Zurüruck zum Inhalt

Zukunftssicher!

Hätten wir nicht unter anderem auch über sprachliche Klischees und ihre Vermeidung gesprochen, auf dem vierten Katholischen Bloggertreffen im Kardinal-Hengsbach-Haus, dem Tagungshaus des Bistums Essen, es wäre durchaus verführerisch gewesen, diesen Beitrag zu überschreiben: „Stürmische Tage in Essen-Werden“.

Aber das wäre nur in Bezug auf das wirklich fürchterliche Wetter korrekt gewesen hingegen eher nicht im übertragenen Sinne, denn wir etwa 20 Blogger aus allen Teilen Deutschlands haben uns zum größten Teil erneut ganz wunderbar verstanden.
Und der andere Teil? Der half, ganz zum Ende, daß die Harmonie nicht vollends überhandnahm, das hält ja keiner aus 😉 , aber ich greife vor!

Die nicht gerade kurze (der Westen ist ja soo weit weg! 🙂 ) aber weitestgehend problemlose Anreise bot reichlich Gelegenheit, die architektonischen Hervorbringungen der Jahrzehnte nach Kriegsende in diesem urbanen Ballungsraum zu betrachten – ich für meinen Teil lebe gern in der mitteldeutschen Provinz…

Der Ort Werden mit seiner großen Abtei, um die herum er gewachsen ist, war übrigens bestimmt einmal sehr hübsch, so direkt am Ufer der Ruhr gelegen, heutzutage jedoch kommt hier der Begriff der autogerechten Stadt leider ganz zu sich selbst.

Essen-Werden von der S-Bahn-Station aus, im Hintergrund die Abteikirche St. Ludgerus (eigenes Bild)

Essen-Werden von der S-Bahn-Station aus, im Hintergrund die Abteikirche St. Ludgerus (eigenes Bild)

Das Kardinal-Hengsbach-Haus allerdings liegt ziemlich hoch auf der anderen Seite des Flusses und ausgesprochen privilegiert auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrikantenvilla.

Von außen ist es gar nicht leicht, ein Bild des KHH zu erhalten, bzw. zu machen (abgesehen davon, wie schlecht das Wetter war…), schauen Sie aber hier und hier [auf das Bild klicken!].

Traue ich mich zu sagen, daß mir das Gebäude aus dem Jahr 1962 gar nicht so schlecht gefallen hat? Natürlich, ich würde in derartiger Architektur nicht leben wollen, und die m.E. ohne Not nicht geostete sog. „Seminarkirche“, ohne irgendein „Bild“, naja! Dennoch, zu dieser Zeit, in den frühen 60er-Jahren gab es hier offenbar einen ganz klar erkennbaren Gestaltungswillen, der von christlichen Architekturprinzipien noch etwas wußte, und der sich an dieser Stelle nahezu ganz ohne entstellende spätere Zusätze präsentiert.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Kreuzgang (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Kreuzgang (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Foyer (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Foyer (eigenes Bild)

Wir fanden uns jedenfalls im dem unglaublich weitläufigen Gebäude („Wie? Hier gibt es noch eine Kapelle?!“) gut untergebracht und anständig verköstigt, aber vor allem: Das WLAN hat gut funktioniert, auch für mehrere Geräte gleichzeitig, gute Arbeitsgrundlagen also und gute Grundlagen für die ‚coverage‘ auf Twitter, was Sie ggf. unter dem Hashtag #kbt15 auch noch nachvollziehen können. Dessenungeachtet fiel uns allen auf: Je intensiver die thematische Beschäftigung, desto eher kommt man auf „Old-school-Methoden“ (Vulgo: Papier und Kugelschreiber!) zurück. Und: Die Steckerleisten voller Netzteile sind, mit dem Überhandnehmen von Smartphones und Tablets, klar auf dem Rückzug.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Tagungsraum mit Netzteilflaute (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, Tagungsraum mit Netzteilflaute (eigenes Bild)

Die guten Arbeitsgrundlagen haben wir intensiv genutzt. Und das ist zuallererst ein Resultat der herausragenden Vorbereitung und Organisation durch Peter Winnemöller, dem dafür gar nicht genug gedankt werden kann!
Ehrlich, ganz unspontaner deutscher Beamter, der ich bin, war ich nicht ganz ohne Sorge gewesen, was den Ansatz der diesjährigen Tagung anging: Durchführung als ‚Barcamp‘, das hieß ja auch Themenfindung in Selbstorganisation. Würde das gutgehen? Nun, es hat ganz hervorragend funktioniert! Weil P.W. es so professionell vorbereitet hatte und weil alle Teilnehmer mit Eifer und Disziplin bei der Sache waren.

Kardinal-Hengsbach-Haus, Extra angefertigte Arbeitsmappe mit Illustration von Peter Esser (eigenes Bild)

Kardinal-Hengsbach-Haus, extra angefertigte Arbeitsmappe mit Illustration von Peter Esser (eigenes Bild)

Ich will an dieser Stelle über die teils sehr ernsten Themen (Bedrängte Christen in der Weltkirche, aber auch Bedrohung von Bloggern hierzulande gehörten dazu) nicht zuviel sagen, denn: Da kommt noch etwas auf Basis der Papiere, mit deren Hilfe die Ergebnisse der ‚Workspaces‘ im Plenum vorgestellt wurden, das möchte ich nicht vorwegnehmen.
Erwähnt werden muß freilich noch der anregende Vortrag von Klaus Kelle über das „Professionelle Schreiben“ am Samstagnachmittag.
Das gemeinsame Stundengebet gehörte wiederum ebenso zu unserer Tagung, die sich richtigerweise immer auch als geistliches Treffen versteht, wie die Möglichkeit, an den beiden eigentlichen Seminartagen je eine Hl. Messe mitzufeiern. Eine davon hat heuer erstmals in der außerordentlichen Form des römischen Ritus stattgefunden und wer jetzt meint, ich würde über die Gestaltung der anderen u.U. etwas schreiben (Stichwort „Westkirche“, NGL und neonfarbige Meßgewänder) den muß ich enttäuschen, ich sage nur, wir haben eine, wie ich fand, gute Predigt gehört, die, passend zum heutigen Evangelium und zu den schrecklichen Ereignissen in Paris den eschatologischen Grund unserer Hoffnung klar ins Auge gefaßt hat.

Den freudigen Höhepunkt der Tagung haben wir dann heute morgen erlebt: Die Zukunft der Bloggertreffen für die nächsten zwei Jahre ist gesichert! Ja, wir werden nachgerade eingeladen 😯 Also werden wir, deo volente, im Jahr 2016 in Hildesheim und im Jahr darauf in Kevelaer zusammenkommen und ich habe keine und keinen gehört, der sich nicht darauf freute.
Wäre es nicht auch so ein schönes altes Sprachklischee, ich würde glatt in den Ausruf: „Ad multos annos, Bloggertreffen!“ ausbrechen! 🙂

Und das nicht nur harmonische Ende der Tagung? Ach, auch wenn ich es wirklich erschütternd finde, wenn sich Selbstverständliches nicht von selbst versteht (vgl. hier), ich glaube, solange es niemand anderes tut, will ich lieber nichts darüber schreiben. Solange.

Inquire pacem et persequere eam.
(Ps 33, 14 b Vg.)

(Here’s looking at you, Martin W.!)

Edit (22:28 Uhr) Peter Winnemöller ist mit seinem Bericht auch schon online, hier!

Ein Kommentar

  1. „ad multos annos“ ist eines von den ganz wenigen Sprachklischees, die ich gerne durchgehen lasse.
    Ich freu mich jedenfalls über das vergangene und auf weitere Bloggertreffen!

    Dienstag, 17. November 2015 um 19:17 | Permalink

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*

*