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Noch nicht (ganz) abgeschlossen: Das PuLa Exodus-Preisrätsel

Das ist ganz wunderbar! Wir haben auf das gestrige Preisrätsel sehr bald mehrere kluge Einsendungen erhalten, herzlichen Dank allen Einsendern!!

Aber, und das ist wirklich interessant und für mich unerwartet: Da werden Aspekte angeschnitten, an die ich offen gestanden gar nicht gedacht hatte. 😯
Umgekehrt ist aber eben auch noch nicht in den Blick geraten, was mir spontan ins Auge gefallen war.

Und daher verlängern wir die Spannung ein bißchen und rufen noch einmal zum genauen Hinschauen und Nachdenken auf: Was läuft hier ganz „quer“ im ( ➡ kleiner Hinweis) innerchristlichen Kontext?

„Entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glauben als „Sache liebender Treue“ zu begreifen. Assmann spricht deshalb von einem „Monotheismus der Treue“.
Mit seinem neuen Buch legt er in aller wünschenswerten Genauigkeit dar, was damit gemeint ist. Assmann untersucht das Buch „Exodus“, in der christlichen Bibel als 2. Buch Mose geführt. Es enthalte, sagt er, ‚die wahrscheinlich grandioseste und folgenreichste Geschichte, die sich Menschen jemals erzählt haben‘.“ (Dirk Pilz, FR, 12.III.15)

Ich bin schon sehr gespannt!

„Die Genauigkeit des Denkens und Wahrnehmens schulen“, Ein PuLa-Preisrätsel

Ein Preisrätsel hatten wir ja schon lange nicht mehr auf PuLa (vgl. hier und hier), da trifft es sich gut, daß ich vor ein paar Tagen über etwas gestolpert bin, das sich dazu gut eignet – auch wenn, oder gerade weil der Hintergrund eigentlich ernst ist.

Also, wer uns als erste(r) schreibt, was in dem unten folgenden Zitat „schief“ ist, erhält ein handsigniertes Exemplar eines unveröffentlichten Sketchs aus Wundersdorf, einer der vielen (!) bisher unveröffentlichten Texte, die wir wegen unserer unausrottbaren (wenn auch gänzlich unerwiderten…) Friedensliebe (bisher) für uns behalten haben, obwohl er sehr, sehr komisch ist! 😀

Das Zitat stammt aus einer deutschen Zeitung mit dem Anspruch auf „Qualitätsjournalismus“, ja sogar aus einer, die sich viel auf ihr „aufklärerisches Potential“ (so nennt man das doch, oder?) zugute hält, der Frankfurter Rundschau nämlich.
Bei dem Autor handelt es sich um den freien Journalisten und promovierten Literaturwissenschaftler Dirk Pilz (vgl. hier), der sich insbesondere mit Theaterkritik hervorgetan hat, was dazu geführt hat, das er zu diesem Thema auch Lehrveranstaltungen an der „Freien Universität Berlin“ abhält (vgl. hier), dort fällt auch der schöne und selbstbewußte Satz, der diesem Beitrag seinen Titel gab 😐 ).

Pilz veröffentlichte in der FR vom 12. März eine Rezension (hier)  des neuen Buchs von Jan  Assmann: „Exodus. Die Revolution der Alten Welt“ (vgl. hier) unter dem Titel: „Und Moses machte Ernst mit Gott“ (nein, das ist noch nicht das fragliche Zitat 😉 ).
Wer die Debatte um die religionswissenschaftlichen Thesen des (ursprgl.) Ägyptologen Jan Assmann in den letzten Jahren ein bißchen verfolgt hat, ahnt: Das ist im Zweifelsfall interessant (um nicht das abgedroschene Wörtchen „spannend“ zu schreiben, obwohl es hier einmal paßte…).

Assmann, der zunächst mit dem, gemeinsam mit seiner Frau entwickelten, Konzept des„Kulturellen Gedächtnis’“ hervorgetreten ist, bewegt mit seinen religionswissenschaftlichen Thesen seit längerem die kulturwissenschaftliche Debatte. Wer jetzt denken sollte, PuLa sei doch bisher nicht unbedingt als Fan der Religionswissenschaft einher gekommen, hat recht und auch wieder nicht: Was uns hier nämlich immer wieder stört ist nicht etwa dieses Fach selbst, sondern die flotte (meist mangelhaft reflektierte und allzu häufig erkennbar interessengeleitete) Übernahme irgendwelcher tatsächlicher oder auch nur vermeintlicher „Ergebnisse“ in das Proprium der Theologie –  da liegt der Hase im Pfeffer!
Außerdem, und das verdient ausdrücklich betont zu werden, ist Jan Assmann stets bereit zu dem, was jeden Wissenschaftler auszeichnen sollte: Zur Überprüfung, Modifikation und ggf. auch Korrektur seiner Thesen! So geschehen zuletzt im Hinblick auf die Debatte um die „Mosaische Unterscheidung“ und das daraus u.U. erwachsende Gewaltpotential. Wer mag und viel, sehr viel Zeit übrig hat, kann diese Debatte in den Beiträgen, die im „Perlentaucher“ erschienen sind, hervorragend nachvollziehen (hier).

Und genau an dieser Stelle steht der fragliche Abschnitt aus der Feder von Dirk Pilz:

„Entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glauben als „Sache liebender Treue“ zu begreifen. Assmann spricht deshalb von einem „Monotheismus der Treue“.
Mit seinem neuen Buch legt er in aller wünschenswerten Genauigkeit dar, was damit gemeint ist. Assmann untersucht das Buch „Exodus“, in der christlichen Bibel als 2. Buch Mose geführt. Es enthalte, sagt er, ‚die wahrscheinlich grandioseste und folgenreichste Geschichte, die sich Menschen jemals erzählt haben‘.“

Na? Ich bin ja eigentlich sicher, unsere Leser schütteln schon nach dem ersten Lesen ungläubig den Kopf, weil Ihnen der Lapsus sofort ins Auge gefallen ist, ein Lapsus, der, wieder einmal!, tief blicken läßt.

Also, wer ist als erstes im Kommentarbereich? ❓

Der Durchgang durchs Rote Meer, Fresko in der Synogoge in Dura Europos (Bild: Wikimedia Commons, I. Becklectic)

Der Durchgang durchs Rote Meer, Fresko in der Synogoge in Dura Europos (Bild: Wikimedia Commons, I. Becklectic)

Der Notausgang (Fortsetzung)

Der Notausgang Folge 2/2

Ein Sketch für drei Personen

(Wir erinnern uns: In Wundersdorf / Oderbruch stehen Edith und Emma, die für die erkrankte Reinemachefrau eingesprungen ist, auf dem Pfarrhof und tauschen Neuigkeiten aus, als plötzlich ein Feuerwehrauto mit Licht- und Hornsignal angebraust kommt und vor dem Gemeindehaus zum Stehen kommt.)

Der Feuerwehrmann: Guten Morgen, die Damen! Frau Schramm?

Emma: Bedaure. Frau Schramm ist nicht da.

Edith: Die löscht hier schon lange keine Brände mehr (Sie lacht).

Der Feuerwehrmann (etwas unsicher): Aber, bei uns ging ein Anruf ein, in der katholischen Gemeinde würde es brennen, wir sollten kommen – und da wäre eine Frau Schramm im Sekretariat.

Edith: Also – im Pfarramt bei uns brennt schon lange die Luft, klar! – aber so akut?

Emma (muß wegen Ediths Bemerkung ein Grinsen unterdrücken): Da hat wohl leider jemand eine Straftat begangen und Sie umsonst hierhergeschickt.

Edith (für sich): Na, da können wir ja jetzt drauf warten, daß Corinna einen Brandschutzbeauftragten benennt, dann hat sie endlich wieder einen Angestellten, den sie herumkommandieren kann … Und Geld ist ja jetzt übrig …

Der Feuerwehrmann (baut sich ärgerlich vor den beiden Frauen auf): Ein falscher Alarm wird gemäß § 145 StGB: „Mißbrauch von Notrufen und Beeinträchtigung von Unfallverhütungs- und Nothilfemitteln“ mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft!

Emma (nachdenklich): Hm!

Edith (betroffen): Wir können Ihnen leider nicht helfen – wir haben keinen Verdacht, wer das getan haben könnte. Das Pfarrbüro ist seit Wochen nicht besetzt, die Stelle ist ausgeschrieben.

Der Feuerwehrmann (läuft ein wenig unschlüssig hin und her; dann, mit Blick auf das Gemeindehaus): Aber – wo ich schon mal da bin: Ihre Notausgänge und die Feuertreppe hier sind seit längerem nicht inspiziert worden, das habe ich ohnehin auf der Agenda stehen. Machen wir‘s jetzt gleich mit! (Er marschiert auf die offene Tür des Gemeindehauses zu.)

Edith und Emma (sehen sich erschrocken an): Die Notausgänge …

Emma: Äääääh … wissen Sie … die Notausgänge …

Der Feuerwehrmann: Wenn Sie mich bitte begleiten wollen!

Emma (leise und hastig zu Edith): Schaufel du oben den Notausgang frei, der Unterrichtsraum ist noch offen, die Kinder sind vorhin erst raus. Ich halt ihn hier unten so lange hin. (Eilt dem Feuerwehrmann hinterher, laut und geschäftig): Ich komme schon!

(Während Emma und der Feuerwehrmann den großen Gemeindesaal betreten, stürmt Edith die Treppe zum oberen Geschoß hinauf und macht sich im Unterrichtsraum an die Arbeit: Vor dem der Tür gegenüberliegenden Notausgang türmen sich Stapelstühle. Es steht ein quadratischer Tisch mit Fernsehgerät davor und eine große Korktafel, an die Bilder und handbeschriebene Zettel gepinnt sind.)

Emma (im Erdgeschoß, gemütlich): So! Das ist der große Gemeindesaal. Hier finden die meisten Veranstaltungen statt. Hier diese Tür führt in den Pfarrgarten. Die ist offen, wenn draußen gegrillt wird und hier drin der Kuchen steht, zum Beispiel, beim Gemeindefest.

Der Feuerwehrmann (öffnet die Tür): Ah ja! Auch nach dem Abschließen von innen zu öffnen. Sehr gut! Da ist ja damals bei der Renovierung nicht gespart worden.

Emma (strahlt): Ja, das hatte der damalige Pfarrer sehr gut geplant und viele Gelder beantragt – auch von der Stadt. Das Gemeindehaus ist ja eigentlich auch für die offene Senioren- und Jugendarbeit da … Das sollten wir als Gemeinde ja gar nicht nur alleine nutzen … Das sollte gar nicht so viel leer stehen unter der Woche!

Der Feuerwehrmann: Ach so?! Und?

Emma: Naja … (Aus dem Obergeschoß hört man Schrammen und Poltern, das Edith beim Stühle- und Tischerücken verursacht.)

Der Feuerwehrmann (sieht an die Decke): Was ist denn da oben los?

Emma (lacht verlegen): Ach … das … das werden die Kinder sein … Der katholische Religionsunterricht findet ja hier im Gemeindehaus statt … da ist jetzt wohl gerade Schluß … Aber ich zeige Ihnen noch die Küche … (Sie lotst den Feuerwehrmann in die benachbarte Küche.)

Emma (plaudert, um Zeit zu schinden): Hier … Kühlschrank … Kaffeemaschine … Geschirrspüler … Das war ja damals was, mit der Bosch-Rückrufaktion, als es hieß, die Geschirrspüler sind alle brandgefährdet

Der Feuerwehrmann (schaut auf die Spülmaschine): Aber Sie haben doch ’ne Miele?!

Emma (lacht): Tjaha – äh, da haben Sie Recht! Aber in unserem Dekanat, die haben Bosch. (Im Obergeschoß schiebt und rumpelt es immer noch. Plaudert also weiter) Wissen Sie, was der Neffe vom Schwager von der Pfarrsekretärin dort ist, (wichtig) der hat nämlich einen ganz hohen Posten bei Bosch … Kwiatkowski heißen die. Die Sekretärin heißt ja Baumgarte, also das ist über ihre Schwester (überlegt kurz, dann, gestikulierend) – von ihrer Schwester der Mann der Bruder und dem sein Sohn – der ist bei Bosch. Irgendwo im Westen. Naja! Und da konnte er natürlich alle Geräte zu Sonderkonditionen beschaffen.

Der Feuerwehrmann (hat den Kühlschrank, Steckdosen und Stecker inspiziert und schaut gerade nach den Anschlüssen unter der Spüle; sich aufrichtend): Einmal mußten wir sogar ausrücken, weil was passiert war mit so einem Geschirrspüler – Wohnungsbrand! Hier in der Straße – wie heißt die noch – wissen Sie, wo die HO war – bis kurz nach der Wende, da an der Ecke, wo es so scharf rechts rum geht nach Petershagen – da war doch dann lange die Sparkasse, wo jetzt dieser Pfennigfuchser ist … (er blickt Emma fragend an; Emma nickt interessiert) – und von da noch drei-vier Häuser weiter, das haben sie jetzt so grün gestrichen, auf der linken Seite (Emma nickt eifrig) und da im dritten Stock. (Er kommt ins Erzählen) Da schlugen die Flammen schon aus dem Fenster vorne raus! Draußen eine Menschentraube! Wir konnten kaum ranfahren mit unserem Löschfahrzeug … (Edith kommt die Treppe hinuntergeschlichen.)

Emma (scheinbar unglaublich interessiert): Jaaa! Das ging ja durch die Zeitung damals! Ach! Und da waren Sie dabei, ja? (Der Feuerwehrmann wirft sich lächelnd in die Brust.)

Edith (vorsichtig): Ich will nicht stören (flüsternd zu Emma): Gib mir doch nochmal den Schlüssel zu dem kleinen Flur da …

Der Feuerwehrmann (energisch): Aber ich hab ja nicht ewig Zeit! Wir müssen jetzt mal nach oben gehen! (Er steuert die Treppe an.)

Emma (schlüpft an ihm vorbei und versperrt ihm den Weg): Wenn Sie erst nochmal hier nach dem Fahrstuhl – da hatten wir auch schon, daß der mitten zwischen zwei Stockwerken steckengeblieben ist! Das war schlimm! Da waren zwei Mädchen eingeschlossen!

Der Feuerwehrmann: Ja, kommen wir gleich zu. Ich gehe jetzt erstmal nach oben. (Er nimmt zwei Stufen auf einmal. Emma und Edith hechten hinterher.)

Edith (flüsternd zu Emma): Also der Unterrichtsraum ist ok – aber der kleine Flur, da darf er nicht reingucken …

(Emma nickt ihr verständnisvoll zu und seufzt auf. Oben angekommen, sieht sie die Stuhlstapel vor der Fahrstuhltür stehen. Die Pinnwand hat Edith mitten in den Raum gestellt, in dem die Unterrichtstische in einem „U“ aufgebaut sind. Der Fernsehtisch steht vor der Tafel.)

Edith (begleitet den Feuerwehrmann in den Unterrichtsraum): So! Bitte schön! Der Notausgang. Immer frei zugänglich.

Der Feuerwehrmann: Ah ja! (Er geht auf den Notausgang zu.) Und wo sind die Kinder?

Edith (verdutzt): Welche Kinder?

Emma (rasch, indem sie Edith einen „Sei bloß still“-Blick zuwirft): Ach – die werden durch den Notausgang runtergestürmt sein! Das machen sie gern, bei dem schönen Wetter – Sie wissen ja, wie Kinder sind!

Der Feuerwehrmann (will die Notausgangstür öffnen, die allerdings klemmt. Nachdem er sich mit Schwung dagegen geworfen und die Tür so geöffnet hat): Diesen Notausgang hat schon verdammt lange keiner benutzt! Das ist ja alles verquollen! Die Tür hier kriegt in dem Zustand kein Kind auf! (Er sieht die beiden Frauen streng an, die verlegene Blicke wechseln. Dann nimmt er die Pinnwand mitten im Raum in Augenschein.) Steht diese Pinnwand immer hier?

Edith (mit belegter Stimme): Selbstverständlich! Die wird ständig gebraucht … Sie sehen ja, vor der Tafel steht der Fernsehtisch.

Der Feuerwehrmann (hat die Pinnwand ein wenig studiert und sieht Edith kritisch an): Soll ich das glauben? Hier geht’s um eine Religiöse Kinderwoche.

Emma (errötend): Ähm – ja … die ist bei uns in den Winterferien … Die waren ja gerade erst.

Der Feuerwehrmann (liest): „RKW 2014“ – in den Winterferien 2014 wäre dann die letzte Nutzung gewesen …

Emma: Ach Quatsch – Winterferien – was rede ich denn: Weihnachtsferien wollte ich sagen …

Der Feuerwehrmann: Ich habe draußen noch eine zweite Tür gesehen. (Er geht ins Treppenhaus und sieht das Leuchtschild mit dem grünen Männchen, das den Notausgang markiert. Der Feuerwehrmann klinkt, aber die Tür ist verschlossen.)

Der Feuerwehrmann (im Tonfall einer sachlichen Belehrung): Die Tür darf nicht verschlossen sein, wenn sie zum Notausgang führt. Schließen Sie bitte auf!

(Emma trabt mit einem „Jetzt ist schon alles egal“-Gesicht heran und schließt die Tür auf, hinter der ein kleiner Flur zum zweiten Notausgang führt. Der Feuerwehrmann öffnet und ist angesichts dessen, was er zu sehen bekommt, sprachlos. In dem engen, kaum meterbreiten Flur stehen wiederum mehrere Stapel von Stühlen, drei längliche Tische und große runde Kleiderständer mit Sternsingergewändern und Kommunionkinderkutten. Edith und Emma werfen sich hilflose Blicke zu.)

Edith (flüsternd zu Emma): Also – wir haben ja wirklich alles versucht, um Corinna rauszuhauen, aber ich fürchte, da muß sie jetzt durch …

Emma (ebenso zurück, spöttisch): … als alleiniger „Hausrat“ …

Edith (flüsternd, aber grimmig): Das hat sie jetzt davon, daß sie immer und überall der Boß sein will!

Emma (ebenso): Geschieht ihr eigentlich ganz recht!

Edith: Wenn sie sich jetzt wieder aus der Verantwortung stiehlt, wie bei der Sternsingeraktion, was ich dir vorhin erzählt habe, dann gnade unserem Pfarrer Gott …

Emma (wurschtig): Dem geschieht’s aber auch recht! Warum läßt er immer alles schleifen!

Der Feuerwehrmann: Meine Damen! Ich habe genug gesehen! Das ist ja hanebüchen!!! Aber sagen Sie mal – warum um alles in der Welt sind hier so viele Stühle übrig?

Edith: Soviel ich weiß, wurde die Planung der ganzen Anlage hier zwischenzeitlich umgeworfen, als der Vorgänger von unserem jetzigen Pfarrer starb. Die Bibliothek ist jetzt nicht unten in einem großen Raum, sondern die beiden kleinen hier oben sind zusammengefaßt (Emma hat während Ediths Ausführungen die Tür zur Bibliothek geöffnet und läßt den Feuerwehrmann einen Blick hineinwerfen.)

Der Feuerwehrmann: Oh Gott! Und der teure flexible Raumteiler ist durch ein Regal verbaut! Das ist ja völlig absurd! (Er blickt die Frauen an) Aufs Geld kommt’s in Ihrer  Pfarrei wohl nicht an, wa?!

Edith: Naja – jedenfalls nicht, wenn es um Sachen geht. Da purzeln gern schon mal die Hunderttausender.

Der Feuerwehrmann (streng): Also – das geht mich nichts an … Aber die Notausgänge hier, die gehen mich was an! Und da werden wir tätig werden müssen. Sagen Sie mir bitte, an wen ich mich da wenden kann. Da gibt’s ein paar Auflagen und wir werden prüfen, ob die Maßnahmen durchgeführt wurden. (Kopfschüttelnd, während Emma ihm den Namen, die Anschrift und die Telefonnummer des Rektors der Pfarrkirche zu Wundersdorf im Oderbruch notiert): Da läuft der Pfarrer hier jeden Tag an den versperrten Notausgängen vorbei … und tut nichts …

Edith (für sich): Ich fürchte, unser Pfarrer versperrt sich seit Jahren in jeder Hinsicht den Notausgang, nicht nur hier im Haus!

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Notausgang

Der Notausgang – Folge 1/2

Ein Sketch für drei Personen

 

Wundersdorf im Oderbruch, Pfarrhof. Ein Zwischenhoch beschert ganz Berlin und Brandenburg einen herrlich blauen Himmel, klare kalte Nächte und sonnige Tage. So ist es verständlich, daß Edith und Emma, als sie sich vor dem Gemeindehaus treffen, für einen kurzen Meinungs- und Informationsaustausch ins Schwatzen kommen.

Emma (lehnt von innen am Pfarrhofzaun): Du weißt doch – die Grippewelle! Da hat es eben auch Herta erwischt, und da hat sie mich angerufen, ob ich kurzfristig einspringe und die Woche hier saubermache.

Edith (von außerhalb des Zauns): Und da hast du gleich zugesagt. Das ist ja nett von dir. Da wünsche ich dir nur, daß euch eine gewisse Alleinherrscherin hier nicht aus der spontanen Aktion einen Strick dreht. Irgend etwas findet sie ja eigentlich immer.

Emma (lacht): Ach! Da kann ich keine Rücksicht drauf nehmen! Wichtiger ist, daß der Laden läuft.

Edith: Das kannst du laut sagen! Um ein Haar hätte Corinna ja jetzt auch noch die Sternsingermütter vergrault.

Emma: Ja, erzähl doch mal, das habe ich nur so am Rande mitgekriegt, meine Kinder sind ja schon groß. Ihr durftet nicht selber zählen?

Edith: Jaja, so war es gedacht. Also erstmal: Fabian hatte doch gesagt, die Sammlungsbedingungen sind denen des Landes angepaßt

Emma: … des Landes? Was hat denn das Land mit dem Bistum oder gar mit dieser bundesweiten Aktion zu tun?

Edith: Hab ich damals auch gleich gedacht, aber egal: Er meinte, Bedingungen des Landes, und deshalb wären jetzt die Sammelbüchsen verplombt. Aber wir könnten ja Samstagabend trotzdem zählen, da bräuchte es halt nur vier Augen.

Emma: Klar!

Edith: So! Als ich Samstagabend von der Sammlung zurückkam und Süßigkeiten und Geld abgeliefert habe, hieß es plötzlich: Wir dürfen doch nicht zählen.

Emma: Boah!

Edith: Genau! Ich sage: Aber es sind doch zwo vier sechs Augen da! – Ja, aber „zwei Augen fehlen“.

Emma: Aha! „Punkt Punkt Punkt fehlt“!

Edith (lacht): So etwa.

Emma (gibt zu bedenken): Aber es ging ja auch durch die Zeitung, daß Sternsinger vor verschlossenen Türen standen, weil vorher schon ein paar Betrüger durchgekommen waren. Also die waren als Könige verkleidet, aber haben nicht für die Sternsinger gesammelt, sondern in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Edith: Na, aber hör mal! Wenn ein paar Burschen die ganze Aktion vortäuschen und am Schluß mit der Büchse durchbrennen wollen, da hilft doch die beste Verplombung nichts!

Emma: Auch wieder wahr!

Edith: Für die Büchsen unterschrieben haben wir ja außerdem. Neineinein, das war ganz klar hier wieder eine Privatschikane unserer „Bischöfin“! Kam doch in der Messe raus: Petershagen hatte unverplombt gesammelt, die Kinder hatten schon zählen können und man wußte die Summe schon.

Emma: Stimmt, die haben sie genannt – 8.000 irgendwas.

Edith: Ja. Und die Woche drauf hab ich ein bißchen telefoniert und erfahren, daß sie nicht mal im Ordinariat verplombt gesammelt haben!

Emma: Meine Güte! Bei so viel ‚Vertrauen‘ seitens unserer „Gemeindeleitung“ kommt ja wirklich Freude auf!

Edith: Hat ja Merit auch genau so formuliert – und daraufhin prompt einen bösen Brief vom Pfarrer im Kasten gehabt!

Emma: Tja! Unser Pfarrer! Das ist wirklich ein Drama! Was der für ein Talent hat, sich in jeder Situation zielsicher den Notausgang zu versperren! Statt daß er da einmal den Müttern recht gibt! (Sie schüttelt fassungslos den Kopf.) Und Corinna hat dann montags also fröhlich alleine gezählt?

Edith (freudig): Neinein! Das war ja der Clou! Daß jede von den Frauen, die den Termin irgendwie freischaufeln konnte, am Montag zum Zählen im Pfarrbüro war!

Emma: Super! Und dann?

Edith: Dann gab’s erstmal Stunk und wir wurden aus dem Pfarrbüro geworfen, weil „keine Fremden im Pfarrbüro sein dürfen“ …

Emma (entsetzt): Keine „Fremden“?

Edith (grinst): Mhm! Vom feinsten, wa? Merit war schon vor 20 Jahren im Pfarrgemeinderat, die ist länger hier als der Pfarrer – und Frau Schramm war ja auch dabei … aber du weißt doch: „Wessi-freies Pfarrbüro“, den Zustand kann Corinna doch jetzt nicht wegen ein paar Sternsingerfrauen aufs Spiel setzen!

Emma: Wo der Kammerjäger grade erst durch ist … (beide lachen).

Edith: Jaja! „Schädlinge“, sag ich da nur. (Sie blinzelt in die Sonne, die eben jetzt hinter einer Mansarde hervorkommt.)

Emma: Schlimm, schlimm, schlimm! Aber sie fühlt sich vielleicht wirklich verantwortlich für die Finanzen der Pfarrei?

Edith (laut und eindringlich, als sagte sie es nicht zum ersten Mal): Sternsinger ist aber kein Projekt der Pfarrei, sondern eine bundesweite Aktion! Das hat doch insoweit mit der Pfarrei überhaupt nichts zu tun!

Emma: Ach so, stimmt ja …

Edith: Fabian muß ja auch das Porto für die Spendenquittungen jedes Mal von der gesammelten Summe abziehen. Das geht nicht aus der Gemeindekasse.

Emma: Hm! O.k.! Aber sag: Wie ging es aus, mit dem Zählen?

Edith (jovial): Naja, Corinna ist dann bald wieder hoch in die Pfarrerswohnung, wo sie ja auch hergekommen war zu dem Termin.

Emma: Und wer hat gezählt?

Edith: Na wir, wir Frauen und Fabian.

Emma: Na, das hätte man ja einfacher haben können!

Edith: Tja …

Emma: Und dann war doch noch was in der PGR-Sitzung …?

Edith: Wo Corinna Fabian bezichtigt hat, er hätte das alles falsch verstanden mit dem Zählen etc.

Emma: Also, das ist doch … Die läßt ja wirklich nichts aus!

Edith: Einfach superfeige! Naja – und Fabian läuft jetzt rum und rechtfertigt sich.

Emma: Klar! Mein Gott, in dessen Haut möchte ich aber auch nicht stecken! Jeden Tag mit Corinna zu tun zu haben …! Dienstlich!

Edith: Allerdings hat er auch noch nie für jemanden Partei ergriffen, der über den Tisch gezogen wurde. Der soll jetzt mal den Ball flach halten.

Emma: Nee, das nicht! Aber was draus lernen: Das Verrückte ist ja, daß alle jammern, was Corinna für erfundene Geschichten über sie verbreitet – aber kaum jemand zieht den Schluß, daß er dann das, was so über andere in Umlauf gebracht wird, auch nicht einfach so glauben und weitertragen sollte! Sondern mal bei den Betreffenden nachhören!

Edith (nickt): Guter Punkt! Apropos: Kennst du den schon? (Sie grinst.) Warum ist in Wundersdorf auch ein hölzerner Glockenstuhl einsturzgefährdet?

Emma (überlegt ein bißchen, grinsend): Na, warum?

Edith: Weil hier gelogen wird, daß sich die Balken biegen.

(Beide lachen, als plötzlich mit Blaulicht und Tatütata ein Feuerwehrauto um die Straßenecke gebraust kommt und mit quietschenden Reifen in den Pfarrhof einbiegt. Das Martinshorn wird abgeschaltet und der Fahrer springt heraus.)

Fortsetzung folgt

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Der Kennerblick

Bemerkenswert! Sehr, sehr bemerkenswert, die Reaktion auf das Lied des Kollegen von „Geistbraus“, das PuLa gestern gebracht hat! Manchmal kommt an Stellen, an denen man es gar nicht unbedingt vermutet hätte, etwas zum Vorschein, das die Dinge (hoffentlich) weiterbringt. Das folgende wird gewiß nicht der letzte Beitrag sein, den wir dazu veröffentlichen, aber heute erstmal die „Musikhistorische Einordnung von Vulgarität in literarischer Form“…

Enjoy!

Der Kennerblick

Ein Sketchlet für drei himmlische Gestalten

 

Im Musikerhimmel. Es herrscht eine unendlich tiefe Stille. Im Musikerhimmel gibt es nämlich keine Instrumente. Alle haben ihre Musik im Kopf, und es gäbe auf Dauer Hauen und Stechen, wenn sie sich ständig gegenseitig stören würden.

 

Es ist also sehr still. Auf einer Wolke liegt Mozart. Wolfgang Amadeus Mozart, um genau zu sein. Der Papi ist hier schließlich auch irgendwo. Mozart also liegt auf einer Wolke und blinzelt in das unbeschreibliche Licht des Himmels. Er hat einen Arm unter den Kopf gelegt, das eine Bein angewinkelt und das andere darüber geschlagen und summt leise das „Voi che sapete“ aus den „Nozze di Figaro“ vor sich hin.

Nach einer Weile hört er auf zu summen und lauscht in die unendliche Stille hinein. Er ist beinahe eingeschlafen, als Franz Xaver Süßmayr wie von der Tarantel gestochen angestürmt kommt.

Süßmayr: Wolferl! Wolferl! Do hot’s oana gschofft! (Er kniet neben Mozart nieder und rüttelt ihn an der Schulter.)

Mozart (rappelt sich erschrocken auf): Woos? Wos is?

Süßmayr: Er hot des Wort [es folgt der auch damals schon geläufigste Fäkalausdruck für Kot] als Dön gschriem!

Mozart (legt sich wieder hin): Dös geht ned! (Er schließt die Augen.)

Süßmayr (unverändert begeistert): Es geht wohl!

Mozart (bleibt liegen): Es geht ned wegn dem „i“. Oda host du scho amoal an „i“ aufm Clavichord gsegn?

Süßmayr: Schmarrn! „I“! Er hot des “ei” mit dem “s” zum “eis” zammgfoßt!

Mozart (ist plötzlich hellwach und summt sofort die sich ergebende Melodie vor sich hin): Kruzitirkn! Doß i do ned söiba draf kimma bin! Zeig mia den Bursch’n! (Er springt auf und folgt Süßmayr an eine Wolkenlücke, von der aus man auf Süddeutschland blicken kann.)

Süßmayr: Wart! Is grod schwierig weil‘s so an Sauwetter is in Bayern! Etz! Do! Do is a!

(Gerade gibt eine Wolkenlücke den Blick auf eine bayerische Blog-Hütte frei, als ein riesenhafter Schatten über die beiden Spinxer fällt.)

Mozart (aufbrausend, ohne sich umzusehen, zu dem Schattenwerfer): Schleich di!

Der Schattenwerfer: „Uff mich blickt’ eor unn blitzte uff jäne“ – nu, wos dud’n ior do guggn?

Süßmayr (springt erschrocken auf): Oh! Griaß Eahna, Herr Wogner! (Er macht einen Diener.)

Mozart (ohne sich umzusehen): Geh aus’m Licht, Richard! Dös do is nix fia di!

(Der Schattenwerfer trollt sich.)

Mozart (leise): Saupreiß!

Süßmayr (hat sich wieder über die Wolkenlücke gebeugt und zeigt Mozart den komponierenden Blogger): Do! Siagst’n? Do is a!

Mozart (lächelt anerkennend): Guda Mo!

Süßmayr: Unn vun heind uff moagn! Stell dia voa!

Mozart: Vun heindn uff moagn dös Liad gschriam? Genial! – No, dös hob i a imma so gmocht! In da Kneipn ooms noch schnöi a Konzertsatz oda an Kanon komponiat! (Er singt) „Bleib fei gsund …“ (Er lacht.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Genial! Ein NGL mit ganz besonderer Tonfolge

Mann, ist das gekonnt! Wie langjährige Leser wissen, sieht PuLa normalerweise davon ab, lediglich auf Beiträge der geschätzten Kolleginnen und Kollegen (jaja…) aus der Blogoezese hinzuweisen, so gut wir die auch finden mögen (und wenn das einer snobistisch nennt: Genau! 😎 ).

Aber: es gibt immer wieder auch Ausnahmen und heute ist es wieder einmal soweit. Geistbraus hat eine kompositorische Großleistung vollbracht, die wir unseren Lesern unmöglich vorenthalten können, ein textlich ebenso wie musikalisch wertvolles Werk des NGL (hier) mit einer ganz besonderen Tonfolge:

Stellt sich nur noch die Frage: Wer spielt das als erstes mit Chor ein? 😆

(Nein, nein, die Cäcilini nicht, dem wir können die Kinder nicht aussetzen, das wäre unverantwortlich 😉 )

Im Norden hackt’s! Wirklich?

Da standen sie, gut 60 Pastorinnen und Pastoren der „Bremischen Evangelischen Kirche“ (BEK) auf den Treppen des „St. Petri Doms“ und  –  protestierten.
Na, höre ich Sie sagen „Was sollen sie auch anders machen, sind halt Protestanten…“ und sich im gleichen Moment für den blöden Kalauer entschuldigen, so wie ich es eiligst auch tue! 😆

BEK vor St Petri

Kundgebung der BEK vor St. Petri (Bild: Hans-Gerd Martens via evangelisch.de)

Aber was waren Anlaß und Inhalt des Protests? Nun, das Banner, das die Herrschaften (und Damenschaften! 😉 ) da vor sich halten, führt einen zu dem hochoffiziellen Bündnis „Bremen ist Bunt“, das in Regie der Stadt: „Für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft“ steht: „Deshalb kämpfen wir entschieden gegen antisemitische, islamfeindliche und fremdenfeindliche Tendenzen und Parolen in unserer Gesellschaft.“ (vgl. hier)

Am 26. Januar 2015 gab es unter diesem Motto und diesem „Banner“ eine größere (7.000 Menschen) Veranstaltung auf dem Bremer Marktplatz.

Stammt das Bild also von diesem Anlaß? Nein, und es stammt auch nicht vom 26. Januar, sondern es ist am 4. Februar entstanden und die dort versammelten protestierten gegen – einen der ihren! Ja, sie protestierten gegen ihren Kollegen, den Pastor der evangelischen St. Martini Gemeinde, Olaf Latzel.

Der hatte, am 18. Januar schon, in St. Martini eine Predigt gehalten, die seitdem bei unseren evangelischen Schwestern und Brüdern im Norden und darüber hinaus, für einigen Wirbel sorgt.

In dieser Predigt (die Sie hier im Text finden und hier als Tonaufzeichnung, die Verschriftlichung ist aber korrekt!) hatte er über einen Text aus dem alttestamentlichen Buch der Richter gesprochen (Ri 6, 25 – 32), in dem Gideon, dessen Namen man u.a. mit „Der Hacker“ übersetzen kann, einen heidnischen Altar niederreißt und verbrennt und an seiner Stelle dem HErrn einen Altar errichtet.

Gideon haut den Pfahl der Aschera nieder

Gideon haut den Pfahl der Aschera nieder

Diesen fürwahr „knackigen“ Text nahm nun Pastor Latzel zum Anlaß eine Predigt zu halten mit der Überschrift: „An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen“.

Diese Reinigung, deren Notwendigkeit aus dem Kontext des Richterbuchs von O. Latzel sauber hergeleitet wurde, die übertrug er, wie sich das für eine ordentliche Predigt gehört, in unsere Zeit:

Talismänner und Amulette, Christophorusplaketten und kleine Buddha-Statuen („dicker, alter, fetter Herr“), so Pastor Latzel: „Das ist Götzendienst. Das gehört nicht zum Christen dazu. Das muß weg.“ […] Wir haben ein Neuheidentum, was vor 100 Jahren noch undenkbar war. […] Wie bei Gideon hier. Du mußt das eigene Haus reinigen.“

Es folgten u.a. Passagen zum Islam:

„Wir brauchen klare Verkündigung von Jesus Christus. Und immer wieder klar zu sagen halt, nicht: Es gibt nur einen wahren Gott. Wir können keine Gemeinsamkeit mit dem Islam haben. Das heißt nicht – das sag ich auch in aller Klarheit -, daß wir nicht den Muslimen in Liebe und Nähe begegnen zu haben. Das ist ganz wichtig. […] Wir haben den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen. Und wenn die verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Um da nicht mißverstanden zu werden halt. Das ist unsere Aufgabe, denen wirklich in Nächstenliebe zu begegnen.“

So sinngemäß in dieser Differenzierung („Der Islam gehört nicht zu Deutschland, die Muslime schon; die Unterscheidung ist schwer, aber notwendig“) mehrfach (!) wiederholt.

Und dann gibt es die Passagen, die uns als Katholiken angehen:

„Übrigens: Das wollen wir nicht vergessen, dieser ganze Reliquiendreck und -kult, der ist heute noch in der katholischen Kirche verbreitet halt, nicht. Auch da muß man sagen bei aller Ökumene: Da können wir nicht mitmachen halt, nicht. Auch da muß man Nein zu sagen, wenn da irgendwas vermischt wird. Es gibt in der katholischen Kirche viele gläubige Leute, die auch ihre Probleme mit haben. Aber das, was da Lehre ist in der katholischen Kirche, ist ein ganz großer Mist. Zu denken, halt, wenn ich den Segen höre vom Papst, Urbi et Orbi, ob übers Radio, Fernsehen oder am Petersplatz halt, nicht, hab ich vollständigen Ablaß meiner Sünden. Nur weil ein Mensch was spricht. Ich sage, Leute, das ist doch Irrsinn! Genauso, wie was sich in Aachen abläuft. Ich mein, die alle sieben Jahre ihre Wallfahrtsgeschichten haben, nicht, wenn dann das Kleid Marias, die Windeln Jesu, das Lendentuch Jesu ausgestellt wird, nicht, das guckt man an, hast du Ablaß deiner Sünden. Das ist falsch.“

Und an anderer Stelle:

„Mit der ganzen Reliquienanbetung, die damals [sc. 16. Jh.] gelaufen ist. Die Heiligenanbetung. Die beteten nicht zu Jesus Christus, die beteten zu irgendwelchen Leuten, die auch Christen waren, und erhofften sich davon Heiligung. Die guckten irgendwelche vermeintlichen Gebeine von denen an und dachten, wenn ich die angucke, dann hab ich Erlösung vom Fegefeuer. Das ist Götzendienst.“

Auch diese Auffassung kehrt an mehreren Stellen wieder.

Und warum soll sich nun ein katholischer Blog aus Mitteldeutschland mit diesem Thema befassen? Rege ich mich etwa über die Äußerungen in Richtung des Katholischen auf? Überhaupt nicht!
Oder will sich PuLa jetzt auch mit dem Komplex „Islam in Deutschland“ befassen? Keineswegs! (vgl. aber hier)

Nein, ich glaube, das geht uns auf einer anderen, sehr grundsätzlichen Ebene etwas an (und wenn wir dort angekommen sind, werden wir auch die Bemerkungen in Richtung Katholizismus aufgreifen!).

Dazu müssen wir zunächst darauf schauen, was Pastor Latzel (und seiner Gemeinde, die fest zu ihm steht!) widerfahren ist, seit jenem 18. Januar.
Es ist das, was unsere amerikanischen Freunde zweifelsohne mit dem schönen Ausdruck „All Hell broke loose“ bezeichnen würden (a situation suddenly becomes noisy and violent, usually with a lot of people arguing or fighting) und das Deutsche bringt den Gedanken in der Wendung: „Da war der Teufel los“ ja ganz ähnlich zum Ausdruck.

Natürlich haben sich die (Mainstream-) Medien auf ihn gestürzt, den angeblichen „Christlichen Haß-Prediger“, aber – da waren sie bei ihm am falschen Mann; der hat sich nämlich nicht weggeduckt! (vgl. hier)

Nun, etwas anderes wäre nicht zu erwarten gewesen. Auch nicht, daß es dort auf einmal „über 100“ Pastorinnen und Pastoren waren, wo das evangelische Medium (!) von „über 60“ spricht… Alles geschenkt. Es ist immerhin interessant, wie ausgesprochen viele Kommentare bei Radio Bremen und andernorts (Facebook!), sich hinter Pastor Latzel  stellen (etliche allerdings leider auch, so will mir scheinen, aus eher problematischen, politischen, Motiven, die mit der Verkündigung der christlichen Botschaft nichts zu tun haben!).

Ganz aktuell hat sich nun die Bremische Bürgerschaft in einer Entschließung auf Initiative der Linkspartei, die von den Fraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen unterstützt wurde, mehrheitlich (gegen die Stimmen der CDU) gegen diese Predigt gewandt und gefordert, sie „dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben“; dieser unglaubliche Vorgang dürfte in der (jüngeren) deutschen Parlamentsgeschichte einmalig sein (vgl. hier).

Noch bedrückender und letztlich auch noch wichtiger finde ich aber die Reaktion von Pastor Latzels evangelischen Kollegen.

Renke D. Brahms, „Schriftführer“ (d.i. kein Protokollant, sondern der leitende Geistliche!)  der Bremischen Evangelischen Kirche nannte die Predigt „Geistige Brandstiftung“, und: „Die Formulierungen sind unerträglich und dazu geeignet, Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerbern Vorschub zu leisten“ Die BEK distanziere sich von jeder Botschaft, die im Namen des christlichen Glaubens andere Glaubensformen beleidige oder beschimpfe.
Und auf einem Handzettel, der bei dem o.g. „Protest“ verteilt wurde, hieß es: „Es ist uns unerträglich, wenn wie zuletzt in der St.-Martini-Gemeinde Jahrtausende alte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden. Wer Bibeltexte als Schlagwaffe mißbraucht, sollte sich nicht bibeltreu nennen.“ Und auch der Klassiker: „Mittelalterliche Meinungen“ durfte als Äußerung auf der Kundgebung natürlich nicht fehlen… 😕

Zu einem Disziplinarverfahren ist es vermutlich nur deswegen nicht gekommen, weil die bremische Kirchenverfassung den einzelnen Gemeinden eine extreme Autonomie zubilligt (was ich katholischerseits natürlich sowohl prinzipiell wie aus der konkreten, lokalen Erfahrung (…) heraus nicht gutheißen kann).

Das ist schon stark! Können diese studierten Leute eigentlich lesen? Haben wir nicht gerade selbst gesehen, daß Pastor Latzel an mehreren Stellen ganz klar zu Achtung und Nächstenliebe gegenüber Angehörigen anderer Religionen aufgerufen hat? In der Predigt und nachher in öffentlichen Äußerungen weiterhin! Für mögliche Verletzungen, die nicht in seiner Absicht gelegen hätten, hat er obendrein um Entschuldigung gebeten! (eine Bitte, der der Katholische Gemeindeverband Bremen [Bistum Osnabrück] in einer sehr angemessen formulierten Erklärung auch entsprochen hat [danke, H.H.!]).
Da fallen also seine Kollegen wie eine Tonne Ziegelsteine über den Mann her ohne, und das ist der entscheidende Punkt, ohne dasjenige auch nur mit einem Satz zu erwähnen, worum es Pastor Latzel in der ganzen Predigt eigentlich ging: Den unzweideutigen Vorrang des einen, des dreieinen Gottes, der sich uns geoffenbart hat, und der uns in der Person des Sohnes, in Jesus Christus erlöst hat, und der allein, er allein, der Weg zum Heil ist. Das kommt in den Stellungnahmen der BEK (und solchen darüber hinaus) einfach nicht vor! Das, was das letztlich allein Wichtige ist, es wird komplett ausgeblendet.

Lagen die Erbitterung und der Mangel an Fairneß am Ende gar auch an diesem Satz von Olaf Latzel?:

„Laßt euch nicht von der Welt Angst machen, nicht von irgendwelchen Politikern, nicht von irgendwelchen Pfarrern und Pastoren, die erzählen: Neben diesem Jesus müßt ihr andere Götzen setzen. Nein!“ (Hervorhebung von mir)
Ob sich da jemand ertappt fühlte?

Und all das geht uns, dem Himmel sei’s geklagt, katholischerseits nicht nur deswegen etwas an, weil das unser „ökumenisches Gegenüber“ ist, sondern weil es dergleichen Phänomene bei uns auch gibt. Haben Sie das genau gelesen, was ich oben zitiert habe?:

„[…] wenn wie zuletzt in der St.-Martini-Gemeinde jahrtausendealte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden.“ (Hervorhebung von mir)

Da liegt der Hase im Pfeffer! Diese „jahrtausendealten Texte“ sind inspirierte Texte, sie sind, wie wir jeden Sonntag mit unseren Akklamationen bekennen, Gottes Wort. Und wenn man ihren Zusammenhang nur noch „historisch“ sieht oder „literaturwissenschaftlich“ (O-Ton aus dem Erfurter Ordinariat) dann droht die Verdunstung des Glaubens. Natürlich bedürfen die biblischen Texte vielfach der Erläuterung und auch der Interpretation – dafür gibt es das Lehramt der Kirche (Dank sei Gott!) und jede Form von Buchstabenglauben ist nicht katholisch. Und natürlich gibt es kein Zurück hinter die Ergebnisse der historisch-kritischen Bibelwissenschaft.
Aber wer bei ihnen stehen- oder in ihnen stecken- also gefangen bleibt, oder sie „nutzt“, um eine allgemeine religionswissenschaftlich abgeschmeckte Soße der Gleichheit oder auch nur der „Konvergenz“ der Religionen daraus zu köcheln, dem ist der Glaube schon abhanden gekommen!

Aber hat denn Pastor Latzel Buchstabenglauben betrieben? Hat er, um im biblischen Bild zu bleiben, etwa dazu aufgerufen wie Gideon den Altar irgendeiner anderen Religion zu stürzen? Natürlich nicht! Alles wovon er gesprochen hat richtete sich nach „innen“! In den christlichen, den evangelischen Binnenraum. Die harte Aufforderung, “Schnitte” zu ziehen, dabei ging es um „Schnitte“, die der inneren Abgrenzung, der Selbstvergewisserung dienen sollen! Wer Olaf Latzel etwas anderes unterstellte, wäre bösartig – oder, s.o., könnte nicht lesen…

Freilich, wenn der wuchtigen Predigt etwas fehlte, dann ist das in meinen Augen die begriffliche Schärfe, an manchen Stellen zumindest (sie wurde aber auch in weiten Teilen frei gehalten). Zum Beispiel an den Stellen, wo es um das Katholische geht.

Ich wiederhole: Das hat mich überhaupt nicht aufgeregt!
Zunächst deswegen, weil ich gar nichts anderes erwarte, wenn jemand, der überzeugt evangelisch ist, über uns spricht. Was soll denn das Getue? Wir haben Jahrhunderte des Konflikts hinter uns, wieso sollten wir auf einmal nur noch „Eiapopeia“ machen? Das wäre doch waschlappig! Hey, mir gefallen bestimmte Formen der dauernden „Luther-Idolatrie“ auch nicht und sein Verhältnis mit „Herrn Käthe“ (O-Ton M. Luther…), also Katharina von Bora, ebensowenig und wenn wir schon im 16. Jh. sind, die Billigung der Bigamie von Landgraf Philipp I. v. Hessen, die finde ich auch heute noch decouvrierend. Was ich sagen will: Ob es besonders geschickt war, solche Kontroverspunkte predigtöffentlich zu verbreiten, steht dahin, aber ich jedenfalls setze mich da umgekehrt nicht auf ein hohes Roß und sage stattdessen einfach: „Geschenkt, das gleicht sich aus!“

Dann aber vor allen Dingen, weil es nach meiner Überzeugung (heutige) katholische Lehre und (heutige) katholische Praxis einfach nicht trifft. Mir scheint, da ist ganz viel Mißverständnis, bzw. auch Unkenntnis am Werk, ohne daß ich damit leugnen will, daß es natürlich bei der klassischen Streitfrage der Ekklesiologie und natürlich in der Frage nach dem Sakramentenverständnis mit Pastor Latzel im Zweifel auch auf Dauer unüberbrückbare Unterschiede gäbe.

Der Punkt ist nur: Mit ihm gäbe es in dem Bekenntnis zur Heilsuniversalität und Heilsexklusivität Christi eben auch einen festen Punkt der Gemeinsamkeit und der würde das Bemühen um eine inhaltlich reiche, nicht konfliktfreie, Ökumene, anders als in allzu vielen anderen Fällen, überhaupt erst lohnend machen!

Jetzt könnte ich mir vorstellen, Sie denken gerade: „Das ist für PuLa-Verhältnisse aber alles ein bißchen sehr harmonisch, immerhin  hat der Latzel doch ganz schön über uns vom Leder gezogen; sollten wir da nicht ein bißchen ‚zurückärgern‘?!“

Hm! Versuchen wir doch mal, bei dem entscheidenden verbindenden Punkt zu bleiben, und ihm die nötige begriffliche Schärfe zu geben; Wie wäre es etwa so?

„Gemäß einer wiederholt vertretenen Auffassung wird auch die Einzigkeit und die Heilsuniversalität des Mysteriums Jesu Christi geleugnet. Diese Auffassung hat keinerlei biblische Grundlage. Es gehört nämlich zum beständigen Glaubensgut […], daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Herr und der einzige Erlöser ist, der durch seine Menschwerdung, seinen Tod und seine Auferstehung die Heilsgeschichte, die in ihm ihre Fülle und ihren Mittelpunkt findet, zur Vollendung gebracht hat.“

Oder:

„Der theologale Glaube, die Annahme der durch den einen und dreifaltigen Gott geoffenbarten Wahrheit, wird deswegen oft gleichgesetzt mit der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, mit religiöser Erfahrung also, die noch auf der Suche nach der absoluten Wahrheit ist und der die Zustimmung zum sich offenbarenden Gott fehlt. Darin liegt einer der Gründe für die Tendenz, die Unterschiede zwischen dem Christentum und den anderen Religionen einzuebnen, ja manchmal aufzuheben.“

Weiter:

„Nicht selten wird der Vorschlag gemacht, in der Theologie Ausdrücke wie »Einzigkeit«, »Universalität« oder »Absolutheit« zu vermeiden, weil dadurch der Eindruck entstünde, die Bedeutung und der Wert des Heilsereignisses Jesu Christi würde gegenüber den anderen Religionen in übertriebener Weise betont. In Wirklichkeit bringen diese Worte nur die Treue zum Offenbarungsgut zum Ausdruck, weil sie sich aus den Glaubensquellen selbst ergeben.“

Und schließlich:

„Einige Gebete und Riten der anderen Religionen können tatsächlich die Annahme des Evangeliums vorbereiten, insofern sie Gelegenheiten bieten und dazu erziehen, daß die Herzen der Menschen angetrieben werden, sich dem Wirken Gottes zu öffnen. Man kann ihnen aber nicht einen göttlichen Ursprung oder eine Heilswirksamkeit […] zuerkennen, die den christlichen Sakramenten eigen ist. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß andere Riten, insofern sie von abergläubischen Praktiken oder anderen Irrtümern abhängig sind (vgl. 1 Kor 10,20-21), eher ein Hindernis für das Heil darstellen.“

Denken Sie nicht auch, das müßte dem streitbaren Hünen  aus dem Norden (Hobbys: Kraftsport und Jagd…)  gefallen? Eigentlich schon, oder? Klingt doch wie „systematisierter Latzel“.

Jedoch: Diese Sätze stammen von einem anderen, einem ganz anderen Autor, von Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation nämlich, aus der vielgescholtenen aber wenig gelesenen Erklärung „Dominus Iesus“ vom 6.8.2000.
Und da aus J. Ratzinger bekanntlich wenig später Papst Benedikt XVI: wurde, könnte man auch sagen:

„Der Pastor Latzel redet wie der Papst“!

Ich hoffe, Sie werden mir recht geben: Mehr „zurückärgern“ (bei gleichzeitiger Wahrung der wichtigen Gemeinsamkeit) geht nun wirklich nicht! 😀

 

Christus Pantokrator (Allherrscher),

Christus Pantokrator (Allherrscher), Simone Martini (1285–1344) Fresko in der Kirche Notre-Dame-des Doms, Avignon etwa 1341 (Bild: Wikimedia Commons, The Yorck Project)

 

PS: Die Erklärung, deren Bedeutung der Papa emeritus gerade jüngst erneut unterstrichen hat, und die, daran sei „so nebenbei“ erinnert, ein inzwischen Heiliger Papst in Auftrag gegeben sowie „bestätigt und bekräftigt“ hat, wurde in der öffentlichen Debatte völlig zu unrecht auf die Frage reduziert, welchen Status aus unserer Sicht diejenigen „Kirchentümer“ haben, die sich auf die Reformation beziehen. Die klare Beantwortung dieser Frage wird nicht unbedingt verbindend wirken, aber das tut der fortwirkende antirömische Affekt ja auch nicht. Daß aber darin zentrale theologische Fragestellungen behandelt werden, die auch für jeden Protestanten, der auf das (von J. Ratzinger gern zitierte) Wort M. Luthers: „Das Wort sie sollen lassen stahn!“ noch etwas gibt, von Bedeutung sind, davon haben wir hoffentlich gerade eine Ahnung erhalten. Der Text hat, so glaube ich, einfach zu vielen wissenschaftlichen Theologen auf beiden (!) Seiten mit ihren gerade „schicken“ Forschungsansätzen „in die Suppe gespuckt“, als daß viele ein Interesse gehabt hätten, ihn angemessen zu würdigen, oder gar zu verteidigen… Vielleicht hören wir ja hier auf PuLa in Zukunft noch öfter daraus. 😎

PPS: Nur so am Rande: Ist Ihnen auf dem Bild oben von den 60 Pastorinnen und Pastoren der BEK etwas Besonderes ins Auge gefallen? Ist Ihnen aufgefallen, wie etliche irgendein „Regenbogen-Gefummel“ über dem Talar tragen, dessen kühle Nüchternheit sie offenbar nicht mehr ertragen? Ein wunderbarer Beleg für Pastor Latzels These ist das, denn das wunder- wunderschöne biblische Symbol, des Regenbogens, wir haben es uns wegnehmen lassen, wir alle, denn auch bei katholischen Priestern kann man sowas erleben, und zugelassen, daß es in ein Symbol des Synkretismus und des ‚anything goes‘, ja geradezu in ein, wenn nicht das Banner der ‚Diktatur des Relativismus‘ verwandelt wurde. Das ist eine glühende Schande.
Auch, weil es nachgerade dümmlich ist, denn es ignoriert eine entscheidende Pointe der biblischen Geschichte: Der Bogen Gottes, den Er in die Wolken hängt, egal ob man ihn, wie es viele Exegeten tun, geradezu als „Kriegsbogen“ auffaßt, oder in Nuancen anders, er ist auf jeden Fall eines: Ein machtvolles Symbol. Das Symbol einen Gottes, der aus Gnade und Liebe frei beschlossen hat, seine Macht nicht mehr zur Vernichtung der Erde zu nutzen, der sich aber dieser Macht gerade nicht entäußert hat, vielmehr immer wieder an sie erinnert! Denn, wäre er machtlos, wäre die Versicherung eigentlich überhaupt etwas wert?

Ecce ego statuam pactum meum vobiscum, et cum semine vestro post vos […]

Dixitque Deus : Hoc signum fœderis quod do inter me et vos, et ad omnem animam viventem, quæ est vobiscum in generationes sempiternas :

Arcum meum ponam in nubibus, et erit signum fœderis inter me et inter terram. […]

Dixitque Deus ad Noë : Hoc erit signum fœderis, quod constitui inter me et omnem carnem super terram.
(Gen 9, 9; 12f.; 17)

„Vergiß den Jux auf dem Traumschiff“: Fasching in Herz-Jesu-Weimar

Jedes Jahr, wenn sich die Weihnachtszeit dem Ende zuneigt, wiederholt sich in der Pfarrkirche „Herz-Jesu“ in der Weimarer Pfarrei ebendieses Namens das gleiche Schauspiel: Die Feier der Hl. Messe ist so gut wie beendet und alle, die mitgefeiert haben und sich darauf freuen, gestärkt durch Wort und Sakrament in den Sonntag und die neue Woche (die ja am Sonntag beginnt!) zu gehen, stehen und warten auf den Schlußsegen – doch er kommt nicht!
Nein, statt dessen steht der Priester ein wenig „wie bestellt und nicht abgeholt“ im Altarraum und ein Laie strebt zum Ambo. Immer der gleiche Laie, egal ob als Vorsitzender oder stv. Vorsitzender des Pfarrgemeinderats oder was auch immer. In der gottesdienstlichen Versammlung macht sich leichte Unruhe breit, alle setzen sich abrupt wieder hin, denn jeder weiß, was jetzt kommt: Die Werbung für den je aktuellen „Gemeindefasching“.

Das interessiert ohnehin nicht jeden, aber gut, „wenn man die Leute einmal beisammen hat“ finde ich es durchaus in Ordnung, die Gelegenheit zu nutzen, nur: Doch bitte nicht noch vor Abschluß der heiligen Handlung!
Dieses Phänomen, noch innerhalb des Raums der Hl. Messe sonstwas von irgendwem „verkünden“ (sic!) zu lassen ist ein Unding! Es wäre ja nun wahrlich kein Problem, die Versammlung zu bitten, nach dem Schlußsegen für eine Ansage von z.B. dem PGR kurz dazubleiben, aber dergestalt ist es regelmäßig eine harte Probe der persönlichen Andacht und so wird die Achtung vor der Heiligkeit der Messe gewiß nicht gefördert, die uns so dringend not täte. Sie, die Messe, ist nämlich der alleinige Grund, warum wir zusammengekommen sind.
Liebe Zelebranten in Herz-Jesu-Weimar, hier liegt eine Aufgabe: Den Abschluß der Hl. Messe für einen Hinweis nutzen, gut, aber die Messe selbst, solange sie noch nicht beendet ist, zum Vehikel der Werbung für Klamauk zu machen, das bitte künftig nicht mehr, bitte!

Zumal dieser eigentlich harmlose Klamauk, hinsichtlich dessen die Frage, ob man daran teilnimmt in den Bereich des persönlichen Geschmacks fällt, bei uns in Weimar so harmlos nicht ist, wie man schon daran sieht, welches Motto jeweils gefunden wird.
Sehen wir uns einige Beispiele aus den vergangenen Jahren an:

„Käpt’n Carstens Casting für das Traumschiff“

„Ex oriente Jux“

und ganz aktuell:

„Komm, ver(gis)s, schwing und kling“

Doch, doch, alles echte Zitate! 🙄

Ich weiß nicht, wer sich das jeweils ausdenkt, aber es ist schon bemerkenswert, mit welcher „Treffsicherheit“ hier makaberste Assoziationen wachgerufen werden: Im ersten Fall war das „Traumschiff“ die Costa Concordia, die ein anderer „Käpt’n“ (der gerade aktuell wieder in den Nachrichten war) aber richtig sauber auf Grund gesetzt hatte…
Im zweiten Fall kam aus den (Nahen) Osten schon lange kein „Jux“ mehr, sondern bitterer, tödlicher Ernst, Terror und Entsetzen.
Den dritten Spruch verstehen Sie gar nicht? Können Sie auch nicht, wenn Sie kein Weimarer Insider sind! Das „gis“ bezieht sich auf den Stimmton unsere neuen Glocke (PuLa berichtete).

Jetzt könnten Sie einwenden: Für unvorhersehbare Katastrophen und weltpolitische Entwicklungen können ja die Motto-Erfinder nix. Stimmt soweit, wenn auch in Sachen der Weltpolitik ein klein bißchen Gespür genügt hätte.

Ich persönlich glaube jedoch, auf den Sprüchen liegt aus ganz anderen Gründen kein Segen. Und der Mangel an christlichem Empfinden, der da zum Vorschein kommt, der ist sehr wohl vorwerfbar!

Schauen wir uns den ersten Spruch an: Ein „Casting“ wird durchgeführt, vom „Chef an Bord“; na wen haben wir uns darunter wohl vorzustellen, in einer katholischen Pfarrei, hm? Leider haben wir es in einem anderen, ganz ernstgemeinten Zusammenhang schriftlich, wie man sich das praktisch vorzustellen hatte und hat, mit  dem „Casting“: Es wird knallhart aussortiert, was erwünscht ist und was, bzw. vor allem wer nicht! (PuLa berichtete) Den vielen „Aussortierten“ aller Schattierungen und Herkünfte dürfte ein solches Motto daher mit Verlaub schlicht im Halse steckengeblieben sein; quer…

Und weiter: „Ex oriente lux“, das Licht, das Heil, das Christus ist, ja, wir verbinden es nach uralter christlicher Überlieferung mit der Ausrichtung „nach Osten“; diese „Orientierung“ hat Europas Städte seit Jahrhunderten geprägt, sie ist sozusagen „Stein geworden unter uns“ in ihrem eschatologischen Verweischarakter. Damit macht man als Katholik keine blöden Scherze. Aber paßt das nicht zu einer Pfarrei, in der ja auch schon gewitzelt wurde, der HErr habe ja schließlich ein Abendmahl und keine Frühmesse gestiftet (vgl. hier)?

Und in diesem Jahr? Nun, was die ganze völlig intransparente Glockenbeschaffung angeht, so wissen wir inzwischen immerhin aus berufenstem Munde predigtöffentlich, wessen Idee es tatsächlich war: Die der „Gemeindeleitung“, was natürlich niemanden, aber auch absolut niemanden mehr verblüfft hat. Auch hier ist die heraufbeschworene Assoziation wieder vom Feinsten: „Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist“ singt eine Figur in J. Strauss‘ (Sohn) Operette „Die Fledermaus“

Es geht dabei um die Folgen der Vertuschung eines Ehebruchs. Wie schön das in die augenblickliche Lage der Kirche paßt (Stichwort Bischofssynode(n)) muß ich wohl nicht erst erläutern, oder?

Ja, in der Lage, in der sich diese Pfarrei befindet, in die sie hineinmanövriert wurde!, da nehmen die Versuche, Normalität vorzutäuschen eben leicht etwas Krampfiges an, das läßt sich auch im, wie man so hört, ohnehin immer kleineren Kreis nicht organisiert „weglachen“…

Allerdings, wenn man die Sprache ernstnimmt (und das sollte man immer), die uns hier begegnet, dann gibt es da noch eine Ebene – und die birgt vielleicht einen Hoffnungsschimmer!
Aus „Glücklich ist,…“ wurde ja „Komm, vergiß“, aus einem Indikativ, der Beschreibung eines (bereits eingetretenen) Zustands ein Appell, eine Aufforderung: Ein Mensch oder mehrere Menschen sollen (erst noch) etwas vergessen. Sehr interessant!
Freilich, es wird nicht gesagt, an wen sich dieser Appell richtet. Wenn Sie jetzt denken, er könnte sich an die Macher von PuLa richten und allgemein all die vielen, die nicht bereit sind, sich mit den eingerissenen Zuständen abzufinden, so ist das ist zwar grundsätzlich gut überlegt, aber nach über 3 Jahren und 10 Monaten PuLa dürfte diese Hoffnung wohl wirklich niemand mehr hegen und das sehr zu recht,  denn: „We are here to stay!“
Dann könnte es gerichtet sein an all diejenigen, die so ein bißchen was wissen und eigentlich ja auch gar nicht mehr wissen wollen: „Kommt, vergeßt es einfach, alles ist gut, die „Gemeindeleitung“ sorgt schon für Euch, schlaft weiter“ Aber auch das wäre wenig erfolgversprechend, denn die „Feuerchen“ flammen an immer mehr Orten auf und auch an solchen, die mit PuLa (direkt) gar nichts zu tun haben, ich sage nur: „Sternsinger“… Nein, die Menschen werden sich nicht immer und immer länger vormachen lassen, es wäre alles in Ordnung!

Wer kann aber dann noch der Adressat der Aufforderung „Komm vergiß“ sein? Mir scheint, die Sache ist psychologisch ganz klar: Die Aufforderung richtet sich an die in das „System Pfarrei“ Verstrickten selbst. Es ist eine Art unbewußter Autosuggestion!
Ja, ich glaube, hier kommt tatsächlich zum Vorschein, daß sich auch etliche derjenigen, die jetzt (noch) mit- und gute Miene zum bösen Spiel machen, schon längst nicht mehr wohl in ihrer Haut fühlen – und das spricht ja immerhin für sie!
Allein, die Lösung kann eben nicht das Vergessen sein, eigentlich nicht mal für ein paar Stunden alkoholisierten Frohsinns.  Denn wir sind eben nicht auf dem „Traumschiff“, sondern in einer sehr ungemütlichen Realität.

Die Lösung kann nur sein, in großer Nüchternheit zurück in die Wahrheit zu finden, die Fäden zu den Gespinsten der (hoffentlich bald) Vergangenheit entschlossen abzuschneiden, um wieder frei zu atmen.
Dann, erst dann, wird sich auch wieder gemeinsam fröhlich sein lassen, ganz ohne den Wunsch nach Vergessen.

Beten wir darum, noch inständiger in der jetzt vor uns liegenden Fastenzeit!

 

(Der Gemeindefasching im „Café Hainfels“ beginnt heute, 13. Februar 2015 um 19.11 Uhr)

 

 

 

 

„Die Gretchenfrage…

und aktuelle Diskussionen“ titelte die sehr geschätzte Kollegin vom Beiboot Petri am 3. Februar und spann damit den bescheidenen Beitrag, den PuLa hier unter dem Titel „Ob der Islam…“ am 31. Januar, inspiriert vor der wunderbaren NEL-Karikatur gebracht hatte, weiter.

Versehen mit vielen hilfreichen Links finden wir vor allen Dingen den Hinweis auf die schon einige Zeit zurückreichende „Glaubensverdunstung“ und deren „literarische Dokumentation“ wertvoll (wenn auch bedrückend). Ja, man sollte sie wieder vermehrt lesen, die Bücher von G. von le Fort, von Fr. Görres und (trotz allem auch) von G. Fussenegger, weniger, viel weniger, im Sinne der Erbauung als vielmehr im Sinne der durchaus kritischen historischen Einordnung und des historisch vertieften Verständnisses unserer heutigen Malaise!

Lese-Empfehlung (hier) und, wie wir ja schon öfter gesagt haben: Die Blogoezese ist etwas Wunderbares! 😀

Da wir aber heute nicht ohne Erbauung enden wollen, schließen wir uns der Kollegin auch insoweit an und fügen eine der wuchtigsten und schönsten aus den „Hymnen an die Kirche“ von Gertrud von Le Fort an:

 

Heiligkeit der Kirche

DEINE Stimme spricht:
Ich habe noch Blumen aus der Wildnis im Arme,
ich habe noch Tau in meinen Haaren
aus Tälern der Menschenfrühe,
Ich habe noch Gebete, denen die Flur lauscht, ich weiß noch,
wie man die Gewitter fromm macht und das Wasser segnet.
Ich trage noch im Schoße die Geheimnisse der Wüste,
ich trage noch auf meinem Haupt
das edle Gespinst grauer Denker,
Denn ich bin Mutter aller Kinder dieser Erde:
was schmähest du mich, Welt,
daß ich groß sein darf wie mein himmlischer Vater?
Siehe, in mir knien Völker, die lange dahin sind,
und aus meiner Seele leuchten nach dem Ew‘gen viele Heiden!
Ich war heimlich in den Tempeln ihrer Götter,
ich war dunkel in den Sprüchen aller ihrer Weisen.
Ich war auf den Türmen ihrer Sternsucher,
ich war bei den einsamen Frauen, auf die der Geist fiel.
Ich war die Sehnsucht aller Zeiten,
ich war das Licht aller Zeiten, ich bin die Fülle der Zeiten.
Ich bin ihr großes Zusammen, ich bin ihr ewiges Einig.
Ich bin die Straße aller ihrer Straßen:
auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott!

 

SIC! Recht verstanden wäre eine Kirche, die weniger ist GOtt sei  Dank gar nicht vorstellbar. Eine Kirche, die weniger sein wollte, hingegen wird genau deswegen auch nie, niemals genug sein können…

Das Lied zum Tage

Heute, am Fest Mariä Lichtmeß/Darstellung des HErrn, geht nun die (kirchliche) Weihnachtszeit wirklich zu Ende (lassen Sie sich von irgendwelchen „Sonntagen im Jahreskreis“ gar nicht irritieren, das geht auch wieder vorbei 😀 ) und, sicher erwarten Sie mittlerweile schon gar nichts mehr anderes, oder?, auch dazu haben die „Cäcilini Weimar“ natürlich ein Lied im Repertoire; Enjoy: