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Der Psalmen-Adventskalender, Tag/Psalm 16 „Exaudi, Domine, justitiam meam …“

1 Oratio David. Exaudi, Domine, justitiam meam ; intende deprecationem meam. Auribus percipe orationem meam, non in labiis dolosis.

2 De vultu tuo judicium meum prodeat ; oculi tui videant æquitates.

3 Probasti cor meum, et visitasti nocte ; igne me examinasti, et non est inventa in me iniquitas.

8 A resistentibus dexteræ tuæ custodi me, ut pupillam oculi. Sub umbra alarum tuarum protege me,

9 a facie impiorum qui me afflixerunt. Inimici mei animam meam circumdederunt ;

10 adipem suum concluserunt ; os eorum locutum est superbiam.

15 Ego autem in justitia apparebo conspectui tuo; satiabor cum apparuerit gloria tua.

 

1 Ein Gebet Davids. Herr, erhöre meine Gerechtigkeit, hab Acht auf mein Flehen. Nimm zu Ohren mein Gebet von Lippen ohne Trug.

2 Von Deinem Angesichte laß ausgehen mein Gericht; Deine Augen laß schauen die Gerechtigkeit.

3 Du hast geprüft mein Herz, und heimgesucht bei Nacht; Du hast durch Feuer mich erforscht, und Missethat ward nicht erfunden an mir.

8 Bewahre mich wie den Augapfel vor den Widersachern Deiner Rechten; beschirme mich unter dem Schatten Deiner Flügel,

9 vor dem Angesichte der Bösen, die mich quälen. Meine Feinde haben umringt meine Seele,

10 verschlossen ihr gefühlloses Herz; ihr Mund redete stolz.

15 Aber ich will in Gerechtigkeit vor Deinem Angesichte erscheinen: werde satt werden, wenn sichtbar wird Deine Herrlichkeit

 

‚Ein Gebet Davids‘, Es ist dem Herrn zuzuschreiben, zusammen mit der Kirche, Seinem Leibe … (AA)

[…] Der ganze 1[6]. Psalm erschließt sich uns am unmittelbarsten, wenn wir ihn als Meditation über das Gebet Jesu und den ge­nannten Vers des Hebräerbriefes lesen und beten (Hebr 5,7: „Dieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen“).
Und nur indem wir uns Seinem Gebet anschließen, können wir diese Worte spre­chen: »Von Dir geht aus meine Gerechtigkeit, Deine Augen mö­gen sehen, was recht ist. Du prüfst mein Heiz, untersuchst es bei Nacht, erprobst mich in Feuer. Du findest kein Unrecht an mir.« »Von Dir geht aus meine Gerechtigkeit«, so spricht der Herr zum Vater […] Unsere Gerechtigkeit geht wiederum aus von Ihm, Christus, der »im Feuer ausgeschmolzen« wurde und »bei Nacht untersucht« wird, nämlich in der Nacht der Gottverlassenheit am Kreuz, wo die Sonne sich verfinsterte. […]

Auf den ersten Blick scheint es, als erbitte der Beter Gottes Hilfe unter Hinweis auf seine eigene Rechtschaffenheit. In Wirklich­keit aber bittet er um beides: um Hilfe vor äußerer Bedrängnis und darum, so zu sein, daß er der Hilfe würdig ist.

Zuvor ist wieder von der Bedrängnis durch diejenigen die Rede, die »ihr Herz ins Fett einschließen« [lat. adeps, das Fett, daher: ‚adipem suum concluserunt‘ ‚in ihr Fett, die Schwulst einschlossen GL] und »deren Mund voll Hof­fart ist«. […]
Der Gläubige hat demgegenüber keine irdischen Waffen. Aber ebenjener gefährdete und befein­dete Glaube ist es, der ihm andererseits einen unvergleichlichen Schutz gewährt: den Schutz Gottes selbst. »Behüte mich wie einen Augapfel, beschirme mich unter dem Schatten Deiner Flü­gel.« Es ist das schönste Gebet um Schutz, das es gibt. Die Kirche läßt es uns täglich im Abendgebet [d.h. Teil der Komplet, GL] sprechen: „Custodi nos domine ut pupillam oculi. Sub umbra alarum tuarum protege nos“. […]

Die Kirche läßt uns den Vers [15] auch in der Karsamstags-Mette singen, wo sie mit Jesus auf das Erwachen am Ostermorgen wartet, Sein und unser Erwachen am ewigen Oster­fest: »Mich sattsehen beim Erwachen an Deiner Gestalt.« (RS)

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