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Noch einmal: „Ad te levavi animam meam“

Am zweiten Tag unserer Überbrückung bis zum Vorband des PuLa Adventskalenders hören wir heute nochmals das Introitus zum Ersten Sonntag im Advent, heute aber in einer Vertonung von Josef Rheinberger.

Enjoy!

 

 

Ja, diese wunderbaren liturgischen Texte wurden immer und immer wieder in Töne gesetzt – und bis in unsere Tage werden sie das! Aber dazu morgen mehr.

Heute erlaube ich mir stattdessen die Beobachtung, daß es ausgerechnet unsere lutherischen Schwestern und Brüder sind, die hinsichtlich der Adventssonntage (wie auch anderer Sonntage, natürlich!, vgl. hier) an den lateinischen (ergo „vorreformatorischen“ 😉 ) Bezeichnungen festhalten; und es „passiert“ – nichts! Derweil bei uns, für die das Lateinische natürlich nach wie vor Liturgie- und Rechtssprache ist, manche Menschen in nervöse Zuckungen ausbrechen, wenn die Rede davon ist…

In dem Zusammenhang: Ich habe, hier in Weimar, schon einen evangelischen Gottesdienst erlebt, da hat doch die Pfarrerin es tatsächlich gewagt vorne am Altar zu beten – mit dem Rücken zum „Volk“!!

Und das soll gar öfter vorkommen.

Und wissen Sie was? Es ist wieder nichts „passiert“! 🙂

PuLa findet: Es ist höchste Zeit, daß wir uns innerakatholisch mal ein bißchen entspannen, allerhöchste…

„Chance und Neubeginn“

So überschreibt der Pfarrer von Bickenriede, Hw. Michael Messer, langjähriger Kaplan in Weimar, am 7. November einen Beitrag auf seinem auf PuLa ja nicht unbekannten Blog: „Drei weiße Tauben“. Dieser Beitrag, auf den uns ein aufmerksames Mitglied der Pfarrjugend hingewiesen hat (Danke! 🙂 ), beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen an seiner alten Wirkungsstätte, hier in der Pfarrei Herz-Jesu.

Der Beitrag ist naturgemäß nicht mehr auf dem neuesten Stand, wir wissen ja inzwischen ganz offiziell, daß Neuwahlen zum Kirchenvorstand nicht erforderlich waren, aber er ist (ungeachtet einiger grammatikalischer Schnitzer 😉 ) nach wie vor lesenswert, besonders aufgrund der darin zum Ausdruck kommenden Einschätzungen und Bewertungen hinsichtlich der Weimarer Situation in den vergangenen Jahren seitens eines echten Insiders.
Wir empfehlen die Lektüre daher besonders einigen Gemeindemitgliedern, nicht bloß im südlichen Teil des Pfarrgebiets, die sich leider immer noch nicht von ihren völlig irrigen Vorstellungen über die Entwicklungen der letzten Zeit gelöst zu haben scheinen und ihre Kräfte darin verschwenden, wenig sinnvolle Briefe zu schreiben, statt beim Neuanfang mit anzupacken.

Lesen Sie bitte hier!

Der Hl. Geist in Gestalt einer Taube, Fresko in der Karlskirche in Wien (Johann Michael Rottmayr) Bild: Wikimedia Commons, Manfreeed)

Der Hl. Geist in Gestalt einer Taube, Fresko in der Karlskirche in Wien (Johann Michael Rottmayr) Bild: Wikimedia Commons, Manfreeed)

 

 

„Ad te levavi animam meam“: Advent und – Adventskalender!

Auch in diesem Jahr wird es auf PuLa wieder einen Adventskalender geben, den fünften immerhin schon.
Aber es gibt da ein praktisches Problem. Dem diesjährigen Adventskalender ist nämlich erneut die Zahl von 24 „Türchen“ geradezu eingeschrieben, warum, das wird noch erklärt.

Nun ist aber bereits Advent und bevor mich ein liturgisch kundiger Mensch (ich denke da so an die Richtung von Eisenach, beispielsweise… 😉 ) erst darauf hinweist, sage ich, ja, wenn dies erscheint, ist es schon soweit, mit der ersten Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags hat das neue Kirchenjahr bereits begonnen!

Trotzdem gibt es den traditionellen Vorabend zum PuLa-Adventskalender wie in jedem Jahr erst am 30. November. Bis dahin überbrücken wir zwei Tage mit Aufnahmen des Introitus zum ersten Adventssonntag. Die Art und Weise wie das geschieht führt zugleich schon ein in die Struktur der kommenden Tage.

Enjoy!

Ad te levavi animam meam:
Deus meus in te confido, non erubescam
neque irrideant me inimici mei
et enim universi qui te exspectant, non confundentur.
Vias tuas, Domine, demonstra mihi, et semitas tuas edoce me.

(Psalm 24, 1-3, 4 Vg)

Zu dir erhebe ich meine Seele;
mein Gott, auf dich vertraue ich, Darum werde ich nicht erröten,
noch sollen meine Feinde mich verlachen.
Denn all die vielen, die auf Dich warten, werden nicht zuschanden.
Vers:
Herr zeige mir Deine Wege und lehr mich Deine Pfade.

(Grundlage nach momentan verbreiteter Zählung [mvZ] in Ps 25, 1 – 4 zu finden)

Der Text des Evangeliums zum Ersten Sonntag im Advent ist im nun beginnenden Lesejahr C schönerweise der, der es bis 1970 immer war, damit paßt er zum ja ebenfalls „älteren“ Introitus. Er findet sich bei Lukas, Kapitel 21, Verse 25–28.34–36 (wie ich diese zerschnittenen Perikopen „liebe“ 🙁 ), vorher einfach Verse 25 – 33. Es geht um die Wiederkunft des HErrn am Ende der Zeiten:

[E]t tunc videbunt Filium hominis venientem in nube cum potestate magna et majestate.
His autem fieri incipientibus, respicite, et levate capita vestra : quoniam appropinquat redemptio vestra. (Lk 21, 27f.)

Und dann werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen in einer Wolke mit Macht und großer Herrlichkeit.
Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.

Wenn man übrigens den Text des Introitus mit dem Psalmtext aus der Vulgata vergleicht, wird man leicht Unterschiede feststellen, deren gewichtigster die Auslassung des Wortes „Domine – HErr“ gleich nach den ersten zwei Wörtchen ist. Wer Freude an musikalisch-theologischen Überlegungen hat, kann sich dazu diesen Artikel anschauen, den ich durchaus lohnend finde, der mir aber doch ein wenig spekulativ erscheint. Könnte es nicht auch einfach sein, daß der ursprüngliche „Komponist“ des Introitus einen anderen Text vor sich hatte?
Wer sich damit auskennt, ich freue mich über jeden Hinweis, aber bitte darüber das wichtigere ‚Aufheben der Häupter‘ nicht vergessen! 🙂

Einen eingeschenkt auf der Schwelle,…

…und zwar „reinen Wein“!

Aber ob er auch gemundet hat?

Vor ein paar Tagen sind die deutschen Bischöfe von ihrem jüngsten Ad Limina-Besuch zurückgekehrt, dem regelmäßigen, einer ehrwürdigen Tradition folgenden, Aufenthalt der Bischöfe aus aller Welt ‚ad limina apostolorum‘, auf der Schwelle der Apostel(-gräber), also beim Nachfolger Petri, dem Papst.

Und bei der Gelegenheit hat der Hl. Vater seinen deutschen Mitbrüdern im Bischofsamt eben „ganz schön einen eingeschenkt“.
Diese Tatsache konnten Sie, wie üblich, in der normalen Presse nur mit Mühe, wenn überhaupt, wahrnehmen, die Absicht, Papst Franziskus, koste es, was es wolle, wie einen „liberalen Reformonkel“ aussehen zu lassen, ist offenbar ungebrochen 🙁

Aber genau dafür lesen Sie ja katholische Blogs, nicht wahr?! 😉

Sie finden eine hervorragende Zusammenschau ganz schnell beim Kollegen P. Winnemöller auf katholon, hier und hier.

Von dort habe ich auch (gekürzt und modifiziert) die folgende Zusammenstellung der Gravamina von Papst Franziskus übernommen (vielen Dank, Peter):

  • Starker Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuchs und des sakramentalen Lebens
  • Abnahme der Zahl der Berufungen für den Dienst des Priesters und für das gottgeweihte Leben.
  • Wirkliche Erosion des katholischen Glaubens in Deutschland.
  • Überwindung lähmender Resignation erforderlich.
  • Schaffung immer neue Strukturen, für die eigentlich die Gläubigen fehlen.
  • Übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik.
  • Gebot der Stunde: Pastorale Neuausrichtung, die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen muß expansiver und offener werden.
  • Daß der Bischof seine Aufgabe als Lehrer des Glaubens wahrnimmt, ist unerläßlich.
  • Der Bischof soll die theologischen Fakultäten begleiten („wie ein treu sorgender Vater“).
  • Das sentire cum Ecclesia muß besonders diejenigen auszeichnen, welche die jungen Generationen ausbilden und formen.
  • Die Kirche darf nie müde werden, Anwältin des Lebens zu sein.

Sie finden das gesamte Dokument auf den Seiten des Vatikans hier, und die Lektüre lohnt.

Ich möchte heute auf drei Aspekte besonders eingehen:

1) Die Kontinuität zu Papst Benedikt

Wenn Sie sich die Mühe machen, nachzulesen, was der Vorgänger des heutigen Papstes, Benedikt XVI. im Jahr 2006 den deutschen Bischöfen gesagt hat, (hier) so findet sich eine ganz bemerkenswerte Kontinuität, bis hin in Einzelheiten! So etwas ist natürlich auch immer einer „gut funktionierenden Wiedervorlage“ zu verdanken (die ich als Beamter nur lebhaft begrüßen kann! 🙂 ), aber ist gerade dieser Papst etwa dafür bekannt, einfach vorzulesen, was ihm die Kurie aufschreibt? Wohl kaum, oder? Nein, hier sieht man erneut: Egal wie oft auch hochwohlmögende Presseorgane J.M. Bergoglio noch mit einer Che Guevara-Mütze abbilden mögen, um das vermeintlich „Revolutionäre“ darzustellen, das ist einfach alles Quatsch.
Die schlichte Wahrheit ist, der Papst ist der Papst und die Natur seines zutiefst geistlichen Amtes und Dienstes bewirkt diese Kontinuität.
Ja, die „Entweltlichung“, die dieser Papst vorschlägt, sie kommt erheblich „rauher“ einher, als alles, was der sanfte deutsche Gelehrte Joseph Ratzinger jedenfalls vordergründig je formuliert hat!

2) Die Qualität der Ansprachen von deutscher Seite

Man muß es der Deutschen Bischofskonferenz lassen, zu ihrer Pressemitteilung zum Abschluß des Ad Limina Besuchs hat sie die Ansprache des Papstes zugänglich gemacht. Freilich muß man dafür klicken, wohingegen, die Worte ihres Vorsitzenden, Reinhard Kardinal Marx, direkt zu lesen sind, hier.

Das ist nun ein ziemlich deprimierender Text, leider. Im Grunde enthält er nichts anderes, als die Wiederholung der ja nun mittlerweile notorischen: „Wir sind keine Filiale von Rom“ Ansage, hübsch verpackt in ganz viel „Synodalität“. Und natürlich dürfen zur Ouvertüre die „Wiederverheirateten Geschiedenen“ nicht fehlen, die aber doch erst nach dem „tiefgreifenden Umbau“, sprich den Strukturfragen vorkommen. Ja, man kann an dieser Rede schon verfolgen, was jedenfalls diesen Oberhirten wirklich umtreibt…

Freilich, neben einer hübschen Stilblüte, der heutzutage ja leider häufig anzutreffenden „Gemeinsamen Begegnung“ (wenn mir bitte jemand verriete, wie Begegnung un-gemeinsam geht? 🙂 ), bringt der Text seinen Verständnis-Schlüssel selber mit, gleich zum Abschluß des zweiten Absatzes:

„[…] wie die Kirche überzeugende Pilgerin sein kann auf dem Weg, den die Menschen von heute gehen.“

Nein. Einfach nein! Das ist exakt nicht die Aufgabe der Kirche, sie ist es nie gewesen und wird es niemals sein. Dieser „Weg der Menschen von heute“, im Singular!, wie wäre er denn in unübersichtlichen Zeiten allererst zu beschreiben? Aber vor allem: Er kann ja alles sein, dieser Weg – auch schlicht böse. Dann führt er weg von Gott. Und auf diesem Wege pilgert die Kirche eben nicht. Sie geht ihren Weg zu Gott hin. Das ist ein eigener und es ist der Weg, der die Welt retten kann. Nur er. Nur dieser. Deswegen wäre jedwedes Gehen auf einem anderen Weg nur eines: Verrat an den Menschen. Von dem Verrat am HErrn mal ganz zu schweigen.

Ich verstehe nicht, wie solch ein Satz den Mund eines Kirchenmanns verlassen kann, wirklich nicht.

Und, nur so nebenbei, schauen Sie doch noch einmal hier, in die Ansprache des damligen DBK-Vorsitzenden von 2006. Ich bin nun gewiß kein ausgemachter „Fan“ von Karl „Ich weiß-mit-Texten-umzugehen“ Kardinal Lehmann, aber sein damaliges Grußwort hatte wahrlich ein anderes Kaliber!

3) Priestertum und Eucharistie

Uns hier in der Diaspora müssen naheliegenderweise die Hinweise des Hl. Vaters zum Thema „Mithilfe von Laien“ besonders interessieren! (Wenn man auch gar nicht oft genug sagen kann, daß es konkret in Weimar so etwas wie ‚Priestermangel‘ schlicht nicht gibt!) Der diesbezügliche Absatz ist so kostbar, daß ich ihn hier in Gänze zitiere:

„Desgleichen ist es notwendig, die innere Verbindung von Eucharistie und Priestertum stets klar sichtbar zu machen. Pastoralpläne, die den geweihten Priestern nicht die gebührende Bedeutung in ihrem Dienst des Leitens, Lehrens und Heiligens im Zusammenhang mit dem Aufbau der Kirche und dem sakramentalen Leben beimessen, sind der Erfahrung nach zum Scheitern verurteilt. Die wertvolle Mithilfe von Laienchristen im Leben der Gemeinden, vor allem dort, wo geistliche Berufungen schmerzlich fehlen, darf nicht zum Ersatz des priesterlichen Dienstes werden oder ihn sogar als optional erscheinen lassen. Ohne Priester gibt es keine Eucharistie. Die Berufungspastoral beginnt mit der Sehnsucht nach dem Priester im Herzen der Gläubigen.“

Und genauso ist es: Wo in der angemessenen Würdigung der Unterschiede und der Rangfolge Laien Gottesdienste leiten, wo es wirklich nicht anders geht, da funktioniert es, ein Beispiel dafür haben wir erst in diesem Jahr auf PuLa gebracht, hier.

Umgekehrt kennt aber wohl auch jeder die Gemeinden, in denen es nicht funktioniert, in denen durch jahrelange Vernachlässigung selbstermächtigte „Superlaien“ die Leitung an sich gerissen haben. Man merkt es auch als Gast leider immer sofort an der verlotterten Liturgie, selbst wenn ein Priester anwesend ist. Auch ein solches trauriges Beispiel haben wir im zurückliegenden Jahr erleben müssen, wollen aber auch weiterhin lieber den Mantel des Schweigens darüber decken, zumal diese Pfarrei nun wirklich außerhalb unserer Einflußmöglichkeiten liegt. 😉

Ja, es ist wie der Hl. Vater sagt: So etwas ist zum Scheitern verurteilt. Nötig ist, was Papst Franziskus fordert: Die Stärkung des Priestertums, und die beginnt mit der „Sehnsucht nach dem Priester im Herzen der Gläubigen“. Was für ein wunderbarer Satz, Danke!

Juravit Dominus, et non pœnitebit eum * Tu es sacerdos in æternum secundum ordinem Melchisedech.
(Ps 109, 4 Vg)

(Geschworen hat der HErr, und nicht wird’s ihn reuen: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks.“)

 

PS: Natürlich gibt es aus den Reihen der DBK auf die Ansprache des Papstes keine offizielle Entgegnung, so „weit“ sind wir dann doch noch nicht. Aber wer möchte, kann vielleicht die ersten Äußerungen des neugewählten ZDK-Vorsitzenden durchaus als eine Art Reaktion verstehen, hier. Und während ich an diesem Posting schrieb, erhielt ich auch Kenntnis von dieser unerträglich paternalistischen (wenn nicht rassistischen) Bemerkung auf dem offiziellen Portal der DBK „katholisch.de“ (vgl. auch hier).

Aber ich warne Sie, das zu lesen macht keine gute Laune, doch vermutlich muß man sich derartiges antun, um zu verstehen, wo man sich befindet, im deutschen organisierten Katholizismus… 🙁

 

Bloß gut, daß morgen etwas Schönes beginnt, auch hier auf PuLa! 🙂

Zukunftssicher!

Hätten wir nicht unter anderem auch über sprachliche Klischees und ihre Vermeidung gesprochen, auf dem vierten Katholischen Bloggertreffen im Kardinal-Hengsbach-Haus, dem Tagungshaus des Bistums Essen, es wäre durchaus verführerisch gewesen, diesen Beitrag zu überschreiben: „Stürmische Tage in Essen-Werden“.

Aber das wäre nur in Bezug auf das wirklich fürchterliche Wetter korrekt gewesen hingegen eher nicht im übertragenen Sinne, denn wir etwa 20 Blogger aus allen Teilen Deutschlands haben uns zum größten Teil erneut ganz wunderbar verstanden.
Und der andere Teil? Der half, ganz zum Ende, daß die Harmonie nicht vollends überhandnahm, das hält ja keiner aus 😉 , aber ich greife vor!

Die nicht gerade kurze (der Westen ist ja soo weit weg! 🙂 ) aber weitestgehend problemlose Anreise bot reichlich Gelegenheit, die architektonischen Hervorbringungen der Jahrzehnte nach Kriegsende in diesem urbanen Ballungsraum zu betrachten – ich für meinen Teil lebe gern in der mitteldeutschen Provinz…

Der Ort Werden mit seiner großen Abtei, um die herum er gewachsen ist, war übrigens bestimmt einmal sehr hübsch, so direkt am Ufer der Ruhr gelegen, heutzutage jedoch kommt hier der Begriff der autogerechten Stadt leider ganz zu sich selbst.

Essen-Werden von der S-Bahn-Station aus, im Hintergrund die Abteikirche St. Ludgerus (eigenes Bild)

Essen-Werden von der S-Bahn-Station aus, im Hintergrund die Abteikirche St. Ludgerus (eigenes Bild)

Das Kardinal-Hengsbach-Haus allerdings liegt ziemlich hoch auf der anderen Seite des Flusses und ausgesprochen privilegiert auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrikantenvilla.

Von außen ist es gar nicht leicht, ein Bild des KHH zu erhalten, bzw. zu machen (abgesehen davon, wie schlecht das Wetter war…), schauen Sie aber hier und hier [auf das Bild klicken!].

Traue ich mich zu sagen, daß mir das Gebäude aus dem Jahr 1962 gar nicht so schlecht gefallen hat? Natürlich, ich würde in derartiger Architektur nicht leben wollen, und die m.E. ohne Not nicht geostete sog. „Seminarkirche“, ohne irgendein „Bild“, naja! Dennoch, zu dieser Zeit, in den frühen 60er-Jahren gab es hier offenbar einen ganz klar erkennbaren Gestaltungswillen, der von christlichen Architekturprinzipien noch etwas wußte, und der sich an dieser Stelle nahezu ganz ohne entstellende spätere Zusätze präsentiert.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Kreuzgang (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Kreuzgang (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Foyer (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Foyer (eigenes Bild)

Wir fanden uns jedenfalls im dem unglaublich weitläufigen Gebäude („Wie? Hier gibt es noch eine Kapelle?!“) gut untergebracht und anständig verköstigt, aber vor allem: Das WLAN hat gut funktioniert, auch für mehrere Geräte gleichzeitig, gute Arbeitsgrundlagen also und gute Grundlagen für die ‚coverage‘ auf Twitter, was Sie ggf. unter dem Hashtag #kbt15 auch noch nachvollziehen können. Dessenungeachtet fiel uns allen auf: Je intensiver die thematische Beschäftigung, desto eher kommt man auf „Old-school-Methoden“ (Vulgo: Papier und Kugelschreiber!) zurück. Und: Die Steckerleisten voller Netzteile sind, mit dem Überhandnehmen von Smartphones und Tablets, klar auf dem Rückzug.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Tagungsraum mit Netzteilflaute (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Tagungsraum mit Netzteilflaute (eigenes Bild)

Die guten Arbeitsgrundlagen haben wir intensiv genutzt. Und das ist zuallererst ein Resultat der herausragenden Vorbereitung und Organisation durch Peter Winnemöller, dem dafür gar nicht genug gedankt werden kann!
Ehrlich, ganz unspontaner deutscher Beamter, der ich bin, war ich nicht ganz ohne Sorge gewesen, was den Ansatz der diesjährigen Tagung anging: Durchführung als ‚Barcamp‘, das hieß ja auch Themenfindung in Selbstorganisation. Würde das gutgehen? Nun, es hat ganz hervorragend funktioniert! Weil P.W. es so professionell vorbereitet hatte und weil alle Teilnehmer mit Eifer und Disziplin bei der Sache waren.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Extra angefertigte Arbeitsmappe mit Illustration von Peter Esser (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, extra angefertigte Arbeitsmappe mit Illustration von Peter Esser (eigenes Bild)

Ich will an dieser Stelle über die teils sehr ernsten Themen (Bedrängte Christen in der Weltkirche, aber auch Bedrohung von Bloggern hierzulande gehörten dazu) nicht zuviel sagen, denn: Da kommt noch etwas auf Basis der Papiere, mit deren Hilfe die Ergebnisse der ‚Workspaces‘ im Plenum vorgestellt wurden, das möchte ich nicht vorwegnehmen.
Erwähnt werden muß freilich noch der anregende Vortrag von Klaus Kelle über das „Professionelle Schreiben“ am Samstagnachmittag.
Das gemeinsame Stundengebet gehörte wiederum ebenso zu unserer Tagung, die sich richtigerweise immer auch als geistliches Treffen versteht, wie die Möglichkeit, an den beiden eigentlichen Seminartagen je eine Hl. Messe mitzufeiern. Eine davon hat heuer erstmals in der außerordentlichen Form des römischen Ritus stattgefunden und wer jetzt meint, ich würde über die Gestaltung der anderen u.U. etwas schreiben (Stichwort „Westkirche“, NGL und neonfarbige Meßgewänder) den muß ich enttäuschen, ich sage nur, wir haben eine, wie ich fand, gute Predigt gehört, die, passend zum heutigen Evangelium und zu den schrecklichen Ereignissen in Paris den eschatologischen Grund unserer Hoffnung klar ins Auge gefaßt hat.

Den freudigen Höhepunkt der Tagung haben wir dann heute morgen erlebt: Die Zukunft der Bloggertreffen für die nächsten zwei Jahre ist gesichert! Ja, wir werden nachgerade eingeladen 😯 Also werden wir, deo volente, im Jahr 2016 in Hildesheim und im Jahr darauf in Kevelaer zusammenkommen und ich habe keine und keinen gehört, der sich nicht darauf freute.
Wäre es nicht auch so ein schönes altes Sprachklischee, ich würde glatt in den Ausruf: „Ad multos annos, Bloggertreffen!“ ausbrechen! 🙂

Und das nicht nur harmonische Ende der Tagung? Ach, auch wenn ich es wirklich erschütternd finde, wenn sich Selbstverständliches nicht von selbst versteht (vgl. hier), ich glaube, solange es niemand anderes tut, will ich lieber nichts darüber schreiben. Solange.

Inquire pacem et persequere eam.
(Ps 33, 14 b Vg.)

(Here’s looking at you, Martin W.!)

Edit (22:28 Uhr) Peter Winnemöller ist mit seinem Bericht auch schon online, hier!

Der Schnatterkanon, oder: St Martin verspätet

Weimar und Erfurt, ein wenig ist das wie Düsseldorf und Köln, die Städte sind sich in herzlicher Abneigung verbunden und – machen normalerweise genau das, was in der je anderen Kommune praktiziert schon genau deswegen nicht auch ihrerseits…

Um so eigentümlicher, daß ausgerechnet die in anderen Teilen Mitteldeutschlands durchaus nicht verbreitete Unsitte, die gemeinsame Martinsfeier immer (!) am Abend des 10. November und damit de facto (und häufig genug auch von der Anmutung und den verwendeten Texten her…) als Geburtstagsfeier eines gewissen Luther, Martin zu begehen hier wie dort eingerissen ist.

Ehrlich gesagt, ich finde es ja in Erfurt als Bischofsstadt noch eigentümlicher, die Feier des großen heiligen Bischofs von Tours nicht an seinem Gedenktag zu begehen (nicht einmal ein übers andere Jahr) als hier, in der nun einmal über lange Zeit monokulturell protestantischen Residenzstadt.
Naja, mal gucken, ob nicht auch in diesem Fall die kleinere Stadt es der größeren in Zukunft vormacht, wie’s richtiger gehen kann mit den „eigentlichen Martinstag“ – mal sehen! 🙂

Und? War das der Grund, weshalb PuLa das Lied zum (gestrigen) Tage heute erst bringt? Überkompensation, sozusagen? 😉

Nein, das war er natürlich nicht! Vielmehr haben wir es abends einfach nicht mehr geschafft und das aus einem sehr erfreulichen Grunde: Wir haben nämlich eine wunderbare Veranstaltung besucht – den 3. Abend der 8. (!) Reihe der Bibellesungen von Prominenten im Gewölbekeller der Stadtbücherei Weimar (EKM-Pressemiteilungen).

„Bibel und ‚Prominente‘“? Es schaudert Sie? 😉

Das verstehen wir, aber: Es war ja nicht irgendein Prominenter, sondern unser Gemeindemitglied Hellmut Seemann, Präsident der Klassik-Stiftung, PuLa-Lesern seit langem wohlvertraut und wer ihn (immer) noch nicht kennt: Nutzen Sie, wenn sie sie bekommen, die Chance, ihn zu hören, es lohnt sich immer.

Gestern abend hat er sehr schön das Buch Jona gelesen (in Gänze) und ebenso schön ausgelegt (schöner als hier referiert)

Durch die Abend führt als Moderator Michael Eggert, Schulpfarrer in Neudietendorf.

Die doch schon etwas „abgenutzte“ Masche zum Schluß den Gast angefangene Sätze vervollständigen zu lassen, führte gestern immerhin zu einem wahren Schmankerl auf den Heimweg:
Eggert: „Die Kirche kann von der Kultur lernen …“

Seemann: „Nein, das kann sie, glaube ich, nicht.“

🙂

Außerdem kann jede noch so kurze Beschreibung des Abends nicht auf die Erwähnung von Erik Warkenthins ebenso sensiblem wie virtuosen Spiel auf der Renaissancelaute verzichten, sehr, sehr schön.

Und hier nun schließlich der Beitrag der Cäcilini zum Martinstag, ein Auszug aus dem „Schnatterkanon“, der seinerseits ein Teil der Lieder zum Kirchenjahr ist:

“It’s true. All of it.”

Wenn am 17. Dezember Star Wars Episode VII: The Force Awakens (deutsch: Das Erwachen der Macht) in die deutschen Kinos kommt, ist das unzweifelhaft ein bedeutsames Ereignis der Populärkultur.

Und auch wenn PuLa, anders als etliche Kolleginnen und Kollegen nur eher selten Ausflüge auf dieses Terrain macht (vgl. aber hier und hier), so ist doch nicht zu bestreiten: Die Star Wars Saga hat seit ihrem Beginn im Jahr 1977 vermutlich einen nicht unerheblichen Einfluß ausgeübt darauf, wie Menschen, die diese Filme seit Ihrer (frühen) Jugend kennen, die Welt sehen!

Wie die Amerikaner so sind, gibt es dort eine lebhafte Auseinandersetzung mit den weltanschaulichen, bzw. philosophischen Fragen, die sich aus den Grundlagen und Aussagen des Weltraum-Epos ergeben. Selbstverständlich gehört dazu auch die Frage nach der Kompatibilität zum christlichen Welt-Verständnis und zwar sozusagen „konfessionsscharf“… 😉

Darüber mag man im einzelnen durchaus schmunzeln, aber ich finde diesen Ansatz im Kern sehr gut und sehr notwendig. Denn ich werde im Gegensatz dazu das Gefühl nicht los, daß z.B. der europäische oder jedenfalls der deutsche kirchliche Umgang mit solchen Phänomenen der Populärkultur letztlich im Grunde immer unernst und allzu instrumentell geprägt ist.

Wer aber vorschnell alles nur „symbolisch“ sehen will, mit der unterschwelligen Botschaft, gerade an Jugendliche, ‚ist ja alles nicht so ernst zu nehmen‘, der läuft m.E. Gefahr, die möglicherweise vorhandene echte Begeisterung zu verfehlen, die emotionale Energie, die die starken Bilder ausgelöst haben, gerade nicht dorthin lenken zu können, wo der Sieg über das Böse wirklich stattgefunden hat und weiterhin stattfindet.

Ich fürchte sehr, der Unwille (oder die Unfähigkeit?), die starken Geschichten aus Hollywood mit den eigenen „starken (stärkeren!) Geschichten“ in Zusammenhang und ggf. natürlich auch in Kontrast zu bringen, hat mit der typisch deutschen Überheblichkeit gegenüber der vermeintlichen ‚amerikanischen Unkultur‘ zu tun, jener ausgemacht dummen Haltung, die immer schon auch die politischen Extreme von ganz rechts bis ganz links fest im Griff hatte, und vor der man sich schon deswegen hüten sollte.

Ob diese mangelnde Bereitschaft, die ansonsten ja immer gern beschworene ‚Lebenswelt‘ der Menschen, zu der eben auch Star Wars gehört, wirklich ernst zu nehmen, auch damit zu tun hat, daß etliche Menschen auch im kirchlichen Umfeld vielleicht ihre, unsere!, eigenen „starken Geschichten“ nicht mehr soo ernst nehmen, bzw. in ihnen eben bloß noch ‚Symbolisches‘ erkennen wollen? Und dann sogar bzw. gerade Kindern und Jugendlichen erzählen, vieles von den „Geschichten“, dem Anschaulichen („schauen“: Film!) sei ja „für den Glauben nicht notwendig“?

Da ist es mir aber erheblich lieber, wie die Amerikaner die „Macht“ (the force) vielleicht ein bißchen hemdsärmelig aber wirksam mit den Kategorien des ‚doctor communis‘, des Hl. Thomas v. Aquin erklären, wie man das hier nachlesen kann!

Zu abstrakt? Überhaupt nicht! Schauen wir doch einfach mal in den offiziellen Trailer, der zum bevorstehenden Filmstart veröffentlicht wurde:

Rey: “There are stories about what happened.”

Han Solo: “It’s true. All of it. The Dark Side, the Jedi. They’re real.“

 

Rey (eine der neuen Figuren):

„Es gibt Geschichten über das, was passiert ist.

Han Solo (Pilot des Millenium Falcon, Harrison Ford):

„Sie sind wahr. Alles ist wahr. Die Dunkle Seite, die Jedi. Das gibt es wirklich“

(eigene Übersetzung)

Und genauso ist es.

Sie sind alle wahr, die Geschichten über Hinterlist und Verrat.
Über Wankelmut und Standhaftigkeit.
Und darüber, daß die dunkle Seite nicht gewinnen kann.

Jeder kennt sie.

Das gibt es wirklich.

Überall.

“….wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…”

[…] Amen dico vobis, nisi conversi fueritis, et efficiamini sicut parvuli, non intrabitis in regnum cælorum. Mt 18,3

 

Es gehört für mich zu den schönsten und fortdauernd beglückenden Erlebnissen der Elternschaft, daß ich selber erleben durfte, wie hervorragend die ganze Fülle der kirchlichen Lehre mit der kindlichen Vorstellungswelt zusammenpaßt.

Ja, deren ganze Fülle, ausdrücklich auch die vermeintlich „schwierigen“ Teile! Ich habe nach der intensiven und mehrmaligen Lektüre von Joseph Ratzingers wunderbarer und anspruchsvoller Eschatologie (vgl. hier) gemerkt, wie meine Antworten auf Kinderfragen richtiger und besser, d.h. für die Fragenden befriedigender!, wurden, denn: Kinder wissen es gerne genau. Der realistische und objektive Charakter der katholischen Lehre kommt ihnen ganz natürlich entgegen.

Irgendwelche Wolkigkeiten und vernebelnden Unklarheiten werden von ihnen sofort erspürt und erbarmungslos enttarnt. Wohl dem Elternteil, das z.B. bei Fragen nach den „letzten Dingen“ nicht mit des Kaisers neuen Kleidern dasteht…

Wie könnte es auch recht verstanden anders sein, bewahrt doch die Kirche den Schatz der Lehre ihres Stifters auf, des HErrn, der sich den Kindern immer wieder zugewandt und sie ernstgenommen hat (wie ernst, das kann man in Mt 18, Vers 6f. nachlesen).

Diesen Schatz nach besten Kräften unverkürzt weiterzugeben ist vornehme Aufgabe von Eltern und weiteren Bezugspersonen, vor allem solchen, die extra dazu bestellt sind. „Unverkürzt“: Was nötig ist für unseren Glauben, was zu den Glaubenswahrheiten gehört, das muß und das darf dabei getrost der alleinig zuständigen Stelle überlassen werden: dem Lehramt.

Aus gegebenem Anlaß möchte ich heute nicht zu einem eschatologischen, sondern einem schöpfungstheologischen Thema zitieren, was das „Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche“, von Papst Benedikt am 28. Juni 2005 promulgiert (Vatikan: Kompendium des KKK) zum Thema „Engel“ sagt:

 

  1. Was hat Gott erschaffen?

Die Heilige Schrift sagt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1, 1). Die Kirche verkündet in ihrem Glaubensbekenntnis, dass Gott der Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt ist: aller geistigen und körperlichen Wesen, das heißt der Engel und der sichtbaren Welt und insbesondere des Menschen.

(KKK: 325-327)

  1. Wer sind die Engel?

Die Engel sind rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Geschöpfe, sie sind mit Verstand und Willen begabte personale Wesen. Sie schauen Gott unablässig von Angesicht zu Angesicht, verherrlichen ihn, dienen ihm und sind seine Boten bei der Erfüllung der Heilssendung für alle Menschen. (Hervorhebung von mir, GL)

(KKK: 328-333)

  1. Wie sind die Engel im Leben der Kirche gegenwärtig?

Die Kirche vereint sich mit den Engeln, um Gott anzubeten, sie bittet um ihren Beistand und feiert liturgisch das Gedächtnis einiger Engel.

(KKK: 334-336)

„Jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (Hl. Basilius der Große).

[Ende des Zitats]

 

Mehr muß dazu, weniger und anderes darf dazu nicht gesagt werden.

 

Der Erzengel Raphael mit Tobias, Lorenzo Lippi, ca. 1640-50, Nationalmuseum Warschau (Bild: Wikimedia Commons)

Der Erzengel Raphael mit Tobias, Lorenzo Lippi, ca. 1640-50, Nationalmuseum Warschau (Bild: Wikimedia Commons)

 

„Offene Kirchen – Brennende Kerzen – Deutende Worte“

Komischer Titel für einen PuLa-Beitrag? Stimmt. Das liegt daran, daß es sich um ein Zitat handelt. Ein wörtliches Zitat aus dem Titel eines Dokuments der Deutschen Bischofskonferenz vom 28. April 2003: Die Deutschen Bischöfe, Nr. 72, Missionarisch Kirche sein, Offene Kirchen – Brennende Kerzen – Deutende Worte; zu finden hier: Die Deutschen Bischöfe, Nr. 72

Normalerweise erwarten Sie hier ja, und das völlig zu recht!, eher römische Dokumente und ich verspreche Ihnen, ein besonders schönes und praxisrelevantes Exemplar dieser Kategorie aus jüngster Zeit haben wir gerade in der Pipeline, dauert nicht mehr lange! 🙂

Aber die Ausführungen in der zitierten deutschen Veröffentlichung verdienen Aufmerksamkeit und haben an Aktualität nichts eingebüßt. Da sollte man sich von der teilweise auch hier wieder zu konstatierenden typischen Sprache dieser Hervorbringungen nicht abhalten lassen, die immer wieder einmal „Betulichkeit und Bombast“ in wenig einladender Weise verbindet.

Tut aber im vorliegenden Fall der Sache keinen Abbruch!

Denn es geht um etwas sehr Handfestes: Die Chance und die Botschaft einer „offenen Kirche“ und zwar im ganz unmittelbaren Sinne des Kirchengebäudes:

„Offene Kirchen bieten Raum: Raum für die Stille inmitten der Hektik des Alltags, Raum für das Betrachten von Architektur und Kunst, insbesondere aber Raum für die Freude und Hoffnung, die Bedrängnis und Trauer, die Menschen mitbringen, wenn sie der Einladung einer offenen Kirche folgen. […] Bilder und Symbole beginnen zu sprechen und es wird deutlich, dass dies ein Haus Gottes ist, offen für die Menschen.“

So der damalige Vorsitzende der DBK, Karl Kardinal Lehmann in seinem Geleitwort (a.a.O., S. 3).

Im folgenden schreitet das Dokument dann sozusagen ab, was eine möglichst häufig offene Kirche bedeuten kann, was dazu getan werden kann, aber auch, welche Herausforderungen es gibt:

„Immer wieder berichten Einzelne, dass sie – obwohl fernstehend oder religiös indifferent – in einem Augenblick der Stille beim Besuch einer Kirche so etwas wie eine Berührung mit dem Heiligen gespürt haben.“ (a.a.O., S. 9)

Ausdrücklich (auch sprachlich!) gut gelungen, der Abschnitt über die „Kerzen“:

„Gerade die Kerzen sind es, die ganz besondere Symbolkraft in sich tragen. Wie die Gläubigen in der Osternacht Christus als Licht der Welt und Sieger über alle Finsternisse feiern, so bezeugt jede  leuchtende Kerze der persönlichen Beter, dass Christus auch in ihren individuellen und manchmal nur scheinbar kleinen Problemen Licht und Wegweisung ist. Die Kerzen, vor den Marienbildnissen in unseren Wallfahrts- und Klosterkirchen [Warum allerdings nur in denen? d. Red.) entzündet, sind sprechende Zeichen eines ganz persönlichen Glaubens und Vertrauens. Die Kerzen leuchten weiter, auch dann, wenn die Beter die Kirche längst wieder verlassen haben. Sie zeigen den später Eintretenden, dass hier Menschen gebetet haben.“ (a.a.O., S. 15)

Völlig zu Recht betonen die Bischöfe die besondere Geltung dieser Überlegungen an touristischen Orten, wenn sie schreiben:

„Dies wird vor allem in der Urlaubszeit sichtbar. Gerade im Urlaub finden Menschen viel Zeit, nach dem Woher und Wohin ihres Lebens zu fragen und zu suchen. […] In der Anonymität eines kurzzeitigen Urlaubs machen viele Menschen etwas, was sie sonst nicht tun: Sie suchen Kirchen als Orte auf, an denen sie ihrer Beziehung zu Gott nachspüren.“ (a.a.O., S. 16)

Hier wird eine Realität beschrieben, die jeder, der in Weimar schon einmal länger als 10 Minuten nach Ende des Gottesdienstes vor der Kirche verweilt hat, kennt: Ja, es kommen Menschen in gar nicht so geringer Zahl, die wollen in die Pfarrkirche, die möchten „Herz-Jesu“ auch von innen erleben! Und zwar praktisch das ganze Jahr über.

Wie schon gesagt verschließt das Dokument der Bischöfe nicht den Blick vor den Problemen, die mit einer offenen Kirche einhergehen:

„Es gibt leider auch einsichtige Gründe, Kirchengebäude verschlossen  zu halten. Da ist die Angst vor Vandalismus und Diebstahl. Es fehlen  mancherorts Personen, die in einer Kirche über den Tag hin präsent  sind. […] Diese Bedenken  gegen eine Öffnung von Kirchen dürfen nicht überspielt werden. […] Es gibt leider bewusste Verunreinigungen, undezentes Benehmen  und auch die Gefahr von Diebstahl und Zerstörung.“ (a.a.O., S. 13)

In der Tat. Nur  müssen diese unbestreitbaren Gefahren von Fall zu Fall auch tatsächlich objektiv bestehen und nicht etwa nur herbeigeredet oder gar inszeniert werden. Denn es gibt auch eine ganz und gar „verschlossene“ (in jeder Bedeutung dieses Wortes) Sorge um den Kirchenraum, die die bedeutsamen Chancen im Wortsinne „aus-schließt“.

Was der Intention der Bischöfe diametral entgegenläuft, die quasi in einem Fazit zu dem eindeutigen Ergebnis kommen:

„Wenn wir dies alles bedenken, müssen die Gemeinden vielleicht „risikoreicher“ mit ihren Kirchenräumen umgehen. Risikoreich will hier nicht sagen, dass der selbstverständliche Schutz der Kunstwerke vor Beschädigung und Diebstahl außer acht gelassen wird. Vielmehr gilt es, zu versuchen, mehr als bisher die Symbolkraft einer offenen Kirche in Seelsorge und Pastoral mit einzubeziehen. Das Ziel sollte sein, dass möglichst viele katholische Kirchen in Deutschland so häufig wie nur irgendwie möglich geöffnet sind, um die reiche Symbolik und ihre spezifische Bedeutungsfülle vielen Menschen zu erschließen.“ (a.a.O., S. 17)

Das ist von höchst wünschenswerter Klarheit und trifft sich ganz  genau mit dem, was Pfr. Timo Gothe am vergangenen Sonntag gepredigt hat:

„Im Grunde sind verschlossene Kirchen doch nur halbe Kirchen.“ (aus dem Gedächtnis zitiert)

Danke, Hochwürden! 🙂

 

Die Lieder zum Tage

Uff! Was heute alles so gefeiert wird! Erntedank, der Hl. Franziskus… Und dann hat ja heute die Bischofssynode zur Familie begonnen – inwieweit das schließlich ein Grund zum feiernden Gedenken werden wird, das muß sich erst noch herausstellen.

Jedenfalls hat Pfr. Gothe all die Elemente, derer heute zu gedenken war, in der Rosenkranzandacht höchst sinnig zusammengefügt; Danke Hochwürden!

PuLa hat dem Tag entsprechend gleich zwei Lieder für Sie:

Einmal Erntedank (schon ein wenig länger auf dem YouTube-Kanal der Cäcilini) und, „ganz frisch gezapft“, das ultimative Lied zum Hl. Franz (erstmals mit den Lyrics [dem Liedtext] im Verlauf des Videos!)

Enjoy!