 meine Seele bekehret; mich geführt auf die Wege der Gerechtigkeit, um seines Namens willen.

4 Denn wenn ich auch wandle mitten im Todesschatten, so will ich nichts Uebles fürchten, weil Du bei mir bist. Deine Ruthe und dein Stab, die haben mich getröstet.

5 Du hast einen Tisch vor meinem Angesichte bereitet wider die, so mich quälen. Du hast gesalbet mit Oel mein Haupt; und mein berauschender Becher, wie herrlich ist er!

6 Und Deine Barmherzigkeit folget mir all die Tage meines Lebens;

7 daß ich wohne im Hause des HErrn in die Länge der Tage.

 

Wozu ein Hirte?

[…] Wir sind nicht unsere eigenen Hirten. In dieser Situation gibt es drei Mög­lichkeiten: ohne Hirten herumirren, dem falschen Hirten folgen, einem guten Hirten folgen.

Hemmirren: »Wir irrten alle herum wie Schafe« heißt es beim Propheten Jesaja (Jes 53,6), und der heilige Petrus wiederholt es (1. Petr 2,25). Der Prophet erläutert, was das heißt, »herumirren«: »Jeder sah auf seinen eigenen Weg.« Das ist die Irre: die Erhe­bung der Selbstbestimmung zum Selbstzweck, die Autonomie, in der jeder auf seinen eigenen Weg statt auf das Ziel blickt. […] Der Weg, das Tao, ist nie »der eigene« Weg, er ist uns gegeben. […]

Christus steigert den platonischen Gedanken von der »reinen Hirtenkunst« ins Absolute. […] Der irdi­sche Hirt ist nur ein Gleichnis der reinen Hirtenkunst.
Gott ist der Hirt der Menschen. Wir gehören Ihm. […]

Das ist der Grund des Jubels für den Beter: Der Herr ist mein Hirt. Der Satz drückt aus: Ich bin nicht ein Staubkorn im Weltall, ich bin nicht an äußere Zwecke, Zwänge, Funktionen entfremdet, sondern heimgekehrt zum Ursprung des eigenen Wesens: »Ihr wart wie irrende Schafe. Nun aber seid ihr heimgekehrt zum Hir­ten und Bischof eurer Seelen.« (1. Petr 2,25) […]
Unsere Sache ist Seine Sache, weil alles Seine Sache ist. Wenn der gute Weg letzten Endes schei­terte, so wäre Gott gescheitert. Gott aber scheitert nicht. Daß Er uns den guten Weg führt »um Seines Namens willen«, das ist der höchste Ausdruck unserer Geborgenheit in Gott. […]

Und nun wird aus der metaphorischen Rede des Psalms eine symbolische. An die Stelle der grünen Wiese tritt der »im Ange­sicht der Feinde« gedeckte Tisch. Im Angesicht der Feinde am gedeckten Tisch sitzen und es sich schmecken lassen – nichts demonstriert schöner die Ohnmacht der feindlichen Gewalt. Der Zecher kämpft nicht. Er ist physisch und psychisch in Sicherheit. Der Anblick der wütenden Feinde verdirbt ihm nicht einmal den Appetit. Das Mahl, das hier angerichtet ist, ist nämlich ein Mahl jenseits aller Bedrohungen, ein Mahl von jenseits der Todes­grenze. Es ist für die Feinde prinzipiell unerreichbar. Sie müssen sogar, ohne es zu wollen, noch helfen, den Tisch zu decken, das heißt die Speise herzurichten, die darin besteht, den Willen des Vaters zu tun. So haben die alten Märtyrer ihre Henker gar nicht als Feinde wahrgenommen, sondern als solche, die ihnen die Tür zum ewigen Gastmahl öffnen, eine Perspektive, die den Feinden ganz verborgen bleibt. […]

Die sakramentale Welt

[…] Accipiens et hunc praeclarum calicem. »Auch nahm Er diesen herrlichen Kelch.« Calix meus inebrians quam praeclarus est […] – »Wie herrlich ist mein Becher, der mich trunken macht.« Der Verfasser der Wandlungsworte im Kanon der Messe und der heilige Hieronymus, der Verfasser der Vulgata, wußten beide, wovon hier die Rede ist. Das Wort praeclarus, das weder im Abendmahlsbericht der Evangelien noch im Urtext des 2[2]. Psalms eine Entsprechung hat, dient dem christlichen Beter als geheimes Codewort, das beide Texte für immer aufeinander bezieht. Schon vor Hieronymus diente der Psalmtext etwa dem heiligen Cyrill von Jerusalem dazu, den Neugetauften den Sinn der Eucharistie aufzuschließen. […]

»Weilen im Hause des Herrn«[:] Wer am Tisch des Herrn Platz genommen hat, wessen Haupt mit Öl gesalbt wurde, wer in die sakramentale Welt der Kirche eingetreten ist, der steht nicht mehr auf Messers Schneide, nicht am Scheideweg zwischen Gut und Böse. Er muß auch nicht mehr allein gegen den Strom schwimmen, bis womöglich seine Kräfte schwinden, gegen den gewaltigen Strom derer, die die breite Straße ins Verderben ge­hen. Er ist schon in der Arche, im Haus des Herrn, und darf dort bleiben – für die Länge der Tage. […]

 

Der erste Vers des Psalms klingt in der Fassung von Allioli zunächst sehr ungewohnt, denn die bekannte Wendung: „Der HErr ist mein Hirte‘, bzw. ‚Der HErr weidet mich‘ (da gehört wohl auf jeden Fall eigentlich ein Verb und kein Substantiv hin!) fehlt. Das lateinische Verb „regere“ („regit“: 3. Person Singular Präsens Indikativ Aktiv) heißt „lenken, regieren, abgrenzen, zurechtweisen, beherrschen, herrschen, leiten, verwalten“ (heutzutage würde man wohl noch „managen“ hinzufügen…) und das gilt, wenn ich es richtig verstanden habe, auch für das ursprüngliche hebräische Wort, das aber eben auch „weiden“ bedeutet. Das hat ja in der Praxis mit den obigen Tätigkeiten auch eine ganze Menge zu tun! So ist auch der auch der antike Sprachgebrauch vom König als dem ‚Hirten seines Volkes‘ zunächst völlig „praktisch“ zu verstehen. Auch wenn so an ‚pastoraler Emotionalität‘ einiges verlorengeht, gewinnen wir damit auf der anderen Seite eine wichtige Bedeutungsebene dazu!

Die dahinter stehende Übersetzungsgeschichte umfaßt, soviel steht fest, die Septuaginta, den Hl. Hieronymus, das Konzil von Trient und mehrere (heilige) Päpste und (heilige wie weniger heilige) Kardinäle und sie kam erst 1979 zu einem (vorläufigen) Abschluß, der aber nicht befriedigen kann. Ich hoffe irgendwann einmal genug davon zu verstehen, um es auch schildern zu können; warten Sie aber besser nicht drauf – das kann noch dauern. (GL)

Übrigens: Auf diesem Niveau kann das, seit dem Wechsel in der Leitung vor einiger Zeit, der Kirchenchor an Herz-Jesu-Weimar auch, das Stück gehört zum Repertoire! Ob irgendwann einmal etwas davon auch „nach außen dringen“ wird?

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 21 „Deus, Deus meus, respice in me…“

2 Deus, Deus meus, respice in me: quare me dereliquisti ? Longe a salute mea verba delictorum meorum.

3 Deus meus, clamabo per diem, et non exaudies ; et nocte, et non ad insipientiam mihi.

4 Tu autem in sancto habitas, laus Israël.

5 In te speraverunt patres nostri ; speraverunt, et liberasti eos.

15 Sicut aqua effusus sum ; et dispersa sunt omnia ossa mea. Factum est cor meum tamquam cera liquescens in medio ventris mei.

20 Tu autem, Domine, ne elongaveris auxilium tuum a me; ad defensionem meam conspice.

23 Narrabo nomen tuum fratribus meis; in medio ecclesiæ laudabo te.

26 Apud te laus mea in ecclesia magna; vota mea reddam in conspectu timentium eum.

27 Edent pauperes, et saturabuntur; et laudabunt Dominum qui requirunt eum ; vivent corda eorum in sæculum sæculi.

29 quoniam Domini est regnum, et ipse dominabitur gentium.

31 Et anima mea illi vivet ; et semen meum serviet ipsi.

32 Annuntiabitur Domino generatio ventura ; et annuntiabunt cæli justitiam ejus, populo qui nascetur, quem fecit Dominus.

 

2 Gott, mein Gott, schau auf mich; warum hast du mich verlassen? Das Geschrei meiner Sünden entfernet mein Heil.

3 Mein Gott; ich rufe des Tages und Du erhörest nicht; des Nachts, ist es nicht umsonst für mich?

4 Aber Du wohnest im Heiligthume, Lob Israels!

5 Auf dich haben gehofft unsere Väter; sie haben auf Dich gehofft,  und Du hast sie errettet.

15 Wie Wasser bin ich ausgegossen, und aufgelöst sind alle meine Gebeine. Mein Herz ist wie geschmolzenes Wachs geworden in meinem Leibe.

20 Du aber, HErr, entferne Deine Hilfe nicht von mir, schau her zu meinem Schutze.

23 Ich will Deinen Namen verkündigen meinen Brüdern, mitten in der Gemeine [sic!] Dich preisen.

26 Bei Dir ist mein Lob in der großen Gemeine [sic!]; meine Gelübde will ich erfüllen im Angesicht derer, die Ihn fürchten.

27 Es werden essen die Armen, und satt werden, und den HErrn loben, die Ihn suchen; ihre Herzen werden leben in alle Ewigkeit.

29 Denn das Reich ist des HErrn; und er wird herrschen über die Heiden.

31 Und meine Seele wird ihm leben; und mein Same ihm dienen.

32 Nach dem HErrn wird genannt werden das künftige Geschlecht; und die Himmel werden erzählen seine Gerechtigkeit dem Volke, so geboren wird, das gemacht hat der HErr.

 

»Eli, Eli, lama sabachtani!«

Der 2[1]. Psalm ist für jeden Christen der heiligste aller Psal­men, weil Jesus Christus selbst sich dieses Gebet am Kreuz zu eigen gemacht hat. […] Und in einem letzten Sinn ist dieser Schrei des Got­tessohnes am Kreuz ein für alle Mal erklungen; niemals mehr kann er im gleichen Sinne gerufen werden, nachdem das Schick­sal der Gottverlassenheit, der Einsamkeit der Gottferne – von Gott selbst erlitten […] wurde[…] Aber daß am Kreuz Christi der Psalm zum letzten Mal authentisch gebetet wurde, das gilt doch nur in einem »letzten Sinne«. Und es gilt nur, weil dieser Klageschrei bis zum Ende der Tage über der Welt schwebt. […]

Unterdessen aber wird diese Erfahrung weiter gemacht, von Generation zu Generation, von Einzelnen in Not, von De­pressiven, von Christen, die die Glaubenserfahrung verlieren und ins Dunkel geraten, von der Kirche, in immer neuen Bedrängnis­sen, wo alle Perspektiven schwinden. […]

Das Leiden des Frommen ist deshalb so groß, weil er weiß, daß da Einer ist, der hören könnte. Darum die Frage: »Warum?« Der Gottlose stellt diese Frage nicht, denn er geht davon aus, daß es kein »Weil« gibt. Der Beter weiß, daß es ein Weil, daß es einen Sinn gibt, aber er sieht und erfährt ihn nicht. Die Warumfrage ist ein Akt der Gottesverehrung. Denn sie erkennt an, daß es den gibt, der sie beantworten könnte. […]

Daß Gott ist, ist genug. Aber Er ist darüber hinaus der Gott Seines Volkes. Er hat die Väter, die auf Ihn hofften, gerettet. […] Es gab die Zeiten größerer Nähe Gottes, es gab die unvordenkliche Vorzeit. Und unser Gottesbild gewinnt seine unendliche Tiefe nur, wenn es uns Gott nicht nur als Gott der Gegenwart und Zukunft, sondern als Gott unserer Väter verstehen läßt. […] (RS)

Christus spricht: »Mein Herz ist wie flüssiges Wachs in der Mitte meines Leibes.« Meine Weisheit, die in den heiligen Büchern von mir geschrieben steht, wurde wie gleichsam hart und verschlossen nicht begriffen, aber nachdem das Feuer meines Leidens hinzukam, wurde sie, gleichsam flüssig, offenbar, und ging ein ins Gedächtnis meiner Kirche. (AA)

Der Beter resigniert nicht vor dem Schweigen Gottes. Das ist das Kennzeichen des Glaubens. […] Der Beter hält sich in der Gottverlassenheit an Gott fest. Er hört nicht auf, »Warum« zu fragen, vor Gott an Gott zu appellieren. […]

Nur wenige Menschen können einen solchen Psalm als Aus­druck ihrer persönlichen Situation beten, obgleich es immer Men­schen gibt, die ihn so beten können. Denken wir nur an Christen unseres Jahrhunderts in Ländern, in denen sie bedrängt und an­gegriffen werden, wo der Grausamkeit gegen sie keine Grenze gesetzt ist. Christi Agonie wird, wie Pascal sagt, »bis ans Ende der Welt dauern«. Sein Leiden setzt sich fort in jedem Seiner leiden­den Glieder. […]

Auf­erstehung, Anfang der Ewigkeit

[…] So kann Christus als der Beter dieses Psalms mit dem Dank für seine Errettung den universalen Dank in medio ecclesiae, »in der Mitte der Gemeinde«, in Aussicht stellen. »Verkünden will ich Deinen Namen dann den Brüdern …« Daß Gottes Name wei­tergesagt, daß Er in der Welt, in der Gemeinschaft der Kirche, adäquat verherrlicht wird, das ist das »Gelübde« des Messias ge­genüber dem Vater. […]

[…] Dieses Gelübde der großen Danksagung, der eucharistia, löst der Auferstandene ein, indem Er sein Leiden und seine Auferstehung zur dauernden Opferfeier der ecclesia magna macht. Vom Mahl aber, das zu die­sem Opfer gehört, »essen die Armen und werden satt«. Und zwar ewig: Vivent corda eorum in saeculum saeculi. Die Armen — das sind die, »die den Herrn suchen«, die Trauernden, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit. Die, die physischen Hunger und Durst haben, sind sozusagen »von Natur« prädestiniert, zu diesen Armen im Geist zu gehören. Sie alle werden, so sagt der Psalm, den Herrn preisen. […]

Der Psalm spricht einerseits von »allen Geschlechtern der Heiden«, die sich zum Herrn bekehren, dann aber von seinen »Nachkommen«, vom »Volk, das geboren wird«. Es ist die Vision der Kirche, der ecclesia magna aus allen Völkern. Immer neu wird dieses Volk geboren aus der Kraft des Todes und der Auferstehung Christi. So betet die Kirche in der Osternacht, daß Gott in dieser Nacht, wie Er ver­sprochen, den Abraham zum Vater vieler Völker macht. Der Anfang des Psalms ist der Ausdruck der äußersten Enge und Be­drängnis, das Ende ist die Vision der großen Schar, die niemand zählen kann und die das Lamm anbetet. Ein Volk, das nicht von Natur existiert, das »nicht aus dem Verlangen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren ist« (Joh 1,13). »Denn Er hat es gemacht. « (RS)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 20 „Domine, in virtute tua…“

2 Domine, in virtute tua lætabitur rex, et super salutare tuum exsultabit vehementer.

3 Desiderium cordis ejus tribuisti ei, et voluntate labiorum ejus non fraudasti eum.

4 Quoniam prævenisti eum in benedictionibus dulcedinis ; posuisti in capite ejus coronam de lapide pretioso.

8 Quoniam rex sperat in Domino; et in misericordia Altissimi non commovebitur.

9 Inveniatur manus tua omnibus inimicis tuis; dextera tua inveniat omnes qui te oderunt.

14 Exaltare, Domine, in virtute tua ; cantabimus et psallemus virtutes tuas.

 

2 HErr, in Deiner Kraft erfreuet sich der König, und über Dein Heil frohlocket er gar sehr.

3 Den Wunsch seines Herzens gabest Du ihm, und das Verlangen seiner Lippen entzogest du ihm nicht.

4 Denn Du bist ihm zuvorgekommen mit Segnungen der Süßigkeit; setztest auf sein Haupt eine Krone von Edelstein.

8 Denn der König hoffet auf den HErrn; und in der Barmherzigkeit des Allerhöchsten wanket er nicht.

9 Laß finden Deine Hand alle deine Feinde; deine Rechte finde alle, die dich hassen!

14 Erhebe dich, HErr, in Deiner Kraft! wir wollen singen, lobsingen Deiner Kraft.

 

Dieser Psalm ist wieder ein kontemplatives Gebet: Es wird nicht um etwas gebeten – außer in Vers 14 der Beter bringt keine Wünsche vor Gott, sondern feiert, was ist. Solche Feier ist der Keim des seligen Lebens. Auch all unseren Klagen und Bit­ten, sofern wir sie vor Gott bringen, muß doch die fundamentale Zustimmung voraufgehen zu dem, was Gott ist, vor aller Zuwen­dung zu uns: Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam, »Wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit« – das ist das wichtigste Gebet. […]

Das wahre, einzige Bild Gottes, die Epiphanie Gottes ist der König Jesus Christus. Er spielt nicht eine – Ihn notwendig über­fordernde – Rolle, Seine Autorität ist nicht institutionell begrün­det, sondern in Seiner Person. Er kann Gott repräsentieren, weil Er Gott ist: »Wer mich sieht, der sieht den Vater.« (Joh 14,9) Das Volk, das im Blick auf Ihn, den am Kreuz erhöhten Menschen, seine Identität gewinnt, findet sie nicht in einem mythischen Bild, sondern im lebendigen Gott selbst.

Der 2[0]. Psalm kann als eine Meditation über die Herrlichkeit Jesu beim Vater gelesen werden. In Jesus ist Gott für die Men­schen da. Aber nicht, damit der Mensch bei sich bleibt, sondern damit er in der Liebe zu Jesus lernt, Gott über alles zu lieben. Die funktionale Christologie ist deshalb so verhängnisvoll, weil sie den Menschen gerade um das bringt, worum es letztlich Christus geht: den Menschen wieder auf Gott zu beziehen. Sie interpre­tiert Jesus durch eine »Rolle«, während wir doch Ihn selbst lieben sollten, und durch Ihn Gott: »Simon, liebst du mich?« (Vgl. Joh 21,15-17) »Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe.« (Joh 14,28)

Ist der 2[0]. Psalm in einer Hinsicht eine Meditation über die Verherrlichung und das Königtum Jesu, so können wir ihn doch auch beten im Hinblick auf jeden Heiligen, auf jeden Christen, der in die Herrlichkeit Gottes eingegangen ist. Er nimmt teil am Königtum Christi. Ein »auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum« nennt der Apostel die Christen (1. Petr 2,9). Jeder Heilige ist ein König. […]
Die Heiligen sind die Menschen, die durch ihre völlige Hingabe an Gott ganz frei geworden sind. Des­halb herrschen sie, deshalb sind ihnen die Dinge zu Willen, des­halb wirken sie Wunder. Deshalb können wir sie anrufen, und sie können mehr bewirken als jeder irdische Herrscher. Wir können den 2[0]. Psalm auch ganz bewußt im Gedächtnis eines bestimm­ten Heiligen beten.

Die nächsten Verse sprechen von den Mächten, die sich der Herrschaft des Königs widersetzen, sie zu vernichten streben. […]
[D]as König­tum Christi, das Königtum der Liebe, verfolgt das feindliche We­sen bis in seine letzten Schlupfwinkel. »Deine Rechte wird alle finden, die Dich hassen.« […]

Die Herrschaft Christi trifft das Böse in der Wurzel. Die Liebe verwandelt nämlich die Wurzel, Gott gibt »ein neues Herz« (Hes 36,26). […] Das Herz des Menschen, aus dem nach dem Wort des Herrn alles Böse kommt, wird unter Seiner milden Herrschaft verwandelt. Dem Bösen werden so die Fluchtwege, die immer neuen Ausflüchte abgeschnitten. […]

Im letzten Vers mündet die Feier des Handelns Gottes an Seinem Gesalbten in einen Ruf: »Herr, erhebe Dich in Deiner Kraft…« Das Geschehen, das wir feiern, ist ja nicht abgeschlos­sen, und wir sind nicht Zuschauer. Es vollzieht sich in der Zeit, und wir sind beteiligt. Unser ewiges Schicksal steht auf dem Spiel. Das Reich Gottes kommt – so oder so. Aber es gehört zum Kom­men dieses Reiches, daß es als Erfüllung unserer Sehnsucht kommt, als Antwort auf den Ruf: »Dein Reich komme!« (RS)

 

Redaktioneller Hinweis:

Dieser Eintrag im Adventskalender 2014 stellt zugleich den 500. auf PuLa veröffentlichten Beitrag dar. Niemals hätte ich mir das im Frühjahr 2011 vorzustellen vermocht – aus ganz vielen und ganz verschiedenen Gründen…
Dies ist nun nicht der geeignete Zeitpunkt für eine Reflexion über dieses „Jubiläum“, aber ich denke, das werde ich nachholen, es könnte an der Zeit sein, für ein paar grundsätzlichere Betrachtungen über diese spezielle Form des Bloggens und über das, was einem dabei begegnet ist –Gutes wie Schlimmes.
Nur eines soll, nein, muß heute schon gesagt werden: So sicher wie der Mensch über sein eigenes Herz (geschweige denn sein ganzes Schicksal!) sein kann, so sicher bin ich mir: 5oo waren erst der Anfang.

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 19 „Exaudiat te Dominus…“

2 Exaudiat te Dominus in die tribulationis; protegat te nomen Dei Jacob.

3 Mittat tibi auxilium de sancto, et de Sion tueatur te.

5 Tribuat tibi secundum cor tuum, et omne consilium tuum confirmet.

7 Impleat Dominus omnes petitiones tuas ; nunc cognovi quoniam salvum fecit Dominus christum suum. Exaudiet illum de cælo sancto suo, in potentatibus salus dexteræ ejus.

8 Hi in curribus, et hi in equis; nos autem in nomine Domini Dei nostri invocabimus.

9 Ipsi obligati sunt, et ceciderunt, nos autem surreximus, et erecti sumus.

 

2 Der HErr erhöre dich am Tage der Trübsal; der Name des Gottes Jacobs beschirme dich.

3 Er sende dir Hilfe aus dem Heiligthume; und von Sion aus beschütz‘ er dich.

5 Er gebe dir nach deinem Herzen, und all deine Rathschläge erfüll‘ er.

7 Der Herr erfülle all dein Begehren! Nun erkenn‘ ich, daß der Herr geholfen seinem Gesalbten; er wird ihn erhören von seinem heiligen Himmel; denn mächtig ist das Heil seiner Rechten.

8 Diese verlassen sich auf Wagen, und jene auf Rosse; wir aber rufen den Namen des HErrn, unsers Gottes, an.

9 Sie werden verstrickt, und fallen; wir aber stehen [erheben uns] und stehen aufrecht.

 

Glück-Wünsche für den König, den »Gesalbten Gottes«

[…] Segenswünsche wie die dieses Psalms sind gemeint als Wünsche, die einen Einfluß haben auf die Herbeiführung des Gewünschten. Nicht freilich im Sinne einer direkt wirkenden Magie. Magie ist ja Schöpfung, Hervor­bringung durch bloßen Willensakt. Wir sind nicht Schöpfer. […]
Wo […] Gott als lebendiger Gott gedacht wird, als Liebe, da sind unsere Wünsche nicht einfach nichtige Regungen, die der Gottesfreund zu tilgen hat. Er muß sie nicht tilgen, er muß sie opfern, das heißt Gott übergeben. Sie gehen als leben­dige Elemente ein in den Willen Gottes, wenn sie unter dem generellen Vorzeichen stehen: »Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.« (Lk 22,42) […] Die Freundschaft mit Gott, die Zugehörigkeit zu seinem Bundesvolk macht jeden zum »Magier« […]

Der [19]. Psalm formuliert Wünsche, die nicht falsch sein kön­nen. Er wünscht Gelingen dem, der von Gott Seinem Volk als König vorangestellt ist, um ihn seiner Bestimmung zuzuführen. Für den Christen ist es offensichtlich ein Gebet für Jesus, den Gesalbten. Aber wie können wir für Christus beten, der selbst auf dem Throne Gottes sitzt? Seine Aufgabe auf der Erde ist noch nicht zu Ende. Sein Leib, die Kirche, setzt leidend und kämpfend das Erlösungswerk fort. […]

Das Geheimnis der Segenswünsche

Der zweite Vers nennt das Arcanum der Magie der Segens­wünsche: den »Namen des Gottes Jakobs«. »Der Name des Got­tes Jakobs schütze dich.« Der Name Gottes, das ist die Weise, wie Gott, der in unzugänglichem Lichte wohnt, unter uns gegenwär­tig ist. […]
Nicht von ungefähr ist hier vom Namen des Gottes Jakobs die Rede. Nach dem nächtlichen Kampf mit Gott und nachdem Gott ihm den Namen Israel gegeben hat, fragt Jakob den göttlichen Sieger nach seinem Namen. Gott antwortet: »Warum fragst du, wie ich heiße? Und Er segnete ihn.« (Gen 32,30) Er erfüllt die Bitte: »Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn.« (Gen 32,27)
Der Segen, das ist die Antwort auf die Frage nach dem Namen. Der Segen, das heißt Er, der Mächtige, ist für ihn, für Jakob da. Er nimmt Jakob auf in die Kraft, durch die dieser zuvor gelähmt wurde. […]

[D]er Segenswunsch schließt auch ein, daß der Beter sein Leben wirklich auf das Anrufen des Namens des Herrn gründet und nicht zu jenen gehört, die sich auf Wagen und Rosse verlassen. Hier gibt es ein Entweder-Oder. Je rückhaltloser wir auf eigenes Kalkül, eigene Machtmittel, eigene Geschicklichkeit, List, Prestige und so weiter verzichten und uns auf den Namen des Gottes Jakobs verlassen, desto mächtiger wird die göttliche Magie unserer Glückwünsche. Und je mehr wir uns doch für den Fall des Falles selbst absichern, umso schwächer wird diese Magie. […]

Wir sollten allen, die für die Sache Christi ein Unternehmen, eine Reise, eine Handlung beginnen, oft mit dem Beten des [19]. Psalms beistehen. (RS)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 18 „Cæli enarrant gloriam Dei…“

2 Cæli enarrant gloriam Dei, et opera manuum ejus annuntiat firmamentum.

3 Dies diei eructat verbum, et nox nocti indicat scientiam.

4 Non sunt loquelæ, neque sermones, quorum non audiantur voces eorum.

5 In omnem terram exivit sonus eorum, et in fines orbis terræ verba eorum.

6 In sole posuit tabernaculum suum; et ipse tamquam sponsus procedens de thalamo suo. Exsultavit ut gigas ad currendam viam;

7 a summo cælo egressio ejus. Et occursus ejus usque ad summum ejus ; nec est qui se abscondat a calore ejus.

9 Justitiæ Domini rectæ, lætificantes corda; præceptum Domini lucidum, illuminans oculos.

10 Timor Domini sanctus, permanens in sæculum sæculi ; judicia Domini vera, justificata in semetipsa.

 

2 Die Himmel erzählen die HErrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke Seiner Hände.

3 Ein Tag bringt dem andern das Wort herfür, und eine Nacht meldet der andern die Kunde.

4 Es ist keine Sprache, es ist kein Wort, deren Stimme man nicht hörete;

5 über die ganze Erde gehet aus ihr Schall, und bis an die Enden des Erdkreises ihr Wort.

6 In der Sonne hat Er seine Wohnung gesetzt; und sie geht hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer; frohlocket wie ein Riese, zu laufen den Weg.

7 Vom äußersten Himmel ist ihr Ausgang, und ihre Rückkehr am Aeußersten desselben; und es ist niemand, der sich bergen kann vor ihrer Hitze.

9 Die Rechte des HErrn sind gerade, und erfreuen die Herzen; das Gebot des HErrn ist hell und erleuchtet die Augen

10 Die Furcht des HErrn ist heilig und dauert in Ewigkeit; die Gerichte des HErrrn sind wahrhaft, gerechtfertigt in sich selbst.

 

Natur und Offenbarung

Es wird von Christus gesungen. In Ihm nämlich lag die große, die volle Gnade, von der der Apostel Jo­hannes spricht: »Wir haben Seine Herrlichkeit gesehen voll Gnade und Wahrheit.« (Jo.1,14.) (AA)

[…] Der Psalm entstand vor [dem] Sich-Zeigen Gottes in seinem Sohn. Er spricht von den beiden Erscheinungsweisen der Herr­lichkeit, die trotz ihrer Endlichkeit das Siegel der Göttlichkeit, der Authentizität tragen und für uns als Betende bleibenden Offenbarungscharakter haben: die Schöpfung und das geoffenbarte Gesetz. […] (RS)

In der Sonne richtete Er Sein Zelt auf. In der Allsichtbar­keit Seine Kirche. Was also, Häretiker, fliehst du ins Dun­kel? (AA)

Der Christ kann die Natur nie nur als Herrschaftsobjekt sehen. Sie ist Erscheinung der Herr­lichkeit, Gegenstand der Betrachtung. Sie hat eine sonntägliche Seite, und diese ist die wichtigste. Ein kontemplatives Verhältnis zur Natur ist ein unverzichtbares Element der christlichen Fröm­migkeit. […] Wer Naturfrömmigkeit gegen Offenba­rungsfrömmigkeit ausspielt, versteht auch nichts von Offenba­rungsfrömmigkeit. Die Natur spricht von der Herrlichkeit Gottes zu dem, der diese Sprache zu deuten weiß. […]

Nach den Worten des Psalms spricht die Natur nicht nur zum Menschen, sondern das Natürliche spricht auch zueinander: »Ein Tag sagt s dem andern, und eine Nacht gibt kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte.« […]

Aber das alles sehen nur die, die den wortlosen Schall verste­hen, das – nach der Formulierung Eichendorffs – »Lied, das in den Dingen schläft«:

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“

Gesetz und Furcht des HErrn

Wer interpretiert es authentisch? Der zweite Teil des Psalms spricht vom Gesetz, der Thora, der geoffenbarten gött­lichen Weisung. Sie macht das Unhörbare hörbar. Sie erschließt das »schlafende Lied«. […]
Das Offenbarwerden des göttlichen Ge­setzes für die Menschen ist nicht Einengung anfänglicher Frei­heit, sondern das »Es werde Licht«, das »den Unwissenden weise macht«. Weise werden scheint nur für den Unwissenden »unfrei werden« zu bedeuten. Dem wissend Gewordenen »erfreuen sie das Herz«. […] Das er­leuchtete Auge ist das reine Auge, dem die Dinge so erscheinen, wie sie sind; das Auge ohne Falsch, ohne Hintergedanken, das ohne Mühe Hell und Dunkel, Gut und Böse unterscheidet. Die Weisungen des Herrn nehmen alles Trübe vom Auge weg.

Im zehnten Vers spricht der Psalmist von der Haltung, die der Beter dem sich zeigenden Gott entgegenbringt: »Furcht des Herrn«. Sie »ist rein und bleibt ewig«. Nicht die Furcht des Knechtes kann hier gemeint sein, nicht Furcht vor Strafe. Denn diese ist nicht rein, sondern unrein; sie ist nicht ewig, sondern vergänglich. (RS)

Die Furcht des Herrn ist nicht knechtisch, sondern keusch. Umsonst liebend, fürchtet sie nicht, von Dem ge­straft zu werden, vor Dem sie zittert, sondern von Dem geschieden zu werden, den sie liebt. Das ist die keusche Furcht, nicht die, die vollendete Liebe austreibt, sondern die durchbleibt in die Ewe der Ewen. [Ewigkeiten, GL] Diese ist der Heilige Geist. (AA)

Gemeint ist die Haltung des Menschen, des Ge­schöpfes gegenüber dem unerschaffenen Licht, gegenüber der Heiligkeit Gottes. Es gibt kein Bewußtsein von dieser Heiligkeit ohne das Gefühl der eigenen Nichtigkeit. Wo diese Nichtigkeit, die Kontingenz, die Gleichgültigkeit eines solchen Geschöpfs mithilfe von Gottes Liebe mit unendlicher Bedeutung ausgestat­tet wird, wo sie in das dreifaltige Leben Gottes hineingenommen wird, da hebt diese Liebe doch nie den unendlichen Abstand und das Bewußtsein desselben auf. Ja, nur der Mensch, der im Ange­sicht der Heiligkeit Gottes von dieser Furcht – dieser Ehrfurcht -ergriffen ist, kann überhaupt die Heiligkeit erfahren und in den Strom ihrer Liebe eintauchen. Diese Furcht bleibt deshalb ewig. Sie ist ein Bestandteil unserer Seligkeit. Das Gesetz Gottes aber ist es, das uns diese Furcht lehrt. Es konfrontiert uns mit einem Sollen, das uns die Unbedingtheit, die Heiligkeit seines Urhebers erfahren läßt. So bringt es uns in die Wahrheit unseres Seins: »Die Rechte des Herrn sind Wahrheit, allesamt gerecht.« (RS)

Gottes Gerichte sind wahr, gerechtfertigt in sich selbst: zur Sammlung der Einheit, dies nämlich besagt in sich selbst. Das ist der Heilige Geist. Darum ließ Er die Ersten, in die Er fuhr, in allen Zungen reden, weil Er ankündigte, daß Er die Sprachen aller Völker in eins versammeln wollte. Was damals ein Mensch aus dem Heiligen Geiste tat, das tut jetzt die Einheit selbst: sie redet in allen Zungen. Ja, auch jetzt redet ein Mensch in allen Völkern die Zungen aller, der eine Mensch Haupt und Leib, der eine Mensch, Christus und Kirche, der vollkommene Mensch, Er Bräutigam, Er Braut. (AA)

 

Den wunderbaren Psalm 18 kürzen zu müssen, zerreißt einem fast das Herz und das gilt auch für die Spaemannsche Auslegung. Hier kommt zu sich selbst, was es bedeuten kann, wenn ein gläubiger Philosoph so einen Text betrachtet; wenn Ihnen gefallen hat, was Sie gerade gelesen haben: Es ist nur ein kleiner Ausschnitt!
Und das „Zwiegespräch“ mit dem Hl. Augustinus, das sich da so über die Jahrhunderte hinweg ergab, zumindest anzudeuten, war mir eine große Freude. (GL)

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 17 „Diligam te, Domine, fortitudo mea…“

2 Diligam te, Domine, fortitudo mea.

3 Dominus firmamentum meum, et refugium meum, et liberator meus. Deus meus adjutor meus, et sperabo in eum ; protector meus, et cornu salutis meæ, et susceptor meus.

4 Laudans invocabo Dominum, et ab inimicis meis salvus ero.

7 In tribulatione mea invocavi Dominum, et ad Deum meum clamavi: et exaudivit de templo sancto suo vocem meam ; et clamor meus in conspectu ejus introivit in aures ejus.

11 Et ascendit super cherubim, et volavit; volavit super pennas ventorum.

12 Et posuit tenebras latibulum suum; in circuitu ejus tabernaculum ejus, tenebrosa aqua in nubibus aëris.

17 Misit de summo, et accepit me; et assumpsit me de aquis multis.

20 Et eduxit me in latitudinem; salvum me fecit, quoniam voluit me,

26 Cum sancto sanctus eris, et cum viro innocente innocens eris,

27 et cum electo electus eris, et cum perverso perverteris.

28 Quoniam tu populum humilem salvum facies, et oculos superborum humiliabis.

29 Quoniam tu illuminas lucernam meam, Domine; Deus meus, illumina tenebras meas.

30 Quoniam in te eripiar a tentatione; et in Deo meo transgrediar murum.

38 Persequar inimicos meos, et comprehendam illos ; et non convertar donec deficiant.

42 Clamaverunt, nec erat qui salvos faceret ; ad Dominum, nec exaudivit eos.

45 Populus, quem non cognovi, servivit mihi ; in auditu auris obedivit mihi.

47 Vivit Dominus ! et benedictus Deus meus ! et exaltetur Deus salutis meæ !

50 Propterea confitebor tibi in nationibus, Domine, et nomini tuo psalmum dicam ;

51 magnificans salutes regis ejus, et faciens misericordiam christo suo David, et semini ejus usque in sæculum.

 

2 Ich will Dich lieben, HErr, meine Stärke,

3 HErr, meine Veste, und meine Zuflucht, und mein Erretter, mein Gott, mein Helfer; und ich will auf Ihn hoffen; mein Beschirmer, und Horn meines Heiles, der mich aufnimmt.

4 Ich will den HErrn loben und anrufen, so werd ich errettet von meinen Feinden

7 In meiner Trübsal rief ich zu dem HErrn, und schrie zu meinem Gott: und er erhörte meine Stimme aus Seinem heiligen Tempel, und mein Geschrei vor seinem Angesichte ist gekommen zu Seinen Ohren.

11 Und Er stieg auf die Cherubim, und flog; Er flog auf den Flügeln des Windes.

12 Und Er setzte Finsternis zu seinem Verstecke, rings um sich her zu Seinem Zelte, Wasserdunkel in den Wolken der Luft.

17 Er sandte aus der Höhe, und faßte mich, und zog mich aus vielen Wassern.

20 Und Er führte mich in’s Weite; rettete mich, weil Er mich liebte.

26 Mit dem Heiligen wirst Du heilig sein, und mit dem unschuldigen Manne unschuldig

27 Mit dem Auserwählten wirst Du auserwählt seyn, und mit dem verkehrten verkehrt.

28 Denn dem demüthigen Volke wirst Du helfen, und die Augen der Stolzen demüthigen.

29 Denn Du, HErr, erleuchtest meine Leuchte; mein Gott, erleuchte meine Finsterniß!

30 Denn durch Dich wird‘ ich entrissen der Versuchung, und mit meinem Gott überspring‘ ich die Mauer.

38 Ich will meine Feinde verfolgen, und sie ergreifen, und nicht umkehren, bis sie vertilgt sind.

42 Sie riefen zu dem HErrn, und es war keiner, der half; und er erhörte sie nicht.

45 Ein Volk, das ich nicht kannte, dienet mir, es hören ihre Ohren, und sie gehorchten mir.

47 Es lebet der HErr, und gepriesen sey mein Gott, und erhoben der Gott meines Heils!

50 Darum will ich Dich, HErr, preisen unter den Völkern, und Deinem Namen Lobgesang bringen;

51 der Du herrlich machest das Heil Seines Königs, und Barmherzigkeit thust an Seinem Gesalbten David, und an seinem Samen ewiglich.

 

Das Gebet eines Königs

[…] So müs­sen wir den Psalm zunächst als Gebet des Auferstandenen, in persona Christi, sprechen. Erst dann rücken die Worte ein in ihren eigentlichen Sinn. Und dann gewinnen sie auch Sinn für uns, die wir »mit Christus auferstanden sind«, deren Leben aus der großen Rettung stammt, das heißt: die wiedergeboren sind. (RS)

Er stieg empor über die Cherubim, und schwebte. Erhaben über die Fülle der Wissenschaft, damit niemand zu Ihm gelangen könnte außer durch Liebe.
Und bestellte Dunkelheiten zu Seinem Versteck. Dunkel­heiten der Sakramente und eine dunkle Hoffnung in den Herzen der Glaubenden, um Sich dort zu verstecken, nicht um sie zu verlassen.
Dunkles Wasser ist in den Wolken der Luft. Und nicht weil einer die Schriften recht versteht, halte er sich schon für versetzt in jenes Licht, das kommen soll, wenn wir aus Glaube in Schau übergehen. (AA)

Die Erhörung hat kosmische Ausmaße: Erdbeben, Finsternis, »des Erdbodens Tiefe ward aufgedeckt«. Es werden die Ereignisse geschildert, die beim Tod auf Golgatha stattfanden. […] Die kosmische Bedeutung des Todes Christi wird in jenen Ereig­nissen symbolisiert, die der 1[7]. Psalm vorweg schildert.
Im 17. Vers ist dann die Auferstehung da, wie sie die frühmittelalterlichen Bilder darstellen: »Er streckt seine Hand aus von der Höhe und faßte mich und zog mich aus großen Wassern.« […] Dann wieder nennt der Psalm das Wesen der Befreiung: »Ins Weite führt Gott.« Der Tod ist die Besiegelung der Enge. Leben ist das Exis­tieren im Offenen. […]
Gott, handelt auch nicht aus Gründen. Er selbst ist der Grund Seiner Liebe: »Denn er hatte an mir Gefallen.« Er darf sagen, was im Munde irdischer Souveräne als Begründung ihrer Anordnungen frevelhaft ist: »Car cela est mon plaisir.« […]

Identifikation des Königs

Nachdem der Beter ausgeführt hat, daß Gott ihm nach der Reinheit seiner Hände vergibt, daß er gegen die Reinen rein und gegen die Ver­kehrten verkehrt ist, fährt er plötzlich fort: »Denn Du hilfst dem elenden Volk, aber stolze Augen erniedrigst Du.« Auf einmal ist nicht mehr vom heiligen König, sondern vom elenden Volk die Rede. Und der, der zuvor seine Heiligkeit und Tadelsfreiheit her­vorgehoben hat, sagt nun, daß Gott die »stolzen Augen ernied­rigt«. […]
Der König, der hier betet, identifi­ziert sich offenbar mit Gottes Gemeinde der Armen. Und sie sind es ja auch, die Jesus zu Beginn seiner Seligpreisungen als die Seli­gen ausruft. (RS)

Und der Herr wird mir nach meinem Recht vergelten, nach dem Recht meines guten Willens, Er, der mir, bevor ich guten Willen hatte, Seine Barmherzigkeit zeigte.
Denn Du wirst meine Leuchte entzünden, Herr. Denn unser Licht stammt nicht aus uns. (AA)

Die Bilder von Licht, Kraft, Weite, Sieg, Härte und Leichtigkeit fuhren den, der sie meditiert, in das Geheimnis der Befreiung durch Gott. Gerade in ihrer Gegensätzlichkeit wei­sen sie über sich hinaus.

Ein neuer Akzent

Hier, im 1[7]. Psalm, tritt der befreite König an zur endgültigen Vernich­tung der Feinde. Das ist die Sendung Christi. Sein Erscheinen ist nicht Defensive. Seine Lehre ist es, dem Bösen nicht Widerstand zu leisten. Der Sinn der Menschwerdung Gottes ist nicht Wider­stand, sondern Sieg. […]
Der Tod des Gehorsams, den Christus starb, war der endgültige Sieg.

Vers 42 scheint dem christlichen Gebet eine Schwierigkeit zu machen: »Sie rufen, aber da ist kein Helfer, zum Herrn, aber er antwortet nicht.« Wer, der zum Herrn ruft, kann ohne Erhörung bleiben? […] Lassen wir den alttestamentlichen, den archaischen Literalsinn beiseite: Wie können wir den Vers sprechen? Die Antwort ist: Es gibt das unerhörbare Gebet, das Gebet, das nicht im Geiste des Gebets ge­sprochen ist, das Gebet der ungerechten Selbstbehauptung. […] Jesus, indem Er das ganze durch die Sünde verursachte Schicksal trug, hat auch dies getragen. »Er rief, aber da war kein Helfer. Zum Herrn, aber Er antwortete nicht.« […]

Das Ende ist der Lobpreis. Wenn wir einmal kapituliert haben und in den Gehorsam Christi eingegangen sind, dann haben wir die Partei gewechselt. Sein Triumph ist nun unser eigener Tri­umph, und wir selbst sind es, die nun den ganzen Psalm beten. Wir sind nun selbst Israel und danken Gott, »der Seinem König großes Heil gibt und Gnade erweist Seinem Gesalbten, Christus, David und seinem Haus ewiglich«. (RS)

 

Psalm 17 umfaßt 51 Verse; 51! Und es ist mir sehr schwergefallen, auszusuchen und ich kann nur an Ihre Nachsicht und Ihren guten Willen appellieren und hoffen, daß es nicht gänzlich danebengegangen ist!
Weiter kann ich Ihnen nur erneut die Spaemann-Lektüre in Gänze nahelegen: Bei jedem erneuten „Durchgang“ stelle ich wieder fest: Das Buch ist nicht billig, ja, aber es ist dennoch eminent „preis-wert“! (und nein, der Verlag zahlt mir nichts! 😉 )
Auch dieser Psalm birgt Verse, die wir öfters zitiert hören. Das mag früher einmal Vers 2 gewesen sein, „Ich will Dich lieben, HErr, meine Stärke“, natürlich auch, weil er am Beginn des schönen  Liedes von Angelus Silesius steht (GL 358), heute ist es zumeist Vers 30 mit dem ‚Überspringen der Mauer‘. Die Auseinandersetzung damit, wie dieser Psalmvers heutzutage so „eingesetzt“ wird (um jetzt mal einen Moment kein polemisches Wort zu gebrauchen) hätte hier den Rahmen vollends gesprengt und daher will ich sie ein andermal versuchen, zusammen mit anderen Dingen, die mir bei der Arbeit am diesem Adventskalender aufgefallen sind, aber nicht in den Adventsfrieden passen. (GL)

PS: Und wer jetzt denkt: „Da hätte er ja wirklich mal ein schönes Video einbetten können, von dem Lied!“, der hat ganz recht, aber: Ich habe keines gefunden, das mir gefallen hat! Vorschläge, wo z.B. nicht bloß der Organist selbstverliebt seine Hände gefilmt hat (!), werden gern genommen, (aber bitte nur mit adäquatem Chor- oder Gemeindegesang)!

Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 16 „Exaudi, Domine, justitiam meam …“

1 Oratio David. Exaudi, Domine, justitiam meam ; intende deprecationem meam. Auribus percipe orationem meam, non in labiis dolosis.

2 De vultu tuo judicium meum prodeat ; oculi tui videant æquitates.

3 Probasti cor meum, et visitasti nocte ; igne me examinasti, et non est inventa in me iniquitas.

8 A resistentibus dexteræ tuæ custodi me, ut pupillam oculi. Sub umbra alarum tuarum protege me,

9 a facie impiorum qui me afflixerunt. Inimici mei animam meam circumdederunt ;

10 adipem suum concluserunt ; os eorum locutum est superbiam.

15 Ego autem in justitia apparebo conspectui tuo; satiabor cum apparuerit gloria tua.

 

1 Ein Gebet Davids. Herr, erhöre meine Gerechtigkeit, hab Acht auf mein Flehen. Nimm zu Ohren mein Gebet von Lippen ohne Trug.

2 Von Deinem Angesichte laß ausgehen mein Gericht; Deine Augen laß schauen die Gerechtigkeit.

3 Du hast geprüft mein Herz, und heimgesucht bei Nacht; Du hast durch Feuer mich erforscht, und Missethat ward nicht erfunden an mir.

8 Bewahre mich wie den Augapfel vor den Widersachern Deiner Rechten; beschirme mich unter dem Schatten Deiner Flügel,

9 vor dem Angesichte der Bösen, die mich quälen. Meine Feinde haben umringt meine Seele,

10 verschlossen ihr gefühlloses Herz; ihr Mund redete stolz.

15 Aber ich will in Gerechtigkeit vor Deinem Angesichte erscheinen: werde satt werden, wenn sichtbar wird Deine Herrlichkeit

 

‚Ein Gebet Davids‘, Es ist dem Herrn zuzuschreiben, zusammen mit der Kirche, Seinem Leibe … (AA)

[…] Der ganze 1[6]. Psalm erschließt sich uns am unmittelbarsten, wenn wir ihn als Meditation über das Gebet Jesu und den ge­nannten Vers des Hebräerbriefes lesen und beten (Hebr 5,7: „Dieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen“).
Und nur indem wir uns Seinem Gebet anschließen, können wir diese Worte spre­chen: »Von Dir geht aus meine Gerechtigkeit, Deine Augen mö­gen sehen, was recht ist. Du prüfst mein Heiz, untersuchst es bei Nacht, erprobst mich in Feuer. Du findest kein Unrecht an mir.« »Von Dir geht aus meine Gerechtigkeit«, so spricht der Herr zum Vater […] Unsere Gerechtigkeit geht wiederum aus von Ihm, Christus, der »im Feuer ausgeschmolzen« wurde und »bei Nacht untersucht« wird, nämlich in der Nacht der Gottverlassenheit am Kreuz, wo die Sonne sich verfinsterte. […]

Auf den ersten Blick scheint es, als erbitte der Beter Gottes Hilfe unter Hinweis auf seine eigene Rechtschaffenheit. In Wirklich­keit aber bittet er um beides: um Hilfe vor äußerer Bedrängnis und darum, so zu sein, daß er der Hilfe würdig ist.

Zuvor ist wieder von der Bedrängnis durch diejenigen die Rede, die »ihr Herz ins Fett einschließen« [lat. adeps, das Fett, daher: ‚adipem suum concluserunt‘ ‚in ihr Fett, die Schwulst einschlossen GL] und »deren Mund voll Hof­fart ist«. […]
Der Gläubige hat demgegenüber keine irdischen Waffen. Aber ebenjener gefährdete und befein­dete Glaube ist es, der ihm andererseits einen unvergleichlichen Schutz gewährt: den Schutz Gottes selbst. »Behüte mich wie einen Augapfel, beschirme mich unter dem Schatten Deiner Flü­gel.« Es ist das schönste Gebet um Schutz, das es gibt. Die Kirche läßt es uns täglich im Abendgebet [d.h. Teil der Komplet, GL] sprechen: „Custodi nos domine ut pupillam oculi. Sub umbra alarum tuarum protege nos“. […]

Die Kirche läßt uns den Vers [15] auch in der Karsamstags-Mette singen, wo sie mit Jesus auf das Erwachen am Ostermorgen wartet, Sein und unser Erwachen am ewigen Oster­fest: »Mich sattsehen beim Erwachen an Deiner Gestalt.« (RS)

Wo Sie grad sagen …

… „rosa Gewand“… 😉

Ein schönes Verkündigungsbild mit Engel im rosa Gewand dient als visuelle Begleitung für das erste Stück (eigener) Musik, das wir heute auf unseren neuen YouTube-channel hochgeladen haben.
Er heißt Cäcilini-Weimar, Sie finden ihn hier und wie der Name andeutet, gehört er zu den „Cäcilini“, also dem Nachfolgechor der aus der Herz-Jesu-Pfarrei verjagten Kinderschola („keine Kinderseelsorge im Sinne der Pfarrei“, vgl. hier), und wird von mir betreut.
Als erstes haben wir das Mariä-Verkündigungslied eingestellt. Hören Sie doch mal:

 

Und zu Bewegtbildern werden wir uns zu gegebener Zeit auch vorarbeiten, ‚festina lente‘ (damit nicht mein Mann meint, er hätte das Latein für sich alleine gepachtet 🙂 )

 

Cornelie Becker-Lamers

Das Gewand, Ein Sketchlet zum dritten Adventssonntag

Das Gewand

Sketchlet für zwei Ministrantinnen, eine Küsterin und einen Kaplan

 

Wundersdorf, Oderbruch. In der Sakristei der Pfarrkirche Maria Hilf! Es ist die Abendmesse des Dritten Adventssonntags: Gaudete! Der Kaplan streift ein lilanes Meßgewand über. Die jüngere Ministrantin, längst umgezogen, runzelt die Stirn.

Der Kaplan: Normal müßt ich heut ein rosa Gewand anhaben.

Die erste Ministrantin: Und? Wo hängt’s?

Die Küsterin (geht zum Schrank und öffnet beide Türflügel): Gute Frage … Mal sehen …

Die zweite Ministrantin: Wir hatten doch früher eins.

Die erste Ministrantin: Bin ich mir eigentlich auch ziemlich sicher.

Die erste Ministrantin: Wo sollten wir’s sonst gesehen haben?

Die Küsterin (fährt mit den Armen zwischen die Gewänder und sucht): Irgendwie ist es weg … Das war aber letztes Jahr schon …?

Die erste Ministrantin: Ob Corinna es verkauft hat?

Die zweite Ministrantin: Wie unseren Pritschenwagen?

Die erste Ministrantin: Dann hängt’s jetzt in einer Sakristei in Sachsen. Oder in Berlin.

Die zweite Ministrantin: Klingt plausibel.

Die erste Ministrantin: Hm! Wenn es kaputt gegangen wäre, hätte man ja sofort für Ersatz sorgen müssen.

Die zweite Ministrantin: Hast Recht. Es kann eigentlich nur mit Absicht weg sein.

Die erste Ministrantin (ironisch, mit wegwerfender Handbewegung): Weil diese liturgischen Feinheiten ja alle gar nicht so wichtig sind …

Die zweite Ministrantin (ironisch, mit großer Geste): … es geht schließlich um den MENSCHEN …

Der Kaplan: Ich geh dann mal raus und mach die Vermeldungen.

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers