O Adonai,
et dux domus Israël,
qui Moyse in igne flammae rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos in brachio extento.
O HErr
und Fürst [An-Führer] des Hauses Israel,
der Du Mose im Feuer der Flammen des Dornbuschs erschienen bist,
und ihm am Sinai das Gesetz gegeben hast.
Komm, uns zu erlösen mit starkem [ausgestecktem] Arm.
Apparuitque ei Dominus in flamma ignis de medio rubi : et videbat quod rubus arderet, et non combureretur.
Und es erschien ihm der HErr durch die Flamme des Feuers aus der Mitte des Dornbuschs und er sah, daß der Dornbusch brannte, aber nicht verbrannte.
(Ex 3,2)
Ideo dic filiis Israël : Ego Dominus qui educam vos de ergastulo Ægyptiorum, et eruam de servitute, ac redimam in brachio excelso et judiciis magnis.
Ebenso sage zu den Söhnen Israels: „Ich bin der HERR; ich werde euch herausführen aus dem Arbeitshaus der Ägypter, und aus der Fron retten und euch erlösen mit ausgestrecktem Arm und durch große Gerichte.
(Ex 6,6a)
Adonai“ bedeutet wörtlich „mein Herr“ und neben der Wendung „der Name“ ist dies die Weise, in der im Alten Testament der nicht auszusprechende Name Gottes, das Tetragramm JWHE, gelesen wurde.
Gerade hier bietet es sich an, daran zu erinnern, daß wir Katholiken erst im Jahr 2008 von Papst Benedikt dazu ermahnt worden sind, der Tradition gemäß und aus Rücksicht auf die jüdische Sensibilität in dieser Frage, ebenfalls den Namen „Jahwe“, bzw. verwandte Vokalisierungen nicht zu verwenden, vor allem nicht im Gottesdienst aber auch nicht darüber hinaus! (vgl. hier)
Dessenungeachtet hat an manchen Stellen das „J…-J…“-Gerufe immer noch nicht aufgehört, von ganz fürchterlichen Liedern („Er heißt J…“), auf die zu verlinken ich mich entschieden weigere (Selber-Googeln geschieht auf eigene Gefahr!), mal ganz abgesehen.
Ich muß schon sagen, wenn in Deutschland (!) der Papst die Katholiken aufruft, aus Rücksichtnahme auf die Juden etwas zu unterlassen – sollte sich das nicht einfach von selbst verstehen?!
Ein Sketchlet für acht Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten
proudly starring also
Mighty M. („Jabba the hutt“) KingBear
as himself
Wundersdorf, Schafweide. Sonntagnachmittag zur Kaffeezeit. Milde lächelt die Sonne unseren Wundersdorfer Schäfchen zu, an diesem Zweiten Adventssonntag. Sie hat aber heute dort auch jede Menge zu bescheinen – heidewitzka! Was für ein Auflauf. Die Lämmchen und Schäfchen stehen am Weidezaun und Fixi drückt sich am Gatter die Nase platt.
Sie tuscheln, warten und lauschen.
Was ist nur los?
Da! Jetzt kommt Bewegung in die Menge. Von Ferne ertönt ein Tuckern, wie man es früher hier des öfteren vernahm. Ein Pritschenwagen ganz ähnlich dem alten gemeindeeigenen kommt über den Hügel gefahren und bremst sanft an der Weide ab. Das Auto ist Gott weiß wo zugelassen und trägt das Kennzeichen „BRA“. Wir haben keine Zeit, darüber nachzudenken, welche Stadt das sein könnte, denn von der Ladefläche springen drei quicklebendige Schäfchen herab und dem Führerstand entsteigt ein junger Mann. Lächelnd geht er auf die Schäfchen zu. Bevor sie sich begrüßen können, stimmen allerdings Flocke und eins der Gastschafe ein großes Hallo an.
Flocke: Curly! Schwesterherz!!! Laß dich umarmen!
(Die beiden fallen sich in die Vorderläufe.)
Curly (blickt Flocke gerührt an): Das wurde aber auch wirklich mal wieder Zeit!
Flocke: Wir haben uns ja ewig nicht gesehen!
Curly: Es ist aber doch auch ein ganzes Ende von Cornwall bis hierher.
Flocke: Wie gut, daß du die Mitfahrgelegenheit über deine Freunde aus Nordenham organisieren konntest.
(Alle Schafe begrüßen die drei Neuankömmlinge. Grauchen und Blütenweiß verwickeln die beiden norddeutschen Schafe sofort in ein Gespräch und tauschen sich mit ihnen über den Verlauf ihrer langen Reise aus.)
Fixi (neugierig zu Curly): Und du kommst wirklich aus England?
Curly: Ja, Fixi, ich komme aus England. Aber ich habe euch ja unseren freundlichen Fahrer noch gar nicht vorgestellt: Das ist Jabba.
Kohle: Guten Tag, Herr Jabba.
Jabba (lacht): Jabba ist eigentlich nur mein Spitzname. Ich heiße König-Bär.
Jabba: Nichts für ungut! Aber es zieht ja ganz mächtig hier – trotz der Sonne. (Er zieht seine Kapuze fester um den Kopf.)
Kohle: Mächtig, mächtig, Herr König-Bär. Aber kommen Sie doch bitte in den Unterstand. Dort ist es windgeschützt und wir haben eine Kleinigkeit zu essen vorbereitet.
Flocke (zu Jabba, charmant): Vielen Dank, daß Sie meine Schwester und ihre deutschen Freundinnen hergebracht haben! (äußerst charmant) Das war wirklich reizend von Ihnen!
Jabba (jovial): Oooooch – nicht der Rede wert! Ich fahre zur Zeit ständig zwischen Berlin und Nordenham hin und her – da kann ich immer mal ein paar Schafe mitnehmen! Überhaupt kein Problem.
Wolle: Trotzdem danke!
Huf (neugierig): Fahren Sie von Berlin nach Nordenham und zurück oder von Nordenham nach Berlin und zurück?
Jabba: Ach weißt du, Fixi …
Huf: Ich bin Huf.
Jabba: … Huf, das ist mittlerweile eine Frage nach dem Huhn und dem Ei. Ich fahre immer hin und her – das ist alles. Aber jetzt muß ich wieder los. Vielen Dank für die Einladung, Kohle – vielleicht ein andermal. Ich will noch im Hellen in Berlin sein. (Er wendet sich zum Gehen, über die Schulter zurück) Schick mir einen Tweet, wie der Nachmittag gelaufen ist.
Kohle: Ehrensache, Jabba! (Er begleitet den Gast zum Gatter und stupst es hinter ihm mit der Schnauze zu.)
(Die Schafe bummeln zum Unterstand, damit die drei Gäste ankommen und sich ein wenig stärken können.)
Curly (nachdem sie ausgiebig getrunken hat): Und ihr plant also ein interkulturelles Krippenspiel?
Grauchen: Ganz recht, Curly. Weißt du, es sind doch einige Flüchtlinge jetzt hier in der Gemeinde – für die muß man etwas tun.
Blütenweiß: Gerade zu Weihnachten!
Curly: Und jetzt soll ich euch über englische Weihnachtsbräuche erzählen?
Fixi und Huf (begeistert): Ja, bitte!
Curly: Aaaaalso … Santa Claus …
Huf (unterbricht): Neinnein! Das ist ja Nikolaus, das wäre ja schon heute – das schaffen wir zeitlich nicht mehr!
Curly: Nein, Huf. Santa ist nicht der Nikolaus. Nikolaus feiern die Engländer nicht, genauso wie Sankt Martin oder so – alles Fehlanzeige. Santa ist der Weihnachtsmann.
Fixi: Santa …! Wie das klingt. Das heißt doch einfach Heiliger. Als gäbe es keine anderen Heiligen.
Curly: Tja, damit sieht‘s in England auch wirklich schlecht aus, wißt ihr, die Engländer sind ja in ihrer Mehrheit nicht katholisch.
Wolle: Ach ja, stimmt ja … aber es wird doch irgendwelche Patrone geben?
Curly: Es gibt, ja, aber die heißen Saint … Saint George bei uns, und Saint Andrew in Schottland, und Saint Patrick in Irland und Saint David in Wales. Ihre Festtage sind mehr oder weniger ein Grund, sich zu betrinken …
Flocke: Oh je! Aber Santa ist immerhin der Weihnachtsmann?
Curly (nickt): Santa ist Santa Claus und das ist der Weihnachtsmann . Ich denke, er ist aus einer amerikanischen Tradition nach England gekommen. Er kommt mit einem Schlitten, den acht Rentiere ziehen, durch den Kamin.
Fixi (beginnt leise zu singen): Rudolph, the red-nosed, reindeer …
Curly (lacht): Ja, Rudolph ist das bekannteste – aber eigentlich gehört er gar nicht zur klassischen Ausstattung des Rentierschlittens. Das sind Dancer and Prancer, Dasher, Comet and Cupid … puh (sie überlegt) … ach ja: Vixen und Donner and Blitzen.
Kohle (elektrisiert): Donner und Blitzen?
Curly: Ja. Donner und Blitzen. Aber ich glaube, niemand weiß, daß das Donner und Blitzen heißt.
Fixi: Hä?
Curly: Wenn die Engländer „Blitz“ hören, denken sie an den „Blitz“, also die deutsche Luftoffensive 1941, das ist sehr präsent, aber sie wissen nicht, daß es „Blitz“ – also „lightning“ – heißt.
Grauchen (schüttelt den Kopf): Donner und Blitzen!
Fixi (leise zu Huf): Erinnerst du dich, was wir damals in der Bibliothek über Knecht Ruprecht gelesen haben?
Huf: Daß der Name eine Liquidmetathese aus Rauh-Percht, der rauhen Perchta ist
Fixi: … der Regen- und Fruchtbarkeitsgöttin den Germanen! Genau! (Sie schaut Huf vielsagend an.)
Huf: … und du meinst …
Fixi: Donner und Blitzen! Genau! In der Santa-Legende steckt auch noch die Wettergöttin drin!
Huf (erschüttert): Donner und Doria!
Curly (hat inzwischen weitererzählt): … in der Heiligen Nacht, also in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember durch den Kamin, und man hängt die Socken dort auf, die er vollstopft.
Wolle: Klar!
Curly: Damit Santa sich stärken kann, muß jede Familie ein Glas Sherry und ein paar Mince Pies am Kamin aufstellen.
Flocke (schüttelt sich): Brrr! Die Engländer immer mit ihrem Pfefferminz …
Curly: Mince, nicht mints.
Blütenweiß: Mä? Nochmal.
Curly (erklärt): Mints sind Pfefferminzbonbons. Aber Mince Pies kommt von dem Verb to mince – das heißt kleinhacken. Mince Pies wären eigentlich Gehacktesküchlein, also Teilchen mit Hackfleischfüllung. Aber man nimmt heute kleingehackte Früchte in Blätterteigtaschen, mit Soße. – Also mir schmeckt es nicht besonders … (Sie zupft ein Löwenzahnblatt vom Buffet und verspeist es genüßlich.)
Wolle: Das ist egal! Wenn es traditionell ist, backen wir das!
Flocke: Äh … und wer, bitte schön …
Wolle: Teresa?
Fixi: Das ist gut! Teresa wird uns gerne helfen!
Huf: Laß uns gleich morgen zu ihr gehen und die Sache klar machen.
Blütenweiß: Edith wird „begeistert“ sein …
Wolle: Wieso? Die Kinder, Teresa und Emily, machen doch ohnehin beim Krippenspiel mit – da kann sie als Mutter auch was backen!
Kohle (weltmännisch): Das ist schließlich ihre Aufgabe!
(Einige empörte Schafe setzen zu einem breitangelegten Disput über die Aufgaben von Müttern in den Familien an, als es an die Tür des Unterstandes klopft. Es ist der neue Hirte der Wundersdorfer Herde. Eine tüchtige Brise frischen Windes fegt durch den Raum, als er den Unterstand betritt.)
Kohle: Guten Abend, lieber Hirte!
Der neue Hirte: Guten Abend! Ja – ich wollte mich auch hier in der Gruppe mal vorstellen.
Flocke: Immer herein spaziert. Wir planen das interkulturelle Krippenspiel für in zwei Wochen.
Der neue Hirte (blickt sich im Unterstand um): Coole location! (Er schiebt seinen Hut ein wenig in den Nacken.) Das ist ja toll, daß ihr euch da so engagiert! Vielen Dank!
Die Schafe (durcheinander): Ehrensache! – Bitte, bitte. – Aber gern! – Aber das ist doch selbstverständlich!
Der neue Hirte: Und – wie sieht’s aus? Meint ihr, ihr kriegt dieses Krippenspiel wirklich hin?
Die Schafe (durcheinander): Na klar! – Jederzeit – Da können Sie ganz unbesorgt sein! –Lassen Sie uns mal machen.
Flocke (grinst): Wir schafen das.
Hirte (lacht): Ihr schaft das? Na, dann bin ich ja beruhigt.
O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten,
die Welt umspannst du von einem Ende zu andern,
in Kraft und Milde ordnest du alles:
O komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und der Einsicht,
O Weisheit.
O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiae.
Et spiritus, et sponsa dicunt : Veni. Et qui audit, dicat : Veni. Et qui sitit, veniat : et qui vult, accipiat aquam vitæ, gratis.
Dicit qui testimonium perhibet istorum. Etiam venio cito : amen. Veni, Domine Jesu.
(Ap 22, 17. 20)
Und der Geist und die Braut sagen: Komm! Und wer es hört, spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme! Wer da will, empfange das Wasser des Lebens umsonst [„Frei“ aus (unverdienter) Gnade, „gratia!“]
Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen; komm, Herr Jesus!
(Offb 22,17. 20)
„Immer auf Latein“ habe ich zu Anfang geschrieben, klar, aber Arvo Pärt hat „seine“ O-Antiphonen auf einen eigenen deutschen Text komponiert, den Sie oben finden. Dagegen ist natürlich gar nichts einzuwenden, wenn es so, in spürbar tiefer Achtung der Tradition, geschieht. Und dessen kann man sich bei Pärt, den Papst Benedikt 2011 in den Päpstlichen Rat für die Kultur berief, gewiß sein!
O, Mensch! Heute ist ja Nikolaus, bekanntlich das ursprünglichere Fest der Geschenke in Erinnerung an die guten Taten des Hl. Bischofs von Myra (vgl. hier und hier), da gibt es natürlich auf PuLa etwas extra.
Wir haben sie zum „Vorabend“ schon erwähnt, die Noëls pour les Instruments, die instrumentalen Weihnachtsstücke von Marc Antoine Charpentier; volkstümliche ‚Gute-Laune-Musik‘ vom Feinsten; Enjoy!
Und hier noch eins “vom Haus“, Sie wissen ja, schenken macht nur richtig Spaß, wenn man es ein bißchen „krachen läßt“, das ist katholisch, weshalb wir ja auch meist bessere Laune haben als – als andere… 🙂 Die Cäcilini:
O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiae.
O Weisheit,
die du aus dem Munde des Höchsten hervorgegangen bist,
die Welt umspannend von einem Ende zum andern,
voll Stärke und Milde ordnest du alles:
Komm, uns zu lehren den Weg der Einsicht!
Attingit ergo a fine usque ad finem fortiter
et disponit omnia suaviter.
(Lib Sap 8, 1 Nova Vulgata)
„Also erstreckt sie sich von einem Ende zum andern voll Kraft
und ordnet Alles auf liebliche Art.“
(Weish 8,1)
Ex ipso autem vos estis in Christo Jesu, qui factus est nobis sapientia a Deo, et justitia, et sanctificatio, et redemptio:
ut quemadmodum scriptum est : Qui gloriatur, in Domino glorietur.
Aus ihm aber kommt es, dass ihr in Christus Jesus seid, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung;
damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“
(1. Kor 1, 30f.)
Gleich die erste der Antiphonen von Charpentier liebe ich besonders: Haben Sie bemerkt, wie schön in hohen wie tiefen Stimmen das „attingens“ wiederholt wird, und damit die Erstreckung über den ganzen Erdkreis sinnfällig gemacht wird?
Und wie zart und leise die Bitte um die Belehrung und die Führung auf den Weg der Klugheit ausklingt? Das nimmt, finde ich das „suaviter“ (das ja eigentlich „angenehm“, „lieblich“ heißt, vgl. Übertragung aus dem Buch der Weisheit) aus der Zeile drüber wunderbar wieder auf und verdeutlicht so, wie wenig wir auf diesem Weg auf eigene Selbstgewißheit und Kraft trauen dürfen.
O Sapientia, quae ex ore Altissimi prodiisti, attingens a fine usque ad finem, fortiter suaviterque disponens omnia: veni ad docendum nos viam prudentiae.
O Weisheit,
Die aus dem Munde des Höchsten hervorgegangen
Berührend [die Welt] von Ende zu Ende
Kraftvoll, milde auch ordnend alles
Komm, zu lehren uns den Weg der Klugheit!
Initium sapientiæ timor Domini ; intellectus bonus omnibus facientibus eum, laudatio ejus manet in sæculum sæculi.
Ps 110, 10 Vg
Die Furcht des HErrn ist der Weisheit Anfang: eine gute Einsicht für alle, die sie ausüben. Sein Ruhm bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Ps 111, 10 mvZ (momentan verbreitete Zählung)
Cum quo iniit consilium, et instruxit eum, et docuit eum semitam justitiæ, et erudivit eum scientiam, et viam prudentiæ ostendit illi?
Mit wem beriet er sich, dass er ihm Einsicht gegeben und ihn belehrt hätte über den Pfad des Rechts und ihn Erkenntnis gelehrt und ihn über den Weg der Einsicht15 unterwiesen hätte?
Jes 40, 14
Wer es bei ‚O salutaris‘ noch nicht bewußt wahrgenommen hat: Ich bemühe mich, jeweils am ersten Tag eine Übertragung anzubieten, die in Wortstellung und Wortwahl dem Lateinischen besonders eng folgt, an den folgenden Tagen kann der Text dann dem deutschen Sprachfluß näher kommen.
Man sieht daran übrigens erneut (hüstel…) wie hilfreich eine Kultsprache ist, die nicht die Muttersprache ist: Durch die Notwendigkeit der Übertragung drängen sich einem der reiche Gehalt und die vielen Facetten der Botschaft immer wieder geradezu auf!
O salutaris hostia, Quæ cæli pandis ostium, Bella premunt hostilia; Da robur, fer auxilium.
Uni trinoque Domino sit sempiterna gloria, qui vitam sine termino nobis donet in patria.
O heilbringende Hostie
Die Du aufstößt das Tor des Himmels
Uns drückt der Kriege Feindseligkeit
Verleih uns Kraft, bring uns Hilfe!
Dem einen und dreieinen HErrn
Die ewige Herrlichkeit
Der Leben ohne Ende
Uns gebe in der Heimat
Diese Version des lettischen Komponisten Ēriks Ešenvalds (*1977 – ) fällt ein wenig aus dem Rahmen dessen, was Sie auf PuLa gewohnt sind. Aber sie hier aufzunehmen ist nicht nur ein Tribut an die großartige baltische Chortradition, sondern vor allem ein schöner Beleg dafür, wie die liturgischen Texte eben immer wieder Künstler zur Vertonung anregen.
Allerdings war ich doch froh, diese „katholische Version“ aus den USA gefunden zu haben! Seriöse Aufnahmen aus Lettland selbst wirken eben doch sehr wie „Kunstmusik“ und wenn vollends blonde dickbezopfte junge lettische Damen mit z.B. diesem Stück durch italienische Kirchen touren und sich im Rhythmus wiegen ist die Grenze zum Sacro-Pop eindeutig überschritten (nicht, daß ich prinzipiell etwas gegen dicke Zöpfe hätte, nein, nein! 😉 )
O heilbringende Hostie
Die du des Himmels Tor öffnest
Kriege drängen feindlich
Gib Kraft, bring Hilfe!
Unsere erste Vertonung stammt, zeitlich ein wenig untypisch, von Jacobus Gallus (1550 – 1591, eigentlich Jacob Handl), einem Renaissancekomponisten, dessen Erbe in Tschechien sehr gepflegt wird. Die Aufzeichnung entstand anläßlich des Pontifikalamts zur Wideraufnahme des regelmäßigen Gottesdienstes in der renovierten Kirche der Zisterzienserabtei Hohenfurth/Vyšší Brod im Böhmerwald (vgl. hier) am 15.12. 2012.
Die PuLa-Adventskalender der vergangen vier Jahre verbindet, daß sie alle in der einen oder anderen Form meine Lese-Erfahrung des je zurückliegenden Jahres widerspiegelten, die mit Ihnen zu teilen ich mich bemüht habe. Es ging um Chestertons Everlasting man, „Zwei katholische Bücher“, das Zwölf-Propheten-Buch oder die Psalmen mit Robert Spaemann.
Dieses Jahr machen wir einmal etwas anderes. Es ist allerdings nicht weniger persönlich. Eher mehr sogar, denn es geht um die Musik, die mich seit vielen Jahren durch den Advent begleitet und für mich geradezu die Adventsmusik schlechthin geworden ist.
Es handelt sich um die O-Antiphonen in der Vertonung von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704), in der Aufnahme durch ‚Les Arts florissants‘ unter William Christie von 1982; tempus fugit… 😉
Ein „altes Schätzchen“ als CD, ein Schatz von geistlicher Musik! (eigenes Bild)
Wenn Ihnen diese alte Aufnahme, die zuletzt (auch schon vor vielen Jahren!) von harmonia mundi France in der preislich reduzierten Reihe ‚musique d’abord‘ wieder veröffentlicht wurde, in die Hände fallen sollte: Greifen Sie zu! Sie enthält neben den ‚Antiennes „O“ de l‘ Avent‘ H. 36-43 und den ‚Noëls pour les instruments‘ H.534 vor allem noch das absolut entzückende Miniatur-Weihnachtsoratorium (eigentlich eine Mottete) ‚In Nativitatem D.N.J.C. Canticum‘ H. 414 von 1684; wer französische Barockmusik ohnehin mag, wird es lieben, die anderen könnten sich dabei an sie gewöhnen, glaube ich!
Nun mögen Sie denken: „Die O-Antiphonen als Adventskalender, das ist ja so ziemlich das Gegenteil von originell.“
Ganz genau, um nicht zu sagen: Zum Glück! Denn Sie wissen ja, auf PuLa denken wir in Bezug auf Originalität wie R. Spaemann: „Wahrheit ist nicht originell, Irrtum ist originell“ 🙂
Außerdem ist es heutzutage gar nicht mehr so einfach diese wunderbaren und ehrwürdigen Stücke dort zu hören, wo sie über viele Jahrhunderte erklungen, darf ich sagen „erblüht“?, sind: In der Liturgie.
Dabei gehören sie natürlich genau dorthin, aber schön der Reihe nach.
Mit O-Antiphonen bezeichnet man die sieben Antiphonen zum Magnificat der Vesper des Stundengebets in den letzten Tagen des Advent vom 17. – 23. Dezember. In diesen auch „Große Antiphonen“ genannten Stücken, wird der Messias mit verschiedenen Titeln angerufen, deren Inspiration aus Texten des Alten Testaments stammt. Die Anrufung geschieht im Lateinischen durch das vokative „O“, daher der Name (und dessen häufige deutsche Übersetzung mit „Du“ werden wir schon mal nicht mitmachen 😉 ). In ihrem weiteren Verlauf wird um das Kommen des Erlösers gebetet, lateinisch: „Veni“, („Komm“).
So z.B. in der Nr. 6:
O Rex Gentium,
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum: veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.
So die ganz eingängige und, wie das offenbar Generationen und Aber-Generationen von Betern in der Kirche empfunden haben, ebenso naheliegende wie wirkungsvolle Grundstruktur.
„Ehrwürdig“, habe ich oben geschrieben, und das sind sie wirklich, reicht die Tradition dieser Stücke vermutlich römischen Ursprungs doch bis mindestens in das 7. Jahrhundert zurück. Ihre typische, kanonische Zahl ist Sieben, aber es gab auch eine verbreitete 12er-Reihe und insgesamt sollen 23 Stücke bezeugt sein.
Im Mittelalter gab es feierliche und aufwendige Formen der Darbietung, ja sogar „O-Antiphonen-Spiele“ (soviel zum Thema der ja erst so ganz rezenten „participatio actuosa“, hüstel…).
Heute tauchen „gekürzte Fassungen“ der O-Antiphonen im sog. „Ruf vor dem Evangelium“ in den Hl. Messen vom 17. – 23. Dezember auf – oder auch nicht, wenn dieser Ruf mangels Kantor „ausnahmsweise“ entfällt, nun ja, ich werde diesen Advent darauf achten, spontan erinnern kann ich mich nicht, sage aber ausdrücklich, das mag an mir liegen (und die Verwendung im Rahmen der Messe ist eben auch sowieso nicht ursprünglich!).
Nun wollen wir aber gar nicht erst anfangen, über mögliche „Verluste“ nachzudenken, sondern lieber feststellen, daß den O-Antiphonen trotz ihrer aktuell weitverbreiteten „liturgischen Ortlosigkeit“ offenbar ein so großes Maß an Lebenskraft innewohnt, daß sie immer weiter vertont werden; die letzte mir bekannte Version stammt aus dem Jahre 2012!
Und damit nähern wir uns der ganz praktischen Frage, wie ich denn mit sieben Stücken Musik 24 Tage füllen möchte. Ganz einfach: Das Kernstück wird jeden zweiten Tag die Vertonung von Charpentier bilden, am Vortag erklingt eine ältere (meist gregorianische) Fassung und am dritten Tage eine moderne, jeweils begleitet von den biblischen Texten, die in die Stücke eingeflossen sind, oder die zu ihnen passen. Und natürlich immer auf Latein (mit deutscher Übersetzung) – wir wissen doch, was wir sowohl Freunden wie Verächtern von PuLa schuldig sind! 😉
Ach, Sie finden, 3 mal 7 sei 21 und nicht 24? Das ist aber auch wahr! 😉
Macht aber nichts, denn, wann auch immer sich das eingebürgert hat, Charpentier kannte einen Vorabend der großen Antiphonen und hat daher den „Salut de la veille des O“ komponiert: „O salutaris hostia“. Und diese Schlußstrophe des Laudes-Hymnus „Verbum supernum prodiens“ in dem von Thomas v. Aquin geschaffenen Fronleichnams-Offizium ist ebenfalls hinreichend oft in allen Epochen vertont worden, 3 mal 8 aber ist…24!
Ein Sketchlet zum Ersten Advent für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten
Wundersdorf/ Oderbruch. Die allseits bekannte Schafweide.
Wie?
Oh ja, die gibt es freilich noch! Und die dazugehörige Herde selbstverständlich auch. Mit denselben Schafen, die übrigens nicht zu altern scheinen; und den immer gleichen Lämmchen, die niemals groß werden. Tja – in der Literatur geht so etwas eben, und dann wollen wir das auch weidlich ausnutzen: Die Wundersdorfer Schäfchen bestehen bekanntlich nur aus Sprache und die altert – von einigen wenigen Modewörtern abgesehen – nur seeeeehr sehr langsam. Wenn man bedenkt, welch robuster Gesundheit sich die eine oder andere früher so genannte Tote Sprache erfreut – weshalb man ja heute auch eher von Corpus-Sprachen redet, also Sprachen, die man aufgrund einer großen Menge schriftlicher Textzeugen bestimmen, abgrenzen und erlernen kann – dann wird einem klar, daß Sprache einfach niemals sterben wird. Und das ist gut so. Denn wie uns Andersens Märchen von der kleinen Meerjungfrau lehrt, definiert sich das Mensch-Sein nicht über den aufrechten Gang auf zwei Beinen, sondern über die Sprache. Die kleine Meerjungfrau hat ihren aufrechten Gang mit ihrer Stimme bezahlt und scheitert prompt in der menschlichen Gemeinschaft. Man braucht beides: Den aufrechten Gang und eine aufrichtige Sprache.
Aber ich schweife ab. Ich wollte doch nachsehen, wie es auf der Wundersdorfer Schafweide derzeit so zugeht. Im Gegensatz zu den nicht alternden Schäfchen folgt die Landschaft um Wundersdorf herum dem Lauf der Natur. Es ist November und obwohl der Herbst sehr mild war, sind etliche der Laubbäume bereits kahl. Im Gras gehören die Löwenzahnblätter zu den letzten Leckerbissen und die Sonne scheint täglich nur noch für kurze Zeit über die Wipfel der südlich stehenden dicken Rotbuchen hinweg. Wenn sie überhaupt scheint. Heute tut sie das zum Beispiel gar nicht.
Die Schäfchen lassen es sich nicht verdrießen. Offenbar planen sie schon wieder irgendeine größere Aktion. Um Kohle, Wolle, Flocke, Grauchen und Blütenweiß herum wuselt es ganz tüchtig durcheinander. Scheinbar völlig unabhängig davon finden wir Fixi und Huf in einer Art Prüfungssituation:
Fixi: Vielleicht?
Huf: Mäh bi.
Flocke (kommt geschäftig heran): Was macht ihr denn Schönes?
Fixi: Ich höre Huf englische Vokabeln ab.
Flocke (reißt die Augen auf): Englische Vokabeln? Ihr schreibt wohl jetzt in der Vorweihnachtszeit noch Arbeiten?
Huf (kühl): Wir schreiben immer Arbeiten!
Fixi (leichthin): Ich schreibe die letzte am 22. Dezember – (zu Huf) Bürgermeister?
Huf: Mäher.
Flocke (für sich): Der heimische Dialekt schlägt ja doch immer sehr durch … (zu den Lämmchen) An der Aussprache könntet ihr noch feilen.
Fixi: Unsere Lehrerin kann das auch nicht besser.
Flocke: Ist das vielleicht ein Maßstab?
Fixi (unbeirrbar): Amtsvergehen?
Huf: Mählfiesnz.
Wolle, Kohle, Grauchen und Blütenweiß kommen zu der Gruppe hinzu.
Kohle: Na? Wie steht’s?
Flocke (seufzt): Sie sind vollauf mit Hausaufgaben beschäftigt. Hier brauchen wir nicht auf Hilfe für unsere Adventsaktion zu hoffen …
Kohle: Schade! Ich dachte, ihr hättet vielleicht eine gute Idee, wie wir das ganze Ding nennen. So ein griffiger Name ist immer die halbe Miete.
Fixi (überrascht): Aber wir sind doch schon dabei! Das hier ist doch für unsere Adventsaktion.
Huf (empört): Ihr glaubt doch nicht, daß wir für die Englischarbeiten in der Schule zu Hause lernen müssen …
Grauchen: Ist ja schon gut!
Kohle: Na – dann mal raus mit der Sprache: Habt ihr eine Idee?
Fixi (stolz): Wir dachten an Unterstanding (Sie blickt siegesgewiß in die Runde).
Die großen Schafe schauen sich etwas ratlos an.
Blütenweiß (unsicher): Unterstanding?
Huf: Na klar!
Fixi: Es ist ein Wortspiel!
Huf: Versteht ihr? Von „Unterstand“ und „understanding“.
Wolle: Weil wir die Neuankömmlinge in den Unterstand einladen wollen …
Fixi: … und es ums gegenseitige Verstehen geht! Genau!
Kohle (skeptisch): Unterstanding … klingt ja ein bißchen wie ein bayerischer Grenzort …
Grauchen: Kohle! Nun sei mal nicht so!
Blütenweiß (aufgeräumt): Ich finde die Idee eigentlich ganz gut.
Wolle: Und es ist ein griffiges Wort.
Flocke: Dann geb ich das so an den Pfarrsekretär für die Vermeldungen.
Fixi (springt mit allen Vieren in die Luft): Ich glaube, das wird gut!
Huf (stupst sich das Vokabelheft mit der Schnauze zurecht): Jetzt hör ich dich ab. Abweichler, Rebell?
Fixi: Mähwerick.
FORTSETZUNG FOLGT
Cornelie Becker-Lamers, Weimar
[…] dann wird einem klar, daß Sprache einfach niemals sterben wird.
Was recht verstanden einfach wörtlich wahr ist:
Den ersten Vers der Genesis, den ersten Vers der Heiligen Schrift überhaupt abwandelnd, hat Johannes den Prolog seines Evangeliums mit dem Wort eröffnet: Im Anfang war der Logos. […] Logos ist Vernunft und Wort zugleich – eine Vernunft, die schöpferisch ist und sich mitteilen kann, aber eben als Vernunft. Johannes hat uns damit das abschließende Wort des biblischen Gottesbegriffs geschenkt, in dem alle die oft mühsamen und verschlungenen Wege des biblischen Glaubens an ihr Ziel kommen und ihre Synthese finden. Im Anfang war der Logos, und der Logos ist Gott, so sagt uns der Evangelist.
(Benedikt XVI., „Regensburger Rede“, 12. September 2006, hier)