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Sketch des Monats: Der Martinsumzug

In Wundersdorf versuchen unsere Brüder und Schwstern auf ihre Art, die aktuelle Synode der EKD in Magdeburg samt dem Nachkarten i.S. Papstbesuch und Ökumene zu verarbeiten und wie wir sie so kennen, geht es dabei ebenso innovativ wie feucht-fröhlich zu…

Als persönlichen Beitrag zur Euro-Rettung haben sie sich im örtlichen Griechen, dem Restaurant „Bacchos“, eingefunden:

 

Der Martinsumzug

Ein Sketch für fünf Personen und beliebig viele Statisten

Hanna, Karl, Edith und Richard sitzen im Restaurant. Der Raum kann mit weiteren Wirtshausgästen an Nebentischen gefüllt sein. Die Gläser der vier sind schon beinahe leer. Sie befinden sich mitten in einer angeregten Diskussion.

 

Hanna: Es ging natürlich wieder nicht ohne „Plädoyer für die Ökumene“ ab!

Edith: Ja, aber eine „lebensnahe Ökumene“.

Karl: „Um der Menschen willen“.

Richard: Dann können die Protestanten ja mal damit anfangen aufzuhören uns ständig zu beschimpfen!

Hanna: Wer beschimpft uns denn?

Richard: Siehst du – das fällt einem schon gar nicht mehr auf. Den Protestanten selbst am allerwenigsten. Aber wenn du mal anfängst drauf zu achten, stolperst du bei fast jeder einschlägigen Wortmeldung und jedem Zeitungsbericht darüber!

Edith (zu Hanna): Habe ich dir nicht erzählt: „Eigentlich sollte es gar keine Katholiken mehr geben“ … ?

Hanna: Wer sagt?

Edith: Mein Hausarzt neulich, so en passant, es ging irgendwie um das Engagement in der Gemeinde, daß das ja auch nicht immer alles so einfach ist, und da sagt er: „Da sieht man es wieder – eigentlich sollte es in Wundersdorf ja gar keine Katholiken mehr geben.“

Hanna: Und was hast du da gesagt?

Edith: Nichts. Und da meinte er, das wäre als Witz gemeint gewesen.

Karl: Klar! Hat er überhaupt nicht drüber nachgedacht.

Edith: Nee, sicher, hat er nicht. Aber das ist ja das Interessante: Es rutscht einfach so raus, weil es so selbstverständlich ist, solche „Witze“ zu machen. Die meisten von uns lachen wahrscheinlich auch noch mit … (Sie trinkt den letzten Schluck aus ihrem Glas aus).

Richard: Das ist der Mainstream.

Edith: Stell dir die Aussage mal vor über „Ausländer“ oder „Schwarze“ oder sonst wen – was da los wäre. Zu Recht! Aber so was zu sagen fällt halt auch niemandem ein.

Hanna: Niemand Normalem jedenfalls.

Karl (hat nachgedacht): Stimmt! Der verbale Umgang mit den Katholiken ist der blinde Fleck der political correctness! (Er trinkt den Rest von seinem Bier aus.)

Richard: Das hast du schön gesagt! (grinst)

Edith: Oder neulich unser örtlicher Ober-Protestant in einer Rede: Peter und Paul könnten ja als Chiffre für die Ökumene gelesen werden: Peter stellvertretend für die Institution, Paul als Sinnbild der kreativen innovativen reflektierten und was nicht alles Theologie – ich hab‘s nicht mehr wörtlich im Kopf.

Richard: Wir sind immer die Volltrottel, die nicht nachdenken.

Edith: … wollen oder können. Und das war wie gesagt nicht irgendwer, der das von sich gegeben hat! Und nicht am Biertisch, sondern in einer Rede. Nachdem er ganz freundlich unseren Bischof begrüßt hatte.

Hanna: Aber wer so was nach gut sechs Jahren Ratzi als Papst sagt ….Das ist doch absurd!

Edith: Klar ist es das.

Richard: … der hat echt was nicht kapiert!

Der Kellner kommt an den Tisch.

Kellner: Sind Sie ßufrieden?

Karl: Ich nehm noch eins – Hanna, du?

Hanna: Ich weiß nicht (Sie sieht zur Uhr).

Karl: Komm! Die Griechen brauchen unsere Unterstützung! (Er grinst)

Hanna (lächtelt auch): Na gut. Dann nehm ich jetzt aber ein Tonic.

Kellner (nickt): Donic.

Edith: Ich könnte gut noch einen Retsina trinken.

Richard: Danke, für mich nichts mehr.

Der Kellner nickt freundlich und geht ab.

Edith: Und dann sollen wir auch noch diese Luther-Dekade mitfeiern. Merken die noch was?! Das ist für uns kein Grund zum Feiern! (Sie versucht, aus ihrem Glas noch einen letzten Tropfen zu trinken.)

Hanna: Als sollten sie im Indianerreservat den Geburtstag von Christoph Columbus begehen.

Edith: … oder die occupy-Bewegung den Gründungstag der Wall Street. Absurd!

Richard: Oh, sag das mal nicht! Die occupy-Bewegung begeht die Wall Street zur Zeit sehr intensiv – nur nicht so, wie die Banker sich das wünschen. (Er lacht)

Hanna: Nein, sie besetzt sie ja eher.

Edith: „Feiern“ kann man diese Demonstrationen jedenfalls nicht nennen.

Kellner (bringt die Getränke): Donic! Und ein Retsina (Er gießt die Gläser halb voll und stellt die Flaschen daneben). Und ein Pils.

Karl: Jaaa!

Hanna, Edith, Karl: Danke! (Alle lächeln der Kellner an.)

Richard: Eigentlich eine gute Idee!

Hanna: Was?

Richard: Demonstrieren.

Edith: Wer jetzt?

Richard: Na, wir!

Karl: Wo willst du denn demonstrieren? (Er lacht – Hanna und Edith lächeln auch und gucken gespannt).

Richard: Na, in Wittenberg. Wir begehen einfach die Luther-Dekade…

Edith: … aber mit Spruchbändern? (Sie beginnt zu lachen)

Richard: Klar! Das wär’s doch: Wir demonstrieren vor der Wittenberger Stadtkirche.

Alle lachen, als sie sich das vorstellen.

Hanna: Ah ja! Und wann willst du das machen?

Richard: Hm – Luthers Geburtstag?

Edith (begeistert): Ja! Der etwas andere Martinsumzug! Ich bin dabei. Mit Wunderkerzen (Sie hebt beide Arme hoch und schwenkt sie über ihrem Kopf hin und her) Peeeeeeeeeeeeeeeeace! (Sie lacht)

Karl: Das ist wahr! Aus den Martinsumzügen machen die Protestanten doch eh gern ein Luther-Special! Das grenzt schon manchmal an Idolatrie!

Richard (grinst): Idoluth’rie sozusagen … (Alle brechen in Gelächter aus).

Edith: Sehr gut! Da hängen wir uns dran!

Hanna: Ich mal ein Transparent: „Mantelteilung ja – Kirchenspaltung nein!“ (Alle lachen).

Karl: Genau! Auf meinem steht: „Christi Rock blieb ungeteilt!“

Edith (guckt skeptisch): Das versteht wieder keiner!

Karl: Du kannst für mich ja ein paar Würfel mit drauf malen! (Er grinst)

Edith: „Der Alte würfelt nicht!“

Richard: Den Einstein laß lieber aus dem Spiel, sonst kommt als nächstes, alles sei „relativ“! (Alle nicken und lachen)

Edith: Genau! Dabei ist das ewige Katholiken-Bashing eine absolute Schweinerei!

Hanna: … einfach unsportlich …

Edith: … und auf die Dauer langweilig …

Karl (nimmt den Faden wieder auf): Und zum Abschluß laden wir zur Marienvesper in die Stadtkirche ein! (Alle brechen in Gelächter aus. Einige Leute am Nebentisch beginnen sich irritiert nach ihnen umzudrehen)

Hanna: … die heißt nämlich Sankt Marien!

Richard: Das ist jetzt nicht wahr?!

Hanna (quiekt): Doch! Das paßt genau!

Richard: Da wo Luther gepredigt hat?

Hanna: Genau!

Edith: Dann ist ja alles klar!

Karl: Und das Ganze stellen wir unter die Schirmherrschaft des Herrn Ministerpräsidenten Haseloff!

Hanna (lacht auf): Stimmt! Der ist ja katholisch!

Edith: Und stammt aus Wittenberg…

Richard: Irgendwie brauch ich jetzt doch noch was zu trinken! (Er winkt dem Kellner)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Hoffen wir, daß  in Weimar der gemeinsame Martinsumzug in diesem Jahr nicht auch (wieder einmal) in einem M.L.-Superstar-Special endet.

Musik und Gottesdienst. Gedanken zur Situation der Kirchenmusik in der katholischen Pfarrgemeinde „Herz Jesu“ in Weimar Teil 2

So, nachdem jetzt jedenfalls alle „Früh“-Messen beendet sind zum Weiterdenken und -freuen hier wie versprochen Teil 2 des Beitrags von Amei Mende:

Musik und Gottesdienst: ein künstlerisch-pastorales Spannungsfeld

Das Vaticanum II brachte für die Kirchenmusik drei entscheidende Paradigmenwechsel, die insgesamt von viel grundsätzlicherer Art sind, als alle kirchenmusikalischen Vorschriften der Kirche bisher. Ein erster Paradigmenwechsel betrifft die Stellung und Funktion der Musik in der Liturgie, ein zweiter die künstlerische Seite der Musik und der dritte bezieht sich auf ihre liturgisch-pastorale Bedeutung. Die drei neuen Devisen zur Musik in der Liturgie:

1. Kirchenmusik ist integrierender Bestandteil,

2. Es gibt keine stilistischen Einschränkungen und

3. Die Gemeinde hat eine aktive Funktion

veränderten in der Folge unsere Gottesdienste radikal.

Es erübrigt sich, die vielschichtigen Diskussionen und Erfahrungen dieses Umbruchs aufzulisten, der neben konstruktivem liturgisch-musikalischem Aggiornamento auch kompositorische Euphorie, kulturkämpferische Dramatik und dilettantischen Liturgie-Hedonismus mit sich brachte. Wichtiger ist es, sich der wiederentdeckten und der neuen theologischen Dimension der Kirchenmusik bewusst zu werden, welche durch das Vaticanum II möglich wurde. Der Grazer Liturgiewissenschaftler Peter Ebenbauer fasste sie in sechs Punkten zusammen:

1. Durch Musik wird Liturgie zum Fest des Glaubens, zum Erfahrungsraum des Heiligen.

2. Durch Musik wird die Einmütigkeit einer gottesdienstlichen Gemeinde gefördert.

3. Durch Musik – singend und hörend – wird die christliche Botschaft vertiefter verstanden.

4. Durch Musik im liturgischen Rollenspiel wird die Struktur einer Gemeinde lebendig.

5. Durch Musik wird das Heilsgeschehen im Kirchenjahr sichtbar.

6. Durch Musik wird in der Liturgie das himmlische Jerusalem erlebbar.

Es versteht sich, dass mit diesem kirchenmusikalischen Paradigmenwechsel auch das Amt des Kirchenmusikers, der Kirchenmusikerin eine neue Dimension erhielt, inhaltlich und praktisch:

War bis zum Motu proprio Pius X. die eigentliche Kirchenmusik eine klerikale Beauftragung und weltliche Musiker „nur“ als Handwerker: als Chorleiter, Sänger oder Organisten tätig, ist nun seit dem Vaticanum II auch der Beruf des Kirchenmusikers und der Kirchenmusikerin emanzipiert und sozusagen integrierter Bestandteil des liturgischen Arbeitsfeldes. Der kirchliche Dienst als Kirchenmusiker/Kirchenmusikerin nach dem Vaticanum II beinhaltet also grundsätzlich mehr als musikalisch-handwerkliche Qualifikation, er beinhaltet Berufung zur Liturgie, d.h. die große Erwartung des Glaubens im Verein mit allen anderen Ausdrucksweisen des Gottesdienstes sinnenfällig und wirksam erfahrbar zu machen.

In der Zusammenfassung seines Referates formuliert Alois Koch eine Beschreibung des aktuellen Berufsbildes Kirchenmusik: Ausgehend von Bachs prophetischem Verständnis von Kirchenmusik und von der Berufung zur Kirchenmusik (vgl. 1 Chronik Kapitel 25 und 28. Bach notierte am Rand dieser Textstellen: Dieses Kapitel [25] ist das wahre Fundament aller Gott gefälligen Kirchenmusik. [und Kapitel 28:] Ein herrlicher Beweis, dass neben anderen Anstalten des Gottesdienstes besonders auch die Musica von Gottes Gebot durch David mit angeordnet worden [ist].) stellten wir fest, dass das Amt des Kirchenmusikers, der Kirchenmusikerin seit dem Vaticanum II nicht mehr bloß eine funktionelle Beauftragung, sondern – in ästhetischer, künstlerischer und spiritueller Verantwortung – Dienst an und in der Liturgie beinhaltet. Diese Feststellung hat Konsequenzen: Konsequenzen für die Rekrutierung, für die Ausbildung, sicher aber auch für die Anstellung von kirchenmusikalisch Tätigen.

Quelle: Vortragsreihe der UHL Luzern im WS 1999/2000. Welches Amt wollen wir – Dienste und Aemter der Kirche. 25. 01. 2000 Prof. Dr. Alois Koch. Referat: Musik und Gottesdienst: ein künstlerisch-pastorales Spannungsfeld.

 

Angeregt durch all diese Aussagen, möchte ich einige Vorschläge entwickeln, die einer lebendigen Liturgie dienen können.

Aus dem postulierten Amtsverständnis ergibt sich konsequenterweise ein künstlerisch-pastorales Spannungsfeld, auf dem sich Priester und Kirchenmusiker bewegen, miteinander kommunizieren, regelmäßige Absprachen zu Fragen liturgischer Gestaltung beiderseitig einfordern.

-Die allgemein vor den Gottesdiensten in der Sakristei besprochene Aufgabenverteilung der liturgischen Dienste ist zu wenig.

-Zur künstlerischen Verantwortung im Dienst an der Liturgie gehört die Textausdeutung der Gemeindegesänge hinsichtlich der Harmonisierung und der Wahl der Registerstimmen der Orgel.

-Das Sanctus ist eine unmittelbare Weiterführung der Präfation und soll nicht mit einem Orgelvorspiel eingeleitet werden.

-Während des Empfangs der heiligen Kommunion kann der Organist auch aus dem großen Schatz der Orgelkompositionen auswählen ebenso nach dem Schlusslied. Vielleicht könnte dann doch einmal eine Bach-Fuge in unserer Kirche im Anschluss des Gottesdienstes zu hören sein.

-Auch Melodieinstrumente (Flöte, Violine, Oboe) könnten zum Spiel von Solo- oder Triosonaten mit Orgelbegleitung musizieren. In unserer Gemeinde gibt es eine Reihe musikalisch gebildete Kinder und Jugendliche, die öfter auch instrumental den Gottesdienst mitgestalten sollten. (In den 1990-er Jahren haben wir Kinder- und Jugendgottesdienste musikalisch mit einem reichen Instrumentarium gestaltet – nicht nur zu den Hochfesten.)

-Weitere Förderung sollten die Choralschola und Kinderschola, der Kirchenchor und Jugendchor erhalten. Die liturgische Mitgestaltung durch Gast-Ensembles (z.B. Weimarer Madrigalchor oder ökumenischer Laudate-Chor) oder Solisten dient der Bereicherung unserer Gottesdienste.

-Auf Dauer kann unsere Pfarrgemeinde „Herz Jesu“ auf das Amt eines Kirchenmusikers nicht verzichten. Haben wir nicht alle in den vergangenen zwei Jahren während des Orgelneubaus ganz selbstverständlich gehofft, will sagen damit gerechnet, dass Prof. Kapsner als Titularorganist unserer Pfarrgemeinde berufen wird. Für das seit vielen Jahren geleistete ehrenamtliche Engagement unserer Organisten sind wir dankbar und daran sollte es keine Abstriche geben.

-Die Arbeit eines Liturgiekreises sollte wieder aufgenommen werden.

 

Möge all unser Tun zum Lobe Gottes erfüllt sein von gemeinsamer Freude.

 

Amei Mende

 

Auf Kommentare meinerseits möchte ich zunächst völlig verzichten und bloß: „Herzlichen Dank!“ sagen.

 

Musik und Gottesdienst. Gedanken zur Situation der Kirchenmusik in der katholischen Pfarrgemeinde „Herz Jesu“ in Weimar Teil 1

Über Gastbeiträge freut sich PuLa bekanntlich immer besonders, denn erklärter Zweck dieses Blogs ist nicht in erster Linie mein selbstgenügsames Schreiben! Dabei dürfen die Meinungsäußerungen nachweisbar gerne sogar dem ganzen Ansatz kritisch gegenüberstehen.

Schöner ist es aber natürlich, wenn wie heute ein, wenn ich so sagen darf, kongenialer Beitrag veröffentlicht werden kann, der zudem noch ausgesprochen umfangreich und hochklassig ist.

Eben aufgrund des Umfangs habe ich ihn in Absprache mit der Verfasserin in zwei Teile geteilt. Teil 2 erscheint morgen.

Das wird, passend zum Sonntag, ein Fest, denn dann kommen nach der ausführlichen Grundlegung die Vorschläge, die Amei Mende zur Kirchenmusik an Herz-Jesu-Weimar macht.

Abschließend sei nur der guten Ordnung halber noch darauf hingewiesen, daß der Beitrag verschiedenen berufenen Personen, darunter einigen geistlichen Herren, incl. Pfr. Kämpf selbstverständlich, zur Meinungsbildung bereits vorlag, ganz wie es sich gehört.

So, nun aber genug der Vorrede, ich wünsche bei der Lektüre so viel Vergnügen, wie ich es hatte!

 

Amei Mende,  Weimar

Weimar, im Oktober 2011

 

Musik und Gottesdienst. Gedanken zur Situation der Kirchenmusik in der katholischen Pfarrgemeinde „Herz Jesu“ in Weimar

 

Das Franz-Liszt-Jahr 2011 mit einer Fülle von Konzerten, Ausstellungen und Vorträgen neigt sich dem Ende. Zu den Höhepunkten gehört sicher die Aufführung des Oratoriums „Christus“ von Franz Liszt im Dom St. Marien zu Erfurt.

Aus kirchlicher Sicht war das Liszt-Jahr auch Anlass, auf die tiefe Verbindung von Religion und Musik einzugehen. Der fünfte Kulturempfang des Bistums Erfurt, zu dem unser Bischof Dr. Wanke Künstler, Kulturverantwortliche und Theologen am 29. 09. 2011 auf den Domberg in das Coelicum eingeladen hatte, widmete sich daher im Liszt-Jahr der Musik. So hieß es in der Begrüßungsrede des Bischofs: „Religion und Kunst ganz allgemein bieten den Menschen Erklärungsmuster für ihre Erfahrungen von Selbsttranszendenz und Selbstüberschreitung. Hier bieten sich Grundlagen für Gespräche und Diskussionen.“ Prof. Dr. Altenburg referierte über das Künstlerbild und Kunstideal Franz Liszts zu dem Thema „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben.“

Am Vortag der Einweihung der „Franz-Liszt-Gedächtnisorgel“ in der Herz-Jesu-Kirche Weimar fand am 07. Mai 2011 im Saal am Palais der Hochschule für Musik „Franz-Liszt“ ein Symposium statt, getragen von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und der katholischen Pfarrgemeinde „Herz Jesu“ Weimar. Namhafte Referenten aus Deutschland und der Schweiz stellten ihre Vorträge unter das Tagesthema: Franz Liszt und die Zukunft der Kirchenmusik.

Während eines feierlichen Vespergottesdienstes wurde die „Franz-Liszt-Gedächtnisorgel“am Sonntag, dem 08. Mai 2011 eingeweiht.

Bischof Dr. Joachim Wanke sprach dabei das Segensgebet zur Orgelweihe (aus dem Benediktionale):

„Großer Gott, du willst, dass wir Menschen dir in der Freude des Herzens dienen.

Deshalb lassen wir Musik und Instrumente zu deinem Lob erklingen.

Du hast deinem Diener Mose den Auftrag gegeben, Posaunen anzufertigen, damit sie bei der Feier des Opfers erschallen.

Mit Flöte- und Harfenklang hat das auserwählte Volk dir seine Loblieder gesungen.

Dein Sohn ist Mensch geworden und hat jenen Lobgesang auf diese Erde gebracht, der in den himmlischen Wohnungen durch alle Ewigkeit erklingt.

Der Apostel mahnt uns, dir aus vollem Herzen zu singen und zu jubeln.

In dieser festlichen Stunde bitten wir dich:

Segne diese Orgel, damit sie zu deiner Ehre ertöne und unsere Herzen emporhebe zu dir.

Wie die vielen Pfeifen sich in einem Klang vereinen, so lass uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Brüderlichkeit verbunden sein, damit wir einst mit allen Engeln und Heiligen in den ewigen Lobgesang deiner Herrlichkeit einstimmen.

Das gewähre uns durch Christus, unseren Herrn.

Amen.“

 

Der Geschäftsführer der Orgelbau Waltershausen GmbH, Joachim Stade, äußerte folgende Gedanken zum Bau der Orgel:

„Liszts 200. Geburtstag, der in diesem Jahr im Mittelpunkt des kulturellen Geschehens in Thüringen steht, verhilft einer neuen Orgel ins Leben. Es war auch Franz Liszt, der Namenspatron der Weimarer Musikhochschule, der seinerzeit europaweit für den Bau der Herz-Jesu-Kirche Gelder einwarb und sich daran überdies mit seinem eigenen Vermögen beteiligte … Die Orgel wurde – in Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde „Herz Jesu“ – von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ als große Konzert- und Übungsorgel in Auftrag gegeben. Das neue Instrument erfüllt aber gleichrangig liturgische Funktion für das Gemeindeleben …“

 

Spiritus Rector dieses großartigen Unternehmens ist Prof. Michael Kapsner. Der Amtsinhaber der „Orgelland Thüringen“-Professur seit 2004 an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und Künstlerischer Leiter des 2. Bach-Liszt-Orgelwettbewerbs vom 22. 08. – 05. 09. 2011 in Erfurt-Weimar-Merseburg, war Initiator und maßgeblicher Fachmann der Hochschule für den Bau der neuen „Franz-Liszt-Gedächtnis- Orgel“. Auch diese Bezeichnung ist von ihm.

Geplant war die Uraufführung der „Toccata zur Einweihung der Franz-Liszt-Gedächtnisorgel“, die der Weimarer Komponist Ludger Vollmer speziell für diese schöne Orgel und ihre Besonderheiten (z.B. die Lisztharmonika in einem Fernwerk in der Kuppel der Kirche) komponiert hat. Wegen schwerer Krankheit konnte Prof. Kapsner bei der Orgelweihe nicht den Organistendienst übernehmen und musste auf die Teilnahme beim Orgelmarathon verzichten.

Wenn alle Vorträge, Reden und Predigten (ich erinnere an die Predigt von Pfarrer Christian Bock im Festgottesdienst zum 120. Kirchweihjubiläum am 27. 09. 2011) ernst gemeint waren, dürfte die neue Orgel nicht nur ein schönes Schauinstrument bleiben, sondern den großartigen Klangraum unserer Kirche mit allen Registern mit Raumklang erfüllen: Soli Deo Gloria.

Mit den folgenden Textauszügen möchte ich diese Sehnsucht begründen helfen.

 

Liturgie und Leben. Liturgie als Spiel

Das Spiel der Kinder erscheint in vielem als eine Art Antizipation des Lebens, als Einübung ins spätere Leben, ohne dessen Last und Ernst in sich zu tragen… Liturgie wäre dann eine ganz andere Art von Vorwegnahme, von Vor-Übung: Vorspiel des künftigen, des ewigen Lebens, von dem Augustinus sagt, dass es im Gegensatz zum jetzigen Leben nicht mehr aus Bedürfnis und Notwendigkeit gewoben ist, sondern ganz aus der Freiheit des Schenkens und Gebens. Dann wäre Liturgie Wiedererweckung des wahren Kindseins in uns, der Offenheit auf das ausstehende Große, das mit dem Erwachsenenleben wahrhaftig noch nicht erfüllt ist; Sie wäre gestaltete Form der Hoffnung, die das künftige, das wirkliche Leben jetzt schon vor-lebt, uns auf das richtige Leben – das der Freiheit, der Gottunmittelbarkeit und der reinen Offenheit füreinander – einübt. So würde sie auch dem scheinbar wirklichen Leben des Alltags die Vorzeichen der Freiheit einprägen, die Zwänge aufreißen und den Himmel der Erde hereinscheinen lassen.

Quelle: Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. „Wer hilft uns leben?“ Von Gott und Mensch. Herder spektrum, S. 154-155

 

Das 2. Vatikanische Konzil über die Kirchenmusik

Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Liturgie ausmacht. In der Tat haben sowohl die Heilige Schrift (Eph 5,19; Kol 3,16) wie die heiligen Väter den gottesdienstlichen Gesängen hohes Lob gespendet; desgleichen die römischen Päpste, die in der neueren Zeit im Gefolge des heiligen Pius X. die dienende Aufgabe der Kirchenmusik im Gottesdienst mit größerer Eindringlichkeit herausgestellt haben. So wird denn die Kirchenmusik um so heiliger sein, je enger sie mit der liturgischen Handlung verbunden ist.

Quelle: Vaticanum II (1962-1965) Konzilskonstitution über die heilige Liturgie (Sacrosanctum concilium), 6. Kapitel: Die Kirchenmusik, Artikel 112-121

 

[Der 1954 heiliggesprochene] Papst Pius X. gründete in der neueren Zeit 1911 das Pontificio Istituto di Musica Sacra, das der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung unterstellt ist.

Während eines Besuches des Päpstlichen Instituts „Arte Sacra“ am 15. Oktober 2007 erinnerte Papst Benedikt XVI. an seinen Vorgänger Johannes Paul II., der sich bewusst gewesen sei „dass Gesang und Kirchenmusik eine besondere Kraft besitzen um die Herzen zu bewegen und zu erheben, um gewissermaßen in das innere Leben Gottes selbst einzudringen.“ Papst Johannes Paul II. habe auf drei grundlegende Merkmale hingewiesen, die jede echte Kirchenmusik auch heute noch auszeichne: Heiligkeit, wahre Kunstfertigkeit und Universalität. Die Aussendungs- und Segensworte Papst Benedikts XVI. an die Professoren und Schüler des Päpstlichen Instituts für Kirchenmusik in Rom dürfen ganz sicher auch für die Professoren und Studierenden des Instituts für Kirchenmusik an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar gelten: „Ihnen, verehrte Professoren und Schüler des Päpstlichen Instituts, übertrage ich somit diese anspruchsvolle und zugleich leidenschaftliche Aufgabe, im Bewusstsein, dass sie für das Leben der Kirche einen Wert von großer Bedeutung darstellt.“

 

Die Zierde der Eucharistiefeier

Wer in den synoptischen Evangelien den Bericht über die Einsetzung der Eucharistie liest, ist ergriffen von der Schlichtheit und auch von der „Gewichtigkeit“, mit der Jesus beim Letzten Abendmahl das große Sakrament stiftet. Eine Episode dient gewissermaßen als Vorgeschichte der Erzählung: Dies ist die Salbung von Bethanien… Wie die Frau der Salbung von Bethanien, hat die Kirche sich nicht davor gefürchtet zu „verschwenden“, wenn sie das Beste ihrer Mittel einsetzt, um ihr anbetendes Staunen angesichts des unermesslichen Geschenks der Eucharistie zu zeigen. Nicht weniger als die ersten Jünger, die beauftragt waren, den „großen Saal“ herzurichten, fühlte sich die Kirche durch die Jahrhunderte und in der Aufeinanderfolge der Kulturen dazu gedrängt, die Eucharistie in einem Rahmen zu feiern, die eines so großen Geheimnisses würdig ist. Ganz in diesem erhabenen Sinn des Mysteriums versteht man, wie der Glaube der Kirche an das eucharistische Geheimnis in der Geschichte nicht nur durch den Anspruch einer inneren Haltung der Verehrung zum Ausdruck gekommen ist, sondern auch durch eine Reihe äußerer Ausdrucksformen, um die Größe des gefeierten Ereignisses herauszustellen und zu unterstreichen.

Papst Johannes Paul II. nennt an dieser Stelle die Architektur, die Bildhauerei, die Malerei und die Musik, „die sich am christlichen Mysterium ausgerichtet und in der Eucharistie direkt oder indirekt ein Motiv großer Inspiration gefunden haben.“

Quelle: Enzyklika Papst Johannes Paul II. „Ecclesia de Eucharistia“ vom 14. April 2003, 5. Kapitel. Die Zierde der Eucharistiefeier, Artikel 47-49

 

Teil 2 am morgigen Sonntag!

pars sanior

(Lateinisch: der gesündere oder vernünftigere Teil)

Eines der traurigsten Kapitel im Rahmen des innerkirchlichen Ringens um den richtigen Weg ist ja erreicht, wenn die inhaltliche Auseinandersetzung aufhört (falls sie denn hoffentlich jemals begonnen hatte) und man anfängt mit Bezeichnungen um sich zu werfen und Menschen auf diese Bezeichnungen reduziert werden sollen.

Auf unserem Feld werden zwar zum Glück nur selten Tiernamen gerufen aber es ist fraglich, ob die häufig gewählten Methoden der Diffamierung eigentlich besser sind. Was nämlich stattdessen gerne geschieht ist die Verwendung von Begriffen, die eigentlich aus dem weltlich-politischen Umfeld stammen. Da ist dann gerne die Rede von „Rechtskatholen“ oder auch nur von sog. „Rechtsaußen“  Mit letzterem Begriff hatte PuLa auch schon zu tun. Dabei sei übrigens ausdrücklich hinzugefügt, daß es das gleiche Phänomen natürlich leider auch gewissermaßen „spiegelverkehrt“ gibt!

Das Perfide an einem solchen Vorgehen ist natürlich, daß auf diese Art und Weise traditionell katholisches Gedankengut in die Nähe von weltlich-politisch rechtsextremen Einstellungen gerückt werden soll, ein Vorwurf der (vor dem Hintergrund unserer Geschichte verständlich!) gerade in Deutschland denjenigen, den er trifft, im Diskurs schlicht „erledigen“ kann. Da nun mindestens im innerkirchlichen Bereich aber jeder nicht nur wissen kann sondern wissen muß, daß beide gedanklichen Welten aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, sondern sich vielmehr feindlich gegenüberstehen ist ein solcher Vorwurf, wenn ihn sich Katholiken untereinander machen, in doppelter Weise geeignet die Botschaft, die wir gemeinsam vertreten sollten, zu verdunkeln.

In doppelter Weise deshalb weil dieses Verhalten nicht nur ethisch nicht in Ordnung ist, sondern auch im intellektuellen Sinne nicht.

Wir haben es nämlich in der Kirche einfach nicht nötig, uns solche relativ jungen politischen Begriffe zu „leihen „, um uns gepflegt und gerne auch polemisch auseinanderzusetzen. Dafür haben wir in all den Jahrhunderten eine ganz eigene Begriffswelt entwickelt, auf die wir zurückgreifen können. Ja noch mehr, ich finde wir sollten auch und gerade im Streit jeden Eindruck vermeiden als bräuchten wir überhaupt irgendeinen externen (Bewertungs-) Maßstab, als reichten katholische Theologie und Philosophie nicht aus, als bedürfe die Botschaft irgendeiner geistigen Krücke aus der „Welt“. Ich könnte mir, in aller Bescheidenheit sogar vorstellen, daß der Hl. Vater auch das meinte, wenn er uns in Freiburg geraten hat, uns zu „ent-weltlichen“.

Und damit kommen wir heute im Rahmen unserer kleinen Reihe: „Wie lerne ich über die tridentinische Messe zu reden ohne Schaum vor dem Mund zu haben“ an einen wichtigen Punkt.

Denn ein besonders beliebtes Element der Diffamierung all derjenigen, die sich für die außerordentliche Form der Meßfeier auch nur interessieren, ist ja, ihnen eine Nähe zu der so genannten Piusbruderschaft vorzuhalten, bei der es sich ja nun wirklich eindeutig um eine sehr problematische Gruppe handelt, deren schismatische Tendenzen von jedem romtreuen Katholiken klar abzulehnen sind, und die besonders gerne mit dem Etikett „rechts“ versehen wird (wozu leider auch eine so unsägliche Gestalt wie Bischof Williamson ein gut Teil beigetragen hat!).

Und da hat dann natürlich niemand ein Interesse daran, darauf hinzuweisen, daß es noch eine weitere Priesterbruderschaft gibt, die sich in besonderer Weise der Pflege der tridentinischen Messe verschrieben hat, nicht zuletzt in Deutschland. Und diese Vereinigung befindet sich in voller Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom und der ganzen Kirche.

Es handelt sich dabei um die Priesterbruderschaft Sankt Petrus, deren Gründungsmitglieder sich 1988 von der Piusbruderschaft losgesagt haben, eben als sanior pars, als diese ohne päpstliche Genehmigung vier Bischöfe weihte. Die ständig auftretenden Verwechslungen zwischen den beiden in der zentralen Frage der Treue zum Papst so unterschiedlichen Vereinigungen rührt zum Gutteil einfach von der oberflächlichen Ähnlichkeit ihrer lateinischen Abkürzungen her. Heißt die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. abgekürzt FSSPX (Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X) so heißt die Petrusbruderschaft einfach bloß FSSP (Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri).

Das folgende kurze Video (das „Frischer Wind“ zuerst eingestellt hat; Danke!) zeigt Ausschnitte aus Messen die Mitglieder der Vereinigung in Rom gefeiert haben und sehr aufschlußreiche Interviewauszüge.

Schauen Sie also künftig genau hin, wenn von traditionalistischen Priesterbruderschaften die Rede ist und die Keule des Rechtsextremismusvorwurfs geschwungen werden soll!

Ach ja, noch ein interessantes Detail: Nach eigenen Angaben beträgt das Durchschnittsalter der Priesterbruderschaft Sankt Petrus gerade einmal 36 Jahre; die Zeiten ändern sich… 😉

Hier können Sie das Gründungsdokument der Priesterbruderschaft Sankt Petrus nachlesen und hier in Kurzform ihre Argumentation für die Liturgie von 1962.

 

Johann das Schaf

Witzige Musikernamen sind auch kein Alleinstellungsmerkmal der Moderne….

Neben Jean Mouton, „Johann dem Schaf“, oder Jehan Houllevugues, gab es unter den flämischen Komponisten der Renaissance z.B. auch noch Clemens non Papa, „Clemens ich bin nicht der Papst “ (das ist jedenfalls eine Deutung).

PuLa hatte auf das unten folgende Video schon einmal zu einem früheren Zeitpunkt verlinkt, aber da ich ja nun inzwischen gelernt habe, wie man Videos einbindet 😉 und die Musik so wunderschön ist, daß man sie gar nicht oft genug hören kann, hier noch einmal „Nesciens Mater“:

Enjoy!

Taubenschlag?

Passend zur Zeit im Jahr, die dem Gedenken an die Verstorbenen zuneigt, griff die TLZ am vergangenen Freitag (28. Oktober 2011 Weimar-Teil S. 2) die Debatte um die Einrichtung eines „Friedwalds“ bei Bad Berka wieder auf, obwohl die Sache an und für sich nach einem Bescheid des Landesverwaltungsamts bis auf weiteres entschieden sein dürfte.

Friedwälder interessieren PuLa nicht so sehr, aber in diesem Rahmen kam, wie das in Zeitungen so üblich ist, auch eine katholische „Stimme“ (neben anderen) zu Wort, die, auch wenn das nicht unmittelbar zum Thema gehört, sich über die „Ausstellung von Urnen“ in der Allerheiligenkirche in Erfurt „noch mehr wundert“.

„Ausstellung von Urnen“? Werden da tatsächlich in Erfurt Urnen aus-gestellt? Nein, es werden Urnen auf-gestellt, denn dort gibt es wirklich seit einigen Jahren ein „Kolumbarium„, was aus dem Lateinischen kommt und tatsächlich wörtlich Taubenschlag heißt.

Es handelt sich um eine Bestattungsform die aus der Antike herrührt, und zu der es tatsächlich gehört, daß Urnen nicht vergraben werden, sondern in oberirdischen Bauwerken über und nebeneinander zu sehen sind.

Kolumbarien hatten, so scheint es, weder in der Antike, noch in der Neuzeit aus christlicher bzw. katholischer Sicht einen besonders guten Ruf. Wenn ich ehrlich bin, so finde ich den Gedanken an diese Bestattungsform auch eher eigentümlich aber die vormals von Seiten der Kirche erhobenen theologischen Bedenken haben sich mittlerweile erledigt, auch wenn es mir schon sinnvoll erscheint, sie noch einmal nachzuvollziehen.

Das Kolumbarium in der Allerheiligenkirche in Erfurt, dessen 630 Plätze übrigens alle bereits belegt sind, gehört klar erkennbar in den Bereich des erfolgreichen Bemühens unseres Bistums und hier insbesondere von Weihbischof Hauke, Elemente christlicher Kultur und, hoffentlich, damit letztlich auch Elemente des Glaubens an die Mehrheit der Menschen um uns herum zu vermitteln die religionsfern sind.

Zu diesem Thema gibt es im Netz zwei interessante Videos, die Interviews mit Weihbischof Hauke wiedergeben.

Und in der Kirche selbst:

PuLa findet, dieses Bemühen des Bistums ist vielleicht weniger ein Grund sich zu „wundern“, selbst wenn einem die konkrete Erscheinungsform nicht besonders zusagt, sondern ist der respektvollen Anerkennung wert.

Ach ja, und das Kolumbarium ist übrigens sogar geostet… 😉

Ein Sonntagmorgen voller guter Laune II

Wie schön, daß es wieder einmal Grund gibt zu einem Eintrag in der Reihe: „Nicht meckern, sondern sich freuen“!

Auch wenn mir ja nun untersagt wurde unmittelbar mitzutun, was war das für ein schönes Hochamt, heute um 10.30 Uhr und wie gut, keinen anderen Gottesdienst aufgesucht zu haben! Denn es handelte sich, wenn auch leider nicht als solches angekündigt, um ein richtig schönes Choralhochamt, gestaltet und begleitet von Studierenden der Musikhochschule, auch an der Orgel.

Da zeigten sich gleich mehrere Dinge.

Zunächst einmal klappten die lateinischen Antworten der Gemeinde im Grunde schon richtig gut. Mit ein bißchen systematischem „Training“ wäre das überhaupt kein Problem mehr. Das wäre ja auch noch schöner, wenn sich erwachsene Leute dauerhaft einreden ließen, sie wären nicht in der Lage die Grundelemente einer liturgischen Sprache zu lernen, die sie großenteils ohnehin schon kennen! Wir brauchen alle miteinander keine „Laufschriftanzeige“, sondern die Lektüre (und die Anzeige) der Nummern 376 bis 379 des Gotteslobs!

Es zeigte sich auch, wie von Pfr. Kämpf in der richtig guten Predigt (allenfalls ein bißchen viel „Liszt“, aber der hatte ja gerade Geburtstag ;-)) explizit erwähnt, wie hilfreich die gelegentliche Konfrontation mit einer fremden, ich würde ja sagen, bloß „anderen“, Sprache sein kann. Denn schon unserer Alltagssprache ist das Lateinische doch nicht wirklich fremd, dafür sorgen ja schon die vielen, vielen Fremdwörter, die von dort stammen. Und so kann man, ganz wie Pfr. Kämpf sagte, neugierig werden auf das Herkommen, die Etymologie der Wörter und lauscht so ihrer Bedeutung vielleicht sogar intensiver als in der vertrauten Muttersprache. So ist richtig verstanden die gelegentliche aber regelmäßige Begegnung mit unserer ehrwürdigen katholischen „Kirchensprache“ dem Verständnis dessen, was wir in der Liturgie hören gerade förderlich und nicht etwa abträglich, wie uns seit ca. 50 Jahren unsinnigerweise suggeriert wird.

Weiterhin sorgten der Einsatz der Choralschola und das Latein zusammen für eine sehr konzentrierte und andächtige Atmosphäre (bzw. eben „intim“ im Sinne von Hw. Alipius, vgl. den letzten Beitrag) ; Wie wohltuend! Freilich fiel so auch wieder einmal besonders auf, daß der „Friedensgruß“, sympathisch und in sich sinnvoll wie er ist, an dieser Stelle (vor dem Agnus Dei), leider die Gefahr in sich birgt, die „gesammelte“, konzentrierte Stimmung erheblich durcheinander zu bringen. Da liegt ein Problem.

 

Ja, und zuletzt: Haben Sie’s gemerkt? „Choralschola“, „auch an der Orgel“, „Studierende der Musikhochschule“. Das schien ja alles gerade gefährdet und viele Gemeindemitglieder machten sich schwere Sorgen! Aber es will ja den Anschein haben, als sei es Pfr. Kämpf gelungen, das, na sagen wir mal „ungeschickte“, Verhalten anderer Personen aus der „Gemeindeleitung“ wieder einzurenken. Das wäre für die würdige Gestaltung unserer Gottesdienste überhaupt die allerbeste Nachricht dieses Tages!

„…ich möchte nur mal laut nachgrübeln“

Schrieb ein Bloggerkollege in einem Eintrag am 27. September 2011 und ich möchte mit seiner freundlichen Erlaubnis (Danke, Alipius!) den zentralen Teil dieses Textes hier wiederholen. Denn das eigentliche Thema des Beitrags vom letzten Freitag waren ja gerade nicht die gewissermaßen äußerlichen und historischen Betrachtungen zu unserer Pfarrkirche, sondern die Frage, was diese „Äußerlichkeiten“ zum Ausdruck bringen darüber, wie unsere Einstellung zum Kernstück der Sonntagsliturgie ist (obwohl das angesichts der teils putzigen Reaktionen scheint’s nicht jede(r) verstanden hat…).

Durch meine vorsichtig tastenden Zeilen zog ja sozusagen ein Hauch von „Alter Messe“.

Und bei Nennung dieses Stichworts spüren ja viele keinen „Hauch“, sondern sehen Gespenster und machen ein dementsprechendes Geschrei. Das dann schnell in Kampfgeschrei ausartet. Wer nun PuLa in den ersten gut 6 Monaten seines Bestehens ein bißchen verfolgt hat, dürfte zweierlei bemerkt haben. Erstens, das Thema kam immer mal wieder vor, z.B. unter dem Stichwort „Universae ecclesiae“, aber es bildete zweitens hier nie einen ausgesprochenen Schwerpunkt, was in anderen Blogs sehr wohl der Fall ist.

Für beides gibt es gute Gründe. Die Gestaltung der Liturgie ist von so zentraler Bedeutung, daß wohl niemand, der sich über Kirchesein Gedanken macht, an dem Thema vorbei kommen kann und spätestens seit der Veröffentlichung des Motu proprio „Summorum Pontificum“ 2007 ist die Debatte ebenso breit wie hitzig, wobei das letztere Charakteristikum der ausdrücklich versöhnenden Absicht des Hl. Vaters stark zuwiderläuft.

Und wenn das nicht schon ein hinreichend guter Grund wäre, nun nicht auch noch meinerseits in diesbezügliche Polemiken einzustimmen, so liegt ein weiterer einfach darin, daß ich nicht genug davon verstehe. „Verstehen“ nicht im Sinne wissenschaftlicher Kenntnis gemeint, nein, mir fehlt bisher die eigene konkrete Anschauung; ich habe noch keine sog. „tridentinische Messe“ erlebt und möchte ergo nicht wie der Blinde von der Farbe reden.

Sehr wohl möglich ist es aber, sich zu der Art der Debatte, die sich entwickelt hat, eine Meinung zu bilden und auch zu der Art, wie das großzügige Angebot des Hl. Vaters (nicht) umgesetzt wird! Bitte lesen Sie doch einfach einmal seinen begleitenden Brief zum Motu Proprio. Ist das der Einpeitscher der innerkirchlichen Reaktion, der uns zu abgelebtem, kalten Pomp zurückführen will? Natürlich nicht. Die ganze Debatte sagt so unendlich viel mehr über den Zustand breiter Teile der (katholischen) Öffentlichkeit, das ich mich wundern würde, wenn nicht schon soziologische oder medienwissenschaftliche Dissertationen darüber im Entstehen sind… 😉

Und „kämpfen“ möchte eben auch ganz ausdrücklich der Verfasser des folgenden Textes nicht, sondern „laut nachgrübeln“ aber eben auf Basis konkreter Erfahrungen, die mich sehr angerührt haben, weil sie sich in der Tendenz decken mit der Fortentwicklung meiner Empfindungen beim Empfang des Altarsakraments:

 

Das Intimste…

[…]

Schnitt und Szenenwechsel in die Kirche. Dort fand – ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die sexuelle Revolution marschierte – auch ein Wandel statt. Ist es Zufall, daß auch dieser Wandel auf das Intimste zielte?

Ich weiß, daß ich mich nun auf dünnes Eis begebe, weil einiges von dem, was ich nun schreibe, wie eine Kampfansage an die ordentliche Form unseres Ritus verstanden werden kann. Ich will aber keinen Kampf, ich möchte nur mal laut nachgrübeln.

Gibt es für einen Katholiken intimere Momente als die Zeit der Heiligen Messe und den Empfang der Eucharistie? Kann ein Katholik sich Christus näher fühlen, sich ihm enger verbunden und vertrauter, als in den Minuten, in denen er niemand anderem in die Augen schauen muß, mit niemand anderem reden muß und sich auf niemand anderen einlassen muß, als auf IHN?

Ich habe früher das ganze Trara um die alte Messe nie verstanden, weil ich sie nie kennengelernt habe. Als ich dann in Rom zum ersten Male den Ritus in der außerordentlichen Form besuchte, da waren die 70 x 70 cm, auf denen ich saß, stand und kniete, plötzlich mein Schlafgemach. Es wurde ernst und nahe und persönlich, wie nie zuvor in einer Messe. Und dies, obwohl die Leute sich dichter drängten als ich es von „handelsüblichen“ Messen kannte.

Lag es daran, daß ich keinem Priester in die Augen sah?

Vielleicht.

Lag es daran, daß ich nicht alles hörte und sah, was vor sich ging?

Möglich.

Lag es daran, daß es nicht das Shake-Hands mit dem Banknachbarn war, das mich nach vorne zum Empfang der Kommunion führte, sondern Christus selbst, der während der ganzen Messe zwischen Choralklängen, Priestergemurmel und routiniert runtergerasselten lateinischen Antworten meinem stillen Herzen so gnadenvoll nahe kommen konnte?

Mit Sicherheit.

Oft, leider zu oft, erlebe ich die Heilige Messe als den Punkt, an dem das ehemals Intimste zum Öffentlichsten wird. Viele Köche rühren im Brei herum. Böse Absicht will ich da gar nicht unterstellen. Man ist halt beisammen und da möchte man dann auch ‚was draus machen. Problematisch ist für mich, daß ich oft vor meinem inneren Auge Christus abseits sitzen sehe, wie auf einer Einwechselbank am Spielfeldrand, während auf dem Platz alles drunter und drüber geht.

„Komm schon, Trainer! Wechsel mich ein! Ich habe das Spiel schließlich erfunden!“ – „Nee du, wart mal noch. Es kommen noch die bebilderte Predigt, die von Laiendarstellern inszenierten Fürbitten, das pantomimische Vater Unser und als Danklied der Rap von der Pfarrjugend.“

Ich rede hier von Extremfällen, aber es sickern halt Dinge durch, auch dorthin, wo die Messe eigentlich ganz „normal“ und ziemlich andächtig gefeiert wird.

Ich finde aber, daß es in unseren Kirchen während der Heiligen Messen durchaus wieder intimer und stiller und unwuseliger werden darf (eigentlich muß), daher habe ich mir erlaubt, diese Zeilen zu schreiben.“

 

Der Verfasser, Alipius Claus Müller, ist übrigens Augustinerchorherr im Stift Klosterneuburg und hat dort am 14. Mai 2011 die Priesterweihe empfangen (und ist also weder ein „reaktionärer alter Knacker“, noch ein „hergelaufener Laie, der sowieso keine Ahnung hat“…).

Den vollständigen Text (incl. der hier weggelassenen Einleitung) finden Sie hier, bitte schauen Sie sich auch die 20 Kommentare an, die ganz praktisch weitere Aspekte der Angelegenheit beleuchten.

 

Und schließlich, in aller Vorsicht und gewissermaßen widerwillig, einige Links zum Thema; „widerwillig“, weil der Polemik, häufig versteckt!, zum Thema kaum auszuweichen ist.

Kathpedia, Römischer Ritus

introibo.net, Einführung

Radio Vatican, Die Theologie Joseph Ratzingers zur Einheit der Liturgie

Wikipedia, Tridentinische Messe (teils veraltet, ohne Berücksichtigung von universae ecclesiae!)

Conversi ad Dominum – oder: Wie ich lernte, die Pfarrkirche zu lieben.

[conversi ad dominum, lat.: „dem Herren gemeinsam zugewandt“]

Manchmal bedrückt es mich fast ein wenig, wenn ich feststelle, wie wenige Menschen das Glück zu schätzen wissen, das es bedeuten kann, von Kindesbeinen an, sozusagen „schon immer“, in der gleichen Umgebung zu leben. Wie vielleicht auch schon die Eltern und Großeltern vor ihnen.

Heutzutage wird das ja gerne runtergemacht und von interessierter (meist ökonomischer) Seite singt man das Hohe Lied der Mobilität und wie man sich doch überhaupt nur in der Ferne selber finden oder lieber gleich „verwirklichen“ könne und man kann es gar nicht oft genug sagen, was das in der üblichen Einseitigkeit für ein Blödsinn ist!

Ein besonders eindringliches Beispiel dafür ist natürlich das Kirchengebäude, das man von klein auf kennenlernt, mit dem man Erinnerungen an scheinbar unzählige Weihnachten verbindet, in dem man zum ersten Mal den Geruch von Weihrauch kennenlernt, in dem man zu ersten Hl. Kommunion geht und Meßdiener wird, wenn es gut läuft. Welches Kind käme auf die Idee, den Kirchenraum ästhetisch zu bewerten? Und wenn es der Jugendliche schließlich tut, dann löscht das die Bindungen an das Wichtige, was dort geschah und erlebt wurde nicht aus!

Wie anders, wenn man als Erwachsener umzugsbedingt gezwungen ist, sich mit einem unvertrauten Kirchenraum in ein Verhältnis zu setzen! Und so muß ich zugeben: Als wir Ende 2004 nach Weimar kamen, hatte ich mit der „Pfarrkirche Herz-Jesu“ so meine Schwierigkeiten!

Denn, seien wir doch mal ehrlich, das Gebäude ist ein Kind seiner Zeit: Es huldigt, obrigkeitlich verordnet, dem architektonischen Eklektizismus seiner Zeit, es ist „innen kleiner als außen“, soll heißen, Repräsentationselemente und „Nutz“-fläche stehen in keinem guten Verhältnis, kurz, es stammt eben aus Weimars „silbernem Zeitalter“ und das hatte immer einen Hauch von “ Mehr Schein als Sein“ (was übrigens meiner unmaßgeblichem Meinung nach auch für etliche Kompositionen des Förderers Franz Liszt gelten könnte, aber das nur am Rande).

Und in den „wunderbaren“ 60er Jahren, wohl 1964, wurde die steinerne Hülle zu allem Überfluß auch noch ihres bildnerischen Schmucks bis auf wenige Reste beraubt (übrigens: Wo sind die Sachen eigentlich geblieben??)

Viel wichtiger aber als all das: Die Kirche steht falsch herum! Der Chor mit dem Altar schaut nicht in Richtung Osten, sie ist, wie man sagt, nicht „geostet“, sondern schaut ziemlich genau nach Westen. Auch das ist natürlich ein Resultat der Tatsache, daß der katholische Kultus in Weimar Jahrhunderte lang verboten wurde (und nicht etwa, wie man unlängst lesen durfte, „zum Erliegen kam“…) und als er „gnädigerweise“ wieder zugelassen wurde, da wurden wir im Wortsinne an den (Stadt-)Rand gedrängt und mußten bauen, wie es eben ging.

Und die Frage der Gebetsrichtung ist eben auch im Christentum nicht gleichgültig, wenn auch natürlich nicht von der Bedeutung wie in anderen Religionen. So wurden christliche Gebetsräume ab den frühesten Zeiten geostet und damit verdeutlicht, daß das liturgische Geschehen und besonders sein Höhepunkt in der Eucharistie eine schlechthin kosmische Dimension hat. Wir wenden uns der aufgehenden Sonne zu als Symbol für den auferstandenen Christus, dessen Wiederkunft wir erwarten und werden durch dieses Zeichen zugleich an das konkrete Sich-Zeigen Gottes in der Welt erinnert.

Sagt uns das nicht auch schon die eigene praktische Erfahrung? Wenn in St. Bonifatius, in „unserem“ Karmel, während der Messe die Sonne aufgeht, bedarf es da noch besonderer Erläuterungen? Oder spürt man nicht einfach, diese Richtung stimmt und der (frühe) Morgen ist die richtige Zeit für die Messe? (Weshalb übrigens die Abschaffung der 8.30 Uhr Messe dort ein dauerhafter Verlust bleibt) Und was man von dem gelegentlich zu hörenden Spruch zu halten hat, der Herr habe ja eigentlich ein Abend-mahl gespendet und keine Frühmesse, das spürt man hoffentlich gleich mit…

Ja, und dann brach bei uns die furchtbare Zeit der „Altarinsel“ in der Pfarrkirche an, als die Drohung im Raum stand, es könne dauerhaft so kommen und manche ja auch fast alles dafür taten, wie z.B. in Erfurt wahrheitswidrig zu behaupten, es seien ja eigentlich alle dafür. Ganz egal, daß die Praktiker sagten, nun funktioniere der Raum von den Abläufen her überhaupt nicht mehr, egal, daß ganze Teile des Kirchenraums quasi dysfunktionalisiert wurden (was sollte denn der Chorbereich nun noch sein außer Weihnachtsbaumaufstellplatz?), egal scheinbar, daß über Wochen unser kleines Ständerkreuz jeden Sonntag woanders stand! Egal vor allem scheinbar auch, daß sich das ganze Geschehen wegbewegte vom großen Kruzifix, das im Altarraum verloren hängen geblieben war. Die Assoziation „Weg vom Kreuz“ war überhaupt nicht zu vermeiden und sie war in höchstem Maße schmerzhaft!

Und warum das alles? Wegen einer theologischen Mode aus den, ahnen Sie es schon? Genau: Aus den 60er Jahren! Denn damals kam das tendenziell nichts weniger als häretische Mißverständnis in Umlauf, das die Eucharistie auf das „Mahl-Geschehen“ verkürzen wollte. Nein, der HERR hat uns/der Kirche nicht aufgetragen ein (Abend-) Mahl zu seinem Gedächtnis zu feiern, er hat die Eucharistie gestiftet mit dem Opfer seiner selbst und damit etwas völlig Neues in die Welt gebracht und dieses Neue will auch „neu“ gefeiert werden. Wenn also in der berüchtigten Gemeindeversammlung zu diesem Thema am 14. März 2009 ein Bild von (irgend-) einer Mahlgesellschaft zur Begründung hochgehalten wurde, man müsse sich zum Gedächtnis jetzt rund um einen „Tisch“ (den Altar) versammeln so war das schon im Ansatz verfehlt. Hinzu kommt, daß neuere Forschungen längst ergeben hatten: In einem Kreis fanden antike Gastmähler gar nicht statt! Vielmehr war hier der Gastgeber bzw. Vorsitzende des Essens mit den Gästen an einer Seite des Tisches versammelt, schauten also grundsätzlich in die gleiche Richtung! Unsere Veralberung damals war also eine doppelte, theologisch und historisch.

So legt also das Wesen dessen, was wir Sonntag für Sonntag feiern dürfen wie das, was wir über das Geschehen im Abendmahlssaal ahnen können, nahe, genau das zu tun, was die Kirche durch Jahrhunderte getan hat: Uns gemeinsam, Priester und Volk, dem Herren zuzuwenden! Die Erhabenheit dessen, was da geschieht übersteigt („transzendiert“) ohnehin alles denkbare menschliche Handeln und Interagieren, weshalb der Priester in diesem Moment ja auch „in persona Christi“ handelt. Ob man ihm dabei ins Gesicht sehen kann ist bestenfalls nebensächlich, schlimmstenfalls störend. Und deshalb ist die immer noch anzutreffende Polemik gegen das „altmodische“ „Zelebrieren mit dem Rücken zum Volk“ ja auch ein so ein schwer nachvollziehbares Mißverständnis, erklärbar leider nur mit dem Verlust des Empfindens dafür, worum es eigentlich geht: Um den HERREN selbst. Seine sakramentale Anwesenheit ist alles, was in diesen Augenblicken zählt, nichts sonst und alles, was davon ablenken könnte ist folglich zu vermeiden.

Aber auch wer dem Gedankengang so weit gefolgt ist könnte jetzt einwenden: Wenn wir uns dem Herren gemeinsam zuwenden sollen, und die korrekte Richtung dafür ist nach Osten, sollen wir dann in „Herz-Jesu“ künftig während der Wandlung alle mit dem Gesicht zur Orgel stehen? Oder alles nochmal ganz anders einräumen? Haben wir nicht gerade gelesen wie schrecklich es sein kann, in der Kirche zuviel umzuräumen?

Keine Sorge! Es gibt eine Lösung für Kirchengebäude, die nun einmal nicht geostet sind und niemand geringerer als Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat sie aufgezeigt in seinem Buch: Der Geist der Liturgie, Freiburg, 2. Aufl. 2006, hier bes. S. 64 – 72, auf dem im übrigen alle theologischen Einlassungen dieses Eintrags beruhen, und das ich nur wärmstens, allerwärmstens!, zur Lektüre empfehlen kann (KÖB!).

Wir haben es gerade während seines Besuchs selber in jeder Messe sehen können; die Lösung ist: Ein Kreuz auf dem Altar! Hören wir ihn in seinen eigenen Worten:

„Die Richtung nach Osten wurde […] mit dem »Zeichen des Menschensohns« in Verbindung gebracht, mit dem Kreuz, das die Wiederkunft des Herrn ankündigt. So wurde der Osten sehr früh mit dem Kreuzeszeichen verbunden. Wo die direkte gemeinsame Zuwendung zum Osten nicht möglich ist, kann das Kreuz als der innere Osten des Glaubens dienen. Es sollte in der Mitte des Altares stehen und der gemeinsame Blickpunkt für den Priester und für die betende Gemeinde sein. So folgen wir dem alten Gebetsruf, der an der Schwelle der Eucharistie stand: »Conversi ad Dominum« – Wendet euch zum Herrn hin.“ (Hervorhebung von mir)

Und? Rechne ich damit, daß wir in Weimar dem Beispiel des Hl. Vaters folgend bald ein solches Kreuz auf dem Altar sehen werden? Leider nein, obwohl die Fernsehbilder der Papstmessen ja unzweifelhaft deutlich werden ließen, daß trotzdem die „Akteure vor der Kamera“ (vgl. Vermeldungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis, S. 2, interessantes Selbstbild, das da zum Vorschein kommt, oder?) in den ach so wichtigen ZDF-Gottesdiensten noch zu sehen sein würden (auch wenn das während der Eucharistie i.e.S. eben völlig unerheblich ist!).

Nein, jetzt komme ich mit dem zweiten Teil der Überschrift dieses Eintrags zur Pointe dieser skizzenhaften Einlassungen.

Es ist schon soweit! Seit der Altar wieder da steht, wo er hingehört, hängt das Kreuz ja  genau in der Mitte darüber!

Wir haben es also schon, das objektive liturgisch-architektonische Element ratzingerscher Prägung, den gemeinsamen Blickpunkt, unseren Weimarer „inneren Osten“.

Und alle, die es sehen wollen, dürfen sich jetzt im Hochgebet, genauer bei den Intercessiones, die ja aussprechen, daß die Eucharistie in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche begangen wird, noch intensiver mit genau diesem Hl. Vater verbunden fühlen. Den Kopf um ein weniges heben genügt.

Tja, so kam es, daß ich „lernte die Pfarrkirche zu lieben“ und mittlerweile kann ich es sogar genießen, wenn in einer Abendmesse die Sonne durch die Fenster scheint… 😉

 

Wo Sie grad‘ sagen: „Titularorganist“!

Das „Wo Sie grad‘ sagen…“ in der Überschrift muß man vielleicht erklären. Es handelt sich um eine rhetorische Figur aus dem Rheinland und sie wird dort gerne gebraucht, um das Thema zu wechseln/ein völlig neues Thema anzuschneiden und zwar gänzlich unabhängig davon, ob der Gesprächspartner auch nur im weitesten Sinne vorher etwas davon erwähnt hatte… 😉

Aber in diesen Zeilen kam ja das Stichwort vor kurzem sehr wohl vor (hier) und so fragen wir uns also: Was ist das denn, ein Titularorganist?

Nun, wir alle kennen das Phänomen wohl vor allem aus Frankreich. Dort, so hat man das Gefühl, wimmelt es nur so von Titularorganisten an berühmten Kirchen, allen voran natürlich Notre Dame in Paris und einen von gleich vier Titularorganisten, die es dort gibt, haben wir ja vor kurzem in Person von Olivier Latry zur Abnahme der neuen Orgel der Musikhochschule in unserer Pfarrkirche erleben dürfen.

Daraus darf man ja zunächst einmal schließen, das Instrument ist eines berühmten Organisten wert, nicht wahr?

Und wenn man weiter überlegt, so scheint das Ganze eine Angelegenheit auf Gegenseitigkeit zu sein: Ein herausragender Organist und eine Kirche mit einem herausragenden Instrument geben sich gewissermaßen wechselseitig die Ehre. Zum beiderseitigen Nutzen.

Da fragt sich doch der unvoreingenommene Beobachter: Wäre das nicht auch etwas für uns?

Freilich hört man gelegentlich auch von Eifersüchteleien seitens der hauptamtlichen Organisten/Kantoren aber das kann ja offenkundig nur dort ein Problem werden, wo es so etwas wie hauptberufliche Kirchenmusiker überhaupt gibt und das ist ja bekanntlich an Herz-Jesu-Weimar nicht der Fall. Daß die ob ihres nimmermüden Einsatzes nicht hoch genug zu schätzenden Ehrenamtler über Verstärkung klagen würden ist hingegen schon deswegen nicht anzunehmen, weil sie sich mit der Gewöhnung an das neue große Instrument zumindest in einzelnen Fällen ja sowieso schon schwer getan haben! (Umso toller, daß sie dann doch gelungen ist!)

Tja, also, was spräche dagegen?

Fiele uns nicht allen eine Person ein, die ein solches Amt nicht nur unzweifelhaft wunderbar ausfüllen würde, sondern die es auch angesichts ihrer Mühen um das Entstehen dieses Instruments mehr als verdient hätte?

Müßte die Frage also nicht eigentlich lauten: Warum haben wir nicht bereits eine solche Funktion an der Pfarrkirche?!