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Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 17

Drei Fünfziger aber enthält das Buch der Psalmen und aus diesem Grunde und aus jener seligen Zahl entsteht unsere Erwartung.
Denn wer den Psalm der ersten Zahl Fünfzig, dann den der zweiten Zahl Fünfzig, und dann wieder den der dritten Zahl Fünfzig, mit welcher das Ende des Buches eintritt, genau ins Auge faßt, der wird einsehen, daß die Vorsehung in dieser Anordnung der Psalmen mit der Weise der Ordnung unsres Heils übereinstimmt.
Denn da es der erste Schritt zum Heile ist, nach der Vergebung der Sünden zu einem neuen Menschen wieder geboren zu werden; da ferner nach dem reumütigen Bekenntnisse jenes Reich des Herrn für die Zeiten der heiligen und himmlischen Stadt Jerusalem bestimmt ist, und da wir nachher, wenn die himmlische Herrlichkeit in uns vollendet ist, durch das Reich des Sohnes in das Reich Gottes des Vaters gelangen, wo alle Geister das Gott gebührende Lob verkünden werden; so sehen wir leicht ein, daß in den einzelnen Bedeutungen der Psalmen, wenn sie nach der Zahl Fünfzig gestellt werden, das Geheimnis [lat. sacramentum] dieser Anordnung nach der Zahl Fünfzig enthalten sei.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 11)

Wir sehen: Es geht dem Hl. Hilarius keineswegs darum, einer Zahl (hier der Fünfzig) als solcher irgendwie „magische“ Kraft beizumessen, nein, es geht darum die göttliche „Verwaltung“ (dispensatio) unseres Heils gespiegelt zu sehen in der Anordnung der Inhalte („Anordung“: ggf. inspiriertes aber menschliches Tun) der jeweiligen Psalmen:
Psalm 50 dreht sich um Davids Vergebungsbitte nachdem er in der Sache mit Bathseba und Urias schuldig geworden war.
Psalm 100 schildert, in Bildern des davidischen Reichs, „die Stadt des Herrn“ ohne Gesetzlosigkeit.
Psalm 150 aber ist das, insoweit selbsterklärende 😉 „Große Halleluja“, die Spitze des „Schluß-Hallel“.

Wie man auf die Idee kommen konnte, sich von dieser (Zähl-) Tradition dem „Geheimnis der Anordnung“ ohne Not zu entfernen, werde ich wohl nie verstehen – und will es auch nicht!

Übrigens: Wenn jetzt jemand klüglich mäkeln wollte, ausgerechnet die Septuaginta enthielte aber doch einen Psalm 151, der läge falsch. Denn dem ist zwar so, aber wie heißt es da so schön? „Dieser Psalm ist eigens verfaßt im Hinblick auf David und steht außerhalb der Zählung {der 150 Psalmen} […]“ (den Zusatz in geschweiften Klammern haben nicht alle Handschriften).
Tja! 🙂

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 16

Die Überschrift des 50. Psalms aber ist, der Geschichte nach, später, als die Überschrift des 51. Psalms. Aber die Bedeutsamkeit und die Vollkommenheit der Zahl Fünfzig erforderte, und des Idumäers Doëg unversöhnlicher Haß gegen David erforderte [es ebenfalls], daß man den [historisch] früheren nachsetzte und den späteren voranstellte; damit die [Thematik der] Vergebung der Sünden in die Zahl ‘Fünfzig’ gesetzt würde, die [Thematik der] Strafe für den Unglauben [hingegen], welche über die Zahl der bestimmten Verzeihung hinausging, ohne Vergebung wäre, da sie sowohl die Zeit, als auch die Zahl der Reue verloren hatte.
Denn da in dem 50. Jahre, in welchem der Sabbat der Sabbate ist, nach dem Vorbild des Jubeljahres, die Verzeihung der Sünden bestimmt ist, so ist ganz füglich dieser Psalm, in dem nach vorhergegangener Buße um Verzeihung der Sünden gebeten wird, an die Stelle dieser Zahl gesetzt worden.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 10)

Wie (gestern) gesagt: Für die Psalmenzählung und alles, was mit ihr zusammenhängt, habe ich eine ausgesprochene Schwäche… 🙂 Nun ist ja Zahlensymbolik, wie sie uns hier im Psalmenkommentar des Hl. Hilarius zum ersten Mal begegnet, ‚heutzutage‘ eher schlecht angeschrieben. Ich meine aber, man machte es sich zu einfach, wenn man das einfach bloß als „überholt“ abtäte, ohne einmal näher hinzuschauen.
Denn was macht der heilige Kommentator hier? Sein Ausgangspunkt ist erneut eine ganz nüchterne, ‚wissenschaftliche‘ Beobachtung, daß nämlich die Anordnung der Psalmen im Psalter nicht der historischen Abfolge der aufeinander bezogenen Geschehnisse aus dem Leben Davids entspricht. Ein Faktum, das man ja wohl füglich für erklärungsbedürftig halten darf, wenn man nicht, ja, wenn man nicht, wie schwer verständlicherweise die sog. „Gattungsforschung“ für Jahrzehnte die Möglichkeit der Beziehung von Einzelpsalmen untereinander schwer vernachlässigt und den Sinn einer Betrachtung aller Psalmen als ein Buch, als eine in sich sinnvolle Gesamt-Komposition explizit geleugnet hätte! Und auch die Verbindungslinien von den Geschichtsbüchern des AT zu den Pslamen, soweit sie Historisches berichten, wurde sträflich vernachlässigt, was sich erst in jüngster Zeit bessert.
Nimmt man dazu die „Urtextfixierung“, die im vorliegenden Fall verbreitet zum Wechsel zur abweichenden Zählung aus der hebräischen (ggf. der sehr viel späteren masoretischen) Tradition geführt hat, so hat man sich von jeder Betrachtung, die (auch) mit der symbolischen Bedeutung von Zahlen operiert, „abgeschnitten“ – und damit von einem Traditionsstrang, der ja außer dem Hl. Hilarius auch etliche andere Kirchenväter und viele andere ältere Exegeten umfaßte! Und der, wie gerade an diesem Abschnitt schön zu sehen ist, natürlich im Judentum  („Jubeljahr“!) weit verbreitet war.
Hören wir lieber bescheiden zu, ob uns dieses Herangehen nicht doch etwas zu sagen haben könnte und machen uns zugleich bewußt, daß wir uns so viel näher an den Fragestellungen wirklich avancierter Forschung befinden! (vgl. J. Schnocks, Psalmen, Paderborn 2014, S. 50 ff., 68f.)

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 15

Und obwohl man es aus den Bedeutungen der einzelnen Psalmen selbst ersehen kann; so werden wir doch [auch] durch die Geschichte der Vorfälle und Zeiten auf das deutlichste belehrt, daß die Plätze der Psalmen [d.i. ihre Anordnung im Psalter] nach der Bedeutsamkeit der eine größere Vollkommenheit anzeigenden Zahlen geordnet sind.
So ist der dritte Psalm der Geschichte nach später, als der fünfzigste Psalm; denn der Inhalt des einen ist durch einen großen Zwischenraum von Zeit und Alter von dem des anderen geschieden.
Der eine enthält nämlich die Vorfälle unter Urias und David; der andere aber zeigt die Flucht des David an, als ihn sein Sohn Absalom verfolgte; und doch bewirkte die Bedeutung und das Geheimnis [virtus ac sacramentum] der Zahl, daß dieser und jener nach dem einem jeden entsprechenden und zukommenden Rang seine Stelle erhielt.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 9)

Die Patrologia latina überschreiben diesen Abschnitt sinngemäß mit der Überschrift: ‚Die Septuaginta bewahrte nicht die zeitliche Abfolge, sondern die der Bedeutsamkeit‘ und ich hoffe sehr, Sie haben an Fragen der Psalmenzählung ebenso viel Spaß wie der Hl. Hilarius (und ich 😉 ), denn es wird in den nächsten Tagen noch mehr davon geben!

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 14

Man muß aber wissen, daß bei den Hebräern die Zahl der Psalmen nicht besonders angegeben, sondern daß diese bei ihnen ohne Angabe der Reihenfolge zusammengeschrieben sind. Denn dort wird nicht die Aufschrift: der erste, oder zweite, der dritte, oder der fünfzigste, der hundertste vorangeschrieben; sondern sie sind ohne irgend eine Unterscheidung der Reihenfolge und eine Angabe der Zahl vermischt.
Denn Esdras [Esra] hat, wie alte Überlieferungen sagen, dieselben ohne Ordnung und ohne eine durch die Verschiedenheit der Verfasser und der Zeiten bestimmte Aufeinanderfolge in Ein Buch gesammelt und zusammengeschrieben. Die siebzig Ältesten aber […] haben, nachdem ihnen vom Könige Ptolemäus die Sorge anvertraut worden war, das ganze Gesetz aus dem Hebräischen in die griechische Sprache zu übertragen, mit geistiger und himmlischer Weisheit den Sinn der Psalmen erkannt, und dieselben mit Zahlen versehen und in Ordnung gebracht, indem sie die eine größere Vollkommenheit und Bedeutsamkeit anzeigenden Zahlen den durch Vollkommenheit und Bedeutsamkeit anderen vorangehenden Psalmen zuteilten.

(Tractatus super psalmos, Vorrede, 8)

Esra trägt dem Volk das Gesetz vor, Julius Schnorr von Carolsfeld (Bild: Wikicommons)

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 13

Allein Verfasser eben dieser Psalmen gibt es mehrere. Denn zur Bezeichnung des Verfassers wird bei einigen im Anfange David geschrieben, bei andern Salomon, in anderen Asaph, in anderen Idithum, in wieder andern die Söhne Chores, in einem anderen Moses.
Daher ist es absurd, sie die Psalmen Davids zu nennen, weil so viele Verfasser derselben in den Aufschriften, und Titeln selbst angeführt werden.
Und man wird das Ganze richtiger das Buch der Psalmen nennen, indem man die verschiedenen Weissagungen von verschiedenen Verfassern und Zeiten in ein Werk zusammenfaßt.
Einige aber glaubten, in den Überschriften einiger Psalmen die Namen des Jeremias, Aggäus (Haggai) und Zacharias angeben zu müssen, da man doch in den authentischen Büchern der siebzig Übersetzer nichts hiervon so angeführt findet; so daß auch in den meisten lateinischen und griechischen Handschriften ohne die Namen dieser Männer bloß die einfachen Überschriften der Psalmen vorangesetzt sind.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 2)

Mit den „siebzig Übersetzern“ in diesem so erfrischend klaren und nüchternen Abschnitt sind natürlich die Verfasser der Septuaginta gemeint; bemerkenswert auch, daß der Hl. Hilarius ganz selbstverständlich mehrere lateinische und griechische Handschriften (codices) herangezogen hat.

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 12

Ihr werdet nicht glauben, was heute passiert ist: Wir haben eine Hl. Abra gefangen,; die bringt schon normal 300 Punkte, so selten ist sie und heute wurden sie sogar noch verdoppelt; wißt Ihr auch warum? 😉
Na, wahrscheinlich schon, denn durch Euren Adventskalender mit dem Hl. Hilarius haben wir ja überhaupt nur angefangen, seinen schönen Hymnus zu üben, und da war sie dann, drüben an der alten Poliklinik – soo süß!

Herzlichen Dank und habt weiter einen gesegneten Advent!

Eure

Fixi & Huf

 

Hilarius entbietet seiner geliebtesten Tochter Abra seinen Gruß im Herrn.
Ich habe deinen Brief erhalten, aus welchem ich ersehe, daß du dich nach mir sehnst und ich bin davon überzeugt. […] Denn da ich wünsche, daß du, o Tochter, so wie du meine einzige Tochter bist, so auch, so viel bei mir steht, eines Sinnes mit mir sein möchtest, so wünsche ich auch, daß du am schönsten und heiligsten unter Allen leben möchtest.

Ich erhielt die Nachricht, es gebe einen Jüngling, welcher eine Perle und ein Kleid von unschätzbarem Werte habe, und wenn Jemand dieselben von ihm erhalten könnte, so würde er reicher und glücklicher sein, als er durch irgend einen menschlichen Reichtum und Wohlstand werden könnte. Als ich dieses vernommen hatte, reiste ich zu ihm ab.
Nachdem ich nun auf vielen weiten und beschwerlichen Wegen zu ihm gekommen war, fiel ich, sobald ich ihn sah, vor ihm nieder. […] Als er sah, daß ich vor ihm zur Erde gefallen sei, ließ er mich fragen, was ich wollte, und was ich verlangte; und ich antwortete, ich hätte von seinem Kleide und seiner Perle Kunde erhalten, und deswegen sei ich gekommen; und wenn er mir dieselben zu geben geruhte, so hätte ich eine Tochter, die ich ungemein liebte, und für welche ich dieses Kleid und diese Perle zu erhalten wünschte. […]

Und als ich so auf der Erde da lag, sagte einer der Umstehenden zu mir: Ich sehe, daß du ein besorgter und guter Vater bist, und dieses Kleid und diese Perle für deine Tochter wünschest; damit du sie jedoch noch mehr zu erlangen wünschest, will ich dir zeigen, was dieses Kleid und diese Perle Gutes an sich haben.
Dieses Kleid wird nie von Motten angefressen, nicht durch den Gebrauch abgerieben, nicht beschmutzt, nicht mit Gewalt zerrissen, und nicht durch Unglück verloren; sondern es bleibt immer, wie es ist. Die Perle hingegen hat […] durchaus nichts an sich, was dem Körper nachteilig wäre; sondern wer sie trägt, dem begegnet nichts, was entweder den Tod herbeiführte, oder das Alter veränderte, oder die Gesundheit hemmte. […]
Nachdem [der Jüngling] meine Worte vernommen hatte, befahl er mir aufzustehen, und sprach zu mir: Deine Bitten und Tränen haben mich gerührt, und es ist gut, daß du dieses geglaubt hast. Und […] so kann ich dir [Kleid und Perle] nicht versagen; aber wissen sollst du meinen Vorsatz und Willen.
Das Kleid, welches ich dir geben werde, ist so beschaffen, daß die, welche ein anderes farbiges, seidenes und mit Gold geschmücktes tragen will, mein Kleid nicht erlangen kann. Sondern ich werde es derjenigen geben, die sich begnügt, nicht mit einem seidenen Gewände, sondern mit natürlichen Farben und wohlfeilem Gewebe sich zu kleiden; so daß der Gewohnheit wegen das Kleid einen sehr engen Purpurstreif habe, sich aber der Purpur nicht über das ganze Kleid ausbreite. Die Perle ferner, welche du von mir begehrst, hat die Beschaffenheit, daß sie Niemand besitzen kann, der eine andere Perle hat […]
Ich will dir jedoch auf dein Bitten dieses Kleid und diese meine Perle geben, damit du sie deiner Tochter bringst. Allein zuvor mußt du wissen, was deine Tochter will. Wenn sie sich dieses Kleides und dieser meiner Perle würdig macht, […] so will ich dir das, um was du mich bittest, gewähren.

Nach dieser Rede, o Tochter, stand ich freudig auf, und schrieb im Besitze dieses Geheimnisses diesen Brief an dich, indem ich dich mit vielen Tränen bitte, daß du dich für dieses Kleid und diese Perle bewahren möchtest. […] Sollte dir aber eine Perle angetragen werden, um sie entweder an den Hals zu hängen oder an den Finger zu stecken, so sage folgendes: Diese unnützen und schmutzigen Perlen sollen mich nicht hindern, sondern ich erwarte eine überaus kostbare, schöne und nützliche Perle.
Ich glaube meinem Vater, weil dieser auch dem, der ihm dieselbe versprach, geglaubt hat, […] diese erwarte ich, nach dieser sehne ich mich, welche mir das Heil und das ewige Leben verleihen wird.

Erfülle nun, o Tochter, meinen innigsten Wunsch, lies immer diesen meinen Brief, und bewahre dich für dieses Kleid und diese Perle auf. Und schreibe mir du selbst, ohne Jemanden zu fragen, wie du immer kannst, die Antwort, ob du dich für dieses Kleid und diese Perle aufbewahrst, damit ich weiß, was ich jenem Jünglinge antworten soll, und auf daß ich, wenn du dieselben begehrst, wenn du sie erwartest, mit Freude auf die Rückkehr zu dir denken kann. Wenn du mir aber geantwortet hast, dann werde ich dir bekannt machen, wer dieser Jüngling ist, und wie er ist, und was er will, und was er verheißt, und was er vermag. Indes übersende ich dir einen Morgen-und Abend-Gesang, damit du meiner allzeit gedenkst. Solltest du aber deines jugendlichen Alters wegen den Hymnus und den Brief nicht ganz verstehen, so frage deine Mutter, welche wünscht, daß sie dich durch ihre Sitten für Gott geboren haben möchte.
Gott, welcher dich erschaffen hat, möge dich auch, geliebteste Tochter, in Ewigkeit beschützen!

(Epistola ad Abram filiam suam/Brief an seine Tochter Abra)

 
Der Brief eines Bischofs und Doktors der Kirche an seine – Tochter?!
Ja, und das geht nicht nur mit ganz und gar rechten, sondern sogar mit heiligen Dingen zu! Hilarius hatte aus der Zeit vor seiner Konversion, geschweige seiner Wahl zum Bischof, eine Tochter mit Namen Abra, so etwas gab es im 4. Jahrhundert und wir wollen gar keine Worte darüber verlieren, daß jeder Versuch, das für heutige Zustände dienstbar machen zu wollen von grauslich unhistorischem Denken zeugte und von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre!

Die jung gestorbene Abra jedenfalls war so etwas wie eine frühe „Verwandte“ der Hl. Elisabeth: In ihrer Sorge für die Armen und Kranken hat sie sich für Christus aufgerieben und so mit dazu beigetragen, Poitiers und Umgebung zu einer wahrhaft christlichen Landschaft werden zu lassen! (vgl. Vorabend)
Und so wurde die Tochter eines Heiligen Lehrers der Kirche selbst zur Heiligen und wir wissen ja: Die Heiligen umgeben uns überall, auch dann, wenn sie aktuell nur noch vorwiegend am Ort ihres Wirkens im Bewußtsein sind.
Heute, am 12. Dezember ist aber der Gedenktag der Heiligen Abra, oder was dachten Sie, weshalb Fixi und Huf in ‚Dove Sveta‘ eine Punkteverdopplung bekommen haben? 🙂

Hl. Abra, bitte für uns!

Das rosa Gewand, 4/n

Das rosa Gewand, 4/n

Am heutigen Sonntag „Gaudete“ hatten Sie gewiß nichts anderes erwartet, als daß wir uns erneut einem Thema widmen, das uns nun schon seit langem zweimal im Jahr umtreibt: Der Frage des Meßgewands in Rosa nämlich.
Und wir meinen das, auch wenn wir es heiter behandeln (bisher hier, hier und hier), völlig ernst: Die Symbolsprache, die die Kirche in langen Jahrhunderten für ihr gottesdienstliches Handeln gefunden hat, ist eine ernste Sache.
So wie heute (und am Fastensonntag Laetare) die Predigt den besonderen, den ‚aus der Reihe fallenden‘ freudigen Charakter des Tages betonen muß, gerade wenn man ansonsten auch den asketischen Zug des Advents ernst nimmt, so sollte die freudige Gestimmtheit des Tages auch dem Auge sofort deutlich werden!

Es gibt dafür ganz in unserer Nähe sehr schöne Beispiele und mit dem folgenden kleinen Lied wollen wir zur weiteren Ermutigung beitragen; Enjoy! 🙂

Außerdem haben wir nichts weniger als einen liturgiewissenschaftlich-semantischen Durchbruch zu vermelden, o ja!
Es heißt ja immer gern in unterreflektierten Beiträgen (nein, wir verlinken jetzt nichts! 😉 ), ‚Das Zweite Vatikanum‘ habe dies oder das „abgeschafft“, im vorliegenden Fall die Verbindlichkeit der Farbe Rosa an den erwähnten zwei Tagen. Nun, wer mir zeigt, wo das in Kapitel VII der einschlägigen Konstitution steht, erhält ein lebenslanges PuLa-Abo… 😉 Derartige Details hätten auch wahrlich auf dieser Ebene nichts verloren.
Oder doch? Um genau diese Sache steht es nämlich ganz besonders. Ja, es ist nicht zuviel gesagt: Das Rosa ist der Mitte der Liturgie-Konstitution eingeschrieben!
Glauben Sie nicht? Es läßt sich aber schlechterdings nicht bestreiten; sehen Sie selbst:

Sacrosanctum concilium.

Quod erat demonstrandum 🙂

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 11

Daß die Ansichten der Meisten über das Buch der Psalmen verschieden sind, wissen wir aus den Schriften selbst, welche sie verfaßt und hinterlassen haben.
Denn einige von den Hebräern wollen, daß dieselben in fünf Bücher eingeteilt werden, so daß bis zu dem 40. Psalm das erste Buch reiche, von dem 40. bis zu dem 71. das zweite Buch, von diesem bis zu dem 88. das dritte Buch, und bis zu dem 105. das vierte Buch, weil alle diese Psalmen an ihrem Ende hätten: „Amen, Amen!“, und daß dann mit dem 150. Psalm. das fünfte Buch schließe.
Andere hingegen waren der Meinung, daß man den Psalmen die Überschrift geben sollte: „Die Psalmen Davids;“ und bei diesem Titel sollte man ihrer Ansicht nach glauben, daß dieselben alle von David verfaßt worden seien.
Wir hingegen nennen und betiteln sie nach dem Zeugnisse des Apostels: „Das Buch der Psalmen.“ Denn wir wissen, daß es in der Apostel-Geschichte (Apg 1,20) so heiße: „Es steht nämlich in dem Buche der Psalmen geschrieben: „Verödet stehe seine Behausung, und sein Aufseher-Amt erhalte ein Anderer!“ (Psalm 68,26; 108,8)
Demnach darf weder nach einigen Hebräern die Einteilung in fünf Bücher, noch nach der Einfalt der Meisten die Aufschrift: „Die Psalmen Davids“ angenommen werden; sondern man muß nach dem Zeugnisse des Apostels anerkennen, daß es „Das Buch der Psalmen“ sei.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 1)

Daß es eine Einteilung (neben anderen!) des Psalters in fünf Bücher (nach der jüdischen, „hebräischen“, Tradition) aufgrund der angesprochenen vier Doxologien („Amen, amen“) gibt, ist eine unbezweifelbare Tatsache, die ja der Hl. Hilarius als solche auch keineswegs bestreitet.
Viel deutlicher hingegen seine ganz „modern“ anmutende Kritik an der „Einfalt“ der ‚sehr vielen‘, die naiv die Autorschaft Davids für alle Psalmen propagierten.
Vor diesem Hintergrund erschien mir die Formulierung zum Schluß des obigen Abschnitts, die Einteilung in fünf Bücher dürfe „nicht angenommen werden“ aus der älteren (1833) Übersetzung eigentümlich.
Im lateinischen Original klingt es dann auch durchaus anders:

Ergo neque quosdam Hebraeos quinque libri, neque secundum plurimorum simplicitatem Psalmi David dicendi sunt: sed secundum apostolicam auctoritatem Liber psalmorum esse noscendus est.

Was ich etwa übersetzen würde:

Daher sollten sie [sc. Die Psalmen] weder nach einigen Hebräern die ‚Fünf Bücher‘, noch nach der Einfalt sehr vieler ‚Die Psalmen Davids‘ genannt werden, sondern nach der apostolischen Autorität sollten sie als „Das Buch der Psalmen‘ gekannt sein.

Ich verstehe den Hl. Hilarius hier daher so, daß er sich dem Buch der Psalmen erstens durchaus wissenschaftlich-kritisch nähert, das Bestehen der älteren, jüdischen Tradition zweitens durchaus nicht leugnet, drittens aber darauf hinweist, daß es eine sehr früh einsetzende christliche Tradition der Bezeichnung gibt, deren apostolische Autorität sie für Christen verbindlich machen sollte.

Und ich bin der Meinung, diese Sicht der Dinge ist die einzig angemessene, egal ob im 4. oder im 21. Jahrhundert. Der Hl. Hilarius war m.E. ganz offenbar weiter, als alle die in der Folgezeit (und zum Teil bis heute!) vom Verbindlichkeit garantierenden ‚Urtext‘ träumten, der doch immer fiktiv bleiben wird.
Merke erneut: Nur weil einer (schon lange) tot ist, war er noch lange nicht dümmer – manchmal im Gegenteil… 😉

Wo Sie grad sagen Hilarius …

Wo Sie grad sagen Hilarius …

Wir wollten unsere Leser ja noch mit ein paar Links zum diesjährigen Martinsspiel versorgen. Die Cäcilini waren relativ knapp hinzugezogen worden, aber natürlich vollzählig zur Stelle 🙂 , so daß unsere Gemeinde – unser „Kirchort“ hätte man wohl neuerdings zu sagen, denn in der Tat umfaßt unsere Pfarrei (und wer formuliert schon trennscharf hinsichtlich „Gemeinde“ und „Pfarrei“ [Anm. der Redaktion: „Ich!“ 😉 ]) ja auch die Katholiken beispielsweise aus Bad Berka und Schöndorf, und beide Kirchorte richteten einen eigenen Martinsumzug aus – so daß also unser Kirchort Herz Jesu Weimar am Nachmittag des 10. November ein Anspiel als Ausgangspunkt des Martinsumzugs hatte.
Sie haben richtig gelesen: Wie an einigen anderen Stellen in Thüringen auch (aber durchaus nicht überall in der mitteldeutschen Diaspora!), begehen wir hiesigen Katholiken die Feier als ökumenisches Martinsfest jedes Jahr zum Geburtstag Martin Luthers (obwohl dieses Datum notwendigerweise sekundär sein muß, hieß doch Martin Luther nur deshalb Martin, weil er nach damaligem Brauch am Tag nach seiner Geburt auf den Tagesheiligen, Martin, getauft worden war).
Wie auch immer – die evangelischen Christen gedenken in einer Großveranstaltung auf dem Herderplatz vor der heuer gerade frisch renovierten Stadtkirche St. Peter und Paul – vulgo Herderkirche – ihres „Heiligen Martin“ (wie durchaus auch Protestanten, ja sogar evangelische Pastoren augenzwinkernd sagen), und die katholischen Christen erinnern an den ersten Heiligen, der für seine Heiligsprechung keines Märtyrertodes gestorben sein mußte.
Sie tun dies üblicherweise durch die Darstellung der Mantelteilung, aber weil dieses Jahr die Cäcilini geschauspielert haben, war alles ein wenig anders. Schließlich hatten wir keine Zeit für lange Recherchen, sondern konnten nur das Anspiel nehmen, das wir schon hatten. Und zwar das hier.

Deshalb eben auch Hilarius.
Unser Martinsspiel nämlich spinnt, nachdem alle gemeinsam mit der gewohnt stimmgewaltigen Unterstützung unseres Gemeindereferenten das Lied von der Mantelteilung gesungen haben


die Geschichte ein bißchen weiter. Martin sitzt drei Tage wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum im Kerker. Jesus erscheint ihm im Traum und erklärt ihm die Sache mit dem geringsten seiner Brüder. Martin möchte aus dem Militärdienst ausscheiden (was nicht gelingt: Er muß wohl 25 Jahre lang seinen Dienst abgeleistet haben. Aber solche Zeitspannen eignen sich einfach mal verdammt schlecht für die Bühne.) In der geforderten Einheit von Zeit, Ort und Handlung schürzt sich der dramatische Knoten im Anspiel legendengetreu dahingehend, daß Martin seinen Traum hat, tags darauf den Dienst quittieren möchte und der Kaiser durch ein Wunder – den spontanen Abzug der gegnerischen Alemannen – überzeugt wird. Martin reitet nach Poitiers, um sich von – und jetzt kommt’s: Bischof Hilarius – genau! taufen zu lassen.
Der bewährte Maik Schuck, gefühlt schon immer Fotograf der Thüringer Lokalpresse, hat die dramatische Szene in einem hübschen Bild festgehalten, das die TA samt Artikel auch online zeigt, hier.
Wir können darauf verschiedene Dinge erkennen. Erstens: Der Kaiser trägt einen der damals typischen Ligusterkränze auf dem Haupt.
Spaß!
Der Witz ist, daß wir bis wenige Tage vor Sankt Martin tatsächlich Lorbeer im Hause hatten (wir werden zu gegebener Zeit darauf zurückkommen 😉 ), echten Lorbeer an echten Zweigen von echten dicken Hecken, die in Opatija wie Unkraut wachsen. Und Opatija hatten wir in den Herbstferien besucht. Bevor wir in Pula waren. Aber am 10. November lagen die Blätter schon auf dem Kachelofen zum Trocknen und mittlerweile stopfen sie große Teile unseres Gewürzregals voll. (Anm. der Redaktion: „Bildhafte Sprache“ 🙂 )
Also Ligusterkranz. Was man aber wirklich sehr schön sieht: Das Kirchenportal gab das perfekte Bühnenbild für die Audienz des Kaisers ab. Wir haben uns dort statt im Pfarrhof vor dem Glasportal versammelt, um den neuerdings freien Platz zu feiern. Und es hat prima funktioniert.
Ab Bild 78 gibt es hier noch einmal einige Fotos von unserer Aufführung.
Wir finden: Pfarrer Gothe hat richtig was verpaßt durch seinen zeitgleichen Aufenthalt in Bad Berka! (vgl. auch Bilder 46 u. 51 der o.g. Bilderstrecke) Die guten Schauspieler nämlich, zum Beispiel den „Kaiser“ und den „Boten“, die wir – wie alle andern Mitwirkenden auch – wenn alles gut geht in zwei Wochen beim Krippenspiel wiedersehen werden, als Josef und als Hirte in einer Vertonung der „Heiligen Nacht“ von Selma Lagerlöf.

Cornelie Becker-Lamers

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 10

Doch durch die böswilligen Lehren der schmähredigen Irrlehrer werden wir gezwungen, zu tun, was unerlaubt; zu ersteigen, was steil; zu sprechen, was unsagbar; kühn zu wagen, was versagt ist.
Und obwohl man allein im Glauben die Gebote erfüllen sollte, nämlich den Vater anbeten, mit ihm zugleich den Sohn verehren, des Hl. Geistes überströmend reich zu sein, so werden wir doch gezwungen, die Ohnmacht unserer Sprache bis zum Unsagbaren hin sich erstrecken zu lassen; werden wir selbst zum Übergriff durch fremden Übergriff gedrängt, so daß also, was in der gläubigen Innerlichkeit des Herzens sollte verborgen bleiben, nun der Gefährdung menschlichen Wortes ausgesetzt wird.

(De Trinitate 2, 2)

Der gestrige und der heutige Abschnitt aus dem Werk über die Dreifaltigkeit zeigen wie Hilarius und mit ihm andere Väter mit ehrfurchtsvollem Unwillen auf die Herausforderung durch häretische Lehren reagierten. Die Glaubensgeheimnisse, die ihnen einleuchtend, klar und der weiteren Erklärung unbedürftig erschienen, sahen sie sich nun gezwungen gegen intellektualistische Verfälschungen zu verteidigen. Gerade Hilarius, der ja vermutlich in seiner Jugend in einem Prozeß innerer auch gedanklicher Aneignung selbst zum Glauben gefunden hatte, mag das hart angekommen sein.
Andere Väter, wie etwa der Hl. Augustinus, betonten eher die Möglichkeit eines Erkenntnisfortschritts, den die häretische Herausforderung mit sich bringen konnte.
Entscheidend aber blieb, daß sich Persönlichkeiten wie Hilarius nicht wegduckten, als sie erkannten, daß die Verteidigung der Rechtgläubigkeit zur Notwendigkeit wurde; zu unser aller Wohl – bis heute!